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Milan Slat 22065441

Basisseminar Arbeit & Organisation


Sommersemester 2018
Prof. Dr. Jan Weyand
17.06.2018
Robert Castel identifiziert in diesem Text notwendigen Bedingungen für den Übergang zum fordistischen
Lohnarbeitsverhältnis und dessen Stabilität. Dazu formuliert er 3 Merkmale der proletarischen Lage, in der
sich Arbeiter zum Beginn der Industrialisierung befunden haben. Diese lassen sich den drei Kategorien der
Form der Vergütung des Arbeiters, der Arbeitsorganisation, welche die Produktionsweise regelt, sowie die
vertraglichen Rahmenbedingungen zwischen dem Arbeiter und seinem Unternehmen, zuordnen. Diese 3
Merkmale zum Beginn der Industrialisierung sind zum einen eine so geringe Bezahlung, dass diese knapp
für die Reproduktion der Arbeitskraft des Arbeiters und zur Grundversorgung ausgereicht hat, allerdings
nicht für darüber hinaus gehenden Konsum. Zum Zweiten eine äußerst geringe gesetzlich und gesicherte
und vertraglich geregelte Sicherungen für die Arbeiter. Sowie als drittes Merkmal relativ gesehen zum
fordistischen Lohnarbeitsverhältnis eine lose Verbindung der Arbeiter zu ihrem Unternehmen. Da unter
diesen Voraussetzungen eines Arbeitsverhältnisses als Kontrakt der Übergang zu einem fordistischen
Lohnarbeitsverhältnis nicht bestehen könnte, formuliert Castel 5 Bedingungen, welche notwendig für den
Übergang zum Fordismus waren. Die Erste ist die klare begriffliche Trennung und Erfassung von
Nichterwerbstätigen, teilweise Erwerbstätigen und regelmäßig Erwerbstätigen, da ohne dies die
Organisation eines Arbeitsmarktes und Zuteilung von Personen in bestimmte Maßnahmen, wie eine
staatliche, an Arbeit gekoppelte Grundsicherung nicht möglich wäre. Die zweite Voraussetzung ist eine
Zergliederung des Arbeitsprozesses in kleinere Arbeitsschritte, welche eine Vereinheitlichung durch
Kompetenznivellierung der Arbeiterschaft sowie eine Differenzierung in Aufpasser und Ausführende der
Arbeiterschaft zur Folge hatte. Die dritte Voraussetzung ist eine substantielle Lohnerhöhung für die
Arbeiter, durch die sie in die Lage versetzt wurden, selbst in der Industrie hergestellte Güter, außer denen
für die Grundsicherung, zu erwerben. Die vierte Vorrausetzung ist eine staatliche Grundsicherung und eine
Teilhabe an öffentlichen Dienstleistungen, welche der Verelendung großer Bevölkerungsteile vorbeugen
sollten und es ihnen ermöglichen sich wieder in ein Lohnarbeitsverhältnis einzugliedern. Die fünfte
Voraussetzung ist die rechtliche Absicherung des Arbeiters durch ein Arbeitsrecht, das die Arbeiterschaft
als Gruppe konstituiert und den Übergang vom Kontrakt des Arbeitsverhältnisses zu dem Status als
Lohnabhängigem zur Folge hat.

Allerdings ist die Stabilität der hierdurch entstehenden Lohngesellschaft nicht allein durch diese Faktoren
zu erklären, da sich durch die Wechselwirkung aus Konkurrenz und Distinktion dieser lohnabhängigen
Positionen eine enorme innere Spannung sich aufbauen würde, wenn dem nicht eine Kombination aus
Wirtschaftswachstum und ein Ausbau des Sozialstaates entgegenwirken würde. Das Wirtschaftswachstum
war notwendig für die Schaffung der heutigen Sozialversicherung und somit auch notwendig für die
Entwicklung der heutigen Lohnarbeitsgesellschaft. Dabei war ein wesentlicher Bestandteil dieser
Sozialversicherung die Absicherung der lohnabhängigen Beschäftigten, indem der Staat als Mediator
zwischen den Interessen der Arbeitgeber und denen der Arbeitnehmer vermittelt hat. Diese Rolle des
Staates als sozialer Akteur wurde ergänzt von seiner Rolle als ökonomischer Akteur. In dieser übte der
Staat nach keynesianischen Grundsätzen einen Einfluss auf die Ökonomie aus und stabilisiert die modernde
Lohnarbeitsgesellschaft, indem er auch das Sozialeigentum ausweitet. Durch diese Maßnahmen fungierte
der Staat als Vermittler zwischen den verschiedenen Interessen der Marktteilnehmer und konstituierte so
die Stabilität des modernen Lohnarbeitsverhältnisses.

Inwiefern hängt die substantielle Lohnerhöhung mit der Produktionssteigerung durch die Arbeiter
zusammen?