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EÖR-Zusammenfassung Okt. 2017

Wirtschaft im rechtlichen Kontext - Europäisches und öffentliches Wirtschaftsrecht I


(Wirtschaftsuniversität Wien)

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Innerstaatliches Organisationsrecht

Staatsgewalt
Gesetzgebung (Legislative), Vollziehung – (Judikative) und (Exekutive)
Bund und Bundesländer haben Antiel an allen drei Staatsgewalten, beschränkt auch
Selbstverwaltungskörper

Die drei Gebietskörperschaften


juristische Person des öffentlichen Rechts, werden durch Verfassungsgesetz eingerichtet,
Hoheitsgewalt, Träger von Rechten und Pflichten
Bund – Gesetzgebungsorgane des Bundes sind Nationalrat und Bundesrat, oberste
Verwaltungsorgane sind Bundesregierung, Bundesminister, Bundespräsident,
Kontrollinstanzen für Gesetzgebung, Verwaltung und Gerichtsbarkeit sind VfGH, VwGH, OGH
– gleichberechtigte Höchstgerichte
Länder – Gesetzgebungsorgane sind Landtage, höchstes Verwaltungsorgan sind
Landesregierung (bst. aus Landesräten und Landeshauptmann), Anteil an Staatsfunktion
Gerichtsbarkeit durch Landesverwaltungsgericht
Gemeinden – nur bestimmte Angelegenheiten der Verwaltung, keine
Gesetzgebungskompetenz/Gerichtsbarkeitskompetenz, Organe: Bürgermeister,
Gemeindevorstand, Gemeinderat

Verfassungsrechtliche Grundlagen
Die österreichische Bundesverfassung – enthält Grundregeln für funktionieren des Staates
z.B. Demokratie, 9 Bundesländer, gesetzgebende Organe sind NR, BR und Landtage,
Normerzeugungsregeln (wie darf Recht erzeugt werden), Bestimmung der obersten
Staatsorgane, Grundrechte
Aufgrund Leitfunktion besonderer Rang durch erschwerte Abänderbarkeit
Präsenzquorum – Anwesenheit der Hälfte der Abgeordneten des NR
Konsensquorum - zwei Drittel müssen zustimmen
Grafik „Gegenüberstellung Erzeugungsregeln von Gesetzen im NR“ siehe S. 8

Grundprinzipien der österreichischen Bundesverfassung - können nur durch


Gesamtänderung der Bundesverfassung (impliziert Volksabstimmung) geändert werden z.B.
bei EU-Beitritt, Grundprinzipien sind nicht ausdrücklich formuliert oder gekennzeichnet
sondern ergeben aus Gesamtzusammenhang der Verfassung
Demokratisches Prinzip – Österreich ist Demokratie, parlamentarische Demokratie
(Gesetzgebung durch gewählte Organe, also repräsentative Demokratie

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Elemente der direkten Demokratie –


• Volksbegehren (führt bei Unterstützung durch mehr als 100.000 Personen zu
verpflichtenden Behandlung im NR)
• Volksabstimmung (Gesetzes- oder Verfassungsänderung wird zur Entscheidung
vorgelegt, Ergebnis ist bindend)
• Volksbefragung (Frage zur Abstimmung, Ergebnis ist nicht bindend)

Organe der Vollziehung z.T. bei Bürgermeister und Bundespräsident direkt demokratisch
gewählt
Republikanisches Prinzip – zeitlich begrenzte, politische und rechtlich verantwortlichen
Position des Bundespräsidenten, kann bei Verletzung der Bundesverfassung durch Beschluss
der Bundesversammlung vor VfGH angeklagt werden, wurde durch EU-Beitritt nicht verändert
Bundesstaatliches Prinzip – Staatsfunktionen sind auf Bund und Länder aufgeteilt, kein
Vorrang zwischen Bundes- oder Landesrecht, Akte des jeweils anderen müssen aber
berücksichtigt werden
• Bund – wirtschaftlich zentrale Gesetzgebungskompetenzen
• Länder – eher im Bereich der Vollziehung durch Landesverwaltungsbehörden und
Landesverwaltungsgerichte (mittelbare Bundesverwaltung) sowie
Verwaltungsangelegenheiten der Länder (Länderverwaltung), unmittelbare
Verwaltung durch Bundesbehörden bei Finanzverwaltung/Sicherheitsverwaltung,
Mitwirkung bei Gesetzgebung durch Länder im Bundesrat – in politischer Praxis kaum
relevant durch Beharrungsbeschluss von NR, Länder können innerhalb von
Bundesverfassung eigene Verfassung haben
Bundesstaatliches Prinzip wurde durch EU-Beitritt geändert – Unionsrecht kann von
Bundes- und Landesorganen ausgeführt werden, wenn Land säumig ist bei Durchführung
dann geht Erlassung des erforderlichen Gesetzes an Bund über (Desolution), Bund muss
Länder und Gemeinden über EU-Vorhaben informieren
Grundsatz der Gewaltenteilung – Gesetzgebung, Rechtsprechung, Verwaltung müssen
getrennt sein, nicht ausdrücklich festgelegt in Bundesverfassung, ergibt sich durch
organisatorische Trennung, Trennung von Justiz und Verwaltung,
Unvereinbarkeitsbestimmungen (darf nicht gleichzeitig Bundespräsident und Mitglied bei
VfGH sein), System der „checks and balances“ – wechselseitige Kontrollen der Organe
Das rechtsstaatliche Prinzip – Macht darf nur durch verfassungsgesetzliche Vorgaben
ausgeübt werden
im formellen Sinn – Zusammenleben der Menschen wird durch Rechtsregeln bestimmt,
Durchsetzung ist dem Staat vorbehalten,
im materiellen Sinn – Rechtsordnung basiert auf Gerechtigkeit, Humanität, Freiheit,
Ordnung,
Rechte und Pflichten der Einzelperson müssen gesetzlich relativ präzise festgelegt werden
Legalitätsprinzip – gesamte staatliche Verwaltung darf nur aufgrund der Gesetze ausgeübt
werden, von Bedeutung für Vollziehen sowie Gesetzgebung, durch EU-Beitritt Verdrängung
des österreichischen durch europäisches Legalitätsprinzip – stellt geringere Anforderungen
an generelle Rechtsvorschriften
Ermessen und unbestimmte Gesetzesbegriffe –
• Handlungsermessen (Behörde kann, muss aber nicht handeln)
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• Auswahlermessen (Behörde hat Auswahl zwischen mehreren Reaktionen, muss


handeln)
• Ermessen im Sinne des Gesetzes sonst Ermessensüberschreitung oder
Ermessensmissbrauch, unbestimmter Gesetzesbegriff – gibt Spielraum für Auslegung
(was heißt Dunkle genau) entweder es ist keine exakte Umschreibung möglich oder
unpraktikabel
Rechtsschutz – behauptete Fehler von Vollziehungsakten können beseitigt oder korrigiert
werden, dien Rechtfrieden, Rechtsstaat gewährt Individuum verfahrensförmigen
Rechtsschutz, bei Unterlassung von Verfahren im Sinne des Rechtsschutzes können auch
rechtswidrige Vollziehungsakte rechtskräftig werden
Liberales Prinzip – Individuum wird in Form des Eigentumsschutzes, Freiheit der
Religionsausübung Bereich eingeräumt, in den Staat nur bedingt eingreifen darf
Staatszielbestimmungen und Gesetzesaufträge – zählen nicht zu Grundprinzipien der
Bundesverfassung, stellen „Programmauftrag“ für Gesetzgebung dar
Gleichstellung von Menschen mit Behinderung – Gleichtheitssatz besagt Verbot von
Diskriminierung wegen Behinderung sowie Staatszielbestimmung zur Gleichbehandlung von
behinderten und nichtbehinderten Menschen in allen Lebensbereichen, seit 2005 auf
einfachgesetzlicher Ebene Bundesgesetz über Gleichstellung von Menschen mit Behinderung
Gleichstellung von Frauen und Männern – Herstellung faktischer Gleichstellung sowie
verfassungsrechtliche Legitimierung von Maßnahmen zur Beseitigung tatsächlich
bestehender Ungleichheiten (z.B. Quotenregelungen)
Umwelt- und gesellschaftsbezogene Staatsziele – Bundesverfassungsgesetz über
Nachhaltigkeit, Tierschutz, umfassenden Umweltschutz, Sicherstellung der Wasser- und
Lebensmittelversorgung und die Forschung
Sicherung der Unabhängigkeit des Rundfunks – besondere Bedeutung des Mediums
Rundfunk für demokratische Gesellschaftsordnung, Verantwortung des Gesetzgebers für
funktionierende Rundfunkordnung
Immerwährende Neutralität – Österreich hat keine verfassungs- und völkerrechtliche
Verpflichtung mehr zu Neutralität durch Verfassungsänderung kann an humanitären
Aufgaben und Rettungseinsätzen, friedenserhaltenden Aufgaben sowie Kampfeinsätzen bei
der Krisenbewältigung einschließlich friedensschaffender Maßnahmen teilnehmen.
Weitere Staatszielbestimmungen und Gesetzesaufträge – Verbot nazistischer Tätigkeit,
umfassende Landesverteidigung, Schutz verschiedener Volksgruppen, gesamtwirtschaftliches
Gleichgewicht
Soziale Marktwirtschaft – nicht explizit in Bundesverfassung aber durch
Verfassungsvorschriften und Wirtschaftsgrundrechten kann man marktwirtschaftliches
System ableiten, einfachgesetzliche Regelungssysteme zu Sozialversicherungsrecht,
Pensionssystem usw. weisen auf soziale Marktwirtschaft hin, wird durch Unionsrecht zu
wettbewerbsfähigem, sozialen marktwirtschaftlich funktionierenden Binnenmarkt überlagert
Landesverfassungen – dürfen selbst Verfassungen haben die nicht gegen Bundesverfassung
verstoßen
Einfache Gesetze – regeln Steuerungs- und Ausgestaltungsinstrumente für Sachbereiche,
Verfahren und organisatorische Rahmenbedingungen, sind da um geordentes

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Zusammenleben der Gesellschaft zu ermöglichen und regeln so verschiedene


Lebenssachverhalte
Stufenbau der Rechtsordnung – von obersten abstrakten Normen über mehrere Stufen zu
konkreteren Rechtsnormen, Rechtssetzung ist stets an übergeordnete Norm gebunden
Grafik „Stufenbau der Rechtsordnung“ siehe S. 24

Gesetzgebung
Abstrakte Normen (Gesetze) werden von Gesetzgebungsorgangen (NR, BR, Landtage)
geschaffen
„generell-abstrakt“ weil für Allgemeinheit verbindliche Wirkung
„individuell-konkret“ beziehen sich auf bestimmte Person (Bescheid, Urteil)
Bundesgesetzgebung – Bundesgesetze werden von NR und BR gemeinsam erlassen,
Initiative meist durch Regierungsvorlagen, diese werden im NR beraten und bei 3 Lesungen
diskutiert
• 1 Lesung – Beratung über allgemeinen Inhalt des Gesetzesvorschlages und
Zuweisung an Ausschuss
• 2 Lesung – Berichterstattung der Ergebnisse des Ausschusses, General- und
Spezialdebatte
• 3 Lesung – Abstimmung im Plenum
Einfaches Gesetz – ein Drittel der Abgeordneten muss anwesend sein, die Hälfte muss für
Gesetz stimmen, danach Übermittlung des Gesetzes an BR zwecks Einspruchverfahren, nach
Beendigung des Verfahrens muss Bundespräsident verfassungsmäßiges Zustandekommen
beurkunden, Bundeskanzler zeichnet dies gegen, Kundmachung des Gesetzes durch den
Bundeskanzler
Grafik „Verfahren im NR“ siehe S. 29
Nationalrat – 183 Abgeordnete, Kollegialorgan, wird alle 5 Jahre durch allgemeine, freie,
gleiche und geheime Wahlen gewählt
Bundesrat – stellt Länderkammer dar, Mitglieder werden vom Landtag gewählt, kann nur
„suspensives Veto“ gegen Gesetzgebung erwirken, Nationalrat kann Veto durch
Beharrungsbeschluss fassen
Grafik „Mitwirkung des Bundesrates“ siehe S. 29

Gesetzgebung der Länder – erfolgt durch jeweiligen Landtag, Mitglieder werden durch
Landesvolk gewählt, Mitwirkung des Bundes bei Landesgesetzgebung über Abgaben

Vollziehung
Akte der Konkretisierung und Durchsetzung
Legalitätsprinzip - Vollziehung darf nur aufgrund der Gesetze ausgeübt werden
Für den Staat handeln Personen in Vertretung für den Staat

Organe - vom Gesetz vorgesehene Einrichtungen, die Staatsaufgaben wahrnehmen, z.B.


Nationalrat ist Organ der Gesetzgebung, Polizist ist Organ öffentlicher Sicherheitsverwaltung,
BVB ist Organ der Landesverwaltung

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OrganwalterInnen – natürliche Person die Organ ausführt


Organ im organisatorischen Sinn – z.B. BVB Landesorgan der Landesgesetzgeber ist
zuständig, ihre Organisation zu regeln
Organ im funktionellen Sinn – z.B. wenn BVB in mittelbaren Bundesverwaltung tätig wird
dann ist es funktionell ein Bundesorgan
Behörden – verfügen über rechtliche, durch Gesetz verliehen Fähigkeit einseitig verbindliche
Rechtsakte zur Vollziehung von Gesetzen zu erlassen (Bescheide, Urteile, Verordnungen)
Kollegialorgane, monokratische Organe (Behörden) – wenn Willensbildung durch
mehrere Personen (Organwalter) erfolgt z.B. Bundesregierung, Gemeinderat

Vollziehung: Gerichtsbarkeit und Verwaltung


Gerichtsbarkeit – gliedert sich in ordentliche Gerichtsbarkeit und Gerichtsbarkeit des
öffentlichen Rechts, wird von unabhängigen, unabsetzbaren, unversetzbaren Organen
(Richtern) ausgeübt, auch übergeordnetes Gericht hat keine Weisungsbefugnis an
untergeordnetes Gericht
Ordentliche Gerichte – Streitigkeiten zwischen Privatpersonen, Vollziehung des Strafrechts,
sind Bundesbehörden in Vollziehung und Gesetzgebung über Zivil- und Strafrecht
Gerichtsbarkeit des öffentlichen Rechts – hoheitlich handelnder Staat bei Erfüllung der
Staatsaufgaben
Unterscheidung in öffentliches und privates Recht ist wichtig, Unterschied ob Gerichte des
öffentlichen Rechts oder ordentliche Gerichte zuständig sind
Grafik „Staatsfunktionen“ siehe S. 33

Verwaltung
Hoheitsverwaltung – wo öffentliches Recht von Verwaltungsbehörden vollzogen wird,
Rechtsschutz gegen Entscheidungen der Verwaltungsbehörden ist durch Gerichte des
öffentlichen Rechts gewährleistet
Weisungsgebundenheit – hierarchische Ordnung der staatlichen Verwaltung, jeweils
nachgeordnete Organe sind den übergeordneten Organen weisungsgebunden
Legalitätsprinzip – gesamte staatliche Verwaltung kann nur aufgrund von Gesetzen
ausgeübt werden, jeder Verwaltungsakt muss in Gesetz begründet sein
Einfaches Verwaltungshandeln – wenn Behörden und Organe keine hoheitlichen Akte
erlassen sondern z.B. Gesetzesentwürfe erstellen, Urkunden ausstellen, Entscheidungen
vorbereiten dann versteht man dies unter schlichter Hoheitsverwaltung
Bundesverwaltung – Bundespräsident, Bundesregierung als Kollegialorgan, Minister und
Bundeskanzler als monokratisches Organ, sind alle gleichgeordnet – besteht kein
Weisungszusammenhang zwischen ihnen, bei Bundesministeriengesetz sind einzelne
Sachgebiete den Ministern zugeordnet
Unmittelbare Bundesverwaltung – es werden bundeseigene Behörden tätig (eher
Ausnahme), entsprechende Entscheidung ob etwas unmittelbare Bundesverwaltung betrifft in
jeweiligen Materiengesetz (einfache Gesetze)

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Mittelbare Bundesverwaltung – wenn Angelegenheiten der Bundesverwaltung von


Landesbehörden vollzogen werden, Landesbehörden werden dann funktionell für
Bundesbehörden tätig, es besteht dann Weisungszusammenhang zwischen Bundesbehörden
und Landesbehörden, Vermeidung von doppelter Verwaltungsorganisation, Länder werden
stärker an Staatsgewalt beteiligt, in mittelbaren Bundesverwaltung entscheiden über
Beschwerden gegen Bescheide der Verwaltungsbehörden die Landesverwaltungsgerichte
Landesverwaltung – wird von Landesbehörden besorgt, politische Bezirke werden von BVB
verwaltet, Spitze einer BVB ist BH, Landesregierung als Kollegialorgan ist gegenüber BVB
weisungsbefugt, über Beschwerden gegen Landesverwaltungssachen entscheiden
Landesverwaltungsgerichte
Gemeinden – Angelegenheiten, die im ausschließlichen oder überwiegenden Interesse der
örtlichen Gemeinschaft gelegen, geeignet und durch Gemeinschaft innerhalb örtlicher
Grenzen besorgt werden (z.B. örtliche Sicherheitspolizei), Instanzenzug ist zweigliedrig –
Bürgermeister als erste Instanz, Gemeinderat als zweite, nur im Rahmen des
Wirkungsbereiches in der Gemeinde, danach besteht noch Möglichkeit der Beschwerde an
Verwaltungsgerichte, in Angelegeheiten des eigenen Wirkungsbereiches besteht kein
Weisungsrecht durch Bundes- oder Landesbehörde, Gemeinde steht aber unter staatlicher
Aufsicht, Gemeinden haben auch übertragenen Wirkungsbereich und werden je nach
Kompetenztatbestand funktionell für Land oder Bund tätig
Andere Selbstverwaltungskörper – ähnlich wie bei Gemeinden (eigener und übertragener
Wirkungsbereich, staatliche Aufsicht und Weisungsfreiheit vs. Weisungsbindung) Beispiele
dafür sind ÖH, Sozialversicherungsträger, Kammern
Privatwirtschaftsverwaltung – wenn Staat als Privatperson handelt, Verträge unterliegen
dann wie zwischen Privatpersonen der Kontrolle ordentlicher Gerichte
Grafik „Verwaltung und gerichtlicher Rechtsschutz in Österreich“ siehe S. 39

Die Akte der Vollziehung


z.B. Urteil (ordentliche Gerichte) oder Erkenntnis (Gerichtsbarkeit des öffentlichen Rechts),
Beschluss bzw. Verordnung, Bescheid bzw. Akt unmittelbarer verwaltungsbehördlicher
Befehls- und Zwangsgewalt, diese Akte unterliegen nachprüfenden Kontrolle durch Gerichte
Akte der Gerichtsbarkeit: Urteil, Erkenntnis, Beschluss – Urteil und Erkenntnis sind
individuell-konkrete Rechtsakte, bestimmte Rechtssubjekte werden zu bestimmtem
Tun/Unterlassen verpflichtet, Beschlüsse sind individuell-konkrete Enscheidungen der
Gerichte, meist Entscheidungen über prozessuale Angelegenheiten
Akte der Verwaltung: Bescheid, Verordnung, Akt unmittelbarer verwaltungsbehördlicher
Befehls- und Zwangsgewalt, Weisung, einfaches Verwaltungshandeln, privatwirtschaftliches
Verwaltungshandeln
Bescheid – individueller-konkreter Akt, verfahrensgebundene Entscheidung in konkreter
Verwaltungssache
Verordnung – von Verwaltungsbehörde erlassene generelle-abstrakte Norm, zur
Konkretisierung gesetzlicher Bestimmungen, materiell (inhaltlich) gesehen ein Gesetz, formell
ist ein Verwaltungsakt da von Verwaltungsbehörde erlassen

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Akte unmittelbarer Befehls- und Zwangsgewalt – Handlungen eines Organs einer Behörde
aufgrund eines Gesetzes ohne vorhergehendes Verfahren
Weisungen – „Befehle“ übergeordneter Organe an untergeordnetes Organ, richten sich
immer nur an staatliche Organe, können generell-abstrakt oder individuell-konkret sein
Einfaches Verwaltungshandeln – beschreibt formloses Handeln (auch wenn es zur
Vollziehung von Gesetzen geschieht)
Privatwirtschaftliches Verwaltungshandeln – wenn Staat als mit gleichen Mitteln wie
Privatperson handelt

Rechtsschutz bei der Vollziehung


Fehlerhafte Entscheidungen einer Verwaltungsbehörde oder Gerichtes müssen von
übergeordneter Behörde auf Gesetzmäßigkeit überprüft werden können
Rechtsmittel gegen zivilrechtliche Entscheidungen sind Berufung, Rekurs, Revision, und
Revisionskurs, höchste Instanz in Zivilrechtssachen und gerichtlichen Strafsachen ist OGH
oder Oberlandesgericht/Landesgericht, in Verwaltungsangelegenheiten sind
Verwaltungsgerichte als Rechtsmittelinstanz vorgesehen
Grafik „Staatsgewalt in Österreich“ siehe S. 43

Organisationsrecht der EU

Was ist die EU?


• Offizielle Gründung der Europäischen Union 1993
• Prozess bis dahin: 1951 Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl
(EGKS) – Gründungsstaaten Frankreich, Deutschland, Niederlande, Belgien, Luxemburg,
Italien, 1957 Gründung der Europäischen Atomgemeinschaft (EAG) und Europäische
Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), Idee der bestehenden Verflechtungen zur Integration
immer weiterer Wirtschaftssektoren, Inkrafttreten mehrerer Verträge bis derzeitigem
Endpunkt Vertrag von Lissabon 2009

Die Weiterentwicklung der Europäischen Union


Vom Maastrichter Vertrag bis zum Vertrag über eine Verfassung für Europa – Gründung
der EU durch völkerrechtlichen Vertrag von Maastricht (VvM), sieht europäischen Raum ohne
Binnengrenzen, gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) und Zusammenarbeit in
Justiz und Inneres vor,
Drei Säulen der EU – Europäischen Gemeinschaften (EG), Gemeinsame Außen- und
Sicherheitspolitik, polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit nach Vertrag von Amsterdam
(VvA)
• zusätzlich Regelungen zur Errichtung einer Wirtschafts- und Währungsunion (WWU)
• Weiterentwicklung durch Vertrag von Amsterdam 1999 durch verstärkte Zusammenarbeit
der Mitgliedstaaten (manche können sich eher integrieren, andere bleiben in ihrem Status
quo)
2003 Vertrag von Nizza - bereitet auf Erweiterung um mittel- und osteuropäische Staaten
vor – „Zukunft der Union“

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2003 „Vertrag über eine Verfassung für Europa“ – kein Inkrafttreten da sonst europäischer
Bundesstaat gefördert würde, nur Nationalstaaten sollten Verfassung haben, keine
Ratifizierung durch Irland und Niederlande (nach negativen Volksabstimmungen)

Vertrag von Lissabon 2007


Entstehungsgeschichte: „Reformvertrag“ aber kein Verfassungsvertrag, Erklärungen und
Vereinfachungen im Primärrecht, Grundrechtschutz,
• Verfassung im materiellen Sinn - Gründungsverträge haben ähnliche Funktion wie
Verfassung, sind rechtliche Grundlage und Grenze für Erlassung von für die Bürger
unmittelbaren Rechtsakten
• Verfassung im formellen Sinn - genießen erhöhten Bestandschutz durch erschwerte
Änderungsverfahren
Bis zur endgültigen Unterzeichnung, Schwierigkeiten aufgru nd von Kritikern nach zweitem
positivem Referendum in Irland tritt Vertrag am 1.12.2009 in Kraft
Konsequenzen des VvL – EU erreicht damit Rechtspersönlichkeit, Prinzip der qualifizierten
Mehrheit in Europäischer Union, Aufwertung des Europäischen Parlaments, Einführung der
„Bürgerinitiative“, stärkere Einbindung nationaler Parlamente, Rechtsverbindlichkeit der
Charta der Grundrechte der EU, Rechtsgrundlage für EU zu Beitritt zu Europäischer
Menschenrechtskonvention, Möglichkeit des Austritts aus EU, Kompetenz der EU liegt weiter
bei Mitgliedstaaten als „Herren der Verträge“

Die räumliche Ausdehnung der EU


28 EU-Mitgliedstaaten, Beitrittsverhandlungen mit Türkei, Serbien, Montenegro, Albanien,
Mazedonien, Island
Grafik „Die wichtigsten Gründungsverträge der EU“ siehe S. 53

Wie ist die EU aufgebaut?


Einzelner ist nicht nur Bürger seines Landes sondern Unionsbürger, noch immer „System im
Werden“
Die EU – Binnenmarkt mit Grundfreiheiten, EU-Wettbewerbsordnung
AEUV – Verträge über die Arbeitsweise der EU, setzt Maßstäbe zur Umsetzung im
Politikbereich, Keine Säulenstruktur mehr nach VvL
GASP – Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, gemeinsame Stimme für außenpolitische
Angelegenheiten „Hohe Vertreter“, dieser sitzt Außenministerrat vor, ist Vizepräsident der
Europäischen Kommission, Teilnahme bei Sitzungen des Europäischen Rates, Möglichkeit
selbständiger Rechtssetzungsinitiativen, derzeit seit 2014 Frederica Mogherini,
Mitgliedstaaten wollen in GASP kaum Souveränität/Eigenständigkeit aufgeben,
Entscheidungen basieren auf zwischenstaatlicher Zusammenarbeit, Beschlüsse (richten sich
nur an Mitgliedstaaten nicht einzelne Unionsbürger) nur mit Zustimmung aller
Mitgliedstaaten (Einstimmigkeitsprinzip),
EAG – Kontrolle der Forschung und Entwicklung von Kernenergie, Sicherheitsüberwachung,
Kontrolle der Versorgung mit spaltbarem Material, eigenständige internationale Organisation,
an EU angegliedert teilt teilweise Organe Grafik „EAG“ siehe S. 57

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Was ist Supranationalität?

• Recht, dass von überstaatlicher Institution gesetzt wird und dem rechtsunterworfene
Staaten gegen ihren Willen gebunden sind, richtet sich nicht nur an Mitgliedstaaten
sondern auch einzelne Unionsbürger
• Durchgriffswirkung des EU-Rechts - EU-Recht hat Vorrang gegenüber nationalem Recht
• Europäische Kommission unterbreitet Richtlinien und Verordnungen
• obligatorische Gerichtsbarkeit bei EuGH - sichert Wahrung des Rechts bei Auslegung und
Anwendung des Unionsrechts
Die Supranationalität von EU-Recht – Grafik siehe S. 58

Welche Institutionen gibt es in der EU?


Befugnis der Organe im Rahmen ihrer Zuständigkeit für Mitgliedstaaten verbindliches Recht
zu schaffen und durchzusetzen
Der Europäische Rat – Aufgabe ist Entwicklung erforderlicher Impulse, politische
Zielvorstellungen für Entwicklung der EU und politische Gesamtleitung der EU, ernennt
Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, nominiert Präsidenten der Komission,
Teilnehmer sind Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten und Präsidenten der
Kommission, Präsident des Europäischen Rates (derzeit Donald Tusk) hat Aufgaben der
Vorbereitung der Arbeit des Europäischen Rates, Leitung der Sitzungen, Außenvertretung der
EU, vierteljährliche Treffen in Brüssel, kein Legislativorgan
Der Rat, „Ministerrat“- zentrales Entscheidungsorgan der EU, erlässt Rechtsakte, schließt
internationale Abkommen, gemeinsam mit Europäischem Parlament, Mitglieder sind
Fachminister der Mitgliedstaaten, Beschlussfassung einstimmig oder nur mit Mehrheit,
„doppelt-qualifizierte Mehrheit“ 55 % der Mitgliedstaaten und müssen 65% der EU-Bürger
repräsentieren, auch Möglichkeit der gewichteten Mehrheit (Stimmen einzelner
Mitgliedstaaten werden gewichtet)
Das Europäische Parlament – direkte Wahl der Vertreter in EP durch Unionsbürger,
751 Mitglieder, Sitzordnung richtet sich nach Fraktionszugehörigkeit nicht Nationalität,
gleichberechtigte legislative Tätigkeit mit Rat sogenannte „ordentliche
Gesetzgebungsverfahren“, gemeinsam mit Rat Verabschiedung des jährlichen
Gesamthaushaltsplanes und Kontrolle des Vollzuges, wählt Vorschlag eines Kandidaten zum
Kommissionspräsidenten, Mitglieder der Kommission müssen sich Bestellungverfahren als
Kollegium einem Zustimmungsvotum durch EP stellen, EP fungiert als Kontrollorgan der
Kommission, kann gesamter Kommission Misstrauen aussprechen
Europäische Kommission – Tätigkeit in voller Unabhängigkeit von Mitgliedstaaten zum
allgemeinen Wohl der Union, Kompetenz zur Schaffung von Initiativen für sekundäres
Unionsrecht, Überwachung der Einhaltung der Verträge durch Mitgliedstaaten, selbstständige
Durchführung bei Kartellrecht und Beihilfenrecht, Erlassung von Rechtsakten ohne
Gesetzescharakter zur Ergänzung oder Änderung nicht wesentlicher Vorschriften, ,
normalerweise einvernehmliche Entscheidungen – bei Abstimmung gilt absolute Mehrheit
der Kommissionsmitglieder, ein Kommissar je Mitgliedstaat, keine politische Verpflichtung
gegenüber Herkunftsländer, Präsident der Kommission Jean-Claude Juncker
Der Gerichtshof der Europäischen Union – Zusammensetzung aus Europäischem
Gerichtshof (EuGH) und Europäischem Gericht (EuG)

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• EuGH – ein nominierter Richter je Mitgliedstaat für 6 Jahre, Sitz in Luxemburg, übt
unionsmittelbare Gerichtsbarkeit aus, 11 Generalanwälte – erarbeiten Gutachten,
unterbreiten Entscheidungsvorschläge, Aufgabe Wahrung des Rechts bei
Auslegung/Anwendung von Unionsrecht, Einleitung eines Vorabentscheidungsverfahren
zur Auslegung von Unionsrecht, Entscheidung über Streitigkeiten von Mitgliedstaaten,
Unionsorganen, Unternehmen, Einzelpersonen, prüft Gültigkeit von Handlungen der EU-
Organe, kann Vertragsverletzungsverfahren gegen Mitgliedstaat einleiten,
• EuG – bestimmte Klagen des ersten Rechtszuges, gegen Entscheidungen der Kommission,
Gericht für den öffentlichen Dienst
Die Europäische Zentralbank (EZB) - gemeinsam mit nationalen Zentralbanken System der
Zentralbanken (ESZB), Festlegung der Geldpolitik, Durchfürhung von Devisengeschäften,
Verwaltung der Währungsreserven, sorgt für reibungslose Funktion der Zahlungssysteme,
Hauptziel Gewährleistung der Preisstabilität, Weisungsungebunden
Der Europäische Rechungshof (ERH) – überprüft Recht- und Ordungsmäßigkeit der
Einnahmen und Ausgaben – Finanzgebarungskontrolle, effizientes Finanzmanagement auf
europäischer Ebene
Europäische Investitionsbank – finanziert Investitionsvorhaben von Einrichtungen und
Unternehmen im öffentlichen und privaten Sektor
Wirtschafts- und Sozialausschuss – Vertritt Interessen verschiedener Gruppen des
wirtschaftlichen und sozialen Lebens, muss bei Verträgen zu Wirtschafts- und Sozialpolitik
gehört werden – kann Stellungnahme abgeben
Ausschuss der Regionen – Vertreter aus regionalen/lokalen Gebietskörperschaften
(Bundesländer, Gemeinden), Wahrung lokaler Identitäten, muss bei Regionalpolitik,
Umweltschutz, Ausbildung gehört werden
Europäische Bürgerbeauftragte – (Ombudsmann) Anlaufstelle wenn man sich als
Unionsbürger von Unionsinstituten oder -organen nicht korrekt behandelt fühlt
Ämter und Agenturen der EU – Ämter zur Durchführung des Unionsrecht zB. Eurostat,
Europol, EU-Wertpapieraufsichtsbehörde
Rolle der nationalen Parlamente – VvL verbessert Informations- und Kontrollrechte,
Subsidiaritätsrüge – Einwände von ein Drittel nationaler Parlamente -> Kommission muss
Rechtsetzungsvorschlag überprüfen, erhebt Hälfte nationaler Parlamente Einspruch im
Rahmen des ordentlichen Gesetzgebungsverfahrens -> Vorschlag kann in Rat oder EP zu Fall
gebracht werden
Grafik „Institutionen/Organe der EU“ siehe S. 67

Wann darf die EU tätig werden?


„Prinzip der begrenzten Einzelermächtigung“ – Unionsorgane dürfen nur tätig werden bei
Befugnis durch Mitgliedstaaten
Sehr weitreichende Befugnisse zB. Bei Verkehrspolitik und Arbeitnehmerfreizügigkeit ->
Setzung aller zweckdienlichen/erforderlichen Maßnahmen
„Binnenmarktkompetenz“ – Generalermächtigung zum Erlass von Rechtsakten zur
Errichtung und funktionieren des Binnenmarktes

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„Lückenschließungsklausel“ – wenn erforderliche Befugnisse zwar nicht vorhanden aber bei


Ei einstimmigen Ratsbeschluss und Zustimmung des EP zum „erforderlichen“ Tätigwerden im
Rahmen der in den Verträgen festgelegten Politikbereiche
„Subsidiaritätsprinzip“ – EU darf nur handeln wenn Ziele auf Unionsebene besser erreicht
werden können als auf nationaler Ebene, erforderlicher Nachweis bei Gesetzesvorschlägen
der Kommission das dies eingehalten wird

Welche EU-Rechtsvorschriften gibt es und wer vollzieht sie?

Primäres Unionsrecht
• EUV enthält Grundlagenbestimmungen
• allgemeine Bestimmungen über auswärtiges Handel
• besondere Bestimmungen über GASP
• EUV umfasst nähere Vorschriften über Funktionsweise, Zusammenspiel der Organe
(materielle Politikbereiche der Union – Binnenmarkt, Wettbewerb, Gemeinsame
Handelspolitik)
• EU-Grundrechtecharta – Rahmen für Handlungsspielraum der Unionsorgane zum Schutz
der Bürger, auch Handeln von Mitgliedsstaaten in Tätigkeit für Union
• Beitrittsverträge sowie Modifikationen der Union durch beigefügten Protokolle und
Anhänge
• „ungeschriebenes Primärrecht“ enthält Allgemeine Rechtsgrundsätze, mittlerweile durch
Vertragsmodifikationen in geschriebenes Unionsrecht gewandelt
Grafik „EU-Rechtsquellen“ siehe S. 71

Abgeleitetes Unionsrecht
Wird materiell aus sekundärem und tertiärem Unionsrecht erzeugtes Recht bezeichnet
Verordnungen – gilt allgemein und unmittelbar für alle Mitgliedstaaten, mit nationalem
Gesetz vergleichbar, begründet Rechte und Pflichten für einzelnen Bürger, gilt auch zwischen
Privatpersonen
Richtlinie – ist an Mitgliedstaaten gerichtet, nicht unmittelbar anwendbar -> muss erst in
nationales Recht umgewandelt werden, Richtlinie überlässt Wahl der Form/Mittel der
Umsetzung vorgeschriebener Ziele, zB. Mitgliedstaatliche Rechtstraditionen können so
berücksichtigt werden, Fristen zur Umsetzung, wenn Staat säumig ist und Einzelperson
dadurch betroffen löst dies unmittelbare Wirkung der Richtlinie aus, „Staatshaftung“ – Bürger
kann Klage einheben und Schadenersatz klagen vor ordentlichen nationalen Gerichten bzw
Verfassungsgerichtshof,
Beschluss – auch rechtsverbindlich, kann/muss aber nicht an bestimmte Adressaten
(Unternehmen, Staaten) gerichtet sein, individuell-konkreter Beschluss ist wie Bescheid des
österr. Verwaltungsverfahrensrechts,
Empfehlung, Stellungnahme – Empfehlungen können von Rat, Kommission, EZB,
Stellungnahmen von allen Unionsorganen abgegeben werden, rechtliche Unverbindlichkeit
aber Berücksichtigung bei nationaler Rechtsauslegung

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Rechtsakte mit und ohne Gesetzgebungscharakter - tertiäres Unionsrecht – Rechtsakt hat


Gesetzgebungscharakter wenn durch ordentliches oder besonderes Gesetzgebungsverfahren
erzeugt
Unionsrechtliche Gesetzgebungsverfahren – ordentliches Gesetzgebungsverfahren wenn
EP, Rat und Kommission gemeinsam Vorschlag für Verordnung/Richtlinie/Beschluss
annehmen, Beschlussfassung Rat mit qualifiziert, im EP mit einfacher Mehrheit
Für primärrechtliche Fälle -> besonderes Gesetzgebungsverfahren, Annahme des
Sekunddärrechtsakts durch Rat und Beteiligung der EP, Vorschlag wird von Komission
eingeleitet
Rechtsakte ohne Gesetzgebungscharakter – Kommission kann Befugnis übertragen
werden Rechtsakte mit allgemeiner Geltung zur Ergänzung und Änderung zu erlassen
„delegierte Rechtsakte“, erlässt daraufhin Verordnungen, Richtlinien, Beschlüsse – „tertiäres
Unionsrecht“, auch bei „Durchführungsakten“ aufgrund sekundärerechtlicher Ermächtigung
der Kommission, können aber auch unmittelbar primärrechtlich gestützt sein bei
Kombination von Kommission, Rat, EZB, ist aber wiederum sekundäres Unionsrecht,
abgeleitete Rechtsakte bestimmten Typs unterscheiden sich nicht in Terminologie bzw.
grundsätzlichen normativen Eigenschaften, abgeleitete Rechtsakte unterziehen sich in
Normenhierarchie untergeordneter Position nach jeweils übergeordneten Normen des
Primär- bzw Sekundärrechts formell- und materiellrechtlich, sind anfechtbar wenn sie sich
nicht in Norm ihres übergeordneten Rahmens befinden,
Grafik „primärrechtliche Ermächtigung“ siehe S. 77

Inkrafttreten von Rechtsakten


muss in Amtsblatt der Europäischen Union kundgemacht werden, mehrere Teile in Amtsblatt:
Reihe L (legislation, Rechtssetzung) für EU-Verordnungen, Richtlinien, Beschlüsse, Reihe C
(communications, Mitteilungen) für unverbindliche Rechtsakte wie Empfehlungen,
Stellungnahmen, Berichte, Entwürfe, treten 20 Tage nach Veröffentlichung in Kraft

Vollziehung von Unionsrecht


wird von Behörden der Mitgliedstaaten vollzogen, nur beschränkt direkter Vollzug durch EU-
Institutionen Bsp.: Geldbußen zwecks Europäischem Wettbewerbsrecht

Wodurch zeichnet sich das Unionsrecht aus?


Folgende Ausführungen gelten bis auf Maßnahmen die von GASP erlassen werden

Unionsrecht gilt autonom und unmittelbar


• ausschließliche Kompetenz zur Gesetzgebung
• eigenständige/autonome Rechtsordnung
• gilt unmittelbar in Mitgliedstaaten für Behörden, Bürger wie jeweilige nationale
Rechtsordnung
• Eigenständigkeit um Aushöhlung des Unionsrechts durch nationales Recht verhindert wird
• Auslegung erfolgt durch EuGH, sonst könnten Begriffsmissverständnisse zB bei
Arbeitnehmerbegriff, Arbeitnehmerfreizügigkeit entstehen

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• muss zu seiner Geltung (in Unterschied zu völkerrechtlichen Bestimmungen) nicht in


nationales Recht umgewandelt werden
• unmittelbare Geltung von unmittelbarer Anwendbarkeit zu unterscheiden

Das Unionsrecht ist in den Mitgliedstaaten unmittelbar anwendbar


• bedeutet, dass neben Unionsorganen, Mitgliedstaaten auch unmittelbare Rechte für
Unionsbürger verliehen werden
• auch Anwendbarkeit geht auf Auslegung durch EuGH zurück
• Vorschrift des Unionsrechts immer anwendbar, wenn hinreichend genau und unbedingt
ist Handlungsspielraum/Unterlassungspflicht der Mitgliedstaaten statuiert
• erlässt keinen Ermessensspielraum
• unmittelbar anwendbar Grundfreiheiten, EU-Verordnungen
• Richtlinien müssen zuerst in nationales Recht umgewandelt werden
• Unionsrecht hat Vorrang – bei Überschneidungen von unmittelbar anwendbarem
Unionsrecht hat dieses immer Vorrang gegenüber nationalem Recht
Grafik „Die Wirkungen des EU-Rechts und seine Umsetzung“ siehe S. 82

Grundrechte der Wirtschaft

Allgemeines zu den Grundrechten

Was sind Grundrechte?


verfassungsgesetzlich gewährleistete subjektive Rechte, schaffen Freiheitsraum für Bürger
gegen Eingriffe durch Staat, Unterlassungspflichten für den Staat,
positive Handlungspflichten (Gewährleistungspflichten) – Staat muss Vorraussetzungen
für grundrechtliche Gewährleistung schaffen, Verpflichtung zum Schutz der Grundrechte vor
Eingriffen durch Dritte

Wo sind Grundrechte geregelt?


• üblicherweise zentraler Bestandteil der Verfassungsurkunden
• in Österreich nicht einheitlich und abgeschlossener Grundrechtskatalog sondern
zahlreiche Grundrechtsquellen
• Staatsgrundgesetz enthält allgemeine Rechte der Staatsbürger und Europäische
Menschenrechtskonvention
• auch Konventionsrechte aus EMRK sind vor VfGH geltend zu machen
• Grundrechte-Charta in Unionsrecht, „Durchführung des Unionsrecht“ bedeutet Bindung
der Mitgliedstaaten an Grundrecht-Charta - bildet Prüfungsmaßstab für
Gesetzesprüfungsverfahren durch den VfGH da Grundrecht-Charta verfassungsrechtlich
gewährleistet ist in Bundesverfassung
• Charta enthält justiziable (durchsetzbare) Rechte und Grundsätze (nicht justiziabel) die in
nationales Recht umgesetzt werden können

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Welche Grundrechte gibt es?


Freiheitsrechte -
• Fundamentalgarantien (Recht auf Leben, Folterverbot)
• sonstige Rechte der Person (Recht auf pers. Freiheit, Religionsfreiheit)
• Grundrechte des Gemeinschaftslebens (Kommunikations-, Versammlungs-,
Vereinigungsfreiheit)
• Grundrechte des Wirtschaftslebens (Erwerbs-, Eigentumsfreiheit)
Gleichheitsrechte –
• Verbot der unsachlichen Differenzierung
• allgemeines Sachlichkeitsgebot
Verfahrensgarantien – Garantie auf Organisation, Ausgestaltung, Durchführung eines
rechtsstaatlichen Verfahrens
Politische Rechte – Wahl-, Petitionsrecht
Soziale Grundrechte – subjektive, verfassungsgesetzliche Rechte auf Anspruch auf soziale
Leistungen durch den Staat, sind nicht in österr. Bundesverfassung festgelegt nur in Form von
(„Teilhaberechten“)

Wen verpflichten die Grundrechte? –


Verpflichten Staat und binden sowohl die Gesetzgebung als auch Vollziehung
Bindung der einfachen Gesetzgebung –
• Umfang und Reichweite der Bindung an die Grundrechte ergibt sich aus
Grundrechtsbestimmung, Gesetzgeber kann Beschränkung verboten sein ist gleichzeitig
aber auch verpflichtet grundrechtliche Freiheiten einzuschränken -> Gesetzesvorbehalt
• Jeder Staatsbürger darf unter den gesetzlichen Bedingungen jeden Erwerbszweig ausüben
staatlicher Eingriff bei Grundrecht auf Achtung des Privat- und Familienlebens nur soweit
gesetzlich vorgesehen
• notwendige Eingriffe sind gestattet wenn nationale Sicherheit, öffentliche Ruhe/Ordnung,
wirtschaftliches Wohl des Landes, Verteidigung der Ordnung, Verhinderung von strafbaren
Handlungen, Schutz der Gesundheit/Moral, Schutz der Recht und Freiheiten gefährdet ist,
Grundrecht beschränkende Gesetze müssen immer verhältnismäßig sein
Bindung der Verwaltung und Gerichtsbarkeit – Grundrechte müssen bei Urteil, Erkenntnis
bzw. Bescheid beachtet werden, Grundrechtseingriff bedarf gesetzlicher Ermächtigung, keine
Willkür staatlicher Organe
Fiskalgeltung der Grundrechte – Staat auch an Grundrechte gebunden bei nicht
hoheitlichen Handlungen (wenn Staat als Privatperson tätig wird)
Mittelbare Wirkung zwischen Privatpersonen („Drittwirkung“) – keine unmittelbare
Berufung auf Grundrechte zwischen Privatpersonen, wirken aber mittelbar durch Gesetze zum
Verhalten zwischen Privaten und bei Entscheidungen durch Behörden und Gerichte zu
Rechtsverhältnissen zwischen Privatpersonen

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Wen berechtigen die Grundrechte?


schützen natürliche/juristische Personen vor unverhältnismäßigen Eingriffen durch Staat
EMRK – Jedermannsrechte
BVG– teils Staatsbürgerrechte – da jeder Unionsbürger gleichgestellt sein muss gelten diese
trotzdem für alle EU-, EWR-Mitgliedsbürger
Grafik „Staat“ siehe S. 97

Wer überwacht die Einhaltung der Grundrechte?


• VfGH obliegt Überwachung der Einhaltung der Grundrechte, wenn Erkenntnis von
VwGH zB gegen Grundrecht verstößt wird dies aufgehoben,
• Überwachung, dass Gesetze verfassungs- und grundrechtskonform sind,
• wenn Organ bei Ausübung unmittelbarer verwaltungsbehördlicher Befehls- und
Zwangsgewalt die Grundrechte verletzt liegt Beschwerdemöglichkeit bei VwG,
• Urteil durch Zivil- und Strafgericht bei übergeordenten ordentlichen Gerichten zu
bekämpfen (oberste Instanz ist OGH)
• „Parteiantrag auf Normenkontrolle“ – VfGH überprüft Antrag bei Anwendung eines
verfassungswidrigen Gesetzes durch ordentliche Gerichte in erster Instanz

Die Erwerbsfreiheit

• Schutzbereich der Erwerbsfreiheit - jeder Staatsbürger kann unter gesetzlichen


Bedingungen jeden Erwerbszweig ausüben, nach unionsrechtlichem Verbot jeglicher
Diskriminierung gilt dies gleichermaßen für EU- und EWR-Bürger
• Sachlicher Schutz für jede selbstständige und nicht-selbstständige Tätigkeit die auf
wirtschaftlichen Erfolg ausgerichtet ist
• Schutz für Antritt einer Erwerbsbetätigung sowie deren Ausübung

Eingriffe in die Erwerbsfreiheit – Grundrechtseingriff ist staatlicher Akt der Schutzbereich


des Grundrechtsträger belastend/beschränkend berührt
Objektive Zugangsbeschränkungen – Zugangsbeschränkung die Betroffener nicht selbst
überwinden kann, stellt gravierenden Eingriff in Erwerbsfreiheit dar (Gebietsreglementierung
bei Rauchfangkehrern)
Subjektive Zugangsbeschränkung – stellen zB spezifische Ausbildungserfordernisse dar,
Betroffene Person kann selbstständig Zugangsbeschränkung überwinden
Ausübungsschranken – wie die Erwerbsbetätigung ausgeführt werden muss (zB
Ladenschluss um 18:00 Uhr)

Bindung der Gesetzgebung


Gesetzesvorbehalt – Gesetzgeber darf freie Erwerbsbetätigung beschränken wenn gilt:
Verhältnismäßigkeitsgrundsatz, formeller Gesetzesvorbehalt – Form des Gesetzes wird
gewahrt – „unter den gesetzlichen Bedingungen“

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Der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz – Einschränkung muss verhältnismäßig sein, Gesetz zur


Einschränkung muss im öffentlichen Interesse, zur Erreichung des Ziels und das Grundrecht
nicht adäquat einschränken sein
Öffentliches Interesse – zB bei Umweltschutz, Konsumentenschutz, öffentliche Ordnung,
keine strenge Kontrolle durch VfGH („Vertretbarkeitskontrolle“)
Geeignetheit – Gesetz der Einschränkung der Erwerbsfreiheit muss für Ziel geeignet sein
Erforderlichkeit – am wenigsten einschränkendes Gesetz zur Erreichung des Ziels muss
gewählt werden, VfGH führt Erforderlichkeitsprüfung nur bei Erwerbsantrittsbeschränkungen
durch
Adäquanz (Verhälnismäßigkeit im engeren Sinn) – angemessene Relation zwischen
öffentlichem Interesse und Eingriff in die Beschränkung der Grundrechtsposition, objektive
Zugangsbeschränkungen bedeuten schwerere Eingriffe wie subjektive
Zugangsbeschränkungen
Grafik „Gesetz“ siehe S. 106
Bindung der Vollziehung – Bescheide von Verwaltungsbehörden sowie Beschlüsse und
Erkenntnisse von Verwaltungsgerichten können ebenfalls Grundrechtsverletzung darstellen,
wenn zugrunde liegendes Gesetz verfassungswidrig oder gesetzeswidrig
ausgelegt/angewendet wird

Die Eigentumsfreiheit
Schutzbereich – Eigentumsfreiheit schützt alle vermögenswerten Rechte (Eigentum),
Eigentümer kann nur auf Basis von Fällen die Gesetz bestimmt enteignet werden, jede
natürliche/juristische Person kann sich darauf berufen, nicht nur Privatrechte an Eigentum
sondern auch öffentlich-rechtliche Ansprüche (zB Beitragszahlungen) fallen unter das
Grundrecht der Eigentumsfreiheit, umfasst auch Recht, Eigentum zu erwerben und darüber zu
verfügen, Recht auf Abschluss privatrechtlicher Verträge
Eigentumseingriffe – wenn durch Grundrecht beschütztes Recht entzogen/beschränkt wird
Enteignung – Recht auf Sache bzw. vermögenswertes Recht wird durch hoheitlichen Akt von
Eigentümer auf Staat übertragen
bloße Eigentumsbeschränkung – Keine Enteignung aber Ausübung des Eigentumsrechts
wird eingeschränkt (Denkmalschutz bei Gebäude), können wirkungsgleich sein wie
Entziehung wenn Eigentümer Sache dann nicht mehr benutzen kann (Betretungsverbot bei
Grundstück)

Bindung der Gesetzgebung


Gesetzesvorbehalt, Verhältnismäßigkeit – Verhältnismäßigkeitsgrundsatz gilt wie bei
Erwerbsfreiheit sowohl auf Enteignungen als auch bloße Eigentumsbeschränkungen
Verbot unverhältnismäßiger Enteignungen – zusätzlich zu Grundsatz des öffentlichen
Interesses und Verhältnismäßigkeit gilt – Vorliegen eines konkreten Bedarfes zur Deckung
öffentlicher Interessen, Geeignetheit des Objekts, Unmöglichkeit der Deckung des Bedarfes
durch andere Möglichkeiten

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Verbot unverhältnismäßiger Eigentumsbeschränkungen – müssen auch öffentlichem


Interesse dienen, verhältnismäßig und geeignet sein
Gebot der Entschädigung – Enteignung ohne angemessene Entschädigung stellt
unverhältnismäßigen Eingriff dar, gerechter Ausgleich zwischen dem Allgemeininteresse und
dem Grundrechtschutz des Eigentümers, Rückübereignung wenn enteignete Sache nicht
innerhalb einer angemessenen Frist für vorhergesehenen Zweck verwendet wurde
Bindung der Vollziehung – Verwaltungsbehörde/-gericht verletzt Grundrecht, wenn
verfassungswidrige Rechtsgrundlage herangezogen wird oder Rechtsgrundlage falsch
angewendet wird

Der Gleichheitssatz
Rechtsquellen –
• Status rechtlicher Gleichheit vor dem Gesetz
• allgemeiner Gleichheitsgrundsatz (BVG u. StGG) gilt in gesamter Rechtsordnung sowie
Ausprägungen der Rechtsgleichheit in Form besonderer Gleichheitsgebote
• durch Rechtssprechung des VfGH gleiche unmittelbare Gesetzesanwendung durch
Gesetzgeber
• Unterlassung jeder Ungleichbehandlung aufgrund von Rasse, Hautfarbe,
Abstammung, nationaler/ethischer Herkunft
• Gleichheitssatz gilt somit auch zwischen Fremden untereinander, nicht aber zwischen
Bürgern und Nicht-Bürgern lt. BVG
• Verbot genereller Benachteiligung ist nur Garantie – somit keine generelle Wirkung
Unionsrecht hat neben allgemeinem Gleichheitssatz auch spezifische
Diskriminierungsverbote aus Regeln über Grundfreiheiten des Binnenmarktes
• Untersagung der Schlechterstellung von Unionsbürgern gegenüber „Inländern“

Bindung der Gesetzgebung


Verbot, Gleiches unsachlicherweise ungleich zu regeln – gleiche Sachverhalte müssen
gleich behandelt werden, Prüfung ob rechtliche Differenzierung vorliegt, Prüfung ob
tatsächliche Unterschiede eine unterschiedliche rechtliche Behandlung rechtfertigen
Teils aber gezielte Bevorzugzngen von Frauen um Chancengleichheit im Erwerbsleben
herzustellen
Verbot, Ungleiches unsachlicherweise gleich zu regeln – wesentliche Unterschiede im
Tatsächlichen müssen entsprechend zu unterschiedlichen Regelungen führen
Allgemeines Sachlichkeitsgebot – jeder Akt der Gesetzgebung muss sachlich gerechtfertigt
sein
Vertrauensschutz – Bürger muss Vertrauen in geltende Rechtslage haben können –
„Vertrauensschutzprinzip“, zB. Gesetzgeber darf Gesetze nicht ohne sachliche Rechtfertigung
rückwirkend einsetzen, Gesetzgeber darf nicht beliebig/gravierend in wohlerworbene
Anwartschaften eingreifen (Kürzung von künftig gebührenden Leistungen – Pensionen),
einmal bestehende Rechtslage darf nicht ohne weiteres zum Nachtteil der Betroffenen
geändert werden
Bindung der Vollziehung –
• Verwaltung ist durch Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und Willkürverbot an
Gleichheitsgrundsatz gebunden

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• Verordnung verletzt Gleichheitsgebot wenn es auf gleichheitswidrigem Gesetz basiert


oder nicht sachlich gerechtfertigte Differenzierungen schafft
• Entscheidung des Verwaltungsgerichts verletzt Gleichheitssatz bei Unterstellung von
gleichheitswidrigem Inhalt, wenn es auf gleichheitswidrigem Gesetz beruht oder
Willkür übt („subjektive Willkür“ – absichtliches zufügen von Unrecht, „objektive
Willkür“ – Widerspruch mit Rechtsvorschrift und Verkennen der Rechtslage)

Verfahrensgrundrechte –
Gewährleistung des Grundsatzes des effektiven Rechtsschutzes (Rechtsstaatlichkeitsprinzip),
Durchsetzung seiner materiellen Rechte, faires Verfahren, verfahrensmäßig gesicherte
Rechtsposition
Recht auf ein Verfahren vor dem gesetzlichen Richter – niemand darf seinem gesetzlichen
Richter (=staatliche Behörde, die mit hoheitlichen Kompetenzen ausgestattet ist), Schutz und
Wahrung gesetzlich begründeter Behördenzuständigkeit
Bindung der Gesetzgebung – behördliche Zuständigkeiten müssen in Gesetz präzise
festgelegt sein, niemand darf durch Akt der Vollziehung seinem gesetzlichen Richter
entzogen werden
Bindung der Vollziehung – Verwaltungsgericht verletzt Recht auf gesetzlichen Richter, wenn
es die Zuständigkeit nicht in Anspruch nimmt oder Zuständigkeit abweist
Der EuGH als gesetzlicher Richter – EuGH ist „gesetzlicher Richter“ in Auslegung einer
Vorschrift der Union, Grundrecht wird auch verletzt, wenn vorlagepflichtiges Gericht gegen
Vorlagepflicht verstößt
Recht auf einfaires Verfahren – Art 6 EMRK enthält Mindestgarantien in Bezug auf zivil- und
strafrechtlich relevante Verfahren,
Anwendungsbereich des Art 6 EMRK – bei Verfahren über Streitigkeiten von
zivilrechtlichen Ansprüchen und Verpflichtungen/Verfahren über strafrechliche Anklagen,
auch Verfahren des öffentlichen Rechts, wenn Ergebnisse für zivilrechtliche Ansprüche und
Verpflichtungen unmittelbar entscheidend sind und in Erwerbsfreiheit einer Person oder
Eigentumsfreiheit eingreifen, strafrechtliche Anklagen können neben gerichtlichen Strafrecht
auch Verwalrungsstrafrecht bzw. Disziplinarstrafen (mit Freiheitsentziehung) und
Berufsausübungsverbote bedeuten
Gewährleistungsumfang – Zugang und Entscheidung durch „Tribunal“ (=gesetzlich
eingerichtetes, unabhängiges, unparteiisches Gericht oder Verwaltungsbehörde, Einhaltung
angemessener Verfahrensdauer, Anspruch auf Durchführung einer öffentlichen mündlichen
Verhandlung, Anspruch auf Durchführung eines fairen Verfahrens, bei Strafverfahren
zusätzlich Grundsatz der Unschuldsvermutung und Recht auf Verteidigung
Grafik „Verfahrensgarantien des Art 6 EMRK“ siehe S. 122
Weitere Verfahrensgrundrechte – „keine Strafe ohne Gesetz“, man muss sich nicht selbst
einer Straftat bezichtigen, Recht auf wirksame Beschwerde, Verbot der Doppelbestrafung

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Der VfGH als Hüter der Bundesverfassung


Einleitung - Einhaltung der Grundrechte obliegt größtenteils VfGH, Heranziehung der
Grundrechte als Kontrollmaßstab in zahlreichen Prüfungsverfahren
Zuständigkeit –
• Klagen wegen Geldleistungen gegen Bund, Länder, Gemeinden, sofern nicht
Gericht/Verwaltungsbehörde entscheidet
• Kompetenzkonflikte zwischen Gerichten und Verwaltungsgerichten, Bund und
Ländern Kompetenzkonflikte zwischen VwG und VwGH entscheidet VwGH, Erfüllung
von Verpflichtungen und Vereinbarungen
• Meinungsverschiedenheiten betreffend Untersuchsungsausschüssen
• Gesetzmäßigkeit von Verordnungen
• Gesetzmäßigkeit von Kundmachungen über Wiederverlautbarung eines
Gesetzes/Staatsvertrages
• Verfassungsmäßigkeit von Gesetzen, Rechtswidrigkeit von Staatsverträgen
• Rechtmäßigkeit der Wahlen zu allgemeinen Vertretungskörpern
• Klagen gegen oberste Bundes- und Landesorgane wegen der verfassungsmäßigen
Verantwortlichkeit
• Beschwerden gegen Entscheidung eines Verwaltungsgerichts wegen Verletzung eines
verfassungsgesetzlich gewährleisteten Grundrechts oder Anwendung einer
rechtswidrigen generellen Rechtsgrundlage

Organisation
Mitglieder – VfGH besteht aus PräsidentIn, VizepräsidentIn, 12 weiteren Mitgliedern, sechs
weiteren Ersatzmitgliedern, Amtsende mit 70. Lebensjahr, formal nebenberufliche Tätigkeit,
darf kein Mitglied von Bundes-, Landesregierung oder allgemeinem Vertretungskörper des
VfGH sei
Spruchkörper – Entscheidungen im Plenum (ein Vorsitzender plus mind. acht weitere
Mitglieder), bei weniger aufwändigen Angelegenheiten reicht kleines Plenum (Vorsitzender
plus vier Mitglieder), grundsätzlich Stimmenmehrheit

Ausgewählte Verfahrensarten
Verordnungs- und Gesetzesprüfungsverfahren – „Normenkontrolle“ – Prüfung von
Gesetzen, Verordnungen und Staatsverträge
Maßstab der Prüfung – Prüfung auf Gesetzmäßigkeit, Maßstab ist Verfassungsrecht, Prüfung
der Verfassungsgesetze auf Übereinstimmung mit Grundprinzipien der Bundesverfassung,
auch Prüfung der Grundrechte-Charta da sie österr. Bundesverfassung gleichen, sonstiges
Unionsrecht wird nicht geprüft
Antragsberechtigung – Antrag durch sämtliche Gerichte bei Verordnungsprüfungsverfahren
bei Bedenken über Gesetzmäßigkeit bestimmter Verordnungen, jede Person kann
Verordnung anfechten, wenn Rechtssache durch ordentliches Gericht in erster Instanz
entschieden wurde und Person sich in ihren Rechten verletzt fühlt, abstrakte
Normenkontrolle von Landes- und Bundesbehörden (Gesetz kann ohne jeden Anlass
angefochten werden)

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Gesetzesprüfungsverfahren – sämtliche Gerichte können Antrag auf Prüfung stellen wenn


sie bei Anwendung eines Gesetzes Bedenken zur Verfassungsmäßigkeit haben (=konkrete
Normenkontrolle), Verordnungs- oder Gesetzprüfungsverfahren kann von VfGH durch
Beschluss eingeleitet werden, Vorraussetzungen zur Anfechtung von Gesetzen/Verordnungen
durch Einzelpersonen: „Parteiantrag auf Normenkontrolle“
Beschwerdeverfahren - Geltendmachung von Verfassungswidrigkeit bzw. Rechtswidrigkeit
eines Gesetzes
„Individualantrag“ – wenn Person ohne gerichtliche oder verfassungsbehördliche
Entscheidung durch unmittelbar und aktuell wirksam gewordenes Recht in ihren Rechten
verletzt wird
Entscheidung – wenn nach Prüfung durch VfGH betreffende Verordnung/Gesetz als
verfassungswidrig dargestellt wird hebt er Verordnung/Gesetz auf, ansonsten Abweisung des
Antrages, bei Aufhebung einer Verordnung durch Erkenntnis des VfGH muss Bund/Land dies
kundmachen, Aufhebung eines verfassungswidrigen Gesetzes muss in BGBl bzw. LGBl
kundgemacht werden, auch Fristsetzung durch VfGH wann Verordnung/Gesetz außer Kraft
tritt kann festgelegt werden,

Erkenntnisbeschwerde
Überprüfung von Entscheidungen der Verwaltungsgerichte – Erkenntnisse sowie
Beschlüsse von Verwaltungsgerichten sowie können beim VfGH angefochten werden,
Beschwerde gegen den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes über Zulässigkeit einer Revision
ist aber unzulässig, Erkenntnisbeschwerde ist häufigste Verfahrensart beim VfGH
Prozessvoraussetzungen – Vorliegen eines Erkenntnisses/Beschlusses durch
Verwaltungsgericht, Erhebung der Beschwerde innerhalb 6 Wochen ab Zustellung, konkrete
Angaben über Sachverhalt, ausdrückliche Behauptung der Verletzung der
verfassungsgesetzlich gewährleisteten Rechte Anwendung rechtswidriger genereller
Vorschriften, Einbringung der Beschwerde durch bevollmächtigten Rechtsanwalt
Entscheidung –
• Ablehnung des Beschlusses – wenn keine hinreichende Aussicht auf Erfolg oder
keine Klärung einer verfassungsrechlichen Frage zu erwarten ist, einstimmige
Abstimmung
• Zurückweisung oder Einstellung durch Beschluss – Mangel einer
Prozessvorraussetzung, Beschwerde an sich hat einen Mangel,
• Entscheidung in der Sache durch Erkenntnis – Sachentscheidung kann Aufhebung
des Erkenntnisses/Beschlusses oder Abweisung der Beschwerde
Abtretungsantrag – wenn Zuständigkeit an VwGH fällt kann innerhalb von zwei Wochen ab
Zustellung des Erkenntnisses/Beschlusses ein Abtretungsantrag gestellt werden
Grafik „Zuständigkeiten“ siehe S. 131

Binnenmarktrecht

Die Grundfreiheiten des Binnenmarktes


Zur optimalen Zuordnung wirtschaftlicher Ressourcen gibt es in der Union die
„Grundfreiheiten des Binnenmarktes“ – freier Warenverkehr, Arbeitnehmerfreizügigkeit,

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Niederlassungsfreiheit, Freiheit des Dienstleistungsverkehrs, Freiheit des Kapital- und


Zahlungsverkehrs, verleihen Unionsbürgern/juristischen Personen subjektive Rechte, schützen
nur grenzüberschreitende Tätigkeiten, reine Inlandssachverhalte werden durch
Grundfreiheiten nicht geschützt, kann zu Inländer- bzw. Inlandsmarktdiskriminierung führen,
beseitigung von Inländerdiskriminierungen nur durch harmonisierende Angleichungen
Grafik „Grundfreiheiten des Binnenmarktes“ siehe S. 139
Regelungsanliegen der Grundfreiheiten – keine Schlechterbehandlung anderen EU-
Marktteilnehmern gegenüber inländischen (=Diskriminierungsverbot, mitgliedstaatliche, nicht
diskriminierende Regulierungen müssen gerechtfertigt sein (=Beschränkungsverbot)
Diskriminierungsverbot –
• Verbot der Diskriminierung aufgrund der Staatsangehörigkeit bezogen auf Waren,
selbstständig/unselbstständige Personen, Dienstleistungen und Kapital bei Grenzübertritt
von Mitgliedstaat in anderen Mitgliedstaat
• Diskriminierung liegt vor, wenn bereits Wortlaut einer Regelung gegen EU-Ausländer
gerichtet ist
• Versteckte Diskriminierungen sind ebenfalls verboten, zB wenn betreffendes Kriterium de
facto hauptsächlich Ausländer/ausländische Waren benachteiligt
• Diskriminierungen können nach explizit gerechtfertigten Gründen zum Schutz der
öffentlichen Ordnung, Sicherheit, Gesundheit, wenn sie verhältnismäßig sind, erlaubt sein
• Diskriminierungsverbot ist in Ausprägungen des allgemeinen Gleichheitssatzes sowie
Grundrechte-Charta Bestandteil
Beschränkungsverbot –
• auch nicht-diskriminierende nationale Vorschriften müssen mit auf Vereinbarkeit mit
Unionsrecht rechtfertigen
• auch nicht-diskriminierende Maßnahmen die Inanspruchnahme der Grundfreiheiten
unattraktiv machen sind verboten, sind aber bei Rechtfertigungsgründen aufgrund
öffentlicher Ordnung, Sicherheit und Gesundheit gestattet
• ungeschriebene Beschränkungen die „zwingende Gründe des Allgemeininteresses“
rechtfertigen wie Verbraucherschutz, Arbeitnehmerschutz, Schutz der Medienvielfalt sind
erlaubt, dazu gibt es vier Vorraussetzungen:
o Anwendung auf nichtdiskriminierende Weise
o Rechtfertigung durch explizit im Vertrag genannte Gründe oder zwingende
Gründe des Allgemeininteresses
o Eignung zur Verwirklichung des Zieles, nur bis zur Erforderlichkeit des Zieles –
nicht darüberhinausgehend
o nationale Beschränkungsmaßnahmen müssen gerechtfertig und
verhältnismäßig sein
Rechtsangleichung („Harmonisierung“) –
• unterschiedliche Ausgestaltung durch Mitgliedstaaten bei gerechtfertigter
Beschränkungen ist mit Idee eines freien Waren-/Personenverkehrs inkompatibel
• daher sekundärrechtliche Rechtsangleichungsmaßnahmen (=Harmonisierungsvorschriften)
– inhaltliche Angleichung um unterschiedliche rechtliche Standards auf Minimum zu
reduzieren

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• Schutzinteressen durch entsprechende nationale Maßnahmen sollten auf Unionsebene


berücksichtigt werden, kann aber auch Absenkung des Schutzniveaus für best.
Mitgliedstaaten bedeuten
• „Mindestharmonisierung“ – teilweise Erlaubtheit trotzdem strengere nationale Vorschriften
anzuwenden/zu erlassen
• „Vollharmonisierung“ – keine Möglichkeit zur Abweichung von
Harmonisierungsmaßnahme
Grafik „Wirkung der Grundfreiheiten“ – siehe S. 144

Warenverkehrsfreiheit
Schutzbereich im Überblick –
• Warenverkehrsfreiheit schützt freien grenzüberschreitenden Verkehr von Unionswaren
innerhalb des Binnenmarktes
• Waren sind alle beweglichen Sachen die Geldwerthaben und Handelsgegenstände sind
• Unionswaren – aus EU-Mitgliedstaat stammende Waren bzw. Drittstaaten-Waren bei
denen Einfuhrmodalitäten und Zoll erfüllt und eingehoben wurden
• Ziel ist Sicherung eines freien Wettbewerbs
• keine mengenmäßige Ein-, Aus-, Durchfuhrbeschränkung
• jegliche Diskriminierung in den Versorungs- und Absatzbedingungen zwischen
Angehörigen der Mitgliedstaaten ist verboten zB Import-, Exportrechte, steuerliche
Begünstigung inländischer Waren
Zollunion – keine Form von Ein- und Ausfuhrzöllen sowie Abgaben zollgleicher Wirkung (zB
Gebühr für Kontrolle eingeführter Ware), Gemeinsamer „Außen“-Zolltarif gegen Drittstaaten,

Die Beseitigung mengenmäßiger Ein- und Ausfuhrbeschränkungen und Maßnahmen gleicher


Wirkung zwischen den Mitgliedstaaten
Verpflichtung der Mitgliedstaaten –
• Verbot mengenmäßiger Ein- und Ausfuhrbeschränkungen sowie Maßnahmen gleicher
Wirkung (MglW)
• MglW = jede mitgliedstaatliche Handelsregelung die unmittelbar/mittelbar, tatsächlich
oder potenziell grenzüberschreitenden Handel behindert, gilt auch bei Maßnahmen die
unterschiedslos auf inländische und ausländische Waren angewendet werden
• auch nicht diskriminierende Maßnahmen können als MglW gelten
• hingegen Regelungen die bestimmte Verkaufsmodalitäten beschränken oder verbieten
(vertriebsbezogene Regelungen) und für alle Wirtschaftsteilnehmer gelten sind keine
MglW unterschiedslos anwendbare Maßnahmen sind nur dann MglW, wenn es sich um
den Marktzutritt erschwerende mitgliedstaatliche Maßnahmen in Form produktbezogener
Regelungen handelt (Zusammensetzung, Form, Bezeichnung, Verpackung)
• grundsätzlich ist jede potentiell protektionistische Handelsregelung eines Mitgliedstaates
als MglW rechtfertigungsbedürftig ohne das sie speziell als produkt- oder
vertriebsbezogene Maßnahme qualifiziert sein muss
• MglW sind also Maßnahmen, die die eine ungünstigere Behandlung von Erzeugnissen
anderer Mitgliedstaaten bezwecken

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• Hemmnisse aufgrund Ermangelung einer Harmonisierung auch wenn diese Vorschriften


unterschiedslos für alle Erzeugnisse gelten, sowie alle sonstigen Maßnahmen die
Behinderung zum Marktzugang für Erzeugnisse aus anderen Mitgliedstaaten darstellen
• kann mittlerweile auch auf Privatpersonen angewendet werden
Ausnahmen und Rechtfertigungsgründe –
• mitgliedstaatliche diskriminierende Vorschriften können aus Gründen der öffentlichen
Sittlichkeit, Ordnung, Sicherheit, zum Schutz der Gesundheit und des Lebens von
Menschen, Tieren, Pflanzen, Schutz des nationalen Kulturgutes von künstlerischen,
geschichtlichen, archäologischem Wert sowie komerziellem und gewerblichem Eigentum
gerechtfertigt sein
• Voraussetzung ist Verhältnismäßigkeit,
• unterschiedslos anwendbare mitgliedstaatliche Regelungen als MglW sind zulässig bei
zwingenden Erfordernissen wie steuerlicher Kontrolle, zum Schutz der öffentlichen
Gesundheit, der Lauterbarkeit des Handelsverkehrs, Verbraucherschutz sowie im Zweck
des Allgemeininteresses
• bei Vollharmonisierung gibt es keine Ausnahmegründe
Grafik „Warenverkehrsfreiheit“ siehe S. 154

Arbeitnehmerfreizügigkeit
Schutzbereich –
• Ermöglichung der freien Arbeitsplatzwahl von Staatsangehörigen im gesamten EU-Gebiet
• hat Recht in anderem EU-Mitgliedsstaat unselbstständige (=einem Arbeitsvertrag
zugrunde liegend) wirtschaftliche (=erhält Vergütung auch in Form von Naturalien)
Tätigkeit aufzunehmen und auszuüben
• Bezeichnung als Wanderarbeitnehmer, wenn man in anderem Mitgliedstaat arbeitet
zusätzliche damit verbundene Rechte sind Einreise in anderen Mitgliedstaat, Stellensuche,
Aufnahme und Ausübung einer unselbstständigen Tätigkeit, Wohnungssuche, Aufenthalt,
Verbleib in Mitgliedstaat auch nach Beendigung der Beschäftigung, auch Angehörigen
ohne Unionsbürgerschaft steht Wohnrecht und Arbeitsrecht in jeweiligem Mitgliedsstaat
zu Vereinbarungen mit EWR sowie EFTA also Arbeitsnehmerfreizügigkeit auch für Island,
Norwegen, Liechtenstein geltend,
EU-Beitrittserweiterung – Übergangsvorschriften für Grundrecht der
Arbeitnehmerfreizügigkeit, kann für neu beigetretene Mitgliedstaaten beantragen das für
diese erst nach 7 Jahren Arbeitnehmerfreizügigkeit gilt, Erleichterungen zur Inanspruchnahme
der Arbeitnehmerfreizügigkeit durch Recht auf Daueraufenthalt (nach 5 Jahre
ununterbrochenem Aufenthalt) und Einschränkung der Ablehnung und Beendigung des
Aufenthaltes aus Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit
Grafik „Arbeitnehmerfreizügigkeit“ siehe S. 160
Ausnahmen vom Schutzbereich – Beschäftigungen in öffentlicher Verwaltung unterliegen
nicht der Arbeitnehmerfreizügigkeit (Ausübung hoheitlicher Befugnisse)
Diskriminierungs- und Beschränkungsverbot –
• es darf weder ausdrücklich noch versteckt diskriminiert werden

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• Unionsbürger müssen gleiche Entlohnung, Arbeitsbedingungen sowie soziale und


steuerliche Vergünstigungen erhalten außer es lässt sich durch Gründe der öffentlichen
Ordnung, Sicherheit, Gesundheit rechtfertigen
• richtet sich nicht nur an Mitgliedstaaten sondern auch private Personen (private
Arbeitgeber)
• auch nicht diskriminierende Beschränkungen sind verboten außer diese sind aus Gründen
des Allgemeininteresses erforderlich
• auch unterschiedslos anwendbare Bestimmungen die Zugang der Arbeitnehmer zum
Arbeitsmarkt eines anderen Mitgliedsstaates beeinflussen sind verboten
Grafik „Arbeitnehmerfreizügigkeit“ siehe S. 165

Niederlassungsfreiheit
• Recht zur Aufnahme und Ausübung einer dauerhaften selbstständigen wirtschaftlichen
Tätigkeit
• Recht zur Gründung/Leitung von Unternehmen unter gleichen Bedingungen wie Inländer
• jeder Unionsbürger kann sich darauf unabhänig von seiner Ortsansässigkeit berufen
Diskriminierungen aus Gründen der Staatsangehörigkeit sowie Beschränkungen zur freien
Standortwahl sind verboten
• Niederlassungsfreiheit gilt auch für Gesellschaften und juristische Personen
• Sitzverlegung in anderen Mitgliedstaat möglich
• Entscheidung des EuGH zwischen Verpflichtungen des Herkunfts- und des
Aufnahmemitgliedstaates
• Bei Gründung einer Zweigniederlassung sind Mindestkapitalvorschriften und Haftung des
Herkunftslandes anzuwenden
• Gesellschaften die in Drittstaaten gegründet wurden können sich nicht auf
Niederlassungsfreiheit berufen
• rechtsformwahrender Zuzug – wenn Hauptstandort in anderen Mitgliedstaat verlegt wird,
wird von Niederlassungsfreiheit geschützt
• Wegzugsrecht ist zwar auch beinhaltet – steuerliche Wegzugsbeschränkungen sind aber
zulässig

Societas Europaea (SE) – Gründung erfordert Wirtschaftstätigkeit in mind. 2 EU-


Mitgliedstaaten, Mindestkapital 120.000 €, Sitz muss Hauptverwaltungsstandort in Union
liegen, Sitz kann jederzeit in anderen Mitgliedstaat verlegt werden,

allgemeine Diskriminierungen aus Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit oder


Gesundheit sind gerechtfertigt, auch nicht diskriminierende Beschränkungen aus zwingenden
Gründen des Allgemeininteresses sind legitim
Grafik „Niederlassungsfreiheit“ siehe S. 170

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Dienstleistungsfreiheit
Selbstständige vorübergehende Tätigkeiten die grenzüberschreitendes Element aufweisen
Aktive Dienstleistungsfreiheit – Dienstleistung wird in anderem Mitgliedstaat in dem
Dienstleistungsempfänger ansässig ist erbracht
Passive Dienstleistungsfreiheit – Leistungsempfänger begibt sich für Entgegennahme der
Leistung in anderen Mitgliedstaat
„grenzüberschreitendes Element“ - liegt vor wenn Dienstleistungserbringer und
Dienstleistungsempfänger in anderem Mitgliedstaat sind bzw. wenn nur die Dienstleistung
eine Grenze überschreitet nicht aber Dienstleistungsempfänger, -erbringer (zB
Bankgeschäfte)
• Schützt natürliche Personen sowie Gesellschaften die in EU ansässig sind
• Dienstleisungsfreiheit schützt Unions- und EWR-Bürger die in einem anderen
Mitgliedstaat Dienstleistungen erbringen oder in Anspruch nehmen wollen
Unterschied Dienstleistungs-/Warenverkehrsfreiheit – Dienstleistungsfreiheit betrifft nur
immaterielle Produkte, Warenverkehrsfreiheit nur materielle Produkte
Unterschied Dienstleistungs-/Niederlassungsfreiheit – Dienstleistungsfreiheit bezieht sich
auf vorübergehende Leistungen (man kann aber zB Büro in anderen Mitgliedstaat anmieten
zur Erbringung der Leistung), Niederlassungsfreiheit auf dauerhafte Leistungen
Unterschied Dienstleistungs-/Arbeitnehmerfreizügigkeit – Arbeitnehmer sind
unselbstständig, Dienstleistende sind selbstständig tätig
• Ausdrückliche und versteckte Diskriminierungen des Erbringers/Empfängers sind
Verboten außer bei Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit, Gesundheit und
müssen verhältnismäßig sein
• Verboten sind auch nicht diskriminierende Beschränkungen außer bei zwingenden
Gründen im Allgemeininteresse
Grafik „Dienstleistungsfreiheit“ siehe S. 175

Kapital- und Zahlungsverkehrsfreiheit


Grundsätzlich sind alle Beschränkungen des Kapital- und Zahlungsverkehrs verboten,
Schaffung eines europäischen Finanzraums, Ausweitung auch auf Drittstaaten
Kapitalverkehr – grenzüberschreitende Übertragung von Geld- und Sachkapital, primär zu
Anlagezwecken
Zahlungsverkehr – Transfer von Geld
• Steuerrechtliche Differenzierung zwischen Inländern und EU-Ausländern ist erlaubt
• Unerlässliche Maßnahmen zur Vermeidung finanzrechtlicher Vergehen sowie Wahrung der
öffentlichen Ordnung und Sicherheit sind ebenfalls erlaubt, derartige Maßnahmen dürfen
weder Mittel willkürlicher Diskriminierung oder verschleierte Beschränkung des freien
Kapital- und Zahlungsverkehrs darstellen
• Genehmigungspflicht für Transaktionen ist unzulässig, Anmeldesystem aber erlaubt
• Privatisierungsvorgänge fallen in Schutz der Kapitalverkehrsfreiheit können aber zur
Sicherung der Energieversorgung sowie aus Verbraucherschutzgründen eingeschränkt
werden

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• Sondereinflussrechte des Staates in Form von Sonderaktien stellen Beschränkung der


Kapitalverkehrsfreiheit dar
Grafik „Kapital- und Zahlungsverkehrsfreiheit“ siehe S. 178

Unionsbürgerschaft und Freizügigkeit


• Durch Unionsbürgerschaft – politische Teilhabe- und Kontrollrechte, zur Herausbildung
einer europäischen Identität
• Unionsbürgerschaft tritt zu nationaler Staatsbürgerschaft hinzu, ersetzt diese aber nicht
Bewegungsfreiheit und Aufenthaltsfreiheit für Unionsbürger innerhalb des
Hoheitsgebietes der Mitgliedstaaten
• Freizügigkeits- und Aufenthaltsrecht kommt nur zur Anwendung, wenn Berufung auf
wirtschaftliche Personenverkehrsfreiheit ausscheidet
• RL setzt Krankenversicherung und ausreichende Existenzmittel voraus bei Aufenthalt
zwischen drei Monaten und fünf Jahren ohne Erwerbstätigkeit in anderem Mitgliedstaat
bestimmte Vorraussetzungen das Familienangehörige der Unionsbürger Recht der
Freizügigkeit- und Aufenthaltsrichtlinie haben
• Unionsbürgerschaft als Anknüpfungspunkt für weitreichende
Gleichberechtigungsansprüche hinsichtlich Nicht-Diskriminierung aufgrund der
Staatsangehörigkeit auch ohne wirtschaftliche Tätigkeit
• umfasst auch Leistungsansprüche einschließlich Sozialleistungen
• Mitgliedstaaten müssen Handlungen unterlassen die auch ohne Grenzüberschreitung den
Unionsbürger faktisch zum Verlassen der Union führen
• Unionsbürger können aber von Mitgliedstaat ausgewiesen werden und keinen Anspruch
auf Sozialleistungen haben, wenn sie Freizügigkeits- und Aufenthaltsrichtlinie nicht
erfüllen

Europäisches Wettbewerbsrecht

Warum gibt es überhaupt Wettbewerbsregeln?


• Materiell-rechtliche Rechtsquellen sind Kartellverbot, Verbot des Missbrauchs einer
marktbeherrschenden Stellung, sekundärrechtliche
Zusammenschluss-/Fusionskontrollverordnung
• öffentliche/privilegierte Unternehmen unterliegen auch Wettbewerbsregeln
• Ausnahme von Unternehmen die zur Erfüllung durch Mitgliedstaaten geregelten
gesamtgesellschaftlichen Interessen handeln
• Beihilfeverbot
• Zur Erhaltung eines „Systems, das den Wettbewerb vor Verfälschungen schützt“
• soll mittelbar Endverbraucher zugutekommen
• Verstoß gegen Kartellverbot bei Absprachen zu Produkt- und Preispolitik, Schwächung des
Wettbewerbsdrucks
• Verstoß gegen Verbot des Missbrauchs marktbeherrschender Stellung bei nicht mehr
funktionierendem Wettbewerbsdruck zulasten der Konkurrenz und Abnehmer
• Beihilfeverbot soll staatliche Eingriffe in den Wettbewerbsprozess verhindern

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• das europäische Wettbewerbsrecht sollte zudem den grenzüberschreitenden


Wirtschaftsverkehr fördern – Unterscheidung zu rein nationalen Wettbewerbsvorschriften
Anwendungsschwelle – Anwendung nur wenn Handel zwischen Mitgliedstaaten
beeinträchtigt wird, auch die Fusionskontrollverordnung gilt nur für Zusammenschlüsse von
unionsweiter Bedeutung (Unternehmen erzielt Umsatz von zumindest einem Drittel in
anderem Mitgliedstaat)
Grafik „Wettbewerbsrecht der EU“ siehe S. 188

Das Kartellverbot
Wettbewerbsdruck kann betriebswirtschaftliche Ziele gefährden, um Unsicherheit zu
vermeiden werden Absprachen getroffen, führt zu Reduktion des Wettbewerb deshalb
Kartellverbot – verbietet alle Vereinbarungen zwischen Unternehmen, Beschlüsse von
Unternehmensvereinigungen, aufeinander abgestimmte Verhaltensweisen die Handel
zwischen Mitgliedstaaten beeinträchtigen bzw. Verhinderung, Einschränkung, Verfälschung
des Wettbewerbs bewirken
Konzernprivileg – Konzerne sind Ausnahme und dürfen Absprachen tätigen

Die Kartellmerkmale –
• Vereinbarungen und abgestimmte Verhaltensweisen zwischen Unternehmen sowie
Beschlüsse von Unternehmensvereinigungen
• Vereinbarung ist wenn gemeinsamer Wille von zueinander unabhängigen Unternehmen
zum Ausdruck gebracht wird
• kann schriftlich, mündlich, stillschweigend, verbindlich oder unverbindlich geschehen
Abstimmung ist ein gegenseitiger Informationsaustausch um somit zB gleiche Preise zu
erzielen
• Eigenständiges Parallelverhalten (erstes Unternehmen erhöht Preis, zweites zieht nach) ist
erlaubt, Beschlüsse von Unternehmensvereinigungen (Zusammenschluss von
Unternehmen gleicher Interessen) werden durch Rechtssprechung unterschiedlich
ausgelegt
Horizontale Vereinbarungen – Vereinbarungen zwischen Unternehmen der gleichen
Wirtschaftsstufe für Preisabsprachen, einheitliche An- und Verkaufspreise, Rabattgewährung,
Geschäftsbedingungen, sowie Vereinbarungen über Absatz, Beschaffung oder
mengenbezogene Erzeugungsbeschränkungen (Quotenvereinbarungen)
Vertikale Vereinbarungen – Vereinbarungen zwischen Unternehmen verschiedener
Wirtschaftsstufe (zB Händler – Verkäufer), Preisfestsetzung durch Händler
Bezweckung oder Bewirkung einer spürbaren Wettbewerbsbeschränkung und spürbare
Beeinträchtigung des Handels zwischen den Mitgliedstaaten – Verhaltenskoordination
zwischen Unternehmen ist Verboten wen Beschränkung des relevanten Marktes
bezweckt/bewirkt und spürbar af Wirtschaftsverkehr wirkt
Wettbewerbsbeschränkung - wenn wirtsschaftliche Autnomomie beteiligter oder dritter
Unternehmen eingeschränkt wird, umfasst Sachverhalte wie Preis- und Gebietsabsprachen
sowie Beschränkung der Produktion in Form von Quotenabsprachen und
Herstellungsverboten

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Bagatellabsprachen –
• nur spürbare Wettbewerbsbeschränkungen sind verboten, andere gelten als
Bagatellabsprachen
• Absprachen Unternehmen horizontaler Vereinbarungen die gemeinsam nur Marktanteil
von 10% erreichen gelten nicht wettbewerbseinschränkend
• bei Unternehmen vertikaler Vereinbarungen gilt gemeinsamer Marktanteil von 15%
Gesamtwirkung nebeneinander bestehender Netze/Vereinbarungen, wenn Marktanteil
beteiligter Unternehmen 5% nicht übersteigt bzw. weniger als 30% des relevanten Marktes
abdeckt
• Bagatellgrenzen gelten bei verpönten Absprachen nicht (Preisabsprachen, Produktions-
und Absatzabeschränkungen, Aufteilung von Märkten/Kunden)

Kartellvereinbarungen sind ungültig/zivilrechtlich nichtig, Einhaltung kann nicht eingeklagt


werden
Ausnahmen vom Kartellverbot –
• bestimmte wettbewerbsbeschränkende Vereinbarungen können erlaubt sein bei
- Verbesserung der Warenerzeugung/-verteilung, zu Betrag des
wirtschaftlichen/technischen Fortschritts
- Beteiligung der Verbraucher an daraus resultierenden Vorteilen
- Nur Wettbewerbsbeschränkungen bis zur Erreichung des verfolgten Ziels
- Funktionierender Wettbewerb auf betroffenen Markt
• Vereinbarungen, Beschlüsse, abgestimmte Verhaltensweisen sind durch Erfüllung dieser
Voraussetzungen vom Kartellverbot freigestellt
• Eigenverantwortliche Abschätzung der Unternehmen über Auswirkungen
wettbewerbseinschränkender Maßnahmen
• Kommission erleichtert Rechtsunsicherheit der Unternehmen durch erläuternde
Mitteilungen und Leitlinien zur Auslegung der Richtlinien
Gruppenfreistellungsverordnungen (GVO) – konstitutive und pauschale Annahme das
wettbewerbsbeschränkende Vereinbarungen, Beschlüsse von Unternehmensvereinigungen,
abgestimmte Verhaltensweisen die obengenannte Voraussetzungen erfüllen

Wettbewerbsbeschränkungen die nicht in Gruppenfreistellungsverordnung fallen können


auch im Nachhinein durch Einzelprüfung freigestellt werden
Grafik „Kartellverbot“ siehe S. 199

Verbot des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung


Verbot missbräuchlicher Benutzung marktbeherrschender Stellung oder wesentlichem Teil
des Marktes

Was ist der relevante Markt?


bei Prüfung des Einzelfalles wird sachlich und örtlich relevanter Markt vorausgesetzt, dient
zur Abgrenzung des Gebietes auf dem Unternehmen im Wettbewerb stehen

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Der sachlich relevante Markt (=Produktmarkt) – Substituierbarkeit des Produkts aus Sicht
des Abnehmers/Konsumenten, wenn Abnehmer durch Preiserhöhungen anderes Produkt
kauft kann von einheitlichem Produktmarkt gesprochen werden,
Angebotssubstituierbarkeit – Einfachheit der Umstellung der Produktion potenzieller
Mitbewerber, kann dies unter geringen Kosten und kurzer Frist umgestellt werden gehören
Mitbewerber zum relevanten Markt
Der örtlich relevante Markt – alternative Bezugsquelle nach geographischen
Gesichtspunkten
Definition der Komission – Gebiet in dem Angebot und der relevanten
Produkte/Dienstleistungen homogen sind und sich spürbar in Wettbewerbsbedingungen von
benachbartem Gebiet unterscheidet, örtlich relevanter Markt muss Binnenmarkt bzw.
wesentlichen Teil (Staatsgebiet von Mitgliedstaat, See-/Flughäfen) des Binnenmarktes
umfassen

Wann liegt eine marktbeherrschende Stellung vor?


• wenn es Aufrechterhaltung eines wirksamen Wettbewerbs behindern kann
• marktbeherrschendes Unternehmen ist keinem nennenswerten Wettbewerb ausgeliefert
Marktanteil von unter 30 % bedeutet nicht vorliegen einer marktbeherrschenden Stellung
über 80 % Vorliegen beherrschender Stellung
• ab 50% liegt durch EuGH Vermutung vor das Unternehmen relevanten Markt beherrscht
(auch bei kollektiver Marktbeherrschung im Oligopol)

Wann liegt ein Missbrauch vor?


wenn Marktverhalten von normalem Leistungswettbewerb durch Disziplinierung des
Marktbeherrschers abweicht, Behinderungsmissbrauch – bei Behinderung durch andere
Wettbewerber, Ausbeutungsmissbrauch – bei direkter Ausbeutung der Abnehmer
Behinderungsmissbrauch – Marktmacht richtet sich gegen Mitbewerber durch
Lieferverweigerungen, Verhinderung zu Infrastruktureinrichtungen (Netzbenutzung), Verkauf
zu Verlustpreisen zur Marktverdrängung von Konkurrenz
Ausbeutungsmissbrauch – Ausnutzung der Abhängigkeit der Marktpartner zur Erzwingung
geschäftlicher Vorteile, zb in Form zu hoher Preise, unfaire Geschäftsbedingungen,
unsachliche Verknappung der Produktion
Grafik „Verbot des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung“ siehe S. 205

Das Verfahren zur Abstellung von Kartellen und des Missbrauchs einer marktbeherrschenden
Stellung
• Überwachung der Einhaltung durch Europäische Komission sowie
Wettbewerbsbehörden der Mitgliedstaaten
• im Fall eines Widerspruchs nationaler und Unionsrechte geht europäisches
Wettbewerbsrecht vor
• bei Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung dürfen Mitgliedstaaten strengere
Vorschriften haben
• Einleitung eines Verfahrens aufgrund Anregung eines Unternehmens
• Antrag eines Mitgliedstaates oder von Amts wegen

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Kronzeugenregelung –
• Unternehmen legt Teilnahme an Kartell offen
• Vorlage von Informationen und Beweismitteln
• völlige/teilweise Reduktion der Geldbuße
• zur Abschreckung der Bildung eines Kartells
• ermöglicht oft erst Einleitung eines Kartellverfahrens
Verfahrens- und Sanktionsbestimmungen für Kartellvollzug - bei Verstoß gegen
Kartellverbot, bzw. Verstoß gegen Verbot des Missbrauchs einer marktbeherrschenden
Stellung wird nationales Recht angewendet (dieses darf nicht weniger streng als Verfahrens-
und Saktionsbestimmungen der Komission sein)
Netzwerk der europäischen Wettbewerbsbehörden (ECN) –
• Diskussions- und Kooperationsforum zur einheitlichen Anwendung und Durchsetzung
der EU-Wettbewerbspolitik
• Information der Einleitung bzw. beabsichtigten Entscheidung einer nationalen
Wettbewerbsbehörde gegenüber Komission
• grundsätzlich dezentrales Vollzugssystem aber Möglichkeit der Kommission ein
Verfahren an sich zu ziehen zur Konzentration auf schwerwiegende Verstöße
• zur Förderung der einheitlichen Auslegung der Wettbewerbsregeln
Ermittlungsbefugnisse der Europäischen Komission –
• Verlangung aller (schriftlichen) Auskünfte, Zeugenvernehmung, Verwertung der Aussagen
als Beweismittel
• Hausdurchsuchungen – Vorlage aller potenziell relevanten Unterlagen
• bei schwerwiegenden Verstößen auch Durchsuchung von Privaträumlichkeiten möglich
betroffene Unternehmen sind zu Kooperation verpflichtet, ansonsten Geldstrafen für
Erschwerung der Ermittlungen (bis zu 1% des letztjährigen Gesamtumsatzes)
• bei Feststellung eines Verstoßes zunächst Aufforderung zu rechtskonformen Verhalten
• Vorschrift verhaltensorientierter und strukturreller Natur durch Komission
• Verpflichtungszusage – freiwillige Verhaltenszusage durch Unternehmen um Verdacht
eines Wettbewerbsverstoßes auszuräumen
• Zwangsgelder für jeden Tag der fortdauernden Zuwiderhandlung (bis zu 5% des
durchschnittlichen Tagesumsatzes)
• Zusätzlich Möglichkeit Geldbußen in Höhe bis zu 10% des letztjährigen Gesamtumsatzes
zu verhängen für abschreckende Wirkung – „public enforcement“ – wird auch medial meist
verbreitet
• „private enforcement“ – zusätzlich zivilrechtliche Schadenersatzklagen vor nationalen
Gerichten möglich, steht in gewissem Spannungsverhältnis zu Kronzeugenregelung
(niemand will sich selbst stellen, wenn er private Anklage befürchten muss)

Richtlinie zur Harmonisierung des Kartellschadenersatzrechts, zur Vereinfachung der privaten


Rechtsdurchsetzung, Umsetzung durch Mitgliedstaaten bis Ende 2016

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Fusionskontrolle
funktionierender Wettbewerb wird durch Zusammenschluss konkurrierender Unternehmen
gefährdet, Unternehmenszusammenschlüsse von unionsweiter Bedeutung müssen durch
Kommission geprüft werden
Arten der Unternehmenszusammenschlüsse:
- Verschmelzung (Fusion): Zwei vorher eigenständige Unternehmen werden zu einem
Unternehmen
- Kontrollerwerb: Kauf von Gesellschaftsanteilen, weiterhin zwei eigenständige
Unternehmen aber Kontrolle über Gesellschaftsanteile des anderen Unternehmens
und dadurch Mitspracherecht
- Errichtung eines Gemeinschaftsunternehmens („Joint Venture“): Gründung eines
gemeinsamen neuen Unternehmens durch zwei eigenständige Unternehmen –
„Vollfunktionsgemeinschaftsunternehmen“, wenn es sich lediglich um
„Teilfunktionsgemeinschaftsunternehmen“ (zB erfüllt nur die Aufgaben einer
Forschungs- und Entwicklungstätigkeit) ist es kein Zusammenschluss in Hinblick auf
Fusionskontrollverordnung, wettbewerbsbeschränkende Wirkung muss geprüft
werden
Unionsweite Bedeutung – Zusammenschluss laut Fusionskontrollverordnung muss
grenzüberschreitendes Element gewisser Größe aufweisen, Überschreitung gewisser
Umsatzschwellen, wenn Umsatzschwellen nicht erreicht werden gilt nationales
Fusionskontrollrecht (auch bei grenzüberschreitender Wirkung), Komission kann aber auf
Antrag Prüfung eines grenzüberschreitenden Zusammenschlussvorhabens vornehmen
Genehmigungsverfahren und materielle Prüfung – Anmeldung bei Komission bei
Unternehmenszusammenschlüssen mit unionsweiter Bedeutung, Prognoseentscheidung
durch Komission ob Zusammenschluss zu Beeinträchtigung des Wettbewerbs führt,
Verpflichtungserklärungen durch Unternehmen zur teilweisen Abänderung des
Zusammenschlussvorhabens, Durchführung des Zusammenschlusses vor Genehmigung ist
verboten, Sanktionierung mit hohen Geldstrafen, Nichtigkeitsklage bei EuG gegen Beschlüsse
der Komission
Grafik „Fusionskontrolle“ siehe S. 214

Verbot staatlicher Beihilfen


Das grundsätzliche Beihilfeverbot – staatliche Beihilfen zur Begünstigung bestimmter
Unternehmen/Produktionszweige, die Wettbewerb verfälschen, unvereinbar mit Binnenmarkt
sind, Handel zwischen Mitgliedstaaten beeinträchtigen sind verboten
Beihilfen – staatliche Begünstigungen in Form von Zuschüssen, günstigen Krediten,
staatlicher Beteiligung an Unternehmen, günstige Steuersätze, Steuerbefreiungen die keine
gleichwertige Gegenleistung erfordern, Unternehmen erhält wirtschaftliche Vergünstigung
die nicht normalen Marktbedingungen entspricht

Um Verdacht marktunüblicher Begünstigungen bei Investitions- und


Kapitalbeteiligungsentscheidungen auszuräumen:
„Private Investor Test“ – Vergleich zu Privatinvestor

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„Private Vendor Test“ – bei Privatisierung Vergleich zu Privatverkäufer, Wert wird ermittelt
durch offenes Ausschreibungsverfahren
Verbot von Quersubventionierungen – Staat verwendet Einnahmen aus Monopol für
Tätigkeiten in Konkurrenzsituation
Budgetwirksamtkeit – Belastung/Einnahmeverlust bei Staat, lediglich zB lockere
Bestimmungen bei Umweltauflagen/Produktionsvorschriften sind nicht budgetwirksam, bei
generellen Ausschüttungen an alle Wirtschaftstreibenden liegt keine Beihilfe vor
Ausnahmen vom Beihilfeverbot – Festlegung von Genehmigungsermächtigungen durch
Komission, erlaubt sind:
- Beihilfen an einzelne Verbraucher ohne Diskriminierung nach Herkunft der Ware
- Beihilfen für Katastrophenfälle
- Beihilfen zur Förderung wirtschaftlich unterentwickelter Gebiete
- Beihilfen zur Behebung von beträchtlichen Störungen des Wirtschaftslebens (Finanz-
und Wirtschaftskrise)
- Beihilfen zur Entwicklungsförderung gewisser Wirtschaftszweige/-gebiete
- Beihilfen zur Kulturförderung
- Nähere Konkretisierung durch Leitlinien der Komission
- „De-minimis-Beihilfen“ die weniger als 200.000 € pro Unternehmen, 500.000 € bei
Unternehmen mit Dienstleistungen von allgemeinem wirtschaftlichen Interesse sowie
Beihilfen für klein/mittel Unternehmen, Regional-/Ausbildungsbeihilfen sind vom
Beihilfeverbot ausgenommen

Das Verfahren der Beihilfeaufsicht


Melde- und Genehmigungspflicht – jegliche staatliche Beihilfe außer „De-minimis-
Beihilfen“ sowie Beihilfen aus Gruppenfreistellungsverordnung müssen aufgrund
Beihilfenverordnung und Verfahrensdurchführungskontrolle an Komission gemeldet werden
Vorprüfung – Beihilfe ist vereinbar -> keine weitere Prüfung, Beihilfe ist mit Binnenmarkt
unvereinbar -> Hauptprüfungsverfahren – endet mit Genehmigung oder Verbot der Beihilfe,
nach 2 Monaten keine Entscheidung durch Komission -> stillschweigende Genehmigung
solange keine Genehmigung durch Komission vorliegt darf keine Einführung der Beihilfe
erfolgen ansonsten Aussetzung bzw. Wiedereinziehung der Beihilfe
Möglichkeit der Untersagung bestehender Beihilfen – bereits bestehende Beihilfen sind
bis Untersagung durch Komission zulässig, bestehende Beihilfen – wurden bereits vor Eintritt
zur EU gewährt
Rechtsmittel gegen Entscheidungen der Komission – Zuständigkeit liegt bei Gericht der
Europäischen Union (EuG), Anfechtung bei EuGH
Grafik „Beihilfenverbot“ siehe S. 219

Wettbewerbsregeln für öffentliche, privilegierte und mit gemeinwirtschaftlichen Aufgaben


betraute Unternehmen
Öffentliche Unternehmen – Geschäftsführung wird bestimmend durch öffentliche Hand
beeinflusst
Privilegierte Unternehmen – mit ausschließlichen/besonderen Rechten ausgestattet

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• Beitrag zur Erfüllung gemeinwirtschaftlicher Aufgaben im allgemeinen Interesse,


Ausnahmeregelungen für öffentliche/privilegierte Unternehmen, auch möglich für private
Unternehmen die mit Erfüllung gemeinwirtschaftlicher Aufgaben betraut sind,
• Verbot protektionistischer Maßnahmen im Sinne des Diskriminierungsverbotes und der
europäischen Wettbewerbsvorschriften, heißt das auch für öffentliche/privilegierte
Unternehmen diese Verbote gelten solange sie dadurch nicht in ihren Aufgaben rechtlich
und faktisch eingeschränkt werden
• Es liegt keine Beihilfe vor wenn Unternehmen die Dienstleistungen im Auftrag
wirtschaftlichen Interesses erbringen einen öffentlichen Zuschuss erhalten wenn folgende
Kriterien erfüllt werden:
- Unternehmen muss wirklich mit gemeinwirtschaftlichen Aufgaben nach klar
definierten Verpflichtungen erfüllen
- Objektive und transparente Parameter zur Berechnung des Ausgleiches
- Ausgleich darf nicht über Kosten der Erfüllung gemeinwirtschaftlicher Verpflichtungen
unter Berücksichtigung eines angemessenen Gewinnes liegen
- Höhe des Ausgleichs wird nach Kosten die für Erfüllung er gemeinwirtschaftlichen
Aufgaben entstehen, Analyse entfällt wenn Unternehmen durch öffentliches
Vergabeverfahren betraut wird

Gewerbeantritt

Die Gewerbeordnung 1994 – Was regelt sie und worauf zielt sie ab?
Staatsgrundgesetz – Freiheit jeden selbständigen/unselbständigen Erwerbszweig „unter den
gesetzlichen Bedingungen“ auszuüben, teils also reglementiert durch gesetzliche Vorschriften
die branchen- oder berufsspezifisch Antritt bzw. Ausübung regeln
Gewerbeordnung – Förderung von Qualität (zB Nachweis fachlicher Eignung), Abwehr von
Gefahren, Antrittsregelungen zum Konsumentenschutz

Für welche Tätigkeiten gilt die Gewerbeordnung?


Gilt für alle gewerbsmäßig ausgeübten, nicht gesetzlich verbotenen Tätigkeiten soweit nicht
ausgenommen sind, wenn eine der Vorraussetzungen nicht erfüllt ist – keine Anmeldepflicht
Gewerbsmäßigkeit – selbstständig, regelmäßig, mit Ertragsaussicht
Selbstständigkeit – auf eigene Rechnung und Gefahr, „ist eigener Chef“, wirtschaftliche
Abhängigkeit von anderem Betrieb schließt Selbstständigkeit nicht aus
Regelmäßigkeit – wird wiederkehrend, mit Wiederholungsabsicht oder über längeren
Zeitraum vorgenommen
Ertragsabsicht – Absicht, Ertrag oder wirtschaftlichen Vorteil zu erwirtschaften, muss aber
nicht tatsächlich erwirtschaftet werden (auch bei Verlust bleibt es Gewerbe), Anbieten gegen
Entgelt bedeutet nicht zwangsläufig Ertragserzielungsabsichten (karitative Zwecke), anbieten
für variables Entgelt kann trotzdem Ertragsabsichten bedeuten (pay as you wish-System)
Bei Vereinen – wenn öfter als einmal pro Woche bzw. Erscheinungsbild eines Gewerbes dann
wird Ertragsabsicht vermutet

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Keine verbotene Tätigkeit – Eindeutig gesetzlich verbotene Tätigkeiten wie Drogenhandel,


Verstoß gegen einzelne Rechtsvorschriften im Zuge der Ausführung gelten nicht als
verbotene Tätigkeit
Ausnahmen – unterliegen teils Sondergesetzen bzw. speziellen Regelungen wie zB Banken,
Versicherungen, Rechtsanwälte, Notare, Ärzte, Gewerbeordnung darf nicht Sachverhalte
regeln die Ländern vorbehalten sind zB Landwirtschaft, Privatzimmervermietung,
Veranstaltungsbetriebe
Grafik „Eine Tätigkeit unterliegt der Gewerbeordnung (GewO), wenn sie...“ siehe S. 233

Welche Gewerbearten gibt es?


Unterscheidung in verschiedene Gewerbearten (nach Befähigungsnachweis,
Zuverlässigkeitsprüfung, Betriebsbeschaffenheit)
Reglementierte Gewerbe, Teilgewerbe und freie Gewerbe – je nachdem ob
Befähigungsnachweis erforderlich ist Unterscheidung in reglementierte Gewerbe,
Teilgewerbe und freie Gewerbe
Reglementierte Gewerbe – Erfüllung allgemeiner Vorraussetzungen, Befähigungsnachweis
(zB entsprechendes Abschlusszeugnis) zur Sicherstellung hoher Leistungsstandards und
Konsumentenschutz, rechtspolitischer Gestaltungsspielraum für Gesetzgeber durch Eingriff in
Erwerbsfreiheit, zB Arbeitsvermittlung, Tischler, Metalltechnik, Ingenieurbüros, Gastgewerbe,
Kosmetik, Lebens- und Sozialberatung, Fremdenführer, Reisebüros, bei Handwerken ist
Befähigungsnachweis in Form von Meisterprüfung zu erbringen (Optiker, Bäcker, Dachdecker,
Fleischer, Friseur, Rauchfangkehrer, etc)
Verbundene Handwerke – setzen sich aus mehreren Gewerben mit engem fachlichen
Zusammenhang zusammen, wird Befähigungsnachweis für verbundenes Gewerbe erbracht
darf man auch in dem damit verbundenen Gewerbe tätig sein (zB Tischler als Bildhauer,
Gärtner als Florist)
Teilgewerbe – sind Tätigkeiten eines reglementierten Gewerbes die minder ausgebildete
Personen auch ausführen können, reduzierter Befähigungsnachweis erforderlich, zB
Zusammenbau von Möbelbausätzen
Freie Gewerbe – alle restlichen die nicht unter obengenannten Vorraussetzungen fallen sind
freie Gewerbe, kein Befähigungsnachweis erforderlich (ausgenommen Handel mit
Medizinprodukten, Waffenhandel), um entstehen neuer Tätigkeitsfelder zu erleichtern
Industriebetrieb – kein Befähigungsnachweis erforderlich
Anmeldungspflichtige und sensible Gewerbe – bloße Anmeldungsgewerbe (nur
Befähigungsnachweis notwendig), „sensible“ Gewerbe (besonders zulassungspflichtige
Gewerbe – Zuverlässigkeitsprüfung), Anmeldungspflichtige Gewerbe dürfen ab Anmeldung
ausgeübt werden, für Anmeldung lediglich Verständigung der Gewerbebehörde mit genauen
Bezeichnung und Standort des Gewerbes erforderlich, Gewerbe wird in elektronisch geführtes
Gewerbeinformationssystem Austria (GISA) eingetragen, bei Nicht-Anmeldung bis zu 3600 €
Strafe plus Untersagung der Ausübung des Gewerbes mittels Bescheid
„sensible“ Gewerbe – vor Gewerbeantritt wird gewerbespezifische Zuverlässigkeitsprüfung
des Bewerbers durch Behörde anlässlich der Gewerbeanmeldung durchgeführt, Feststellung

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mittels Bescheid, erst wenn dieser Rechtskraft erlangt darf Gewerbe ausgeführt werden (bei
Waffengewerbe, Pyrotechnik, Baumeister, chemischen Laboratorien)
Waffengewerbe zusätzlich sicherheitspolizeiliche Zuverlässigkeit
Rauchfangkehrer nur bei Vorliegen eines Bedarfs
Grafik „Verfahren zum Gewerbeantritt“ siehe S. 238
Gewerbeausübung als Industriebetrieb – Industriebetrieb heißt hoher Kapital- und
Maschineneinsatz, serienmäßige Produktion, größere Zahl ständig beschäftigter
Arbeitnehmer, organisatorische Trennung technischer und kaufmännischer Führung, kein
Befähigungsnachweis erforderlich (Ausnahme: Baumeister, Herstellung von Arzneimitteln u.
Giften, Waffengewerbe), Gewerbeinhaber hat keinen prägenden Einfluss auf gewerbliche
Tätigkeit daher kein Befähigungsnachweis (nicht industriell sind Tourismusgewerbe,
Handelsgewerbe)
Grafik „Übersicht Gewerbearten“ siehe S. 239

Unter welchen Voraussetzungen darf ein Gewerbe ausgeübt werden?


Erfüllung allgemeiner und besonderer Vorraussetzungen

Die allgemeinen Vorraussetzungen


Gewerberechtliche Handlungsfähigkeit – natürliche Person, Volljährigkeit, dürfen nicht
unter Sachwalterschaft stehen, jur. Personen (GmbH, AG) müssen Geschäftsführer bestellen
Unbescholtenheit – keine Verurteilung wegen betrügerischen Vorenthaltens von SV-
Beiträgen/Zuschlägen nach Bauarbeiter-Urlaubs und Abfertigungsgesetz, organisierter
Schwarzarbeit, Kridadelikten, solange noch Vermerk in Strafregister ist, bei Vorliegen
sonstiger Straftaten mit Verurteilung über 3-monatiger Freiheitsstrafe oder Geldstrafe über
180 Tagessätze, bei Gastgewerbe wenn Suchtgiftmitteldelikt vorliegt, Finanzvergehen bei
Gestrafe höher 726 € wenn seither keine 5 Jahre vergangen sind, Personen denen
Gewerbeberechtigung entzogen wurde, wenn Vermögen nicht für Abdeckung von
Insolvenzverfahrenskosten ausreicht
Österreichische bzw gleichgestellte Staatsbürgerschaft oder legaler Aufenthalt im
Inland – grundsätzlich ist Erwerbsfreiheit an Staatsbürgerschaft gebunden, Staatsangehörige
aus EU-Mitgliedstaaten sowie EWR dürfen aufgrund des Verbots der Schlechterstellung aus
Gründen der Staatsbürgerschaft Gewerbe wie Inländer ausüben, gilt auch für
Familienangehörige, Sonderregelungen für Schweizer, auch erlaubt für Ausländer die legalen
Aufenthalt in Österreich haben und deren Aufenthaltszweck es erlaubt, jur. Personen müssen
Sitz in Inland haben, gewerbliche Arbeiten dürfen aufgrund Dienstleistungs- und
Niederlassungsfreiheit auch bei Sitz in anderem EU/EWR-Staat ausgeführt werden

Die besonderen Vorraussetzungen


Befähigungsnachweis – bei reglementierten Gewerben, weist fachliche, kaufmännische
Kenntnisse/Fähigkeiten/Erfahrungen zur selbstständigen Ausführung der Tätigkeit aus, bei
juristischen und natürlichen Personen muss gewerberechtlicher Geschäftsführer Nachweis
erbringen, Verordnung durch Bundesminister bestimmt Zugangswege (Zeugnis über
Meisterprüfung, Unternehmerprüfung, Schulbesuch, Lehrgangsbesuch,
Lehrabschlussprüfung, Tätigkeit in leitender Stellung, Nachweis als Selbstständiger)

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Nachweis individueller Belege für qualifizierte Bewerber, die Befähigungsnachweis-


Verordnung nicht erfüllen, Ausprechung der Befähigung zu Teiltätigkeiten durch
Gewerbebehörde, nicht mit Teilgewerbe verwechseln!!, bei EU/EWR-Bürgern Anerkennung
ersetzender Qualifikationen als Befähigungsnachweis, bei keinen einschlägigen
Anerkennungsvorgaben – Äquivalenzprüfung durch Landeshauptmann
Zuverlässigkeit – wird bei „sensiblen“ Gewerben überprüft, ist nicht gegeben wenn
Gewerbeinhaber gegen Rechtsvorschriften und Schutzinteressen verstößt
Weitere Bedingungen – zusätzliche Vorraussetzungsbestimmungen zB Bedarfsprüfung bei
Rauchfangkehrer
Grafik „Vorraussetzungen für den Gewerbeantritt“ siehe S. 245

Wozu und wen ermächtigen Gewerbeberechtigungen?


Umfang der Gewerbeberechtigung -
Allgemeines – Inhalt und Umfang der Berechtigung ergeben sich aus Worlaut der
Gewerbeanmeldung, Feststellung mittels Bescheid bei sensiblen Gewerben
Nebenrechte –
• wirtschaftlicher Schwerpunkt und Eigenart des Betriebes müssen erhalten bleiben
• Ausführung einfacher, einzelner Tätigkeiten aus reglementierten Gewerben die nicht
extrigen Befähigungsnachweis erfordern
• Ausführung von Teilgewerben im fachlichen Zusammenhang, wenn zumindest voll
sozialversicherungspflichtiger Arbeitnehmer Befähigungsnachweis erbringen kann
• Ausführung verbundener Gewerbe, Kauf, Verkauf, Vermietung, Vermittlung und
zurücknahme von Waren (Ausnahme bei einzelnen reglementierten Gewerben), Planung,
Vorarbeit, Vollendungsarbeiten im zulässigen Umfang der Gewerbeausübung sowie im
geringen Ausmaß Erbringung von Leistungen anderer Gewerbe die eigene Leistungen
sinnvoll ergänzen sind erlaubt
• Instandhaltung und Instandsetzung von Betriebseinrichtungen, Maschinen, Anlagen sowie
Ausschank unentgeltlicher Getränke und Transport sind ebenfalls erlaubt
Grafik „Umfang der Gewerbeberechtigung“ siehe S. 248

Für welchen örtlichen Bereich gelten Gewerbeberechtigungen?


grundsätzlich auch in weiteren Betriebsstätten, Verlegung bzw. Erweiterung des Gewerbes in
weitere Betriebsstätte ist anzeigepflichtig, bloßer Mitteilungscharakter an Behörde

Wen berechtigen Gewerbeberechtigungen?


Gewerbeinhaber verfügt über Gewerbeberechtigung, Gewerbetreibender tatsächliche
Ausübung der Gewerbeberechtigung, Forbetriebsberechtigte erlangen Recht Gewerbebetrieb
durch Gewerbeberechtigung anderer Person fortzuführen (Ehepartner/Kinder nach Todesfall,
Insolvenzverwalter)
Der gewerberechtliche Geschäftsführer –
• Gewerbeinhaber können gewerberechtlichen Geschäftsführer bestellen muss nicht gleich
unternehmensrechlicher Geschäftsführer sein

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• bei Ansuchen um Gewerbeberechtigung aber nicht vorhandensein von entsprechendem


Befähigungsnachweis kann gewerberechtlicher Geschäftsführer bestellt werden, der diesen
Befähigungsnachweis hat
• muss Anordnungen gegenüber Mitarbeitern machen können
• gewerberechtlicher Geschäftsführer bei jur. Person muss entweder Vorstand angehören
od. halbtägig beschäftigter Angestellter sein
• Geschäftsführer muss Wohnsitz in Inland haben außer EWR/Schweiz
• Anzeige durch Gewerbeinhaber bei Bestellung/Ausscheiden gewerberechtlichen
Geschäftsführer
• besondere behördliche Genehmigung bei sensiblen Gewerben

Wann erlöschen Gewerbeberechtigungen?


• endet mit Tod (bei Fortführung nach Endigung des Fortbetriebsrechts)
• mit Auflösung
• mit Zurücklegung der Gewerbeberechtigung
• mit Entziehung der Gewerbeberechtigung durch Behörde (bei straf-
/finanzbehördlichen Verurteilungen, schwere Verstöße bei Rechtsvorschriften dem
Gewerbe betreffend, rechtskräftige Nichteröffnung einer Insolvenz, Entziehung der
Gewerbeberechtigung ausländischer Bürger bei illegalem Aufenthalt in Österreich)

Betriebsanlagenrecht und Baurecht

Das Betriebsanlagenrecht
• Betriebsanlagenrecht bildet Teil des Gewerberechts
• Unternehmensinteressen stehen Nachbarn/Aspekte des Umweltschutzes entgegen
• Spannungsverhältnis zwischen Interessen/Anforderungen der Wirtschaft und
effektiven Nachbar-/Umweltschutz
• individuelle Interessen des Nachbarrechts sind teils verknüpft mit öffentlichen
Interessen des Umweltschutzes
• regelt Vorschriften über Betriebsanlagen zur Ausübung gewerblicher Tätigkeit

Die gewerbliche Betriebsanlage


örtlich gebundene Einrichtung, regelmäßige Entfaltung gewerblicher Tätigkeit, Baulichkeiten
und sonstige Einrichtungen wie Büros, Fabriken, Gaststätten, Lagerhallen
Ortsgebundenheit – ortsfeste Einrichtung, auch bei beweglichen Einrichtungen wenn sie
ausschließlich und überwiegend für längere Zeit an bestimmten Standort sind (fahrbare
Würstelbude mit Standplatz)
Regelmäßigkeit – bei kurzfristigen gewerblichen Tätigkeiten (Messen) u.
Baustelleneinrichtungen nicht gegeben
Gewerbliche Tätigkeit – Tätigkeit im Sinne der Gewerbeordnung (Selbstständigkeit,
Regelmäßigkeit, Ertragsabsicht)

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Wann ist eine Betriebsanlage genehmigungspflichtig?


Normalanlagen – Betriebsanlagengenehmigungsverfahren auf Antrag des Unternehmer,
wenn durch Betriebsanlage abstrakte Gefährdung von Leben, Gesundheit sowie
Belästigungen hervorgerufen werden könnten
IPPC-Betriebsanlagen – Integrated Pollution Prevention Control-Richtlinie, besonders
umweltgefährdende Betriebsanlagen, Vermeidung und Verminderung der
Umweltverschmutzung, zusätzliche Genehmigungsvorraussetzungen (zB geeignete
Vorsorgemaßnahmen, Maßnahmen gegen Unfälle), verfahrensrechtliche Sonderregelungen,
einfaches Verfahren ist ausgeschlossen
Seveso III-Betriebsanlagen – Anlagen in denen „gefährliche“ Stoffe vorhanden sind wie
Erdölerzeugnisse, karzinogene Stoffe, zusätzliche Anforderungen, alle technisch möglichen
Maßnahmen um schwere der Unfälle zu verhüten und Folgen für Mensch/Umwelt begrenzen
Bagatellanlagen – weisen nur geringen Belästigungsgrad auf, vereinfachtes
Genehmigungsverfahren, Nachbarn haben nur beschränkte Parteistellung ob solche Anlage
vorliegt, Anlagen wobei Maschinen, Geräte, Ausstattungen wie aus Privathaushalt verwendet
werden, weniger als 800 m² Betriebsfläche, elektrische Anschlussleistung übersteigt 300 kW
nicht, Vermeidung von Gefährdungen, Belästigungen, Beeinträchtigungen, Belastungen der
Umwelt
Nicht genehmigungspflichtige Betriebsanlagen – keine relevanten Gefährdungen,
Belästigungen, sonstige Einwirkungen, wenn Gewerbeordnung als ausdrücklich nicht
genehmigungspflichtige Anlage klassifiziert zB reine Bürobetriebe, bei Errichtung kann aber
trotztdem baurechtliche Genehmigung erforderlich sein

Das Genehmigungsverfahren
bewilligungspflichtige Betriebsanlage muss nach Genehmigungskriterien im
Betriebsanlagengenehmigungsverfahren durch Behörde geprüft werden, Vorraussetzung für
Erteilung einer Betriebsanlagengenehmigung ist Vermeidung von Gefährdungen des
Lebens/Gesundheit/Eigentums und sonstiger dinglicher Rechte nach Stand der
Technik/Medizin, Bewilligungskriterien bei einfachem Verfahren gleich wie bei Normalanlage,
Nachbarn – haben Parteistellung, sind jene die durch Betriebsanlage gefährdet/belästigt
werden könnten, kännen sich auf Wahrung ihrer Interessen berufen bei zeitgerechter
Einwendung

Genehmigungskriterien
Gefährdung von Leben, Gesundheit und Eigentum –
• Gefährdung der Gesundheit heißt Einwirkung auf menschlichen Organismus der über
Belästigung (Geruch, Lärm) hinausgeht
• Schutz des Lebens von Gewerbetreibenden, Nachbarn, Kunden, Mitarbeitern,
vorraussehbare Gefährdungen sind zu vermeiden
• Schutz des Eigentums u. Dinglicher Rechte wenn Substanz des Eigentums bedroht ist
sowie sinnvolle Nutzung beeinträchtigt/nicht möglich ist, bloße Wertminderung gilt
nicht als Gefährdung

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• Raumordungsrechtliche Widmung um schwerwiegende Interessensgegensätze zu


vermeiden
Belästigungen der Nachbarn – sind nicht gesundheitsgefährdend stören aber
Wohlbefinden von Nachbarn infolge Lärm, Geruch, Staub sofern zumutbares Maß
überschritten wird, Behörde entscheidet aufgrund „Istmaß“ und an „Durchschnittsmensch“
was zumutbares Maß ist, eventuell Auflagen um Belästigungen auf zumutbares Maß zu
beschränken, im Einzelfall Gutachten durch Sachverständige, Belästigungen müssen nicht
vermieden sondern nur auf zumutbares Maß beschränkt werden
Beeinträchtigung öffentlicher Interessen – Schutz öffentlicher Interessen wie
Religionsausübung, Schulunterricht, Betrieb von Kranken-/Kuranstalten, bzw Verwendung
anderer öffentlicher Einrichtungen sowie Sicherheit/Leichtigkeit/Flüssigkeit des Verkehrs nicht
gestört wird, Beeinträchtigungen müssen durch Auflagen auf zumutbares Maß beschränkt
werden
Nachteilige Einwirkungen auf Gewässer – evtl. Sowieso wasserrechtliche Bewilligung
erforderlich, ansonsten Sicherstellung das nachteilige Einwirkungen auf Gewässer auf
zumutbares Maß beschränkt werden, Nachbarn haben kein isoliertes Recht auf Prüfung
nachteiliger Einwirkungen auf Gewässer durch Betriebsanlage
Luftschadstoffe – Minimierungsgebot der Emission von Luftschadstoffen, bei vorbelasteten
Gebiten Irrelevanzklausel (Betriebsanlage darf keine zusätzliche Schadstoffbelastung
darstellen), oder Kompensationsklausel (Schadstoffbelastung durch Betriebsanlage muss
durch Maßnahmen zur Senkung der Immissionsbelastung ausgeglichen werden)
Abfall – Auflagen zur Vermeidung/Verwertung/Entsorgung von Abfällen durch Vorlage eines
Abfallwirtschaftskonzept bei Genehmigung
Besondere Genehmigungskriterien bei IPPC-Anlagen – Errichtung/Betrieb/Auflassung
nach geeigneten Vorsorgemaßnahmen gegen Umweltverschmutzungen, notwendigen
Maßnahmen zur Verhinderung/Folgenbegrenzung von Unfällen, bei Auflassung des Betriebes
Vermeidung von Umweltverschmutzung und zufriedenstellende Wiederherstellung des
Zustandes des Betriebsgeländes

Auflagen
• Bescheide zur Bewilligung von Betriebsanlagen enthalten Reihe von Auflagen um
vorraussehbare Gefährdungen/Belästigungen/Beeinträchtigungen/nachteilige
Einwirkungen auf zumutbares Maß zu beschränken
• Prüfung der Behörde, ob festgestellte Genehmigungshindernisse durch Vorschreibung
entsprechender Auflagen beseitigt werden können
• Zulässigkeit einer Auflage wird nur durch Behörde nicht durch Nachbarn od.
Bewilligungswerber entschieden
• Auflagen sind erst relevant, wenn von Begünstigung (tatsächliche Inbetriebnahme der
Anlage) Gebrauch gemacht wird – akzessorisch
Auflagen dürfen das Projekt nicht in seinem Wesen verändern – Auflagen dürfen
beantragtes Projekt nicht derart verändern, dass es sich um anderes Projekt handelt, sind nur
projektverändernde Maßnahmen möglich um Projekt zu genehmigen muss Genehmigung
versagt werden

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Bestimmtheit – Auflagen müssen konkrete „Befehle“ (klare, eindeutige Formulierung) sein


die bei Missachtung strafbar gemacht werden können
Geeignetheit – Auflagen müssen für Zielerreichung faktisch und technisch durchführbar sein
Erforderlichkeit – Auflagen müssen zur Gefahrenvermeidung erforderlich sein, bei mehreren
Möglichkeiten ist für Unternehmer wirtschaftlich günstigte Maßnahme vorzuschreiben
Behördliche Erzwingbarkeit – Einhaltung der Auflagen muss durch Behörde überprüft und
durchgesetzt werden können
Betrieb der Anlage während anhängiger Beschwerdeverfahren – Projektwerber kann trotz
Beschwerde durch zB Nachbar bei Verwaltungsgericht mit Bau und Betrieb der Anlage
beginnen jedoch mit Risiko dass Genehmigung durch Verwaltungsgericht
abgeändert/verwehrt wird, schlimmsten Fall nachträgliche Anpassungen/Abriss der Anlage

Nachträgliche Änderungen von Betriebsanlagen


Änderung der Betriebsanlage auf Initiative von Gewerbetreibenden – gleiche
Genehmigungsvoraussetzungen wie bei Errichtung einer Anlage, nicht
genehmigungspflichtige Änderungen sind Ersatzinvestitionen (Ersatz von Maschinen,
Geräten, Ausstattungen)
Änderungen der Betriebsanlage aufgrund behördlicher Anordnung – wenn Schutzgüter
bei Fehleinschätzungen der Sachverständigen im Genehmigungsverfahren oder durch
Vorliegen neuer technischer Erkenntnisse doch gefährdet sind kann es zu zusätzlichen
Auflagen kommen, nachträgliche Auflagen dürfen nicht unverältnismäßig zum angestrebten
Erfolg sein, Auflagen zum Schutz der Gesundheit/Lebens sind niemals unverhälnismäßig,
Gewährung einer 5-jährigen Frist wenn es Inhaber der Anlage wirtschaftlich nicht möglich ist
und keine Bedenken hinsichtlich der Schutzinteressen gibt, Anpassung der Genehmigung an
tatsächliche Gefährdungs-/Belästigungsituation
Sanierungskonzept – bei Wesensveränderung der Betriebsanlage durch Auflagen muss
Sanierungskonzept vorgelegt werden, Genehmigung durch Bescheid wenn
Sanierungskonzept gesetzliche Bestimmungen erfüllt, Festlegung einer Sanierungsfrist
Überwachung von Betriebsanlagen – Kontrollen im Interesse des
Umwelt-/Nachbarschutzes
Überwachung durch den Anlagenbetreiber – regelmäßige Prüfung (alle 5
Jahre/Bagatellanlagen alle 6 Jahre) ob Anlage Bewilligungsbescheid und gewerberechtlichen
Bestimmungen entspricht, Ausstellung von Prüfungsbescheinigung, bei Mängel Vorlage der
Prüfungsbescheinigung bei Behörde sowie Darstellung von Maßnahmen zur
Mängelbehebung, gewerberechtlichen Geschäftsführer treffen Prüfpflichten
Überwachung durch die Behörde – Bezirksverwaltungsbehörden sowie Sachverständige
dürfen Betriebsgelände während Betriebszeiten betreten und Lagerbestandkontrollen
durchführen/Geschäftsunterlagen durchsuchen/Beweismittel sichern, Nachbarn haben dieses
Recht nicht können lediglich Behörde informieren, nach Überprüfung kann es zu Einleitung
eines Verwaltungsstrafverfahren sowie Zwangs- und Sicherheitsmaßnahmen kommen
Gewerbepolizeiliche Maßnahmen zur Abwehr von Gefahren für Leben/Gesundheit/Eigentum
sowie unzumutbaren Belastungen der Nachbarn, äußerstes Mittel ist Betriebsschließung

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Grafik „Genehmigungspflichtige Betriebsanlagen“ siehe S. 276

Die Zuständigkeit im Betriebsanlagenrecht


Bezirksverwaltungsbehörden für Genehmigung/Überwachung aller Betriebsanlagen nach
GewO zuständig, bei Städten mit Statut Magistrat/Bürgermeister verantwortlich,
Beschwerden gegen Bescheide bei Landesverwaltungsgerichten

Das Baurecht
Bei Errichtung oder Änderung meist auch Genehmigung durch Bauordnung erforderlich,
unterschiedlich je nach Bundesland
Regelungsgegenstand –
• Sicherheit/Beschaffenheit der Bauwerke
• Schutz der Nachbarn
• muss raumordnungsrechlichen Vorgaben entsprechen
• Aspekte des Umweltschutzes/Ortsbildes
• Gesetzgebung/Vollziehung ist Landessache
• Unterschiede bei Einteilung in bewilligungs-/anzeigepflichtige und freie
Baubvorhaben

Kategorien von Bauvorhaben


Bewilligungspflichtige Bauvorhaben – Neubauten, Zubauten, Umbauen sowie Änderungen
oder Instandsetzungen von Bauwerken die Einfluss auf Festigkeit/gesundheitliche
Verhältnisse/Feuersicherheit/subjektiv-öffentlichen Rechte der Nachbarn haben sind
bewilligungspflichtig
Anzeigepflichtige Bauvorhaben – Anzeige des Bauvorhabens bei zB Einbau/Abänderung
von Badezimmern/Sanitäranlagen, Loggienverglasungen, Einbau von Fenstern, Vorlage
vollständiger Unterlagen bei Behörde, Untersagung des Bauvorhabens binnen 6 Wochen bei
Beanstandung zwecks nicht gesetzlicher Erfordernisse/Bewilligungsnotwendigkeit
Freie Bauvorhaben – keine Anzeige erforderlich bei zB Badehütten, Verkaufs/Marktständen,
Telefonhütten, öff. Toiletten
Verfahren/Zuständigkeit – Mehrparteienverfahren, erstinstanzlich Bürgermeister
verantwortlich, zweitinstanzlich entscheidet Gemeinderat/Gemeindevorstand, danach
Beschwerde bei Landesverwaltungsgericht, in Wien Magistrat und danach Anruf bei
Landesverwaltungsgericht Wien
Grafik „Bauwerke nach Wiener Bauordnung“ siehe S. 280

Raumordnungsrecht
Bei baubehördlichen Verfahren auch Prüfung der raumordnungsrechtlichen Vorgaben
erforderlich
Regelungsgegenstand –
• Berücksichtigung natürlicher, wirtschaftlicher, sozialer, kultureller Gegebenheiten
durch planmäßige/vorausschauende Raumgestaltung
• Raumordnung ist Ländersache in Gesetzgebung/Vollziehung

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• Raumordungszuständigkeiten des Bundes bei


Eisenbahntrassen/Bundesstraßenplanung
• Raumordnungsgesetze der Länder, in Wien innerhalb der Bauordnung geregelt

Flächenwidmungsplan und gewerbliche Betriebsanlagen


Funktion des Flächenwidmungsplans und Widmungskategorien – zentrales
Planungsinstrument der örtlichen Raumplanung, Erlassung als Gemeindeverordnung,
Flächenwidmungsplan ist rechtsverbindliche Festlegung der Nutzungsart wie Bauland,
Vorbehaltsflächen (Verkehrsflächen), Grünland, sowie Untergebiete in den
Widmungsgebieten wie zB bei Bauland – Wohngebiete, Industriegebiete, gemischte
Baugebiete
Grafik „Widmungskategorien“ siehe S. 282
Verfahren zur Erlassung eines Flächenwidmungsplans – Zielvorgaben in
Raumordnungsgesetz sehr abstrakt daher Gestaltungsspielraum bei Festlegung der
konkreten Widmung durch Gemeinde, dürfen nur nicht unsachlich/willkürlich angewendet
werden, wesentliche Verfahrensschritte vor beschließen eines Flächenwidmungsplanes wie
Grundlagenforschung, öffentliche Bekanntmachung der Planungsabsicht, öffentliche Auflage
des Entwurfs, Einräumung von Stellungnahme- und Einwendungsmöglichkeiten, Vermeidung
gegenseitiger Beeinträchtigungen
Prüfung der Einhaltung der Flächenwidmung – Baubewilligung darf nicht
Flächenwidmungsplan widersprechen, gilt auch bei gewerblicher Betriebsanlage, bei
gewerberechtlichem Betriebsanlagengenehmigungsverfahren ist raumordnungsrechtliche
Zulässigkeit nicht zu überprüfen, wird lediglich bei baurechtlichen Verfahren geprüft, meist
von Betriebstypus abhängig nicht von Standort, gewerbliche Betriebsanlage darf mit
Ausnahme von Erwerbsgärtnereien nur auf Bauland errichtet werden

Verwaltungsverfahren und nationaler Rechtsschutz

Verfahrensrecht und materielles Recht


• Verwaltungsverfahrensrecht regelt Verfahrensanwendung von Behörden bei Vollziehung
von Verwaltungsrecht
• Verbindung mit Materiengesetzen (Sachregelungen)
• Gewerbeordnung enthält Vorraussetzungen für Gerwerbeantritt, Betriebsanlagenbau,
dabei einzuhaltende Verfahren,
• wenn keine genauen Bestimmungen in extra Verordnung gilt Allgemeines
Verwaltungsverfahrensgesetz
Verwaltungsstrafgesetz – Regelungen zur Erlassung von Verwaltungsstrafbescheiden
Verwaltungsvollstreckungsgesetz – Verfahren zur zwangsweisen Durchsetzung von
Bescheiden
Einführungsgesetz zu Verwaltungsverfahrengesetz – welches Verfahrensgesetz ist
anzuwenden
• Verwaltungsgerichtsverfahren regelt Verfahren vor Verwaltungsgericht

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Das Verfahren vor der Verwaltungsbehörde


Die Zuständigkeit – Prüfung wer Rechtsakt setzen darf, bei Entscheidung durch falsche
Behörde -> gesetzwidrig, Einhaltung der Zuständigkeitsordnung verfassungsrechtlich
gewährleistet (Verfahren vor gesetzlichem Richter, Legalitätsprinzip)
Örtliche und sachliche Zuständigkeit der Behörde – Kompetenzverteilung zwischen Bund
und Länder, falls keine konkrete Regelung in Materiengesetz – Zuständigkeit der BVB bei
Angelegenheit mittelbarer Bundesverwaltung, örtlicher Wirkungsbereich – aufgrund
Wohnsitz des Antragstellers/Standort der Betriebsanlage
Zuständigkeit im Betriebsanlagenverfahren – örtlich zuständige BVB (kann BH,
Bürgermeister, Magistrat sein)

Die Parteistellung - Wer hat welche Rechte in Verfahren?


Unterscheidung in Beteiligte und Parteien
Parteien – dürfen aktiv am Verfahren teilnehmen, „Parteienöffentlichkeit“ – Beiziehung bei
mündlichem Verfahren, lediglich Anhörungsrecht, hat Rechtsanspruch/rechtliches
Interesse/Geltendmachung subjektiver Rechte (in Materiengesetz festgelegt), wird in
subjektiven Rechten durch Verfahren berührt,
Beteiligte – nehmen Tätigkeit einer Behörde in Anspruch, keine Verfahrensrechte, dürfen an
Verhandlung teilnehmen, mündliche Inkenntnissetzung
Schutznormtheorie – wird nur allgemein öffentliches Interesse oder individuelles Interesse
einer Person geschützt
Parteienrechte – Recht auf Stellungnahme (Parteiengehör), Recht auf Akteneinsicht,
Zustellung des Bescheides, Erhebung von Rechtsmitteln, Ablehnung nichtamtlicher
Sachverständiger/Dolmetscher wegen Befangenheit
Parteienrechte stellen subjektive Rechte dar – bei Verwehrung dieser Rechte ->
rechtswidriges Verfahren, kann durch Rechtsmittel (aber nicht losgelöst von materiellen
Rechten) bekämpft werden
Akteneinsicht – informieren über im Verfahren relevante Tatsachen/Anträge/behördliche
Erhebungen, Einsichtnahme in Verfahrensunterlagen sowie Kopieerstellung und Verfassung
von Abschriften, elektronischer Zugriff auf Akten, Einsichtnahme darf Interessen Dritter sowie
Behördenaufgaben nicht gefährden sowie Zweck des Verfahrens nicht beeinträchtigen,
gegen Verweigerung der Akteneinsicht kein Rechtsmittel ledigiglich Bekämpfung des
Bescheides nach Verfahrensabschluss möglich

Parteistellung im Betriebsanlagenverfahren
Antragsteller – Errichter/Betreiber der Betriebsanlage ist Partei, im Bewilligungsverfahren
Entscheidung über Interessen des Betriebsanlagenwerbers, Erfüllung aller gesetzlichen
Vorraussetzungen -> subjektives Recht auf Erteilung der Bewilligung
Nachbarn – haben Parteistellung, sind jene die durch Errichtung/Bestand der Betriebsanlage
gefährdet/belästigt werden, haben subjektives Recht auf körperliche Unversehrtheit, Freiheit
von unzumutbaren Belästigungen/Eigentumsschutz, müssen für Gewährung ihrer
Parteistellung rechzeitigen Einwand erheben, Inhaber von Beherbergungsbetrieben,
Krankenanstalten, Heime/Schulen in Nähe haben Parteistellung aber nicht kurzfristig in

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benachbarten Gebäude aufhaltende Personen, Behörde schützt öffentliche Interessen ohne


Parteienaufforderung, Gemeinde hat lediglich Beteiligtenstellung

Der Ablauf des Verwaltungsverfahrens

Einleitung des Verfahrens


Einleitung auf Antrag oder von Amts wegen – von Verfahren begünstigte Person muss
Antrag stellen, Selbsteinleitung durch Behörde bei Verfahren im öffentlichen Interesse,
Betriebsanlagenbewilligungsverfahren – Einleitung durch Einbringung des Ansuchens auf
Bewilligung zur Betriebsanlagenerrichtung (muss enthalten Betriebsbeschreibung,
Pläne/Skizzen, Abfallwirtschaftskonzept, technische Unterlagen zur Emissionsbeurteilung)
Verkehr zwischen Behörde und Partei – schriftlich, per Brief, Fax, Email, bei Mängel Hinweis
auf Mängel durch Behörde und Fristsetzung sowie Verbesserungsauftrag, berufsmäßiger
Vertreter des Antragstellers (Rechtsanwalt) oder Manuduktionspflicht (Hilfestellung durch
Behörde mit Anleitungen zu Verfahrenshandlungen)

Das Ermittlungsverfahren
Behörde erhebt maßgeblichen Sachverhalt zur Grundlage für Entscheidung
Befangenheit der Behörde – Unparteilichkeit der Behörde, Befangenheit durch verwandte
Beteiligte am Verfahren ->Enthaltung der Ausübung sowie Veranlassung einer Vertretung,
kein Recht der Parteien auf Ablehnung befangener Verwaltungsorgane, lediglich Rechtsmittel
der Beschwerde gegen verfahrensbeschließenden Bescheid
Grundsätze des Ermittlungsverfahrens – dient Parteien rechtliche Standpunkte
darzulegen/Interessen geltend machen
Offizialmaxime und Grundsatz der materiellen Wahrheit – Feststellung des wahren
Sachverhalts durch Behörde
Grundsatz der arbiträren Ordnung – Behörde ist „Herrin des Verfahrens“, prüft Unterlagen,
Feststellung der Schutzinteressen, fordert Sachverständigengutachten
Grundsatz der freien Beweiswürdigung – Beweiswürdigung nach freier Überzeugung der
Behörde, Begründung der Entschiedung, nachvollziehbare Erklärung über Bedeutung
bestimmter Beweismittel (Urkunden, Zeugenaussagen, Vernehmung von Beteiligten,
Sachverständigengutachten, Augenschein)
Recht auf Parteiengehör – Rechtsstandpunkt der Partei (auch Auseinandersetzung wenn
Sinnhaftigkeit zweifelhaft ist), auch schriftlich möglich, keine verpflichtende mündliche
Verhandlung, besondere Konstellationen wie Betriebsanlagengenehmigungsverfahren,
Baugenehmigungsverfahren erfordern mündliche Verhandlung
Effizienprinzip – Zwecksmäßigkeit, Raschheit, Einfachheit, Kostenersparnis unter
Rücksichtnahme auf Wahrheitsfeststellung und Recht auf Parteiengehör
Die mündliche Verhandlung – Grundsatz der Parteienöffentlichkeit (Recht auf
Verfahrensteilnahme der Parteien), bei Betriebsanlagenverfahren – Augenscheinsverhandlung
vor Ort, Leitung durch Behördenvertretung, Ziel ist unmittelbare Wahrnehmung tatsächlicher
Vorgänge, Gelegenheit zur Stellungnahme und Einwendungen der Parteien

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Präklusion – Parteieinwendungen müssen rechtzeitig (spätestens am Tag vor Beginn der


Verhandlung) und rechtlich relevant (Bezug auf subjektives öffentliches Recht) sein, Verlust
der Parteistellung (Präklusion) bei zu später/nicht rechtserheblicher Einwände, Partei muss
Kenntnis von Verhandlungstermin durch persönliche Verständigung oder öffentlicher
Kundmachung haben, Folge von Präklusion: Verlust des Parteirechts, keine Akteneinsicht,
keine Bescheidzustellung, kein Parteigehör, keine Rechtsmittelergreifung
Präklusionswirkung – schränkt auf aktiv beteiligte Parteien ein, Einwendungen präkludierter
Personen werden nicht beachtet, Bewilligungswerber kann Parteistellung nicht verlieren
Das vereinfachte Verfahren bei Bagatellanlagen – keine Parteistellung der Nachbarn
Exkurs: Verfahren in Bausachen – stattfinden einer Bauverhandlung
(Augenscheinverhandlung) mit Bauherr (Antragsteller) und sämtlichen Nachbarn, deren
subjektive Rechte sind Einhaltung der Abstandsregeln, Einhaltung der Gebäudehöhenregeln,
Bestimmungen zu Emissionsschutz, wenn Einwand bereits bei
Betriebsanlagengenehmigungsverfahren gebracht wurde kann nicht nochmal bei
Baugenehmigungsverfahren gemacht werden sonst doppelte Überprüfung

Die Erledigung des Verfahrens: Der Bescheid

Was ist ein Bescheid?


• Aufgrund Verfahrens erlassene konkrete normative Erledigung einer Verwaltungsbehörde
an individuell bestimmbaren Rechtsunterworfenen
• meist schriftlich, auch mündlich möglich aber kaum in Praxis
• Verordnungen/staatliche Rechtsgeschäfte im Rahmen der Privatwirtschaft/Akte
unmittelbarer verwaltungsbehördlicher Befehls- und Zwangsgewalt sind keine Bescheide
• Fehler können Bescheid nichtig oder rechtswidrig machen
• Folgen von Fehlern ergeben sich aus Rechtsordnung
• Bestimmte Inhalts- und Formerfordernisse wie Ausdrückliche Bezeichnung als Bescheid,
Nennung der Behörde, Datum der Genehmigung, Namen des Genehmigenden, Spruch
und Rechtsmittelbelehrung, Begründung bei nicht vollinhaltlicher Entsprechung
Mindesterfordernisse – bescheiderlassende Stelle, Behörde im Sinne Verwaltungsorgan,
Bescheidadressat, normativer Ausspruch „Spruch“, Unterschrift des Genehmigenden oder
andere eindeutig zurechenbare Erledigung (Speicherung der Benutzeridentifikation im EDV-
System)
• Fehlt eines der Mindesterfordernisse dann ist es kein Bescheid, Erfüllung der
Mindesterfordernisse aber Inhalts-/Formverstöße ist rechtswidriger Bescheid ->
Abänderung/Aufhebung durch Rechtsmittel einer in subjektiven Rechten betroffene
Person (Beschwerde bei Verwaltungsgericht)
• Bloße Formvorschriften „Meisterfordernisse“ – haben auf rechtliche Qualität des
Bescheides keine Auswirkungen
Grafik „Der Bescheid“ siehe S. 310

Welche Bescheide gibt es?


Leistungsbescheid – Vorschreibung einer Leistung (zB Geldstrafe, Vorschreibung einer
Steuer)

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Rechtsgestaltungsbescheid – begründen, gestalten, heben Rechtsverhältnis auf (zB


Baugenehmigung, Gewerbeberechtigungsentzug)
Feststellungsbescheid – Bestehen/Nichtbestehen von rechtlich verbindlichem
Rechtsverhältnis
Nebenbestimmungen in Bescheiden –
• ergänzen in Spruch Haupterledigung mit Auflagen (Auferlegung von Pflichten in
Zusammenhang mit begünstigenden Bescheiden), Bedingungen und Befristungen
• Bei Betriebsanlagenrecht Entscheidung in Übereinstimmung zwischen
Gewerbetreibenden, Nachbarn, Behörden durch Auflagen gewährleistet
• Bedingungen – Eintritt/Erlöschen des Bescheides sind an Verpflichtung eines
abhängigen Ereignisses geknüpft, Eintreten der Bedinung ist befristet (Zur
Baugenehmigung eines Schleppliftes ist Errichtung eines Sesselliftes geknüpft)

Wie wird ein Bescheid erlassen?


• Ergebnis durch Anwendung eines Gesetzes/Verordnung auf Sachverhalt einer
Behörde
• Rechtslage zum Zeitpunkt der Entscheidung ist gültig
• Ermessensspielraum
• Erlass des Bescheides durch mündliche Verkündung/Zustellung an Adressat

Wann ist der Bescheid rechtskräftig und was bedeutet das?


Rechtskraft - Unabänderlichtkeit des Bescheides
Formelle Rechtskraft – keine Bekämpfung durch ordentliches Rechtsmittel mehr möglich,
durch verstreichen der Berufungsfrist, Berufungsverzicht, Zurückziehung einer eingebrachten
Berufung, Beschwerde bei Verwaltungsgericht gilt nicht als ordentliches Rechtsmittel
Materielle Rechtskraft – grundsätzlich unwiderrufbar, unwiederholbar, verbindlich, Behörde
kann frühere Entscheidung nicht abändern/widerrufen, Durchbrechung der Rechtskraft mit
Antrag auf Wiederaufnahme, Vorschreibung nachträglicher Auflagen für Betriebsanlagen
Persönliche Wirkung des Bescheides – entfalten persönliche Rechtswirkung gegenüber
individuell-konkreten Adressaten, damit verbundene Rechte und Pflichten gelten nur für
Bescheidadressat
Dingliche Wirkung – Gegenstand der Bewilligung ist Anlage, nicht Inhaber, bei Veräußerung
der Anlage geht Bewilligung an Erwerber der Anlage über
Exkurs: Akte unmittelbarer verwaltungsbehördlicher Befehls- und Zwangsgewalt –
Vorraussetzung für Erlassung eines Bescheides ist Durchführung eines Verwaltungsverfahrens
außer bei „verfahrensfreien Verwaltungsakten“ durch Ausübung unmittelbarer
verwaltungsbehördlicher Befehls- und Zwangsgewalt, ist speziellem Rechtsschutz
unterworfen (Festnahme durch Polizei, vorläufige Abnahme des Führerscheins durch Polizei)
Zustellung und Fristen – Zustellung an alle beteiligten Parteien per Post oder durch
Gemeindeorgane außer bei mündlicher Verkündung, Überbringung ohne Zustellnachweis,
RSa Zustellung mit Rückschein (darf auch an Ehepartner/Eltern ausgehändigt werden), RSb
Zustellung mit Rückschein und Aushändigung nur an betreffende Person, bei elektronischer

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Zustellung Verständigung per Mail über Abholung des Dokuments auf Server, Zeitpunkt der
Zustellung ist wichtig da Fristenlauf zur Erhebung von Rechtsmitteln beginnt
Grafik „Der Ablauf des Verfahrens vor den Verwaltungsbehörden“ siehe S. 316

Rechtsschutz
• Überprüfung auf Richtigkeit der behördlichen Entscheidung
• rechtsstaatliches Element
• Verfahren zur Behebung von Fehlern durch Organwalter
• Rechtssicherheit – keine zeitlich unbegrenzte Aufhebung einer Berechtigung
• Bekämpfung von Fehlern an Fristen gebunden
• Bescheid erlangt nach Fristablauf verbindliche Unabänderlichkeit (Rechtskraft)

Rechtsstaatsprinzip und Rechtsschutz – Legitimitätsprinzip – Rechtssprechung darf nur auf


Gesetzen basieren, Rechtsmittel gegen Bescheid ist Beschwerde an Verwaltungsgericht
Ordentliche Rechtsmittel - Berufung gegen Bescheid an devolutive (übergeordnete)
Behörde (Gemeinderat/-vorstand)
Außerordentliche Rechtsmittel – gegen bereits rechtskräftigen Bescheid, Beschwerde an
Verwaltungsgericht sowie Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens
Rechtsbehelfe – Kontrolle von verwaltungsbehördlichen Entscheidungen, zusätzlich
gerichtliche Kontrollmechanismen durch VwG, VwGH, VfGH

Die Rechtsschutzeinrichtungen
• wird in BVG nach Kompetenzverteilung und Verwaltungsgerichtsbarkeit bestimmt
• gegen Bescheide der Behörden kann sofort mittels Beschwerde bei Verwaltungsgericht
vorgegangen werden, danach Instanzenzug zwischen VwG und VwGH
• Administrativer Instanzenzug nur bei Gemeindeangelegenheiten – erste Instanz
Bürgermeister, zweite Instanz Gemeinderat/-vorstand, kann auch sofort Beschwerde bei
Verwaltungsgericht nach erster Instanz erhoben werden
Mittelbare Bundesverwaltung – Vollzug der Verwaltung durch Länder, Zuständigkeit liegt
bei Landesverwaltungsgerichten, Weisungszusammenhang und Rechtsmittelweg sind
unterschiedlich, Weisungsrecht von Landeshauptmann gegenüber BVB aber Beschwerde
gegen Bescheide bei Landesverwaltungsgericht, Wien hat Sonderstellung zwecks Magistrat
untersteht Bürgermeister/Landeshauptmann bei Weisungen aber Beschwerde an
Landesverwaltungsgericht Wien
Unmittelbare Bundesverwaltung – Bund wird organisatorisch durch eigene Behörden tätig,
Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts, bei Finanzverwaltung, Arbeitsmarktverwaltung,
Militärkommanden, Landespolizeidirektionen
Landesverwaltung – automatisch Vollziehung und Regelung durch Länder wenn nicht
ausdrückliche Bundeskompetenz, Grundsatzgesetze des Bundes werden durch
Landesgesetzgeber durch Landesgesetze ausgestaltet, Zuständigkeit bei Vollziehung liegt bei
Landesverwaltungsgerichten

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Gemeindeverwaltung –
• eigener Wirkungsbereich – im ausschließlichen Gemeindeinteresse innerhalb der
örtlichen Grenzen gilt gemeindeinternter Instanzenzug evtl Gemeindevorstand als
Berufungsbehörde zweiter Instanz
• übertragener Wirkungsbereich – nach Bundes- und Landesgesetzen/nach Weisungen
durch Bund/Länder, gegen Bescheide Anruf bei Verwaltungsgericht
Zuständigkeit der ordentlichen Gerichte – bei einzelnen Angelegenheiten Erhebung einer
Beschwerde nicht bei Verwaltungsgericht sondern bei ordentlichen Gerichten, Zuständigkeit
der Verwaltungsgerichte ist dann ausgeschlossen, durch Anrufung bei ordentlichem Gericht
entscheidet dieses vollkommen neu, also kein Instanzenzug zwischen Verwaltungsbehörde
und Gericht

Die Berufung an die übergeordnete Gemeindebehörde


devolutives Rechtsmittel – in Gemeinde übergeordnete Gemeindebehörde entscheidet
über Berufung, bei Ausschluss des zweiten Instanzenzuges sofort Beschwerde an
Verwaltungsgericht
Berufungslegitimation und Berufungsfrist – nur Verfahrensparteien sind zur Berufung
legitimiert, Verzicht/Zurückziehung der Berufung kann nicht widerrufen werden, Einbringung
der Berufung binnen 2 Wochen nach Zustellung, bei irrtümlich längerer Frist in Bescheid ist
diese gültig, ansonsten keine Verlängerung der Frist möglich, Einbringung der Berufung bei
Behörde erster Instanz, auch rechtzeitige Einbringung bei Berufungsbehörde und
Weiterleitung an erstinstanzliche Behörde möglich
Form und Inhalt der Berufung – schriftlich auch per Telefax oder automationsunterstützter
Datenübertragung, Mindestinhalt – Bezeichnung des Bescheides (kann auch nur Teil des
Spruches angefochten werden, nicht angefochtener Teil wird rechtskräftig), Berufungsantrag
(ob Aufhebung/welche Abänderung des Bescheides angestrebt wird), Begründung des
Berufungsantrages (inhaltiche Stichhaltigkeit ist für Zulässigkeit bei Behörde irrelevant)
Es dürfen neue, nicht behandelte Tatsachen/Beweise vorgebracht werden, unverzügliche
Bekanntgabe gegenüber Berufungsgegnern zur Äußerung zum Inhalt der neuen Beweise,
aufschiebende Wirkung durch Berufung – Bescheid wird während Berufung nicht
rechtskräftig/vollstreckbar, kann ausgeschlossen werden bei Gefahr des öffentlichen Wohl
bzw vorzeitiger Vollstreckung im Interesse einer Partei

Entscheidung über die Berufung


Berufungsvorentscheidung – binnen 2 Monaten Entscheidung durch bescheiderlassende
Behörde über Aufhebung/Abänderung/Unzulässigkeit/Verspätung der Berufung,
Berufungsvorentscheidung nach Eigenermessen der Behörde, 2 Wochen Frist ab Zustellung
um Rechtsmittel des Vorlageantrags zu erheben – Beantragung einer Entscheidung durch
Berufungsbehörde, Vorlageantrag muss bei Behörde die Berufungsvorentscheidung getroffen
hat einlangen
Entscheidung der Berufungsbehörde – Berufungsbehörde kann Bescheid in jede Richtung
abändern, gilt auch Offizialmaxime und der Grundsatz materieller Wahrheit, Änderung der
Rechtslage sind zu berücksichtigen da Entscheidung nach Sach- und Rechtslage im Zeitpunkt
der Entscheidung gilt, kein Verschlechterungsverbot – vorher noch bewilligter Bau kann
versagt werden

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Möglichkeiten der Entscheidung –


• Einstellung (bei Zurückziehung der Berufung, Verlust der Rechtspersönlichkeit des
Berufungswerbers)
• Zurückweisung (bei Verspätung, durch nicht berufungslegitimierte Personen, bei
bereits rechtskräftiger Entscheidung, Berufung enthält Mängel)
• Entscheidung in der Sache selbst – es erfolgt Sachentscheidung durch
Berufungsbehörde (Abänderung des Bescheides, gänzliche Abweisung, ersatzlose
Aufhebung des unterinstanzlichen Bescheides), nur bei sehr mangelhafter
Durchführung durch untere Instanz kann Bescheid gänzlich aufgehoben werden -> es
kommt zur neuerlichen Verhandlung
Inhalt- und Formerfordernisse müssen auch bei Berufungsbescheid erfüllt sein
Grafik „Der Ablauf des Berufungsverfahrens in Angelegeheit des eigenen Wirkungsbereiches der
Gemeinde“ siehe S. 327

Die Beschwerde an das Verwaltungsgericht – Bescheidbeschwerden,


Maßnahmenbeschwerden, Säumnisbeschwerden
Beschwerdelegitimation und Beschwerdefrist – Legitimierung wer durch Bescheid in
seinen Rechten verletzt wird, durch Verzicht auf Beschwerde geht Beschwerdelegitimation
verloren, 4 Wochen Frist ab Zustellung/Verkündung des Bescheides, Mehrparteienverfahren –
Frist gilt ab Zeitpunkt zudem Beschwerdeführer in Kenntnis gesetzt wurde, Beschwerde bei
bescheiderlassenden Behörde
Form und Inhalt der Beschwerde – schriftlich, Mindestinhalt ist: Bezeichnung des
angefochtenen Bescheides, Bezeichnung der belangten Behörde, Begründung zur
Behauptung der Rechtswidrigkeit, Beschwerdebegehren (Abänderung oder Aufhebung),
Angaben zur Rechtzeitigkeit der Beschwerde
VwG darf Bescheid nur im Rahmen des Beschwerdebegehren und Beschwerdegründe
überprüfen
Kein Neuerungsverbot – neue Tatsachen/Beweise sind erlaubt, Beschwerdemitteilung an
andere Parteien um diesen Möglichkeit der Stellungnahme zu geben
Aufschub der Wirkung des Bescheides durch Bescheidbeschwerde außer Verwaltungsgericht
schließt aufschiebende Wirkung aus

Entscheidung über Beschwerde


Beschwerdevorentscheidung –
• Bescheiderlassende Behörde kann angefochtenen Bescheid innerhalb 2 Monaten
aufheben, abändern, zurückweisen, abweisen
• VwG ist an Beschwerdegründe/Beschwerdebegehren gebunden
• nach Eigenermessen der Behörde, ansonsten Weitergabe der Akten und Beschwerde an
VwG
• Vorlageantrag nach Erhalt von Beschwerdevorentscheidung binnen 2 Wochen bei Behörde
• Beschwerdevorentscheidung tritt durch Vorlageantrag nicht außer Kraft
• Überprüfung der Rechtmäßigkeit der Beschwerdevorentscheidung

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Entscheidung durch das Verwaltungsgericht –


• Zurückweisung bei Verspätung/Unzulässigkeit führt zu Verfahrenseinstellung durch
Beschluss
• Erledigung durch Erkenntnis des Verwaltungsgerichts
• Entscheidung durch VwG in der Sache selbst bei Interesse der Raschheit und
Kostenersparnis, oder wenn Behörde nicht widerspricht
• VwG kann Bescheid mit Beschluss aufheben bei Unterlassung notwendiger Ermittlungen –
Zurückverweisung an die Behörde zur Erlassung eines neuen Bescheides
• bei Ermessensausübung durch Behörde -Aufhebung des Bescheides durch Beschluss und
Zurückweisung
• Behörden sind verpflichtet nach Bescheidsaufhebung mit rechtlich zur Verfügung
stehenden Mitteln Rechtszustand herzustellen
• Verkündigung und Ausfertigung von Erkenntnissen des VwG
• bei Verhandlung in Anwesenheit von Parteien -> sofortige Verkündigung, andernfalls
muss nur Einsicht gewährleistet sein, schriftliche Ausfertigung des Erkenntnisses in beiden
Fällen
Grafik „Der Ablauf des Bescheidbeschwerdeverfahrens vor den Verwaltungsgerichten“ siehe S. 333

Die Verwaltungsgerichte und der Verwaltungsgerichtshof

Das Verfahren vor den Verwaltungsgerichten


Organisation – sind echte Gerichte, Richter verfügen über richterliche
Unabhängigkeitsgarantien, Bund regelt Organisation der Bundesverwaltungsgerichte und
VwGH, Länder regeln Organisation der Landesverwaltungsgerichte, Entscheidung durch
Einzelmitglieder, Ausnahme Ermächtigung von Fachsenaten und Mitwirkung durch
fachkundige Laienrichter, Übertragung von Entscheidungsbefugnisse an Rechtspfleger
Zuständigkeit – Bescheidbeschwerden, Maßnahmenbeschwerden, Säumnisbeschwerden,
Beschwerden gegen Weisungen an Schulbehörden durch Bund, Beschwerden gegen
rechtswidriges Verhalten von Verwaltungsbehörden bei Vollziehung, Beschwerden gegen
rechtswidriges Verhalten in Angelegenheiten des öffentlichen Auftraggebers, Streitigkeiten in
dienstrechtlichen Angelegenheiten öffentlich Bediensteter
Verfahrensrechtliche Besonderheiten – VwG haben eigene Verfahrensordnung,
Besonderheiten sind Parteistellung der bescheiderlassenden Behörde, Publikumsöffentlichkeit
(öffentliche, mündliche Verhandlung), kann aus bestimmten Gründen entfallen oder
Öffentlichkeit ausgeschlossen werden

Der Verwaltungsgerichtshof –
• Bestimmungen im Verwaltungsgerichtshofgesetz/Geschäftsordnung des VwGH
Höchstgericht für Revisionen gegen Erkenntnis von VwG wegen Rechtswidrigkeit
• Fristsetzungsanträge wegen Entscheidungspflichtverletzung durch VwG,
• Kompetenzkonflikte zwischen verschiedenen Verwaltungsgerichten oder VwGH
• Vorraussetzung für Zulässigkeit einer Revision ist grundsätzliche Rechtsfrage
(Abweichung/Fehlen von bisheriger Rechtssprechung)

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• Fristsetzungsantrag bei Verletzung der Entscheidungspflicht durch VwG

Vorabentscheidungsverfahren – vollständige Anwendung des Unionsrechts


• Aufgrund unterschiedlicher Auslegungsmaßstäbe Vorabentscheidungsverfahren durch
EuGH wichtiges Instrument zur Wahrung der Rechtssicherheit und des Rechtsschutzes
sowie einheitlicher Rechtsauslegung in EU
• bei Zweifel durch nationale Behörde über Auslegung, Gültigkeit wird
Vorabentscheidung/Vorlageverfahren durchgeführt
• Gerichtsbegriff der Union: ständige Einrichtung, Entscheidung über Rechtsnormen,
unabhängig, kontradiktorische Verfahren (Beteiligte haben entgegengesetzte Interessen),
Ausübung rechtssprechender Tätigkeiten
• Zweifel bezüglich Gültigkeit müssen vorgelegt werden
• Zweifel über Auslegung können vorgelegt werden
• letzinstanzliche Gerichte müssen vorlegen
• Vorlagefrage über Gültigkeit/Auslegung an EuGH durch nationales Gericht
• Auslegung durch EuGH ist entscheidungserheblich
• Vorlagepflicht entfällt, wenn keinerlei Einfluss der unionsrechtlichen Frage auf
Entscheidung im Rechtsstreit, bereits über entsprechenden Gegenstand in Vorlage
entschieden wurde, gesicherte Rechtssprechung durch EuGH vorliegt, kein Zweifel an
Auslegung besteht
• Urteil durch EuGH ist für konkreten Rechtsstreit bindend
• Mitgliedstaaten müssen Unionsrecht einheitlich/gleichmäßig anwenden
• Gültigkeitsfragen können durch umfassende Wirkung von EuGH für ungültig erklärt
werden nationales Gericht kann Vorlagefrage geschickt formulieren, um Vereinbarkeit von
innerstaatlichem Recht mit Unionsrecht sicherzustellen
• Vorlageersuchen wird am Verfahren beteiligten Parteien, allen Mitgliedsstaaten, der
Kommission, sofern betroffen dem Rat, dem Europäischen Parlament, der EZB
ausgehändigt, schriftliche/mündliche Äußerung bei Verfahren durch Beteiligte
• Vorabentscheidungsverfahren in Sprache des vorlegenden Gerichts

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