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Entstehung und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bündnissystem richtete sich vor allem gegen Ungarn, das im Friedensvertrag von Trianon 1920
große Gebiete an die Tschechoslowakei, Rumänien und Jugoslawien abtreten musste, und zwar
die Slowakei (vgl. Oberungarn) an die Tschechoslowakei, Siebenbürgen an Rumänien
sowie Kroatien und die Vojvodina an Jugoslawien. Ungarn verlor dadurch 59 % seines Territoriums und
68 % seiner Bevölkerung. Damit gerieten auch etwa drei Millionen Ungarn, die in den abgetretenen
Gebieten lebten, unter fremde Herrschaft. Regierung und Bevölkerung Ungarns hielten trotz der
Regelungen des Vertrages von Trianon an der Identität ihres verkleinerten Staates mit dem Königreich
Ungarn fest. Anfangs wurde noch die Wiederherstellung der territorialen Integrität Alt-Ungarns
gefordert. Nach 1930 änderte Ungarn seine Revisionspolitik und forderte eine Grenzkorrektur im
Rahmen des Selbstbestimmungsrechts der Völker.
Am Anfang des Paktsystems stand ein Bündnis zwischen der Tschechoslowakei und
Jugoslawien. Edvard Beneš hatte es bereits Ende 1919 der jugoslawischen Regierung angeboten. Am
14. August 1920 wurde das auf zwei Jahre terminierte Defensivbündnis geschlossen. Die
Vertragspartner sicherten sich darin Beistand für den Fall unprovozierter Angriffe Ungarns zu. Eine
Militärkonvention vom 1. August 1921 regelte die für den Bündnisfall vorgesehenen Maßnahmen. Die
Tschechoslowakei hatte auch Rumänien zum Beitritt aufgefordert, das jedoch wegen der tschechisch-
polnischen Auseinandersetzungen um Teschen zögerte und nur ein vorläufiges Protokoll
unterzeichnete. Im April 1921 schlossen Tschechoslowakei und Rumänien schließlich ein Bündnis.
Diese Verträge sollten Ungarn international isolieren. Es folgte im Juni 1921 ein Pakt zwischen
Rumänien und Jugoslawien, der sich gegen Bulgarien richtete.[1]
Frankreich hatte mit der Ablehnung des Versailler Vertrags durch den Senat der Vereinigten Staaten,
der sich nicht an ein multilaterales Allianzsystem binden wollte, seine militärische Rückendeckung
durch die USA verloren, die nach dem Ersten Weltkrieg zu einer isolationistischen Politik
zurückkehrten. Vor allem aber hatte Frankreich seinen russischen Bündnispartner durch
die Oktoberrevolution verloren. So sah sich die französische Diplomatie veranlasst, Ersatz zu schaffen.
Die Kleine Entente war ein wichtiger Baustein französischer Sicherheitspolitik in Osteuropa zur
Aufrechterhaltung des nach dem Ersten Weltkrieg neu geschaffenen Staatensystems. Sie sollte den
Status quo im Donauraum sichern. Dieser war auch durch den
deutschen Vertragsrevisionismus bedroht, der auf einen Anschluss Deutsch-Österreichs an
Deutschland aus war. Polen hatte für Frankreich wegen seines Bündnisvertrages mit der
Tschechoslowakei (1924) eine besondere Bedeutung. Es in das Bündnissystem der Kleinen Entente
als assoziiertes Mitglied zu integrieren gelang jedoch nicht.
Die Kleine Entente richtete sich auch gegen eine Restauration der Habsburgermonarchie. Der
erste Rückkehr-Versuch des Ex-Kaisers Karl I. wurde am 5. April verhindert. Die Staaten der Kleinen
Entente hatten Ungarn Ultimaten gestellt, die von Italien unterstützt wurden. Auch der zweite
Restaurationsversuch Ende Oktober 1921 scheiterte an einer militärischen Interventionsdrohung und
an einem Ultimatum der Pariser Botschafterkonferenz. Karl I. wurde schließlich von der
Nationalversammlung Ungarns aller Rechte auf die Stephanskrone für verlustig erklärt.
Seit 1922 fanden regelmäßige Konferenzen der Bündnispartner statt, auf denen nicht nur militärische,
sondern auch über gegenseitige diplomatische Unterstützung und Zusammenarbeit auf den Gebieten
von Wirtschaft, Finanzen und Verkehr beraten wurde. In der Folgezeit wurde versucht, das
Bündnissystem auf die ehemaligen Kriegsgegner auszuweiten. Am 17. Februar 1924 wurde der
sogenannte Pakt von Rom zwischen Jugoslawien und Italien zur friedlichen Beilegung des Rijeka-
Konfliktes geschlossen, am 24. März 1924 ein Vertrag zwischen den Staaten der Kleinen Entente und
Ungarn, am 16. September 1926 ein italienisch-rumänischer Freundschaftsvertrag.

Krise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Die Kleine Entente war wegen der Rivalitäten zwischen den osteuropäischen Staaten kein stabiler
Zusammenschluss. Ihre militärischen Kräfte waren defensiv angelegt, was die Glaubwürdigkeit der
Bündniszusagen an die anderen Länder erschütterte. Frankreichs Kräfte waren für eine wirkungsvolle
Unterstützung der Verbündeten im Osten zu gering, seine Finanzkraft nicht stark genug, um den
Wiederaufbau derart zu unterstützen, dass sich daraus eine dauerhafte Bindung ergeben hätte. Die
Kleine Entente wurde aus französischer Sicht kein Ersatz für Russland und kein Ausgleich für die
Distanz der USA und Großbritanniens. Sie störte gar zusätzlich die britischen Aktivitäten in
Südosteuropa, was zur Entfremdung zwischen Frankreich und Großbritannien beitrug.[2]
Obwohl sich die Staaten der Kleinen Entente am 16. Februar 1933 wegen der Intensivierung der
deutschen außenpolitischen Aktivitäten im Donauraum, ermutigt von Frankreich, mit einem neuen
Organisationsstatut fester zusammenschlossen,[3] begann sie zu zerfallen, als sich die
Mächtekonstellationen änderten. Bereits 1934 schlossen Ungarn, Italien und Österreich
einen Konsultativpakt, die Römischen Protokolle, der sich gegen die Kleine Entente richtete.
Jugoslawien und Rumänien näherten sich außenpolitisch Deutschland an und vereinigten sich
mit Griechenland und der Türkei in der Balkanentente. Mit der Zerschlagung der Rest-
Tschechei zerbrach auch die Kleine Entente.