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Autorenexemplar – nur zur persönlichen Verwendung

2016
»Ihren vorläufigen Höhepunkt findet die reaktionäre Rehabilitierung der
Salonmalerei in den Unternehmungen des ›Art Renewal Center‹ –
ein 2000 gegründetes Steckenpferd des Millionärs und Bouguereau-
Sammlers Fred Ross. Als jemand, der wie ich über Édouard Manet
promoviert hat, fühlt man sich auf der Homepage wie ein Darwinist zu Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken
Besuch bei den Kreationisten.«
Barbara Wittmann
Reinhard Brandt, Die Lobby der Tiere
Barbara Wittmann, Revival der Salonmalerei
»Hannah Arendt hat als Erste die radikale Provokation beschrieben
Thomas Thiemeyer, Deutschland postkolonial
und durchdacht, die von der Figur des Flüchtlings ausgeht, woran
wiederum als Erster Giorgio Agamben erinnert und angeschlossen hat;
Christoph Menke, Zurück zu Hannah Arendt
alle seine vermeintlichen Übertreibungen – das Lager als die Wahrheit der
Andreas Eckert, Über Achille Mbembe
modernen Politik – werden in der gegenwärtigen Krise wahr.«
Jan Wilm, Louis C. K., Comedian
Christoph Menke
Jan von Brevern, Museumsbesuch in Los Angeles

»Selbst den hartnäckigsten Verfechtern studentischer Selbstbestimmung


Erika Thomalla, Anwesenheitspflicht an Hochschulen
leuchtet unmittelbar ein, dass man ein Studium der Biologie oder der
Markus Knell, Politique Automatique
Chemie nur unter der Bedingung regelmäßiger Anwesenheit in Laboren
Hannes Böhringer, Wer da?
erfolgreich bewältigen kann. Dass auch wissenschaftliche Basis-
Harry Walter, Frauen mit Pudel
operationen wie das Analysieren, Verstehen oder Interpretieren von
Texten nur durch wiederholtes Training und in der Interaktion mit
anderen erlernt werden können, scheint dagegen schwer vermittelbar
zu sein.«
Erika Thomalla

70. Jahrgang, Juli 2016


806
806

Klett-Cotta
ISSN 0026-0096 www.merkur-zeitschrift.de 12 €
© Klett-Cotta Verlag, J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Rotebühlstr. 77, 70178 Stuttgart
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KRITIK

Philosophiekolumne Aber welche Alternativen sind das? Worin


besteht der Gegensatz, den die Flücht-
Zurück zu Hannah Arendt –
lingskrise hervortreibt? Und spiegelt der
die Flüchtlinge und die Krise der
Gegensatz, in dem sich die öffentliche De-
Menschenrechte
batte der letzten Monate bewegt, die wah-
Von Christoph Menke re Herausforderung dieser Krise? Mark
Siemons hat die Grundlinie dieser De-
batte so rekonstruiert: Dem »›humanen
L ängst ist klar, dass die Wucht, mit der Imperativ‹ (Merkel), der von der Not der
die »Flüchtlingskrise« in die europäischen Flüchtlinge ausgeht«, steht der »›territo-
Verhältnisse eingebrochen ist,1 nicht nur riale Imperativ‹« (Sloterdijk) gegenüber,
eine Folge der  – anfangs unübersehbar »der durch den staatlichen Kontrollver-
scheinenden – Menge der Ankommenden lust gefährdet ist«.2 Ist das aber die ganze
ist. Sie ist daher auch nicht nur ein Aus- Alternative, vor der wir stehen: »human«
druck der Panik angesichts der unbezwei- oder »territorial«, Merkel oder Sloterdijk?
felbaren Größe und Schwierigkeit der an- Bevor wir uns darüber der Melancholie
stehenden logistischen, administrativen, (oder Verzweiflung) hingeben, sollten wir
ökonomischen Aufgaben. Es ist vielmehr noch einmal einen Schritt zurücktreten.
die Wucht einer Erschütterung der politi-
schen Einheit, ja der normativen Grund-
Noch einmal zurück zu Arendt
lagen der europäischen Verhältnisse, auf
die man umso mehr vertraut hatte, umso Dieser Schritt führt zu Hannah Arendt.
weniger sie jemals wirklich in Anspruch Sie hat als Erste die radikale Provokation
genommen und nur vage beschworen, beschrieben und durchdacht, die von der
aber nicht ausgesprochen werden muss- Figur des Flüchtlings ausgeht (woran wie-
ten. In der Flüchtlingskrise zerfällt die derum als Erster Gior­gio Agamben erin-
politische Einheit, weil sich erweist, dass nert und angeschlossen hat; alle seine ver-
die normative Grundlage nicht nur gänz- meintlichen Übertreibungen – das Lager
lich unklar, sondern völlig strittig ist. als die Wahrheit der modernen Politik  –
Die Krise ist der Moment, in dem die werden in der gegenwärtigen Krise wahr).
Alternativen scharf gegeneinander treten Diese Provokation gründet in einer
und sich der weitere Verlauf entscheidet. schockhaften Erfahrung. Es ist die Erfah-
rung des »Zusammenbruchs« einer Poli-
1 Ich kümmere mich im Folgenden nicht um tik, die sich auf die Menschenrechte be-
die Frage, ob und wie etwa zwischen Migran- ruft. Arendt: »Der Begriff der Menschen-
ten und Flüchtlingen unterschieden werden
könnte. Es geht hier nicht um die Gründe
und Umstände ihres Weggehens, sondern um 2 Mark Siemons, Der nackte Mensch. In: FAS
die Weise ihres Ankommens. vom 20. März 2016.

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rechte brach genau in dem Augenblicke Dem widerspricht die »humanitäre«


zusammen, als seine Bekenner zum ersten Haltung, die die schockierende Gleich-
Male mit Leuten konfrontiert wurden, die gültigkeit gegenüber der Forderung der
in der Tat alle anderen besonderen Quali- Rechte, die durch die ankommenden An-
täten und besonderen Beziehungen einge- deren erhoben werden, selbst noch ein-
büßt hatten, so daß von ihnen nichts übrig mal im Namen der Idee der Rechte, also
geblieben war als eben Menschsein. Die normativ, kritisiert und als unmoralische
Welt hat an der abstrakten Nacktheit des Hartherzigkeit oder Selbstbezogenheit
Menschseins an sich nichts Ehrfurchterre- verwirft. Arendts Schlussfolgerung aus
gendes finden können.« Mit dem Auftau- dem Zusammenbruch der Menschenrech-
chen der Flüchtlinge zerfällt nach Arendts te ist weder die eine noch die andere: We-
Einsicht die Idee der Menschenrechte. der glaubt sie, dass die Menschenrechte
Hannah Arendt hat diese schockhafte gegen ihren faktischen Zusammenbruch
Erfahrung zuerst in der Kritik beschrie- verteidigt werden können, noch ist sie be-
ben, die sie im Jahr ihrer Proklamation reit, ihren Universalismus einem Prinzip
an der Allgemeinen Erklärung der Men- partikularer Zugehörigkeit zu opfern. Im
schenrechte geübt hat.3 Darin zieht sie aus Gegensatz zu den Humanitären versteht
dieser Erfahrung eine Konsequenz, die vor Arendt die Krise der Menschenrechte so,
dem Hintergrund der heutigen Debatten dass sie eine fundamentale, also radika-
völlig überraschend, ja verwirrend ist. Sie le Kritik dieser Idee notwendig macht; im
weist in einem Zug beide Haltungen zu- Gegensatz zu den Realisten folgert sie da-
rück, deren eingeübtes Wechselspiel un- raus nicht die Verklärung des bloß Gege-
sere gegenwärtige Diskussion bestimmt; benen zum Notwendigen, das nichts als
das macht Arendts Gedanken interessant. begrenzte Verantwortlichkeiten zulasse.
Das eingeübte Wechselspiel geht so: Arendts Alternative zu beiden ist eine an-
Auf der einen Seite steht eine »realistische« dere Kritik der Menschenrechte.
Deutung der berichteten Zusammen-
bruchserfahrung. Sie verlangt (mit weber­
Mangel an Wirklichkeitssinn
schem Pathos), der Wirklichkeit tapfer
und nüchtern ins Auge zu sehen und anzu- Es ist nicht nur dieses Ziel, durch das
erkennen, dass Menschen sich nicht durch ­ Arendts Position die Linien der gegen-
die Rechte Anderer, sondern durch ihre wärtigen Debatte durchbricht. Es ist vor
eigenen Interessen oder Wünsche oder allem auch der Einwand gegen die Men-
Ängste bewegen lassen, um die sich das schenrechte, den sie dabei formuliert.
Gemeinwesen zu kümmern hat, dem sie Dieser Einwand, erhoben gegen die All-
angehören (und die Anderen, die Flücht- gemeine Erklärung der Menschenrechte,
linge, eben nicht). lautet, dass sie »auffällige Mängel an
Wirklichkeitssinn« zeigt. Die Idee und
tik der Menschenrechte hat nach
Poli­
3 Hannah Arendt, Es gibt nur ein einziges
A
­ rendt keinen Sinn für die Wirklichkeit.
Menschenrecht. In: Die Wandlung, IV, Steht Arendt also doch auf der Seite der
Dezember 1949. Realisten und damit einer Kritik an den

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Philosophiekolumne 51

Menschenrechten, die das Wirkliche ge- Burke und Marx rücken die moderne
gen das Geforderte und Gesollte ausspielt Form der individuellen oder subjektiven
und damit das bloß Vorhandene zum Un- Rechte ins Zentrum. Diese Form subjek-
veränderlichen erklärt? tiver Rechte übernimmt die Idee der Men-
Die Wirklichkeit, die die Politik der schenrechte blindlings, ohne sich darü-
Menschenrechte nach Arendt verkennt, ber Rechenschaft abzulegen: Sie denkt in
ist aber gar nicht diejenige, die ihr als den »Kategorien des 18. Jahrhunderts«
Rea­li­tät gegenübersteht (und von der sich ­(Arendt), ohne diese Kategorien selbst zu
mehr oder weniger gesichertes posi­tives denken. Wenn man die Krise verstehen
Wissen gewinnen lässt).4 Der Politik der will, in die das Auftauchen des Flüchtlings
Menschenrechte fehlt vielmehr ein Sinn die Menschenrechte stürzt, muss man
für ihre eigene Wirklichkeit: Sie kann sich zunächst die Form der Rechte selbst in
selbst nicht verstehen  – sie weiß nicht, den Blick nehmen. Erst dann kann man
was sie tut. Und weil sie ihre eigene Wirk- verstehen, welche Antwort diese Krise
lichkeit nicht versteht, hat sie Wirkungen, verlangt: wie das Recht des Flüchtlings
die sie nicht nur nicht absehen kann, son- jenseits der Form der Rechte zu denken
dern die sich zerstörerisch gegen sie selbst ist.
wenden.
Die andere Kritik der Menschenrech-
Von einer Partei zum Grundprinzip
te, zu der uns die Erfahrung ihres Zusam-
menbruchs nach Arendt nötigt, verlangt Eine andere Weise, diese Konsequenz zu
also, die Menschenrechte nicht in ihrem formulieren, besagt, dass das Auftau-
normativen – moralischen, humanitären, chen des Flüchtlings dazu nötigt, die Idee
egalitären – Gehalt, sondern in ihrem so- der Menschenrechte aus ihrer Verklam-
zialen Funktionieren zu betrachten. Diese merung mit dem Liberalismus zu lösen.
Forderung führt Arendt auf die konserva- Denn das Grundaxiom des Liberalismus
tive Kritik an der Französischen Revoluti- besagt, dass die Gerechtigkeit und damit
on durch Edmund Burke zurück; sie hät- die Legitimität der politischen Ordnung
te auch die sozialistische Kritik durch darin besteht, die individuellen Rechte
Marx nennen können. Denn beide Kriti- aller zu garantieren. Diese Annahme
ken kommen in einem überein: Sie richten scheint uns das Allerselbstverständlichs-
sich nicht gegen die Absichten und Ziele te: Gegen Ungerechtigkeit und für die
der Menschenrechte, sondern gegen ihre Gleichheit zu sein, heißt, kann nur hei-
Form. ßen, für individuelle, subjektive Rechte zu
sein. Dass uns dies als eine alternativlo-
4 Darum, welcher Art dieses Wissen ist – und se Selbstverständlichkeit erscheint, bringt
damit natürlich auch, wer es hat: der Philo- aber nur zum Ausdruck, dass wir alle Li-
soph oder der Politikwissenschaftler –, ging berale geworden sind. Zwar mag es zu-
der Streit, den Peter Sloterdijk und Herfried treffen, dass der Liberalismus als eine Par-
Münkler im März 2016 in der Zeit geführt
haben. Aus Arendts Sicht ist dieser Streit
tei, die im Gegensatz zu anderen steht, im
obsolet: Er hat einen falschen Wirklichkeits- Verschwinden begriffen ist. Zugleich aber
begriff. ist es dem Liberalismus gelungen, sei-

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52 Christoph Menke

ne parteiliche Grundannahme als unum- Herrschaft des individuellen Willens« (Sa-


strittenes Grundprinzip der soziopoliti- vigny).
schen Ordnung zu etablieren. Solange der Liberalismus die Idee der
Das Erstaunliche an diesem Aufstieg Rechte so bestimmte, war er ganz offen-
liegt darin, dass und wie es dem Liberalis- sichtlich – und meist auch ausdrücklich –
mus gelungen ist, seinen initialen Grund- die Partei der Besitzenden; Rechte hieß Si-
gedanken so zu reformulieren, dass er cherheit im Privateigentum. So hat Marx
diese schlechthin umfassende Geltung (in Zur Judenfrage) die Idee der libera-
zu gewinnen vermochte. Geboren ist der len Rechte bekämpft. Zum normativen
Liberalismus  – der »klassische Liberalis- Grundprinzip wurde die Form der Rech-
mus« von Humboldt, Constant, Tocque- te allerdings erst, als es gelang, die kon-
ville und Mill  – aus der Reaktion gegen kurrierende Freiheitsidee zu absorbieren,
staatlichen Absolutismus und revolutio- die vor allem die Arbeiterbewegung gegen
nären Moralismus.5 Deshalb definiert er den »klassischen Liberalismus« (Geuss)
die soziopolitische Ordnung als eine Ord- ins Feld geführt hat.
nung der Rechte: als die Ordnung, die Für den klassischen Liberalismus hieß
die Rechte jedes Einzelnen schützt. Da- Freiheit, soweit die Politik sich darum zu
her der Name »Liberalismus«, denn das kümmern hatte, die nach außen gesicher-
versteht er unter Freiheit: Freiheit, so defi- te Möglichkeit, nach eigenem Willen zu
niert Benjamin Constant, das sind für den handeln. Die »sozialistischen Grundrech-
»Modernen« die »Rechtsgarantien«, die te«, vorweg die Rechte auf Arbeit und Bil-
»die Institutionen seinem privaten Genuß dung, auf Altersvorsorge und Kranken-
gewähren«; Freiheit ist, liberal verstanden, versicherung, die die Arbeiterbewegung
»Sicherheit im privaten Genuß«. proklamiert, verstehen die Freiheit radikal
Der Aufstieg des Liberalismus von ei- anders: Freiheit ist die zu gewährleistende
ner Partei zum Prinzip bestand in nichts Möglichkeit der sozialen Teilhabe. Solan-
anderem als darin, diese Form  – die un- ge die Freiheit altliberal als ungestörte pri-
verletzbaren Rechte des Einzelnen  – als vate Verwirklichung des eigenen Willens
Modell legitimer politischer Regelungen verstanden wird, bleiben ihre tatsächli-
überhaupt durchzusetzen. Dafür war es chen sozialen Voraussetzungen unsichtbar.
entscheidend, das enge, privatistische Ver- Werden diese Voraussetzungen hinge-
ständnis hinter sich zu lassen, das Con- gen (durch soziologische Reflexion und
stant exemplarisch formuliert hatte: die sozialistische Agitation) ans Licht ge-
Rechte als institutionelle Garantie des pri- bracht, dann wird die Teilhabe an all den
vaten Genusses; in protestantisch-deut- sozialen Zusammenhängen und Institu-
scher Fassung (also ohne an den Genuss tionen, in denen der Einzelne allein han-
zu denken): als »ein Gebiet unabhängiger deln kann, zum Inhalt der Rechte. Die
Rechte sind jetzt Teilhaberechte: Die ur-
sprünglich parteiliberale Form der Rech-
5 Raymond Geuss, Liberalism and Its Discon-
te wird sozialliberal. Der Liberalismus als
tents. In: Ders., Outside Ethics. Princeton Partei hat abgedankt; die liberale Form
University Press 2005. der Rechte ist universal geworden.

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Philosophiekolumne 53

gie« der Rechte ist ihr normaler Zustand.6


Das Paradox der Rechte
Es gibt keine Rechte jenseits ihrer Patho-
Die Universalisierung der Form der Rech- logie. Genau dies ist die »Wirklichkeit«,
te setzt ihre Neutralisierung voraus. Die die die Politik in der Form der Rechte stets
liberale Grundannahme lautet: Die For- erneut hervorbringt und nach Arendts
derungen der Gerechtigkeit können, ohne eingangs zitierter Diagnose ebenso hart-
Verlust, durch die Sicherung von Rech- näckig nicht sehen will oder kann. Aber
ten verwirklicht werden. Rechte aber ver- warum geschieht das? Durch welchen
zerren, durch ihre Form, ihre eigenen Form-Mechanismus unterlaufen die Rech-
gerechten Ziele. Der klassische Libera- te immer wieder ihre guten Absichten?
lismus will die freie, vernünftige, verant- Sie tun das dadurch, wie sie berechti-
wortliche, selbstbestimmte Lebensfüh- gen: Ein Recht berechtigt den Einzelnen,
rung ermöglichen – aber Rechte können etwas zu wollen und zu tun. Es sichert
nur den ungestörten »privaten Genuß« oder gewährt dem Einzelnen etwas: Es si-
(Constant) oder die »unabhängige Herr- chert ihm private Spielräume, oder es ge-
schaft des individuellen Willens« (Savi- währt ihm soziale Chancen. Diese wer-
gny) garantieren: Aus der angestrebten den dadurch sein Eigenes; alle Rechte, ob
Autonomie wird die rechtlich garantierte klassisch oder sozialliberal, sind »Eigen-
Willkür. rechte« (Roberto Esposito). Das bedeutet:
Und der Sozialliberalismus will die ak- Mit dem, worauf er ein Recht hat, kann
tive, soziale Teilhabe ermöglichen, aber der Einzelne tun, was er will. Er darf nur
Rechte können nur Ressourcen, Vermö- nicht in die gleichen Rechte des Anderen
gen, Zugangsmöglichkeiten zur individu­ eingreifen. Deshalb ist die Ausübung mei-
ell beliebigen Nutzung bereitstellen: Aus nes Rechts, das, was ich mit meinem Eige-
der angestrebten Partizipation wird der nen tue, auch meine eigene Sache. Wenn
rechtlich garantierte Konsum. Mit der ich ein Recht auf etwas habe, dann ist al-
Einführung jedes neuen Rechts beginnt les, was ich in Ausübung dieses Rechts tue,
daher sogleich die Klage über seinen dadurch dem Eingriff und der Kritik, ja
»Missbrauch«: Die privaten Spielräume schon dem Urteil der Anderen entzogen.
werden gar nicht vernünftig, zur Persön- Es ist für sie eine Tatsache, wie ein bloßes
lichkeitsentfaltung, sondern hedonistisch Stück Natur – das sie als etwas Gegebenes
oder egoistisch, nach eigenem Belieben, hinzunehmen haben.
genutzt; die sozialen Zugangsmöglich- Das ist der grundlegende Einwand ge-
keiten, die die sozialen Rechte – auf Bil- gen die liberale Politik der Rechte, den
dung, auf Arbeit, auf Absicherung gegen Arendt mit den Antipoden Burke und
Krankheit und Armut usw. – gewährleis- Marx, der konservativen und der kom-
ten, werden gar nicht sozial und zur akti- munistischen Kritik des Liberalismus,
ven Partizipation genutzt, sondern allein teilt. Mit Foucault kann man daher sagen,
und konsumistisch verzehrt. dass diese Politik »viel eher ein Naturalis-
Aber dieser Missbrauch der Rechte,
den die liberale Politik beklagt, ist nichts 6 Vgl. Axel Honneth, Das Recht der Freiheit.
anderes als ihr Gebrauch. Die »Patholo- Berlin: Suhrkamp 2011.

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mus als ein Liberalismus ist« (Die Geburt verwandelt werden, sondern so sind – und
der Biopolitik). Rechte naturalisieren: Sie bleiben –, wie sie nun mal sind.
verwandeln das Handeln, das sie ermög-
lichen, in eine bloße Tatsache. Denn sie
Das Recht des Flüchtlings
behandeln schon das Wollen, das sie si-
chern, als eine bloße, naturhafte Tatsache. Für die Anhänger der Menschenrechte ist
Zu behaupten, dass Menschen ein Recht heute der Flüchtling das ultimative Sub-
auf privaten Genuss haben, heißt davon jekt der Rechte: Dem Flüchtling gerecht
auszugehen, dass privaten Genuss zu wol- zu werden heißt, ihn als ein Subjekt mit
len ihr natürlicher Zweck, ein Zweck der unabdingbaren Rechten  – dem Recht
Menschen von Natur aus, ist. Dass wir auf Hilfe, Schutz, Aufnahme, Versorgung
diesen Zweck wollen, ist unhintergeh- usw. – zu sehen. Denn jeder Flüchtling ist
bar  – unveränderbar. Wir erwarten vom ein Mensch; ein Mensch zu sein heißt, für
Recht nicht mehr, dieses natürliche Wol- sich bestimmte, elementare Dinge zu wol-
len in ein anderes, besseres zu verwandeln: len; diese Tatsache, die Tatsache dieses
etwa in das Wollen des gemeinsamen Gu- Wollens, bringen Rechte zur Geltung. Ge-
ten. Sondern das Recht soll den Willen der rade der Flüchtling, der in der »abstrakten
Subjekte hinnehmen, wie er ist, und ihn Nacktheit des Menschseins an sich« vor
sichern und schützen. Rechte berechtigen uns auftaucht, als isolierter, aller sozialen
uns um den Preis, dass sie uns naturali- Zusammenhänge beraubter Einzelner, ist
sieren. ein Subjekt mit Rechten.
Und zu naturalisieren heißt: zu iso- Hannah Arendt zieht aus der Erfah-
lieren, zu vereinzeln. Rechte haben ihre rung des Flüchtlings die entgegengesetz-
Grundlage in der Tatsache, dass wir et- te Schlussfolgerung: Gegen die Maßnah-
was wollen. Was wir wollen und durch men, die, ob nun national oder europäisch,
Rechte gesichert wird, ist fast immer et- eine Abriegelung des eigenen Territori­
was Soziales: etwas, das wir nur mit An- ums betreiben und den Flüchtling an des-
deren oder durch Andere tun können; sen Grenzen in Lagern unterbringen, hilft
selbst der private Genuss ist eine soziale die Berufung auf seine Rechte nichts.
Tätigkeit. Aber dass wir dies wollen, ver- Nach ­Arendt kommt in dem Zusammen-
stehen die Rechte als eine Tatsache, die für bruch des Begriffs der Menschenrechte
jeden von uns bloß als Einzelnen zutrifft. vielmehr eine Wahrheit über sie zum Aus-
Das Gewollte mag sozial und kultu- druck. Die Menschenrechte können hier
rell sein, das Wollen selbst, auf das sich nicht helfen. Sie sind ein Teil des Problems,
die Rechte gründen, ist es nicht; es ist das nicht der Lösung: nicht weil es ihnen um
Wollen des Einzelnen als solches. Dass je- den Menschen geht, sondern weil sie
der Einzelne, alleine und für sich genom- Rechte sind; nicht weil sie Menschenrech-
men, etwas will, ist die Tatsache, von der te, sondern weil (und soweit) sie Men-
die Konstruktion von Rechten ausgeht. schenrechte sind.
Darin sind alle Rechte »atomistisch«: Worin dieses Problem besteht, zeigt
Die Subjekte der Rechte sind Atome, die schlagend Konrad Otts soeben erschiene-
durch ihre rechtliche Anerkennung nicht ne Analyse der Debatte um die Zuwan-

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Philosophiekolumne 55

derung.7 Darin scheint es so, dass die ei- zelner, auch, ja gerade wenn er als Masse
nander bekämpfenden Positionen durch auftritt (denn die Masse besteht aus Ein-
fundamentale philosophische Grundent- zelnen). Es geht also beiden um dasselbe
scheidungen einander entgegengesetzt Verhältnis zwischen einem Wir und einem
sind. Dem menschenrechtlichen Argu- Du (oder einem Ihr und einem Ich), das
ment liegt demnach ein »normativer In- nicht ein Mitglied ist.
dividualismus« zugrunde: Jeder einzelne Arendts Kritik an den Menschenrech-
Mensch hat, bloß als Mensch und bloß ten hat die entgegengesetzte Konsequenz;
als Einzelner, moralische Ansprüche, die dadurch sprengt sie den Rahmen der ge-
allen anderen Anforderungen und Zwe- genwärtigen Debatte. Ihre Konsequenz
cken gegenüber unbedingten Vorrang ha- lautet, dass man diese Struktur selbst in
ben. Die entgegengesetzte Position denkt Frage stellen muss. Und genau deshalb
dagegen von den Gemeinwesen, zumeist muss man die überkommene Idee der
Staaten, her, die diese Ansprüche erfül- (Menschen)Rechte aufgeben. Denn sie
len sollen; aus ihrer Perspektive gibt es bleibt innerhalb dieser Struktur: Sie will
»Hilfspflichten«, die aber sind relativ zu die Rechte des Einzelnen gegenüber den
Erwägungen der Machbarkeit oder ande- Eigeninteressen der Kollektive zur Gel-
ren langfristigen Zielen. Das Subjekt der tung bringen. So aber kann man dem
Rechte ist das Individuum, das Subjekt Flüchtling gerade nicht gerecht werden.
der Hilfspflichten dagegen sind die poli- Um das zu tun, muss man nicht seine
tisch verfassten Kollektive. Rechte, sondern  – so Arendts (bis zur
Zwischen dem Denken von der einen Sinnentleerung repetierte) Formel – sein
und von der anderen Seite her scheint der »Recht auf Rechte« anerkennen. Das
»abgrundtiefe Gegensatz« zu herrschen, Recht auf Rechte ist aber selber kein sub-
den Max Weber zwischen einer (men- jektives Recht. Es hat nicht die Form eines
schenrechtlich-moralischen) Gesinnungs­ Rechts: Es naturalisiert uns nicht und ver-
ethik und einer (politisch abwägenden) einzelt uns daher nicht.
Verantwortungsethik festgestellt hat. Es Dass die Idee der Menschenrechte durch
ist aber gar nicht zu übersehen, dass sie das Auftauchen des Flüchtlings zusam-
sich im Grundsätzlichen ganz einig sind. menbricht, enthüllt eine Wahrheit. Diese
Diese Übereinstimmung betrifft die On- Wahrheit lautet: Der Flüchtling hat keine
tologie der Situation, auf die sie reagie- Rechte. Aber er hat ein Recht auf Rech-
ren. Es ist dieselbe Struktur, innerhalb de- te. Das Recht auf Rechte ist das Recht
rer sie dann von verschiedenen Seiten her auf Mitgliedschaft, auf Teilsein (in einem
schauen  – von den Flüchtlingen her auf Gemeinwesen, in dem es dann alle mög-
die Staaten oder von den Staaten her auf lichen weiteren Rechte geben kann). Der
die Flüchtlinge. Es stehen sich also gegen- Flüchtling hat also keine Rechte, aber er
über: das Gemeinweisen und der Flücht- hat das viel grundlegendere, schlechthin
ling, und der Flüchtling ist immer ein Ein- entscheidende Recht, ein Mitglied zu sein.
Und das heißt nicht: das Recht, ein Mit-
7 Konrad Ott, Zuwanderung und Moral. glied zu werden; also nicht das Recht, dass
Stuttgart: Reclam 2016. ihm die soziale Mitgliedschaft und damit

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die Möglichkeit der Teilhabe als etwas Ei- Einen ein Recht darauf hat, während nach
genes zugewiesen wird, das er so oder so Ansicht der Anderen die bestehenden Kol-
(oder auch gar nicht) nutzen kann. Son- lektive es ihm verweigern können. Son-
dern es heißt, als der anerkannt zu wer- dern der Flüchtling ist ein Mitglied. Denn
den, der er seinem Wesen nach schon ist. der Mensch – so sagt es Marx, der ande-
Die Mitgliedschaft in einem Gemeinwe- re moderne Aristoteliker – hat oder will
sen ist nicht ein weiterer Inhalt des »natür- nicht einen Anteil, sondern der Mensch
lichen« Wollens des Menschen. Sondern ist ein »Anteil«.
der Mensch – so übersetzt Arendt Aristo- Jetzt haben wir einen ganz anderen
teles’ Bestimmung als »politisches Tier« – Streit. Bisher war es der Streit zwischen
ist »ein Wesen, das durch Gemeinschaft den Ansprüchen der vielen einzelnen
definiert ist«. In Gemeinschaft, also ein Fremden und den Ansprüchen des poli-
Teil zu sein, definiert, wie der Mensch will tisch verfassten Gemeinwesens, in dem
oder was der Mensch ist. Es gibt keinen der Flüchtling ankommt: Der Flüchtling
Menschen, der kein Teil, kein Glied ist. Es will geschützt, versorgt, gepflegt, aufge­
gibt nur Verhältnisse, in denen das igno- nommen werden, das Gemeinwesen aber
riert, gar negiert wird, und solche, in de- will sich und sein bisherigen Leben er-
nen es anerkannt und verwirklicht wird. halten. Auch wenn das Gemeinwesen
Das Erste sind unmenschliche, das Zwei- sich entschließen sollte, das, was der An-
te sind gerechte Verhältnisse. kömmling will, als dessen Recht zu be-
trachten, erwartet es daher, dass er für die
Sicherung seiner Rechte mit Anpassung,
Ein anderer Streit
mit Integration zurückzahlt. Gleich nach
Deshalb ist die Idee der Menschenrech- den Rechten kommen die »Werte« – unse-
te für Arendt ein Teil des Problems und re Werte, die der Andere von uns überneh-
nicht der Lösung: Weil (und soweit) es men soll, um hier mitmachen zu dürfen.
sich um subjektive Rechte im modernen, Mit dem Recht auf Rechte ändert sich
liberalen Sinn handelt, fordern sie, den die Situation radikal. Der Flüchtling sagt
Menschen in seiner »abstrakten Nackt- nicht mehr: Ich will oder brauche das oder
heit«, also die natürliche Tatsache seines jenes (und habe als Mensch ein Recht da-
Wollens zu achten und zu schützen – an- rauf). Der Flüchtling sagt jetzt: Ich bin
statt zu sehen, dass er ein soziales, politi- (bloß als Mensch) ein Mitglied, ein sozi-
sches Tier ist; dass sozial und politisch zu aler Teil, ein Teil des Sozialen. Die Ant-
sein nicht ein Inhalt, sondern die Formbe- wort, die ihm entgegenschallt, ist be-
stimmung seines Wollens, nicht ein Ziel, kannt; sie ist laut genug. Die Antwort
sondern das Wesen des Menschen ist. Die lautet: Nicht hier und nicht jetzt; kein
Radikalität von Arendts Überlegung liegt Mitglied oder Teil von uns! Aber das sagt
in der Behauptung, dass der Flüchtling in Wahrheit nur etwas über uns, über das
gar nicht ist, wie er im Fernsehen und in Gemeinwesen, das so spricht. Indem un-
unserer Imagination erscheint: kein nack- ser Gemeinwesen dem Flüchtling sagt,
ter, vereinzelter Einzelner, der ein Mit- dass er als Mensch kein Mitglied unseres
glied werden will – und nach Ansicht der Gemeinwesens ist, sagt es über uns, dass

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Philosophiekolumne 57

wir als Mitglieder unseres Gemeinwesens andere Seite, ja dasselbe ist wie die Unge-
keine Menschen sind: bloß Deutsche, kei- rechtigkeit uns selbst gegenüber.
ne Menschen. Also müssen wir auch umgekehrt die
Denn wenn es wahr ist, dass der Mensch Gerechtigkeit gegenüber dem Flüchtling
als Anteil definiert ist, dann definiert das ganz anders denken, als dies in der Ge-
zugleich, wie wir Anteile oder Mitglieder genüberstellung von Individuen mit ihren
sind. Wir sind dies immer in bestimmten unabdingbaren Rechten und Gemeinwe-
Gemeinwesen oder sozialen Zusammen- sen mit ihren Interessen, Ressourcen und
hängen, daher auf eine bestimmte Wei- Werten möglich ist. Gerechtigkeit gegen-
se. Und darin anders als die Mitglieder über dem Flüchtling zu üben heißt nicht,
anderer Gemeinwesen oder sozialer Zu- ihn als einen oder gar den Anderen zu se-
sammenhänge. Aber wenn jede dieser be- hen, der Ansprüche an uns erhebt. Die
stimmten Weisen die Aktualisierung ei- Gerechtigkeit des Gemeinwesens gegen-
ner Potentialität ist, die allen Menschen über dem Flüchtling ist nicht die Gerech-
gleichermaßen zukommt und die darin tigkeit gegenüber dem Anderen, sondern
unbestimmt ist, dann ist jedes bestimm- gegenüber sich selbst. Sie verlangt von
te Mitglied zugleich ein Mitglied über- uns, einen sozialen Zusammenhang zu
haupt, jeder Teil eines bestimmten sozi- schaffen, in dem es wahr ist, dass wir so-
alen Zusammenhangs zugleich Teil eines ziale Anteile sind (oder dass wir das Recht
Gemeinwesens überhaupt.8 auf Rechte haben).
Das Nein, das das Gemeinwesen dem Dass wir einen solchen Zusammen-
Flüchtling entgegenruft – Du bist gar kein hang schaffen müssen, heißt, dass es ihn
Anteil, denn Du bist kein Teil von uns  – nicht gibt. Tatsächlich leben wir nicht
ist daher in Wahrheit ein Nein des Ge- als soziale Anteile zusammen; nicht in
meinwesens zu sich selbst. Es ist die Ein- unserem Land und nicht in Europa. Und
mauerung des Gemeinwesens in seinem weil wir selbst nicht so sind, können wir
Sosein (seiner Identität, seinen Werten). In- auch den Flüchtling nicht als ein poli-
dem ein Gemeinwesen bestreitet, dass tisches Tier, als einen sozialen Anteil,
der Flüchtling ein Anteil ist, bestreitet sondern nur als ein nacktes Individuum
es dies seinen eigenen Mitgliedern. Die mit natürlichen Ansprüchen sehen. Des-
Ungerechtigkeit gegenüber dem Flücht- halb ist die Krise, die das Auftauchen
ling liegt nicht darin, dass wir ihm etwas des Flüchtlings hervorbringt, so tiefgrei-
abschlagen, das wir selbst haben; so er- fend. Die moralische, menschenrechtli-
scheint es nur, wenn man die Situation che Deutung der Krise geht davon aus,
in der untauglichen Kategorie der Rech- es ginge darum, konsequent zu sein: das,
te beschreibt. Macht man mit Arendt den was wir für uns schon haben, nun auch
Schritt von den Rechten zum Recht auf Anderen einzuräumen; das Wir zu »er-
Rechte, dann ist klar, dass die Ungerech- weitern«, bis es den Anderen mitumfasst.9
tigkeit gegenüber dem Flüchtling nur die
9 Richard Rorty, Gerechtigkeit als erweiterte
8 Vgl. Jacques Derrida, Von der Gastfreund- Loyalität. In: Ders., Philosophie & die Zu-
schaft. Wien: Passagen 2001. kunft. Frankfurt: Fischer 2000.

© Klett-Cotta Verlag, J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Rotebühlstr. 77, 70178 Stuttgart
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58 Christoph Menke

Die Krise, die das Auftauchen des Flücht- wir sind. Die Flüchtlingskrise zeigt, dass
lings hervorbringt, reicht aber viel wei- wir nicht nur konsequenter wir selbst
ter. Sie betrifft nicht nur die Frage, wer zu sein, sondern dass wir zugleich anders
uns dazugehört, sondern wer oder wie werden müssen.

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