Sie sind auf Seite 1von 4

Für die Befreiung von staatlicher und kapitalistischer Herrschaft!

Diskussionsblätter für sozialistische und nationalrevolutionäre Politik


Herausgeber: Nationalrevolutionäres Forum (NRF). „Die Schwarze Front“ erscheint je nach Bedarf - also sporadisch - und dient
nur zur alleinigen Unterrichtung der Mitglieder-, Freundes- und Leserkreise. Die Beiträge sind als Meinungsaustausch gedacht,
wobei die Autoren für deren Inhalt selbst verantwortlich sind. Kontakt: NRF-Schwarze-Front@gmx.de Folge 14

Sozialistische Revolution oder Faschistischer Krieg?


menfassung (in: Dr. Otto Strasser „Deutsch-
land und der 3. Weltkrieg“, Verlag Deutsche
Freiheit, München 1961) zu Grunde:

In der Einleitung weist Strasser darauf hin,


daß es sich bei dieser Streitschrift nicht nur
um eine Darstellung der Zustände und der
Entwicklung in Deutschland handele, sondern
darüber hinaus auch um eine Wegweisung für
alle zukunftswilligen politischen Kräfte
Deutschlands, um gemeinsam „den Kampf
über Hitler hinaus“ gegen Kapitalismus, Fa-
schismus und Imperialismus zu führen, mit
der Zielsetzung:

Deutscher Sozialismus,
wahre Volksgemeinschaft,
nationale Freiheit,
völkische Wiedergeburt.

Dies aber sollte ergänzt werden durch eine


europäische Befriedung und Neuordnung im
Wege einer „europäischen Föderation“.

Ein Jahr Hitler


Im Mai 1933 mußte Dr. Strasser, um dem
Zugriff der Gestapo-Schergen zu entgehen, überschrieb Strasser die „Bestandsaufnahme“
Deutschland verlassen. Über Österreich ging des ersten Kapitels. Er führte darin den Nach-
er nach Prag, wo er die Zentrale der „Schwar- weis für das „schreiende Mißverhältnis zwi-
zen Front“ aufbaute. Eine seiner ersten Veröf- schen Versprechungen und Taten“: Seit 1914
fentlichungen, die im Januar 1934 erschien sei Deutschland in keiner so gefährlichen au-
und in hoher Auflage über die Grenze ge- ßenpolitischen Lage – in einer vollständigen
schmuggelt wurde, warnte schon damals vor Isolierung – gewesen ... “Dazu kommt die ge-
dem „Faschistischen Krieg“. Das in Prag ge- radezu verbrecherische Rußlandhetze der Par-
druckte Original liegt der folgenden Zusam- teiregierung Hitler ... wodurch jede erfolgrei-
che Ostpolitik tödlich getroffen wird.“ „Wie
steht es mit der Freiheit?“ fragte Strasser und allem in den Kreisen der Jugend, aber auch die
gab die Antwort: „Verlogenheit und Bonzen- Angst in den Kreisen der Reaktion und des
wirtschaft“ – auch im Parteiprogramm der Kapitalismus. Hier wies Strasser auf einen Bei-
NSDAP, staatsbürgerliche Rechtlosigkeit der trag des rheinischen Großindustriellen Pferd-
deutschen Menschen, während „Tyrannei, Bru- menges in der „Berliner Börsenzeitung“ vom
talität, Gemeinheit Triumphe feiern.“ „An Stel- 26. November 1933 hin, der „seine kapitalisti-
le der Volksgemeinschaft trat die Parteidikta- schen Freunde beschwört, die Frist zu nützen,
tur, an Stelle der Freiheit trat das Konzentrati- die ihnen die Hitler-Regierung noch einmal im
onslager, an Stelle der Erziehung zum selbst- Kampf mit dem sozialistischen Volkswillen er-
bewußten Volksgenossen trat die Belohnung kämpft hat.“ Es ist recht interessant, Pferd-
für feige, charakterlose, gleichgeschaltete menges hier einmal nach der Wiedergabe in
Sklaven – das ist das Ergebnis der zwölf Mo- der Strasser’schen Flugschrift zu zitieren. Er
nate Innenpolitik der Regierung Hitler.“ schrieb damals: „Wir haben in den vergange-
nen Jahren häufig greifbar vor der Sozialisie-
„Wie steht es mit dem Brot?“ fragte Strasser rung gestanden. Das Programm des Marxis-
weiter und stellte fest: „Nach zwölf Monaten mus und die sich rapide verschlechternde
Hitler-Regierung ist der Kapitalismus stärker Wirtschaftslage drängten in diese Richtung.
und aggressiver denn je!“ Die Arbeiterschaft Unsere Verbände sollten dem Einhalt tun, aber
werde weiterhin ausgebeutet, die Bauern wir wissen, daß der Versuch um die letzte Jah-
stöhnten unter den Lasten der Zins- und Hy- reswende vor dem Scheitern stand. Was hat
pothekenschulden, der Mittelstand sei unver- sich inzwischen geändert? Der Nationalsozia-
ändert von der Konkurrenz der Warenhäuser lismus hat uns noch einmal die Chance gege-
und Trusts bedroht. „Formen ohne Inhalt“ ben, zu geordneter Selbstverwaltung zu kom-
nannte Strasser den Abschnitt, der sich mit men.“ Pferdmenges rief nun dazu auf „durch
dem Weiterbestand der politischen, wirtschaft- aktiven politischen Einsatz die politischen Ziele
lichen und kulturellen Formen des „liberalen zu fördern“, unter dem Gesichtspunkt, „daß
Novembersystems“ auseinandersetzt. Noch Aufbau und Funktion von Wirtschaftsverbän-
gelte das Bürgerliche Gesetzbuch, seien die den durchaus nicht nur rein wirtschaftliche,
Konkordate in Kraft, existieren noch die Län- sondern auch in hohem Maße Probleme und
der, schrieb Strasser, aber: „Im Denken und Aufgaben psychologischer Art darstellen.“ Ge-
Fühlen des Volkes lebt die Revolution, aber die linge diese Durchdringung und Beherrschung
Regierung trägt ihr nicht Rechnung, sondern der NS-Wirtschaftspolitik durch führende
ist, wie jede Gironde, von Monat zu Monat Großindustrielle nicht, dann – so sah es da-
reaktionärer geworden. ... Das Gefühl des Vol- mals Pferdmenges – werde der Staat eingrei-
kes hat sie (die alten Formen, d.V.) längst fen müssen, „in einer Richtung, gegen die wir
verneint, die Sehnsucht der Jugend ist längst uns seit Jahren wehren... die aber als einzige
nach neuen Zielen unterwegs und das Leben übrig bleibt, in der Richtung des Staatssozia-
verläuft unter, neben, hinter diesen alten lismus.“
Formen und Formeln, denen allein das Macht-
wort der Regierung noch zu einem Scheinda- In einem abschließenden Überblick ging Sras-
sein verhilft.“ ser auf die Ursachen ein, die „zwangsläufig zu
einer Zuspitzung der Verhältnisse treiben“,
Wer anerkennt noch das Paragraphenrecht des nachdem in Deutschland weder das kapitalisti-
BGB, wer glaubt noch an den Kapitalismus, sche System vernichtet, noch die großdeut-
wer bejaht noch die Monopolrechte für be- sche Einigung vollzogen und dadurch eine völ-
stimmte Kirchen, wer nimmt noch die „deut- kische Wiedergeburt ermöglicht wurde. Er
schen Länder“ ernst? fragte Strasser, „derweil stellte fest, daß bei Aufrechterhaltung der (ka-
Volk und Jugend erfüllt seien von der Sehn- pitalistischen) Schuld- und Zinsverpflichtungen
sucht nach neuen, der Revolution gemäßen eine Besserung der Wirtschaftslage unmöglich
Formen.“ sei, da sich die Situation also weiter ver-
schlechtern würde, was zu Spannungen führen
Im Abschnitt „Die Revolution schöpft Atem“ müßte und auch die Rohstoffversorgung der
ging Strasser auf den Prozeß der „Aushöhlung deutschen Industrie gefährden würde. Weiter
der alten Formen“ ein, wobei er Carlyle’s stellte er fest, daß die Beschäftigungstherapie
„Französische Revolution“ zitierte, um die für die in militanten Vereinigungen konzen-
Zwangsläufigkeit des Fortgangs der Revolution trierten jungen Leute nicht ausreiche, um die-
aufzuzeigen – nur ein „Atemschöpfen“, keine se endgültig für ihre der Revolution geleisteten
Konsolidierung der Verhältnisse, kein endgül- Dienst abzufinden: das revolutionäre Element
tiger Sieg der Gironde! „Die eigentliche Revo- dieser in die Zukunft drängenden Millionen
lution kommt erst“ sei – nach den Worten werde früher oder später zum Ausdruck kom-
Strassers – der tausendfache Selbsttrost vor men. Und als dritte Ursache für bevorstehende

2
Konflikte nannte Strasser die „effektive Aufrü- nicht schwer fallen – wenn es eine solche Wahl
stung, auf der Deutschland teils aus nationa- gäbe! In Wirklichkeit führt die Stärke der poli-
len Gründen, teils zwecks Arbeitsbeschaffung tischen Machtgruppen in Deutschland die Ent-
beharren müsse, wodurch der Interessenkon- scheidung über diese Frage herbei!
flikt mit dem gegnerischen Ausland zwangs-
läufig näherrückt.“ An den Schluß seiner kla- Diese Machtgruppen aber stehen sich gegen-
ren, analytischen Darlegung setzte Strasser über:
folgenden Abschnitt, der hier ohne Abstriche auf der einen Seite die kleine, aber politisch
wiedergegeben wird: und ökonomisch ungeheuer einflußreiche
Gruppe der Reaktion (Göring, Thyssen), deren
„Revolution oder Krieg? Macht und Existenz davon abhängt, daß die
Drohung der zweiten, der sozialistischen Revo-
Und zwar drängt sowohl diese außenpolitische lution endgültig verschwindet –
wie die innenpolitische und schließlich auch die auf der anderen Seite die zahlenmäßig größe-
wirtschaftspolitische Zuspitzung der entschei- re, politisch und ökonomisch aber fast einfluß-
denden Frage zu: lose Gruppe der Revolution, die in der Schwar-
zen Front ihren Mittelpunkt in SA und Jugend,
Sozialistische Revolution oder Faschistischer sowie in der ehemals marxistischen Arbeiter-
Krieg? schaft ihre Anhänger hat.

Beide Möglichkeiten bedeuten einen Ausweg Dazwischen das Gros der Gironde mit Hitler,
aus der Krise – wobei die Frage nach dem im Besitz der Macht und ängstlich bestrebt,
„Später“ keinesfalls immer rechtzeitig gestellt einer Gefährdung dieses Besitzes sowohl durch
wird, bzw. den Ausschlag zu geben braucht. die eine wie durch die andere Möglichkeit aus-
zuweichen. Aber der Zeitpunkt kommt, wo ein
Die Sozialistische Revolution würde durch den Ausweichen für den Girondisten Hitler unmög-
Sturz des kapitalistischen Systems, die Annul- lich wird und die Frage „Revolution oder Fa-
lierung seiner (in- und ausländischen) Schuld- schistischer Krieg“ unmittelbar an ihn heran-
und Zinsverpflichtungen und die Aufhebung tritt und Lösung erzwingt – mit ihm, ohne ihn
des monopolistischen Eigentumsrechtes die oder gegen ihn.
Verschuldung der Landwirtschaft enden, die
Arbeitslosigkeit beheben und den Millionen der Es ist natürlich heute noch nicht möglich, zu
Enterbten Zukunftsmöglichkeiten bieten. errechnen, welche Lösung von den genannten
eintritt. Aber es ist möglich und notwendig,
Der Faschistische Krieg bringt zunächst zwei- schon heute als politische Zielsetzung und
fellos eine Behebung der Arbeitslosigkeit, eine kämpferische Richtlinie der Schwarzen Front
Erhöhung der landwirtschaftlichen Preise und zu erklären, daß die Schwarze Front auch im
eröffnet den soldatischen Elementen der deut- Falle des Faschistischen Krieges die Lösung
schen Jugend Aufstiegsmöglichkeiten, die der Sozialistischen Revolution aufstellt, mit
durch den Zauber der Uniform über ihre man- dem Ziel, die Hitler-Gironde zu stürzen, die
gelnde Fundiertheit hinweghelfen. Revolution bis in ihre letzten Konsequenzen
durchzuführen und damit zugleich auch die
Die Sozialistische Revolution ist die Weitertrei- innere und äußere Freiheit zu gewinnen und
bung und Erfüllung des deutschen Aufbruchs, zu sichern!
ist das gewaltige Vorbild für eine neue soziale
Ordnung, ist das Unterpfand der wirklichen An der Schwelle des zweiten Jahres der Hitler-
Volksgemeinschaft und die Grundlage für eine Regierung ruft die Schwarze Front alle Freun-
endgültige Befriedung Europas in einer Euro- de, alle wahrhaften Sozialisten, alle wahrhaf-
päischen Föderation. ten Nationalisten auf, zu kämpfen, gleichgül-
tig, ob monate- oder jahrelang, bis die Hitler-
Der Faschistische Krieg ist die tödliche Bedro- Gironde gestürzt und der Deutsche Sozialis-
hung der deutschen Revolution, ist der Tod- mus aufgebaut ist. Die Schwarze Front gibt
feind des deutschen Sozialismus, ist die Wei- dem Deutschen Volk zugleich die Antwort auf
terführung der einseitigen Parteiherrschaft die zur Entscheidung reifende Frage „Revoluti-
über und gegen das Volk und ist die Fortfüh- on oder Krieg“ mit der Sieg und Frieden kün-
rung des fluchwürdigen Imperialismus, der denden Parole: Es lebe die Sozialistische Re-
dadurch nicht besser und gerechter wird, daß volution!“
er von Deutschland gehandhabt werden wür-
de, statt – wie 1919 – von der Entente. (Man beachte, daß diese Schrift ein halbes
So gesehen, könnte die Wahl zwischen soziali- Jahr vor dem 30. Juni 1934 geschrieben und
stischer Revolution und faschistischem Krieg veröffentlicht wurde!).

3
Schriften (Auswahl) von Dr. Otto Strasser