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Im vergangenen Jahr erschien im Basler Chris- tempelartige Solitär auf quadratischer Grund- anderen stiegen die Schülerzahlen in der

hlen in der Ge-


toph Merian Verlag die Publikation „Neue Schul- form beinhaltet in den drei oberen Geschossen meinde in den letzten Jahren stark an. Das cam-
räume – Architektur für zeitgemäßes Lernen“, in je acht „traditionelle“ Klassenzimmer, vier Grup- pusartige Areal im Dorfzentrum besteht aus
der anhand von rund fünfzig Projekten „Räume penräume und einen Therapieraum. Im Erdge- Schulgebäuden der fünfziger, sechziger und sieb-
für die Schule von morgen“ vorgestellt werden, schoss befinden sich ein Mehrzweckraum, die ziger Jahre. Dessen Abfolge von Verbindungs-
denn auch in der Schweiz wird intensiv über Lehrerzimmer und, als öffentliche Einrichtung, elementen und Plätzen entwickelten die Architek-
zeitgemäße architektonische Antworten auf die die Gemeindebibliothek der Stadt. Tatsächlich ten weiter durch die präzise Platzierung eines
Anforderungen neuer pädagogischer Konzepte ist das pädagogische Konzept der Primarschu­le in sich ruhenden Volumens. Der von der Straße
diskutiert: Welche baulichen Lösungen reagieren eher konservativ klassenzimmerorientiert. Doch zurückversetzte Baukörper ist auf den vorge­
adäquat auf Themen wie Ganztagsschulen, in­ das neue Gebäude ermöglicht zukünftiges Ent- lagerten Grünraum ausgerichtet und reiht sich
dividuelles Lernen, Teamarbeit oder Inklusion, wicklungs- und Anpassungspotential mit einer maßstäblich ein in die benachbarten Gemeinde-
und wie verändert sich dadurch die seit hundert vorausschauenden Planung, die durch Raste- bauten. Seine strenge Fassadenrasterung soll
Jahren mehr oder weniger starre Typologie des rung und Elementierung höchstmögliche Flexi- den gewünschten Ausdruck als öffentliches Ge-
Schulhauses? Ist die viel propagierte „Auflösung bilität erreicht. bäude stärken.
des Klassenzimmers“ tatsächlich erforderlich Der Architektenwettbewerb für den Neubau Die Gebäudestruktur folgt der klaren äußeren
zugunsten neuer Raumtypologien? der Primarschule, den das Zürcher Büro pool Form: Um ein zentrales Atrium herum wickelt
Der 2018 fertiggestellte Neubau der Primar- Architekten für sich entscheiden konnte, wurde sich an der Fassade entlang die äußere Raum-
schule Vinci in der Aargauer Kleinstadt Suhr aufgrund einer Neuorganisation des Schulsys- schicht mit den Unterrichtsräumen. Zwei Ach-
scheint auf den ersten Blick mit dieser Debatte tems im Kanton mit einer Verlängerung der Pri- sen bilden die kleinste Raumeinheit. Die Raum-
nicht viel zu tun zu haben. Der viergeschossige, marschulzeit um zwei Jahre erforderlich. Zum aufteilung in dieser Schicht ist frei wählbar und

Der Charakter des Primar-


schulhauses wird von

Raster für die


Das International Klein Blue, dem Kontrast der geraster-
in den 50ern von Yves Klein ten Hülle und der massi­-
und Edouard Adam gemixt, ven Doppelhelix der Treppe
leuchtet auch heute gut. im Atrium geprägt.
Lageplan im Maßstab
1:5000

Flexibilität Text Christiane Gabler Fotos Ralph Feiner

Für den Neubau der Primarschule Vinci im schweizerischen Suhr


mussten pool Architekten keine Räume für pädagogische Reform-
ideen schaffen, wohl aber ein Gehäuse, das sich an künftige
Anforderungen anpassen lässt.

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ausschließlich über Leichtbauwände realisiert, bilität. Stattdessen sind unter den beiden fast aus Glasbausteinen zwischen dem Atrium und
was nicht nur der flexiblen Nutzung und zukünf­ barock anmutenden Treppenläufen im Atrium je- den Räumen gewährleisten beidseitigen Licht-
tigen Anpassungswünschen, sondern auch dem weils Fluchttreppen in einem tunnelartigen Raum einfall für die Klassenräume und ein transparen-
Prozess der Planung zugutekommt: So konnte geschützt angeordnet. Der Fluchtweg führt über tes Erscheinungsbild des Atriums. Einen robust
die nun gebaute Struktur relativ lange offen ge- das Untergeschoss nach draußen. Da sich unge- gebrannten Klinker verwendeten die Architekten
halten werden. fähr 400 bis 500 Menschen gleichzeitig im Schul- für den Bodenbelag. Im Erdgeschoss verbindet
Um diese freie Raumfolge zu gewährleisten, haus aufhalten können, waren zwei Fluchttrep- seine diagonale Verlegung die beiden Eingänge
entwickelten die Architekten ein maßgeschnei- pen erforderlich. Die gestapelten Treppen – miteinander, in den Obergeschossen folgt die
dertes Tragwerk aus zwei Stützenringen und der ausgehend jeweils von den beiden Eingängen – konzentrische Verlegung den Treppenläufen.
expressiven Treppe im Atrium. Der äußere Ring winden sich als wuchtige Doppelhelix von Ge- Schlüssig und konsequent unterliegen nicht
in der Fassadenebene besteht aus vorfabrizier- schoss zu Geschoss. Ihre Sichtbetonoberfläche nur die statische Struktur und die Raumbildung
ten, eingespannten Stützen. Die Verbindung wird durch eine schmalbrettrige Schalung rhyth- der Idee der Modularität, sondern auch das haus-
mit den Geschossdecken wirkt im Prinzip wie ein misiert. Die Betonstufen sind lediglich geschlif- technische Konzept. Das Ausbauraster der Ins-
Vierendeelträger, welcher neben der Ableitung fen und lackiert. tallationen ist zum Konstruktionsraster um eine
der Vertikallasten auch die horizontale Ausstei- Das Dach des Atriums überspannen hohe Be- halbe Achse verschoben. Dieser regelmäßig,
fung übernimmt. Ein zweiter innerer Betonstüt- tonträger. Dazwischen sind vorfabrizierte Glas- senkrecht zur Fassade angeordnete Gipskarton-
zenring liegt in der Wandebene, die Räume und bausteinelemente eingehängt. Fast orientalisch streifen im Deckenbereich fasst die Leuchten
Atrium voneinander trennt. Die Treppenkörper anmutende Lichteffekte zaubert die Sonne auf und Luftauslässe zusammen. Die Füllungen da-
aus Ortbeton tragen ausschließlich die Vertikal- die im leuchtenden Yves-Klein-Blau gestriche- zwischen wurden mit akustisch wirksamen He-
lasten der Decken des Atriums. nen Flächen. Die blaue Farbe findet sich wieder raklithplatten gefüllt.
Auch auf betonierte Kerne für Fluchttreppen in der Farbgebung der Eingänge und den Nach- In einer für die jetzigen Bedürfnisse der Primar-
und Steigschächte in der Raumzone verzichte- bauten alter Gartenbänke im Erdgeschoss. schule Vinci maßgeschneiderten Lösung ermög-
ten die Architekten im Sinne der optimalen Flexi- Für das Farbkonzept im Atrium wählten die Ar- licht das architektonische Konzept durch Modu-
chitekten Farben aus Le Corbusiers Farbpalet­- larität, Rasterung und den Verzicht auf beto-
Um diese freie Raumfolge te. Die verputzten Füllungen und lasierten Türen nierte Kerne einen hohen Grad an Anpassungs-

zu gewährleisten, entwi- im Erdgeschoss sind in einem cremigen Gelb, in


den Obergeschossen in einem warmen Rotton
fähigkeit. Auch das alles verbindende zentrale
Atrium können Schüler und Lehrer auf vielfältige
ckelten die Architekten ein ausgeführt. Im Klassenzimmer dagegen domi- Weise nutzen. Auf den Treppenläufen wird ge­
Tragwerk aus zwei Stüt- nieren zurückhaltende weiße und graue Farbtöne. lesen, gearbeitet und unterrichtet. Es dient nicht
Auf Einbaumöbel wurde verzichtet, um unter- nur als Erschließungs- und Aufenthaltsraum,
zenringen und der expres- schiedliche Einrichtungsvarianten in den einzel- sondern ist Kommunikationszone, Spielplatz und
siven Treppe im Atrium. nen Klassenzimmern zu ermöglichen. Elemente Erholungsbereich zugleich.

Architekten
pool Architekten, Zürich

Mitarbeiter
Dieter Bachmann (Partner),
Matthias Stocker (Part­-
ner), Martin Trefon (Projekt-
leiter), Kaspar Appels,
Leah Fischer

Tragwerksplanung
Schnetzer Puskas Inge­
nieure, Zürich

HLK
Gruenberg + Partner, Zürich

Brandschutz
Conti Swiss, Zürich/Amstein
Walthert, Zürich (Simula­
tion)

Akustikplanung
applied acoustics, Gelter-
kinden

Fassadenplanung
Ein Gipskartonstreifen an GKP Fassadentechnik,
der Decke fasst die Aadorf Um künftig andere Raum- Abgesehen vom IKB, wähl-
Haustechnik zusammen. teilungen zu ermöglichen, ten die Architekten Töne
Grundrisse Erdgeschoss Bauherr besteht die heutige Auftei- aus Le Corbusiers Farbpa-
und 1. Obergeschoss im lung der Klassenzimmer lette: ein cremiges Gelb
Einwohnergemeinde Suhr
Maßstab 1:500 aus Trockenbauwänden. und ein warmes Rot.

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