Sie sind auf Seite 1von 39

Sozialstrukturanalyse

Entwicklung der Soziologie


Reaktion auf tiefgreifende Veränderungen der Sozialstruktur in kurzer Zeit seit dem 18./19. Jhd.
- Versuch, den auffallend dynamischen sozialen Wandel zu erklären
- Logiken und Entwicklungsrichtungen zu beschreiben
- Durch Theorien
o Möglichst generelle Aussagen zum Zustand und zur Entwicklung von
Gesellschaften zu machen
o Frühe Soziologie – vor allem Modernisierungstheorie
o Haben häufig mit Idealtypen gearbeitet
 Stadienmodelle
 Vereinfachung, Modifikation und Zuspitzung
 Unterscheindung anhand von Epochenbegriffen
 Heuristische Konstrukte für Zeitzonen

Historische Epochen
Traditionale vormoderne Agrargesellschaft
Produktionsmerkmale
- landwirtschaftlich geprägte Subsistenzwirtschaft
o geringer Marktbezug
- Mehrzahl der Menschen wohnt in Produktionsgemeinschaften (ganzes Haus)
o Nicht Mehrgenerationenhäuser
- Status der Hörigkeit (Frondienste gegen Schutz)
o Schränkt geographische und soziale Mobilität ein (Schollenbindung)
- Kleinräumigkeit des sozialen und politischen Lebens
- Schlechte Infrastruktur
o Kaum Handelsverbindungen
- Starker Einfluss der Kirche auf das Alltagsleben
- Stabilität und Bedürfnisbefriedigung als Motivation
- Geringes Maß an gesellschaftlicher Arbeitsteilung – segmentär, also viele gleiche
Elemente (auch subsistent)
- Relativ stabile Sozialordnungen
Ständebegriff zentral für Beschreibung des Statusaufbaus
- Durch Geburt und familiäre Herkunft entschieden über
o Den gesellschaftlichen Status
o Die Verteilung von Gütern
o Rechten
- Gesetze und Traditionen definierten die standesspezifischen gesellschaftlichen
o Funktionen
o Rechte
o Pflichten
- Ständische Normen durchsetzten und bestimmten beinahe das ganze Leben
- Meist lebenslange stabile Ungleichheitsstrukturen
o Geringe soziale Mobilität
- Ständeordnungen relativ stabil

Gesellschaftliche Modernisierung
Strukturelle Bedingungen
- Zunahme des (Fern-)Handels
o Entstehung von globalen Handelsnetzen
- Zunahme der Geldwirtschaft
- Urbanisierung
o Stadtentwicklung seit dem 12. Jhd. vor allem an Kreuzungspunkten von
Handelswegen
- Städtebürger haben eine gewisse Distanz zur feudalen Welt
- Marktorientierung nimmt zu
- Wachstums- und Gewinnmotivation nehmen zu
- Rationalisierung des Geldverkehrs
- Entwicklung von Handwerk und Technik
o Arbeitsteilung und Spezialisierung nehmen zu
Ab dem 15./16.Jhd.
- Entdeckung neuer Kontinente
o Ausdehnung des Welthandelns
o Mehr Kapital und Güter auf dem Markt
- Entdeckung des Buchdrucks
- Monarchie und Städtebürger kooperieren bei der Zentralisierung der Herrschaft
- Schwächung der absoluten Herrschaft von Kirche und Hochadel durch
 Hinterfragen der Gegebenheiten
o Reformation
o Pest

Beginn der Modernisierung – ca. ab dem 15. Jhd.


- Renaissance als Wiederentdeckung „moderner“ Gedanken
o Indvidualität

Begriffliche/ mentale Aspekte der Modernisierung (historisch)


- Linearer Zeitbegriff – entwickelt sich weiter
- Fortschrittsdenken – Entdeckung einer, offenen innerweltlichen Zukunft im Diesseits
- Säkularisierung – Terrainverlust von Religion und Magie
- Individualisierung – Aktives, autonomes, individuelles Menschenbild
- Gleichheit und Vernunftbegabung aller Menschen
o Gestaltbarkeit der Welt durch
 Rationalität
 Wissensakkumulation
- Sozialplanerisches Denken – Organisierung des menschlichen Zusammenlebens nach
vernünftigen Gesichtspunkten
 Durchsetzung dieses Gedankenguts als Vorstellung in Westeuropa spätestens in der
zweiten Hälfte des 18. Jhd.

Begriff Modernisierung
- Stammt aus dem französischen bzw lateinischen (heutig, neuzeitlich)
Schäfers (2003: 246)
Bezeichnung für die mit der Aufklärung und den Wirkungen der Doppelrevolution (pol.
Revolutionen/ ind. Revolution) einsetzende Umgestaltung traditionaler Gesellschaften nach
Maßgabe von
- Welt und Lebensauffassungen nach Vorgaben der Vernunft
- Autonomie und Freiheit
- Demokratie und Menschenrechten
- Rationalität und Gesellschaftsplanung

Die Moderne Gesellschaft


- Zunehmende Diskussion über die Anwendung moderner Ideen auf das politische Leben
(besonders in England und Frankreich)
o Entstehung des aufgeklärten Absolutismus/ Merkantilismus
o Amerikanische Unabhängigkeitserklärung 1776
o Erklärung der Menschen und Bürgerechte 1789 (Franz. Revolution)
- Grundsätzlichen Ideen
o Pol. Herrschaft bedarf einer vernünftigen Legitimation
o Egalisierung des Rechts – gilt für alle Menschen gleich
o Legitimation soz. Ungleichheit durch Meritokratie
 Erhöhte Möglichkeit soz. Mobilität
- Staat als Gesellschaftsvertrag
Erfindung der Nation
Begriff der Nation
- Bezug auf Staatlichkeit
o Phänomen der Moderne
- Nation ist die Gemeinschaft von Staatsbürgern
o Demokratische Massenteilhabe – kollektive Souveränität
- Eine Nation hat ein Territorium
- Angebliche Homogenität
Aber: Sinnvolle Abgrenzung nach objektiven Kriterien ein Problem und nach
Selbstverständnis tautologisch
- Bildung oftmals durch Machtpolitik getrieben
o Durch Abgrenzung nach außen
o Zerstörung anderer Kulturen
- Unklarheit der Abgrenzung macht den Begriff so brauchbar für unterschiedlichste
politische Forderungen
o Prägend für die politischen Entwicklungen in der Moderne
Modernisierung in Deutschland
- Erst ab der Mitte des 19. Jhd. gesellschaftliche Modernisierung
- Moderne Gesellschaft erst ab der Mitte des 20. Jhd.
o Inklusive der Durchsetzung mod. Gedankenguts
Simmel - Großstädte
- Geschwindigkeit
- Intellektualität und Verstandesherrschaft
o Folge der Verbreitung der Geldwirtschaft
o Unbarmherzige Sachlichkeit in den menschlichen Beziehungen
o Hohes Maß an persönlicher Freiheit für das Individuum
o Oft Einsamkeit als Problem

Moderne Sozialstrukturen
- Funktionale Differenzierung
o Prozess der zunehmenden Arbeitsteilung
o Ausdifferenzierung gesellschaftlicher Subsysteme
o Ermöglicht
 Spezialisierung
 Rationalisierung
o Durchsetzung zweckrationaler Logiken
o Entwicklung der Bürokratie
o Zunehmende Interdependenzen der Subsysteme
o Paradoxien
 Maßstabsverkleinerung bei zunehmendem Kooperationsbedürfnissen
 Pluralisierung von Normen und Werten bedingt eine Universalisierung
von Normen
- Bevölkerungswachstum ab ca. 1750
o Zunahme auf dem Gebiet des deutschen Reiches von 1816 bis 1910 von 35,5
Mio. auf 65 Mio.
- Massenwanderungen
o Ost-West-Fernwanderungen (v.a. von jungen Männern) von den östlichen
Agrarregionen in die westlichen Industriezentren
o Vom Land in die Stadt (v.a. junge Frauen)
- Urbanisierung
o Von überwiegend ländlich zu mehrheitlich städtisch siedelnde Bevölkerung
o Zunahme der deutschen Großstädte von 8 auf 48 (1871 bis 1919)
- Wohlstandswachstum
o Erhöhte Produktivität
 Zeitlich verzögert – Massenwohlstand und Massenkonsum
 Aber: soziale Ungleichheit immer noch sehr uneinheitlich
- Bürgerliche Kleinfamilie als Leitbild
o Tatsächliche Durchsetzung nach dem 2. WK bei der Arbeiterklasse
- Veränderte Geschlechterrollen
o Ungleichheit und Ideologie der Naturhaftigkeit von Geschlechtsunterschieden
zwischen den Geschlechtern verschärft sich
o Zugleich verstärkte Emanzipationsforderungen
- Bildungsexpansion und Polarisierung des Bildungssystems
 Alphabetisierung
- Entstehung sozialer Massenbewegungen
 Einforderung von Rechten – basiert auf dem Gedankengut der Aufklärung
- Institutionalisierung eines sozialen Sicherungssystems – Sozialstaat
o Gedanke, dass der Staat den Bürger gegen die Unwägbarkeiten des Marktes
schützen sollte

Wege in und durch die Moderne


Therborn
Endogener europäischer Weg
- Befürworter und Gegner der Moderne sind endogen
- Motoren der Modernisierung
o Bürgerkriege
o Klassenkonflikte
o „Ismen“
Neuen Welten der Siedler
- Modernisierungsgegner bleiben in Europa
- Konflikte über Zugehörigkeiten zur Neuen Welt
- Ethnische geprägte Auseinandersetzungen – Ausrottung der indigenen Bevölkerung
- Adelige sind nicht ausgewandert
o Wenige Eliten zugegen – wenig Handhabe gegen Modernisierungsbestrebungen
Kolonialer Weg
- Modernisierung kommt von außen – gewaltsam
- Später Übernahme der modernen Grundideen von den Kolonisierten
o Unabhängigkeitskämpfer oft in Europa studiert
- Tiefsitzendes kulturelles Trauma
- Kluft zwischen Gesellschaften und staatlichen Eliten
Reaktive Modernisierung
- Reaktion auf die Dominanz moderner Industriestaaten
- Elite importiert ein Teil der modernen Merkmale

Kritik
- Zu lineare Geschichtskonstruktion
- Unterschätzung negativer Folgeerscheinungen der Moderne
- Übergeneralisierung
- Ethnozentrismus
- Erschütterung der Vorstellung, dass sich alle Gesellshchaften nach einer relativ
einheitlichen Logik entwickeln

Kapitalismus
Kapital (begriff):aus der kaufmannssprache
- investiertes oder geliehenes Geld
o später das Vermögen aus papieren und prduktionsmitteln – Immer mit Rücksicht auf Gewinn (statt
Konsum oder Hortung)

Klassentheoretisch eingefärbt
- sowohl benutzt in der Gesellschaftskritik
- als auch Begriff der wissenschaftlichen Analyse
 Doppelfunktion
Differenziert nach Produktionsweisen
- Arten und Weisen, wie die Menschen ihre Existenz sichern
o Nach ökonomischen Verkehrs- und Produktionsformen
Marx
- Warenzirkulation ( W – G – W )
o Ausgangs- und Endpunkt: Ware
o Differenz qualitativ
o Zweck: Befriedigung von Bedürfnissen
 Gebrauchswert
o Prozessverlauf ist endlich
- Geldzirkulation ( G – W – G`)
o Ausgangs- und Endpunkt: Geld
o Quantitativ different
o Zweck: Steigerung des Wertes – Akkumulation
 Tauschwert
o Prozessverlauf ist theoretisch unendlich
 Marktlogik der Konkurrenz – kapitalistische Mehrwertproduktion ist
„endlos“
- Mehrwertproduktion
o Arbeitskraft ist eine Ware
o Kapitalist kauft An seine Ak ab zum Preis ihres Tauschwerts (bemisst sich an den
Kosten für die Reproduzierbarkeit)
 AK produziert Tauschwert, welcher höher liegt als der Tauschwert der
AK, da sich der Wert der Ak in dem Arbeitsgegenstand
vergegenständlicht
 AG eignet sich den Tauschwert an
 AG eignet sich den Mehrwert an
o Bedingung:
 „doppelt freier“ Lohnarbeiter
 Frei seine AK zu verkaufen
 Frei vom Besitz von Produktionsmitteln^
 Prozess der ursprünglichen Akkumulation
 Enteignung von Bauern
 Privatisierung von Kollektivgütern
 Verwandlung von freien oder unfreien Bauern in
LohnarbeiterInnen
Entstehung
Vorkapitalistische Gesellschaften
- Persönliche Herrschafts- und Abhängigkeitsverhältnisse
- Sklavenhaltergesellschaft
o Verfügungsgewalt der Herren an den Produzenten unbeschränkt
- Feudalismus
o Bauern sind teilweise frei
o Wird mit politischen und militärischen Mitteln das Mehrprodukt enteignet
o Handwerk und Handel zahlen Zölle und Steuern
o Leibeigene Bauern bezahlen Schutz gegen persönliche Freiheit
 z.B. Schollenbindung
Übergang zum Kapitalismus
Bis etwa 1500
- Inseln kapitalistischer Entwicklung – Kaufmannskapitalismus im Fernhandel
Zwischen 1500 und 1800
Räumliche Expansion
- Kolonialismus
- Welthandelssystem
- Begriffliche Aufwertung durch den Diskurs in der Aufklärung

- Expropriation der unmittelbaren Produzenten


o Setzt Arbeitskraft und Produktionsmittel Frei
o Macht die Person doppelt Frei
 Keine Produktionsmittel mehr
 Keine Schollenbindung mehr – Recht Ak zu verkaufen
o erzeugt Angebot an Arbeitskraft und Produktionsmitteln
o erzeugt Nachfrage an Waren
 schafften den inneren Markt
o Personen kaufen die Waren, die sie selbst erzeugt haben

- Eher wenige staatliche geförderte Kapitalismen


o Meistens eher der Landadel, der Land zur Verfügung stellen will (vor Allem
England)
- Durchsetzung von Leiharbeit als historische Neuerung
Europäischer Kolonialismus
Seit Ende des 15. Jhd. bis etwa zur Mitte des 20 Jhd.
Bis 1914 Kontrolle der europäischen Kolonialmächte über annähernd 85 Prozent der Welt
- Welthandelsorganisationen sind die frühen Akteure des Kolonialismus
o England: Staat hat Bedingungen geschaffen für den Kolonialismus
- Erste Phase: direkter raub
- Anschließend: Umstrukturierung der traditionellen Wirtschaft nach den Bedürfnissen der
traditionellen Europäischen Mächte
o Fabriken brauchen Rohstoffe und Absatzmarkt
o Stadtbevölkerung braucht Nahrungsmittel
- Kolonialer Sklavenhandel – etwa von Ende des 17. Jhd. bis ca. Anfang des 19. Jhd.
o Von Europa (meist Oktober) mit v.a. Waffen, Tuch, Glasperlen und
Manufakturwaren beladene Schiffe an die westafrikanische Küste
 Tausch bei lokalen Händlern gegen Sklaven
o Meist Anfang Dezember Richtung Karibik
 Verkauf Sklaven – Kauf von Rum, Rohrzucker und Baumwolle
o Meist ab April Richtung Europa
 Verkauf der Fracht im Frühsommer
o Beteiligt waren
 V.a. Royal African Company
 Handelskompanien aus
 Deutschland
 Portugal
 Frankreich
 Niederlande
 England
- Verschärfung des kolonialen Sklavenhandels ab dem 19. Jhd.
- Imperialismus
o Verschärfte Expansion und territoriale Aufteilung der Welt
o Neues Stadium des Kapitalismus
 Monopolkapitalismus statt freier Konkurrenz
 Verschmelzung des Kapitals von Großbanken und Industriellenverbänden
 Gestiegene Bedeutung von Banken und Finanzwirtschaft
 Kapitalüberschüsse und zunehmende Kapitalexporte
 Kapitalistische Durchdringung des gesamten Territoriums der restlos
aufgeteilten Welt

- Industrielle Revolution

Seit der zweiten Hälfte des 18 Jhd. in England


Seit dem 19. Jhd in weiten Teilen Europas
Nahm Ausgang von der Textilindustrie in Deutschland

o Komplex und tiefgreifender Wandlungsprozess


 Technisch-organisatorische Neuerungen
 Neuen Transport und Produktionsweisen
 Massenhafte Ausbeutung neuer Energiequellen
 Entwicklung des Fabriksystems – die Produktion wird
 Zentralisiert
 Arbeitsteilig
 Hierarchisch
 Organisiert
 Planmäßig
 Präzedenzlose Steigerung der Produktivität
o Kooperation – Ausgangspunkt des Kapitalismus (Marx)
 Mehrere Arbeiter, zur selben Zeit am selben Ort, unter demselben
Kapitalisten
 Unterschied zunächst bloß quantitativ
o Manufaktur – Mitte des 16. Jhd. bis Mitte des 18. Jhd.
 Aufteilung der Arbeit beruhende Kooperation
 Doppelter Ursprung
 Handwerker aus verschiedenen Betrieben werden in einer vereinigt
– Integration
 Arbeitsprozess wird in kleinere Einzelschritte zerlegt – Zerlegung
 Umwälzung der Produktionsweise
o Manufaktur-Ausgangspunkt: Arbeitskraft
o Industrie-Ausgangspunkt: Arbeitsmittel
 Maschine revolutioniert die Produktionsweise
 Produktionssteigerung durch mehr Waren pro Zeit
 Übergang von der Stand- zur Klassengesellschaft
o Lockerung der ständischen Struktur schon seit Anfang des 19. Jhd. durch
 Bauernbefreiung
 Abschaffung/ Entmachtung des Zunftwesens
 Verstädterung
 Industrialisierung auch auf dem Land
o Marktsituation und Stellung im Produktionsprozess immer wichtiger für die
individuellen Lebenslag (statt Geburt und Stand)

 Klassenbegriff
o Typische Bezeichnung für soziale Ungleichheit in der entstehenden
kapitalistischen und modernen Industriegesellschaft
o Soziale Klasse (Schäfers 2003: 172)
 Bevölkerungsgruppierung, deren Mitglieder durch eine strukturelle
gleiche Stellung – v.a. Bezogen auf die jeweils relevanten
Eigentumsverhältnisse - im Wirtschaftsprozess, eine ähnliche soziale
Lage und gemeinsame Interessen verbunden sind
 Klassenbegriff sehr verbreitet
Phasen des Kapitalismus
1. Industriekapitalismus (19. Jhd.)
o Vernutzung der Arbeiterschaft
o Paternalistische Betriebsführung
o Gründung von Arbeiterbewegungen und Gewerkschaften
 Erste sozialpolitische Erfolge
2. Fordismus (etwa 1918 – 1989 „kurzes Jahrhundert“)
o Massenproduktion und Massenkonsumtion „Konsumgesellschaft“
o Taylorismus
o Keynesianische Wirtschaftspolitik
o Korporatismus/ Klassenkompromisse
o „Wohlfahrtsstaat“
3. Neoliberalismus/ Finanzmarktkapitalismus
o Forcierte Privatisierungen
o Finanzmarktlogiken dominieren zunehmend die Ökonomie
o Umbau des Staates
o Abbau von Sozialpolitik
o Prekarisierung als Disziplinierungsmittel

Demographie
Wissenschaft von der Bevölkerung
- Entstehung und Kontext
o Mit dem Aufkommen moderner, zentralisierter Nationalstaaten
o Urbanisierung
o Durchsetzung des Merkantilismus
o Entsteht als Teilgebiet der politischen Ökonomie
 Formulieren mathematischer Gesetze zur Bevölkerungsentwicklung
 Steigerung der Bevölkerungszahl
 Steigerung der Steuereinnahmen
Übervölkerungsparadigma T.R. Malthus 1766-1834
Essay on the principle of population (1798) (Pauperismus im 18./19.Jhd.)
- Bevölkerung vermehrt sich exponentiell
- Lebensmittelproduktion nur linear
 Zur Korrektur notwendige Hungersnöte, Krisen etc. als Folge
 Sozialpolitische Interventionen deshalb schädlich
Beginn des 20. Jhd. – fallende Geburtenrate
Pronatalistische und später eugenische Theorien
- Bevölkerungsrückgang als Gefahr für Gesellschaft und Kultur
- Besondere Dramatisierung des Bevölkerungsdiskurses in Deutschland (T. Bryant 2011)
- Seit 1945 Bevölkerungsentwicklung als Voraussetzung für eine stabile Sozialpolitik und
Wirtschaftsentwicklung – pronatalistisch
- Konstanten des Bevölkerungsdiskurses
o Bezug auf den nationalstaatlichen Raum als Maßstab für Unter- oder
Überbevölkerung
o Theoretisierung der Bevölkerungsentwicklung als Problem
 Häufig mit zukünftiger „Krise“
o Differenzierung der Fertilität nach Rasse und Klasse
o Alleiniger Bezug der Geburtenrate auf Frauen
Verstaatlichung des Biologischen - Foucault
- Auf demographisches Wissen gestützte Regierungs- und Kontrollmethoden
- Biologisches Leben wird zum Gegenstand politischer Strategien
 Bio-Politik der menschlichen Gattung

o Bevölkerung – Menschen, die in einem bestimmten Gebiet längerfristig wohnen


o Bevölkerungsstruktur – Untergliederung einer Bevölkerung in z.B. Alter o.
Geschlecht
- Veränderung von Zahl und Struktur durch
o Fertilität
o Mortalität
o Migration
- Fertilität und Mortalität bestimmen die natürliche Bevölkerungsbewegung
o Bevölkerungsweise – über eine gewisse Zeit stabil bleibende Proportionen von
Mortalität, Fertilität und Migration
Theorie des demographischen Übergangs
- Von Landry (1934) entwickelt und von Notestein (1963) weiterentwickelt
- Aktuell einflussreichster Ansatz zur Demographie im Zuge gesellschaftlicher
Modernisierung
- Demographischer Übergang als Veränderung der Bevölkerungsweise
1. Demog. Übergang – von der vorindustriellen zur industriegesellschaftlichen
Bevölkerungsweise
a. Sinkende Mortalität
b. Starker Bevölkerungsanstieg
2. Demog. Übergang – insdustrielle zur Postindustrielle Gesellschaft
o Sinkende Fertilität
o Sinkender Bevölkerungsanstieg
o Vllt. sogar Bevölkerungsschwund durch Fallen der Fertilität unter Mortalität
o Bemerkenswerte Übereinstimmungen der europäischen Gesellschaften in der
Bevölkerungsentwiclung im Zuge der gesellschaftlichen Modernisierung
o Soziologische Ansätze betrachten v.A. gesellschaftliche Rahmenbedingungen und
normative Wertorientierungen als Einflussfaktoren auf generatives Verhalten
(Heirats- und Fortpflanzungsverhalten)
Einschränkungen
- Schrumpfung der Fertilität und Mortalität in vers. Ländern zu unters. Zeitpunkten und
unters. Schnell
- Teilweise erneute und z.T. vorübergehende Steigerung der Fertilität

Statistisches Bundesamt

Messung von Fertitlität


- Zsmgefasste Geburtenziffer (TFR)
o Durchschnitliche Kinderzahl, die eine Frau im Laufe ihres Lebens zur Welt bringt
 2,1 für einen Erhalt der Bevölkerungszahl
o Am häufigsten benutzt
o Extrapolativ
o Schätzwert, der sich verzerrt, wenn sich das durchschnittliche Alter bei Geburt
verschiebt
- Kohortenfertilität
o Kinderzahl eines Geburtenjahrgangs der Frauen
o Retrospektiv
o Stabilerer und verlässlicherer Indikator
Geburtenentwicklung in Deutschland
- Mittelalter und frühe Neuzeit bei etwa 6 Kindern pro Frau (lebendgeboren)
- Ab. Ca. 1875 sinken der Geburtenzahlen
- 1934 noch etwa 1,8 (danach auch nur mäßiger der pronatal. Politik der
Nationalsozialisten)
- 1952 bis Mitte 60er „Baby-Boom“
- Rückgang von 1965-1976 („Pillenknick“ unterkomplex
- Anstieg Geburtenrate in Ostdeutschland Anfang 80er
- Einbruch Geburtenrate Ostd. Nach der Wende
- Seit Mitte 70er bis Mitte 2010er bei etwa 1,3-1,4 Kindern pro Frau
- Seit 2015 wieder leichter Anstieg auf 1,59 Kinder pro Frau (auf EU-Durchschnitt)

Lebenserwartung und Sterblichkeit in Deutschland


- Vorindustriellen Gesellschaften Europas: ca. 30 Jahre
- Ab ca. 1750 beginnt die Lebenserwartung zu steigen (1875 35J/38J)
- Im 19 Jhd. geht vor allem die Kindersterblichkeit zurück
- Mortalität im höheren Lebensalter reduziert sich erst nach dem WWII stark
- Verdopplung der Lebenserw. In den letzten 100 Jahren (Zunahme um 11J in den letzten
50J)
- Gegenwärtig durchschnittl Lebenserwar. Für neu geb. Jungen 77,7 und für Frauen 82,8
Jahre
Lebenserwartung allgemein
- Nicht immer die modernsten Länder, die eine hohe, durchschnittliche Lebenserwartung
haben
- Neben klassischen modernisierungstheoretischen Faktoren spielen auch kulturelle
Faktoren wie Ernährungsgewohnheiten und Lebensweisen eine Rolle
- Insgesamt seit Jahrzehnten Antsieg der Lebenserwartung, aber in einigen Ländern sinkt
sie auch (Russland, Ukraine, Weissrussland, einige Länder in Afrika)
Bevölkerungszahl in deutschland
- Von 1950 bis 1973
o BRD: Anstieg von 51 auf 62, 1 Mio.
o DDR: Sinken von 18,4 auf 17 Mio.
- Seit der Wiedervereinigung
o Bis Ende 2002 Anstieg (+2,8 auf 82,5 Mio.)
o Rückgang zwischen 2002 bis 2010
o Ab 2011 wieder Zuwachs
o Ende 2016 historischer Höchststand von 82,8 Mio.
 Seitdem relativ konstant
 Anhaltende leichter Bevölkerungsverlust ausgeglichen durch
Wanderungsgewinne
 Etwa 80% in den alten Bundesländern, etwa 15% in den neuen
Bundesländern und etwa 4% Berlin
 Bevölkerungsreichsten Bundesländer
 Nordrhein-Westfalen (18 Mio.)
 Bayern (13 Mio.)
 Baden-Württemberg (11 Mio.)
o Zusammen über 50% der Gesamtbevölkerung
Problematik demographischer Prognosen
- Alarmistsiche Prognosen haben Konjunktur
o „Bevölkerungsschwund, Überalterung, Kollaps der Rentenversicherung“
o Demographische Zukunftsprognosen häufig fehlerhaft
 Ursachen u.a.:
 zu hohe Zahl möglicher Einflussfaktoren
 Eintreten unvorhergesehener Entwicklungen
- Trotz hoher Fehleranfälligkeit – häufige Darstellung des demographischen Übergangs als
Sachzwang
o Legitimation für
 Längere Lebensarbeitszeit
 Niedrigeres Rentenniveau
 Infrastrukturelle Einrichtungen abbauen
o Ausblendung von
 Gesunkenen Belastungen aufgrund sinkender Kinder- und
Jugendlichenquoten
 Gesellschaftliche Produktivitätsentwicklung
 Frage der Verteilung gesellschaftlicher Werte

Arbeit
- Zweckhafte Tätigkeit
o Befriedigung materieller oder geistiger Bedürfnisse
o Kann in körperlicher, manueller und/oder geistiger Arbeit bestehen
o Ist immer begrifflich von Erwerbsarbeit zu trennen
Bedeutungswandel von Arbeit
- Antike
o Körperliche Arbeit als sozial diskriminierend und herabwürdigend
- Beginn der Moderne
o Aufwertung
 Quelle
 Vergesellschaftung und Wertschöpfung
 Reichtums und Selbstverwirklichung
 Luther
 Sittlich-moralische Aufladung zu Beruf
 Überhöhung in der Berufung
 Quasi-religiöser Charakter
o Erfolg durch Gnade Gottes
- Moderne
o Durchsetzung der doppelt freien Lohnarbeit im Zug der Industrialisierung
 Arbeitskraft wird zur Ware
 Lohnarbeit als neue gesellschaftliche Institution
o Trennung von Arbeitsplatz und Wohnung, d.h. von
 Bezahlter Produktionsarbeit
 Unbezahlter Reproduktionsarbeit
 verstärkte geschlechtsspezifische Zuordnung von Arbeitsbereichen
 zunehmende Reduzierung des Arbeitsbegriffes auf Erwerbsarbeit
o gesellschaftliche Abwertung von unbezahlter Arbeit
o Kollateralschaden des Kapitalismus
 Moderne Gesellschaften sind Erwerbsarbeitsgesellschaften
o Erwerbsarbeit ist –
 Dominante Form der Existenzsicherung
 Wesentliche Determinante sozialer Ungleichheit in Bezug auf Einkommen
und Prestige
 Zentral für die soziale Sicherung, da das Erwerbsleben die Mechanismen
der soz. Sicherung bestimmt
 Deutschland hat erwerbszentrierte Sicherungssysteme
 Wesentlicher Bezugspunkt individueller Lebensplanung und
Identitätskonstruktion
 Ein wichtiger Modus sozialer Integration
Entwicklungen moderner Erwerbsarbeit
- Anstieg der Erwerbsquote
- Tertiarisierung

- Nicht-Erwerbspersonen - die keinerlei auf Erwerb gerichtete Tätigkeit ausüben oder


suchen, z. B. Kinder, Schüler, Studenten, ältere Personen und Frauen oder Männer, die
ausschließlich im eigenen Haushalt tätig sind.
- Erwerbsfähig 15 bis 65 Jahre
- Arbeitslose sind die beim Arbeitsamt gemeldeten erwerbslosen Personen
- Erwerbsquote – Anteil der Erwerbspersonen an der bevölkerung im erwerbsfähigen Alter
von 15 bis 65 Jahren
- Erwerbstätigenquote – Anteil der Erwerbstätigen and er bevölkerung im erwerbsfähigen
Alter von 115 bis 65 Jahren
- Erwerbstätige – alle Personen, die eine bezahlte Tätigkeit ausüben
Annahmen der Modernisierungstheorien
- Erwerbsquote und Erwerbstätigenquote nehmen zu
- Verschiebung des Schwerpunkts der Erwerbstätigkeit
o Von Agrarsektor
o Zu Industriesektor
o Letztlich zu Dienstleistungssektor (Tertiarisierung)

 Modernisierungstheoretische Annahmen treffen nicht ganz zu


o Produzierender Sektor noch relativ groß – v.A. 2 Ursachen
 Rationalisierung – Produktivitätssteigerung
 Praktisch „unendliche“ Nachfrage nach Dienstleistungen
Erwerbstätigenquote schwankt viel mehr
Delle sehr viel geringer bei den Frauen 2004 und 2008/09, weil
 Unterschiedliche Geschlechterverteilung auf die Sektoren
 Frauen mehr in Teilzeitarbeit

- Hochqualifizierter Bereich – mehr Arbeitszeit


- Niedrigqualifizierter Bereich – weniger Arbeitszeit
- Gleichzeitig Erwerbstätigenquotenhöchststand
o Mehr Teilzeitarbeit
Risikogruppen am Arbeitsmarkt
- Niedrig qualifizierte
- Un-/angelernte Arbeitskräfte, v.a. im industriellen Sektor
- Menschen mit Migrationshintergrund und ausländischen Pass
- Gesundheitlich Beeinträchtigte
- Ostdeutsche und Norddeutsche
- Personen über 50 Jahre
- Personen unter 25 Jahre
Ausmaß und Struktur von Arbeitslosigkeit
Arbeitslosigkeit
- Für den Einzelnen negative Folgen in Bezug auf
o Materielle Lebensbedingungen
o Sozialer Status
o Soziale Absicherung
o Psychische und soziale Integration
o Reproduktion
 Verminderung individueller und kollektiver Durchsetzungschancen abhängig
beschäftigter
Arten von Arbeitslosigkeit
1. Friktionelle Arbeitslosigkeit
a. Menschen, die suchen (immer 1-2%)
2. Saisonale Arbeitslosigkeit
a. Oftmals zeitlich abhängig
3. Konjunkturelle Arbeitslosigkeit
a. Konjunktur lässt nach
4. Strukturelle Arbeitslosigkeit – wächst
a. Durch die Struktur des Arbeitsmarktes und der Erwerbspersonen verursacht
Arbeitslosenquote in Deutschland von 1950 – 2012
1958: Anwerbeabkommen
Mitte 70er: Ölkrise
Anfang 90er: Nachwende-Krise
 Anstieg immer durch Krisen verursacht – heute bei etwa 5%
2004: Hartz-Gesetze
- Verkürzung der Arbeitslosenversicherungsleistungen auf 1 Jahr (früher 2 mit
allmählicher Abnahme danach), danach Bedürftigkeitsprüfung und Leistungen nach dem
SGBII (Niveau der ehem. Sozialhilfe)
- Verschärfung der Zumutbarkeitsregelungen für die Annahme von Arbeitsstellen
- Einführung von Sanktionierungspraxis
- Abbau von Kündigungsschutz
o Mehr Einstellungen durch leichtere Kündbarkeit
- Erleichterung von Befristungen und Leiharbeit (früher Ausnahme)
 Rekommodifizierung der Ware Arbeitskraft
 Zunahme von prekärer Beschäftigung und Niedriglöhnen
Arbeitslosenquote
- Nicht enthalten
o Menschen die nicht als arbeitslos gemeldet sind
o Menschen die dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen
o Menschen, für die private Vermittler einen Arbeitsplatz suchen
o Menschen in Umschulung/ Weiterqualifizierung
o Menschen über 59 Jahre, die seit über einem Jahr Hartz IV beziehen
o Erkrankte Menschen
o Menschen in Altersteilzeit
o Unterbeschäftigte Selbstständige
Aktuelle Unterbeschäftigungsquote Oktober 2018 6,8%
Registrierte Arbeitslose + Teilnehmer an einer Maßnahme der Arbeitsförderung + kurzfristig
erkrankte

Gründe für den Rückgang der Arbeitslosigkeit


- Neoliberaler Umbau des Arbeitsmarktes
o Hartz-Reformen
- Stagnierende bzw. zeitweise sinkende Reallöhne
o Weist auf Durchsetzungsprobleme der Gewerkschaften hin
- Relativ erfolgreiche Krisenbewältigung
o Schnelle Produktionswiederaufnahme durch z.B. Abkommen mit Unternehmen
der kurzfristigen Ausstellung von Arbeiten
- Exportstärke der deutschen Industrie
- Abnahme des Erwerbspersonenpotential
o Weniger Erwerbspersonen
Dennoch:
- Großteil der neuen Jobs keine Vollzeitbeschäftigungen
- Arbeitsvolumen stieg nur mäßig
- Lohnungleichheit nimmt zu
 Steigerung der Erwerbsquote und die Rekordzahl von Erwerbspersonen v.a. durch
Ausweitung Teilzeitarbeit und atypischen Erwerbstätigkeiten
Polarisierung der Erwerbschancen
- Bedarf an hochqualifizierten und hochflexiblen Beschäftigten wächst
o In der Vergangenheit überdurchschnittliche Entgeltsteigerungen
o Überdurchschnittliche hohe Arbeitszeiten
 Arbeitskraftunternehmer
o Durch Höherqualifizierung und Subjektivierung von Arbeit
 Selbstkontrolle – selbstständige Planung, Steuerung und Überwachung der
eigenen Tätigkeit
 Selbstökonomisierung – aktive Produktion und Vermarktung der eigenen
Fähigkeiten und Leistungen
Selbstrationalisierung – bewusste, eigene Durchorganisation von Alltag
und Lebensverlauf, Entgrenzung von Arbeit und Leben
o Mehr Autonomie, aber auch mehr Selbstausbeutung
o Individualisierung der Verantwortung beim scheitern
- Niedriglohnsektor gleichzeitig erheblich gewachsen (siehe oben)
o Kaum Reallohnzuwächse
 Entstehung eines neuen Prekariats
o Instabile, gefährdete unsichere Arbeitsverhältnisse
o Werden als negative Abweichung vom Standart erlebt
o Atypisch nicht gleich prekär, aber atypisch höheres Prekaritätsrisiko
Prekariat
- Arbeitet überproportional im Dienstleistungssektor
- Ist überproportional weiblich
- Jünger als der Durchschnitt
- Häufig Migrationshintergrund
- Oft qualifizierter Berufsabschluss
- Bezieht teilweise ergänzende Leistungen nach SGBII
Mögliche Alternativen
- Qualifizierung und Bildung als Schlüsselfaktoren
- Verkürzte Vollerwerbstätigkeit für alle
- Veränderte Arbeitsteilung im Bereich unbezahlter Familienarbeit
- Bedingungsloses Grundeinkommen
Arbeitsverhältnisse
1. Normalarbeitsverhältnis
a. Vollzeit
b. Unbefristeter Vertrag
c. Existenzsicherndes Einkommen
d. Tariflicher, gesetzlicher, sozialversicherungspflichtiger Schutz
e. Identität von Arbeitgeber und Einsatzort
2. Atypische Beschäftigung
a. Teilzeitarbeit/ Minijobs/ geringfügige Beschäftigung
b. Befristete Verträge
c. Scheinselbstständigkeit
d. Niedriglöhne
e. Arbeit ohne Tarifvertrag, Betriebsverfassung, Sozialversicherung
f. Leiharbeit

Geld
- Zentrales Medium gesellschaftlicher Lebenschancen
- In vormodernen Gesellschaften viel weniger wichtig
- In modernen Gesellschaften werden Güter primär für den Tausch produziert –
überwiegende Teil wird zu Waren
o Meisten Güter und Dienstleistungen müssen mit Geld gekauft werden
- Zunehmende Wichtigkeit durch die zunehmenden Interdependenzen
- Verfügung über Geld in Form von Einkommen und Vermögen als zentrale
Voraussetzung für individuelle Lebenschancen
- Geld als allgemeines Äquivalent (Marx)
o Kann den Wert aller anderen Waren einfach und einheitlich ausdrücken –
Anzeiger des Tauschwerts
o Alle qualitativen Unterschiede der Waren ausgelöscht
 Ermöglichung der unbegrenzten Akkumulation
 Nur noch als Zahlen dargestellt
 Geldform als Voraussetzung für unbegrenzte Akkumulation
Einkommensarten und -begriffe
- Erwerbseinkünfte – Löhne aus abhängiger Erwerbsarbeit
- Sozialeinkommen – öffentliche Transferleistungen
- Vermögens- (Zinsen, Mieten und Vermögensauflösungen) und kapitaleinkommen
(Gewinne, Dividenden)
- Einkommen aus nicht öffentlichen Transferzahlungen (z.B. Unterhalt)
- Nominaleinkommen – Einkommen in den laufenden Preisen
- Realeinkommen – Einkommen nach tatsächlicher Kaufkraft
- Unterscheidung zwischen –
o Individualeinkommen
o Haushaltseinkommen
- Bruttoeinkommen – Steuern und Beiträge = Nettoeinkommen
Zur Messung individueller Lebenslagen
- Äquivalenzgewichtete Nettohaushaltseinkommen (NHE nach
Konsumeinheiten/bedarfsgewichtetes Pro-Kopf-Haushaltseinkommen)
o Wichtig für die Messung von Armut
- Nettohaushaltseinkommen (NHE) – Nettoeinkommen aller Haushaltsmitglieder
- NHE : Anzahl der Personen im Haushalt. = Pro-Kopf-Nettohaushaltseinkommen
- NHE : Anzahl der Konsumeinheiten = Äquivalenzeinkommen
o In DEU etwa 1800-1900
- Konsumeinheiten: neue OECD-Skala:
Haushaltsvorstand: 1
weiterer Erwachsener: 0,5 (früher 0,7)
Kinder bis 14 Jahre: 0,3 (früher 0,5)
Deutliche mehrheit bei Erwerbseinkünfte
Unterkomplexe darstellung
Informationslage bei den sehr hohen Einkommen sehr schlecht

Vermögen und Vermögensverteilung


- Gesamtheit aller Geldmittel und jener Güter, eines privaten Haushalts, die einen
Geldwert besitzen und verkäuflich sind
- Arten
o Geld- und Kapitalvermögen
o Immobilienvermögen
o Betriebsvermögen
- Nettovermögen = positiven Vermögensbestände – Schulden
- Unterscheidung von
o Individualvermögen
o Haushaltsvermögen
Gini-Koeffizient
- Gängiges Maß zur Messung der Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen
- Misst die Abweichung der Vermögen vom Idealzustand (vollkommene Gleichverteilung
= 0) zu Fall, dass alles auf eine(n) Merkmalsträger(in) verteilt ist

Teilung in 10%-Schritte
- Obersten 1% etwa 30% Prozent des Gesamtvermögens
- Obersten 0,1% etwa 16% des Gesamtvermögens
In Ostdeutschland weniger Superreiche – geringere Ungleichheit nach Gini
- Einkommensungleichheit in Deutschland seit 1990
o Hat seit Beginn der 1990er stark zugenommen
 Ursachen
 Zunahme von Armut und Reichtum
o Besonders starker Anstieg seit 1999
 Vor allem wegen gestiegener Bedeutung von kapitaleinkommen
o 2005 erster Höhepunkt
 Danach Entspannung wegen verbesserter Arbeitsmarktsituation
 Kompensation von weiter steigenden Kapitaleinkommen
o 2009 Kapitaleinkommen krisenbedingt leicht rückläufig
 Steigen danach wieder an
 Im Oktober 2018 höher als 2005
- Mittelschicht schrumpft
- Hocheinkommensbezieher nehmen stark zu seit 1991
- Niedrigeinkommensbezieher nehmen ebenso stark zu
Deutschland früher eher kleiner Niedriglohnsektor
- Seit 1995 erheblich gewachsen
o Inzwischen ähnlich zu den USA oder Großbritannien
Seit 1. Januar 2015 flächendeckender, gesetzlicher Mindestlohn von 8,84
- 01.01.19 auf 9,19 / 01.01.2020 auf 9,35
- Niedriglohnbeschäftigte
o 2 Drittel Frauen (knapp 70%)
o 2 Drittel mit Berufsausbildung (67,2%)
o 50% sind in Vollzeit beschäftigt
o Allermeisten Minijobber (85,8% der Minijobber)

Armut
3 verschiedene Konzepte zur Messung
- Monetär
o Am weitesten Verbreitet
o Differenziert zwischen absoluter und relativer Armut (KK2)
o Misst Armutgefährdungsquote (KK3)

Frauen etwas häufiger von Armut gefährdet


- Vor allem Alleinerziehende und Arbeitslose sind von Armut gefährdet
- Auch viele Nichterwerbstätige betroffen

Reichtum

Spannagel 2016/S.8
- Seit 1991 stetig gestiegen
- Bei hohem Einkommensreichtum 2007 vorl. Höhepunkt 2,09%
- Danach leichter Abfall wegen sinkenden Kapitaleinkommen
Ungleichverteilung
- Ungleichverteilung des Vermögens ist wesentlich ausgeprägter als die
Ungleichverteilung der Einkommen
o Gini-Koef. Einkommen: 0,29
o Gini-Koef. Vermögen: 0,78
- Innerhalb des Euro-Raums hat Deutschland mit eine der höchsten
Vermögensungleichheiten
„Superreiche“
- Innerhalb der Reichen
o Personengruppe deren Einkommen und Vermögen zu immer neuen Quellen von
Einkommen und Vermögen werden
o Daten zu dieser Gruppe von Vermögen sind besonders unzuverlässig und selten
 Unzureichende Kenntnis über diese vielleicht sogar Voraussetzung?
(Huster 2001: 12)
o Reichste Prozent in Deutschland: 31 -34% des Gesamtvermögens
o Reichsten 0,1 Prozent in Deu: 14-16% des Gesamtvermögens

Soziale Ungleichheit
Theorien sozialer Ungleichheit
- Implizieren Normvorstellungen
o Von wertvollen Gütern
o Von einer gerechten Verteilung dieser gerechten Güter
- Diese Vorstellungen müssen nicht konstant bleiben
- Diese Vorstellungen sind mehrdimensional
 Begriff der sozialen Ungleichheit ist historisch und kulturell variabel
 Kann niemals objektiv sein
 Modelle sozialer Ungleichheit geben nur ihre Sichtweise wieder, was wichtige Ursachen
und Merkmale dieser sind
- Reflektieren immer ihren historischen Bedeutungskontext
- Haben Stärken und Schwächen
- Unterscheiden zwischen
o Determinanten – Einfluss-/ Erklärungsfaktoren soz. Ungleichheit
 Askriptive Merkmale – von Geburt an zugeschrieben
 Erworbene Merkmale – später erworben
o Dimensionen sozialer Ungleichheit – Ebene auf denen sich soz. Ungleichheit
ausdrückt
Legitimationsweisen sozialer Ungleichheit
- Alle Gesellschaften regulieren den Zugang ihrer Mitglieder zu sozialen Position
o Falls Regulierung stabil und als legitim anerkannt -> Herrschaft
o Klassische Legitimation
 Minderwertigkeit bestimmter Menschen von Natur aus
 Unveränderlichkeit und göttlicher Segen einer Sozialordnung
 Meritokratisches Prinzip
 Aber: alle diese Legitimationsprinzipien können auch wieder delegitimiert werden

Ständewesen
- Wichtigste Determinante: Geburt (askriptiv)
- Wichtigsten Dimensionen
o Standesrechtliche Privilegien
o Rechte und Pflichten
 Besteuerung, Wahlrecht, Wohnrecht, Erwerbsmöglichkeiten,
Bildungsmöglichkeiten, Kleidung, Heirat, Lebensweise
- Legitimation durch Glaube und Tradition
- Ständeordnungen des Mittelalters
o Weitgehend statisch
 Galt als gottgegeben, natürlich und unveränderlich
Änderte sich mit der Aufklärung und der industriellen Revolution
- Reformation als Katalysator
- Pest als Katalysator
- Bauernaufstände zeigen Erschütterung des Glaubens

Klasse Karl Marx


- Zentrale Determinante: Stellung zu/ Eigentum an Produktionsmitteln
- Klassenstruktur konzentriert sich auf 2 Klassen
o Bourgeoisie
 Besitzt Produktionsmittel
 Hat sie sich über einen Prozess der ursprünglichen Akkumulation
angeeignet
o Doppelt freier Lohnarbeiter
 Formal freier Staatsbürger mit dem recht seine Arbeitskraft anzubieten
 Durch die Freiheit von Produktionsmitteln zum Verkauf seiner
Arbeitskraft gezwungen
 Produziert den Mehrwert, den sich der Kapitalist aneignet
- These von der Zuspitzung de Klassengegensätze – Polarisierung
o Von der Klasse „an sich“ zur Klasse „für sich“
o Klassenkonflikt als Motor gesellschaftlichen Wandels (hist. Mat.)
Max Webers Theorie sozialer Ungleichheit
- Dimensionen
o Stellung in der Ökonomie - Klasse
o Soziales Prestige – Stand
o Gesellschaftliche macht - Partei
- Mehrere Determinanten für die Klassenzugehörigkeit
o Besitz an Produktionsmitteln
o Ökonomischer Güterbesitz (Besitzklassen)
o Leistungsqualifikationen, die zum Gütererwerb auf dem Arbeitsmarkt angeboten
werden können (Erwerbsklassen)
- Begriff der sozialen Klassen bündelt die Klassen in Großgruppen
o Innerhalb dieser besteht soziale Mobilität
o Gemeinsame Klassenzugehörigkeit muss nicht zu kollektivem
Klassenbewusstsein oder Handeln führen – eher unwahrscheinlich
Theodor Geiger 1932
- Erste, auf repräsentativen Daten basierende empirische Schichtstruktur
- Schichtbegriff als zentraler Oberbegriff
o Klasse als historischer Spezialfall sozialer Schichtung
o Analytische Trennung
 Ökonomische Lage
 Mentalität
 Typischer, aber nicht deterministischer Zusammenhang
- Analysiert die typischen Haltungen verschiedener Gesellschaftsschichten gegenüber dem
aufkommenden Nationalsozialismus
o Abstiegsgefährdung und Selbstüberschätzung
 Vor allem anfällig für NS-Ideologie
- Schichtstruktur differenziert sich
- Auftauchen eines neuen Mittelstandes von Angestellten und Beamten
- Differenziertheit des Mittelstandes
- Entschärfung der Klassenspannung
- Neue soziale Unterschiede zwischen den Lohnabhängigen
- Insgesamt wachsender Wohlstand
NS-Ideologie sozialer Ungleichheit
- Vorstellung eines homogenen nationalen Volkskörpers
- Organische Arbeitsteilung zwischen verschiedenen Gliedern des Volkskörpers
- Klassenwidersprüche gelten als abgeschafft
- Hierarchisierung zwischen Rassen/Nationen
Helmut Schelsky – Nivellierte Mittelstandsgesellschaft (1950er)
- Tendenz zur Entschichtung
o Verlust der Klassenspannungen
o Ende sozialer Hierarchien – in Deutschland vllt am meisten
- Grund –
o hochmobile Sozialstruktur mit kollektiven Auf- und Abstiegsprozessen
o Kollektiver Aufstieg der Industriearbeiter
o Kollektive Deklassierung des ehemaligen Besitz- und Bildungsbürgertums
o Egalisierung der Lebensstile durch
 Massenproduktion von Konsummitteln, Komfort- und
Unterhaltungsgütern
- Begriff der sozialen Schichtung ist für die Bundesrepublik überholt
Karl Martin Bolte
- „Bolte-Zwiebel“
- Angebliche Zusammenfassung mehrerer empirischer Untersuchungen
o Sehr empirisches vorgehen
- Etwas unklare Kriterien, wie der Statusaufbau der Zwiebel funktioniert
- Typische Determinanten – meritokratische Trias
o Bildung
o Beruf
o Einkommen
Ralf Dahrendorfs hausmodell
- Vorbild: Mentalitätsmodell sozialer Schichtung von Geiger
- Einteilung kombiniert
o Funktion der Gruppen im Herrschafts- und Wirtschaftssystem
o Soziopolitische und kulturelle Mentalitäten
 Eigene Mentalität wichtig
1. Falscher Mittelstand
 Zählen sich zum Mittelstand, sind aber eher
Dienstleistungsproletariat
2. Dienstklasse
 Genießen besondere Privilegien durch ihre besondere Beziehung
zu den Eliten
- Sieht empirische Basis als informierte Willkür
Ulrich Beck Individualisierungsgesellschaft (1983)
- Keine wesentliche Veränderung von Ungleichheitsrelationen
- Verschwinden von subkulturellen Klassenidentitäten durch Niveauanhebung im Bereich
Einkommen und Bildung
- Diversifizierung und Individualisierung von Lebenslagen und Lebenswegen
o Unterlaufen das Hierarchiemodell sozialer Klassen und Schichten
- Folgen des individualisierungsschubs
o Individuen werden freier
 Auflösung traditioneller industriegesellschaftlicher Lebensformen und
Versorgungsbezüge
 Neue biographische Lebensläufe und sozialisationsformen
 Pluralisierung der Lebensstile
 Individualisierung der Verantwortung
o Individuen werden unsicherer
 Verlust traditioneller Sicherheiten
 Zwang zur Gestaltung der eigenen Biographie aus einer Menge an
Möglichkeiten
o Einbindung der Individuen in neue soziale und institutionelle Zusammenhänge
- Bedeutungsverlust der askriptiven Merkmale
- Soziale Ungleichheitsstrukturen nicht mehr so bedeutende Determinanten
Rainer Geißler: Kein Abschied von Klasse und Schicht

Ausländische Bevölkerung

Familie
Historische Entwicklung
- In allen Kulturen gibt es soziale Konstellationen, die für das Aufwachsen der
nachfolgenden Generationen sorgen
o Variieren zeitlich und kulturell stark
Begriff seit dem 18. Jhd. in der deutschen Umgangssprache
- Löste die Begriffe „haus“, „ganzes Haus“ oder „Weib und Kind“ ab
- Meint v.a. Eltern und Kinder
o Davor waren auch Dienstboten, Mägde und Knechte, gesellen, unverheiratete
verwandte und bedürftige Nicht-verwandte gemeint
- Stammt ab von Familia = Hausgenossenschaft und Famula = Diener
Ab dem 18. Jhd. bürgerliche Kern- oder Kleinfamilie als gesellschaftsweite Norm (nur bedingt
auch als Praxis)
- Klare Grenzziehung zwischen privater Familie und der Außenwelt
- Familie als Inbegriff der harmonischen und friedlichen Privatwelt
- Trennung von
o Produktion und Reproduktion
o Arbeit und Wohnen
o Geschlechtsspezifische Zuweisung der Lebensbereiche
o Emotionalisierung der der Paarbeziehung (Ideal der romantischen Liebe)
o Enge strukturelle Kopplung von Ehe und Familie bzw. Elternschaft
 Familiengründung ist Zweck der Heirat
o Intensive emotionale Besetzung von Elternschaft
 Entdeckung von „Kindheit“ und „Mutterliebe“
- Für die proletarischen Klassen bis nach dem WWII ein bürgerliches Ideal, welches nicht
erschwinglich war
Aktuelle Entwicklungen
Pluralisierung der Lebensformen
o Erhöhung der Entscheidungsfreiheit in welchen Lebensformen Menschen leben
wollen
o Lebensformbegriff:
 Relativ beständige Konstellation, in denen Menschen im Alltag mit den
ihnen am nächsten stehenden Menschen zusammenleben
o Ursachen u.a.
 Wertewandel
 Wohlstandswachstum
 Säkularisierung
 Bildungsexpansion
 Individualisierung
 Frauenexpansion
o Begriff der privaten Lebensformen in der Soziologie seit den 70er
 Entsteht als bürgerliche Kleinfamilie normierende Kraft verliert
o Modernisierungstheoretische Annahmen
 Pluralisierung der Lebensformen in der postindustriellen
Wissensgesellschaft
o Nebeneinander und die weitgehende Gleichberechtigung sehr unterschiedlicher
Lebensformen
o Normalität von privaten Lebensformen abseits der bürgerlichen Kleinfamilie z.B.
Wg, Singlehaushalte etc.
o Neuen Lebensformen sind fragiler und werden nacheinander im Lebensverlauf
gelebt
o Beinhaltet durch Rückgang von Eheschließungen und Zunahme von Scheidungen
auch neue Formen des Lebens mit Kindern und neue Formen von Elternschaft
Neue Formen von Familie und Elternschaft
- Familiengründung als mögliche Option – kein Zwang
- Entfamiliarisierung der Frauen durch verstärkte Bildungs- und Erwerbsbeteiligung
o Modernisierte Versorgerehe
o Doppelverdienermodell
- Anstieg des Erstgeburtsalters (aktuell 32J)
- Entfamiliarisierung der Kinder
o Stärkere Einbindung in außerfamiliäre Institutionen
- Fortschreitende Vergesellschaftung der Familie
o Dichter werdendes Netz gesetzlicher Regelungen
- Erodierung der institutionellen Kopplung von Ehe und Familiengründung
- Abnahme von Heterosexuellen Normen
Bedeutung der Eheschließung
- Riten, welche die Verbindung und die daraus erwachsenden Pflichten der Partner
öffentlich legitimieren existieren in fast allen Gesellschaften
o Kulturell stark variabel
- Ehe als durch Sitte und Gesetz auf Dauer angelegte Form von Paarverhältnis
o Schutzverhältnis
o Gewaltverhältnis des Mannes gegenüber der Frau
- Bereitschaft zur Ehe nimmt ab
- Durchschittliches Eheschließungsalter steigt
o 1975 bis 2014
 Männer: 25 auf 34
 Frauen: 22 auf 31
- Seit dem 1.10.2017 Eheschließung auch für homosexuelle Paare erlaubt

Ursachen für die Zunahme von Scheidungen


o Gesunkene ökonomische Notwendigkeit stabiler ehelicher Gemeinschaften durch
 Steigerung des Wohlstandsniveaus
 Größere ökonomische Unabhängigkeit der Frauen
o Gewachsenes Anspruchsniveau an Ehe
o Zunehmende soziale Akzeptanz von Scheidungen („Scheidungsspirale)
o Soziale Vererbung des Scheidungsrisikos (Scheidungstransmission)
Abkehr vom Biologismus der Familie
Vaskovics (2009)
Vier Segmente von Elternschaft
- Können zusammen- aber auch auseinanderfallen
1. Biologische oder natale Elternschaft
2. Genetische Elternschaft
3. Rechtliche Elternschaft
4. Soziale Elternschaft
Aktuelle Entwicklungen
- Familie nicht mehr gleichzusetzen mit Haushalten
- Haushalt als Lebensform in der Menschen sowohl zusammenleben, als auch zusammen
wohnen und wirtschaften
 Haushalt als sozioökonomische Wohn- und Wirtschaftseinheiten
Statistische Abgrenzung von Familie und Haushalt

2005/06
Aufwachsende Kinder mit verheirateten Eltern
- WD: 70%
- OD: 50%
Aufwachsende Kinder mit nicht verheirateten Eltern
- WD: 5%
- OD: 14%
Jahr 2014
- Nur noch 24% der Haushalte traditionelle Familienhaushalte mit
o Vater, Mutter und x Kindern
- Aber: etwa die Häflte aller Personen leben immer noch in Familien zusammen
Multilokale und binukleare Familien
- Multilokal: Familie, welche jenseits der Hausgemeinschaft fortdauert
o Familialen Bezieheungen im engen Austausch, aber
o An unterschiedlichen Orten
- Lässt sich statistisch nur schwer messen
o Anteil an alleinstehenden und alleinerziehenden wird häufig überschätzt
Aktualisierter Familienbegriff
- Mindestens eine Eltern-Kind-Beziehung
- Berücksichtigt, dass Familie durch das Innehaben mindestens einer Eltern-Position
konstituiert wird
o Nicht hinreichend: Geburt eines Kindes, gemeins. Wirtschaften und Haushalten
Familie als: in Generationenbeziehungen personalisierte Care-strukturen, die durch
Übernahme einer Mutter- und/oder Vater-Position im Lebensalltag des Kindes
generiert werden (Lenz 2013)
Gleichstellung der Lebensformen
 Keine Lebensform bevorzugt
 Alle Menschen gleiche Existenzberechtigung für die von ihnen gewählte
Lebensform
 Möglichkeit von freien Zusammenschlüssen ohne Unterdrückung und
Gewalt