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sandberg 07.01.

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Übersicht
Fabrikat: Sandberg
Modell: Ken Taylor Special
Gerätetyp: fünfsaitiger E-Bass
mit Massivkorpus
Herkunftsland: Deutschland
Mensur: 864 mm, Longscale
Hals: aufgeschraubt; einstreifig
Ahorn mit Palisander-Griffbrett,
24 Bünde plus Nullbund
Halsbreite: Sattel 45 mm; XII: 64 mm
Saitenabstände Steg: einstellbar;
Hersteller-Justierung 19 mm
Korpus: Mahagonikern mit
„Rarewood“-Imbuia-Decke
Oberflächen: seidenmatt lackiert
Tonabnehmer: passiv; 2× Delano-
MM-Humbucker
Elektronik: aktiv; Dreiband-EQ
Bedienfeld: Volumen (Zugschalter
Aktiv/Passiv), PU-Überblender,
Singlecoil-Umschalter, Bässe,
Mitten, Höhen
Batterie: 1× 9 Volt
Stromaufnahme: ca. 2,5 mA
Mechaniken: schwarz; gekapselte
Tuner, ABM-Steg mit Klemmarretie-
rungen, arretierbare Gurthalter
Dirk Groll

Gewicht: ca. 4,5 kg


Vertrieb: Sandberg,
D-38118 Braunschweig
Preis: ca. € 1520

K e n Ta y l o r
SANDBERG Special Fünfsaiter

Ke n Ta y l o r i s t e i n e i n f ü h l s a m e r u n d b e s c h e i d e n e r S p i e l e r -

t y p, d e r f ü r p a c k e n d e B a s s a r b e i t k e i n I n s t r u m e n t m i t t e u re m

S c h n i c k s c h n a c k b ra u c h t . Ke i n Wu n d e r, d a s s s e i n S i g n a t u re -

M o d e l l a u s S a n d b e rg s B a s i c - Re i h e s t a m m t .

Ein wenig sinnvollen Luxus hat der Bassher- puskern ebenfalls ins Auge fallen. Der ein-
steller ihm dennoch gegönnt, nämlich einen streifig aus hartem Ahorn gebaute Hals ist
zweiten Power-Humbucker im MM-Format. mit dem Korpus sechsfach verschraubt und struktion ist beim Sandberg sauber und
Unser Test-Bass mit dem Namenszusatz sitzt spielfrei in der passgenauen Frästasche. kompetent gearbeitet, von der hochwerti-
Special ist das bislang opulenteste Basic-Mo- Im dicken Palisander-Griffbrett sitzen 24 gen Ausstattung ganz abgesehen. Bei pin-
dell, wo statt dem einfachen Massivholz- Jumbobünde und ein Nullbund, an den En- geliger Untersuchung bekommt man eine
Korpus eine „Rarewood“-Decke den Bass- den sorgfältig entgratet und verrundet. Bei Ahnung, wie der Hersteller das im eng ge-
Body aus Mahagoni verziert, was dann nun der nach hinten abgewinkelten Kopfplatte ist steckten Preisrahmen hinbekommt. In eini-
doch eindeutig nach Edel-Bass aussieht. die Vorderseite mit einem Deckfurnier pas- gen sekundären Aspekten wird offenbar teu-
send zur Korpusdecke verziert, so dass sich re Arbeitszeit gespart, so finden sich zum
eine homogene, edle Gesamtoptik ergibt. Beispiel im Stirnholz am Kopfplattenende
k o n s t r u k t i o n Irgendwie passen bei diesem Instrument noch dezente Schleifspuren, auch aufs Po-
Das normale Ken-Taylor-Modell ist mit ei- Aufwand und Material nicht ganz zum lieren der Bundkronen hat man verzichtet.
nem schlichten Korpus aus Esche oder Preis, der erstaunlich günstig wirkt. Man be- Die Oberflächen sind unaufwändig, aber at-
Ahorn ausgestattet, dagegen wirkt die Spe- kommt hochwertige Klanghölzer geboten, traktiv und sauber mit Seidenmattlack ver-
zialversion mit ihrem besonders auffällig ge- zudem mit ausgesucht schöner Maserung siegelt. Und bei der Rückansicht des zwei-
maserten Imbuia-Top spektakulär. Zumal bei den Rarewood-Belägen, wie man sie teilig zusammengesetzten Mahagoni-Bodys
hier feine Verarbeitungs-Details wie die zwei sonst bei hochklassigen Bässen wesentlich zeigt der Test-Bass im Bereich der Leimfuge
farbigen Trennfurniere zum Mahagoni-Kor- teurer bezahlen muss. Auch die Grundkon- eine dunkle Verfärbung im Holz, die zwar

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fürs Klangverhalten garantiert irrelevant ist, k l a n g v e r h a l t e n ke liegt in seinem tiefen, sattbassigen


aber gemeinhin als Schönheitsfehler gilt. In Mahagoniholz ist ein Spezialist für bassige, Grund-Sound, der vorteilhaft auf den klassi-
allen wichtigen Dingen erhält der Kunde voluminöse Sounds, der Imbuia-Deckenbe- schen Band-Bassisten abgestimmt ist. Dabei
hingegen verblüffend viel fürs Geld. lag steuert ein dunkles Timbre bei. Die ein- ist das schmucke Instrument mit sinnvollen
streifige Halskonstruktion kann man im Klang-Variationsmöglichkeiten ausgestattet,
Klangverhalten als eher gutmütig einschät- die dem Fünfsaiter ein sehr weites Einsatz-
a u s s t a t t u n g zen, wobei die harte Holzqualität zusam- feld mit tragkräftigem Bass bescheren. ■
Man findet bewährte und hochwertige men mit der Schraubhals-Bauweise klare
Hardware vor: Die gekapselten Sandberg- Tonkonturen und verlässliche Definiertheit PlusPlus
Tuner entsprechen den bekannten Klusons, wahrt. Tatsächlich liefert unser Ken Taylor
der dreidimensional justierbare Steg mit Special einen betont fundierten, füllig-bass-
den Klemmarretierungen ist von ABM. Die starken Grund-Sound, der aber dennoch • Klangverhalten
• satte Tragkraft
Gurthalter fassen entweder einen normalen präzise rüberkommt und sich durch gute
• Sound-Möglichkeiten
Gurt oder die arretierbaren Gegenstücke Kontrollierbarkeit des Tons auszeichnet. Das • Bespielbarkeit
nach dem Schaller-System. sind günstige Voraussetzungen für tragkräf- • Verarbeitung, Hölzer
Die beiden „Power-Humbucker“ im MM- tige Bassarbeit im Band-Kontext, wo das • Preis/Leistungs-Verhältnis
Format liefert Delano, es handelt sich um Instrument mit seiner druckvollen Art erst-
zweispulige Ausführungen mit dicken Stahl- klassige Ergebnisse verspricht. Als Solo-Bass
polen, die von unten durch kräftige Ferrit- ist der Sandberg bei aller klanglichen Präzi- Minus Minus
barren magnetisiert werden. Per Kippschal- sion weniger ausgelegt, er spricht vielmehr
ter lassen sich beide PUs gleichzeitig auf die klassischen Band-Bassisten an.
• Potis Klangregler
einspuligen Betrieb umschalten, während Die Power-Humbucker übertragen den sat-
• Abstimmung Bässeregler
ihre beiden Spulen sonst jeweils seriell ar- ten Klang des Holz-Basses mit frischem
beiten. Damit sind auf die Schnelle zwei ver- Pfund, aber ohne aggressive Ecken – wer ei-
schiedene Grund-Sounds abrufbar, die Ton- nen brillant schmatzen Klang à la Sting Ray
abnehmer-Gewichtung kann per Überblen- will, muss schon den exakt wirkenden
der stufenlos variiert werden. Höhenregler aufdrehen. Oder den Kipp-
Ein weiterer Leckerbissen ist die aktive schalter für den Singlecoil-Betrieb umlegen.
Dreiband-Klangregelung, die Sandberg zu- In der seriellen Verdrahtungsvariante sind
sammen mit Glockenklang frisch entwickelt die lebendigen Tonabnehmer-Sounds deut-
hat und die nun quasi im Praxistest ist. lich für den Live-Einsatz vorteilhaft,
Halbleiter und Widerstände sind in klitze- während der Singlecoil-Klang disziplinierter
kleiner SMD-Technik ausgeführt, Kapazitä- und brillanter rüberkommt, was für Auf-
ten sitzen jedoch in Form hochwertiger Fo- nahmen oft günstiger ist. Wegen der prin-
lien-Kondensatoren bzw. Elkos auf den Pla- zipbedingten Einstreuempfindlichkeit ein-
tinen. Der 9-Volt-Batterie fordert die spuliger Tonabnehmer sollte man sich dann
Schaltung etwa 2,5 mA ab, was eine Be- aber im Studio von elektrischen Geräten mit
triebsdauer von bis zu 200 Stunden ergibt. Netztrafo fernhalten.
Per Zugschalter im Volumen-Poti ist der EQ Bei der aktiven Klangregelung greifen
abschaltbar, so dass der Bass auch rein pas- Höhen- und Mitten-Regler sehr gezielt und
siv funktioniert. klar gefasst sinnvolle Frequenzbereiche he-
raus, die sich (ignoriert man die Gängigkeit
der Potis) gut einschätzbar dosieren lassen.
h a n d h a b u n g Das gilt im Grunde auch für die saftigen
Mit 4,5 kg repräsentiert dieser Fünfsaiter die Tiefbässe, die am Bässe-Poti abrufbar sind;
solide mittlere Gewichtsklasse und hängt nur erscheint die kräftige Anhebung dieser
ausgewogen stabil am Gurt. Die Saiten lie- Elektronik eher auf hart klingende Bässe ab-
gen am justierbaren Steg 19 mm weit aus- gestimmt und tut beim ohnehin schon vo-
einander, so dass man hier genauso beherzt luminösen Grundklang des Instruments
und treffsicher anschlagen kann wie bei ei- schnell zu viel des Guten. Die halbe Anhe-
nem Viersaiter. Mit günstiger, ausgereifter bungsstärke würde beim Bässeregler ausrei-
Ergonomie und normaler Longscale-Men- chen.
sur verhält sich dieser Fünfsaiter unauffällig
im besten Sinne, liegt angenehm in der
Hand und zeigt sich insgesamt leicht be- r e s ü m e e
herrschbar. Der Ken Taylor Special ist ein nobler Fünf-
Bei den drei EQ-Potis fällt störend auf, dass saiter aus hochwertigen Klanghölzern mit
sie der Betätigung einen unregelmäßigen ausgesucht schöner Front-Optik, ausgereif-
Widerstand entgegensetzen, was die exak- ter Ergonomie und feiner Ausstattung. Das
te Dosierung nicht erleichtert. Außerdem „made in Germany“ muss dabei nicht teu-
„eiern“ die aufgeschraubten Metallknöpfe. er bezahlt werden, hier erhält man tatsäch-
Bessere Potis mit gleichmäßig sahniger lich verblüffend viel Qualität fürs Geld. Der
Gängigkeit wären schön, dürften allerdings Longscale gibt sich angenehm unprätentiös
auch teurer sein. und spielt sich präzise, eine besondere Stär-

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