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Allgemeines zur Oxalsäure

Oxalsäure-Dihydrat bildet farb- und geruchlose Kristalle, die in Wasser und Ethanol gut
löslich sind. Die Salze der Oxalsäure heißen Oxalate. Schmelztemperatur: 101,5 °C.
Wasserlöslichkeit (sauer): bei 20°C 140 g/l, bei 100°C 500 g/l. Oxalsäure und ihre Salze
reizen Haut und Schleimhäute. Bei der inneren Einnahme treten Erbrechen und Durchfall,
sowie Krämpfe auf. Auch schwere Nierenschädigungen können folgen. Die Giftwirkung
beruht auf einer Störung des Calciumhaushaltes. 5-15 Gramm Oxalsäure sollen tödlich
wirken.

Vorsichtsmaßnahmen:
Beim Umgang mit Oxalsäure ist allergrößte Vorsicht geboten! Die notwendigen Maßnahmen
zum Schutz des Anwenderssollten unbedingt eingehalten werden: Handschuhe und Atem-
schutzmaske (Typ FFP3 S/L) müssen verwendet werden.

Vorkommen:
in vielen Pflanzen (z.B. im Sauerklee, Sauerampfer, Rhabarber), in geringen Mengen im Harn
Im organischen Verbund ist sie ein selbstverständlicher Bestandteil unserer Nahrung.
Oxalsäure ist natürlicher Bestandteil des Honigs in Mengen von 0,02 bis 0,2 Gramm pro Kilo.

Verwendung:
Als Urtitersubstanz in der analytischen Chemie zur Einstellung von Permanganat-
Maßlösungen; als Beizmittel in der Färberei; zum Bleichen von Stroh und Stearin; in
Metallreinigern; zum Entfernen von Rost, zur Herstellung von Tinten und Farbstoffen.
Hilfsstoff in der Kosmetikindustrie. Zur Varroabehandlung bei Bienenvölkern.

Die Oxalsäureverdampfung, neues Mittel für die Varroabekämpfung ?


Einer der Pioniere der Bekämpfung der Varroa mit Oxalsäure in Deutschland ist Imkermeister
Thomas Radetzki von der Imkerei Fischermühle in Rosenfeld. Er beschäftigt sich schon seit
1989 mit der Varroabekämpfung mit Oxalsäure und beschrieb 1994 die hohe Wirksamkeit des
Sprühverfahrens der Oxalsäure. Zusammen mit Markus Bärmann und Giuseppe Sicurella
entwickelten sie ein neues Verdampfungsverfahren mit dem in der Wintersaison 1999/2000
erste Feldversuche durchgeführt wurden. Eine Veröffentlichung in der ADIZ 11/2000
berichtet ausführlich über diesesVerfahren. Mellifera e.V. führte eine Reihe von Forschungs-
projekten zur Oxalsäureverdampfung durch. Die Verfahren wurden in großen Feldversuchen
geprüft. Dabei beteiligten sich Imker aus verschiedenen Ländern Europas mit etwa 1.400
Völkern.

Mit HPLC Analysetechnik wurde von einem unabhängigen Labor festgestellt, daß beim
Verdampfen keine bedenklichen Abbauprodukte wie Formaldehyd oder Acethaldehyd
meßbar sind. Etwa die Hälfte der eingesetzten Oxalsäure wird bei der Verdampfung in
Wasser . und Kohlendioxyd umgesetzt. In einigen Versuchsvölkern wurden Rückstände der
Behandlung an den Rähmchen untersucht. Proben mit 5,0 cm² Oberfläche vom Rähmchen-
holz wurden in Wasser gelöst und dann mittels HPLC die Oxalsäure im Wasser bestimmt. Zur
Kontrolle wurden fünf nicht behandelte Rähmchenhölzer untersucht. Dabei wurden durch-
schnittlich 60 Mikrogramm als natürlicher Gehalt von Oxalsäure gefunden. Bei der zweiten
Entnahme von Proben (31 - 71 Tage nach den Behandlungen), waren acht von zwölf Proben
schon wieder auf dieses natürliche Niveau gesunken.
Wie funktioniert die Verdampfung der Oxalsäure?
Kristalline Oxalsäure (Oxalsäure-Dihydrat) wird durch sehr starkes Erhitzen vom festen in
einen gasförmigen Zustand gebracht. Sublimation erfolgt bei ca. 180° Celsius. Unter
Sublimation versteht man den unmittelbaren Übergang eines Stoffes vom festen in den
gasförmigen Zustand. Die Gase bilden mit der Stockluft ein sehr feines Aerosol, so dass man
mit einer geringst möglichen Konzentration eine bestmögliche Wirkung erzielt. Dieses
allerfeinste Oxalsäure-Aerosol ist für Bienen absolut verträglich und verteilt sich überall im
Bienenvolk in Form von molekularen feinsten Staubpartikelchen, die sich auch im Haarkleid
der Biene festsetzen. Wenn nun eine Varroamilbe über die Biene oder über Beutenteile im
Inneren der Beuten kriecht, verätzt sie sich dort ihren Bewegungsapparat und ihre Fress-
werkzeuge. Einige Tage später geht sie dann an den Folgen der Verätzung zugrunde.
Vorteile der Oxalsäureverdampfung: Extrem hohe Wirkung bei brutfreien Völkern. Auch bei
Brut ist die Wirkung einer Winterbehandlung befriedigend. Geringe Schwankungen im
Wirkungsgrad. Sehr gute Bienenverträglichkeit. Weitgehend witterungsunabhängige
Anwendung ab 5° C. Keine nennenswerte Störung des Wintersitzes. Geeignet zur Behandlung
von Schwärmen. Sehr geringe Kosten. Einfache Dosierung. Oxalsäure ist nicht wachslöslich,
keine Rückstände in Wachs und Honig. Bei der Verdampfung entstehen keine bedenklichen
Nebenprodukte. Keine bedenklichen Oxalsäure-Rückstände auf den Rähmchen. Behand-
lungsdauer pro Volk nur zwei bis drei Minuten.

Weiterführende Informationen: www.mellifera.de

Zulassung der Oxalsäure rückt ein Stück näher


Unter dieser Überschrift beschreiben Anton Imdorf und Frau Dr.Eva Rademacher in der
Zeitschrift “Deutsches Bienen-Journal” 4/04/S.26 den langen Weg durch den europäischen
Behördendschungel. Hier einige kurze Ausschnitte:
Die kontinuierliche Bekämpfung der Varroa ist unverzichtbar. Eine integrierte Bekämpfung
mit verschiedenen Behandlungsschritten im Jahresgang ist auf Grund der Biologie des Wirtes
und des Parasiten nötig. Dies vor allem, nachdem die Milben in verschiedenen europäischen
Ländern gegen einige Präparate resistent geworden sind. Neuentwicklungen von
Bekämpfungsmitteln sind von der Pharmaindustrie aufgrund des kleinen Marktes und der
erheblichen Entwicklungs- und Zulassungskosten kaum zu erwarten. Aufgrund des drohenden
Behandlungsnotstandes haben bienenwissenschaftliche Institute in ganz Europa die
Entwicklung von Varroabekämpfungsmitteln aufgenommen. Die EU-Arbeitsgruppe
“Integrated Varroa Control” wurde zu diesem Zweck ins Leben gerufen. Ein Ergebnis dieser
Arbeitsgruppe ist die Entwicklung der Oxalsäure bis zur Anwendungs-reife als Medikament.
Sie ist im integrierten Bekämpfungskonzept die Substanz, die für die Spätherbst-
Winterbehandlung unverzichtbar ist. Der legale Einsatz des Mittels scheiterte bislang am
Fehlen einer sogenannten “maximalen zugelassenen Rückstandsmenge”
( MRL steht für die englische Bezeichnung: “maximum resideue limit” )

Das MRL-Dossier
Das Dossier besteht aus zwei Teilen: Ein Teil zur Toxikologie der Oxalsäure und ein weiterer
zu Oxalsäurerückständen im Honig. Zwei unabhängige Experten haben vorgeschlagen, die
Oxalsäure zur Bekämpfung von “Varroa destructor” in den Annex II der Council Regulation
(EEC) 2377/90 aufzunehmen. Für die Substanzen im Annex II wird kein MRL als Zahlen-
wert festgelegt, das heisst, es gibt keine fixierten Rückstände in Bienenprodukten für
Oxalsäure.
Begründung:
Zum einen wird der natürliche Gehalt an Oxalsäure im Honig durch eine fachkompetente
Behandlung der Bienen mit dieser Säure, wenn überhaupt, nur unwesentlich erhöht. Zum
anderen ist die tägliche Aufnahme von Oxalsäure über den Honigkonsum toxikologisch
unbedenklich und um eine Vielfaches geringer als die Menge, die durch die übrigen
Nahrungsmittel aufgenommen wird.

Was passiert als Nächstes?


Nach dieser Entscheidung können nun in einzelnen Ländern die nationale Zulassung für
Oxalsäure oder für Produkte auf deren Basis zur Bekämpfung von “Varroa destructor” in den
Bienenvölkern beantragt werden. Somit dürfte in Kürze eine legale Anwendung der
Oxalsäure als ökologische Winterbehandlung auch in Deutschland zur Verfügung stehen.

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Mein Oxalsäureverdampfer

Als Vorbild diente die Bauanleitung von: Markus Mühllechner sen.


http://www.xn--mhllechner-9db.at/
und ist vom technischen Aufbau völlig gleich. Meine Version ist 11 mm hoch und an die
Hinterbehandlungsbeute angepaßt worden.
Herzstück des Verdampfers ist eine Glühkerze vom Typ 964
( VW Golf Diesel ) Trägergewinde: M12 x 1,25, Glühstift:
6mm. Diese 12 Volt Glühkerze heizt in nur 60 sek.die
Verdampferschale auf über 170° C auf, in der letztendlich die kristalline Oxalsäure
(Oxalsäure-Dihydrat) in feinste molekulare Staubpartikel zerfällt.

Hauptteil meines Verdampfers ist ein Grundkörper 55 x


20 x 11 mm aus Aluminium, der die Glühkerze,
Masseanschluß und Griff ufnimmt. Unter diesen wurde
in der ges.Länge und Breite ein 0,40 mm starkes
Wärmeleitblech aufgenietet, das für den nötigen Stand
und Brandsicherheit sorgt.

Die Verdampferschale 45 x 27 x 10 mm, Wandstärke 1 mm wurde wegen


Rückstandsbedenken eines befreundeten Chemikers gegenüber Kupfer ebenfalls aus
Aluminium gefertigt. Die Verdampferschale ist auf den Glühkörper ( 6 mm ) aufgesteckt und
mit einer M 4 Stiftschraube geklemmt. Ebenfalls geklemmt mit einer M 4 Stiftschraube ist die
Glühkerze. Zwischen Glühkerze und Griff befindet sich eine M 5 große Gewindebohrung, die
als Masseanschluß dient. Auf der gegenüberliegenden Seite der Glühkerze wurde eine 6H11
große Bohrung eingebracht, die zur Aufnahme des Griffes dient. Als Griff dient ein 350 mm
langes und 6 mm starkes Hydraulikrohr. Um auf die Bauhöhe von 11 mm zu kommen (die
Normbeute hat eine Fluglochhöhe von ca.12 mm) wurden Trägergewinde und 6-Kantschaft
nachträglich auf 10 mm abgedreht. Wem die Bauhöhe zu hoch ist, kann die Glühkerze vom
Kleintransporter “Fiat Ducato” verwenden. Sie hat einen Schaftdurchmesser von M 10 x 1.25
und einen Glühstiftdurchmesser von 5 mm. Werden Trägergewinde und 6-Kantschaft
nachträglich auf 8 mm abgedreht, kommt man auf eine Bauhöhe von 9mm. Die Maße der
Verdampferschale betragen dann: 45 x 27 x 8 und die Glühstiftbohrung 5 mm. Die Maße des
Grundkörpers betragen 55 x 20 x 9 und die Bohrung zur Aufnahme der Glühkerze 8 mm. Alle
anderen Maße bleiben gleich.

Thema Glühkerzen:
Nach meinen Erfahrungen ist es nicht zwingend notwendig neue Glühkerzen zu verwenden.
Meine Glühkerzen habe ich bei einer Autorecyclingstation kostenlos bekommen und sie
funktionieren bis auf wenige Ausnahmen zur vollsten Zufriedenheit.

Der Anschluß erfolgt mit 2 X 2,5 Quadrat flexiblem


Kabel und wurde am Griff mittels Kabelbinder nach
hinten geführt. Dieser Querschnitt sollte nicht
unterschritten werden, da es ansonsten zum sofortigen
Abbrennen der Anschlußfahnen führen könnte. Die
Stromversorgung kann wahlweise über eine Autobatterie
oder Transformator erfolgen.
Ich benutze einen Trans-formator mit einer Leistung von 12V / 42 Ampere. Beim Anschluss
des Verdampfers an einen Transformator oder Autobatterie muss man nicht auf die Polarität
achten, Plus und Minus sind hier egal.

Technische Daten:
Beim ersten Einschalten beträgt die Stromaufnahme ca. 25 Ampere, fällt aber innerhalb von
0,5 Sekunden sehr schnell ab, um sich bei ca. 5 - 6 Ampere zu stabilisieren. Es ist jedoch
darauf hinzuweisen, daß bei einer vollaufgeladenen Autobatterie bzw. bei einem Trans-
formator mit einer hohen Amperezahl die Einschaltzeit von einer Minute nicht überschritten
werden sollte, was letztendlich zur sofortigen Zerstörung der Glühkerze und Verdampfer-
schale führen kann!! In einer Minute wird die Verdampferschale so stark aufgeheizt, daß bei
abgeschaltenem Gerät die Restwärme ausreicht, um auch größere Mengen Oxalsäure zu
verdampfen.

Verdampferschale
Grundkörper

Zur Oxalsäureverdampfung:

Beim Umgang mit Oxalsäure ist allergrößte Vorsicht geboten! Die notwendigen
Maßnahmen zum Schutz des Anwenders sollten unbedingt eingehalten werden:
Handschuhe und Atemschutzmaske ( Typ FFP3 S/L ) müssen verwendet werden.
Bienenhäuser lüften und die Behandlung nur von aussen durchführen! Es sollte
nochmals in ihrem eigenen Interesse darauf hingewiesen werden, dass handelsübliche
Staubmasken, wie sie in Baumärkten zu bekommen sind, ohne die Kennung FFP3 S/L /
FFP3 D für die Oxalsäureverdampfung nicht geeignet sind!
In den Monaten Juli/August, also nach dem Abschleudern, folgt bei mir eine Langzeit-
behandlung mit 60%iger Ameisensäure im Nassenheider-Verdunster. In den Monaten
November - Dezember, also im brutlosen Zustand, folgt je nach Bedarf eine 1 - 2 malige
Verdampfung im Abstand von 7 Tagen, wo letztendlich eine extrem hohe Wirkung der
Oxalssäure zu erwarten ist. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben aber gezeigt, daß eine
einmalige Verdampfung zur Restentmilbung völlig ausreichend ist.

Beispiel Normalmaß-Hinterbehandlungsbeute

Die Verdampferschale wird mit ein, bei Doppelraum-


völkern mit zwei Gramm lose Oxalsäure gefüllt und
durch das Flugloch eingeschoben. Achtung: Bei der
Positionierung des Verdampfers ist darauf zu achten,
daß die Verdampfung nicht unmittelbar unter der durchhängenden Bienentraube erfolgen darf.
Durch die enorme Hitzeentwicklung der Verdampfeschale kann es zu enormen Bienenver-
lusten kommen!!

Flugloch dicht mit Schaumstoff verschließen und Oxalsäure verdampfen. Die Verdampfung
dauert bei meinem Gerät 1 Minute = Einschaltdauer. Nach 1 Minute Stromzufuhr trennen
und Verdampfer rausziehen und Flugloch für 5 Minuten mit Schaumstoff geschlossen halten.
Schwärme / Ableger werden je nach Größe mit 1-2 Gramm Oxalsäure im brutlosen Zustand
behandelt. Ich kühle prinzipiell vor jeder neuen Befüllung den Verdampfer langsam in einem
Wassereimer ab. Es ist schon passiert, daß der Verdampfer noch so heiß gewesen ist, daß die
Verdampfung schon beim Befüllen begann.

Nachtrag:
Da sich Oxalsäurestaub nur langsam abbaut, empfehle ich, um gesundheitliche Risiken zu
vermeiden, nach der Behandlung von Schwärmen und Ablegern in den Sommermonaten die
Beuten mindesten 1 Woche nicht zu öffnen. Werden nach der Behandlung die Bodeneinlagen
zwecks Varroa-Abfall kontrolliert, sollte unbedingt die Atemschutzmaske Typ FFP3 S/L /
FFP3 D getragen werden.

Fazit:
Wird Oxalsäure richtig angewendet und der Schutz des Anwenders beachtet, ist die
Verdampfung ein ganz hervorragendes Mittel, um seine Völker ausreichend gegen die
Varrose zu behandeln. Es verursacht richtig angewendet keine Bienenverluste und hinterläßt
keinerlei Rückstände in Wachs und Honig. Bleibt zum Schluß noch zu hoffen, daß eine legale
Anwendung der Oxalsäureverdampfung als ökologische Winterbehandlung schnellstens auch
in Deutschland möglich ist!
Wie heißt es so schön? - Not macht erfinderisch!

Ein besonderes Problem war bisher, um zügig arbeiten zu können, die Dosierung mit
kristalliner Oxalsäure. Hier nun die einfache Herstellung eines Messlöffels für 1 Gramm.

Benötigt wird eine Wegwerfspritze aus Plastik und


ein x-beliebiger Plastikstreifen, der als Griff dienen soll.

Die Spritze wird mittels Cuttermesser an der Teilung 1 ml abgeschnitten.


Faustregel: 1 ml - ca. 1 Gramm lose Oxalsäure. In das Stück Plastik, das als Giff
dienen soll, wird mittig ein Loch gebohrt, das so groß sein soll, daß die Tülle, die
normalerweise die Nadel der Spritze aufnimmt, straff hineinpaßt.

Nun wird die ganze Geschichte auf der Rückseite des Griffes verschweißt.
Dazu wird die Tülle mit dem Gasfeuerzeug erhitzt und mit dem Rücken eines
Messers zusammengedrückt - fertig!

PDF Copyright © 2004 / Dieter Uhlig /


Im Internet unter: www.imkerhomepage.de / webmaster@imkerhomepage.de