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9,33 : Siehe, ich lege in Zion einen Stein des Anstoßes und einen Fels des Ärgernisses , und

wer
darauf vertraut, wird nicht zuschanden werden.

Das Zitat ist eine Kombinierung von Jes 8,14 und Jes 28,16 — In der rabbinischen Literatur
werden beide Stellen nur selten zitiert.

a. Jes 8, 14 : Wird er (Jahve) doch zum Heiligtum werden und zum Stein des Anstoßes

und zum Fels des Strauchelns den beiden Häusern Israels. — Targum : Und wenn ihr (es) nicht
annehmt, wird sein Memra (d. h. Gott selbst) unter euch zum Bestrafer werden und zum
schlagenden (erschütternden) Stein und zum Fels des Anstoßes den beiden Häusern der Fürsten
Israels. — LXX :

b. Jes 28, 16 : Siehe, ich habe auf Zion einen Stein gegründet, einen Stein der Bewährung, einen
kostbaren Eckstein wohlgegründeter Gründung: wer da glaubt (vertraut), wird nicht weichen
(müssen). — Targum : Siehe, ich setze in Zion einen König ein, einen mächtigen König, einen
heldenhaften und furchtbaren; ich stärke ihn und ich halte ihn. Der Prophet hat gesagt : Und die
Gerechten, in denen Vertrauen ist, werden, wenn Bedrängnis kommt, nicht erschüttert werden.
— LXX:

c. a) Jes 8, 14 , s. Sanh 38a bei Lk 2, 34 und S. 139 f. — ß) Jes 28, 16 . — Midr Qoh 3,8(17 b) : R.
Jehoschua von Sikhnin (um 330) hat die Schriftstelle (Qoh 3, 1—8) auf Israel ausgelegt.
«Geborenwerden hat seine Zeit und Sterben hat seine Zeit» Qoh 3, 2; Gott sprach: Für kurze Zeit
bin i ch Geburtshelferin für meine Kinder gewesen, s. Ez 16, 4; «und Sterben hat seine Zeit», s.
Nu 14, 35 ; 26, 65 . «Pflanzen hat seine Zeit» Qoh 3, 2 , s. Am 9, 15 ; «und Ausrotten v o n
Gepflanztem hat seine Zeit» Qoh 3, 2, s. Dt 29 , 27. «Töten hat seine Zeit» Qoh 3, 3, s. KL 2, 4 ;
«und Heilen hat seine Zeit» Qoh 3, 3, s. Jer 33, 6. «Einreißen hat seine Zeit» Qoh 3, 3, s. Am 4, 3
; «und Bauen hat seine Zeit» Qoh 3, 3, s. Am 9, 11 . «Weinen hat seine Zeit» Qoh 3, 4, s. KL 1, 2
; «und Lachen hat seine Zeit" Qoh 3 , 4 , s. Ps 126, 2. «Klagen hat seine Zeit» Qoh 3, 4, s. Jes 22,
12 ; «und Tanzen hat seine Zeit» Qoh 3, 4 , s. Sach 8, 5. «Steinewerfen hat seine Zeit» Qoh 3, 5,
s. KL 4, 1 ; «und Steinesammeln hat seine Zeit» Qoh 3, 5, denn es steht geschrieben: Siehe, ich
habe auf Zion einen Stein gegründet, einen Stein der Bewährung usw. Jes 28 , 16 . || DtR 3 (
201a ) : R. Tanchuma (um 380) hat gesagt: Was bedeutet: «Steinewerfen hat seine Zeit»? Qoh 3,
5. Damit ist die Zeit gemeint, da Hadrian, zermalmt seien seine Gebeine!

heraufziehen wollte, um die Steine des Heiligtums zu zerstreuen (gelegentlich der Gründung von
Aelia Capitolina); «und Steinesammeln hat seine Zeit", das geht auf die Zeit, da Gott jenes (das
Heiligtum) bauen wird. Woher? Weil es heißt : Deshalb hat der Allherr Jahve also gesprochen:
Siehe, ich habe auf Zion einen Stein gegründet, einen Stein der Bewährung usw. Jes 28, 16f.

u. bei Rom 9, 25-26 S. 2 7 2 - 2 7 4 .

9, 25: W i e er auch irr H o s e a s a g t : Ich will nennen, was nicht

mein Volk war, „mein Volk" u. die nicht G e l i e b t e „Geliebte".

1. <ag i v xa) lSiar]h Xiysi — sujina los» loa; als Subjekt ist hinzuzudenken

Gott oder die Schrift. — So Midr Qoh 2 , 8 ( 1 3 b ) : ' w n « j " a 3>

d. h.: r v w a I O K » loa, wie er (Gott, Schrift) in Jesaja gesagt hat; oder:

marena issora loa = wie gesagt worden ist usw.; oder: '-«a anair loa =
•wie er geschrieben hat usw.; oder: 'ra airaa loa = wie geschrieben ist

in Jesaja. - Vgl. bei Mk 1, 2 f. S. 1 Nr. 1 u. bei Rom 3, 9 S. 149 Fußn. 1.

2. Hos 2 , 2 5 : Ich begnadige die Unbegdadigte u. sage zu dem Nichtmein-

Volk: Mein Volk bist du, u. es sagt (zu mir): Mein Gott! —

Targum: Ich will mich erbarmen über die (oder ich will lieben die),

die nicht Geliebte sind wegen ihrer Werke (oder: durch ihre Werke),

u. will sagen zu denen, zu denen ich gesagt habe: „Nicht mein Volk":

Fürwahr mein Volk seid ihr! u. es wird sagen (antworten): Mein Gott! —

LXX Hos2, 23 ( = 2 , 2 5 im Urtext): xal dyarrrjao) xi\v ovx ijya7rr}fievrjv,

xal SQCÖ r<p ov Aay fiov, Xaög fiov ei av' xal avvdg eget, xvgiog 6 &sög

(xov ei ov.

P e s 8 7 b : R. EHazar (um 270) hat g e s a g t : Auch in der Stunde seines Zornes ist

Gott des Erbarmens eingedenk, denn es heißt: Denn nicht will ich mich mehr weiterhin

des Hauses Israel erbarmen Hos 1,6. (Auch in d i e s em Verwerfungswort kommt der

Ausdruck „erbarmen" vor.) . . . R. Jochanan ( f 279) hat g e s a g t : Von hier (kann der

Schriftbeweis geführt werden): Erbarmen will ich mich der Unbegnadigten Hos 2 , 2 5 . ||

N u R 2 ( 1 3 8 c ) : R. Jicchaq' (um 300) hat g e s a g t : Gott sprach zu Israel: Ich bin der

Erste zum Guten u. der Letzte zum Bösen. Der Erste zum Guten: Und i c h werde

sagen zu d em Nicht-mein-Volk: Mein V o l k bist du Hos 2, 25, u. hinterher heißt es

( d a s . ) : Und es s a g t (zu m i r ) : Mein Gott (lies "n^s statt -n Vs, das sich Hos 2,1 findet)!

Aber beim Bösen redet er als Letzter: Denn ihr seid nicht mein V o l k Hos 1 , 9 ; u.

hinterher heißt es ( d a s . ) : Und ich w i l l nicht euer sein.

9 , 2 6 : Und es wird sein an dem Orte, wo zu ihnen g e s a gt

wurde: N i c h t mein Volk seid ihr, dort werden sie Söhne

des lebendigen Gottes genannt werden.

1. Hos 2 , 1 : Und geschehen wird es, an dem Orte, da zu ihnen gesagt

wird (nach andren: u. geschehen wird es, anstatt daß zu ihnen gesagt

wird): „Nicht mein Volk seid ihr", wird zu ihnen gesagt werden „Söhne

des lebendigen Gottes". — Targum: Und geschehen wird es, an dem

Orte, wo sie unter die Völker verbannt wurden, als sie die Tora übertraten,

u. wo zu ihnen gesagt wurde: „Nicht mein Volk seid ihr",


werden sie wieder groß gemacht werden, daß zu ihnen gesagt werden

wird: „Volk des ewig bleibenden Gottes." — L X X Hos 1,10 ( = 2,1

im Urtext): xal eazai, iv T«V5 TÖTIM, OV eggii^rj avioTg, ov Xaög fiov vfieTc,

xXrjd-tjo'ovTai xal aviol vlol &eoi> £ojriog.

Qid 3 6 a s. bei Rom 9, 6 S. 264 Anm. d; die Parallele SDt 14, 1 § 9 6 ( 9 4 a ) s. bei Rom

1, 3 S. 17 Nr. 3 a . || N u R 2 ( 1 3 8 a ) : Und es wird geschehen, an d em Orte, da man zu ihnen

sagte: „Nicht mein V o l k seid ihr* usw. Hos 2 , 1 . W o ist das zu ihnen gesagt w o r d e n?

Als sie j e n e Tat (Anbetung des goldenen Kalbes) begingen, nannte Gott sie „ V o lk

Moses", wie es heißt: Geb, steige hinab, denn dein V o l k handelt verderbt Ex 3 2 , 7 .

Alsbald gürtete Mose seine Lenden im Gebet, wie e s h e i ß t : Mose suchte Jahve seinen

Gott zu begütigen Ex 3 2 , 1 1 . Gleich einem König, der sein W e i b sah, wie e s einen

Verschnittenen küßte. Er sprach zu i h r em Brautführer (s. bei Mt S. 5 0 0 f f . ) : Ich entlasse

sie, ich v e r s t o ß e sie, sie mag in das Haus ihres Vaters gehn! Er sprach zu i h m :

W a r u m ? Weil ich s ie betroffen habe, wie sie einen Verschnittenen küßte. Er sprach

zu ihm: Nun wird sie dir schöne u. starke Söhne (von d em Verschnittenen) stellen,

die mit dir in den K r i e g ziehen! Er antwortete: Von d em ist nichts zu erwarten,

der erzeugt sich nichts. Und wegen einer solchen Sache, (sprach der Brautführer),

von der e s keinen Gewinn gibt, zürnst d u ? Ebenso heißt es: Warum, o Jahve, soll

dein Zorn wider dein V o l k entbrennen usw. E x 3 2 , 1 1 ? Mose sprach zu G o t t : Das Kalb,

das die Israeliten gemacht haben, wird dich nun unterstützen: es läßt die Regengüsse

niederfallen, u. du l ä ß t den Tau hervorbrechen. Gott sprach zu i h m : Ist denn v o n

Strack u. Billerbeck, NT III. 18

d em etwas zu e r w a r t e n ? Mose antwortete i h m : Und wenn an dem nichts Wesenhaftes

ist, warum zürnst du denn? Warum, o Jahve, soll dein Zorn wider dein V o l k entbrennen

usw.? Warum sollen die Ä g y p t e r sagen u s w . ? Ex 32,12. Gedenke an Abraham

usw. Ex 32,13. W a s steht hinterher g e s c h r i e b e n ? „Und Jahve ließ es sich leid

sein ob des Unheils, welches er seinem V o l k e zuzufügen geredet hatte" Ex 3 2 , 1 4.

S e i n e m V o l k e (heißt es hier, nicht: Moses V o l k e ) ; da siehst du e s : Und geschehen

wird es, an dem Orte, da man zu ihnen s a g t e : „Nicht mein V o l k seid ihr" usw. Hos 2 , 1 . ||

NuR 2 ( 1 3 8 c ) : In den Tagen des (Propheten) Hosea erzürnten die Israeliten Gott. Gott

begann sie in Furcht zu setzen: „Denn Hurenkinder sind sie" usw. (Hos 2, 6), „denn
sie ist nicht mein W e i b " usw. (das. 2 , 4 ) ; „nenne seinen Namen: .Nicht mein V o l k ',

denn ihr seid nicht mein V o l k " (das. 1, 9 ) . W e n n er aber s o l c h e s eine Stunde lang
seinem

Mund entfahren ließ, so tat er es nur, um sie zum Guten zurückzubringen. Und er

vermochte es auch nicht einmal eine Stunde zu ertragen; sondern während er noch

an seiner Stelle stand, wurde er rückgängig, wie es heißt:. Und geschehen wird es,

an dem Orte, da man zu ihnen sagte: „Nicht mein V o l k seid ihr", wird man sie heißen

„Söhne des lebendigen Gottes" Hos 2 , 1 . || N u R 2 ( 1 3 8 b ) : Und es wird geschehen, an

d em Orte, da man zu ihnen sagte: „Nicht mein V o l k seid ihr", wird man sie heißen

„Söhne des lebendigen Gottes" Hos 2 , 1 . R. Jochanan (f 279) hat gesagt: Was steht

vor der Stelle geschrieben? „Geh hin, nimm dir ein Hurenweib" usw. Hos 1,2; „u. er

g i n g u. nahm die Gomer" usw. (das. 1, 3) u. der ganze Vers: „Nenne seinen Namen

»Nicht mein V o l k ' " usw. (das. 1 , 9 ) . Und hinterher heißt es: Und es wird geschehen,

an dem Orte, da man zu ihnen sagte usw. Hos. 2 , 1 . Wenn er sie nun da, wo er über

sie zürnte, so geliebt hat, um wieviel mehr wird es dann der Fall sein, wenn er sie

liebhat! Womit läßt sich das vergleichen? Mit einem König, der über sein Weib

zürnte. Er sprach: Ich verstoße sie u. schone auch ihrer Kinder nicht, sie ist nicht

mein W e i b , u. ich bin nicht ihr Mann. Dann ging er auf den Markt hinab, begab sich

zu einem Goldschmied u. sprach zu diesem: Mache für mein W e i b goldene Schmucksachen!

Sein Freund ging u. traf ihn bei d em Goldschmied, der für sein W e i b die

Schmucksachen machte. Er ging u. sprach zu ihren Nachbarinnen: Habt ihr nicht gehört,

daß der König Streit mit seinem W e i b e hatte u. zu ihr sagte: Ich verstoße s i e?

Jetzt habe ich ihn beim Goldschmied gesehen, wie er zu ihm s a g t e : Mache Schmucksachen

für mein W e i b ! Ebenso als Gott über Israel zürnte, sagte er zu Hosea: Geh

hin, nimm dir ein Hurenweib Hos 1 , 2 ; ich will sie nicht (nach der Lesart "i** statt

•as), „denn es hurt das Land" (das.); ich erbarme mich ihrer nicht, nenne ihren Namen

die „Unbegnadigte" Hos 2, 2 5 ; sie ist nicht mein u. ich bin nicht ihr, „denn ihr seid

nicht mein V o l k , u. i c h will nicht euer sein Hos 1 , 9 . Da sprach Hosea zu den Völkern

der W e l t : Meint ihr etwa, weil er j e n e W o r t e zu ihnen gesagt hat: „Denn ihr seid

nicht mein V o l k " , daß er über sie zürnt? Seht (lies ix-> statt •,IK" ) , wie er zu ihnen

sagt, was darauf f o l g t : Und geschehen wird es, an dem Orte, da man zu ihnen sagte:
„Nicht mein V o l k seid ihr", wird man zu ihnen sagen: „Söhne des lebendigen Gottes"

Hos 2 , 1 . || Midr P s 22 § 7 (92 b ) : Unsre Lehrer haben gelehrt: Aus Ärger (geht hervor)

Wohlgefallen, aus Finsternis Licht, aus Zorn Erbarmen, aus Bedrängnis W e i t e


(Wohlbefinden),

aus Entfernung Näherung, aus Fallen Auferstehn. Aus Ä r g e r W o h l g e f a l l e n ,

s. D t 9 ,14 u. E x 3 2 , 1 4 ; aus Finsternis Licht, s. Micha 7 , 8 ; aus Zorn Erbarmen, s. Hab 3 ,2

Ende; aus Bedrängnis Weite, s. Jer 30, 7; aus Entfernung Näherung: „Und geschehen

wird es, an dem Orte, da man zu ihnen sagte: ,Nicht mein V o l k seid ihr', wird man

zu ihnen sagen: Söhne des lebendigen Gottes" Hos 2 , 1 . Aus Fallen Auferstehen,

s. Micha 7 , 8 .

2. Der Apostel hat die Verse Hos 2 , 2 5 u. 2 , 1 in Rom 9 , 2 5 f. so miteinander

verknüpft, als ob sie im Grundtext e i n e Stelle bildeten. Dergleichen

findet sich auch in der rabbinischen Literatur, s. zB oben

unter Nr. 1 NuR 2 (138«), wo Hos 2, 6; 2, 4 u. 1, 9 ohne jede Trennung

so miteinander verbunden sind, als ob sie ein Zitat wären.