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Umweltschutz / Umweltverschmutzung
(...) Jede Sekunde wächst die Weltbevölkerung um (…) In anderen Ländern Schwarzafrikas, aber auch
drei Menschen. Jeden Tag gehen über 60 Millionen in Asien und dem Mittleren Osten ist die Lage noch
Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre, jeden Tag prekärer. 1,1 Milliarden Menschen haben keinen
wird die Acker- und Weidefläche der Welt durch Zugang zu sauberem Trinkwasser, 2,4 Milliarden
Erosion, Versalzung und Rodung um 165 Quadrat- Menschen haben nicht genug Wasser zum Waschen
kilometer kleiner. „40 Jahre hat der Kalte Krieg zur Verfügung. Fünf Millionen sterben jährlich an
unsere Weltsicht geprägt“, resümiert der US- Krankheiten, die Folge fehlenden oder verseuchten
Physiker Michael Oppenheimer, „in den nächsten Trinkwassers sind. (…)
40 Jahren wird das Umweltproblem alles bestim-
men“. (...)
*Der Spiegel, 20.04.1992 nach Der Spiegel, 26.08.2002

Der Umweltschutz, bzw. die Umweltverschmutzung ist heute ein Problem von internationaler Be-
deutung. Die zunehmende Umweltbelastung (Luftverschmutzung / Abfalllawinen) der industriali-
sierten Staaten, besonders aber auch der Entwicklungsländer stellt eine reale Bedrohung für die
Zukunft der Menschheit dar.
In Deutschland, aber auch in vielen anderen Industrienationen, ist das Thema Umweltschutz zum
Thema Nr. 1 geworden. Bürger, Politiker und Industrie werden immer umweltbewusster und versu-
chen, auch die Schwellenländer für dieses Thema zu sensibilisieren. (In diesem Sinne soll auch der
Umweltschutz in die Entwicklungshilfe einbezogen werden; die Industrienationen erhöhen ihre Bei-
träge zur Erhaltung der tropischen Regenwälder, usw.).

I. Umweltbewusste Bürger
Im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) haben Naturschutzverbände, Um-
weltschutzverbände, Umweltgesellschaften, usw. eine lange Tradition, und der „tri sélectif“, der in
Frankreich nun flächendeckend eingeführt wird, hat dort schon vor über 35 Jahren begonnen! Der
Großteil der Bevölkerung:
l sortiert heute den Müll und wirft den Abfall gewissenhaft nach verschiedenen Materialien ge-
trennt in die entsprechenden Müllcontainer: Altpapier, Kleider, Glas (nach Grün-, Weiß- und
Braunglas getrennt), Aluminium, Weißblech, usw.

l kauft umwelt- und verpackungsbewusst ein. Ganz konkret bedeutet dies, dass viele Konsumen-
ten Mehrwegverpackung (also z.B. Getränke in Pfandflaschen) Einwegverpackung (Wegwerfdo-
sen) vorziehen, dass sie beim Einkaufen ihre eigene Tragtasche mitbringen, Produkte mit mini-
maler Umverpackung, bzw. Nachfüllpackungen vorziehen, usw.
l benutzt Energiesparlampen, etc.
Und die, die es sich leisten können – denn vieles, was „öko“ ist, hat ja bekanntlich seinen Preis:
l kaufen Öko-Produkte, bzw. Produkte mit Öko-Label in Öko-Warenhäusern und/oder
l wohnen in „Energiesparhäusern“ mit exzellenter Isolierung und moderner Heiztechnik, um die
Verschwendung von Erdöl, Erdgas oder Kohle zu bremsen, oder lassen gar Ökohäuser mit Nut-
zung der Solarenergie, usw. bauen.
Bemerkung: Auf das Auto oder das Flugzeug im Urlaub verzichten wollen wiederum viele nicht…
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II. Maßnahmen zum Umweltschutz auf nationaler Ebene
Die deutsche Regierung, in der oft auch die Grünen sitzen, ist ebenfalls stark im Umweltschutz
engagiert.
Vom unaufhaltsam wachsenden Müllaufkommen der heutigen Konsum- und Wegwerfgesellschaft
alarmiert, haben die Politiker in Deutschland schon in der Mitte der 80-er Jahre den Müllnotstand
ausgerufen. Da die Abfalldeponien randvoll sind, muss etwas unternommen werden, um nicht unter
einer gigantischen Abfall- und Plastiklawine zu ersticken!
Und die Regierung reagiert:
Bereits 1986 erlässt sie das Gesetz über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen.
Wie sein Name besagt, hat dieses Gesetz die Verringerung und Weiterverwertung (Recycling) von
Abfall zum Ziel. Am 1. Januar 1997 wird es vom so genannten Kreislaufwirtschaftsgesetz abge-
löst. Grundsätzlich gilt jetzt: Vermeiden geht vor Verwerten, Verwerten vor Beseitigen.
Die Erziehung von Industrie und Bevölkerung zu einem sorgsameren Umgang mit dem Müll ge-
schieht mit Zuckerbrot und Peitsche:
- „Zuckerbrot“: Werbespots, Kampagnen gegen die Wegwerf-Mentalität, usw.
- „Peitsche“: die neue Verpackungsverordnung = ein 3-Stufen-Programm zur Abfallvermeidung
nach dem Verursacherprinzip. Ab 1991 müssen Industrie und Handel nach und nach sämtliche
Verpackungen zurücknehmen und selbstständig verwerten.
Die staatliche Abfallverordnung / die Verpackungsordnung
Maßnahmen Bemerkung
1. Stufe Rücknahmepflicht für Hersteller und Vertreiber von Transportverpackungen sind ver-
1991 Transportverpackung. pflichtet, ihre Kisten, Kartons, Paletten sowie Füll- und Stützma-
terial zurückzunehmen und sie außerhalb der öffentlichen
Abfallentsorgung wiederzuverwerten. Es ist demnach verboten,
Kisten, Kartons, usw. zu verbrennen oder auf öffentliche Dep o-
nien zu kippen!
Entsorgungsunternehmen wie RESY Organisation für Wert-
stoffentsorgung GmbH kümmern sich um das Einsammeln
und die Entsorgung der Verpackungen; die Kosten werden von
der Industrie und dem Handel getragen.

2. Stufe Rücknahmepflicht auch für Zahnpastaschachteln, Geschenkkartons, usw. können an der


1992 Umverpackung. Kaufhauskasse zurückgelassen werden. Konzerne und Kaufleute
müssen sie zurücknehmen.

3. Stufe Rücknahmepflicht wird auf Milchtüten, leere Joghurtbecher, usw. müssen von Herstellern
1993 die Verkaufsverpackung und Handel zurückgenommen und entsorgt werden.
ausgeweitet. Damit es in den Supermärkten nicht zu gewaltigen Abfallhalden
kommt, weil die Leute ihre leeren Verpackungen zurückbringen
dürfen, organisieren Hersteller und Händler das Einsammeln der
Verkaufsverpackungen direkt beim Verbraucher durch das Re-
cyclingunternehmen DSD (Duales System Deutschland). Das
DSD ist demnach eine von der Wirtschaft organisierte private
Müllabfuhr, eine Art Selbsthilfeorganisation der Wirtschaft
als Reaktion auf die Verpackungsordnung. Finanziert wird es
einerseits durch die Hersteller (sie zahlen eine Lizenzgebühr, die
dem Volumen ihres Verpackungsmülls entspricht), und anderer-
seits durch die Konsumenten (die Mehrkosten werden oft auf
das Produkt abgewälzt; im Schnitt 2 Cents pro Verpackung).
Der Grüne Punkt kennzeichnet solche Verpackungen, die nach
Gebrauch eingesammelt, sortiert und dem Wertstoffkrei slauf
wieder zugeführt werden.

1994 Einführung einer Abfallge- Kalkül: Der Verbraucher, der für Müll, den er in die Tonne wirft,
bühr. Gebühren zahlen muss, wird sich bemühen, so wenig Abfall wie
(Kehrichtsackgebühr in der möglich zu produzieren.
Schweiz bereits seit 1993.)
1999 Einführung (1. Stufe) der Benzin, Diesel, Strom, Heizöl und Erdgas werden teurer. Dies
Ökosteuer. soll die Konsumenten zu sparsamerem Umgang mit Ressourcen
bewegen. Die Steuereinnahmen kommen aber nicht Umweltpro-
jekten zu Gute, sondern sollen dazu dienen, die Lohnnebenkos-
ten zu senken.
Um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Industrie nicht
zu gefährden, gelten für sie - zum Ärger vieler Umweltschützer -
niedrigere Steuersätze.
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1999 Offiziell angekündigter Aus- Bis 2020 soll der definitive und unumkehrbare „Ausstieg aus der
stieg aus der Atomener- Kernenergie“ vollzogen sein. Æ Förderung energiesparender und
gie. vor allem erneuerbaren Energien wie Wind- und Sonnenenergie,
Wasserkraft, Biomasse, usw.
2003 Einführung des Dosen- Hierbei handelt es sich lediglich um die Umsetzung der Verpa-
pfandes (trotz des erbitter- ckungsordnung von 1991. Diese sah vor, dass wenn die Meh r-
ten Widerstandes der Ein- wegquote von Getränkeverpackung unter die Marke von 72%
weglobby). sinkt, automatisch ein Pflichtpfand (50 Cents ab 1,5 L, 25 Cents
darunter) auf in Aluminiumdosen, Glas- und Petflaschen abge-
füllte Einweg-Getränkeverpackung erhoben wird. (Steigt der
Anteil wieder über die 72%-Schwelle, wird das Pfand wieder
außer Kraft gesetzt.)
Fazit: Die Aktion ist ein Fiasko, weil einerseits bei der Einfüh-
rung kein flächendeckendes Rücknahmesystem bereit steht, und
andererseits die Kunden dadurch verunsichert sind, dass die
Pfandpflicht nicht an eine Verpackungsart, sondern an eine
Getränkesorte gebunden ist: Vom Pfand betroffen sind näm-
lich nur kohlensäurehaltige Getränke (Bier, Cola, Limonade,
Eistee mit Kohlensäure, usw. – jedoch nicht Eistee ohne Koh-
lensäure!) / Brüssel erklärt das Dosenpfand 2004 für „illegal“.
2004 Umsetzung der EU- Die Altgerätesammlung (Waschmaschinen, Computer, Fernse-
Elektroschrottrichtlinie. her, Handys, usw.) erfolgt durch die Kommunen, die Kosten für
das Recycling tragen die Hersteller.

Bemerkungen:
l Der Grüne Punkt ist das auf den Verpackungen aufgedruckte Lizenzzeichen für die Teilnah-
me an der privaten Abfallbeseitigung. Er ist nicht unbedingt ein Zeichen für
ökologisch sinnvolle Verpackung!!! Er bedeutet lediglich, dass die Verpackung
nach Gebrauch eingesammelt, sortiert und recycelt werden soll. Ihm wird oft
vorgeworfen, als Öko-Trick missbraucht zu werden. Trotzdem ist der Grüne
Punkt insofern umweltfreundlich, als dass die Händler, um Lizenzgebühren zu
sparen, die Verpackung systematisch verkleinern und immer rationeller gestalten,
so dass das Verpackungsvolumen dadurch reduziert wird, was aktiv zur
Abfallvermeidung beiträgt.
Bilanz: Ab 1994 wird das Duale System immer heftiger kritisiert. Mal wirft man ihm illegale
Müllexporte vor (Skandal mit illegalem DSD-Müll in Hongkong 1996; illegale Mülllagerungen in
gelben Säcken in Pakistan 1999), mal werden Betrugsvorwürfe laut (fingierte Abrechnungen,
gefälschte Kennzeichen im Jahr 2000), usw.
Wer mehr über die positiven Aspekte und die Funktionsweise des DSDs wissen möchte, loggt
sich am besten direkt auf seine Homepage ein: http://www.duales-system.de
l Reaktionen der Wirtschaft auf die Verpackungsordnung: Da das Einsammeln und die
Wiederverwertung kurzfristig einen Kostenfaktor darstellen, haben sich anfänglich viele Unter-
nehmen dagegen gesträubt. Dies ist insofern verständlich, als dass deutsche Produkte, die
strengen Umweltvorschriften genügen müssen, teurer sind, was deren internationale Wettbe-
werbsfähigkeit gefährdet. Was aber ursprünglich ein Standortnachteil war, wird mit der Zeit zu
einem Mittel der Verkaufsförderung. Zahlreiche Firmen richten deshalb Umweltschutzabteilun-
gen ein, nehmen an Umweltfachmessen wie „Terratec“ (Leipzig) oder „Entsorga“ (Köln) oder am
„Deutschen Umwelt-„, bzw. „Recyclingtag“ teil. Immer mehr Unternehmen unterziehen sich
auch dem 1995 eingeführten EU-Öko-Audit, um u.a. mit dem „Umweltschutz-Gütesiegel“ für
sich werben zu können:
- Mit dem steigenden Umweltbewusstsein der Kunden verkauft sich nämlich oft nur noch, was
bio, biologisch abbaubar, umweltfreundlich, schadstofffrei, recycelbar, usw. ist, was eine Her-
stellergarantie zur umweltgerechten Entsorgung hat, was ausgedient wieder zurückgenommen
wird (Alt-Auto-Rücknahme), was wenig Strom verbraucht, und dessen Verkaufsverpackung
nicht zu voluminös ist (Abfallgebühr oblige…).
- Auf Grund der weltweit zunehmenden Umweltverschmutzung wird der Export von Umwelt-
technik langfristig immer interessanter (wenn auch viele armen Länder sich die „saubere Tech-
nologie“ nicht leisten können).
- Not macht erfinderisch: Neue, umweltverträglichere Produkte werden entwickelt, der Energie-
verbrauch wird reduziert, neue Verpackungsmittel werden erfunden. Um das Recycling zu ver-
einfachen, beginnt es heutzutage schon bei der Konstruktion: Bei Elektronik- und Haushaltgerä-
ten werden die einzelnen Kunststoffe fortan sortenrein verarbeitet. So können sie dann auch
wieder problemlos getrennt und vollwertig in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden.
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Dank all dieser Maßnahmen hofft man, ein „auf Dauer ökologisch verträgliches Wirtschafts-
wachstum“ gewährleisten zu können.

III. Internationale Bemühungen zum Schutz der Umwelt


Auf dem Erdgipfel in Rio 1992 setzt sich erstmals die Idee einer nachhaltigen Entwicklung
durch. Dank eines auf Dauer umweltverträglichen Wirtschaftswachstums sollten die Lebens-
umstände weltweit verbessert werden, ohne dabei die Chancen künftiger Generationen zu gefähr-
den.
Aber der Weg von der Theorie in die Praxis ist bekanntlich holprig und lang: Zwar wurde schon
damals das BIP, die grundlegende Maßeinheit der Wirtschaftsleistung in Frage gestellt, da es nichts
darüber aussagt, ob unser heutiger Lebensstandard auf Kosten künftiger Generationen, bzw. das
Wirtschaftswachstum auf Kosten der Umwelt geht. Aber erst 2003 stellt Kanada ein Konzept vor, in
dem neben den üblichen Wirtschaftsdaten 6 neue Indikatoren wie die Qualität des Trinkwassers,
die Luftfeuchtigkeit, die Treibhausgas-Emissionen, der Waldbestand, die Feuchtgebiete sowie das
Bildungsniveau und die fachliche Ausbildung der arbeitenden Bevölkerung in die Berechnungen
einbezogen werden1.

Von Rio über Kyoto nach Johannesburg, Nairobi, , Bangkok, Bali und Bonn
Auf der ersten Klimakonferenz in Rio im Jahre 1992 unterzeichnen die Teilnehmerstaaten eine
Klimakonvention, derzufolge sie bis spätestens 2000 ihre CO2-Emissionen auf den Wert von
1990 reduziert haben wollen. Auf den jährlich folgenden Klimakonferenzen muss festgestellt wer-
den, dass die Praxis weit hinter der Theorie zurückbleibt, und in vielen Ländern der politische Wille
zur Durchsetzung des gesteckten Zieles fehlt.
Um die zunehmende Umweltzerstörung einzudämmen, um Klimaveränderungen mit verheerenden
Folgen zu vermeiden, vor allem aber um die sich abzeichnende Erderwärmung zu stoppen, unter-
zeichnen 1997 in Kyoto 100 Staaten das so genannte Kyoto-Protokoll. Die Ziele sind im Großen
und Ganzen dieselben wie in Rio: Die Industriestaaten verpflichten sich, ihre gemeinsamen Emissi-
onen der 6 wichtigsten Treibhausgase im Zeitraum 2008 bis 2012 um mindestens 5% unter das
Niveau von 1990 zu senken. Dabei haben die Länder unterschiedliche Emissionsreduktionsver-
pflichtungen akzeptiert. Damit das Protokoll in Kraft treten kann, muss es von mindestens 55 Staa-
ten ratifiziert werden, wobei diese mindestens 55% der CO2-Emissionen der Industrieländer von
1990 auf sich vereinigen müssen.
Auf den jährlich folgenden Klimakonferenzen streitet man sich vorwiegend über Details des Proto-
kolls. Ganz allgemein herrscht aber der „Triumph des Stillstands“: Die CO2-Emissionen werden mit
knapper Not konstant gehalten, von Reduzierung keine Spur. Ende 2000 haben lediglich 14 Ent-
wicklungsländer (aber noch kein einziges Industrieland) das Kyoto-Protokoll ratifiziert. 2001 stei-
gen die USA, „das Land der unbegrenzten Energieverschwendung“ aus den Kyoto-Verhandlungen
aus. Deutschland hat das Protokoll gemeinsam mit den anderen EU-Mitgliedstaaten im Mai 2002
ratifiziert, die Duma unterschreibt es Ende Oktober 2004. Die 55%-Schwelle ist dadurch erreicht,
und rein theoretisch kann das Abkommen nun in Kraft treten.
Auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg im August 2002 muss - 10
Jahre nach Rio - eine traurige Bilanz gezogen werden: zur Luftverschmutzung „gesellt“ sich nun
auch noch eine globale Süßwasserkrise.
Auf dem Weltumweltgipfel 2006 in Nairobi diskutiert man über die Drosselung der Treibhaus-
gase (CO 2) weiter. Eine der vorgeschlagenen Lösungen zur Verringerung des CO2-Ausstoßes ist die
Verwendung von Biotreibstoffen (Raps, Mais Weizen…). Die verstärkte Verwendung von Agrar-
rohstoffen als Energiequelle (Biodiesel, etc.) führt jedoch zu einer starken Verringerung von Agrar-
produkten als Nahrungsmittel è Weltweit starker Anstieg der Lebensmittelpreise; in armen Län-
dern in Afrika und der Karibik kommt es 2008 zu Hungerrevolten.
Der Uno-Klimabericht (2007)
Dem alarmierenden (umstrittenen) Bericht zufolge ist die Klimaveränderung schon voll im Gange,
die Gefahr von Naturkatastrophen nimmt stark zu. Mögliche Maßnahmen:
l Energie sparen

1
Wir müssen Umweltpolitik und Wirtschaftsentwicklung miteinander verbinden. Chinas ökologische Ressour-
cen sind ausgelaugt. Es herrscht krasser Wassermangel, vor allem im Norden des Landes. Wälder verschwinden,
die Wüste breitet sich aus. Es darf nicht nur um das Bruttoinlandsprodukt gehen, wir müssen auch an die soziale
Entwicklung denken.“ (Historiker Wang Hui, Der Spiegel, 18/2004)
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l den Anteil von erneuerbaren Energien erhöhen
l EU-Direktive für die Automobilbranche: CO2-Ausstoß auf 120g/km reduzieren
l den Luftverkehr mit Emissionsrechten „belegen“ è die Flugzeugindustrie will „umweltfreundli-
chere Flugzeuge bauen, den Kerosinverbrauch reduzieren und auf alternative Treibstoffe (Bio-
treibstoffe) setzen

Die UNO-Naturschutzkonferenz in Bonn (2008)


191 Länder beraten über die Rettung von Wäldern, Walen und Korallen. Rund 20% des Klimawan-
dels entstünden aus der Entwaldung in Tropenregionen.

Bemerkung: Angesichts der weltweiten Immobilien-, Banken-, Finanz- und Wirtschaftskrise geraten
viele Umweltschutzziele wieder in den Hintergrund…

1. Luftverschmutzung
Schwefeldioxid SO2 dioxyde de souffre,
Stickoxide NOx oxydes d’azote,
Kohlenmonoxid CO monoxyde de carbone,
Autoabgase les gaz d’échappement,
Benzindämpfe les vapeurs d’essence,
bleihaltiges Benzin l’essence avec plomb, etc.
verpesten die Luft.

Die 6 wichtigsten Treibhausgase, die von Transportmitteln, der Industrie, dem Baugewerbe, der
Landwirtschaft sowie durch die Energieerzeugung in Braunkohlekraftwerken, durch die Müll-
verbrennungsanlagen, usw. in die Luft abgegeben werden, sind:
Kohlendioxid CO2 dioxyde de carbone
Methan CH4 méthane
Distickstoffmonoxid N2O protoxyde d’azote
Perfluorcarbone PFCs perfluocarbone
Hydrofluorcarbone HFCs hydrofluocarbones
Schwefelhexafluoride SF6 hexafluoride sulfuré

Viele Wissenschaftler warnen vor einer bevorstehenden Klimakatastrophe:


l (das) Waldsterben: Der Straßenverkehr ist zu rund 45% für den Ausstoß von Stickstoffoxyden
(NOx) verantwortlich; Heiz- und Industrieanlagen für den Großteil an Schwefeldioxid-
Emissionen (SO2). In Verbindung mit Sonnenlicht und Wasser bildet sich der so genannte „Sau-
re Regen“, der die Bäume absterben lässt.
l Umweltkrankheiten: Die Fälle von Lungenkrebs nehmen zu. Viele Menschen leiden unter A-
temwegbeschwerden. Herzleiden häufen sich. Umweltmediziner sind davon überzeugt, dass ein
direkter Zusammenhang besteht zwischen der jeweiligen Ozonkonzentration und den Todesfäl-
len von Asthmatikern, dem alarmierenden Anstieg von (geistig) behinderten Kindern in Mexiko,
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von Hautkrebs in Australien, von immer zahlreicher werdenden Patienten mit Bleispuren im
Blut, usw.
l (der) Treibhauseffekt: Die Treibhausgase zerstören die Ozonschicht und beschleunigen in der
Atmosphäre den Treibhauseffekt. Æ Erderwärmung Æ Eisschmelze der Polarkappen, Gletscher-
schmelze.
Weltweite direkte Folge: Der Meeresspiegel steigt Æ Küstenregionen versinken im Meer.
Lokale, paradox scheinende Folge: Die enormen aus der Arktis abfließenden Schmelzwasser-
mengen bringen den Golfstrom zum „Erliegen“, was an den europäischen Küsten einen deutli-
chen Temperatureinbruch zur Folge hätte; in Paris würden dann Temperaturen wie in Neufund-
land oder Vancouver herrschen.
Æ Gravierende klimatische Veränderungen sind Experten zufolge bereits in vollem Gan-
ge: Extreme Wetterlagen (Hitze- und Kältewellen) sowie Naturkatastrophen (Über-
schwemmungen, Dürren, Wirbelstürme) werden immer öfter alle Weltregionen heim-
suchen.

Um die Giftgas-Emissionen zu drosseln, sollten z.B.


- der Kraftfahrzeugverkehr eingeschränkt, bzw. besser organisiert werden (durch Car-Sharing,
autofreie Sonntage, Einführung der Öko-Steuer, der Autobahngebühren, Förderung des kombi-
nierten Verkehrs = Straße und Schiene, usw.);
- sauberere Umwelttechniken entwickelt werden (3-Wege-Katalysatoren, bleifreies Benzin, blei-
freie Batterien);
- erneuerbare Energien (Wind- und Sonnenenergie, Wasserkraft, Biomasse) fossile Energiequel-
len ablösen.

Für viele Fachleute ist es höchste Zeit zum Handeln, denn: „Wenn die Temperatur zu rasch an-
steigt, sterben Ökosysteme ab. Das kann man durch nachträgliche Emissionsminderungen nicht
rückgängig machen. Was tot ist, ist tot.“
Andere Experten wiederum geben sich gelassen und argumentieren, dass es schon lange vor In-
dustrie und Automobil markierende Temperaturschwankungen, Dürren und Überschwemmungen
auf der Erde gegeben hat.

2. Süßwasserkrise
Ein immer größer werdendes Problem – und darüber sind sich diesmal alle Spezialisten einig - ist
das knapp werdende Süßwasser. Besonders in Afrika, im Mittleren
Osten und Asien versickern Flüsse, veröden Landstriche und versiegen
Brunnen. Auf weiten Landstrichen gibt es nicht mehr genug Wasser für die
Nahrungsmittelproduktion, so dass die Bevölkerung auf Nahrungsmittel-
oder Wasserimporte angewiesen ist. Andere Länder profitieren von der
Möglichkeit, ihre Flüsse zu stauen – zum Leidwesen ihrer am unteren
Flusslauf wohnenden Nachbarn. Und so zeichnen sich dann auch schon
heute die künftigen Wasser-Konfliktregionen deutlich ab: Rund um den
mittelasiatischen Aralsee, am Ganges, am Jordan, am Nil sowie an Euphrat und Tigris. (Äthiopien
zum Beispiel plant Dämme am Oberlauf des Nils Æ Konflikte mit Ägypten sind absehbar; die Türkei
kontrolliert mit Dämmen den Oberlauf von Euphrat und Tigris. Syrien und der Irak brauchen das
Flusswasser aber dringend…)
Und da, wo es noch genügend Süßwasser gibt, ist es oft durch (Industrie)chemikalien verseucht;
infolge von wilden Müllhalden und Agrarchemikalien (Unkrautvernichter, usw.) ist das Grundwasser
auf weiten Strecken vergiftet.
Verschmutztes Wasser ist weltweit die Krankheitsursache Nummer eins: Durchfallerkrankungen
fordern in Indien doppelt so viele Todesopfer wie Aids, die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
führt 80% aller Krankheiten in den Entwicklungsländern auf schlechtes Wasser zurück.
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lll

Wortschatz
der Abfall (¨e) les déchets
die Abfalldeponie (n) la décharge
die Abfallhalde (n) la décharge
die Abfalllawine l’avalanche de déchets
die Abfallvermeidung « éviter de produire des déchets »
die Agrarchemikalien (pl.) les produits chimiques agricoles
die Atemwegbeschwerden (pl.) les maladies des voies respiratoires
der Ausstieg aus der Kernenergie l’abandon de l’énergie nucléaire
biologisch abbaubar sein être biodégradable
die Bleispur (en) la trace de plomb
das Braunkohlekraftwerk (e) la centrale thermique à charbon
die CO2-Emission (en) l’émission de CO2
der Drei-Wege-Katalysator (en) le pot catalytique
etw. drosseln réduire qqc, baisser qqc
die Durchfallerkrankung les maladies provoquant des diarrhées
die Dürre (n) la sécheresse
die Einwegverpackung (en) l’emballage jetable, non récupérable
die Entsorgung (die Müll~) l’élimination des déchets
die Eisschmelze la fonte des glaces
die Energieerzeugung la production de l’énergie
die Energieverschwendung le gaspillage d’énergie
die erneuerbare Energie l’énergie renouvelable
die Erderwärmung le réchauffement de la planète
das Erdöl le pétrole
das Feuchtgebiet (e) les marais et marécages
das Giftgas (e) le gaz toxique
die Gletscherschmelze la fonte des glaciers
die Grünen (pl.) les Verts, le parti écologiste
das Grundwasser la nappe phréatique
die Kehricht- / Abfallsackgebühr (en) la taxe sur les sacs poubelle
die Kernenergie l’énergie nucléaire
die Kohle le charbon
das kohlensäurehaltige Getränk la boisson gazeuse
die Landwirtschaft l’agriculture
die Luft l’air
Æ die Luft verpesten polluer, empester l’air
die Luftfeuchtigkeit l’humidité de l’air
die Luftverschmutzung la pollution de l’air
der Lungenkrebs le cancer du poumon
die Mehrwegverpackung l’emballage consigné
die Müllverbrennungsanlage (n) l’usine d’incinération d’ordures
die nachhaltige Entwicklung le développement durable
die Nachfüllpackung (en) la recharge
die Pfandflasche (n) la bouteille consignée
die Polarkappe (n) la calotte glacière
recycelbar recyclable
der „Saure Regen“ la pluie acide
schadstofffrei sans substances toxiques, non polluantes
die Solar- / die Sonnenenergie l’énergie solaire
das Schwellenland (¨er) le NPI (pays nouvellement industrialisé)
das Süßwasser l’eau douce
das Treibhausgas (e) le gaz à effet de serre
der Treibhauseffekt l’effet de serre
die Treibhausgas-Emission (en) l’émission de gaz à effet de serre
das Trinkwasser l’eau potable
der tropische Regenwald (¨er) la forêt tropicale
die Überschwemmung l’inondation
umweltbewusst sein tenir compte de l’environnement
das Umweltbewusstsein la conscience écologique
umweltfreundlich non polluant
der Umweltschutz la protection de l’environnement
der Umweltschützer (-) l’écologiste
die Umwelttechnik (en) une technique « propre », écologique
die Umweltverschmutzung la pollution
der Unkrautvernichter ( - ) l’herbicide
das Verursacherprinzip le principe du pollueur-payeur
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der Waldbestand (¨e) l’étendue des forêts
das Waldsterben le dépérissement des forêts
der Werkstoff (e) le matériau
das Weißblech le fer blanc
die wilde Müllhalde la décharge sauvage
die Windenergie l’énergie éolienne
der Wirbelsturm (¨e) le tourbillon