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Wirtschaft anders denken.

Axel Anlauf

print. monatlich. Eine „tickende geostrategische Zeitbombe"?


Testabo: 10 €, 3 Monate. Phosphathandel und Restrukturierungen in der globalen
Düngemittelindustrie

OKI
oxiblog.de
1. Einleitung
„ Wirkamen zwar Kohle dank Nuklearenergie ersetzen, Plant/e dureh Halz, Fleiszb darf/1
Hefe und Isolation durch Freund!uhkeiz‚ aber/ur Pbospbnrgibl es kamen Ersatz" (Isaac
Asimovzit.n. Corde112010: 83)“
Das Eingangszitat des Biochemikersund Science-Fiction Autors Isaac Asimov
verweist aufeinen zentralen Punkt des vorliegenden Beitrags: Phosphorl ist ein
nicht ersetzbarerNährstofiin Düngemitteln. ohne die in der industriellen Land-
wirtschaft die Erträge massiv zurückgehen würden. Die Produktion günstiger
Nahrungsmittel und damit die Stabilität urban«kapitalistischer Gesellschaf-
ten hängt also maßgeblich an diesen Düngemitteln. Die Ernährungskrisen
von 2007/08 und 2011 zeigten jüngst‚ wie fragil diese Stabilität ist: in vielen
postkolonialen Staaten kam es zu einer Ausweitung von Hunger und teilweise
gewaltsamen Protesten, als sich die Nahrungsmitteipreise innerhalb weniger
Monate zum Teil verdoppelten. Die Ursachen waren vielfältig (vgl Clapp 2016:
133). Bisher unterbelichtet sind allerdings die Preisanstiege bei Diingemitteln
und den Rohstoffen, die zur ihrer Herstellung benötigt werden.
Auch wenn die Ernährungskrisen zunächst nur temporär in Erscheinung
traten. olfenbarten sie doch die strukturelle Abhängigkeit der industriellen
Landwirtschaft von bestimmten Rohstoffen, die zur Versorgung mit den drei
Hauptnährstoffen nötig sind: Kalium, Stickstoi?und Phosphor. Während Kali-
Salze in relativ großer Menge verfügbar sind, hat die „Frackingrevolution“ auch
wieder gün5tigeres Erdgas ermöglicht. aus dem Stickstoffdüngerhergestellt wird.
Der phosphorhaltige Rohstoff Phosphatgestein, dessen weltweite Produktion
sich seit 1945 mehr als verzwanzigfacht hat (jasinski/Buekingham 2010), er-

1 Alle fremdsprathigen Zitare sind vom Autor uberserzt.


2 Während der Begriff„l’hosphor“ ein chemisches Element bezeichnet. sind .,Phosphare"
Verbindungen in denen Phosphor enthalten ist.

PROKI.A. ”fr/‚lg ”'err/d/ist/m bmg/hm. H4; 194, 49.]g. 20/9, Nr. 1, 119 ‚ 135
DOI: 10.32387/pmk1m9.194.141"
120 A„IA„!„f Pbaspflatbandel und dizglvbale Düngemittelindustrie 121

schöpft sich dagegen zunehmend. Zudem liegen die Ressourcen geografisch Güterketten die ungleichen Entwicklung zwischen Zentrum, Semiperipherie
stark konzentriert in der MENA-Region (Naher Osten und Nordafrika) und und Peripherie aus, Güterketten sind nach Hopkins und Wallerstein (1986: 159)
der Volksrepublik China. Der Umweltwissenschaftlet David Vaccari (2009) „Netzwerk von Arbeits- und Produktionsprozessen, dessen Endergebnis eine
bezeichnete im Scientificflrfleritandie globale Versorgungmit Phosphor daher als fertige Ware ist“. Im Unterschied zum Ansatz der Wertschöpfungskette, der sich
„tickende geostrategischeZeitbombe“.Da Düngemittel meist gemischt verkauft eher aus Organisationssoziologie und Betriebswirtschaftslehre speist, werden
werden und die Wirksamkeit aller Nährstofle durch die knappste Ressource hier die ungleichen Möglichkeiten zur Aneignung von Wert betont. Besonders
begrenzt (Minimumgesetz) wird, ist Phosphor der zentrale Flaschenhals für relevant für die Düngemittelindustrie sind Monopolgewinne, die aufgrund sehr
günstige Nahrungsmittel und den Fortbestand industrieller Landwirtschaft im geringer Konkurrenz möglich sind (Fischer/Parnreiter 2007: 110f).
21.jahrhundert. Drittens werfen teurer werdende Düngemittel (die zum Ausgleich ausgelaugter
Als Reaktion aufdie starken Preisanstiege bei Düngemitteln und Phosphatge- Böden benötigt werden) auch ein Licht auf die ökologische Verfasstheit Wirt-
stein lässt sich ein verstärkter Protektionismus und eine Unternehmenskonzent- schaftlichet (und sozialer) Prozesse, besonders wie sich die input-Seite gestaltet.
ration in phosphatexportierenden Ländern beobachten. Importierende Länder Diese Frage wurde speziell von ]ason Moore (2015) bearbeitet, der den Kapita-
dagegen bemühten sich mit verschiedenen Strategien, den direkten Zugri€auf den lismus als Ökologisches Weltsystem begreift (world-ecalagy). Die Aneignung von
Rohstoff zu erhöhen. Der vorliegenden Artikel analysiert diese Entwicklungen in „Gratisdiensten“, in Form von fruchtbaren Böden, mineralischen Ressourcen
einer langue-durée-Perspektiveund fragt danach, wie sich die globale politische oder Reproduktionsarbeit (cheap natura) sind von zentraler Bedeutung für den
Verfasstheit der Phosphatindustrie verändert hat und welche Machtverschie- Akkumulationsprozess, da sie die Profitrate steigern. Moore beschreibt diese
bungen im Weltsystem sich daraus ergeben. Die These des Beitrags ist, dass sich Einbeziehung nichtkapitalistischer Bereiche in den Verwertungsprozess als
aus dem Blickwinkel der Phosphatindusttie ein relativerMachtverlust der alten flontier-Bewegung. Hier soll nicht aufdie kontroverseDebatte um eine mögliche
Zentren (USA, Europa) zugunsten der VolksrepublikChina und MENA—Region Erschöpfung dieser Dynamik eingegangen werden (dazu kritisch Wissen 2016).
konstatieten lässt, der maßgeblich durch staatliche Intervention gesteuert ist. Vielmehr ist Moores Perspektive hilfreich, die Düngemittelindustrie kritisch zu
Hierbei ist besonders die Organisation von Güterketten umkämpft. Statt eines analysieren, weil sie den Akkumulationsprozessvon der Seite der Naturaneignung
„explosionsartigen Konflikts" (Vaccari) lässt sich dabei eher eine latente Zunahme (frontier) her denkt.
von Konflikten beobachten.
Nach einer historischen und theoretischen Einordnung, welche die indust«
rielle Landwirtschaft als offenes Durchflusssystem skizziert und die Bedeutung 3. Nährstoffe und kapitalistische Landwirtschaft: Genese eines
der Organisation externer Nährstofffliisse herausarbeitet, zeichne ich die Ent-
globalen Durchflusssystems
wicklungen in der Phosphatindustrie bis zur]ahrtausendwende nach, durch die
Phosphat(-dünger)zu einer „günstigen Massenware“ wurde. Der letzte Abschnitt Die englische Agrarrevolution des langen 17. Jahrhunderts und die Einhegung
diskutiert die Hintergründe und Auswirkungen der Preisanstiege ab 2007 und der Commam' (Gemeinschaftsländereien;Allmende) waren nicht nur ein brutaler
arbeitet eine Reihe von Strategien heraus, mit denen staatliche und private Ak- sozialer Prozess, sondern hatten auch starke ökologische Komponenten. Die
teure dieser Tendenz begegnen. Umwandlung des durch Viehausscheidungen äußerst nährstoffreichen Weide-
landes (Commons) in private Ackerfiächen ermöglichte in Kombination mit
den technologischen Erneuerungen (Fruchtfolge, Maschinen) einen enormen
2. Theoretische Rahmen der Analyse Anstieg der Erträge (Overton 1996: 63fh). Als sich die Produktivitätsfortschritte
dieses Modells Ende des 18.]ahrhunderts mehr und mehr erschöpften, wurden
Die theoretische Rahmung des vorliegenden Beitrags speist sich in dreierlei Hin- im Laufe des 19.jahrhundert zunehmend externe Ressourcen zur Düngung
sicht aus Weltsystemansätzen. Um die Bedeutung und von Düngemitteln und genutzt, die nicht Teil lokaler Nährstoflkreiskreislaufwaren. Zentral fiir diese
den Wandel in der Phosphatindustrie herauszustellen,wird eine historische und Entwicklungen war die beginnende Forschung zur Agrochemie, unter anderem
holistische Perspektive eingenommen, die vermeintlich nationale und regionale durch ]ustus von Liebig und John Bennet Lawes. Sie erkannten einerseits den
Ereignisse in weltweite Prozesse einbettet (Schmalz 2016: 56f.). Zweites drücken Nährstoffverlust durch die Agrarrevolution und die zunehmende Urbanisietu ng,
122 Axel/{n/auf ph„pb„h....ddund die gl.;b../eDüngemztrzlmdurm‘e 123
andererseits aber auch die Möglichkeit, diesen durch externe Ressourcen auszu- industrie betrafen, wurde im deutschen Kaiserreich die Forschung von Fritz
gleichen und arbeiteten praktisch an der Umsetzung. Zudem klassifizierten sie Haber und Carl Bosch zur synthetischen Herstellung der Stickstoffverbindung
die drei Hauptnährstoffe: Stickstoff, Kalium und Phosphor (Poster 2000: 155ff). Ammoniak stark gefördert (Loeber 2010: 34ff.). Das 1908 entwickelte Haber-
Angeregt durch die Arbeit von Liebigflnden sich bereits bei Marx Überlegun- Bosch-Verfahrenbrach die ökologischen Grenzen abermals aufund leitete ein
gen zum gesellschaftlichenStolfwechsel,welche die unterbrochenen Nährstofl'« neue Ära der Düngemittelindustrie ein. Stickstoffdünger konnte nun synthetisch
kreisläufe problematisieren. In jüngerer Zeit hat besonders john Bellamy Poster auf Basis von fossilen Brennstoßen hergestellt werden. Durch die Weltwirt-
(2000) Marxens Analyse unter dem Begriffdes „metabolischen Riss“ (meta/705: schaftskriseund die Wirren des Zweiten Weltkriegs, kam es aber erst nach 1945
r1_'fi) weitergeführt und auf Bereiche wie den Klimawandel übertragen. Zentral für
zur einer großflächigenAusdehnungvon synthetischem Stickstoffdünger,zumal
kapitalistische Landwirtschaft ist die Praxis Nährstoffe durch monokulturellen durch das Kriegsende massive Produktionskapazitäten zur Ammoniakherstellung
Nutzpflanzenanbau aus dem Boden zu ziehen, ohne diese wieder dem Boden frei wurden (Foster/Magdoff 2000).
zuzuführen, dadie Konsumption der Pflanzen anderswo stattfindet. In Städten Vor allem in den USA wurde mit staatlicher Unterstützung aus den New-
sammeln sich die Nährstoffe ungenutzt im Abwasser an und übersäuern mitunter Deal-Programmen die Industrialisierung der Landwirtschaft vorangetrieben.
die Flüsse und Meere. Tony Weis (2007: 58) beschreibt deshalb die kapitalistische inklusive der Nutzung synthetischer Düngemittel. Exportierten die USA zu-
Landwirtschaft als ein olfenes System mit einem Durchfluss (tbmugb-flow) an nächst die chronischen Weizenüberschüsse als Food Aid nach Westeuropa und
Nährstoffen, die sich nicht mehr in einem Kreislaufbewegen.Düngemittel bilden in den Globalen Süden, gingen sie ab den 1960er Jahren verstärkt dazu über,
dementsprechendeine technologischeLösungzur Bearbeitung des metabolischen das gesamte Technologiepaket der industriellen Landwirtschaft zu exportieren:
Risses, mit der die ökologischen Grenzen aufgebrochen und die kapitalistische Maschinen (Traktoren), gezüchtetesSaatgut und chemische Düngemittel (Clapp
Landwirtschaft (temporär) stabilisiert werden konnte (Weis 2007: 55). 2016: 40). Von den 1960er bis in die l980er]ahreerreichte die sogenannte Grüne
Phosphor- und stickstoflhaltige Rohstoffe wurden ab den 1840er besonders Revolution die meisten Regionen Lateinamerikas und Asiens und ermöglichte
von der südamerikanischen Pazifikküste über das britische Freihandelssystem eine etwa 2,4-fache Steigerung der durchschnittlichen globalen Erträge (Weis
importiert: Zunächst Guano, die abgelagerten Ausscheidungenvon Fledermäusen 2007: 17). Dies geschah freilich im Zusammenhang mit einer Transnationali-
und Seevögeln, dann verstärkt Chilesalpetefi, ein aus Gesteinen in der Atacama- sierung von Produktionsketten und dem Abbau von Zollhindernissen. Nach
Wüste gewonnener Mineraldünger (Loeber 2010: 36f). Parallel zu dieser Zuneh- der Schuldenkrise der 1980erjahre forcierten besonders die von Weltbank und
menden Erschließung externer Nährstoffe für die europäische Landwirtschaft, IWF auferlcgten Strukturanpassungsprogramme eine Exportorientierung der
intensivierte sich im 19. jahrhundert auch die Ausdehnung agrarischerflantierx landwirtschaftlichen Sektoren des Globalen Südens. Mit der Gründung der Welt-
in Siedlungskolonien, wie Nordamerika und Australien, wo fruchtbare Böden handelsorganisation WTO und dem Abkommen über Landwirtschaft wurde
für hohe Erträge und günstigen Weizen in Europa sorgte (Weis 2007: 503). dieses Freihandelssystemvollends institutionalisiert (Pate12012: 101ff.).
Für die zunehmend von externen Nährstoffen abhängige europäische Land- Dadurch konstituierte sich ein zunehmend globalisiertes System offener Nähr-
wirtschaft wurde die Stickstolfversorgungum die Jahrhundertwende zum zent- stoflflüsse, in dern die tägliche Nahrung der Mehrheit der Menschen auf trans-
ralen Flaschenhals, da nach dem von Liebig popularisierten Minimumgesetz*nur kontinental verschiflten Nutzpflanzen basiert. Damit diese günstig produziert
eine erhöhteZufuhrvon allen Nährstoffen dem Pflanzenwachstumnutzt. Einzige werdenkönnen, muss der (transkontinentale) Zufluss externer Nah rstoffquellen
Quelle für Stickstoffdüngerwaren aber die Salpetervorkommen die zentralisiert sichergestellt sein. Dies war jahrzehntelang der Fall und sozialökologische For-
in Südamerika lagen und vom britischen Fernhandel kontrolliert wurden. Im schungvom grünen Mainstream (Rockström u.a. 2009: 472ff.) bis zum Ökomar-
Bewusstsein dieser Abhängigkeiten, die auch die Stickstoffbenötigende Kriegs- xismus (Foster/Magd052000Y, befasste sich allenfalls mit der autpul-Seite von
chemischer Düngernutzung. Die Organisation von Nährstoffflüssenaus der Mine

} Es sei kurz daraufverwiesen‚ dass sich die chilenische Regierung mit Unterstützung
Großbritanniensdie Kontrolle über die Ressourcen der NachbarländerPeru und Bolivien 5 Posters Fokussierungaufdie zerstöterischen Auswirkungen ist ein wesentlicher Kritik»
im sogenannten Salpetetltrieg aneignete (siehe Loeber 2010).
punkt von ]ason Moore, der dagegen betont, dass Kapitalakkumulatiun Natur nicht nur
4 Auch wenn dieses Gesetz in der späteren Agtatforschung angepasst wurde, soll es in zerstört, sondern sich auch deren Produ ktivitat aneignet. Laut Foster wendet sich Moore
diesem Artikel zunächst der Verdeutlichung der Gtundzusammenhänge dienen. damit vom marxschen \Vertgesetz ab (ausführlich dazu Saito 2017).
124 AxelAr/[auf Pbaspkathande/ und dieglulmlt Dungzmer/ma'usrrie 125

aufdas Feld, ist ein bisher unerschlossenes Forschungsfeld an der Schnittstelle Produktion sukzessive zurück: Wurde in den l950er]ahren noch rund die Hälfte
zwischen kritischen Agrarstudien und der politischen Ökonomie natürlicher des weltweiten Phosphatgesteins in den USA gefördert, ging der Anteil bis Ende
Ressourcen. Geologie und Ökologie setzten hier freilich Rahmenbedingung, der 1980er Jahre aufein Viertel zurück (Jasinski/Buckingham 2010). Hinter-
wie diese jedoch ausgenutzt werden, sprich, wie Nährstoflflüsse in Welchen Gü- grund ist der Aufbau nationaler Phosphatindustrien unter staatlicher Lenkung
terketten organisiert werden und wer davon wie profitiert, ist eine Frage von in den (Semi-)Peripherien. Neben der Sowjetunion, die in den 1980er Jahren
Machtverhäitnissen innerhalb und zwischen Gesellschaften. vergleichbare Level wie die US»amerikanischeProduktion erreichte (45.000 bis
50.000 Tonnen imJahr), ist besonders Marokko von Bedeutung. War Marokko
zunächst reiner Lieferant des Rohstoffs Phosphatgestein für die in europäischen
4. Die Phosphatindustrie bis zur Jahrtausendwende: „Billige Staaten angesiedeltenDüngerindustrien, begann das staatseigeneUnternehmen
Massenwaren“ OCP in den 1960er Jahren verstärkt mit dem Aufbau einer verarbeitenden che-
mischen Industrie. Schließlich wurden auch in Brasilien, Tunesien, Ägypten
Mit der Entwicklung und Ausbreitung des Haber-Bosch—Verfahrens, stieg auch und Syrien Düngemittelindustrien als Teile nationaler Entwicklungsprojekte
die Produktion von Phosphatdünger massiv an. Dieser basiert ebenso wie Ka- aufgebaut, deren Produktionsmenge aber unter 10.000 Tonnen pro Jahr blieb
lidiinger auf mineralischen Ressourcen, die in Bergwerken (va im Tagebau) (Rawashdeh/Maxwell 2011).
"
gefördert werden. In den Jahrzehnten vor 1945 pendelte die Produktion von Durch diese Entwicklungen herrschte ab den 1960er]ahren ein relatives Uber—
Phosphatgestein um 10.000 Tonnen (t), bis 1948 verdoppelt sich die Menge aber angebot an Phosphatgestein bzw. seinen Derivaten. Die realen Preise fielen von
bereits. In den nächsten Jahrzehnten stieg sie stetig an und erhöht sich bis auf 40 US-Doller je Tonne (1960er Jahre) aufunter 30 US-Dollarje Tonne (Anfang
166.000 Tonnen im Jahr 1988 (Jasinski/Buckingham 2010). 2000) (Rawashdeh/Maxwe112011:16E). Somitwurden Düngemittel, besonders
Mit dem Abbau von Phosphatgestein beginnt die Güterkette von Phosphat der Roh stofiPhosphatgestein, zu einer „günstigen Massenware" („low-cost bulk
düngern. Anschließend wird der Rohstoffin industrielle Anlagen transportiert, commoditv“; Kauwenberg 2010: 20). Durch die Ausweitungvon Phosphat-flan-
wo in einem chemischen Verfahren unter dem Zusatz von Schwefelsäure Phos- tiers Wurden diese produktivitätssteigernden Düngemittel sehr günstig verfügbar
phorsäure6 hergestellt wird. In einem dritten Schritt werden in Fabriken fertige (tbeap nature). Während dieser Phase bestand weder in Landwirtschaft, Politik
Düngemittel hergestellt,die entweder nur Phosphor enthalten (Superphosphate; noch Öffentlichkeit Anlass zur Sorge um die Versorgu ng mit (Phosphat-)Dünger'".
flüssig) oder mit der Stickstoffverbindung Ammoniak zu Mischdüngern wie Die US-amerikanische Phosphatdü ngerindustrie reagierte auf die extrem
Mono- oder Diammoniumphosphat (MAP oder DAP; granuliert) verarbeitet niedrigen Preise, die nur geringe Margen erlaubten mit weiteren Unterneh mens-
werden (Potashcorp 2017: 23). Die Herstellung dieser fertigen Düngemittel zusammenschlüssen.2004 gründeten IMC und der Agribusinessriese Cargilldas
ist zunächst die höchste Wertschöpfungsstufe, wobei besonders im Handel Joint Venture 7779 Mami[ Company (im folgenden Mosaic). Das mehrheitlich von
und Verkauf dieser zunehmen oiigopolartigen Industrie hohe Gewinnmargen der Cargill Familie kontrollierte Unternehmen nahm schnell eine dominante
erzielt werden. Zum einen besteht also ein ökonomisches Interesse an der geo- Stellung aufdem US-Markt ein (Taylor/Moss 2013: 16). In der Phase niedriger
grafischen Ansiedlungen dieser Industrien und der Kontrolle der Handelsströ- Düngerpreise bis etwa 2005 konsolidierte sich so zunehmend eine oiigopolartige
me, zum anderen wird dies zunehmend zu einem strategischen Interesse zur Struktur in der Düngerindusrrie, die in Nordamerika zusätzlich durch staatlich
Nahrungsmittelversorgung. geduldete Exportkartelle gefördert wurde. Zusammen mit den staatlich kontrol-
Das Zentrum der Phosphatindustrie bildete sich im 20.Jahrhundert in Florida lierten Industrien in (semi-)peripherenStaaten wird deutlich, dass in der Dün-
(USA), wo reichlich Phosphatgestein lagerte. Als dominantes Unternehmen bil- gemittelindustrie ein sehr geringerWettbewerb und hohem staatlichen Einfluss
dete sich die In!zrnationalMinemlr Z? Chemicals Carpomtian (IMC) heraus (Der- herrscht. Diese oligopolartige Struktur erlaubt bei entsprechender Nachfrage
dak/Kepos 1994: 264€). Zwar stieg die weltweite Düngerproduktion nach dem Preissetzungsmöglichkeiten und hohe Monopolgewinne. So kalkulieren Taylor
zweiten Weltkriegenorm an, allerdings ging der Anteil der US-amerikanischen und Moss (2013: 53), dass die Profite von nordamerikanischen Unternehmen, wie

6 Um die Darstellung übersichtlicher zu halten, wird der Handel mit diesem Zwischen- 7 Hier liegt ein möglicher Grund warum die Güterketten aus der Mine aufdas Feld so
produkt lm folgendem ausgeklammert. wenig erforscht sind.
Phaspbathandtl und die glllbalt Düngemxt!zlindurtrie 127
126 Axt/Anlauf

Mosaic, zwischen 2008 und 2012 um 29 Prozent über den marginalen Kosten Haiti über Ägypten bis Indonesien erschütterten die Welt. Neben der Erklärung
lagen. Diese gilt es für die Unternehmen auch vor dem Hintergrund von Macht- der Mainstream-Ökonomie, dass die Nachfragesteigerungdurch Agrartreibstoffe
verschiebungen und neuen (staatlichen) Akteuren zu verteidigen (siehe IV.II). und erhöhten Konsum in Indien und China die Preise in die Höhe trieben,
wurde von kritischer Seite besonders die Finanzialisierung zur Erklärung der
sprunghaften Preisanstiege bei Nahrungsmitteln angeführt (Clapp 2016: 133ff.).
Unterbelichtet bleibenbisher die Anstiege bei den Düngemittelpreisen, die nach
5. Preisboom ab 2007 und seine Folgen
ersten Berechnungen bis zu 60 Prozent der gestiegenen Nahrungsmittelprei-
[
„Es ist gemeinhin 4nerkamtl, das; ] günsltge Düngemtßlel langfiisligeine Sache der Ver-
gangenheil werden.“(Corde112010: 87)
se ausmachten (Gnutzmann/Spiewanowski 2015). Ob diese Quantifizierung
angemessen ist, soll hier nicht weiter diskutiert
werden. Festzuhalten bleibt,
dass die jüngsten Preisanstiege in direktem Zusammenhang mit gestiegenen
5.1 Verlauf und Erklärungen des Preisbooms Lebensmittelpreisen stehen. Diese Dynamik hat zwischenzeitlich zu starker
soziopolitischer Instabilität geführt.
Spätestens im Frühjahr 2007 änderte sich die Lage der Düngemittelindustrie Als Erklärung für die Preisanstiege für Düngemittel wird üblicherweiseauch
radikal. In diesem jahr stiegen die Preise für alle Düngemittel, inklusive der die gestiegene Nachfrage angeführt (Rawashdeh/Maxwell 2011), sowie ihre
Rohstoffewie Phosphatgestein sprunghaft an und erreichten im September 2008 Koppelung an den Ölpreis (Rosemarin u.a. 2009). Zusätzlich kam es auf der
ihren Höhepunkt. Der Preis für Phosphatgestein verzehnfachte sich nahezu Angebotsseite durch den Arabischen Frühling zu Produktionseinbrüchen in
innerhalb von 1,5 Jahren von 45,5 US-Dollar je Tonne (April 2007) auf430 wichtigen Phosphat-produzierenden Ländern, wie Tunesien und Syrien (Rid-
US-Dollar je Tonne (September 2008). Zwar setzte anschließend ein ebenso der u.a. 2012). Als alternative Erklärungwircl das kartellarrige Verhalten in der
rapider Preisverfall ein, ab Anfang 2010 stiegen die Preise aber erneut an und Düngemittelindustrie angeführt (Taylor/Moss 2013; auch Ridder u.a. 2012; 38).
verharrten aufeinem relativ hohen Niveau, das drei bis fünfMal über den Preisen Auror'innenum die Nachhaltigkeitsforscherin Dana Cordell (2010) legen in
der 1990erjahre und frühen 2000er lag. Ab 2013 bewegten sich die Preise wieder Anlehnung an die Peak—Oil-These zudem nahe, dass auch bei Phosphatgesteinein
nach unten, fielen aber nicht bis aufdie Niveaus vor 2007 herab und stiegen ab Fördermaximum (Peak) bevorstehe, nachdem die Produktion abnehme und die
demjahr 2018 erneut an (Indexmundi“)‚ Förderkosten immer teurer werden. Der Geologe Marion King Hubbert hatte
Der Preisschock von 2007/08, vor allem aber die darauffolgende länger an- diese Dynamik für die US-amerikanische Erdölförderung analysiert und in den
haltende Periode hohe Düngemittelpreise wurde zu einem ernsthaften Problem 1950er jahren den Peak recht zutreffend aufungefähr das]ahr 1970 datiert. In
für die Agrarproduktion und Länder mit einem starken landwirtschaftlichen den l990er]ahrensetzten verstärkt Debatten über ein globalen Peak Oil ein. Ab
Sektor. Zwar bewegten sich die meisten Preise für Agrarerzeugnissein einem ähn-
etwa dem jahr 2005 wurde jedoch die Fucking-Technologie rentabel und die
lichen (zeitlich versetztem) Muster, die Anstiege bei Düngemittelen waren aber nordamerikansiche Förderung fossiler Brennstoffe stieg durch Schiefetöl und
deutlich höher (Gnutzman/Spiwanowski 2015). Dadurch setzten sie Landwirte
-gas wieder enorm an (Wissen 2016).
unter enormen Kostendruck, vor allem kleinere und mittelgroße Produzenten Mit Blick aufdie Phosphatindustrie zeigt sich in Bezug aufden Peak, der in den
im Globalen Süden mit geringer Kaufkraft. In Indien, wo komplette Importab— USA in den 1980erjahren stattgefunden hat, zunächst ein ähnliches Bild‚1996
hängigkeit von Phosphatgestein herrscht, protestiertcn Agrarproduzent'innen wurden die USA zudem zu einem Nettoimporteurvon Phosphatgestein(]asinski/
massiv gegen Versorgungsengpässevon Düngemitteln. Es kam zu gewaltsamen Buckingham 2010). Bisher hat aber keine neue Technologie Fuß gefasst, die diese
Ausschreitungen mit Todesopfern (Cordel12010: 127). Entwicklung wie das Fracking umkehren könnte. Cordells ursprüngliche Datie-
Laut Rosemarin u.a. (2009) verstärken die erhöhten Düngerpteise somit glo«
rung des globalen Peak Phaspbaru: auf2030 wurde inzwischen relativiert,
eine
bale Ungleichheiten. Dies zeigte sich auch in den Ernährungskrisen 2007/08 und Debatte, die hier aber nicht vertieft werden soll (zur Gegenposition: Kauwenbergh
2011 von denen besonders Menschen mit geringem Einkommen in Ländern des 2010), vielmehr erscheint die Perspektive der Peak Phosphorus Forscher’innen
Globalen Südens betroffen waren. Proteste gegen hohe Nahrungsmittelpreise von problematisch: Phosphatversorgung wird als globales Problem gesehen, für das
eine gemeinsame globale Lösunggefunden werden müsse (Recycling von mensch-
8 Indexmundi.com lichen Ausscheidungen), um eine „nachhaltige(re)“ Gesellschaft zu schaffen.
128 AxclArilauf Pba;pbatbandel und dieglvba/t Düngemitltlinduftrir 129

Diese Perspektive verschleiert Machtbeziehungen und divergierende Interessen b) Konzentration von Unternehmen
verschiedenerAkteure, die die Phosphatindustrie derzeit und in Zukunft prägen. Zweitens findet in der Phosphat Industrie eine enorme Konzentrierung von
Während die Fucking-Technologieim Bereich Erdöl/ Erdgas zu geopolitischen aktiven Unternehmen statt. In China ist dies ein überwiegend staatlich gelenkter
Verschiebungengeführt hat, nach denen die USA wieder über mehr Einflussmög- Prozess. Die Regierung hat Phosphateminen mit einer Produktionskapazität
lichkeiten verfügen (vgl. Wissen 2016: 350f.), zeigt sich bei der Phosphatindustrie von weniger als 150.000 Tonnen geschlossen, erschwerte die Vergabe von neuen
ein deutlich anderes Bild. Der stetige Rückgang der Produktion von Phosphat- Bergbaulizenzen und verkürzte bestehende Lizenzen (Wellstead 2012). Ridder
gestein in den USA verschlechtert deren Möglichkeiten über den Export eines u.a. (2012: 46) kommentieren: „Durch die Reduktion der aktiven Player auf
Rohstoffs bzw. seiner Derivate, die zunehmend als strategisch gesehen werden dem chinesischen Phosphatmarkt, kann Beijing die Rolle der Regierung in der
oder über Preisveränderung, wie beim Erdgas international Einfluss zu nehmen. Phosphatindustrie stärken“. Dies betrifft vor allem das staatliche Unternehmen
In China dagegen stieg die Produktion von Phosphatgestein seit den 2000er Sinofert, eine Tochterfirma von Sinochem. Sinofert ist aufallen Stufen der Gü-
jahren rasant an und lag 2017 mit 140.000 Tonnen weit vor der Fördermenge in terkette vom Bergbau zum Verkaufvon gemischten Düngemittel aktiv und do-
den USA (27.700 Tonnen) und Marokko (27.000Tonnen) und den mittelgroßen miniert dem chinesischenMarkt. Mit Eigentumsrechten über 300.000 Millionen
Produzenten in der MENA-Region (]ordanien 8.200 Tonnen; Tunesien 3.700 Tonnen Phosphatgestein kontrolliert das Unternehmen zudem eine der größten
Tonnen). Bis 2007 wurde China mit vielen ausländischenInvestitionen zum dritt- Phosphatreserven der Welt (Sinochem 2016: 20).
größten Exporteur von Phosphatgestein (OECÜ. bevor eine Umorientierung der Eine ähnliche Strategie ließ sich in Brasilien beobachten, wenn auch mit einer
Phosphorpolitik stattfand. China ist hier in einer sehr vorteilhaften Positionund ganz anderen Ausgangslage: Brasilien wurde seit der Jahrtausendwende zum
gestalten diese zunehmend staatlich strategisch, wie im Folgenden gezeigt wird. größten Importeur von Phosphatdünger weltweit,obwohl das südamerikanische
Land über eigene Phosphatgestein Ressourcen verfügt. Unter den Mitte-links-
Regierungen von Lula da Silva und Dilma Rousseff(2003 bis 2016) wurde diese
5.2 Reaktionen und Folgen des Preisbooms Importabhängigkeit vor dem Hintergrund steigender internationaler Preise als
a) Protektionistische Maßnahmen zentralesProblem für den wirtschaftlich bedeutsamen Agrarsektor erkannt. Das
China reagierte aufden Preisanstieg 2008 mit einer drastischen Erhöhung der ehemalige Staatsunternehmen Vale, an dem die staatliche Entwicklungsbank
Ausfuhrsteuetn für Düngemittel um 100 Prozent. Ab April 2008 herrschte somit noch eine Minderheitsbeteiligunghält, übernahm 2010 nahezu den kompletten
eine Ausfuhrsteuer von 135 Prozent auf Phosphatdünger (DAP & MAP). Im Düngemittelsektor. Somit sollte die Etablierung höherer Wertschöpfungsstufen
folgenden fielen die Phosphatexporte, die 2005 noch 102.346 Tonnen betrugen im Land gestärtkt werden, um mehr Wert in Brasilien anzueignen und eine
auf39‚665Tonnen. Die WTO urteilte Anfang 2012, dass diese Politik handelver- möglichst günstige Versorgungmit Düngemitteln zu sichern. Nach dem Putsch
zerrend wirkt und beendet werden müsse (Ridder u.a. 2012: 44). Die Regierung gegen Dilma RousseffimSommer 2016 fand diese Strategie jedoch ein jÄhes Ende:
in Beijing ließ sich aber wenig davon beirren und errichtete neue Exportquoten Im Dezember 2016 wurden Vales Düngersparten verkauft, wobei die größten
für Düngemittel. Diese wurden durch ein Reservesystem für Phosphatgestein Anteile (Phosphat- und Kalium Sparten) an Mosaic gingen (Hatfield 2018).
ergänzt, welches das Preisniveau und das Angebot bei drohender Inflation von In Nordamerika folgte die Konzentrierung eher dem klassischen Muster
Nahrungsmitteln stabilisieren soll. Außerdem wurde Phosphat zum drittwich- privater Fusionen und Übernahmen (siehe oben). Das Unternehmen Mosaic
tigsten nationalen strategischen Rohstofferklärt, was sich in weitere Bestrebungen stärkte seine Marktmacht nicht nur in Nordamerika. sondern trieb seine globale
zur nationalen Ernährungssicherheiteinreiht (Wellstead2012). Auch in Russland Präsenz voran: Einerseitsin Importländern, wie Brasilien wo das Unternehmen
wurde 2008 ein staatliches Preisstützsystemfür Düngemittel etabliert, wodurch nun den Phosphatmarkt beherrscht; Anderseits auch in neuen Exportländern
Agrarproduzent'innen günstigeren Zugrifl'aufDüngemittel hatten und Exporte wie Saudi Arabien oder Peru.
verringert werden sollten. Allerdings wurde diese Politik 2012 im Rahmen des
WTO-Beitritts von Russland beendet (Moscow Times 2012). c) Erschließung neuer Phosphat-Ressourcen
Der Anstieg internationaler Düngerpreise führte sowohl zu einem Ausbau be-
stehender Kapazitäten, wie in Marokko, als auch zur Eröffnung neuer Phosphat-
9 Siehe https://atlas.media.mit.edu/en/(Zugrifli 23.1.2018) minen und Handelsnetze. Die Bayévar Phosphatmine in Nordperu ist das erste
130 Axt/Anlauf Pharpbathandel und dieglabal: Düngemitlelindustrie 131

Bergbauprojekt in Südamerika, in dem Rohstoffe für Düngemittel abgebaut Ende der 1990er jahre zu einem Netto-Importeur von Phosphatgestein. 2006
werden. Das in Brasilien ansässige Unternehmen Vale hatte sich schon 2005 trat ein umfassendesFreihandelsabkommen zwischen den USAund Marokko in
die Schürfrechte gesichert und begann 2010 mit der kommerziellen Förderung. Kraft. Es war das erste Freihandelsabkommen der USA mit einem afrikanischen
Allerdings war Vale kurz zuvor ein Joint Venture mit Mosaic (35%) und dem Land. Das wichtigste Exportgut von Marokko in die USA ist Phosphatgestein
japanischen Handelshaus Mitsui (20%) eingangen (Claps 2014). Mit einer Pro- und seine Derivate (U.S. Department ofCommerce 2017).
duktionskapazität von 3.900 Tonnen liegt die Fördermengevon Phosphatgestein Auch die EU, traditionell Marokkos wichtigste Handelspartnerin schloss
in einer ähnlichen Größenordnung, wie die etablierten mittelgroßen Produzen- schon im jahr 2000 ein Freihandelsabkommen mit Marokko, eine Vertiefung
ten in der MENA-Region (Jordanien 8.200t Tonnen; Tunesien 3.700 Tonnen; scheiterte aber bisher vor allem an Konflikten bezüglich des Statuses der West-
]asinski 2018). Die Einbindung Perus in die globale Güterkette von Phosphat- sahara. 2014 wurde Phosphatgestein auch in die Liste kritischer Rohstoffe der
dünger erfolgte außsehließlich auf der Basis von Rohstoffexporten. Mit einem EU-Komission und ihrer Rohstoffinitiative aufgenommen. Diese Initiative hat
Anteil von 13 Prozent am Welthandel wurde Peru so innerhalb weniger jahre zum Ziel die strategischeVersorgungmit Rohstoffen sicherzustellendie von Lie-
zum viertgrößten Exporteur von Phosphatgestein, hinter Marokko, Jordanien ferengpässenbedroht sind und/oder besondere ökonomische Bedeutung haben.
und Russland (OEC). Angesichts der im Bayovar Projekt involviertenAkteure Zwar entstanden in den letzten]ahren einige Pilotprojekte zum Reycycling von
überrascht wenig, dass die peruanischen Phosphatgestein Exporte vor allem nach Phosphor (und anderen Nährstoffen), die Sicherung des Zugrilfs auf externe
Brasilien und in die USA gehen, wo sie den Großteil der Importe ausmachen Ressource bleibt aber wichtigstes Element zur Versorgung mit Phosphatdünger.
(OEG). Der direkte Zugriffaufdie Rohstoffe ermöglicht den in diesen Länder So endet der Politikberatungsbericht von Ridder u.a. (2012) mit Handlungsemp-
ansässigen Düngemittelproduzenten günstigere Produktionsbedingungen als fehlungen, die Effenzienzsteigerung,Recyclingund strategische Partnerschaften
dies über Einkäufe aufdem Weltmarkt möglich wäre. mit phosphatproduzierenden Ländern beinhalten. „Vor allem aber sollte die EU
Anders stellt sich die Situation in Saudi Arabien dar, Hier begann der Abbau [„.] - auch als Ergänzung zu den bilateralen Partnerschaften — weiterhin freien
von Phosphatgesteinunter Aufsicht des halbstaatlichen Ma'aden Unternehmens. Handel und uneingeschränkten Zugang zu natürlichen Ressourcenin multilate-
Die Phosphatminen im Norden des Landes wurden in den Wa’ad Al Shamal In- ralel Foren wie derWTO und der OECD vorantreiben.was in Übereinstimmung
dustriecomplex integriert, wo alle Komponenten zur Herstellung von fertigen mit der Argumentation der EU Rohstofiiniative steht“ (Ridder u.a. 2012: 81).
Mischdüngern, wie DAP und MAP zusammenlaufen.2014 war Saudi Arabien
bereits der viertgrößte Hersteller von DAP-Mischdünger,der vor allem nach Lndien e) Technologie
exportiert wird, wo ähnlich wie in Brasilien die Nachfrage nach Düngemitteln Mit dem Anstieg der Düngemittelpreise haben sich auch Bemühungen um tech-
stark ansteigt (ICIS/IEA 2016). 2014 gründete Ma'adan zudem dasjoint Venture nologische Lösungen intensiviert, die sich am Besten unter dem Stichwort „high
MWSPC mit einer 25 Prozent Beteiligungvon Mosaic, welches 2017 mit der pretisian agrimliure“ fassen lassen. Mithilfe von Big-Data-Plattformen sollen
Produktion und dem Verkauf von Mischdüngern begann (Ma'adan 2017: 163). Dronen und eine neue Generation von Traktoren, die mit zahlreichen Sensoren
Mosaic kündete kurz darauf die vorrübergehende Stilllegung der Phosphat-Auf- und Monitoren ausgestattet sind, die Komposition des Bodens möglichst genau
bereitungsanlagenin Plant City, Florida (USA) und eine „Re-Strukturierung“ der erfassen. AufBasis dieser Daten soll der Einsatz von Düngemitteln, Pestiziden
PhosphatOperationen an. ,Wirerwarten höhere Phosphat Mugen [...], in dem wir und Saatgut genau an die Beschaffenheit des Bodens angepasst werden, also
die Produktion an einem Standort mit relativ hohen Kosten reduzieren“ (Mosaic möglichst effizient und mit „hoher Präzision“ erfolgen (ETC 2015: 8f.). Die
Company 2018: 7). Mosaic positioniert sich also strategisch am persischen Golf. sektorübergreifendeZusammenarbeit an diesem Projekt zeigt sich unter anderem
um trotz der Verschiebungen in der Phosphatindustrie (relative Erschöpfung von in der Global-Hawest-Initiative, an der Saatgut- und Pestizidfirmen, wie Mon-
Ressourcen in den USA, verstärkte Nachfrage aus der Semiperipherie) Kontrolle santo (nun Bayer) und Dupont ebenso teilnehmen, wie Mosaic und der größte
über die profitabelstenKnoten der Gürerkerte (Endfertigung,Handel) zu behalten. Traktorhersteller John Deere (Suppan 2017: 3).
Auch das staatliche Agrarforschungsinstitut EMBRAPA aus Brasilien i5t Teil
d) Freihandel der Initiative. EMBRAPA arbeitet besonders einen präziseren Einsatz von Dün—
Eine weitere Strategie für den Umgang mit den Veränderungen in der Phos- gemitteln mithilfe von Nanotechnolgie, sogenannente intelligente Düngemittel,
phatindustrie sind Freihandelsabkommen.Wie oben erwähnt, wurden die USA durch welche die Erträge um 67 Prozent erhöht werden sollen (ebd.: 3f.). Ein
132 AxclAnlauf Phwphaßbnndel und die globale Du ngrmitrelindunnk 133

ähnlicher Ansatz wird von dem chinesischen Staarsuntetnchmen Sinofert ver- aufneue Ressourcen, wie im Fall von Peru ist eher eine Ausnahme. Insofern lässt
folgt, das 2015 ein Pilotprogramm zur Herstellung „intelligenter Düngemittel“ sich ein relativer Machtverlust der alten Zentren der Weltwirtschaft konstatie-
entwickelte. Dadurch sollen nach eigenen Angaben der Einsatz von Düngemitteln ren. Aufgrund der schwindenen Kontrolle über einen Rohstoffder zunehmend
um bis zu 30 Prozent reduziert und die Erträge um bis zu 50 Prozent gesteigert strategisch wird, könnte dieser Machtverlust noch stärker werden. Die genauen
werden (Sinochem 2016: 20). Im Gegensatzzu den technologischen Umbrüchen Übertragungsmechanismen von Ökonomischen Ressourcenzu staatlicherMacht
der Vergangenheit,wie der „Grünen Revolution", die globale Erträge um mehr müssen in zukünftiger Forschunggeklärt werden; zum Beispiel anhand der Frage,
als 200 Prozent steigerte (siehe oben), sind diese (selbstgesreckten) Ziele aber inwieweit die Kontrolle über Phosphatgestein die Verhandlungsposition der
äußerst bescheiden. exportierenden Länder aufwertet. Festzuhalten bleibt, dass ein geologisch deter«
Diese technologischeStrategie stellt eine gewisse Abschwächung des globalen miniertes Fördermaximum (peakphospharus)derzeit noch weniger relevant ist.
Durchflussystems dar, bzw. eine effizientere Ausgestaltung. Die zuvor dargestell- als eine politisch regulierreVerknappung bzw. Verteuerungvon Phosphatgestein
ten Strategien deuten aber auf eine Intensivierung des globalen Durchfiusssystems und -dünger für importierende Länder.
an Nährstoffen hin, dessen Ausgestaltung zunehmend umkämpft ist. Ebenso wie Staaten passen sich auch Unternehmen an die veränderten Welt-
marktbedingung an (rückläufige Produktion in den USA, verstärkte Nachfrage
in Indien und Brasilien). Diese Anpassungzielt vor allem aufdie Kontrolle über
die hoch profitablen Knoten Endfertigungund Handel. Inwiefern sie gelingt. ist
6. Zusammenführung und Ausblick auch abhängig von den innergesellschaftlichen Kräfteverhältnissen. So konnte
Da die industrielle Landwirtschaft als odenes Durchfiusssystem von globaler Mosaic nach dem Putsch in Brasilien nahezu die komplette Phosphatindustrie
Reichweite organisiert iSt, sind ständig neue Inpurs an Nährstoffen notwendig, übernehmen, in Saudi Arabien aber nur eine Minderheitsbetiligung erreichen.
die aus mineralischen Rohstolfen gewonnen werden.Dieser Zufluss wurde lange Auch im Bereich Technologie findet allenfalls eine Anpassungstatt, die auf eine
als gegeben betrachtet und ist ein vernachlässigtes Feld (kritischer) sozialökolo- Reduktion des Düngemitteleinsatzes abzielr und geringfügige Produktivitätsstei-
gischer Forschung Da die Nährstoffe nur zusammen wirksam sind und meist als gerungen verspricht. Eine Agrarrevolution durch Smarttechnologie, die Erträge
gemischte Dünger verkauft werden, hat eine Verteuerung von Phosphargestein ähnlich stark wie Agrarrevolutionen der Vergangenheitsteigern könnte, zeichnet
direkte Auswirkungen auf die gesamte Gütetkette von Nahrungsmitteln. Die« sich aber nicht ab. Da auch die Biotechnologie zu keinen nennenswerten Ertrags-
ser Zusammenhang ist in den Ernährungskrisen 2007/08 und 2011 erkennbar sreigerungengeführt hat (Gurian-Sherman 2009), kommt Düngemitteln bei der
geworden und könnte zu einem dauerhaften Problem für die Stabilität urban- Produktion von günstigen Nahrungsmitteln eine zunehmend wichtige Rolle zu.
kapitalistischer Gesellschaften werden.Im bürgerlichen Nachhaltigkeitsdiskurs Ähnlich wie die Stickstoffversorgungim Europa des frühen 20.]ahrhunderts,
haben Forscher‘innen mit Bildern wie „die nächste unbequeme Wahrheit“ wird die Versorgung mit Phosphor zum zentralen Flaschenhalsfür die industri-
(Rosemarin u.a. 2009), „eine drohende Krise“ oder „rickende geostrategische elle Landwirtschaft im 21.]ahrhundert, zumindest in phosphatimporrierenden
Zeitbombe“ (Vaccari 2009) begonnen aufdas Problem der Phosphorversorgung Ländern. Der Nährstoff ist nicht ersetzbar, Ressourcen erschöpfen sich und expor-
aufmerksam zu machen. tierende Länder setzen zunehmend ihre eigenen Interessendurch. Doch während
Jedoch zeichnet sich ein explosionsartiger Konflikt um Phosphatgestein das Haber—Bosch-Verfahren vor gut 100]ahren den Flaschenhals der Stickstoff
und —dünger derzeit nicht ab. Vielmehr handeln besonders staatliche Akteure Versorgungaufbrach, ist derzeit keine technologische Revolution in Sicht. Einzig
proaktiv, definieren Phosphargesrein als strategischen Rohstoff (China, EU) das RecyclingvonPhospor und anderen Nährstoffen in den Ausscheidungenvon
und versuchen die Phosphatindustrie in ihrem Interesse auszugestalten. Dabei Menschen würde der industriellen Landwirtschaft ermöglichen, sich auf„nach-
können verstärkt die phosphatproduzierenden Länder bzw. die Nertoexporteure, haltigerer" Basis zu etablieren. Da die Ausscheidungen stark schadsrofibelastet
wie China, Marokko und weitere MENA-Länder ihre Interessen durchsetzen sind, ist dies recht aufwendig, wird aber pilorartig getestet (Schmund 2010),
und eine aufnarionaler Ebene vertikal integrierte Güterkette organisieren. Dies durch die bürgerliche Nachhaltigkeitsforschung begleitet (Cordell 2010) und
läuft den Interessen der Nertoimporteure, wie den USA und den EU-Ländern könnte ein hegemoniales Projekt werden.
zuwider, die versuchen den Zugang zu Phosphatgesrein über Freihandel und Aber auch für gegenhegemonialeStrategien der sozialökologischenTransfor«
Auflagen der WTO zu sichern,was aber nur bedingt gelingt. Der direkte Zugriff mation kann die Existenz des Phosphor—Flaschenhalses ein zentraler Baustein
135
134 AxelAnlauf Phosphalhartdel und dzeglobale Düngemittelinduttrie

sein. Zunächst ließe sich mit dem Argument einer möglichen Verknappungvon ICIS/IFA (2016): Global Fertilizer Trade Map.
U.S.
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Phosphor und N ahrungsmittelpreissteigerungenpolitischer Druck zur Förderung
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(SoLaWi), erzeugen,. Diese Anbaumethoden bedürfen weder Chemiedünger, Kauwenbergh, Steven]. Van (2010): World Phorphate Rock Reserve; am! Resourees. International
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andere Pflanzen und Tierdung als Nährstoffquellen genutzt werden. So kön- Loeber, Katharina (2010): DerNiea’ergangde: Chilesalpeterr: Chemuehe Forsthung‚ milita'risehe
Interessen, o'lranomiszhe Auswirkungen. Berlin.
nen nicht nur höhere Erträge erzielt werden. Konsument'innenbeteiligung und Ma'adan (2017): Annual Report 2017. URL: htrps://www:maaden.com.sa/download/ZO1"»
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