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Deeper Lehre am 19.11.2019 - Als Beter lernen

Vor kurzem sass ich im Zug von Neustadt nach Freiburg und mir gegenüber sass eine nicht mehr
ganz junge Frau, wahrscheinlich nicht deutscher Nationalität, und arbeitete und schrieb mit Eifer
und hoher Konzentration in einem Deutschheft, in der Art, wie man es in der Grundschule findet.
Sie war so vertieft und es schien sie nicht zu stören dass andere im Abteil sie sahen.

Das hat mich sehr bewegt und mir kam die Bibelstelle aus Mt.11,29 in den Sinn wo Jesus sagt:

‚Nehmt auf euch mein Joch, und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen
demütig‘

Als Beter und Mitarbeiter im GBH Freiburg dürfen wir Lernende sein und bleiben. Wir sind Jünger,
also Schüler Jesu. Wir gehen in seine Schule des Gebets. Die GBH Schule hat heute ihre letzte
Woche und wir werden nachher ein paar Zeugnisse hören was sie als Beter und Menschen in der
Schule Jesu in dieser Zeit gelernt haben.

Zu seinen Jüngern und den Pharisäern sagt Jesus in Mt.9,13:

‚Geht aber hin und lernt, was es heißt (Und dann zitiert er Hosea 6,6) Denn an Güte habe ich
Gefallen, nicht an Schlachtopfern, und an Erkenntnis mehr als an Brandopfern‘

Die Pharisäer waren gebildete Leute, es geht also nicht nur um rein intellektuelles Wissen und
einen vom logischen Verstand dominierten Lernvorgang westlicher Art. Jesus ist Jude, und
jüdisches Denken spricht den ganzen Menschen an. Er spricht eine Einladung aus Güte (Gnade,
Liebe, Bundestreue), Sanftmut und Demut von ihm selbst zu lernen.

Im Zusammenhang mit der Kontemplation haben wir schon öfter über die Geschichte von Maria
und Martha gehört (Lk. 10,38-42) Wir wollen heute Abend den Schwerpunkt auf die
Lernbereitschaft von Maria lenken. Es heißt im Vers 39 dass sie sich ‚zu den Füßen Jesu
niedersetzte und seinem Wort zuhörte‘. Sie war seiner Person gegenüber ganz aufmerksam,
sie beobachte das ‚Wort‘ selbst. (Jo.1,14) ‚Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns‘.

Jesus ist der Sohn Gottes, der transzendente und heilige Gott in menschlicher Gestalt, der ganz
Andere ist damit auf uns zugegangen, es ist nun tatsächlich möglich nicht durch einen Prediger,
Lehrer oder Ausleger, sondern (Jesus zitiert in Jo. 6,45 den Propheten Jesaja 54,13) ‚Und alle
deine Kinder werden von dem Herrn gelehrt sein‘.

Paulus sagt, dass das Evangelium welches er gelernt hat nicht menschlicher Art ist. (Gal. 1,12-13)
‚…es ist nicht menschlichen Ursprungs…ich wurde darin nicht von einem Menschen
unterwiesen‘

Es geht also um unmittelbares, unser ganzes Wesen veränderndes Lernen. Es ist eben nicht
so wie die bei der grossen Verwunderung der Juden im Tempel in Jo. 7,15 ‚da wunderten sich die
Juden: Wie besitzt er diese Gelehrsamkeit, da er doch nicht gelernt hat?‘ … der Vater selbst hat
ihn gelehrt und ihm damit eine Vollmacht gegeben die weit über den Buchstaben allein
hinausreicht.

Ob wir etwas von dem Evangelium gelernt haben merken wir oft erst in Krisensituationen wenn
sich offenbart wie viel unser innerer Mensch von Jesus gelernt hat, wieviel Güte und Sanftmut ‚in
uns schon eingebaut ist‘. Das kann oft sehr ernüchternd sein, aber wir sollten nicht verzweifeln,
Gott ist, wie es im Psalm 136 gleich 26mal heißt: ‚Denn seine Gnade währt ewig‘. Wenn das so
oft in einem einzigen Psalm steht gibt es keinen Grund in der Schule Jesu mutlos zu werden,
auch wenn so manche religiöse Blase in unserem Leben platz und wir dann recht unsanft auf
den Boden der Tatsachen fallen
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Unser Gebetsleben wird durch die Schule Jesu durchdrungen mit Wirklichkeit und
Wirksamkeit. Wir machen es immer weniger wie die Heiden in Mt.6,7 die meinen ‚dass sie um
ihres vielen Redens willen erhört werden‘. Wir schliessen die Tür zur Welt hinter uns, gehen in das
‚Kämmerlein‘ des Gebets und beten zum Vater, der ‚Im Verborgenen sieht‘ (Mt.6,6).

Im nachfolgenden Vaterunser, der zentralen und fundamentalen Lehreinheit Jesu über das
Gebet, lehrt er uns was und wie wir beten sollen. (Mt. 6,9-13) Rainer Harter spricht 2014 in einer 6-
teiligen Lehrserie hier bei Deeper über das Vaterunser, zu hören über unsere Deeper-Soundcloud.

Nach dem Vaterunser schließt Jesus seine Lehreinheit (also nach: ‚Vergib uns unsere Schuld wie
auch wir vergeben unseren Schuldigern’) für die Schule des Gebets mit folgenden Worten ab: Mt.
6,14 u. 15 ‚Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer
himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer
Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

An anderer Stelle bei Matthäus sagt Jesus: ‚Wenn du also deine Gabe zum Altar bringst (Gebet
und Anbetung) und dir dort einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, dann lass deine Gabe
dort vor dem Altar; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder! Danach komm und bring
deine Gabe Gott dar. (Mt. 5,23 u. 24)

Jesus wiederholt also die zentrale Bedeutung der Vergebung im Kontext von Gebet. Hier
werden Himmel und Erde, Gott und Mensch, Vertikale und Horizontale in einem wunderbares
Koordinatensystem zusammengeführt. Natürlich stimmen wir alle mit einem zustimmenden
Kopfnicken zu. Aber jeder von uns hat seine Kampfzone (inklusive der berühmten Kellerleichen) in
seiner Seele. Enttäuschung, Wut, Niedergeschlagenheit und Verbitterung sind die Erzfeinde eines
fruchtbaren Gebetslebens, denn sie führen zu einer Verhärtung deines Herzens. Und hier kommen
wir wieder auf unseren Eingangsvers aus Mt.11,29 zurück: ‚Nehmt auf euch mein Joch, und lernt
von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig‘.

Denken wir an Josef in Genesis 50: Die Brüder sagen ‚Vergib uns das Unrecht von damals,
verzeih uns!‘ Josef sagt: Habt keine Angst, ihr wolltet mir Böses tun, aber Gott hat Gutes daraus
entstehen lassen. So beruhigte Josef seine Brüder und redete ihnen freundlich zu.

In der Schule des Gebets lernen wir ganzheitlich von Jesus selbst, wir lernen den Wert von
Sanftmut und Demut zu würdigen, wir lernen gefallen an Güte zu haben, und so immer mehr,
Stück für Stück Beter zu werden deren Gebet vor dem Vater Erhörung findet.

Zum Abschluss Auszüge aus der ‚Nachfolge Jesu Christi’ von Thomas von Kempen:

Kapitel 20 Es ist kein Mensch einer himmlischen Tröstung wert, der sich nicht zuvor in der Schule
der heiligen Zerknirschung fleißig geübt hat. Soll dein harter Sinn erweicht, dein
verschlossenes Herz wieder aufgetan werden, so geh in deine Kammer und laß den Tumult der
Welt nicht herein; wie die Schrift sagt: In euern Kammern redet mit euren Herzen, bis sie wund und
weich werden.
Kapitel 35 Aus Liebe zu Gott sollst du alles Unangenehme gern leiden, was immer es sei, peinliche
Arbeit, Schmerz, Versuchung, Not, Drangsal, Beängstigung, Armut, Schwachheit, Unrecht,
Widerspruch, Tadel, Erniedrigung, Hohn, Zurechtweisung und Verachtung. Das alles treibt zur
Tugend, das bewährt den neuen Jünger in der Kampfschule Christi.
Kapitel 50 Laß nicht ab, an mir zu bilden, (Bildung althochdeutsch ‚Bildunga’ gleich
‚Schöpfung, Bildnis, Gestalt’) bis du mich zu einem frommen, demütigen Schüler ausgebildet
haben wirst, der dir auf jeden Wink gehorcht; denn das ist deine Weise, die Menschen zu
erziehen. Ich gebe mich und all das Meine ohne Ausnahme in deine Schule, damit du alles
besser machst, als es ist.