Sie sind auf Seite 1von 5

Meningitis

1 Definition

Als Meningitis wird eine Entzündung der Pia mater und der Arachnoidea mater bezeichnet. Sie wird
durch Bakterien, Viren, Pilze oder auch Parasiten ausgelöst. Die historische Bezeichnung für die
Meningitis ist Streckfluss.

2 Epidemiologie

Die Meningitis betrifft vor allem Kinder und Jugendliche. Ca. 70% der Fälle treten bei Kindern unter 5
Jahren auf. Die Inzidenz ist in den ersten beiden Lebensjahren am höchsten. Die Meningitis ist in
Industriestaaten relativ selten, in den nichtindustrialisierten Staaten gehört sie allerdings zu den
häufigsten Krankheiten.

3 Formen

3.1 Bakterielle Meningitis

Die bakterielle Meningitis wird - wie der Name schon sagt - durch Bakterien ausgelöst. Man unterteilt sie
weiter in eitrige und nicht-eitrige Meningitis.

Die eitrige Meningitis wird unter anderem durch Meningokokken (Neisseria meningitidis),
Pneumokokken, Staphylokokken und Haemophilus influenzae, sowie E. coli, Proteus, Pseudomonas,
Klebsiellen, Listerien und Streptococcus agalactiae ausgelöst. Sie zeichnet sich vor allem durch eine
Eiteransammlung über der Großhirnhemisphäre aus und wird deshalb auch als Haubenmeningitis oder
Konvexitätsmeningitis bezeichnet.

Die nicht-eitrige Meningitis tritt vor allem als Begleiterscheinung einer infektiösen Allgemeinerkrankung
auf. Hierbei handelt es sich vor allem um Borreliose, Tuberkulose, Syphilis, Leptospirose und Brucellose.

3.2 Abakterielle Meningitis


Die abakterielle Meningitis entsteht durch eine Infektion mit Viren (z.B. FSME, Herpesviren...) oder
Pilzen (z.B. Cryptococcus neoformans) oder durch Strahlenschäden.

4 Erreger

Die häufigsten Erreger sind Meningokokken, Pneumokokken und Haemophilus influenzae. Sie werden
durch Tröpfcheninfektion, Husten oder Niesen, von Mensch zu Mensch übertragen.

Weitere mögliche Auslöser einer Meningitis sind Listerien (z.B. Listeria monocytogenes). Diese Erreger
werden durch rohe Nahrungsmittel (z.B. Käse oder andere Milchprodukte) übertragen. Dabei sind meist
Patienten mit schlechtem Allgemeinzustand bzw. abgeschwächtem Immunsystem betroffen, so dass die
Listerien die Blut-Hirn-Schranke überwinden können.

5 Symptome

Die Meningitis erzeugt bei den Patienten in der Regel ein starkes Krankheitsgefühl. Es können folgende
Symptome auftreten:

Fieber

Kopfschmerz

Übelkeit, Erbrechen

Nackensteifigkeit, Rückenschmerzen

Opisthotonus

Bewusstseinsstörungen, Desorientiertheit, Realitätsverlust

Apathie bis hin zu tiefer Bewusstlosigkeit (Koma)

Krämpfe

Stauungspapille

Lichtscheu

Hautveränderungen (Petechien)

Kahnbauch
Bei jüngeren Kindern (< 2 Jahre) können die Symptome sehr unspezifisch sein. Hier schildern die Eltern
häufig ein schrilles Schreien oder Wimmern in Verbindung mit allgemeiner Schwäche, Inappetenz,
Berührungsempfindlichkeit und/oder auffälliger Lethargie. Ebenso können Atemstörungen vorliegen
(Dyspnoe, Tachypnoe).

6 Anamnese

Bei der Erhebung der Anamnese sollten unter anderem folgende Punkte abgefragt werden:

Kontakt zu infizierten Personen

Zeckenbiss

Impfstatus

Prädisponierende Faktoren (Sinusitis, Otitis media, Endokarditis, Pneumonie, Immundefekte)

7 Diagnose

7.1 Körperliche Untersuchung

Die körperliche Untersuchung umfasst die Überprüfung der Vitalfunktionen, der peripheren
Durchblutung und die Suche nach Hautveränderungen. Petechien und flächenhafte hämorrhagische
Hautinfiltrate sind ein Hinweis auf eine Meningokokken-Meningitis.

7.2 Neurologische Untersuchung

Bei der neurologischen Untersuchung ist auf die typischen meningealen Zeichen zu achten, z.B. ein
positives Kernig-, Lasègue- und Brudzinski-Zeichen. Der Patient nimmt häufig eine Schonhaltung ein.

Cave: Das Fehlen von meningealen Zeichen schließt eine Meningitis nicht aus.

7.3 Weiterführende Diagnostik


Blutbild

Blutkulturen

Lumbalpunktion: Nachweis von Bakterien im Liquor mit vermehrten Granulozyten

MRT

CT

8 Therapie

Die Therapie der Meningitis erfolgt stationär. Sie umfasst unter anderem:

Sicherung der Vitalfunktionen

Sofortige kalkulierte Antibiose i.v., evtl. auch intrathekal (z.B. Cefotaxim und Ampicillin)

Antibiogramm, Resistenzbestimmung

Glukokortikoide - frühzeitig Dexamethason i.v. gegen Verschwartung der Meningen

Cave: Durch die lange Antibiotikabehandlung kommt es oft im Genital-, Anal- und Mundbereich zu
Mykosen.

Kontaktpersonen und Angehörige werden im Falle einer Meningokokken-Meningitis prophylaktisch bzw.


postexpositionell mit Ciprofloxacin oder Rifampicin behandelt.

9 Prognose

Je nach Art der Meningitis kann ein unterschiedlicher Verlauf prognostiziert werden. Der Verlauf ist auch
abhängig vom gegenwärtigen Gesundheitszustand des Betroffenen und vom Therapiebeginn. Die
Meningokokken-Meningitis hat mit ca. 5 % die niedrigste Letalität, bei Listerien liegt sie bei ca. 30%. Eine
Erkrankung im Kleinkind- oder hohem Alter hat die schlechteste Prognose. Hier liegt die Letalität bei 80
%.
Mögliche Folgeschäden sind das apallische Syndrom, motorische und sensible Ausfälle, sowie eine
ausgeprägte retrograde Amnesie mit Verlust erlernter Fähigkeiten. Oft sind auch die Sinnesleistungen
beeinträchtigt (Sehschwäche, Innenohrschwerhörigkeit). Die Folgeschäden können langandauernde
Rehabliitationsmaßnahmen (z.B. Physio- und Ergotherapie) notwendig machen.