Sie sind auf Seite 1von 19

Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Fachbereich: Philosophie

Seminar: Metaphysik, Aristoteles

Modul: Erkenntnistheorie

Dozent: Prof. Dr. Walter Mesch

Wintersemester 2017/18

Hausarbeit

Wie ist nach Aristoteles der erste Beweger beschaffen?

Name: Kolja Sand

Studiengang: Zwei-Fach-Bachelor in Soziologie und Philosophie

Matrikelnummer: 439 516


Inhalt

Einleitung................................................................................................................. 1

Das Buch Lambda .................................................................................................... 2

6. Kapitel – Notwendigkeit der Existenz eines ersten Bewegers ............................ 2

7. Kapitel – Natur und Wirkungsweise des ersten Bewegers ................................. 7

8. Kapitel – Die Zahl der ewigen Beweger............................................................. 11

9. Kapitel – Schwierigkeiten im Verhältnis zwischen der Vernunft und ihrem


Gegenstand ........................................................................................................... 13

Fazit ....................................................................................................................... 15

Literaturverzeichnis ............................................................................................... 17
Einleitung
Was war die erste Ursache der Welt? Womit hat alles angefangen? War zunächst
einfach nichts, es kam zu einem Urknall und die Welt existierte oder gibt es einen
Gott, der allmächtig alles in Gang setzte? Es lässt sich weiterfragen, was den
Anstoß zu einem Urknall oder einem Gott gegeben hat und wie dieser zustande
gekommen ist? Es kann einem der Gedanke kommen, dass man nie eine erste
Ursache oder den ersten Beweger ausmachen könnte. Aristoteles liefert zu dieser
Frage in dem zwölften Buch (Lambda) der Metaphysik einen berühmten Beitrag.
Hierbei liegt mein Augenmerk auf den Kapiteln 6 – 9 und der Frage, wie der erste
Beweger beschaffen sein muss. Dafür wird kurz das Buch Lambda vorgestellt und
die ausgewählten Kapitel in den Kontext eingeordnet. Im Zuge dessen ist es
notwendig, den Begriff „ousia“ zu erläutern. Die Inhalte der einzelnen Kapitel
werden ausführlich zusammengefasst und sprachliche wie inhaltliche Probleme
besprochen.
Die Metaphysik besteht aus vierzehn Büchern, die nicht von Aristoteles in dieser
Form zusammengestellt wurden. Auch der Titel stammt nicht von ihm. Ebenso ist
die zeitliche Entstehung der einzelnen Bücher unklar und einige Forscher
unterstellen dem Gesamtwerk widersprüchliche Positionen. Die Metaphysik ist
also eine Ansammlung von aristotelischen Texten, welche sich mit derselben
ontologischen Thematik befassen, die aber auch als eigenständige Bücher
verstanden werden können. Durch die Metaphysik hindurch zieht sich die Frage,
„was eigentlich die erste Philosophie ist“, (Bordt, 2006: 12). Aristoteles sucht nach
einem ersten Prinzip des Seins, einer Wissenschaft, die alle anderen
Wissenschaften unter sich vereint und stellt Untersuchungen an „zum ersten
Beweger der Welt“ (Rapp, 2016: 110).

1
Das Buch Lambda
Aristoteles unterteilt im 1. Kapitel die ousia in drei Arten. So spricht er von der
sinnlich wahrnehmbaren, vergänglichen ousia, einer sinnlich wahrnehmbaren,
ewigen ousia und einer unbeweglichen, ewigen ousia.
Der Begriff der ousia ist nicht leicht zu verstehen. Schon die klassischen
Übersetzungen verwenden unterschiedliche deutsche Begriffe. Ousia heißt dort
Wesenheit, Wesen, Sein oder Substanz. „Philosophisch ist die ousia das, was […]
der Kern einer Sache ist und was das Wesen einer bestimmten Sache ausmacht.
Dieser Kern und das Wesen sind stabil und verändern sich nicht.“ (Bordt, 2006:
17f) Der Tisch, der Mensch, der Baum – alle haben eine ousia, die sie zu einem
Tisch, Menschen oder Baum macht. Die ousia ist also elementarer Bestandteil
jedes Einzeldings.
Die genannten Beispiele fallen in den Bereich der sinnlich wahrnehmbaren,
vergänglichen ousia. Die sinnlich wahrnehmbare, ewige ousia sind die
Himmelskörper. (Bordt, 2006: 17) Im zweiten Kapitel wird erläutert, das etwas
ewig ist, aber nicht ensteht. (Aristoteles, 1069b). Die Himmelskörper sind also
nicht entstanden, können sich aber bewegen. Bis Kapitel fünf behandelt das Buch
Lambda die sinnlich wahrnehmbaren ousiai und deren unterschiedliche Prinzipien
(Bordt, 2006: 34) In den nun folgenden Kapiteln macht sich Aristoteles auf die
Suche nach der unbewegten, ewigen ousia.

6. Kapitel – Notwendigkeit der Existenz eines ersten


Bewegers
Zu Beginn des sechsten Kapitels beschreibt Aristoteles sein Vorhaben die
unbewegte ousia bzw. den ersten Beweger untersuchen zu wollen. Weiter möchte
er zeigen, dass dieser notwendig existieren muss.

„Da nun der Wesenheiten drei waren, nämlich zwei natürliche


und eine unbewegliche, so wollen wir nun von dieser handeln
und zeigen, dass es notwendig eine ewige unbewegte Wesenheit
geben muss.“ (Aristoteles, 1071b)

2
Die drei Wesenheiten bzw. ousiai, von denen Aristoteles spricht, sind die oben
genannten: die sinnlich wahrnehmbare, vergängliche ousia, die sinnlich
wahrnehmbare, ewige ousia und die unbewegliche, ewige ousia.

„Denn die Wesenheiten sind von dem Seienden das Erste, und
wenn alle vergänglich sind, so ist alles vergänglich. Unmöglich
aber kann die Bewegung entstehen oder vergehen; denn sie war
immer. Ebenso die Zeit; denn das Früher und Später ist selbst
nicht möglich, wenn es keine Zeit gibt.“ (Aristoteles, 1071b)

Die ousia konstituiert alles Seiende. Wenn jede ousia vergängliche wäre, würde
somit auch alles Seiende vergänglich sein. Es gäbe nichts, das ewig existieren
würde. Anhand von Bewegung und Zeit möchte Aristoteles nun aufweisen, dass
es notwendige Ewigkeiten gibt. Die Bewegung kann nicht entstehen oder
vergehen, da sie selbst das Entstehen und Vergehen ist. So vergeht oder entsteht
sie nicht und ist daher ewig. Ähnlich verhält es sich mit der Zeit. Es kann nichts vor
der Zeit oder nach dieser („Früher und Später“) sein. Denn es wäre nicht möglich,
vom Ende der Zeit zu sprechen, wenn es keine Zeit gäbe. Wie die Bewegung
entsteht diese nicht und muss, nach Aristoteles, notwendig ewig sein.
Weiter sagt er, dass Zeit und Bewegung eins oder die Zeit eine „Affektion“ der
Bewegung sei. Die Bewegung sei daher „stetig“. Aristoteles vereinheitlicht Zeit
und Bewegung. Diese stetige Bewegung sei die Kreisbewegung.
Bewegung und Zeit sind keine ersten Beweger. Sie sind Wirkung des ersten
Bewegers. Allerdings sind sie ewig, also verschieden zu den Einzeldingen auf der
Erde.

„Gäbe es aber nur ein Prinzip des Bewegens und Hervorbringens,


aber ein solches, das nicht in wirklicher Tätigkeit wäre, so würde
keine Bewegung stattfinden; denn was bloß das Vermögen hat,
kann auch nicht in wirklicher Tätigkeit sein.“ (Aristoteles, 1071b)

Aristoteles beschreibt im Folgenden die Prinzipien jener stetigen Bewegung. Diese


müssen wirklich stattfinden und nicht nur möglich sein. Aristoteles stellt hier die
wirkliche Tätigkeit (ernergiâ), also das, was in Wirklichkeit ist oder geschieht, und
das Vermögen (dýnamis), welches lediglich aufweist, wie die Wirklichkeit sein
könnte, gegenüber. Etwas das dem Vermögen nach ist, muss nicht in wirklicher
Tätigkeit sein. Wenn jenes Prinzip der stetigen Bewegung nur dem Vermögen nach
3
wäre, dann könnte diese auch nicht stattfinden, d.h. nicht in wirklicher Tätigkeit
sein. Damit wäre die stetige Bewegung nicht ewig, welches, wie zuvor gezeigt
wurde, nicht sein kann. Das Prinzip, das auf den ersten Beweger verweist, muss
sich demnach in wirklicher Tätigkeit befinden. Es lässt sich zudem ein weiterer
Gedanke ableiten, den Aristoteles nicht eindeutig äußert. Wenn nämlich die
Bewegung nur der Möglichkeit nach ist, könnte nichts die mögliche Bewegung zu
einer wirklichen Tätigkeit bewegen.
„Also muss ein solches Prinzip vorausgesetzt werden, dessen Wesen wirkliche
Tätigkeit ist.“ (Aristoteles, S.1072a) Aristoteles präzisiert weiter, dass die ousia
jenes Prinzips in wirklicher Tätigkeit sein muss. Es reiche nicht aus, dass das Prinzip
sich in wirklicher Tätigkeit befände, sondern es dürfe nicht einmal dem Vermögen
nach sein. Die Existenz in wirklicher Tätigkeit geht also der Existenz der Möglichkeit
nach voraus.
Der erste Beweger muss sich also notwendig in wirklicher Tätigkeit befinden,
damit überhaupt etwas den Anstoß für eine Bewegung gibt. Diese
immerwährende wirkliche Tätigkeit bewirkt die Ewigkeit der Zeit sowie der
Bewegung.

„Ferner müssen die Wesenheiten ohne Stoff sein; denn wenn


irgend etwas anderes ewig ist, müssen sie es sein; also müssen
sie der Wirklichkeit nach sein.“ (Aristoteles, S. 1072a)

Stoff oder Materie (hýlê) ist, nach Aristoteles eine elementare Ursache des
Seienden. Beim Bau eines Hauses wäre der Stoff „die Erde und die Steine“
(Aristoteles, 996b). Es ergibt sich jedoch die Möglichkeit das Haus ebenso aus Holz,
also einem verschiedenen Stoff, zu bauen. Der Stoff bringt das Vermögen mit sich.
Wenn also Alternativen zu etwas Wirklichem vorstellbar sind, ist der Stoff dafür
immer die Grundlage. Daher muss der erste Beweger stofflos sein und ist damit
auch nicht sinnlich wahrnehmbar. Der erste Beweger kann sich also nicht
verändern, d.h. er ist unbewegt.
Es stellt sich ein Problem. Wie kann etwas in Wirklichkeit existieren, wenn es nicht
die Möglichkeit gibt, dass es existiert?

4
„Denn das Wirkliche, meint man, ist alles möglich, das Mögliche
nicht alles wirklich, so daß demnach dies Vermögen das Frühere
sein würde. Aber wäre dies wahr, so würde nichts von dem
Seienden sein.“ (Aristoteles, 1072a)

Aristoteles wendet dagegen ein, dass nichts existieren würde, wenn alles der
Möglichkeit nach sei. Wenn nämlich die Dinge nur der Möglichkeit nach sind,
würde nichts den Anstoß dazu geben, dass etwas in Wirklichkeit existiert. Es muss
also etwas geben, dass nicht der Möglichkeit nach in Wirklichkeit existiert.
Aristoteles sagt zudem, „daß die Möglichkeit der Wirklichkeit vorausgehe, ist
gewissermaßen richtig, gewissermaßen auch nichts“ (Aristoteles, 1072a). Es gibt
Seiendes, das zunächst der Möglichkeit nach ist und es gibt etwas, welches nicht
dem Vermögen nach ist, aber in wirklicher Tätigkeit existiert. Ersteres verweist auf
die sinnlich wahrnehmbaren (ewigen und vergänglichen) ousiai, letzteres auf jene
ewige unbewegte ousia, also den ersten Beweger.
Aristoteles kritisiert im Folgenden andere philosophische Konzepte. Es entspräche
nicht der Wahrheit, dass alles aus dem nichts entstanden sei oder alle Dinge schon
von Beginn an existieren würden, da diese Theorien die Bewegung nicht
berücksichtigen würden, welche die Dinge in wirkliche Tätigkeit versetzte. Es fehlt
der erste Anstoß, der das Seiende seiend macht. Platon und Leukippos Theorien
nähmen eine immer seiende Bewegung an, aber erklärten nicht, wie diese
zustande komme.

„Wenn nun immer dasselbe im Kreislauf besteht, so muß etwas


bleiben, das gleichmäßig in wirklicher Tätigkeit ist. Soll aber
Entstehen und Vergehen vorhanden sein, so muß etwas anderes
existieren, was in anderer und wieder anderer Weise wirklich
tätig ist. Es muß also in der einen Weise in Beziehung auf sich
selbst, in der andern Weise in Beziehung auf anderes wirken, und
dies also in Beziehung auf ein verschiedenes drittes oder auf das
erste. Notwendig auf dies; denn dies ist wieder sich selbst wie
jenem anderen Ursache der Bewegung.“ (Aristoteles, 1072a)

Es geht nun um die Beziehung zwischen den Einzeldingen auf der Erde, den
mittleren Dingen, bspw. Zeit und Bewegung („Entstehen und Vergehen“) und dem
ersten Beweger.

5
Es muss „etwas“ geben, dass die stetige Bewegung und gleichwohl das „Entstehen
und Vergehen“ hervorruft. Für jenes „etwas“ erscheint es mir plausibel den ersten
Beweger einzusetzen. Dieser ist in zwei unterschiedlichen Formen auf sich und auf
von diesem Verschiedenes wirklich tätig. Nun muss der erste Beweger auf das
„erste“ und „drittes“ unterschiedlich wirken. Es stellt sich die Frage, ob das „erste“
und „drittes“ verschieden zum ersten Beweger sind oder das „erste“ dieser selbst
ist. Und warum ist es überhaupt notwendig, dass der erste Beweger
unterschiedlich in wirklicher Tätigkeit ist? Jene Unterscheidung ermöglicht dem
ersten Beweger nicht Teil der von ihm ausgelösten Bewegung zu werden. Er wird
nicht vergänglich und bleibt unbewegt. Wenn demnach der erste Beweger
Wirkung auf das „erste“ ausübt, kann dies nicht der erste Beweger selbst sein, da
dieser unbewegt ist und auf ihn keine Wirkung ausgeübt wird. So sind das „erste“
und „drittes“ verschieden zu dem ersten Beweger. Dabei ist die Wirkung auf das
„erste“ notwendig, da sie ursächlich „verschiedenes drittes“ bewegt.

„Also vorzüglicher ist das erste; denn es war ja Ursache der ewig
gleichen Bewegung, der verschiedenen Bewegung Ursache war
das andere; daß aber immer diese Verschiedenheit stattfindet,
davon sind offenbar beide Ursache. So verhalten sich denn auch
die Bewegungen. Was braucht man also noch andere Prinzipien
zu suchen?“ (Aristoteles, 1072a)

Das „erste“ ist Ursache der stetigen Bewegung, das „dritte“ bzw. „andere“ die
Ursache der unterschiedlichen nicht-stetigen Bewegungen. Also bezieht sich das
„erste“ auf die Bewegung und die Zeit (mittlere Dinge) und „drittes“ auf die
Einzeldinge der Erde. So gibt es zwei Arten der Bewegung: zum einen die
Bewegung des ersten Bewegers (unbewegliche, ewige ousia), welche die ewigen
Bewegungen (sinnlich wahrnehmbare ewige ousia) hervorbringt, und zum
anderen die Bewegung ausgehend von den ewigen Bewegungen, welche die
Einzeldinge (sinnlich wahrnehmbare vergängliche ousia) entstehen lässt.

Bis hierhin wissen wir, dass es notwendigerweise einen ersten Beweger geben
muss, der unveränderbar, also unbeweglich, in wirklicher Tätigkeit ist. Gäbe es
diesen nicht und alles wäre bewegt, würde alles vergänglich werden und nichts

6
Ewiges könnte sein. In dem Versuch einen ersten Beweger auszumachen, käme es
zu einem infiniten Regress.
Der erste Beweger ist nicht der Möglichkeit nach und ist somit stofflos. So
beschaffen bewegt der erste Beweger ewige Dinge (Zeit, Bewegung). Die von dem
ersten Beweger ausgehende Bewegung bewirkt eine stetige Bewegung, bzw.
Kreisbewegung, mit welchen Aristoteles höchstwahrscheinlich auf die
Himmelskörper verweist. Diese wiederum bewegen die vergänglichen Einzeldinge.

7. Kapitel – Natur und Wirkungsweise des ersten Bewegers


Aristoteles stellt sich nun dem Problem, wie der erste Beweger anderes bewegt
ohne selbst bewegt zu sein. Er sucht dafür nach einem Prinzip in der Vernunft:
dem Zweck (causa finalis). Ein Zweck kann für Aristoteles ebenso bewegen, wie
ein Gegenstand, der auf einen anderen prallt.
Das siebte Kapitel schließt nahtlos an das Vorherige an. Aristoteles schlägt die
Brücke von der ewigen Kreisbewegung zum Himmel. „Also ist der Himmel ewig“
(Aristoteles, 1072b). Insofern ist ein Bezug zu den Himmelskörpern hergestellt.
Diese seien aber „ein Mittleres“ und es müsse etwas geben, das „ewig und
Wesenheit (ousia) und wirkliche Tätigkeit (enérgiâ)“ (Aristoteles, 1072b) sei.
Mittleres ist also Ursache des ersten Bewegers und kann daher vergänglich und
dem Vermögen nach sein.

„Auf solche Weise aber bewegt das Erstrebte (orektón), und auch
das Gedachte (noéton) bewegt, ohne bewegt zu werden. An sich
und im ursprünglichen Sinne gefaßt ist dies beides dasselbe.
Denn der Gegenstand des Begehrens ist ja dasjenige, was als
schön erscheint, Gegenstand des Willens ist es an sich das, was
schön ist. Wir erstreben aber etwas vielmehr, weil wir es für gut
halten, als daß wir es für gut hielten, weil wir es erstreben.“
(Aristoteles, 1072b)

Wollen und Begehren sind zwei klassische Begriffe in der aristotelischen


Philosophie. Laut Michael Bordt ist das Wollen „vollkommen vernunftgeleitet, das
Begehren nicht“ (Bordt, 2006: 110). Das Wollen könne, im Gegensatz zum
Begehren überprüfen, ob etwas tatsächlich gut oder schlecht sei.

7
Im obigen Zitat ordnet Aristoteles die Begriffe ebenso ein. Menschen streben
zudem stärker nach dem, was sie wollen als nach dem was sie begehren. Das
„Erstrebte“ verhält sich wie ein unbewegter Beweger. „Gedachtes“ ist mit diesem
identisch, wenn es gewollt ist. Aristoteles lässt das Begehren außen vor und
möchte nur Bezug auf das Denken der Vernunft nehmen. Es lässt sich also im
vernünftigen Denken etwas finden, das anderes bewegt, ohne bewegt zu sein –
ein Prinzip, nach welchem ebenso der erste Beweger funktioniert.
Im folgenden Zitat konzentriert sich Aristoteles zunächst darauf, welcher Zweck
das Erstrebenswerteste ist.

„Prinzip ist das Denken (nóêsis). Die Vernunft (noûs) wird von
dem Denkbaren in Bewegung gesetzt, denkbar aber an sich ist
die eine Reihe der Dinge; in ihr nimmt die Wesenheit die erste
Stelle ein, und unter dieser die einfache, der wirklichen Tätigkeit
nach existierende […], aber auch das Schöne und das um seiner
selbst willen zu Wählende findet sich in derselben Reihe, und das
erste ist entweder das beste oder dem analog.“ (Aristoteles,
1072b)

Es gibt eine „Reihe“ von Dingen, die denkbar sind und die Vernunft in Bewegung
versetzen. Diese Reihe bezieht sich auf die systoichia, welche eine Auflistung von
Gegensatzpaaren ist (bspw. seiend – nicht-seiend). Die Gegensatzpaare sind
zudem in einer ontologischen Rangfolge angeordnet (Bordt, 2006: 111f).
Die ousia ist das höchste jener Hierarchie und innerhalb der ousiai die unbewegte
bzw. der erste Beweger. Auf gleicher Ebene ist auch das „Schöne“ und das „um
seiner selbst willen zu Wählende“. Letzteres kann man auch als das „Erstrebte“
verstehen. Daher ist das „erste“, also der erste Beweger das „beste“ (bzw.
Schönste oder das am meisten um seiner selbst willen zu Wählende) oder
zumindest analog zu diesem. Wobei Analogie, nach Aristoteles, ebenso eine Form
der Identität ist. (Bordt, 2006: 74) Der erste Beweger ist demnach der höchste
Zweck und, als erstrebt, bewegt dieser, ohne bewegt zu sein.
„Denn es gibt einen Zweck für etwas und von etwas; dieser unbeweglich, jener
nicht“ (Aristoteles, 1072b). Beispielsweise ist Bildung der Zweck für Schulen. Die
Bildung ist in diesem Fall unbewegt, bewegt jedoch die Schulen, da diese nach
Bildung streben. Der Zweck von Schulen ist den Schülern Wissen zu vermitteln.

8
Schule wie Schüler sind in diesem Beispiel bewegt. Der unbewegte Beweger
verhält sich also nach diesem Prinzip des Zwecks für etwas. Außerdem ist er der
höchste Zweck, also Zweck für alles.
Wie es einen unbewegten Beweger geben kann, ist soweit erläutert. Aristoteles
geht nun auf weitere Beschaffenheiten des ersten Bewegers ein und bringt diesen
in Verbindung mit der Vernunft, bzw. dem Denken.

„Sein Leben aber ist das trefflichste, und wie es bei uns nur kurze
Zeit stattfindet, da beständige Dauer uns unmöglich ist, so ist es
bei ihm immerwährend. Denn seine wirkliche Tätigkeit ist
zugleich Freude. Und deshalb ist Wachen, Wahrnehmen, Denken
das Angenehmste […].“ (Aristoteles, 1072b)

Der erste Beweger lebt ewig und seine wirkliche Tätigkeit ist zudem Freude.
Scheinbar ist das vernünftige Denken mit der Erfahrung von Freude verknüpft.
Warum seine Tätigkeit Freude ist, beschreibt Aristoteles nicht weiter. Dies setzt
allerdings voraus, dass der erste Beweger denkt. Inwieweit „Wachen“ und
„Wahrnehmen“ zu verstehen sind, bleibt unklar und wird nicht weiter
thematisiert. Zudem suggeriert das Wort „Sein“ zu Beginn des Zitats, dass hier die
Rede von einer Person ist. Im Weitere geht Aristoteles auf den ersten Beweger als
Gottheit ein.

„Sie [die Vernunft] ist in wirklicher Tätigkeit, indem sie das


Gedachte hat. Also ist jenes, das Gedachte, noch in vollerem
Sinne göttlich als das, was die Vernunft Göttliches zu enthalten
scheint, und die Spekulation (theoria) ist das Angenehmste und
Beste.“ (Aristoteles, 1072b)

Mit dem Objekt des Gedachten wird die Vernunft in wirkliche Tätigkeit versetzt.
Dies wirft das Problem auf, dass das Gedachte ontologisch früher als die Vernunft
ist, welche damit nicht mehr der höchste Zweck sein könnte. Die Problematik löst
sich jedoch auf, da Aristoteles meint, dass die sich selbst denkende Vernunft dem
Gedachten gleich wird. („so daß Vernunft und Gedachtes dasselbe ist.“)
(Aristoteles, 1072b)
Die Vernunft bzw. das Gedachte sind göttlich. Dies könnte bedeuten, dass
Aristoteles die Vernunft für eine Gottheit hält oder die Vernunft Teil einer Gottheit
ist. Theoria („Spekulation“) bezieht sich auf das Gedachte und wird in anderen

9
Übersetzungen auch mit „theoretische Untersuchung“ beschrieben. Das Gedachte
bzw. die Vernunft, welche das Denken als Objekt hat, in wirklicher Tätigkeit bringt
also am meisten Freude und ist das Beste.
„Denn die Vernunft ist das aufnehmende Vermögen für das Denkbare und die
Wesenheit.“ (Aristoteles, 1072b) Dieser Satz ist nicht eindeutig. Die Vernunft
könnte einerseits ousia sein oder sie hat das Vermögen diese aufzunehmen. Da
jedoch das höchste Denkbare aller Dinge die unbewegte ousia sein soll und die
Vernunft hier ebenso beschrieben wird, liegt die Vermutung nahe, dass ersteres
gemeint ist. Die Vernunft ist damit die ousia des ersten Bewegers. Die Vernunft,
welche die Zweckmäßigkeit erst in die Welt bringt, ist der höchste Zweck und
bewegt unbewegt als Erstrebenswertestes alles andere.

„Und Leben wohnt in ihr; denn der Vernunft wirkliche Tätigkeit


ist Leben, die Gottheit aber ist ihre Tätigkeit; ihre Tätigkeit an
sich ist ihr bestes und ewiges Leben. Die Gottheit sagen wir, ist
das ewige, beste lebendige Wesen, also Leben und stetige, ewige
Fortdauer wohnt in der Gottheit; denn sie ist Leben und
Ewigkeit.“ (Aristoteles, 1072b)

Die wirkliche Tätigkeit der Vernunft ist das Leben. Warum das so ist, begründet
Aristoteles nicht. Es lässt sich nur vermuten, dass die Vernunft als Prinzip des
ersten Bewegers überhaupt erst das Leben entstehen lässt. Da diese in wirklicher
Tätigkeit ist, gibt es Leben. Die Gottheit ist die Tätigkeit der Vernunft: „das ewige,
beste lebendige Wesen“. Sie entspringt nicht der Vernunft (sonst wäre die
Gottheit in Bewegung), die sich in wirklicher Tätigkeit befindet, sondern sie ist
diese in bester Form.
Aristoteles stellt sich gegen den Einwand, dass das Schönste und Beste nicht im
vorher beschriebenen Prinzip der ersten ousia enthalten sein dürfe. Aus dem
Samen etwas Unvollkommenen entstehe erst noch das Vollkommenste, bspw.
eine Blume, so die Kritik. Aristoteles entgegnet jedoch, dass der Samen schon aus
etwas entstanden ist, welches vollkommen war. (Aristoteles, 1072bf)
Das Kapitel schließt mit einer Beschreibung der Beschaffenheit der unbewegten
ousia. Diese besitzt keine Größe und verändert sich nie.

10
Nach jenem Prinzip Zweck-von-etwas-zu-sein ist der erste Beweger Ursache der
Kreisbewegung bzw. des Mittleren sowie der Einzeldinge, da alles nach ihm strebt.
So bringt der erste Beweger das Leben in die Welt ohne bewegt zu sein. Die ousia
des ersten Bewegers ist die sich selbstdenke Vernunft, die sich stets in wirklicher
Tätigkeit befindet. Diese ist die lustvollste Tätigkeit.

8. Kapitel – Die Zahl der ewigen Beweger


Das achte Kapitel befasst sich mit der Frage, wie viele unbewegte ousiai bzw.
Beweger es gibt. Es hatte bis hierher zwar den Anschein, es gäbe nur einen, dies
wurde jedoch nie ausdrücklich formuliert. Aristoteles stützt seine folgende
Berechnung auf astronomische Kenntnisse. Um ein Verständnis für dieses Kapitel
zu bekommen, ist ein gewisses Vorwissen der griechischen Astronomie nötig.
Das Himmelsgewölbe ist eine Sphäre, die eine ewige Kreisbewegung beschreibt
und an der die Himmelskörper bzw. Fixsterne befestigt sind. Diese haben jeweils
noch eine andere Sphäre, die sich ebenso ewig im Kreis bewegt. (Bordt, 2006: 132)

„ […] da wir ferner außer der einfachen Bewegung des Ganzen,


welche nach unserer Behauptung von der ersten und
unbewegten Wesenheit ausgeht, noch andere ewige
Bewegungen sehen, die der Planeten nämlich (denn ewig und
ruhelos ist der im Kreis bewegte Körper, wie dies in den
physischen Schriften erwiesen ist): so muß auch jede dieser
Bewegungen von einer an sich unbeweglichen und ewigen
Wesenheit ausgehen.“ (Aristoteles, 1073b)

Die Bewegung des „Ganzen“ bezieht sich auf die Sphäre des Himmelgewölbes.
Diese wird durch den unbewegten Beweger bewirkt. Es bewegen sich jeweils aber
auch die Fixsterne in einer ewigen Kreisbewegung. So müssen auch diese durch
einen unbewegten Beweger hervorgerufen sein. Aristoteles möchte im Weiteren
mit Hilfe der Anzahl der ewigen Kreisbewegungen, die am Himmel zu sehen sind,
die Anzahl der unbewegten Beweger ableiten.
Für dieses Unterfangen bespricht Aristoteles die astronomischen Theorien von
Eudoxos und Kallippos und berechnet 55 bzw. 47 Sphären (abhängig davon, ob
gewisse Sphären der Sonne und des Mondes berücksichtigt werden). Aristoteles

11
folgert: „[…] dann ist mit Wahrscheinlichkeit die Anzahl der Wesenheiten und der
unbeweglichen sowie der sinnlichen wahrnehmbaren Prinzipien ebenso groß zu
setzen.“ (Aristoteles, 1074a) Es spricht also viel dafür, dass die Anzahl der
unbewegten Beweger der Zahl der Kreisbewegungen der Himmelskörper
entspricht – es demnach 55 bzw. 47 unbewegte ousiai gibt.
Da alle Bewegung von den Sphären, die von den ersten Bewegern bewegt werden,
ausgeht, stellt Aristoteles sich nun der Frage, ob es mehrere Himmel geben kann.
Für eine klare Berechnung muss dies natürlich ausgeschlossen werden.

„Daß aber nur ein Himmel existiert, ist offenbar. Denn gäbe es
mehrere Himmel, wie es der Menschen mehrere gibt, so würde
das Prinzip eines jeden einzelnen der Form nach eines sein, und
nur der Zahl nach wäre es viele. Was aber der Zahl nach eine
Mehrheit ist, hat Stoff; denn der Begriff (lógos) der mehrere, z.B.
des Menschen, ist einer und derselbe, Sokrates ist ein Einzelner.“
(Aristoteles, 1074b)

Die Form (eîdos) ist eine elementare Ursache und ordnet die Dinge begrifflich ein.
Aristoteles bezeichnet die Form auch als „Wesenheit (ousía) und Wesenwas (tòtí
ên eînai)“ (Aristoteles, 983b). Sie gibt den Dingen also eine Definition. Bei dem Bau
eines Hauses ist die „Form (eîdos) der Begriff (lógos)“ (Aristoteles, 996b). Die
Begrifflichkeit „Haus“ ist also die Form des Hauses. Im Begriff steckt ebenso eine
Kategorisierung. „Haus“ kann also bspw. unter die Gattung Bauwerke fallen. Es
kann mehrere Häuser geben, aber gibt trotzdem nur eine Form dieser, also nur
einen Begriff „Haus“. Verändert tut sich der Stoff (hýle). Dieser ist die
Voraussetzung, dass etwas der „Zahl nach eine Mehrheit ist“. (Aristoteles, 1074b)
Der unbewegte Beweger bzw. die unbewegten Beweger haben jedoch keinen
Stoff. Dieser ist nur der Form nach und daher nicht mehrfach. Da nichts anderes
ewige Bewegungen bzw. den Himmel erzeugen kann, „gibt es nur einen Himmel“
(Aristoteles, 1074b).
Aristoteles beschließt den Abschnitt damit, dass schon die „Alten“ die
Himmelskörper für Götter gehalten hätten. Sämtliches Beiwerk, dass sich über die
Zeit angesammelt habe, müsse nicht beachtet werden. Aristoteles sieht seine
vorgestellte Konstruktion bestärkt durch die Überlieferungen über die Götter.

12
9. Kapitel – Schwierigkeiten im Verhältnis zwischen der
Vernunft und ihrem Gegenstand
Aristoteles fragt in diesem Kapitel zunächst, worin die Würde der Vernunft eines
Schlafenden läge. Er nimmt Bezug auf ein zuvor besprochenes Problem, nämlich
ob die Vernunft in wirklicher Tätigkeit oder dem Vermögen nach sein müssen

„[…], wenn die Vernunft nicht Tätigkeit des Denkens ist, sondern
nur Vermögen, so ist ja natürlich, daß ihr die Stetigkeit des
Denkens beschwerlich sei.“ (Aristoteles, 1075a)

Die Vernunft bzw. der erste Beweger kann sich nicht in wirklicher Tätigkeit
befinden und dem Vermögen nach sein, wenn sie stetig denkt. Die erste ousia ist,
wie zuvor beschrieben, nicht dem Vermögen nach. Die menschliche Vernunft
(bspw. beim Schlafenden) kann nicht steht denken und dem Vermögen nach.

„Wenn sie [Vernunft] aber denkt, dies Denken aber durch etwas
anderes bedingt ist, so wäre sie, da das, worin ihre Wesenheit
besteht, dann nicht Denken als Tätigkeit, sondern nur das
Vermögen dazu wäre, nicht die beste Wesenheit.“ (Aristoteles,
1075a)

Die Problematik zwischen Vernunft und dem Gedachten ist schon in Kapitel sieben
aufgekommen und schließt sich an die erste Fragestellung an. Wenn das Objekt
der Vernunft diese erst dazu befähige tätig zu werden, dann könnte die Vernunft
bzw. „die Tätigkeit des Denkens nicht das Beste sein“ (Aristoteles, 1075a).
Aristoteles spricht die Problemstellung zweimal an, gibt aber zunächst keinen
Lösungsansatz. Es stellt sich ihm zudem eine dritte Frage.

„Ferner, mag nun Vernunft oder mag die Tätigkeit des Denkens
ihre Wesenheit sein, was denkt sie denn? Entweder doch denkt
sie sich selbst oder etwas anderes, und wenn etwas anderes,
dann entweder immer dasselbe oder Verschiedenes. Macht es
nun einen Unterschied, oder macht es keinen, ob man das
Schöne oder ob man das erst beste denkt?“ (Aristoteles, 1075a)

Was denkt die osuia des ersten Bewegers? Die Vernunft kann sich selbst, von ihr
verschieden immer Gleiches (stetige Bewegung) und Verschiedenes (Einzeldinge)
denken. Die erste ousia „denkt […] das Göttlichste und Würdigste, und zwar ohne
Veränderung“ (Aristoteles, 1075a). Sie verändert sich nicht, weil die ousia dann

13
nicht mehr das Göttlichste wäre. Das Göttlichste ist die Vernunft. „Sich selbst also
denkt die Vernunft, sofern sie ja das Vorzüglichste ist, und das Denken ist Denken
des Denkens (nóesis noéseos).“ (Aristoteles, 1075a) Eine ebenso aus Kapitel sieben
bekannte Formel: Die höchste Vernunft denkt sich selbst. Nach dieser Form ist das
göttliche Denken beschaffen.
Nun besteht weiterhin das Problem, dass die Vernunft ein Objekt benötigt, auch
wenn sie sich selbst denkt. Aristoteles sagt, dass Wissenschaften und
Sinneswahrnehmungen immer etwas als Objekt hätten. Deren Wahrnehmung von
sich selbst wäre eine Nebenerscheinung. Ergänzt dann jedoch:

„Doch bei manchen ist ja die Wissenschaft die Sache selbst. Bei
den werktätigen Wissenschaften sind, vom Stoff abgesehen, die
Wesen und Wesenwas, bei den betrachtenden (theoretikaí) der
Begriff und das Denken die Sache. Da also das Gedachte und die
Vernunft nicht verschieden sind bei allem was keinen Stoff hat,
so wird es dasselbe sein, und das Denken mit dem Gedachten ein
einziges.“ (Aristoteles, 1075a)

Die „betrachtenden (theoretikaí)“, stofflosen Wissenschaften befassen sich mit


Begriffen und dem Denken. In ihrem Denken beziehen sie sich also ebenso auf das
Denken. Wenn die Vernunft etwas ohne Stoff behandelt, ist diese identisch mit
dem Gedachten. Im Denken steckt schon das Denken selbst, daher ist also kein
fremdes Objekt für das Denken notwendig. Demnach löst sich das zweite
genannte Problem auf. Warum etwas ohne Stoff die Vernunft und das Gedachte
zu ein und demselben machten, wird nicht weiter ausgeführt.
Aristoteles fragt zuletzt, „[…] ob das Gedachte zusammengesetzt ist; denn es
würde ja dann das Denken in Teilen des Ganzen einer Veränderung unterworfen
sein“ (Aristoteles, 1075b). Dies ist wichtig, da sich die erste ousia in jenes
verschiedenes Gedachtes wandeln würde, wenn sie unterschiedliches Einzelnes
als Gedachtes hätte. Aristoteles Antwort ist eindeutig. Das Gedachte der ersten
ousia ist nicht zusammengesetzt, da diese stofflos ist und damit nicht teilbar. Die
menschliche Vernunft dagegen denkt zusammengesetzt.

Es scheint, dass Aristoteles eine menschliche Vernunft der göttlichen Vernunft


entgegenstellt. Beispielsweise spricht er von der Vernunft, welche sich selbst, aber
14
auch anderes denkt. Die göttliche Vernunft denkt allerdings nur sich selbst. Dieser
kann die menschliche Vernunft nachstreben, jedoch ist sie weder stetig noch
zusammengesetzt.

Fazit
Es hat sich herausgestellt, dass es 55 bzw. 47 erste Beweger oder auch Gottheiten
gibt. Jeder dieser treibt eine ewige Kreisbewegung an, die wiederum die
Einzeldinge auf der Erde bewegen. Hierbei handelt es sich um zwei verschiedene
Bewegungen. Die ersten Beweger ist das am besten Seiende und die höchste ousia.
Jene ist die sich selbstdenke Vernunft, die in ewiger, lustvollster, wirklicher
Tätigkeit ist. Der erste Beweger bewegt, ohne bewegt zu werden, da alles nach
ihm strebt und er Zweck für etwas ist. Wichtig ist zudem, dass dieser erste
Beweger notwendig ist. Es gäbe keine Bewegung oder Zeit, ohne diesen.
Himmelskörper und deren ewige Kreisbewegung wären nicht möglich. Zudem ist
der erste Beweger ohne Stoff (hýle), wodurch er nicht dem Vermögen nach sein
kann und nur einer ist.
Hier fällt die erste Unklarheit auf. Es gibt 55 bzw. 47 erste Beweger, aber diese sind
alle ein einziger. Es lässt sich spekulieren, dass die große Himmelsphäre als erste
Antriebskraft verstanden werden kann.
Problematisch aus heutiger Sicht ist die Herleitung der Anzahl der unbewegten
Beweger. Aristoteles besaß nicht dasselbe astronomische Wissen, welches wir
heute besitzen und bezieht sich auf Fakten, denen wir nicht mehr zustimmen.
Daher habe ich den Teil kurz gehalten und mich auf die Methodik beschränkt, die
er anwendet, um die Zahl der unbewegten Beweger zu berechnen.
Auch seine Argumentation auf Basis der systoichia erscheint nicht nachvollziehbar.
Sie stellt eine wichtige Stütze für die dargestellte Konzeption, wird jedoch nicht
weiter begründet oder erläutert.
Ist der erste Beweger nach Aristoteles nun ein Gott, der lustvoll rein über sich
selbst nachdenkt oder eher eine stofflose Vernunft, die mechanisch auf sich selbst
referiert? Vielleicht stimmt beides. Es ist eventuell aber auch nicht möglich diese

15
Frage und weitergehende Fragen solcher Art zu beantworten, da wir uns in einem
Bereich befinden, der sich der menschlichen Vorstellungskraft entzieht.
Festzuhalten bleibt, dass es einen ersten Beweger geben muss und dieser als
Zweck, die Existenz der Welt anstößt.

16
Literaturverzeichnis

Aristoteles (2014[1966]): Metaphysik. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt


Taschenbuch Verlag

Bordt, Michael (2006): Aristoteles` Metaphysik XII. Darmstadt: WBG

Rapp, Christof (2016): Aristoteles Metaphysik/ Ta meta ta physika. In: Schriefl,


Anna (Hrsg.): Kindler Kompakt Philosophie der Antike. Stuttgart: J.B. Metzler
Verlag, 110-115

17