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Hartes Los für die neue Regierung

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Ungarns schwieriges Comeback

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Vor dem Markteintritt ist eine gründliche Vorbereitung zu empfehlen

november 2010 [ausgabe 1]

preprava ropy ropovodom transport of crude oil by pipeline Certifikát ISO 14001 (registračné č. 16740-01)
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TRANSPETROL, a. s. Šumavská 38, 821 08 Bratislava 2 tel.: +421/2/5064 1701 fax: +421/2/5557 7105 www.transpetrol.sk transpetrol@transpetrol.sk

0 1 / 2 0 1 0Inhalt Mitteleuropa: Osteuropa: S.XX Exklusivinterview mit dem neuen slowakischen Wirtschafstminister Juraj Miškov

Inhalt

Mitteleuropa: Osteuropa: S.XX Exklusivinterview mit dem neuen slowakischen Wirtschafstminister Juraj Miškov S.XX
Mitteleuropa:
Osteuropa:
S.XX
Exklusivinterview
mit dem neuen slowakischen
Wirtschafstminister Juraj Miškov
S.XX
Deutschland wichtigster
Handelspartner Russlands
S.XX
S.XX
Die Slowakei würde ich jedem
Investoren empfehlen, sagt
Peter Kollárik, langjähriger
Geschäftsführer von Siemens Bratislava
Entwicklung der ukrainischen
Wirtschaft wie Fahrt
auf der Hochschaubahn
S.XX
Interview mit dem neuen
österreichischen Botschafter in Kiew
S.XX
Der Standort Tschechien hat Zukunft
Balkan:
S.XX
Ungarns schwieriges Comeback
S.XX
Kroatien auf dem Weg zur EU

VERLAG:

Standort, s.r.o. Záhradnicka 64 821 08 Bratislava

Herausgeber:

Miroslav Pavel pavel.brandys@seznam.cz

Geschäftsführer:

Slavomír Malièkay

smalickay@gmail.com

REDAKTION Tomáš Kurtanský tomas.kurtansky@gmail.com

Editor:

Alexandra Mostýn

mostynka@yahoo.com

GRAFISCHE GESTALTUNG Artwell Creative, s.r.o. www.artwell.sk

HERSTELLER Druckerei Neografia, a.s., Martin

Erscheinungstermin: 4.November 2010

Redaktionsrat:

Miroslav Pavel,

Herausgeber

Michael Kern, Geschäftsführer der AHK Slowakei

Patrick Sagmeister, Österreichischer Handelsdelegierte in Bratislava

Peter Kollárik, Ehemaliger Geschäftsführer der Firma Siemens Slowakei

Gábor Zászlós, Vorstandsvorsitzender der internatonalen Firma Trigranit Slowakei

Slowakei

MITTELEUROPA

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Die Slowakei kann das Tor zu Europa sein

Exklusivinterview mit dem slowakischen Wirtschaftsminister Juraj Miškov

Herr Minister, ihre Vorgänger in der slowakischen Regierung waren ausländischen Investitionen gegenüber eher zurückhaltend. Ihre Politik, wie Stärkung der Rolle der Gewerkschaften , Ablehnung weiterer Privatisierungen, Regulationen der Energiewirtschaft, Pläne einer Extra-Steuer für Banken, Eingriffe in das Rentensystem, haben vor allem zu einem beigetragen: der Verunsicherung ausländischer Investoren. Bedeutet nun der Regerungswechsel auch eine neue Haltung gegenüber ausländischen Investoren? - Ausländische Investitonen anzukurbeln ist eine der Prioritäten der Slowakei. Wir sind eine kleine, offene und exportabhängige Wirts- chaft. Und der Zufluss von Direktinvestitionen aus dem Ausland ist für uns lebenswichtig. Die Slowakei könnte in Zukunft für Europa eine ähnliche Rolle spielen wie Hongkong für den asiatischen Markt. Um aber ein Tor nach Europa zu werden, müssen wir vor allem unser Investi- tionsklima, wie auch unseren Arbeitsmarkt und unsere Energiewirtschaft verbessern und libera- lisieren. Der Staat sollte den Markt regulieren, nicht über ihn herrschen. Hongkong, aber auch Singapur, könnten uns hier als Beispiele dienen.

aber auch Singapur, könnten uns hier als Beispiele dienen. Wie würden sie auf einer Notenskala von

Wie würden sie auf einer Notenskalaaber auch Singapur, könnten uns hier als Beispiele dienen. von 1-3 die Attraktivität des Standorts Slowakei

von 1-3 die Attraktivität des Standorts Slowakei bewerten? Und warum? - Mit einer glatten 2. Schon jetzt ist die Slo- wakei ein idealer Standort, allein deswegen, weil wir ein politisch und wirtschaftlich stabiler Staat sind, der in den vergangenen zehn Jahren bedeu- tende strukturelle Veränderungen durchgemacht hat. Natürlich mit der Vision, potentiellen Inve- storen eines der attraktivsten Zielländer über- haupt zu bieten. Als solches sind wir attraktiv und konkurrenzfähig. Besonders unsere, vergli- chen mit ihrer Produktivität, vergleichbar billige und hochqualifizierte Arbeitskraft, ein hoher Anteil an Fremdsprachenkenntnissen, niedrige Eingangskosten an Immobilien, Dienstleistun- gen oder Material, eine große Auswahl an Ge- werbegebieten, Industrieparks und Bauplätzen sind hier besonders hervorzuheben. Nicht zu vergessen unser Potential an Innovation in For- schung und Entwicklung und natürlich unsere geringe Steuerlast. Außerdem bemühen wir als Regierung uns, die Bürokratie im Interesse des Investitionsklimas und der Flexibilität des Ar- beitsmarktes, einzuschränken.

Eine Verbesserung des Investitionsklimas bezeichnen sie gerne als ihre Priorität. Welche legislativen

sie gerne als ihre Priorität. Welche legislativen Änderungen dürfen wir also in dieser Richtung erwarten? -

Änderungen dürfen wir also in dieser Richtung erwarten? - Mein Ministerium wird, ganz im Einklang mit unserer Regierungserklärung, die rechtli- chen Normen abschaffen, die dazu dienen, den Markt unsystematisch zu regulieren und zu be- einflussen. Ganz konkret spreche ich hier zum Beispiel vom Gesetz zu Einzelhandelsketten und zu strategisch wichtigen Unternehmen, wie auch verschiedenen Beschlüssen des Handelsge- setzes. Außerdem muss die Anzahl legislativer Normen abspecken, um es Unternehmern leich- ter zu machen. Sei es, was die Registrierung von Unternehmen oder auch ihre Abwicklung und ihren Transfer betrifft. Denn was wir wollen ist unternehmerische Freiheit. Deshalb werden wir alle möglichen Schritte unternehmen, um Unternehmer von der administrativen Last zu befreien und uns her den EU-Normen anzupassen. Weiter planen wir den Wirkungsbereich unserer Kontaktstellen (JKM) auch auf Kleinunternehmer zu erweitern. Was die Auslandsinvestitionen betrifft, so ist unsere Politik ausgerichtet auf Offenheit gegen- über ausländischen Investoren. Hier ist es uns besonders wichtig, die Marke „Slowakei“ in Zu- sammenarbeit mit allen relevanten Institutionen auszubauen und zu propagieren.

relevanten Institutionen auszubauen und zu propagieren. Dank der Investitionen der Automobilbranche ist die Slowakei

Dank der Investitionen der

Automobilbranche ist die Slowakei in diesem Bereich zu einem bedeutenden „global Player“ geworden. Nicht nur das, die Zulieferbetriebe sind zu wichtigen und großen Arbeitgebern der Slowakei geworden. Kritiker sagen wiederum, die slowakische Wirtschafft würde sich zu sehr auf nur einen Sektor konzentrieren und dadurch zu abhängig von wirtschaftlichen Zyklus dieser Branche werden. Sehen sie das auch als ein Problem?

Juraj Miškov

Minister für Wirtschaft und Bauwesen, Vizeministerpräsident

Seine berufliche Karriere begann Miškov, der in Bratislava an der Philosophische Fäkultät studiert hatte, als Journalist beim slowakischen Rundfunk und der Tageszeitung Smena. Bald aber lockte ihn die Reklamebranche, in der bis 2009 wirkte, zuletzt als geschäftsführender Partner der Agentur MUW Saatchi und Saatchi. Seit 2010 ist Miškov stellvertrender Vorsitzender der Partei Sas (Freiheit

und Solidarität), nach deren Erforlg in den Parlament- swahlen im Juni 2010 er als Wirtschaftsminister und Vizeministerpräsident in die slowakische Regierung

einzog.

n

- Die Orientierung der Slowakei auf die

Automobilindustrie und die Elektrotechnik ist einfach gegeben. Durch die historische Ori- entierung unserer Wirtschaft und edem damit zusammenhängenden Potential an Human Re- sources und Know-How, Technik und Material. Ich stimme allerdings mit der Behauptung überein, eine zu große Orientierung auf ein konkretes Marktsegment könne in Zeiten kurz- fristiger Marktschwankungen gewisse Produk- tivitätsausfälle auf die Wirtschaft übertragen. Andererseits glaube ich, dass in Zeiten der Kon- junktur und Stabilität, die Spezifizierung der Wirtschaft auf einige Marktsegmente, das Wirts- chaftwachstum enorm stimulieren kann.

das Wirts- chaftwachstum enorm stimulieren kann. Investitionen in die Automobilindustrie wurden von

Investitionen in die

Automobilindustrie wurden von vergangenen Regierungen mit Steuerferien und Investitionsanreizen, die bis zu 30 000 Euro pro Arbeitsplatz betrugen, belohnt. War diese ganze Unterstützung adäquat?

- Da muss man schon aus verschiedenen

Blickwinkeln auf die Investitionen der Automo- bilindustrie blicken. Offensichtlich ist, dass drei

der in der Slowakei ansässigen Automobilher- stellern das BIP unseres Landes nachhaltig be- einflussen und sich sehr bedeutend auf die Ent- wicklung der Region, in der sie sich angesiedelt haben, auswirken. Zum Beispiel durch die Ge- nerierung ganzer Netzwerke von Zulieferen und der Entwicklung von Dienstleistungen. Dadurch schaffen sie natürlich eine ganze Reihe von se- kundären und tertiären Arbeitsplätzen.

Wie sieht denn ihre Vorstellung von Investitionsförderung aus? Wird die Regierung auch weiterhin auf Investitionsanreize bauen? Schließlich sind wir gerade in einer Phase, in der Sparmaßnahmen nötig werden und Steuereinkünfte sinken. Die Förderung von Investitionsprojekten durch Investitionsanreize ist rein sekundär und selektiv. Primär ist unsere Die Förderung von Investitionsprojekten durch Investitionsanreize ist rein sekundär und selektiv. Primär ist unsere Bemühung, die At- traktivität des Standorts Slowakei durch eine Verbesserung des Investitionsklimas zu erhö- hen. Sei das durch einen Abbau von Bürokratie, einer besseren Vollstreckbarkeit der Gesetze, der Flexibilität des Arbeitsmarktes, einer Minde- rung der Korruption im öffentlichen Leben oder einer größeren Transparenz bei der Vergabe von Staatsaufträgen.

größeren Transparenz bei der Vergabe von Staatsaufträgen. Welche Art von Investitionen, branchenspezifisch und

Welche Art von Investitionen,

branchenspezifisch und regional, würde die Regierung am liebsten sehen?

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Slowakei

Slowakei Magazin über Investitionsberatung - Wenn wir mal die regionalen Unterschiede betrachten, wie Arbeitslosenzahlen

Magazin über Investitionsberatung

Magazin über Investitionsberatung

- Wenn wir mal die regionalen Unterschiede

betrachten, wie Arbeitslosenzahlen und Lebens- niveau der Westslowakei verglichen mit dem Rest des Landes, dann ist es klar, dass wir uns um Investitionsprojekte in der Mittel-und Ostslowa- kei bemühen. Mein Ministerium wird alle Pro- jekte unterstützen, die dazu dienen, den Lebens- standard in unserem Land zu verbessern. Dabei gilt natürlich, dass Investitionen mit einem ho- hen Mehrwert, Investitionen in Forschung und Entwicklung, und High-Tech, in Informations- und Kommunikationstechnologien oder in die Mikroelektronik die besondere Aufmerksamkeit meines Ministeriums und auch anderer staatli- cher Institutionen erhalten werden.

auch anderer staatli- cher Institutionen erhalten werden. Sie glauben, die Slowakei sei bereit für Investitionen mit

Sie glauben, die Slowakei sei bereit für Investitionen mit hohem Mehrwert?

- Auf jeden Fall. Die Slowakei verfügt über

bedeutende wissenschaftliche Kapazitäten und über eine wissenschaftliche Basis an Universitä- ten und Hochschulen, vor allem die technischer

Richtung. Auf diesen Weg möchten wir unsere ausländischen Investoren leiten.

Welche Vorteile hat der StandortWeg möchten wir unsere ausländischen Investoren leiten. Slowakei im Vergleich zu seinen Nachbarn? - Die Slowaken

Slowakei im Vergleich zu seinen Nachbarn?

- Die Slowaken ist eine offene, exportorien-

tierte Wirtschaft, die ihre Mitgliedschaft in EU, OECD, IWF, Weltbank, WTO und anderen globalen Wirtschaftsinstitutionen als Vorteil

betrachtet. Sie geben uns nicht nur die Möglich- keit globale Trends und ihre Relevanz für die slowakische Wirtschaft besser zu identifizieren, sondern auch, uns an Initiativen und Projekten dieser internationalen Institutionen zu betei- ligen. Das bedeutet, dass wir das Potential der Slowakei voll ausnutzen und gleichzeitig ein haltbares Wirtschaftswachstum sowie unsere Konkurrenzfähigkeit in einem globalen Umfeld sichern können. Die Slowakei kann das Tor zu Europa sein, wenn ihre Attraktivität auf einigen Grundsätzen beruht, wie:

- Niedrige Transaktionskosten aufgrund der Zugehörigkeit der Slowakei zur Eurozone,

- Die Einführung des Euros und der Beitritt zu Schengen

- Politische Stabilität

- Ein vorteilhaftes Steuersystem und Investi- tionshilfen

- Niedrige Arbeitskosten

- Eine qualifizierte und geschickte Arbeits- kraft

Deutschland ist der viertgrößte ausländische Investor in der Slowakei. Es gibt hier mehr als 400 deutsche Firmen, die über 70 000 Menschen beschäftigen. Einer Umfrage der deutschen Handelskammer aus dem August dieses Jahres zufolge ist die Slowakei dabei, diese Position unter deutschen Investoren zu verlieren. In der Rangliste zehn europäischer Standorte haben sich nur die Slowakei und Estland verschlechtert. Polen und Slowenien dagegen haben uns überholt. Nummer eins ist, wie schon seit fünf Jahren, Tschechien. Die größten Probleme mit der Slowakei, so die deutschen Investoren, seien intransparente öffentliche Tender, ein zu biegsames Arbeitsgesetz, Lohnkosten,

Tender, ein zu biegsames Arbeitsgesetz, Lohnkosten, Kriminalität und Korruption. Wird es der neuen Regierung
Tender, ein zu biegsames Arbeitsgesetz, Lohnkosten, Kriminalität und Korruption. Wird es der neuen Regierung

Kriminalität und Korruption. Wird es der neuen Regierung gelingen, diese Probleme zu beseitigen? Welche Investitionsprojekte würden sie deutschen und österreichischen Investoren besonders an Herz legen? - Ausländischen Investoren können wir der- zeit elf Industrieparks mit mietfreien Flächen anbieten. Im Rahmen dieser Industriepark gibt es 7 Flächen für Greenfield-Investments, die über die Infrastruktur für den Bau von Produk- tionshallen verfügen, und zwar in: Myjava, Li- pany, Lučenec, Hurbanovo, Vranov nad Topľou, Vígľaš, Diakovce. Weitere 4 Industrieparks sind geeignet für Brownfield-Investments: Snina, Trebišov, Jaklovce a Detva. Außerdem befinden sich gegenwärtig weiter 11 Industrieparks in der Bau oder Planungsphase. Potentielle Investoren können sich mit ihren Fragen an die slowakische Agentur zur Ent- wicklung von Investition und Handel (SARIO) wenden, die nicht nur über ein weites Netz von Informationen verfügt, sondern auch Kontakte zu Kommunen herstellt, unter deren Verwaltung die einzelnen Industrieparks fallen.

Ein wichtiger Sektor, der unter ihr Ressort fällt, ist die Energiewirtschaft. Die vorherige Regierung hat, und nicht nur in diesem Sektor, stärkere Regulationen durchgesetzt. Sie dagegen haben sich für eine größere Liberalisierung eingesetzt. Ähnliche Überlegungen gab es zwar schon in der Vergangenheit den Energiesektor hat es aber nicht diversifiziert, im Gegenteil,

hat es aber nicht diversifiziert, im Gegenteil, er ist praktisch monopolisiert. Wie planen sie die

er ist praktisch monopolisiert. Wie planen sie die Konkurrenz auf dem Energiemarkt zu erhöhen? Wie wollen sie neue Firmen anlocken? - Eines unserer größten Ziele in der Ener- giewirtschaft ist die Fortführung der Liberali- sierung des Marktes, die Erhöhung der Kon- kurrenzfähigkeit und auch der Transparenz der Beziehung zwischen Anbieter und Abnehmer. Gleichzeitig wollen wir den Verbraucherschutz stärken und die Qualität der Dienstleistungen verbessern. Wichtig für uns wird hier, das dritte Libera- lisierungspaket durchzusetzen. Das soll auf dem Strom- und Gasmarkt den Verbraucher besser schützen, die Rechte und Unabhängigkeit der Regulierungsbehörde garantieren, für mehr Transparenz sorgen, notwendige Neuinvestitio- nen stimulieren und auch die regionale Solidari- tät und Zusammenarbeit fördern. Gegenwärtig bereitet mein Ministerium eine Aktualisierung der Energiepolitik vor. Die wird vor allem die Interessen der Verbraucher und Endkunden im Auge behalten, so dass sie die Vorteile eines liberalisierten und sicheren Ener- giemarktes vollkommen ausnützen können. Ein wichtiger Bestandteil dieser neuen Po- litik werden Pläne für den Bau einer energeti- schen Infrastruktur sein, die vor allem regionale Projekte zur Förderung unseres Energiesystem sichern soll, zum Beispiel, durch eine Erhöhung der Lieferungen. Das bedeutet eine tiefere Inte- gration unseres Gas- und Strommarktes in un- serer Region.

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Slowakei

MITTELEUROPA

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Hartes Los für die neue Regierung

Automobilwerk KIA, Žilina
Automobilwerk KIA, Žilina
 

Das Investitionsklima der Slowakei ist für ausländische Investoren weiterhin attraktiv

 
 

Die Signale sind gesetzt: der Regierungswechsel im Juni dieses Jahres hat die Karten der slowakischen Wirtschaft neu gemischt. Die Erwartungen sind hoch, die Berge, die die Koalition zu erklimmen hat ebenfalls.

 
 

schaft in die slowakische Wirtschaft wieder zu erlangen. Vor allem, wenn es darum geht Ver- pflichtungen einzuhalten – bei Bank- und Fi- nanzinstituten, internationalen Organisationen und ausländischen Regierungen. Erst wenn die Regierung sich vollends darüber im Klaren ist, wie wichtig es ist, wirt- schaftliche Reformen weiterzuführen, kann sie bestimmte Lösungsansätze finden, die inner- halb kurzer Zeit helfen werden, das Wirtschafts- wachstum erneut anzukurbeln. Nur so kann die

 

des allgemeinen Lebensstandards. Die Risiken, die aus ihrer Politik entwuchsen, hat die Regie- rung Fico dabei lieber ignoriert.

»

Willkommen, Investoren

Das Investitionsklima der Slowakei, so bele- gen Umfragen, ist für ausländische Investoren allerdings weiterhin attraktiv. Als Investitions- standort zehrt die Slowakei noch vom Effekt der Euroeinführung 2009, dank der die Trans- aktionskosten merklich gesenkt wurden. Zudem

   

Rosig sind die Aussichten der neuen slowa- kischen Regierung sicher nicht: die öffentlichen Finanzen weisen ein Rekorddefizit von fast 30 Milliarden Euro auf, die Staatsverschuldung liegt bei 7,8 Prozent des BIP, die Arbeitslosigkeit dafür bei 14 Prozent. Die Wirtschaftsreformen wur- den unterbrochen, die Qualität des Bildungssy- stems fällt immer weiter, die Korruption blüht, während schon Milliarden in undurchsichtigen Tendern und öffentlichen Aufträgen versunken sind. Zu tun gibt es genug, für die Koalition von Ministerpräsidentin Iveta Radičová. Eine ihrer dringendsten Aufgaben wird es sein, das Vertrauen der internationalen Gemein-

     

>> Ein noch offenes Kapitel im Buch der wirtschaftlichen Entwicklung ist der Privatisierungsprozess.

 

slowakische Wirtschaft revitalisiert werden und effektiv gegen Arbeitslosigkeit und Staatsver- schuldung angehen. Es wird kein einfacher Weg werden Schon deswegen, weil die vorherige Regierung Robert Ficos ohne Rücksicht auf die Entwicklung des wirtschaftlichen Unterbaus des Staates, munter die öffentlichen Ausgaben erhöhte. Das sah dann zwar eine Zeitlang so aus, wie eine Verbesserung

 

lockt natürlich auch die geopolitische Lage des Landes, seine hochqualifizierten Arbeitskräfte und eine gute Zahlungsmoral.

Leider hat sich inzwischen bestätigt, dass selbst diese Standortvorteile die slowakische Wirtschaft nicht vor den Folgen der Finanzkrise und dem globalen Rückgang ausländischer Inve- stitionen schützen konnten. Als exportabhängi-

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Slowakei

Slowakei Magazin über Investitionsberatung ge Wirtschaft, hat die Slowakei diese negativen Entwicklungen umso stärker zu

Magazin über Investitionsberatung

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ge Wirtschaft, hat die Slowakei diese negativen Entwicklungen umso stärker zu spüren bekom- men. Deshalb streckt der Wirtschaftsminister der neuen Regierung, Juraj Miškov, potentiellen Investoren beide Hände aus: „Ich heisse jeden willkommen, der in der Slowakei investieren will, dies ernst meint und den Menschen hier Arbeit geben will,“ erklärte Miškov.

» Prioritäten der neuen Regierung

Es zeichnet sich ab, dass die neue Regie- rung langfristige Entwicklungen fördern wird, die dazu führen sollen, die slowakische Wirt- schaft in Zukunft krisenfester zu machen. Eine weitere Priorität ist es – hier scheint die Kritik zu fruchten - Unternehmern ein besser funk- tionierendes Umfeld zu schaffen. Im Einklang mit den Forderungen der EU sollen die Bedin- gungen für ausländische Investoren weiter li- beralisiert werden: der Arbeitsmarkt soll freier und flexibler und die Last der Bürokratie bei der Firmengründung oder-abwicklung leichter werden. Außerdem hat die Regierung verspro- chen, Mittel bereitzustellen, um de Infrastruk- tur des Landes zu verbessern, mit dem Ziel, die Attraktivität der Mittel- und Ostslowakei zu erhöhen.

» Forschung und Entwicklung nicht unterschätzen

Ebenso wichtig, wie die Förderung der Re- gionen ist die Erkenntnis, dass die Slowakei mit südasiatischen Billiglohnländern nicht mehr länger auf der Basis schnelllebiger Wettbewerbs- vorteile, wie niedrige Löhne und Materialkosten konkurrieren kann. Man wird also nicht umhin kommen, sich in Zukunft auf die Produktion und den Verkauf von anspruchsvolleren und qualitativ hochwertigen Erzeugnissen zu kon- zentrieren. Bislang bleibt die Slowakei nicht nur in Forschung, Entwicklung und Innovation hin- ter den Staaten der EU-15 zurück, sondern auch in ihrer Fähigkeit, diese kommerziell zu nutzen. Kein Wunder, schließlich lässt sich das Niveau von Forschung, Entwicklung und praxisnaher Bildungsförderung nicht mit dem entwickelter Länder vergleichen. Ein Mangel an finanziellen

Mitteln und Arbeitsreserven und eine schlechtere Ausstattung an Materialien und Geräten mindern die Effektivität und in Folge auch das Innovationsvermögen der Fir- men. Laut einer Schätzung des Wirtschaftsministeriums sind die Ausgaben für Forschung und Ent- wicklung in der Slowakei fünfmal niedriger als im Rest der EU. Aber

auch diese Tatsache birgt eine ge- wisse Herausforderung, der bege- gnet werden muss, wenn man die Wettbewerbsfähigkeit des Landes verbessern will. Über bedeutende Reserven verfügt zum Beispiel der Bereich Informationstechnologie, deren Nutzung mit enormer Ge- schwindigkeit voranschreitet und die strategische Landkarte der EU beeinflusst. Es ist ein unleugbarer Fakt, dass mit der anwachsenden Bedeutung der Informationstech- nologie auch der Mehrwert des menschlichen Kapitals wächst. Besondere Aufmerksamkeit sollte nicht nur darauf gerichtet sein, ein gutes Investitionsklima zu kultivieren sondern auch darauf, die Infrastruktur der Industrieparks zu verbes- sern Davon gibt es derzeit sieben, weitere elf sind im Bau. Verschiedene Analysen bestätigen, dass die slowakische Wirtschaft ihre ursprünglichen Wettbewerbsvorteile langsam aber sicher aus- geschöpft hat und ihre strategischen Interessen neu orientieren muss. In Segmente, in denen sie Bildungsniveau und-qualität, wie auch ihre Ka- pazitäten in Wissenschaft und Forschung erfolg- reich nutzen kann. Deshalb kann die Förderung von Industriezonen, verschiedenen Clustern oder Wissenschaftparks ein Faktor sein, der sich positiv auf Investitionsentscheidungen im Aus- land auswirken kann.

prozess. Den verschiedensten Polemiken zum Trotz, ist es eine reale Tatsache, dass vorangegange- ne Privatisierungen ausländisches Kapital angezogen haben, das wie- derum die Aktivitäten ehemaliger Staatsmonopole rationaler und ef- fektiver gemacht hat. Da brauchen wir uns nur Bereiche wie die En- ergiewirtschaft oder den Banken-

sektor anschauen. Die Regierung plant, den Privatisierungsprozess durch den Verkauf von sechs Heizkraftwerken, des Güterbahn- verkehrs und des internationalen Flughafens von Bratislava bald wieder aufzunehmen. All diese Objekte waren noch im Jahre 2005 bereit zum Verkauf. Die vergan- genen Jahre haben gezeigt, dass es ein Fehler war, den Privatisie- rungsprozess zu stoppen. Ein Feh- ler, der den Staat weitere Millio- nen von Euro gekostet hat, ohne dass sich der Realwert oder die Leistungsfähigkeit der betreffen- den Objekte erhöht hat. Was sich seit 2005 allerdings erhöht hat, ist die Verschuldung der öffentlichen Finanzen, und zwar von 17 auf 26 Milliarden Euro. Da ein dynamisches Wirtschaftswachstum aber frühestens 2012 erwartet wird, lässt sich fol- gern, dass die Regierung die Privatisierung staat- licher Monopole zu Ende führen, oder einen anderen Weg finden muss, um ihre Aktivitäten unter den bestehenden Eigentumsverhältnissen effektiv zu kontrollieren. Ansonsten wird es die Slowakei nicht schaffen, den Maßstäben der EU betreffend der öffentlichen Finanzen und Kon- vergenzkriterien zu entsprechen. Was den Energiesektor betrifft, so steht der Ausbau neuer Kapazitäten, wie zum Beispiel des Dampfkraftwerks in Malženice, alternativer Energiequellen oder des AKW Mochovice zur Diskussion.

» Voran mit der Privatisierung

Ein noch offenes Kapitel im Buch der wirt- schaftlichen Entwicklung ist der Privatisierungs-

Peter Baláž

TAB: September 2010 (Prognose)

Indikator

2007

2008

2009

2010

BIP (Wachstum, real)

10,6%

6,2% -

4,7%

3,6%

Privater Konsum (Wachstum, real)

7,1%

6,1%

0,6%

0,6%

Staatskonsum (Wachstum, real)

0,1%

5,3%

2,8%

1,8%

Anlageinvestitionen (Wachstum, real)

9,7%

6,5%

-10,5%

3,6%

Exporte (Wachstum, real)

14,3%

3,2%

-19,8%

11,5%

Importe (Wachstum, real)

9,2%

3,1%

-23,4%

11,6%

Beschäftigungsquote (Zunahme; LFS)

2,4%

3,2%

-2,8%

-1,7%

Arbeitslosenquote (LFS)

11,0%

9,6%

12,1%

13,9%

Bruttolöhne (Wachstum, nominal)

7,2%

8,1%

3,0%

2,7%

Bruttolöhne (Wachstum, real)

4,3%

3,3%

1,4%

1,4%

Inflationsrate (CPI)

1,9%

3,9%

0,9%

1,3%

Wechselkurs (Jahresdurchschnitt)

33,8

31,3

30,1

30,1

Quellen: Finanzministerium SR, Nationalbank SR, Statistisches Amt SR, Europäische Kommission

 

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Slowakei

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Die Slowakei: mehr als eine verlängerte Werkbank

Die Slowakei hat in den letzten Jahren verstärkt als Absatzmarkt für Investitionsgüter an Bedeutung gewonnen
Die Slowakei hat in den letzten Jahren verstärkt als Absatzmarkt
für Investitionsgüter an Bedeutung gewonnen
Mit einem
Wirtschaftswachstum von fünf
Prozent setzte sich die Slowakei
im zweiten Quartal 2010 an
die Spitze der europäischen
Wachstumsreiter. Für die
Regierung bedeuteten die guten
Zahlen trotzdem nichts Gutes:
sie wurde im Juni abgewählt.
Die Redaktion sprach mit
Michael Kern, Geschäftsführer
der Deutsch-Slowakischen
Industrie- und Handelskammer
(AHK Slowakei), über die
Hintergründe des Aufschwungs,
was die Wirtschaft von der
neuen Regierung erwarten
kann und wo die Stärken des
Standortes liegen.
jedoch stagnierte er auf Vorjahresniveau. Dies
ist nicht weiter verwunderlich, da zunehmende
Arbeitslosigkeit und Lohnzurückhaltung die
Kaufkraft der Bevölkerung geschwächt haben.
Der gegenwärtige Aufschwung hat sich auf dem
Arbeitsmarkt noch nicht bemerkbar gemacht.
Im Gegenteil, die Arbeitslosenquote lag im zwei-
ten Quartal bei rund 15 Prozent.
zu können. In diesem Jahr waren u.a. die Metall-
, Chemie-, und Maschinenbauindustrie davon
betroffen. Die AHK Slowakei steht gegenwärtig
mit der neuen Regierung in Kontakt, damit die
Positionen ihrer Mitgliedsunternehmen bei der
angekündigten Reform des Arbeitsgesetzbuches
berücksichtigt werden.
Fünf Prozent Wirtschaftswachstum
Herr Kern, knüpft die slowakische
Wirtschaft mit solchen
Zuwachsraten wieder an die
Boomjahre vor der Krisenzeit
an?
- Bei aller Euphorie sollte man
nicht vergessen, dass die Wirt-
schaft im Krisenjahr 2009 um
beinahe fünf Prozent geschrumpft
ist. Es kommt also der berüchtigte
Basiseffekt zum Tragen. Tatsäch-
lich wird die Wirtschaftsleistung
von 2008 erst im kommenden
Jahr wieder erreicht werden. Da-
von abgesehen ist die jüngste Ent-
wicklung natürlich erfreulich. Als
Wachstumstreiber hat sich einmal
mehr die Automobilindustrie er-
wiesen. Die Autohersteller in der
Slowakei investieren kräftig, was
auch Impulse für die Zulieferer
bedeutet. Zugleich hat die auslän-
dische Nachfrage spürbar angezo-
gen. Im ersten Halbjahr konnte die
Branche ein Umsatzplus von 40
Prozent verbuchen.
Im Unterschied zu dem ver-
gangenen Wirtschaftsboom wird
das jetzige Wachstum fast aus-
schließlich vom Export getragen.
Bis 2009 kurbelte auch der private
Verbrauch die Konjunktur kräftig
mit an. Im ersten Halbjahr 2010
und steigende Arbeitslosigkeit. Wie passt das
zusammen?
- Viele Unternehmen griffen in der Krise zum
Mittel Kurzarbeit. Da die Bedingungen hierfür in
der Slowakei jedoch schlechter waren als z.B. in
Deutschland, musste vor allem der Mittelstand
häufig zu Kündigungen übergehen. Insgesamt
ging die Beschäftigung aber schwächer zurück
als die Produktion. Insofern kam es in vielen
Betrieben zu Überkapazitäten, die nun abgebaut
werden. Teils wurde die Krisen-
Michael Kern
M. Kern, geboren 1964 in
Heidelberg, begann seine
AHK-Karriere
1994 bei
der Auslandshandels-
kammer in Oslo. 2001
wurde er stellvertretender
Geschäftsführer der AHK
Tschechien. 2005 wech-
selte er als geschäfts-
führendes Vorstandsmitg-
zeit auch zu Effizienzsteigerungen
genutzt. Im Ergebnis erleben wir
gegenwärtig eine Wachstumsphase
ohne Beschäftigungseffekte. Außer-
dem ist der Kündigungsschutz in
der Slowakei unnötig rigide gere-
gelt, sodass Unternehmen mit Neu-
einstellungen noch zurückhaltend
sind. Denn zu hundert Prozent ist
die Krise noch nicht ausgestanden.
lied zur AHK Slowakei. n
Sie sprachen vom
Arbeitsrecht. Wo hakt es hier?
- Infolge einer umfangreichen
Novelle der Vorgängerregierung
hat das slowakische Arbeitsrecht
vor einigen Jahren erheblich an
Flexibilität verloren. Das erwies
sich damals aufgrund des Fach-
kräftemangels weniger tragisch
als jetzt. Insbesondere die kosten-
intensiven Abfindungsansprüche
und gesetzliche Restriktionen bei
der Einführung flexibler Arbeits-
zeitmodelle bedeuten in der Pra-
xis ein Hemmnis. Darüber hinaus
stellte die Vorgängerregierung die
gesetzlichen Weichen, um nicht-
tarifgebundenen Unternehmen die
mit Gewerkschaften ausgehandel-
ten Kollektivverträge aufzwingen
Stichwort neue Regierung. Was kann/
darf man von ihr erwarten?
- Nach der Abwahl der Linkspopulisten
setzt die Wirtschaft nun auf das bürgerliche
Lager, das mit einem Vier-Parteien-Bündnis
aus Christdemokraten und Liberalen über die
Regierungsmehrheit verfügt. In wirtschafts-
politischen Fragen ist sich die Koalition unter
Ministerpräsidentin Radičová weitgehend einig
und kann mit Ausnahme der Liberalen auf die
Erfahrungen aus der gemeinsamen Regierungs-
zeit von 1998 bis 2006 bauen. Bereits eine Woche
nach Aufnahme der Koalitionsverhandlungen
verkündeten die Parteien ihre Prioritäten: den
Haushalt konsolidieren, die Abgabenbelastung
senken, das Justizsystem reformieren und die
Korruption bekämpfen.
Nach den ersten 100 Tagen im Amt hat sich
schon eine Ernüchterung breit gemacht. Die Ver-
weigerung der Griechenland-Hilfe hat für Unmut
bei den europäischen Partnern gesorgt, eine vor-
übergehende Erhöhung der Mehrwertsteuer um
einen Prozentpunkt und die Streichung einiger
Ausnahmen scheinen die Abgabenbelastung zu-
nächst zu erhöhen anstatt zu senken. Allerdings
sind die Spielräume der Regierung aufgrund von
Haushaltslöchern stark eingeschränkt. Auch das
geplante Gesetz zur Einführung elektronischer
Ausschreibungen wurde auf 2011 verschoben.
Wenn wir an einige Gesetze der Vorgängerregie-
rung zurückdenken, die im Hauruck-Verfahren
durchgeboxt wurden und in der Praxis für Pro-
bleme sorgten, halte ich es nicht unbedingt für
schlecht, wenn die Regierung an einem durch-
dachten Konzept feilt, um die Korruption im öf-
fentlichen Sektor zu bekämpfen.
Insgesamt sollte man der Regierung noch
etwas Zeit geben. Denn ihre größte Heraus-
rausforderung besteht darin, die Koalition mit
vier Partnern über die volle Legislaturperiode
aufrecht zu erhalten. Der Standort Slowakei ist
zwar momentan nicht frei von Problemen, aber
trotzdem nach wie vor ein interessanter Markt
für deutsche Unternehmen.
Was macht die Slowakei für Investoren
aus Deutschland attraktiv?
- Hierfür gibt es mehrere Gründe. Die “Flat
Tax“ mit einem einheitlichen Steuersatz von 19
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Slowakei

Slowakei Magazin über Investitionsberatung Die Burg von Bratislava ist eine der Dominanten der slowakischen Metropole.

Magazin über Investitionsberatung

Magazin über Investitionsberatung
Die Burg von Bratislava ist eine der Dominanten der slowakischen Metropole. strie und anliegenden Sektoren
Die Burg von Bratislava ist eine der Dominanten der slowakischen Metropole.
strie und anliegenden Sektoren ist immer noch
Kundenpotenzial vorhanden. Eine rein verlän-
gerte Werkbank ist die Slowakei inzwischen
nicht mehr, der Weg führt zu einer höherwer-
tigen Produktion. Entsprechend steigen die An-
forderungen an die Lieferanten. Der Markt für
Dienstleistungen hat sich in 20 Jahren Markt-
wirtschaft ähnlich gut wie im Industriesektor
entwickelt, ist aber immer noch ausbaufähig.
Insbesondere bei unternehmensnahen Dienst-
leistungen, wie technische Dienstleistungen, In-
dustrieservice, etc., ist das Angebot noch nicht
vergleichbar mit deutschen Verhältnissen.
Auch der Markt für Umwelttechnik kommt
dank Umsetzung von EU-Auflagen langsam in
Bewegung. Aufgrund ihrer natürlichen Gege-
benheiten bestehen in der Slowakei günstige
Voraussetzungen für erneuerbare Energien. Die
Altlasten der sozialistischen Bau- und Produkti-
onsverfahren, die es heutzutage sanieren zu gilt,
bedeuten ebenfalls gute Chancen für Lieferanten
energieeffizienter Produkte.

Was empfehlen Sie interessierten Firmen in Deutschland? - Deutsche Unternehmen finden in der AHK Slowakei, die Teil des weltweiten Netzes der deut- schen Auslandshandelskammern ist, eine zentrale Anlaufstelle vor Ort. Die AHK ist mit dem Markt bestens vertraut und kennt sich mit den lokalen Vertriebsstrukturen aus. Ohne einen Vertriebs- partner mit fundierten Branchenkontakten ge- staltet sich der Markteinstieg schwierig, da in ei- nem kleinen Land wie der Slowakei die richtigen Kontakte das A und O sind. Die AHK unterstützt deutsche Firmen bei der Suche nach dem idealen Partner. Soll eine eigene Niederlassung gegründet werden, stehen wir ebenfalls mit Rat und Tat zur Seite und helfen bei der Personalsuche.

Deutsch-Slowakische Industrie- und Handelskammer

Námestie SNP 13 SK-811 06 Bratislava Tel.: +421 2 2065 5533 Fax: +421 2 2065 5542 E-Mail: info@dsihk.sk Web: www.dsihk.sk

Prozent hat dem Land internationale Popularität eingebracht und ist trotz einiger Aufweichungen in der jüngsten Zeit ein Erfolgsmodell geblieben. Das Steuersystem ist vergleichsweise transpa- rent und einfach gehalten. Seit letztem Jahr ist auch der Euro zu einem maßgeblichen Zugpferd geworden. Für ein Engagement in der Region sprechen darüber hinaus die Qualifikation der Arbeitskräfte sowie ein immer noch moderates Lohnniveau. Die starke Industriestruktur mit den dominanten Sparten Fahrzeugbau, Metall- verarbeitung, Maschinenbau und Elektrotechnik ergänzt sich optimal zum wirtschaftlichen Profil Deutschlands. Darüber hinaus ist die öffentliche Infrastruktur besonders im Westen des Landes gut erschlossen. Die zentrale Lage im Herzen von Europa ist hervorragend – über die fünf Nachbar- länder erstreckt sich ein beachtlicher Wirtschafts- raum mit insgesamt 113 Mio. Einwohnern.

Wirtschafts- raum mit insgesamt 113 Mio. Einwohnern. Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt? -

Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt?

-

Die jährliche Investorenumfrage der AHK

Slowakei, die wir gemeinsam mit der öster- reichischen und französischen Handelskammer durchführen, weist regelmäßig auf bestehende Problemfelder hin. Die öffentliche Infrastruktur in der östlichen Landeshälfte bedarf dringend des Ausbaus und der Verbesserung. Ebenso sind Fortschritte bei der Korruptionsbekämpfung und der Durchsetzung von Rechtsansprüchen notwendig. Bemängelt werden zudem die feh- lende Praxisnähe im Ausbildungssystem, insbe- sondere in der gewerblich-technischen Ausbil- dung. Nichtsdestotrotz würden 92 Prozent der befragten Unternehmen ihre Investition auch unter heutigen Bedingungen in der Slowakei wiederholen.

>> Gegebenheiten bestehen in der Slowakei günstige Voraussetzungen für Erneuerbare Energien.

In welchen Branchen sehen Sie

für Erneuerbare Energien. In welchen Branchen sehen Sie konkrete Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen?

konkrete Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen?

-

Die Slowakei hat in den letzten Jahren ver-

stärkt als Absatzmarkt für Investitionsgüter an Bedeutung gewonnen. In der Automobilindu-

GRAFIK: Deutsche Direktinvestitionen in der Slowakei (Mio. EUR)

3500 3000 394 Anteil Deutschland 2500 FDI 2000 403 1500 428 2609 29 68 1000
3500
3000
394
Anteil Deutschland
2500
FDI
2000
403
1500
428
2609
29
68
1000
1662
1277
500
952
839
0
2005
2006
2007
2008
2009

Quelle: Slowakische Nationalbank

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Slowakei

MITTELEUROPA

MITTELEUROPA
MITTELEUROPA
MITTELEUROPA
MITTELEUROPA
MITTELEUROPA
Die Slowakei würde ich jedem Investoren empfehlen Peter Kollárik, der ehemalige Generaldirektor von Siemens
Die Slowakei würde ich jedem
Investoren empfehlen
Peter Kollárik, der ehemalige Generaldirektor von Siemens Bratislava
ist überzeugt von der Attraktivität des Standorts Slowakei.

Herr Kollárik, über 13 Jahre lang haben sie die slowakische Tochter der Firma Siemens geleitet, einer der größten Arbeitgeber des Landes. Wie attraktiv ist, aus ihrer Sicht, der Standort Slowakei für ausländische Investoren? Würden sie ihnen raten, in die Slowakei zu kommen? - Eindeutig ja, aber nicht aus irgendeinem Gefühl des Lokalpatriotismus sondern rein aus meinen eigenen - Eindeutig ja, aber nicht aus irgendeinem Gefühl des Lokalpatriotismus sondern rein aus meinen eigenen Erfahrungen heraus. Die Slowakei ist, langfristig gesehen, ein attrakti- ves Land für ausländische Investoren.

ein attrakti- ves Land für ausländische Investoren. Sind sie denn während ihrer Zeit an der Siemens-Spitze

Sind sie denn während ihrer

Zeit an der Siemens-Spitze nie auf Probleme gestoßen? Zum Beispiel, was das unternehmerische Umfeld oder Bedingungen für ausländische Investoren betrifft? Am Anfang, in den 90er Jahren, gab es für Firmen kaum einen gesetzlichen Rahmen. Ein weiteres Problem war ein allgemeiner Argwohn gegenüber Unternehmern. Man hat einfach nicht verstanden, dass ein Investor nicht in die Slowakei kommt, um die Proble-

me des Landes zu lösen, sondern um durch seine unternehmerische Tätigkeit zu dessen Entwicklung beizutragen. All das haben wir inzwischen aber schon weit hinter uns gelas- sen.

haben wir inzwischen aber schon weit hinter uns gelas- sen. Und heute? Worauf sollten Investoren am

Und heute? Worauf sollten

Investoren am meisten achten? Heute ist die Slowakei eine stabile Demo- kratie; Mitglied der NATO, der EU und der Eurozone, deren unternehmerisches Um- feld dem europäischen Standard entspricht.

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Slowakei

Slowakei Magazin über Investitionsberatung Das allein reicht allerdings nicht, um sich als Wirtschaftsstandort

Magazin über Investitionsberatung

Magazin über Investitionsberatung

Das allein reicht allerdings nicht, um sich als Wirtschaftsstandort konkurrenzfähig zu blei- ben und neue Investoren anzulocken. Was wir hier brauchen, sind weitere komparative Vorteile.

Was wir hier brauchen, sind weitere komparative Vorteile. - - - lindustrie beigetragen hat. Zudem war
- - -

-

- - -

-

- - -

-

lindustrie beigetragen hat. Zudem war die un- ternehmerfeindliche Rhetorik der Regierung Fico nicht gerade hilfreich für die wirtschaft- lichen Entwicklung des Landes. Und selbst im Kampf gegen die Korruption und für einen einfacheren Rechtsweg hat sie nichts Positives geleistet. Aber, auch wenn die Regierung Fico keine neuen Schritte nach vorne getätigt hat, so hat sie wenigstens die schon vorangegange- nen Reformen nicht zerstört, die den Grund- stein für den wirtschaftlichen Erfolg der Slo- wakei bilden.

Was ist es denn konkret, das die

Slowakei attraktiv für ausländische Investoren macht? Und was könnte man noch verbessern?

-

Attraktiv war die Slowakei schon immer

– allein wegen ihrer geopolitischen Lage, ihrer relativ guten Infrastruktur, und ihrer hochqualifizierten und motivierten Arbeits- kräfte. Inzwischen haben wir hier auch ein sehr übersichtliches Steuersystem und ein

Was können wir in dieser Richtung von der neuen Regierung erwarten? Wird es ihr gelingen, den Standort Slowakei noch attraktiver zu machen?

wohlwollendes unternehmerisches Klima.

>> In der neuen Regierung sitzen versierte Experten, die auch schon in der Vergangenheit das Investitionsklima mit geformt hatten.

Letzteres ließe sich natürlich immer noch verbessern. Was den Standort Slowakei si- cher auch ausmacht, sind die relativ niedrigen Arbeitskosten. Und da unsere Arbeitgeber sich bemühen, die Probleme unserer Arbeit- nehmer zu verstehen, sind wir seit der Ent- stehung der Slowakei 1993 ein sozial stabiler Staat. Was noch verbesserungswürdig ist, ist ein weiterhin ziemlich langer und kompli- zierter Rechtsweg und eine oft schlecht funk- tionierende Bürokratie.

und eine oft schlecht funk- tionierende Bürokratie. Ich setze große Hoffnungen in die neue Regierung. In

Ich setze große Hoffnungen in die neue

Regierung. In der sitzen nämlich versierte Experten, die auch schon in der Vergangen- heit das Investitionsklima mit geformt hatten. Außerdem ist es eine Regierung der jungen Generation. Gerade die neuen Parteien der Koalition und ihre unverbrauchten, jungen Politiker sind entschlossen das wirtschaftliche Klima des Landes zu verbessern, die Korrup- tion erfolgreich zu bekämpfen und eine grö- ßere Rechtssicherheit für Investoren und Bür- ger zu schaffen. Sie wollen einen neuen Wind ins Land bringen. Deshalb würde ich die Maßnahmen, die sie versprechen, zu diesem

Investoren, die sich für die

Bedingungen auf dem slowakischen Markt interessieren, bieten sich gleich zwei Arten von Informationen: Es gibt eine „Regierungskampagne“, die das Land aufgrund seiner wirtschaftlichen und sozialen Reformen, der Qualität seiner Arbeitskräfte, seiner Lage und seiner Investitionsanreize anpreist. Nicht zu vergessen, das rekordmäßige Wirtschaftswachstum, das trotz globaler Krise auch heute noch bei rund 4 Prozent liegt. Andererseits gibt es auch Kritik am Standort Slowakei. Ausländische Institutionen wie auch slowakische Think-Tanks bemängeln eine Verschlechterung des Investitionsklimas durch die Politik der vorherigen, sozialdemokratischen Regierung Robert Ficos, einen beschwerlichen Rechtsweg, wie auch Korruption und Bürokratie. Da die Welt aber nicht nur schwarz-weiß

Zeitpunkt nur ungern kritisieren. Wir sollten der neuen Regierung noch ein bisschen Zeit geben.

Ein Vorteil der Slowakei, der

ihr große Investitionen in Bereichen wie Fahrzeugbau oder Elektrotechnik verschafft hat, ist die Arbeitskraft. Die ist hier relativ billig und gleichzeitig hochqualifiziert. Bestätigen das auch ihre Erfahrungen?

Nicht ganz. Es ist zwar wahr, dass der Ar-

beitspreis in der Slowakei noch immer relativ niedrig und für Investoren somit interessant ist. Gute und qualifizierte Mitarbeiter müssen auch hier entsprechend entlohnt werden. Für Investoren zählen aber andere Faktoren, die ich eingangs schon erwähnte.

ist, interessiert mich ihre Meinung. Also die eines Managers, der sich jenseits von Regierungspolitik und –kritik rein an wirtschaftlichen Ergebnissen orientiert.

-

Wie bewerten sie die

Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Bildung? Bereiten die Hochschulen ihre Absolventen angemessen auf die praktischen Bedürfnisse von Firmen vor?

Ein Unternehmen ist kein Wunschkon-

zert und mit Hindernissen muss ein Unter- nehmer eben rechnen. Da bringt es nichts, über Bedingungen zu lamentieren. Denn dort, wo ein Unternehmer auf die besten Chancen treffen kann, muss er nicht unbedingt auch die besten Bedingungen haben. Ganz objektiv lässt sich sagen, dass die Regierung Fico mit ihrer Novelle des Arbeitsgesetzbuchs dem In- vestitionsklima geschadet und auch zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit, z.B. in der Texti-

Die Zusammenarbeit zwischen Hoch-

schulen und Unternehmen ist auf einem sehr guten Niveau. Beide Seiten bemühen sich, ge- meinsame Nenner zu finden. Schlechter sieht es in der Forschung und Entwicklung aus. Da grenzt die Lage, aller Expertise von Absol- venten und Doktoranden zum Trotz, ans Ka- tastrophale. Der Grund liegt in der Struktur der slowakischen Industrie. Die meisten slo- wakischen Firmen verfügen gar nicht über die

Mittel, die für eine Zusammenarbeit mit der Forschung erforderlich wären. Ausländischen Investoren wiederum fehlt die Motivation, kostspielige und riskante Schritte zu tätigen. Das Ergebnis ist ein verschwindend geringer Anteil von Forschung und Entwicklung am slowakischen BIP. Der beträgt ein halbes Pro- zent, im Vergleich zu den von der EU emp- fohlenen zwei bis drei Prozent.

zu den von der EU emp- fohlenen zwei bis drei Prozent. Und wie sieht es mit

Und wie sieht es mit der

Qualität der Manager aus? Zu Beginn der wirtschaftlichen Öffnung der Slowakei kamen mit den ausländischen Investitionen auch die ausländischen Manager. Dieser Trend scheint inzwischen abgeflaut, in vielen Firmen finden wir heute entweder ein gemischtes oder sogar rein slowakisches Management. Hat die Slowakei also schon genug eigene qualifizierte Spitzenmanager oder müssen wir hier noch lernen? - Der slowakische Manager steht, was Bil- dung und Know-How betrifft, nicht mehr im Schatten seiner Kollegen aus anderen Län- dern. Viele unserer Führungskräfte haben an ausländischen Universitäten studiert und wei- tere internationale Erfahrungen gesammelt. Und nicht nur das: mir scheint, slowakische Manager sind im Allgemeinen etwas moti- vierter und kreativer als ihre ausländischen Kollegen.

Peter Kollárik

Akademischer Titel: Dipl. Ing. Geboren: 25. 5. 1948, verheiratet, zwei erwachsene Kinder

1972 Promotion zum Dipl. Ing. an der Slowakischen technischen Universität in Bratislava, Studienfach Fernmeldewesen – Radioelektronik

1972-1989 verschiedene Fach- und Managerposten in der Informatik und Datenverarbeitung der Tschechoslowakischen Staatsbahn

1990-1992 diplomatischer Dienst der CSFR, Bot- schaft der CSFR in Wien

1993 Leiter der Botschaft der Slowakischen Republik in Wien

1993-1994 Leiter der Ständigen Vertretung der Slowakischen Republik bei der UNO und anderen internationalen Organisationen in Wien

1994 Direktor der Hauptabteilung für interna- tionale wirtschaftliche Zusammenarbeit im Aussenministerium der SR

1995-1997 Geschäftsführer und technischer Direktor der Siemens s.r.o. Bratislava

1997-2008 Geschäftsführer der Siemens s.r.o. Bratislava und Landessprecher von Siemens AG in der Slowakei

2009-

Beratung

n

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Slowakei

MITTELEUROPA

MITTELEUROPA
MITTELEUROPA
MITTELEUROPA
MITTELEUROPA
MITTELEUROPA

Österreich entdeckt den Absatzmarkt Slowakei

Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und der Slowakei fast wieder auf Vorkrisenniveau Die Slowakei ist für
Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und der Slowakei
fast wieder auf Vorkrisenniveau
Die Slowakei ist für
Österreich der 11. wichtigste
Handelspartner weltweit, was
angesichts der geringen Größe
des Landes (5,4 Mio. Einwohner)
bemerkenswert ist. Noch
bemerkenswerter ist allerdings
in welcher Geschwindigkeit sich
der bilaterale Handel im Jahr
2010 entwickelt.
Grafik: Österr. Exporte in die Slowakei
Top 8 Produktgruppen - 60% des Exports (1,9 Mrd. EUR)
Quelle: Statistik Austria
Konstruktionen aus Eisen &
Stahl, Rohre a rostf Stahl
Kunststoff/waren: Rohre,
6%
Schläuche, Formstücke,
Verpackungsmaterial
7%
Arzneiwaren, Vaccine
8%
PKW m Dieselmotor,
Karosserie, Zugmaschinen f
Sattelanhänger
25%
Bleche, Abfälle u Schrott aus
Eisen/Stahl
8%
Gasöl, Motorenbenzin / -öle
Im Krisenjahr 2009 ist das bilaterale Han-
delsvolumen im globalen Trend auf knapp
über 3,6 Mrd. EUR geschrumpft , wobei die
Handelsbilanz annähernd ausgeglichen aus-
gefallen ist. Im ersten Halbjahr des laufenden
Jahres haben die österreichischen Exporte um
22% und die Importe aus der Slowakei um
IT Komponenten, Teile f
Aufzüge/Rolltreppen,
Mähmaschinen, elektr.
Handwerkzeuge
14%
17%
Elektromotoren/Generatoren,
Handys, TV, KFZ
Beleuchtung/Scheibenwischer
15%
Grafik: Wie beurteilen Sie die Attraktivität
als Investitionsstandort
der folgenden Länder
Quelle: Konjunkturumfrage 03/2010, DHK Bratislava
2,19
Slowakei
Slovensko
2,47
Tschechien
esko
2,60
China
ína
2,67
Polen
Po sko
2,70
Slowenien
Slovinsko
2,75
Österreich
Rakúsko
2,79
Deutschland
Nemecko
1,00
1,25
1,50
1,75
2,00
2,25
2,50
2,75
3,00
3,25
42% (!) zugelegt. Das ist eine Steigerung die
seines gleichen sucht. Das Wachstum findet
auf sehr breiter Basis statt wird aber ange-
führt von Automobilzulieferungen, Maschi-
nenbauerzeugnissen, elektrischen Maschinen
und elektrotechnischen Waren, mineralischen
Brennstoffen und Mineralölen, Papier und
Kunststofferzeugnissen. Im Jahr 2010, so die
Prognose, wird das Handelsvolumen bei über
4,5 Mrd. EUR liegen, wobei die Slowakei lang-
sam aber sicher ein Handelsbilanzüberschuss
gegenüber Österreich aufbaut. Ein Grund für
diesen Überschuss sind die zahlreichen öster-
reichischen Produktionsniederlassungen in
der Slowakei.
Fast alle namhaften österreichischen Unter-
nehmen sind in der Slowakei vertreten. Lange
Jahre war die Slowakei die verlängerte Werk-
bank für österreichische Unternehmen. Auch
jetzt nutzen viele österreichische Betriebe die
immer noch relativ günstigen Lohnkosten.
Es kommt jedoch immer häufiger vor, dass
die österreichischen Niederlassungen nicht
nur produzieren was ihnen von der Mutter-
firma vorgegeben wird, sondern auch andere
Verantwortungen übernehmen. Die Firma
Miba in Dolny Kubin, ist zum Beispiel seit
vielen Jahren erfolgreich in der Slowakei tätig.
Mittlerweile wurde der Niederlassung nicht
nur Verkaufs- sondern auch eigene Entwick-
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Slowakei

Slowakei Magazin über Investitionsberatung lungsverantwortung übertragen. Darüber hinaus entdecken immer mehr

Magazin über Investitionsberatung

Magazin über Investitionsberatung

lungsverantwortung übertragen. Darüber hinaus entdecken immer mehr österreichische Firmen die Slowakei als Absatz- markt. Die meisten Firmen sind im Business to Business Bereich aktiv, aber der wachsende Wohl- stand – vor allem in der Westslo- wakei - macht das Land auch zu einem interessanten Absatzmarkt für österreichische Konsumgüter. Insgesamt sind über 1.600 österreichische Firmen in der Slo- wakei vertreten. Bemerkenswert ist, dass der Zustrom von neuen Investitionen aus Österreich un- beeindruckt von der Krise weiter geflossen ist. In den letzten zwölf Monaten wurden in der Slowakei zahlreiche große österreichische Investitionen abgeschlossen, z.B. Leier in Prešov, AVE in Bratisla- va, Bioenergy in Bardejov, Ziza- la in Topolcany, Wertheim in Dunajska Streda, Kuhn in Senec oder Gebrüder Weiss in Senec. Abgesehen von diesen Groß- investitionen, die zusammen rund 100 Mio. EUR. ausmachen, wenden sich laufend österreichi- sche Firmen wegen Unterneh- mensgründungen an die Außen- handelsstelle in Bratislava. In einer Umfrage, welche die österreichische Außenhan- delsstelle im Februar des Jahres durchgeführt hat, sagten über 90% der befragten Unternehmen, dass sie mit ihrem Engagement in

der Slowakei sehr zufrieden seien und, dass sie ihre Investition in der Slowakei wiederholen würden. Als Grund für diese positive Einschätzung wurde am häufigsten die Zufriedenheit mit den Arbeitskräften ge- nannt: „Die Leute haben eine gute Arbeitsein- stellung, und sind vor allem im technischen Bereich äußerst kreativ, was ist Ihnen erlaubt unter einfachen Bedingungen oft sehr gute und verlässliche Lösungen zu finden“, heißt es in der Umfrage. Im Ausbildungsbereich gibt es jedoch auch Schwachstellen, so dass große ausländische Investoren die Ausbildung ihrer Mitarbeiter selbst in die Hand nehmen. In der Industrie und vor allem in der Automo- bilindustrie gibt es inzwischen gemeinsame Ausbildungsprogramme mit verschiedenen Universitäten. In der Unternehmerbefragung der Au- ßenhandelsstelle wurden auch einige weitere Sachen bemängelt. Der schwierige und lang- wierige Weg Rechtsansprüche durchzusetzen, Korruption und Vetternwirtschaft. Aber auch Hürden bei der Erlangung von EU Förderun- gen sind Probleme oder die mangelhafte In- frastruktur in Teilen des Landes. Es sind tägli- che Herausforderungen, denen sich Firmen in der Slowakei stellen müssen. Faktoren, welche dazu geführt haben, dass die Weltbank die Slo- wakei im „Doing Business Report“ 2010 nur mehr an der 61. Stelle führt (2009: 42.). Der Report bietet ein Ranking über wirtschaftsre-

Mag. Patrick Sagmeister wurde am 08. 02. 1969 in Stockholm / Schweden geboren. Nach dem
Mag. Patrick Sagmeister
wurde am 08. 02. 1969
in Stockholm / Schweden
geboren. Nach dem
Grafik: Würden Sie heute statt der
Slowakei einen anderen Inves-
titionsstandort wählen?
Studium der
Handel-
Quelle: Konjunkturumfrage 03/2010, AHSt Bratislava
swissenschaften an der
Wirtschaftsuniversität
Wien und Berufstätigkeit
als Finanzanalyst bei
levante Vorschriften und deren
Durchsetzung in 183 Ländernder
Welt. Ihre Schwächen sind in der
Slowakei bekannt und man setzt
große Hoffnungen in die neue
Regierung, welche seit Juli im
Amt ist. Die Mitte-Rechts Koali-
tion bestehend aus vier Parteien
und hat sich neben der Senkung
des Haushaltsdefizits, der Ar-
beitslosigkeit, die Eindämmung
der Korruption und Reformen
im Justizwesen auf die Fahnen
geschrieben.
Chancen für österreichische
Unternehmen in der Slowakei
sind in fast allen Bereichen ge-
geben, das beweisen die vielen
österreichischen Niederlassun-
gen im Land. Die österreichische
Außenhandelsstelle wird ihre
Aktivitäten im kommenden Jahr
vor allem auf die Bereich erneu-
erbare Energien, Infrastruktur,
Holzbau, Automobilindustrie
und unternehmensnahe Dienst-
leistungen konzentrieren. Das
sind die Bereiche, in denen be-
sondere Chancen für österreichi-
sche Unternehmen bestehen. Im
Falle von erneuerbaren Energien
trat am 1. September 2009 ein
neues Gesetz in Kraft, welches
neben attraktiven Einspeisetari-
fen, betriebswirtschaftliche und
rechtliche Planungssicherheit
gewährleistet. Vor allem für Bio-
masse, Biogas und Kleinwasser-
kraftwerke bestehen in der Slo-
J a
A n o
8 %
Shell Austria
begann er
seine Karriere bei der
N
e i n
Außenwirtschaft Österre-
N
i e
92 %
ich zunächst
als Trainee
und wurde schließlich
stellvertretender Handel-
sdelegierter in Singapur.
In der gleichen Funktion
war er dann in Stockholm
für Schweden, Lettland
und Litauen zuständig.
Nach drei Jahren als
stellvertretender Handel-
sdelegierter für Bayern
und Baden-Württemberg
in München kehrte er
als Leiter der Stabsstelle
Strategisches Controlling
in die Zentrale nach Wien
zurück. Seit September
2009 ist er österreichis-
cher Handelsdelegierter
in der Slowakei. Herr
Sagmeister ist verheiratet
und hat zwei
Söhne.
n
Großfirmen aktiv. Die neue Regierung über-
prüft die von der Regierung Fico in Form von
PPP-Projekten vergebenen Aufträge und hat
inzwischen einige von ihnen gestoppt. Man
will die Aufträge in kleinere Pakete verpacken
und zum Teil neu ausschreiben, so dass in hier
die Karten in den kommenden Jahren neu ge-
mischt werden könnten.
An der Automobilindustrie, welche für
ein Drittel der slowakischen Gesamtexporte
steht, führt in der Slowakei kein Weg vorbei.
Obwohl viele Einkaufentscheidungen nicht
im Land getroffen werden ist der Kontakt
zu den Werken in der Slowakei sehr wich-
tig. Denn Entscheidungen, die Investitionen,
Dienstleistungen oder die Anschaffung von
Verbrauchsgütern betreffen, werden oft in der
Slowakei getroffen.
Patrick Sagmeister
österreichischer Handelsdelegierte
Außenhandelsstelle Bratislava
wakei gute Chancen.
Moderner Holzbau ist ein Thema, welches
in der Slowakei noch neu ist aber auf sehr
großes Interesse stößt. Aufgrund von vielen
Vorurteilen, bedarf es in diesem Bereich viel
Lobbying um die Bauvorschriften im Sinne
des Holzbaus anzupassen. Im Bereich Infra-
strukturausbau sind einige österreichische
Rakúske vel‘vyslanectvo -
Obchodné oddelenie
P.O.Box 138
814 99 Bratislava
T
+421 2 59 10 06 00
F
+421 2 59 10 06 99
bratislava@advantageaustria.org
www.advantageaustria.org/sk
Grafik: Österr. Investitionen 1993-2008 Stand 2008: über 4 Mrd. EUR
Quelle: Statistik OeNB
5.000
200
Direkt Inv. ( linke Achse )
Pro jekte
(
rechte Achse )
183
4.500
180
168
157
4.000
160
143
134 133
3.500
140
118
3.000
120
108
101
2.500
92
91
100
74
2.000
80
62
57
1.500
60
41
1.000
40
500
20
0
0
1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007
in Mio. EUR

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Pharos – der neue Multifunktions- knotenpunkt von Bratislava Der Leuchtturm von Alexandria auf der Pharos-

Pharos – der neue Multifunktions- knotenpunkt von Bratislava

Der Leuchtturm von Alexandria auf der Pharos- Insel, eines der sieben Weltwunder, war nicht nur ein einzigartiger Bau, sondern auch das Eingangstor in die Welt der entwickelten Kultur und des prosperierenden Handels der antiken Alexandria.

Genauso wie der sa- genhafte Leuchtturm, das Projekt des Pharos Business Parks bildet das Eingangstor in die Hauptstadt. Die Gesellschaft DEVELOP- MENT.SK situierte das Projekt beim Eingang von Bratislava in der Richtung von Trnava und Žilina. Täglich fahren zehntausende von Autos in beiden Richtungen auf dieser bedeutendsten Verkehrsader. Das Multifunktionsprojekt wird sich zwischen Avion Shopping Center und dem Flughafen von M.R.Štefánik erstrecken, gleich in der Nähe von der Autobahn D1, acht Minuten vom Stadtzentrum, nur drei Minuten vom Flug- hafen und eine halbe Stunde von Wien und dem Flughafen in Schwechat entfernt. Da das Projekt an den Flughafen angeschlossen wird, wird Pha- ros den Ostrahmen der Hauptstadt im Stadtteil Ružinov abschließen. Es wird ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt entstehen, wo sich die Au- tobahn, die internationale Eisenbahn, der Flug- hafen und das Einkaufszentrum überschneiden. Das Projekt Pharos erhielt schon rechtsgülti- ge Baugenehmigung, damit die Grundverkehrs- infrastruktur und unterirdische Versorgungs- netze gebildet werden können. Der Baubeginn der Verkehrs- und technischen Infrastruktur, in der die Verlängerung der existierenden Galva- niho Straße und der Hauptkommunikation ein- bezogen sind, ist für Frühling 2011 geplant. Der Schluss ist am Ende des Jahres 2011 erwartet. Die hervorragende Verkehrszugänglichkeit

2011 erwartet. Die hervorragende Verkehrszugänglichkeit Das Projekt Pharos wird auch durch die Autobahnausfahrt

Das Projekt Pharos

wird auch durch die Autobahnausfahrt unter- stützt in der Richtung vom Stadtzentrum. Die Ausfahrt wird an die verlängerte Galvaniho Stra- ße angeschlossen in der Richtung zum Projekt Pharos. Die Ausfahrt sollte bis zum Ende von 2012 zum Nutzen übergegeben werden. Das Projekt Pharos wird auf der Fläche von 45 ha gebaut. Es werden dort viele Gebäuden entstehen, die aber maximal 5 oder 6 Etagen haben. Die funktionale Ausnutzung der Fläche wird unterschiedlich sein. Die meiste Fläche wird für Groß- und Kleinretail ausgenutzt. Nicht nur slowakische, sondern vor allem ausländische Ketten werden dort ihre Betriebe haben. Es wird sich vor allem um solche Ketten handeln, die bis jetzt in der Slowakei nicht vetreten sind im Segment von Hobbymarkt, Möbel, Elektro- und Sportgeräten. Dank der Profilierung der Benut- zer können die ersten Hauptbetriebe geöffnet werden und nachfolgend durch sekundäre Be- nutzer ergänzt. Die ersten Betriebe sollten im November 2012 geöffnet werden. Auch die Verwaltung wird im Projekt aus- genutzt werden. Dank der hervorragenden Ver-

kehrszugänglichkeit und der Möglichkeit des schnellen Anschlusses an die Autobahnen, die die Slowakei mit Ungarn, Polen und der Tsche- chischen Republik verbinden, hat Pharos die Chance, ein vollwertiges Businesszentrum auch im europäischen Kontext zu werden. Da das Projekt in der Nähe des Flughafens situiert wird, bietet es ein großes Potential für Kunden, für die die Nähe des Flughafens eine unvermeidliche Voraussetzung für ihr Business darstellt, ob es um Flughafendienstleistungen geht, oder um Ausnutzen des Projektes Pharos als logistische oder Lagerhallen. Die Entwicklung des Gebietes ist in mehre- ren Etappen geplant, wobei der Schlusstermin das Jahr 2017 ist.

Mehr Informationen zum Projekt

finden Sie unter

www.pharospark.sk

oder direkt bei dem Developer an office@developmentsk.sk

I-PARK Sereď - Raum für Expansion in die Logistik

Die Gesellschaft REBOD SK, a.s. entwik- kelte in der letzten zwei Jahren auf der Fläche von mehr als 220 ha ein Gebiet, das für Lo- gistik und Leichtindustrie bestimmt ist. Das Projekt I-PARK Sereď befindet sich bei der Bahn R1 in der Nähe von Sereď, praktisch in der Mitte des strategischen Dreiecks der be- deutenden ausländischen Investionen in der Westslowakei. Die Gesellschaft orientierte sich in der letzten Zeit auf die beste Projektplanung für zukünftige Logisten und Hersteller. Bauge-

nehmigungen für den ganzen Park wurden schon erlassen, als auch für unterirdische Versorgungsnetze und Anschlüsse und den Verkehrsanschluss. Existierende Zufahrten und Ausfahrten von R1 bei Sereď lösen die Verkehrssituation im Park, und später wird eine neue Zufahrt für noch bequemeren Zu- tritt gebaut. Die Parkgröße erlaubt variable Gliederung und Ausnutzung der einzelnen Flächen, die praktisch ohne Begrenzung sind. Klar definier- te Eigentumsverhältnisse sind von Vorteil, als

auch ausreichende Kapazitäten der technischen Infrastruktur, die Lokalität und der Zutritt, die Möglichkeit für Expandieren, qualifizierte und erreichbare Arbeitskräfte, die Unterstützung (Projektmanagement) und Baugenehmigun- gen für die Objekte des Investoren.

Mehr Informationen:

www.iparksered.sk

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Tschechien

Tschechien Magazin über Investitionsberatung In Tschechien wächst die Zahl der Investoren aus dem IT-Bereich Solide

Magazin über Investitionsberatung

Magazin über Investitionsberatung

In Tschechien wächst die Zahl der Investoren aus dem IT-Bereich

Solide Wachstumsaussichten sorgen für Marktpotential und Geschäftschancen Tschechien gehört zu den beliebtesten
Solide Wachstumsaussichten sorgen für Marktpotential
und Geschäftschancen
Tschechien gehört
zu den beliebtesten
Investitionsstandorten in
Mittelosteuropa - seit dem
Jahre 1990 wurde ein Zufluss
an Auslandsinvestitionen von
über EUR 86 Mrd. verzeichnet.
mit höherem Mehrwert attraktiven Investitions-
standort geschafft.
Und man kann ohne Übertreibung sagen, dass
Österreich von Anfang an das Potential und die
Chancen in Tschechien erkannt hat. Österreich
liegt mit einem investierten Kapital von rund
EUR 11,3 Mrd. bzw. 13% hinter Deutschland und
den Niederlanden an dritter Stelle. Und bis heute
ist die Attraktivität des Standorts Tschechien für
österreichische Firmen ungebrochen:
Massiv wurde der Zufluss erst acht Jahre spä-
ter, als Investitionsanreize ausländische Direk-
tinvestitionen in Projekte auf der grünen Wiese
und in die alten Industriegebiete ankurbelte. Die
Auslandsinvestoren trugen wesentlich zum Wan-
del der tschechischen Industrie bei und haben
Tschechien zu einem modernen Industrie- und
Dienstleistungsstaat gemacht.
Die Zeiten, in denen Tschechi-
en ausländische Investoren haupt-
sächlich durch billige Arbeitskräfte
anlocken konnte, sind allerdings
endgültig vorbei. Der durchschnitt-
liche tschechische Monatslohn von
umgerechnet EUR 930,- gehört
gleich nach Slowenien zu den
Im 1. Halbjahr 2010 investierten laut tsche-
chischer Nationalbank österreichische Firmen
in Tschechien rund EUR 500 Mio. und steigerten
damit erneut die bereits hohen Investitionsvolu-
mina der Vergleichszeiträume in den Vorjahren.
Mit einem Anteil von 16,2% war Österreich hin-
ter Deutschland mit 23,3% im ersten Halbjahr
2010 der zweitgrößte Investor in Tschechien.
Nicht nur an der dynamischen Entwicklung
des tschechischen Finanzsektors und Einzelhan-
dels sowie einer weit gestreuten Palette unter-
nehmensnaher Dienstleistungen haben öster-
reichische Firmen regen Anteil.
Als Produktionsstandort ist Tsche-
Dkfm Dr. Nikolaus Seiwald
Handelsdelegierte für die
Tschechische Republik
chien für den Erfolg vieler öster-
reichischer Unternehmen bereits
unverzichtbar, der Aufbau einer
• Seit 1976
Wirt-
schaftskammer
Österreich, Außenwirt-
schaftsorganisation mit
höchsten in Mittel- und Osteuropa.
Die Struktur der neuesten Investiti-
onsvorhaben zeigt, dass Tschechien
sich von einem ehemaligen Lohn-
fertigungsland zu einem modernen
Industriestaat entwickelt hat: An-
spruchsvolle Projekte in den Berei-
chen Forschung, Entwicklung und
Shared Services nehmen stark zu.
Sowohl neue Investoren als
auch Unternehmen, die früher nur
ihre Produktion angesiedelt haben,
verlagern jetzt auch ihre Entwick-
lungstätigkeiten mit hohem Mehr-
wert, wie z.B. Technologie- oder
Business-Support-Zentren, nach
Tschechien. Während früher die
Investoren vorwiegend in die Pro-
duktion investierten, gibt es heu-
te eine stark wachsende Zahl an
Investoren aus dem Bereich der
Informationstechnologie sowie
Posten als stellvertreten-
der Handelsdelegierter in
Belgrad, Neu
Dheli und
Serviceniederlassung gewinnt im-
mer mehr an Bedeutung. Während
Tschechien früher vorwiegend
als Produktionsstandort oder für
Lohnfertigungen für österreichi-
sche Firmen von Interesse war,
Moskau.
gewinnt ein anderer Grund für ein
• 1986-96 Handelsdele-
gierter in Harare
Engagement in Tschechien immer
mehr an Bedeutung: Firmen nut-
Zuständigkeit: Ostafrika
• 1996-99 Regional-
manager Osteuropa
in der Außenwirt-
schaftsorganisation der
Wirtschaftskammer
zen das Potential, das Tschechien
durch seine Wettbewerbsfähigkeit
und die steigende Kaufkraft als Ab-
satzmarkt bietet und siedeln auch
ihre Vertriebs- und Servicenieder-
Österreich
• 1999 bis Juli 2006
Handelsdelegierte in Abu
Dhabi für die
V.A.E, Oman,
Länder
Qatar und
lassungen in Tschechien an.
Die Nähe zum Kunden und zur
Produktionsstätte ist ja gerade für
kleine und mittelständische Un-
Pakistan
ternehmen von besonders hoher
• Seit Juli 2006 Handel-
sdelegierter in Prag
n
österreichischer Handelsdelegierte
Krakovská 7
CZ-111 21 Praha, TSCHECHIEN
chien hat also den Sprung von der
ehemals „verlängerten Werkbank“
der westlichen Industrieländer zu
einem für anspruchsvolle Projekte
Bedeutung. Und natürlich wird die
Entscheidung für eine Niederlas-
sung in Tschechien auch durch die
hier vorhandenen qualifizierten
Arbeitskräfte erleichtert. Laut den
Schätzungen der österreichischen
Aussenhandelsstelle Prag – offizi-
elle Angaben liegen dazu nicht vor
– gibt es in Tschechien rund 4.000
Firmen mit österreichischer Kapi-
talbeteiligung, davon dürften rund
1.750 operativ tätig sein. Dabei spielen neben
Großinvestoren (bspw. Banken, Versicherungen,
Einzelhandel, Immobilien, Baumaterialien) seit
dem EU-Beitritt Tschechiens österreichische
Klein- und Mittelbetriebe eine besonders große
Rolle.
Die tschechische Wirtschaft, die jahrelang
kräftig gewachsen ist, wurde hart von der globa-
len Wirtschaftskrise getroffen. Mit -4,3% erlebte
Tschechien 2009 den schlimmsten Rückgang der
Wirtschaftsleistung in seiner Geschichte. Der
Bankensektor zeigte sich stabil, aber die primär
auf den Export gerichtete Industrie wurde stark
in Mitleidenschaft gezogen. Die Kennzahlen für
das Jahr 2010 aber weisen darauf hin, dass es mit
der tschechischen Wirtschaft langsam wieder
nach oben geht. Aufgrund seiner gesunden Wirt-
schaftsstruktur gilt Tschechien als eines der Län-
der mit guten Aussichten auf mittelfristige Erho-
lung mit selbsttragendem Wirtschaftswachstum
und zählt zu den europäischen Hoffnungslän-
dern. Für 2010 wird ein BIP-Wachstum von 1,6%
erwartet, 2011 sogar +2,6%.
Gerade infolge der Krise, die ja Umstrukturie-
rungen und Firmenbereinigungen in der tschechi-
schen Unternehmenslandschaft mit sich brachte,
gibt es auch vermehrt Chancen für österreichische
Firmen. Und durch die Entspannung auf dem Ar-
beitsmarkt stehen auch wieder mehr freie Mitar-
beiter zur Verfügung, wodurch die Produktion in
Tschechien wieder attraktiver geworden ist. Nicht
zu vergessen die Flat-Tax für natürliche (15%) und
juristische Personen (19%), die den Standort in
Tschechien noch attraktiver gemacht hat.
Die soliden Wachstumsaussichten ergeben im
Wachstumsmarkt Tschechien ein Marktpotential
und Geschäftschancen in den unterschiedlich-
sten Bereichen. Chancen bestehen vor allem in
den Bereichen Verkehrsinfrastruktur, erneuerba-
re Energien, Umwelttechnologien und intelligen-
te Energielösungen, im Gesundheitssektor, in der
KFZ-Industrie und im Bereich der IKT-Techno-
logien, aber aufgrund der steigenden Kaufkraft
der Bevölkerung auch bei Konsumgütern, hoch-
wertigen Lebensmitteln sowie verschiedenen
Dienstleistungs- und Freizeitangeboten.
Nikolaus Seiwald
Außenhandelsstelle Prag
ForschungundEntwicklung.Tsche-
Tel: +420 222 210 255, fax: +420 222 211 286
Email: prag@wko.at
Internet: www.advantageaustria.org/cz

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Tschechien

MITTELEUROPA

MITTELEUROPA
MITTELEUROPA
MITTELEUROPA
MITTELEUROPA
MITTELEUROPA
Automobilwerk Škoda Mladá Boleslav Neue Investitionen bei einem alten Bekannten Immer mehr IT-Firmen wählen
Automobilwerk Škoda Mladá Boleslav
Neue Investitionen
bei einem alten Bekannten
Immer mehr IT-Firmen wählen Tschechien zum Standort
ihrer Software Zentren
Der Standort Tschechien
ist beliebt, hartnäckig und
langfristig. Was sich in
letzter Zeit ändert, ist die
Investitionsstruktur. Galt die
Tschechische Republik noch
vor Jahren als Werkbank
Europas, so gehört sie heute zu
seinen Technologiezentren.

Krise hin oder her: Allein in der ersten Hälf- te diese Jahres haben um die 120 Investoren insgesamt 300 Millionen Dollar investiert und 4500 neue Arbeitsplätze geschaffen. Neun von

zehn Investitionsprojekten gelten dabei dem Dienstleistungssektor oder der Forschung und Entwicklung. Der Trend der letzten Jahre heißt offensichtlich Mehrwert. Denn der Anteil an Investitionen in Forschung und Entwicklung verzeichnet über Jahre hinweg einen stabilen Anstieg. Gab es noch 1999 nur eine Investition in Forschung und Entwicklung, so waren es m vergangenen Jahr schon 80 Prozent der insge- samt 186 Investitionsprojekte.

Die Tschechische Republik hat es seit jeher verstanden, ausländische Investoren ins Land zu locken. Und seitdem sie 1998 verschiedene In- vestitionsanreize eingeführt hat, ist der Zufluss an Investoren noch weiter angeschwollen. Was sich geändert hat, ist die Investitions- struktur. Ging es früher vor allem darum, die relativ billige Arbeitskraft des Landes zu nutzen, so schätzt man heute eher ihre Fähigkeiten und Kenntnisse. Tschechien ist Europas Nummer 1 in der Computerproduktion und immer mehr IT-Firmen wählen Tschechien zum Standort ihrer Software Zentren. Aber auch von den gro- ßen Investitionen der vergangenen Jahre zehrt Tschechien heute noch und umgekehrt: ein gan- zes Netz von Zulieferbetrieben hat sich im Zuge

TAB: Top 10 der ausländischen Investitionen 1993-2010

 

Investor

Sektor

Herkunftsland

Investitions-

Arbeitsplätze Datum

Region

 

volumen (mil. USD)

Hyundai Motor Company

Automobil

Südkorea

1221,55

3000

2006

Mähren-Schlesien

Toyota/PSA

Automobil

Japan/Frankreich

850,20

3000

2002

Mittelböhmen

VOLKSWAGEN

Automobil

Deutschland

562,00

600

1998

Mittelböhmen

Nemak

Automobil

Mexiko

317,15

1361

2000

Ústí

Denso

Automobil

Japan

254,53

936

2001

Liberec

Robert Bosch

Automobil

Deutschalnd

237,48

1485

2000

Vysoèina

Matsushita Electric Industrial Co.

Elektronik

Japan

235,19

1182

2000

Pardubice

Mondi Packaging Paper Štìtí a.s.

Andere

Niederlande

393,65

128

2007

Ústí

Siemens VDO Automotive

Automobil

Deutschland

178,99

1900

2002

Mittelböhmen

VOLKSWAGEN

Automobil

Deutschland

237,92

2150

2004

Hradec Králové Mittelböhmen

DHL

IT

UK

190,25

866

2003

Prag

Quellen: XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX

 
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Tschechien

Tschechien Magazin über Investitionsberatung Konjunkturumfrage 2010: Lage und Erwartungen deutscher Unternehmen in

Magazin über Investitionsberatung

Magazin über Investitionsberatung
Konjunkturumfrage 2010: Lage und Erwartungen deutscher Unternehmen in Tschechien Grafik: Aktuelle Wirtschaftslage in
Konjunkturumfrage 2010: Lage und Erwartungen deutscher Unternehmen in Tschechien
Grafik: Aktuelle Wirtschaftslage in Tschechien
Grafik: Wirtschaftsaussichten
Quelle: XXX
Quelle: XXX
2010
2
43
55
2010
12
43
45
10/2009
3
38
59
10/2009
16
58
26
02/2009
4
44
52
02/2009
3
21
76
2008
60
38
2
2008
24
54
22
0%
20%
40%
60%
80%
100%
0%
20%
40%
60%
80%
100%
gut
befriedigend
schlecht
besser unverändert
schlechter
Grafik: Zukünftige Investitionsausgaben
Grafik: Aktuelle Wirtschaftslage in Tschechien
Quelle: XXX
Quelle: XXX
Mitgliedschaft in der EU
2010
20
59
21
Qualifikation der
Arbeitnehmer
Verfügbarkeit lokaler
Zulieferer
Z
u r e
f i
d
en
h
e
it
2009
8
35
57
Leistungsbereitschaft der
Le
Wichtigkeit
Arbeitnehmer
Produktivität der
Arbeitnehmer
1 = bester Wert
2008
30
48
22
5 = schlechtester Wert
1
2
3
4
0%
20%
40%
60%
80%
100%
Transparenz bei öffentlichen Ausschreibungen
steigen
gleich bleiben
sinken
Politische Stabilität
Effiziente öffentliche Verwaltung
der Investitionen der Automobilbranche über
das Land gezogen.
hier aus kaum länger
als zwei Stunden.
Im Land selbst
schätzen Investoren das
dichte Verkehrsnetz
und die hervorragende
Rechtssicherheit
»
Flexibilität des Arbeitsrechts
Technologiezentrum Europas
Seit 1993 sind viele ausländische Firmen in
1
2
3
4
5
de Tschechische Republik gekommen, haben her
Milliarden von Dollar investiert und Tausende
Arbeitsplätze geschaffen. Einer von drei globalen
Headquarters von DHL hat seinen Sitz in Prag.
Das französisch-japanische Automobilkonsorti-
um Toyota Peugeot Citroën Auto-
Infrastruktur, die das
Land an sämtliche wichtigen europäischen Ver-
kehrsnetze anbindet. Und dazu noch grenzenlos:
denn Tschechien ist 2008 dem Schengen-Raum
beigetreten.
mobile sitzt im mittelböhmischen
Kolín, in Nordmähren erweitert
der koreanische Autohersteller
Hyundai gerade seine Werk. Fir-
men wie IBM, Red Hat, Honeywell
oder Olympus haben in Tschechi-
en ihre Technologiezentren ange-
siedelt. Die Software für die Frank-
furter Börse wird zum Beispiel in
Prag entwickelt.
Kein Wunder, Tschechiens
Wettbewerbsvorteile, auch im
Vergleich mit anderen Staaten der
Region, liegen auf der Hand: außer
den, noch immer niedrigen Lohn-
kosten für hochqualifizierte Ar-
beitskräfte, zählt vor allem die geo-
politische Lage. Die Tschechische
Republik liegt im Herzen Europas,
ein Flug in sämtliche europäische
Handelsmetropolen, dauert von
aber auch Branchen, für die Tschechien bekannt
ist, die Auto- oder Flugzeugindustrie, zum Bei-
spiel. Aber auch Entwicklungen im Maschinen-
bau, dem IT-Sektor, der Elektrotechnik oder der
Nanotechnologie.
Štìpánka Filipová
Štìpánka Filipová (34)lei-
»
Die Zukunft ist High-Tech
tet die Marketingabteilung
der tschechischen
Tschechien ist außerdem Mit-
glied der EU, der NATO und weite-
rer internationaler Organisationen,
wie OECD, UNO, WTO oder IWF
Investitionsförderungs-
In den kommenden Jahren wird sich Tsche-
chien weiter vor allem darauf konzentrieren,
agentur „Czechinvest“.
»
Investitionsanreize
Als Kommunikationsprofi
arbeitete die
studierte
Journalistin zuvor unter
anderem für das
tschechische
Ministerium
für Arbeit und Soziales.
Seit 1998 versucht die Tsche-
chische Republik potentielle Inve-
storen mit gewissen Anreizen zu
locken: Steuererleichterungen oder
finanzielle Unterstützungen für
Projekte zu fördern, die Mehrwert schaffen oder
besondere Produktionsbedingungen erfordern.
Dazu kommt, dass die Förderung von Forschung
und Entwicklung und des Dienstleistungssek-
tors Priorität bleiben. Unsere industrielle Tradi-
tion, die Qualität technischer Hochschulen und
n
die Schaffung von Arbeitsplätzen,
Schulungen oder Requalifikations-
maßnahmen. Die Anreize gelten
nicht nur für die verarbeitende In-
dustrie, sondern auch als Teil der
Strategie anspruchsvollere Projekte
im Bereich Forschung und Ent-
wicklung ins Land zu holen oder
den Bau von Dienstleistungszen-
tren anzuregen. Gefördert werden
weltweit anerkannter wissenschaftlicher Institu-
tionen oder die Sprachkenntnisse der tschechi-
schen Bevölkerung – all das sind Faktoren, die
nicht nur Investitionsentscheidungen beeinflus-
sen, sondern auch die Investitionsförderung.
Štěpánka Filipová
Pressesprecherin und Marketingdirektorin der
Agentur CzechInvest

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Tschechien

MITTELEUROPA

MITTELEUROPA
MITTELEUROPA
MITTELEUROPA
MITTELEUROPA
MITTELEUROPA
Tschechien MITTELEUROPA Der Prage Hradschin ist die größte zusammenhängende Burganlage der Welt. Standort Tschechien

Der Prage Hradschin ist die größte zusammenhängende Burganlage der Welt.

Standort Tschechien hat Zukunft

Bernard Bauer, Geschäftsführer der Deutsch-Tschechischen Industrie-und Handelskammer (DTIHK), lobt das tschechische Investitionsklima und hofft auf den Euro

das tschechische Investitionsklima und hofft auf den Euro Herr Bauer, schon seit der „Samtenen Revolution“ gehört

Herr Bauer, schon seit der „Samtenendas tschechische Investitionsklima und hofft auf den Euro Revolution“ gehört Deutschland zu den wichtigsten

Revolution“ gehört Deutschland zu den wichtigsten Handelspartnern der Tschechischen Republik. Was genau macht den Investitionsstandort Tschechien so attraktiv? – Die engen Verbindungen zwischen Tsche- chien und Deutschland gründen unter anderem auf einer langen, erfolgreichen Tradition der Maschinen- und Automobilindustrie beider Länder. Die Ansprüche an Qualität, Wertarbeit und Effizienz sind sich daher sehr ähnlich, es gibt also neben der geografischen auch eine kul- turelle Nähe. Außerdem verfügt Tschechien über ein attraktives Lohnkostenniveau und einen sta- bilen Bankensektor. Auch die im ostmitteleuro- päischen Vergleich gute Infrastruktur spricht für eine Investition in der Tschechischen Republik.

Die DTIHK befragt ja regelmäßig deutsche Investoren zum Investitionsklima hier in Tschechien. Gibt es da langfristig Pro- bleme? – Die Tschechische Republik ist in diesem Jahr bereits zum fünften Mal in Folge von deutschen Firmen zum attraktivsten Investitionsstandort in Mittel- und Osteuropa gewählt worden. Vor dem Hintergrund der Rezession von 2009, im- merhin der schwersten in der Wirtschaftsge- schichte Tschechiens, ist diese Platzierung ein gutes Signal für die Zukunft. Gleichzeitig stehen nun wichtige Reformen, insbesondere der Haus- haltskonsolidierung an, damit das tschechische Investitionsklima in Mittel- und Osteuropa kon- kurrenzfähig bleiben kann. Insbesondere im Arbeitsrecht und der Fachkräfteausbildung muss sich einiges ändern, wenn Tschechien im Wett- bewerb um die Investoren weiterhin bestehen will: Die arbeitsrechtlichen Spielräume erwiesen sich in der Krise als zu unflexibel, um z. B. mit flächendeckender Kurzarbeit eine Alternative zur Mitarbeiterfreisetzung zu haben. Auch in der Ausbildung gibt es großen Nachholbedarf,

haben. Auch in der Ausbildung gibt es großen Nachholbedarf, vor allem in technisch-gewerblichen Berufen: Spezialisierte

vor allem in technisch-gewerblichen Berufen:

Spezialisierte deutsche Betriebe in Tschechien müssen die Ausbildung ihrer Mitarbeiter derzeit noch selbst in die Hand nehmen, weil landesweit kein entsprechendes Angebot existiert.

weil landesweit kein entsprechendes Angebot existiert. Ein Problem, das deutsche Investoren wie auch tschechische

Ein Problem, das deutsche Investoren

wie auch tschechische Unternehmer immer wieder anmahnen ist der Euro. Bislang hat sich noch jede tschechische Regierung schwer getan, Tschechiens Beitritt zur Eurozone eindeutig und zeitlich zu definieren. Ist die Frage nach der Euroeinführung Ihrer Meinung nach eher eine politische oder rein wirtschaftliche Frage? – Sicherlich beides: Die nationale Debatte über die Euroeinführung ist vielschichtig und die DTIHK konzentriert sich auf wirtschafts- politische Kriterien: Solange kein Datum zur Einführung des Euros bestimmt ist, gibt es für ausländische Investoren weiterhin keine aus- reichende Planungssicherheit wegen der Kurs- schwankungen. Die schnelle Einführung der Gemeinschaftswährung wäre der sinnvollste Weg, dem Kursrisiko zu entgehen.

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Tschechien

Tschechien Magazin über Investitionsberatung Wann würden Sie denn gerne die Einführung des Euros sehen? Und wann

Magazin über Investitionsberatung

Magazin über Investitionsberatung

Wann würden Sie denn gerne die Einführung des Euros sehen? Und wann ist sie Ihrer Meinung nach zu spät? – Die Tschechische Republik ist ein extrem exportabhängiges Land. Allein zwei Drittel der tschechischen Exporte gehen in die Eurozone. Um ausländischen Investoren einen festen Ori- entierungspunkt für die Planung ihrer langfri- stigen Investitionen zu bieten, sollte die Euro- einführung so schnell wie möglich erfolgen. Dies ist jedoch wegen der tschechischen Fiskal- politik der letzten Jahre und anderen volkswirt- schaftlichen Faktoren nicht von heute auf mor- gen denkbar. Daher gilt es nun zuallererst ein konkretes und vor allem endgültiges Datum für den Beitritt zur Währungsunion festzusetzen, an dem sich langfristige Investitionsentschei- dungen orientieren können.

Investitionsentschei- dungen orientieren können. Wie bewerten Sie das derzeitige Investitionsklima in

Wie bewerten Sie das derzeitige Investitionsklima in Tschechien? Hat der Standort Tschechien auch langfristig eine Zukunft? – Das Investitionsklima in Tschechien ist gut. Dies zeigt sich unter anderem darin, dass das Land in diesem Jahr zum fünften Mal zum Standortsieger in Mittel- und Osteuro- pa gewählt wurde. Für die Zukunft gilt es, das vorhandene Investitionspotential noch bes- ser zu nutzen. Das Bild von Tschechien als „verlängerte Werkbank“ der westlichen Industrie ist dabei längst nicht mehr zeitgemäß: Natürlich

ist dabei längst nicht mehr zeitgemäß: Natürlich – – – Die Reformen der Tschechien ein
– – –

– – –

– – –

Die Reformen der

Tschechien ein zentrales Problem. Die akademische Ausbildung ist gut und die meisten jungen Absol- venten sprechen Englisch, manche auch Deutsch. Fehlende Ausbil- dungszweige haben jedoch zu ei- nem Fachkräftemangel geführt, der einige Branchen vor große Heraus- forderung stellt. Ideal wäre es, den Praxisbezug stärker in das landes- weite Ausbildungssystem zu inte- grieren. Die DTIHK beteiligt sich an mehreren Einzelprojekten, die Hochschulen und Industrie mit- einander in Kontakt bringen und dauerhafte Kooperationsstrukturen in der Ausbildung schaffen sollen. Dazu gehören die Wissenstransfer-

gesellschaft Bayern Innovativ sowie Veranstaltungen mit dem Wis- senschaftsminsterium NRW, der TU Liberec und der tschechischen Akademie der Wissenschaften.

neuen Regierung bringen eine gewisse soziale Unruhe mit sich. Befürchten Sie nicht, dass sich das Investitionsklima vergiften könnte?

Ganz bestimmt nicht. Refor-

men zur Haushaltskonsolidierung sind unangenehm, aber notwen- dig. Die Einsparungen und Kür- zungen, gerade im Sozialbereich und im öffentlichen Dienst, wer- den wohl noch lange Gegenstand der öffentlichen Diskussion sein. Langfristig glaube ich jedoch, dass eine schlankere Staatsverwaltung

und eine erfolgreiche Haushalts- konsolidierung vor allem positive Effekte auf das Investitionsklima haben werden.

In welchen Bereichen

sehen Sie die größten Chancen für deutsche Investoren? Gibt es konkrete Investitionsanreize?

Deutschland hält in Europa

es konkrete Investitionsanreize? Deutschland hält in Europa Was würden Sie einem Neuling auf dem tschechischen Markt

Was würden Sie einem

Neuling auf dem tschechischen Markt raten? In Bezug auf das Investitionsklima?

– Zunächst würde ich ihm zu der Entscheidung in Tschechien zu investie- ren, gratulieren. Gleichzeitig sind die bereits

und der Welt eine Spitzenstellung

in der Erforschung regenerativer

Energiequellen und energieeffizi- enter Technologien. Im europäischen Vergleich liegt Tschechien bei der Energieeffizienz weit hinten. Hier ergeben sich für hochspezialisierte

genannten Unwägbarkeiten und Hindernisse des Investitionsstandorts Tschechien nicht zu unterschätzen. Mit der richtigen Unterstützung und Beratung vor Ort sind diese jedoch gut zu überwinden. Die DTIHK und ihre Dienstlei- stungsgesellschaft AHK Services stehen dafür allen Interessenten gerne zur Verfügung.

>> Tschechien ist bereits zum fünften Mal in Folge von deutschen Firmen zum attraktivsten Investitionsstandort in Mittel- und Osteuropa gewählt worden.

ist Tschechien auch wegen seiner vergleichsweise niedrigen Lohnkosten für Investitionen inter- essant; aktuell gewinnt der Standort jedoch vor allem in der Technologiekooperation und im In- novations- und Technologiesektor an Bedeutung. Hier stehen auch EU-Fördermittel zur Verfü- gung. Davon profitiert unter anderem der Be- reich erneuerbare Energien, der sich in Tsche- chien in den letzten Jahren sehr dynamisch entwickelt hat. Er ist auch für viele für deutsche Unternehmen attraktiv, die deshalb ihre Ferti- gung und Entwicklung nach Tschechien verla- gern möchten.

deutsche Firmen Kooperations- und Investiti- onsmöglichkeiten. Außerdem finden deutsche Firmen aus der Maschinenbau- und Automo- bilbranchen in Tschechien traditionell gute Pro- duktionsbedingungen vor. Auch steuerliche In- vestitionsanreize spielen eine Rolle, ebenso wie die EU-Strukturförderung.

Deutsch-Tschechische Industrie- und Handelskammer

Václavské nám. 40 110 00 PRAHA 1 TSCHECHIEN Tel.: +420 224 221 200 Fax: +420 224 222 200 E-Mail: info(at)dtihk.czv Desenissstr. 54 22083 Hamburg

Eine Priorität der neuen Regierung ist die Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Industrie. Sehen Sie hier Ansatzpunkte?

Die Rekrutierung von Fachkräften ist in

TAB: DEUTSCH- TSCHECHISCHE HANDELSBEZIEHUNGEN

 

Außenhandel mit Deutschland

2007

2008

2009

Volumen

Mrd. Euro

51,6

56,3

46,4

Saldo

Mrd. Euro

3,3

4,7

6,2

Exporte

Mrd. Euro

27,5

30,5

26,3

Wachstum (CZK)

%

11,3

-0,4

-8,5

Importe

Mrd. Euro

24,2

25,8

20,1

Wachstum (CZK)

%

11,8

-4

-17,6

Ausländische Direktinvestitionen (ADI-Zufluss)

 

ADI-Zufluss

Mrd. Euro

7,6

7,3

1,9

kumuliert

Mrd. Euro

72,7

88,2

aus Deutschland

Mrd. Euro

0,9

2,4

0,25

kumuliert

Mrd. Euro

18,3

22,8

Quellen: Tschechisches Statistikamt, Tschechische Nationalbank

 

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Ungarn

MITTELEUROPA

MITTELEUROPA
MITTELEUROPA
MITTELEUROPA
MITTELEUROPA
MITTELEUROPA

Ungarns schwieriges Comeback

Auch eine gute Basis braucht permanente Pflege Innerhalb von wenigen Tagen haben im Oktober gleich
Auch eine gute Basis braucht permanente Pflege
Innerhalb von wenigen Tagen
haben im Oktober gleich
zwei globale Autokonzerne
neue Mega-Investitionen in
Ungarn angekündigt. Dabei
galt Ungarn noch vor kurzem
als eines der finanziellen
Sorgenkinder Europas. Woher
kommt die neue Popularität
des Landes bei ausländischen
Investoren?
gestoppt. Auch wenn der Aufschwung noch
nicht in allen Sektoren angekommen ist, z.B. in
der Bauwirtschaft, so dürfte die Wirtschaft in
diesem insgesamt um ca. ein Prozent wachsen.
Das ist nicht spektakulär, aber immerhin deut-
lich besser als noch vor weniger als einem Jahr
erwartet.
Gerade deshalb dürfte der neue Zuspruch aus-
ländischer Firmen die neue Regierung unter Vik-
tor Orbán freuen. Eine Million neue Arbeitsplätze
– wie versprochen – weitere Steuersenkungen
folgen, bleibt abzuwarten. Der Spagat zwischen
Haushaltsdisziplin und Steuerentlastungen ist
schwierig. Deshalb hat die Regierung erst einmal
eine andere Einnahmequelle angezapft: die Ban-
ken. Schon im laufenden Jahr müssen sie ca. 200
Milliarden Forint zusätzlich an den Staat abfüh-
ren. Das entspricht zwar der weltweit erhobenen
Forderung, die Finanzindustrie an den Kosten
der Krise zu beteiligen, und ist auch in der Be-
>> Ein wichtiger und stabilisierender Bestandteil sind seit Jahren
die reinvestierten Gewinne bereits ansässiger Unternehmen.
Eine Investition von knapp einer Milliarde
Euro beschließt man nicht „eben ‘mal so“ in-
nerhalb von ein paar Wochen. Ein Weltkonzern
wie Volkswagen legt strengste Maßstäbe an die
Qualitätsstandards und an die langfristige Wirt-
schaftlichkeit einer Autofabrik. Ebenso wie Mer-
cedes oder Opel. Diese Firmen haben gerade
gewaltige Investitionen in bestehende oder neue
Werke in Ungarn angekündigt oder sind schon
mitten in der Realisierung. Schon in rund drei
Jahren werden allein diese drei Projekte viele
tausend neue Arbeitsplätze in Ungarn sichern.
Dabei hatte das Land noch im Frühjahr eine we-
nig schmeichelhafte Presse im Ausland. Waren
die kritische Meinungen damals überzogen, oder
die Euphorie jetzt? Wohl beides.
will sie in den kommenden 10 Jahren schaffen.
Ungarn solle das Land mit den wettbewerbsfä-
higsten Geschäfts- und Investitionsmöglichkeiten
in Mitteleuropa werden, sagte Orbán anlässlich
der Bekanntgabe der neuen Großinvestition von
Audi. Doch auch mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit
im Parlament dürfte das keine einfache Aufgabe
werden.
»
Schuldenlast erzwingt Haushaltsdisziplin
Da ist zum einen die Verschuldung des Lan-
des. Die Staatsschulden belaufen sich auf etwa
80 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, soviel
wie in keinem anderen Land Mittel- und Osteu-
ropas. Die Zinsen für diese Schulden verschlin-
gen jährlich schon ein Siebtel aller Einnahmen
völkerung populär, doch das Ausmaß der Son-
dersteuer in Ungarn ist außergewöhnlich hoch.
Viele Ökonomen befürchten deshalb, dass sich
in der Folge die Finanzierungsbedingungen für
Unternehmen erneut verschlechtern, und damit
das Wirtschaftswachstum gebremst wird. Auf
die Zinsen hat die Regierung ohnehin nur indi-
rekten Einfluss. Solange die Verschuldungslage
angespannt bleibt, ist auch der Spielraum für
Zinssenkungen durch die Zentralbank gering,
eine unangemessene Lockerung der Geldpolitik
würde nicht nur die Inflation anfeuern, sondern
auch die Stabilität des Wechselkurses aufs Spiel
setzen. Erhoffte Wachstumsimpulse wären dann
teuer erkauft.
»
des Zentralhaushaltes und schränken damit die
Handlungsspielräume der Finanzpolitik ganz er-
heblich ein. Deshalb ist die Konsolidierung des
Haushalts eines der wichtigsten wirtschaftspo-
litischen Prioritäten. Die Vorgän-
Investoren wollen langfristige Sicherheit
Dirk Wölfer
» Wachstum noch unter
Potential
gerregierung unter Gordon Bajnai
hatte diesen Kurs mit teilweise dra-
Seit 2004 Bereichsleiter
Ungarn konnte während der
Aufschwung-Jahre 2006-2008 nur
gering an der starken Nachfrage in
Westeuropa – vor allem in seinem
Hauptabsatzmarkt Deutschland
– partizipieren, das Wirtschafts-
wachstum blieb hinter dem an-
derer Länder in Mittel- und Ost-
europa zurück. Aufgrund seiner
hochgradigen Exportorientierung
litt Ungarn unter der weltweiten
Wirtschafts- und Finanzkrise be-
sonders hart. Das BIP ging 2009
um 6,3% zurück, die Industrie-
produktion brach um 18% ein,
die Arbeitslosigkeit stieg um fast
die Hälfte. Seit Anfang des Jahres
nimmt Ungarns Wirtschaft jedoch
wieder Fahrt auf. 2010 dürfte Indu-
strieproduktion um rund acht Pro-
zent wachsen, die Ausfuhren sogar
um gut 15%. Selbst im Einzelhan-
del wurde der seit Jahren anhalten-
de Abwärtstrend im Juli erstmals
Kommunikation bei der
Deutsch-Ungarischen
Industrie- und Handel-
skammer.
Zuvor arbeitete er acht
Jahre lang bei Standard
& Poor’s MMS in Frank-
furt, zuletzt als Abteilungs-
leiter für die Konjunktur-
und Kapitalmarktanalyse
Osteuropas.
Dirk Wölfer erwarb sein
Diplom als Volkswirt an
der Wirtschaftswissen-
schaftlichen Universität
Budapest und verfügt
außerdem über eine
Ausbildung als Journalist.
stischen Sparmaßnahmen bereits
eingeleitet, und auch die neue Re-
gierung Orbán hat wiederholt be-
kräftigt, dass die Verringerung der
Neuverschuldung auf 3% des BIP
im kommenden Jahr in jedem Fall
eingehalten werden soll. Wenn das
gelingt, wäre Ungarn 2011 in der
Europäischen Union wahrschein-
lich eines der Länder mit dem ge-
ringsten Haushaltsdefizit.
Auch für die Unternehmen im
Lande ist die Kassenlage der Regie-
rung relevant, nämlich dann, wenn
Der Grund für das gerade zu beobachtende
starke Investoreninteresse ist jedoch nicht die
jüngste Aufhellung am Konjunkturhorizont,
und auch nicht das Ergebnis der Parlaments-
wahlen im April, denn die Entscheidung für
eine Großinvestitionen trifft man nicht mal so
eben in 100 Tagen. Für Investitionen bedarf es
vor allem des Vertrauens, dass die Rentabilität
der Investition langfristig gesichert ist. Sol-
ches Vertrauen hatte sich Ungarn schon früh
erworben. Zu Beginn der 90-er Jahre war das
Land eines der, wenn nicht das beliebteste Ziel
westlicher Investoren in den „Transformati-
onsländern“. Es bot günstige Kostenstrukturen,
gut qualifizierte und motivierte Mitarbeiter, ein
breit gefächertes Umfeld von Dienstleistern,
Zulieferern und F+E-Einrichtungen, und eine
investitionsfördernde Wirtschaftspolitik – über
einzelne Wahlperioden hinaus.
Seit Mitte der neunziger Jahre konnte Ungarn
n
sie sich in der Steuerbelastung
oder in den Zinsen für Bankkre-
dite niederschlägt. Beides will die
neue Regierung senken. Bei den
Steuern hat man auch schon den
ersten Schritt getan: am 1. Juli
wurde für Firmen mit einem Ge-
winn unter 500 Millionen Forint
die Körperschaftssteuer von 19
auf 10 Prozent gesenkt. Ob dem
deshalb relativ konstante Zuflüsse ausländischer
Direktinvestitionen verbuchen, im Durchschnitt
jährlich gut 3 Mrd. Euro. Während der Finanz-
krise ist der Zustrom ist zwar spürbar zurück-
gegangen, aber nicht abgerissen. Ausländische
Direktinvestitionen in Ungarn erreichten 2007
ein Volumen von 3,1 Mrd. Euro (ohne konzern-
interne Kreditbewegungen), 2008 waren es sogar
4,5 Mrd., aber auch im Krisenjahr 2009 immer-
hin noch 2,9 Mrd. Zahlreiche größere, vor allem
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20

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Ungarn

Ungarn Magazin über Investitionsberatung Grafik: Deutsche Direktinvestitionen* in Ungarn Bestand am Jahresende in Mio.

Magazin über Investitionsberatung

Magazin über Investitionsberatung

Grafik: Deutsche Direktinvestitionen* in Ungarn

Bestand am Jahresende in Mio. Euro

Quelle: Bundesbank

20 000 18 000 16 000 14 000 12 000 10 000 8 000 6
20 000
18
000
16
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14 000
12 000
10
000
8
000
6
000
4
000
2 000
0
* unmittelbare und mittelbare
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008

Grafik: Deutsche Direktinvestitionen* in Ungarn

Quelle: Bundesbank

Transaktionen in Mio. Euro

2 0 0 0 1 8 5 3 Insgesamt 1 8 0 0 darunter: 7
2
0
0 0
1 8 5 3
Insgesamt
1
8
0 0
darunter:
7
4 4
B e t e il i g un g e n u nd so n s ti g e
1
6
0 0
1 3 9 2
re i n v es ti e rt e G e winne
1
4
0 0
1 20 9
4 6 1
1 1 2 0
1 2
0 0
2
1 2
1 00 3
1
4
1 0
0 0
1 0 9
5 2
84 8
9
9 7
28
4
7 9 2
9 3 1
8
0 0
5
5
44
9
7
3 7
71
9
6
0 0
6
6 8
4
0 0
39
8
2
0 0
0
2 0 0 4
2 00 5
2 00 6
20 0 7
2 0 0 8
2 0 0 9
2 01 0 H 1
* gemäß Zahlungsbilanzstatistik
0 8 2 0 0 9 2 01 0 H 1 * gemäß Zahlungsbilanzstatistik Das ungarishe

Das ungarishe Parlament

>> Auch für die Unternehmen im Lande ist die Kassenlage der Regierung relevant.

aber mittelständische ausländische Unterneh- men, sehr viele davon aus Deutschland, erwei- tern ihre Kapazitäten in Ungarn, neue siedeln sich an.

Ein wichtiger und stabilisierender Bestand- teil sind dabei seit Jahren die reinvestierten Gewinne bereits ansässiger Unternehmen. Hier spielen deutsche Firmen eine Vorreiterrolle: sie stellen die Hälfte der reinvestierten Gewinne, obwohl sie am Gesamtbestand aller auslän- dischen Investitionen in Ungarn „nur“ einen Anteil von knapp 30 Prozent haben. Doch auch damit sind deutsche Firmen die mit Abstand aktivsten Investoren im Land. Allein deutsche Firmen haben bis heute rund 17 Milliarden Euro in Ungarn investiert – fast genauso viel wie in China (19 Mrd.). Und deutsche Firmen haben in Ungarn einen guten Ruf. Als verantwortungs- volle Arbeitgeber und engagierte Teilnehmer am gesellschaftlichen Leben, aber natürlich auch als Hersteller technologisch hochwertiger Produkte. Egal ob weltbekannte deutsche Automarken oder Bremssysteme für japanische Hochgeschwindig- keitszüge – in vielen deutschen Exportgütern steckt heute auch viel „Made in Hungary“. Und davon profitieren beide Seiten.

Dirk Wölfer

Bereichsleiter Kommunikation

Deutsch-Ungarische Industrie- und Handelskammer

Tel.: +36/1/345-624 Fax: +36/1/345-614 H-1024 Budapest, Lövőház u. 30 E-Mail: woelfer@ahkungarn.hu www.duihk.hu

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Ungarn

MITTELEUROPA

MITTELEUROPA
MITTELEUROPA
MITTELEUROPA
MITTELEUROPA
MITTELEUROPA

Ungarns Wirtschaft war beim Ausbruch der globalen Krise schon stark abgeschwächt

Nach Tschechien ist Ungarn der zweitwichtigste Investitionsstandort in der Region. Seit Jahresbeginn gibt es ganz
Nach Tschechien ist Ungarn der zweitwichtigste
Investitionsstandort in der Region.
Seit Jahresbeginn gibt es
ganz leichte Zeichen einer
langsamen Erholung in der
ungarischen Wirtschaft.
Diese hängt ganz stark von
der Entwicklung in
Deutschland ab.
Die ungarische Volkswirtschaft ist extrem
exportabhängig. Die ungarischen Exporte
stiegen in den ersten 6 Monaten dieses Jahres
um 19% gegenüber der Vorjahresperiode, die
Importe um 17%. Daran sieht man die wieder
anspringende Industrieproduktion, die in 2009
massiv eingebrochen ist, und jetzt wieder auf ei-
nen höheren Auftragsstand blickt. Dadurch ha-
ben auch österr. Exporte, die zu einem großen
Teil aus Investitionsgütern und Halbfabrikaten
bestehen, wieder bessere Absatzmöglichkeiten.
» Schlechte Kondition
Vom Inlandsverbrauch hingegen kommen
keine Wachstumsimpulse: der Privatkonsum
geht weiter zurück, was den Handel und den
Dienstleistungsbereich negativ trifft. Die hohe
Verschuldung der Haushalte, der Rückgang bei
den Realeinkommen und die unsichere Lage am
Arbeitsmarkt beeinträchtigen massiv die Kons-
umfreudigkeit der Bevölkerung.
Leider gibt es auch noch keine Entspannung
bei der Beschäftigungslage. Die Arbeitslosenra-
te steigt heuer weiter und beläuft sich bisher im
Jahresdurchschnitt auf 11%.
Ungarns Wirtschaft befand sich beim Aus-
bruch der globalen Finanz- und Wirtschaftskri-
se schon in einer stark abgeschwächten Wachs-
tumsphase. Das manifestiert sich besonders
auf dem Bausektor, wo beginnend mit 2006
Rückgänge zu verzeichnen sind, die sich durch
die Finanzkrise noch verschärft haben. Stark
betroffen ist der Hochbau und besonders der
Wohnungsbau.
Laut ungarischer Nationalbank beliefen sich
die ausländischen Direktinvestitionen im Ge-
samtjahr 2009 auf knapp über EUR 1 Mrd. Im
Vergleich dazu beliefen sich in den Jahren 1999
– 2008 die jährlichen Direktinvestitionen auf
Die Firma Saubermacher aus Graz gehört seit 20 Jahren
zu den Marktführern der ungarischen Abfallwirtschaft.
Mittlerweile arbeitet sie in Ungarn erfolgreich mit
250 Gemeinden und etlichen Industrieunternehmen zusammen.
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Ungarn

Ungarn Magazin über Investitionsberatung Dr. Erika Teoman-Brenner - Ist seit 1982 in der Aussenwirtschaftsor-

Magazin über Investitionsberatung

Magazin über Investitionsberatung
Dr. Erika Teoman-Brenner - Ist seit 1982 in der Aussenwirtschaftsor- ganisation der WKÖ beschäftigt. -
Dr. Erika Teoman-Brenner
- Ist seit 1982 in der
Aussenwirtschaftsor-
ganisation der WKÖ
beschäftigt.
- Nach Stationen in
New York und Rom als
stellvertretende Handels-
delegierte und einigen
Jahren in Wien im Einsatz
in der Wirtschaftskammer
Österreich und dem
Wissenschaftsministe-
rium , war sie zwischen
2000-2007 Handels-
delegierte in
Istanbul und
seit 2008 Handelsdele-
gierte in Budapest.
n

durchschnittlich EUR 4 Mrd. Mit einem Bestand an Direktinvesti- tionen in Höhe von rund EUR 62 Mrd. ist Ungarn nach Tschechien jedoch weiterhin der zweitwichtig- ste Investitionsstandort in der Regi- on. Besonders erfreulich in diesem Zusammenhang ist die Großinve- stition von Mercedes in Kecskemét und die angekündigte Erweiterung des AUDI-Werks in Györ.

»

verlangsamt hat. Marktführend

Damit hat Österreich in den letzten drei Jahren etwas an Bedeutung für den ungari- schen Außenhandel verloren, da einerseits China sehr stark in den Markt gekommen ist und andererseits die ungarischen Firmen nun- mehr mehr in die Slowakei und Rumänien lie- fern als nach Österreich. Für die österreichische Exportwirtschaft ist Ungarn der siebenwichtigste Absatzmarkt. Als wichtiger Lieferant von Maschinen, Anla- gen und anderen Investitionsgütern können die österreichischen Firmen nun hoffen, dass die Industrieproduktion in Ungarn wieder nachhaltig anspringt. Ein Hoffnungsschim- mer sind die EU-Förderungen, die Ungarn bis 2013 in reichlichem Ausmaß bekommt: bei diesen Investitionen bekommen auch österr. Firmen gute Lieferchancen. Das betrifft vor allem Leistungen im Tiefbau durch staatliche Infrastrukturvorhaben, aber auch geförderte Projekte für energieeffizientes Bauen und die Erzeugung von erneuerbaren Energien. Es lohnt sich, an diesem Markt „dran zu bleiben“:

Produkte „Made in Austria“ haben einen aus- gezeichneten Ruf und die vielen schon vor Ort tätigen österreichischen Firmen können oft als „Türoffner“ fungieren. Auch wenn es immer wieder konjunkturelle Schwankungen geben wird, wird Ungarn einer der wichtigsten Han- delspartner für Österreich bleiben. Die geo- graphische Nähe, kontinuierliche Kundenpfle- ge und nicht zuletzt die vielen über die Jahre gewachsenen persönlichen Verbindungen sind ein guter Ausgangspunkt für dauerhafte und profitable Geschäftsbeziehungen.

Erika Teoman-Brenner

Österreichische Handelsdelegierte in Ungarn

Außenhandelsstelle Budapest

Délibáb utca 21 H-1062 Budapest Telefon:+36 1 461 50 40 Fax:+36 1 351 12 04 Email: Budapest@advantageaustria.org http://wko.at/awo/hu

ist Österreich bei der Ziegel- und Zuckerproduktion, im Autohan- del, in der Papierbranche und in der Bauindustrie sowie in der Im-

mobilienentwicklung. Stark ver-

treten ist Österreich auch im Ein- zelhandel. Nicht so dominant wie in vielen anderen CEE-Ländern ist die österreichische Präsenz im Finanzsektor. Die schon sehr früh nach der Wende einsetzende Investitions- tätigkeit österr. Unternehmen hat eine große Sogwirkung auf unter- nehmensnahe Dienstleistungen

Krise und die neue Regierung

Der Weg aus der Krise wird für Ungarn besonders schwierig wer- den, weil die schon vorhandenen strukturellen Defizite durch die Kri- se noch weiter verschärft wurden. Angesichts der hohen Staatsver- schuldung hatte Ungarn auch keine Möglichkeit, irgendeine Form von „Konjunkturpaket“ zu schnüren. Allein die EU-Fördermittel standen bzw. stehen für Wirtschaftsförde- rungsprogramme und Investitionen in Infrastruktur zur Verfügung.

ausgeübt: Rechtsanwälte, Steuer- berater, Personalberater, Ingeni- eur- und Planungsbüros, Werbe- agenturen, Facility Management Firmen und viele andere konnten sich sehr erfolgreich in Ungarn etablieren, weil sie die aus Öster- reich gewohnte hohe Servicequa- lität für die ungarischen Tochter- firmen garantieren können. Der Außenhandel zwischen den beiden Län- dern entwickelte sich über die letzten 20 Jahre sehr dynamisch. Nur im vorigen Jahr gab es auf Grund der weltweiten Rezession einen Ein- bruch um ca. 30 %. Im ersten Halbjahr 2010 stehen die Zeichen wieder auf positiv : die öster- reichischen Exporte sind um 9 % gestiegen und

» Szécsényi Plan

Die neue Regierung sieht in der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit der ungarischen Klein- und Mittelbetriebe einen wesentlichen Grund für das schon seit Jahren nachlassende Wirt- schaftswachstum. Mit der beschlossenen Kör-

>> Die neue Regierung sieht in der mangelnden Wettbewerbsfähig- keit der ungarischen Klein- und Mittelbetriebe einen wesentlichen Grund für das nachlassende Wirtschaftswachstum.

perschaftssteuersenkung für Klein- und Mittel- unternehmen, sowie Verwaltungsreformen, die zum Bürokratieabbau führen sollen, hat man schon einen ersten Schritt gesetzt. Weitere wer- den in dem in Ausarbeitung befindlichen Neuen Szécsényi Plan, der besonders Erleichterung bei der Finanzierung von KMU bringen soll, ent- halten sein. Ebenso arbeitet man einer neuen Ausrichtung in der Vergabe der EU-Förder- mitteln, damit diese vermehrt („ungarischen“) Klein- und Mittelbetrieben zu Gute kommen. Als zentrales Element ihrer Wirtschaftspoli- tik sieht die Regierung die Schaffung von 1 Mil- lion (!) Arbeitsplätzen in den nächsten 10 Jahren – wozu eben auch die EU-Fördermittel gezielt herangezogen werden sollen. Eine Einheitseinkommenssteuer von 16% so- wie Vergünstigungen für Familien soll zu einer Anhebung der verfügbaren Einkommen führen. Damit das anvisierte Budgetdefizit von 3,8% trotz dieser Steuerausfälle realisiert werden kann, wurde eine Steuer auf Finanzdienstlei- ster („Bankensteuer“) beschlossen, deren Höhe im internationalen Vergleich einzigartig ist und dem Staatshaushalt noch heuer EUR 700 Mio. einbringen soll.

»

die ungarischen Lieferungen nach Österreich wuchsen um beachtliche 25 %. Die ungarischen Exporte nach Österreich profitieren besonders vom relativen schwachen Forint. Österreich ist aus ungarischer Sicht der viertgrößte Lieferant (nach Deutschland, Rus- sland und China) und der siebenwichtigste Ex- portmarkt.

Grafik: Österreichische Direktinvestitionen in Ungarn* (Mrd. EUR) Quelle: Die ungarische Nationalbank

9 7, 7 8 7, 3 7 6, 2 6 5, 1 5 4, 5
9
7, 7
8
7, 3
7
6, 2
6
5, 1
5
4, 5
4
3
2
1
0
2004
2005
2006
2007
2008
*inkl. reinvestierte Gewinne

Position der Österreich

Österreich ist weiterhin der drittgrößte Investor in Ungarn, wobei sich die Dynamik der Investitionstätigkeit in den letzten Jahren

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Russland

OSTEUROPA

OSTEUROPA
OSTEUROPA
OSTEUROPA
OSTEUROPA
OSTEUROPA

Investitionen in die russische Wirtschaft

Privatisierung soll Defizit reduzieren Vom Ministerium für Finanzen und vom Ministerium für ökonomische Entwicklung
Privatisierung soll Defizit reduzieren
Vom Ministerium für Finanzen
und vom Ministerium für
ökonomische Entwicklung
wurde im Sommer Liste
mit 11 großen staatlichen
Gesellschaften bestimmt,
deren Aktien zum Verkauf
gestellt werden. Mitte Oktober
hat das Finanzministerium
mitgeteilt,dass zusätzlich auch
die Fluggesellschaft „Aeroflot“
sowie grösste russische Tele-
kommunikationsgesellschaft
„Svyasinvest“ auch privatisiert
werden.
Oleg Nikiforov

Wie der russische Ministerpräsident Wla- dimir Putin erklärte, beliefen sich die direkten Auslandsinvestitionen in Russland in der er- sten Hälfte 2010 auf insgesamt 21 Milliarden Dollar. Putin zog dabei in Betracht, dass sich die Zahl der Investitionen im laufenden Jahr gün- stig entwickeln werde, wie er in seiner Rede anlässlich der Sitzung der Regierungskom- mission zur Kontrolle von Auslandsinvestitio- nen sagte. Die Anzahl der Kapitalanlagen war im Juni 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 7,4 % gestiegen.

» Privatisierungen geplant

Die enormen Feuer des vergangenen Sommers haben allerdings den ohnehin verschuldeten Staatshaushalt weiter bela- stet. Mit dem Ziel, das wachsende Haus- haltsdefizit zu bekämpfen, will die russische Regierung zwischen 2011 und 2013 weite- re Teilprivatisierungen durchführen. Das Ministerium für Finanzen und Ministe- rium für ökonomische Entwicklung haben in- zwischen eine Liste mit 11 großen staatlichen Gesellschaften erstellt, deren Aktien zum Ver- kauf bestimmt sind. Dabei legt man das Ge- wicht darauf, nur kleine Aktienpakete zu ver- kaufen. Zu den potentiellen Staatsaktiva, die man derzeit in Russland erstehen kann, gehört die größte russische Ölgesellschaft „Rosneft “ und die Banken „Sberbank“ und „VTB“. Ausgelassen aus der Privatisierungsliste des Ministeriums für Finanzen und ökonomi- sche Entwicklung wurden zwar die russischen Bahnen, sowie die „Agentur für Wohnbauhy- potheken“. Ergänzt wurde sie wiederum durch „Rosagrolizing“, „Rosspirtprom“ und die „Ver- einigten Getreidegesellschaften“, „Transneft “, „Sovkomflot“. „Rosagrolizing“, „FSK“, „Ros-

selchozbank“ und „RusGidro“. Wie hoch die Gewinne, die aus der Privatisierung fließen sein werden, ist derzeit aber kaum zu sagen. Erhofft wird allerdings eine Summe von rund einer Trillion Rubel.

» Erdölpreis bestimmt Erfolg

Oleg Nikiforov

Dipl.-Ing. Oleg Nikiforov ist seit 2006 Chefredakteur der monatlichen Energiebeilage (NG-Energy) der Moskauer Tageszeitung

„Nesawisimaya Gazeta“. Nikiforov hat lange Zeit für verschiedene russische Zeitungen gearbeitet und hat in den Jahren 1991- 1993 zusammen mit deutschen Investoren die Berliner Zeitschrift „Märkte in Osten”.

n

Herman Gref, meint zum Bei- spiel, dass es für die Bank besser sei, sich nicht auf die Suche nach einem strategischen Investoren zu konzentrieren, sondern, dass es sinnvoller sei, Aktienbündel an alle Interessenten zu verkaufen. Leider haben andere Firmen bis- lang noch keine Privatisierungs- bedingungen gestellt. Man sollte aber nicht verges- sen, dass die russische Regierung in der letzten Zeit ein paar wich- tige Schritte in Richtung Privati- sierung getätigt hat. Den Erwerb von 5,5 Milliarden Dollar im April

zum Beispiel, der zur Verteilung der Schuldverpflichtungen dienen soll. Erfolg oder Misserfolg der Privatisierun- gen wird auch von den Erdölpreisen abhängen. Sollten sich die Erdölpreise 2011 auf unter 70 Dollar pro Barrel befinden, kann die russische Regierung den Privatisierungsprozess mit der Ausstellung von Zusatzaktiva starten. Oleg Nikiforov

Leitender Redakteur der Zeitung Nezavisimaja gazeta (Moskau)

Eine genauere Bewertung der geplanten Gewinne, sei momentan aber schwer, sagte Finanzminister Alexej Kudrin. Denn die russische Regierung plant, die Staatsanteile je nach Konjunkturlage zu verkau- fen. In Übereinstimmung mit den Kalkulationen des Ministeriums

für Finanzen und ökonomische Ent- wicklung sollen die Erlöse aus der Privatisie- rung im Jahr 2011 die Summe von 298 Milliar- den Rubel erreichen. Alles hängt jedoch davon ab, wie die im Herbst dieses Jahres vorbereitete und für 2011 bis 2013 geplante Privatisierung verlaufen wird. Jetzt ist es an den Geschäftsfüh- rern der zum Verkauf gestellten Gesellschaften, die Privatisierungsszenarien zu analysieren. Der Vorstandsvorsitzende der „Sberbank“,

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Das Glück bevorzugt den, der vorbereitet ist Interview mit Zoltán Harsányi, Vorstandsvorsitzender der VUJE AG

Das Glück bevorzugt den, der vorbereitet ist

Interview mit Zoltán Harsányi, Vorstandsvorsitzender der VUJE AG

Interview mit Zoltán Harsányi, Vorstandsvorsitzender der VUJE AG

mit Zoltán Harsányi, Vorstandsvorsitzender der VUJE AG Die Firma VUJE ist in der Slowakei und auch

Die Firma VUJE ist in der Slowakei

und auch international bekannt für ihre Projekte im Energiesektor. Wie würden sie ihre Projekte, an denen sie mit deutschen oder österreichischen Partnern zusammenarbeiten, unseren Lesern vorstellen? - Die Firma VUJE war zum Beispiel 1996 – 2000 im Konsortium mit Siemens für die Modernisierung von zwei Reaktorblöcken des slowakischen AKW Jaslovské Bohunice verantwortlich. Ziel des Ausbaus war es, die Sicherheitsvorkehrungen des Kernkraftwerks so zu verbessern, dass sie einer weiteren 15- jährgen Laufzeit der Reaktoren entsprechen würden. Die Zusammenarbeit mit Siemens war einmalig. Schon allein deswegen, weil das KKW während des Ausbaus nicht abge- stellt wurde und wir die wichtigsten Arbeiten durchführten, als neue Brennstäbe angeliefert wurden. So haben wir bewiesen, dass es mög- lich ist, WWER-Reaktoren zu modernisieren. Die beiden Reaktorblöcke waren bis 2006 bzw. 2008 in Betrieb, bis aufgrund politischer Ent- scheidungen nach dem EU-Beitritt der Slowa- kei abgestellt werden mussten. Wir konnten dann allerdings mit der Mo- dernisierung weiterer Reaktoren des AKW

mit der Mo- dernisierung weiterer Reaktoren des AKW an dieses erfolgreiche Projekt anknüpfen. Her fungierten

an dieses erfolgreiche Projekt anknüpfen. Her fungierten wir als Projektleiter und unsere Zusammenarbeit mit Siemens bezog sich auf das digitale Steu- ersystem Teleperm, das wir auch schon während des Ausbaus des ersten Reaktorblocks erfolgreich an die Modernisierung angepasst hatten. Bei großen Projekten lie- fert uns Siemens alle wichtigen Komponenten für den Bau oder die Modernisierung von Hoch- spannungsnetzen. So auch zum Beispiel beim Neubau des Slowa- kischen Energiedispatch, die wir als Projektleiter zwischen 2003 und 2005 durchgeführt haben. Die Zusammenarbeit mit deut- schen und österreichischen Fir-

men hier in der Slowakei kann ich aus eigenen Erfahrungen als äußerst gut bezeichnen. Und ich glaube, ähn- liche Erfahrungen haben diese Firmen auch in

der Zusammenarbeit mit VUJE gemacht.

Zoltán Harsányi -Absolvent der Fakultät für Elektrotechnik an der Slowakischen Tech- nischen Universität - Ehemaliger

Zoltán Harsányi

-Absolvent der Fakultät für Elektrotechnik an der Slowakischen Tech- nischen Universität

- Ehemaliger Geschäfts-

führer der PS Komárno und der ZSE š.p., Bratislava

- seit 2001 Vorstandsvor- sitzender der VUJE

n

ernannt wurden, waren die Aktivtäten der Firma ausschließlich auf die Kernenergie ausgerichtet. Ist es seitdem zu einer Diversifizierung ihrer geschäftlichen Aktivitäten gekommen? Wenn ja, in welche Bereiche? - Die ersten Projekte außer- halb der Kernenergie hat die VUJE schon vor meiner Ankunft durchgeführt. Zum Beispiel der Bau der Hochspannungsleitung und damit zusammenhängende

Modernisierung der Verteiler zwischen Varín und Sučany. Das war ein recht anspruchs-

volles Projekt, die Hochspan-

nungsleitungen liefen entlang

Bergkämmen und wichtigen Verkehrspunkten. Der Erfolg des Projekts hat dann auch unsere Diversifi- zierung in den Bau von Hochspannungslei- tungen und Verteilern eingeläutet. Seit meiner Ankunft bei VUJE haben sich unsere Aktivitäten in diesem Bereich verstärkt und die Firma VUJE ist nun ein wichtiger Partner der Slowakischen Übertragungssy- steme AG und weiteren Firmen in der West-, Mittel- und Ostslowakei. Nicht ganz so be- kannt ist unsere Aktivität als Dispatcher für die Mittelslowakische Energetik. Abschließend würde ich gerne noch er- wähnen, dass es n der letzten Zeit zu einer langsamen Renaissance der Atomenergie ge- kommen ist. Und wenn es heißt, das Glück helfe denen, die bereit sind, dann trifft das in unserem Fall besonders zu. Denn auch wäh- rend der Zeit, als man von der Kernenergie Abstand nahm, haben wir uns unsere Experti- se nicht nur erhalten, sondern auch weiterent- wickelt. Deshalb spielt unsere Firma im Mo- ment eine wichtige Rolle beim Ausbau des 3. und 4. Reaktorblocks des AKW Mochovice.

An welchen internationalen Projekten sind sie beteiligt? - Vor dem EU-Beitritt der Slowakei konnte die VUJE an Projekten nur mitarbeiten. Da- mals - Vor dem EU-Beitritt der Slowakei konnte die VUJE an Projekten nur mitarbeiten. Da- mals waren wir sehr aktiv an verschiedenen Phare-Projekten beteiligt, zum Beispiel beim Bau von multifunktionellen Simulatoren oder Messungen innerhalb von Reaktoren, aber auch in Bereichen wie Krisenmanagement oder Sicherheitsanalysen. Nach dem EU-Beitritt der Slowakei konn- ten wir an verschiedenen EU-Rahmenpro- grammen teilnehmen. Hier sind wir vor allem im Bereich der Reaktor- und Strahlen- sicherheit aber auch in der Atommüll-Proble- matik aktiv. Gegenwärtig planen wir, uns am Projekt „Alegro“ zu beteiligen, das kurz vor seiner Zulassung steht. Dieses Projekt steht unter der Leitung des Kommissariats der CEA in Paris, die als Dachorganisation der französischen Kernkraft gilt. Hinter „Alegro“, an dem auch tschechische und ungarische Firmen beteiligt sein werden, verbirgt sich ein Projekt zur Ent- wicklung von Reaktoren der 4. Generation, so genannter „schneller Reaktoren“, die bis zu 60 Prozent des nuklearen Brennstoffs und somit auch unsere Uranvorkommen effektiver aus- nutzen werden. Gegenwärtige Reaktoren nut- zen nur etwa ein Prozent.

Bevor sie im Jahre 2001 zumGegenwärtige Reaktoren nut- zen nur etwa ein Prozent. Vorstandsvorsitzenden der Firma VUJE Kontaktadresse

Vorstandsvorsitzenden der Firma VUJE

sie im Jahre 2001 zum Vorstandsvorsitzenden der Firma VUJE Kontaktadresse Okružná 5, 918 64 Trnava, Slowakei

Kontaktadresse

Okružná 5, 918 64 Trnava, Slowakei Telefon: + 421 33 599 11 11 Fax: + 421 33 599 12 00 Email: vuje@vuje.sk http: www.vuje.sk

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Russland

OSTEUROPA

OSTEUROPA
OSTEUROPA
OSTEUROPA
OSTEUROPA
OSTEUROPA

Deutschland ist wichtigster Handelspartner Russlands

Die Russische Wirtschaft kann sich im nächsten Jahrzehnt sehr dynamisch entwickeln. Die russische Volkswirtschaft
Die Russische Wirtschaft kann sich im nächsten
Jahrzehnt sehr dynamisch entwickeln.
Die russische Volkswirtschaft
wurde von der weltweiten
Finanz- und Wirtschaftskrise
härter getroffen als andere
Staaten. Der Rückgang des
Bruttosozialproduktes belief
sich 2009 auf 7,9 Prozent. Vor
allen Dingen der Vergleich mit
den anderen BRIC-Staaten fällt
deshalb deutlich zu Ungunsten
der Russischen Föderation aus.
» Notwendige Modernisierung
und Diversifizierung
» Investitionsklima
Präsident Medwedjew hat wiederholt dazu
aufgerufen, die sich jetzt bietende Chance der
Konsolidierung des Marktes zu nutzen, um die
russische Volkswirtschaft und im Besonderen die
Industrieproduktion zu modernisieren und zu
diversifizieren. Fast alle Wirtschaftsbereiche müs-
sen modernisiert werden. Vom Staat mit beson-
derer Wertigkeit forciert werden die Sektoren:
- Energieeffizienz und Energieeinsparung
- Atomtechnik
- Entwicklung der Raumfahrt, damit zusam-
menhängend der Telekommunikation und
Glonass (russ. Satellitennavigationssystem) 4
Die Handelsbilanz ging von 735 Milliarden
US-Dollar auf 469 Milliarden US-Dollar oder
- Medizintechnik, Diagnostik, Pharmazie
um 36,2 Prozent zurück. 1 Die russischen Exporte
nahmen um 35,5, die Importe um 37,3 Prozent
ab. Der Rückgang im Handel mit Deutschland
fiel mit über 40 Prozent noch deut-
Ausländische Investitionen gingen um 17,7
Milliarden US-Dollar oder 17 Prozent auf 86,1
Milliarden US-Dollar zurück. Die deutschen
akkumulierten Investitionen sind um 300 Mil-
lionen US-Dollar auf 17,7 Milliarden US-Dollar
leicht gestiegen und machen jetzt 8,5 Prozent
der Gesamtinvestitionen aus. 3
Einerseits ist das Absinken der weltwirt-
schaftlichen Gesamtsituation geschuldet, ande-
rerseits der Abschottung des russischen Mark-
tes durch protektionistische Maßnahmen. 2009
wurden zahlreiche Zollsätze an-
- IT, Entwicklung von Supercomputern und
Software 5 .
licher aus. Trotz des Rückgangs
ist Deutschland weiterhin knapp
vor den Niederlanden und der VR
China Russlands wichtigster Han-
delspartner. Nach Angaben des
Föderalen Zolldienstes betrug der
gemeinsame Waren- und Handels-
austausch im abgelaufenen Jahr
39,94 Milliarden US-Dollar, wobei
Russland nach Deutschland Waren
im Wert von 18,7 Milliarden liefer-
te, Deutschland demgegenüber für
21,2 Milliarden US-Dollar nach
Russland. Der starke Rückgang
Michael Harms
1994 – 1995:
Sales Manager bei Philips
Medizin Systeme in
Hamburg und Moskau
1995 – 1999:
Kooperationsbüro der
Die deutsche Wirtschaft wird als der heraus-
ragende Partner für die Umsetzung der Pläne
zur Modernisierung Russlands angesehen. Die-
ser Wunsch wurde auch beim Besuch des Mi-
nisters für Wirtschaft und Technologie, Rainer
Brüderle, im Februar 2010 erneuert. 6 Allerdings
bedarf es zur Umsetzung dieser von beiden Sei-
ten gewollten Kooperation einer Verbesserung
der Rahmenbedingungen.
Deutschen Wirtschaft,
Berlin
» Rahmenbedingungen
2000
- August 2007:
Ost-Ausschuss der Deut-
schen Wirtschaft, Berlin,
Mitglied der Geschäfts-
führung
2001 – 2003:
Exekutivsekretär des
der russischen Exporte ist im We-
sentlichen auf den gefallenen Preis
für Rohöl zurück zu führen, der
sich jedoch im Jahresverlauf wie-
der deutlich stabilisiert hat und im
Dezember bei 73,7 US-Dollar pro
Barrel der Sorte Urals lag. 2 Noch
zu Beginn des Jahres lag der Barre-
lpreis bei 41,9 US-Dollar.
Unter dem Rückgang der deut-
schen Exporte in die Russische
Föderation hatten vor allen Din-
gen die Exporteure von Maschi-
nen und Anlagen, der chemischen
Industrie, Erzeugnissen der Land-
Business Advisory;
Council beim
Stabilität-
spakt für Südosteuropa,
Brüssel
seit September 2007:
Delegierter der Deutschen
Wirtschaft in
der Russis-
chen Föderation, Moskau
seit 31. März 2008: Vor-
sitzender des Vorstandes
der Deutsch-Russischen
Auslandshandelskammer
gehoben; unter anderem die Ein-
fuhrzölle für PKW auf 30 Prozent,
für Gebrauchtwagen auf über 35
Prozent, Einfuhrzölle auf selbst
fahrende Erntetechnik von fünf
auf 15%, dazu kommen Einfuhr-
quoten, Handelsbeschränkungen
und Benachteiligungen ausländi-
scher Unternehmen, auch wenn
sie als russische juristische Perso-
nen aufgestellt sind (Beispiel: Ab-
wrackprämie, die nur für russische
Automobile gezahlt wird).
Die Entwicklung der auslän-
dischen Direktinvestitionen zeigt
einen weniger starken Abfall auf
24,8 Milliarden US-Dollar oder
um 8,1 Prozent. Die deutschen
Direktinvestitionen sind um 100
Millionen US-Dollar auf 5,2 Milli-
arden US-Dollar gestiegen.
Die oben beschriebenen Maß-
nahmen sollen vor allen Dingen
dem Schutz des eigenen Marktes
Insbesondere Bürokratie und Korruption, die
im letzten Jahr gefühlt und auch faktisch gestiegen
sind 7 , sehen die Unternehmen als große Hinder-
nisse einer umfassenden Modernisierung an. Die
Unternehmen fordern vor dem Hintergrund der
Krise weitere Reformschritte, insbesondere beim
Abbau der Bürokratie und der Schaffung von
Transparenz zum Beispiel bei Vergabeverfahren
und Steuererleichterungen, bei der Bekämpfung
der Korruption, bei den Zoll- und Zertifizierungs-
verfahren und dem Thema Protektionismus.
Quelle: Geschäftsklima Russland 2009,
7. Umfrage der Deutsch-Russischen Auslands-
handelskammer (AHK) und des Ost-Ausschus-
ses der Deutschen Wirtschaft
dienen. Ob damit allerdings das
n
erhoffte Ergebnis erzielt wird,
bleibt offen. Eine Wirkung des
Ausschlusses oder der Beschrän-
kung ausländischer Konkurrenz
ist das Ansteigen der Inlandsprei-
se und ein geringe Neigung der
Unternehmen zu Investitionen in
moderne, weltmarktfähige Tech-
nik und Technologien.
» Technische Regulierung
Ende 2009 ist im Bereich der technischen
Regulierung ein neues Gesetz in Kraft getreten,
das den Prozess der Harmonisierung russischer
wirtschaft,Lebensmittelproduzen-
4
S. http://de.wikipedia.org/wiki/GLONASS
ten und Konsumgütern zu leiden.
Allein der Rückgang im Bereich
Maschinen beläuft sich auf über
drei Milliarden Euro.
5
Vgl. 1. Sitzung der Kommission für Modernisierung und technologische
Entwicklung: http://www.bftcom.com/tech/detail.php?ID=190
6
http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Presse/tagesnachrichten,did=
332066.html#332040
7

1 Vgl. http://www.customs.ru/ru/stats

2 Vgl. http://www.cbr.ru/statistics 26
2 Vgl. http://www.cbr.ru/statistics
26

3 Vgl. http://www.gks.ru/bgd/regl/b09_01/Main.htm

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Vgl. Beitrag in dieser Ausgabe: Schlufter: Korruptionsbekämpfung in Russland. Nach Angaben des russischen Innenministeriums hat sich 2009 der durchschnittliche Bestechungsgeldbetrag mit 27.000 RUR gegenüber 2008 verdreifacht.

Russland

Russland Magazin über Investitionsberatung Grafik: Herkunftsländer ausländischer Investitionen in Russland (Bestand in

Magazin über Investitionsberatung

Magazin über Investitionsberatung

Grafik: Herkunftsländer ausländischer Investitionen in Russland (Bestand in Milliarden Euro*)

Quelle: Rosstat

* Umgerechnet nach Euro-Referenzkursen der Europäischen Zentralbank

(Bestand in Milliarden Euro*) Quelle: Rosstat * Umgerechnet nach Euro-Referenzkursen der Europäischen Zentralbank

Grafik: Kumulierte Auslandsinvestitionen in Russland (Bestand in Milliarden Euro*)

Quelle: Rosstat

*Umgerechnet nach Euro-Referenzkursen der Europäischen Zentralbank

Russland (Bestand in Milliarden Euro*) Quelle: Rosstat *Umgerechnet nach Euro-Referenzkursen der Europäischen Zentralbank

TAB: Vergleich Entwicklung BIP (Veränderung in % zum Vorjahr)

 
 

2008

2009

Brasilien

5,1

1,3*

Russland

5,6

-7,9

Indien

7,3

3,1*

China

9,0

8,7

*3. Quartal, saisonbereinigt; Quelle: http://financialdatalink.sharepointsite.net/default.aspx

und internationaler Normen beschleunigen soll. Ausländische Unternehmen stehen bis dato vor der Schwierigkeit, neben europäischen und na- tionalen Normen und Zertifizierungen auch eine Zertifizierung nach GOST vorweisen zu müssen. Ein erster Fortschritt wurde durch die Regelung erzielt, dass das Föderale Exekutivorgan zur technischen Regulierung (Rostekhreguliro- vanie) nun ebenfalls berechtigt ist, technische Reglements anzunehmen und zu bestätigen. Damit könnte der lange Weg der Genehmigung als föderales Gesetz über die Regierung und die Staatsduma entfallen. 8

» Finanzierung

Unter dem Eindruck der Finanzkrise wur- den zahlreiche Projekte entweder in ihrem

8 Vgl. Scholz, Zertifizierung in dieser Ausgabe.

Umfang begrenzt oder zeitlich gestreckt. Der wesentliche Grund sind die deutlich ver- schlechterten Kreditkonditionen russischer Banken und die unsicheren Zukunftsperspek- tiven. Als ein Schritt zur Verbesserung dieser Si- tuation wurde ein Rahmenkreditvertrag zwi- schen der KfW IPEX-Bank und der Vnesheco- nombank geschlossen. Der Rahmenkredit soll die Finanzierung von Exportlieferungen aus Deutschland und aus der EU nach Russland zur Modernisierung der russischen Industrie in Höhe von bis zu 500 Millionen Euro ermög- lichen. Im Rahmen der deutsch-russischen Strategi- schen Arbeitsgruppe Wirtschaft und Finanzen (SAG) haben die Wirtschaftsministerien beider Länder sowie der Ost-Ausschuss der Deutschen

Wirtschaft und die AHK förderungswürdige Projekte vorgeschlagen. 9

» Prognose

Die Russische Föderation zählt auch in Zu- kunft zu den dynamischen Märkten für deutsche Unternehmen. In der jährlich durch den DIHK durchgeführten Umfrage zum Auslandsengage- ment und der Attraktivität der Einzelmärkte „Going international“ belegt Russland bei der Geschäftsentwicklung für die nächsten fünf Jahre hinter Indien, Brasilien, China und Saudi Arabien Platz fünf. 10 Nach wie vor gilt: Russland braucht, was Deutschland hat. Der enorme Bedarf an Inve- stitionsgütern zur Umsetzung des Postulates der Modernisierung kann von den Herstellern von Maschinen und Anlagen, den Firmen mit Know- how im Bereich Engineering bedient werden. Für die erklärten strategisch wichtigen Bereiche stehen Technologien auf Weltniveau in den Be- reichen Energieeffizienz, Gesundheitswirtschaft, Nanotechnologie, chemische Industrie usw. zur Verfügung. Zur Entwicklung eines (konkurrenz- fähigen) Mittelstands steht der leistungs- und wettbewerbsfähige Mittelstand weltweit bereit. Die Russische Föderation ist im Unterschied zu vielen anderen Staaten liquide. Die Außen- verschuldung des Russischen Staates ist mit 25,5 Milliarden gering. 11 Um wettbewerbsfähig zu bleiben oder zu werden, müssen die großen rus- sischen Konzerne investieren – Garant sind die wieder stark im Steigen begriffenen Preise für Bodenschätze und Energieträger. Zur Umset- zung der staatlichen Zielprogramme ist der Staat bereit Milliarden Euro zu investieren. In internationalen Rankings wird Russland bei Standard and Poor’s mit BBB+, bei Moody’s mit Baa2 und bei Fitch mit BBB+ gewertet 12 - mit steigender Tendenz. Russland kann sich im nächsten Jahrzehnt sehr dynamisch entwickeln. Grundvorausset- zung dazu ist und bleibt die Umsetzung der für eine Marktwirtschaft unentbehrlichen Kompo- nenten Wettbewerb, Effizienz, unternehmeri- sche Freiheit, Rechtssicherheit und ein gesunder und effektiver Mittelstand.

Michael Harms

Vorstandsvorsitzender

Deutsch-Russische – Auslandshandelskammer

1. Kasatschij Pereulok 7 119017 Moskau Tel.: +7 495 234 49 50 Fax: +7 495 234 49 51 E-Mail: ahk@ahk-russland.ru E-Mail: ahk@ahk-russland.ru Post:

c/o Worldwide Courier GmbH Desenissstr. 54 22083 Hamburg

9 Vgl. http://www.innovations-report.de/html/berichte/wirtschaft_fi-

nanzen/kfw_ipex_bank_supports_exports_russia_br_eur_500_

136136.html

10 Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK): Going interna- tional. Erfahrungen und Perspektiven der deutschen Wirtschaft im Auslandsgeschäft. Berlin 2009.

11 Vgl. Russisches Finanzministerium unter: http://www1.minfin.

ru/common/img/uploaded/library/2009/12/Kniga1.xls

12 Vgl. dazu insgesamt: Russisches Finanzministerium unter: http://

www1.minfin.ru/ru/macroeconomics/

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Russland

OSTEUROPA

OSTEUROPA
OSTEUROPA
OSTEUROPA
OSTEUROPA
OSTEUROPA

Vor dem Markteintritt ist eine gründliche Vorbereitung zu empfehlen

Interview mit dem österreichischen Handelsdelegierten in Moskau, Dr. Dietmar Fellner Geschäftsmöglichkeiten für
Interview mit dem österreichischen Handelsdelegierten
in Moskau, Dr. Dietmar Fellner
Geschäftsmöglichkeiten
für österreichische Firmen
bestehen vor allem im
Bereich des Exports von
technischem Know-How,
(Maschinen & Anlagen
sowie Dienstleistungen) in
diesem Bereich. Ebenso gibt
es gute Chancen im schon
erwähnten Bereich der
Automobilzulieferindustrie
sowie bei Pharmazeutika und
Medizintechnik.
Kathedrale Basilius des Seligen
Herr Dr. Fellner, wie kam Russland
durch die Wirtschaftskrise?
- Die Krise hat Russland im Sommer 2008
zwar unerwartet heftig getroffen, aber nicht am
linken Fuß erwischt. 600 Mrd. Dollar Devisen-
reserven, 300 Mrd. Dollar im Stabilitätsfonds
und 200 Mrd. Dollar im Wohlstandsfonds,
alle aus Erdöl- und Erdgaseinnahmen gefüllt,
waren vorhanden, um der Regierung genü-
gend Spielraum zum Gegensteuern zu ge-
ben. Zuerst wurden die Banken stabilisiert,
dann der Rubelkurs weitgehend abgestützt
und eine Abwertung zu Euro und Dollar hin-
ausgezögert. Weiter wurden ins Trudeln ge-
von Anti-Krisen Maßnahmen veröffentlicht, von
denen am wirksamsten die Senkung der Gewinn-
steuer für Unternehmen von 24% auf 20% war.
Daneben gab es zinsbegünstigte oder mit staatli-
chen Garantien versehene Kredite, die das Inve-
stieren für Unternehmen leichter machen sollten.
>> Die Regierung hat schon
zweimal einen Katalog von
Anti-Krisen Maßnahmen veröffentlicht.
kommene riesige Staatsbetriebe, vor allem im
Bereich der Rohstoffverarbeitung (Eisen und
Stahl, Aluminium, Kupfer- und Chemiein-
dustrie), von der Regierung aufgefangen. Für
diese Maßnahmen wurde reichlich Geld in die
Hand genommen: alle drei Polster wurden in
etwa halbiert.
In der Staatsverwaltung und im Sozialbe-
reich wurden keine Kürzungen vorgenommen,
ganz im Gegenteil gab es sogar überdurch-
schnittliche Pensionserhöhungen und eine
Ausweitung der Sicherheitsdienste. Dadurch
schlitterte zwar das Staatsbudget ins Minus
Spezielle Konjunkturprogramme, etwa in Bereich
der Bauwirtschaft, wurden zwar angekündigt,
deren Umsetzung kam aber der seit Anfang des
Jahres 2010 spürbare Aufschwung zuvor.
Bergbauprodukte - die Nachfrage aus China ist
unersättlich.
Gerade als die Wirtschaft wieder in Fahrt
kam, die Industrieproduktion zweistellig wuchs
und zu Krisenzeiten zurückgestellte Investi-
tionsprojekte erneut vorangetrieben wurden,
erhielt das Land den nächsten Dämpfer. Die
schweren Wald- und Torfbrände, die im vergan-
genen Sommer in Russland wüteten, haben die
russische Wirtschaft stark in Mitleidenschaft ge-
zogen. Die Landwirtschaft erlebte eine katastro-
phale Missernte, rund 30 Mio. Tonnen Getreide
wurden durch Dürre oder Brände vernichtet.
Derzeit schätzt man die gesamtwirtschaftlichen
Schäden auf USD 1,5 Mrd.
Geht es mit der russischen Wirtschaft
(erstmals seit 8 Jahren, auf – 7,5% des BIP), es
konnte so aber ein massiver Kaufkraftverlust
der Bevölkerung verhindert werden.
Setzt die russische Regierung
Maßnahmen, um die Wirtschaft zu beleben?
- Der russische Präsident Dimitry Med-
wedew möchte Russland ins 21. Jahrhundert
führen und hat daher einen umfassenden Mo-
dernisierungsprozess auf allen Ebenen in Gang
gesetzt. Der Korruption wird genauso der
Kampf angesagt wie den veralteten Militär- und
Polizeistrukturen. An erster Stelle stehen jedoch
Maßnahmen zur wirtschaftlichen Entwicklung:
- Die Regierung hat zweimal einen Katalog
also bergauf? Wie beurteilen Sie die aktuelle
Wirtschaftslage?
- Denkt man zurück an das Krisenjahr 2009,
in dem die russische Wirtschaftsleistung um
7,9% zurückging, so ist eine Erholung deutlich
spürbar: Das Wirtschaftswachstum in Russland
betrug im 1. Quartal 2010 2,9% und im 2. Quar-
tal 2010 sogar 5,2% gegenüber der Vorjahres-
periode. Dieser Aufschwung ist getrieben von
hohen Rohöl- und Erdgaspreisen (USD 75 – 80
pro Barrel) sowie vom Anstieg der Preise für
So ebnete Medwedew im März 2010 den Weg
für den Bau eines „russischen Silicon Valley“
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Russland

Russland Magazin über Investitionsberatung in Skolkowo. Des Weiteren werden Public-Pri- vate Partnerships stärker

Magazin über Investitionsberatung

Magazin über Investitionsberatung

in Skolkowo. Des Weiteren werden Public-Pri- vate Partnerships stärker gefördert, Sonderwirt- schaftszonen errichtet und auch die Gründung einer Entwicklungsbank steht im Raum. Das Land hat seit jeher großen Firmen einen über- proportionalen Vorteil gegenüber kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) ein- geräumt, was dazu führt, dass Russland wenige Start-Ups und innovative Firmen hervorbringt. Ein weiterer Schritt in Richtung Modernisierung stellt die seit Juli 2010 erleichterte Arbeitsbewil- ligung und Aufenthaltsgenehmigung für auslän- dische Schlüsselarbeitskräfte dar. Durch diese Maßnahmen soll Russland den Anschluss an die anderen BRIC-Staaten nicht verpassen. Es ist unumstritten, dass diese Län- der Russland in Sachen Modernisierung, Inno- vation und Direktinvestitionen überholt haben. Medwedews Reformen sind daher bitter nötig, um Russland auf Wachstums-Kurs zu halten.

bitter nötig, um Russland auf Wachstums-Kurs zu halten. Die Außenhandelsstelle Moskau hat einen besonderen Fokus

Die Außenhandelsstelle Moskau hat

einen besonderen Fokus auf den Automobil- Sektor gesetzt. Wie ist die russische Automobilindustrie aufgestellt? Steigt die Nachfrage nach Autos in Russland?

- Russland ist einer der wichtigsten und größ-

ten Kfz-Märkte Europas. Davon zeugt nicht zu- letzt die Eröffnung eines neuen Werkes des öster- reichisch-kanadischen Autozulieferers Magna in St. Petersburg – bereits das dritte Werk des Kon- zerns in Russland. Vor der Krise war der Produk- tionsumfang der Automobilindustrie in Russland stark gestiegen (+8,5% im Jahr 2008). Im Jahr 2009 ist der Markt für Kraftfahrzeuge drama- tisch eingebrochen, die Produktion von PKWs sank um fast 60%. Doch im 1. Quartal 2010 ist die Auto-Produktion wieder um 58% gestiegen. Für die kommenden Jahre prognostiziert der

russische Industrie- und Handelsminister Viktor Christenko eine schnelle Erholung des Automo- bilmarktes. Bis 2015 dürfte das Marktvolumen für Neuwagen bereits auf über 3,2 Mio. Kfz an- gewachsen sein und bis 2020 bei über 3,6 Mio. liegen. Somit ergeben sich Chancen nicht nur für Exporteure, sondern auch für Unternehmen der Branche, die, so wie Magna, die Gründung einer Niederlassung in Russland erwägen.

In welchen Sektoren sehen Siedie Gründung einer Niederlassung in Russland erwägen. Geschäftsmöglichkeiten für österreichische Firmen? -

Geschäftsmöglichkeiten für österreichische Firmen?

- Geschäftsmöglichkeiten sehen wir vor al-

lem im Bereich des Exports von technischem Know-How, Maschinen & Anlagen sowie Dienstleistungen in diesem Bereich. Ebenso gibt es gute Chancen im schon erwähnten Bereich der Automobilzulieferindustrie sowie bei Phar- mazeutika und Medizintechnik. Im Rahmen der Vorbereitungen für die Olympischen Spie- le in Sotschi kann Österreich sein Know-How im Bereich Tourismus und Freizeitwirtschaft zur Verfügung stellen, außerdem erwarten wir – neben Architektur- und Bauleistungen - auch einen vermehrten Anstieg von Zulieferungen für den Bau von Sportstätten und Infrastruktur. Im Bereich der Konsumgüter sind ebenfalls gute Exportchancen gegeben.

Apropos Olympische Winterspiele Sotschi 2014: Wie erfolgreich konnten

Winterspiele Sotschi 2014: Wie erfolgreich konnten sich österreichische Unternehmen bis dato Aufträge

sich österreichische Unternehmen bis dato Aufträge sichern?

- Nicht nur die österreichischen Athleten,

sondern auch die die österreichischen Un- ternehmen sind Weltklasse wenn es um den Wintersport geht. Von den Pisten über die Seilbahnen, von den Zutrittsystemen bis zu den Schrimbars, österreichische Firmen ha- ben einige schöne Aufträge an Land gezogen. Besonders erfreulich ist, dass sogar beim Bau des Flughafens in Sotschi eine österreichische Firma zum Zug kam. Was den Auftrag für das

österreichische Firma zum Zug kam. Was den Auftrag für das Olympische Dorf betrifft, sind österreichische Firmen

Olympische Dorf betrifft, sind österreichische Firmen in optimistischer Wartehaltung. In Bereichen wie z.B. Hotelausstattung, Wellness oder Abwasser wird es in den nächsten Mona- ten noch heiß hergehen - auch hier haben die Österreicher ausgezeichnete Chancen, mitzu- schneiden. Die internationale Konkurrenz ist zwar nicht zu unterschätzen, heimische Anla- gen und Leistungen werden aber aufgrund erst- klassiger technischer Lösungen und der hohen Qualität sehr geschätzt.

Lösungen und der hohen Qualität sehr geschätzt. Welchen Rat geben Sie österreichischen Unternehmen mit auf

Welchen Rat geben Sie österreichischen Unternehmen mit auf den Weg?

- Russland ist ein großes Land mit neun

Zeitzonen und einem eigenen rechtlichen, wirt- schaftlichen und kulturellen Leben. Auf diese Besonderheiten gilt es beim Geschäft Rücksicht zu nehmen. Wir empfehlen stets eine gute und fundierte Vorbereitung, da im Russlandgeschäft Außenhandelsverträge und die richtigen Zertifi- zierungen für Waren beim Import außerordent- lich wichtig sind. Wir raten außerdem, nicht der Korruption anheim zu fallen und das Geschäft mit Russland auf sichere Füße zu stellen. Russen schätzen im Allgemeinen österreichisches Quali-

Dr. Dietmar Fellner

1.9.1977

09/78 – 09/81

10/81 – 06/84 07/84 – 12/86 12/86 – 1992 07/96 – 09/03 seit 07/04

Eintritt in den Dienst der Wirt- schaftskammer Österreich Stellvertretender Handelsdelegierte (Stv.HD) an der Aussenhandelstelle (AHSt) Jeddah Stv.HD an der AHSt Belgrad Stv.HD an der AHSt Baghdad HD an der AHSt Bukarest HD an der AHSt Lissabon Leiter der Gruppe Ressourcen in der

Aussenwirtschaft Österreich (AWÖ) •Zur Zeit der österreichische Handelsdelegierte in Moskau

n

Zeit der österreichische Handelsdelegierte in Moskau n tätsbewusstsein, qualitativ Minderwertiges wird nicht

tätsbewusstsein, qualitativ Minderwertiges wird nicht goutiert. Für eine langfristig erfolgreiche Bearbeitung dieses riesigen Marktes empfiehlt es sich auch, in russischsprachiges Personal zu investieren. Für alle Fragen rund um den Markteintritt in Russland stehe ich mit meinem Team an der Au- ßenhandelsstelle Moskau unter moskau@wko.at oder telefonisch unter +7 495 725 63 66 gerne zur Verfügung.

Dietmar Fellner

Österreichischer Handelsdelegierter

Außenhandelsstelle Moskau

Starokonjushennyi per. 1 RU-115127 Moskau RUSSLAND Tel: +7 495 725 63 66 Fax: +7 495 725 63 67 Email: moskau@wko.at www.advantageaustria.org/ru

Grafik: Zuflüss den Österreichischen Investitionen in der RF (Mio. Eur)

Quelle: Die österreichische Nationalbank

3000 • Laut Schätzungen der Österre- 2598 ichischen Nationalbank betrug der Stand an österreichischen 2500
3000
• Laut Schätzungen der Österre-
2598 ichischen Nationalbank betrug
der Stand an österreichischen
2500
Direktinvestitionen
in Russland bis zur Mitte 2008
EUR 5.141 Mio
2000
1805
1500
• Österreich liegt an 12. Stelle un-
ter den in Russlands Wirtschaft
investierenden Ländern
1000
739
500
0
2006
2007
2008

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29
29

Ukraine

OSTEUROPA

OSTEUROPA
OSTEUROPA
OSTEUROPA
OSTEUROPA
OSTEUROPA

Die österreichische Wirtschaft ist in der Ukraine verankert

Wolf Dietrich Heim ist seit August dieses Jahres Österreichs Mann in der Ukraine. Die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder, so glaubt der Boschafter, haben noch viel Entwicklungspotential.

der Boschafter, haben noch viel Entwicklungspotential. Welche österreichischen Konzerne sind bereit, bei der

Welche österreichischen Konzerne

sind bereit, bei der Modernisierung des ukrainischen GTS (Gas Transport System) teilzunehmen?

– In diesem frühzeitigen Stadium ist das

schwer zu sagen. Da müssen wir zuerst die ent- sprechenden Voraussetzungen kennen.

Wie beeinflusste derwir zuerst die ent- sprechenden Voraussetzungen kennen. Regierungswechsel in der Ukraine die Stimmung der

Regierungswechsel in der Ukraine die Stimmung der österreichischen Investoren? Wo sehen sie Potenzial für eine Zusammenarbeit?

– Österreichische Investoren verhalten sich

seit dem Herbst 2008 in ganz Ost- und Südost- europa eher zurückhaltend. Die globale Finanz- krise hat ja auch in der Ukraine ziemlich zuge- schlagen. Die bilateralen Beziehungen jedoch kann man in sämtlichen Bereichen vertiefen. Wobei alle Reformen, die die Rechtssicherheit und Unabhängigkeit der Gerichte verstärken, Entwicklungspotenzial haben. Die österreichi- sche Wirtschaft ist jetzt schon in der Ukraine verankert. Darauf haben aktuelle politische Fra- gen nur wenig Einfluss.

haben aktuelle politische Fra- gen nur wenig Einfluss. Was dient österreichischen Firmen als Investitionsanreiz?

Was dient österreichischen Firmen

als Investitionsanreiz? Welche Firmen und Banken planen ihren Eintritt auf den ukrainischen Markt? –Österreichische Investoren arbeiten seit den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in verschiedenen Bereichen und in vielen Regio- nen der Ukraine. Im Zusammenhang mit der Entwicklung der Infrastruktur, und mit Hinblick auf die Fußball-Europameisterschaft 2012 pla- nen aber zahlreiche österreichische Firmen erst jetzt einen Markteintritt. Die Ukraine ist zwar

Wolf Dietrich Heim
Wolf Dietrich Heim

ein Land der Chancen. Ihr Markt ist jedoch recht kompliziert, man muss sich schon auskennen. Österreichische Investoren haben allerdings gro- ße Erfahrungen in Osteuropa, deshalb haben wir nicht so arge Berührungsängste.

deshalb haben wir nicht so arge Berührungsängste. Welche konkreten österreichischen Firmen wollen denn in der

Welche konkreten österreichischen

Firmen wollen denn in der Ukraine investieren? – Zum Beispiel, österreichische Gesellschaft DO&CO – ein Marktführer im Bereich der ge- hobenen Gastronomie. Die Firma hat weitrei- chende Erfahrungen was das Catering bei Sport- veranstaltungen betrifft, zum Beispiel bei der Formel 1 oder auch bei der EURO 2008, und ist auch Cateringpartner großer Fluggesellschaften. Hier in der Ukraine wird sich DO&CO während EURO 2012 um die Unterbringung und Ver- pflegung der Fans kümmern. Überhaupt wird EURO 2010 allgemein als ein Test des ukraini- schen Investitionsklimas betrachtet. Übrigens wird das neue Fußballstadion in Lwow nach Plänen des österreichischen Architekten Albert Wimmer errichtet.

Wie fördert Österreich zum Beispiel seine Banken, die in der Ukraine investiert haben? Hat nicht die Raiffeisenbank vor, aus unserem Land wegzugehen? – Auf dem ukrainischen Finanzmarkt ist eine Vielzahl von österreichischen Banken und Versicherungsgesellschaften aktiv. – Auf dem ukrainischen Finanzmarkt ist eine Vielzahl von österreichischen Banken und Versicherungsgesellschaften aktiv. Und soweit ich weiß, ging kein einziges österreichi- sches Unternehmen, das das erste Halbjahr nach Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 überstand, aus der Ukraine weg. Österreichi- sche Firmen sind ja schon länger in Osteuropa aktiv und kennen sich dementsprechend gut in der Region aus. Und da sich die Situation im ukrainischen Bankensektor langsam aber si- cher verbessert, gibt es wenig Grund für einen Rückzug.

Wie sehen Sie Österreichs Rolle in dercher verbessert, gibt es wenig Grund für einen Rückzug. Entwicklung der Energiewirtschaft, und der Einführung

Entwicklung der Energiewirtschaft, und der Einführung energiesparender Technologien und erneuerbarer Energien in der Ukraine? – Österreich verfügt über große Erfahrungen in der Verwendung erneuerbarer Energien und in der Anwendung energiesparender Technolo- gien. Dabei geht es insbesondere um kleine und mittelständische Unternehmen, die praktisch noch nicht in der Ukraine arbeiten. Zum Bei- spiel, beim Bau von Wasserkraftwerken auf der ganzen Welt ist die Firma Andritz sehr erfolg- reich, die Interesse hat, in der Ukraine zu inve- stieren. Es ist klar, dass die Ukraine auf diesem Gebiet über großes Potenzial verfügt, und dass dieses Potenzial bislang noch nicht voll genutzt wird. Und Österreich wird sich hier gerne als Partner erweisen.

Dmitrij Jarosch

Magazin Investgazeta

TAB: Österreichisches Business in der Ukraine

 

Top-5 österreichische Unternehmen auf Grund von Grad der Popularität und Werbewirksamkeit

Unternehmen

Aktiva zum 01.01.2010 Million UAH

Marktanteil in der Ukraine, %

Raiffeisen Bank Aval

54 048,00

6,462

Austrian Airlines*

Weltumsatz 1963,4 Million

50 in Österreich)

Erste Bank

8 487,10

1,015

Versicherungsunternehmen Uniqa

389,3

2,32

Vienna Insurance Group*

719,9

3,1

Quelle: XXXXXXXXXXXXXXXXX

30
30

0 1 / 2 0 1 0

Inzercia Slovnaft

Ukraine

OSTEUROPA

OSTEUROPA
OSTEUROPA
OSTEUROPA
OSTEUROPA
OSTEUROPA

Die Ukraine ist ein interessantes Land für österreichischen Firmen

 

Der Großteil der österreichischen Investitionen verteilt sich auf dem Finanzsektor

Für in- und ausländische Firmen stellt sich die Entwicklung der ukrainischen Wirtschaft wie eine Fahrt auf einer Hochschaubahn dar.

gekennzeichnet war, zurückblicken, erreichte im Jahr 2009 die konjunkturelle Talfahrt einen negativen Spitzenwert von -15,1%. Diese hefti- ge Rezession war aber nicht nur auf die globa- le Wirtschaftskrise zurück zu führen, sondern auch Ergebnis eines Reformstaus in Kombina- tion mit politischen Machtkämpfen und eines lang andauernden Präsidentenwahlkampfes.

schaft versuchen das Ruder herum zu reißen. Für 2010 wird immerhin ein Wachstum von 4% prognostiziert. Um ein nachhaltiges Wachstum – ohne Hochschaubahneffekt – für die Ukraine zu garantieren, müssen jedoch einige Rahmen- bedingungen in der Ukraine erheblich verbes- sert werden. Der Inlandskonsum und der Export von Stahlwaren und Agrarprodukten waren vor der Krise die Wachstumsmotoren der Ukraine. Durch die aktuelle restriktive Vergabe von Kon- sumgüterkrediten ist vom Privatkonsum kein großer Wachstumsimpuls zu erwarten, auch die Überkapazitäten an Stahl am Weltmarkt und niedrigere Nachfrage von Stahl-und Metall- waren verlangsamen ebenfalls das ukrainische Wirtschaftswachstum. Um daher eine nachhal- tige Wachstumsphase in der ukrainischen Wirt- schaft einzuleiten, sind eine Diversifikation der Wirtschaftssektoren und eine damit gleichzeitig einhergehende Modernisierung verschiedenster Wirtschaftszweige notwendig. Dies kann vor al- lem durch einen verstärkten Zufluss von auslän- dischen Investitionen erreicht werden.

In diesem Zusammenhang versucht die ukrainische Regierung erste Maßnahmen zu setzen. Eine GmbH kann man beispielswei- se derzeit mit einem Stammkapital von rund EUR 90 gründen. Dies ist sicher ein Anreiz für ausländische Unternehmen eher früher als später den Schritt in den ukrainischen Markt zu setzen. Auch ein neues Steuergesetz, das ab 1. Jänner 2011 in Kraft treten soll, ist in Planung und viele erhoffen sich einfachere Richtlinien als bisher. Auch der Verhandlungsprozess zwi- schen der Ukraine und der EU hinsichtlich ei- nes vertieften Freihandelsabkommen hat wie- der an Fahrt gewonnen und ist ein positives Signal für ausländische Firmen. Speziell für importierte Waren und Dienstleistungen, die im Zuge der Fußball EURO 2012 in der Ukrai- ne benötigt werden, gewährt der Staat Ver- günstigungen. Der Katalog an Hausaufgaben, die die ukrainische Regierung zu lösen hat, ist jedoch recht umfangreich, doch vermutlich nur eine schrittweise Erledigung der einzelnen Punkte kann zu einem nachhaltig vorteilhaf- ten Geschäftsklima in der Ukraine führen.

Konnte die Ukraine vor der globalen Wirt- schaftkrise, die bereits in der zweiten Jahreshälf- te 2008 ihre ersten Auswirkungen im Land zeig- te, noch auf „sieben fette Jahre“, die mit einem Durchschnittswachstums des BIP von rund 7%

 

Im Jahr 2010 zeigt sich bereits ein ganz ande- res Bild in der Ukraine. Ein neuer Präsident (Ja- nukowitsch) sowie eine neue Regierungsmann-

Wladimirskij Kathedrale

 

Trotz der nicht einfachen Rahmenbedin- gungen behaupten sich die österreichischen Firmen recht gut in der Ukraine. Mit USD 2,6 Mrd. belegt Österreich als Auslandsinvestor

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Ukraine

Ukraine Magazin über Investitionsberatung TAB: Österreichs Auslandsinvestitionen in der Ukraine   jährl.

Magazin über Investitionsberatung

Magazin über Investitionsberatung

TAB: Österreichs Auslandsinvestitionen in der Ukraine

 

jährl.

FDI

Jahr

FDI Zu-/Abfluss*

Jahresende*

Rang

2003

-19,9

252,1

9

2004

+93,5

345,6

9

2005

+1.080

1.4237

3

2006

+177,2

1.6001

3

2007

+474,4

2.075

4

2008

+370,0

2.446

4

2009

+158,5

2.604

5

*Zahlen in Mio. USD

Quelle: www.ukrstat.gov.ua

Grafik: Österreichs Warenex- und importe mit der Ukraine (Jahr 2005 – 2009)

1000 901 Imports Exports 739 800 653 529 600 516 519 422 469 419 397
1000
901
Imports
Exports
739
800
653
529
600
516 519
422 469
419
397
400
200
0
2005
2006
2007
2008
2009

Quelle: STATISTIK AUSTRIA

den 5. Rang in diesem Land (siehe die Tabelle auf Seite35).

Der Großteil der österreichischen Investi- tionen verteilt sich dabei auf dem Finanzsek- tor, wo vor allem prominente österreichische Banken und Versicherungen bereits merkbar ihre Visitenkarte in der Ukraine hinterlassen haben. Doch auch im industriellen Sektor können österreichische Unternehmen schon auf jahrelange erfolgreiche Investitionen in der Ukraine zurück blicken. Hier gibt es unter anderem Investitionen in der Holzverarbei- tung, Lebensmittelindustrie, Sportgeräteer- zeugung bis hin zur Verpackung. In Zukunft ist mit weiteren österreichischen Investitionen in der Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie aber auch in der Immobilienentwicklung zu rechnen. Gute Chancen eröffnen sich für in- vestitionsfreudige Firmen auch im Bereich der alternativen Energie, Umwelttechnik und im Gesundheitswesen. Nicht zu vergessen ist der Investitionsboom vor allem im Infrastruk- turbereich. Dank der EURO 2012 werden lang notwendige Investitionen im kommunalen Bereich vorgezogen; der Nachholbedarf ist aber nach wie vor sehr groß.

Der bilaterale Außenhandel zwischen Öster- reich und der Ukraine entwickelte sich in den

letzten Jahren äußerst dynamisch. So hatte sich vor der Krise das bilaterale Außenhandelsvolu- men von 2004 mit ca. 700 Mio. EUR bis 2008 mit ca. 1,4 Mrd. EUR in 4 Jahren

verdoppelt. Im Jahr 2008 erreichte Österreich auch einen Exportre- kord in die Ukraine, wo Waren im Wert von 903 Mio. EUR (ein Plus von 22,1%) in die Ukraine expor- tiert werden konnten. Auch ukrai- nische Importe nach Österreich erzielten mit einem Warenwert von 520 Mio. EUR einen Höchstwert im Jahr 2008. Im Krisenjahr 2009 gingen die österreichischen Expor- te hingegen um gut 40% zurück. Beschleunigt wurde dieser extreme Rückgang durch die Abwertung der ukrainischen Währung Hryv- nia, die im Jahre 2009 bis zu 60% gegenüber dem Euro an Wert ver- loren hatte und somit den Import einiger Waren aus Österreich uner- schwinglich machte. Im laufenden Jahr zeigt die Kurve des bilateralen Außenhan- delsvolumens wieder steil nach

Musikschule in Kiew
Musikschule in Kiew

oben. Die Ukraine nützt nun ihre schwache Währung um ihren Export anzukurbeln und da

zeigt sich gerade Österreich von der besten Seite. Im ersten Halbjahr 2010 importierte Österreich mit 320 Mio. EUR fast so viele Waren aus der Ukraine wie im Gesamtjahr 2009.

Auch die österreichischen Exporte mit ca. 320 Mio. EUR erzielten im ersten Halbjahr 2010 ein Export- wachstum von gut 40%.

Die wichtigsten österreichischen Waren die in die Ukraine kommen sind dabei Maschinen, Apparate aber auch Papier, Pappe, Kunst- stoffe und pharmazeutische Er- zeugnisse. Aus der Ukraine werden traditionell vor allem Rohstoffe wie Erze und Holz aber auch Halbfer- tigprodukte wie Metalle und Stahl als auch Maschinen und Sportgerä- te nach Österreich geliefert.

Neben dem Austausch von Waren gewinnt auch der Dienst- leistungsexport Österreichs in die Ukraine immer mehr an Be- deutung. Vor allem die steigende Kaufkraft der Ukrainer ermög-

licht großzügige Urlaubsreisen ins Ausland, wo Österreich eine beliebte Destination im Winter ist. Die Ukrainer geben dabei mit ca. 500 EUR pro Kopf in Österreich mehr am Tag aus als ihre russischen Nachbarn.

Die Ukraine ist insgesamt ein interessantes Land für die österreichischen Betriebe. Wäh- rend einige heimische Unternehmen in gewissen Branchen bereits eine wichtige Position einneh- men gibt es in anderen Sektoren noch viel Poten- tial für österreichische Firmen. Wichtig ist es da- bei am Ball zu bleiben und den Markt vor allem in der Eintrittsphase intensiv und regelmäßig zu bearbeiten. Der lange Atem zahlt sich aus, dafür gibt es genügend österreichische Beispiele am ukrainischen Markt.

Gregor Postl

österreichischer Handelsdelegierte

Außenhandelsstelle Kiew

vul. Melnykova, 12 A, of. 7 04050 Kyiv

T +380 44 503 35 99

F +380 44 503 35 98 kiew@wko.at wko.at/awo/ua

Mag. Gregor Postl

ist, nach einer einjährigen Tätigkeit als Exportmana- ger in einem österreichis- chen Chemiekonzern, seit 1998 in der AWO der Wirtschaftskammer Öster- reich. Nach seinen Ein- sätzen als stellvertreten- der Handelsdelegierter in Kiew, Kairo und Frankfurt, leitet er seit September 2007 als Handelsdele-

gierter die österreichische Außenhandelsstelle in

Kiew.

n

und Frankfurt, leitet er seit September 2007 als Handelsdele- gierter die österreichische Außenhandelsstelle in Kiew. n

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Kroatien

BALKAN

BALKAN
BALKAN
BALKAN
BALKAN
BALKAN

Kroatien auf dem Weg zur EU

Als offizieller EU-Beitrittskandidat erhält Kroatien seit 2007 finanzielle Unterstützung durch europäische Strukturfonds wie IPA. Bis 2013 wird Kroatiens EU-Angleichung mit insgesamt knapp 11,5 Milliarden Euro unterstützt werden

Kroatisch-deutsche Handelsbeziehungen

Kroatisch-deutsche Handelsbeziehungen

» Entwicklung des BIP

Kroatien bietet deutschen Unternehmen einen nahe liegenden und perspektivreichen Markt, auf dem deutsche Produkte und Dienst- leistungen hohes Ansehen genießen. Mit einem BIP-Wachstum zwischen 4-5% im Zeitraum von 2002 bis 2007 und einem BIP pro Kopf von knapp 10.245 Euro im Jahr 2009 kann sich die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Kroatiens im Vergleich zu anderen Ländern in der Region durchaus sehen lassen. Das BIP-Wachstum wur- de in den letzten zwei Jahren durch die Auswir- kungen der globalen Finanzmarkt- und Wirt- schaftskrise beeinträchtigt und ist von 5,5% im Jahr 2007 auf 2,4% im Jahr 2008 gesunken. Das Jahr 2009 war durch ein negatives BIP-Wachs- tum von -5,8% gekennzeichnet.

» Außenhandel

Auch der kroatische Außenhandel war 2009 von der Wirtschaftskrise betroffen. So verzeich- nete der kroatische Export im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 20,3% und betrug knapp 7,5 Mrd. Euro, während der Import um 25,7% auf rund 15,3 Mrd. Euro eingebrochen ist. Zum Vergleich, im Jahr 2008 beliefen sich die kroa- tischen Importe insgesamt auf rund 20,8 Mrd. Euro, während der Export etwa 9,6 Mrd. Euro

betrug. Dabei sind und bleiben die Länder der Europäischen Union, angeführt von Italien und Deutschland, die wichtigsten Handelspartner Kroatiens. 2009 wurden rund 61% aller Exporte und knapp 63% der Importe mit der EU abge- wickelt. Da die kroatischen Importe 2009 stärker eingebrochen sind als die Exporte, ist das tradi- tionell hohe Handelsdefizit mit -7,7 Mrd. Euro geringer ausgefallen als im Vorjahr (2008: -11,2 Mrd. Euro). Die Importdeckungsrate ist 2009 auf 49,4% gestiegen (2008: 46,0%). Für das beträchtliche Handelsdefizit, das zum Großteil durch die Tourismuseinnahmen ausge- glichen wird, ist u. a. eine noch nicht ausreichen- de Konkurrenzfähigkeit vieler kroatischer Pro- dukte auf dem EU-Markt verantwortlich. Um dem entgegenzuwirken gehört die Steigerung der Konkurrenzfähigkeit der kroatischen In- dustrie zu den primären wirtschaftspolitischen Zielen des Landes. In einigen hochtechnologi- schen Bereichen ist die kroatische Industrie u. a. dank qualifizierter und zum Teil mehrsprachiger Arbeitnehmerschaft bereits heute wettbewerbs- fähig. Einen wichtigen Beitrag zur Wettbewerbs- fähigkeit der kroatischen Wirtschaft leistet die verkehrsgünstige Lage an den transeuropäischen Verkehrskorridoren und das inzwischen sehr gut ausgebaute Autobahnnetz.

» Ausländische Direktinvestitionen

Um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu steigern spielen Auslandsinvestitionen eine wichtige Rolle. Im Zeitraum zwischen 1993 und dem 3. Quartal 2009 sind rund 23,6 Mrd. Euro Auslandsinvestitionen nach Kroatien geflossen. Zu den führenden Investoren gehören neben Österreich die Niederlande und Deutschland, die zusammen rund 55% der nach Kroatien ge- flossenen Gesamtinvestitionen realisiert haben. In der Struktur der Auslandsinvestitionen domi- nieren der Finanzsektor (36%), der Großhandel (11%) sowie die Chemieindustrie (7%).

» Sektoren

WieinanderenentwickeltenIndustrieländern nimmt auch in Kroatien der Dienstleistungssek- tor eine starke Stellung in der Wirtschaftstruktur des Landes ein. Mit einem Anteil von etwa 60% am BIP ist der Dienstleistungssektor der stärkste Bereich der kroatischen Wirtschaft und ist seit einigen Jahren zudem durch ein dynamisches Wachstum gekennzeichnet. Der Tourismus er- wirtschaftet als wichtigster Zweig des Dienstlei- stungssektors etwa ein Fünftel der Wertschöp- fung des Landes und zählt als das Zugpferd der kroatischen Wirtschaft. Neben dem Tourismus gehören der Einzelhandel, der Finanzsektor und Leistungen im Immobiliensektor zu den bedeu- tendsten Zweigen des Dienstleistungssektors.

Kroatisch-österreichische Handelsbeziehungen

Kroatisch-österreichische Handelsbeziehungen