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Friedrich-Schiller-Universität Jena

Institut für Soziologie


Wintersemester 2019
Seminar: „Das Kritische der Kritischen Theorie“
Dozentin: Dr. Peggy Hetmank-Breitenstein
Protokollant*in: Hannah Merkle, Milan Slat

Protokoll (erste Hälfte) zur Sitzung vom 28.11.2019 zu Max Horkheimer: Nachtrag zu
Traditionelle und kritische Theorie. In: Gesammelte Schriften, hg. von A.Schmidt und
G.Schmid Noerr, Frankfurt/M.1988. Bd. 4.

1. Zur kommenden Sitzung:


Adorno, Theodor W.: Kritik. In: Gesammelte Schriften, Band 10.2, 785-793.

2. Besprechung des Protokolls der letzten Sitzung:


Seite 2 (Absatz 2):
• Marx spricht von „versachlicht“, nicht von „verdinglicht“.
 Versachlichung der Verhältnisse von Personen – Personifizierung der Verhältnisse
von Sachen bzw. „von Personifizierung der Sache und Versachlichung der Personen“
(Kapital I, MEW 23, 128)
Seite 2 (Absatz 3):
• Vorschlag einer Ergänzung: „Die Auflösung des Fetischismus hingegen hat eine Än-
derung der gesellschaftlich, vom Menschen gemachten und historisch gewordenen
Verhältnissen (Produktionsweise, Eigentumsverhältnisse etc.) zur notwendigen Be-
dingung“.
 Hierdurch soll deutlich werden, dass der Fetischismus die Veränderung der Pro-
duktionsverhältnisse zur notwendigen Bedingung hat. Dies stellt aber weder bei
Horkheimer, noch bei Marx eine hinreichende Bedingung dar. Es handelt sich also
eben nicht um einen Determinismus des historischen Materialismus.

Seite 2: („Zum Ideologiebegriff“):


• Vorschlag: „fälschlicherweise“ rausnehmen oder in Klammern setzen.

Seite 3 (zu den Leitfragen):


• 2. Leitfrage: Hier wurde im Protokoll Basis und Überbau vertauscht. Es müsste hei-
ßen: Verhältnis von ökonomischen, sozialen Verhältnisse, Produktionsverhältnissen,
Produktionsweisen (Basis) zu anderen kulturellen Sphären, Kunst, Kultur, Literatur
(Überbau)
• Ergänzung durch weitere Leitfrage: „Inwieweit ist die Kritische Theorie auch Philo-
sophie?“

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 Hierdurch soll verdeutlicht werden, dass Horkheimer im „Nachtrag“ versucht zu
klären, in welchem Verhältnis die Kritische Theorie zur Philosophie steht und wieso
sie nicht ohne letztere auskommen. Außerdem stellt sich die Frage, inwiefern Marx
schon philosophisch war und es auch bleibt.
• Ergänzung durch weitere Leitfrage: „Wie sieht das Verhältnis zwischen „Philoso-
phie“, „Kritischer Theorie“ und „Kritik der politischen Ökonomie“ aus?“

Vertiefung des Protokolls:


Seite 4 („Zu Abschnitt 1“):
• Totalität der Gesellschaft: Auch das Denken/die Theorie gehört als Praxis zur Totali-
tät der Gesellschaft und ist damit immer auch Teil des Wandels. Dies machte bereits
Hegel im deutschen Idealismus deutlich.
 Außerdem wird Theorie selbst als Praxis, sogar Produktivkraft verstanden. Da die
Beobachtenden immer selbst in soziale Praxis involviert sind, lässt die Kritische The-
orie (bzw. Theorie im Allgemeinen) den zu analysierenden Gegenstand nicht so wie
er ist. Das bedeutet auch, dass sich die Praxis ändern muss, sofern sich das Wissen
über diese ändert.

Seite 4/5 („Zu Abschnitt 2“):


• Erneute Erläuterung des Unterschieds zwischen Idealismus und Materialismus: Zu-
nächst hält Frau Breitenstein fest, dass auch schon Marx diese Unterscheidung in sei-
nen „Feuerbach-Thesen“ vornimmt und geht deshalb im Folgenden auf diese ein
(These 1 und 5, siehe MEW 3, 5ff.). Der Idealismus beinhaltet einen aktiven Aspekt,
also eine aktive Konstituierung des Erkenntnisgegenstands. Am Materialismus Feuer-
bachs kritisiert Marx das passive Moment. So ist Marx der Überzeugung, dass auch
Sinnlichkeit und Wahrnehmung sich tätig bzw. in Tätigkeiten realisieren und wandel-
bar sind. Der dialektische Materialismus von Marx setzt sowohl das aktive, als auch
das passive Moment in eine Wechselwirkung zueinander: Materie, Geist, Sinnlichkeit
und Denken stehen also in einer Wechselwirkung zueinander. Dies konstituiert die
soziale Praxis.

3. Weiter zum Horkheimer Text:


Nachtrag/ Ergänzung:

Absatz 1 („von menschlicher Aktivität und dem Grad ihrer Macht“):


• Hier ist von Herrschaft im Sinne von „Naturbeherrschung“ die Rede. Es geht also um
das Verhältnis Mensch-Natur, bzw. was der Mensch über Letzte vermag.
• Es kommt die Nachfrage, ob Macht konstant und anthropologisch sei.
 Das Seminar einigt sich, dass Horkheimer an dieser Stelle einen offenen Machtbe-
griff verwendet. Dies impliziert, dass sobald Menschen miteinander interagieren
Machtverhältnisse bzw. eine wechselseitige Beeinflussung entstehen.

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Absatz 2 („um die gesellschaftliche Arbeit“):
• Hier stand die Frage im Raum, ob es sich um einen weiten Begriff von Arbeit als
zweckgerichteter Tätigkeit oder um eine engere Auffassung von Arbeit als die spezi-
fische Reproduktion des physischen Lebens handelt. Diese Frage blieb noch offen.

Absatz 3: Emanzipation als Ziel kritischer Theorie und als philosophisches Ziel
1. Die Rolle der Fachwissenschaften
Zuerst wurden die ersten beiden Sätze des dritten Absatzes besprochen: Hier wurde insbe-
sondere auf das Verhältnis „Kritische Theorie – Fachwissenschaften“ eingegangen (2. Satz,
3. Absatz: „Bei aller Wechselwirkung zwischen der Kritischen Theorie und den Fachwissen-
schaften […], zielt sie nirgends bloß auf die Vermehrung des Wissens als solchen ab, sondern
auf die Emanzipation des Menschen aus versklavenden Verhältnissen“). Die Beschäftigung
mit den Fachwissenschaften ist für die Kritische Theorie dahingehend wichtig, da die Fach-
wissenschaften etwas über den aktuellen Zustand der Verhältnisse aussagen. Die gesellschaft-
lichen Antagonismen fügen den Individuen jedoch Leid zu und machen somit Philosophie
und Kritische Theorie als eine Art der Philosophie nötig. Die Kritische Theorie geht nämlich
über die deskriptiven Analysen der Fachwissenschaften hinaus und stellt somit eine Kritik der
Verhältnisse an sich dar. So beschäftigt sie sich mit den von Kant explizit formulierten, all-
gemeinen Fragen wie: „Was können wir wissen?“; „Was können wir hoffen?“; „Was wollen
wir tun?“. Diese Fragen kulminieren in den Fragen: „Was ist der Mensch?“; „Was ist das
menschliche Leben?“; „Was ist das gute Leben?“; „Wie sollen wir (gut) leben?“. Diese Fra-
gen stellen Metafragen der Philosophie dar, die durch empirische Untersuchungen nicht be-
antwortet werden können und die von den Fachwissenschaften nicht gestellt werden.

2. Die Kritische Theorie in einem antagonistischen Verhältnis zur Gesellschaft


Im Folgenden kommt im Seminar die Frage auf, ob die Kritische Theorie in einem wider-
sprüchlichen, respektive antagonistischen Verhältnis zur Gesellschaft stehe: Ob ein solches
Verhältnis vorliegt, kommt auf die Gesellschaft an: Wenn die Gesellschaft an sich antagonis-
tisch ist, wir selbst also in einem Widerspruch zu uns stehen, so muss sich auch die Kritische
Theorie antagonistisch zur Gesellschaft positionieren. Die Kritische Theorie wird dann über-
flüssig, wenn die Gesellschaft keine antagonistische ist. So ist es eigentlich ihr Anspruch,
sich selbst abzuschaffen. Dies ist aber eine Utopie, da eine Gesellschaft nie ohne Antagonis-
men auskommen wird.
Die beiden Begriffe „widersprüchlich“ und „antagonistisch“ werden in diesem Kontext als
Synonyme verwendet (dies entspricht auch der Verwendung bei Marx bzw. der Kritischen
Theorie im Allgemeinen).

3. Emanzipatorischer Anspruch der Kritischen Theorie


Im Gegensatz zur traditionellen Theorie, die die „Vermehrung des Wissens als solche[n]“
zum Ziel hat, setzt die Kritische Theorie die „Emanzipation des Menschen aus versklavenden
Verhältnissen“ als ihren Anspruch (S.219). An dieser Stelle paraphrasiert Horkheimer fast
getreu Marx, der bereits in „Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“ fordert, „alle Ver-
hältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlasse-
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nes, ein verächtliches Wesen ist“ (MEW 1, 385). Es geht also um tatsächliche, konkrete Ver-
hältnisse.
Im Seminar kommt die Frage auf, ob „Befreiung“ und „Emanzipation“ in diesem Kontext
gleichbedeutend sind. Es wird vorgeschlagen, Emanzipation als aktiveren Prozess anzusehen
(Erziehung zur Mündigkeit/Eigenbeitrag jedes Subjekts zur Befreiung), während die Befrei-
ung aus den Verhältnissen ein eher passiveres Moment darstellt. Im Seminar wird aber auch
betont, dass beide Seiten nicht ohne einander funktionieren. Die Aussage „Man muss nur die
Verhältnisse umschmeißen, dann verändert sich schon alles“ ist also nicht zutreffend. Auch
die Menschen müssen sich selbst verändern.

4. Kritische Theorie als Kritik der politischen Ökonomie/Materialismus


Im letzten Satz des Absatzes 3 („Indem sie den gegenwärtigen Zuständen auf den Grund
ging, wurde sie zur Kritik der Ökonomie“) wird deutlich, dass die Kritische Theorie als Theo-
rie der gegenwärtigen Gesellschaft den Fokus auf die Ökonomie legen muss. Im Seminar
wird hier auf Absatz 7 verwiesen: „Die Ökonomie ist die Ursache allen Elends […]. Die ge-
schichtliche Veränderung lässt das Verhältnis zur Kultursphäre nicht unberührt“ (S. 222).
Nicht die Tatsache, dass der Mensch für seine Subsistenz sorgen muss, begründet die Rele-
vanz der Ökonomie; schließlich spielt die Subsistenz immer eine basale Rolle. Vielmehr wird
die spezifische, jetzige Verfassung dieser Subsistenzwirtschaft zum Teil der Kritik.
Im Seminar folgt ein kurzer Exkurs zum Begriff des Materialismus: „Materialismus“ ist viel-
deutig. So bezeichnet er sowohl eine erkenntnistheoretische als auch eine metaphysische Po-
sition: Es gibt nur eine Substanz (Monismus), die sich physikalisch beschreiben und erklären
lässt (Physikalismus). Sowie auch eine sozial-philosophische Position: Gesellschaft ist von
bestimmten Weisen und Verhältnissen des Wirtschaftens abhängig, alles andere (Kultur, Le-
bensformen etc.) hängt hiervon ab bzw. ist determiniert. Und nicht zuletzt auch eine ethische
Position: Ausgehend vom Verständnis bzw. Begriff des Menschen als einem immer auch
leiblich-sinnlichen Wesen soll Wissenschaft es sich zur Aufgabe machen, Bedingungen zu
schaffen, unter denen die Bedürfnisse des Menschen befriedigt werden können und nicht
frustriert werden, sodass Leid herrscht. Wo Leid herrscht, soll kritische Theorie/ Wissen-
schaft die Ursachen erforschen, die dafür verantwortlich sind und dadurch an den notwendi-
gen Bedingungen arbeiten, dieses Leid aufzuheben. Dieser Materialismus stellt gerade keinen
Determinismus dar.

Absatz 4: Der Gegensatz von Kritischer Theorie und Ökonomismus


Nach einer kurzen Diskussion entschließt sich das Seminar diesen Abschnitt nicht weiter zu
besprechen.

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Absatz 5: Kritik der politischen Ökonomie und ihr Verhältnis zum Ganzen sowie die Er-
läuterung der gesellschaftlichen Antagonismen

1. Die Methoden der Kritischen Theorie

Eine der wichtigsten Methoden der Kritischen Theorie ist eine Art der immanenten Kritik. In
dieser werden Implikationen (auch normative) der untersuchten Begriffe identifiziert und mit
der sozialen Wirklichkeit und Möglichkeit konfrontiert. Dadurch werden inhärente Wider-
sprüche offengelegt und Ansatzpunkte für weitere Analysen geschaffen. Die Kritische Theo-
rie versucht zudem in ihren Betrachtungen gesellschaftliche Prozesse ganzheitlich zu betrach-
ten. Dazu schreibt Horkheimer: „[J]edoch [ist] die kritische Theorie der Gesellschaft auch als
Kritik der Ökonomie philosophisch geblieben: ihren Inhalt bildet der Umschlag der die Wirt-
schaft beherrschenden Begriffe in ihr Gegenteil[.][...] Es handelt sich hier nicht so sehr um
das, was gleichbleibt, als um die geschichtliche Bewegung der Epoche, die zum Abschluss
kommen soll. [...] Der Hinblick auf die Tendenzen der gesamten Gesellschaft, [...] bezeichnet
den Unterschied zu rein fachlichen Betrachtungen“ (Hervorhebung von mir, M.S.). Den In-
halt der Kritischen Theorie bilden in dieser Hinsicht also zum einen die Erkenntnisse der im-
manenten Kritik, zum anderen werden jedoch Veränderungen in der Gesellschaft betrachtet
und ins Verhältnis zum Ganzen gesetzt. Dadurch betont die Kritische Theorie einerseits die
Erkenntnis gesellschaftlicher Prozesse und reflektiert andererseits, dass die Kritische Theorie
auch die Realisierungsmöglichkeiten in der gegenwärtigen Gesellschaft mitdenken muss. Sie
betrachtet gerade das Veränderbare, was sonst oft als notwendig verkannt wird und reflektiert
dessen Kontingenz.

2. Kritik der Ökonomie

Der Inhalt der Kritik der Ökonomie fußt in der Methode der immanenten Kritik und dem An-
spruch die Ökonomie im Verhältnis zur ganzen Gesellschaft zu betrachten, sowie durch ihre
Kritik zu einer vernünftigen Neuorganisation der gesellschaftlichen Verhältnisse beizutragen.
Deshalb sieht sie, dass in den ökonomischen Grundbegriffen gewisse Versprechen zum Aus-
druck kommen, die in der wirklichen gesellschaftlichen Praxis nicht realisiert werden oder
dass ihre Wirkungen diesen sogar diametral entgegenlaufen. So ist zum Beispiel eine Wir-
kung des als gerecht angesehenen Äquivalententauschs (Tausch Lohn gegen Arbeit), dass
sich die sozialen Ungleichheiten verschärfen. Ein weiterer Fall ist die Umschlagung der als
belebend und innovierend verstandenen Konkurrenzverhältnisse in Monopolismus. Indem sie
diese Umstände ins Verhältnis zu den gesamtgesellschaftlichen Prozessen setzt, sieht sie aber
ebenso, dass diese gesellschaftlichen Antagonismen, wie sie sich in den inhärenten Wider-
sprüchen der ökonomischen Grundbegriffe spiegeln, ihre Bedingungen in den Verhältnissen
der Warenproduktion haben.

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Absatz 6: Beherrschung der Menschen durch die Wirtschaft

1. Die Normativität der Kritischen Theorie

In ihrer normativen Stoßrichtung zielt die Kritische Theorie auf die Emanzipation und glück-
liche Existenz aller Individuen in einer Welt in der die Individuen ihre Bedürfnisse befriedi-
gen können, indem die Kritische Theorie einen notwendigen Teil zu der vernünftigen Organi-
sation der gesellschaftlichen Arbeit beiträgt (Abschnitt 2 & 3). Dazu ist es allerdings notwen-
dig, dass die gegenwärtige, „geschichtliche Bewegung der Epoche“, in der den Individuen
viel Leid verursacht wird, zum Abschluss kommt.

2. Kritik am Nationalsozialismus

Die Kritik am Nationalsozialismus bezieht sich an dieser Stelle vor allem auf die Verblen-
dung der Menschen, da mit dem Begriff „des Lebensinteresses der eingebildeten Volksge-
meinschaft“ das „Interesse der wirklichen Menschen auf ungehinderte Entfaltung und glück-
liche Existenz mit dem Machthunger der ausschlaggebenden Gruppen vertauscht [wird]“. Der
völkischen Ideologie liegt zum einen eine doppelte Täuschung zugrunde. Die Volksgemein-
schaft ist erstens eine Illusion und zweitens bewirkt sie einen Irrtum darüber, welchen Grup-
pen die gesellschaftlichen Verhältnisse nützen. Zum anderen wird die Widersprüchlichkeit
der völkischen Ideologie und der Warenproduktion auf einer tieferen Ebene zwar erkannt, da
die Widersprüche im Denken der Menschen an die Oberfläche treiben, aber diese Wider-
sprüchlichkeit wird soweit unterdrückt, dass die völkische Ideologie zumindest oberflächlich
geglaubt werden kann. Die Überzeugungen der völkischen Ideologie sind somit doppelt defi-
zitäre Überzeugungen. Sie sind einerseits illusionär und andererseits notwendig instabil, da
die Widersprüche zum Liberalismus sich in Zeiten der Krise manifestieren und die eingebil-
dete Volksgemeinschaft zerbricht. Diese Zwiespältigkeit der völkischen Ideologie verweist
auch auf eine Ambivalenz des Ideologiebegriffs.

3. Affirmation der bestehenden Verhältnisse durch die angebliche Werturteilsfreiheit


der traditonellen Theorie - Horkheimer

Die Werturteilsfreiheit der traditionellen Theorie ist nur eine Scheinbare. Da durch die gesell-
schaftliche Arbeit alle Bereiche des Lebens geprägt werden, schlagen sich die gesellschaftli-
chen Verhältnisse auch in den Sinneserfahrungen, den Erkenntnisweisen und somit ebenso in
den wissenschaftlichen Theorien nieder. Wenn diese Wirkungen in den Fachdisziplinen aus-
geblendet werden und angenommen wird, dass die Welt so erkannt werden kann wie sie an
sich ist, dann verleitet dies zur Affirmation der bestehenden Verhältnisse. Die gesellschaftli-
chen Prägungen der Theorien bleiben unsichtbar und somit kann auch nicht reflektiert wer-
den, wie sich die bestehenden Verhältnisse durch die mit ihnen geprägte Theorie selbst bestä-
tigen. Kritische Theorien gehen mit dieser Unmöglichkeit eines objektiven Blickes auf „nack-
te“ Fakten progessiv um: Sie reflektieren dies und bekennen sich zu ihren Idealen und sie
verstehen sich gerade auch dabei als geschichtlich wandelbar bis in den Wahrheitsgehalt hin-
ein.