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M9 in Mestre

Die italienische
Stadt rekon-
struiert ihre Mitte

Kleines und großes Rot am


Eingang in den Museums-
komplex
Foto: Alessandra Chemollo

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Text Kaye Geipel Fotos Alessandra Chemollo Acht mühsame Jahre hat es
in Mestre gedauert, um
vom Wettbewerb zum reali-
sierten Bau zu kommen.
Die „hässlichste Stadt Itali-
ens“, die seit der Nachkriegs-
zeit alle möglichen Funktio-
nen für ihre schöne Schwes-
ter Venedig übernommen
hat – Produktionsort, billige
Wohnstatt, Hafenanlage
und Müllhalde – nimmt ihre
Gestaltung wieder selbst
in die Hand. Am 1. Dezember
wurde das neue Museum
für die Geschichte des 20.
Jahrhunderts in Verlänge-
rung der zentralen Piazza Fer-
retto eröffnet. Gebaut wur-
de es von den Berliner Archi-
tekten Sauerbruch Hutton.
Eine Auskragung in der Fas-
sade markiert den Eingang
zum Museum. Im spitzen Eck
liegt der Vortragssaal.

Venedig bekommt
ein bravouröses Gegenüber
Venedig stirbt, heißt es. Venedig ist längst ge- eindrucksvollste Sammlung schlechter und teu- riere della Sera, Aldo Cazzullo, 2012 ein Buch über
storben, müsste es heißen. Denn die Lagunen- rer Restaurants, die man sich vorstellen kann. die Renaissance italienischer Städte schrieb, ließ
stadt ist seit Jahren keine dauerhaft bewohnte er an den Verschönerungsbemühungen Mestres
Stadt mehr. Es gibt 30 Millionen Touristen im Hinterhof Mestre kein gutes Haar: „Sie haben aus der Piazza Fer-
Jahr, aber nur noch 54.000 Einwohner, Tendenz retto eine Fußgängerzone gemacht, kleine Wäld-
weiter fallend. Andererseits: Venedig ist welt- Venedig könnte all das nicht sein, gäbe es nicht chen in der Peripherie gepflanzt, die Müllhalde
weit der größte architektonische Freiluftzoo, in Mestre. Die Stadt auf dem Festland, die verwal- von San Giuliano in einen Park verwandelt, das M9
den Unmengen globales Geld gepumpt wer­- tungstechnisch mit Venedig eine Einheit bildet, konzipiert, ein Museum der Zukunft.“ All diese
den, ein Showroom auch für die Hunderte Millio- ist mit dem Hafen von Marghera Teil einer der Anstrengungen werden „niemals ausreichen, um
nen schweren Unternehmungen von François größten Industrieregionen Europas. Sie ist seit aus Mestre eine schöne Stadt zu machen“.
Eine neue Zeichnung mit ab- Pinault und Leonid Mikhelson, die in den Palazzi der Nachkriegszeit der ausgelagerte Standort, Mestres schlechter Ruf führt zurück in die
gehobenen Dächern zeigt, am Canal Grande Touristen ihre Kunstsamm- an dem Venedig all das stattfinden lässt, was eine Nachkriegszeit und eine jahrzehntelange chaoti-
wie die Verbindungen kreuz
und quer durch das neue lungen unter die Nase halten, deren Wert sich Stadt notwendigerweise braucht: industrielle sche Entwicklung. Die Stadt wuchs in wenigen
Stadtquartier verlaufen. His- anschließend vervielfacht. Venedig ist das Produktion und bezahlbaren Wohnraum. Mestre Jahren planlos auf 220.000 Bewohner. Dann ging
torische Gebäude und schönste Eins-zu-eins-Museum der Welt, so- ist das Aschenputtel auf dem Festland und, es Anfang der 70er Jahre mit der Ölkrise auch
neue Museumsbauten sind
nicht zu unterscheiden. lange tagsüber Museen, Paläste und Kirchen mehr noch – so heißt es jedenfalls – die „häss- der Chemieindustrie schlecht, Mestre wurde zur
Abb.: Sauerbruch Hutton geöffnet sind, und bei Nacht immerhin noch die lichste Stadt Italiens“. Als der Journalist des Cor- Shrinking City, verlor 20 Prozent seiner Bewoh-

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Wenn jetzt mit dem M9 Architekten

keine Ikone, sondern Sauerbruch Hutton, Berlin;


Matthias Sauerbruch,

ein Museumskomplex, der Louisa Hutton, Juan Lucas


Young
Verbindungen schafft, Projektleitung
zum Aushängeschild avan- Bettina Magistretti

ciert, dann hat Mestre Mitarbeiter


mit Hilfe eines Wett- David Wegener, Carlos Alar-

bewerbs eine veritable cón Allen, Sibylle Borne-


feld, Marc Broquetas Madu-

Schlacht gewonnen. ell, Giuseppe Castellane-


ta, Stefan Fuhlrott, Costan-
za Governale, Stephanie
Heese, Philipp Hesse, Anna
Hollstein, Rémi Jalade,
Jonathan Janssens, Isabelle
McKinnon, Emanuela Men-
des, Francesca Poloni,
Gonzalo Portabella, Tanja
Reiche-Hoppe, Nora Stein-
höfel, Francesco Tonna-
relli, Jörg Albeke

Tragwerksplanung
SCE Project, Mailand

Haustechnik
Tomaselli Engineering, Fon-
tanafredda; Hospital Engi-
neering Group, Pordenone;
Studio Tecnico Giorgio De-
stefani, Sesto San Giovanni

Energiekonzept
Ambiente Italia, Mailand

Elektroplanung
Studio Tecnico Giorgio De-
stefani, Sesto San Giovanni

Brandschutz
GAE Engineering S.r.l., Turin

Bauherr
Polymnia Venezia S.r.l.,
Venedig

Standort
Alles eine Frage der Zusam- Via Pascoli 11, 30171 Mestre
mensetzung: Die Keramik-
ner, und in die leerstehenden Wohnbauten zogen dentin der Venezianischen Architektenkammer
fassade des größeren Muse- Hersteller
umsbaus ist etwas heller, gestrandete Migranten. Heute, so scheint es, Anna Buzzacchi hat jüngst in einem offenen Brief
Keramikfassade NBK Kera-
die Fassade des kleineren hat sich das Blatt wieder gedreht, Mestre ist im davor gewarnt, dass 10.000 genehmigte Hotel- mik, Emmerich am Rhein
Verwaltungsbaus etwas Holzbau Pollmeier Massiv-
Aufwind. Das mag mit den exorbitanten Hotel- betten die eh schon geschundene Stadt durch
dunkler – sie hat in der Ver- holz, Creuzburg
teilung mehr kräftige Rot­ preisen in Venedig zusammenhängen. Selbst das monofunktionale Nutzung weiter zerstören.
töne. Aschenputtel Mestre rückt jetzt in den Blick- Kurz hinter dem Bahnhof bricht allerdings die
punkt der Investments der Hotelökonomie. Vision einer Hoteltown Mestre schnell wieder in
Der Hotelboom springt ins Auge, sobald ich an sich zusammen. Je mehr ich mich dem neuen Mu-
einem Wintermorgen den Bahnhof von Mestre seum nähere, desto zerfahrener, fragmentier­ter,
hinter mir lasse. Ich mache mich quer durch die aber auch abwechslungsreicher wird die Stadt-
Stadt auf den Weg zum neuen kulturellen Aus- struktur – ein Mix aus maroder historischer In-
hängeschild M9, dem Museum der Geschichte nenstadt, neuen Radwegen, einer teilweisen Sa-
des 20. Jahrhunderts. In der Nachbarschaft des nierung entlang der Einkaufszonen und Büro-
Bahnhofs wird überall gebaut, die Bauschilder bauten der 60er- und 70er-Jahre, die als ver-
zeigen ein großes Hotel nach dem anderen. Der sprengte Großformen plötzlich die Richtung blo-
in Wien ansässige Immobilienentwickler MTK ckieren. Als ich schließlich das neue Museum
baut hier gleich vier auf einen Schlag. Die Präsi- erreiche, habe ich die eindrucksvolle Fotocollage

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direkt vor Augen (Seite 62), mit der Sauerbruch de Ziegelmauern und sperrige 60er-Jahre-Bau-
Hutton 2010 den eingeladenen Wettbewerb ge- ten zu kommunizierenden Röhren werden. Ein
wonnen hatten – zwei in verschiedenen Rottönen solches Aufgreifen der städtischen Raumbezie-
gefleckte, hingestreckte Raumkeile liegen da hungen haben die fünf Konkurrenten des Wett-
vor mir, die wie Comicfiguren in die Umgebung bewerbs – Massimo Carmassi, David Chipper-
blinzeln und in ihren Zwischenräumen jede Men- field, Pierre-Louis Faloci, Luis Mansilla & Emilio
ge öffentlichen Raum zur Verfügung stellen. Tuñón und Eduardo Souto de Moura – damals
alle nicht hinbekommen, als sie entweder voll auf
Wettbewerbsautorität die solitäre Wucht oder ganz auf die filigrane
Besonderheit der neuen Museumsbauten setz-
Der Wettbewerb für das neue Museum wurde ten (Bauwelt 36.2010).
von Francesco Dal Co, dem Hochschullehrer,
Manager und Direktor von Casabella exzellent or- Flexibles Museumskonzept
ganisiert, und es war unter anderem die Auto­
rität des Wettbewerbsergebnisses, die dem Pro- Auftraggeber des neuen Komplexes mit einem
jekt schließlich über die Hürden half, als es meh­ Investitionsvolumen von 110 Millionen Euro ist die
rere Male auf der Kippe stand. Die Entwurfsidee Fondazione Venezia, eine Sparkassenstiftung,
von Sauerbruch Hutton war so einfach wie über- die die Region Venedig-Mestre fördert und seit
Eine abgesenkte Terrasse
zeugend: „Wir zerlegten das Programm in zwei 2005 die Idee eines kulturellen Museumszent-
mit Blick auf die Stadt ist
Teile und führten durch das Gelände einen öf- rums für die Innenstadt verfolgt. Ausführende dem stützenlosen Ausstel-
fentlichen Weg, den es vorher nicht gab“, so Loui- Bauherrin ist die Polymnia Venezia. Der CEO der lungssaal vorgelagert.
sa Hutton bei der Besichtigung. Sauerbruch Polymnia hat in den letzten Jahren mehrmals ge-
Hutton haben seit dem GSW-Hochhaus in Ber- wechselt, und selbst der neue Museumsdirek-
lin-Kreuzberg eine fast 30-jährige Entwurfser- tor, Marco Biscione, verantwortlich für die Aus-
fahrung im Umgang mit heiklen Bruchstellen der stellungen, wurde erst im Sommer 2018 berufen.
Stadtgeschichte, mit der Frage, wie sich weiter- Das erklärt, warum das neue Geschichtsmuse-
bauen lässt, wenn wie in einem Steinbruch ver- um im Hauptgebäude ausschließlich auf neue Me-
schiedene Zeitschichten aufeinanderprallen. In dien setzt und bisher noch sehr beliebig wirkt.
Mestre zielte ihr Entwurf auf ein neues öffentli- Biscione sagte bei der Eröffnung, digitale Ausstel-
ches Achsensystem, in dem sich die rotgespren- lungstechnologien würde eben auch schnell
Der von Sheds belichtete kelten Neubauten und die historischen Bauten veralten und ein Museum des 20. Jahrhunderts
Ausstellungssaal im
obersten Geschoss reicht so miteinander verbinden, dass sogar bröseln- müsse sowieso ständig neu gedeutet werden.
über die ganze Länge.

Eine große Treppe erstreckt


sich über die gesamte
Westfassade und erschließt
alle Geschosse.
Schwerpunkte des neuen
Museums sind die Indus­
trie-, Sozial- und Stadtbau-
geschichte des 20. Jahr-
hunderts. Auch die demo-
graphische Entwicklung
Italiens und die Migration
werden beleuchtet.

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Grundrisse EG, 1. und 3. OG
sowie Schnitte
im Maßstab 1 :1000

7 11

7 11

7 11

5
2
Der neue Kulturkomplex ver-
9
bindet die langge­streckte 1
Piazza Ferretto im Norden
über eine diagonale Wege-
6 10
führung mit der Via Cappuc- 3
cina im Süden.
Lageplan im Maßstab 8
1 :10.000
7

An kleinen Details des fertigen Ensembles wird wurfskonzept folgt dabei der Idee, den bestehen- 1 Foyer / Mediathek
deutlich, wie schwierig es manchmal für die den historischen Raumelementen, wo immer 2 Museumshop
Planer gewesen ist, programmatische Fragen der möglich, neuen städtebaulichen Sinn abzugewin- 3 Auditorium
Architektur umzusetzen, wenn sie im Wider- nen. Umgesetzt wird dieses Konzept durch den 4 Bar / Restaurant
spruch zu einer Auffassung standen, deren vor- körperhaften Umgang mit Sichtbeton, der von 5 Café
dringliches Ziel der robuste Zusammenklang weiten Deckenflächen kontrastiert wird, die mit 6 Galerie
von politischer Repräsentation und einer mög- Baubuche verkleidet sind. Die Böden sind aus 7 Shop
lichst aufwendigen technologischen Ausstat- Trachyt, dem Stein aus dem Venedig gebaut ist. 8 Anlieferung
tung war. So liegt an der südlichen Spitze ein in Besonders wirkungsvoll ist der Dreiklang an Ma- 9 Dauerausstellung
die Erde versenkter, zur Straße hin verglaster terialien im Foyer, dem Dreh- und Angelpunkt des 10 Verwaltung
Saal, in dem sich die Architekten gerade auch in- Museums. Von diesem Foyer aus führt, einmal 1 1 Coworking Spaces
formelle Veranstaltungen für die Nachbarschaft umgelenkt, eine neue große Treppe durch alle Ge-
vorgestellt hatten. Eingebaut wurde ein Saal mit schosse und bedient die nach Osten orientier-
„bester Kinotechnik“, so der Bauherr, und schwe- ten Museumsräume bis hin zum stützenfreien,
ren, digital instrumentierten Kinosesseln, die je- großen Ausstellungssaal unter dem Dach. Dort
de Form von spontaner Aneignung zunichte ma- öffnet sich über eine abgesenkte Terrasse der
chen. „Hier muss man eben wie ein Erwachsener Blick auf die umgebenden Höfe.
sitzen“, war der trockene Kommentar der Planer.
Das aber sind Details. Sowohl in den Neubau- Was kann Architektur?
ten als auch in den sanierten Altbauten der ehe-
maligen Kaserne gelingt den Architekten eine Die öffentlichen Räume im Inneren wie in den
ebenso schlichte wie ausgesucht moderne Ge- Außenbereichen des neuen Kulturkomplexes
staltung; dabei ist die in verschiedenen Rottö- werden über große verglaste Öffnung der Erdge-
nen gesprenkelte Keramikfassade der südlichen schosszonen verknüpft und im Norden über
Neubauten ein wirkungsvoller Integrationsfak- zwei neue Durchgänge an den überdachten Hof
tor. Sie leitet die Besucher, die vom Bahnhof her der ehemaligen Kaserne angebunden. Das Kunst-
kommen, ins Innere des Komplexes. Das Ent- stück dieser öffentlichen Räume, eine ebenso

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Luftbild des vorherigen Zu-
stands und Visualisierung
körperhafte wie urbane Architektur auszuformu- Sie liegen rund um den neu überdachten Innen-
der neuen Ein- und Umbau-
ten von Sauerbruch Hutton lieren, gelingt gerade auch dort, wo die ver- hof und sind über eine Rolltreppe erschlossen.
für den Wettbewerb 2010 schiedenen Programmteile aneinanderstoßen, Eine eigene Firma übernimmt zurzeit deren Ver-
Foto Zustand vor dem Um-
wo sich kommerzielle Nutzung und Museums- marktung. Kann die Architektur auf die künftige
bau: ORCH/orsenigo_che-
mollo, courtesy Fondazione funktion begegnen. Mit diesem Mischkonzept Nutzung Einfluss nehmen? „Wir wollten keinen
di Venezia; Visualisierung: steht das Museum in Mestre für eine weithin Galeria-Effekt, in dem alles austauschbar wird“,
Sauerbruch Hutton verbreitete Entwicklung im Museumsbau: Das so die Projektleiterin Bettina Magistretti von
Museum soll als Institution nicht nur „ausstel- Sauerbruch Hutton und zeigt auf die neuen Ein-
len“, sondern in die Stadt hineinwirken, soll Inku- bauten, die die historischen Wände ergänzen:
bator sein für die weitere städtische Entwick- eindrucksvolle raumhohe Stahlpaneele, hinter
lung. Dieses „Hinaus-in-die-Stadt“ ist mit Risi- denen sich die notwendigen Installationen ver- Der nördliche Teil des Kultur-
komplexes besteht aus
ken verknüpft – es ist ein schmaler Grat, der bergen – kein Architekturelement, das man je
einer umgebauten Kaserne –
darüber entscheidet, ob solche Mischkonzepte schon in einer Galeria Kaufhof gesehen hätte. ursprünglich ein Augusti­
langfristig mehr sind als bloß kulturell aufge- nerinnenkloster mit einem
peppte Shopping Malls. Städtebauliches Umdenken Innenhof, dessen Bauge-
schichte bis in das späte 16.
Auch in Mestre ist das Ensemble aus sanier- Jahrhundert zurückreicht.
tem Kasernengebäude und Museumsbau mit Mestre und nicht Venedig ist heute zu einem La-
entsprechenden ökonomischen Erwartungen ver- bor für neue städtebauliche und ökonomische
knüpft. Für den Verwaltungschef der Polymnia, Ideen geworden. Ein besonders pralles Kuckucks-
Valerio Zingangelli, entsteht in Mestre „eines der ei bekam die Stadt vor einigen Jahren von Pierre
europaweit innovativsten Projekte“. Insbeson- Cardin vor die Tür gerollt, dem aus Italien stam-
dere soll der nördliche Teil möglichst schnell kom- menden französischen Modemacher, der heute
merziell auf eigenen Füßen stehen und den Mu- vor allem für sein riesiges Firmenimperium und
seumsteil mitfinanzieren. Dazu tragen die inzwi- für seine Umbauten des Marquis-de-Sade-Schlos-
schen als „Coworking Spaces“ konzipierten ses im südfranzösischen Lacoste bekannt ist.
Räume in der ehemaligen Kaserne bei, die 2010 In Marghera, auf der anderen Seite des Bahnhofs
noch als Einkaufszentrum ausgewiesen waren. von Mestre, sollte nach seiner Idee eine „Tour

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Lumière“ entstehen, eine Art Eiffelturm in Form
eines 1,5 Milliarden Euro teuren Hochhaus mit
Modeschule, Luxushotel, Luxuswohnungen und
4500 Beschäftigten. Eine Zeit lang konkurrierte
das pharaoneske Projekt Cardins mit dem M 9-
Museum Sauerbruch Huttons – beide standen
kurz hintereinander zur Debatte. Zunächst von
der Regionalregierung vehement unterstützt,
verschwand der Cardin-Turm 2013 dann wieder
in der Schublade. M9 aber wurde gebaut. Glück
für Mestre.
Sollte Hashim Sarkis, der designierte Direktor
der Architekturbiennale 2020 bald Ausschau
halten nach einem städtebaulichen „Real-Labor“,
dessen weitere Bearbeitung sich als Beispiel
für den Umgang mit den Widersprüchen euro-
päischer Stadtregionen lohnen würde, dann
möchte man ihm das Areal zwischen der Stazio-
ne di Mestre und dem M9-Museum zur Ausstel-
lung anempfehlen. Mestre ist ein Testfall für den
Umgang mit der postindustriellen Stadt, und
die wundersame Verwandlung der hässlichsten
Stadt Italiens geht weiter.

Neu überdachter und sa-


nierter Innenhof, um
den sich heute Coworking-
Spaces gruppieren.

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