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Semantik

Allgemein
- Semantik: Bedeutungslehre
- In materiellen und immateriellen Symbolen und Zeichen konzentrieren sich Bedeutungen und werden
objektiviert
o Durch Sprache Möglichkeit eines symbolischen Ausdrucks von der Welt
- Transsituative und kollektive Eigenschaften von Symbolen und Wörtern
 Wörter als Bedeutungsspeicher
o Können in verschiedenen Situationen benutzt werden
o Können von verschiedenen Personen benutzt werden

Leistungen

- soziale Wissensvorräte werden greifbar über Bezug auf Bedeutungsspeichernde Funktion


- Die Selbstbeschreibungen und Weltbilder von Gruppen oder Individuen werden erfassbar
- Bedeutungsentwicklungen sowie Veränderungen dieser Selbstbeschreibungen und Weltbilder werden
beschreibbar
- Es sind Analysen von schwer fassbaren Begriffen wie Liebe, Zeit etc. möglich

 Problemstellungen
- Welche Formen der Selbst- und Fremdbeschreibung finden sich in bestimmten Gruppen oder
Gesellschaften?
- Welche Semantiken werden für die Konstruktion kollektiver oder individueller Identität gebraucht?

Probleme

- bei Selbstbeschreibungen und Weltbildern sind nur deren sprachliche Formen erfassbar
– Handlungsvollzüge nicht erfassbar
- Interpretation notwendig, da sich in den Bedeutungen eines Begriffes viele verschiedene Verwendungen
und Bedeutungsverschiebungen akkumulieren und dieser Begriff sich somit der Definition entzieht
- Soziologische Theorien sind selbst Teil der Semantik einer Gesellschaft - soziologische Theorie nicht in
der Lage, gesellschaftliche Semantik objektiv zu betrachten

Reinhart Koselleck

Historisch-politische Semantik

- Selbst- und Fremdbeschreibungen sind im alltäglichen Gebrauch oft mit Bewertungen verknüpft, die
Bewertungen und somit auch Indikatoren für a-/ symmetrische Beziehungen sind, je nachdem ob die
Bewertungen mit den anderen Gruppen geteilt werden oder nicht
- Werden zur Artikulation von Identität genutzt
1. Selbstbezeichnung notwendig, aber nicht hinreichend
2. Erst mit Ausschließung der Anderen wird eine soziale und/ oder kollektive Identität konstituiert
 Damit auch sprachlich geschaffen
- Begriffe werden auch zur Wiedererkennung und Selbstbezeichnung von Gruppen genutzt
- Speichern bestimmte Erfahrungsweisen und Erwartungsmöglichkeiten
- Zeigen bestimmte Erfahrungsweisen und Erwartungsmöglichkeiten auf
- Indikatoren für Gruppenstruktur, allerdings auch schaffende, reproduzierende und prägende Funktion
1. Dadurch haben sie eine stabilisierende Funktion für soziale und/ oder kollektive Identitäten,
allerdings ist die durch Reproduktion der Bedeutung der Begriffe im konkreten Kontext ihrer
Verwendung auch ein Bedeutungswandel notwendige Folge.

Problematisch: durch politische und soziale Singularisierung wird Vergleichbarkeit ausgeschlossen


und ein exklusiver Anspruch auf Allgemeinheit erhoben.

 Asymmetrische Verwendungen von Begriffen konstituieren und zeigen asymmetrische


Beziehungen an, in denen symmetrische Anerkennung ausgeschlossen ist – Wechselseitige
Anerkennung ausgeschlossen
 Die Verweigerung von Selbstbezeichnungen für andere Gruppen und die Verweigerung von
Vergleichbarkeit ist eine Privation dieser Begriffe – Raub als Metapher
- Die Entstehung von Begriffen geschieht im konkreten Kontext, ist allerdings auch strukturell davon
ablösbar
- Der Sinn von Worten liegt in ihrer transsituativ gültigen Bedeutung – diese ist nicht durch einzelne
Akteure kontrollierbar
- Sprachliche Deutungsmuster der Wirklichkeit liegen in der Gestalt von Semantiken vor
- Semantiken,
1. Bieten Orientierungsmöglichkeiten für Akteur_innen in Form von Normativität und sozialen
Regeln
2. Haben nur temporäre Stabilität, da sich die Bedeutungen durch ihre Benutzung im konkreten
Kontext verschieben
3. Sind dabei selektiv, indem sie nur spezifische Ausschnitte der Wirklichkeit beschreiben
 Problem: Gesellschaft ist allerdings nicht identisch mit ihrer sprachlichen Erfassung

Niklas Luhmann:
Semantik als Form von Sinn.

- Höherstufig generalisiert und relativ situationsunabhängig

1. Unterscheidung: im Alltagsgebrauch: die gesellschaftliche Semantik


In gesellschaftlich sehr beachteten Kontexten: gepflegte Semantik, welche
erst im öffentlichen Diskurs ausgehandelt wird
 Die Welt ist für bestimmte psychische und soziale Systeme nur über die Sinnform
zugänglich
 Bei Luhmann entsteht die Sinnform nur im gegenwärtigen Vollzug
 Selektion aus unzähligen Möglichkeiten – Selektions- und Typisierungszwang um Zugang
zur Welt zu erhalten

Dieser Sinn wird generalisiert und typisiert (Verzicht auf Details)


1. Zeitlich
2. Sozial
3. Sachlich
 Konstituiert Kommunizierbarkeit und Bestimmbarkeit der Sinnform
 Typisierung funktioniert dabei mit dem Bezug auf vorherige Sinnvollzüge
> Aktualisierung der Sinnform
 Schafft Typenschatz, der in bekannten und vertrauten Mustern besteht

Erzählungen
Allgemein

- Modus der Erfahrungsverarbeitung


- Methode der Erfahrungsweitergabe (Tradierung)
- Monologische Form (vom Erzähler_in zu den Zuhörer_innen/ Leser_innen)
1. Hat aushandelnden Effekt, da in einem sozialen Setting Konflikte darum entstehen können,
inwieweit das Erzählte Geltung hat
- Erzählzwänge
1. Die Handlung in einer Erzählung erfordert Aktionseinheiten
 Erfordert Protagonisten
 Führt zu Personalisierung („Deutschland hat im Finale gesiegt“)
2. Gestaltschließung – Anfang und Ende notwendig
3. Detaillierung – Selektion des erzählten Inhalts
4. Kondensierung – Reduktion des erzählten Inhalts auf das Wesentliches
 Formen erzählten Inhalt

Leistungen

- Wichtige Form der Erfahrungsverarbeitung und Ordnung, besonders zeitlich


- Erzählungen zentral in qualitativen Interviews – wichtige methodische Technik
1. Durch Erzählzwänge werden soziale Strukturen sichtbar
- Selbstbilder und Fremdbilder erfassbar, da Erzählungen zentral sind für die Konstitution dieser
- Kollektiver Sinn wird greifbar, da Erzählungen wichtige Ressource von diesem
 Problemstellungen
- Welche Erzählungen werden für die Konstruktion von individueller und/ oder kollektiver Identität
gebraucht?
- Wie wird die Vergangenheit einer Gruppe in Erzählungen konstruiert?
- Welche selektiven Verknüpfungen werden in der Erzählung vorgenommen, welche Zeitlichkeit wird damit
konstruiert?

Probleme

- Homologiethese sehr leicht angreifbar, da es uns leicht fällt Fiktionen zu erzählen


- Auf den Einzelfall bezogen – wird leicht personalisierend – nicht repräsentativ
- Kontextspezifische Präsentation – Interview immer in spezifischem Umfeld
 Wissenschaftliche Ergebnisse in Form von Erzählungen präsentierbar?

Albrecht Koschorke

- Zeitlichkeit von Erzählungen


1. Der Plot ist gebildet aus Episoden
 Episoden sind gebildet aus Ereignissen – Ereignisfolgen
 Ereignisse sind die Grundbausteine von Erzählungen
2. Ereignisse sind zeitlich und sinnhaft geordnet
 Notwendige Herstellung von kausalen und legitimierenden Verbindungen
 Reaktion auf innere Notwendigkeiten der Erzählung – Erzählzwänge
- Bildet Zeitrahmen und Eigenzeit der Erzählung
- Funktionen von Erzählungen
1. Thematisieren soziale Normen – Bewertungsempfehlungen
2. Problemlösungsvorschläge – halten Rezeptwissen bereit
3. Legitimierende Effekte durch z.B. Gründungsmythen
 Konstituieren Selbst- und Fremdbilder
4. Sind transsituativ verfügbar und machen Begebenheiten ohne logische Strenge vermittelbar
- Transgressive Effekte nutzbar – offenes Ende-> Weiterbearbeitung durch Publikum

Diskurs
Allgemein

- Vielfalt an Diskursbegriffen – in wissenssoziologischem Diskursbegriff Konzentration auf Wissensbegriff


und Methode
- Spezifische, thematisch-institutionelle Bündelungen der Wissensproduktion (Keller)
- Verständigung mit dem Zweck von Geltungsansprüchen (Habermas)
- Oft Konflikthaft ausgetragen, kommunikative Form

Leistungen
- Eigenlogik von Diskursen und ihre nicht intentional kontrollierbaren Regelstrukturen werden erfassbar
- Transsituativen Regelstrukturen und wissensproduzierende Eigenschaften von Diskursen werden greifbar
1. Diskurse als sprachliche Ebene die Ereignisse formt – „legt sich über die Ereignisse“ – ist nicht
mit ihnen kongruent
- Geltung und Bewertungen sozialer Ereignisse erfassbar
- Soziale Formung von Subjekten und ihrer Wahrnehmung durch Sprache erfassbar

Problemstellungen

- Welches Wissen wird diskursiv verhandelt? Welche Geltung wird ihm zugesprochen?
- Wie wird in einer Gesellschaft über Themen verhandelt?
- Welche unterschiedlichen Positionen zeigen sich?
- Welche Bewertungen werden vorgenommen?

Probleme

- Ablösung von den subjektiven Sprechern


- Erklärung von Veränderungen, wenn das kreative und regelverletzende Potential von
Diskursteilnehmer_innen nicht berücksichtigt wird
- Der Bezug zur Struktur- und Geschehnisebene ist nicht klar
- Keine Thematisierung der Medien durch die der Diskurs geschieht

Jürgen Habermas

- Form der Kommunikation


- Geltungsansprüche werden thematisiert
- Argumentative Methode – diskursive Verständigung
- Kooperativ und Wahrheitssuchend
1. Verständigung durch argumentativ hergestelltes Einverständnis
- Herrschaftsfreier Diskurs konstituiert notwendige Bedingungen
 Diskursethik
o alle Teilnehmer gleich
o alle Themen zugelassen
o offenes Publikum

Michel Foucault

- Eigenlogischer sozialer Prozess


- Dezentrale und dynamische Struktur – Aussagenstrom
- Es existiert ein Verhältnis zu dem Gegenstandsbereich der besprochen wird
1. Feste Subjektpositionen: Sprecher_innen – Besprochene(s)
- Enthält systematische Regeln und Regelhaftigkeiten – diskursive Formationen
 Poststrukturalistischer Diskursbegriff
- Wird durch die Gesamtheit aller effektiven Aussagen konstituiert
- Es existieren Formen des Ausschlusses – als Gegenstandsbereich ausgeschlossenes
 das „Unsagbare“
- rein deskriptive Erfassung der diskursiven Ereignisse – Horizont für die Analyse der sich darin bildenden
Einheiten

Analyse des diskursiven Feldes


- Abgrenzung von der Ideengeschichte
- Abgrenzung von den Intentionen der Autor_innen
- Erfassung der Aussage in der Enge und Besonderheit ihres Ereignisses
- Relationen von Aussagen, Gruppen von Aussagen oder Ereignissen ganz anderer Ordnung identifizieren
- Loslösung der Aussage von angenommenen Bezugspunkten

Zusammenhang von Diskurs und Macht und Funktionen des Diskurses

- Verbindung von Wissen und Macht - Zentrale Komponente bei Foucault


- Ordnungs- und Bewertungsform im Sozialen
- Genese von sozialen Zuschreibungen und Grenzziehungen
- Diskursive Zuweisung von Subjektpositionen
- Dynamische Machtstruktur

Macht
1. Relationale Kraftverhältnisse
2. Repressive als auch produzierende Form
- Machtprozeduren schränken Diskurse ein
- Diskurse sind gleichzeitig Machtprozeduren

Theoriebündel mit Interaktion als entscheidendem Begriff


Leistungen dieses Theoriebündels

- Interaktion wird als eigenlogische, von einzelnen Akteuren nicht direkt kontrollierbare Ebene sichtbar –
im Gegensatz zu den subjektivistischen Theorien
- Methodisch naheliegenderer Weltzugang, weil Interaktionen beobachtbar
- Körperliche Vollzüge, Gewohnheiten, Muster erfassbar
- Artefakte und andere Dinge erfasst, wie sie Situationen schaffen
- Kooperations- und Konfliktsituationen erfassbar
Methoden – teilnehmende Beobachtung, Ethnographie, Videoanalysen
 Problemstellungen
- Fragen der sozialisation und der Identitätsbildung (Mead)
- Fragen nach konkreten situativen Abläufen und Interaktionen (Garfinkel, Goffman)
- Fragen nach Regelstrukturen und in der Interaktion hergestellten sozialen Formen (Geschlecht bei
Goffman)
- Fragen nach Körperlichkeit und implizitem Wissen
- Fragen nach koopertien, ihren Problemen, Konflikten und Gewaltsituationen (Collins)
- Fragen nach Atmosphären und der Emotionalität von Situationen
Probleme dieses Theoriebündels
- Ist die Bedeutungsidentität die gleiche bei den Akteuren? Wenn nicht – wie können die ähnlichen
Reaktionen erklärt werden?
- Die Subjektive Seite wird nur als Reflex der Interaktion gesehen
- Bewusstsein, Motive, Ideen, Weltbilder sind nur Reflexe der Interaktion - werden eher nicht thematisiert
- Sprache und symbolische Formen werden nur teilweise berücksichtigt
- Transsituationale Ordnungen bleiben tendenziell ausgeblendet
1. Organisationen
2. Soziale Strukturen
3. Systeme
4. Diskurse
- Durch den Fokus auf gegenwärtige Vollzüge sind Vergangenheitsbezüge und Dauerhaftigkeiten nur über
Routinen und Gewohnheiten erfassbar – Vergangenheitsbezüge und Dauerhaftigkeiten bleiben
unterbelichtet

Pragmatismus
- Entsteht ab 1870 in den USA
- Peirce – Entwicklung des pragmatischen Prinzips - praktischen Konsequenzen und Wirkungen einer
lebensweltlichen Handlung oder eines natürlichen Ereignisses bestimmen die Bedeutung eines Gedankens
- Ausgang von der Sozialität – von der Beobachtung der Handlungsabläufe
- Denken, Bewusstsein und Identität entsteht aus Interaktion
1. Umkehrung der Erklärungsrichtung im Vergleich zu Weber und Schütz

Kommunikation
Allgemein

Seit dem linguistic turn in den 60er/70er Jahren einer der zentralsten Begriff vieler Geisteswissenschaften –
Linguistik, Philosophie, Semiotik, Kommunikations- und Medienwissenschaft – Grundlage für strukturalistische
und poststrukturalistische Theorien

- Wichtigste Kommunikationsform
- Ebenen der Kommunikation
1. Ebene der Situation – subjektive Beteiligung, allerdings wenig intentionale Kontrolle
- Modell der Kommunikation als Übertragung von Information über einen Kanal von Sender zu Empfänger
 Modell imliziert Identität der Informationen bei Sender, im Kanal und beim Empfänger –
notwendige Gleichförmigkeit der Informationen – Problematische Annahme
 Lösungsversuch im informationstechnischen Kommunikationsmodell - Einbau von
Codierung, Rauschen und Decodierung

Alfred Schütz

- Kommunikation – soziale Beziehung und Prozess der Verständigung


1. Funktioniert vor Allem mittels der Zeichen
 Geteilter Zeichenvorrat notwendig
2. Zeitlicher Vorgang
3. Verstehen notwendig
 Geteilte Interpretationsschemata notwendig

Niklas Luhmann

- Kommunikation – Verknüpfung der drei Selektionen


1. Information
2. Mitteilung
3. Verstehen
- Eigenständige soziale Tatsache
- Eigene Form der Realitätserzeugung
- Grundlage für soziale Systeme
- Kommunikation als basaler sozialer Vorgang
- Sprache als wichtigste Form von Zeichensystemen, mittels derer Kommunikation stattfindet
 Auch andere technische Medien sind möglich

George Herbert Mead

- Kommunikation erschafft durch die Übermittlung von Gesten Geist/Bewusstsein und Identität
1. Dies geschieht innerhalb eines gesellschaftlichen Prozesses oder Erfahrungszusammenhangs
2. Dezentrierung des autonomen Individuums (Individuen werden von selbst zu ganzen Individuen)
– Kritik an deutscher, idealistischer Philosophie
- Gesten als beobachtbare Handlungselemente die Reaktionen auslösen
1. Signifikantes Symbol - eine Geste die eine Idee ausdrückt und die zugehörige Idee im anderen
Menschen auslöst
 Sprache als vokales signifikantes Symbol – ist bedeutungstragend
 Denken als internalisiertes Gespräch
2. Wenn die Geste für eine Idee steht, entsteht Bedeutung
 Bedeutung entsteht in der Interaktion
1. Interaktion als Wechselspiel von Gesten und Reaktionen
3. Gesten lösen Reaktionen aus durch den Ausdruck von Gefühlen, Bedeutungen oder Ideen
- Methodischer Ausgangspunkt: primitive Situation der Interaktion

Identität
George Herbert Mead

- Erfahrung des Selbst funktioniert nicht autonom, sondern nur über andere
1. Blick der anderen auf uns ist notwendig für unsere Identifikation
- Die eigene Identität entsteht durch Rollenübernahme
- Reflexion der Identität durch Rollenübernahme, indem man sich selbst von außen betrachtet
- Identität als Prozess – dieser findet in und mit dem sozialen Umfeld statt
 Zwei allgemeine Stadien der Identitätsbildung
1. Organisation der besonderen Haltungen der signifikanten Anderen auf das eigene Ich
1. Signifikante Andere – wichtige Bezugspersonen deren Blick auf das eigene Ich
übernommen wird
> „play“ – Spiel der Rollenübernahme – durch Rollenübernahme wird der
der Blick der Anderen auf das eigene Ich übernommen
2. Organisation der gesellschaftlichen Haltungen der verallgemeinerten Anderen oder der
gesellschaftlichen Gruppe als Ganzer
2. Verallgemeinerte Andere – verallgemeinerte, anonymere Rollen
> Braucht Typisierung von Personen
> Typisierung und Generalisierungen – Wissensformen, entstehen aus
Interaktion
3. Rollenübernahme der verallgemeinerten Anderen
> Blick auf selbst eingenommene Rolle im gesellschaftlichen Gefüge
> Typisierung des Selbst
> „game“ – Wettspiel – die Positionen der verallgemeinerten Anderen im
gesellschaftlichen Wettstreit ist bekannt und dieses Wissen wird benutzt
 In beiden Stadien – gesellschaftliche Blicke auf das eigene Ich werden internalisiert
1. „Me“, ICH, Mich als sozialer Anteil der Identität
2. I, Ich als individueller Anteil der Identität
> Spontane, körperliche oder emotionale Reaktionen des Organismus auf
die Haltung der Anderen
> Kreativität und Unkalkulierbarkeit
> Parallelen mit dem Freudschen „Es“
2. Identität (I+ME) – temporäres Ergebnis eines komplexen Prozesses von
körperlichen Reaktionen (I) und sozialen Interaktionen (Me)

Symbolischer Interaktionismus

Herbert Blumer

3 Grundprämissen

1. Menschen handeln Dingen gegenüber auf der Grundlage der Bedeutungen die diese Dinge für sie
haben
2. Die Bedeutung dieser Dinge ist aus der Interaktion abgeleitet, die Personen mit ihren Mitmenschen
eingehen, oder entsteht aus dieser
3. Diese Bedeutungen werden in einem interpretativen Prozess, den die Person in ihrer
Auseinandersetzung mit den ihr begegnenden Dingen benutzt, gehandhabt und abgeändert
- Zweifach interpretativer Ansatz
1. sowohl Akteur_innen
2. als auch forscher_innen interpretieren (bed. Motor der qual. Sozialforschung)
- Meadscher Ansatz wird aufgegriffen – Ausgang von der Interaktion
- Dinge – alle Gegebenheiten der Natur- und Sozialwelt, auch Institutionen und Ideale
1. Dinge sind mit Bedeutungen verbunden
2. Bedeutungen entstehen in Interaktion
 Übersetzung und Interpretation dieser Bedeutungen durch Akteur_innen

Erving Goffman

- Untersuchungen des Aufnehmens von Regelverletzungen


- Aufdecken von normativen Ordnungen - kleine Verhaltensregeln die existieren
1. Norm. Ordnungen – Bedingungen von erfolgreicher Kommunikation
 wer massiv verstößt, wird entfernt - Exklusionsmechanismen
- Ausgangspunkt von der Situation
Methode – Beobachtung und genaue ethnographische Beschreibung

Ethnomethodologie (Harold Garfinkel)

- Keine Differenz Akteur_innen und Forscher_innen


1. Alle Mitglieder handeln methodisch – auch Laien sind kompetente Akteure
- Es existiert verdecktes und selbstverständliches Regelgerüst von Interaktionssituationen
Methode – Konversationsanalyse. Gesprächsmusteranalyse, Krisenexperimente (Regelgerüst verfremden)
Annahme: beteiligte Akteure sind kompetente Akteure

Praxeologische Theorien

Scheler/ Wittgenstein (spät)/ William James

- Soziale Ordnungsbildungen entschlüsseln


- Bezug auf
1. Körper und Dinge
2. Praktisches Können – praktische Vollzüge und Abläufe
3. Implizites Wissen und implizite Praxis
4. Praktische Situation
- Nicht Bezug auf
1. Bewusstsein, Ideen
2. Werte Normen
3. Kommunikation, Zeichen- und Symbolsysteme (Gegensatz zu Mead)

Methode – Beobachtung

Französische praxeologische Ansätze

- Rückgriff auf Henri Bergson und Maurice Merleau-Ponty


Bourdieu
Theorie der Praxis- fokussiert habituelle Strukturierungen und erklärt hierdurch Lebensstile
Bruno Latour
Akteur-Netzwerk-Theorie: Praxisketten, in denen Aktanten (Akeur_innen und Artefakte) aktiv werden
Luc Boltanski
Formen der praktischen Legitimation, Alltagskoordination,
Bewährungsproben und Realitätstests in praktischen Abläufen
- Bezug auf
1. Kritische Kompetenz der Akteur_innen
2. Rechtfertigungsordnungen

Sinn
Leistungen und Problemstellungen

- Fragen nach der subjektiven oder sozialen beduetung sozialer Phänomene


- Methodische Fragen zur qualitativen, sinnverstehenden Soziologie
- Zeitliche, interpretative Analyse sozialer Mikrophänomene

Probleme

- Konstruktivistische Ansatz - kein unmittelbarer Bezug zur Realität


- Nur Formalbestimmung des Sinnhaften, keine inhaltliche Bestimmung
- Problem des Fremdverstehens
- Kann immer auch anders sein – sehr kontingent
- Verhältnis von subjektivem und sozialem Sinn ist schwer zu fassen
- Da Sinn instabil, Stabilität von sozialen Gebilden schwer zu erklären
- Sehr abstrakte und komplexe Beschreibungsform des Sozialen
Max Weber

- Mit jeder Handlung ist ein subjektiver Sinn verbunden – Der Grenzfall ist Gewohnheitshandeln
- Das zentrale Kriterium für verstehbares, sinnhaftes Handeln ist der damit verbundene subjektive Sinn
- Subjektiver Sinn: eine Bedeutung die damit verbunden wird und die verstanden werden kann – Motive
z.B.
- Begriffliche Konsequenz: Sinn muss gedeutet werden
- Methodische Konsequenz Interpretatives Verfahren
 Verstehende Soziologie

Probleme

- Keine Unterscheidung zwischen retrospektiver Handlung und rezentem Handeln


1. Keine Berücksichtigung der zeitlichen Dimension von Sinn
- Keine Unterscheidung zwischen dem eigenen Sinn und dem Fremdsinn
- Keine Erklärung der Sinngenese
- Sowohl Verständnisproblem beim Selbstverständnis als auch beim Fremdverständnis des subjektiven
Sinns
 Methodisches Problem der Sozialwissenschaften
 Weiterentwicklung des Sinnbegriffs bei Schütz

Alfred Schütz

Ausgangsfrage: Wenn die soziale Welt sinnhaft aufgebaut ist, wie können wir sie dann verstehen? Und
phänomenologische Überlegungen: Wie baut sich ein Erlebnis im Bewusstsein auf?

- Bewusstsein: andauernder Strom von Gedanken und Wahrnehmungen (Edmund Husserl)


1. Bewusstseins- und Erlebnisstrom als Grundtatsache
- Rückblickende Erfassung der Ereignisse durch reflexiven Blick – Reflexivität
- Selektive Auswahl aus Erfahrungsvorrat – Selektivität
1. Nur reflexive Auswahl konstituiert Sinn
2. Bedingt durch pragmatisch gerichtetes Interesses und die Aufmerksamkeit
- Basis für die Sinndeutung ist der Erfahrungsvorrat
- Erfahrung: abgespeicherten und verarbeiteten vorhergehenden Ereignisse
- Aus diesem Erfahrungsvorrat wird selektiert und an ihm die Sinndeutung vollzogen
1. Biografisch/ sozial erworbene Schemata der Erfahrung werden für die Deutung verwendet
 Schemata werden verändert und reproduziert durch die neuen Erfahrungen
 Subjektiver Sinn immer Selektion und Interpretation

Leistungen

- Zeitlichkeit mit aufgenommen


- Interpretativer Ansatz

Probleme
- Problem des Fremdverstehens – wenn schon der eigene Sinn schwer zugänglich, der fremde Sinn noch
schwerer erfassbar
1. Deuten auf Basis unseres Erfahrungsvorrats
2. Vom gegenüber noch weniger einsichtig
 Methodisches Problem der Sozialwissenschaften – Kompromiss: gültige Interpretation:
intersubjektiv anerkannt in der Wissensgruppe
- Ausgang rein vom subjektiven Sinn – Eigenlogik des Sozialen nicht erfasst

Systemtheorie (Niklas Luhmann)

- Selektion zentraler Aspekt des Sinns


- Selektionszwang durch Überzahl an Verweisungsmöglichkeiten auf Sicheres, Mögliches und Unmögliches
- Mit dem Sinn konstituieren sich die Anschlussmöglichkeiten - Sinn ist der zentrale Zugang zur Welt
1. Systeme die Erfahrung über die Sinnform verarbreiten können, können sie nur über die Sinnform
verarbeiten
2. Sinnform ist die Ordnungsform des Erlebens für psychische und soziale Systeme
3. Wenn die Welt für solche Systeme nur sinnhaft gegeben, dann ist die Welt nie unmittelbar
gegeben sondern immer nur selektiv
 Realiätsunterbau vorhanden, aber nie richtig greifbar – konstruktivistisch
- Mit jeder neuen Sinnzuweisung und jeder anschließenden Auswahl ändert sich der Sinn, die Art des
Weltzugangs
1. Sinn ist instabil
- Form einer Kette von Sinnzuweisungen

Sozialer Sinn

- Sinnhafte Selektion
1. Psychisches System: Denken
2. Soziales System: Kommunikation
- Kommunikation: Kombination sinnhafter Selektionen, die eigene Muster und Schemata ausbilden -
entwickeln Eigenlogik
1. Sowohl in psychischen als auch in sozialen Systemen entstehen eigenlogische (von keinem
Beteiligten direkt kontrollierbare) Selektionen und Ordnungsmuster
- Drei Dimensionen des Sinns
1. Zeitlich
2. Sachlich
3. Sozial

Wissen

Allgemein

- Inhaltlicher Teil der Sinnform


- Form der Verarbeitung von Erfahrung
- Funktioniert mittels Typisierung – Ordunungsfunktion für die Erfahrung
- Diese verarbeiteten Formen konstruieren wieder Wirklichkeit

Leistungen und Problemstellungen

- Kann gut Routinen, Gewohnheiten und bewährtes Rezeptwissen erfassen


- Fragen zur Wissensfundierung von Gruppen
- Kulturvergleichende Analysen
- Fragen zur gesellschaftlichen Verteilung von Wissen
- Fragen zu gesellschaftlichen Wissensformen wie Diskursen, Erzählungen, Mythen und Ideologien
- Fragen zur Geltung von orthodoxen und heterodoxen Wissensformen

Probleme

- Konstruktivistischer Ansatz - kein direkter Bezug zur Wirklichkeit


- Auf Individuen ausgerichtet
- Objektivationen des Wissens verändern sich mit seiner medialen Form
- Unklare Verbindung von Handlungen und Wissen
- Die materiellen Aspekte des Sozialen werden ausgeblendet – es wird nur Wissen über und nicht das Ding
selbst erfasst
- Gesellschaftliche Strukturen wie zum Beispiel soziale Ungleichheit aufgrund von Ressourcenverteilung
sind nur begrenzt erfassbar
- Es bestehen Geltungsdifferenzen was als Wissen angesehen wird

Berger & Luckmann

- Wirklichkeit der Alltagswelt als Grundlage unseres Lebens


- Wissen: Gewissheit, dass Phänomene wirklich sind und gewisse Eigenschaften haben
1. Auch konstruierte Wirklichkeit konstituiert Faktizität der Wirklichkeit
 Wirklichkeit: Qualität von Phänomenen, die unabhängig von unserem Wollen vorhanden
sind
 Faktizität selbstverständlich und zwingend
- Wissen wird nach außen gesetzt und dadurch objektiviert
1. Objektivierung: Manifestation in Produkten menschlicher Tätigkeiten, die sowohl dem Erzeuger
als auch anderen Menschen als Elemente ihrer gemeinsamen Welt begreiflich sind
2. Erhält transsituative Wirksamkeit
 Je transsituativer, desto anonymer
3. Objektivieren sich in Systemen von Körperbewegungen und Artefakten

Sprache
Allgemein
- Wichtigste Form von Zeichensystem, mittels derer Kommunikation geschieht

De Saussure

- Sprache – System von Zeichen,


1. Nur die Verbindung von Sinn und Lautzeichen ist wesentlich
2. Verweisen in ihrer Differenz aufeinander
 Zeichen – bestimmt sich durch die Differenz zu anderen Zeichen

 Soziale Struktur
1. Transsituational
2. Wirkt unabhängig von Individuen
 Summe der Wortbilder
1. Werden gewonnen aus der Praxis des Sprechens und dem grammatikalischem
System
> Sprache als soziales Produkt
> Wird passiv und reflexionslos von Individuen übernommen
2. Sprechen – individueller Akt
- Gibt keine vorher bestehende Beziehung zwischen Signifikat und Signifikant -willkürliche soziale
Konvention
- Nicht von Individuen kontrollier- oder veränderbar
- Lineare Anordnung der Zeichen in der Rede
 Sprache als transsituationale Struktur, welche aus einem System von Zeichen besteht und sozial
produziert wird
 Großer Einfluss de Saussures auf Strukturalismus und Poststrukturalismus (Levi-Strauss, Lacan,
Barthes, Derrida, Foucault, Baudrillard etc.)

Berger& Luckmann

- Sprache als System aus vokalen Zeichen – Erfahrungen, Wahrnehmungen wurden objektiviert in diesen
Zeichen
1. Zeichen und Zeichensysteme – transsituative Artefakte, durch die Objektivierung möglich wird
 Sprachliche Zeichen sind abgelöst von konkreter Situation
 Medien, durch die Wissen verfügbar gemacht wird (Schrift, Telefon etc.)
2. Räumlich und zeitlich abwesendes kann präsent gemacht werden
 Vermittelt Sinn und Bedeutung
 Dadurch entsteht ein gesellschaftlicher Wissensvorrat – aus diesem bedient man sich
 Subjektives Wissen – sozial abgeleitetes Wissen
 Struktur des Wissens gebildet durch Relevanzen nach denen selektiert wird
1. Dadurch entsteht gesellschaftliche Verteilung des Wissens
> Expertengruppen
- Externalisierung: Genese von Wissen
- Internalisierung: Erwerb von Wissen
- Soziale Geltung des Wissens – durch Legitimationen erreicht
 Sprache als transsituativ verfügbarer Wissensvorrat

Leistungen

- Sprache als soziale und transsituationale Gegebenheit erfasst, die in ihren Strukturen situativ wirkt
 Eigenlogik der Sprache erfasst
- Sprache als Wissensform und stabiler Speicher von Wissen erfasst
- Sprache dient als Grundlage für Verständigung und als normativer Maßstab für Kritik
- Sprache als Strukturierungsform des Denkens und des Sozialen

Problemstellungen

- Wie bahnen sprachliche Strukturen unser Denken, Sprechen und Handeln?


- Welche sprachlichen Mittel werden wir in einer konkreten Situation gebraucht? Welche Sinnsetzungen
werden damit vollzogen?
- Wie unterscheiden sich Milieus, Schichten oder Klassen in sprachlicher Hinsicht
- Welche sprachlichen Formen bilden sich in einer Gruppe aus Erzählungen, Mythen und Diskursen?

Probleme

- Konstruktivistischer Ansatz – kein direkter Bezug zur Wirklichkeit


- Handlungen schwer erfassbar, weil Wissen keine direkte Kopplung mit Handeln
- Körperlichkeit nur am Rande erfasst
- Materiale Aspekte wie Architektur und Infrastruktur ausgeblendet
- Gesellschaftliche Strukturen wie soziale Ungleichheit aufgrund ungleicher Verteilung materieller Güter
nur schwer erfassbar
- Geltungsdifferenzen nicht gut erklärbar
- Mediale Form verändert Interpretationsform des dargestellten Wissens
- Sehr auf die Subjektivität fokussiert – Eigenlogik des sozialen schwer fassbar

Pierre Bourdieu

Zusammenhang zwischen Sprache und Macht

- Sprache – Instrument des Handelns und der Macht sowie Obejtk intellektualistischer Betrachtung
 Sprachlicher Austausch immer auch symbolische Machtbeziehung
 In diesem aktualisieren sich Machtverhältnisse zwischen Sprecher_innen und/ oder
sozialen gruppen
- Sprechakt – jeder Sprechakt ist das Zusammentreffen zweier unabhängiger Wirkungsketten
 Sprachlicher Habitus und Sprachkompetenz versus Sprachlicher Markt
> Sprache als machtinstrument
2. Praxis des Sprechens entscheidend
3. Wird ins verhältnis zu den in einem bestimmtem sozialem Raum angebotenen
prdodukte gesetzt – Bewertung und Einordnung erfolgt aufgrund dieser
4. Distinktionswert als Feststellung der differenz zu anderen redeweisen

Jürgen Habermas

Kommunikatives Handeln

Problemstellung: Die Erfassung allgemeiner strukturen von verständigungsprozessen

- Kommunikativen Akte – mechanismus der Handlungskoordinierung


- Sprecher und Hörer verständigen sich mit Hilfe dieser Akte
- Verständigung – prozess der Eingung unter sprach- und handlungsfähigen Subjekten
 Verständigung ist das Zeil der menschlichen Sprache
- Differenz
1. Kommunikatives – verständigungsorientiertes Handeln
 Originalmodus
2. Intrumentelles – erfolgsorientiertes Handeln
 Parasitäre Abwandlung
 Bietet die normative grundlage für Kritik

Eine grundlage für die kommunikativen Akte: Sprechakttheorie von John R. Searle und John L. Austin

John L. Austin/ John R. Searle

Sprechakttheorie

- Verschiedene Arten von Sprechakten


1. Lokutionär – sagen, um etwas auszudrücken
2. Illokutionär – etwas tun, indem man etwas sagt
 Kommunikative handlungen – erheben geltungsansprüche und sind kritisierbar und
zurückweisbar
3. Perlokutionär – einen Effekt bei den Hörer_innen erzielen
 Instrumentelles Handeln
- Kommunikative Handlungen haben verschiedene Attribute
1. Wahrheit – der Aussage selbst
2. Richtigkeit – im normativen Kontext
3. Wahrhaftigkeit – des sprechenden Subjekts

Whorf

Linguistisches Relativitätsprinzip
- Nicht alle Beobachter können durch die gleichen physikalischen Sachverhalte zu einem gleichen Weltbild
geführt werden, solang nicht ihre Hintergründe ähnlich sind oder auf einen gemeinsamen Nenner gebracht
werden können (Whorf 1963)
- Weltbilder und Denken werden grundsätzlich durch die form der Sprache bestimmt
- Grammatikalisch-syntaktische Form bestimmt
1. Zeit-, Raum-, und Weltwahrnehmung
2. Trennung von Substanz und Form
3. Kausalität sprachlicher Effekte
 Sprachgebrauch ordnet das Gegebene für uns, bestimmt unsere Weltwahrnehmung

Leistungen

- Sprache als soziale und transsituationale Gegebenheit erfasst, die in ihren Strukturen situativ wirkt
 Eigenlogik der Sprache erfasst
- Sprache als Wissensform und stabiler Speicher von Wissen erfasst
- Sprache dient als Grundlage für Verständigung und als normativer Maßstab für Kritik
- Sprache als Strukturierungsform des Denkens und des Sozialen

Problemstellungen

- Wie bahnen sprachliche Strukturen unser Denken, Sprechen und Handeln?


- Welche sprachlichen Mittel werden wir in einer konkreten Situation gebraucht? Welche Sinnsetzungen
werden damit vollzogen?
- Wie unterscheiden sich Milieus, Schichten oder Klassen in sprachlicher Hinsicht
- Welche sprachlichen Formen bilden sich in einer Gruppe aus Erzählungen, Mythen und Diskursen?

Probleme

- Verbindungen gekappt zwischen Situation und Sprache, Sprecher_innen und Hörer_innen gekappt
 Interpretation und Übersetzungsleistung notwendig
- Sprache oft nur als Mittel und Medium gefasst, nicht als eigenlogische mediale Form, die das verändert,
was sie darstellt

Medien
Allgemein

- Medien als Wirklichkeitsproduzenten


 Verändern das, was sie vermitteln, dadurch, dass sie es vermitteln
 Eigener Bereich der Vergesellschaftung in dem Wissen und Kultur geformt werden
- Medien als Vermittler mittels Symbolik oder Materie
- Werkzeuge der Wahrnehmung und Verständigung
1. haben Problemlösungsfunktion
- zeitliche Dimension der Verstehens- und Verbreitungsmedien
1. zeichnen auf und bewahren in selektiver Weise (Erzählungen, Texte, Bilder etc.)
2. können aufgezeichnetes in gegenwärtige Situation bringen
 Materialität des kollektiven Bewusstseins
3. können aufgezeichnetes, erwartetes Zukünftiges in gegenwärtige Situation bringen
(Prophezeiungen, Prognosen, Pläne)
 formen damit die Gegenwart, gegenwärtige Sinnsetzungen
o ermöglichen und formen Problemlösungen in Gegenwart und Zukunft
- vergesellschaftende Funktion von Medien – relevant für soziokulturelle Prozesse
1. transsituatives Potential – verändern die räumliche und zeitliche Reichweite von Kommunikation
 von der Interaktion zur Kommunikation
2. formen die Inhalte, die sie kommunizieren
3. erweitern die vor- und zuhandenen Möglichkeiten in der Gegenwart
 sind konstitutiv für Sinnsetzungen
4. haben Einfluss auf Zeitwahrnehmungen und -vorstellungen
5. werden selbst eigenlogische soziale Tatsachen

Zusammenhang zwischen Schrift und Gesellschaftsentwicklung

- ermöglicht Kommunikation mit räumlich und zeitlich Abwesenden


1. ermöglicht räumliche und zeitliche Ausdehnung – Entstehung Großreiche und
Geschichtsbewusstsein
 hierarchische Differenzierung
2. symbolische Inhalte einer Kultur werden unabhängig von konkreter Interaktion
 ermöglicht Zeitrechnung und Geschichtsschreibung
3. Ausdifferenzierung von Spezialisierungen – Entstehung von Schriftgelehrten
 Interpretation und Kanonisierung heiliger Schriften

Buchdruck und Gesellschaftsentwicklung

- Massenproduktion von identischen texten für ein anonymes Publikum


- Zeit- und raumunabhängige Massenkommunikation
- Institutionalisierung – Autor – Drucker/ Verleger – Buchhändler – Leser
- Setzt literales Publikum voraus und produziert es
- Standardisierung der Druckschriftsprache/ Nationalsprachen – schafft Kommunikationsraum
- Individualisierung der Kommunikation
 Zensur und Urheberrecht
- Funktionale Differenzierung der Gesellschaft
- Neuzeitliche Wissenschaft ohne Buchdruck nicht möglich
- Beispiel Astronomie (Eisenstein 1979)
1. Problem: Vergleich und Berechnung verschiedener Steintafeln
2. Druckerpresse ermöglicht di Herstellung und europaweite Verbreitung von identischen
Exemplaren etwa einer Sterntafel
3. Kritik und Korrektur ermöglicht
4. Durchsetzung gegen kirchliche Zensur und gegen populäre Vorstellungen
 Gilt ebenso für Soziologie, da ebenso Textwissenschaft, die darauf beruht einem größeren
Publikum (Fach-)Publikum neue Erkenntnisansätze in Textform zur Verfügung zu stellen, damit
diese dann kritisiert und weiterentwickelt werden können.

Digitalisierung als Mediendifferenzierung und Medienintegration

- Ausgang: Medienentwicklung vollzieht sich bis Ende des 20 Jhd. Als Mediendifferenzierung (Textmedien,
Bildmedien, akustische Medien)
- Mit dem Aufkommen des Computers und der digitalen Codierung
1. Universalmedium
2. Übertragung vieler Medien auf eine gemeinsame technische Basis
 Eine technische Einheit für viele mediale formen
 Dezentrale Vernetzung
 Geringer Energieaufwand und niedrige Wissensschwelle für mediale Produktion und
Distribution

Soziokulturelle Folgen der Digitalisierung

- Neue Formen der Wissensproduktion werden sozial relevant (Computeralphabetisierung z.B)


- Neue Formen der medialen Wissensproduktion werden möglich (gestreamte Vorträge)
- Unbegrenzte Speichermöglichkeiten
 Problem der Geltung und Ordnung des global verfügbaren Wissens
- Neue Steuerungs- und Herrschaftstechniken ermöglicht
- Computerbasierte Medienformen ermöglichen neue soziale Formen
- Neue Formen der Öffentlichkeit ohne zentralisierte Zugangskontrollen
- Ausdifferenzierung der gesellschaftlichen Diskurse
 Problem der Vernetzung der Diskurse

Leistungen

- Formung von Kommunikation durch Medien


- Wirkung von Medien auf soziale Beziehungen und Prozesse
- Rolle von Medien für konkrete soziale Prozesse auf Mikro-, Meso- und Makroebene

Problemstellungen

- Wie formen Medien Kommunikation? Inwiefern wirken sie auf soziale Prozesse und Beziehungen?
- Welche Rolle spielen mediale Formen für konkrete soziale Prozesse, sei es mikro- oder
makrosoziologisch?

Rational Choice Theory


Allgemein

- Handlungstheoretischer Ansatz (wie Weber und Schütz)


- Zweck von Handeln: Realisierung von Zielen bzw Präferenzen
- Gelegenheiten und Einschränkungen vorhanden
- Akteur_innen wählen die Handlungsalternativen, durch die sie bei gegebenen Einschränkungen ihre Ziele
am besten realisieren können
 Handeln als Ergebnis einer Wahl zwischen Alternativen
 Nutzenmaximierung als Basis

Leistungen

- Soziale Prozesse und Formen erklärbar


- Einfach Ausgangsannahmen über die individuelle Wahlentscheidung
- Gut quantifizierbare Basis,

Probleme

- Akteure müssen oft mit unzureichenden Informationen entscheiden


- Akteure handeln oft nicht durchdacht
- Geht aus vom Individuum – Eigenlogik des Sozialen nicht erfassbar
- Die Grundlegung in Nutzenfunktion setzt voraus, dass der Nutzen zeitlich stabil und kalkulierbar ist
- Kulturvergleichende Perspektive und Gültigkeit fehlt, da es nicht für alle Kulturen gelten kann
- Fehlende Komplexität

Spieltheorie (erweiterte RC-Theorie)

- Strategische Situation, in der die eigene Wahl von der Wahl anderen Akteu_innen abhängt

Modell der Frame-Selektione

- Drei substantielle Selektionen


1. Frame – Deutung der Situation
 Wahl eines Skripts
1. Wahl einer Handlungsalternative aus den Möglichkeiten

Sozialer Wandel
Behandelt Grundproblem der Soziologie – Verhältnis von Statik und Dynamik, Struktur und Prozess – einerseits
nie kompletter Bruch (Institutionen sogar ziemlich stabil, Revolutionen ändern nie alles), andererseits nie
kompletter Stillstand

Zapf
- Prozessuale Veränderung der Sozialstruktur einer Gesellschaft in ihren grundlegenden Institutionen,
Kulturmustern, zugehörigen Handlungen und Bewusstseinsinhalten
- Auf allen Ebenen kann sozialer Wandel geschehen
Problemstellungen
- Welche Formen des sozialen Wandels gibt es und wie laufen diese Transformationen ab?
Probleme
1. Kann ungleichzeitig geschehen – ungleichmäßig auf verschiedenen Ebenen
2. Prozessbegriff geht von Zeitlichen und sonstigen Zusammenhängen aus
 Revolutionen und Brüche schwer fassbar
3. Gleichgerichtetheit – in Realität nie nur in eine Richtung
4. Ausgang von einheitlicher Struktur der Gesellschaft – nicht einheitlich in Realität

Modernisierung

Allgemein

- Zusammenhängende komplexe Umwandlungsprozesse


1. Globalisierung
2. Individualisierung
3. Demokratisierung
4. Kulturelle Pluralisierung
5. Urbanisierung
6. Industrialisierung
7. Rationalisierung
8. Differenzierung
9. Herausbildung von Nationalstaaten
10. Vielfältige Migrationsbewegungen

Leistungen

- Bündelung von Transformationen und Veränderungsprozessen


- Bietet Komplexitätsreduktion
- Global wirksame und langdauernde Veränderungen erfassbar

Problemstellungen

- Wie hat sich diese merkwürdige, moderne Vergesellschaftungsform entwickelt und stabilisiert?
- Gibt es unterschiedliche Wege oder Pfade der Modernisierung?

Probleme

- Annahme einer gleichgerichteten Entwicklung


- Als Fortschritt angenommen
 Immer auch Wertungsaspekt enthalten – normativer begriff
 Eurozentrische Perspektive Auf die Welt
Van der Loo/ van Reijen

- komplex von miteinander zusammenhängenden Umwandlungsprozessen


- Umwandlungsprozessen sind struktureller, kultureller, psychischer und physischer Art
- Hat sich in den vergangenen Jahrhunderten herauskristallisiert
- Geschieht auf unterschiedlichen Ebenen
- Läuft in eine bestimmte Richtung
- Hat eine bewertende Dimension

- Parsons allgemeines Handlungsschema auf Modernisierung angewendet


- 4 Funktionen werden über die Modernisierung erfüllt – Prozesse
1. Adaption: Natur - Domestizierung
2. Zielerreichung: Struktur - Differenzierung
3. Integration: Person – Individualisierung
 Individualisierung: Individuen als zentrale Einheiten der sozialen Abläufe
1. Individuen werden durch Modernisierungsprozesse erst als solche gebildet
2. Zurechnung der Entscheidungen auf den Einzelnen
3. Herauslösung aus kollektiven Strukturen und Verpflichtungen
 Zunahme von Selbstständigkeit und Handlungsmöglichkeiten
 Rauslösung aus traditionellen Einbinden – Verlust von Halt
o Abhängigkeit von öffentlichen sozialen Ordnungsformen
4. Latente Mustererhaltung: Kultur – Rationalisierung
- Modernisierung übergeordneter Begriff zur Beschreibung dieser Entwicklungen
- Widersprüchlicher Charakter der Modernisierungsprozesse (Selbstverwirklichung contra
Gleichförmigkeit)

Rationalisierung

Max Weber

Ausgangsfrage: Welche Verkettung von Umständen, dass nur hier, Kulturerscheinungen auftraten, welche
von universeller Bedeutung und Gültigkeit sind? Oder: Wie kam es zur abendländischen
Vergesellschaftung - Zentraler Begriff bei Weber – schon bei Weber leicht modernisierungskritische
Andeutungen

- Genese rationaler Grundlagen in der Wissenschaft


- Rationales Recht, Musik, Architektur
- Rationale Organisationen und Bürokratien
- Rationaler Staat
- Rational-kapitalistische Organisation von (formell) freier Arbeit
 Spezifisch westlich
 Protestantische Wertvorstellung, dass es vernünftig ist den ganzen Tag zu arbeiten und
Geld anzusparen

Zivilisationsprozess

Norbert Elias

Psychoanalytische und soziologische Entwicklungstheorie des Selbstzwangs

- Erklärt Psychogenese und Soziogenese – Modellierung des plastischen und psychischen Apparats des
Menschen
- Entstehung einer eigenlogischen Ordnung als Basis für den Prozess der Zivilisation
- Staatliche gewaltmonopole schaffen gewaltfreie Räume – bei hinreichend schwerem Verstoß greifen die
Exklusionsmechanismen
 Zunehmende Interdependenz – der Einzelne muss Verhalten immer stabiler regulieren
o Interdependenz: Veflechtung der Pläne und Handlungen, der emotionalen und rationalen
Regungen der Menschen
 Durch die Internalisierung von sozialen Regeln wird eine Selbstkontrollapparatur geschaffen
(ähnlich zu Foucaults Disziplinierung)

Differenzierung

Allgemein

- Herausbildung von dauerhaften, relevanten und wirksamen (soziale Beziehungen und Abläufe
beeinflussende) Unterscheidungen in sozialen Zusammenhängen
- Beschreibt eine Entwicklung
 Zeitlich ausgedehnter als die Modernisierung
 Aber auch Teil des Modernisierungsprozesses
- Ausgangsbegriffe
1. Ökonomischer Begriff der Arbeitsteilung (Adam Smith) – mehr Ware pro Zeit
2. Evolutionsbiologische Modelle (Herbert Spencer) – Teilung nach Funktionen
- Verbundene Fragestellungen
1. Auslöser und Formen?
2. Was vereint die differenzierten Teile?
Leistungen
- Gibt Evolutionstheorie von Gesellschaften
- Komplexe Entwicklungen fassbar
- Eigenlogik von Entwicklungen auf der Makroebene fassbar

Problemstellungen

- Wie laufen die Phasen des Übergangs zwischen Differenzierungsformen ab?


- Wie werden hochgradig differenzierte Gesellschaften zusammengehalten?
- Wie verhalten sich die unterschiedlichen Differenzierungsformen innerhalb einer Gesellschaft zueinander?

Probleme
- Wertungsaspekt – evtl sogar eurozentrisch
- Multipler Prozess mit Überschneidungen
- Nicht alle Entwicklungen auf der makroebene können erklärt werden (Bildung von großreichen z.B.)
- Interdependenzen der Systeme und ihre gegenseitige (Ab)kopplung schwer fassbar
- Integration des Differenzierten schwer fassbar – wie passt sich der getrennte Teil in die Gesellschaft ein?

Arbeitsteilung (Differenzierung)

Emile Durkheim

- Ausgangsbegriff: Arbeitsteilung und Spezialisierung


- Passiert in der Natur und in der Gesellschaft
- Arbeitsteilung stellt Solidarität durch wechselseitiges aufeinander Angewiesensein her
 Trennt also und hält zusammen gleichzeitig
- Recht als sichtbares Symbol der Zusammengehörigkeit
1. Repressives Recht (Strafrecht) – reagiert auf Normverletzungen
2. Restitutives Recht ( handels- und Zivilrecht) - ordnungsschaffendes Recht

Solidarität

- Durch zwei Formen des Rechts – zwei Bewusstseinszustände


1. Mechanische Solidarität
 Kein aufeinander Angewiesensein
 Starkes Kollektivbewusstsein
1. Verbrechen als Verletzung des kollektiven Bewusstseins
 Wenig Arbeitsteilung
 Einzelne stark in Gruppen eingebunden
1. Gruppen ähnlich strukturiert
 Individualität sehr gering
 Vor Allem segmentäre Differenzierung
1. Teilung in gleiche Teile
2. Organische Solidarität
 Arbeitsteilige Differenzierung
 Funktional aufeinander bezogene Teile
 Individuen von einzelnen Teilen der Gesellschaft abhängig – haben sich durch
Arbeitsteilung ergeben
 Individualisierung durch Spezialisierung der eigenen Tätigkeit
 Bindung an die Gesellschaft umso enger, je arbeitsteiliger sie ist
1. Ursachen für Arbeitsteilung
1. Bevölkerungswachstum
2. Verdichtung der Gesellschaft
 Vor Allem funktionale Differenzierung
1. Teilung in funktional aufgegliederte Systeme

Talcott Parsons

Hat Durkheim aufgegriffen

- Arbeitsteilung evolutionärer Prozess der Gesellschaften


- Drei Stufen
1. Primitiv – segmentäre Teilung
2. Intermediäre – hierarchisch
3. Modern – funktionale Teilung
- Steigerung des Anpassungsvermögens
- Trennungskriterium - mediale Basis
1. Entwicklung der Schrift als Übergang zu intermediären Gesellschaften
 Ablösung vom Kontext der unmittelbaren Interaktion
1. Entwicklung von großreichen und Geschichte
2. Entwicklung von institutionalisierten Codes der normativen Ordnung als Übergang zu modernen
Gesellschaften
 Entwicklung der Ökonomie
 Funktionale Differenzierung
 Entwicklung des Rechts
 Kulturelle Wertmuster
 AGIL-Schema

Niklas Luhmann

Ausgang von der Unterscheidung System und Umwelt – Theorie autopoetischer Systeme

- System: alles, was sich durch die Verkettung von eigenen Operationen von der Umwelt unterscheidet –
Verkettung von Kommunikationsoperationen
 Kommunikation als elementarer Prozess sozialer Systeme
 Spontan- oder Zufallsgenese von Systemen und Abweichungsverstärkung
 System strukturiert sich selbst
 Prämissen der Ordnung liegen in der Umwelt
- 4 verschiedene Arten von Differenzierung
1. Segmentäre Differenzierung – räumlich und/oder verwandtschaftlich differenzierte gleiche
Einheiten – Dörfer o.Ä.
2. Zentrum-Peripherie-Differenzierung – nach Sonderattraktivität – Zentrum, Hafen
3. Hierarchische Differenzierung – ständische Struktur – pyramidenförmiger Aufbau der
Gesellschaft – Stratifizierung
 Ressourcenkontrolle durch eine gruppe – Eigentum an Land und Menschen
 Erfordert überregionale Kontakte – Adelsbildung durch Heirat unter Gleichen
 Abgrenzung von anderen Ständen über Vorstellungen von Liebe, Ehre, Verhaltensregeln,
Kleidung
4. Funktionale Differenzierung
 Unwahrscheinliche, instabile, dezentrale (nicht steuerbare) Form
 Notwendige Auslöser
1. Entwicklung der Geldwirtschaft
2. Buchdruck
3. Ausbildung von territorialstaatlichen Bürokratien
4. Universitäten und mehr
 Herausbildung von Kommunikationssystemen, die sich auf gesellschaftliche Funktionen beziehen
– Ökonomie, Wissenschaft, Religion etc.
o Zuordnung der Kommunikation durch binäre Codierung und Programme zu
Funktionssystemen
o System mit der höchsten Versagensquote > wichtigstes System

Struktur
Allgemein

Komplementärbegriff zu System

- bestimmt Selbst- und Weltverständnis mit


- systematische Trennung der beiden Begriffe nicht möglich
– Unterscheidungsmöglichkeit
- Struktur: eher mechanisch, statisch, weniger geschlossen
- System, eher organisch, Elemente aufeinander bezogen, grenzenbetonend

Leistungen

- Beschreibung von Aufbau und Stabilität höherstufiger sozialer Ordnungsformen gut möglich
- Dynamischer Strukturbegriff fasst sich in der Wiederholung bestätigende Muster
- Ist eine räumliche Metapher

Problemstellungen
- Wie können höherstufige Formen des Sozialen beschreiben werden?
- In welchem Verhältnis stehen dauerhafte soziale Formen des Sozialen zu Situationen und dem Einzelnen?
- Wie stabilisieren bzw. reproduzieren sich transsituative soziale Formen?
- Welche Dynamik und welches Veränderungspotenzial steckt in eigenlogischen sozialen Formen?
- Wie lässt sich Gesellschaftliches auf der Makroebene beschreiben?
- Was unterscheidet zwei höherstufige Vergesellschaftungsformen und was ist ihnen gemeinsam?
- Wie lässt sich die historische Entwicklung auf der Makroebene beschreiben?

Probleme

- Veränderung und Stabilität in der Reproduktion schwer fassbar


- Verhältnis von Struktur zu Situation und Akteur_innen schwer fassbar
 Oft Praxis oder Performance als Ergänzung
- Determinierung oder Bahnung?

Marx

- Ökonomische Struktur als Fundament der Gesellschaft


- Materielle Grundlage des Lebens und des Sozialen
- Dynamische und Eigenlogische Struktur
- Überbau sind soziale Formen und Bewusstseinsformen

Durkheim

Strukturen als soziale Tatsachen

- allgemein und äußerlich


- Abkopplung von individuellen Willensäußerungen - Haben Eigenlogik und Eigendynamik
- Übt Zwang aus auf Subjekte
- Ist mit Sanktionen bewehrt
- Ehr oder weniger festgelegte Art des Handelns

Strukturalismus

Ausgang von Saussure (Beschreibung der Sprachstruktur) und von Durkheim (Strukturen als soziale Tatsachen)

- Struktur als methodischer Begriff zum Bau eines Modells zur Erklärung der Wirklichkeit
1. Ethnologie - Claude Levi-Strauss
 Sozialen Beziehen Grundbausteine der Modelle – diesen lassen soziale Struktur erkennen
2. Psychoanalyse - Jaques Lacan
3. Linguistik - Jacobson
4. Semiotik – Roland Barthes
5. Diskurs - Michel Foucault

Michel Foucault (Machtstrukturen)


Ausgang von diskursiven Strukturen – werden durch Relationen der Aussagen gebildet – Strukturen bilden sich
durch den Diskurs

- Fokus auf Dispositive - Machtinstrumente


- Analyse der Disziplinarmacht
- Dynamische Struktur durch Kombination aus diskursiven und dispositiven Elementen
- Disziplin: Spezifische Technik einer Macht – behandelt Individuen als Objekte und Instrumente
- Mittel der Disziplin – konstituieren Erfolg
1. Hierarchischer Blick
2. Normierende Sanktionen
 Werden im Verfahren der Prüfung kombiniert
- Macht: Vielfältigkeit von Kräfteverhältnissen, die ein gebiet bevölkern und organisieren
 Dynamischer Struktur – durch Konflikte ausgehandelt
 Produktiv
 Immer mit Gegenmacht verbunden
 Allgegenwärtig
 Machtverhältnisse verketten sich zu Systemen
 Strategien, durch die sie wirken
1. Kristallisieren sich in Institutionen

Poststrukturalismus

- Auflösung von festen Strukturvorstellungen


- Dezentrierung und Dynamisierung der Strukturen
1. Michel Foucault – Machtstrukturen, Gouvernementalität: Regierung und Selbstregierung
(neoliberaler) Subjekte
2. Jacques Derrida - Verschiebung in der sprachlichen Struktur durch die Schrift- differance -
Öffnung der Struktur – Dekonstruktion
3. Jean Baudrillard – zeichenhafte Tauschverhältnisse – dynamische Medienzeichenstruktur
4. Gilles Deleuze/ Felix Guattari - Kritik der strukturalistischen Psychoanalyse und Ethnologie (anti-
Ödipus), Rhizomatische Formen und Brüche (tausend Plateaus)
5. Jean-Francois Lyotard – Veränderung von Wissen- und Erzählstrukturen
6. Judith Butler – Strukturen der Geschlechtlichkeit – subversive Queerverschiebungen

Pierre Bourdieu

Ausgangsthema: Struktur des sozialen Raums

- Darstellung der sozialen Welt als Mehrdimensionaler Raum


1. Liegen bestimmte Unterscheidungs- und Klassifizierungsschemata zugrunde
2. Akteure oder Gruppen Akteuren anhand ihrer relativen Stellung definiert
 Klassen: Ensembles von Akteuren mit ähnlichen Stellungen
3. Sozialer Raum auch als Kräftefeld beschreibbar – Ensemble objektiver Kräfteverhältnisse
1. Legen sich an allen in das Feld eintretenden Akteuren als Zwang auf
4. Strukturierter Raum
- Konstruktionsprinzipien nach denen relative Stellung bestimmt wird – Kapitalsorten
1. Ökonomisches kapital
2. Kulturelles Kapital
3. Soziales Kapital

System

Talcott Parsons (Handlungssysteme)

Ausgang von der westlichen Entwicklung – in der Soziologie sehr weit verbreitet in den 50er und 6er Jahren –
Absetzbewegung durch Ethnomethodologie, Berger/ Luckmann, symbolischer Interaktionismus – explizit auf den
Westen bezogen

- Handlungssysteme als theoretisches Werkzeug


- Skalierbar auf alle ebenen – allgemeines Handlungssystem
- Gesamter Komplex des Westens: System von Gesellschaften
 Handlungssysteme beeinflussen sich gegenseitig - Interpenetration
- Entwicklungen in der Biologie und Sozialwissenschaften
 Grundlage der Annahme – grundsätzliche Kontinuität von Gesellschaft und Kultur ist im
Rahmen einer allgemeinen Theorie und der Evolution lebender Systeme zu begreifen
- Evolution von Gesellschaften anhand dreier Entwicklungen
1. Variation
2. Selektion
3. Anpassung
 Entwicklung des Anpassungsvermögens
 Abstufung der Gesellschaften nach Modernisierungs- und Differenzierungsprinzipien

-
- AGIL-Schema
- Abstraktes Begriffsschema
- Sehr weiter Beschreibungsfokus
- Vier Hauptfunktionen
1. Anpassung (Adaption)
2. Zielverwirklichung (Goal attainment)
3. Integration (Integration)
4. Normenerhaltung (latent pattern maintenance)

Probleme

- Aspekte wie Sprache, Symbole, rituale und Medialität nicht gut integrierbar
 Behebungsversuch durch Neofunktionalismus: Neil Smelser, Jeffrey Alexander, Richard
Münch
Systemtheorie

Niklas Luhmann

Allgemein

Ausgang von Parsons Theorie der Handlungssysteme bis zur autopoetischen Wende Anfang der 1980er Jahre –
explizit nicht handlungsbegriff als Grundlage

- Sinn als Grundbegriff


- Ausgang von der Differenz System/ Umwelt
- Unterscheidung der Welt in eine Spaltung von System und Umwelt
 Entweder ist etwas System oder Umwelt
 Unterscheidung ist abhängig vom Standpunkt Beobachter_innen
- Relativität der theoretischen Grundlage

Theorie

- Gesellschaft als soziales System, das sich von seiner Umwelt (psychischen Systemen wie Menschen z.B.)
unterscheidet
 Verkettung von kommunikationen
1. Permanent flißender kommunikationsstrom
 Autopoetisches System (sich selbst schaffendes)
 Produziert sich selbst durch Kommunikation
1. Kommunikation als grundlegende Operation der Gesellschaft
2. Kommunikation: sinnhafte Einheit von drei Selektionen
> Information
> Mitteilung
> Verstehen
3. Die produktion von Kommunikation durch Kommunikation stellt das System
selbst dar
4. Innerhalb dieses kommunikationsstroms bilden sich weitere Systeme, welche von
der Umwelt unterschieden werden
> Abgrenzung des sozialen Systems von anderen Systemen (z.B.
psychischen)
 Interaktionssysteme
 Organisationen
 Funktionssysteme
 Auf der makroebene geschieht die ausdifferezeirung von Funktionssystemen
1. Recht
2. Politik
3. Bildung
4. Wissenschaft
5. Ökonomie etc.
 Zuordnung von Kommunikation über
1. Codes
> Zweiwertige Attribute
 Recht/ Unrecht
 Macht haben/ keine Macht haben
 Wissen/ Nichtwissen etc.
2. Programme
> Z.b. im Funktionssystem Wissenschaft
 Theorien und Methoden, um gültiges Wissen von Nichtwissen zu
unterscheiden

Leistungen

- Beispielloses Unternehmen einer Theorie der Gesellschaft


- Operative bzw. selbstreferentielle Geschlossenheit der Systeme – Operationen beziehen sich nur auf
systeminterne Operationen, kein eindringen von außen, kein vordringen nach außen
- Strukturelle Kopplung – in Beobachtung von Umwelt können eigene Operationen intern angepasst werden
- Festlegung der soziologischen Zuständigkeit auf Kommunikation
 Nicht auf Handlung, Denken etc.
 Trotzdem Ausgang von der Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation
- Auflösung von Menschen bzw. Individuen in der Beschreibung
- Ermöglicht neue beschreibungsformen und neue Fragestellungen
 Fokus auf die sozialen Formen in ihrer Eigenlogik und Eigendynamik

Problemstellungen

- Wie können höherstufige Formen des Sozialen beschreiben werden?


- In welchem Verhältnis stehen dauerhafte soziale Formen des Sozialen zu Situationen und dem Einzelnen?
- Wie stabilisieren bzw. reproduzieren sich transsituative soziale Formen?
- Welche Dynamik und welches Veränderungspotenzial steckt in eigenlogischen sozialen Formen?
- Wie lässt sich Gesellschaftliches auf der Makroebene beschreiben?
- Was unterscheidet zwei höherstufige Vergesellschaftungsformen und was ist ihnen gemeinsam?
- Wie lässt sich die historische Entwicklung auf der Makroebene beschreiben?

Probleme

- Trennung von psychischen und sozialen Systemen einerseits klar, aber auch problematisch, da Sprache
und Sinn in beiden vorhanden sind
 Fortschritt für die Wissenschaft Soziologie
- Körperlichkeit, Emotionalität und Gewalt fallen als wichtige soziale Aspekte aus der theoretischen
Beschreibung raus
- Abstrakte und komplexe Form
- Geschlossenheit der Systeme
- Begriff der strukturellen Kopplung
- Streichung des Handlungskonzeptes

Arbeit
Allgemein

Im Lauf der Geschichte mit gegensätzlichen Bestimmungen und Wertungen versehen worden

- Plage, Kreativität, Zielgerichtetheit, gelegentlich auch Bezeichnung für das Produkt der Arbeit
- Oft differenziert nach Stand - Arbeit nicht passend für Adlige

Historische Semantiken nach Conze

- Differenz der Begriffe


1. Poeisis, Opus
2. Praxis, Molestia
- Arbeit gerade wegen ihrer Mühsal als tugendhafte Tätigkeit angesehen
- Gegenbegriff zur Arbeit: kontemplative Ruhe und Faulheit
- Mit den reformatorischen Bewegungen kam die positive Wertung bis hin zur Arbeitspflicht
 in der bürgerlichen Tradition (städtischen ökonomischen Kultur) gilt die Arbeit als
Leistung für Zielerreichung und Erfolg
- in der Bürgerlichen Sozialphilosophie – Arbeit als ökonomischer und sozialer Grundbegriff
1. John Locke – Arbeit als Quelle des Eigentums und Grundlage der ökonomischen Verfassung
 Ökonomisierung der Arbeit - Arbeit als Quelle des Reichtums
2. Adam Smith: Arbeit als Maß0stab für den Tauschwert von Gütern
 Grundlage für die Wissenschaft der Ökonomie, Politischen Ökonomie und
Nationalökonomie
 Liberalismus – Arbeit und Leistung

Marx

Allgemein

- Grundbedingung des menschlichen Lebens – anthropologische grundkonstante


- Prozess zwischen Mensch und Natur
 Materieller Prozess – Stoff wird durch die Naturkräfte des Menschen (Arme, Beine etc.)
verändert
 Zeitlichkeit – Arbeit erfordert Handlungseinheiten, Diachroner Ablauf von Bewegungen
 Antizipation des Gegenstandes zuvor - Planung, Entwurf, Reflexion als entscheidende
Bestimmung
- Arbeit als Mittel zum Zweck, instrumentelle Tätigkeit
- Werkzeuggebrauch und -entwicklung als Kennzeichen der menschlichen Arbeit
- Arbeitsmittel: Instrumente die hinzugenommen werden, um mit ihnen den Arbeitsgegenstand zu verändern
 Auch als Analyseinstrumente für historische Epochen und die gegenwärtige Gesellschaft
verwendbar – Arbeitsmittel n-ter Ordnung
- Differenz
1. Arbeit und Arbeitskraft
2. Arbeits- und Produktionsmittel und Produktionsverhältnisse
3. Konkrete und abstrakte Arbeit
- Tauschwertbestimmung über die in dem Arbeitsprodukt vergegenständliche gesellschaftlich notwendige
Arbeitszeit

Leistungen

- Anthropologische Konstante- allgemeiner Begriff über die gesamte Menschheitsentwicklung


- Mit Unterscheidungen anwendbar auf die verschiedenen Epochen
- Erfasst sowohl das Individuum als auch die Produktionsverhältnisse
- Enthält eine normative Funktion – Möglichkeit zur Kritik mittels der Begriffe der Entfremdung und
Ausbeutung

Problemstellungen

- Fragen nach der ökonomischen Reproduktion und Organisation des Sozialen, nach der Produktion und
Verteilung von Gütern
- Fragen nach der sozialen Ungleichheit
- Fragen nach der gegenwärtigen oder historischen Form der ökonomischen Tätigkeit

Probleme

- Nur ökonomische Tätigkeiten werden erfasst – nur Erwerbstätigkeit


- Über den Wertbegriff (objektiv) werden nur wertproduzierende Tätigkeiten erfasst, keine
Reproduktionsarbeit
- Da der Wert eines Produkts abhängig von der aufgewendeten Produktionsarbeit ist, ist die Erfassung des
Werts von Erfindungen oder Produkten wie Software schwierig
- Der Wert von Dienstleistungen für die Gesellschaft ist schwer zu fassen
- Gestaltung des Gemeinwesens, Kommunikation oder Bildung als Arbeit schwer fassbar

Hannah Arendt

- Vita activa – drei menschliche Grundtätigkeiten


1. Arbeit - erzeugt und bereitet Naturstoffe zu um lebensnotwendige Bedürfnisse des lebendigen
Organismus zu stillen
 Grundbedingung für Lebenserhalt des Individuums und der Art
 materielle Lebensmittel
2. Herstellen – Produktion einer dauerhaften künstlichen Welt von Dingen, überdauern ihren
Erschaffer in den meisten Fällen
 dauerhafter, von Vergänglichkeit des Individuums –
 materielle Lebensumwelt
3. Handeln – nicht materielle, soziale Tätigkeit zwischen Menschen - Gründung und Erhaltung
politische Gemeinwesen
 schafft Bedingungen für eine Kontinuität der Generationen – Geschichte

Leistungen

- Trennung von Lebensmittel und Lebensumwelt


- Trennung des materiellen Bereichs vom Sozialen und politischen
- Differenz von Ökonomie und Soziologie/ Politologie gut fass bar
 Grundlegung für Differenz von wissenschaftlichen Zugängen
- Anthropologische Bestimmung – für alle Epochen anwendbar

Problemstellungen

- Fragen nach der ökonomischen Reproduktion und Organisation des Sozialen, nach der Produktion und
Verteilung von Gütern
- Fragen nach der sozialen Ungleichheit
- Fragen nach der gegenwärtigen oder historischen Form der ökonomischen Tätigkeit

Probleme

- Arbeitsbegriff auf einen engen Bereich beschränkt – Genauigkeit, aber enger fokus
- Differenz zwischen Arbeiten und Herstellen manchmal schwer zu ziehen (Hausbau)
- Anthropologische Annahme schwierig, weil sie die Differenz zwischen herstellen und Arbeiten vielleicht
nicht in jeder gesellschaftlichen Formation findet (Fourastiers Sektorentheorie)
- Organisation des Ökonomischen wird vom Arbeitsbegriff abgekoppelt
 Kooperation, Macht, Herrschaft schwer fassbar
- Dienstleistungen schwierig zu differenzieren.
 Lebenswichtige pflege – Wissensproduktion

Handlung
Max Weber

- Handlung – menschliche Aktivität, mit der ein subjektiver sinn verbunden wird
 Gewohnheiten und rein traditionelles handeln liegen auf der grenze
 Subjektiver Sinn als zentrales Kriterium - Bedeutung, die damit verbunden wird und die
verstanden werden kann
 Bedingung für sinnhaftes und verstehbares Handeln
o Bedingung für verstehende Soziologie – Versprachlichungsmöglichkeit zusätzliche
Bedingung? (Weber 1919 2)
- Soziales Handeln – Handeln, welches seinem Sinn nach auf das Verhalten anderer ausgerichtet ist und in
seinem Ablauf daran orientiert
 Orientierung geschieht an vergangenem (Erinnern), gegenwärtigem (Erleben) und
zukünftigem (Erwarten) Verhalten anderer Person
1. Sinnhafte Orientierung zeigt sich nicht in zufälligem Verhalten wie eine
> versehentliche Berührung, allerdings in der Entschuldigung dafür
2. Sinnhafte Orientierung geschieht nicht am verhalten sachlicher Objekte
 Doppelter zeitlicher Aspekt
1. Ablauf des anderen Verhaltens
2. Ablauf des eigenen Verhaltens

Soziologiebegriff bei Weber

- Soziologie will soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen
ursächlich erklären
- Mehrere Schritte
1. Deutendes, interpretierendes Verstehen
2. Nachvollziehen, erfassen des subjektiven Sinns – kein nacherleben
3. Kausale Erklärung - Angabe der Motive
- Verallgemeinernde Typenbildung in Idealtypen von vier Handlungstypen
1. Zweckrational
2. Wertrational
3. Affektiv
4. Traditional

Alfred Schütz

- Wesentliche Bestimmung des Handelns ist der Entwurf, die Planung des Handelns
- Ziel des Handelns – die vollendete Handlung
- Zeitlicher Ablauf des Handelns wird zum Fokus der Analyse
- Änderungen im Handlungsablauf und Scheitern in der Zielerreichung möglich
- Differenz handeln/ Verhalten
 Handeln ist nur solches verhalten, welches zuvor mental entworfen wurde und dem
dadurch ein Sinn gegeben wurde

Leistungen

- Individuelle Motive und Deutungen erfassbar


- Subjektive Seite des sozialen und Sinnzuschreibungen gut erfassbar
- Ausrichtung an Intentionen und an individuellem Bewusstsein
- Zeitliche Abläufe und Prozesse des Handelns gut erfassbar

Problemstellungen

- Fragen nach individuellen Motiven und Deutungen – mikrosoziologisch


- Fragen nach der subjektiven Seite des Sozialen und nach Sinnzuschreibungen
- Fragen nach der Ausrichtung an Intentionen, nach dem individuellen Bewusstsein und dem Denken
- Fragen nach zeitlichen Abläufen und nach Prozessen des Handelns
Methoden: Interviews und evtl. ethnographische Betrachtung

Probleme

- Individualistische Perspektive – methodologischer Individualismus


- Körperliche Komponente verschwindet hinter Sinn und Motiven
- Soziale Zusammenhänge, Muster und evtl. Zwänge nur sekundär?
- Problem des Sinns und des Verstehens – Methode der Interpretation lässt Vielzahl von einzelnen
Sinngebungen zu
- Ausgang vom rationale handeln erzeugt eine eurozentrische/ westliche perspektive
- Eigenständigkeit und Eigenlogik von sozialen Gebilden verschwindet
- Individuum als ein Produkt der moderne ist nicht universalisierbar - historische Problematik

Körper
Allgemein

Problemhintergrund: cartesianische Trennung zwischen Körper und Geist

- Differenz Leib und Körper


1. Leib als beseelter Körper
 Körper mit einer Sinnschicht, spürbarer und spürender Körper (Hermann Schmitz)
 Konnotationen des Lebendigen, der Einheit – Empfindungsschicht aus sinnlich-
kinästhetischen Wahrnehmungen
2. Körper als das materielle und Dinghafte
 Organische Materialität

Im Weiteren Begriff des Körpers verwendet der beide Aspekte (Materialität und Sinnschicht) vereinigen soll

Gesa Lindemann

Ausgangslage: Kritik an entkörperlichten Akteuren der Handlungstheorien von Weber und schütz

- Durch Körper räumliche und zeitliche Positionierung der Akteur_innen


- Betrachtung des Körpers in seiner Umwelt – der durch die Mitwelt vermittelte Leib
 Leib-Umwelt-Relation – habitualisierte Handlungen

Helmut Plessner
- Differenz der Doppelrolle (Körpersein und Körperhaben)
1. Agieren im Körper
2. Reflexion über den Körper
 Selbstverständliche Grundlage unseres Handels, Denkens und Sprechens
1. Natürliche Basis für die Entwicklung der unterschiedlichen Kulturen
 Verschränkung von natürlichem und geformten Körper
 Körper im Zentrum
1. Menschen können durch ihr körperhaben eine Distanz zu diesem aufbauen
2. Menschen sind immer zugleich Leib und haben diesen Leib als Körper
3. Allerdings ist der Körper nicht komplett reflexiv erfassbar und steuerbar

- Körper als materiell-natürliches Phänomen: biologische,chemische, medizinsche und physiologische


Aspekte
- Körper als steuerbare Möglichkeit der Teilnahme und Wirkung auf materiale und soziale Umwelt
 Körper als Willensorgan
- Differenz vom Erleiden sowie verursachen von Sozialität
1. Körper als Gegenstand von sozialen Prozessen (passiv
2. Körper als Akteur in sozialen Prozessen aktiv)

Maurice Merleau-Ponty

Leiblicher Sinn

Ausgang: Zusammenhang zwischen Körper und Sinn

- Sinn vor allem reflexiv und kognitiv konzipiert


 Frage: besteht die Möglichkeit körperlicher Sinnvollzüge?
- Körperlicher Sinn in pragmatischen Vollzügen – körperliche Sinnvollzüge
 Bsp.: Klavierspielen, handwerkliche Tätigkeit etc.
2. Gerichtetheit
 Selektivität
3. Pragmatische Auslegung einer Situation mittel Generalisierungen
 Bsp.: Bewegungsmuster, emotionale Schemata etc.
 Leiblicher Sinn drückt sich in Handlungen für die Selektionen und Generalisierungen von Nöten
sind

Paul Connerton

Körper als sozial wirksames Phänomen

- 2 Eigenschaften der Aneignung von Praktiken


1. Die Existenz von körperlichen Praktiken ist nicht jenseits von ihrer konkreten Durchführung zu
erfassen
2. Abläufe ohne Reflexion und Nachdenken sind möglich und auch effektiver
- Die Wichtigsten Kategorien und Werte jeder Gruppe sind körperlich gespeichert
1. Sozial relevante Tätigkeiten mit hohem Anteil an Körperlichkeit
 Sexualität, Gewalt Ernährung, Emotionalität etc.
2. Keine Reflexion und keine Diskussion dieser körperlichen Sicherungen
 Herausnahme aus dem Diskurs
3. Stabilisierung sozialer Verhältnisse
4. Macht und Herrschaft werden durch körperliche Formen der Anerkennung produziert
 In Ritualen, körperlich ausgedrückten Anerkennungsverhältnissen
 Sozialer Ungleichheit
 2 Arbeitsformen
1. Blue Collar – Bsp: Handwerker
2. White Collar – Bsp: Angestellte in Büros

Habitus
Pierre Bourdieu

Ausgangslage: Kritik an der kognitivistischen Interpretation des Sozialen

- Sozialwelt
 Basiert auf dem System von strukturierten und strukturierenden Disposition –
inkorporierte Klassifizierungsschemata
1. Wird in der Praxis ausgebildet
2. Immer auf praktische Funktionen ausgerichtet
- Habitusformen – Systeme dauerhafter und übertragbarer Dispositionen als strukturierte Strukturen
 strukturierende Strukturen
1. Erzeugungs- und Ordnungsgrundlage für Praktiken und Vorstellungen
2. Anstreben von Zielen ohne explizite Reflexion
3. Einhalten von regeln ohne reflektierte Einhaltung
 Kollektive Abstimmung des Sozialen ohne explizite und dauerhafte Dirigierung
 Führt zu einer effektiven Stabilität des Sozialen ohne formale Regeln und explizite Normen
- Struktur des sozialen Raums und die relative Stellung des Subjekts bestimmen die Klasse
1. Die Klasse des Subjekts bestimmt seinen Habitus
 Der Habitus bestimmt die Praxis
1. Praxis – Bewegungsabläufe und Wahrnehmungsstrukturen
 Grundsätzliche Strukturierung von Denken, handeln und Wahrnehmungen durch körpergebundene
Strukturierungen
 Struktur erzeugt den Habitus und bestimmt damit die Praxis

Probleme

- Wie ist Kreativität, Wandel und Veränderung zu fassen?


- Wie ist Reflexion, Denken und rationales Handeln zu fassen?

Geschlecht
Erving Goffman

- Geschlecht – Grundlage eines binären, sozialen Codes


 Strukturiert soziale Interaktionen
 Kultur/ Gesellschaftsspezifisch
1. Andere Gesellschaften haben auch drei oder mehr Geschlechtsidentitäten
 Prägt die Vorstellung von Subjekten über ihre grundlegende Menschliche Natur
 Legitimierung des Codes durch körperlich-biologische Grundlagen
 Eigentlich soz. Code als Grundlage
 Geschlecht als scheinbar natürliche Grundlage
1. Biologische Unterschiede eigentlich sehr gering und leicht auszugleichen
 Körperlichkeit wird als Legitimation für soziale Tatsachen genutzt
o Vorteil einer vermeintlich natürlichen Grundlage
- Geschlecht wird sozial produziert – Bereits bei der Geburt einem von zwei Geschlechtern zugeordnet
 Fortlaufender Sortierungsvorgang
 Zweiteilung eines polaren Spektrums mit vielen Zwischen- und Übergangsformen
- Differenz der Zuteilungen
1. Biologische Bestimmung: Sex
2. Soziale Bestimmung: Gender
- Unterschiedliche Sozialisation, Erfahrungen und Erwartungen
 Gender-spezifisches Handeln, Fühlen, Denken legt sich über die biologischen
Gegebenheiten und reproduziert dadurch die Vorstellungen über das Sex
 Genderspezifische Eigenschaften werden durch körperliche Praxis erworben
 Geschlecht als soziale Konstruktion
- Zur Herstellung des Unterschiedes werden Gendercodes erlernt
 Garfinkel: Passing-Studie – Junge, der eine frau werden wollte
- Abgrenzung durch
1. Äußeres Erscheinungsbild
2. Interaktionsrituale
3. Gesellschaftliche Zuschreibungen (Frauen können nicht einparken)
4. Habitualisierte Bewegungsformen
5. Sprachliche Konstruktionen von Geschlecht
- Institutionalisierte Geschlechterformen
1. Räumliche Trennungen, Getrennte Toiletten
2. Funktionale Trennungen – Segregation des Arbeitsmarktes, geschlechtliche Arbeitsteilung
3. Differenz in Eigentumsverhältnissen – Gender Pay Gap
4. Differenz in der Gleichheit vor dem Gesetz – langer Weg
5. Doppelte Vergesellschaftung der Frau (becker-Schmidt) – Erwerbs- und Hausarbeit
 Differenzen drücken gesellschaftliche Machts- und Herrschaftsverhältnisse aus
- Kritik an der sex/ gender-Differenz
1. Heteronormativität durch Anerkennung der Zweiteilung und den zugewiesenen Attributen
2. Grundlegende Diskontinuität zwischen den sexuell bestimmten Körpern und den kulturell
bestimmten Geschlechteridentitäten (Butler)
 Körper wird durch die Gesellschaft hergestellt
 Kulturelle Formung der Körperlichkeit
1. Diskursive Produktion der angeblich natürlichen Sachverhalte des Geschlechts
2. Gender umfasst auch diskursive/ kulturelle Mittel, durch die das „natürliches
Geschlecht“ als vordiskursiv und nicht verhandelbar dargestellt wird
 die Legitimation durch die Berufung auf unveränderliche Grundlagen wird durch die kulturelle
Formung von Eigenschaften selbst geschaffen

Leistungen Körper

- Fragen nach den Grenzen von Menschlichkeit


- Anthropologische Fragen zur Abgrenzung von Tieren
- Probleme des Raumes und der Räumlichkeit
- Fragen nach der Materialität des Sozialen
- Fragen zur Körperlichkeit in Interaktion und Ritualen
- Fragestellungen zu Gewalt, Traumata, Sexualität und Emotionalität
- Fragen nach Geschlechterverhältnissen – auch symbolisch-diskursive und strukturelle Dimension

Probleme Körper

- Bestätigung der cartesianischen Trennung von Körper und Geist


- Methodisch schwierige Erfassung von körperlich-sozialen Abläufen
1. Ethnographie
2. Teilnehmende Beobachtung
- Tendenziell Vernachlässigung der reflexiven Formen und der Rationalität
- Ausblendung der symbolischen Formen Sprache und Medien
- Differenzierung der verschiedenen Funktionen des Körpers
1. Körper als Akteur
2. Passives Objekt
3. Als sozialer Speicher
4. Als Legitimationsgrund
- Strukturierter und strukturierender Körper macht Erklärung von sozialem Wandel schwierig