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Basisseminar Kultur und Kommunikation 04.11.

2017
Wintersemester 2017/2018 Wilhelm-Löhe-Straße 12
PD Dr. Jan Weyand Milan Slat

Der Autor Michael Tomasello stellt in dem Buch eine Hypothese über die beteiligten Faktoren bei
der Entwicklung von spezifisch menschlichen Kognition auf. Diese besagt, dass bei der
Entwicklung bestimmter menschlicher kognitiver Fertigkeiten eine kumulative kulturelle
Evolution beteiligt war. Dieser Prozess, auch „Wagenheber-Effekt“ von ihm genannt, bezeichnet
die weiterführende Modifikation von Artefakten und Praxen, welche zu einem Zeitpunkt erfunden
wurden. Notwendig dafür sind Kreativität und eine ausreichend zuverlässige soziale Weitergabe,
da die Modifikationen der Praxen und Artefakte sich nicht akkumulieren können, wenn diese
Modifikationen wieder verloren gehen, falls sie nicht angemessen von anderen Individuen
aufgenommen werden.

Der Bedarf einer These, welche die Entwicklung dieser kognitiven Fertigkeiten nicht rein auf
solchen evolutionären Prozessen wie genetischer Variation und natürlicher Selektion sieht,
entsteht dadurch, dass für die Entwicklung dieser kognitiven Fertigkeiten einzig auf der Basis
solcher evolutionären Prozesse zu wenig Zeit gewesen ist, seit der Abspaltung des
Australopithecus vor etwa 6 Millionen Jahren. Da kulturelle Weitergabe in wesentlich kürzeren
Zeitrahmen wirkt, als diese Prozesse der Variation und Selektion, um sich aufgrund von
Erfahrungen anderer zum Beispiel bestimmte Verhaltensweisen anzueignen, kommt als
zugrundeliegender Prozess nur diese kulturelle Weitergabe in Frage. Da dieser Prozess durchaus
auch bei vielen anderen Tieren stattfindet und teils auch die notwendige Kreativität besteht,
identifiziert Tomasello als fehlende Komponente bei diesen Tierarten die zuverlässige soziale
Weitergabe, ohne die sich die Modifikationen nicht akkumulieren können. Als eine notwendige
Eigenschaft für diese Zusammenlegung von kognitiven Ressourcen nennt Tomasello, die
Eigenschaft andere Organismen als einem selbst ähnliche Wesen zu verstehen. Genauer, andere
Lebewesen als intentionale und geistbegabte Akteure wie sich selbst zu verstehen, wodurch man
die Absicht hinter einer Verhaltensweise o.Ä. erkennen kann, auf welches Problem damit
verwiesen wird. Durch dieses Verständnis kann durch den anderen gelernt werden, die Aneignung
von Verhaltensweisen o.Ä. auf eine ausreichend nachhaltige und effiziente Art erfolgen, so dass
zuverlässige soziale Weitergabe und damit, dass in Frage stehende kulturelle Lernen möglich wird.
Durch die, hierdurch ermöglichte, Akkumulierung von Veränderungen an kulturellen Artefakten
und Verhaltensweisen wachsen Lebewesen in einer Umgebung auf, in welcher sich das gesamte
akkumulierte Wissen ihrer Gruppe niederschlägt. Falls sie die notwendigen kognitiven Ressourcen
besitzen, können sie weitere wichtige kulturelle Fertigkeiten ausbilden, wie z.B.
perspektivenbasierte kognitive Repräsentationen durch sprachliche Symbole zu benutzen oder
bestimmte Typen von Diskursinteraktionen zu verinnerlichen.