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Sachschlichtung Stuttgart 21

27.11.2010
Heilwasser 21 - Geologischer Teil
Dipl.-Geol. Dr. Ralf Laternser

geplanter Orginalvortrag

Sachschlichtung Stuttgart 21 – Mineralwasser 21: geologischer Teil - Dipl.-Geol. Dr. R. Laternser / 27.11.2010 Folie 1/50
Titel

Die Gefährdung der


die Stuttgarter
Mineral- und Heilquellen
durch
Stuttgart 21

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Inhalt

• Gründe und Ziele des Heilquellenschutzes

• zu Grunde liegende geologische Verhältnisse

• Gefährdung des Stuttgarter Mineralwassers durch


die geplanten Eingriffe durch S 21

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Das Stuttgarter Mineralwasser

• Ausfluss von ungefähr 500 Liter Mineralwasser in


der Sekunde

• 19 Brunnen und ein natürlicher Quelltopf

• davon 11 Heilquellen

• 3 Mineralbäder

Fazit:
Stuttgart ist eine europäische Mineralwassermetropole !

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Zitat

»Mineral- und Heilwasservorkommen,z. B. das Stuttgarter


Mineralwasser, sind durch abgegrenzte qualitative und
quantitative Heilquellenschutzzonen besonders geschützt. Bei
Eingriffen in den Untergrund hat der Schutz des Mineral- und
Heilwassers absoluten Vorrang.«

Bericht des Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg aus dem
Jahre 2005

Die Schutzziele für die Mineral-und Heilquellen sind zusammengefasst :

1. sauberes, unbeeinflusstes / natürliches Mineralwasser (Qualität)

2. Erhalt der natürlich auftretenden Menge (Quantität)

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Heilquellenschutz

Maßnahmen

Verordnung zum Heilquellenschutz

Einrichtung von 3 Schutzzonen die geologisch


begründet sind.
Überwachung der Quellen

Schutzzonen: Außenzone- Innenzone- Kernzone


steigende Einschränkungen für Baumaßnahmen

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Konzept der Dichtschicht

Amt für Umweltschutz der Stadt Stuttgart 1998


Einteilung der Schutzzonen nach dem

"Konzept der Dichtschicht“

Mächtigkeit und Beschaffenheit der das Mineralwasser


überdeckenden Schichten sind das (einzige ) Kriterium für
Heilquellenschutz

Quelle: W. UFRECHT & G. EINSELE: Das Stuttgarter Mineralwasser - Herkunft und Genese; Schriftenreihe des Amtes für Umweltschutz , Heft
1/1998: 161 - 172; Stuttgart 1998

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Ist das Konzept der Dichtschicht wirkungsvoll ?

• genügen die geologischen Vorgaben dem „Konzept der


Dichtschicht“

• wurde das Konzept der Dichtschicht konsequent verfolgt

• sind Verbesserungen denkbar

?
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Arbeit des Geologen

• 100% Erkundung des geologischen Untergrunds ist


unmöglich ! „Überraschungen“ sind normal !

• Geologen schätzen mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung


anhand der vorliegenden Daten den Untergrund ab

• Geologen müssen das unsichtbare erkennen und die


geologischen Verhältnisse/Gefahren sorgfältig abwägen und
ansprechen !

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Profil Bauingenieur

Folie aus dem


Schlichtungsvortrag
von Prof. Lächler am
20.11.22010

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Dolinen 1

„Dolinchen“ beim Bau des Katharinenhospitals

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Doline 2

Doline in Schmalkalden/Thüringen 7.11.2010

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Dolinen HBF 1

Folie aus dem


Schlichtungsvortrag
von Prof. Lächler am
20.11.22010

1. Tiefe der Dolinen


ist unbekannt

2. Dolinen können
gesamte
Dichtschicht bis in
den Muschelkalk
durchdringen

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Dolinen HBF 2

Folie aus dem


Schlichtungsvortrag
von Prof. Lächler am
20.11.22010

Dolinen sind
Schwächezonen.

An Dolinen
unkontrollierte
Aufstieg der unter
Druck stehenden
Mineralwässer asu
dem Muschelkalk
denkbar.

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Geologischer Querschnitt HBF

HBF Schloßgarten

Im geologischen
Profil aus

Bohrdaten ist
zusätzlich noch
eine Verwerfung
zu erkennen

Aus: Heft 3, Untersuchungen zur Umwelt "Stuttgart 21" Hrsg.: Landeshauptstadt Stuttgart, Amt für Umweltschutz

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Fazit Dolinen

-Der Stuttgarter Talkessel können sich Dolinen entwickeln. Sie


sind kleinräumig und schwer erkundbar.

-Dolinen stellen durchgehende Einbrüche durch die


Gesteinsschichten dar. Sie sind Schwächezonen

-Im Bereich des geplanten Tiefbahnhofs sind eine Vielzahl von


Dolinen bekannt

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Verwerfungen

Allgemeine geologische Regeln


für Verwerfungen:

- Verwerfungen halten
seitlich meist lange durch

- Verwerfungen sind oft


parallel und in manche
Richtungen gehäuft

-Verwerfungen sind sehr


schwer unter jüngeren
Ablagerungen zu ermitteln

-Dolinen zeichnen den Verlauf


Bekannte Verwerfungen im Bereich des Stuttgarter von Verfwerfungen oft nach
Talkessels und Bad Cannstatts

Der Stuttgarter Talkessel liegt in einer geologischen


Bruchzone
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Verwerfung Beispiel

Verwerfung
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Schloßpark Verwerfungen

Geologischer Kartenausschnitt
aus dem Bereich des
Hauptbahnhofes
Kartengrundlage aus: , Untersuchungen zur Umwelt, Heft 3
"Stuttgart 21; Stadt Stuttgart, Amt für Umweltschutz

Verwerfungen durch
schwarze Pfeile
gekennzeichnet

Gelb umrandet der


Bereich des
geplanten
Tiefbahnhofes

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Dolinen Schloßpark

Geologischer Kartenausschnitt
aus dem Bereich des
Hauptbahnhofes
Kartengrundlage aus: , Untersuchungen zur Umwelt, Heft 3
"Stuttgart 21; Stadt Stuttgart, Amt für Umweltschutz

Rote Punkte bezeichnen die


Lage bekannter Dolinen

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Geologischer Längsschnitt

Nordbahnhofstraße

HBF
Lautenschlager Str

Geologischer Längsschnitt von der Lautenschlager Straße im


Südwesten bis zur Nordbahnhofstraße
Aus: Heft 3, Untersuchungen zur Umwelt "Stuttgart 21" Hrsg.: Landeshauptstadt Stuttgart, Amt für Umweltschutz

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Übersicht Tektonik

Geologische Überblick mit Bad Cannstatt- und Stuttgart Berg

Für die Stuttgarter und Cannstatter Quellen ist folgendes geologisch unbestritten:

1. Aufstieg des Stuttgarter Mineralwassers ist an Verwerfungen gebunden


2. Bildung von Sauerwasserkalken ist auch an Verwerfungen gebunden

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Fazit Verwerfungen

-Der Stuttgarter Talkessel liegt in einer geologischen


Bruchzone

-Verwerfung stellen durchgehende Risse durch die


Gesteinsschicht dar. Sie sind Schwächezonen

-Das Auftreten von Mineralwasser und Sauerwasserkalken ist


in Stuttgart an Verwerfungen gebunden

-Im Bereich des geplanten Tiefbahnhofs sind eine Vielzahl von


Verwerfungen bekannt

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Sauerwasserkalke

Übersicht über den Stuttgarter


Talkessel mit Verbreitung von
Sauerwasserkalken

Sauerwasserkalke bezeugen den


bereits stattgefundenen
natürlichen Aufstieg von
HBF Mineralwässern aus der Tiefe
durch alle überlagernden
Schichten in diesem Bereich!!

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Fazit Sauerwasserkalke

- Sauerwasserkalke bezeugen den natürlichen Aufstieg von


Mineralwässern aus dem Muschelkalk im Bereich des
geplanten Tiefbahnhofes

-Die Sauerwasserkalke sind dabei an Dolinen und


Verwerfungen gebunden.

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Ergänzung Schwächezonen

Geologischer Kartenausschnitt
aus dem Bereich des
Hauptbahnhofes
Kartengrundlage aus: , Untersuchungen zur Umwelt, Heft 3
"Stuttgart 21; Stadt Stuttgart, Amt für Umweltschutz

Rot gestrichelte Linien =


denkbare weitere Verwerfungen nach
geologischen Grundregeln !

Grundregeln:

HB -Dolinen oft (perlschnurartig) an


F Verwerfungen
-Verwerfungen oft parallel zueinander

-Verwerfungen in bestimmte Richtungen


gehäuft

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Gefahrenzonen

Kartengrundlage aus: , Untersuchungen zur Umwelt, Heft 3


"Stuttgart 21; Stadt Stuttgart, Amt für Umweltschutz

Eingekreiste Bereiche:
Gefahrenzonen für den
unkontrollierten Aufstieg von
Mineralwasser aufgrund einer
erhöhten Dichte von
Schwächezonen

Steigende Gefährdung

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Zusammenfassung

Der Bereich des geplanten Tiefbahnhofs liegt in einer geologischen Bruchzone mit
vielen schwer zu ermittelnden Verwerfungen und Dolinen als mögliche
Schwächezonen und damit Wasserwegsamkeiten für den unkontrollierten
Mineralwasseraufstieg.

An diesen Schwächebereichen ist, bewiesen durch Sauerwasserkalke, bereits


Mineralwasser natürlich bis an die Oberfläche aufgedrungen. Dasselbe gilt für
Baumaßnahmen während des U-Bahn-Baus und den Bau des
Breuningerkaufhauses.

Einer der bautechnisch schwierigsten und tiefreichensten Bauvorhaben von S 21,


der Nesenbachdüker liegt im Bereich einer besonders hohen Dichte von
Schwächezonen im geologischen Untergrund. Hier greift der Tiefbahnhof direkt in
die Kernzone ein

Die Schwächezonen im Bereich des Hauptbahnhofes sind bisher nur unzureichend


durch geologische Methoden untersucht
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Schloßfolgerung

Schlussfolgerung

Im Bereich des geplanten Tiefbahnhofs für Stuttgart


21 muss mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit mit dem unkontrollierten
Aufdringen von Mineralwasser gerechnet werden.

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ergänzende Folien

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Bohrungen

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Bohrpunkte und Geologie

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Eingriff Grundwassermanagement

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Dipl.-Geol.
Dr. Ralf Laternser
latern@web.de

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