Sie sind auf Seite 1von 30

ÖNORM

EN 12799
Ausgabe: 2004-04-01

Normengruppe M

Ident (IDT) mit EN 12799:2000 + A1:2003

Ersatz für Ausgabe 2000-10

ICS 25.160.50 Hartlöten – Zerstörungsfreie Prüfung von


Hartlötverbindungen
(EN 12799:2000 + A1:2003)

Brazing – Non-destructive examination of brazed joints


(EN 12799:2000 + A1:2003)

Brasage fort – Contrôles non destructifs des assemblages réalisés par brasage fort
(EN 12799:2000 + A1:2003)

Die Europäische Norm EN 12799:2000 + A1:2003 hat den Status einer


Österreichischen Norm.

Die ÖNORM EN 12799 besteht aus


• diesem nationalen Deckblatt sowie
• der offiziellen deutschsprachigen Fassung der EN 12799:2000 mit
eingearbeitetem A1:2003.

Fortsetzung
ÖNORM EN 12799 Seite 2 und
EN 12799 + A1 Seiten 1 bis 28

Medieninhaber und Hersteller: Österreichisches Normungsinstitut, 1020 Wien Fachnormenausschuss 037


Copyright © ON - 2004. Alle Rechte vorbehalten; Schweißtechnik
Nachdruck oder Vervielfältigung, Aufnahme auf oder in sonstige Medien oder Datenträger
nur mit Zustimmung des ON gestattet!
Verkauf von in- und ausländischen Normen und technischen Regelwerken durch:
Österreichisches Normungsinstitut (ON), Heinestraße 38, A-1020 Wien
Tel.: (+43 1) 213 00-805, Fax: (+43 1) 213 00-818, E-Mail: sales@on-norm.at, Preisgruppe 14
Internet: http://www.on-norm.at
Seite 2
ÖNORM EN 12799

Nationales Vorwort
Die vorliegende ÖNORM EN wurde ohne formelles Verfahren neu herausgegeben. Sie ist die konsolidierte nationale
Neuausgabe der EN 12799:2000, in die die gemäß CEN/BT Resolution C 067/2003 beschlossene Änderung
EN 12799:2000/A1:2003 eingearbeitet ist.
Die Änderung EN 12799:2000/A1:2003 betrifft nur die Herausnahme des Anhang ZA, da die EN 12799:2000 im Sinne
der CEN/BT Resolution C 067/2003 als Typ 2-Norm eingestuft wurde und somit nicht mehr direkt zur Erfüllung der
wesentlichen Sicherheitsanforderungen für die Europäische Richtlinie für Druckgeräte (PED) 97/23/EG herangezogen
werden kann.
Diese Vorgangsweise ist mit der Europäischen Kommission, mit der „Pressure Equipment Advisory Nucleus“, dem CMC
sowie dem CEN-Consultant abgestimmt und von den CEN-Mitgliedern, ohne vorhergehendes Einspruchsverfahren im
CEN, durchzuführen. Auf Grund dieser Tatsache wurde auf ein formelles Einspruchsverfahren gemäß ON-
Geschäftsordnung verzichtet.
Es ist in der Folge zu erwarten, dass die Zitierung der EN 12799:2000 auch aus dem Amtsblatt der Europäischen Union
(OJ) gestrichen wird.
Im Normtext durchgeführte Änderungen sind durch einen seitlichen Strich gekennzeichnet.
EUROPÄISCHE NORM EN 12799
EUROPEAN STANDARD
NORME EUROPÉENNE Juli 2000

ICS 25.160.50

Deutsche Fassung

Hartlöten - Zerstörungsfreie Prüfung von Hartlötverbindungen

Brazing - Non-destructive examination of brazed joints Brasage fort - Contrôles non destructifs des assemblages
réalisés par brasage fort

Diese Europäische Norm wurde vom CEN am 2.Juli 2000 angenommen.

Die CEN-Mitglieder sind gehalten, die CEN/CENELEC-Geschäftsordnung zu erfüllen, in der die Bedingungen festgelegt sind, unter denen
dieser Europäischen Norm ohne jede Änderung der Status einer nationalen Norm zu geben ist. Auf dem letzen Stand befindliche Listen
dieser nationalen Normen mit ihren bibliographischen Angaben sind beim Zentralsekretariat oder bei jedem CEN-Mitglied auf Anfrage
erhältlich.

Diese Europäische Norm besteht in drei offiziellen Fassungen (Deutsch, Englisch, Französisch). Eine Fassung in einer anderen Sprache,
die von einem CEN-Mitglied in eigener Verantwortung durch Übersetzung in seine Landessprache gemacht und dem Zentralsekretariat
mitgeteilt worden ist, hat den gleichen Status wie die offiziellen Fassungen.

CEN-Mitglieder sind die nationalen Normungsinstitute von Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland,
Island, Italien, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Schweiz, Spanien, der Tschechischen Republik und
dem Vereinigten Königreich.

EUROPÄISCHES KOMITEE FÜR NORMUNG


EUROPEAN COMMITTEE FOR STANDARDIZATION
COMITÉ EUROPÉEN DE NORMALISATION

Zentralsekretariat: rue de Stassart, 36 B-1050 Brüssel

© 2000 CEN Alle Rechte der Verwertung, gleich in welcher Form und in welchem Ref. Nr. EN 12799:2000 D
Verfahren, sind weltweit den nationalen Mitgliedern von CEN vorbehalten.
Seite 2
EN 12799:2000

Inhalt
Seite
Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
Vorwort der Änderung A1. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
1 Anwendungsbereich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
2 Normative Verweisungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
3 Allgemeine Grundsätze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
4 Sichtprüfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
5 Ultraschallprüfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
6 Durchstrahlungsprüfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
7 Eindringprüfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
8 Dichtheitsprüfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
9 Überdruckprüfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
10 Thermographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20

Anhang A (informativ)
Unregelmäßigkeiten in Hartlötverbindungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
Seite 3
EN 12799:2000

Vorwort
Diese Europäische Norm wurde vom Technischen Komitee CEN/TC 121 "Schweißen" erarbeitet, dessen Sekretariat
vom DS gehalten wird.
Diese Europäische Norm muß den Status einer nationalen Norm erhalten, entweder durch Veröffentlichung eines
identischen Textes oder durch Anerkennung bis Januar 2001, und etwaige entgegenstehende nationale Normen
müssen bis Januar 2001 zurückgezogen werden.
Dieses Dokument wurde im Rahmen eines Mandates, das dem CEN von der Europäischen Kommission und der
Europäischen Freihandelszone erteilt wurde, erarbeitet.

Entsprechend der CEN/CENELEC-Geschäftsordnung sind die nationalen Normungsinstitute der folgenden Länder
gehalten, diese Europäische Norm zu übernehmen: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich,
Griechenland, Irland, Island, Italien, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Schweiz,
Spanien, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich.

Vorwort der Änderung A1


Dieses Dokument EN 12799:2000/A1:2003 wurde vom Technischen Komitee CEN/TC 121 “”
erarbeitet, dessen Sekretariat vom DS gehalten wird.

Diese Änderung zur Europäischen Norm EN 12799:2000 muss den Status einer nationalen Norm erhalten,
entweder durch Veröffentlichung eines identischen Textes oder durch Anerkennung bis Juni 2004 und
etwaige entgegenstehende nationale Normen müssen bis Juni 2004 zurückgezogen werden.

Dieses Dokument wurde im Rahmen eines Mandates, das dem CEN von der Europäische Kommission und
der Europäischen Freihandelszone erteilt wurde, erarbeitet.

Entsprechend der CEN/CENELEC-Geschäftsordnung sind die nationalen Normungsinstitute der folgenden


Länder gehalten, diese Europäische Norm zu übernehmen : Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland,
Frankreich, Griechenland, Irland, Island, Italien, Luxemburg, Malta, die Niederlande, Norwegen, Österreich,
Portugal, Schweden, die Schweiz, die Slowakei, Spanien, die Tschechische Republik, Ungarn und das
Vereinigte Königreich.
Seite 4
EN 12799:2000

1 Anwendungsbereich
Diese Europäische Norm beschreibt zerstörungsfreie Prüfverfahren und Prüfstückarten, die zur Durchführung von
Prüfungen an Hartlötverbindungen notwendig sind.
Die folgenden zerstörungsfreien Prüfverfahren sind beschrieben:
a) Sichtprüfung (siehe Abschnitt 4);
b) Ultraschallprüfung (siehe Abschnitt 5);
c) Durchstrahlungsprüfung (siehe Abschnitt 6);
d) Eindringprüfung (siehe Abschnitt 7);
e) Dichtheitsprüfung (siehe Abschnitt 8);
f) Überdruckprüfung (siehe Abschnitt 9);
g) Thermographie (siehe Abschnitt 10).
Die Hartlötverbindungen, an denen diese Prüfungen durchgeführt werden, können entweder als Prüfstück hergestellt
sein, um für Hartlötverbindungen Konstruktionsdaten zu ermitteln, oder Teil einer Hartlötkonstruktion sein. Auf die
Art des Prüfstücks, das für jede Prüfung beschrieben wird, kann Bezug genommen werden, oder wird in den
technischen Anwendungsnormen, die sich auf die Hartlötkonstruktionen beziehen, eingearbeitet.
Diese Europäische Norm empfiehlt nicht die Anzahl der zu untersuchenden Prüfstücke oder der zulässigen
Wiederholungsprüfungen festzulegen. Sie legt bis auf einen aufgeführten Leitfaden bezüglich der notwendigen
Vorsichtsmaßnahmen weder die Art der Probenahme aus den hartgelöteten Verbindungen fest, noch erläutert sie
die Bewertungsmerkmale, die für jede der Prüfungen anzuwenden sind. Es wurde kein Versuch unternommen,
festzulegen, welche Prüfung oder Prüfungen in welcher Situation angewendet werden sollten. Dies ist, bevor eine
spezielle Prüfmethode ausgewalht wird, zu vereinbaren.
Die Verfahren der zerstörungsfreien Prüfung beziehen sich nicht auf eine bestimmte Art hartgelöteter Konstruktionen,
sie legen jedoch die allgemeinen Grundsätze der beschriebenen Prüfungsarten fest. Es ist hervorzuheben, daß eine
zufriedenstellende Untersuchungsart nur entwickelt und eingesetzt werden kann, nachdem alle entscheidenden
Einflüsse bezüglich der verwendeten Einrichtungen und die Eigenschaften des zu untersuchenden Prüfstücks
berücksichtigt wurden.

2 Normative Verweisungen
Diese Europäische Norm enthält durch datierte oder undatierte Verweisungen Festlegungen aus anderen
Publikationen. Diese normativen Verweisungen sind an den jeweiligen Stellen im Text zitiert, und die Publikationen
sind nachstehend aufgeführt. Bei datierten Verweisungen gehören spätere Änderungen oder Überarbeitungen dieser
Publikationen nur zu dieser Europäischen Norm, falls sie durch Änderung oder Überarbeitung eingearbeitet sind. Bei
undatierten Verweisungen gilt die letzte Ausgabe der in Bezug genommenen Publikation (einschließlich
Änderungen).
EN 444
Zerstörungsfreie Prüfung – Grundlagen für die Durchstrahlungsprüfung von metallischen Werkstoffen mit
Röntgen- und Gammastrahlen

EN 473 : 1993
Qualifizierung und Zertifizierung von Personal der zerstörungsfreien Prüfung – Allgemeine Grundlagen

EN 571-1
Zerstörungsfreie Prüfung – Eindringprüfung – Teil 1: Allgemeine Grundlagen

EN 583-1:1998
Zerstörungsfreie Prüfung – Ultraschallprüfung – Teil 1: Allgemeine Grundsätze

prEN 583-2:1997
Zerstörungsfreie Prüfung – Ultraschallprüfung – Teil 2: Empfindlichkeits- und Entfernungsjustierung

EN 583-3
Zerstörungsfreie Prüfung – Ultraschallprüfung – Teil 3: Durchschallungstechnik

EN 1593
Zerstörungsfreie Prüfung – Dichtheitsprüfung – Blasenprüfverfahren
Seite 5
EN 12799:2000

EN 1779
Zerstörungsfreie Prüfung – Dichtheitsprüfung – Kriterien zur Auswahl von Prüfmethoden und -verfahren

EN 12668-1
Zerstörungsfreie Prüfung – Charakterisierung und Verifizierung der Ultraschall-Prüfausrüstung – Teil 1: Prüfgeräte

prEN 12668-2:1998
Zerstörungsfreie Prüfung – Charakterisierung und Verifizierung der Ultraschall-Prüfausrüstung – Teil 2: Prüfköpfe

EN 12668-3
Zerstörungsfreie Prüfung – Charakterisierung und Verifizierung der Ultraschall-Prüfausrüstung – Teil 3: Komplette
Prüfausrüstung

prEN 13184:1998
Zerstörungsfreie Prüfung – Dichtheitsprüfung – Druckänderungsverfahren
prEN 13185:1998
Zerstörungsfreie Prüfung – Dichtheitsprüfung – Prüfgasverfahren

3 Allgemeine Grundsätze
Wenn Hartlötverbindungen zerstörungsfrei geprüft werden, können Unregelmäßigkeiten erkannt werden. Sie können
die Qualität und die Gebrauchseigenschaften der Verbindung oder der Hartlötkonstruktion herabsetzen.
Diese Europäische Norm gibt keinen Leitfaden zum Erkennen der Ursache der Unregelmäßigkeit oder ihres
Einflusses auf die Qualität der Verbindung oder die Auswirkungen einzelner bzw. mehrfacher Unregelmäßigkeiten
auf die Gebrauchseigenschaften der Hartlötkonstruktion. Dies ist abhängig von der Begrenzung der Einsatzdauer
infolge der Prozesse, denen die Verbindung unterworfen ist, und von den vereinbarten Anforderungen an die
Einsatzzeit und an das Betriebsverhalten der Hartlötkonstruktion.
Die Mehrzahl der Hartlötverbindungen wird als Überlappverbindungen der einzelnen Bauteile ausgeführt. Wegen des
Kapillareffektes einer Hartlötverbindung sind die meisten Unregelmäßigkeiten im Verbindungsbereich enthalten,
wobei die Hauptachsen parallel zur Verbindungsebene liegen. Alle anderen Unregelmäßigkeiten werden durch
Beanspruchungen im Hartlot oder im Grundwerkstoff hervorgerufen oder waren bereits vor dem Hartlöten
vorhanden. Ein Leitfaden für die Art der Unregelmäßigkeiten, die bei der Anwendung der zerstörungsfreien
Prüfungen beobachtet werden, ist schematisch in Anhang A wiedergegeben.
ANMERKUNG Die Bewertung der Toleranzen von typischen Unregelmäßigkeiten, die ein Grund für
Beanstandungen sind, die Art der Auswertung von Unregelmäßigkeiten und die Art der Darstellung von
Beobachtungen sind zu vereinbaren, bevor eine spezielle Prüfmethode ausgewählt wird.
Die Anwendung eines Verfahrens sollte stets in Abhängigkeit zur Gesamtprüfung gesehen werden. Die Vorteile der
Anwendung eines bestimmten Verfahrens können nur durch Berücksichtigung ihrer Ergebnissen in Verbindung mit
denen, die durch den Einsatz anderer Prüfverfahren erbracht wurden, erkannt werden. Das/die am besten
geeignete(n) Prüfverfahren sollte(n) ausgewählt werden.

4 Sichtprüfung
4.1 Allgemeines
Die einfache Sichtprüfung ist das grundlegendste und allgemein gebräuchlichste Verfahren der zerstörungsfreien
Prüfung. Die in diesem Abschnitt beschriebene Prüfung betrifft die Qualität der Verbindung und schließt
Überprüfung der Maße nicht ein.
In der Entwurfsphase müssen Festlegungen für eine geeignete Zugänglichkeit getroffen werden, um Sichtprüfungen
zu ermöglichen.
Vor jeder Sichtprüfung muß vereinbart werden, welche Verbindungen (und Kehlnahtverbindungen) für
Untersuchungen zugänglich sind. Eine mögliche Ausführung hinsichtlich der Zugänglichkeit für eine
zufriedenstellende Untersuchung, entweder direkt mit dem Auge oder durch Beobachtung mit einem Spiegel, ist in
Bild 1 dargestellt.

4.2 Prinzip
Die Hartlötverbindung und der angrenzende Grundwerkstoff werden visuell untersucht (mit und ohne Hilfsmittel), um
das Aussehen, die Fehlerfreiheit und die Konturen zu überprüfen.
Seite 6
EN 12799:2000

4.3 Qualifikation des Personals


Das Personal, das die Sichtprüfungen durchführt, muß:
a) über den verwendeten Hartlötprozeß und die möglichen Unregelmäßigkeiten informiert sein;
b) muß nach EN 473 : 1993, 6.3 (Sichtprüfung) geprüft sein;
c) Anweisungen für die besonderen Anforderungen nach 4.4 erhalten haben;
d) Anweisungen über allgemeine Anwendungsnormen erhalten haben.
Wenn Ausbildungsberichte aufbewahrt werden, müssen diese die Übereinstimmung mit den Punkten a) bis d)
bestätigen und einen Bericht der Aufsichtsperson darüber enthalten, daß ein zulässiger Kenntnisstand erreicht
worden ist. Die Sichtprüfung erfordert kein Personal mit zusätzlichen Qualifikationen zu den aufgeführten Punkten
a) bis d).

4.4 Spezielle Anforderungen für die Untersuchung


Folgendes muß vor der Untersuchung vereinbart werden:
a) die Fertigungsstufe, in der die Sichtprüfung auszuführen ist; dies sollte Überlegungen beinhalten, wie und ob
die Untersuchung im Fertigungsgang ausgeführt wird;
b) Anforderungen zur Oberflächenvorbereitung für die Prüfung;
ANMERKUNG 1 Bei flußmittelfreien Hartlötprozessen ist eine derartige Vorbereitung nicht üblich. Nach dem
Hartlöten werden Flußmittel und -rückstände normal entfernt (siehe 4.8).
c) Mindestwerte der entsprechenden Größe von Unregelmäßigkeiten;
ANMERKUNG 2 Der empfohlene Mindestwert der feststellbaren Größe der Unregelmäßigkeiten für die
Sichtprüfung beträgt 0,5 mm, wie es in 4.8 b) festgelegt ist, wenn nicht anderes vereinbart.
d) Umfang der Sichtprüfungen, wie in 4.7 festgelegt;
e) Abnahmebedingungen (siehe 4.8);
f) alle Anforderungen an eine schriftliche Anweisung zur Überprüfung;
g) Anforderungen an die Berichterstellung;
h) jegliche Hilfsmittel für die Sichtprüfung, zusätzlich zu den in 4.6 aufgeführten.

4.5 Bereitzustellende Informationen für die Sichtprüfung


Vor Beginn der Untersuchung muß für den Prüfer folgendes verfügbar sein:
a) alle in 4.4 geforderten Informationen;
b) eine schriftliche Anweisung zur Untersuchung, falls sie geeignet ist.

4.6 Überprüfungshilfen und -einrichtungen


Nachfolgendes ist wahrscheinlich zu fordern:
a) geeignete Beleuchtung;
b) ein Weitwinkelbetrachtungsgerät mit geringer Vergrößerung (fünffach), z. B. ein auf einer standardisierten
optischen Bank, das mit einem festmontierten Betrachtungsgerät ausgerüstet ist, so daß beide Hände
freigehalten werden können. Es kann auch mit einer eingebauten Beleuchtung versehen sein.
c) ein Vergleichsmeßgerät für den Mindestwert der entsprechenden Größe der Unregelmäßigkeiten, z. B.
entweder:
1) ein montierter Draht dieses Durchmessers, der neben der Unregelmäßigkeit gehalten wird und dessen
Ende zur leichteren Ausrichtung mit den Hauptachsen der Unregelmäßigkeit gebogen werden kann; oder

2) eine achtfach vergrößernde Lupe mit Maßraster.


d) ein kleiner ebener Spiegel, z. B. ein Dentalspiegel, für nur teilweise zugängliche Verbindungen;
e) ein Mittel zur örtlichen Beleuchtung von Schattenbereichen, z. B. Lichtwellenleiter;
Seite 7
EN 12799:2000

f) anerkannte Verfahren zum Markieren einzelner Verbindungen, falls in 4.9 aufgeführt sind, z. B. bestimmte
Typen wasserfester Filzstifte.

4.7 Umfang der Sichtprüfung an jedem Werkstück


Da viele Werkstücke einen Anteil von Kehlnähten haben, die entweder schwer zugänglich sind oder nur mit
besonderen Techniken untersucht werden können, muß der Umfang der Untersuchung für jedes Werkstück
festgelegt und vor der Untersuchung vereinbart werden. Er darf nicht dem Ermessen des Abnehmers überlassen
werden.
Die vereinbarten Untersuchungsstellen müssen anhand der Konstruktionszeichnung oder, in schwierigen Fällen,
anhand einer für diesen Zweck vorbereiteten Zeichnung dargestellt werden. Die Zeichnung muß auch die
Abnahmebedingungen festlegen oder sich darauf beziehen.

Legende
1 Achse
2 Betrachtungswinkel
Bild 1 - Zugänglichkeit für die Sichtprüfung: sichtbare Verbindungen innerhalb eines festgelegten
Winkels an der Verbindungsachse oder an der Ausgangsfläche
Seite 8
EN 12799:2000

Legende
1 Tiefe des Rückfalls, der unter 45° zur Achse
der Verbindung zu erkennen ist
Bild 2 - Zugänglichkeit für die Sichtprüfung: Kehlnahtrückfall, wenn Kehlnahtrückfälle zulässig sind
4.8 Abnahmerichtlinien
Die folgenden Punkte sollten beachtet werden:
a) Flußmittel und Flußmittelrückstände (wenn diese für den angewendeten Hartlötprozeß geeignet sind). Um eine
Untersuchung zu ermöglichen, sollte der Umfang der Entfernung von Flußmitteln und Flußmittelrückständen
festgelegt werden.
b) Mindestmaß der feststellbaren Größe von Unregelmäßigkeiten. Unregelmäßigkeiten deren größte Ausdehnung
kleiner ist als die vereinbarten Kleinstmaße, sind zu vernachlässigen. Es wird empfohlen, daß das feststellbare
Kleinstmaß der Unregelmäßigkeiten 0,5 mm beträgt.
ANMERKUNG Die Zulässigkeit zur betrieblichen Verwendung hartgelöteter Konstruktionen, an die noch
höheren Anforderungen an die Einsatzfähigkeit gestellt werden können, sollte durch zusätzliche Prüfungen
bestimmt werden, z. B. der Leckdichte.
c) Kontinuierliche Kehlnähte. Es sollte festgelegt werden, ob vollständige bzw. unvollständige Kehlnähte zulässig
sind. Wenn unvollständige Kehlnähte zulässig sind, sollte die Beschreibung so unmißverständlich wie möglich
sein, um etwaige Fehler zu vermeiden. Zum Beispiel ist die Formulierung "unvollständige Kehlnähte mit dem
größten Abstand von x mm aber nicht mehr als y mm" besser als "unvollständige Kehlnähte mit Spalten, die
20 % der Gesamtlänge nicht überschreiten".
d) Nichtvollständig gefüllte Kehlnähte. Nicht vollständig gefüllte Kehlnähte können die Folge von Hartlötspalten,
die an der oberen Grenze für den ausgeführten Hartlötprozeß liegen oder von einer unzureichenden Lotmenge,
sein. Es ist schwierig, die Tiefe bis zur Oberfläche des Lots abzuschätzen. Wenn es die Bedingung zuläßt, sollte
die in Bild 2 dargestellte Anordnung übernommen werden.
e) Überschuß an Zusatzwerkstoff. Wenn gefordert wird, daß der Zusatzwerkstoff nicht auf eine der
Hartlötverbindung benachbarte Oberfläche übergreift, ist dieser Bereich auf der Konstruktionszeichnung genau
anzugeben. Dies ist einerseits als Anhaltspunkt beim Auftragen von Lötstopmitteln während der Vorbereitung für
das Hartlöten und andererseits für Überprüfungszwecke notwendig.
Seite 9
EN 12799:2000

f) Oberflächenerosion. Bestimmte Prozesse, wie beim Hartlöten von Aluminium, können infolge Erosionen des
Grundwerkstoffes durch den Zusatzwerkstoff charakterisiert werden. Wenn sie geeignet sind, sollten zulässige
Abstufungen der Oberflächenerosion durch Bezug auf eine ständige Berichterstattung wie durch eine Skizze,
Fotos oder Muster festgelegt werden. Diese sollten die Vereinbarungen sowohl für die zulässigen als auch für
die unzulässigen Bedingungen erläutern.
g) Äußeres Erscheinungsbild der Hartlötkehlnähte. Wenn Anforderungen bestehen, die Abnahme zu überwachen,
sollte dies vor der Untersuchung vereinbart werden. Sie können die Entscheidungen bezüglich der Einzelheiten
und der Kosten des Hartlötprozesses beeinflussen. Eine dauerhafte Unterlage solcher Vereinbarungen, anhand
einer Skizze, von Fotos oder Beispiele ist erforderlich. Diese sollten sowohl die zulässigen als auch für die
unzulässigen Bedingungen enthalten.

4.9 Prüfverfahren
Die Hartlötverbindungen müssen nach einem detaillierten Prüfumfang (siehe 4.4 d)) und den detaillierten
Abnahmebedingungen (siehe 4.4 e)) geprüft werden.
Es muß berücksichtigt werden, daß durch den Gebrauch von Lupen mit geringer Vergrößerung die Überanstrengung
der Augen reduziert und die Produktivität verbessert werden. Auf einer optischen Bank montierte,
Weitwinkelbetrachtungsgeräte mit fünffacher Vergrößerung lassen beide Hände frei, um, wenn notwendig, die
Werkstücke so zu handhaben und zu bewegen, daß sich der beste Überblick über die Kehlnähte ergibt.
Eine Maßlehre zur Bestimmung der kleinsten Unregelmäßigkeit muß verwendet werden (siehe 4.6 c)). Das dient
dazu, um sicherzustellen, daß nicht die Sehschärfe des einzelnen Prüfers die erkennbare Mindestgröße bestimmt.
Lichtwellenleiter oder andere geeignete Mittel müssen benutzt werden, um im Schatten liegende Verbindungen zu
beleuchten.
Ein geeignetes Mittel muß sowohl für die Trennung von nicht untersuchten und untersuchten als auch von
zulässigen und unzulässigen Werkstücken bereitgestellt werden.
Für Werkstücke, die viele zu untersuchende Verbindungen aufweisen, muß ein geeigneter Plan zur
Untersuchungsmethodik verwendet werden.
ANMERKUNG Es wird empfohlen, die Verbindungen so zu markieren, daß die untersuchten von denjenigen,
die es noch nicht sind, zu unterscheiden sind und, daß darüber hinaus die einzelnen Verbindungen, die als
fehlerhaft befunden wurden, gekennzeichnet werden. Es werden Filzstifte empfohlen, deren
Zusammensetzung nicht schädlich für das Werkstück ist. Sie können grün für zulässige und rot für
unzulässige Verbindungen sein.

4.10 Prüfergebnisse und Prüfbericht


Berichte über den Umfang der Untersuchungen, der Abnahmebedingungen und der Ergebnis müssen aufbewahrt
werden. Wenn vereinbart wurde, daß ein Prüfbericht getrennt von anderen Berichten erforderlich ist, werden die
folgenden Mindestangaben empfohlen:
a) Name der Organisationen, die die Sichtprüfung durchführen;
b) Bezeichnung des Arbeitsplatzes und/oder Zeichnungsnummer;
c) eindeutige Kennzeichnungsnummer der Charge der Teile, zu der der Prüfbericht gehört;
d) Umfang der Überprüfung;
e) angewandte Abnahmebedingungen;
ANMERKUNG In Fällen, in denen die in den Punkten d) und e) aufgeführten Informationen in einer
schriftlichen Verfahrensanweisung niedergelegt sind, genügt es, die Bezugs- und Ausgabenummer
anzugeben. Alternativ dazu kann auf eine Zeichnung verwiesen werden, vorausgesetzt, daß diese
genügend spezifische Informationen zum Überprüfen liefert.
f) untersuchte Gesamtmenge der Teileinheit und die vergebene Nummer;
g) Name und Unterschrift des Abnehmers;
h) Datum der Überprüfung.
Seite 10
EN 12799:2000

5 Ultraschallprüfung
5.1 Allgemeines
Dieser Abschnitt beschreibt die Ultraschallprüfung von Hartlötverbindungen mit dem Impuls-Echo-Verfahren; es
können auch andere Techniken als das Impuls-Echo-Verfahren für Lötverbindungen angewendet, besonders die
Durchschallungstechnik, wie sie in EN 583-3 beschrieben ist.
Allgemeine, die Ultraschallprüfung betreffende Anforderungen sind in EN 583-1 enthalten.
Die am häufigsten auftretenden Unregelmäßigkeiten in einer Hartlötverbindung, die durch Ultraschallprüfungen
festgestellt werden können, sind:
a) unvollständiger Fluß in die Kapillarspalte;
b) große Poren oder Flußmitteleinschlüsse;
c) Längsrisse;
d) kleine Poren;
e) unvollständiges Benetzen der Oberflächen der Grundwerkstoffe;
f) Querrisse.

5.2 Prinzip
Die Untersuchungen werden meistens mit dem Impuls-Echo-Verfahren, so wie es in Bild 3 dargestellt ist,
durchgeführt, wobei das Ultraschallbündel senkrecht zur Verbindung einwirkt.
Bei einer fehlerfreien Verbindung wird eine relativ geringe Ultraschallenergie von der Verbindungsgrenze reflektiert,
und wenn die Geometrie der Verbindung in Ordnung ist, wird ein hohes Rückwandecho erzeugt. Wenn die
Hartlötung unzureichend ist, wird ein hohes Signal von der Verbindungsgrenze empfangen, das von einer
Schwächung oder einem vollständigen Verlust des Rückwandechos begleitet ist.
Wenn die Gestaltung der Verbindung den Einsatz eines Senkrechtprüfkopfes nicht zuläßt, können, wie es in Bild 4
dargestellt ist, zwei Winkelprüfköpfe, die als Sender und Empfänger getrennt arbeiten, verwendet werden.
Für das Abtasten senkrecht zur Verbindungsfläche sind die Reflexionseigenschaften der unter 5.1 aufgelisteten
Unregelmäßigkeiten in Tabelle 1 zusammengefaßt.
Bei einer fehlerfreien Verbindung kann die Amplitude des reflektierten Signals ungefähr berechnet werden; besser

,,,,
ist es jedoch, sie experimentell anhand einer bekannten Verbindung zu bestimmen, die frei von Unregelmäßigkeiten
des zu untersuchenden Typs ist.

,,,,,,, 1

,,,,,
,,
,,
,,
3

,,,,
2

,,,,
4
a) Signal bei guter Bindung
Seite 11

,,,,
EN 12799:2000

,,,,,,, 1

,,,,,,,
,,,,
,,,,
2
5

Legende
1 Koppelmittel
2 Prüfkopf
3 Rückwandecho
,,,, 4

4 Grundwerkstoff
5 kein Rückwandecho
b) Signal bei schlechter Bindung
Bild 3 - Senkrechteinschallung
Seite 12
EN 12799:2000

,,,,,,,
1

,,,,,,,
2

,,,,,,,
,,,,,,,
3 4

5
7
6

,,,,,,, a) Doppelprüfkopf

1,,,,,,, 8

3 4

,,,,,,,
,,,,,,,
b) Signal bei fehlender Bindung

8
1

3 4

Legende
1 Grundwerkstoff
2 Lötfläche
3 Empfänger
4 Sender
5 Rohr
6 Prüfkopfhalter, innerer Prüfkopf
7 Prüfkopfführung
8 Hartlötverbindung
c) Signal bei Bindung
Bild 4 - Schrägeinschallung
Seite 13
EN 12799:2000

Tabelle 1 - Reflexionseigenschaften von Hartlötverbindungen

Art der Unregelmäßigkeit Reflexionseigenschaften


a) unvollständiger Fluß Vollständige Reflexion, wenn die Fläche der
b) große Poren/Einschlüsse Unregelmäßigkeit diejenige des Ultraschallbündels
c) Längsrisse überschreitet.
d) Mikroporen Teilreflexion, abhängig von der Dichte der Porosität
e) unvollständiges Benetzen oder vom Benetzungsgrad.
f) Querrisse Eigenschaften, wie bei fehlerfreien Verbindungen
ANMERKUNG Üblicherweise wird diese
Unregelmäßigkeit nur durch Abtasten unter einem
schrägen Winkel festgestellt.
fehlerfreie Verbindung Niedriger Reflexionsgrad, abhängig von den Unter-
schieden der akustischen Eigenschaften der hart-
gelöteten Werkstoffe und der Hartlotzusatzwerkstoffe.

5.3 Spezielle Anforderungen für die Prüfung


Folgendes muß vor jeder Prüfung vereinbart werden:
a) Qualifikation des Personals;
b) Fertigungsstufe, bei der die Prüfung durchzuführen ist;
c) alle Anforderungen an die Oberflächenvorbereitung;
d) Methode zur Festlegung der Prüfempfindlichkeit;
e) Beurteilungsgrad;
f) Abnahme-/Berichtsebenen;
g) alle Anforderungen an eine schriftliche Prüfanweisung;
h) Anforderungen zum Prüfbericht.

5.4 Für den Prüfer beizustellende Informationen


Vor Beginn jeder Prüfung müssen für den Prüfer die folgenden Informationen verfügbar sein:
a) alle in 5.3 enthaltenen Informationen;
b) schriftliche Prüfanweisungen, wenn geeignet;
c) Bezugsnummer der zu untersuchenden Verbindung;
d) Lage der zu untersuchenden Verbindung, falls diese in einem komplexen Bauteil liegt;
e) Vorbereitung der Verbindung, einschließlich einer Skizze (Zeichnung) der Verbindungsgestaltung;
f) Anleitung bezüglich der Lage und Art möglicher Unregelmäßigkeiten;
g) Vorschriften für die Wiederholungsprüfungen.

5.5 Einrichtungen
5.5.1 Allgemeines
Das Ultraschallgerät und der Prüfkopf/die Prüfköpfe müssen den Anforderungen der EN 12668-1 bzw.
prEN 12668-2:1998 entsprechen. Sie müssen ebenfalls die Anforderungen an die Durchführung der Nachprüfung
nach EN 12668-3 erfüllen.
Seite 14
EN 12799:2000

5.5.2 Ankoppeln
Die Ankopplung des Prüfkopfes an die Oberfläche des zu untersuchenden Teils muß entweder durch Eintauchen
der Hartlötverbindung in eine Flüssigkeit (z. B. Wasser) oder durch Auftragen einer Paste oder eines ähnlichen für
diesen Zweck geeigneten Mediums aufrechterhalten werden. Diese müssen mit dem zu prüfenden Werkstoff
verträglich sein und dürfen den möglichen Einsatz der Hartlötkonstruktion nicht beeinträchtigen, falls die Rückstände
bei Beendigung der Prüfung nicht vollständig entfernt werden.
Wenn erforderlich, muß der Prüfkopf bearbeitet werden, um die Form dem zu prüfenden Objekt anzupassen.

5.5.3 Auswahl des Prüfkopfes


Die Wahl des Prüfkopfes hängt von einer Reihe Faktoren ab, nämlich der Gestaltung der Verbindung, der Dicke des
zu durchdringenden Werkstoffes und die Abschwächung des Ultraschalls sowie insbesondere der an der
Verbindungsgrenze geforderten Auflösung, die von der Art der festzustellenden und zu beurteilenden Mindestgröße
der Unregelmäßigkeit abhängt. Eine hohe Auflösung wird durch höhere Frequenzen, kleine Prüfköpfe und/oder
Fokussierung des Schallbündels erreicht.
Die Prüffrequenz wird normalerweise innerhalb eines Bereiches von 1 MHz bis 10 MHz liegen, höhere Frequenzen
können jedoch bei besonderen Anwendungen eingesetzt werden, z. B. bei dünnen Bauteilen, bei denen eine sehr
genaue Festlegung für alle nicht hartzulötenden Bereiche erforderlich ist, um einen möglichen Leckpfad durch die
Verbindung zu beurteilen.
Allgemeine Richtlinien zur Wahl des Prüfkopfes sind in 6.2 der EN 583-1: 1998 enthalten.

5.6 Vorbereitung für die Prüfungen


5.6.1 Vorbereitung der Prüfoberfläche
Der Zustand der Oberfläche des Prüfstücks muß so beschaffen sein, daß eine zufriedenstellende Ankopplung
zwischen Prüfkopf und Oberfläche aufrechterhalten werden kann. Die Oberflächenrauhigkeit aller Oberflächen, auf
denen das Abtasten durchgeführt wird, darf eine Rauhigkeit von Ra = 6,3 µm nicht überschreiten.
Wenn festgelegt, muß die zu prüfende Oberfläche soweit wie nötig durch Schleifen oder ein anderes vereinbartes
Verfahren behandelt werden, so daß keine irreführenden Oberflächensignale auftreten (siehe 5.3 c)).

5.6.2 Untersuchung des Grundwerkstoffes


Unabhängig davon, ob die Grundwerkstoffe vor dem Hartlöten mittels Ultraschall geprüft worden sind oder nicht,
muß eine Prüfung nach dem Hartlöten durchgeführt werden, um die Qualität des Grundwerkstoffes nachzuweisen
und um auch solche Unregelmäßigkeiten zu erfassen, durch die das Ultraschallbündel während der Prüfung der
Hartlötverbindung möglicherweise hindurchgeht.
5.6.3 Kalibrierung und Empfindlichkeitseinstellung
Die zeitlich festgelegte Kalibrierung und die Einstellung der Empfindlichkeit müssen jeweils gemäß einem
geeigneten, in prEN 583-2:1997 (siehe 5.3 d)) festgelegten Verfahren durchgeführt werden.
Die während der Prüfung gewählte Abtastempfindlichkeit und der Beurteilungsgrad müssen an einem
Vergleichskörper bestimmt werden, der dem zu untersuchenden hartgelöteten Objekt ähnlich ist. Er muß entweder
natürliche Unregelmäßigkeiten einer vereinbarten Größe und Lage oder maschinell erzeugte gleichartige
Unregelmäßigkeiten enthalten. In jedem Fall müssen die geforderte Abtastempfindlichkeit und der Beurteilungsgrad
in 5.3 e) festgelegt werden.
Wenn die Prüfung zu einer anderen als der Umgebungstemperatur, durchgeführt wird, müssen die zeitlich
festgelegte Kalibrierung und die Einstellung der Empfindlichkeit bei dieser Temperatur erfolgen.

5.7 Prüfungen
5.7.1 Abtastlinienschritte
Das Abtasten kann entweder manuell oder automatisch ausgeführt werden und muß entweder den gesamten
Bereich der Verbindung oder den Teil, der in dem (den) Bezugsdokument(en) festgelegt ist, abdecken.
Gemessen von der Verbindungsgrenzlinie darf der Abstand zwischen den Abtastungen den Wert von 6 dB bezogen
auf die Weite des Schallbündels am Prüfkopf nicht überschreiten.
Seite 15
EN 12799:2000

5.7.2 Abtastgeschwindigkeit
Für die manuelle Prüfung gilt, daß bei der Abtastgeschwindigkeit die Fähigkeit des Prüfers berücksichtigt werden
muß, die Signale für die Unregelmäßigkeiten zu erkennen und aufzuzeichnen. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit
wird vermindert, wenn die Größe der Unregelmäßigkeiten, deren Ermittlung gefordert wird, kleiner ist.
Die Abtastgeschwindigkeit ist für die automatische Prüfung höher als für die manuelle, sie wird jedoch begrenzt
durch die Impulsfrequenz und die Eignung des Gerätes und des Aufzeichnungssystems, auf kurze Ultraschallsignale
zu reagieren. Weitere Anleitungen werden in 9.2.2 der EN 583-1 : 1998 gegeben.

5.7.3 Beurteilung von Anzeigen


Die bei der Prüfung entweder durch manuelle oder automatische Aufzeichnung der von offensichtlichen
Schadensbereichen erhaltenen Werte, müssen als Teil des Ergebnisberichtes zusammen mit den an dem/den
Vergleichskörper(n) erzielten Ergebnissen, dargestellt werden.
Die Auswirkungen von einzelnen und mehrfachen Unregelmäßigkeiten auf den gesamten Verbindungsbereich und
auf die Eigenschaften wie die vollständige Lecksperre (falls dies ein kritischer Punkt der Vorschrift ist) müssen
beachtet und aufgezeichnet werden.

5.8 Prüfverfahren
Wenn eine schriftliche Verfahrensanweisung vorgeschrieben ist, muß sie die Anforderungen in Abschnitt 11 der
EN 583-1: 1998 erfüllen.

5.9 Prüfergebnisse und Prüfbericht


Aufzeichnungen über den Umfang der Untersuchungen, der Abnahmebedingungen und der Ergebnisse müssen
aufbewahrt werden. Wenn vereinbart wurde, daß ein Prüfbericht getrennt von anderen Aufzeichnungen gefordert
wird, werden die folgenden Mindestangaben empfohlen:
a) Namen der Organisationen, die die Ultraschallprüfungen durchführen;
b) vollständige Kennzeichnung der zu untersuchenden Verbindung, einschließlich der Vertrags- und der
Teile-Nummern, Lage der Verbindung in dem hartgelöteten Bauteil, wenn geeignet;
c) Herstellungsstufe und Zustand der zu untersuchenden Verbindung (z. B. unmittelbar nach dem Hartlöten oder
nach der Wärmebehandlung);
d) Bezug auf die anwendbaren Vertragsdokumente (z. B. Produktnorm);
e) Bezug auf die schriftliche Prüfverfahrensanweisung, falls geeignet;
f) Kennzeichnung der verwendeten Ausrüstung (Art und Seriennummer des Ultraschallgerätes und Art des/der
Prüfkopfes/(köpfe);
g) Prüfempfindlichkeit und Ultraschallreaktion vom/von festgelegten Vergleichskörper(n);
h) jede Abweichung vom festgelegten Verfahren oder jede Information, die die Prüfergebnisse beeinflussen
können (z. B. Temperatur beim Ankoppeln oder Umgebungsbedingungen);
i) angewandte Abnahmebedingungen;
j) ermittelte Ergebnisse (Größe der Unregelmäßigkeiten, Lage und Art) und Beurteilung der Ergebnisse;
k) Name und Unterschrift des Abnehmers;
l) Datum der Überprüfung.
Seite 16
EN 12799:2000

6 Durchstrahlungsprüfung
6.1 Allgemeines
Durchstrahlen ist ein zerstörungsfreies Prüfverfahren, das die eindringende Strahlung nutzt, um Unregelmäßigkeiten
in Hartlötverbindungen aufzufinden und kritische innere Unregelmäßigkeiten zu erkennen. Die Beurteilung über die
Bedeutung solcher Unregelmäßigkeiten ist für jeden Einsatz durch den Anwender festzulegen. Die Intensität der
Durchdringung wird bei ihrem Durchgang durch den Werkstoff durch die Unregelmäßigkeiten im Werkstoff verändert.
Bei Verfahren unter Nutzung eines Filmes wird durch die Strahlen eine photographische Emulsion beeinflußt und
das Vorhandensein von Unregelmäßigkeiten oder Bereichen ohne Bindung durch die unterschiedliche Schwärzung
auf dem entwickelten Film erkannt. Bei der Prüfung von Hartlötverbindungen durch diese Technik wird die
Empfindlichkeit des Verfahrens durch die Zusammensetzung des Hartlötzusatzwerkstoffes beeinflußt. In Fällen, in
denen Hartlötverbindungen mittels dieser Technik untersucht werden, wird die Empfindlichkeit dieses Verfahrens
durch die Zusammensetzung des Hartlötzusatzwerkstoffes beeinflußt. Wenn der Absorptionskoeffizient des
Zusatzwerkstoffes nur geringfügig höher als der des Grundwerkstoffes ist, z. B. wenn Nickelbasis-Zusatzwerkstoffe
zum Verbinden von Bauteilen aus nichtrostendem Stahl verwendet werden, bereitet für alle praktischen Zwecke der
Einsatz der Durchstrahlungsverfahren zur Prüfung von Kapillarverbindungen mit geringem Spalt beträchtliche
Schwierigkeiten. Wenn jedoch die Zusatzwerkstoffe eine unterschiedliche Absorption gegenüber dem verwendeten
Grundwerkstoff zeigen, sind die Durchstrahlungstechniken zur Prüfung von Hartlötverbindungen in Abhängigkeit von
den relativen Dicken des Zusatzwerkstoffes und der Grundwerkstoffe möglich.
Verfahren zum Durchstrahlen ohne Film werden derzeit zügig entwickelt, sie sollten jedoch mit der nötigen Vorsicht
angewendet werden. Eine reproduzierbare Empfindlichkeit kann nur schwer erreicht werden.
Die Gestaltung des hartgelöteten Prüfstücks oder von hartgelöteten Konstruktionen hat ebenfalls eine große
Bedeutung. Bevor die Technik vorgeschrieben wird, sollte der Rat von Experten eingeholt werden.
Dem Prüfer sollte eine Anleitung für das optische Erkennen typischer Unregelmäßigkeiten, die wahrscheinlich auf
dem Röntgenbild zu sehen sind, gegeben werden. Diese muß das Verfahren zur Beurteilung von
Unregelmäßigkeiten, wie vereinzelte und mehrfache Porosität aufzeigen. Die optische Anleitung muß in ähnlicher
Form, wie sie im Anhang A dargestellt ist, erfolgen. Falls der gesamte Bereich der Porosität von großer Bedeutung
ist, muß er durch die Anwendung eines Maßrastergerätes oder einiger anderer automatischer Verfahren zur
Beurteilung des Bereiches der Porosität ins Verhältnis zu der Gesamtfläche der Hartlötverbindung gesetzt werden.

6.2 Prinzip
Das Prinzip der Prüfung ist die Untersuchung der Hartlötverbindung mit dem Ziel, Unregelmäßigkeiten zu
lokalisieren, deren Größe und Lage zu bestimmen und eine zweidimensionale Aufnahme dieser Information
herzustellen.

6.3 Prüfverfahren
Die Durchstrahlungsprüfung ist nach einer der in EN 444 beschriebenen Techniken durchzuführen.

6.4 Prüfergebnisse und Prüfbericht


Der Prüfbericht muß mit EN 444 übereinstimmen.

7 Eindringprüfung
7.1 Allgemeines
Die Eindringprüfung kann bei Hartlötverbindungen angewendet werden und wird genutzt, um Unregelmäßigkeiten,
die zur Oberfläche offen sind, wie Porosität, unvollständige Füllung und mangelnde Benetzung zu lokalisieren.
Durch die Eindringmittel wird eine Unregelmäßigkeit in einem weit größeren Umfang als durch die Sichtprüfung
eingegrenzt, damit kann das Verfahren in der Fertigung eingesetzt werden, um die Zuverlässigkeit der Untersuchung
zu verbessern.
EN 571-1 beschreibt die Verfahren und Techniken für die Eindringprüfung in Werkstoffen. Wenn die Verträglichkeit
der eindringenden Mittel mit den zu prüfenden Teilen zu berücksichtigen ist, sollte beachtet werden, daß es
besonders bei untereinander verbundenen Porositäten schwierig oder unmöglich sein kann, sie vollständig zu
entfernen. Wenn ein wiederholtes Hartlöten mißlungener Konstruktionen nicht verboten ist, sollte diese Technik nur
dann angewendet werden, wenn eine vollständige Entfernung der Eindringmittel erreicht werden kann, weil sonst
das vorhandene Eindringmittel das Aufschmelzen des Zusatzwerkstoffs wahrscheinlich behindert.
Seite 17
EN 12799:2000

7.2 Prinzip
Die Prüfung wird auf einer sauberen und trockenen Oberfläche durchgeführt. Ein geeignetes Eindringmittel wird auf
den Prüfbereich aufgetragen und dringt in die zur Oberfläche offenen Unregelmäßigkeiten ein.
Nachdem eine angemessene Eindringzeit abgelaufen ist, wird das überschüssige Eindringmittel von der Oberfläche,
z. B. durch Abwischen mit einem Tuch, das mit einem Lösungsmittel getränkt ist, entfernt. Der Entwickler wird
danach aufgetragen. Das in den Unregelmäßigkeiten verbleibende Eindringmittel fließt aus, wird durch den
Entwickler verfärbt und ergibt damit einen deutlich sichtbaren Nachweis über die Unregelmäßigkeit.
Die Eindringmittel können fluoreszierend oder kontrastfarben sein. Mittel zum Entfernen des überschüssigen
Eindringmittels und Entwickler sind in großer Vielzahl verfügbar. Wenn die Prüfung nach EN 571-1 durchgeführt
wird, müssen das Eindringmittel und die Mittel zum Entfernen des überschüssigen Eindringmittels von demselben
Hersteller sein.

7.3 Vorbereitung
Die Hartlötkonstruktionen oder -objekte müssen entsprechend der geforderten Prüfanweisung vorbereitet werden.
Jegliche Flußmittelrückstände oder Abdeckteile (-massen) in der Nähe der Hartlötverbindung müssen vollständig
entfernt werden.
Die notwendige Bearbeitung der Oberfläche, muß vor der Prüfung vereinbart werden. Wenn die Oberfläche zu
bearbeiten ist, muß sichergestellt sein, daß dieser Vorgang keine tiefer liegenden Unregelmäßigkeiten verdeckt.
ANMERKUNG Die Oberfläche einer Kehlnaht unmittelbar nach dem Hartlöten kann Unregelmäßigkeiten,
hervorgerufen durch Schrumpfung, aufweisen, die das Eindringmittel zurückhalten können. Der Grad der
Unregelmäßigkeit variiert in Abhängigkeit von Faktoren, wie Zusatzwerkstoff und Abkühlungsrate. Die
Wahrscheinlichkeit, ob das Eindringmittel zurückgehalten wird, ist bei der Festlegung der Abnahme-
bedingungen zu berücksichtigen.

7.4 Prüfverfahren
7.4.1 Die Prüfung muß durchgeführt werden entweder nach:
a) EN 571-1 oder
b) andere festgelegte Prüfungen.

7.4.2 Beim Festlegen des Verfahrens muß berücksichtigt werden, welche Oberflächen der Hartlötverbindung zu
untersuchen sind und welchen Einfluß die Eindringmittel, der Entferner und der Entwickler auf diese Oberflächen hat.
ANMERKUNG Viele Hartlötkonstruktionen sind komplexe Strukturen und können oftmals nur von einer Seite
der Verbindung direkt beurteilt werden.

7.4.3 Es muß auch berücksichtigt werden, ob eine Betrachtung der Verbindungsoberfläche möglich ist,
insbesondere dann, wenn ein fluoreszierendes Eindringmittel verwendet wird, das den Einsatz von UV-Strahlen
erfordert. Abschnitt 4 dieser Europäischen Norm enthält Einzelheiten hinsichtlich der Sichtprüfung von
Hartlötverbindungen.

7.5 Sicherheitsvorkehrungen
Die Sicherheitsanforderungen nach EN 571-1 müssen besonders beachtet werden.
7.6 Prüfergebnisse und Prüfbericht
Der Prüfbericht muß mit EN 571-1 übereinstimmen.

8 Dichtheitsprüfung
8.1 Allgemeines
Dichtheitsprüfungen können durchgeführt werden, um entweder die absolute Leckrate eines Objekts bzw. einer
Hartlötverbindung oder die spezifische Lage einer undichten Stelle an einer vorliegenden Verbindung festzustellen.
Dichtheitsprüfungen können vorgenommen werden, um die Leckrate, die in Pascal multipliziert mit Kubikmetern pro
Sekunde (Pa⋅m3/s) angegeben wird, zu quantifizieren bzw. zu messen.
Seite 18
EN 12799:2000

8.2 Prinzip
Es gibt zwei Grundformen der Dichtheitsprüfung:
a) Nachweis einer Gasströmung aus einem Objekt durch die Hartlötverbindung (Druckprüfung);
b) Nachweis einer Gasströmung in ein Objekt durch die Hartlötverbindung (Vakuumprüfung).
Wenn die Leckrate durch die Hartlötverbindung hindurch zu messen ist, kann dies besser mit einer höheren
Empfindlichkeit durch das Vakuumverfahren als durch das Druckprüfungsverfahren, z. B. der Blasenprüfung,
durchgeführt werden. Bei Verwendung von Helium als Spurengas und einem Massenspektrometer zur Leckanzeige
beträgt die minimale feststellbare Undichtheit beim Vakuumverfahren 10-10 Pa⋅m3/s. Bei der Blasenprüfung, bei der
die Verbindung unter Druck gesetzt und untergetaucht oder mit einer geeigneten oberflächenaktiven Substanz
bedeckt wird, beträgt die minimale feststellbare Undichtheit 10-1 Pa⋅m3/s.

Dichtheitsprüfungen können zu vorgeschriebenen Zeitpunkten während der Fertigung durchgeführt werden, d. h. bei
Teilkonstruktionen vor der letzten Hartlötung zur Vervollständigung des Bauteils. Die Prüfungen können auch in der
letzten Abnahmephase erfolgen.

8.3 Vorbereitung
8.3.1 Die Hartlötkonstruktion oder -objekt müssen, wie in den entsprechenden Prüfanweisungen gefordert wird,
vorbereitet werden.

8.3.2 Bei der Vakuumprüfung müssen alle flüchtigen Bestandteile vor dem Evakuieren entfernt werden.
ANMERKUNG 1 Poröse Verbindungen und Werkstoffe können einen höheren Anteil von falschen
Leckanzeigen ergeben.
ANMERKUNG 2 Um die Reinigung zu beschleunigen, kann das vorzubereitende Bauteil auf eine geeignete
Temperatur vorgewärmt werden.
Es muß darauf geachtet werden, daß Feuchtigkeitskontakte in dem Prüfbereich verhindert werden, da diese kleine
Undichtigkeiten verdecken können. Das Bauteil muß leckdicht an die Prüfvorrichtung angeschlossen sein.

8.4 Prüfverfahren
8.4.1 Die Prüfung muß wie folgt durchgeführt werden:
ANMERKUNG Eine Anleitung zur Auswahl des Verfahrens ist in EN 1779 beschrieben.
a) Blasenprüfverfahren: nach EN 1593;
b) Prüfgasverfahren: nach prEN 13185:1998;
c) Druckänderungsverfahren: nach prEN 13184:1998.

8.4.2 Spezifische Einzelheiten der Prüfung müssen vor der Auswahl der Prüfung vereinbart werden. Im Einzelnen
muß die Prüftemperatur festgelegt werden, wenn sie nicht für das Verfahren vorgeschrieben ist.

8.5 Sicherheits- und Umweltfaktoren


8.5.1 Allgemeines
Sowohl bei der Vakuumprüfung als auch bei der Druckprüfung muß das Bauteil dem Druckunterschied standhalten
und darf nicht verformt werden, sonst könnten Verletzungen an Personen und Zerstörungen von Anlagen verursacht
werden. Es sollte der Rat von Experten und, wenn gefordert, die Erlaubnis zuständiger Behörden eingeholt werden.
Viele Massenspektrometer für die Dichtheitsprüfung enthalten mit Flüssig-Stickstoff gekühlte Fangvorrichtungen.
Wenn eine Erwärmung dieser Fangvorrichtungen zulässig ist, sind Drücke erzeugbar, die weit über dem
atmosphärischen Druck liegen und mechanische Fehler verursachen können. Zulässige Belüftungsverfahren müssen
deshalb eingesetzt werden.
Es ist darauf zu achten, daß unbedingt alle entsprechenden nationalen Gesetzesvorschriften, die für diese
Prüfungsart gelten, erfüllt werden.
Seite 19
EN 12799:2000

8.5.2 Gefährliche Werkstoffe


Da das zu untersuchende Bauteil gefährliche Stoffe enthalten kann, muß dies berücksichtigt werden und Messungen
zu Beginn der Prüfung durchgeführt werden, um einem Entweichen dieser gefährlichen Stoffe vorzubeugen. Ferner
müssen auch die Eigenschaften des Prüfgases beachtet werden, z. B.:
a) Ammoniak ist ein giftiges, entflammbares Gas, welches in der Anwesenheit von Feuchtigkeit korrosiv wirken
kann;
b) Halogen enthaltende Gase verursachen große Schäden in der oberen Atmosphäre;
c) die meisten Gase, einschließlich inerter Gase wie Helium und Stickstoff, können zur Erstickung führen.
Alle Gase müssen mit Vorsicht behandelt werden. Wenn Ammoniak verwendet wird, müssen eine
Adsorptionsbehandlung und eine nachfolgende Neutralisation durchgeführt werden.

8.5.3 Elektrische Gefahren


Weil in vielen Vakuumkomponenten hohe elektrische Spannungen verwendet werden, einschließlich
Gesamtdruckmeßgeräte und Massenspektrometern, müssen stets Vorkehrungen für die elektrische Sicherheit
getroffen werden. Für alle elektrischen Komponenten oder Teile des Systems, die eine Entladung verursachen
könnten, müssen geeignete Erdungen vorhanden sein.

8.6 Prüfergebnisse und Prüfbericht


Die Prüfergebnisse und der Prüfbericht müssen folgendes beinhalten:
a) Name der Organisationen, die die Dichtheitsprüfungen durchführen;
b) Bezug, z. B. Auftragsnummer, Teilnummer, Lage der Lötverbindung, wenn geeignet;
c) Ort der Prüfung;
d) spezifische Einzelheiten für die jeweilige Prüfung;
e) Prüfbedingungen, einschließlich Umgebungstemperatur sowie alle anderen aufeinander einwirkenden
Faktoren;
f) angewandte Abnahmebedingungen;
g) aufgezeichnete Beobachtungen des Prüfers;
h) Name und Unterschrift des Abnehmers;
i) Datum der Überprüfung.

9 Überdruckprüfung
9.1 Allgemeines
Die Überdruckprüfung ist ein Prüfverfahren, das die Hartlötkonstruktion Belastungen unterwirft, die höher sind als
jene, denen die Konstruktion im späteren Einsatz ausgesetzt ist, aber keine dauernde Verformung bewirken. Die
Höhe der Belastungen sollte unter Berücksichtigung aller notwendigen Konstruktionsanforderungen und den
geeigneten Richtlinien festgelegt werden. In einigen Fällen können repräsentative Proben aus der Fertigung des
Herstellers durch dieses Verfahren geprüft werden. Bei kritischen Anwendungen können sämtliche hartgelöteten
Konstruktionen durch dieses Verfahren geprüft werden. Zur Prüfung der Bearbeitungsgüte und zur Qualitätskontrolle
des Herstellungsprozesses sollte im allgemeinen die Hartlötkonstruktion als Prüfstück verwendet werden. Zu
beachten ist, daß es notwendig ist, alle entsprechenden Sicherheitsregeln zu beachten.
ANMERKUNG 1 Die Häufigkeit der Prüfung, die Prüfmethode und die Höhe der Prüflast sollten vor jeder
Prüfung vereinbart werden.
ANMERKUNG 2 Die angewandte Belastung kann statisch oder dynamisch sein. Die Prüftemperatur kann die
Raumtemperatur oder eine andere vereinbarte Temperatur sein.
ANMERKUNG 3 Wenn die Hartlötkonstruktion der Prüfung widersteht, handelt es sich um eine
zerstörungsfreie Prüfung. Wenn die Hartlötkonstruktion nicht widersteht, handelt es sich um eine zerstörende
Prüfung.
Es ist gängige Praxis, die Prüfergebnisse unter Berücksichtigung aller Konstruktionsanforderungen und den
geeigneten Richtlinien auszuwerten, falls sie geeignet sind.
Seite 20
EN 12799:2000

ANMERKUNG 4 Für einige Anwendungen kann eine unabhängige Stelle oder eine Überwachungs-
organisation herangezogen werden, die die Prüfergebnisse bewertet und die Auslegung bestätigt.

9.2 Prinzip
Das Prinzip der Prüfung ist es, die konstruktive Auslegung zu bestätigen, die Qualität der zur Herstellung der
Hartlötkonstruktion verwendeten Werkstoffe zu prüfen sowie die Eignung der Hartlötkonstruktion den Prozessen zu
widerstehen, denen sie während ihrer Lebensdauer unterworfen ist und diese einschränken.
ANMERKUNG Die Überdruckprüfung sollte das letzte Verfahren nach der endgültigen Wärmebehandlung,
dem Reinigen und anderen abschließenden Prozessen, die wahrscheinlich das Prüfergebnis beeinflussen,
sein.

9.3 Vorbereitung des Prüfstücks


Zur Prüfung der konstruktiven Auslegung und der Erfüllung der Anforderungen, muß das Prüfstück eine Hartlöt-
verbindung mit einer ähnlichen Gestalt wie die Hartlötverbindung der Hartlötkonstruktion haben. Dieses muß
nötigenfalls geändert werden, damit es in der Prüfanlage untergebracht werden kann. Die Änderung darf in keiner
Weise das Prüfergebnis beeinflussen.

9.4 Prüfverfahren
9.4.1 Die Prüfung muß mit Prüfverfahren durchgeführt werden, die am besten für die Form des Prüfstücks geeignet
sind. Teile, die hergestellt worden sind, um eine Anwendungsnorm zu erfüllen, müssen den Anforderungen dieser
Anwendungsnorm genügen.
Die festgelegte Belastung muß bei einer der folgenden Anforderungen angewendet werden:
a) Zug- oder Druckbelastung;
b) hydrostatische Prüfung;
c) pneumatische Prüfung;
d) Schleuderprüfung;
e) Wärmestoß oder Temperaturwechsel;
f) andere Verfahren, die von den Vertragspartnern vereinbart wurden.
ANMERKUNG Die typische Zugbelastung ist bei der Überdruckprüfung 20 % höher als die höchste
Belastung, die während der Einsatzzeit auf die Hartlötkonstruktion aufgebracht wird.

9.4.2 Die Bestimmung der Abmessungen und die Maßänderungen der Prüfstücke müssen während der
Durchführung der Prüfung erfolgen.

9.4.3 Der Umfang der vorzunehmenden Messungen und die anzuwendenden Verfahren müssen vor der Prüfung
vereinbart werden.

9.4.4 Das Prüfstück muß während der Prüfung visuell untersucht werden; bei einer hydrostatischen Prüfung muß
der Prüfer auf Undichtheiten an der Hartlötverbindung und der gesamten Konstruktion achten.
9.5 Prüfergebnisse und Prüfbericht
Die während der Prüfung gemachten Beobachtungen müssen aufgezeichnet werden. Jeder unerwartete Vorgang,
wie Undichtheiten, muß Gegenstand eines besonderen Vermerks sein.
Die Prüfergebnisse und der Prüfbericht müssen folgendes beinhalten:
a) Name der Organisationen, die die Überdruckprüfungen durchführen;
b) Bezug, z. B. Auftragsnummer, Teilnummer, Lage in der Hartlötkonstruktion, wenn geeignet;
c) Prüfverfahren;
d) Temperaturbedingungen (Temperatur, Belastung, usw.);
e) andere wichtige Informationen hinsichtlich der Prüfung;
f) Name und Unterschrift des Abnehmers;
g) Datum der Überprüfung.
Seite 21
EN 12799:2000

10 Thermographie
10.1 Allgemeines
Die thermographische Prüfung der Hartlötverbindung beinhaltet die Prüfung der Verteilung der Wärme durch oder
in einer Hartlötverbindung. Diese Prüfung kann nur nicht zusammenhängende Bereiche ermitteln, es ist jedoch eine
vergleichsweise neue Technik, die sich bei der Prüfung von einigen Hartlötverbindungen bewährt hat. Es ist bei der
Prüfung von Hartlötverbindungen in Wabenkonstruktionen angewendet worden, wenn es schwierig ist, die
Hartlötverbindung durch andere zerstörungsfreie Prüfverfahren zu untersuchen. Das Prüfverfahren beinhaltet die
Prüfung des Prüfstücks beim Abkühlen von einer festgelegten Temperatur oder die Prüfung nach der Abkühlung auf
eine gleichmäßige Temperatur. Nach seiner Prüfung ist es zulässig, auf die Raumtemperatur zurückzukehren. Die
Prüfung erfolgt durch anwenden der Infrarotabbildung.
Die Schwierigkeiten bei der Anwendung dieser Technik sind folgende:
a) Um ein Signal zur Analyse zu erzeugen, wird eine Gleichmäßigkeit des Wärmekreislaufs benötigt, die mit
ausreichender Genauigkeit zu überwachen ist;
b) die Veränderlichkeit des Grades der Oberflächenemission kann einen verwirrenden Kontrast erzeugen;
c) konvektive Abkühlungseffekte können zu falschen Ergebnissen führen.
Die Vorteile des Verfahrens sind folgende:
1) die Prüfung kann in vielen Fällen angewendet werden, bei denen nur eine Seite der Hartlötkonstruktion
zugänglich ist;
2) die Prüfung ist schnell durchführbar bei Konstruktionen mit vielen Verbindungen;
3) die in Betracht kommende Auswertungszeit ist vergleichbar mit der anderer zerstörungsfreier Prüfverfahren;
4) die Sicherheitsanforderungen sind nicht derart anspruchsvoll wie bei den Durchstrahlungsprüfungen.
Die Infrarot-Abbildung sollte entweder entsprechend der Anwendungsnorm oder mit den Bedingungen für die
Abnahme oder Zurückweisung, welche vor der Prüfung vereinbart wurden, untersucht und verglichen werden.

10.2 Vorbereitung des Prüfstücks


Die Oberfläche des zu untersuchenden Prüfstücks muß durch Entfernen von Lötstoppmitteln, Flußmitteln, Farben,
Fetten, ungleichmäßigen Oxidfilmen oder Oberflächenschmutz jeglicher Art vorbereitet sein, so daß die
Oberflächeneigenschaften die Beobachtungen, die der Auswertung der Ergebnisse dienen, nicht beeinflussen. Das
Ziel dieser Vorbereitung ist es, soweit wie möglich, eine gleichmäßige Emissionsrate zu erzielen.

10.3 Prüfverfahren
Das Prüfstück muß sofort nach der Entfernung aus dem Hartlötofen oder der Wärmequelle untersucht werden.
Die Oberfläche(n) des Prüfstücks muß/müssen nach den Prüfanweisungen, die vor der Prüfung vereinbart wurden,
überprüft werden. Die beobachteten Abweichungen des Wärmemusters müssen in Abhängigkeit von den
verwendeten Überwachungsgeräten und den verlangten Anforderungen entweder manuell oder automatisch
aufgezeichnet werden.
Seite 22
EN 12799:2000

10.4 Prüfergebnisse und Prüfbericht


Die Prüfergebnisse und der Prüfbericht müssen folgendes beinhalten:
a) Name der Organisationen, die die thermographischen Überprüfungen durchführen;
b) Bezug, z. B. Auftragsnummer, Teilnummer, Lage in der Hartlötkonstruktion, wenn geeignet;
c) Oberflächenvorbereitung und Beschaffenheit;
d) Prüfverfahren;
e) verwendete Instrumente;
f) Abtastverfahren;
g) erzielte Ergebnisse, einschließlich Aufzeichnungen der Infrarot-Abbildungen;
h) andere wichtige Informationen;
i) Name und Unterschrift des Abnehmers;
j) Datum der Überprüfung.
Seite 23
EN 12799:2000

Anhang A (informativ)
Unregelmäßigkeiten in Hartlötverbindungen
Die Bilder A.1 bis A.7 zeigen Unregelmäßigkeiten in Hartlötverbindungen.

,,, ,,
1

,,,
,,,
,
2

Legende
1 geschmolzener, aber nicht eingeflossener Zusatzwerkstoff
2 mangelnder Fluß in den Kapillarspalt
Bild A.1 - Unvollständiger Fluß an der Kehlnaht und in den Kapillarspalt

Einzelheit Z
Einzelheit Y

Legende

1 Riß im Zusatzwerkstoff
2 Riß im Grundwerkstoff (Grenzflächenriß)
3 Riß in der Übergangszone

Bild A.2 - Längsrisse


Seite 24
EN 12799:2000

Einzelheit Y Einzelheit Z

Legende
1 Querrisse in der Hartlötverbindung
2 Interkristallines Eindringen in den Grundwerkstoff (Hartlötbrüchigkeit)
Bild A.3 - Querrisse

Legende
1 große Poren
2 Porenzeile
3 Porennest
4 Gaspore oder Flußmitteleinschluß
Bild A.4 - Porosität und Einschlüsse
Seite 25
EN 12799:2000

,,,,,
,,,,,
2

,,,,,
,,,,,
Beträchtliche Reaktionen zwischen dem Grund- und dem Zusatzwerkstoff und daraus folgende Erosion der
Ursprungsform.
Legende
1 senkrecht beim Hartlöten
2 ursprüngliche Oberfläche des Grundwerkstoffs
Bild A.5 - Erosion
Seite 26
EN 12799:2000

,
 
,

,


 ,


 
 ,


Bild A.6 - Zu große Menge des Zusatzwerkstoffs
,







 
,


 ,
 ,
Seite 27
EN 12799:2000

,




 
 ,

,,
, ,
Bild A.7 - Fehlerhafter Zusammenbau der Teile
Seite 28
EN 12799:2000