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1.

5 Grundlagen der Antriebstechnik 19

1.5.1 Drehmomenterzeugung In einem Generator wirkt das entstehende


in Elektromotoren Drehmoment bremsend, also dem antrei-
benden Moment der Antriebsmaschine ent-
Auf einen stromdurchflossenen Leiter wirkt in gegen.
einem magnetischen Feld die Kraft F = B · l · I
(s. Abschn. 1.4). Ordnet man eine oder mehrere
Spulen auf einem drehbar gelagerten Anker so Beispiel 1.13 Ein Motor hat die Bemessungsleistung
an, dass die Stromrichtung in den Ankerspulen 5 kW und die Bemessungsdrehzahl
unter einem Pol immer gleich ist, ergibt sich eine 1200 min –1. Wie groß ist sein Bemessungs-
moment?
kontinuierliche Drehbewegung des Ankers. Die
Leistung eines Motors kann allgemein berechnet Nm s
5000 ____ · 60 ____
werden nach der Gleichung Lösung M=
P
_______ = s min
__________________
2·π·n 1
P = F · v. 2 · 3,14 · 1200 ____
min
Setzt man für F die Umfangskraft am Anker in der M = 39,8 Nm
Einheit Newton (N) und die Umfangsgeschwin-
digkeit der Ankerleiter v in m/s ein, ergibt sich die Das Drehmoment lässt sich aber auch anders
Leistung P in Nm/s. berechnen. Wir hatten im Abschnitt 1.4 die Kraft
eines stromdurchflossenen Leiters im Magnetfeld
1 Nm/s = 1 W. nach der Gleichung F = B · l · I berechnet. Ist der
Die Umfangsgeschwindigkeit der Ankerleiter, die Abstand r der Ankerleiter vom Wellenmittelpunkt
vom Wellenmittelpunkt den Abstand r (Radius) bekannt, lässt sich für die Maschine mit M = F · r
haben, wird in Verbindung mit der Drehzahl n folgende Gleichung aufstellen:
berechnet nach der bekannten Gleichung
M=B·l·I·r (1.11)
v=d·π·n oder v = 2r · π · n .
Setzt man in diese Gleichung die Flussdichte B
Setzt man dieses in obige Gleichung ein, erhält in Vs/m2, die wirksame Leiterlänge l in m, den
man Abstand der Ankerleiter vom Wellenmittelpunkt r
P = F · r · 2 · π · n. in m und die Stromstärke I in Nm/sV (1 A = 1 W/V
= 1 Nm/sV) ein, ergibt sich das Drehmoment M in
Den Ausdruck F · r nennt man das Drehmoment der Einheit Nm. Das Drehmoment einer Maschine
(Drehwirkung einer Kraft) und bezeichnet es mit wird größer, wenn man im Magnetfeld mehrere
dem Kurzzeichen M . Der Ausdruck 2 · π · n wird Ankerleiter anordnet.
Winkelgeschwindigkeit ω genannt.
Es gilt also: Beispiel 1.14 Die Flussdichte im Luftspalt eines Gleich-
strommotors beträgt 0,8 Vs/m2, die wirk-
P=M·2·π·n=M·ω same Leiterlänge 30 cm, der Leiterstrom
10 A, der Abstand eines Ankerleiters von
Nach M umgestellt ergibt sich: der Wellenmitte 20 cm. Wie groß ist das
auf einen Leiter ausgeübte Drehmoment?
P P
M = _______ = __ (1.10)
2·π·n ω Lösung M=B·l·I·r

In einem Motor steht dieses Drehmoment M an der Vs Nm


M = 0,8 ___2 · 0,3 m · 10 ____ · 0,2 m
Motorwelle nutzbringend zur Verfügung. Besteht m sV
zwischen dem Motormoment MM und dem anzu- M = 0,48 Nm
treibenden Lastmoment oder Gegenmoment ML
ein Gleichgewichtszustand, bleibt die Drehzahl
des Motors unverändert, der Motor „pendelt“
sich auf die entsprechende Drehzahl ein. 1.5.2 Gleichungen zur Antriebs-
berechnung

Das in Motoren erzeugte Drehmoment In den folgenden Abschnitten werden zunächst


ändert sich bei gleicher Leistung umge- die grundlegenden Gleichungen vorgestellt, die
kehrt mit der Drehzahl, Motor- und Lastmo- anschließend für einige ausgewählte Antriebsbe-
ment der anzutreibenden Maschine wirken rechnungen angewandt werden. Das geschieht
gegeneinander. in einer Gegenüberstellung der jeweils analogen
translatorischen und rotatorischen Größen.
20 1 Grundlagen

Translation/gerad- Rotation/Kreis - Massenträgheitsmoment. Ein Körper der Mas-


linige Bewegung bewegung se m hat bei der Momentangeschwindigkeit v
die Bewegungsenergie (kinetische Energie)
Bei konstanter Beschleunigung a bzw. Winkelbe- Wkin = 1/2 m · v 2. Rotiert ein starrer Körper um eine
schleunigung gilt für: Achse (z. B. der Rotor eines Elektromotors), haben
die Teilchen mit dem größeren Abstand vom Rota-
die Geschwindigkeit v die Winkelgeschwin-
tionsmittelpunkt die höhere Bahngeschwindigkeit
digkeit ω
(s. Gl. 1.16) und folglich die größere kinetische
v=a·t (1.12) ω= ·t (1.13) Energie. Das i -te Teilchen mit dem Massenan-
teil Δm i hat die Bewegungsenergie 1/2 Σm i · v 2.
den Weg s den Drehwinkel
Ersetzt man die vom Bahnradius abhängige Bahn-
1 1
s = __ · a · t 2 (1.14) � = __ · · t 2 (1.15) geschwindigkeit durch v i = ω · r i (Gl. 1.16) mit ω
2 2 als der allen Punkten eines rotierenden Körpers
gemeinsamen Winkelgeschwindigkeit, erhält man
Bezüglich der Rotation arbeitet man in der
für die Rotationsenergie des i -ten Teilchens
Antriebstechnik anstelle der Winkelgeschwindig-
keit mit der Drehzahl n . 1
Wroti = __ Δm i · ω2 · r 2i .
v 2
ω = 2 · π · n = __ (1.16)
r
Die Rotationsenergie der gesamten Masse ist dann
Bewegungen bzw. Änderungen von Bewegungs-
1
zuständen/Beschleunigungen erfordern Kräfte Wrot = ΣWroti = Σ __ Δm i · ω2 · r 2i .
oder Drehmomente. Für die Anteile von Antriebs- 2
kraft F und Antriebsmoment M gilt mit der Gegen-/ Mit dem Massenträgheitsmoment J = Σm i · r 2i
Widerstandkraft Fg und der beschleunigenden ergibt sich
Kraft Fb bzw. dem Gegen-/Widerstandsmoment
Mg und dem Beschleunigungsmoment Mb : 1
Wrot = __ J · ω2 . (1.21)
2
F = Fg + F b (1.17) M = Mg + M b (1.18)
Das Massenträgheitsmoment ist nicht nur vom
In den folgenden Bildern sind Beispiele für Ge-
Betrag der rotierenden Massen abhängig, son-
genkräfte und Gegenmomente aufgezeigt, wie sie
dern speziell von der Massenverteilung um die
beim Verschieben bzw. beim Heben einer Masse
Achse. Aus J = ΣΔm i · r 2i wird deutlich, dass es bei
auftreten.
Verminderung des Massenradius r i proportional
zu r 2i abnimmt. Folglich wird das Trägheitsmo-
ment eines Körpers von der jeweiligen Lage der
Rotationsachse bestimmt.
In Tabelle 1.24 sind die Bestimmungsgleichungen
zur Berechnung der Trägheitsmomente von Stan-
dardkörpern für unterschiedliche Rotationsach-
sen angegeben.
Bei der Berechnung von Trägheitsmomenten zer-
legt man den vorliegenden Rotationskörper nach
Möglichkeit in einzelne Standardkörper, deren
Trägheitsmomente nach vorzeichenbehafteter
1.22 Kräfte bei linearer 1.23 Umwandlung line- Addition das Gesamtträgheitsmoment ergeben (s.
Aufwärtsbewegung arer Bewegung in Bild 1.25). Lässt sich dieses Verfahren für kompli-
auf geneigten Ebe- Rotation über eine zierte Körper nicht hinreichend genau berechnen,
nen Seilscheibe
muss es messtechnisch bestimmt werden.
Befindet sich zwischen Motor und Arbeits-
Zum Heraufziehen mit Zum Heben mit kon- maschine ein Getriebe (s. Bild 1.26), sind alle
konstanter Geschwin- stanter Geschwindig- Trägheitsmomente der Lastseite J2 auf die Motor-
digkeit benötigt man keit benötigt man das welle umzurechnen. Weil die kinetische Energie
die Zugkraft Fz : Antriebsmoment Mh : rotierender Körper, unabhängig von der Welle,
d
Fz = m · g (sin + μ · cos ) Mh = m · g · __ auf die ihre Trägheitsmomente bezogen sind,
2 gleich bleibt, gilt unter Berücksichtigung des
(1.19) (1.20)
1.5 Grundlagen der Antriebstechnik 21

Tabelle 1.24 Formeln zur Berechnung von Trägheitsmomenten

J J Die Drehachsen a – a und


bezogen auf die bezogen auf die b – b verlaufen durch den
Drehachse a – a Drehachse b – b Körperschwerpunkt
Zylinder

1 m
J = __ m · r 2 J = ___ (3 r 2 + l 2)
2 12

Hohlzylinder

1 m
J = __ m ( R 2 + r 2) J = ___ (3 R 2 + 3 r 2 + l 2)
2 12

Kegel
3 3
J = ___ m · r 2 J = ___ m (4 r 2 + l 2)
10 80

Kugel
2 2
J = __ m · r 2 J = __ m · r 2
5 5

Kreisring
4 R2 + 5 r2
J = m (__________)
3
J = m (R 2 + __ r 2)
4 8

Stab

1 m
J = ___ m · l 2 J = ___ (h 2 + l 22)
12 12 1.25 Bestimmung des Gesamtträg-
heitsmoments durch Addition
der Komponenten nach Zer-
legung in Standardkörper

Getriebewirkungsgrads ηG für das Verhältnis der


kinetischen Energien:
W kin2
Wkin1 = _____ (1.22)
ηG
1 1
Mit Wkin1 = __ J1 · ω 21 und Wkin2 = __ J2 · ω 22
2 2
sowie ω1 = 2π · n1; ω2 = 2π · n2 erhält man nach
Umformung:
J2 n 2 J2
ηG (n1)
J1 = ___ · ___2 = ______ (1.23)
ηG · i 2
Gleichung (1.23) verdeutlicht, dass die Summe
aller Lastträgheitsmomente durch ein Getriebe
1.26 Motor mit Getriebe und rotierender Masse mit dem Übersetzungsverhältnis i, auf die
1.7 Grundschaltungen der Leistungselektronik 109

Die Außenleiterspannung ist auch hier nahezu


sinusförmig und bei Frequenzen über 42 Hz bis
zum Typenpunkt höher als beim Sinus-PWM-
Verfahren, um den Bemessungsfluss zu erreichen.
Mikrocontroller. Die mathematische Behandlung
der Ansteuerung des Wechselrichters und auch
des Asynchronmotors hat sich durchgesetzt. Die
Ansteuerung der Transistoren übernimmt ein
Mikrocontroller gesteuerter Pulsweiten-Modula-
tor, in dessen ROM verschiedene Wellenformen
der Referenzspannung durch eine Anzahl Stütz-
stellen tabellarisch hinterlegt sind bzw. werden a)
können. Auch sind Mikrocontroller verfügbar, die
integrierte PWM-Ausgänge beinhalten. Der Pro-
zessor übernimmt weiter die Überwachung und
bearbeitet die vom Benutzer eingestellten Dreh-
zahlsollwerte, Drehrichtungen und Beschleuni-
gungs- bzw. Bremsvorgaben. Die hohe Rechen-
leistung moderner Mikrocontroller ermöglicht
auch mathematisch aufwendige Verfahren, wie
die Raumzeigermodulation, die Standard vieler
b)
Pulsumrichter ist.
Raumzeigermodulation. Das Drehfeld einer Asyn- c)
chronmaschine läuft im Luftspalt der Maschine
gleichmäßig um. Die Amplitude der möglichst Zeiger Ventile Klemme Spannungen
^
sinusförmigen Induktion B kann man sich als Nr. U V W
umlaufenden Zeiger (Raumzeiger) vorstellen, der 1 1-5-6 + – – UUV – UWU
mit konstanter Größe und konstanter Kreisfre- 2 1-2-6 + + – UVW – UWU
quenz senkrecht zur Motorwelle rotiert. Werden 3 4-2-6 – + – UVW – UUV
dreiphasige sinusförmige Größen eingespeist, 4 4-2-3 – + + UWU – UUV
beschreibt der Endpunkt des Zeigers einen Kreis 5 4-5-3 – – + UWU – UVW
6 1-5-3 + – + UUV – UVW
(vgl. Bild 4.15), sodass man dieses Drehfeld als
7 1-2-3 + + + 0 Nullzeiger
Kreisdrehfeld bezeichnet. Jede Abweichung in
8 4-5-6 – – – 0 Nullzeiger
der Einspeisung führt zu Abweichungen von der
Kreisform (vgl. elliptisches Drehfeld in Abschn.
4.6.2). Letztlich wird in der Maschine mit den 1.176 Bildung der Grund-Raumzeiger bei Stromrichter-
drei um 120° versetzten Wicklungen dieser mag- speisung
netische Raumzeiger von drei um 120° phasen- a) Schaltung Wechselrichter mit Motor in Drei-
verschobenen Spannungen erzeugt die in der eckschaltung
geometrischen Addition auch einen entsprechen- b) Grund-Raumzeigerdarstellung
c) Zustände der Grundzeiger
den kreisförmigen Spannungs-Raumzeiger dar-
stellen. Mit der Stromrichterspeisung wird bei
der Raumzeigermodulation versucht den Span-
mit Richtungen und zwei Nullzeiger (7 + 8) bei
nungsraumzeiger des Netzbetriebs nachzubilden.
denen jeweils drei Transistoren auf der positiven
Betrachten wir den Wechselrichter in Bild 1.176
bzw. der negativen Seite der Zwischenkreisspan-
der eine in Dreieck geschaltete Maschine speist.
nung gleichzeitig durchgesteuert sind.
Durch Ansteuern z. B. der Transistoren 1, 5 und 6
wird an Klemme U das positive Potential und an Der Grundgedanke der Raumzeigermodulation
die Klemmen V und W das negative Potential der besteht darin, zwischen den Grundzeigern meh-
Zwischenkreisspannung Ud geschaltet. Damit rere Soll-Raumzeiger zu bilden, die im Mittel
sind die Spannungen UUV positiv, UWU negativ angenähert werden. In Bild 1.176 b ist ein belie-
und UVW null. In Bild 1.176 b sind die Spannungen biger Raumzeiger u eingezeichnet. Er wird durch
¯
entsprechend der Wickelachse der Spulen addiert die Grundzeiger 1, 2 und 7 gebildet und damit
und bilden den Grundzeiger 1. Ebenso sind die durch eine entsprechende Pulsung der zugehö-
Spannungen für die Bildung des Grundzeigers 2 rigen Transistoren. Nach Ablauf der vorgese-
eingezeichnet. Insgesamt können nach Tabelle henen Zeit für diese Stellung des Raumzeigers
1.176 c acht Zeiger gebildet werden, sechs Zeiger wird ein neuer Raumzeiger vorgegeben. Bei der
110 1 Grundlagen

Raumzeigermodulation stellt man also zu einer mit einem Inkrementalgeber ausgestattet, ist
vorgegebenen Lage des Raumzeigers die dazu die Drehzahlregelung mit einem Regelkreis mit
notwendigen Klemmenspannungen ein. Aus- PI-Regler möglich. Zur Anpassung der U/f -Kenn-
gehend von einem Anfangswinkel springt der linie s. auch Abschn. 4.8. Für besondere Anforde-
Raumzeiger dann fortlaufend um einen gewis- rungen bezüglich Drehzahlgenauigkeit, Rundlauf
sen Winkel auf einem Kreisbogen. Diese Form bei niedriger Frequenz, Dynamik des Antriebs
der Modulation liefert günstigere Ergebnisse als usw. werden heute die feldorientierte Vektor-
andere Modulationsformen, wenn die Zeigerzahl Regelung oder die direkte Drehmoment-Regelung
groß genug ist. In der Praxis sind für einen Umlauf eingesetzt.
über 600 Zeiger üblich, sodass die Raumzeiger
Bei der feldorientierten Regelung (FOR), der Vek-
jeweils um z. B. 2° weiterspringen.
torregelung, wird der Asynchronmaschine ein
Im Vergleich mit der Sinusmodulation ist bei der der Gleichstrommaschine vergleichbares Ver-
Raumzeigermodulation der Oberwellengehalt der halten eingeprägt. Bei der fremderregten Gleich-
Motorströme und des Drehfeldes geringer und der strommaschine stehen der Erregerfluss und die
Rundlauf verbessert. Durch die Raumzeigermodu- Ankerdurchflutung durch die Wirkung des mecha-
lation lassen sich in die Ständerwicklung der Dreh- nischen Kommutators immer senkrecht aufeinan-
feldmaschine Ströme einprägen, wie sie u. a. bei der (1.178).
der feldorientierten Regelung benötigt werden.
Längskomponente
ΦF (flussbildend)
1.7.5.5 Steuerung/Regelung der Ausgangs-
d
spannung
Skalare Regelung, U/f-Kennlinie. Im einfachsten n
Fall folgt die Modulation und die Größe der Aus- IA IA
gangsspannung der U/f -Kennlinie 1.177. ΘA
q
Querkomponente
IE (drehmoment-
bildend)

ΦF

a) Gleichstrommaschine b) Asynchronmaschine
Längskoordinate: Feld Feldkoordinaten
Querkoordinate: Ankerdurchflutung

1.178 Feldorientierung
a) Gleichstrommaschine b)Angepasste Feld-
koordinaten der Asynchronmaschine

1.177 U/f -Kennlinie,


Spannung in Abhängigkeit von Speisefrequenz
Der Erregerfluss ist bei der vollkompensierten
und Drehzahl eines Asynchron-Käfigläufermotors Maschine von der Ankerdurchflutung unabhän-
gig. Das Drehmoment ist den beiden senkrecht
Proportional mit der Frequenz wird die Aus- aufeinander stehenden Größen – Erregerfluss
gangsspannung geändert. Ziel ist es, den Mag- und Ankerstrom – proportional. Beide Kompo-
netisierungsstrom und damit das magnetische nenten können unabhängig voneinander geregelt
Luftspaltfeld konstant zu halten. Dann kann das werden und verleihen der Gleichstrommaschine
Bemessungsdrehmoment von geringer Frequenz die hohe Dynamik und den guten Rundlauf auch
bis zur Bemessungsfrequenz der Asynchronma- bei kleinsten Drehzahlen. Die Eigenschaften der
schine ohne Überschreitung der Bemessungs- Gleichstrommaschine sollen bei der FOR auf die
ströme voll ausgenutzt werden. Über den Typen- Asynchronmaschine übertragen werden. Um ein
punkt ist im Allgemeinen eine Erhöhung der regelbares Modell der Asynchronmaschine zu
Spannung nicht möglich, sodass die Maschine erhalten, muss von den tatsächlich vorhanden
im Bereich der Feldschwächung mit abnehmen- dreiphasigen Stromgrößen und deren Raumzei-
dem Drehmoment arbeitet. Im unteren Drehzahl- gern in der Ständerwicklung letztlich in ein zwei-
bereich muss der Spannungsfall am ohmschen achsiges Ersatzsystem mit Längskoordinate d ,
Anteil der Wicklung durch die I × R -Kompensa- Querkoordinate q und den Stellgrößen i1d (Fluss
tion kompensiert werden. Gute Ergebnisse wer- bildender Strom) und i1q (Moment bildender
den auch bei kleiner Drehzahl erreicht durch eine Strom) umgewandelt werden. Zur mathemati-
dynamische, der Belastung entsprechende Span- schen Beschreibung benutzt man Koordinaten-
nungsanhebung. Ist die Asynchronmaschine z. B. systeme und deren Umwandlung:
1.7 Grundschaltungen der Leistungselektronik 111

– Ständerdrehfeld mit umlaufendem Raumzeiger gebil- Flussverkettung sind Gleichgrößen. Sie werden mit-
det aus den drei Strangströmen und deren Durchflu- hilfe einer weiteren Koordinatentransformation aus
tungen. dem obigen -, -Koordinatensystem umgeformt. In
– Das zweiachsige ortsfeste Koordinatensystem ist mit der Literatur wird dieses mathematische Verfahren als
dem Ständer der Asynchronmaschine fest verbunden Pa rk-Tra nsforma tion bezeichnet.
und steht still. Die Achsen sind mit und bezeich-
net. Die Komponenten werden durch eine Koordi- Die nun gewonnenen Komponenten sind keine
natentransformation aus dem dreiphasigen System realen Größen, sondern mathematische, die
einschließlich der Maschinenparameter, der Ströme unabhängig voneinander in der Regelung verar-
und der Spannungen gewonnen. In der Literatur wird beitet werden können. Damit die Größen korrekt
dieses mathematische Verfahren als Cla rke -Tra nsfor-
ma tion beschrieben. gewonnen werden können, müssen die Motor-
– Das feldorientierte Koordinatensystem dreht sich mit
daten in das Motormodell impliziert werden. Sie
der Winkelgeschwindigkeit des Läufers und ist auf das werden eingegeben oder vom Frequenzumrich-
den Läufer durchsetzende Magnetfeld ausgerichtet. ter selbst erkannt (adaptiert). Im feldorientierten
Die Achsen sind mit d-Komponente (Längskompo- Koordinatensystem weist der Stromzeiger zwei
nente) und q-Komponente (Querkomponente) bezeich-
net. Die auftretenden Ströme, Spannungen und die
Komponenten auf:

Feld- 3~
schwächung – d-Achse –

i1d uSt
Fluss-
Regler u P

Sollwerte – q-Achse – KT W
v 3~
Dreh- i1q M
moment-
nsoll Regler w

Drehzahl-
Regler imq i1u
Motor- i1v
iμd Modell KT
i1w
Istwerte

T
M
3~

1.179 Struktur der feldorientierten Regelung (FOR)

– Die feldbildende Komponenten i μd steht für die Fluss-


verkettung des Läufers der Asynchronmaschine. Sie Die so gewonnenen Größen (Feldstellgröße i1d)
baut das Magnetfeld ähnlich dem Erregerfeld der und (Drehmomentstellgröße i1q) müssen in
Gleichstrommaschine auf. inverser Koordinatentransformation (¯KT) zurück-
– Die drehmomentbildende Komponente i mq steht bei gewonnen werden um sie dem Pulsweitenmo-
der gegebenen Flussverkettung für das Drehmoment
dulator (PWM) zuzuführen, der das Leistungsteil
der Asynchronmaschine und hat damit die gleiche Wir-
kung wie der Ankerstrom der Gleichstrommaschine. steuert. Der Istwert der Drehzahl kann intern aus
den gewonnen Größen bestimmt werden. Bei
Bild 1.179 zeigt die dreistufige Reglerstruktur der hohen Anforderungen an die Genauigkeit und
feldorientierten Vektor-Regelung: bei kleinen Drehzahlen ist der Motor mit einem
1. Die gemessenen Motorstromwerte werden mit Hilfe Drehzahlgeber versehen. Wegen des hohen Auf-
des Motormodells und der Koordinatentransformation wandes an Informationsverarbeitung sind für den
(KT) in die feld- und drehmomentbildende Kompo-
nente (d-q-System) umgesetzt. FOR-Frequenzumrichter leistungsfähige Mikro-
2. Wie in der Gleichstrommaschine werden die feld- und
controller erforderlich.
drehmomentbildenden Komponenten mit den Ist- und
Sollwerten verglichen und geregelt. Über den gesam-
Direkte Drehmoment- und Feldregelung (DTC).
ten Grunddrehzahlbereich ist somit der magnetische Dieses Regelverfahren ist auch unter „Direkte
Fluss, wie angestrebt, konstant. Selbstregelung“ (DSR) bzw. „Direct Torque
3.3 Betriebsverhalten 185

3 .3 Betriebsverhalten 4. Schritt: Die beiden Streuinduktivitäten denkt


man sich ebenfalls aus dem Transformator her-
3.3.1 Ersatzschaltung des realen aus und bringt sie als induktive Vorwiderstände in
Transformators die Zuleitungen ein. Mit dieser Maßnahme spaltet
man vom Gesamtfluss den Hauptfluss Φh ab. Φh
In Bild 3.6 sind die Maschen des belasteten rea- ist proportional dem Magnetisierungsstrom I μ.
len Transformators dargestellt. Sein Netzwerk Er ist somit der einzige Fluss im Eisenkern und
besteht aus zwei Maschen mit einem gemeinsa- durchsetzt beide Spulen gleich stark (3.7 a).
men Zweig. Hierfür soll schrittweise eine Ersatz-
schaltung entwickelt werden, die bei Anlegen der
Spannung U1 das eingangsseitige Netz genauso
belastet wie ein realer Einphasentransformator.

3.6 Magnetisches Hauptfeld und Streufelder im belas-


teten realen Transformator

1. Schritt: Zur Vereinfachung legt man einen Ein-


phasentransformator mit N1 = N 2 zugrunde, wie er
3.7 Ersatzschaltbild eines Transformators mit N1 = N 2
z. B. als Trenn- oder Schutztransformator einge-
ohne Eisenverlustwiderstand
setzt wird.
a) mit getrennten Wicklungen, b) mit gemeinsamer
2. Schritt: Die beiden Wicklungswiderstände R1 Wicklung
und R 2 denkt man sich aus dem Transformator
heraus und legt sie als Vorwiderstände zu den
beiden Wicklungen in die Zuleitungen. Die Spulen Aufgrund der vorausgegangenen Schritte ist ein
sind dann reine Induktivitäten. idealer Übertrager mit widerstandslosen Spulen
entstanden, die man sich unmittelbar überein-
3. Schritt: Im realen Transformator ist die Per-
andergewickelt denken muss. In diese Spulen
meabilität der Luft größer als null, sodass zwi-
induziert der Hauptfluss Φh die gleichgerichteten
schen seinen beiden Wicklungen der magneti-
und wegen N1 = N 2 gleichgroßen Spannungen U h,
sche Streufluss Φ σ auftritt. Für den Sonderfall,
sodass man Anfänge und Enden der beiden Wick-
dass sämtliche Windungen beider Wicklungen
lungen gefahrlos miteinander verbinden darf.
vom gleichen Hauptfluss Φh durchsetzt sind und
Es entsteht so eine Spule, die aus zwei paralle-
die Einzelstreufelder allein vom jeweils eigenen
len Leitern besteht und vom Magnetisierungs-
Strom erzeugt werden, ist eine Aufteilung des
strom I μ = I 1 – I 2 durchflossen wird. Sie ist vom
Gesamtstreufelds Φ σ in den Primärstreufluss ¯ ¯ ¯
Hauptfluss Φh durchgesetzt, sodass sie die Haupt-
Φ 1σ ~ I1 und den Sekundärstreufluss Φ 2σ ~ I2 zuläs-
induktivität L h aufweist (3.7 b).
sig. Diese Bedingungen sind nur dann annähernd
erfüllt, wenn die beiden Wicklungen (wie in Bild 5. Schritt: Die Spule mit der Hauptinduktivität
3.6) auf verschiedenen Schenkeln angeordnet L h befindet sich auf dem Eisenkern, der von dem
sind. Da die beiden getrennten Streufelder jeweils Hauptfluss Φh durchsetzt ist. Im Eisenkern des
nur in die Spule eine Gegenspannung induzieren, realen Transformators entstehen Eisenverluste
von der sie erzeugt werden, ist die Streufeldtren- (Ummagnetisierungs- und Wirbelstromverluste).
nung gleichbedeutend mit der Einführung der pri- Ein Maß für die Höhe dieser Verluste ist der Wert
märseitigen Streuinduktivität L 1σ und der sekun- des zur Hauptinduktivität parallel zu schaltenden
darseitigen Streuinduktivität L 2σ Die Trennung Eisenverlustwiderstandes R Fe.
geschieht willkürlich. Deshalb setzt man meist
6. Schritt: Einführung transformierter Größen. Der
L 1σ =L 2σ, wobei N1 = N 2 ist. (3.29) Entwicklung der Ersatzschaltung lag ein Transfor-
186 3 Transformatoren

mator mit N1 = N 2 zugrunde. Wenn N1 : N 2 klein


oder groß gegenüber 1 ist, ergeben sich für die
Darstellung des Zeigerdiagramms Schwierigkei-
ten, weil die Zeiger von Eingangs- und Ausgangs-
spannung in ihrer Länge große Unterschiede
aufweisen. Außerdem soll die oben gefundene
Ersatzschaltung auch für N1 ≠ N 2 anwendbar sein.
Aus diesen beiden Gründen ist es ratsam, eine
Transformation der Beträge der ausgangsseitigen
Größen auf die Eingangsseite vorzunehmen, die
eine vom Übersetzungsverhältnis unabhängige
Darstellung von Ersatzschaltung und Zeigerdia-
gramm ermöglicht.
Die umgerechneten/transformierten Beträge der
sekundärseitigen Größen werden mit (’) gekenn-
zeichnet. Für den transformierten Betrag des Aus-
gangswicklungswiderstands gilt
2

(N2)
N1
___
R ’2 = R 2 oder R ’2 = R 2 · ü 2. (3.30)

Da die Induktivitäten proportional dem Quadrat


der zugehörigen Windungszahl sind, gilt für die
sekundäre Streuinduktivität
2

(N2)
N1
___
L’2σ = L 2σ (3.31) 3.8 Vollständige Ersatzschaltung (a) und vollständi-
ges Zeigerdiagramm (b) eines Transformators mit
N1 ≠ N2 nach Einführung transformierter Größen
oder für die Streureaktanz (Streublindwiderstand)

X ’2σ = X 2σ · ü 2. (3.32) Beispiel 3.5 Beide Wicklungen eines 50-kVA-Dreh-


stromtransformators sind in Stern geschal-
tet. Er hat ü = 10 kV/400 V, I2N = 72 A,
Für den Strom in der Ausgangswicklung ergibt sich N1 = 1950, N2 = 78, R1 = 26,7 Ω, R2 = 0,04275 Ω,
X 1σ = 26,2 Ω, X 2σ = 0,042 Ω. Zu berechnen
N 1 sind die Beträge der auf die Eingangsseite
I’2 = I 2 ___2 oder I’2 = I 2 · __. (3.33)
N1 ü transformierten Ausgangsgrößen.

N 1950 · 400 V
Aus der Spannungstransformation erhält man Lösung U ’2N ___1 = ____________ = 5780 V
N2 78 · 1,73
Strang-
N spannung
U ’2 = U 2 ___1 oder U ’2 = U 2 · ü. (3.34)
N2 N 78 · 72 A
I’2N = I 2N ___2 = _________ = 2,88 A
N1 1950
Die Belastungsimpedanz (Scheinwiderstand) ist
0,04275 Ω · 1950 2
2
umzurechnen in
(N2)
N1
R ’2 = R 2 ___ = _________________ = 26,7 Ω
2 78 2

(N2)
N1
___
Z ’2 = Z 2 oder Z ’2 = Z 2 · ü 2. (3.35) 0,042 Ω · 1950 2
2

(N2)
N1
X ’2σ = X 2σ ___ = ______________ = 26,2 Ω
78 2
U ’2R = I’2N · R ’2 = 2,88 A · 26,7 Ω = 76,8 V
Ist N1 ≠ N2 sind alle Spannungen mit dem U ’2σ = I’2N · X ’2σ = 2,88 A · 26,2 Ω = 75,4 V
Übersetzungsverhältnis ü, alle Ströme mit
1/ü und alle Widerstände mit ü 2 auf N1 = N2
und somit in die auf die Primärseite bezoge-
nen Beträge der Ausgangsgrößen zu trans-
formieren.
3.3.2 Leerlaufbetrieb

Im Leerlaufversuch wird das Leerlaufbetriebs-


Die aus den vorausgegangenen Schritten entstan- verhalten von Transformatoren untersucht. Man
dene Ersatzschaltung zeigt Bild 3.8. misst in ihm die Bemessungsspannung U1N, den
3.3 Betriebsverhalten 187

3.9
Schaltung zum Leerlaufversuch mit
einstellbarer Eingangsspannung

Leerlaufstrom I0N und die im Leerlauf aufgenom- Beispiel 3.6 Ein Drehstromtransformator, dessen Ein-
mene Leistung P 0N. Eine zweckmäßige Messschal- gangswicklung in Dreieck und dessen
Ausgangswicklung in Stern geschaltet ist,
tung zeigt Bild 3.9. Bei Drehstromtransformatoren hat die Bemessungsleistung SN = 315 kVA
arbeitet man am günstigsten mit zwei Leistungs- bei ü = 5 kV/400 V. Er nimmt im Leerlauf-
messern in Aronschaltung, um den Stromfehler versuch P0N = PFeN = 770 W auf. Der Leer-
möglichst gering zu halten. laufstrom I0N beträgt 2 % von I1N = 36,4 A
(Leiterstrom). Zu berechnen ist der Leis-
Der Versuch ist mit Spannung von Bemessungsfre- tungsfaktor im Leerlauf.
quenz durchzuführen. Je nach Aufgabenstellung Lösung Die Leerlaufwirkleistung __ist bei Dreh-
arbeitet man mit der Bemessungsspannung U1N strom P0N = U1N · I0N · √ 3 · cos φ 0. Mit
oder mit einer veränderlichen Eingangsspannung. I0N = 0,02 · I1N erhält man
P 0N
Der Leistungsmesser ist in jedem Fall direkt an die cos φ 0 = __________________ __
U N1 · 0,02 · I 1N · √3
Klemmen der Eingangswicklung anzuschließen,
um P0N möglichst genau bestimmen zu können. 770 W
= _______________________ = 0,1223.
Bei sehr kleinen Transformatoren sollte man den 5 000 V · 0,728 A · √3
Eigenverbrauch der Messgeräte in der Auswer-
Leerlaufverluste. Die im Leerlaufbetrieb aufge-
tung der Messergebnisse berücksichtigen.
nommene Wirkleistung P0 deckt die Verluste im
Wicklungswiderstand R1 sowie die im magneti-
schen Kreis entstehenden Hysterese- und Wirbel-
stromverluste.
Leerlaufbetriebsverhalten
P0 = P0Cu + PHy + P Wi (3.38)
Leerlaufscheinleistung S 0N . Im Leerlaufbetrieb
Die während einer Periode entstehenden Hystere-
fließt der Leerlaufstrom I0N durch die Eingangs-
severluste PHy entsprechen dem beim einmaligen
wicklung und der Transformator nimmt die Leer-
Durchlaufen der Hystereseschleife aufgenomme-
laufscheinleistung S 0N auf.
nen Energiebetrag, der im Transformatorenkern
S 0N = I0N · U1N (3.36) in Wärme umgewandelt wird. Sie sind deshalb
abhängig von der magnetischen Flussdichte B
Sie kann nur in ihm selbst umgesetzt werden, da er und von der Frequenz der Eingangsspannung.
wegen I2 = 0 ausgangsseitig keine Leistung abgibt. Da die Hystereseschleife im Takt der Frequenz
Ihr Wirkleistungsanteil ist deshalb eine reine Ver- durchlaufen wird, ist PHy ~ f. Der Flächeninhalt der
lustleistung, die in den Transformatorbauteilen in Hystereseschleife ist ein Maß für die verrichtete
Wärme umgewandelt wird. Bei Vernachlässigung Hysteresearbeit und deshalb auch für einen Teil
der Transformatorkapazitäten dient die aufge- der im Eisenkern des Transformators in Wärme
nommene Blindleistung ausschließlich dem Auf- umgewandelten Energie. Für die in Transforma-
bau des magnetischen Flusses Φ10. toren verwendeten Magnetwerkstoffe kann man
Der Leistungsfaktor im Leerlauf cos φ 0 lässt sich in guter Näherung davon ausgehen, dass sich der
aus den im Leerlaufversuch gemessenen Größen Flächeninhalt ihrer Hystereseschleife proportio-
P0N und I0N · U1N = S 0N berechnen. nal zu B 2 ändert. Damit gilt für Transformatoren
mit gleichen Eisenvolumen
P 0N
cos φ 0 = ________ (3.37) PHy ~ f · B 2. (3.39)
I 0N · U 1N
Über diese Gleichung lässt sich der Phasenver- Die Hystereseverluste verhalten sich pro-
schiebungswinkel φ 0 zwischen Bemessungsspan- portional zur Frequenz und etwa zum Quad-
nung und Leerlaufstrom bestimmen. In der Praxis rat der magnetischen Flussdichte B .
ist cos φ 0 = 0,1 bis 0,4.
4.8 Drehstromantriebe am Frequenzumrichter (U-Umrichter) 345

4 .8.1 Drehstrom-Kurzschlussläufer- n’ Φ
f’1 ___
__ = 1 ≈ ___d . (4.87)
motor am Frequenzumrichter f1 n1 Φ’d
Ausgehend von den Bemessungsdaten der
Die Drehfelddrehzahl einer Asynchronmaschine Maschine bedeuten dann
mit Kurzschlussläufer kann fast verlustfrei durch – ein Verringern der Netzfrequenz f ’1 < f 1N : Der magneti-
Polumschalten oder durch Frequenzverstellen sche Drehfluss Φ’d > ΦdN ist größer als der Bemessungs-
gesteuert werden. fluss; damit steigen der Magnetisierungsstrom und die
Verluste der Maschine. Bei vorgegebener Baugröße
Nach Gleichung 4.11 ist die Drehfelddrehzahl und Kühlung wird die Maschine unzulässig erwärmt.
f 1 · 60 – ein Erhöhen der Netzfrequenz f ’1 > f 1N : Der magnetische
nd = ______ (4.85) Drehfluss Φ’d < ΦdN ist kleiner als der Bemessungsfluss;
p
die Maschine wird magnetisch nicht voll ausgelastet.
proportional zur Frequenz f1 des speisenden
Netzes und umgekehrt proportional zur Polpaar-
zahl p . Bei gleich bleibendem Schlupf ändert sich Um die Drehfeldmaschine mit den Bemes-
somit die Betriebsdrehzahl proportional mit der sungsgrößen bei Drehzahlsteuerung durch
Frequenz. die Netzfrequenz auszulasten, ist es sinn-
voll, den magnetischen Drehfluss Φd = ΦdN
Die Wicklung eines Drehstrommotors besteht = konstant zu halten. Dazu muss mit der Fre-
vereinfacht aus einer Reihenschaltung von einem quenz f1 die Ständerspannung U1 gleichsin-
Wirkwiderstand R und einem Blindwiderstand XL. nig verstellt werden.
Der Scheinwiderstand Z der Wicklung sinkt daher
bei geringerer Frequenz, da nach XL = 2 · π · f · L der Für Φd = ΦdN = konstant gilt:
Blindanteil proportional zur Frequenz abnimmt. Ein f ’1
___ U’ n ’d
= ___ = ____ (4.88)
Verringern der Frequenz muss somit einhergehen f 1N UN n dN
mit einer Reduzierung der Ständerspannung, damit
der Bemessungsstrom nicht überschritten und die
Maschine nicht thermisch überlastet wird. Der Fre- Werden die Spannungsfälle der Ständerwicklung
quenzbereich f < f N wird als Spannungsstellbereich berücksichtigt, muss die nötige Ständerspannung
bezeichnet (s. Bild 4.191). Durch die Anpassung auch an die Stromaufnahme angepasst werden.
der Spannung wird der Motor in diesem Bereich Sie weicht dann geringfügig von der linearen
mit Bemessungsstrom betrieben und entwickelt Änderung mit der Frequenz ab (s. I × R -Kompen-
somit (bei Φd = ΦdN = konstant) sein Bemessungs- sation in Bild 4.191).
drehmoment. Der Strom wird „eingeprägt“. Bei
Beispiel 4.44 Ein Drehstromasynchronmotor mit Kurz-
einer Erhöhung der Frequenz über f N hinaus ist
schlussläufer und den Bemessungsdaten
eine Spannungserhöhung nicht möglich, die Span- 400 V, 4 kW, 8,4 A, cos φ = 0,82, 50 Hz,
nung bleibt konstant. Gleichzeitig wird der Blind- 1435 min –1 soll bei gleich bleibender
widerstand der Wicklung größer, was eine Ver- Schlupfdrehzahl im Bereich von 1000 min –1
bis 2000 min –1 frequenzgesteuert betrie-
ringerung des magnetischen Flusses Φd zur Folge
ben werden. Der Frequenzbereich und die
hat. Das zur Verfügung stehende Drehmoment der zugehörigen Spannungen sind zu bestim-
Maschine nimmt mit 1/f ab. Der Frequenzbereich men.
f > f N wird auch als Feldstellbereich bezeichnet. Der Lösung Die Schlupfdrehzahl ist
Motor lässt sich bis zur Kippgrenze mit konstanter
n s = nd – n N = 1500 min –1 – 1435 min –1
Leistung betreiben, da der Wirkanteil des Stromes
n s = 65 min –1
konstant bleibt. Das Kippmoment fällt quadra-
tisch ab. Bei einem Standardmotor mit z. B. einem Zur unteren Drehzahl n ’ = 1000 min –1
MK / MN = 2,5 ergibt sich somit für P = konstant eine gehört somit die Drehfelddrehzahl
Maximalfrequenz f = 125 Hz. n ’d = n ’ + n s = 1000 min –1 + 65 min –1
n ’d = 1065 min –1
Spannungsbedarf. Nach Gleichung 4.13 ändert
sich der magnetische Drehfluss und zur oberen Drehzahl n ’’ = 2000 min –1
gehört dann die Drehfelddrehzahl
U q1
Φd ~ ____ (4.86) n ’’d = 2065 min –1.
f1
bei konstanter Quellenspannung im umgekehrten Die zugehörigen Frequenzen sind nach
Verhältnis mit der Frequenzverstellung. Vernach- Gleichung 4.87
lässigen wir die Spannungsfälle der Ständerwick- f 1N · n ’d
f’1 = _______
lung, setzen U1 ≈ Uq1, betrachten die Maschine bei n dN
konstanter Nennspannung U1 und verändern die 50 Hz · 1065 min –1
f ’1 = _________________ = 35,5 Hz
Frequenz f1 auf f ’1, gilt 1500 min –1
346 4 Wechselstrommaschinen

und nach der gleichen Rechnung ist Man spricht dann von I × R -Kompensation (gestri-
f ’’1 = 6 8 , 6 Hz. chelte Linie in Bild 4.191). Eine zusätzliche feste
Spannungsanhebung (Boost) im unteren Fre-
Nach Gleichung 4.88 sind die zugehörigen quenzbereich ermöglicht Drehmomentenstei-
Spannungen für konstanten Fluss
gerungen zur Verbesserung der Losbrech- und
U 1N · f ’1 400 V · 35,5 Hz
U ’1 = _______ = ______________ = 284 V Beschleunigungseigenschaften des Umrichteran-
f 1N 50 Hz
triebs.
und für die obere Drehzahl
U ’’1 = 549 V.
Für den gewünschten Drehzahlbereich
müsste der Frequenzumrichter also in
dem Bereich 35,5 Hz und 284 V bis 68,8 Hz
und 549 V arbeiten, um Φd konstant zu
halten. Voraussetzung hierfür ist eine ent-
sprechend hohe Eingangsspannung.

Drehmoment, Leistung. Hält man die Bedingungen


für konstanten magnetischen Fluss ein, bleiben bei
der Frequenzverstellung das Bemessungsmoment
und das Kippmoment gleich groß, die Drehmo-
ment-Drehzahl-Kennlinien werden wie in Bild 4.192
parallel mit der sich ändernden Frequenz verscho- 4.192 Drehmoment-Drehzahl-Kennlinienschar eines
ben. Bedingt durch die Höhe der Versorgungs- umrichtergespeisten D-Käfigläufermotors
spannung lässt sich die nötige Motorspannung bei
höheren Frequenzen nicht weiter erhöhen, sodass
Die Schlupfkompensation dient zum Ausglei-
das Feld des Motors geschwächt wird. Somit sin-
chen des belastungsabhängigen Schlupfs durch
ken das Bemessungsmoment und das Kippmo-
geringfügiges Anheben der Speisefrequenz.
ment. Es wird also bis zur maximalen Spannung,
Bemerkenswert ist, dass der Wert des Bemes-
die vom Frequenzumrichter erreicht werden kann,
sungsschlupfs s N unter Φd = konstant bei Verände-
mit konstantem Drehmoment und mit der Dreh-
rung der Speisefrequenz konstant bleibt (4.192).
zahl steigender Leistung P = M · ω gefahren. Ober-
halb der maximalen Spannung wird der Motor im Betriebsverhalten bei Umrichterbetrieb. Der
Bereich der Feldschwächung mit abnehmendem Arbeitspunkt der Asynchronmaschine liegt im
Drehmoment und bei steigender Drehzahl mit kon- Motorbetrieb immer bei Drehzahlen oberhalb der
stanter Leistung gefahren (4.193). Kippdrehzahl. In diesem Bereich ist das Drehmo-
ment etwa proportional zum Motorstrom. Unter
I × R -Kompensation. Aus dem vereinfachten
konstantem magnetischen Fluss wird durch Ver-
Ersatzschaltbild 4.85 ist ableitbar, dass bei nied-
ändern der Ständerfrequenz die Drehmoment-
rigen Ständerfrequenzen (< 10 Hz) der ohmsche
Drehzahl-Kennlinie parallel verschoben (4.192).
Anteil in den Ständerwicklungswiderständen
Im Betrieb mit Bemessungsmoment bleibt der
gegenüber den abnehmenden induktiven Blind-
Bemessungsschlupfdrehzahl nS deshalb konstant
widerständen nicht mehr vernachlässigbar ist.
und der Motor kann in jedem Drehzahlpunkt bis
Die daraus resultierenden verhältnismäßig hohen
zur Bemessungsdrehzahl sein Bemessungsmo-
ohmschen Spannungsfälle im unteren Frequenz-
ment entwickeln.
bereich lassen sich durch eine überproportionale
Spannungsanhebung ausgleichen.

4.191 Spannungskennlinie in Abhängigkeit von Speise- 4.193 Typische Drehmoment-Drehzahl-Kennlinie eines


frequenz und Drehzahl eines D-Käfigläufermotors umrichtergespeisten D-Käfigläufermotors
4.8 Drehstromantriebe am Frequenzumrichter (U-Umrichter) 347

Konstantmomentenbereich. Im Bereich bis zur


Bemessungsfrequenz f N arbeitet der Motor mit
konstantem Drehmoment (Bild 4.193).
Konstantleistungsbereich. Nach Überschreiten
der Bemessungsfrequenz bleibt die Ständerspan-
nung (Netzspannung = maximale Umrichterspan-
nung) konstant und der magnetische Fluss im
Motor sinkt (Feldschwächbereich). Das Motormo-
ment fällt oberhalb dieser Frequenz hyperbolisch
(~ 1/n ) ab. Der Motor gibt unter den Bedingungen
I = IN = konstant und M < MK nahezu konstante
4.195 Typenpunkte für Y- und Δ-Schaltung
Leistung ab. Die Grenze für die maximale Drehzahl
bei P = konstant lässt sich aus n max = (MK / MN ) · nK
ermitteln. 4.8.3 Parametrierung von
Frequenzumrichtern
4.8.2 87-Hz-Betrieb
Vor der Erstinbetriebnahme muss der FU auf die
Drehstrommotoren, die für Sternschaltung im Bemessungsdaten des Motors parametriert wer-
400-V-Netz bemessen sind (s. Bild 4.194), las- den. Bei einfachen Anwendungsfällen kann dies
sen sich über einen FU auch in Dreieckschaltung über das optionale Bedienteil (Basic Operating
mit 400 V betreiben. Voraussetzung ist, dass der Panel, BOP, s. Bild 4.196) vorgenommen werden.
zulässige Strangstrom nicht überschritten wird. Die Bedeutung der Tasten ist in Tab. 4.197 darge-
stellt. Die Parameternummern sind herstellerspe-
zifisch und umfassen z. B. einen Zahlenbereich
von 0000 – 9999. Der Nummer wird ein „P“ für
direkt änderbare Parameter vorangestellt. Zahlen
mit einem „r“ am Anfang zeigen an, dass der Para-
meter schreibgeschützt ist und nicht direkt geän-
dert werden kann (z. B. r0070 = ungefilterte Zwi-
schenkreisspannung). Nach Drücken der „P“-Taste
können die Parameter über die Tasten „▴“ und „▾“
4.194 Leistungsschild eines Asynchronmotors
angewählt und über die „P“-Taste geändert wer-
__ den. Durch die Auswahl einer Benutzer-Zugangs-
Die um √3 erhöhte Strangspannung sorgt gemäß
stufe (P0003) und eines Parameterfilters (P0004)
der linearen U/f -Kennlinie für eine Frequenzanhe-
ist es möglich, nur relevante Parameter anzeigen
bung auf die Eckfrequenz f = 87 Hz.
zu lassen. Die „FN“-Taste dient zur Quittierung von
Der an dem FU eingestellte Punkt wird als Typen- Störungen und der Auswahl verschiedener Anzei-
punkt bezeichnet. An diesem Typenpunkt gibt der gewerte während des Umrichterbetriebs, wie z. B.
Motor sein __
Bemessungsdrehmoment ab, die Leis- Zwischenkreisspannung, Ausgangsstrom, Aus-
tung ist √3 -mal größer. Der Wirkungsgrad des gangsfrequenz, Ausgangsspannung oder eines
Motors verbessert__ sich, da die Bemessungsdreh- gewählten Parameters unter P0005. Weiterhin
zahl ebenfalls √3 -mal so groß ist, der Schlupf kann mit dieser Taste durch kurzes Drücken zum
aber konstant bleibt. Parameter r0000 zurückgesprungen werden.
Beim Betrieb mit der 87-Hz-Kennlinie sind fol-
gende Punkte zu beachten:
– Das zulässige Motordrehmoment muss oberhalb der
Bemessungsfrequenz aus thermischen Gründen redu-
ziert werden, da die Eisenverluste überproportional
ansteigen.
– Der Umrichter muss für den höheren Leiterstrom (die
höhere Leistung) bemessen sein.
– Die mechanischen Grenzen des Motors sind zu berück-
sichtigen.
– Aufgrund der erhöhten thermischen Belastung des
Motors sollte nur die nächstgrößere, listenmäßige
Bemessungsleistung ausgenutzt werden.
– Bei der Wicklungsauslegung ist mindestens die Wär-
meklasse F zu verwenden. 4.196 Basic Operating Panel