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FAU Erlangen Nürnberg

Lehrstuhl für Philosophie


Sommersemester 2017
Mittelseminar Was ist Verantwortung
Sebastian Schmidt M.A.

Weshalb es irrational wäre, den Glauben an den Determinismus zu


verinnerlichen

Milan Slat
Wilhelm-Löhe-Straße 12
2-Fach Bachelor Philosophie/Kulturgeographie
4. Fachsemester
03.10.2017

1
Gliederung

1. Kleine Einführung in die Debatte über die Willensfreiheit 3

2. Ziel der Arbeit und Vorgehensweise 5

3. Probleme die entstehen, wenn man an den Determinismus glaubt in

Abhängigkeit von der Zeitperspektive der Entscheidungen 5

4. Die Entschuldbarkeit von Entscheidungen aus dem Glauben an den

Determinismus 8

5. Peter Strawsons Konzept der „reactive attitudes“ 11

6. Das Regressproblem 12

7. Fazit 14

2
1. Kleine Einführung in die Debatte über die Willensfreiheit

In der Debatte um die Willensfreiheit hat die Diskussion ob ein freier Wille mit dem
Determinismus1 vereinbar wäre, weitgehend die Frage abgelöst, ob der Determinismus wahr ist
oder nicht. 2 Wenn man die heutigen Positionen nach ihrer Antwort auf die Frage nach der
Vereinbarkeit von Willensfreiheit und Determinismus aufteilt, lassen sie sich in Kompatibilisten
(vereinbar) und Inkompatibilisten (unvereinbar) aufteilen. Kompatibilisten, welche denken, dass
es Willensfreiheit gibt und dies auch durch die Wahrheit des Determinismus nicht geändert werden
würde, werden weiche Deterministen genannt. Es gibt auch Positionen, welche der Meinung sind,
dass es für die Willensfreiheit so oder so egal ist ob der Determinismus wahr ist oder nicht, da die
Willensfreiheit so oder so besteht. So eine Position wird als agnostischer Kompatibilismus
bezeichnet. Innerhalb der Inkompatibilisten lassen sich grob folgende Lager unterscheiden: Zum
einen diejenigen, welche sich eher für die Wahrheit des Determinismus aussprechen und somit die
Willensfreiheit für nicht gegeben halten. Diese werden harte Deterministen genannt. Andererseits
gibt es bei den Inkompatibilisten solche, die den Determinismus für falsch und die Willensfreiheit
für existent halten. Diese werden als Libertarier bezeichnet. Positionen, in welchen die
Willensfreiheit weder in einer deterministischen noch in einer indeterministischen Welt für
möglich gehalten wird, werden freiheitsskeptische Positionen genannt. 3 Damit sind weder alle
Positionen in dieser Debatte benannt, noch die genannten ausreichend differenziert, jedoch werde
ich auf die Nennung weiterer Positionen verzichten, da sie mir für die folgende Argumentation
nicht notwendig scheinen.

Man darf allerdings leider auch nicht davon ausgehen, dass alle diese genannten Positionen ihren
4
Thesen dieselben Begriffe von Willensfreiheit zugrunde legen. Üblicherweise legen
Kompatibilisten einen anderen Begriff von Willensfreiheit zugrunde als Inkompatibilisten.5 Für
den von den hier erwähnten inkompatibilistischen Positionen benutzten Begriff von
Willensfreiheit ist notwendig, dass es Zeitpunkte gibt, an denen der Weltverlauf verschiedene
Verläufe nehmen kann, bei gleicher Vorgeschichte. Genauer gesagt wird eine Fähigkeit

1
Wenn ich im Folgenden den Begriff „Determinismus“ benutze, dann meine ich damit die These des universalen
Determinismus welche besagt, „dass der gesamte Weltlauf ein für alle Mal fixiert ist. Durch einen beliebigen
Anfangszustand und die Naturgesetze sind alle weiteren Weltzustände festgelegt, sodass es zu jedem Zeitpunkt
genau eine mögliche Zukunft gibt.“(Keil, G. 2009: 35)
2
Keil 2009: 13
3
Bei der Aufzählung dieser Positionen um die Willensfreiheit stütze ich mich vor Allem auf Geert Keils Buch
„Willensfreiheit und Determinismus“(S.10f) sowie den von Ansgar Beckermann geschriebenen Überblicksartikel
auf der Website http://www.philosophieverstaendlich.de/freiheit
4
Keil 2009: 12
5
Keil 2009: 13
3
vorausgesetzt, welche von Geert Keil „So-oder-Anderskönnen“ genannt wird 6 und von ihm
folgendermaßen beschrieben wird:

„Das fragliche aktive Vermögen schließt aus libertarischer Sicht die Fähigkeit ein, eine von mehreren
bestehenden Möglichkeiten zu verwirklichen, mithin die Zukunft auf eine von mehreren Weisen weiterlaufen
zu lassen

Um diese libertarischen Positionen konsistent zu vertreten, ist also ein indeterministisches


Weltbild nötig.7 Damit sind die Bedingungen für libertarische Willensfreiheit noch längst nicht
ausreichend beschrieben, aber mein Ziel an dieser Stelle ist es auch lediglich, hervorzuheben, dass
allein schon ein grundsätzlicher Dissens darin besteht, ob ein deterministisches oder
indeterministisches Weltbild zugrundegelegt werden muss, damit man frei sein kann. Was die
Bedingungen für kompatibilistische Willensfreiheit angeht, werde ich mich an die von Saul
Smilansky in Anlehnung an Richard Double (1991) formulierten Merkmale 8 einer freien
Entscheidung halten, da sie mir die notwendigen Bedingungen kompatibilistischer Kontrolle
hinreichend wiederzugeben scheinen. Diese lauten wie folgt:9

As Entscheidung n ist frei wenn:

1. A die Art der Überzeugungen, Wünsche und anderen mentalen Zuständen von A bekannt
sind, welche n hervorbringen (Selbstwissen)

2. A sich dazu entscheidet, eine kritische und undogmatische Evaluierung von n und den
mentalen Zuständen, welche n hervorbringen, zu unternehmen, in den Fällen, in denen so
eine Evaluierung angebracht ist (Vernünftigkeit)

3. Insoweit diese Evaluierung angemessen ist, genügt As Überlegung über n und den anderen
mentalen Zuständen normativen Standards bezüglich intellektueller Fähigkeiten
(Intelligenz)

4. A besitzt die Macht, während jedem Schritt in der Entscheidungsfindung anschließende


Überlegungen anzustellen für die wiederum 1,2 und 3 gilt (Effizienz)

5. A ist eine alleinstehende Person, auf die die Bedingungen 1. bis 4. zutreffen (Einheit)

Als zwei mir noch sehr wichtig erscheinende Bedingungen für Willensfreiheit, welche von Harry
Frankfurt formuliert wurden, wäre noch die Identifikation mit den eigenen Wünschen und der

6
Keil 2013: 101
7
Beckermann, A. http://www.philosophieverstaendlich.de/freiheit, 2005-10-03 22:00:00
8
Smilansky 2000: 40
9
Double 1991a: 48
4
möglichen Bezugnahme auf diese zu nennen.10 Nun sind das auch hier mit Sicherheit nicht alle
Bedingungen, die Kompatibilisten formuliert haben, um in kompatibilistischer Hinsicht als frei zu
gelten. Allerdings scheinen sie mir die Kernpunkte kompatibilistischer Freiheit hinreichend
widerzugeben.

Mein Ziel im vorhergehenden Abschnitt war es, einen kleinen Überriss über die Debatte um die
Willensfreiheit zu geben und zu zeigen, weshalb die Frage, ob unsere Welt deterministisch oder
indeterministisch fortläuft, so eine zentrale Stellung hat.

2. Ziel der Arbeit und Vorgehensweise

Nun ist mein Ziel in dieser Arbeit zu zeigen, dass es wichtige Gründe gibt, welche dagegen
sprechen, dass man die Überzeugung, dass der Determinismus wahr ist, haben sollte. Ich werde
also nicht, wie diese Einleitung vielleicht vermuten lässt, über die Bedingungen von
Willensfreiheit schreiben und darüber, was der richtige Sinn von Willensfreiheit ist. Dabei werde
ich so vorgehen, dass ich als allererstes zeige, dass unser Weltverständnis natürlicherweise ein
indeterministisches ist und danach die Implikationen beschreibe, welche die Überzeugung hätte,
dass es nur eine mögliche Zukunft gäbe, sowie die, dass es immer nur eine einzige Vergangenheit
geben hat können. Anschließend lege ich dar, inwiefern uns die Überzeugung beeinflussen würde,
dass wir im Moment des Entscheidens notwendig verursacht wären. Danach entwickle ich ein
Argument, wieso wir niemandem mehr Verantwortung für seine Handlungen zuschreiben können,
wenn wir wirklich an den Determinismus glauben. Im Anschluss daran, zeige ich, in Verbindung
mit Peter Strawsons Konzept der „reactive attitudes“, auf welche Weise unser Selbstbezug defizitär
werden würde, wenn wir den Glauben an den Determinismus beibehalten würden und welches
Dilemma sich daraus ergeben würde.

3. Probleme die entstehen, wenn man an den Determinismus glaubt in


Abhängigkeit von der Zeitperspektive der Entscheidungen

Ich werde im Folgenden betrachten auf welche Weise wir unsere auf unsere eigenen Handlungen
ändern müssten und welche Probleme sich daraus ergeben würden, wenn wir an den
Determinismus glauben würden. Dies werde ich tun in dem ich erst die Überlegung über
zukünftige Entscheidungen betrachte, anschließend solche, die bereits in der Vergangenheit liegen.

10
Frankfurt 1971
5
Anschließend werde ich mich der Gegenwart zuwenden und darlegen, welche Implikationen die
Überzeugung des Determinismus auf unsere Sicht unserer gegenwärtigen Entscheidungen hätte.
Robert Kane hat einen Punkt formuliert, weshalb wir normalerweise daran glauben, dass es
mehrere mögliche Zukünfte gibt.

„If Molly believes her choice is a free choice (made “of her own will”), she must believe both options are “open” to
her while she is deliberating. She could choose either one. (If she did not believe, what would be the point of
deliberating?) But that means she must believe that there is more than one possible path into the future available to
her and it is “up to her” which of these paths will be taken.”11

Wenn wir über unsere nächsten Handlungen nachdenken, so tun wir das nur dann, wenn wir mehr
als eine Handlung als erwägenswert empfinden. Wenn wir es als angebracht empfinden darüber
nachzudenken, ob wir eine bestimmte Handlung begehen sollen, dann müssen wir dafür auch die
Überzeugung haben, dass diese Handlung uns auch tatsächlich offen steht. Es wäre sonst wohl
sehr irrational darüber nachdenken zu wollen, ob man diese Handlung begehen sollte. Wenn wir
also praktische Überlegungen anstellen, welche Handlung aus den Mehreren wir unternehmen
sollten, dann müssen wir die Überzeugung haben, dass die Zukunft auch jede dieser Handlungen
enthalten könnte. Da es sich hier um verschiedene Handlungen handelt, muss man also auch die
Überzeugung besitzen, dass verschiedene Zukünfte möglich sind. 12 Da diese verschiedenen
Handlungen von einer Person selbst verübt werden, muss man also auch davon überzeugt sein,
dass es bei einem selbst liegt, welchen Zukunft eintreffen wird.13

Saul Smilansky gibt ein sehr ähnliches Argument von Nicholas Denyer (1981) wieder, welcher
folgert, dass man mit sich selbst inkonsistent ist, wenn man an den Determinismus glaubt und
notwendigerweise an eine offene Zukunft während einer Überlegung. 14 Während ich dabei
zustimmen würde, dass der Glaube an eine offene Zukunft sehr einladend und intuitiv erscheint,
denke ich nicht, dass die daraus gefolgerte Indifferenz eintritt. Solange man die Überzeugung einer
offenen Zukunft nicht annehmen muss während man überlegt, folgt auch nicht, dass man
inkonsistent mit sich wäre, sobald man überlegen und an den Determinismus glauben würde.
Smilansky gibt folgenden Einwand auf Denyer, mit Verweiß auf Pettit (1989) und Kapitan (1986),
wieder: Da man die Zukunft nicht kennt, gibt es mehrere vorstellbare Zukünfte. Aufgrund der
Unsicherheit, welche Zukunft eintreten wird, besteht ein Anlass zur Überlegung über diese

11
Kane 2005: 6f
12
einen ganz ähnlichen Punkt macht auch Peter van Inwagen 1983: 155
13
Kane 2005: 6f
14
Smilansky 2000: 59, (siehe auch: van Inwagen 1983
6
Zukünfte.15 Wenn man den Determinismus glauben möchte, kann man dies also vielleicht auch
erreichen.

Man kann es also schaffen, an nur eine mögliche Zukunft zu glauben und das wegen der
Unkenntnis der Zukunft. Ich denke allerdings, die Dinge liegen wesentlich schwieriger, wenn man
den gleichen Fall auf die Vergangenheit überträgt.

Wenn ich eine Handlung begehe, und sie im Nachhinein bereue, dann sollte ich darüber
nachdenken, wie ich hätte besser handeln können. Nun mag es rational sein, über die vorgefallenen
Ereignisse nachzudenken und mir zu überlegen, wie es möglicherweise hätte besser laufen können.
Ich gestehe ein, dass dies auch möglich wäre, wenn man aufgrund des Glaubens an den
Determinismus davon überzeugt wäre, dass nur diese eine Vergangenheit möglich gewesen ist.
Aber wenn ich überhaupt nicht hätte anders handeln können, als wie ich weiss, dass ich gehandelt
habe, dann stellt dies für mich ein Problem dar; allein schon deswegen, weil mir ganz genau
bewusst wäre, dass mein Handlungsspielraum auf exakt diese eine Handlung begrenzt war und ich
mir infolgedessen die Verantwortung für diese Handlung nicht zuschreiben kann - egal, ob ich
diese nun positiv oder negativ betrachte. Ich würde meine Handlungen also als mir gegeben
wahrnehmen.

Dies bringt mich zu meinem nächsten Punkt, welcher sich mit dem Moment der Entscheidung an
sich beschäftigt, sowie was es mit unserem Selbstverständnis macht, wenn wir von dem Glauben
durchdrungen sind, vollständig determiniert zu sein. Die Quintessenz des Arguments wird sein,
dass der Glaube an die Existenz des Determinismus ein stetiger Quell von Selbstentfremdung
wäre.

Ein weiterer Grund, weshalb es nicht rational wäre, die Überzeugung des Determinismus zu
verinnerlichen, hat seine Begründung in den Folgen davon, was es bedeuten würde, in dem
Moment der Entscheidung diese Entscheidung als notwendig und gegeben zu empfinden. Rahel
Jaeggi identifiziert dies als eine Spielart von Selbstentfremdung mit den folgenden Merkmalen im
Selbstempfinden:

„Als entfremdend stellt sich die Situation also dar, sofern es ihm vorkommt, als sei es eine fremde Macht, die
in seinem Leben und in gewissem Maße ‘durch ihn hindurch‘ wirkt. Allerdings geht es hier ausdrücklich nicht um
Manipulation oder auch nur um das Gefühl, manipuliert zu werden.[…] Die ‘fremde Macht‘, um die es hier geht, lässt
sich dagegen nicht nur nicht identifizieren: Es sieht so aus, als gäbe es hier gar keine Macht, die wirksam

15
Smilansky 2000: 59
7
würde.[…]Unser Protagonist,[…], handelt also selbst, aber er handelt, ohne wirklich zu handeln. Es ist ein in
bestimmter Hinsicht ‘defektes‘ Handeln.“16

Entfremdung wird von Rahel Jaeggi als ein „aus der Perspektive des Subjekts betrachtet […]
defizitäres Welt- und Selbstverhältnis“17 beschrieben. Dazu gehört, „sich selbst unzugänglich zu
sein“ in seinen Wünschen und Handlungen. Wie ihre Beschreibung deutlich werden lässt, trifft das
Selbstbild, welches man entwickeln würde, würde man an den Determinismus glauben, sehr genau
diese Bedingung.

4. Die Entschuldbarkeit von Entscheidungen aus dem Glauben an den


Determinismus

Ich werde als nächstes für die These argumentieren, dass die Überzeugung, jemand sei in die
Richtung einer bestimmten Entscheidung determiniert18, den Grad verringern würde, in welchem
wir dieser Person Verantwortung für Entscheidungen zuschreiben. Das Argument werde ich
anhand eines Beispiels entwickeln, anschließend betrachte ich inwieweit wir diesen Personen
moralische Verantwortung für ihre Entscheidung anrechnen und woran wir diese Unterschiede
festmachen.

Wenn zwei Personen sämtliche Bedingungen kompatibilistischer Kontrolle erfüllen, so sind sie
den Kompatibilisten nach für ihre Taten verantwortlich, im positiven wie im negativen Sinn. Sie
können also sowohl gelobt als auch getadelt werden.

Fall 1: Björn und Leonie engagieren sich beide in der Flüchtlingshilfe. Sie haben sich beide nach einer
reiflichen Überlegung dazu entschieden und diese Entscheidungen, welche sie getroffen haben, genügen
sämtlichen Bedingungen kompatibilistischer Kontrolle, die oben formuliert wurden. Von Leonie wissen wir,
dass sie sehr viel Toleranz, Hilfsbereitschaft und Offenheit vorgelebt bekommen hat und ihre Eltern sich viel
Mühe gegeben haben, sie zu einem hilfsbereiten und rationalen Menschen zu erziehen. Sie hat unserer
Meinung nach eine außerordentliche gute Erziehung genossen. Björn ist sehr ähnlich aufgewachsen,
allerdings haben wir keine Kenntnis davon. Wir denken, dass er ein Elternhaus hatte, welches zwar nicht
explizit fremdenfeindlich eingestellt war, in dem allerdings durchaus bestimmte Ressentiments präsent
waren, in dem aber trotzdem solche Werte wie Hilfsbereitschaft als wichtig vermittelt wurden.

16
Jaeggi 2016: 83f
17
Jaeggi 2016: 213
18
Hier benutze ich „determiniert sein“ in einem wesentlich schwächeren Sinn als sonst in dieser Arbeit. Ich meine
hier, dass man eine Neigung in eine bestimmte Richtung hat, bzw. es überwiegend Faktoren gibt, die diese Person in
eine solche Richtung beeinflussen würden, während es nicht bedeutet, dass diese Entscheidung notwendig erfolgen
muss.
8
Nach der Darstellung dieser Fälle würde ich sagen, dass Leonie von den Beiden diejenige Person
ist, der man die Entscheidung, sich in der Flüchtlingshilfe zu engagieren, weniger anrechnet. Der
Grund liegt nicht darin, dass wir denken, ihre Kontrolle sei eingeschränkt gewesen oder der
Prozess des Überlegens an sich wäre bei ihr ein grundsätzlich anders gearteter Vorgang gewesen.
Wir sind dieser Meinung, weil zwar beide ein in gleichem Maße lobenswertes, moralisches
Verhalten an den Tag legen (also hinsichtlich ihres Engagements in der Flüchtlingshilfe), aber
gleichzeitig sind wir der Meinung, dass es für Leonie leichter war, dieses moralisch lobenswerte
Verhalten auszubilden. Wir wissen von dem kausalen Einfluss guter Erziehung und positiver
Erfahrungen in der Kindheit auf die Ausbildung einer rationalen und moralisch integren
Persönlichkeit. Dadurch, dass wir der Meinung sind, es gab mehr Faktoren in ihrem Leben, welche
ihr Engagement wahrscheinlicher gemacht haben und wir diese Faktoren nicht in ihrer Kontrolle
stehen sehen19, wird ihre gesamte Situation immer mehr zu einer glücklichen Fügung für uns. Und
Glück oder Unglück zu erfahren, ist kein angemessener Grund für Lob oder Tadel. Es ist
maßgeblich zu sehen, dass hier keine Form von Manipulation, Zwang oder ähnlichen
kompatibilistisch entschuldigenden Umständen vorliegt. Leonies Entscheidung für ihr
Engagement folgt konsistent aus ihrem Charakter, ihrer Vorgeschichte, wurde mittels kritischer
und undogmatischer Überlegung gebildet und genügt sämtlichen Ansprüchen normativer
Standarts bezüglich intellektueller Fähigkeiten (siehe die oben formulierten Bedingungen
kompatibilistischer Freiheit). Es sind die uns bewussten, in diese bestimmte Richtung kausal
wirksamen Elemente in Leonies Leben, die den Eindruck verwässern, dass sie in einem relevanten
Sinn verantwortlich für ihre Situation ist. Selbstverständlich ließe sich das Beispiel auch so
konstruieren, dass wir einer Person ein moralisch tadelnswertes Verhalten weniger ankreiden, weil
wir ihr Leben für eine Folge unglücklicher Umstände halten.

Wir rechnen einer Person also weniger Verantwortung für ihre Entscheidung zu, wenn wir uns der
kausal wirksamen Elemente bewusst sind, die verursacht haben, dass sie eher diesen Weg
einschlägt. Wenn die Überzeugung über das Bestehen kausal wirksamer Elemente in Richtung der
Entstehung einer bestimmten Entscheidung den Grad mindert, in der wir ihr Verantwortung
zuschreiben, dann wird auch die Überzeugung, dass eine Person kausal beeinflusst ist, in eine
bestimmte Richtung einen Einfluss darauf haben, wie sehr wir ihr Verantwortung zuschreiben.
Weiterhin können wir Personen für mehr oder weniger verantwortlich halten. 20 Wenn die

19
Selbst wenn wir diese Faktoren in einem kompatibilistischen Sinn unter ihrer Kontrolle stehen würden bzw
gestanden hätten, ist es durchaus einsichtig, dass für jeden dieser Umstände wieder kausale Faktoren bestehen
würden, welche uns Leonie von ihrer Verantwortung für diese Faktoren entbinden würden.
20
Dies folgt meiner Ansicht nach allein schon daraus, dass wir sowohl Björn als auch leonie für verantwortlich
hinsichtlich der Entscheidung ihres Engagements in der Flüchtlingshilfe halten. Allerdings, wie gezeigt, eben Björn
mehr als Leonie. Das bedeuted es muss auch verschiedene Grade geben in denen verantwortung zugeschreiben wird
9
Zuschreibung von Verantwortung durch die Überzeugung über die Existenz kausal wirksamer
Elemente in Richtung der Entstehung einer bestimmten Entscheidung den Grad mindert, in der
wir ihr Verantwortung zuschreiben und wir Personen für mehr oder weniger verantwortlich halten
können, wird der Grad in dem wir sie für verantwortlich halten, damit steigen und fallen für wie
sehr verursacht wir sie halten. Wie sehr wir ihr Verhalten also durch kausale Faktoren determiniert
sehen. Wenn das so ist, und wir vom Determinismus wirklich überzeugt sind, wir also die
Entscheidung einer Person für notwendig verursacht halten beziehungsweise, dass es kausale
Faktoren gibt die ihr Verhalten komplett und notwendigerweise determinieren, dann werden (oder
sollten, um konsistent zu bleiben) wir einer Person ihre moralische Verantwortung auch komplett
und notwendigerweise abschreiben.

Ich werde das Argument noch einmal rekapitulieren: Wir sind uns der kausalen Wirkkraft
verschiedener Faktoren hinsichtlich der Entscheidungsfindung bewusst und haben eine
Vorstellung darüber, in welche Richtung sie verursachend wirken. Wenn wir denken, dass solche
Faktoren vorliegen und eine Entscheidung begünstigt haben, dann verringert dies die
Verantwortung, die wir der entsprechenden Person beimessen. Dies geschieht auch dann, wenn
diese Person sämtliche Bedingungen kompatibilistischer Freiheit erfüllt (siehe oben). Da uns diese
Verursachung in verschiedenen Graden bewusst sein kann, sprechen wir Personen auch in
verschiedenen Graden von ihrer Verantwortung frei. Wenn wir Personen in verschiedenen Graden
von ihrer Verantwortung befreien in Abhängigkeit davon, für wie sehr verursacht wir sie halten
und wir überzeugt davon sind, dass ihre Entscheidung unausweichlich und komplett determiniert
war, dann sprechen wir dieser Person auch die Verantwortung für ihre Entscheidung komplett ab.

Nun können wir diesen letzten Punkt mit der Überzeugung, dass der Determinismus wahr ist,
zusammenführen: Falls wir wirklich an den Determinismus glauben, und somit überzeugt davon
sind, dass sämtliche Entscheidungen aller Lebewesen durch kausale Faktoren notwendig
verursacht sind, dann können wir auch keinem einzigen Lebewesen Verantwortung für seine
Handlungen zuschreiben.

Nachdem ich gerade gezeigt habe, dass man niemandem mehr für seine Taten Verantwortung
zuschreiben würde, wenn man komplett vom Glauben an den Determinismus überzeugt wäre, mag
man fragen, was denn letztendlich so schlimm daran wäre. Es könnte doch auch gute Effekte auf
Menschen haben, wenn sie sich nicht mehr gegenseitig Vergehen vorwerfen würden, sondern sich
mit mehr Verständnis begegnen würden, da sie verstehen, dass das Verhalten der anderen
notwendig so verursacht war. Natürlich brächte es große Probleme mit sich, da unsere Gesellschaft
noch so konzipiert ist, dass wir Menschen loben und tadeln und ihnen aufgrund dessen
verschiedene Entlohnungen für ihre Verdienste zurechnen. Aber wäre es dann nicht die
10
Gesellschaft, die zu ändern wäre und nicht die Überzeugung, dass der Determinismus wahr ist?21
Ich denke es gibt trotzdem gewichtige Gründe, welche dagegen sprechen, dass man an den
Determinismus vollkommen glauben sollte. Deshalb werde ich im Folgenden im Anschluss an
Peter Strawsons Konzept der „reactive attitudes“ (1962) ein Argument entwickeln, welches zeigt,
dass die Art und Weise, in der wir uns infolgedessen auf uns selbst beziehen, defizitär wäre.

5. Peter Strawsons Konzept der „reactive attitudes“

In seinem Aufsatz „Freedom and Resentment“ von 1962 stellt Peter Strawson sein Konzept der
„reactive attitudes“ vor. Diese reactive attitudes stellen „emotional gefärbte moralische
Handlungen“22 dar, welche Personen anderen Personen gegenüber, als Reaktion auf den Willen
und die Haltung der anderen Person, die sie hinter der Handlung stehen zu sehen glauben,
vornehmen. 23 Beispiele für solche Handlungen wären zum Beispiel Lob und Tadel, allerdings
umfasst die Liste der „reactive attitudes“ auch solche Haltungen wie Groll, Missgunst oder auch
Dankbarkeit. Wir nehmen diese „reactive attitudes“ gegenüber anderen Menschen automatisch
ein, da sie wesentlich für unsere zwischenmenschlichen Beziehungen sind 24 . Es liegt also in
unserer Natur, dass wir andere Menschen zur Verantwortung ziehen. Ebenso sind wir frei nach
Strawson, solange wir angemessene Zielobjekte dieser „reactive attitudes“ sind.25 Dadurch, dass
eine seiner Annahmen die nicht komplett mögliche Unaufgebbarkeit dieser „reactive attitudes“
ist 26 , kann er auch am Anfang seines Textes behaupten, er wüsste nicht, wie die These des
Determinismus lautet.27 Da wir nicht aufhören können, andere Personen für verantwortlich zu
halten, ist es für Strawsons Position auch egal, ob wir den Determinismus für wahr halten oder
nicht. Wobei es falsch wäre zu sagen, dass Strawson diese „reactive attitudes“ nicht in bestimmten
Fällen für aussetzbar hält. Unter bestimmten Bedingungen, wie dass der Handelnde die Folgen
seiner Handlung nicht abschätzen konnte bzw. abgeschätzt hat oder gezwungen wurde, ist das nach
Strawson möglich28. In diesen Fällen ist die hinter der Handlung stehende Haltung eben nicht
diejenige, welche man normalerweise hinter Handlungen dieser Art vermutet. Ein Beispiel wäre,
wenn jemand eine Zimmertür öffnet und eine andere Person dabei versehentlich mit der Tür im

21
Dieser Meinung bin ich zwar in einem gewissen Maße durchaus, aber das ist nicht die Stelle um diese These
weiter zu verfolgen.
22
Keil 2013: 69
23
Strawson 1962: 48,49f
24
Strawson 1962: 53
25
Keil 2013: 69
26
Strawson 1962: 54
27
Es ist wohl anzunehmen, dass er sehr wohl weiß, wie die These lautet. Seine Aussage soll wohl ausdrücken, dass
es für seine Theorie irrelevant ist, ob der Determinismus wahr ist oder nicht. Deshalb lässt sich seine Position auch
zu den agnostischen Kompatibilisten zählen. (Keil 2013: 70)
28
Strawson 1962: 51f
11
Gesicht träfe, ohne dies in irgendeinerweise intendiert zu haben. In diesem Fall würde die „reactive
attitude“ der getroffenen Person sehr viel schwächer ausfallen, wenn sie wüsste, dass die andere
Person dies nicht beabsichtigt hatte. Ein anderes Set von Bedingungen für die Aussetzung von
„reactive attitudes“ befasst sich mit Fällen, in denen wir „reactive attitudes“ für unangebracht
halten, da sich die andere Person in einem Zustand befindet, in welchem wir ihr aufgrund von
(temporären) inneren Zwängen (z.B. Hypnose) oder nicht gerechtfertigten Ansprüchen bezüglich
rationalen Verhaltens (z.B. Kindsein) nicht die hinreichende Möglichkeit zusprechen rational zu
handeln.29 Die Menge dieser Haltungen, bei deren Einnahme man die andere Person nicht für
verantwortlich für ihre Entscheidungen hält, fasst Strawson unter dem Namen „objective attitudes“
zusammen.30

Nun ist nicht schwer zu sehen, dass die Haltung, welche man einer Person gegenüber einnehmen
würde, würde man den Determinismus ernstlich für wahr halten, ziemlich genau so einer
„objective attitude“ entsprechen würde. Aber nicht nur das, da der Determinismus universell gilt,
würde man jeder Person gegenüber eine objektive Einstellung einnehmen. Strawson selbst sagt,
dass er das nicht für vollkommen unmöglich hält. 31 Aber er schreibt, er hält es für praktisch
unerreichbar und nicht wünschenswert, jedem Menschen eine komplett objektive Einstellung
gegenüber einzunehmen.32 Ich denke er hat Recht damit, dass dies nicht wünschenswert wäre, auch
wenn ich mir nicht ganz sicher bin, dass es unmöglich ist.

6. Das Regressproblem

Ein Grund wieso es meiner Meinung nach möglich sein könnte, wäre die Motivation, nicht in
seinen Überzeugungen und seinem Handeln inkonsistent zu sein. Wenn man die Überzeugung des
Determinismus verinnerlicht hätte und dies Folgen hätte, wie oben gezeigt, dann müssten uns diese
„reactive attitudes“ gegenüber anderen Menschen zutiefst ungerecht vorkommen und wir uns
selbst inkonsistent in unserem Handeln. Im Folgenden würde ich deshalb gerne den Fall
annehmen, dass es eben durchaus möglich ist, diese „reactive attitudes“ komplett aufzugeben und
ein Argument ausformulieren, wieso die Art und Weise wie wir uns in Folge dessen auf uns selbst
beziehen, defizitär wäre.

29
Strawson 1962: 51f
30
Strawson 1962: 52
31
Strawson 1962: 54
32
Strawson 1962: 54
12
Der Grund dafür läge darin, dass ich, wenn ich jeder Person gegenüber eine objektive Einstellung
einnehme, auch mir selbst gegenüber eine so eine objektive Einstellung einnehmen würde. Sobald
dies geschehen würde, könnte ich mir selbst gegenüber nicht mehr sinnvoll Gründe vor Augen
führen, denn es würde keinen Sinn mehr machen. Meiner eigenen Einstellung zu mir Selbst nach,
bin ich Gründen gegenüber nicht mehr richtig zugänglich.33 Und sobald ich nicht mehr zugänglich
für meine eigenen Überlegungen wäre, bin ich mir selbst auch nicht mehr zugänglich, was
schwerwiegende Folgen für meine Fähigkeit rational zu handeln hätte.

Der Grund dafür ist, dass wenn ich rational über mich selbst nachdenken wollen würde, ich
entweder in einen infinitiven Regress geraten, erstarren oder aufgrund einer irrationalen
Entscheidung handeln würde. Da ich mich selbst für eine Person halte, deren Verhalten
Beobachtung und einer besonderen Behandlung bedarf und die die Dinge nicht klar sieht,34 sollte
jede meiner Entscheidungen und Überlegungen noch einmal überdacht werden. Da ich, wie bereits
gezeigt, alle anderen Personen für mindestens genauso unzurechnungsfähig halte wie mich selbst
und ich selbst außerdem immerhin noch in der Lage bin, meine eigenen Gedanken per
Introspektion zu beleuchten, so bin ich selbst die naheliegendste Person, welche meine
Entscheidungen noch einmal überdenken sollte. Wenn das so ist, und jede meiner Überlegungen
und Entscheidungen noch ein weiteres Mal überdacht werden sollte, dann ist nicht schwer zu
sehen, dass hier ein infinitiver Regress droht. Diesem kann man nun auf mehrere Arten entfliehen:
Einerseits könnte man einfach sowohl das Überlegen, als auch das Handeln sein lassen und in
stumpfer Erstarrung weiterleben. Was wohl nicht wünschenswert ist. Allerdings könnte man
natürlich auch an irgendeiner Stelle das Überlegen beenden und einfach handeln, so begründet der
Gedanke von der Irrationalität dieser Handlung auch sein mag. Ich halte diese Option noch für die
praktikabelste von allen. Aber auch das scheint nicht wirklich etwas zu sein, dass man gerne
praktizieren würde.

Es scheint also, als würde man in ein Dilemma geraten, würde man an den Determinismus glauben.
Glaubt man an ihn und gibt seine „reactive attitudes“ nicht komplett auf, ist man anderen
Menschen gegenüber ungerecht und inkonsistent mit sich selbst. Gibt man diese „reactive
attitudes“ allerdings komplett auf, werden die Probleme nicht weniger. Man würde entweder
irrational handeln, gar nicht mehr handeln oder in einer Denkschleife gefangen bleiben (also
natürlich auch nicht mehr handeln in einem relevanten Sinn). Das scheint alles nicht
wünschenswert zu sein.

33
Strawson 1963: 52
34
Strawson 1963: 52
13
7. Fazit

Ich habe in dieser Arbeit gezeigt, dass es in vielerlei Hinsicht problematisch für uns wäre, vom
Determinismus vollkommen überzeugt zu sein. Sei es, weil wir uns für unsere vergangenen Taten
nicht mehr sinnvoll verantwortlich fühlen könnten oder weil die Art und Weise, wie wir uns
infolgedessen auf uns selbst beziehen würden, ungenügend wäre. Weiterhin habe ich gezeigt, dass
die Überzeugung, jeder andere Mensch wäre vollständig determiniert in seinen Entscheidungen,
uns dazu bringen würde, keinem anderen Menschen mehr Verantwortung zuzuschreiben. Im
Anschluss daran habe ich Peter Strawsons Konzept der „reactive attitudes“ erklärt und gezeigt,
welche schwerwiegenden Probleme in Anbetracht dieser Konzeption von Verantwortung, und dem
gleichzeitigen Glauben an den Determinismus, erwachsen würden. Dazu habe ich, anders als
Strawson, angenommen, dass man die „reactive attitudes“ komplett ablegen kann. In dem Fall
nämlich, wenn man die „reactive attitudes“ komplett ablegt, verliert man die Fähigkeit, rational zu
handeln, da man entweder in einen Regress gerät, in Erstarrung verfällt oder nach eigenem
Ermessen irrational handelt. In dem anderen Fall, wenn man die „reactive attitudes“ nicht ablegt,
verhält man sich inkonsistent, da die „reactive attitudes“ unter Anderem
Verantwortungszuschreibungen darstellen und man allerdings niemandem mehr Verantwortung
zuschreiben kann, wenn man wirklich an den Determinismus glaubt. Es scheint also so, als sollte
man allein schon aus praktischen Gründen nicht an den Determinismus glauben, zumindest
solange der Druck der Gründe, welche dafür sprechen, dass der Determinismus wahr ist, nicht
komplett überwältigend ist. Aber ich denke, dass niemand dazu gezwungen ist, an den
Determinismus zu glauben.35

Ich möchte einen eigenen Lösungsvorschlag machen, für den ich an dieser Stelle leider nicht mehr
ausreichend argumentieren kann, welcher über das einfache Vermeiden des Glaubens an den
Determinismus hinausgeht. Wie wir ja sehen, sind wir nun einmal mehr oder weniger notwendig
verursacht. Und sehr vieles deutet darauf hin, dass es eher mehr als weniger ist. Allerdings sind
wir, wie eben schon erwähnt, nicht darauf festgelegt, an die notwendige Verursachung aller
Ereignisse zu glauben. Und wenn es ein so großes Problem für uns bedeutet, unsere alltäglichen
Praktiken der Verantwortungszuschreibung vollständig ruhen zu lassen, dann sollten wir das auch
nicht tun. Allerdings, wenn wir Menschen nicht mehr komplett für ihre Situation verantwortlich
machen, indem wir verstehen, dass sie verursacht sind, dann sollten wir vielleicht auch versuchen
zu verstehen, auf welche Weise und in Folge dessen auch, in welchem Maße sie verursacht sind.

35
Geert Keil 2013: 52
14
Das würde dann höchstwahrscheinlich dazu führen, dass wir in dem gleichen Maße unsere
„reactive attitudes“ aufgeben. Das würde allerdings nie ein Problem werden, da wir nicht in der
Lage wären, sämtliche kausalen Faktoren fassen und verstehen könnten. Deshalb könnten wir auch
niemals unsere sämtlichen sozialen Praktiken der Verantwortungszuschreibung aufgeben, solange
wir eben nicht die sehr viel weitergehende These von der notwendigen Verursachung aller
Ereignisse akzeptieren. Ich persönlich denke, dass dies sowohl mit einem gesunden Selbstbild
vereinbar wäre, als auch zu einer sehr viel gerechteren Welt führen würde. Aber das ist wohl ein
Thema für einen anderen Text.

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8. Literaturverzeichnis

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