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Schülerin: Marcella Poros

NEPTUN-Code: GYSMUR
Seminar: Der Naturalismus und der Expressionismus in der deutschen Literatur
2019/2020/Herbstsemester

Thomas Mann: Der Tod in Venedig


Einleitung
Thomas Manns Novelle Der Tod in Venedig zählt zu den bekanntesten und meistgelesenen Werken
der deutschen Literatur. Der Dichter arbeitete ein Jahr lang an der Novelle (1911-1912), die dann
zunächst in zwei Teilen in der „Neuen Rundschau“ abgedruckt wurde. Außerdem wurde sie als Buch
in einer kleinen Auflage vom Hyperionverlag in München veröffentlicht, bevor sie im Februar 1913
bei S. Fischer, dem Stammverlag Thomas Manns, erschien. Im Mittelpunkt der fünf Kapitel steht
neben dem Schriftsteller Gustav Aschenbach der 14-jährige polnische Junge Tadzio.

Der Autor, Thomas Mann


Paul Thomas Mann war ein deutscher Schriftsteller und einer der bedeutendsten Erzähler des 20.
Jahrhunderts. Er wurde am 6. Juni 1875 in Lübeck geboren. Thomas Mann war der Sohn des
Kaufmanns und Lübecker Senators Thomas Johann Heinrich Mann. Seine Mutter Julia war
mütterlicherseits brasilianischer Herkunft. Aus der Ehe gingen außer dem Bruder Heinrich noch die
Kinder Julia, Carla und Viktor hervor. Die Familie zählte zu den ersten Kreisen Lübecks. Seine Kindheit
hat Thomas Mann später als "gehegt und glücklich" bezeichnet.

1896 und 1897 beginnt der Schriftsteller mit der Arbeit an dem Roman "Buddenbrooks", der 1899
fertig wird. Die Erstausgabe der "Buddenbrooks" stößt nur vereinzelt auf Resonanz, erst die zweite
Auflage von 1903 bringt den Durchbruch und macht Thomas Mann in der Öffentlichkeit bekannt.

1904 lernt Mann Katharina Pringsheim kennen und heiratet sie 1905, entscheidet sich damit für ein
bürgerliches Leben. Er ist sich bewusst, dass er insgeheim homophile Neigungen hat - lebt diese aber
niemals aus, sie finden jedoch in seinen Tagebüchern, Notizen und literarischen Arbeiten
Niederschlag.

1929 wird dem Schriftsteller für seinen 28 Jahre vorher erschienen Roman "Buddenbrooks" der
Nobelpreis für Literatur verliehen.
1933 reisen die Manns nach Holland und flüchten vor dem Nationalsozialismus. Er unternimmt
mehrere Reisen in die USA. 1936 nimmt er die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft an. Der dritte
Joseph-Band "Joseph in Ägypten" erscheint im selben Jahr. Unmittelbar nach der Verleihung des
Ehrendoktorats der Columbia University, New York siedelt der Schriftsteller in die USA über. 1940
beginnt er mit seinen monatlichen Radio-Appellen an das deutsche Volk. Er wird 1944
amerikanischer Staatsbürger.
Nach dem Ende des Krieges unternimmt er die erste Europareise 1947, kehrt aber in die USA zurück.
Ab 1949 ehren unzählige Universitäten wie Oxford, Lund, Cambridge und Jena den Literatur-
Nobelpreisträger mit der Ehrendoktorwürde, 1949 erhält er den Goethepreis der Stadt Frankfurt, die
Stadt Lübeck macht ihn zum Ehrenbürger.
Erst 1952 entscheidet sich Thomas Mann, endgültig nach Europa zurückzukehren und geht nach
Erlenbach in die Schweiz. Sein Verhältnis zu Deutschland bleibt ambivalent. Im Juli 1955 erkrankt er
an einer Thrombose, kurz darauf, am 12. August 1955, stirbt Thomas Mann in Zürich.
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Biografische Bezüge
Ursprünglich wollte der Dichter in seinem neuen Werk die späte leidenschaftliche Beziehung des 70-
jährigen Johann Wolfgang von Goethe zu der erst 16-jährigen Ulrike von Levetzow in Marienbad
erzählen. Stattdessen entschied er sich für die Darstellung des alternden Schriftstellers Gustav
Aschenbach und seiner unerfüllten Leidenschaft für den Knaben Tadzio.

Die Erzählung weist mehrere Parallelen zur Biographie des Autors auf:

 Zahlreiche Begebenheiten der Novelle gehen auf eine Venedigreise der Familie Mann im Jahre
1911 zurück
 Die mögliche Begegnung mit dem jungen polnischen Baron Władysław Moes (1900–1986) bei
seinem Aufenthalt 1911 soll dann den Anstoß zu Der Tod in Venedig gegeben haben. Dieser
behauptete 1965 in einer deutschen Zeitschrift: Ich war Thomas Manns Tadzio. Er vermutete dies
hauptsächlich wegen seiner polnischen Herkunft und dem Spitznamen Adzio, den er als Kind
getragen haben soll.
 Die Werke des Protagonisten Gustav von Aschenbach, die im zweiten Kapitel vorgestellt werden,
sind identisch mit bereits abgeschlossenen bzw. geplanten Arbeiten Thomas Manns, auch wenn
ihre Titel für die Novelle leicht verfremdet wurden.
 In seinem Essay 1911 hat sich Thomas Mann pointiert über die geheime Identität von Autor und
Fabelheld geäußert: „Es ist die alte, gute Geschichte: Werther erschoß sich, aber Goethe blieb am
Leben.“
 „Dies ist eine sonderbare moralische Selbstzüchtigung durch ein Buch.“ Mit dieser
autobiografischen Bemerkung kommentiert Thomas Mann im «Lebensabriß» (1930) seine
Venedig-Novelle.

Für Katia Mann, Thomas Manns Frau, die in der Venedig-Novelle die homoerotische Orientierung
ihres Mannes erkannt hatte, folgte eine längere Zeit mit Kränklichkeit und verschiedenen
Sanatoriumsaufenthalten, dessen bekanntester auf Davos fiel. In Davos fand Thomas Mann die
Inspiration zu Der Zauberberg, als er besuchsweise dort einige Wochen verbrachte.

Literarischer Hintergrund
Es ist schwierig den Tod in Venedig einer literaturgeschichtlichen Epoche zuzuordnen, da sich Thomas
Mann selbst gern als literarischer Außenseiter sieht.

Die Novelle Der Tod in Venedig gehört zur Gattung der Künstlernovelle. Das Besondere dieser
Novellenform ist die Tatsache, dass hier die Kunst als Richtlinie gilt, durch welche die Krise des
Protagonisten zu verstehen ist. Literaturgeschichtlich ist Der Tod in Venedig, entstanden am
Vorabend des Ersten Weltkriegs, zugleich Höhe- und Endpunkt der Décadence-Literatur des zu Ende
gegangenen 19. Jahrhunderts. Aber während der Entstehung von Der Tod in Venedig existierten
andere verschiedene literarische Strömungen, welche das Werk Thomas Manns nachhaltig
beeinflusst haben.

Dominierend war die Lebensform des Ästhetizismus, bei der die Schönheit oberste Priorität besaß.
Naturalistische Einflüsse finden sich bei der präzisen Schilderung von Handlungsschauplätzen und
Figuren. Parallel zu diesen literarischen Einflüssen entwickelte sich die Strömung des
Neuklassizismus. Die Novelle Der Tod in Venedig ist insofern neoklassizistisch geprägt, als der Autor
eine anspruchsvolle Sprache und einen hohen Stil verwendet und sein Werk in einer klar
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strukturierten und strengen Form präsentiert. Außerdem weist die Novelle mehrere klassizistische
Merkmale auf wie zB: die Unterteilung in fünf Kapitel analog den fünf Akten des klassischen Dramas.

Aber Mann nennt seine Novelle selbst "eine Darstellung der Dekadenz". Typisch für die
Dekadenzdichtung sind die Themen Verfall, Untergang und Krankheit. Der Hauptfigur, Aschenbach
wird als ein dekadenter Künstler vorgestellt und Venedig mit seinen baufälligen Gebäuden ist der
richtige Schauplatz für seinen Untergang.

Inhaltsangabe
Erstes Kapitel

Der Protagonist, der erfolgreiche, über 50-jährige Autor Gustav von Aschenbach spaziert durch
München an einem Nachmittag im Mai 19(), um an der frischen Luft Kraft für die Arbeit zu tanken
und Zerstreuung zu suchen. In seinem Leben gab es bislang nur die Kunst und das Streben nach
Ruhm. Auf dem Heimweg wartet er gegenüber von einem Friedhof auf die Straßenbahn. Dort
begegnet er einem Fremden in Wanderkleidung und zerbricht sich wegen ihres Blickkontakts erneut
den Kopf darüber. Seine eigene Unruhe bringt ihn schließlich zu dem Schluss, seiner künstlerischen
Arbeit, er ist nämlich Schriftsteller, zu entfliehen und durch eine Reise auf andere Gedanken zu
kommen.

Zweites Kapitel

Herkunft, Lebensweg und Charakter Aschenbachs werden beschrieben, dazu seine Werke, ihr
literarischer Stellenwert und ihre Publikumswirkung. Berichtet wird von den eher nüchternen und
rationalen Wurzeln der väterlichen Seite (Militär, Jurist, Verwaltung etc.) und vom spontanen und
emotionellen Hintergrund der mütterlichen Vorfahren (Musik, Kunst etc.) Er wurde streng erzogen
und lernte bereits früh sich zu präsentieren. Bereits als Gymnasiast hatte er einen bekannten Namen,
aber er hatte dafür praktisch keine Jugend. Er heiratet und hat eine Tochter, doch ist er schon lange
verwitwet und lebt allein. Sein ganzes Streben ist auf Ruhm ausgerichtet. Keineswegs von robuster
Natur, muss er sich künstlerische Leistungen täglich neu abringen. Weiters erfährt der Leser, dass
Aschenbach eine zwiespältige Persönlichkeit besitzt und eine Brille trägt.

Drittes Kapitel

Die Reise von Gustav Aschenbach führt ihn zuerst nach Triest. Aber noch hat er die innere Unruhe
nicht abgelegt, weshalb er schon am nächsten Tag nach Pola, einer Adriainsel weiterreist, dann will
nach über einer Woche aufgrund des fehlenden Sandstrandes und des Schlechten Wetters doch nach
Venedig reisen. Eine gute Woche später beschließt Aschenbach, auf dem Seeweg nach Venedig zu
fahren. Auf der Überfahrt wird er auf einen, als jungen Mann geschminkten, Greis aufmerksam, der
in Gesellschaft einiger junger Burschen und betrunken war. Seinen jungen Freunden schien dies
allerdings nicht aufzufallen. Auf dem Sankt Marcus Platz möchte Aschenbach mit einer Gondel zu
jener Station gebracht werden, wo die Dampfer zwischen der Stadt und dem Lido, dort gedenkt er in
einem kleinen aber feinen Hotel zu verweilen, verkehren. Der Gondolier besteht darauf Gustav
Aschenbach direkt zum Lido zu bringen da die Dampfer kein Gepäck transportieren, meint dieser. Als
Aschenbach diesen auffordert sofort umzudrehen, denn schließlich hat er die Gondel ja nur
genommen um zur Dampferstation zugelangen, beendet der Gondolier das Gespräch und macht sich
sogleich am Steg angekommen aus dem Staub. Aschenbach erfährt, dass sein Fahrer gar keine
Zulassung hat und von „Kollegen“ per Telefon an die Polizei verpetzt wurde. In diesem Jüngling sieht
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Aschenbach die vollkommene Schönheit. Erst als die Mutter endlich die Halle betritt, macht sich die
Familie auf den Weg in den Speisesaal. Gleichzeitig kommt es zum ersten Blickkontakt zwischen
Gustav und dem Jungen. Am nächsten Morgen macht sich sogleich sein tiefes Interesse für den
Burschen bemerkbar und er beobachtet ihn beim baden am Strand. Aschenbach kommt er zu dem
Schluss, dass er, den Rufen seines Namens zufolge, Tadzio heißen muss. Da Aschenbach das
venezianische, momentan schlechte Klima nicht erträgt muss er wohl oder übel abreisen und checkt
aus. Aber Aschenbach muss erfahren, dass sein vorausgeschicktes Gepäck auf einen falschen Zug
verladen wurde. Die einzige Alternative ist nun, in das Hotel zurückzukehren und sich erneut dort
einzumieten. Allerdings ist der Schriftsteller nicht ärgerlich wegen des fehlenden Gepäcks, sondern
viel mehr froh, nun wieder in der Nähe des schönen Knaben Tadzio zu sein.

Viertes Kapitel

Weil sich das Wetter bessert, verweilt Aschenbach in Venedig, auch dann noch, als seine Koffer
längst wieder eingetroffen sind. Mit der Sonne steigt seine Stimmung. Regelmäßig beobachtet er
Tadzio beim Spielen und Baden. Jede Haltung, jede Bewegung, jeder Muskel, jedes Härchen an
dessen Körper erregt seine Bewunderung und blendet ihn. Ist es nicht Kunst, die sich ihm da
offenbart? Aschenbach gerät ins Schwärmen, sinniert über die Antike und das damals übliche
Verhältnis zwischen weisen älteren Männern und jungen, schönen Knaben. Er träumt von Sokrates
und seinem Schüler Phaidros. Die Anwesenheit des Jungen inspiriert ihn: Er schreibt und nimmt sich
dabei den Körper Tadzios zum Vorbild für die Ideen der hervorragenden Linienführung und der
künstlerischen Vervollkommnung. Sein entstehendes Werk wird makellos: ein ins Geistige
verschobener Liebesakt. Eine Gelegenheit, Tadzio anzusprechen und damit das Verhältnis nüchterner
zu gestalten, lässt Aschenbach verstreichen. Im Grunde will er diesen Knaben bewundern, ihn
vergöttern und nicht durch schnödes Allerweltsgerede auf ein normales Maß einschrumpfen sehen.
Eines Abends begegnet er Tadzio auf der Dampferbrücke. Der Junge lächelt ihn an. Schlagartig flieht
Aschenbach in die Schatten des Gartens, vom Lächeln des Schönen getroffen wie ein Pfeil. Ihm wird
klar, dass er in Tadzio verliebt ist.

Fünftes Kapitel

In der vierten Woche auf dem Lido bemerkt Aschenbach etwas Seltsames: Der Geruch von
Desinfektion liegt über der Stadt Immer mehr Touristen reisen ab, insbesondere die deutschen
Stimmen kann man im Hotel und am Strand nicht mehr hören. Aschenbach sucht den Friseur auf und
lässt sich die Haare färben und sein Gesicht schminken. Er ist verblüfft über das ansprechende
Ergebnis. Der Friseur warnt ihn vor dem "Übel", lässt sich aber auf keinerlei Konkretisierungen ein. Es
ist, als liege ein Schweigegelübde über der Stadt: Man warnt vor dem Genuss von Meeresfrüchten, in
den Gassen und Kanälen kann man den Geruch eines Desinfektionsmittels riechen, aber
Hotelpersonal und Einheimische halten sich bedeckt. Nur der Angestellte eines englischen
Reisebüros spricht die Wahrheit aus: Man ängstige sich über die indische Cholera, einige Besucher
seien schon erkrankt, aber alles werde vertuscht. Nach Ausbruch der Krankheit kommt es nach
wenigen Stunden zum qualenvollen Erstickungstod. Der Engländer rät Aschenbach Venedig zu
verlassen, bevor die Stadt unter Quarantäne gestellt wird. Aschenbach macht sich Sorgen, dass
vielleicht auch Tadzio abreisen könnte. Er beschließt die polnische Familie nicht zu warnen.

Mittlerweile verfolgt er ihn und seine Familie regelrecht. Er geht nach ihnen in die Kirche San Marco
und hetzt ihnen durch die Gassen der Innenstadt nach, bis er erschöpft, schwindelig und
schweißgebadet aufgeben muss. Von einem Straßenhändler kauft er überreife Erdbeeren, erinnert
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sich erneut an Sokrates und Phaidros und rezitiert antike Weisheiten wie: "Denn du musst wissen,
dass wir Dichter den Weg der Schönheit nicht gehen können, ohne dass Eros sich zugesellt und sich
zum Führer aufwirft."

Aschenbach fühlt sich abgespannt und kämpft mit Schwindelanfällen. Schließlich hört er davon, dass
die Polen abreisen werden. Zum letzten Mal geht der Dichter zum Strand, nimmt in seinem
Liegestuhl Platz und beobachtet den geliebten Tadzio, wie er sich mit seinen Kameraden zankt, dann
allein durchs Wasser zur Sandbank hinausschreitet und dort nachdenklich stehen bleibt. Doch was ist
das? Aschenbach, fiebrig in seinem Stuhl, ist so, als drehe sich der Schöne ihm entgegen, lächelnd
und winkend. Der Knabe watet durch das flache Wasser, dreht sich unvermittelt um, und es ist, als
ob er „hinausdeute, voranschwebe ins Verheißungsvoll-Ungeheure“.

Erst einige Minuten später wird man auf den zur Seite gesunkenen Dichter aufmerksam. Noch am
gleichen Tag wird die Nachricht von seinem Tod bekannt gegeben.

Interpretation
Aufbau

Thomas Mann selbst hat seinen Werk die „Tragödie einer Entwürdigung“ genannt und dabei den
Begriff Tragödie durchaus wörtlich gemeint, denn seine Novelle weist gleich mehrere klassizistische
Merkmale auf.

Die Novelle ist in fünf Kapitel gegliedert und erinnert so an den Aufbau des klassischen fünfaktigen
Dramas. Der erste Teil dient als Prolog und bildet mit der Begegnung zwischen Aschenbach und dem
fremden Mann den Auftakt für die späteren fatalen Ereignisse. Im zweiten Teil werden die Hauptfigur
und ihr schriftstellerisches Werk genauer vorgestellt, bevor die Novelle im dritten Teil einem
Höhepunkt entgegensteuert, der Begegnung mit Tadzio und der missglückten Abreise aus Venedig.
Der vierte Teil wirkt wie eine Verzögerung der weiteren Ereignisse, im fünften schließlich kommt es
zur Katastrophe: Aschenbachs Tod.

Ein anderes Merkmal war die den Chor der griechischen Tragödie parodierenden Straßenmusikanten,
die an den Ursprung des Theaters im Kult des Dionysos erinnern

Erzähltechnik

Die Geschichte wird durch einen Erzähler vermittelt, der größtenteils als auktorialer Erzähler in
Erscheinung tritt. Er ist allwissend, kennt die inneren Vorgänge und Gedanken seiner Figuren und
greift oft erläuternd oder kommentierend in die Handlung ein. An einigen Stellen der Novelle
wechselt der Erzähler die Perspektive: Er wird dann zu einem personalen Berichterstatter und
schlüpft in die Rolle seines Protagonisten Gustav Aschenbach hinein.

Zeit

Die Novelle umfasst ungefähr zehn Wochen. Die erzählte Zeit wird je nach Relevanz sehr ausführlich
oder gerafft dargestellt: Die zwei Wochen vom Entschluss zum Aufbruch bis zum tatsächlichen Antritt
von Aschenbachs Reise werden komplett ausgelassen, andere Szenen, etwa im Speisesaal oder am
Strand, werden stark gedehnt. Zum Ende hin beschleunigt sich das Erzähltempo immer mehr, sodass
dem Leser ebenso wie der Hauptperson das Gefühl für die verstrichene Zeit verloren geht.

Todesboten
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Ein zentrales Motiv der Novelle ist der Todesbote, der in wechselnder Gestalt auftritt:

Erstmals in der „des Fremden“ vor der Friedhofshalle. In dem Blickduell hat Gustav von Aschenbach
dem Tod in die Augen gesehen.

Dann war der Greis, den Aschenbach auf dem Schiff nach Venedig beobachtet und den er so
schrecklich abstoßend findet, da er versucht durch Kleidung, Schminke und dem Einfluss von Alkohol
bei seiner jungen Begleitung Anklang zu finden. Interessant ist nur, dass Aschenbach, womöglich weil
er so verzweifelt ist und keine andere Möglichkeit weiß, selbst durch jugendliche Kleidung, Schminke
und gefärbte Haare versucht, für den jungen Tadzio attraktiv zu wirken.

Der Gondolier, der Aschenbach in die Lagune rudert, war auch ein Todesmotiv. Obwohl Aschenbach
protestiert, denkt der Gondolier nicht an eine Umkehr. Man kann ihn als Fährmann in die Welt der
Toten sehen.

Noch war der freche Anführer der Straßenmusiker einer der Todesboten, der Aschenbach die Zunge
zeigt, nachdem sich dieser nach der Ursache für die Desinfektion der ganzen Stadt erkundigte.

Das Motiv des Todesboten gipfelt in der Figur des anmutigen Tadzio. Im Schlussbild der Novelle
meint der Sterbende, Tadzio lächle ihm zu und deute vom Meeresufer aus mit der Hand „ins
Verheißungsvoll-Ungeheure“. Diese Geste macht aus Tadzio eine Hermes -Inkarnation, denn zu den
Aufgaben jener Gottheit gehörte es, die Seelen der Verstorbenen in die Totenwelt zu führen.

Weiter Todesmotive

 Der Name des tragischen Helden. Die Wortverbindung assoziiert beim Leser unterschwellig
„Asche in einen Bach“ als eine Art Bestattung
 Der Friedhofseingang.
 Die venezianische Gondel, von der Schwärze eines Sarges, die ihren Passagier „wohlig erschlaffen“
lässt.
 Das Meer mit seiner Wirkung des „Ungegliederten, Maßlosen, Ewigen, des Nichts“. In Thomas
Manns Metaphorik ist das Meer ein Todessymbol: „Denn Liebe zum Meer ist nichts anderes als
Liebe zum Tode“ schreibt er 1922
 Der Granatapfel-Saft, den Aschenbach nach der Vorstellung der Straßenmusikanten zu Ende
trinkt. Das Getränk spielt auf den Persephone-Mythos an: Wer vom Granatapfel des Hades
gekostet hat, kann nicht mehr zur Oberwelt zurückkehren, ganz gleich, ob er Sterblicher oder
Gottheit ist.
 Die Stadt Venedig: Am Anfang wird sie als „glücklich gewähltes Reiseziel“ beschrieben. Doch dann
bricht in Venedig die Cholera aus, die schließlich auch Aschenbach das Leben kostet; zudem war
Venedig auch schon zur damaligen Zeit am verfallen

Andere Leitmotive und Symbole in der Novelle

Reisemotiv: Am Anfang der Novelle, aber auch zu der Zeit, wo Aschenbach versucht aus Venedig zu
„fliehen“, gebraucht Thomas Mann oft Wortfelder die das Reisen symbolisieren und unterstreicht
dadurch auch Aschenbachs eigene Unsicherheit und Unbeständigkeit, was seine Gefühle zu Tadzio
betrifft.
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Wetter: Das Wetter begleitet Aschenbachs Stimmung durch die ganze Novelle hindurch. Ist
Aschenbach z.B. aufgeregt wegen Tadzio, ist es warm und schwül. Fühlt er sich unwohl, ist es
dagegen entweder schwül oder ruhig, fast stumpf. Durch das Wetter bringt Thomas Mann zum
Ausdruck, wie Aschenbach sich fühlt, ohne direkt in Aschenbachs Gedanken zu schreiben.

Bart: Der Bart als Leitmotiv teilt die beteiligten Personen in jung und alt, wobei die jungen Personen
(und Aschenbach) keine Bärte tragen. Der Bart und damit das Alter sind negativ, obwohl auch
bartlose Figuren wie z.B. der Bettelsänger in Venedig zwar als begabt aber dennoch als negativ
dargestellt werden.

Schwimmen, Wasser: Das Schwimmen und generell das Wasser symbolisieren das Loslassen,
Loslösen vom Festland aber auch vom Alten. Dieses Loslassen bedeutet für Aschenbach Veränderung
aber auch Unsicherheit.

Cholera: Die Cholera in Venedig symbolisiert Aschenbachs Wandlung und zeigt durch ihren Ausbruch
die Vollendung dieser Wandlung. Die Ausbreitung der Cholera verläuft parallel zu Aschenbachs
Wandlung, indem sie zuerst als Geheimnis versteckt wird, dann jedoch mit dem Fortschreiten der
Krankheit immer offensichtlicher und öffentlicher wird um schließlich öffentlich bekannt gegeben zu
werden. Gleichzeitig wird Aschenbach sich seiner Liebe zu dem Jüngling Tadzio bewusst. Sein Tod,
durch die Cholera hervorgerufen, zeigt das Ende seines Leidens, nachdem der Geliebte abgereist ist.

Griechische Mythologie im Werk

In Thomas Manns Werk tauchen immer wieder Persönlichkeiten, Begriffe und Symbole aus der
griechischen Mythologie auf. Diese Betrachtungen von Aschenbach der griechischen Mythologie
"veredeln" die Novelle, statten sie mit Nebenbedeutungen aus und verleihen ihr einen
überzeitlichen, exemplarischen Rang. Als Aschenbach Tadzio das erste Mal erblickt, vergleicht er
diesen zum Beispiel mit einem griechischen Standbild. Weiters träumt Aschenbach davon, dass
Tadzios Verhältnis zu ihm, so sei wie das von Phaidros zu seinem Lehrer Sokrates.

Sehr wichtig in dieser Erzählung sind die ständigen Anspielungen auf den Kontrast zwischen den
Göttern Apollon und Dionysos, besonders als diese von Nietzsche in seiner Geburt der Tragödie
beschrieben werden. Dionysos, der fremde Gott (aus Asien-Indien importiert, steht er in der Novelle
für den Rausch und die Ewigkeit), befindet sich hier ganz offenbar im Gegensatz zu Apollon (der
griechische Gott, der hier Besonnenheit und Selbstbeherrschung darstellt).

In Anlehnung an Nietzsche kann man sagen: Aschenbach entwickelt sich von einem apollinischen
Künstler zu einem dionysischen.

Neben Nietzsches Philosophie ist auch Sigmund Freuds Theorie im Hintergrund der Novelle
erkennbar: Verdrängte Wünsche, Triebe, Träume spielen für Aschenbachs Entwicklung eine große
Rolle.

Homosexualität

Die Novelle behandelt ja ein der damaligen Zeit sehr heikles Thema: die Homosexualität. Was heute
immer mehr akzeptiert und toleriert wird, und für einige auch ganz normal ist, war damals
strafrechtlich verfolgbar und auch gesellschaftlich außerordentlich rufschädigend und ein absolutes
Tabu. Deswegen stellt sich jetzt die Frage, wie Thomas Mann es geschafft hat, dass sein Werk trotz
des provokanten Themas so erfolgreich war.
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Thomas Mann wehrte sich stets gegen die Interpretation des Textes als reines Homo-Buch. Vielmehr
komme es ihm darauf an, die Schönheit, die Anmut des noch unverbrauchten Jungen zu zeigen. Er
benutzt dazu verschiedene „Methoden“ z.B. Aschenbach redet nie ein Wort mit Tadzio, und hat auch
nie Körperkontakt mit ihm. Das einzige was die beiden verbindet ist ein kurzzeitiger Augenkontakt;
oder Tadzios Körper wird von Aschenbach als „DAS Schöne“ stilisiert (Entsexualisierung); Aschenbach
ist also nicht in die Person Tadzio verliebt, sondern sieht in ihm DAS Schöne selbst.

Hauptfiguren in der Novelle

Gustav von Aschenbach

Aschenbach vor dem Entschluss auf Reisen zu gehen:

Gustav von Aschenbach, der Sohn eines Beamten, hat von seiner Familie väterlicherseits „dienstlich
nüchterne Gewissenhaftigkeit“ geerbt, während er von der Familie seiner Mutter die „feurigeren
Impulse“ die einen „Künstler und diesen besonderen Künstler“ entstehen lassen geerbt hat. So ist er
sehr diszipliniert und kennt keine Faulheit. Diese Diszipliniertheit und „Vermählung dienstlich
nüchterner Gewissenhaftigkeit“ verschafft ihm frühen Ruhm und schon bald ist sein Schaffen und
Wesen auf den Ruhm eingestellt. Aber auch seine Willensdauer und sein Durchhaltevermögen tragen
stark dazu bei. Er lebt sein Leben sehr streng, was sowohl Leistung als auch Moral betrifft, aber da
weder sein Geist noch Körper für dieses Leben robust genug sind, erkrankt er des öfteren. Da
Aschenbach der Meinung ist, dass das Alter die Fähigkeit bringt „auf allen Stufen des Menschlichen
charakteristisch fruchtbar zu sein“, wünscht er sich alt zu werden.

Aschenbach nach dem Entschluss auf Reisen zu gehen:

Nach der Begegnung mit dem Fremden auf dem Friedhof regt sich in Aschenbach die Reiselust und
das Fernweh. Schließlich reist er nach Venedig und trifft dort den vierzehnjährigen Tadzio, in den er
sich verliebt. Konfrontiert mit dem Alter des Jungen, beginnt Aschenbach das Alter und seine Folgen
zu hassen. So geht er zum Friseur des Hotels und lässt sich schminken etc. um jünger und
jugendlicher zu wirken. Seine fanatische Liebe zu Tadzio treibt ihn sogar soweit, den geliebten Jungen
durch Venedig zu verfolgen. Er verfolgt diese Liebe mit Leidenschaft und ändert seinen Lebensstil
vollends. So ist er in Venedig zufrieden und kann endlich entspannt leben.

Tadzio:

Der vierzehnjährige Tadzio ist nicht nur schön, sondern auch sehr wohlerzogen und liebenswürdig,
obwohl die Strenge seiner Mutter scheinbar nur auf seine Schwestern angewendet wird. Auch seine
Haltung drückt seine Wohlerzogenheit aus und da er „gefallsüchtig aus adeliger Pflicht“ ist, ist er
auch bei anderen Kindern sehr beliebt.

Tadzio wird zum Objekt der Sehnsucht. Aschenbach glorifiziert seine Schönheit und er wird zur
Quelle seiner Inspiration. Er vergleicht Tadzio mit dem Haupt des Eros und er erinnert ihn an
griechische Bildwerke aus edelster Zeit. Zwischen ihnen wird kein Wort gesprochen und doch verliebt
sich Aschenbach in ihn. Es gibt überhaupt keine Kommunikation zwischen ihnen, obwohl sich
Aschenbach immer in der Nähe von ihm befindet.

Zusammenfassung
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Der Tod in Venedig ist ein sehr autobiografisches Werk das es viele Parallelen zwischen Thomas
Mann und Gustav von Aschenbach aufweist. Mann verwendet lange, teils sehr verschachtelte Haupt-
und Nebensätze sowie verschiedene verheißungsvolle Begegnungen (seltsamer Wandergeselle,
Gondoliere, Musiker im Hotel). Durch diese Erzählweise wird die eigentlich wenig spektakuläre
Geschichte dennoch fesselnd und spannend.

Das Werk markiert den Höhepunkt und Abschluss der frühen Schaffensperiode von Thomas Mann.

Quellen

http://www.thomas-mann-schriftsteller.de/

http://www.artikel33.com/deutsch/1/der-tod-in-venedig-interpretation.php

https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Tod_in_Venedig

https://lektuerehilfe.de/thomas-mann/der-tod-in-venedig/epoche/entstehung-und-biografische-
bezuege

https://www.dieterwunderlich.de/Mann_venedig.htm

https://www.grin.com/document/109198

http://www.daria.no/skole/?tekst=1557

https://www.inhaltsangabe.de/mann/der-tod-in-venedig/

http://www.thomasmann.de/sixcms/media.php/471/Seminararbeit_5_f%C3%BCr%20thomas-
mann.pdf

http://www.nthuleen.com/papers/MMann.html

https://www.grin.com/document/1300

https://www.grin.com/document/114644

https://www.hausarbeiten.de/document/102781

https://www.lerntippsammlung.de/Der-Tod-in-Venedig-_-Thomas-Mann.html

https://www.lerntippsammlung.de/Tod-in-Venedig.html

http://www.diva-portal.org/smash/get/diva2:205268/FULLTEXT01.pdf

http://www.schreiben10.com/referate/Deutsch/5/Der-Tod-in-Venedig---Thomas-Mann-reon.php

https://www.abipur.de/referate/stat/661174591.html

http://www.buchhexe.com/buch/der-tod-in-venedig

http://www.schreiben10.com/referate/Literatur/13/Der-Tod-in-Venedig---Thomas-Mann-reon.php

https://www.grin.com/document/107125

https://repozitorij.ffos.hr/islandora/object/ffos%3A1626/datastream/PDF/view