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Begriff Modernisierung

- Stammt aus dem französischen bzw lateinischen (heutig, neuzeitlich)


Schäfers (2003: 246)
Bezeichnung für die mit der Aufklärung und den Wirkungen der Doppelrevolution (pol.
Revolutionen/ ind. Revolution) einsetzende Umgestaltung traditionaler Gesellschaften nach
Maßgabe von
- Welt und Lebensauffassungen nach Vorgaben der Vernunft
- Autonomie und Freiheit
- Demokratie und Menschenrechten
- Rationalität und Gesellschaftsplanung

Die Moderne Gesellschaft


- Zunehmende Diskussion über die Anwendung moderner Ideen auf das politische Leben
(besonders in England und Frankreich)
o Entstehung des aufgeklärten Absolutismus/ Merkantilismus
o Amerikanische Unabhängigkeitserklärung 1776
o Erklärung der Menschen und Bürgerechte 1789 (Franz. Revolution)
- Grundsätzlichen Ideen
o Pol. Herrschaft bedarf einer vernünftigen Legitimation
o Egalisierung des Rechts – gilt für alle Menschen gleich
o Legitimation soz. Ungleichheit durch Meritokratie
▪ Erhöhte Möglichkeit soz. Mobilität
- Staat als Gesellschaftsvertrag
Erfindung der Nation
Begriff der Nation
- Bezug auf Staatlichkeit
o Phänomen der Moderne
- Nation ist die Gemeinschaft von Staatsbürgern
o Demokratische Massenteilhabe – kollektive Souveränität
- Eine Nation hat ein Territorium
- Angebliche Homogenität
Aber: Sinnvolle Abgrenzung nach objektiven Kriterien ein Problem und nach
Selbstverständnis tautologisch
- Bildung oftmals durch Machtpolitik getrieben
o Durch Abgrenzung nach außen
o Zerstörung anderer Kulturen
- Unklarheit der Abgrenzung macht den Begriff so brauchbar für unterschiedlichste
politische Forderungen
o Prägend für die politischen Entwicklungen in der Moderne
Modernisierung in Deutschland
- Erst ab der Mitte des 19. Jhd. gesellschaftliche Modernisierung
- Moderne Gesellschaft erst ab der Mitte des 20. Jhd.
o Inklusive der Durchsetzung mod. Gedankenguts
Simmel - Großstädte
- Geschwindigkeit
- Intellektualität und Verstandesherrschaft
o Folge der Verbreitung der Geldwirtschaft
o Unbarmherzige Sachlichkeit in den menschlichen Beziehungen
o Hohes Maß an persönlicher Freiheit für das Individuum
o Oft Einsamkeit als Problem

Moderne Sozialstrukturen
- Funktionale Differenzierung
o Prozess der zunehmenden Arbeitsteilung
o Ausdifferenzierung gesellschaftlicher Subsysteme
o Ermöglicht
▪ Spezialisierung
▪ Rationalisierung
o Durchsetzung zweckrationaler Logiken
o Entwicklung der Bürokratie
o Zunehmende Interdependenzen der Subsysteme
o Paradoxien
▪ Maßstabsverkleinerung bei zunehmendem Kooperationsbedürfnissen
▪ Pluralisierung von Normen und Werten bedingt eine Universalisierung
von Normen
- Bevölkerungswachstum ab ca. 1750
o Zunahme auf dem Gebiet des deutschen Reiches von 1816 bis 1910 von 35,5
Mio. auf 65 Mio.
- Massenwanderungen
o Ost-West-Fernwanderungen (v.a. von jungen Männern) von den östlichen
Agrarregionen in die westlichen Industriezentren
o Vom Land in die Stadt (v.a. junge Frauen)
- Urbanisierung
o Von überwiegend ländlich zu mehrheitlich städtisch siedelnde Bevölkerung
o Zunahme der deutschen Großstädte von 8 auf 48 (1871 bis 1919)
- Wohlstandswachstum
o Erhöhte Produktivität
▪ Zeitlich verzögert – Massenwohlstand und Massenkonsum
▪ Aber: soziale Ungleichheit immer noch sehr uneinheitlich
- Bürgerliche Kleinfamilie als Leitbild
o Tatsächliche Durchsetzung nach dem 2. WK bei der Arbeiterklasse
- Veränderte Geschlechterrollen
o Ungleichheit und Ideologie der Naturhaftigkeit von Geschlechtsunterschieden
zwischen den Geschlechtern verschärft sich
o Zugleich verstärkte Emanzipationsforderungen
- Bildungsexpansion und Polarisierung des Bildungssystems
▪ Alphabetisierung
- Entstehung sozialer Massenbewegungen
▪ Einforderung von Rechten – basiert auf dem Gedankengut der Aufklärung
- Institutionalisierung eines sozialen Sicherungssystems – Sozialstaat
o Gedanke, dass der Staat den Bürger gegen die Unwägbarkeiten des Marktes
schützen sollte

Wege in und durch die Moderne


Therborn
Endogener europäischer Weg
- Befürworter und Gegner der Moderne sind endogen
- Motoren der Modernisierung
o Bürgerkriege
o Klassenkonflikte
o „Ismen“
Neuen Welten der Siedler
- Modernisierungsgegner bleiben in Europa
- Konflikte über Zugehörigkeiten zur Neuen Welt
- Ethnische geprägte Auseinandersetzungen – Ausrottung der indigenen Bevölkerung
- Adelige sind nicht ausgewandert
o Wenige Eliten zugegen – wenig Handhabe gegen Modernisierungsbestrebungen
Kolonialer Weg
- Modernisierung kommt von außen – gewaltsam
- Später Übernahme der modernen Grundideen von den Kolonisierten
o Unabhängigkeitskämpfer oft in Europa studiert
- Tiefsitzendes kulturelles Trauma
- Kluft zwischen Gesellschaften und staatlichen Eliten
Reaktive Modernisierung
- Reaktion auf die Dominanz moderner Industriestaaten
- Elite importiert ein Teil der modernen Merkmale

Kritik
- Zu lineare Geschichtskonstruktion
- Unterschätzung negativer Folgeerscheinungen der Moderne
- Übergeneralisierung
- Ethnozentrismus
- Erschütterung der Vorstellung, dass sich alle Gesellshchaften nach einer relativ
einheitlichen Logik entwickeln