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Wiener Schule

Kindergarten
Volksschule
Interview
Neue Mittelschule
Ulrich Brinkmann und Kirsten Klingbeil
Gemeinschaftsbereich
Verwaltung
Erschließung, sonstige Flächen

Anna Popelka und Georg Poduschka


gründeten 1995 nach dem Studium an der TU Graz ihr gemeinsames Architekturbüro PPAG in Wien. Seitdem haben
Bildungscampus
sie zahlreiche Projekte besonders im Bildungs- und Wohnungsbau in Wien, Berlin und Norwegen realisiert.
(Foto: PPAG architects)
Sonnwendviertel
Im Jahr 2014 haben PPAG mit dem Bildungs-
campus Sonnwendviertel in der Nähe
Das Lernhaus-Prinzip, bei dem ein Cluster vier Der Bildungscampus Sonnwendviertel ist eine
des neuen Hauptbahnhofs den vierten Bil-
Klassenräume, einen Projektraum, einen Team- Pilotschule der Stadt Wien. Hat es seitdem dungscampus der Stadt Wien fertigge-
raum für die Lehrer und einen „Marktplatz“ für Folgeprojekte gegeben? Wie hat sich der Schul- stellt. Er war der erste mit modernem päda-
gogisch-räumlichen Konzept. Es gibt ei-
alle fasst, kommt aus der Pädagogik. Was sind bau der Stadt Wien generell weiterentwickelt?
nen Kindergarten, eine Volks- und eine Mit-
für Sie die Besonderheiten? Anna Popelka Wien verfolgt engagiert seit 2010 telschule für 1100 Kinder von 0–14 Jahren.
Anna Popelka Ausgangspunkt dafür ist die Wert- das Campusprogramm. Da geht es nicht um Fotos: Hertha Hurnaus; Grundriss EG im
Maßstab 1 :1500
schätzung für jedes Kind. Für seine individuel- Gleichheit aller Projekte, sondern darum, dass
len Bedürfnisse, Talente und Interessen. Diese man dazulernt. In der Vorgangsweise, in der Art
Anna Popelka und Georg maßgeschneidert zu fordern und zu fördern ist des Wettbewerbs, im Programm und in der Um-
das pädagogische Ziel. Dass der instruktive Un- setzung wird differenziert, entwickelt und eva-
Poduschka haben mit ihrem terricht dafür nur begrenzt geeignet ist, ist lo- luiert.
Wiener Architekturbüro gisch. Die neuen, ergänzenden Unterrichtsmetho- Georg Poduschka Das geht natürlich nicht Pro-

PPAG bereits mehrere Schul- den, freies Lernen und Projektunterricht setzen jekt für Projekt. Sonst könnten wir inklusive Eva­
auf die Kleingruppe und auf die Lehrer und Lehre- luationsphase ja nur einen Campus alle 10 Jahre
bauten nach dem „Lern- rinnen als Coaches. Dafür braucht es aber ganz bauen, wir brauchen aber alle innerhalb von 10
haus-Prinzip“ realisiert, da­ andere Räume. Jahren. Die Stadt hat das Programm einmal ge-

runter den 2014 fertigge- Georg Poduschka Die Cluster-Schule war beim
Wettbewerb für den Bildungscampus Sonn-
ändert, zum sogenannten „Campus plus“. Da wird
stärker die Zusammenarbeit zwischen Grund-
stellten „Bildungscampus wendviertel im Jahr 2010 nicht verlangt. Es war schule und Kindertagesstätte thematisiert, mit
Sonnwendviertel“ in Wien. eine zielorientierte, keine lösungsorientierte gemischten Clustern. Das sind dann recht gro­-
Ausschreibung. Es gab also kein Raumprogramm, ße Cluster für 165 Kinder. Es ist grenzwertig, dass
Wir sprachen mit beiden stattdessen gab es einen Qualitätenkatalog. die sich alle noch gut kennen, vermischt aber im als auch in der Grundschule in Betrieb genom-
über die neue Schulbautypo- Von der Baudirektion wird gern erzählt, dass 104 Alltag Vorschule und Schule, was wiederum was men, damit die Gemeinschaft und auch der
logie, die die Flurschule ab- Büros mitgemacht und zehn verstanden haben, Gutes hat. Es gibt schon einen ersten realisier- Lehrkörper wachsen kann. Der Campus war wäh-
was gemeint war. ten Campus plus vom Büro Querkraft in der At- rend der ganzen Entwicklungsphase medial als
gelöst hat, über ihre Erfah- Anna Popelka Das war insoweit nicht so überra- temsgasse in Wien. pädagogischer Paradigmenwechsel präsent. In
rungen bei der Entwick­- schend, als es vorher nur Wettbewerbe mit der Erstbesetzung gab es nur freiwillige Päda-

lung von Bildungsbauten in klassischem Raumprogramm und mit der 9-mal- Kommen die Anstöße zu solchen Weiterentwick- gogen, die so arbeiten wollten.
7-Meter-Klasse gegeben hatte. Es war damals lungen des Bauprogramms von der Schulauf-
Österreich und Norwe­- für viele undenkbar, dass die Stadt Wien etwas sichtsbehörde der Stadt Wien oder aus dem Be- Wie wurde der Bildungscampus in Ihrer Erfah-
gen sowie über ihre Pläne anderes wollte. Uns sind diese Aufgaben, die reich der Pädagogen? rung von seinen Nutzern angenommen: Gehen

für einen Schulneubau in wirkliche Fragen stellen, natürlich die liebsten.


Im Qualitätenkatalog wurde der Alltag in einer
Georg Poduschka Das wird von der Baudirektion
als Schlüsselstelle sehr kollegial koordiniert.
Lehrer und Schüler ganz selbstverständlich mit
dieser neuen Raumfiguration und dem ihr im-
Berlin. zeitgemäßen Bildungseinrichtung beschrieben. Da sind die Wünsche der Pädagogen ebenso ver- manenten Programm um, oder bedarf es eines
Das hat den Cluster nahegelegt, weil die Päda- treten wie der politische Wille. gewissen Lernprozesses auf allen Seiten, um
gogik den Mitschüler als zweiten Pädagogen ein- die Potentiale auszuschöpfen?
setzt. Dafür müssen die Schüler sich aber ken- Die Schule im Sonnwendviertel ist kein Neubau Anna Popelka Bei der Übergabe des Bildungs-
nen. Der Schüler muss ja wissen, zu wem er geht für eine bestehende Schulgemeinschaft, son- campus kann ich mich noch erinnern, dass es
mit einer bestimmten Frage. Wenn er irgend- dern eine komplette Neuentwicklung. Gab es große Skepsis gab wegen der Transparenz der
wen fragt, hat er nichts davon! Pädagogen, die sich speziell der Architektur Klasse zum Marktplatz hin: „Werden nicht alle
Georg Poduschka Die Cluster-Schule hat schon wegen beworben haben, weil es sie interessiert Kinder die ganze Zeit abgelenkt?“ Schon nach
vorher existiert. Dänemark ist uns hier 10, 15 hat, genau dort zu unterrichten – mit diesem zwei Wochen haben dieselben Pädagoginnen
Jahre voraus. Dort gab es schon funktionierende Programm, mit diesem Gebäude? gesagt, sie würden niemals eine Gruppe von Kin-
Schulen dieser Art, die wir uns nach dem Wett- Georg Poduschka Die Schule wurde mit nur den dern auf den Marktplatz raussetzen, wenn sie
bewerb angeschaut haben. ersten Klassen sowohl in der neuen Mittelschule nicht sehen würden, was die tun. Da ist wirklich

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Georg Poduschka Sie sind etwa gleich groß. Alle zent gehalten, selbst wenn es statt 60 nur noch von der Kombination Berufsschule und Grund-
Schulen in Wien hatten Freizeitklassen. Das 25 Schüler dafür gab. Das hat die Pädagogik ge- schule her, andererseits ist der Bau für eine
Kind hat um 12 Uhr die Schultasche genommen prägt. Daran wurden Pädagogen ausgebildet, da- Schule sehr hoch, sechsgeschossig. Eine logi-
und ist von der 9-mal-7-Meter-Unterrichtsklas­- mit sie mit diesem Raum zurande kommen. Jede sche Entwicklung im dicht verbauten, gründer-
se zwei Stockwerke runter zu einer gleichen Frei- Abweichung davon hat es schwer, weil es eben zeitlichen Gebiet.
zeitklasse gegangen. Diesen programmierten verdammt viele Schulen nach diesem Standard
100-prozentigen Leerstand zu beenden, war ei- gibt. Es wird auch für Scharoun schwierig gewe- Im Zuge des immensen Schulbaubedarfs wird
ner der Grundgedanken der neuen Campusidee. sen sein, sich dagegen durchzusetzen. in Berlin wieder verstärkt über Typenbau ge-
Anna Popelka Es gibt eine Vokabel, die sich ge- Anna Popelka Wobei er in einer Zeit gewirkt hat, sprochen. Es gab auch einen entsprechenden
bildet hat: „pädagogisch nutzbare Fläche“. Ver- die generell nicht so rückwärtsgewandt und Wettbewerb, an dem Sie teilgenommen ha-

Schule Sauland gleicht man diese, dann schneiden die Cluster-


Schulen natürlich unvergleichlich besser ab.
zukunftsverdrossen war wie die heutige. In der
Nachkriegszeit gab es durchaus einen Glau­ben
ben. Wie kann sich Ihre Art, Schule zu denken,
mit dem Ansatz des pragmatischen Typen-
Zusammen mit dem norwegischen Archi-
Beim Bildungscampus Sonnwendviertel gibt es an das Neue und Andere, und man hat nicht von baus zusammen denken lassen?
tekturbüro Helen & Hard haben PPAG in kaum reine Flure. vornherein angenommen, dass das schlechter Anna Popelka Typenbau schließt Qualität nicht
der kleinen südnorwegischen Gemeinde ausgehen wird. Daran schließt der Bildungsbau aus. Berlin hat einen hervorragenden Schul-
Sauland für die Sekundarschule einen
Der Bildungscampus mit seinem kristallinen mit den gegenwärtigen Programmen wieder an. raum-Qualitäten-Katalog mit Hilfe von Spezialis-
zweigeschossigen Neubau für 150 Schüler
als Holzbau errichtet. Die Bildungsräume Grundriss hat entsprechend viel Fassa- ten entwickelt, der allen Wettbewerben zugrun­-
wurden rotational um ein Atrium angeord- den­fläche. Ist der Unterhalt dadurch höher? Es gibt noch sehr viele Flurschulen aus den letz- de liegt. Insofern ist da was überwunden worden,
net, das sich über zwei Ebenen erstreckt, Georg Poduschka Von der Energie her funktio- ten 250 Jahren Schulbau. Gibt es Ideen, in die- theoretisch zumindest.
die mit einer Plenumstreppe verbunden
niert ein Bildungsbau anders als ein Wohnbau, sem Bestand zu arbeiten: Umbauprogramme, Georg Poduschka Typenbau, ist das jetzt modu-
sind.
Fotos: Wolfgang Thaler; Grundriss EG im weil die Besonderheit die hohe Dichte an Perso- Annäherungen, Anpassungen an das heutige lares Bauen im Sinne von Bauteilen, die standar-
Maßstab 1:750 nen ist, die sehr viel heizen. Jedes Kind heizt pädagogische Modell? disiert sind? Oder ist es, so wie wir es für die mo-
ca. 80 Watt. Selbst in den Klassen, die fünfseitig Anna Popelka Soweit wir informiert sind, dreht dulare drei- und vierzügige Schule interpretiert
in zwei Wochen die Erkenntnis gekommen! Und von Außenluft umspült sind, heizen die Kinder es sich bei den Sanierungen eher um energeti- haben, der Typ, der fünf- oder sechsmal gebaut
in Bezug auf die Gefahr der Ablenkung: Nach bis minus 7° C den Raum bei normaler Dämmstär- sche Ertüchtigungen, um Brandschutz und um wird? Und da finden wir, ist es eher die Frage,
zwei Tagen hat sich kein Kind mehr dafür inter- ke. Aber die Kinder atmen. Also muss die Luft Barrierefreiheit, alles wichtige Dinge, aber nicht wie gut ist das, was fünf- oder sechsmal gebaut
essiert, was da draußen passiert. gut sein, denn die Konzentrations- und Aufnahme- von pädagogischem Nutzen. Dabei ließe sich das wird? Wenn das einen hohen Anspruch hat als
fähigkeit der Kinder sinkt mit schlechter Luft- alles so gut unter einen Hut bringen. Das ist Bildungseinrichtung, dann hat es umso mehr Wir-
In Deutschland wird seit Jahren immer wieder qualität. Man muss in die Lüftung und in deren schade. kung, wenn es fünfmal gebaut wird. Wenn man
angeregt, Schulen auch in die Stadt zu öffnen. Wärmerückgewinnung investieren. Da ist der Georg Poduschka Das Thema ist aber groß. Wir es als Bekenntnis der Stadt Berlin zur Wissens-
Das gelingt meistens nicht, weil die Träger un- wirksame energetische Hebel. bauen in Wien gerade eine Schule auf dem gesellschaft sieht, auf das alle stolz sind, dann
terschiedliche sind und die Zuständigkeiten Anna Popelka Es gibt verschiedenste interes- Sportplatz einer bestehenden Berufsschule. hat es umso mehr Wirkung, wenn es sechsmal
nicht klar. Gibt es in Wien eine ähnliche Diskus- sante Lüftungskonzepte, die sich in den letzten Eine Grundschule flächig auf zwei Geschos­- vorkommt. Dann fährt man durch Berlin und
sion, und hat sich diese im Zuge der Cluster- Jahren entwickelt haben. Das geht jetzt sehr in sen, obendrauf kommt die Erweiterung der Be- sagt: „Hach, da ist auch eine!“
Schulen noch mal verändert? Richtung Low-Tech. In der Klasse gibt es ja eher rufsschule. Das ist sehr spannend: Einerseits Anna Popelka Typen schon, aber vielleicht viele.
Anna Popelka Glücklicherweise wird das zuneh- das Überwärmungsproblem.
mend ein Thema, auch in Bezug auf lebenslan-
ges Lernen. Die Schule sollte in unserer Wissens- Würden Sie Ihre Schule in einer Tradition von
gesellschaft einen Stellenwert für alle, nicht
nur die Schüler haben. Da gibt es noch Entwick-
organischem Schulbau sehen, der sich – in
Deutschland zumindest – auf Hans Scharoun Die neuen Unterrichts­metho-
den setzen auf die Klein­
lungspotential. zurückverfolgen lässt, sich aber nie durch­
Georg Poduschka In Wien gibt es da jedenfalls gesetzt hat? Ist diese Tradition in Österreich
Luft nach oben, aus genau den genannten Grün- lebendig geblieben? Wo sehen Sie Vorläufer
den. Die außerschulische Nutzung der Sporthal­-
len funktioniert immer gut. Auch Mehrzweckräu­
für Ihre Arbeit?
Anna Popelka Die organische Architektur hat gruppe und auf die Lehrer als
Coaches. Dafür braucht
me, Bibliothek könnten jederzeit ins Quartier ge- sich aus den inneren Notwendigkeiten heraus
öffnet werden. Das passiert aber kaum. entwickelt, ohne formales Ziel im Hinterkopf. In
Anna Popelka Der Bildungscampus Sonnwend- diesem Sinn stehen wir, wenn man so will, in
viertel ist eine Ganztages- und Ganzjahres-
schule. Er ist auch im Sommer geöffnet für Kin-
der- und Jugendprogramme. Ein Gebäude mög-
ihrer Tradition. Man könnte unsere Herangehens-
weise beim Campus Sonnwendviertel aber auch
als poststrukturalistisch bezeichnen. Im Pro-
es aber ganz andere Räume.
lichst rund um die Uhr zu nutzen, ist auch ein öko- gramm der Cluster-Schule, wo es um das Ver-
Anna Popelka
nomisches Argument. hältnis der Räume zueinander geht, liegt eine
gewisse fraktale Ordnung. Aus der unterschied-
Wurde beim Bau dieser Cluster-Schulen in den lichen Kombination von Gleichem entsteht Ein-
letzten Jahren eine Veränderung des Flächen- zigartigkeit.
bedarfs festgestellt gegenüber den alten Flur- Georg Poduschka Ich glaube, dass es die Macht
schulen? Wäre eine Schule für 1100 Schüler der Übung ist. Die Maria-Theresianische-Klasse
wie die Sonnwendviertelschule als Flurschule wurde vor 250 Jahren bestimmt und hat sich bis
mit traditioneller Konzeption noch größer? vor zehn Jahren in Form der Flurschule zu 99 Pro-

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Allee der
Kosmonauten
In Berlin haben PPAG kürzlich den Realisie-
rungswettbewerb für die ersten beiden
Schulen, die die HOWOGE Wohnungsbau-
gesellschaft im Rahmen der Berliner Schul-
bauoffensive errichten wird, gewonnen.
PPAG entwarfen ein gemeinsames Gebäude

Die Flurschule hat die Päda­


für ISS und Gymnasium, dessen Zen­trum
die „Piazza“ im Erdgeschoss bildet. Hierdrü-
ber sitzen die Sporthallen. Es wird drei Zu-

go­gik geprägt. Daran wur-


gänge und drei Erschließungen geben, um
bei Bedarf alle drei Gebäudeteile auch ge-
trennt voneinander nutzen zu können. Wie
der Bildungscampus Sonnwendviertel wer-

den Pädagogen ausgebildet.


den beide Schulen in Compartments organi­-
siert sein.
Visualisierung: PPAG architects; Grundriss

Jede Abweichung davon


EG im Maßstab 1:1500

hat es schwer. Georg Poduschka

Die Cluster-Schule, die die große Einheit auf men. Das ist eine geometrische Aufgabe. Das ro- In Berlin haben Sie gerade den Wettbewerb der
kleinere Cluster oder Compartments, wie es tationale Prinzip ist da unsere Lösung. HOWOGE für die Schule „Allee der Kosmo­
in Berlin heißt, runterbricht, bringt eine größere Anna Popelka Daraus entstehen zueinander ori- nauten“ gewonnen. Wie haben Sie hierfür die
Flexibilität für die Pädagogik. Wie sehen Sie entierte Räume im Cluster und ein Forum, das Raumkonzeption weiterentwickelt?
die perspektivische Flexibilität der Schule ge- in alle Richtungen Kontakt nach außen hat. Der Anna Popelka Es sind ja zwei Schulen: eine ISS
genüber der Flurschule – wie kann die Pädago­- norwegischen Schulleiterin war das sofort plau­- und ein Gymnasium mit insgesamt 60 Klassen
gik in 30 Jahren dort aussehen? Wäre die große sibel. Es war kein Thema, dass dieser Typus der sowie eine große, 6-teilige Doppelturnhalle. Wir
Halle, die alles offen lässt à la Mies van der richtige ist. Hinzu kommt, dass das Gebäude da- haben einerseits gesehen, dass das Grundstück
Rohe, ähnlich flexibel oder nicht ganz so flexi- durch nur Vorderseiten hat. gar nicht so groß ist, um alles in eigenen Baukör-
bel wie eine Cluster-Schule? pern unterzubringen. Andererseits kam es uns
Anna Popelka Es ist ein bisschen die Idee von Das ist konzeptionell der große Unterschied von der Lebensvorstellung der Schule auch nicht
Neutralität, in der alles möglich ist. Daran glau­- zum Bildungscampus Sonnwendviertel. attraktiv vor, beide zu trennen. Stell dir vor, du
ben wir nicht. Wir glauben eher an definierte Räu- Anna Popelka Das ist eher ein geometrischer gehst mit deinem Freund in der Früh in die Schule
me, die Beziehungen aufspannen, die, wenn Unterschied. und dann „Tschüss“: Der eine geht in die ISS,
sie gut sind, vielfältige Nutzungen ermöglichen. Georg Poduschka Der Unterschied ist haupt- der andere ins Gymnasium. Dieser gesellschaft-
Es gibt genug Beweise in der Geschichte der sächlich, dass Sauland sehr klein ist. Die ganze lichen Spaltung von Freundschaften schon in
Architektur von gelungenen Konvertierungen. Schule ist ein zweigeschossiger Cluster, in dem der Schülerzeit wollten wir entgegenwirken. Des-
Aber an den sogenannten neutralen Raum, in eine Gruppe arbeitet, die sich gut kennt: alle wegen sind wir darauf gekommen, alle Teile in
dem ganz undefiniert alles geschehen kann, glau- Schüler, alle Lehrer kennen sich. Was aber auch einen Baukörper zu packen. Die Sporthallen, die
be ich gar nicht; zu dieser Idee fehlt mir der Zu- den Vorteil hat, dass die Fachräume Teil des ja städtebaulich meist nicht bereichernd in Er-
gang. Clusters sind. scheinung treten, liegen jetzt im Zentrum, umge-
Georg Poduschka Ich glaube, dass die Cluster- Anna Popelka In Sauland gibt es ein zweige- ben von typengleichen Compartments. In je-
Schule übermorgen sicher besser bestehen wird schossiges Forum, das über eine große Tribünen- dem zweiten Geschoss gibt es einen Zugang, da-
als die Flurschule. treppe verbunden ist. Die Plenumtreppe war durch bringen wir das enorme Raumpotential
von Anfang an ein großer Wunsch der Pädago- der Turnhallen mitten in den Schulalltag. Und –
Für die Schule in Sauland haben Sie die Typolo- gen. Unter der Treppe gibt es alle möglichen Stichwort Stadtteilnutzung –, wir haben die Hal-
gie weiterentwickelt. Was war hier der Aus- Nester und Geheimverstecke. len hochgehoben und bekommen unter ihnen ei-
gangspunkt? Georg Poduschka Wir haben der damaligen nen großen Mehrzweckbereich. Da können auch
Georg Poduschka Der Ansatz war ein Modell, das Schulleiterin und der Gemeinde unser Konzept die Spielemesse oder die Zusammenkunft des
wir schon öfter vorgeschlagen und jetzt das ers­- für die Schule vorgestellt. Obwohl sie gar nicht Bezirks stattfinden.
te Mal gebaut haben: das rotationale Prinzip. Der gesagt haben, dass sie eine Cluster-Schule oder Georg Poduschka Was vielleicht auch noch ganz
Cluster birgt die Herausforderung, dass mehre­- modernes Lernen wollen, haben die sofort ge- schön ist: Wir haben im Wettbewerb einen Holz-
re Klassen um einen Marktplatz angeordnet sind. sagt: „Wunderbar, das ist genau das, was wir woll- bau vorgeschlagen. Die HOWOGE ist sehr offen.
Wenn man ihn entwirft, hat man immer das Pro­ ten!“ Bei der Eröffnung hat der Bürgermeister
blem, dass man eine gewisse Maximalfläche vor- erzählt, dass es das größte Bauvorhaben ist, das Geht die Öffnung der Schule soweit, dass sie
gegeben hat, die man noch belichten will, die sie in den letzten 15 Jahren bewerkstelligt ha- ohne einen Zaun auskommen wird?
aber umgeben ist von Räumen, die das Licht neh- ben. Anna Popelka Von uns aus sofort!

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