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R8Z3
NUNC COCNOSCO EX PARTE

TRENT UNIVERSITY
LIBRARY
Thomas J. Bata Library, Trent Universityf
MONUMENTA ARTIS ANTIQUAE

HERAUSGEGEBEN VON ERIKA SIMON

ZWEITER BAND

VERLAG ERNST WASMUTH TÜBINGEN


Paul Zänker

FORUM AUGUSTUM

DAS BILDPROGRAMM

VERLAG ERNST WASMUTH TÜBINGEN


A)H , ft%Z3
Diese Arbeit hat vielfache Förderung erfahren. Für wichtige Anregungen, Hin¬
weise oder Hilfe bei der Beschaffung der Photovorlagen dankt der Verfasser P. H.
von Blanckenhagen, A. M. Colini, H. Drerup, F. Eckstein, G. Fittschen-Badura,
IC. Fittschen, G. Gatti V. v. Graeve, W. H. Gross, Th. Kraus, E. Nash, K. Parlas-
ka, H. v. Petrikovits, F. Preißhofen, F. Rakob, H. Sichtermann, H. Speier, S. Wein¬
stock. Besonderen Dank schuldet der Verfasser E. Simon.

Alle Rechte Vorbehalten


© Verlag Ernst Wasmuth Tübingen
Klischees: Meyle & Müller, Pforzheim
Druck: H. Moos, Christian & Co. KG, Unterjesingen
Einband: Heinrich Koch, Tübingen
Printed in Germany
Kein römischer Staatsmann vor Augustus hat so viel Geld für öffentliche Bauten
ausgegeben wie er. Mit Recht konnte er sich am Ende seines Lebens rühmen, Rom,
die Hauptstadt des Imperium, in eine Marmorstadt verwandelt zu haben1. Zu allen
Zeiten versuchten große und kleine Potentaten ihren Nachruhm durch repräsen¬
tative Bauten zu fördern, aber selten stand die Architektur so unmittelbar im
Dienste politischer Propaganda wie unter Augustus2. Ihm und seinen Helfern ge¬
lang es in einer bis dahin unbekannten Eindringlichkeit, öffentliche Bauten zu
Trägern gezielter politisch-repräsentativer Programme zu machen. Damals wurden
die publica opera neben der Münzprägung zum wirkungsvollsten Propagandain¬
strument3. Das Augustusforum ist neben dem Apollotempel4 auf dem Palatin die
größte und bedeutendste Bauunternehmung des ersten Princeps in Rom5.

Die systematische Ausgrabung der Kaiserfora wird der neoimperialen Romantik


Mussolinis verdankt6. Der Bau der ,Via dell’ Impero‘, der heutigen Via dei Fori
Imperiali, verhinderte, daß ein Teil des Gebietes, darunter der Südwestteil und Ab¬
schluß des Augustusforum untersucht werden konnte. Die endgültige Publi¬
kation der Ausgrabungen steht noch aus7. Wir sind auf die Vorberichte des Aus¬
gräbers Corrado Ricci sowie den Plan und das Modell des Grabungsarchitekten
Gismondi angewiesen8.

Klapptafel Das Augustusforum breitet sich zwischen dem von Caesar begonnenen Forum
Iulium und der Subura aus. Im Süden schloß sich später das Forum Nervae, im
Norden das Forum Traiani an. Das Terrain gehörte zu den am dichtesten besiedel¬
ten Gebieten des antiken Rom. Augustus betont in seinen Res Gestae (Rg. 21), er
habe den Bau auf eigenem Gelände, in privato solo errichtet. Sueton bestätigt
das und fügt hinzu, der Erwerb des Bodens sei schwierig gewesen und habe Ein¬
schränkungen des ursprünglichen Bauprogramms notwendig gemacht, weil sich
Augustus vor Enteignungen gescheut habe9. Ein Blick auf die Dimensionen des
Trajansforum zeigt, daß dieser Herrscher 110 Jahre später, als der Principat voll
etabliert war, keine Skrupel solcher Art mehr zu haben brauchte.

Mit seinem Forumbau entsprach Augustus einem elementaren Bedürfnis der Stadt.
Seit langem fehlte es an Platzanlagen mit den dazugehörigen überdachten Räumen
für den Gerichtsbetrieb. Schon Caesar hatte den Bau des Forum Iulium begonnen,
um das alte Forum Romanum zu entlasten und Gerichtsräume zu gewinnen.
Hominum et iudiciorum multitudo gab auch den Anstoß zum Bau des Augustusfo¬
rum10.

Durch den auf privatem Grund errichteten gewaltigen Bau bewies Augustus in
besonders eindrucksvoller Form seine munificentia gegenüber dem römischen
Volk. Zugleich erfüllte er damit aber ein vor der Schlacht von Philippi im Jahre
42 v. Chr. getanes Gelübde. Damals, als es um die Niederwerfung von Caesars
Mördern ging, soll der junge Octavian dem Mars Ultor einen Tempel gelobt ha-

5
178257
ben. Vierzig Jahre später, am ersten August des Jahres 2 v. Chr., weihte er als
Augustus und Pater Patriae Forum und Tempel ein11.

Die erhaltenen Reste des Forum sieht man heute von fast allen späteren Überbau¬
ungen befreit. Nur denauf den Umfassungsmauern des Augustusforum aufsitzenden
Palast der Rhodosritter mit seiner schönen Frührenaissance-Loggia12 hat man dabei Abb. 3
verschont. Das Forum war ungefähr 125 m lang und 118 m breit. Es besteht aus
verschiedenen Bauteilen: Zwei tiefe Säulenhallen flankieren einen langgezogenen
Platz. Der Tempel des Mars Ultor schiebt sich von der östlichen Umfassungs¬ Abb. 4, /
mauer weit in den Platz hinein. Auf der Höhe des Tempels öffnen sich die Rück¬
wände beider Portiken und geben durch eine Pfeilerstellung Zugang zu zwei gros¬
sen, sehr wahrscheinlich überdachten13 Exedren. An die nördliche Portikus
schließt sich - durch zwei Säulen abgetrennt - ein fast quadratischer Saal an. Abb. 8, 9

Die ganze Anlage war durch eine hohe Umfassungsmauer von den angrenzenden
Bauten und Straßen abgetrennt. Die Umfassungsmauer ist hinter dem Tempel noch Abb. /, 44
in der ursprünglichen Höhe von 33 m erhalten. Sie besteht aus regelmäßig ge¬
schichteten Peperinblöcken, die von helleren Travertinschichten gegliedert und
bekrönt werden. Der Haupteingang befand sich in dem nicht ausgegrabenen Süd¬
teil des Forum. Durch zwei Nebeneingänge zu Seiten des Tempels konnte man
über mehrere Stufen die höher gelegene Subura erreichen. Durch zwei später errich¬
tete Ehrenbögen vor den Stufen wurde der hier unregelmäßige Abschluß des Plat¬
zes verdeckt (S. 24).

Die strenge Axialität der Anlage, die Frontwirkung des Tempels und die Ein¬
bindung seiner Rückwand in die Platzbegrenzung haben in späthellenistischen
Tempelplätzen ihre unmittelbaren Vorstufen14.

Es ist bezeichnend, daß sowohl das Caesar- wie das Augustusforum als Tempel¬
plätze konzipiert sind. Diese waren ihrer Bestimmung gemäß seit je abgeschlosse¬
ne Bezirke im Gegensatz zu den spätklassischen und frühhellenistischen Agorai
der griechischen Poleis, die ganz andere Funktionen und Gestalt hatten. Als Markt¬
plätze dienten sie zugleich der autonomen Bürgerschaft als Versammlungszentren.
Dementsprechend waren sie in das Straßensystem eingebunden und hatten Durch¬
gangsverkehr. Auch auf das republikanische Forum Romanum mündete eine
Vielzahl von Straßen und Wegen. Im Verlauf des zweiten und ersten Jahrhunderts
v. Chr. trennte man indes auch diese Stadtplätze nach und nach vom Straßensystem
ab15. Sie wurden zu geschlossenen Verwaltungs- und Repräsentationszentren. In
diesem Prozeß spiegelt sich der Wandel der politischen Ordnung: Die entpoliti¬
sierten Bürger werden künftighin von Verwaltungszentren aus regiert. Für die
Abgeschlossenheit der Kaiserfora kann man demnach gleicherweise auf die Tradi¬
tion der Tempelplätze, wie die späthellenistische Entwicklung der Agorai und Fora
verweisen. Das Augustusforum ist die erste konsequent als Repräsentationszen-

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trum konzipierte Platzanlage. Es sollte weder von Marktbetrieb noch von Ver¬
kehr belastet sein, es war nicht für Volksversammlungen bestimmt, sondern sollte,
wie Caesar das schon für das Forum Iulium gewünscht hatte16, dem täglichen Ver-
waltungs- und Schulbetrieb17, in erster Linie aber den Gerichten dienen. Benötigt
wurden deshalb überdachte und vom Lärm abgeschirmte Räume. Durch die beiden
Exedren konnte der Architekt den überdachten Raum erheblich vermehren. Es ist
möglich, daß der Mangel an Bauplatz und dessen zwischen Forum Iulium und der
Subura eingezwängte Lage den Anstoß zu dieser neuartigen Lösung gegeben ha¬
ben. Auf jeden Fall ist der Gedanke, Exedren an die Portiken anzuschließen, aufs
glücklichste durchgeführt und bestimmt die architektonische Gesamtkonzeption
entscheidend. Noch den großen Architekten des Trajan, Apollodor aus Damas¬
kus, überzeugte diese Lösung, und er übernahm sie verdoppelt in sein Forum.

Klapptafel Das Neue des Augustusforum als Platzanlage kann der Vergleich mit dem nur
wenig älteren Caesarforum (Textabb. i und z) veranschaulichen178; Auf dem Caesar¬
forum sind - noch ganz in griechischer Tradition - Tempel und Säulenhallen, Curia
und Annexe selbständige Baukörper. Die Gesamtanlage besteht aus aneinander¬
geschobenen Einzelteilen. Die Frontseite des Tempels schließt den Platz ab, der
Tempel selbst steht außerhalb des Platzes. Einzelbauten umrahmen den freien Platz.
Damit verglichen sind auf dem Augustusforum Tempel, Säulenhallen und Exedren
eng miteinander verbunden. Den Marstempel umfangen Portiken und Exedren.
Der gesamte Baukomplex ist zu einem einheitiichen Raumgebilde geworden. Der
freie Platz verliert demgegenüber an Gewicht. Die hohe Umfassungsmauer ver¬
stärkte diesen einheitlichen Gesamteindruck und ließ das Forum auch nach außen
hin als einen geschlossenen Raumkörper erscheinen.

Abb. 4, f Wie ein großes Gebäude mit verschiedenen Trakten erschloß sich das Forum dem
Besucher nicht auf den ersten Blick. Erst im Durchschreiten der einzelnen Räu¬
me konnte er die Zusammenhänge der Gesamtanlage erfassen. Das ist ein für zahl¬
reiche Repräsentationsbauten der Kaiserzeit bezeichnender Zug18. Er schafft eine
günstige Voraussetzung für die Wirkung einer folgerichtig aufeinander bezoge¬
nen Bildausstattung mit Statuen und Bildwerken aller Art. Doch bevor wir uns
diesem politischen Bildprogramm zuwenden, sei wenigstens ein knapper Überblick
über die erhaltene dekorative Ausstattung des Forum gegeben.

Der südliche Abschluß des freien Platzes mit den Eingängen und einem Triumph¬
Abb. 6 monument für Augustus ist nicht ausgegraben. Die beiden Portiken liegen drei
Stufen höher als der Forumplatz. Die Säulen waren aus verschiedenfarbigem Mar¬
Abb. j mor gearbeitet. Sie trugen über dem Gebälk ein Attikageschoß. Späthellenistische
Bauten wie das Fortunaheiligtum in Praeneste19 bieten hierfür Vorbilder. Die Front¬
seite des Attikageschosses war durch Karyatiden gegliedert. Es sind maßgleiche und
Abb. 2j, 2 6 ziemlich getreue Repliken der berühmten Erechtheionkoren von der Akropolis in
Athen20. Während jedoch die klassischen Koren anstelle von Säulen das Dach wirk-

7
lieh tragen, sind die Karyatiden des Augustusforum nur Teile eines der Wand vor¬
gelegten Dekorationssystems. Zwischen den Karyatiden waren auf der Wand qua¬
dratische Bildfelder ausgespart, in denen reich verzierte Schilde mit Juppiter- Am¬
mon- und anderen Götterköpfen21 auf einem von Blattreihen gebildeten Unter- Abb. 2j, 28
grund zu sehen waren. Die Götterköpfe zeigen hochhellenistische Stilformen. Die
marmorverkleideten Rück- und Schmalwände der Portiken und die Wände der
Exedren waren durch Halbsäulen gegliedert, zwischen denen sich Statuennischen Abb. 7
befanden. Der Fußboden war mit rechteckigen, verschiedenfarbigen Marmorplat¬
ten belegt22. Die Portiken bedeckte ein Giebeldach. Seine Höhe zeigen die Ein- Abb. 11
schnitte des südlichen Portikusdaches in der Umfassungsmauer noch an.

Die Rückwände der Exedren überragen die Dächer der Portiken erheblich. Über Abb. 4
dem Gebälk der die unteren Statuennischen rahmenden Säulenordnung öffnete
sich eine zweite Reihe von kleinen, unten und oben mit Travertinschichten gefaß- Abb. 6
ten Statuennischen. Sie sind in der Südexedra zum Teil noch erhalten.

8
9
Das Innere der Exedren kann von den Portiken her nur gedämpft beleuchtet ge¬
wesen sein23. Aber es empfing wahrscheinlich direktes Licht durch eine über den Abb. 4
Portiken angebrachte Fensterreihe. Die hier eindringenden Lichtbündel könnten -
wenn man der Rekonstruktion von Gismondi vertraut - scheinwerferartig direkt
auf die im Halbkreis stehenden Statuen gefallen sein und so deren - wie sich zeigen
wird - gewichtige Aussage betont haben.

Eine Vorstellung vom Reichtum des Dekors, mit dem das ganze Forum versehen Abb. 8, 9
war, kann man noch in dem Saal am Ende der nördlichen Portikus gewinnen. Der
Raum ist durch zwei Säulen von der Portikusflucht abgetrennt. Hier sind zahl¬
reiche Reste des Bodenbelags und der Wandverkleidung erhalten. Für die quadra¬
tischen Bodenplatten, die Säulen und die Pilaster wurden kostbare Marmorsorten
wie cipollino, giallo antico und africano verwendet24. Zwischen den Pilastern wa¬
ren die Wände durch horizontale Ornamentstreifen gegliedert. Die korinthischen
Säulen- und Pilasterkapitelle und die profilierten Wandsockel sind in weißem itali¬ Abb. 14
schem Marmor aus den Brüchen von Luni, die Ornamentstreifen aus gelblichem
griechischem Marmor gearbeitet. Während die Akanthusblätter der Kapitelle noch
in spätklassischer Tradition stehen, geht das Lotos-Palmettenband der Ornament¬ Abb. 18
streifen auf spätarchaische Vorbilder zurück, wie der Vergleich mit einem Orna¬
ment des Siphnierschatzhauses in Delphi aus der Zeit um 525 v. Chr.25 zeigt. Die Abb. 19
Ausstattung des Saales scheint im wesentlichen die ursprüngliche zu sein26, denn
die Ornamentformen sind denen der Ara Pacis eng verwandt. Später eingefügt
wurde lediglich das Podium in der Mitte der dem Eingang gegenüberliegenden
Wand. Hier hat man-wahrscheinlich unter Claudius-eine Kolossalstatue aufgerich-
tet. Man vermutet, daß sie den Divus Augustus darstellte. Der Raum wurde so zum
Heroon, ursprünglich scheint er für Gerichtssitzungen bestimmt gewesen zu sein27.
Der Tempel des Mars Ultor steht auf einem sorgfältig aus Tuffblöcken geschich¬ Abb. 10
teten Podium; die breite, vielleicht von einem späteren Umbau stammende Trep¬ Abb. 11
pe dagegen liegt auf einem Unterbau aus opus caementicium. Der Tuff kern des Po¬
dium war mit reichprofilierten Marmorplatten verkleidet, wie sie an der linken
Langseite noch erhalten sind. Der Altar lag in der Mitte der von zwei Mauerwan¬
gen flankierten Treppe. Von der achtsäuligen Front schritt man durch eine tiefe
Vorhalle zur Cella. Die Langwände des Cellainnern waren mit einer Pilaster- und
einer vorgelegten Säulenordnung, beide auf hohem Sockel, gegliedert. In den etwa
zwei Meter breiten Interkolumnien standen wahrscheinlich Statuen (vgl. S. 15).
Von dieser Wandgliederung sind im Tempel selbst nur spärliche Reste erhalten.
Glücklicherweise geben jedoch Zeichnungen des Renaissance-Architekten Bal-
dassare Peruzzi (1481-1536) eine Vorstellung des Verlorenen28. Von den Figural- Abb. 14
kapitellen mit Pegasoi, die Peruzzi gezeichnet hat, sind mehrere Fragmente, da¬
runter ein fast vollständiges Pilasterkapitell, erhalten geblieben29. Man sieht daran Abb. ij-iy
exemplarisch die hervorragende Qualität der Bauornamentik des Augustusfo-

10
rum. Mit großer Sorgfalt und Meisterschaft sind Details wie die Blattrippen
und die Federn der Pegasosflügel wiedergegeben. Während die Akanthusblätter
trotz fortgeschrittener Stilisierung deutlich spätklassische Züge tragen, sind die
Mähnen der Pegasoi in spätarchaischer Manier stilisiert. Besondere Beachtung
verdienen die Flügel, die in Akanthusblattformen auslaufen und so den Tierkörper
scheinbar „organisch“ mit dem Blätterkelch des Kapitells verbinden. Da am
augusteischen Stil des Figuralkapitells nicht zu zweifeln und die Peruzzi-Zeichnung
als verbindlich anzusehen ist, darf man die so überlieferte Gliederung der Cella¬
wände als die ursprüngliche annehmen30.

Abb. jo In der (abgetragenen) Apsis31 stand das Kultbild, beziehungsweise die Kultbild¬
gruppe, auf einer fast 9 m breiten Basis, zu der fünf mit Pavonazzetto belegte Stu¬
fen hinaufführten. Das hier erhaltene opus reticulatum läßt vermuten, daß auch
an dieser Stelle der ursprüngliche Zustand wenigstens teilweise erhalten ist.

Abb. 12 Auf der Ostseite steht noch ein Teil der Säulenperistase mit einem Rest der Kas¬
Abb. 20 settendecke des Umgangs aufrecht. Die Kapitelle der drei 15 m hohen Säulen ent¬
sprechen in ihrem Aufbau denen der Portiken und des Saales. Die Ornamente der
Abb. 21 Kassettendecke sind wieder eng an klassische Vorbilder angelehnt, und zwar dies¬
Abb. 22 mal an solche des 4. Jahrhunderts. Ein Vergleich mit den Kassetten der Tholos in
Epidauros32 soll das verdeutlichen. Die ehemalige Höhe des Tempels zeigen die
Abb. io Einschnitte seines Giebeldaches in der Umfassungsmauer und die horizontale
Reihe rechteckiger Balkenlöcher an. Über das Schicksal des Augustusforum wäh¬
rend der Kaiserzeit ist wenig bekannt. Die Historia Augusta berichtet von Restau¬
rationsarbeiten unter Hadrian33. Man hat lange Zeit geglaubt, daß ein Großteil der
Bauornamentik, vor allem die Ausstattung des Cellainnern von dieser Renovie¬
rung stammen34. Strong-Ward Perkins haben dieses Vorurteil revidiert35. Sicher
nachweisen lassen sich hadrianische Ausbesserungen an der südlichen Portikus:
Abb. 2j, 24 Die Gegenüberstellung eines dort gefundenen Ersatz-Kapitells - die hadrianische
Entstehungszeit läßt sich durch Vergleiche mit datierten Kapitellen unschwer be¬
legen36 - mit einem der ursprünglichen Kapitelle, zeigt wie sehr der plastische,
äußerst differenzierte augusteische Stil im 2. Jahrhundert in einen linearen Sche¬
matismus überführt wird.

Schon die wenigen angeführten Beispiele der Bauornamentik des Augustusforum37


zeigen, daß griechische Ornamentformen archaischer, hochklassischer, spätklassi¬
scher und hellenistischer Zeit nebeneinander verwendet wurden38. Man sieht: Die
griechische Kunst in ihrer Gesamtheit gilt als Vorbild. Ihr kam Erhabenheit und
Würde zu. Die primäre Aufgabe kaiserlicher Repräsentationsarchitektur aber war
es, dignitas und auctoritas auszustrahlen39. Diesem Zweck wurde das griechische
Formengut dienstbar gemacht. So muß man zunächst auch die dekorative Verwen¬
dung der Erechtheionkoren verstehen: Sie zitieren den klassisch-ehrwürdigen Bau

11
und übertragen dessen Gewichtigkeit und Würde auf das neue Forum40. Schon die
Form als solche sagt also etwas aus, ist mehr als nur schöne Dekoration. Sie bedeu¬
tet dignitas, verleiht dem Bauwerk pondusix. Die Karyatiden enthalten aber darü-
berhinaus - wie sich zeigen wird - noch eine konkretere Aussage.

Auch die vielfarbigen Marmorsorten der Bodenplatten, der Säulen und der Wand¬
verkleidung weisen auf den Anspruch des Forum hin. Sie stammen aus den ver¬
schiedensten, zum Teil sehr entlegenen Teilen des Reiches und wurden allesamt in
kaiserlichen Steinbrüchen abgebaut: Die Macht des Princeps hat es vermocht, daß
die Baumaterialien aus allen Weltgegenden in Rom Zusammenkommen. Sie sollen
unmittelbares Zeugnis von der maiestas imperii ablegen42.

In einer solchen Atmosphäre allgemeiner Erhabenheit sah der Besucher Statuen,


Bilder und Inschriften, die genau aufeinander bezogen waren und die die ganze
sich des Mythos und der Geschichte bedienende Ideologie des Princeps Augustus
enthielten. Diese Ausstattung sollte dem Betrachter jenes Gedankensystem veran¬
schaulichen und jene Emotionen in ihm hervorrufen, die ihm die offizielle Propa¬
ganda seit drei Jahrzehnten einzuflößen versuchte, und zwar gleicherweise durch
Reden, Staatsakte, Inschriften, Münzbilder, Literatur und Kunst.

Der Tempel war dem Mars geweiht. Demgemäß stand das Forum im Zeichen von
Krieg und Triumph. Gleich an den Eingängen erblickte der Besucher - so berich¬
tet Ovid (Fasti V 561/2) - „Waffen aus allen Ländern, die von römischen Solda¬
ten erbeutet worden waren“. Damit kam deutlich zum Ausdruck, daß das Forum
„ex manibiis“, aus dem Erlös von Kriegsbeute, errichtet worden war, wie es Au¬
gustus in den Res Gestae (Kap. 21) betont.

Dem auf den Platz Tretenden muß sogleich ein aufwendiges Siegesmonument ins
Auge gefallen sein. Es war die vom Senat für Augustus anläßlich der Forum¬
einweihung aufgestellte Quadriga. Man sah den Princeps vielleicht von Vic¬
toria bekränzt als Triumphator auf einem von vier Pferden gezogenen Wagen.
Das Denkmal muß große Bedeutung gehabt haben, denn es wird in den Res Ge¬
stae eigens erwähnt. Auf den Sockel ließ der Senat den Ehrentitel Pater Patriae
setzen43. Unter der Titulatur waren vermutlich die Kriegstaten des Augustus auf¬
gezählt44. Bei den Ausgrabungen sind keine Reste der Quadriga oder ihres Podiums
gefunden worden45. Man muß annehmen, daß sie auf dem nicht ausgegrabenen
Teil des Forum, und zwar in der Mitte des freien Platzes stand46.

Auch die schon genannten Karyatiden und Rundschilde des Attikageschosses der Abb. 2/
die Quadriga flankierenden Portiken beziehen sich auf Krieg und Triumph.
Niemand könnte freilich in den klassischen Koren eine solche Bedeutung vermuten,
wenn nicht Vitruv eindeutig davon berichtete47. Nach dem augusteischen Archi-

12
tekten geht die Verwendung von Karyatiden als Gebälkträgerinnen auf ein merk¬
würdiges Ereignis der griechischen Geschichte zurück. Die Frauen der wegen
Verrats an der gemeinsamen Sache von den Griechen niedergeworfenen Karyaten
durften als Sklavinnen ihre langen Gewänder und Schmuckstücke nicht ablegen.
Sie sollten auf diese Weise wie in einem „ewigen Triumphzuge“ aeterno triumpho
gezeigt werden. Und die Architekten hätten nach Vitruv Nachbildungen von
ihnen an öffentlichen Gebäuden als Gebälkträgerinnen angebracht, um sie so als
exempla servitutis zu charakterisieren. Man darf die Verwendung der Karyatiden am
Augustusforum danach als eine sinnbildliche Darstellung der von Augustus ihrer
Hybris wegen gedemütigten Völkerschaften verstehen, wobei das Tragen des Ge¬
bälkes die Unterwerfung veranschaulicht48. Die Erechtheionkoren waren frei¬
willige Gebälkträgerinnen gewesen, die Karyatiden des Augustusforum werden
sinnbildhaft als Bestrafte verstanden. Die Bemerkungen des Vitruv gewinnen an
Gewicht durch einen Vergleich mit dem Trajansforum. Apollodor hat nicht nur die
Portiken, sondern auch das Dekorationsprinzip der Attika mit den Exedren vom
Augustusforum übernommen, wobei er die Karyatiden durch Statuen gefesselter
Daker ersetzt hat49: Der augusteische Architekt deutet mittels des klassischen Zi¬
tates sinnbildhaft an, der trajanische dagegen spricht deutlich und führt die unter¬
worfene Völkerschaft in ihrer Nationaltracht vor. Die Vitruvstelle könnte sogar
direkt durch die Karyatiden des Augustusforum beziehungsweise durch die diesen
zugrundeliegenden programmatischen Darlegungen angeregt sein, denn seine Bü¬
cher über die Architektur sind dem Augustus gewidmet und zu einer Zeit erschie¬
nen, da das Forum als die größte stadtrömische Bauunternehmung des Princeps
in aller Munde gewesen sein muß50.

Wenn die Karyatiden unterworfene Völkerschaften versinnbildlichen, könnten die


Abb. 2j, 28 zwischen diesen dargestellten Schilde eine Ehrung für die siegreichen römischen
Heere sein51. Der Brauch, solche Ehrenschilde oder imagines clipeatae52 an öffent¬
lichen Gebäuden in Form wirklicher Schilde oder als plastischen Dekor anzubrin¬
gen, ist vielfach bezeugt. Schon Alexander der Große hatte die in der Schlacht am
Granikos erbeuteten Schilde am Epistyl des Parthenon aufhängen lassen; auch an
der alten Basilika Aemilia hingen Schilde53. Götterköpfe als Embleme von Zier¬
schilden sind nichts Ungewöhnliches54. An den Schilden des Augustusforum fällt
die reiche Rahmung auf. Als Embleme sind Juppiter-Ammonköpfe und andere
Götterköpfe erhalten, deren Halsschmuck auffällt. Er endet in einem Tierkopf
(Löwenkopf?) und erinnert an die vor allem in Gallien gebräuchliche Torques54a.
Vielleicht sollte durch diese Köpfe der oberste Heeresgott der Römer in seinen
nach Provinzen verschiedenen Erscheinungsformen55 geehrt werden. Ammon¬
köpfe findet man bezeichnenderweise auch unter den Phalerae, den Kriegsaus¬
zeichnungen, an zentraler Stelle56. Man könnte die ,Schilde' demnach auch als
überdimensionale Phalerae verstehen. Juppiter wurde in Rom in einem eigenen

*3
Tempel als Victor und in der späteren Kaiserzeit sogar als Ultor verehrt57. Auf dem
Augustusforum und im Marstempel sollten nach dem Willen des Princeps künftig¬
hin Staatsakte stattfinden, die seit alters an den Juppitertempel auf dem Kapitol
gebunden waren58. Es gab also verschiedene Gründe, des höchsten Staatsgottes
beim Forumbau besonders zu gedenken.

Von der Front des Mars-Ultortempels muß die stärkste Wirkung auf den Forum- Abb. 4/, 46
besucher ausgegangen sein. Die Tempelfront ist auf einem Opferrelief der unter
Claudius errichteten Ara Pietatis Augustae dargestellt59. Treppe und Säulenord¬
nung entsprechen dem auf dem Forum Erhaltenen ziemlich genau. Auch Gebälk,
Giebel und Giebelfiguren scheinen zuverlässig wiedergegeben zu sein. Selbst eine
der Akroterfiguren, eine geflügelte Siegesgöttin in klassischem Typus, ist auf dem
Relief erhalten60.

In der Giebelmitte steht der bärtige Mars, mit Helm und Mantel bekleidet. Er hält
die Lanze und das in der Scheide geborgene Schwert. Zu seiner Rechten steht Ve¬
nus. Sie trägt einen Chiton und einen Mantel darüber und ist durch den kleinen
Eros auf ihrer linken Schulter und das Szepter gekennzeichnet. Zur Linken des
Mars sieht man Fortuna mit Füllhorn und Steuerruder. Neben Venus sitzt eine
männliche Figur auf einem Felsen. Es ist Romulus im kurzen Hirtengewand. Er
stützt sein Haupt mit seiner Linken und hält in der Rechten einen Stab. Seine Hal¬
tung hat eine bestimmte Bedeutung: Im Giebelfeld des Quirinustempels sitzen
Romulus und Remus in ähnlicher Haltung. Dort ist das augurium augustum, das
Gründungsorakel, das dem Stadtgründer einst zuteil wurde, dargestellt. Beim augu¬
rium mußten die beiden Auguren sitzen61. Die Haltung, das Hirtengewand und
der Stab, in dem man den lituus der Auguren erkennen darf, legen es nahe, im Ro¬
mulus des Marsgiebels den Stadtgründer als augur zu sehen62. Das wird durch die
ihm in der Giebelkomposition entsprechende, neben Fortuna sitzende Gestalt be¬
stätigt. Es ist die Dea Roma selbst. Als victrix sitzt sie auf Waffen und hält Schild
und Lanze63. Die Gottheiten in den Giebelecken sind den Sitzenden zugeordnet.
Neben Romulus lagert der Palatinus mons, auf dem das augurium augustum einst
stattgefunden und Romulus die urbs quadrata gebaut hatte64. In der anderen Gie¬
belecke liegt der Tiber. Er hält einen Wasserkrug und wird von Schilf umrankt.
Das repräsentative, handlungslose Nebeneinander der Gestalten ist bezeichnend:
Es ist Ausdruck der abstrakten Ideenverbindungen, die der Giebelkomposition zu¬
grunde liegen.

Wenn sich der Besucher vom Platz zu den Portiken und Exedren wandte, so fand
er dort in den Nischen eine Fülle überlebensgroßer Statuen65. Sie stellten mythische
und historische Größen Roms, darunter Aeneas, die Könige von Alba Longa,
Romulus und zahlreiche Magistrate und siegreiche Feldherren dar. Reste dieser
Marmorstatuen wurden bei den Ausgrabungen gefunden. Danach waren die so Ge-

14
Abb. 29, 90 ehrten teils als Togati, teils als Feldherren dargestellt. Es handelt sich also nicht
nur um Triumphatorenstatuen wie Sueton (Aug. 31, 5) schreibt, sondern um be¬
rühmte Staatsmänner überhaupt, um summt viri, wie es „Lampridius“ berichtet66.
Abb. 91, 92 Die Togati trugen besonderes Schuhwerk, an dem ihr Stand abzulesen war. Die
wenigen erhaltenen Fragmente zeigen die Sorgfalt, mit der jedes Detail dieser Sta¬
tuen ausgeführt war.

In den oberen kleineren Nischen der Exedren waren wohl keine Statuen, sondern
eher Trophäen aufgestellt67. Die Bronzestatuen, von denen Fragmente gefunden
wurden, standen vielleicht in den Interkolumnien der Portiken68.

Unter den Statuen der summi viri waren die jeweiligen Taten und Verdienste ver¬
zeichnet. Nach den auf dem Forum gefundenen Inschriftenfragmenten scheinen
sich unter jeder Statue zwei Inschriftentafeln befunden zu haben. A. Degrassi, der
Abb. Herausgeber der Inschriften, hat das auf einer Skizze veranschaulichen lassen69.
Eine kürzere Inschrift auf der Statuenbasis selbst nannte Namen und cursus hono-
rum. Das abgebildete Beispiel stammt von der Statue des Iuliers Caesar Strabo,
der im Jahre 87 V. Chr. den Proskriptionen des Marius und Cinna zum Opfer fiel,
noch bevor er zum Konsulat gelangte. Er war curulischer Aedil, Quaestor, zwei¬
maliger Militärtribun, Mitglied eines Zehnerkollegiums für Landverteilung und
Priester gewesen70:

GIVLIVS :,CAESAR -J=

HA߻O
AED’CVR'CTTRJVIfUBIS'XVIR.
AGR DAN DpVDTR IVjD'PONTIF

C. Iulius L.f. Caesar Strabo, aediilis') curiulis), q{uaestor), tr{ibunus) mil(itum) bis, (decem)
vir agr{is) dand(is) adtr(ibuendis), iud{icandis), pontif{ex). Unter den Inschriftenfrag-
Abb. 94 menten ist auch die verstümmelte Basis der Statue von Caesars Vater erhalten71.

Das eigentliche Elogium stand auf einer größeren Tafel. Als Beispiel soll das Elo-
gium des Appius Claudius Caecus dienen, des Erbauers der Via Appia, der als blin¬
der Greis, mit einer berühmten, noch zu Ciceros Zeiten gefeierten Rede einen
Friedensschluß mit Pyrrhus (280 v. Chr.) verhinderte und so in entscheidendem
Augenblick dazu beitrug, daß Rom den Weg zur Weltherrschaft weiterging72.

D
Auf dem Forum wurden nur spärliche Fragmente dieses Elogium (Textabb. 4) ge¬
funden, es konnte aber mit Hilfe einer genauen, nur wenig später entstandenen
Kopie auf einer Basis des Forum von Arezzo, wieder hergestellt werden. Die Taten
sind in einem knappen, bewußt altrömischen Stil, der an die Res Gestae des Au-
gustus erinnert, aufgezählt: ,,Er nahm mehrere Städte der Samniter. Er schlug das
Heer der Sabiner und Etrusker. Er verhinderte einen Friedensschluß mit dem Kö¬
nig Pyrrhus. Als Censor baute er die Via Appia und führte die Aqua Appia in die
Stadt. Er errichtete den Tempel der Bellona.“

COMF1' DADE-SAMNOTVS-CEP1T
SAB1NORV corvm-exercitVm- F VDIT

(SVRAVIAM-APPIAM’STRAVIT-ETw
INVRBEMADDVXITAEDEM’BELLONAEF

\Complu\ra oppi\da de Samni\tib[us cepit. Sabinorü\m et Tus\corum exercit\um \fudit.


P\ac\em fie~\ri cu\m Pjrrho regeprohibuit.\ In ce\nsura viam Appiam stravit e]t aq\uam in
urbem adduxit. Aedetn Bellon\ae fe\cit\. Der ältere Plinius berichtet73, Augustus selbst
habe die Elogia abgefaßt. Das mag übertrieben sein, sicher! ich hat er aber die Auswahl
der zu Ehrenden mitbestimmt und auf die Abfassung des Textes Einfluß genommen.

Die Gesichtszüge der summi viri, deren Physiognomie durch Wachsmasken oder
Porträts bekannt war, wurden offensichtlich in möglichst „republikanischem“
Porträtstil wiedergegeben. Die mythischen und heroischen Gestalten der Früh¬ Abb. 36, 37, 38, 39
zeit dagegen scheinen mit idealen Gesichtszügen und idealer Haarstilisierung dar¬
gestellt worden zu sein. Die hier abgebildeten Köpfe gehören nach Größe und Abb. 33
Fundort zu den Statuen der summi viri. Sie können diesen Gegensatz zwischen „hi¬
storischem“ und Idealporträt vorzüglich exemplifizieren74.

Die Anzahl der zum ursprünglichen Programm gehörenden Statuen ist trotz aller
Spekulationen nicht mehr zu ermitteln, denn es standen ja nicht nur in den Exedren,
sondern auch in den Portiken Statuen, und die Länge der Portiken steht nicht fest75.
Aus der Fundlage der Inschriften in den Exedren konnte bereits A. Degrassi schlie¬
ßen, daß die Statuen der Iulier in der nördlichen, die der summi viri Roms in der
südlichen Exedra standen78. In der Mitte jeder Exedra befindet sich eine hervorge¬
hobene Nische. Sie ist doppelt so breit wie die übrigen. Hier müssen die bedeu¬
tendsten Gestalten aufgestellt gewesen sein. Aus den Fasten des Ovid (V 563 f.)
kann man m. E. erschließen, welche Statuen in diesen Mittelnischen standen77.
Dort heißt es von Mars, der sein neues Forum besichtigt:

16
Hinc videt Aenean oneratum pondere caro
et tot Iuliae nobilitatis avos,
hinc videt Iliadem umeris ducis arma ferentem,
claraque dispositis acta subesse viris.

„Hier sieht er Aeneas mit seiner teueren Last beladen, und so viele Ahnen des juli-
schen Adels; hier sieht er den Sohn der Ilia, wie er die Waffen des besiegten feind¬
lichen Führers auf den Schultern trägt und wie die Ruhmestaten der Reihe nach
unter jedem Helden (vir) in einer Inschrift aufgezeichnet sind.“

Die vier Verse sind durch zweimaligen Ansatz hinc videt deutlich einander ent¬
gegengesetzt: Aeneas mit Anchises führt die Vorfahren des julischen Hauses an.
Romulus, der Sohn der Ilia (gleich Rhea Silvia)78, ihm gegenüber trägt die spolia
opima79, die erbeuteten Waffen des von ihm getöteten Feldherrn der Caeciner. Mit
ihm zusammen werden viri genannt, deren clara acta unter ihren Statuen aufgezeich¬
net sind.

Der naheliegende Schluß, daß Aeneas in der Mittelnische der nördlichen, Romulus
in der Mittelnische der südlichen Exedra stand,80 wird durch die Form beider Sta¬
tuen gestützt. Auf dem Forum sind keine Fragmente von ihnen gefunden worden,
aber wir können durch verschiedene Nachbildungen eine Vorstellung von ihrem
Aussehen gewinnen. M. Camaggio81 hat schon vor 40 Jahren den Beweis führen
Abb. 4p, 41 können, daß zwei kleine pompeianische Wandbilder und Münzen des zweiten Jahr.
hunderts n. Chr.82 diese beiden Statuen des Augustusforum wiedergeben. Beide
Helden sind darauf eilend dargestellt. Die Bewegungsrichtung ist auf den verschie¬
denen Zeugnissen unterschiedlich wiedergegeben. Man darf annehmen, daß beide
Gestalten dem Marstempel zugewandt waren. Dafür sprechen vor allemzwei in Köln
Abb. 42, 4p gefundene Statuetten Wiederholungen der Aeneas gruppe83. Das jetzt in Bonn84 be¬
findliche Exemplar vermag zusammen mit einem Relief auf einem Grabcippus in
Turin85 eine Vorstellung des verlorenen Urbildes zu geben.

Aeneas trägt seinen Vater Anchises auf dem Rücken und flieht mit ihm und dem
kleinen Askanios, den er an der Hand führt, aus dem brennenden Troja. Anchises
aber hält sorgsam die geretteten Penaten86. Romulus trägt die spolia opima in
Form eines einfachen Tropaion geschultert. In der anderen Hand hält er die Lan¬
ze87. Beide Helden sind in voller Rüstung wiedergegeben. Die Aeneasgruppe
wie der weit ausholende Romulus konnten nur in einer breiten Statuennische auf¬
gestellt werden. Der archäologische Befund bestätigt die Interpretation der Ovid-
stelle88. Die Richtigkeit der vorgetragenen Kombination und die Bedeutung der
Gegenüberstellung von Aeneas und Romulus wird dadurch bezeugt, daß die bei-
Abb. 44 den Heroen in demselben Bildtypus als Eck-Akroterfiguren den Tempel des Di-
vus Augustus schmückten, der auf mehreren Münzprägungen wiedergegeben ist89.

17
Wie auf dem Forum sind sie direkt auf den Triumphator Augustus bezogen, dessen
Quadriga als Mittelakroter diente.

Um Aeneas, den Venussohn, waren seine Nachkommen, die mythischen und hi¬
storischen Ahnen des Augustus, versammelt. Seit langem gehörte es zum Ehrgeiz
der großen römischen Geschlechter auf ihre troianischen Urahnen hinzuweisen.
Aber niemals war diese Familiengenealogie so systematisch und mit so großem po¬
litischen Effekt betrieben worden wie unter Augustus90. Aeneas gegenüber stand
Romulus, der Stadtgründer, inmitten der summi viri Roms aus Königszeit und
Republik. Freund und Feind waren um ihn vereint: Sempronius Gracchus, Scipio
Aemilianus, Marius und Sulla, alle „die das römische Reich aus den kleinsten An¬
fängen zur Größe geführt hatten“ qui Imperium populi romani ex minimo maximum
reddidissent (Sueton, Aug. 26). Es ist bezeichnend für die Befriedungspolitik des
Augustus, daß die erbittertsten Gegner der Vergangenheit jetzt einträchtig neben¬
einander stehen sollten.

In der Gegenüberstellung von Aeneas mit den Iuliern und Romulus mit den summi
w'n'Roms soll dieUntrennbarkeit von julischer Familientradition und römischer Ge¬
schichte demonstriert werden. Aeneas hat die Penaten und das Paladium aus Troia
nach Latium gerettet. Mit der Tochter eines seiner Nachkommen, der Rhea Silvia
(gleich Uia) hatte Mars den Romulus gezeugt. So will es die offizielle Mythologie91,
und so propagierte es auch das Bildprogramm der Ara Pacis92.

Aeneas und Romulus waren durch die Größe und Art ihrer Statuen von denen der
summi viri in die Sphäre des Heroischen abgerückt. Beide stammten ja von Göt¬
tern ab und beide wurden nach ihrem Tode unter die Götter aufgenommen. So las
man es auf den Elogia unter ihren Statuen93.

Der Gegenüberstellung des Venussproß Aeneas und des Marssohnes Romulus ent¬
spricht das Nebeneinander von Mars und Venus im Tempelgiebel. Die Wichtig¬ Abb. 46
keit der Verbindung dieser beiden Gottheiten wurde dem Forumbesucher indes
noch deutlicher vor Augen geführt, wenn er ins Innere der Tempelcella trat. Auf
einem Relief der frühen Kaiserzeit in Algier94 scheint die ganze Kultbildgruppe des Abb. 4J
Mars Ultortempels wiedergegeben zu sein: In der Mitte steht Mars Ultor in voller
Rüstung, er hält Schild und Lanze in Händen. Der Statuentypus ist durch eine
Gemme mit Beischrift als Mars Ultor gesichert95. Den Panzer gibt das Relief ohne
Schmuck wieder. Doch überliefert eine Kolossalstatue im Kapitolinischen Museum Abb. 44
wichtige Einzelheiten, die auf dem Relief fehlen96. Die Statue ist heute durch mo¬
derne Ergänzungen entstellt, wir bilden deshalb neben der Photographie eine Zeich¬
nung des Francesco da Olanda aus dem Jahre 1538 ab97, die mit Ausnahme der Abb. 48
Beine den ursprünglichen Bestand wiedergibt. Auf dem Brustpanzer sieht man
über einer großen Palmette zwei antithetische Greifen. Es sind die Tiere der Rache¬
göttin Nemesis, sie beziehen sich auf den Beinamen Ultor, auf Vergils debellare

18
superbos98. Neben diesem Symbol des Kampfes und der Stärke weisen die Füllhör¬
ner auf den Schulterklappen in typisch augusteischer Gedankenverbindung auf
die Segnungen des durch den Sieg gewonnenen Friedens hin". Der Helm ist wohl
in formaler Anlehnung an die Athena Parthenos mit einer Sphinx und zwei Flü¬
gelpferden geschmückt. Es sind dieselben Flügelpferde, die wir bereits an den Fi-
guralkapitellen der Tempelcella gefunden haben. Vielleicht enthalten sie einen
weiteren auf Venus hinweisenden Sinnbezug100.
Abb. 4j Auf dem Relief in Algier steht Venus zur Rechten des Mars. Sie stützt sich auf ei¬
nen Pfeiler. Ein klassischer Aphroditetypus ist hier in die Form und Ausdrucks¬
sprache des späten Hellenismus übersetzt101. Die Statuen von Mars und Venus -
sie werden auf dem Relief durch Plinthen als solche bezeichnet - sind einander zu¬
gewandt. Zwischen ihnen steht ein kleiner Eros. Er zieht den Zipfel, der vom
Mantel seiner Mutter herabfällt, wie ein Kleidungsstück an sich, schaut zu ihr em¬
por und reicht ihr ein spielzeughaft kleines Schwert. So wird gezeigt, daß Eros den
Mars entwaffnet hat. Die alte Liebesverbindung des griechischen Mythos wird hier
zum Sinnbild der Principat-Ideologie: Die mythische Verbindung der Mutter des
Aeneas, der Ahnherrin der julischen Familie, mit Pater Mars, dem Vater des Stadt¬
gründers Romulus, will die Einigkeit und Liebe veranschaulichen mit der die res
publica conservata sich mit ihrem Retter Augustus und dem neuen Herrscherhaus
verbinden soll102.
Im griechischen Mythos war Harmonia die Tochter von Ares und Aphrodite103.
In der Kaiserzeit konnte die Verbindung beider Gottheiten zum Sinnbild der Con-
cordia werden. Das beste Beispiel dafür ist eine Reihe von Statuengruppen des¬
selben Typus aus dem zweiten Jahrhundert n. Chr. Sie stehen in engem Zusam¬
menhang mit dem Bildprogramm des Augustusforum. Am bekanntesten ist die
Abb. j2 überlebensgroße Gruppe mit Herrscherporträts aus Ostia im Thermenmuseum104.
Das Urbild dieser Gruppen muß aus mehreren Gründen in augusteischer Zeit ent¬
standen sein105. Vielleicht stand es sogar auf dem Augustusforum, denn bei den
Ausgrabungen wurde dort das Fragment einer Gruppe dieses Typus gefunden106.
Nach den Maßen könnte die Gruppe in einem der Interkolumnien der Tempel¬
cella gestanden haben. Ovid schreibt in den Tristien (II 296), Venus sei in der Tem¬
pelcella mit Mars verbunden gewesen, und Vulcan hätte derweil draußen vor der
Tür stehen müssen:

Stat Venus Ultori iuncta, vir ante fores.

Das Venus Ultori iuncta ist meist auf die Kultbildgruppe des Mars Ultortempels
bezogen worden. Die Charakterisierung paßt aber viel eher zu der Statuengruppe.
Es könnte demnach durchaus sein, daß das Urbild der erhaltenen Mars-Venus-
Gruppen Ovid zu seinem anzüglichen politischen Witz angeregt hat.107 Auf jeden
Fall versinnbildlichen diese Gruppen denselben Gedanken wie Giebel und Kult¬
bild des Mars Ultortempels. In späterer Zeit verallgemeinerte sich diese Vorstel-
lung so sehr, daß Mars und Venus geradezu als die Stammeltern des Römerge¬
schlechts gelten konnten:

Auctores generis Veuerem Martemque fatemur


Aeneadum matrem Romulidumque patrem.108

Die aktuelle Bedeutung des Bundes der beiden Gottheiten wurde dem Betrachter
des Kultbildes indes noch deutlicher gemacht. Auf dem Relief in Algier steht zur
Linken des Mars eine dritte Statue, deren unterer Teil nicht erhalten ist. Es ist eine Abb. 4J
männliche mit einem um die Hüften geschlagenen Mantel bekleidete Gestalt. Im
Haar über der Stirn kann man eine Eintiefung erkennen, in der noch Metallreste
erhalten sind. Schon Gsell hat bei der ersten Veröffentlichung des Reliefs daraus
den Schluß gezogen, daß hier ein Stern eingelassen war, und hat den Dargestellten
deshalb Divus Iulius genannt109. Bald nach Caesars Tod war während eines Festes
der Venus Genetrix tagelang ein Komet am Himmel erschienen, in dem das Volk
ein Zeichen für die Vergöttlichung des ermordeten Diktators sah110. Augustus
zögerte nicht, die Himmelserscheinung für seinen Weg zur Macht auszunützen:
omnibus statuis, quos ob divinitatem Caesaris statuit, hanc stellam adiecit. Er fügte allen
Statuen des vergöttlichten Caesar diesen Stern hinzu111. Das Relief in Algier über¬
liefert so betrachtet für den Marstempel eine Kultbildgruppe. Zu seiten des Mars
darf man Statuen der Venus und des Divus Iulius annehmen. Das paßt vorzüglich zur
augusteischen Ideologie. Schon Caesar selbst hatte seine Abstammung von Venus
durch den Bau des Tempels der Venus Genetrix wirkungsvoll genug propagiert112.
Auf den unter die Götter versetzten Adoptivvater des Princeps gründete sich die
ganze politische Mythologie des Divi filius. Die Statue Caesars muß deshalb auf
dem Augustusforum an hervorgehobener Stelle gezeigt worden sein. In den Por¬
tiken und Exedren kann sie nach allem, was wir wissen, nicht gestanden haben113.
Es bleibt nur die Tempelcella übrig114. Für die fast neun Meter breite Kultbildba¬
sis müßte man m. E. auch ohne das Relief von Algier eine Kultbildgruppe erschlie¬ Abb. jo
ßen115.
Jede der beschriebenen mythologisch-genealogischen Anspielungen zielt mehr
oder weniger deutlich auf Augustus hin. Ihn feiert das ganze Programm als die
Erfüllung der römischen Geschichte. Als Divi Iulii filius ist er der Urenkel des
Aeneas. Dichter und Bildhauer wurden nicht müde, auf diese Abkunft hinzuwei¬
sen und den Princeps mit dem pius Aeneas zu vergleichen. Durch die Wiederher¬
stellung der Republik aber war Augustus auch zum neuen Romulus, zum Retter
und Neugründer der Stadt geworden. 27 v. Chr. hatte man im Senat ernsthaft er¬
wogen, ihm den Ehrentitel Romulus116 zu verleihen. Im Tempelgiebel war Ro¬
mulus als Stadtgründer in der Haltung des augur dargestellt. Wie Romulus wohnte
Augustus auf dem Palatin, wo einst das augurium augustum stattgefunden hatte.
Der Name Augustus spielt auf das augurium augustum des Romulus an. Beim An¬
tritt seines ersten Konsulates soll der junge Octavian die gleichen Auspicien wie

20
Romulus erhalten haben117. Er galt daher als optimus augur und ließ sich auf
Bildern mit dem Augurstab in der Hand darstellen, man denke an die Gemma
Augustea in Wien118.

Ein zweites Mal wird die Gestalt des Romulus, wie wir sahen, in der Mittelnische
der Südexedren beschworen. Hier führt er als erster Triumphator der neugegrün¬
deten Stadt die lange Reihe der römischen Triumphatoren an und weist damit be¬
ziehungsvoll auf die Quadriga des Princeps in der Platzmitte. Der gleiche Sinnbe¬
zug kommt schon am Partherbogen des Jahres 19 v. Chr. zum Ausdruck. Auch
dort wird Romulus Martis filius rex als erster Triumphator in den Triumphalfasten,
die in die Pfeilerwände des Bogens eingelassen waren, genannt. Auf dem Bogen
aber stand die Quadriga mit dem Triumphator Augustus, sinnbildhaft erhoben
über alle siegreichen Feldherren der Vergangenheit119. Die Dichter feierten denn
auch den Princeps als größeren Romulus. Ovid rühmt in ausführlichen Verglei¬
chen, daß Augustus den Stadtgründer auf allen Gebieten übertroffen habe120. Der
zweifache Romulusbezug in der Bildausstattung des Augustusforum zeigt, daß die
Romulusangleichung nicht nur in der Frühzeit Octavians, sondern während der
ganzen Regierung des Augustus eine Hauptrolle in der Principats-Ideologie gespielt
hat121.

Unter den Statuen des Aeneas und Romulus stand, daß sie nach ihrem Tode unter
die Götter aufgenommen worden sind122. Der Stadtgründer wurde in Rom als
Quirinus seit alters als Gott verehrt123: So wurden die Betrachter mit dem Gedan¬
ken vertraut gemacht, daß auch Augustus wie schon sein Vater Caesar einst zu den
Göttern aufsteigen würde.

In der Person des Augustus verbindet sich die sakrosankte Familientradition der
Klapptafel Iulier unmittelbar mit der des römischen Staates. Er ist die Erfüllung beider: Die
Säulen der Front des Marstempels stehen genau auf der Verbindungslinie zwischen
der Romulus- und Aeneasstatue der Exedren. Auf dem Gebälk der Tempelfront
stand in großen Lettern die Nomenclatur des Augustus. In der römischen Staats¬
architektur können solche abstrakten Verbindungslinien, wie P. H von Blancken-
hagen124 gezeigt hat, bedeutungsvoll sein. Für unseren Fall bezeugt es m. E. Ovid:
Mars ist herabgestiegen um sein neues Forum zu sehen. Nachdem er die Statuen
des Aeneas und Romulus gesehen hat - es handelt sich um die bereits bekannte
Stelle (Fasti V 567/8) - erblickt er vorn an der Tempelfront den Namen Augustus.
Und wenn er das ,Caesar4 gelesen hat, scheint ihm das Bauwerk noch größer zu
sein.
spectat et Augusto praetextum nomine templum
et visum lecto Caesare maius Opus.

Der Bezug auf Augustus gibt der Gegenüberstellung von Aeneas und Romulus
erst ihren Sinn und darüber hinaus dem ganzen Bau erst seine Größe. „Eine im

21
Bereich der Formaussage angelegte Eigenschaft der Architektur, die Monumentali¬
tät, . . wird als eine Funktion des Sinnbezuges verstanden“ (H. Drerup).1243
Aber auch zu Mars selbst ist Augustus in Beziehung gesetzt. Der Name Augustus
auf dem Gebälk der Tempelfront stand unter dem Giebel, in dem Mars neben
Venus und Fortuna zu sehen war. Der Mars des Giebels ist im Gegensatz zu dem Abb. 46
des Kultbildes nur mit einem Mantel bekleidet. Mehrere Darstellungen, vor allem
ein Relief in Ravenna125 feiern Augustus in demselben Statuentypus. Den hierin Abb. ji
offenbar werdenden Sinnbezug, daß Mars selbst im Princeps wirksam ist, findet der
aufmerksame Betrachter auch an der Mars Ultorstatue der Kultbildgruppe. Es
handelt sich um ein Detail, das ich bei der Beschreibung übergangen habe: Die
Außenseite des Marsschildes schmückt ein Eichenkranz. Darin liegt eine deut¬ Abb. 4J
liche Anspielung auf die corona civica, die dem Princeps ob cives servatos 27 v. Chr.
vom Senat verliehen und seitdem durch Münzen und später auch durch Porträts
wie das hier abgebildete in München allgemein propagiert worden war126. Auch Abb.
die Fortuna neben dem Mars des Giebels stellt eine Verbindung zu Augustus her.
Es ist die Fortuna Redux, der anläßlich der Rückkehr des Princeps aus Syrien im
Jahre 19 v. Chr. ein Altar ähnlich der Ara Pacis errichtet worden war (Rg. 11).
Sie wird mehrfach Augusta genannt127.

Die Anspielungen auf Mars batten ihre Gründe: Forum und Tempel sollten ja die
Siege des Augustus verherrlichen. Bei Philippi hatte er seinen Adoptivvater ge¬
rächt. Das Schwert Caesars wurde in der Cella des Marstempels als Reliquie ge¬
zeigt128. Ebendort aber ließ Augustus die von den Parthern zurück eroberten rö¬
mischen Feldzeichen aufstellen129. Crassus und Antonius hatten sie einst verloren,
Augustus war es 20 v. Chr. gelungen, sie auf diplomatischem Wege zurückzuge¬
winnen. Zunächst wurden die signa in einem eigens erbauten Rundtempel auf dem
Kapitol aufbewahrt130. Auch dieses kleine Heiligtum war dem Mars Ultor geweiht.
Von hier wurden die Feldzeichen 2 v. Chr. in den großen Tempel überführt. Die
augusteische Propaganda feierte diesen diplomatischen Erfolg in Dichtung und
Kunst wie einen großen Schlachtensieg und verknüpfte mit der Demütigung des
Parthers den Anbruch des erhofften goldenen Zeitalters131.

Der poetische Kommentar Ovids zur Aufstellung der signa ist erhellend (Fasti
V 579/80):
Nec satis est meruisse semel cognomina Marti:
persequitur Parthi signa retenta manu . . .

„Es genügte ihm (Augustus) aber nicht, für Mars den Beinamen einmal verdient zu
haben; er ging aus auf die Feldzeichen, die vom Parther zurückgehalten wurden.“
und wenig später (V 595):

rite deo templumque datum nomenque bis ulto

„mit Recht wurde der Tempel und der Name dem Gotte gegeben, der uns zwei¬
mal rächte.“

22
Der Name Ultor bezieht sich demnach gleicherweise auf die ultio paterna wie den
Parthererfolg. Man darf dabei nicht überhören, daß es Augustus ist, der Mars den
Beinamen Ultor verschafft: Der Romulusvater wirkt im Aeneasenkel.

Dem so heiß ersehnten Parthersieger kommt es denn auch zu, als größter aller
Triumphatoren und immerwährender Sieger in der Mitte der römischen Feld¬
herrn der Vergangenheit zu stehen. Denn seine Erfolge sind die Krönung römi¬
scher Waffentaten. Es ist bezeichnend, daß der Triumph künftighin den Kaisern,
allenfalls den Prinzen, Vorbehalten blieb132.

Augustus legte wie schon Caesar großen Wert auf die Aufstellung griechischer
Kunstwerke in öffentlichen Gebäuden133. Die für das Augustusforum überlieferten
Statuen und Bilder lassen erkennen, daß bei deren Auswahl ebenfalls program¬
matische Gesichtspunkte ausschlaggebend waren134:

Plinius berichtet (nat. hist. VII 53, 183) von einer Elfenbeinstatue des Apoll
qui est in foro Augusti. Diesem Werk aus kostbarem Material könnte das signum
Dianae Luciferae, von dem eine herculanensische Inschrift spricht135, als Pendant
entsprochen haben. So wurden die helfenden Götter der Schlacht von Aktium und
gegen Sextus Pompeius geehrt. Im Templum Apollinis Palatini, in Bildprogram¬
men und Dichtungen aller Art waren die beiden Gottheiten als Schutzgötter des
von Augustus heraufgeführten Goldenen Zeitalters gefeiert worden136. Nach dem
Saecularfest des Jahres 17 v. Chr. trat die Apollonprogrammatik mehr und mehr
zurück. Bei größeren Bildprogrammen wie dem der Ara Pacis wurde sie danach
nur noch in unaufdringlicher Form in Erinnerung gebracht137.

Von einer weiteren berühmten Elfenbeinstatue auf dem Augustusforum berichtet


Pausanias. Es war das von Endoios gefertigte Kultbild der Athena Alea in Tegea,
das Augustus nach Rom gebracht hatte138. Gewiß waren auch für die Aufstellung
dieses archaischen Götterbildes nicht allein aesthetische Gesichtspunkte maßge¬
bend gewesen. Man könnte darin einen Hinweis auf das von Aeneas gerettete Pa-
ladium sehen139.
Celeberrima in parte ließ Augustus zwei berühmte Gemälde des Apelles aufstel¬
len140. Auf beiden Bildern war Alexander der Große dargestellt. Auf dem einen als
Sieger zusammen mit Nike und den Dioskuren, auf dem anderen in curru triumphan-
te neben dem gefesselten bellum und dem Juror sedens super arma devictus, also
als Friedensbringer141. Auch diese Alexanderbilder entbehrten nicht des Bezuges
auf Augustus: Plinius rühmt den Princeps, weil er bei der Aufstellung der Bilder
simplicitate moderata verfahren sei und fügt hinzu, Claudius habe später die Ge¬
sichtszüge Alexanders durch die des Augustus ersetzen lassen, offenbar weil man
die mit der Aufstellung bezweckte Anspielung nicht mehr verstand. Aus der
eben zitierten Serviusanmerkung geht hervor, daß man bei dem Juror sedens super
arma devictus an die durch Augustus beendeten Schrecken der Bürgerkriege dachte.

23
Heldisch wie Alexander hatte der junge Octavian einst über seine Gegner trium¬
phiert und den Frieden herbeigeführt. Daran sollte man sich erinnern angesichts
des alternden Princeps und der etablierten Ordnung. Man hat vermutet, daß die
Bilder in den leicht eingetieften Wänden des quadratischen Saales angebracht ge¬ Abb. 9
wesen seien142. Wenn dem so wäre, könnte ihre „Renovierung“ durch Claudius in
direktem Zusammenhang mit der Aufstellung der Kolossalstatue (S. io) stehen.

Außer diesen Tafelbildern waren zwei bronzene Karyatiden vom Zelt Alexanders
des Großen ante Martis Ultoris templum aufgestellt143. Augustus zeigte seine Be¬
wunderung für den großen Makedonen144 mehrfach durch Kunststiftungen sol¬
cher Art. Zwei weitere Karyatiden ließ er vor der Regia aufstellen. Einen Leuchter,
den Alexander einst den Tbebanern weggenommen und dem Apoll von Kyme ge¬
weiht hatte, stiftete Augustus in den Apollontempel auf dem Palatin145.

Zum Verständnis der Forumkonzeption sind auch die Staatsakte, die Augustus
hier abzuhalten bestimmte, von Wichtigkeit. Sie bestätigen und erweitern die ge¬
zeigten Sinnbezüge der Bildausstattung. Im Marstempel sollte der Senat künftig¬
hin über Krieg und Frieden verhandeln und auswärtige Herrscher empfangen. Auf
dem Altar des Mars sollten die Magistrate vor ihrer Abreise in die Provinzen opfern.
Hier sollten die siegreichen Feldherren ihre Triumphinsignien niederlegen, hier
die volljährig gewordenen Mitglieder der großen Familien künftig in die Militär¬
listen eingetragen werden146. Man sieht: Augustus wollte sein Forum zum Zen¬
trum des Heeres, der Reichsverwaltung und Außenpolitik machen. Ein Teil der zu
Zeiten der Republik an ehrwürdige Stätten wie den Juppitertempel auf dem Kapi¬
tol gebundenen Staatsakte wurde von dort abgezogen und auf dem neuen Forum
konzentriert147. Es sollte nach dem Willen seines Erbauers mehr sein als eine na¬
tionale Ruhmeshalle zur Verherrlichung des Princeps und seiner Familie. Das Fo¬
rum Romanum war das Zentrum der Res Publica Romana gewesen, das neue Fo¬
rum sollte das Zentrum des vom Princeps regierten Imperium werden. Und dieses
Zentrum mußte lebendig bleiben. So galt die Reihe der summi viri nicht für abge¬
schlossen, auch weiterhin wurden - wahrscheinlich in den Portiken - verdienten
Heerführern Ehrenstatuen aufgestellt148. Und es war gewiß ganz im Sinne des
Augustus, als sein Nachfolger Tiberius im Jahre 19 n. Chr. seinem Sohn Drusus
und seinem Neffen Germanicus je einen Ehrenbogen für Kriegserfolge zuseiten
des Marstempels errichtete149. Nicht nur die ganze Vergangenheit sollte auf Augu¬
stus zugeschnitten sein. Es mußte auch gezeigt werden, daß die neue Staatsord¬
nung von Dauer war, daß die römischen Waffen siegreich bleiben würden, solange
die Iulier, wie es die Götter gewollt und die Sibylle verheißen hatte, an der Spitze
des Staates standen. Es ist in diesem Zusammenhang bezeichnend, daß Augustus Fo¬
rum und Tempel gemeinsam mit seinen beiden Neffen Gaius und Lucius, den desi¬
gnierten Nachfolgern, einweihte. Die Feierlichkeiten fanden am 1. August des Jah¬
res 2 v. Chr. statt150. Dabei wurde die Bedeutung des Monumentes den Volksmassen

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durch üppige Spiele nahegebracht. Überall in der Stadt fanden die populären Spek¬
takel statt. Im Circus Maximus waren 260 Löwen, im Circus Flaminius 36 Kroko¬
dile die Opfer. Aber selbst unter diesen Vergnügungen fehlte es nicht an Veran¬
staltungen mit gezieltem Propagandaeffekt. Wir hören von einem Ludus Troiae,
von Ludi Martiales und von einer groß angelegten Aufführung der Seeschlacht
von Salamis. Im Ludus wurden die troianischen Urahnen des Princeps geehrt, in
der Naumachie auf die säkulare Bedeutung des Seesieges von Aktium angespielt,
in dem Octavian wie einst die Griechen bei Salamis eine tödliche Gefahr aus dem
Osten abgewehrt hatte.

Auch Jahr und Tag der Einweihung waren mit Bedacht gewählt und vielfach auf
den Princeps bezogen151. Es war der erste Tag des alten Monats Sextilis, der schon
27 v. Chr. nach Augustus umbenannt worden war152. Es war ein Tag, an dem be¬
sonders der Siege des Princeps gedacht wurde. Am 1. August 30 v. Chr. war mit
der Einnahme Alexandriens die Weltherrschaft endgültig an den erst 33jährigen
gefallen153. Im gleichen Monat waren vor 40 Jahren die Caesarmörder bei Philippi
geschlagen worden. Ebenfalls am 1. August war im Jahre 10 v. Chr. der berühmte,
von Viktorien flankierte Altar der Roma und des Augustus in Lugdunum einge¬
weiht worden. Am 1. August traten seit 7. v Chr. die magistri vici ihr Amt an154.
Sie pflegten den Larenkult des Augustus, die Keimzelle des späteren Kaiserkultes.
Von großer Wichtigkeit scheint es endlich, daß im Jahre der Einweihung von Fo¬
rum und Tempel Senat, Ritterschaft und Volk in besonders feierlicher Form dem
Princeps den Ehrentitel Pater Patriae verliehen (Rg. 35) hatten. Es war 25 Jahre
nach Einrichtung des Principates.

Diesen Titel betrachtete Augustus als seine höchste Ehrung. Mit Tränen in den
Augen nahm er sie in der Senatssitzung vom 5. Februar des Jahres 2 v. Chr. ent¬
gegen155. Die neuere Forschung sieht im Titel Pater Patriae eine Art Oberbegriff
für Macht und Würden des Princeps, einen Schlußstein in der kunstvollen Kon¬
struktion der neuen Staatsordnung156. Der offizielle Titel des Princeps lautete
jetzt: Caesar Augustus Divi Filius Pater Patriae. So las man es auch unter der Qua¬
driga auf dem Augustusforum.

Man hat bisher übersehen, wie vollkommen Bildausstattung und Funktion des
Augustusforum diesem neuen Titel entsprechen. Wie die verschiedenen Ehrenbe¬
zeichnungen im Pater Patriae zusammengefaßt sind, so sind auf dem Augustus¬
forum die politischen Programme der früheren augusteischen Kunstpropaganda zu
einem folgerichtigen System geordnet.

Der Titel wurzelt in einer militärischen Ehrenbezeichnung157. Der Retter in Kriegs¬


not wurde im alten Rom als parens verehrt, was eine moralische Bindung der Ge¬
retteten an ihren Retter einschloß. Diese militärische Tradition der Ehrung bleibt
auf dem Augustusforum voll gewahrt. Augustus erscheint als Triumphator, umge¬
ben von siegreichen Feldherrn. Aus innerer und äußerer Bedrohung hatte er den

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Staat gerettet. Ob cives servatos kam ihm der Titel Pater Patriae zu. Doch wird die
militärische Servator-Vorstellung wie schon bei Caesar und wie bei der Verleihung
der corona civica an Augustus im Jahre 27 v. Chr. mit einem umfassenderen poli¬
tischen Gehalt potenziert.

„Es ist aber schwer, ein solches Reich zu regieren, wenn es nicht einem einzigen wie
einem Vater übergeben wird. Denn wie hätten die Römer und ihre Verbündeten
sich eines solchen Wohlstandes erfreuen können, wie ihn der Kaiser Augustus
allen verschafft hat, seitdem er die unumschränkte Macht übernahm“. Das schreibt
Strabo, ein Zeitgenosse des Augustus158. Die Vaterschaft des Augustus bezieht
sich nicht nur auf die alte Res publica, sondern auf das ganze Imperium Romanum.
Die damalige Publizistik verglich, wie die Strabostelle zeigt, den Pater Patriae
ganz selbstverständlich mit einem Pater familias, was ein Pietätsverhältnis zwi¬
schen Herrscher und Untertanen impliziert. Wie der Pater familias seine Söhne um
sich versammelt, so steht der Pater Patriae Augustus auf seinem Forum inmitten
der summi viri und seiner Ahnen. Man hat denn auch schon öfter darauf hinge¬
wiesen, daß die Anregungen zu der nationalen Ruhmesgallerie in den Exedren und
Portiken von den imagines der Vorfahren stammen könnten, die in den atria der
römischen Häuser standen und bei den öffentlichen Leichenbegängnissen der An¬
gehörigen der großen Familien mitgeführt wurden159. Wie diese sollten die Statuen
der summi viri erzieherisch wirken, den Nachgeborenen exempla virtutis sein160.
Die Vaterschaft wird aber nicht nur auf die ganze Vergangenheit ausgedehnt, auch
die entscheidenden Staatsakte der Gegenwart und Zukunft sollen sich vor den Augen
des Pater Patriae Augustus abspielen. Wie den Pater familias umgibt den Pater
Patriae eine Aura von Heiligkeit. Sancte Pater redet ihn Ovid161 an. Auf dem Forum
wird er in bedeutungsvolle Beziehung zum pius Aeneas und zum Pater Romulus162
gesetzt. Bei seiner Nähe zu Pater Mars befremdet es nicht, daß der Divus Augustus
nach seiner Apotheose und vor der Fertigstellung seines eigenen Tempels im Mars-
Ultortempel verehrt wurde163. Daß die Kaiser als Patres Patriae umfassende po-
testas besaßen, ist bekannt. „Die Benennung Väter gibt ihnen (den Kaisern) eine
Gewalt über uns alle, wie sie einst die Väter über die Söhne ausübten“, schreibt
später Dio Cassius164.

Das Augustusforum ist in den Einzelheiten ein Meisterwerk der Andeutungen


und halben Aussagen. Als ganzes verstanden enthüllt das Bildprogramm wie kein
anderes augusteisches Monument die unumschränkte Machtstellung des Princeps.
Seine Gestalt steht überragend im Zentrum aller Bezüge. Augustus selbst hatte ge¬
fordert, die Nachwelt solle ihn nach dem Vorbild der Männer beurteilen, die er in
den Exedren und Portiken des Forum aufgestellt hatte165. Das Bildprogramm nahm
der Gegenwart und Nachwelt dieses Urteil ab. Es zeigte klar, wie weit der Sohn
des Divus Iulius seine berühmten Vorgänger übertraf. Wen konnte man schon ver¬
gleichen mit dem Urenkel des Aeneas, dem neuen Romulus, in dem Mars selbst
zum Glück aller wirkte. Jedermann konnte es sehen, daß Rom erst durch den Pa-
ter Patriae Augustus zu der Größe aufgestiegen war, die ihm die Götter von Anfang
an zugedacht hatten.

Die Wirkung des Bauwerkes auf die Zeitgenossen muß groß gewesen sein. Noch
der ältere Plinius166 rechnet es unter die schönsten Bauten der Welt, und Apollodor
hat den uns nicht namentlich bekannten Architekten durch zahlreiche zum Teil
wörtliche Zitate geehrt. Aber nicht nur die Architektur, auch das Bildprogramm
wurde nachgeahmt. In mehreren Provinzstädten in und außerhalb Italiens wurden
Nachbildungen der Elogia der Portiken und Exedren - teils in Auszügen, teils
wörtliche Kopien -gefunden167. Nachahmungen der Statuen des Aeneas und Romu-
lus und der Kultbildgruppe wird es nicht nur in Pompei, Nordafrika und am Rhein
gegeben haben168. Solche Wiederholungen des politischen Programmes werden
auf jede Weise von oben gefördert und honoriert worden sein. Die propagandisti¬
sche Wirkung des Forum - das kann man schon aufgrund der zufälligen Funde
sagen - erstreckte sich auf das ganze Imperium169.

Den Römern wurde das Bildprogramm des Augustusforum nach dem Tode des
Princeps noch einmal eindrucksvoll vor Augen geführt170. Wie ein Triumphator
zog man den toten Pater Patriae beim Staatsbegräbnis durch die Stadt. Seiner Leiche
trug man ein mit den Triumphalgewändern behängtes Bildnis voran. Im Zug wurden
die Masken (efocdvs?) seiner Vorfahren, der Iulier und Claudier, und aller Römer,
„die sich irgendeinmal ausgezeichnet hatten bis auf Romulus“ mitgeführt, auch das
Bild des großen Caesar-Gegners Pompeius war im Zug zu sehen. Es folgten „alle
Völker (cTvy]), welche Augustus hinzugewonnen hatte, in ihrer heimischen
Tracht“.

27
ABKÜRZUNGEN

Die Abkürzungen und Sigel sind die des Jahrbuchs des Deutschen Archäologischen In¬
stituts (81, 1966, 589fr.). Außerdem gelten folgende Abkürzungen:

Degrassi A. Degrassi, Inscriptiones Italiae XIII, 3 Elogia (1937)


Helbig-Speier W. Helbig, Führer durch die öffentlichen Sammlungen klassischer
Altertümer in Rom. Vierte völlig neu bearbeitete Auflage, herausge¬
geben von H. Speier. Band I (1963) Band II (1965).
Hommel P. Hommel, Studien zu den römischen Figurengiebeln der Kaiser¬
zeit (1954).
Lugli I. Lugli, Fontes ad Topographiam veteris Urbis Romae pertinentes
VI, 1 (1965) lib. XVI.
Nash E. Nash, Bildlexikon zur Topographie des antiken Rom, 2 Bände
Ü9Ö1)-

Bildnachweis

Alinari Fratelli Alinari S. A., Via Due Macelli 100, Roma


Anderson Foto Anderson, Via del Babuino 98, Roma
Fittschen-Badura G. Fittschen-Badura, Bochum, Archäologisches Institut der Ruhr-
Universität
Fot Fototeca Unione, Via Angelo Massina 5, Roma
Inst. Neg. Instituto Archeologico Germanico, Via Sardegna 79, Roma

28
ANMERKUNGEN

1 Suet. Aug. 28, 3: Urbem neque pro 7 Sie wird jetzt von A. M. Colini vor¬ festzustellen. Auch die kostbare In¬
maiestate imperii ornatam et inundatio- bereitet. krustation spricht gegen die Annah¬
nibus incendiisque obnoxiam excoluit 8 Am wichtigsten: Ricci i57ff. - G. me von offenen Höfen. Man kann sich
adeo, ut iure sit gloriatus marmoream se Fiorini, La Casa dei Cavalieri di Rodi zudem kaum vorstellen, daß der
relinquere, qmm latericiam accepisset. alForodiAugusto (1951).-DerPlan Architekt ohne schwerwiegenden
2 Die Wichtigkeit dieses Gesichtspunk¬ von I. Gismondi ist zuletzt publiziert Grund auf so viel überdachbaren
tes für die Bautätigkeit des Augustus in EAA VI 838 und bei G. Lugli, Raum verzichtet hätte, da doch ein
hat K. Kraft in seinem Aufsatz über Roma Antica, II Centro Monumen¬ Hauptzweck des Forumbaues Ge¬
„den Sinn des Augustusmausoleums“ tale (1946) Taf. V. richtsräume waren. Zuletzt haben sich
(Historia 16, 1967, 189fr.) erst vor 9 Suet. Aug. 56,2: Forum angustius H. Drerup, RM 66, 1959, 173 und
kurzem gezeigt. Zum Augustus- fecit non ausus extorquere possessoribus G. Lugli, Capitolium 42, 1967, 188 ff.
mausoleum vgl. j etzt: R. R. Hollo way, proximas domos. — Zum Privatver¬ für eine Überdachung ausgesprochen.
The Tomb of Augustus and the Prin- mögen des Princeps: H. Nessel- 14 P. H. v. Blanckenhagen, Flavische
ces of Troy (AJA 70, 1966, 171 ff.). hauf, Patrimonium und Res Privata Architektur und ihre Dekoration
3 Die Bedeutung, die Augustus selbst des römischen Kaisers, in: Histo¬ (1940) 147L - Ders., Journal Society
den publica opera beimaß, geht ria-Augusta-Colloquium Bonn 1963 of Architectural Historians 13,
schon daraus hervor, daß er ihrer (1964) 79. 1954, 4, 23 fr. — Zur Axialität: H.
Aufzählung in den Res Gestae drei 10 Caesarforum: Cic. ad Att. IV, 16, 8 Jucker, Das Verhältnis der Römer
ganze Kapitel widmet (Rg. 19-21). (14): ut forum (gemeint ist das Fo¬ zur Kunst der Griechen (1950) 3 ff.
Vgl. Res Gestae ed. H. Volkmann rum Romanum) laxaremus et usque 15 A. v. Gerkan, Griechische Städte¬
(1957) 3 2 ff. - Zur augusteischen ad atrium Libertatis explicaremus, - anlagen (1924) passim. Vgl. vor al¬
Münzprägung: J. Liegle, Jdl 56, Augustusforum: Suet. Aug. 29,1: lem die verschiedenen Bauphasen
1941, 91 ff. Zur Baupolitik des Au¬ Fori exstruendi causa fuit hominum et des Nordmarktes von Milet: Milet,
gustus allgemein: R. Paribeni in iudiciorum multitudo, quae videbatur Ergebnisse der Ausgrabungen 1,6
„Augustus“ (1938) 405 fr. H. Bengt- non sufficientibus duobus etiam tertio (A. v. Gerkan) - 1922 - Taf. XXIII
son, Grundriß der Römischen Ge¬ indigere. Zum Caesarforum vgl. Anm. ff.
schichte (1967) I 273. - Eine Über¬ 112 16 Appian bell. civ. II 102. Doch wurde
sicht über die stadtrömischen Bau¬ 11 Rg. 21. Suet. Aug. 29,1-2. Cass. diese Absicht nicht vollständig in die
ten augusteischer Zeit geben Strong- Dio LV, 10,1. Veil. Pat. II 100,2. Tat umgesetzt. Es scheint auf dem
Ward Perkins, BSR 30, 1962, 4L - Bei Lugli Nr. 163 ff. Forum Iulium noch Handels-, zu¬
Zum Unterschied von öffentlichem 12 Nash I 407. mindest Bankgeschäfte gegeben zu
und privatem Bauaufwand in aug. 13 Die Überdachung ist umstritten, da¬ haben (vgl. P. H v. Blanckenhagen,
Zeit vgl. H. Drerup, Zum Ausstat¬ gegen haben sich zuletzt geäußert: Flavische Architektur 148).
tungsluxus in der röm. Architektur H. Kähler, Rom und seine Welt 17 Zum Schulbetrieb in den Exedren:
(1957) 7 und passim. (i960) 139L - ders., Rom und sein H. I. Marrou, Mel. 49, 1932, 93 ff.
4 Nash, I 31. J. Gage, Apollon Romain Imperium (1962) 50. - Th. Kraus, 17a Vgl. die beiden Arbeiten von P. H.
(1955) 523 ff. Das Römische Weltreich (1967) 45.- v. Blanckenhagen Anm. 14
5 Lit: Nash I 401fr. Die Schriftquel¬ Der Grabungsarchitekt I. Gismondi 18 G. Rodenwaldt, Römische Staats¬
len sind jetzt gesammelt bei: Lugli dagegen hat in seiner Rekonstruk¬ architektur in „Das neue Bild der
15 ff. Vgl. daneben H. Jordan, Topo¬ tion Zeltdächer angegeben. F. Ra- Antike“ II (1942) 356ff.
graphie der Stadt Rom im Altertum kob hat mich auf eine Reihe von jetzt 19 F. Rakob in Th. Kraus, Das römi¬
I, 2 (1885) 442 ff. und S. B. Platner - ausgebesserten Balkenlöcher unmit¬ sche Weltreich (1967) 158 Abb. 12/3.
Th. Ashby, A Topographical Dic¬ telbar über der oberen Nischenreihe - W. L. MacDonald, The Architec-
tionary ofAncient Rome (1929) 220 ff- der Südexedra aufmerksam gemacht, ture of the Roman Empire (1965)
6 Ricci u. a.. Via dell’Impero (Itine. die die Rekonstruktion von Gismon¬ Abb. 9. - H. Kähler, Annales Uni-
rari dei Musei e Monumenti d’Italia di bestätigen. Ferner sind im Innern versitatis Saraviensis 7, 1958, 189 ff.

Nr. 24) Vorwort. der Exedren keine Wasserabflüsse 20 C. Q. Giglioli, RM 62, 1955, 155fr.

29
21 Ricci 175 ff. 30 Die Einwände A. v. Gerkans (RM 43 Res Gestae (ed. H. Volkmann 1957)
22 Der Bodenbelag scheint im wesent¬ 60/61, 1953/4, 200ff.) dem auch E. v. cap. 35, p. 60f: in foro A.ug. sub qua-
lichen der ursprüngliche zu sein (vgl. Mercklin a. O. und andere gefolgt drig(is), quae mihi ex s. c. pos(it)ae sunt. -
Th. Kraus a. O. 45). Der rechteckige sind, können durch den Aufsatz von ev rfji äyoqäi rfp üeßaarfji vnö tü>i

Plattenbelag ist für die frühere Kai¬ Strong-Ward Perkins a. O. (oben äg/uari, d poi döypari avvxkrjrov
serzeit charakteristisch. Im zweiten Anm. 24) als widerlegt gelten. Vgl. avexedh).
Jahrhundert dagegen war ein alter¬ Helbig-Speier II 2059 (E. Simon). Zur pluralischen Verwendung von
nierendes System von rechteckigen 31 Nach A. v. Gerkan (Gnomon 3,1927, ,quadriga‘ vgl. Forcellinis Lexikon.
und runden Platten beliebt (vgl. 59) und G. Kaschnitz von Wein¬ Caesar hat in seiner ,analogia‘ (Gel-
Pantheon: W. L. MacDonald a. O. berg (Römische Kunst III (1962) lius XIX 8,3) die Mehrzahl ausdrück¬
Abb. 98). 90f.) umfaßte die ursprüngliche Ap¬ lich verlangt.
23 Vgl. die Rekonstruktionsskizze bei sis die ganze Cellabreite. Es scheint 44 Veil. Pat. II 39,2: Divus Augustus
F. E. Brown, Roman Architecture mir jedoch sehr fraglich, ob die end¬ praeter Hispanias aliasque gentis, qua-
(1961) Abb. 37. gültige Publikation diese Vermu¬ rum titulis forum eius praenitet. . .
24 Zu den Baumaterialien vgl. Strong- tung bestätigen wird. Ob sich diese Stelle auf das Elogium
Ward Perkins, BSR 30, 1962, 26. 32 A. W. Lawrence, Greek Architec¬ unter der Quadriga bezieht, ist frei¬
EAA IV 866 ff. s. v. marmo (Ward ture (1957) Abb. 88b. lich nicht gesagt.
Perkins). 33 Hist. Aug. Hadr. 19,10: Romae in- 45 Es gibt auch keine Münzbilder mit
25 W. B. Dinsmoor, The Architecture stauravit Pantheum, sacras aedes pluri- Darstellung der Quadriga (vgl. Th.
of Ancient Greece (1950) 138ff. - mas, forum A-Hgusti . . . Mommsen, Res Gestae2 (1883) 154).
Noch ähnlicher sind ein Ornament¬ 34 Vgl. vor allem A. v. Gerkan, RM H. Kähler (Rom und seine Welt 140)
fries in Thasos (Guide de Thasos 60/61, 1953/4, 200ff. nimmt an, die Quadriga sei auf ei¬
(1967), 92 Abb. 36) und die Pal¬ 3 5 Strong- Ward Perkins oben Anm. 24 nem Ehrenbogen aufgestellt gewe¬
metten einer spätarchaischen Stelen¬ 36 Man vergleiche z. B. die Kapitelle sen.
bekrönung (H. Möbius, Die Orna¬ des Trajaneums in Pergamon: Alter¬ 46 Auf dem Trajansforum, wo zahl¬
mente der griechischen Grabstelen tümer von Perg. V 2 Taf. XII. reiche Details des Augustusforum
(1929) Taf. 3 a). Die archaistischen 37 Strong- Ward Perkins oben Anm. 24 wiederholt werden (vgl. S. 3 und 7),
Züge des augusteischen Ornaments - Zur augusteischen Bauornamen¬ stand der berühmte Equus Traiani
werden bei diesen Vergleichen be¬ tik: Th. Kraus, MdI 6, 1953, 46 ff. in atrii medio (Amm. Marc. XVI 10,
sonders in der Stilisierung der Lo¬ M. Wegner, Ornamente kaiserzeit¬ 15). Auch auf dem Forum Iulium
tosblüten sichtbar. licher Bauten Roms (1957) 2ff. stand ein Reiterstandbild vor dem
26 Ricci datiert die Ausstattung des 38 Neben den verschiedenen Epochen Tempel der Venus Genetrix (Lugli
Saales ohne weitere Begründung in der griechischen Kunst spielen un¬ Nr. 55-57).
tibetische Zeit. teritalische und etruskische Vorbil¬ 47 Vitruv I 1,4. Vgl. den Kommentar
27 G. B. Giovenale, Atti I Congresso der eine wichtige Rolle: Th. Kraus S. Ferri’s (Vitruvio Architettura rec.
Naz. Studi Romani (1929) noff. Das vorige Anm. S. Ferri -i960- p. 36L).
von Giovenale herangezogene Mar- 39 Vitruv I 1: ut maiestas imperii publi- 48 P. Wolters hat die Vitruvstelle als
tial-Epigramm bezieht sich aber wahr¬ corum aedificiorum egregias haberet auc- „unbegründete Fabelei“ betrachtet,
scheinlich nicht auf den Koloß: E. toritates. weil sie nicht auf die origina¬
Welin, Studien zur Topographie des 40 Zur Vorbildlichkeit des Erechtheion len Erechtheionkoren zu beziehen
Forum Romanum (1953) *75 ff in augusteischer Zeit: Th. Kraus ist (Müjb NF 6, 1895, 3 6 ff.):
Nach den erhaltenen Resten muß der a. o. 56. Die Stadt Karyai in Nordlakonien
Koloß etwa 14 m hoch gewesen sein. 41 L. Forti, Pondus, auctoritas, decor, wurde nämlich erst 370/69 von den
28 A. Bartoli, I Monumenti Antichi di in Atti dell’ Acc. Pontiana I, 79 ff. Spartanern im Krieg gegen Theben
Roma nei Disegni degli Uffizi di 42 Vgl. H. Drerup, Zum Ausstattungs¬ zerstört (Xen. Hell. 6,5,25 und
Firenze II (1915) Taf. 183. 188 (Abb. luxus in der römischen Architek¬ 7,1,28). Vitruvs falsche historische
325)- tur (1957) 98. - J. Röder, zitiert Begründung schmälert jedoch nicht
29 E. v. Mercklin, Antike Figuralkapi- bei F. Rakob, Gnomon 40, 1968, seine Aussage, daß die Karyatiden
telle (1962) Nr. 610 Abb. 1179, 1180. 190. zu seiner Zeit als exempla servitutis

30
verstanden wurden. Seine Charak¬ truv 10 Bücher über Architektur Kaschnitz, Vat. Mag. 112 Nr. 245
terisierung der Karyatiden als sta- -1964- p. 5) an einen Abschluß um Taf. 35. Esperandieu, Rec. g6n. I
tuas marmoreas muliebres stolatas, 22 v. Chr. denkt. In beiden Fällen Nr. 272. G. Mansuelli, Uffizi I 157
quae cariatides dicuntur, pro columnis in könnte Vitruv die Konzeption des Abb. 153 (Freundliche Hinweise von
opere statuerit et insuper mutulos et coro- Augustusforum bereits gekannt ha¬ H. Grimm).
nas conlocaverit paßt vorzüglich auf ben. Die Karyatidenstelle ihrerseits Ferner findet man Ammonköpfe
die Gebälkträgerinnen des Augustus- spricht m. E. sogar für einen mög¬ häufig auf den Pteryges kaiserzeit¬
forum. Einen weiteren Beleg dafür, lichst späten Abschluß. licher Panzerstatuen: vgl. z. B. Co-
daß Vitruv Vertrauen verdient, gibt 51 In ähnlicher Weise alternieren auf rinth X 127 fig. 119 (O. Broneer). -
ein Relief in Neapel, auf dem eine den Sockelreliefs des Hadrianeum Beispiele aus der Kleinkunst: V. v.
gedemütigte Nation zwischen zwei Provinzpersonifikationen mit Waf¬ Gonzenbach, Jahresberichte Pro
Karyatiden auf dem Boden sitzend fendarstellungen: Helbig-Speier II Vindonissa 1951/2, 22ff. - In der Se-
dargestellt ist (Guida RueschNr. 149. (1966) Nr. 1737 (E. Simon). pulkralkunst: W. Altmann, Die rö¬
Bienkowski, de simulacris barbarum mischen Grabaltäre der Kaiserzeit
52 EAA II 718 ff. (G. Becatti).
28. Spinazzola, Le arti decorative in (1905) 88ff.
53 Parthenon: A. Michaelis. Der Par¬
Pompei Taf. 33). Ath. 6,241 e. -Den 56 F. Matz a. o. Abb. 4 und 5. Schon
thenon I (1871) 42. - Basilica Aemi-
Karyatiden des Diogenes von Athen Matz hat die „Ammonsmasken“ des
lia: G. Fuchs, RM 63, 1956, 2of. Augustusforum in Zusammenhang
im Pantheon des Agrippa lag viel¬
leicht derselbe Sinnbezug zugrunde 54 E. Dyggve-F. Poulsen-K. Rhomaios, mit den Phalerae gebracht, sie aber
(Plin. nat. Hist. XXXVI, 38). Das Heroon von Kalydon (19 3 4) 47 ff. für hadrianische Zutaten gehalten.
Der Fall der Karyatiden des Augu- Typologisch besteht ein Zusammen¬ Dagegen spricht nicht nur der Stil,
stusforum zeigt exemplarisch, wie hang mit hellenistischen Terracot- sondern vor allem die Tatsache, daß
klassische Formen bei ihrer Wieder¬ taoscilla aus Centuripe: H. Hoffmann, an den Portiken des Trajansforum
verwendung mit neuen Sinngehal¬ Jahrb. Hamburger Kunstsamml. das Dekorationsprinzip des Attika¬
ten verbunden wurden, und wie 8, 1963, 212f. — Münz. Med. Ba¬ geschosses des Augustusforum be¬
sel Auktion 34 (1967) nr. 75 (Freund¬ reits nachgeahmt wird. - Ein Am¬
fragwürdig das häufig zu hörende
licher Hinweis von F. Eckstein). monskopf, der offensichtlich vom
Urteil „rein dekorativ“ für kaiser¬
zeitlichen „klassizistischen“ Dekor 54a Dieser Schmuck war so sehr zum Augustusforum stammt, ist in der

ist. - H. Drerup hat soweit ich sehe charakteristischen Attribut der Gal¬ Villa Albani rechts vom Eingang ein¬
als einziger die Bedeutung der Vi- lier geworden, daß die cisalpinen gemauert. - Zu den Phalerae: A.
truvstelle für die römische Mentali¬ Gallier Augustus einen 100 Pfund Büttner, BJbb 157, 1957, 145 ff.
tät erkannt (MdI 5, 1952, 27). Die schweren goldenen Torques als Ge¬ Die Blätter, auf denen die Götter¬

gleiche sinnbildhafte Bedeutung schenk überreichten (RE VI A 2, köpfe liegen, haben die Form von

scheint schon den Stützfiguren am 1802. -Schuppe—). Der Torques als Buchenblättern. Vielleicht liegt hier¬

Tempel des Zeus Olympios in Akra¬ militärische Auszeichnung: Büttner, in eine Anspielung auf den Juppiter

gas zugrunde zu liegen (H. Drerup, BJbb 157, 1957, 133 ff- und I52ff. Fagutalis, der in Rom in einem Bu¬
chenhain verehrt wurde (Plin. nat.
VI. Intern. Kongress für Archäo¬ 5 5 Juppiter-Ammon als Heeresgott:
hist. 16, 10, 15). Vgl. Platner-Ashby,
logie Berlin 1939, 387). — Zu den F. Matz, 92. BerlWPr 1932, 36fr.
Topographical Dictionary 205. J.
Karyatiden: EAA II, 339 H (G. A. Juppiter-Ammonköpfe kommen
Murr, Die Pflanzenwelt der griechi¬
Mansuelli). auch an dem Augustustempel in
schen Mythologie (1890) 6,2.
49 Rekonstruktion bei L. Crema, L’Ar- Tarragona vor: J. Puig i Cadafalch,
L’Architectura Romana a Catalu- 57 Juppiter Victor: Platner-Ashby,
chitettura Romana (1959) 359 Abb.
nya2 ioiff. Abb. 102-4. F. Poulsen, Topographical Dictionary 306F -
417.
Sculptures antiques de Musdes de Juppiter Ultor: Nash I 537.
50 Vitruv hat jahrzehntelang an seinem
Provinces espagnols (1933) Abb. 58 Cass. Dio LV 10,2 ff. Suet. Aug. 29.
Werk gearbeitet. Der Zeitpunkt des
Abschlusses ist umstritten. P. Thiel¬ 88. - Hommel Anm. 460,7 - Vgl. Vgl. S. 24.
Garcia y Bellido, Esculturas Roma- 59 M. Cagiano de Azevedo, Le Anti-
scher (RE IX Ai, 431) nimmt die
nas (1949) Nr. 416/7 (Merida) Taf, chitä di Villa Medici (1951) Nr. 3
Jahre unmittelbar nach 14 v. Chr.
296/7. Taf. I—III; Nr. 41 Taf. VIII. - Die
an, während C. Fensterbusch (Vi¬

31
Zusammensetzung des Reliefs ist 75 Vgl. M. Cammagio, MemAccPon- verschiedenen Wiederholungen:
L. Cozza (Bd. A 43,1956,109 Abb.2) tiana (1928) iof. - Die Namen von ders., Gymnasium 67, i960, i84ff.
gelungen. - Nash I 76 Abb. 78. - 25 summt viri sind durch Inschrif¬ ders,. RM71, 1964, 62 Anm. 15.
Den Giebel hat Hommel 22ff. einge¬ ten oder lit. Quellen bekannt, dazu 84 Bonner Gruppe: Brüning, BJbb 95,
hend behandelt. kommen die Könige von Alba Lon¬ 1894, 49 ff. Taf. 1. Höhe 46 cm, aus
60 L. Fabbrini, BullCom 78, 1961/2, ga (Degrassi 5 und 8). Jurakalk.
49 Abb. 8-9. Ob die Bronzestatuen (Anm. 68) zur 85 Grabcippus der Petronia Grata:
61 Zum Giebel des Quirinustempels ursprünglichen Ausstattung gehö¬ Dütschke, Antike Bildwerke IV 48.
Hommel 9 ff. Taf. 1. ren ist nicht gesichert. Mostra Augustea, App. Bibi. 23,18.
62 Romulus augur: V. Spinazzola, Del- 76 Degrassi 5. Barocelli, Museo Arch. Torino
l’etimologia di Augur e degli Au- 77 Vgl. den Kommentar von F. Bö¬ (1931) 23 Abb. p.45. - CIL. V 3,
guri nei Municipii, in Mem. Acc. rner, Ovid. Die Fasten, (1957) zu 7521. Alinari 47002. Höhe 89 cm.
Napoli 16 (1891-3) II 23. Vers V 563!. 86 Die Gruppe wurde später zum Sym¬
63 U. Knoche Gymnasium 59, 1952, 78 F. Börner a. o. II ncf. bol der Pietas: H. Jucker, Das Ver¬
324ff. C. C. Vermeule. The goddess 79 Zu den Spolia opima: Roscher, ML hältnis der Römer zur Kunst der
Roma . . . (1959). II 1, 670 fr. Griechen (1950) 175 fr.
64 Nach Cagiano de Azevedo’s Beschrei¬ 80 Den Gedanken hat schon Th. 87 Romulus mit Tropaion: R. Stei¬
bung (a. o.) ,,si appoggia ad un Mommsen erwogen (CIL. I editio ger, Antike Kunst 9, 1966, 35.
masso“.
prior 281), in der zweiten Auflage 88 Das Basisfragment, das Degrassi
65 Die literarischen Quellen bei I.ugli aber aufgegeben. Degrassi scheint 9 der Aeneasstatue Zugeschrieben
Nr. 117-120. Die Inschriften hat die topographische Bedeutung der hat, kann nicht zu ihr gehören: H.
Degrassi mustergültig veröffent¬ Ovidstelle nicht erkannt zu haben. Jucker a. o. 175 Anm. 2. E. Lom¬
licht. - Zur Größe der Statuen vgl.
J. Gage hat zwar die Stelle richtig matzsch, Gnomon 17, 1941, 158.
BullCom 18, 1890, Taf. XIV, 1.
verstanden, aber die Ausgrabungs¬ 89 Auch hier geben die Münzbilder
66 Hist. Aug. Alex. Sev. 28,6: exemplo ergebnisse noch nicht gekannt (Mbl. beide Bewegungsrichtungen der
August i qui in foro suo summorum viro- Statuen wieder: Nash I 164 Abb.
47, 193°, 144)
rum statuas e marmore collocavit additis 81 M. Camaggio, Mem Acc Pontani- 177/8. J. Gage, Mel. 47, 1930, 146
gestis. ana, 1928. Den Zusammenhang der Abb. 4. Auch im Quirinustempel
67 Anders Degrassi 2. pompeianischen Fresken mit den stand eine Aeneasstatue: Cass. Dio
68 Cass. Dio LV, 10. Degrassi 5-7. Ricci Statuen des Augustusforum hat un¬ XLHI, 45,3-
182. abhängig davon J. Gage a. o. ge¬ 90 A. Alföldi, Die trojanischen Urah¬
69 Degrassi 4. sehen. nen der Römer (1956). - F. Börner,
70 Degrassi nf. Nr. 6. 82 Die beiden abgebildeten Fresken Rom und Troja (1951). - H. Jucker,
71 Degrassi Nr. 7 p. 13 ergänzt und sind öfter reproduziert: C. E. Rizzo, Das Verhältnis der Römer zur Kunst
liest: [C. Ju]lius C. f. Caesar, pater La Pittura ellenistico-romana (1929) der Griechen (1950) i9ff. - H. T.
di[vi Iulii, p\r(aetor), q(aestor), tr(ibu- Taf. 194. Lit. bei K. Schefold, Die Rowell, MAAR 17, 1940, 142.
nus) mil(itum) — C\olonos Cerce\nam? Wände Pompeis (1957) 289. Eine 91 Eine ähnlich sinnbildhafte genealo¬
deduxit. Höhe der Basis 37 cm. Ikonographie beider Bildtypen gibt gische Verbindung zwischen grie¬
72 Degrassi 19 Nr. 12559 Nr. 79. V. Spinazzola, Pompei alla luce chischem Mythos und römischer Ur¬
73 Plinius, nat. hist. XXII, 6, 13. Vgl. degli scavi nuovi . . 1910-23 (1953) geschichte liegt in der Gegenüber¬
Degrassi 7. 151 ff. stellung des von der Hindin gesäug¬
74 Der „Republikaner“ darf hier mit 83 Den Zusammenhang der Kölner Sta¬ ten Heraklessohnes Telephos und
freundlicher Erlaubnis von Prof. tuetten mit dem Archetypus auf dem den Zwillingen mit der Lupa vor:
Gatti und Prof. Colini abgebildet Augustusforum hat schon Heyde- Salomonson, OudhMeded. 38, 1957,
werden. Höhe 32 cm. Den Idealkopf mann (AZ 29, 1872, Anm. 32) ver¬ 15 ff.
hat bereits Ricci 173 veröffentlicht, mutet.- Die Aeneasgruppe kommt ca. 92 An der Umfassungswand der Ein¬
aber fälschlich als „frammento di 60 mal auf Sarkophagen und anderen gangsseite der Ara Pacis war der den
Cariatide“ bezeichnet. Höhe 26 sepulkralen Denkmälern vor: K. Penaten opfernde Aeneas der Lupa
cm. Schauenburg, Jdl 81, 1966, 306. Die mit den Zwillingen gegenüberge-
stellt, auf der Rückseite bildeten 100 Helm der Athena Parthenos: W.-H. Auch die Größe wäre für eine Kult¬
Tellus/Venus und Roma das ent¬ Schuchhardt, in „Antike Plastik“ II bildgruppe zu klein.
sprechende Pendant. Vgl. E. Simon, Taf. 29.- E. Simon (Festschrift Dop¬ 107 So auch bei Th. Kraus, Festschrift
Ara Pacis Augustae (1967) 22 ff. G. pelfeld - 1968-) deutet das von Eros E. v. Mercklin 72 und Hommel 87
K. Galinsky, AJA 70, 1966, 223 ff., geführte Flügelpferd auf dem Grand Anm. 203.
geht in der Deutung des Tellusreliefs Camde de France als Zephyros in 108 Rutilius Namatianus, De reditu suo
bei überzeugendem Ansatz doch zu seiner Eigenschaft als ,ales equos’ (416 n. Chr..) 67f. zit. bei R. Schilling
weit, wenn er Venus gleich drei mal (Catull 66,54) der Venus. Der Hin¬ a. o. 339.
dargestellt sehen will. Zuletzt: A. weis auf Venus würde gut zu den hier 109 S.Gsell,RA 34,1899,37fr. Anm. 79.-
Booth, Latomus 25, 1966, 873 ff. gezeigten Sinnbezügen passen. Die Benennung Caesar findet man
93 Degrassi 69 h 101 Hommel 26. auch schon bei Gardthausen, Augu¬
94 Relief in Algier: S. Gsell, RA 34, 102 Ansätze zu dieser Deutung findet stus und seine Zeit II 3, 719 f. Die
1899, 37ff. Taf. 2.- R. Schilling, La man bei: R. Schilling, La religion Einwände dagegen (zuletzt: E. Si¬
religion romaine de Venus (1954) romaine de Venus 331 ff, besonders mon, Mainzer Zschr. 58, 1963, 15
336.- Hommel 27.- S. Weinstock, 3 3 8.-Vgl. Das ProoemiumzuLukrez* Anm. 54 und Th. Kraus a. o. 72)
JRS 50, i960, 54L - E. Simon, Main¬ de rerum natura (I, 1 ff.). scheinen mir nicht stichhaltig zu sein.
zer Zeitschrift 58, 1963, 15 Anm. 103 Roscher, ML 1830 (Crusius), Vgl. E. Das Fehlen von entschiedenen Por¬
54.- Th. Kraus, Festschrift E. v. Panofsky, Studies in Iconology trätzügen darf bei einem so geringen
Mercklin (1964) 72. (1939) 164. Relief nicht ins Gewicht fallen, man
95 A. Furtwängler, Antike Gemmen 104 B. M. Felletti Maj, Museo Naz. Rom. vergleiche die wenig ausgeprägten
Taf. 65,35. Zuerst erkannt vondems., I Ritratti (1953) Nr. 236. Dort sind Gesichtszüge auf dem qualitätvolle¬
Samml. Sommzee 6if. - Einzelhei¬ die Repliken verzeichnet. Zum Ty¬ ren Relief in Ravenna (Anm. 125)
ten überliefert getreuer die Basis von pus zuletzt: R. Schilling a. o. 342 und selbst auf der Ara Pacis.
Sorrent: Th. Kraus a. o. 73. - Ab¬ Taf. 26.- E. Simon, Jdl 79, 1964, Der Kopf zeigt nicht die für Caesar
gebildet bei I. Lugli Fontes VI, 1 306. — K. Parlaska, Mumienporträts typische Halbglatze, sondern in die
lib. VIII, 1: Mons Palatinus Taf. lVc. und verwandte Denkmäler (1966) Stirn gekämmtes Haar, wie die Apo¬
96 Lit. und Ergänzungsangaben: Hel- 72 Anm. 84. theoseporträts. — Vgl. auch den
big-Speier II Nr. 1198 (E. Simon). 105 Ich bereite darüber einen kleinen bei Flemming S. Johansen (Antichi
Zuletzt: Th. Kraus, Das römische Artikel vor. Die Erfindung der Ritratti di Caio Giulio Cesare nella
Weltreich (1967) Abb. 270. Zur ka¬ Gruppe wird zumeist ins zweite Jahr¬ scultura, in Analecta Romana Inst.
pitolinischen Statue als Quelle für hundert nach Chr. gesetzt: F. Matz, Dan. 4, 1964, Taf. 23) veröffentlich¬
das Kultbild vgl. Th. Kraus, Fest¬ Ein römisches Meisterwerk, 19. Erg. ten Kopf. - Caesar ist auf dem Re¬
schrift E. v. Mercklin 73 f. Heft des Jdl (1958) 35 f. R. Schilling lief als Divus wiedergegeben, man
97 E. Tormo, Francesco da Olanda a. o.- Dagegen m. E. richtig als „pa- kann ihn nicht „knabenhaft“ nen¬
(1940) fol. 27. sitelisch“ bezeichnet bei G. Lippold, nen, vielmehr ist er gleichgroß wie
98 E. Simon, Latomus 21, 1962, 273 fr. Kopien und Umbildungen (1923) Mars.

99 Mars Ultor mit Füllhörnern: L. 224 und demnächst in Helbig- 110 Zum Sidus Iulium: F. Bömer, BJbb
Pollak,ÖJh 26,1930,136ff.-J.T0yn- Speier III (H. v. Heintze). Schon 152, 1952, 27fr.
bee, Roman Britain 152, 63 Abb. 25 V. Chr. stellte Agrippa eine Mars- hi Zum Venusstern auf Caesarmün¬
65.- Dem entspricht, daß ein unter Venusgruppe im Pantheon auf: zen: RE VIII Ai, 867 (Koch). J.
Augustus neu geprägter Victoria¬ Cass. Dio LIII 27, 2. Liegle, Jdl 56, 1941, 91 ff. Nach Del¬
typus ebenfalls das Füllhorn trägt: 106 H. P. L’Orange, Symb. Osl. n, 1932, brück, der bei F. Bömer a. o. zitiert
T. Hölscher, Victoria Romana(i968) 94 ff. Die dort geäußerte Vermu¬ wird, ist nach Caesar bis zu Aurelian
163 Taf. 1,6; 13,4. - Vgl. die Ara tung, die Statuengruppe sei das Kult¬ kein weiteres Beispiel bekannt, was
aus Karthago: Th. Kraus, Das röm. bild gewesen, kann nach dem oben mir W.-H. Gross freundlicherweise
Weltreich (1967) Abb. 187. Ausgeführten nicht zutreffen: bestätigt. Doch trägt der sog. Ger-
Zu den Widder- und Elephanten- Mars ist in dieser Gruppe im Typus manicus auf dem Relief in Ravenna
köpfen auf den Pteryges: W. Salo- des Ares Borghese wiedergegeben, (G. Hafner, RM 62, 1955, Taf. 61 ff.)
monson a. o. 39. kann also nicht der „Ultor“ sein. zweifellos einen Stern im Haar. Sehr

33
wahrscheinlich ist auch hier der Di- eine Ungeschicklichkeit des Stein¬ 126 Corona civica: Res Gestae (ed. Volk¬
vus Iulius gemeint, wie das frühere metzen handelt. mann) cap. 34 p. 5 8 f. - Corona civica
Interpreten mehrfach angenommen 116 Zur Romulus-Ideologie des Augu¬ auf Porträts wahrscheinlich erst clau-
haben (vgl. Hafner a. o. 161). stus: Suet. Aug. 7,2. Res Gestae (ed. disch: W. H. Gross, Gnomon 31,
112 Venus Genetrixtempel: Nash I 424. Volkmann) 57L - A. Alföldi, 1959, 526.
T. Hastrup, Analecta Romana Inst. MusHelv 8, 1951, 212L - J. Gage, 127 Hommel bes. Anm. 261. Res Gestae
Dan. 2, 1962, 4ff. N. Lamboglia, Mel. 47, 1930, 138ff. - Zuletzt H. J. cap. 11 (ed. Volkmann) p. 24 und 58
Rend Pont Acc 37, 1964-65, Taf. 1. Krämer, in: Synusia, Festgabe für f.
Zum Kult: R. Schilling a. o. 304ff. A. W. Schadewaldt (1965) 355fr. bes. 128 Suet. Vit. 8,1.
Wlosok, Die Göttin Venus in Ver- 364L und Anm. 88. 129 Rg. 29: Ea autem signa in penetrali
gils Aeneis (1967) 1x9. Vgl. RE VIII 117 Suet. Aug. 95,-Liv. 17,1. —H.Erkell, quod est in templo Martis Ultoris re-
Ai, 864L (Koch). Augustus, Felicitas, Fortuna. Lat. posui.
113 Siehe das S. ix Ausgeführte. Wich¬ Wortstudien (1952). 130 Th. Kraus, Festschrift E. v. Merck-
tig ist ferner Cass. Dio LVI 34,2, 118 Augurstab: J. Gage a. o. passim. L. lin (1964) 66 ff. - Res Gestae (ed.
daß das Bildnis Caesars beim Lei¬ Curtius, MdI 1, 1948, 75. Volkmann) (1957) 51.
chenbegängnis des Augustus nicht 119 Nash I 92. Das Fragment mit der 131 Die Stellen bei Volkmann a. o. 51.—
unter den summi viri mitgeführt wur¬ Romulusinschrift ist erhalten: eben¬ RE Xi, 351.
de, ön eg rovg rjgcoag eaeyeyganro, da Abb. 103. 132 Zuletzt: T. Hölscher, Victoria Ro¬
während das des Romulus dabei war. 120 Ovid, Fasti II 133fr. mana (1968) 159L
J.-Cl. Richard, Mel. 78, 1966, 69 ff. 121 So E. Classen, Philologus 106, 1962, 133 Agrippa hielt sogar eine diesbezüg¬
Richard schließt aufgrund der Dio- 174 fr. richtig gegen E. Kornemann, liche Rede ,de tabulis omnibus signis-
Stelle aus, daß dieStatue Caesars un¬ Klio 31, 1938, 81 ff. Vgl. die Lit. bei quepublicandisc: Plin.nat. hist. 3 5,9,26.
ter den summi viri des Augustusfo- H. Bengtson, Grundriß der römi¬ 134 Vgl. F. Jacobi, Grundzüge einer
rum stand. schen Geschichte I 253. Museographie der Stadt Rom zur
114 Eine Statue des Divus Iulius war 122 Elogium des Aeneas (Degrassi Nr. Zeit des Kaisers Augustus (1884)
schon von Agrippa im Pantheon auf 85) : in deorum numerum relatus. Elo¬ 69fr. - Die Quellen: Lugli 18.
Augustus’ Wunsch aufgestellt wor¬ gium des Romulus (A. Degrassi Nr. 135 La Parola del Passato 1, 1946, 383.
den (Cass. Dio LIII 27,3): J. Liegle, 86) : receptusque in deorum numerum 136 Zur Apollonprogrammatik: E. Si¬
Jdl 56, 1941, 117. Quirinus appellatus est. mon, RM 69, 1957, 59ff.- Dies., Die
115 Th. Kraus, Festschrift E. v. Merck- 123 Zuletzt: W. Burkert, Caesar und Ro- Portlandvase (1957) 30 ff.-H.P.Lam¬
lin 72 wendet gegen eine Kultbild¬ mulus-Quirinus, in Historia 11, brechts, La politique „apollinienne“
gruppe ein, daß die Statuen auf dem 1962, 356fr. — C. J. Classen a. o d’Auguste et le culte imperial, in
Relief in Algier nicht kompositionell Zum Quirinustempel: P. Hommel La Nouvelle Clio 5, 1953, 65 ff.
aufeinander bezogen seien. Dem 9ff. - Platner-Ashby, Topographi- 137 Z. B. an der Ara Pacis durch die Ran¬
kann man mit einem Hinweis auf die cal Dictionary 43 8 f. kenfriese: H. P. L’Orange, Acta ad
eklektische Kultbildgruppe des Apol¬ 124 P. H. v. Blanckenhagen, Journal of Archaeol. et artium historiam per-
lotempels auf dem Palatin begeg¬ the Society of Architectural Histo- tinentia 1, 1962, 7 ff. Vgl. E. Si¬
nen, die auf der Sorrentiner Basis rians 13,1954,4,21 ff-Vgl.diesinnvol- mon, Ara Pacis Augustae (1967)
überliefert ist. Dort wirken die drei len Entsprechungen pompeianischer Taf. 3-5.
Statuen sehr viel mehr aneinander¬ Freskenzyklen, über die in den letz¬ 138 Paus. VIII 46,4. G. Lippold, Handb.
geschoben als auf dem Relief in Al¬ ten Jahren viel gearbeitet worden ist, der Archäologie V 3, 74. Vgl.
gier (I. Luglie, Fontes VIII, 1 Mons Lit. bei K. Schefold, RM 72, 1965, BCH 45, 1921 Taf. 13.
Palatinus Taf. II). Es wäre im übri¬ 116 Anm. i. 139 Dion. Hai. I 69. Ovid, fasti I 527;
gen durchaus möglich, daß die Ve¬ 124a H. Drerup, Gymnasium 73, 1966, met. VII 157; met. XII 624.- Die
nusstatue - analog zu den Statuen 195. Bedeutung des Paladium in augu¬
der Palatingruppe - im Marstempel 125 Relief in Ravenna: G. Hafner, RM 62, steischer Zeit: C. Koch, Gymnasium
wiederverwendet wäre. Vielleicht 1955,160ff.Taf.61 ff.-Die Augustus- 59, 1952, 196. - Augustus baute den
könnte das ihre höhere Basis erklä¬ statuen dieses Typus hat zusammen¬ Athenatempel in Ilium neu: D. Ma¬
ren, wenn es sich nicht einfach um gestellt: Hommel 88 Anm. 220. gie,Roman rule in Asia Minor I (1950)

34
469. Goethert-Schleif, Der Athena- len: F. Bömer, Ovid Fasten II 323. 162 Cic. de re publ. I 41, 64.
tempel von Ilion 34 ff. J. Gagd, Res Gestae (1950) p. 175 f. 163 Cass. Dio LVI 46,4.
140 Plin. nat. hist. 35,10,27. 151 S. Weinstock RE VIII A2, 2518 hat 164 Cass. Dio LIII 18,3 ed. Dindorf-Mel-
141 Plin. nat. hist. 35,36,93. — Serv. ad. die Bedeutung des 1. August erkannt. ber p. 98: xai rj ye xov naxgög
Aen. I 294. Vgl. T. Hölscher, Victoria Romana ETUüWfjLLa xd%a fxev xai e^ovaiav xivä
142 G. B. Giovenale, Atti I Congresso (1968) 159. - Im Jahre 17 n. Chr. avxolg, rjv noxe oi naxegeg eni xovg
Naz. Studi Romani I 1929, noff. H. weihte Tiberius den Tempel der naldag ea/ov, xaxä navxcov rj/ucöv dldco-
Jucker, Das Verhältnis der Römer Spes am 1. August ein: E. Simon, aiv, ov fiEvxoi xai eni xovxo äg'/qv
zur Kunst der Griechen (1950) 19. Festschrift Doppelfeld (1968) Anm. eyevexo äXX’ eg xe xqxr]v xai eg nagaiv-
H. Fuhrmann, Philoxenos von Ere- 43- eaiv, Iva avxoi xe xovg ägxo/uevovg (bg
tria (1931) 291 Anm. 58 (Beispiele 152 RE X,i,36i (Fitzler-Seeck). xai naldag dyanwev xai exelvol o(pag (bg
für die Einlassung von Tafelbilder 153 RE a. o. 335f. Vgl. J. Gagd, Res xai naxegag alÖmvxai.
in Wandverkleidungen). Gestae p. 175. 165 Suet. Aug. 31: Commentum id se, ut
An zwei Wänden des Saales sind je 154 Vgl. C. Niebling, Historia 5, 1956, ad illorum velut ad exemplar et ipse, dum
drei Einlassungen zu sehen, von de¬ 303. viveret, et insequentium aetatium prin-
nen die beiden mittleren breiter sind 155 Suet. Aug. 58,1. cipes exigerentur a civibus. — Vgl. H.
(2,65 m X 2,35 m) als die vier übri¬ 156 Res Gestae ed. Volkmann 60. - J. Volkmann, Historia 3, 1954, 83f.
gen (2,65 m X 1,40 m). Giovenale Gagd, Res Gestae 147.- E. T. Sal- 166 Plin. nat. hist. 36, 15, 102: pulcher-
spricht unrichtig von sechs Bildern mon, Historia 5, 1956, 456 ff. vor rima operum, quae umquam vidit orbis.
des Apelles, Plinius nennt nur zwei. allem 476 ff. 167 Degrassi 3, 7.
143 Plin. nat. hist. 34, 18, 48: Alexandri 157 Zur Geschichte und Bedeutung des 168 siehe Anm. 82, 84, 94
quoque Magni tabernaculum sustinere Titels grundlegend: A. Alföldi, 169 Bei dieser forcierten Verbreitung des
traduntur solitae statuae, ex quibus duae MusHelv 9, 1952, 204ff.; 10, 1953, ideologischen Programms nimmt es
ante Martis Ultoris aedem dicatae sunt, 103 fr; 11, 1954, 133 fr, Vgl. J. Bdran- nicht Wunder, daß sich der politi¬
totidem ante Regiam. ger, Recherches sur l’aspect ideolo- sche Witz als Reaktion der propa¬
144 Vgl. seinen Besuch an Alexanders gique du principat (1953) 275 fr. gierten Bilder bemächtigte: In Gra-
Grab (Suet. Aug 18). Er siegelte ei¬ 158 Strabo 6,4,2, ed Lasserre (1967) p. gnano bei Pompei wurde ein kleines
ne zeitlang mit dem Bild Alexanders 93: %aXendv de äXXcog dioixelv rrjv Wandbild gefunden, das die Aeneas-
(Suet. Aug. 50). Vgl. U. Instinsky, xrjXixavxrjv rp/eiioviav rj evi emxgexpav- gruppe der Nordexedra des Augu-
Die Siegel des Kaisers Augustus xag (bg narQL. Ovdenoxe yovv evnogrj stusforum in Form hundsköpfiger
(1962) 31 ff. - A.Bruhl, Mel. 47,1930, aai xoaavxgg eigrjvrjg xai acpPovlag Affen parodiert. Die in Süditalien
208 ff. H. Jucker, Das Verhältnis der äya&äv. beheimatete Phlyakenkomödie und
Römer zur Kunst der Griechen 19h 159 Bezeichnend ist, daß das Programm eine alte Tradition, nach der Aeneas
145 Plin. nat. hist. 34, 3, 14. tatsächlich beim funus publicum des zuerst auf der Affeninsel Ischia ge¬
146 Suet. Aug. 21,2; 29,2. Suet. Cal. 44,2. Augustus wiederholt wurde (Anm. landet ist, dienten gleicherweise als
Cass. Dio LV 10. Vgl. Taylor, The 170). - Die Gedankengänge von B. Vehikel dieses politischen Witzes.
Divinity of the roman emperor Götze (Das Rundgrab in Falerii Lit. A. Maiuri, Bd’A 35, 1950,
(1931) 202. Zu den Triumphinsi¬ - 1939-52), der den Grundriß des 108 ff. - G. Spano, Rend Acc Napoli
gnien: A. Alföldi, RM 50, 1935, 28f. Forum vom Atriumhaus ableiten 36, 1961, 32 Abb. 8/9. Ph. Bruneau,

147 Cass. Dio LV 10, 2 ff. Suet. Aug. 29. und architektursymbolisch erklären BCH 86, 1962, 220 Abb. 18/bis. -

148 Die Stellen bei: H. Jordan, Topo¬ will, sind freilich abwegig - Auch die O. Brendel, RM 60/1, 1953/4, 253 ff.
graphie 12, 446 Anm. — Lugli 151/2; Heldenschau im sechsten Buch der Taf. 61. - Eine karikierende Bron¬
Aeneis glaubt man jetzt von den rö¬ zestatuette der Aeneasgruppe kannte
145/6/9.
mischen Maskenzügen bei den funera Winckelmann (Werke VII42 3, zit. K.
149 Nash I 408f. Lugli Nr. 205-8.
150 Veil. Pat. II 100,2.-Rg. 38. - Cass. angeregt (Eiliv Skard, Die Helden¬ Schauenburg, Gymnasium 67, i960,

Dio LV 10,1. - Ovid, fasti V 549 ff. schau in Vergils Aeneis, in Symb. 185 Anm. 84). - Aus einem ver¬

5 67 ff-
Osl. 40, 1965, 53fr). gleichbaren Überdruß an der gren¬

Die Lit. zum Einweihungstag und 160 Polyb. VI 53.—Val.Max. V 8,3. zenlosen Verherrlichung des neu¬

zur Widersprüchlichkeit der Quel¬ 161 Ovid, fasti II 127L gefundenen Laokoon entstand im

35
i6. Jahrhundert Tizians „Affenlao- 170 Cass. Dio LVT 34. W. Weber, Prin- funus publicum des jüngeren Drusus
koon“: H. Sichtermann, Laokoon ceps 76 ff. - H. T. Rowell, MAAR (Tac. ann. IV 9) \ funus imaginum pom-
(Reclams Werkmonographien Nr. 17, 1940, 131. Die Ausrichtung des pa maxima inlustre fuit, cum origo Iu-
ioi) Abb. 16. u. Bieber, Laocoon. Leichenbegängnisses ging zum Teil liae gentis Aeneas omnesque reges et con-
The Influence of the Group since auf Augustus‘ eigene mandata de ditor urbis Romulus, post Sabina nobi-
its Rediscovery (1967) Abb. 9. Vgl. funere zurück (Suet. Aug. 101,1. litas, Attus Clausus ceteraeque Clau¬
Janson, ArtB 28, 1946, 49 fr. Cass. Dio LVI 33,1). Vergleiche das diorum effigies, longo ordine spectarentur.

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Zänker, Paul
Forum Augustum

DATE
.178257

178257