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BRASILIEN — S TI C H W O RTE ZU R G E S CH I CH TE

Die Unterdrückung jeglicher Opposition hat lange Tradition in Brasilien. Eigentlich seit
der Entdeckung des Landes durch die Portugiesen im Jahre 1500. Die portugiesische
Kolonialpolitik, drei hundert Jahre lang durch eiserne Hand geführt, mündete 1822 in die
Unabhängigkeit. Brasilien wurde zum Kaiserreich, mit einem absolutistischen
portugiesischen Fürst, Dom Pedro I, auf dem Thron. Nach seiner unfreiwilligen Abdankung
1831, wurde eine Spezialeinheit der Armee, die Nationalgarde, gegründet, um die
Interessen der mächtigen Großgrundbesitzer zu verteidigen gegen etliche Befreiungs-
aufstände im ganzen Land.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, mit der fortschreitenden Abschaffung der
Sklaverei (erst 1888 endgültig, offiziell zumindest) und allmählicher Dekadenz der
ländlichen Aristokratie, gewann die Armee selbst, vor allem nach dem unseligen Krieg
gegen Paraguay, immer mehr die Oberhand, bis zur Proklamation der Republik und
Verbannung des Kaisers, 1889, mit einem Marshall als Präsident.
Trotz gewisser fortschrittlichen Tendenzen – offene Rebellion gegen die alten
Monarkisten! – war die Armee schon immer eine stark repressive Macht, unerbittlich
gegen jedes Anzeichen von Opposition… mit vielen blutig niedergeschlagenen Episoden
in der Geschichte Brasiliens der letzten hundert Jahren auf ihrem Konto.
Im Lauf der Zeit erwies sich die Militärelite der Generäle und hoher Offiziere als
korrupte Handlanger der Landesbarone (fazendeiros); dagegen stellten sich andere Teile
der Armee, auf der Seite des wachsenden städtischen Mittelstandes, und rebellierten
mehrmals sehr heftig. Höhepunkt war die von Armeeoffizieren geführte Revolution, 1930,
die Getúlio Vargas, einen populistischen Offizier und selbst Großgrundbesitzer, an die
Regierung brachte. Vargas Politik wurde ziemlich bald von der alten Garde zusammen mit
den neu auftauchenden Kräften der Industrie bestimmt.
Die Arbeiterbewegung, immer stärker seit den 20er Jahre, blieb jedoch auf sich
gestellt, ohne jegliche Unterstützung… bis 1935, als eine Nationale Befreihungsallianz
gegründet wurde, mit desillusionierten Offizieren und Elementen der kommunistischen
Partei, wo nationislitische Politiker schnell eine Heimat fanden. Aus dieser Allianz entstand
im gleichen Jahr – mit Forderungen nach einer echten Bodenreform, mehr Unabhängigkeit
und besserer Verteilung des Wohlstandes – der kommunistische Aufstand, der, aus den
Kasernen ausgehend, prompt und brutal niedergeschlagen wurde.
Der kommunistische Aufstand von 1935 war in den nächsten Jahrzehnten das beste
Argument für die Militärs für das Harteingreifen gegen jegliche Volksbewegung in diese
Richtung. Und darin steckte bereits der Keim, nicht nur für den ESTADO NOVO, die Vargas-
Diktatur (1937-1945), faschistisch orientiert, Mussolini und Hitler zugewandt, und deshalb
auch gegen die bereits stark vorhandenen Interessen der USA in Brasilien, sondern auch
für die nächste pseudodemokratische, hartgeführte, antikommunistische, Amerika-
freundliche, ultrakonservastive Dutra-Regierung, die gegen den Diktator Vargas putschte
und die Macht übernahm.
Die nächste Periode, 1946-1964, ist gekennzeichnet von starken sozialen
Schwankungen zwischen industriellem Fortschritt, wachsenden Forderungen nach echter
Demokratie und Verteidigung der nationaler Interessen gegen das fremde Capital, vor
allem aus dem USA.
Wiedergewählt unter dem Banner des Nationalismus und als großer Vater der
Arbeiterschaft, wurde der populistische Vargas noch einmal Präsident, geriet aber durch
seine nationalistische Politik immer mehr unter dem Druck der antikommunistischen
amerikanischen Kräften, die das Militär in Brasilien völlig auf ihrer Seite hatten. Seine
Absetzung durch die Generäle – mit amerikanischer Unterstützung – stand kurz bevor, als
Vargas, der den immer lauter werdenden Druck von beiden Seiten nicht standhalten
konnte, 1954 Selbstmord beging.
Die unerwartete Reaktion der empörten Bevölkerung erschreckte zuerst einmal das
Militär zurück und die Putschpläne wurden verschoben… bis 1964.
Die Regierung Kubitscheck, mit ihrem ehrgeizigen Industrialisierungsplan des Landes,
dem Masch nach Westen und ins Landesinnere, mit dem Bau der neuen Hauptstadt
BRASILIA, 1960 eingeweiht, brachte viel mehr ausländisches Kapital. ins Land, so daß die
nächste Regierung des “halb Sozialisten” Jânio Quadros, mit seiner Cuba-Sympatie und
Abneigung gegen die Amerikaner, ihn zur Aufgabe seines Amtes erzwang.
Der letzte Tropfen war der Aufstieg ins Präsident-Palast des damaligens Vize-
Präsidents, Jango Goulart, der eindeutig die Waage nach links kippen wollte.
Auf starken Druck des State Departments – man fürchtete sehr um das amerikanische
Kapital – griffen die Militärs ein und putschten… am 1. April 1964.