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Wer war Leonardo da Vinci?

Vor 500 Jahren starb Leonardo da Vinci, das Universalgenie aus der Toskana. Er war Künstler
und Naturwissenschaftler und verkehrte trotz niederer Herkunft mit den mächtigsten Männern
der Renaissance.

Wissenschaft und Kunst gehörten für Leonardo da Vinci zusammen. Eigentlich gehörte für ihn alles
zusammen. Er war neugierig, wollte die Welt verstehen und ließ seine naturwissenschaftlichen Erkenntnisse
in seine Kunst einfließen. Schon als Kind setzte er sich mit einem Büchlein vor die Tür, beobachtete die
Wolken und notierte, was er sah. Als Erwachsener sezierte er heimlich Leichen, um sein Wissen über
Körperbau, Muskeln, Gelenke und Proportionen zu erweitern.

Aus der Provinz ins pulsierende Florenz

Geboren wurde Leonardo am 15. April 1452 in Anchiano, einem Ortsteil der Gemeinde Vinci in der Toskana.
Seine Eltern, ein Notar und eine 16-jährige Magd, waren nicht verheiratet. Leonardo wuchs daher bei
seinem Großvater auf und zeichnete gern. Es gelang ihm, als Lehrling in der Werkstatt des renommierten
Bildhauers Andrea del Verrocchio unterzukommen. Dieser erledigte Aufträge für die Medici, eine
Kaufmanns- und Bankiersfamilie, die Florenz über Jahrhunderte mit ihrer Macht und ihrem Geld
kontrollierte.

Revolution in der Porträtmalerei

Leonardo da Vinci erhielt Einzug in die höheren Kreise und wurde Mitglied der Lukasgilde, einer
Florentiner Künstlervereinigung. Er malte in aller Seelenruhe Porträts und Madonnenbilder. Manche Bilder
bewahrte er Jahrzehnte in seiner Werkstatt auf und überarbeitete sie immer wieder - das berühmteste Bild,
das jahrelang mit ihm reiste, ist die weltbekannte "Mona Lisa", ein Bildnis, das heute im Louvre in Paris zu
sehen ist.

Ob verträumt dreinblickend oder selbstbewusst-abgeklärt, Frauen hatten es ihm angetan - allerdings nur
auf der Leinwand. Privat interessierte er sich für Männer. Gegen die Konventionen verstieß er auch mit
seiner Porträtmalerei. Statt die Damen, wie seinerzeit üblich, im Profil zu malen, blicken sie in da Vincis
Bildern den Betrachter an.

Erkenntnisse in Spiegelschrift

Doch Leonardo da Vinci nur auf seine Malerei zu reduzieren, wird ihm nicht gerecht. Zum einen hinterließ
er gar nicht so viele Gemälde. Nur ein gutes Dutzend werden ihm heute sicher zugeschrieben. Zum anderen
existieren weitaus mehr Anatomiestudien sowie Skizzen, in Spiegelschrift verfasste Texte und Baupläne, die
gar keinen künstlerischen Hintergrund haben, wie Entwürfe für Panzer, Fluggeräte oder eine
Taucherausrüstung. Er konstruierte Brücken und entwarf eine ganze Stadt. Die meisten seiner Ideen
wurden jedoch nie realisiert.

Florenz, Mailand und Rom - die Hauptstädte der Renaissance waren seine Wirkungsstätten. Dort fand er
Auftraggeber, reiche Familien oder gleich den Papst. Im Jahr 1516 lud ihn Frankreichs König Franz I. zu
sich ein, bezahlte ihn gut und ließ ihm alle Freiheiten, sich seinen Projekten zu widmen. Zu seinen Aufgaben
gehörte es, dort rauschende, prunkvolle Feste zu organisieren. Am 2. Mai 1519 starb das Universalgenie im
Château Clos Lucé - der Legende nach in den Armen des französischen Königs.