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Entrepreneurial Management

und Standortentwicklung

Harald Pechlaner Hrsg.

Destination und
Lebensraum
Perspektiven touristischer Entwicklung
Entrepreneurial Management und
Standortentwicklung

Perspektiven für Unternehmen und


Destinationen

Reihe herausgegeben von


Edgar Kreilkamp, Lüneburg, Deutschland
Christian Laesser, St. Gallen, Schweiz
Harald Pechlaner, Eichstätt-Ingolstadt, Deutschland
Mike Peters, Innsbruck, Österreich
Karl Wöber, Wien, Österreich
Die Publikationen der Reihe behandeln die unternehmerische Orientierung des
Managements von Unternehmen und Standorten. Regionen, Destinationen und
Standorte stellen hierbei sowohl Wettbewerbseinheiten als auch den räumlichen
Kontext für die Gestaltung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmungen dar.

The publications in this series are committed to the entrepreneurial management


orientation of business ventures and sites. In this context, regions, destinations,
and places are on the one hand considered as competitive units, on the other hand
they constitute the spatial context to allow for modelling the business ventures’
competitive capacities.

Reihe herausgegeben von


Prof. Dr. Edgar Kreilkamp Prof. Dr. Christian Laesser
Leuphana Universität Lüneburg Universität St. Gallen
Prof. Dr. Harald Pechlaner Prof. Dr. Mike Peters
Katholische Universität Universität Innsbruck
Eichstätt-Ingolstadt
Prof. Dr. Karl Wöber
MODUL University Vienna

Weitere Bände in der Reihe http://www.springer.com/series/12245


Harald Pechlaner
(Hrsg.)

Destination und
Lebensraum
Perspektiven touristischer
Entwicklung
20 Jahre Tourismusforschung von Eurac Research
Hrsg.
Harald Pechlaner
Center for Advanced Studies
Eurac Research
Eichstätt-Ingolstadt, Deutschland

ISSN 2626-2266 ISSN 2626-2274  (electronic)


Entrepreneurial Management und Standortentwicklung
ISBN 978-3-658-28109-0 ISBN 978-3-658-28110-6  (eBook)
https://doi.org/10.1007/978-3-658-28110-6

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bibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

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Für Stephan Ortner
Vorwort

Das vorliegende Buch ist Herrn Stephan Ortner gewidmet.


Er war es, der 1998 die Initiative für eine angewandte Tourismusforschung
an der Europäischen Akademie Bozen (später Eurac Research) ergriff und mich
beauftragte, mit einem entsprechenden Projekt zu starten. Und so kam es, dass
Eurac Research bereits Ende der 90er Jahre unter jenen Pionieren zu finden war,
die unter Zuhilfenahme stark markt- und kundenbezogener Gesichtspunkte das
territoriale Denken der Ferienregionen sowie der Tourismuspolitik aufgemischt
haben und ein produkt/markt bezogenes Denken unter Zuhilfenahme der Fallstudie
Südtirol etabliert haben. War die Tourismusforschung – die sich von Anbeginn an
mit konkreten Problemstellungen der Tourismuswirtschaft und -politik insbeson-
dere in Südtirol auseinandergesetzt hat – innerhalb der Eurac Research ab 1998 als
Forschungsstelle etabliert, entwickelte sie sich bereits nach zwei Jahren zu einer
Abteilung Tourismusmanagement, welche wiederum nach ca. zwei Jahren in ein
Institut für Management und Tourismus mündete, um ca. fünf Jahre danach eine
Symbiose mit dem seinerzeitigen Institut für Regionalentwicklung einzugehen und
ein großes Institut für Regionalentwicklung und Standortmanagement zu begrün-
den, welches sich wiederum Jahre danach zum Institut für Regionalentwicklung
weiter entwickelte, aus welchem sich schließlich 2017 ein Center for Advanced
Studies herausentwickelte, währenddem das Institut für Regionalentwicklung neue
Richtungen eingeschlagen hat.
Ich betone an dieser Stelle die interne organisatorische Entwicklung des Bereiches
Tourismusforschung, weil nicht nur Eurac Research selbst eine Plattform multi-
und interdisziplinärer Forschung seit jeher darstellt, sondern dasselbe auch für den
Tourismus im Laufe der Entwicklung gegolten hat. War die Tourismusforschung
in den ersten Jahren eher wirtschaftswissenschaftlich und managementorientiert
organisiert und beforscht, entwickelte sich in einem zweiten Moment eine auch für
Südtirol und den alpinen Tourismus wichtige Schnittstelle zwischen Tourismus-
VII
VIII Vorwort

und Destinationsentwicklung einerseits sowie Standort- und Regionalentwicklung


andererseits. Das Center for Advanced Studies betrachtet vorwiegend interdiszi-
plinäre Phänomene und analysiert die Tourismusphänomene höchstens aus einer
global-regionalen Wechselwirkung und Perspektive, zumeist in Verbindung mit
anderen politischen, gesellschaftlichen, technologischen oder wirtschaftlichen
Triebfedern der Globalisierung.
Rund 20 Jahre Tourismusforschung an der Eurac Research waren stets geprägt
von den Herausforderungen der Tourismuswirtschaft und -politik einerseits, an-
dererseits der Legitimierung von Tourismusforschung in einer Region, die in all
den Jahren erst eine Forschungskultur entwickeln musste und in der es zumindest
in den Anfangsjahren nicht selbstverständlich war, als Forschungsinstitut Touris-
musprojekte mit lokalen und regionalen Akteuren – von einer Landesregierung
bis hin zu Kommunen und Unternehmen – umzusetzen. Im Tourismusland
Südtirol wurde die angewandte Tourismusforschung von Eurac Research schnell
angenommen und akzeptiert, was sich insbesondere in der Nachfrage nach pro-
jektorientierter – zumeist drittmittelfinanzierter – Forschung wiedergespiegelt
hat. Die Tourismusforschung von Eurac Research hat ohne Zweifel ihren Beitrag
dazu geleistet, insgesamt die Forschungskultur in Südtirol zu etablieren und die
Forschung von Eurac Research zu legitimieren. Nachfolgende Grafik verdeutlicht
in übersichtlicher Form die inhaltliche und organisatorische Entwicklung der
Tourismusforschung von Eurac Research. Wurde der Tourismus anfänglich vor
allem mittels des Forschungsobjektes Destination im Sinne eines Tourismus im
engeren Sinne betrachtet, veränderte sich im Laufe der Jahre der Blick hin zu einer
integrativen Sicht eines Tourismus mit starker Einbettung in regionale Netzwerke
mit zunehmender Betrachtung gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher
Phänomene im nichttouristischen Bereich, welche zunehmend Einfluss auf die
touristische Entwicklung bekommen. Das vorliegende Buch gliedert sich in aus-
gewählte Themenbereiche, welche sich wiederum aus zum größten Teil aktuellen
Forschungen ehemaliger und aktueller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Eurac
Research ergeben, die der Tourismusforschung auch jenseits ihrer Arbeit bei Eurac
Research treu geblieben sind. Sie sind es auch, die – mittlerweile oft an anderen
akademischen und unternehmerischen Positionen im In- und Ausland tätig – den
Grundgedanken der Tourismusforschung von Eurac Research hinausgetragen haben.
Ganz nebenbei gesagt sind fünf (ehemalige) Mitarbeitende im Tourismusbereich
der Eurac Research heute als Professoren und Professorinnen an Hochschulen und
Universitäten tätig. Für all das Geleistete möchte ich mich bei allen ehemaligen
und aktuellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ganz herzlich bedanken. Auf
diese Wirkung unserer Arbeit in all den Jahren auf regionaler, nationaler und in-
ternationaler Ebene bin ich stolz. Die in diesem Buch gesammelten Beiträge sollen
Vorwort IX

stellvertretend für viele andere Publikationen, die in all den Jahren entstanden sind,
die Themen- und Methodenvielfalt sowie das multi- und interdisziplinäre Denken
der Tourismusforschung von Eurac Research soweit möglich verdeutlichen.
Danken möchte ich neben Stephan Ortner auch den Präsidenten von Eurac
Research Werner Stuflesser (von 1992 bis 2015) und Roland Psenner (seit 2015),
die beide mit großem Wohlwollen die Forschung von Eurac Research im Bereich
Tourismus-, Standort- und Regionalentwicklung unterstützt haben. Und danken
möchte ich an dieser Stelle auch Frau Dr. Elisa Innerhofer, die nicht nur die He-
rausgabe des vorliegenden Buches in der ihr typischen Sorgfalt und Genauigkeit
betreut hat, sondern viele Jahre Tourismusforschung von Eurac Research auch
maßgeblich mitgestaltet hat.

Prof. Dr. Harald Pechlaner


Center for Advanced Studies von Eurac Research
Lehrstuhl Tourismus / Zentrum für Entrepreneurship, Katholische Universität
Eichstätt-Ingolstadt

IX
X

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Abb. 1 Entwicklung der Forschungsthemen im zeitlichen und organisatorischen Verlauf


Quelle: eigene Darstellung.
Vorwort
Inhalt

Destination und Lebensraum: Perspektiven touristischer Entwicklung.


20 Jahre Tourismusforschung von Eurac Research . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
Harald Pechlaner

1 Entrepreneurship und Innovation: Probleme und Perspektiven

Structure, significance and challenges of family firms in community-type


Alpine tourism destinations . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
Anita Zehrer

Der Tourismussektor und seine Besonderheiten innerhalb des regionalen


Innovationsnetzwerkes (RIS) Südtirol . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
Ingrid Kofler

Im Spannungsfeld von Quantität und Qualität. Chancen und


Herausforderungen für KMU im Tourismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
Sabine Pichler

2 Landwirtschaft und Tourismus: Wettbewerbsfähigkeit


im ländlichen Raum

Tourismus im ländlichen Raum. Über Facettenreichtum und


Etikettenschwindel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
Thomas Streifeneder

XI
XII Inhalt

Cultural and environmental assets in rural destination competitiveness . . . . . 73


Linda Osti

Delineating the South Tyrolean Law on Agritourism:


You Can’t Compare Apples and Oranges . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83
Georg Miribung

3 Gast-Gastgeber-Beziehung als zentrale Herausforderung


für die touristische Entwicklung

Overcrowding in mature destination . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99


Valeria Tallinucci

Tourist go home! Beobachtungen zu Overtourism und einer sinkenden


Tourismusakzeptanz in Europa. Welche Folgen ergeben sich für
Wissenschaft und Praxis? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107
Markus Herntrei

Gastfreundschaft und ihre Grenzen. Ein Fallbeispiel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125


Anja Marcher

The end of tourism through localhood and overtourism?


An exploration of current destination governance challenges . . . . . . . . . . . . . 137
Michael Volgger

4 Attraktionen im Wandel: Nachhaltigkeit als Leitbild


von Entwicklung

Tourism mobility: challenges and transformations . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155


Anna Scuttari

The viability of renewable energy sources as tourist attractions


in the Alps. Identifying success factors, challenges and impacts
regarding hydropower . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 163
Lena-Marie Lun
Inhalt XIII

Die Dolomitenregion auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung . . . . 175


Gerhard Vanzi

Sustainable tourism perspectives for Alpine destinations. The role


of the Alpine Convention as transnational cooperation instrument . . . . . . . . 195
Marianna Elmi

5 Zukunftsorientierte Destinationsentwicklung:
Governance, Design und Resilienz

Governance von touristischen Destinationen.


Die Rolle informeller Interaktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207
Frieda Raich

Destination Design: neue Perspektiven für die Destinationsentwicklung? . . . 217


Greta Erschbamer

Schrumpfung als Entwicklungsstrategie für zukunftsfähige


Destinationen und Regionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 225
Elisa Innerhofer

Resilienz im Tourismus. Ein destinationsspezifischer Ausblick . . . . . . . . . . . . 235


Philipp Corradini

Destination im Wandel – am Beispiel Meran . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 245


Barbara Hölzl

Autorinnen und Autoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 257

XIII
Destination und Lebensraum:
Perspektiven touristischer Entwicklung
20 Jahre Tourismusforschung von Eurac Research
Harald Pechlaner

Die Alpen sind Tourismus. Sie stehen für Tourismus wie wenige andere Regionen
in Europa und darüber hinaus. Die Alpen sind eine europäische Makroregion
und unterstreichen Zusammenhänge und Widersprüchlichkeiten in besonderer
Weise: wirtschaftliche, gesellschaftliche, kulturelle und politische Verflechtungen
sowie spezielle ökologische Sensibilitäten stellen die Grundlage für die Diversi-
tät dar, die den Alpenraum grundsätzlich zu einem besonderen Raum machen.
Wirtschaftswachstum und Innovation, Transport- und Verkehrssysteme bzw.
Zugänglichkeit, sowie Fragen von Umwelt und Energie sind Themenbereiche, die
aufgrund der Verflechtung im Spannungsfeld von urbanen Verdichtungen und
ländlichen Räumen unterschiedlicher Ausprägung ganz deutlich zeigen, dass die
Alpen zwar für Tourismus stehen, dass aber die touristische Entwicklung offen-
sichtlich Hand in Hand geht mit Fragen eines Wirtschaftsraumes Alpen als Standort
für Entrepreneurship und Plattform für Innovation, und weiters Hand in Hand
geht mit Fragen eines Lebensraumes Alpen im Spannungsfeld gesellschaftlicher
und kultureller Verflechtungen von und zwischen Menschen, die als Einwohner,
Konsumenten und Bezieher von Dienstleistungen die Lebensqualität im Blick haben.
Bereits ein erster Blick auf ausgewählte Aspekte des gesamten Alpengebietes, wie
z. B. Tourismusentwicklung und -intensität, lassen erkennen, dass es sich dabei um
alles andere als einen homogenen (Entwicklungs-)Raum handelt. Unterschiedliche
Rahmenbedingungen von Politik, Governance, Administration, Ausstattung mit
finanziellen Ressourcen, oder Etablierung von Innovationssystemen, ermöglichen
unterschiedliche Möglichkeiten und Perspektiven in der Ausgestaltung von Ent-
wicklungsstrategien. Allein der Begriff Wachstum verknüpft sich in verschiedenen,

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 1
H. Pechlaner, Destination und Lebensraum, Entrepreneurial Management und
Standortentwicklung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-28110-6_1
2 Harald Pechlaner

oft auch eng beieinander liegenden Regionen des Alpenraums mit unterschiedlichen
Erwartungen, aber auch unterschiedlichen Lösungsansätzen. Und dann kommt
noch die Vergangenheit und die Geschichte als Versuch der Interpretation von
Vergangenheit ins Spiel – oder sie ist gar die Grundlage für Entwicklung. Kulturelle
Verflechtungen machen an politischen und administrativen Grenzen nicht Halt.
Das Bild der Alpen ist ohne Zweifel durch den Berg geprägt. Die Alpen als Lebens-,
Natur- oder Destinationsraum ohne Einbezug der Berge können keine glaubwür-
dige Grundlage für jedwede Entwicklungsdiskussion sein. Leben in den Bergen
bedeutet Umgang mit den Besonderheiten der Berge, irgendwo im Spannungsfeld
von Beschwerlichkeit, Mächtigkeit, Schönheit und Einzigartigkeit (Mühl, 2010).
Und da kommt dann auch wieder der Tourismus ins Spiel. Die Besonderheit, ja
Einzigartigkeit und Schönheit alpiner Landschaften mögen der Rahmen für die
zentralen Sehnsüchte sein, die zum Reisen motivieren. Diese Landschaften sind
stark vom Menschen geprägt, weil es nicht zuletzt die Landwirtschaft war, die
größtenteils die Lebensgrundlage für die Menschen darstellte. Der Lebensraum
war und ist vor allem Gestaltungsraum für die Menschen, was auch dazu geführt
hat, dass man sich immer wieder für die Entwicklung von Tourismus offen gezeigt
hat, um alternative Entwicklungsmöglichkeiten in Gang zu setzen, nicht zuletzt
im Zuge der abnehmenden (finanziellen) Attraktivität der Landwirtschaft, insbe-
sondere der Berglandwirtschaft. Der Lebensraum, der zugleich Gestaltungsraum
ist, stellt gewissermaßen einen glaubwürdigen Erfahrungsraum dar – im Um-
gang mit Natur und in der Entwicklung von Kultur – vielfach geprägt von der
genannten Diversität. Und so kann der Erfahrungsraum die Grundlage für einen
(authentischen) Erlebnisraum werden – für die Menschen aus den Bergen und für
die Menschen auf Besuch in den Bergen. Das Erlebnis Alpen war stets eng an das
Erlebnis Berg gebunden und stellte hiermit auch die Grundlage für eine nachhaltige
Entwicklung von Lebens- und Destinationsraum dar. Erst als sich das touristische
Erlebnis vom Berg-spezifischen Erlebnis loszulösen begann, erst als Aktivitäten
im Rahmen der angebotenen Dienstleistungen des alpinen Tourismus wichtig zu
werden begannen, die mit dem Berg nichts oder wenig zu tun hatten, mit Ausnahme
vielleicht der Benutzung einer Seilbahn, nahm ein Erlebnisraum überhand, der
mit den Ressourcen und Kompetenzen des Berges und des Lebens am Berg nicht
mehr in unmittelbarer Verbindung stand. Aber gilt dieser Zusammenhang nicht
grundsätzlich – unabhängig von den Bergen und vom alpinen Tourismus?
Eine Besonderheit des Tourismus ist mit wenigen Ausnahmen die Standort-
gebundenheit seiner Angebote. Und somit verbindet man mit dem Erlebnisraum
zuallererst die Möglichkeit und Fähigkeit des Vermittelns von Erlebnissen, egal
ob aus den Landschaftsressourcen abgeleitet oder nicht. Nachhaltigkeit bedeutet
demnach, den Erlebnisraum an den Erfahrungsraum zu koppeln und damit die
Destination und Lebensraum: Perspektiven touristischer Entwicklung 3

Interessen des Tourismusraumes mit jenen des Lebensraumes zu verknüpfen. Wenn


die Einheimischen ihre Berge wertschätzen, tun dies auch die Gäste und werden in der
Folge wesentlich mehr Verständnis aufbringen, dass diese Berge einen bestimmten
Schutz erfordern, dass die Berge nicht immer möglichst einfach zu erreichen sind
und dass Mühe und Aufwand, die Berge zu erleben, am Ende das Gesamterlebnis
ein größeres sein lässt, und damit nicht zuletzt ein großes Verständnis auch von
Seiten der Gäste entsteht, nicht überall mit dem eigenen Auto hin zu müssen. Klar,
es braucht alternative Mobilitätskonzepte, Information zu Aktivitäten und Events
sowie Besucherströmen in Echtzeit und eine professionelle Kommunikation nach
innen und nach außen.

Zusammenhang zwischen Erlebnis und Erfahrung in einer


Destination
Erfahrung als
Gesamtheit von
Erlebnis und Moment des
Erlebnissen und
hoch

Erlebens
Erkenntnissen aus
Erlebnisraum

Erlebnissen
niedrig

Banalität des Erlebens Tiefe als Orientierung

niedrig hoch

Erfahrungsraum Abb. 1: Experience: Erfahrungs- und Erlebnisraum


Quelle: Eigene Darstellung

Abb. 1 Experience: Erfahrungs- und Erlebnisraum


Quelle: Eigene Darstellung.

„Experience“ bedeutet beides – Erfahrung und Erlebnis. Meint die Erfahrung mehr
das (touristische) Tiefenerlebnis im Sinne des empirischen Zugangs mit dem Ergeb-
nis, dass die Orientierung wächst, nicht zuletzt, weil es bei der Erfahrung eher um
eine Gesamtheit von Erlebnissen geht, meint Erlebnis eher das Ereignis, welches aus
unterschiedlichen Gründen eindrücklicher Natur sein kann. Das Erlebnis zielt auf
den Moment ab, die Erfahrung auf die Erkenntnis aus den Erlebnissen. Das Erleb-
nis-Management des Tourismus ist stets auf der Suche nach dem Authentischen,
4 Harald Pechlaner

das gewissermaßen immer wieder angeboten und damit immer wieder produziert
werden kann. Dies bedeutet Produktentwicklungs-, Marketing- und Kommunika-
tionsaufwand im Sinne eines „experience design“. Standortgebundenheit bedeutet
aber auch, mit den (einzigartigen) landschaftlichen Ressourcen zu operieren, die
im Unterschied zu (authentischen) Erlebnissen nicht reproduziert werden können
(Groebner, 2018). Eine zentrale Herausforderung für das Reiseangebot besteht
darin, jenseits historischer Sehenswürdigkeiten und Attraktionen, die laufend
erlebnisgerecht gehalten werden müssen, die Erfahrung zu ermöglichen, und so
den Hintergrund bzw. die Tiefe zu liefern.

1 Destinationsforschung – internationale Diskussionen


und die Rolle von Eurac Research

In den letzten zwei Jahrzehnten hat die Diskussion zum Forschungsobjekt Desti-
nation massiv an Fahrt gewonnen. Mit der Idee des Ortes als Kristallisationspunkt
(Kaspar, 1996) verbindet sich die Aussage, dass es nicht nur um Unternehmen geht,
an welche sich die (touristische) Nachfrage richtet, sondern Räume, egal ob Orte,
Standorte oder Regionen. Nachgefragte Räume definieren sich je nach disziplinärem
Zugang über Verdichtungen von Beziehungen zwischen Akteuren, Attraktions-
punkten, Akteursnetzwerken, im Speziellen im Tourismus über Dienstleistungen
und Erlebnisse, die sich aus Mustern von Attraktionen und Betrieben ergeben und
entsprechende Erlebnisse erstellen.
Es war Inskeep (1991), der das Resort als Destination bezeichnete und damit
eine im Prinzip abgeschlossene Einheit von Einrichtungen und Dienstleistungen
in Bereichen wie Erholung, Lernen oder Gesundheit meinte. Die Destination ist
Ort und Raum, der durch Attraktionen und damit verbundenen Einrichtungen
und Dienstleistungen des Tourismus gekennzeichnet ist (WTO, 1993). Destina-
tionen sind demgemäß Bündel von Dienstleistungen, die bestimmten Mustern
folgen, die sich wiederum aus nachfragespezifischen Mustern ergeben (Bieger,
2010). Die touristische Destination versteht sich demgemäß als von (potentiellen)
Gästen wahrgenommener Raum im Sinne einer Verdichtung von Attraktionen,
Infrastrukturen, Einrichtungen, Dienstleistungen und Erlebnissen. Es ist der
Bewegungsraum des Gastes im Netzwerk der Attraktionspunkte, die wiederum
durch eine spezifische Nachfrage ein entsprechendes Ordnungsmuster ergeben.
Nachfragespezifische Ausprägungen – beispielsweise Motive, Präferenzen oder
Affinitäten, schärfen den nachfrageorientierten Blick für die jeweils spezifischen
Angebotsbündel und zielgruppenspezifischen Erlebniskomponenten. Und so ändert
Destination und Lebensraum: Perspektiven touristischer Entwicklung 5

sich auch der Bewegungsraum des Gastes entlang seiner Nachfrage und eingebettet
in jenes Erlebnisbündel, welches seinen Erwartungen entspricht. Und im Verlauf
der Reise können diese Erwartungen sich stetig verändern. Unterschiedliche Ziel-
gruppen haben unterschiedliche Vorstellungen von den Räumen, die sie besuchen.
Mögen sie in räumlicher Hinsicht dieselben sein, variieren sie auf der Grundlage
unterschiedlicher Nachfragemuster. Gäste treffen sich beispielsweise an denselben
Orten, sind aber aus unterschiedlichen Gründen und Interessen an diesen Orten.
Damit haben wir es zwar an einem bestimmten Punkt mit demselben Raum, aber
unterschiedlichen Destinationen zu tun.
Gegenständliche Definitionen von Destination als Zielgebiete sind nachfrageori-
entiert an den Bedürfnissen von Reisenden ausgelegt, welche Motive auch immer
sie dazu bewegen, ausgewählte Räume zu besuchen. Und genauso unterschiedlich
sind die Auslöser für das Interesse an diesen Produkten, Dienstleistungen oder
Erlebnissen.
Mit dem Eintritt der Destination als Forschungsobjekt in die Forschungs-
landschaft der Tourismuswissenschaften ging und geht zugleich aber auch die
Frage der Steuerung derselben einher. Kann man Destinationen planen, führen
und steuern? Und wenn ja, wie gelingt dies auf der Grundlage von politischen,
wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zielen? Die Herausforderungen bei der
Planung, dem Management und der Governance von Destinationen liegen zum
einen in den Grenzen disziplinären Denkens, was nicht zuletzt auch für die Be-
triebswirtschaftslehre gilt, und zum anderen in den Besonderheiten des Tourismus
selbst, der als Querschnittsfunktion grundsätzlich inter- und transdisziplinäre
Ansätze erfordert. Destinationen wurden von gleich mehreren Wissenschaften zu
Forschungsobjekten mit hoher Priorität ernannt, und so entstand eher ein Rennen
um die Deutungshoheit denn ein Verständnis für die Notwendigkeit, inter- und
transdisziplinäre Schnittstellen zwischen beispielsweise den Wirtschaftswissen-
schaften, der Geographie und Soziologie oder anderen Disziplinen zu schaffen. Es
war weniger eine „destination geography“, die sich dabei herausentwickelt hat, denn
vielmehr eine Destination-Management-Konzeption, die auch in der Literatur in den
90er und 2000er Jahren stark diskutiert wurde (siehe z. B. Bieger, 2002; Pechlaner/
Weiermair, 1999; Pechlaner/Tschurtschenthaler, 2003). Zentraler Zugang war dabei
eine Diskussion um die Schwäche der klein- und mittelständischen Betriebsstruktur
bei der Vermarktung des Angebotes und die entsprechende Notwendigkeit starker
Plattformen. Im Zuge dieser Diskussion wurde die Bedeutung der Tourismusor-
ganisation, später auch im deutschen Sprachraum vornehmlich als „destination
management organization“ (DMO) bezeichnet, als Möglichkeit zentraler Steue-
rung hervorgehoben. Zumindest im alpinen Tourismus war der Fokus deutlich in
Richtung eines Destinationsverständnisses erkennbar, welches die Steuerung der
6 Harald Pechlaner

Dienstleistungskette im Blick hatte, weniger als Resort, denn vielmehr im Sinne


eines „community-based“-Ansatzes mit der großen Herausforderung, eine Vielzahl
an KMU’s vor allem durch Marketing-Programme zu steuern. Bieger (2010) verweist
dabei auch auf sich überlagernde Ebenen der Vermarktung im Spannungsfeld von
Betrieb, Ort, Region, Land oder Kontinent. Egal ob das Produkt oder ein Markt
über den Raum oder eine nachfragespezifische Verhaltensweise definiert wird,
versteht sich die Destination im Grunde als Produkt/Markt-Kombination und fügt
sich damit in die Diskussion des Strategischen Managements ein.
Die junge Tourismusforschung von Eurac Research ab dem Ende der 90er Jahre
war demzufolge zuerst eher von den betriebswirtschaftlichen Zugängen mit einem
besonderen Fokus auf Fragen des strategischen Managements (Pechlaner/Weiermair,
1999); Osti/Pechlaner, 2000), zunehmend jedoch auch von volkswirtschaftlichen
Aspekten geprägt. Institutionenökonomische Zugänge bzw. Fragen der Ausgestal-
tung kooperativer Arrangements standen dabei im Mittelpunkt.
Die Forschung von Eurac Research war im Bereich des Tourismus von Anfang
an beeinflusst von praktischen Fragestellungen der Tourismuspolitik sowohl im
italienischen als auch deutschsprachigen Einzugsbereich, so unterschiedlich die
beiden auch waren. Es war gewiss ein Verdienst der Tourismusforschung von Eurac
Research, diesen Austausch der praktischen und wissenschaftlichen Erfahrungen und
Diskussionen zwischen dem deutsch- und italienischsprachigen Raum ermöglicht
zu haben. Daraus erklärt sich die frühzeitige Einbettung des Destination-Manage-
ment-Diskurses in einen tourismuspolitischen Kontext, der stark durch die italieni-
schen Erfahrungen eines relativ gesehen hohen Einflusses der Politik in praktische
Fragen des Tourismusmanagements geprägt war (Osti/Pechlaner, 2000), während
Eurac Research durch die aktive Teilnahme an den wissenschaftlichen und indus-
triespezifischen Diskussionen der Weiterentwicklung der Tourismusorganisation
insbesondere in Österreich und der Schweiz imstande war (Pechlaner/Tschurtschen­
thaler, 2003), den Transfer in den italienischen Diskursraum durch Tagungen und
Publikationen sowie umsetzungsorientierte Projekte zu ermöglichen (Pechlaner/
Weiermair, 2000). Und es mag neben der spezifischen Eurac Research-typischen
multidisziplinären Ausrichtung eine gewisse Sensibilität für tourismuspolitische
Fragen vorhanden gewesen sein, die im Rahmen der Forschung von Eurac Research
einen erleichterten Zugang zu politikwissenschaftlichen Erkenntnissen ermög-
lichte, der dann erstmals darin gipfelte, dass Frieda Raich (2006) die Governance
des Tourismus auf der Grundlage politischer Steuerungstheorien begründete und
dabei den betriebswirtschaftlichen und geographischen Rahmen der räumlichen
Wettbewerbeinheit in Betracht zog. Die Destination Governance-Diskussion begann
Mitte der 2000er Jahre (Pechlaner/Raich, 2005; Beritelli/Bieger/Laesser, 2007) und
entwickelte sich schnell zu einer breiteren wissenschaftlichen Diskussion, geprägt
Destination und Lebensraum: Perspektiven touristischer Entwicklung 7

von der Erkenntnis, dass bestimmte Entwicklungen mit dem Management-Modell


alleine nicht erklärt werden konnten. Die zunehmend notwendige Flexibilität im
Rahmen von politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen
machte einen ebenso flexibleren Zugang notwendig, was dazu führte, dass die hier-
archische Steuerung im Destination Management zunehmend durch die Darstellung
von Steuerungsvarianten im Destination Governance abgelöst wurde. Der Destination
Management Ansatz verfolgte einen funktionalen (Planung, Organisation, Führung
und Kontrolle) und institutionellen (Kompetenzen des Entscheidens) Zugang, der
sich im Laufe der Zeit als schwierig umsetzbar erwies, weil die kooperativen Ar-
rangements kaum die organisatorischen Voraussetzungen hatten, um beispielsweise
kurzfristig und damit flexibel auf Markt- oder Produkterfordernisse reagieren zu
können. Ein weitere Begründung für den Destination-Management-Ansatz be-
stand und besteht bis heute darin, als Organisationsform den Zusammenhalt von
Interessensgruppen langfristig garantieren zu können, was vor dem Hintergrund
aktueller Entwicklungen durch die Overtourism-Debatte (dazu später) noch mehr
erschwert wird. Bereits im Destination Planning-Ansatz wurde die Integration der
Stakeholder-Perspektive gefordert, allerdings noch viel stärker aus der integrativen
Sicht des Resorts (Inskeep, 1991).
Am Übergang von Destination Management zu Destination Governance wird
viel über eher bipolare Konzeptionen (und deren multipolare Varianten) diskutiert
(siehe dazu auch Pechlaner/Pichler/Volgger, 2013). Der Versuch der Umsetzung
eines Destination Management im Spannungsfeld von „community-based“- und
„corporate based“-Ansätzen (Flagestad/Hope, 2001) lässt zunehmend erkennen,
dass der hierarchische Ansatz durchaus kritisch gesehen wurde. Langfristiges
Agieren im Sinne eines strategischen Managements war im klassischen Destination
Management-Ansatz durchaus möglich, sofern das Management imstande war, im
Rahmen kooperativer Arrangements durch Integrationsfähigkeit und das Schaffen von
Vertrauen im Netzwerk-Management auch Verbindlichkeit herzustellen. Das Fehlen
von Durchgriffsrechten machte langfristiges Vertrauensmanagement notwendig.
Destination Governance bezieht alle Handlungskoordinationen zwischen den
Akteuren einer Destination mit ein, was ein Ergebnis des Zusammenspiels von
Transaktionskosten- und Netzwerktheorie ist. Mag die Selbststeuerung von teilau-
tonomen Akteuren ein Wesensmerkmal der Destination Governance-Diskussion
sein, so ist es doch nicht so, dass diese Selbststeuerung das hierarchische Element
des Destination Management-Ansatzes völlig ersetzt. Der eher als relativistisch
anzusehende Zugang zu Destination Governance ist im wesentlichen eine Ansage
an das Nichtfunktionieren einer zentralistischen Steuerungsform im Destination
Management, wenngleich die Umsetzbarkeit schwieriger und aufwändiger messbar
wird. Die Betrachtung von zwei Steuerungsebenen (Raich, 2006 in Anlehnung an
8 Harald Pechlaner

Benz/Fürst, 2003) – Koordination auf der Ebene der institutionellen Einbettung und
Kooperation auf der Ebene des eigentlichen Destinations-Netzwerkes – verdeutlicht
dabei das Bemühen um die Verbesserung der Umsetzbarkeit des Destination Go-
vernance-Ansatzes (Pechlaner/Raich/Beritelli, 2010). Bleibt noch hervorzuheben,
dass der im Rahmen der Forschung von Eurac Research gewählte Zugang zu einer
Definition der Destination Governance nicht den wirtschaftswissenschaftlich „ein-
facheren“ Weg über den Corporate Governance-Ansatz gewählt hat, sondern den
oben dargestellten über politikwissenschaftliche bzw. eher sozialwissenschaftliche
Ansätze. Trotzdem konnte in empirischen Befunden eine Argumentation herge-
stellt werden, dass die Corporate Governance der Tourismusorganisation (DMO)
einen bedeutenden Einfluss auf die Destination Governance hat. Das multi- und
interdisziplinäre Verknüpfen war – man kann beinah sagen – ein typischer Eurac
Research-Ansatz (siehe auch Pechlaner/Volgger/Herntrei, 2011). So wie überhaupt
die ganze Diskussion sich auch im internationalen Kontext von einer betriebswirt-
schaftlichen, teilweise volkswirtschaftlichen Ebene stärker zu einer interdiszipli-
nären Diskussion entwickelt hat, und dadurch dem Phänomen Destination auch
in praktischer Hinsicht näher gekommen ist. Denken über Disziplinen hinaus –
Interdisziplinarität und Transdisziplinarität – sowie Netzwerkdenken sind wohl
auch dem Umstand geschuldet, dass mit der fortlaufenden Entwicklung der Des-
tinationsforschung die Einsicht zunimmt, dass das Forschungsobjekt Destination
nur aus verschiedenen Blickwinkeln wirklich erfolgreich erforscht werden kann.
War der Destination Governance-Ansatz ein durchaus wegweisender Beitrag
zu einem bestimmten Maß an Ausgestaltung einer effektiven und effizienten
Handlungskoordination, entwickelte sich die Diskussion von Eurac Research in der
Tat stärker – in Anlehnung an die Diskussion im Strategischen Management – in
Richtung Führungskonzepte unter besonderer Berücksichtigung von Leadership
und Destination Leadership (siehe z. B. Pechlaner/Kozak/Volgger, 2014). Der Bedarf
nach Effizienz und Effektivität in der Handlungskoordination – ohne Zweifel eine
der grundlegenden Motivationen in der Destinationsforschung insgesamt – wird
nicht weniger, und ein Ansatz besteht dabei in der Verlagerung zumindest teilweise
weg von Prozessen und Strukturen hin zu den handelnden Akteuren und Persön-
lichkeiten. Bei Betrachtung der Steuerungsmedien in der Governance-Diskussion
(siehe z. B. Raich, 2006), wie Macht, Vertrauen, Geld oder Wissen, kann man
durchaus sagen, dass diese Steuerungsmedien durchaus auch in der weiterfüh-
renden Diskussion präsent waren, wenngleich stärker über Fragen der Autorität,
der Möglichkeit der Inspiration von Menschen (im Netzwerk) oder über Werte als
Grundlage des Handelns. Destination Leadership diskutierte hiermit auf der Grund-
lage gängiger Leadership-Theorien einerseits den interorganisationalen Kontext
und die Möglichkeiten der Handlungskoordination im Sinne einer systemischen
Destination und Lebensraum: Perspektiven touristischer Entwicklung 9

Destination Management Destination Destination


& Destination Planning Governance Leadership

Was? Wie? Wer?


Wer setzt die mentalen
Forschungs-

Wie werden die Ströme Rahmenbedingungen so, um


Was ist das Entwicklungsziel innerhalb und zwischen den eine Entwicklung nach den
frage

der Destination? Destinationen gemanaged? Vorstellungen breiter


Wohin soll die Destination Welche Instrumente können Stakeholder-Gruppen zu
gehen? dabei eingesetzt werden? ermöglichen?
Wie können Inspiration, Vision
und Motivation vermittelt
werden?
rahmen
Zeit-

Kurz- bis mittelfristig Mittelfristig Langfristig

Ziele, Nachhaltigkeit und Prozesse und Struktur: Die menschliche Natur:


Focus

Wettbewerbsfähigkeit: Grenzen setzen und mit Menschliche Akteure inspirieren,


Ziele setzen und deren Gästeströmen über Grenzen ermutigen und motivieren, Werte
Erreichung ermöglichen hinweg umgehen setzen

Was versteht man unter


dem „Spiel“ und dem
sl gan
Motto

Änderung der
“Das Spiel spielen” „Spielen“? Inwiefern ist es Spielregeln
eingebettet in
o

Abb. 2: Entwicklungen von theoretischen Zugängen in der Destinationsforschung


Lebensverhältnisse?
Quelle: frei übersetzt nach Pechlaner, Kozak, Volgger, 2014.

Abb. 2 Entwicklungen von theoretischen Zugängen in der Destinationsforschung


Quelle: frei übersetzt nach Pechlaner, Kozak, Volgger, 2014.

Leadership bzw. einer „distributed leadership“ im Netzwerk verschiedener, zumeist


autonomer Organisationen, andererseits wurde Destination Leadership verstanden
in Relation zu Arrangements der Governance, zu Machtstrukturen und sozialen
Beziehungen (Pechlaner/Kozak/Volgger, 2014). Im besonderen Maße wird dabei
die Bedeutung der Anpassung des Leadership-Stils an den Entwicklungsstand der
Destination selbst betont (Kozak/Volgger/Pechlaner, 2014). Egal ob transformatio-
nale oder transaktionale Leadership, es geht auch in dieser Diskussion darum, den
betrieblichen Kontext um einen Netzwerkkontext im Raum zu erweitern und die
Bedeutung von lokalen und regionalen Stakeholdern sowie das Wissen im Raum
bzw. der Destination mit in ein erweitertes Leadership-Verständnis zu bringen.
Die Deutung der Bedürfnisse von Gesellschaften und das Einschätzen politischer,
technologischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Zusammenhänge machen
denn auch die Erweiterung der Diskussion um Corporate Leadership notwendig.
10 Harald Pechlaner

2 Destination Globalization: Welche Bedeutung


kommt dem Destination Design zu?

Die Digitalisierung, und/oder die technologischen Entwicklungen und die damit


zusammenhängende radikale Veränderung von Wertschöpfungsarchitekturen sowie
sich schnell wandelnde Parameter gesellschaftlichen Zusammenlebens durch teils
drastische Konsequenzen im Bereich der Kommunikation mittels der sogenannten
Sozialen Medien verlangen nach neuen Beziehungsmustern im Verständnis von
Wirtschaft und Gesellschaft, und auf einer anderen Ebene zwischen Unternehmen,
Mitarbeitenden und Kunden. Globalisierung, verstanden als Deterritorialisierung
im Sinne eines Ablösungsprozesses von sozialen und kulturellen Praktiken aus
spezifischen Orten (Kale, 2005), und bedingt durch sich verändernde Rahmenbe-
dingungen andererseits Prozesse der Reterritorialisierung (Clarke/Kessl, 2008), in
Kombination mit weltweit sehr kontrovers geführten Diskussionen zu Klimawandel,
die zumeist einher gehen mit Fragen der „political governance“ und der „political
leadership“ in der Umsetzung neuer Kräfteverhältnisse, oder konkrete Fragen zum
demographischen Wandel und das durch obengenannte Rahmenbedingungen sich
ändernde Mobilitätsverhalten im globalen Kontext, verlangen gewiss nach neuen
Möglichkeiten, die geeigneten Fragen zu stellen, um Politik- und Wirtschaftssysteme
im Rahmen gesellschaftlicher Entwicklungen in eine attraktive Zukunft zu führen.
Das touristische Zeitalter (d’Eramo, 2018), in welchem wir uns aktuell befinden,
verlangt ebenso nach neuen Fragen, um am Ende zu schlüssigen Antworten zu
kommen. Die klassischen Fragen – vor allem in Bezug auf das Ziel der Wettbe-
werbsfähigkeit – scheinen nicht mehr so einfach zu funktionieren. Der Tourismus
besitzt obendrein gewissermaßen die Fähigkeit der Deterritorialisierung durch die
Virtualisierung touristischer Räume oder die Touristifizierung von Räumen (Wöhler,
2011). Die Schwierigkeiten von handelnden Akteuren im Umgang mit Prozessen und
Entscheidungen nimmt in beträchtlichem Maße zu. Die Notwendigkeit der Bewälti-
gung der großen Herausforderungen mittels neuen Wissens, nicht zuletzt durch das
Verknüpfen von Wissen aus unterschiedlichen Quellen und die Notwendigkeit, die
Vertrauenskultur in global relevanten Netzwerken mit einem hohen Maß an Inter-
kulturalität und Sensibilität für regionale Herausforderungen zu entwickeln, lassen
auch erkennen, das bewährte und erfolgreich eingesetzte Methoden und Techniken
der Gestaltung, Entwicklung und damit zusammenhängend des Wachstums nicht
mehr funktionieren. Es geht mehr denn je um ein unkonventionelles Denken als
Möglichkeit, außerhalb des Bekannten Lösungen zu suchen.
Ist Design ein Schlüsselbegriff für ein neues Weltverständnis? „In a world of
profound transformation, we are all designers“ (Manzini, 2015). Design scheint
mehr Entwurf denn fertige Lösung zu sein, mehr Frage denn klare Antwort, Design
Destination und Lebensraum: Perspektiven touristischer Entwicklung 11

bedeutet, immer wieder neu zu denken als ganz spezifisch zu denken. Und doch
ist Design auch ein spezifisches Denken, insofern es bewusst das Konventionelle
verlässt und der Kreativität eine Form gibt und/oder den Weg betrachtet. Ja, es
geht um Formen, Funktionen, Ästhetik. Es geht aber auch um Prozesse und um
die Fähigkeit, Grenzen aufzuweichen, zu hinterfragen, sie neu zu „zeichnen“,
Dinge zu verknüpfen und zu verbinden, und dies mit Methoden und Techniken,
die in dieser Form so noch nicht zur Anwendung gekommen sind. Design entwirft
und gestaltet, und tangiert damit Schönheit. Design kann ein Weg sein, um uns
wieder auf Fragen der Schönheit zurück zu bringen und die Interaktion mit den
Gegenständen sowie Beziehungen zu den Dingen zu schärfen.
Es wird offensichtlich, dass weitere Bemühungen erforderlich sind, um in der
Destinationsforschung weiter zu kommen. Es geht um das Brücken bauen, das
verknüpfen, verbinden, und sichtbar machen– von Kulturen, Philosophien und Busi-
ness. Das Zusammenspiel von high tech und high touch im Sinne eines inter- und
transdisziplinären Zusammenspiels der Akteure nicht nur des Tourismus ist mehr
denn je gefordert. Denn auch der Tourismus verändert sich in großen Schritten, weil
Touristen immer weniger Touristen und vielmehr Gäste und Reisende sein wollen,
die ihre Erfahrungen an den Lebensverhältnissen der Einheimischen ausrichten
und „localhood“ (http://localhood.wonderfulcopenhagen.dk) zum Maßstab der
Entscheidungen für einen Destinationsbesuch machen. Die aktuelle Diskussion
zu „Overtourism“ (siehe z. B. https://www.sueddeutsche.de/reise/tourismus-over-
tourism-mallorca-venedig-barcelona-1.4388879) lässt schon erkennen, dass es zu
einer stärkeren Polarisierung von Anspruchstourismus in Sachen Qualität und Tiefe
einerseits und massentouristischen Phänomenen andererseits kommt. Design kann
als mögliche Metadisziplin helfen, eine Mediationsrolle im Spannungsfeld der ver-
schiedenen Disziplinen einzunehmen. Viele wissenschaftlich anerkannte Disziplinen
ringen mit ihrem Blick auf die Gestaltung der Herausforderungen dieser Welt. Aber
es bedarf eben zunehmend jener Fähigkeit, zumindest Ansätze dieser Disziplinen
zu integrieren um eventuell dem Anspruch einer Metadisziplin gerecht zu werden.
Destination Design kümmert sich weniger um Effizienz und Effektivität, oder
der Handlungskoordination, diese wird aber gebraucht, wenn über das Destination
Design und damit über ein unkonventionelles Denken neue Fragen gestellt worden
sind. Destination Design schafft Konfrontation und Irritation, um neues zu ermög-
lichen, und um mittels der Ko-Kreation auch das entsprechende Involvement zu
ermöglichen. Aber Destination Design könnte auch der Garant dafür sein, dass dieses
Involvement zu jenen Emotionen führt, welche etwas Einzigartiges darstellen, nicht
zuletzt, weil sie sich die Grundlagen aus dem Inter- und Transdisziplinären nehmen.
Die aktuelle Debatte zu Overtourism zeigt auf, dass eine nicht gewünschte
touristische Entwicklung schnell dazu führen kann, dass die einheimische Bevöl-
12 Harald Pechlaner

kerung sich in ihrem Lebensraum gestört fühlt, und dass es zu einer zumindest
wahrgenommenen Einschränkung der Lebensqualität kommt. Die Tragfähigkeit
oder carrying capacity versteht sich als Rahmen für die Diskussion der Toleranzni-
veaus unterschiedlicher Interessen zwischen Einheimischen und Gästen: Was hält
eine Gesellschaft an Entwicklungen aus, und was ist sie bereit, an Entwicklungen
zu akzeptieren? Tourismusbewusstsein bedeutet, dass eine zumeist reiseerfahrene
Gesellschaft sich der positiven und negativen Seiten einer touristischen Entwicklung
im Klaren ist, und einiges an negativen Begleiterscheinungen bereit ist, in Kauf zu
nehmen, sofern auch positive Aspekte mit dem Tourismus im eigenen Lebensraum
verknüpft sind. Aber ab wann lässt z. B. die einheimische Bevölkerung dem Ärger
über bestimmte Entwicklungen freien Lauf oder beginnt gar zu protestieren? Die
Auslöser einer solchen Entwicklung können unterschiedliche sein, beispielsweise
eine infrastrukturelle Entwicklung (z. B. Straßenbau oder Hafenerweiterungen für
Kreuzfahrtschiffe), ökologische Fragestellungen (z. B. Unterschutzstellung eines
fragilen ökologischen Systems), sozio-kulturelle Fragen, beispielsweise bei Fragen
des respektvollen Umgangs mit Teilen einer (besuchten) Bevölkerung, oder die
psychologische Tragfähigkeit – eben das gefühlte Zuviel (siehe z. B. Erschbamer/
Innerhofer/Pechlaner, 2018; Eurac Research, 2018; Koens/Postma/Papp, 2018).
Destination Design kann ein neues Verständnis von Qualität im Sinne des Ausba-
lancierens von Interessen im Spannungsfeld von Reisenden und Bereisten befördern.
  
 

 
     
 

 
   



Abb. 3 Herausforderungen zwischen Destinations- und Lebensraum


Quelle: eigene Darstellung.
Destination und Lebensraum: Perspektiven touristischer Entwicklung 13

Lebens- und Destinationsraum bewegen sich im Spannungsfeld der Interessen von


Reisenden und Bereisten. In einem Zustand der Balance von Lebens- und Desti-
nationsraum kann man dabei von einem erreichten Zustand der Nachhaltigkeit
sprechen. Der Lebensraum umfasst grob die drei Bereiche der Infrastruktur (im
wesentlichephysische Infrastruktur, Infrastruktur der Verkehrs- und Transport-
systeme, Daten- und Informations-Infrastruktur), der Dienstleistungen (rund um
Wohnen, Arbeiten, Freizeit, Bildung, Gesundheit…) und Identität (als Summe von
Angeboten an die die verschiedenen Nutzergruppen des Lebensraumes, wie Einwoh-
ner, Studierende, Pendler, Besucher…). Der Destinationsraum umfasst im Bereich
des Mobilitätsraumes jenen Raum, der den Zugang zu (touristischer) Infrastruktur
im Bereich von Verkehr und Mobilität gestaltet, im Bereich des Attraktionsraumes
jenen Raum, der die Dienstleistungen im Bereich Beherbergung, Verpflegung und
der Attraktionspunkte gestaltet, sowie im Bereich des Erlebnisraumes eben jenen
Bereich, der die Emotionen aus unterschiedlichen Sichtweisen und Disziplinen in
eine „experience“ (Erlebnis und/oder Erfahrung) verwandelt, welche die Glaub-
würdigkeit und Nachhaltigkeit der Destination widerspiegelt.

• A destination is a living
space for both inhabitants
R ES S OURC E-BAS ED and guests.

Destination System • At this point, conflicts can


possibly be identified.

• Destinations are
SIG1 characterized by
homogeneity within the
M AR K E T- BAS ED

Destination system and heterogeneity


Destination
composition/bundles outside the system.
SIG2
• Destination Design helps to
identify and manage
processes.
SIG3

LSn = Living Space


SIGn = Strategic Interest Group
SIGn Investors
Locals
Guests
Political Authorities
Service providers
etc.
LS1 LS2 LS3 LSn

Abb. 4 Lebens- und Destinationsraum


Quelle: eigene Darstellung als Ergebnis eines Brainstormings von Erschbamer, Laesser,
Pechlaner, 2018.

Die Abbildung „Lebens- und Destinationsraum“ zeigt eine Gegenüberstellung


der ressourcenbasierten Ansicht mit der marktorientierten Ansicht. Dabei gilt
eine Destination als Kristallisationspunkt, welcher sich innerhalb des Systems als
14 Harald Pechlaner

homogen auszeichnet, während er sich außerhalb als heterogen beschreiben lässt.


Es sei vorausgeschickt, dass eine Destination eine Überschneidung von diversen
Interessen aufzeigt, da eine Destination einerseits einen Lebensraum darstellt (LS für
Living Space), andererseits aber auch von einer Vielzahl an strategischen Zielgruppen
beansprucht wird (SIG für Strategische Interessensgruppen). Dazu gehören unter
anderem die einheimische Bevölkerung, Investoren, politische Entscheidungsträger,
Dienstleister und Gäste, welche sich temporär in der Destination aufhalten. Diesen
Zielgruppen gilt es bei strategischen Entscheidungen gerecht zu werden und sie
in die Gestaltung miteinzubeziehen. An den Schnittstellen, wo der Lebensraum
einerseits und Interessensgruppen andererseits aufeinandertreffen, bildet sich eine
Destination, die sich jedoch, je nach Interessensgruppe und Lebensraum entlang
der Achsen verschieben kann. An diesen Schnittstellen gilt es, mögliche Konflikte
und Problemstellungen zu erkennen und mittels Destination Design zu identifizie-
ren. Neue Perspektiven durch Destination Design helfen dabei, jene Elemente zu
erfassen, welche die Prozesse innerhalb einer Destination beeinflussen und lässt
diese erkennen, um diese bestmöglich zu steuern.
Das „Destination System“ ist eine Konstellation von unterschiedlichen Inter-
essensgruppen, welche vertikal entlang eines Lebensraumes gebildet wird. Dabei
zeigt die Ausprägung der Kristallisationspunkte an der Schnittstelle von Lebens-
raum und Interessensgruppe, dass diese unterschiedlich sein kann: je größer und
uniformer der Kristallisationspunkt, desto ausgeprägter die Schnittstelle zwischen
Lebensraum und der strategischen Interessensgruppe.
Fragen der Lebensqualität aus der Sicht der einheimischen Bevölkerung sind
mehr denn je als zentraler Teil einer Tourismusentwicklungsstrategie zu sehen und
daher frühzeitig zu thematisieren. Eine zentrale Lehre der Overtourism-Diskussion
besteht gewiss darin, dass nachhaltige touristische Entwicklung nur dann sinnvoll
ermöglicht werden kann, wenn dies im Einklang mit der Bevölkerung geschieht.
Es ist von großer Wichtigkeit, zu wissen, wie die Bevölkerung die Auswirkungen
des Tourismus auf verschiedene Lebensbereiche (z. B. Wohnraum, Infrastruktur)
einschätzt, oder ob bauliche Entwicklungen z. B. im Hotelbereich aus der Sicht der
Bevölkerung als Beeinträchtigung der Landschaft wahrgenommen werden. Eine
weitere Lehre ist jene, bei der Planung von Attraktionspunkten ein Destination
Design mitzuplanen, was soviel bedeutet, dass es darum geht, die Integration des
neuen Attraktionspunktes in die bestehende Landschaft der Attraktionen mit der
Überlegung vorzunehmen, Gästeströme neu zu verteilen oder eben „Besucherbündel“
von Attraktionen in Destinationen zu entwickeln. Und ein weiterer Punkt taucht in
der Overtourism-Debatte immer wieder auf: Studien zeigen eben, dass die Zersplit-
terung der Tourismusorganisationen oder „destination management organizations“
(DMO) den Managern weniger Handlungsspielräume beim Gestalten räumlicher
Destination und Lebensraum: Perspektiven touristischer Entwicklung 15

und zeitlicher Verteilung von Gästeströmen gibt. Insbesondere die urbanen Bal-
lungsgebiete und Städte haben mittels ihrer DMO oft zu wenige Möglichkeiten, ihren
Gästen im zumeist ländlichen Metropolitan-Umfeld alternative Ausweichrouten
zu bieten, wenn dies einen oft mühseligen Prozess des kooperativen Aushandelns
zwischen der städtischen DMO und einer DMO im benachbarten ländlichen Raum
mit sich bringt. Die Kosten der Kooperation können den unmittelbaren Nutzen
der Verteilung von Gästen dabei schnell übersteigen.

3 Zum Buchprojekt

Das vorliegende Buch gliedert sich in fünf Teile, welche einige ausgewählte Themen-
bereiche zusammenfassen. Die zentrale Frage, der das Buch nachzugehen versucht,
behandelt das Verhältnis und Spannungsfelder von Destinations- und Lebensraum.
Fragen der Wettbewerbsfähigkeit, sowie der Erlebnis- und Lebensqualität spielen
dabei eine wichtige Rolle.
Der erste Teil des Buches widmet sich Fragen des Unternehmertums und der Inno-
vation. Anita Zehrer spannt den Bogen der Welt des touristischen Unternehmertums
weit auf, indem sie auf die Besonderheiten des touristischen Unternehmertums im
Alpenraum eingeht. Der Tourismus gilt bezogen auf seine Unternehmen als sehr
fragmentiert; das familiengeführte klein- und mittelständische Unternehmen domi-
niert das Destinationsgefüge im besonderen Maße, weil diese Art von Unternehmen
in unterschiedlichen kooperativen Arrangements das Rückgrat des Destination
Management darstellt. Der Beitrag diskutiert sehr detailliert die internen und
externen Herausforderungen der Familien-geführten Unternehmen, die grundsätz-
lich als ein nachhaltiges Modell der Unternehmensentwicklung dargestellt werden
können. Ingrid Kofler beleuchtet auf der Grundlage einer umfassenden Studie
das regionale Innovationssystem Südtirols. Der Beitrag gibt eine gute theoretische
Übersicht zu Netzwerken, innovativen Milieus und Clustern, verbunden mit der
zentralen Botschaft, dass insbesondere klein- und mittelständische Unternehmen
für die Gestaltung von Innovation und insgesamt ihrer Wettbewerbsfähigkeit auf
Netzwerkbildung zurückgreifen. In einer Netzwerkanalyse untersucht die Autorin
in der Folge die Besonderheiten der unternehmerischen Netzwerkbildung im Tou-
rismus. Sabine Pichler betrachtet etwas detaillierter ausgewählte Zukunftsfragen
der Tourismusbetriebe in Südtirol. Kern ihres Beitrages ist eine Literaturanalyse
zu den Erfolgsfaktoren und Herausforderungen in der Hotellerie ganz allgemein
mit entsprechenden Rückschlüssen auf die Situation in Südtirol. Die Autorin ver-
16 Harald Pechlaner

deutlicht mit ihrer Analyse die zunehmende Bedeutung von finanziellen Faktoren
sowie externen Faktoren, wie beispielsweise der Klimawandel.
Der zweite Teil des Buches widmet sich einigen wichtigen Fragen des Verhält-
nisses von Landwirtschaft und Tourismus. Wie wichtig ist doch dieses Verhältnis
weiterhin insbesondere in alpinen Destinationen! Thomas Streifeneder unternimmt
in seinem Beitrag einen Streifzug durch die Herausforderungen des Tourismus im
ländlichen Raum, um im weiteren Verlauf detaillierter zwischen dem Tourismus im
ländlichen Raum, dem Landtourismus und dem Agrartourismus zu unterscheiden.
Dem Autor gelingt es dabei, den sogenannten „Urlaub auf dem Bauernhof“ als
gelungene Schnittstelle zwischen Landwirtschaft und Tourismus darzustellen. Der
Beitrag schließt mit einer durchaus positiven Perspektive einer neuen Rolle ländli-
cher Räume vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen. Standen im
Beitrag von Thomas Streifeneder eher die touristischen Entwicklungsperspektiven
im ländlichen Raum im Mittelpunkt, sind es bei Linda Osti vor allem Fragen der
Authentizität im Spannungsfeld kultureller Grundlagen und Fragen der Identität.
Sie betont dabei die besonderen Herausforderungen, aber auch die Vorteile von
ländlichen Räumen und ihren Destinationen, um der Nachfrage nach authenti-
schen Produkten und Angeboten der vornehmlich städtisch geprägten Gäste ein
nachhaltiges, verantwortungsvolles, ja in einem gewissen Sinne ethisches Angebot
bieten zu können. Ländliche Räume bieten dazu aufgrund ihrer kulturellen Beson-
derheiten eine gute Grundlage. Georg Miribung skizziert abschließend rechtliche
Fragen der Gemeinsamkeiten und Unterschiedlichkeiten des Agrartourismus unter
besonderer Berücksichtigung von „Urlaub auf dem Bauernhof“. Dabei wird im
Besonderen deutlich, dass die Hybridität des Beherbergungssektors insbesondere
an der Schnittstelle Landwirtschaft und Tourismus augenscheinlich wird. Hybride
Angebote sind wohl die Zukunft, was jedoch eine Reihe von Abgrenzungsnotwen-
digkeiten gegenüber den klassischen Beherbergungsformen mit sich bringt.
Der dritte Teil des Buches widmet sich den Gast-Gastgeber-Beziehungen als
zentrale Herausforderung für die touristische Entwicklung. Valeria Tallinucci
nimmt auf aktuelle Problemstellungen der räumlichen und zeitlichen Konzen-
tration von Gästen in Destinationen (overcrowding – overtourism) Bezug. Dies
betrachtet die Autorin insbesondere vor dem Hintergrund reifer Destinationen,
welche zwar eine lange Erfahrung im Umgang mit touristischen Produkten und
dem Erlebnismanagement haben, vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen
jedoch eine Destination Governance brauchen, welche den Fragen der Lebensqua-
lität der einheimischen Bevölkerung entsprechende Gewichtung verleiht. Marcus
Herntrei vertieft die Fragen des Overtourism und geht in seinen Ausführungen der
Frage nach, wie es denn um das Management der Tourismusakzeptanz aussieht.
In seinen theoretisch fundierten Ausführungen beleuchtet der Autor jene Deter-
Destination und Lebensraum: Perspektiven touristischer Entwicklung 17

minanten, welche die Wahrnehmung der Wirkungen des Tourismus beeinflussen.


Auf der Grundlage eines Prozessmodells der sozialen Austauschtheorie diskutiert
Herntrei die Berücksichtigung einer Bürgerbeteiligung, um die Zukunftsfähigkeit
von touristischen Destinationen zu gewährleisten. Anja Marcher fokussiert auf den
zentralen Aspekt der Gastfreundschaft und grenzt diesen Begriff gegenüber der
Gastlichkeit ab. Im Grunde geht es um eine neue Form von Qualitätsverständnis
und -bewusstsein der Verantwortlichen der Destinations- und Regionalentwick-
lung, um die Spannungsfelder zwischen Einheimischen und Gästen, insbesondere
wenn unterschiedliche Kulturkreise sich begegnen, positiv zu erfahren bzw. zu
einem Ausgleich zu bringen. Am Beispiel Zell am See – Kaprun zeigt die Autorin
die Verbindung von Tourismuswirtschaft, lokaler Bevölkerung und arabischen
Gästen auf. Schlussendlich geht Michael Volgger in seinem Beitrag auf die spezi-
fischen Herausforderungen einer „destination governance“ ein, wenn im Sinne von
„localhood“ ein verändertes Gästeverhalten in Destinationen das Management und
die Governance herausfordert. Der Autor zeigt basierend auf einer „governance of
commons“ die besondere Problematik auf, dass touristische Erlebnisse den Charakter
öffentlicher Güter haben und damit im besonderen Maße zu steuern sind. Volgger
weist gegen Ende seines Beitrages darauf hin, dass es nicht notwendig ist, Gäste
wie Einheimische zu behandeln („Einheimische auf Zeit“), sondern dass es eher
eine besondere Governance der Beziehungen zwischen Gästen und Einheimischen
braucht. Dafür liefert der Autor eine Reihe von Lösungsvorschlägen.
Im vierten Teil des Buches geht es um ausgewählte Attraktionen und die Mög-
lichkeiten ihrer nachhaltigen Entwicklung. Anna Scuttari konzentriert sich dabei
auf die Mobilität sowie das Erlebnis Mobilität. Sie differenziert den Mobilitätsraum
durch Infrastruktur, mobilitätsspezifische Dienstleistungen sowie Mobilitätserleb-
nisse. Die Autorin liefert in ihrem Beitrag ein Plädoyer für das Ende der getrennten
Diskussion von Transport und Tourismus und betrachtet Mobilitätserlebnisse aus
einer multidisziplinären Perspektive. Lena-Marie Lun hingegen beschreibt am
Beispiel von Energiekraftwerken in vier Ländern des Alpenraums das Potential,
daraus touristische Attraktionspunkte zu entwickeln. Diese können vor dem
Hintergrund der zunehmenden Knappheit von bestimmten Ressourcen sowie
des Klimawandels ein wertvolles Entwicklungspotential für die Regional- und
Destinationsentwicklung ergeben. Gerhard Vanzi nimmt in seinem Beitrag die
Dolomiten als Ganzes in den Fokus. Ausgehend von Fragen der Bedeutsamkeit der
Nachhaltigkeitsdiskussion im Tourismus versucht Vanzi die zukünftigen Heraus-
forderungen der Entwicklung zu diskutieren, am Beispiel der großen Herausfor-
derungen durch die unterschiedliche Entwicklung der verschiedenen Talschaften
aufgrund politischer und ökonomischer Rahmenbedingungen, auf von Fragen der
Belastbarkeit, der Mobilität und der Frage, wie es mit der Verteilung und Wichtig-
18 Harald Pechlaner

keit des Sommer- und Winterproduktes weitergeht. Der Beitrag orientiert sich im
zweiten Teil an konkreten Projekten des Center for Advanced Studies von Eurac
Research: Ein touristisches Entwicklungskonzept unter besonderer Berücksichti-
gung des Marketing für die Provinz Belluno, Zukunft des alpinen Lebensraumes
samt Perspektiven der Nachhaltigkeit für Wirtschaft, Gesellschaft und Mobilität
der Gemeinde Villnöß, nachhaltige Lebensraum- und Tourismusentwicklung im
Südtiroler Gadertal sowie zwei Projekte mit besonderem Schwerpunkt im Bereich
der sanften Mobilität: Dolomites Vives – Grenzüberschreitendes Pilotprojekt für
ein nachhaltiges „Er-fahren“ des Sellajochs im Sommer, und „Culture Building
and Territorial Development“ im Bereich Mobilität am Beispiel von Südtirol. Ma-
rianna Elmi schließt diesen Buchteil ab, indem sie das transnationale kooperative
Bestreben, den Alpenraum und seine ökologische, wirtschaftliche, gesellschaftliche
und politische Besonderheit im Rahmen von internationalen Vereinbarungen
zu regulieren, am Beispiel der sogenannten Alpenkonvention hervorhebt. Diese
ist sozusagen das Gewissen einer nachhaltigen Entwicklung nicht nur für den
Tourismus. Die Autorin umreißt im Beitrag die großen Probleme der räumlichen
und wirtschaftlichen Entwicklung im Alpenraum und die daraus entstehenden
Barrieren in der Umsetzung von Nachhaltigkeit, um im letzten Teil die Perspektiven
der internationalen Kooperation herauszuarbeiten.
Im fünften Teil des Buches startet Frieda Raich mit einer Darstellung der tou-
ristischen Destination als spezielles Beziehungsgeflecht zwischen den im Raum
agierenden Akteuren, um auf der Grundlage einer theoretischen Ausführung
des Zusammenspiels von formellen und informellen Interaktionen die besondere
Rolle informeller Beziehungen für die Governance touristischer Destinationen
herauszuarbeiten. Die von der Autorin dargestellten Funktionen von informellen
Interaktionen ermöglichen eine verbesserte Steuerbarkeit touristischer Systeme.
Der Vorteil solch informeller (Führungs-) Netzwerke liegt in der Initiierung in-
formeller Verhandlungen, nicht zuletzt, um Redundanzen vorweg zu reduzieren.
Greta Erschbamer blickt im Rahmen ihrer aktuellen Forschung in die Zukunft
und geht der Frage nach, inwiefern Destination Design neue Perspektiven auf die
Destination und ihre Entwicklung ermöglicht. Dabei startet sie mit Ausführungen
zum Begriff Design und Design Thinking, um im Besonderen die Interdisziplina-
rität oder das geradezu „Meta-Disziplinen-Hafte“ des Design darzustellen. Sodann
nähert sich die Autorin über verschiedene bereits diskutierte Design-Ansätze im
Zusammenhang mit der touristischen Destination (z. B. der Zugang über die Ar-
chitektur und Baukultur) dem eigentlichen Ziel, nämlich Design und Destination
zu einem Destination Design zu verbinden, insofern Überlegungen des Design
Thinking, beispielsweise des Disruptive Design, oder des Dissonant Design, neue
Sichtweisen der Destinationsentwicklung ermöglichen sollen. Elisa Innerhofer
Destination und Lebensraum: Perspektiven touristischer Entwicklung 19

provoziert mit der These, dass Regionalentwicklung auch Schrumpfungsprozesse


als strategische Entwicklungsprozesse verstehen muss, um mit veränderten Rah-
menbedingungen umgehen zu können. Sogenannte Postwachstumsökonomien,
oder alternative Modelle von Wachstum und Governance stehen Pate für die
Diskussion zu Schrumpfung und Rückbau. Oder anders gesagt: Overtourism be-
deutet, dass es auch Situationen mit Undertourism gibt, vielfach als Ergebnis nicht
gelingender Entwicklungsstrategien oder von Situationen in der Sättigungsphase
von Destinationslebenszyklen, wobei es der Autorin auch darum geht, mit Hilfe
von Beispielen verständlich aufzuzeigen, dass Schrumpfung und Rückbau weniger
bedeutet, eine radikale Exitstrategie umzusetzen, sondern vielmehr ein Zurückfahren
bestehender Strategien bzw. ein Rückbau dann eben einen Umbau bedeuten kann.
Die Voraussetzung nachhaltiger Regional- und Destinationsentwicklung diskutiert
Philipp Corradini in seinem Beitrag. Resilienz ist das „Zauberwort“, wobei er in
einem ersten Teil einen historischen Überblick zum Resilienzdiskurs aufzeigt. Es
folgt eine zentrale Unterscheidung zwischen Engineering Resilience im Sinne der
Systemüberlebensmechanismen Resistenz und Erholung einerseits, und Reori-
entierung (Ecological Resilience) andererseits, um schließlich in den Bereich der
Evolutionary Resilience unter besonderer Berücksichtigung einer kontinuierlichen
Transformation zu kommen. Im Grunde geht es um die Frage, in welcher Form
die strategische Anpassung an die Rahmenbedingungen in und von Destinationen
erfolgen soll. Barbara Hölzl schließt das Buchprojekt mit einer Fallstudie zur Stadt
Meran ab, wobei es ihr gelingt, aktuelle Trends und Tendenzen, wie z. B. auch die
Diskussion zu „localhood“, als Rahmenbedingungen der Tourismusentwicklung
und als Herausforderungen für eine Destination im Spannungsfeld von Lebens-
und Tourismus-Raum darzustellen.

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1
Entrepreneurship und Innovation:
Probleme und Perspektiven
Structure, significance and challenges
of family firms in community-type Alpine
tourism destinations
Anita Zehrer

Structure, significance and challenges of family firms …

1 Introduction

According to the Alpine Convention for the protection and sustainable development
of the Alpine region, about 13 million people in eight countries in more than 6,200
municipalities are currently living in the European Alps (CIPRA, 2007). About
90 % of the Alpine surface is covered by Austria, Italy, France and Switzerland.
Slovenia holds 5.8 % of the surface, Germany 3.5 %, Monaco and Liechtenstein
1 % each. The Alps have a high standard of quality of life and are treasured as an
economic and liveable area, which also benefits the tourism industry. “Tourism in
the European Alps is a decisive economic factor, guarantees jobs and enables the
locals to remain in the region” (Zehrer, Pechlaner & Raich, 2007, p. 321). Tourism
contributes 5 % to the EU GDP and accounts for 5.2 % of the total labour in Europe,
which equals about 9.7 million jobs (EUSALP, 2017). Most recent studies reveal
that the Alps account for 7.5 million beds and generate 386 million commercial
and 126 million non-commercial overnights, which is 14.4 % of the EU-28 (MCI
Tourism, 2016). Thus, tourism is of utmost importance for various peripheral and
mountain destinations of the Alps (Zehrer, Pechlaner & Raich, 2007).
The 1.8 million tourism firms in the Alps are largely characterized by their
small- and medium-sized structure, whereas small businesses count less than 50
employees and medium enterprises less than 250 full-time equivalents (EUASLP,
2017). The majority of these micro and SME businesses are historically run by en-
trepreneurial families. Tourism is particularly appropriate for family-run businesses
due to the direct interaction between host and guest (Getz & Carlsen, 2005; Getz

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 25
H. Pechlaner, Destination und Lebensraum, Entrepreneurial Management und
Standortentwicklung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-28110-6_2
26 Anita Zehrer

& Carlsen, 2000). The traditional family business is typical across the Alps, espe-
cially for community-based tourism destinations (Pechlaner & Tschurtschenthaler,
2003). Community-type destinations consist of a system or network of fragmented
tourism providers; thus, community-structured tourism destinations require stake-
holder-driven planning, which usually means that tourism family firms influence
destination development from one generation to the next by playing an active part
in the shaping of the destination (Leitner & Zehrer, 2014; Beritelli & Laesser, 2011;
Weiermair, Siller & Mössenlechner, 2006; Heath & Wall, 1992; Inskeep, 1991).
This paper characterizes Alpine tourism and puts its main focus on the role and
significance which family-run businesses play within the largely community-based
Alpine destinations. Particularly, the impact of family firms on tourism, on its de-
velopment as well as their entrepreneurial internal and external challenges will be
discussed. At the end of the paper, concluding remarks focus on steps to be taken
and discuss future prospects for family firm entrepreneurship.

2 Family firms in Alpine community-type tourism


destinations

As already stated in the introduction of this paper, Alpine tourism is characterized


largely by SMEs, which are managed and controlled by entrepreneurial families
(Zehrer, Muskat & Muskat, 2014; Ward, 2011; Sharma, Chrisman & Chua, 1997).
In general, family businesses are the most prevalent form of organizations (Chris-
man, Steier & Chua, 2008; Astrachan & Shanker, 2003), also in tourism. Tourism
is particularly appropriate for family-run businesses given the direct interaction
among host and guest when providing a tourism product or service (Getz & Carlsen,
2005). This particularity is also referred to as a fragmented industry (Pechlaner,
Raich, Zehrer & Peters, 2004). There are only few exceptions in the Alpine tourism
landscape, where big corporates or consolidates characterize the destination, such
as e. g. the Compagnie des Alpes in France (Zehrer, Raich, Siller & Tschiderer, 2014),
which would be referred to as a corporate-type destination structure or resort model
(Flagestad & Hope, 2001).
With more than 90 % of family firms in the hotel and gastronomy industry,
the entrepreneurial behavior of these family firms has a strong influence on the
structure and success of Alpine tourism destinations (Zehrer, Raich, Siller & Tschi­
derer, 2014). Wanhill (2000) notes that the authenticity of a tourism experience for
consumers can be enhanced by contact with locals, which explains the appeal of
bed & breakfast establishments or farm-stays to many cultural tourists of the Alps
Structure, significance and challenges of family firms … 27

(Pechlaner, Raich, Zehrer & Peters, 2004; Pechlaner & Tschurtschenthaler, 2003).
Alpine family firms in tourism are authentic hosts, they stand for identity and
history of the destination, which they convey to the tourist in a highly tailored and
individualistic way (Astrachan & Astrachan, 2015; Kaslow, 2012; Aronoff & Ward,
2011; Astrachan & Shanker, 2003). Family firms show a high degree of reliance,
which is equally important for both, business partner and employees; they are
trustworthy, honest, straight and hard working, their entrepeneurial behaviour is
guided by their historicially driven family values and the positive entrepreneurial
spirit of the family owner (Zehrer & Haslwanter, 2010). Moreover, family firms are
known for their courage and their consistent customer orientation; they strive for
innovative solutions and thus are closer to solve the customer problem compared
to non-family firms. Family firms are particularly rich in intangible, tacit knowl-
edge, generated through interactions between family members (Muskat & Zehrer,
2017; Chrisman, Steier & Chua, 2008). Habbershon (2006, p. 990) refers to these
interactions as the “familiness” of the firm. The construct of familiness is routed
on the resource-based view of the firm and presents a strategic competitive advan-
tage of family firms compared to non-family firms (Cabrera-Suárez, Saá-Pérez, &
García-Almeida, 2001; Pearson, Carr & Shaw, 2008).
Given their long-term orientation, family firms are more risk averse and are
keen to commonly reinvest their earnings into their business on a regualar basis
(Audretsch, Hülsbeck & Lehmann, 2013; Naldi, Nordqvist, Sjöberg & Wiklund,
2007; Getz & Carlsen, 2005). Instead of short-term profit maximization, it is the
family firms’ sustainability which stands in the center of the business and the key
objective to hand over the business from one generation to the next (González-Cruz
& Cruz-Ros, 2016; Leitner & Zehrer, 2014; Klein, 2000). Family businesses are deeply
anchored and embedded in the destination, they create jobs and contribute to the
value added of the destination. Furthermore, their solidarity vis-a-vis the locals,
their human commitment and service toward the destination is rigorous. Hence,
family firms are an important tie between locals and guests and thus responsible
for the preservation and success of tourism destinations with regard to both – the
leisure space for tourists and the living space for locals (Beritelli, Bieger & Laesser,
2013; Beritelli & Laesser, 2011; Zellweger, Eddleston & Kellermanns, 2010).
For political, structural and cultural reasons, actors in the community model
are concerned with promoting co-operation and the widest possible harmoniza-
tion of objectives within a destination. The destination management organization
is perceived as mainly marketing device and policy domain in which planning
and decisions are based on stakeholder collaboration and numerous compro-
mises (Hristov & Zehrer, 2017; Zehrer, Raich, Siller & Tschiderer, 2014; Zehrer
& Raich, 2010). Individual and independent entrepreneurs with their family-run
28 Anita Zehrer

business units thus operate in a decentralized way and no unit has any dominant
administrative power or dominant ownership within the destination (Hristov &
Zehrer, 2017). Hence, strategic leadership is anchored in a stakeholder oriented
management, where family entrepreneurs and subsequently their entrepreneurial
behaviour play a crucial role.

3 Internal entrepreneurial challenges of tourism


family firms

The role of family firms in tourism is threatened by various business internal factors
and challenges, some of which will be discussed in the following paragraphs. This
is not an all-encompassing list of influencing factors on entrepreneurial families,
but shall represent a list of the most important ones.
Although family firms are said to be especially viable, they are also extremely
susceptible to risk with regard to the succession planning of their family firm
from one to the next generation. Succession is regarded as the most difficult
entrepreneurial challenge of a family firm, since it not only affects fundamental
questions of the business, but equally concerns consequences for the future per-
sonal existence (Zehrer & Haslwanter, 2010). Succession means to tackle economic,
financial, tax-related and social aspects, as well as family-related, emotional and
interpersonal processes. The small-sized family-run tourism businesses with their
intergenerational knowledge and know-how need to be preserved and retained as
a backbone of the community-type destination model (Muskat & Zehrer, 2017;
Weiermair, Peters & Schuckert, 2007); studies however reveal that only three out
of ten family firms are handed over from the first to the second generation; the
succession from generation two to generation three is managed by only one out
of ten family firms (Ward, 2011; Kets de Vries, 1993). In the face of their various
positive characteristics, it is the question around succession which is regarded as
most problematic. Business failure research has revealed that the emotional attach-
ment of the owner-manager to the business, the lacking experience in business and
marketing background, the inadequate management skills as well as the low level
of innovation in small family-run businesses, increase the likelihood of business
collapse (Zehrer, Pechlaner, Reuter, 2014; Zehrer, 2009; Pikkemaat & Peters, 2006;
Getz & Carlsen, 2005; Getz & Carlsen, 2000).
Up to now, almost all tourism businesses in the Alps are owned by locals, which is
an important success factor to be retained, since they have always positively shaped
the destination and delivered the authentic tourism experience which guests highly
Structure, significance and challenges of family firms … 29

appreciated and made them revisit and recommend the Alps as a tourism destination
(Milman & Zehrer, 2017). However, family firms show limitations with regard to
their financial, time and human resources which produce special challenges for
the strategic management of the firm (Huang, Meschke & Guthrie, 2015; Greene,
Brush & Brown, 1997). The restrictions with regard to financial capital deny family
firms to participate in or iniate innovative projects; sometimes, innovative projects
iniated with inefficient financial resources cannot be developed in a sustainable
way (Varis & Littunen, 2010). Given the low level of equity, new financing mod-
els would be needed for investments and innovation in the family-run tourism
industry (Huang, Meschke & Guthrie, 2015; Zehrer, Pechlaner & Reuter, 2014).
Also, addititional Alpine-wide subsidies and funds as well as coaching offers and
mentoring programs are desperately needed for these micro and SME-structured
family firms in tourism to remain competitive (EUASLP, 2017).
Furthermore, professional staff is missing in the majority of family-firms in
tourism. The hospitality industry as the core element of Alpine tourism is an im-
portant prerequisite for tourism activities and destination development (Danler
& Zehrer, 2017; Weiermair, Siller & Mössenlechner, 2006). Skilled labor shortage
in hospitality however is a major issue since the last two decades (Pechlaner &
Tschurtschenthaler, 2003; Weiermair, 2000). In contrast to the high requirements on
employees, the hospitality industry is regarded as a less attractive employer, which
leads to a chronic bottleneck in labor and a decreasing number of apprentices (Wei-
ermair, 2000). Although, it is also a challenge for them, family firms are favored in
this regard given their long-term orientation and their lower employee fluctuation
compared to non-family firms. Following social exchange theory (Thibaut & Kelley,
1959; Homans, 1958) individuals enter social relationships with others where they
believe they can receive valued benefits yet incur few risks and/or costs. Applied to
the family business setting, job applicants evaluate a potential employer compared
to competing employers with regard to the benefits provided by one firm compared
to another firm (Danler & Zehrer, 2017). Thus, it is of utmost importance for family
firms to outline their benefits to employees compared to their competitors, such as
non-family and larger tourism firms, in a similar manner as they communicate the
benefits of their products to their customers (Lievens, van Hoye & Anseel, 2007).
A strong employer brand subsequently increases the attractiveness of a company
towards potential employees similar to a strong product brand towards its customers
and attract future employees (Danler & Zehrer, 2017; Lievens, van Hoye & Anseel,
2007; Lievens & Highhouse, 2003; Collins & Stevens 2002).
Nepotism is another factor which might cause problems in family firms (Chris-
man, Sharma & Taggar, 2007), since it might lead to a loss in productivity in case a
successor is the new business leader only based on his family affiliation and not due
30 Anita Zehrer

to his qualification or know-how (Safina, 2015). The qualification of the successor


is of crucial importance, since this person will take over the leadership of the firm
and will thus render responsible for the preservation and continuity of the firm
(Chrisman, Sharma & Taggar, 2007). In the tourism industry, we find a majority
of young successors who already dispose of a profound knowledge and technical
education, which benefits the professionalization of the tourism industry as a whole
(Benckendorff & Zehrer, 2017). However, given the higher level of education of
potential successors, the willingness to succeed and take over the family business
might equally decrease, since some successors have seen their parents and other
family members being imersed in the family firm in tourism at various times
during the year (e. g. Christmas, Easter, etc.) when others enjoyed their holidays;
as a result, they might have other perceptions of their family life as well as future
work-life-balance compared to the previous generation (University of St. Gallen,
2015), which renders the future of many family firms in tourism uncertain.
Another challenge is the attitude towards tourism, which has become a mass
phenomenon in some Alpine destinations already (Brida, Osti & Faccioli, 2011;
Latkova, & Vogt, 2011; McGehee & Andereck, 2008; Butler, 1999); only a positive
attitude of successors will lead to their active participation and involvement in the
destination development (Hjalagar, 2014; Weiermair, Siller & Mössenlechner, 2006;
Hjalagar, 2002). It is important to keep young generations informed on tourism
development to prevent from tourism fatigue or saturation in community-type
destinations (Leitner & Zehrer, 2014; Marion & Reid, 2007; Batta, 2000). This can
be achieved by making the locals and other service providers aware of the economic
importance which the tourism industry plays in the Alps, since the tourism attitude
is influenced by the personal, economic, socio-cultural, ecologic factors as well as
tourism intensity in the Alps (Brida, Osti & Faccioli, 2011; Latkova, & Vogt, 2011;
Nunkoo & Ramkissoon, 2011; McGehee & Andereck, 2008; Butler, 1999). The better
the perception of tourism, the higher is its acceptance and the more positive is the
attitude towards tourism (Jeong & Holland, 2012; Beerli & Martin, 2004; Harrill,
2004; Smith & Krannich, 1998).
Structure, significance and challenges of family firms … 31

4 External entrepreneurial challenges of tourism


family firms

Besides the business-related internal challenges, there are various external factors
which have exerted an impact on family firms and will impact their further existence.
The pressure on family businesses grows with regard to higher customer expec-
tations, decreasing length of stay, higher tax burden, etc., leading to a continually
more aggressive market situation (Zehrer, Muskat & Muskat, 2014; Laesser & Zehrer,
2012; Cabrera-Suárez, De la Cruz & Martín-Santana, 2011; Magnini, Crotts & Zehrer,
2011; Zehrer, Crotts & Magnini, 2011). These factors ask family firms to become
more professional, which is difficult given the small-scale structure of many family
firms in Alpine tourism (Pikkemaat & Zehrer, 2016). This structure often means
that family firms are so caught up in their operative daily business, that they hardly
find any time for strategic questions and long-term business planning, which would
be necessary to overcome the disadvantages of size (González-Cruz & Cruz-Ros,
2016; Zehrer, Muskat & Muskat, 2014; Kim & Gao, 2013). Strategic planning helps
to harmonize the changing external conditions and regulatory framework with
operative internal processes (Haselwanter, Zehrer & Muskat, 2016). This also has
a positive effect on the overall competitiveness of the Alps as a tourism destination
(Zehrer, Smeral & Hallmann, 2017).
Also, new family structures of guests (single parents, patchwork families, migrant
families, etc.) change the wishes and needs of tourists as well as future tourism
products which they might demand, which is also discussed in the EU strategy for
the Alpine Region (EUSALP, 2017; Hnátek, 2015). This requires innovation potential
of the succeeding generation of family firms and makes knowledge and know-how
on the changing tourist behaviour an essential resource. Innovation orientation and
innovativeness thus has become an important asset in the strategic orientation of
family firms (Pikkemaat & Zehrer, 2016; Zehrer, Pechlaner & Reuter, 2014; Zehrer,
2009). Another challenge that goes hand in hand with this, is the family tradition
and continuity of the family and its name, which often renders market adaptation
and transformation difficult (Sundaramurthy & Kreiner, 2008). This shift might
lead to the typcial generation conflict in family firms, which might be overcome if
succession is strategically planned (Haselwanter, Zehrer & Muskat, 2016). Adap-
tation to new developments and technological changes has become necessary and
need to be achieved much faster and more dynamic than before (Getz & Carlsen,
2005). Thus, only tradition which is reinvented on a regular basis can continue to
exist (Pikkemaat & Zehrer, 2016; Pikkemaat & Peters, 2006).
The digitalization of the economy is another big trend and key challenge, espe-
cially for the family-run tourism industry in the Alps, since it not only changes the
32 Anita Zehrer

business, but the customers likewise (Minghetti & Buhalis, 2010; Buhalis & Law,
2008). The digital lifestyle of the customers has changed their behavior; customers
expect maximum flexibility, fast reaction time, customized offers, 24 hour booking
and user friendliness (Jacobson & Munar, 2012; Laesser & Zehrer, 2012; Hojeghan
& Esfangareh, 2011; Karanasios & Burgess, 2008). Although the awareness for
digitalization in tourism is high, it has not yet reached the majority of the small-
scale family firms in the tourism industry (Collins, Buhalis & Peters, 2003); a very
limited number of family firms in tourism already makes use of the digital and
technological possibilities purposefully and disposes of a holistic digitalization
strategy for their family firm (Collins, Buhalis & Peters, 2003). On the one hand,
information and communication technologies as well as new digital trends can
enable family firms to improve their inventory management, strengthen their mar-
keting and communications strategies and further develop their internal business
processes; on the other hand, digitalization definitely intesifies and exacerbates the
intergenerational conflict in family firms between the old and the young generation
and thus puts pressure on family firms (Krappe, Goutas, & Von Schlippe, 2011).
Finally, the sharing economy – a collaborative way of sharing – in particular the
continuing rise of AirBnB and similar, as the most is expanding new offer in the
accommodation market, renders it difficult for traditional accommodation providers
to co-exist in the highly volatile market (Koh & King, 2017; Zervas, Proserpio &
Byers, 2017; Humphreys & Grayson, 2008). This trend has also reached the Alps and
challenges the classic business model of the tourism industry (Botsman & Rogers,
2010) and bears risks for the tourism industry, which should not be neglected.
The family-run accommodation sector in the Alps has to compete in the sharing
economy, given the fact that guests might obtain accommodation at lower prices
from AirBnB compared to traditional hotels (Fang, Ye & Law, 2015). This new
trend asks family entrepreneurs to keep pace with the development, become more
reflexive in understanding how their business is enacted through the digital world
and anticipate how digital technologies might evolve their family firm.

5 Conclusions

In summary, it can be said, that family firms in tourism have to manage a lot of
upcoming challenges, which correlate with the close relationship of family and
business and its accompanying internal challenges such as the family dynamic,
funding, corporate strategy, succession, equity, know-how transfer, strategic
planning, lack of skilled labor, nepotism and tourism fatigue on the one hand, but
Structure, significance and challenges of family firms … 33

also derive from external market-driven challenges such as changing customer


expectations, the general more aggressive market situation, digitalization, sharing
economy and migration, on the other hand. Given the fact that more than 90 percent
of Alpine tourism businesses are run, managed and controlled by entrepreneurial
families and they impact authentic destination management and development,
these circumstances might lead to changes in the tourism industry in the long
term. We can already see that failure in succession planning of family firms, but
also tourism fatigue in some valleys, has led to migration of the young and highly
qualified generation, which will shape future tourism.
The pressure on family firms thus increases and pushes them to act fast. The
present chapter discusses some selected challenges of the various existing threats
for family firms in tourism in an examplary way with regard to managerial im-
plications on a business level as well as wider consequences on an Alpine tourism
industry level. Family firms must continually manage to overcome their small-scale
structure and disadvantages by increasing professionalism and strategic planning.
On an industry level, family firms should start collaborating by forming networks
with tourism actors and stakeholders from other industries to stay competitive and
further develop the Alps as a tourism destination.
The role and significance of family firm survival for the future of Alpine tour-
ism is beyond controversy. However, it is necessary to increase the awareness of
the role and importance of the family firms for future destination development.
Likewise, we need to prevent family firms from the various internal and external
challenges, especially the ones discussed in this paper, by means of efforts in the
field of applied research, education and training as well as tourism policy on local,
regional and sub-regional level. The future existence of family firms in tourism
is essential for the continuing and sustainable development of community-type
tourism destinations, such as the European Alps.

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Der Tourismussektor und seine
Besonderheiten innerhalb des regionalen
Innovationsnetzwerkes (RIS) Südtirol
Ingrid Kofler
Der Tourismussektor und seine Besonderheiten …

1 Einleitung

Für Unternehmen sind Kooperationen und interorganisationale Netzwerke auf-


grund von Globalisierungsprozessen und zunehmender Wettbewerbsfähigkeit
nicht mehr wegzudenken (Pechlaner und Bachinger 2010). Genauso steigt das
Kooperationsbewusstsein von Unternehmen, da durch die Zusammenarbeit mit
anderen Unternehmen eine größere Palette an Produkten und Dienstleistungen
angeboten, Informationen ausgetauscht und Ressourcen gespart werden können.
Gerade Innovation kann ein „fundamentales Instrument von Wachstumsstrategien
sein […], um neue Märkte zu erschließen, den bestehenden Marktanteil zu erhö-
hen und dem Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen“ (Gunday,
Ulusoy, Kilic und Alpkan 2011, 662). Insbesondere ist im Bereich der Innovation
für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) Zusammenarbeit mit anderen Un-
ternehmen wichtig, denn sie verfügen oft nicht über ausreichend finanzielle und
personelle Kapazitäten zur Tätigung von Investitionen im Bereich von Forschung
und Entwicklung. Die Teilhabe an Innovationsnetzwerken wird somit für KMUs
zu einer wichtigen Überlebensstrategie, um am Markt bestehen zu können, sich
neues Wissen anzueignen und sich weiterentwickeln zu können.
Netzwerke machen Sinn, wenn sie für alle involvierten Akteure einen Mehrwert
generieren, welcher vor allem durch eine Steigerung der Flexibilität, das Anstreben
sonst unerreichbarer Ressourcen oder Märkte, die Reduktion von Koordinations-
und Produktionskosten und/oder durch interorganisationales Lernen erreicht
werden kann (Bachinger und Pechlaner 2011; Glückler 2012; Rank 2015; Weyer

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 39
H. Pechlaner, Destination und Lebensraum, Entrepreneurial Management und
Standortentwicklung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-28110-6_3
40 Ingrid Kofler

und Abel 2000). Zugrunde liegen somit immer Akteursbeziehungen, die durch
verschiedenartige Verbindungen unterschiedliche Typen von Netzwerken formen,
die „sich hinsichtlich ihrer Akteure, ihrer Beziehungsqualität, ihres räumlichen
Umgriffs und ihrer Koordinationsmechanismen unterscheiden“ können (Bachinger
und Pechlaner 2011, 4). Netzwerke haben eine eigenständige Form der Koordinati-
on und der Interaktion, „deren Kern die vertrauensvolle Kooperation autonomer,
aber interdependenter (wechselseitig voneinander abhängiger) Akteure ist, die für
einen begrenzten Zeitraum zusammenarbeiten und dabei auf die Interessen des
jeweiligen Partners Rücksicht nehmen, weil sie auf diese Weise ihre partikularen
Ziele besser realisieren können als durch nicht-koordiniertes Handeln“ (Weyer und
Abel 2000, 11). Es geht bei der Betrachtung der Netzwerke also nicht ausschließlich
um eine rein ökonomische Komponente, da diese die komplexe gesellschaftliche
Wirklichkeit allein nicht erfassen könnte. Im Unterschied zu sozialen Netzwerken
spielen bei Kooperationen zwischen Unternehmen die Organisationsstruktur und
die Koordination des Netzwerkes eine wichtige Rolle. Bei der Analyse von inter-
organisatorischen Netzwerken werden besonders die zielgerichtete Koordination
und die Verfolgung eines gemeinsamen Zieles bzw. Interesses in den Vordergrund
gestellt. Das Interesse besteht dabei darin, solche Vernetzungsprozesse zu rekon-
struieren und deren Funktionsweise zu analysieren, wobei die spezifische Form
der selbstorganisierten Koordination zwischen strategisch handelnder Akteure
im Mittelpunkt steht.
Im Rahmen dieses Beitrages, wird vor allem das Konzept des Regionalen
Innovationssystems am Beispiel der Autonomen Provinz Südtirol in Betracht
gezogen, da sich das Beispiel der Region Südtirol, sei es wegen des besonderen
Autonomiestatus als wegen seiner marktstrategischen Positionierung, hierfür
besonders eignet. Dabei werden insbesondere die Ergebnisse der Studie von Eurac
Research zum Regionalen Innovationssystem Südtirol, welche 2016 durchgeführt
wurde, herangezogen (Kofler, Marcher und Anesi 2017; Kofler und Marcher 2018;
Kofler, Marcher, Volgger und Pechlaner 2018). Im Mittelpunkt der Studie stand
die Frage, wie sich Unternehmen und ihre Vernetzung mit unterschiedlichen
Akteuren auf die sozialen und organisatorischen Strukturen einer Region im
Innovationsbereich auswirken und welche Verbindungen und Beziehungen die
Zusammenarbeit von KMUs im Innovationsbereich charakterisieren. Ziel war
es zu verstehen, wie Innovation innerhalb dieser Netzwerke stattfindet. Hierbei
wurden die regionale Einbettung der Beziehungen, die Vorteile und der Erfolg der
Innovationsaktivitäten der Unternehmen durch ihre Vernetzung, die Struktur und
die Merkmale der Beziehungen (unter Berücksichtigung der verschiedenen Akteure
und Dimensionen) analysiert.
Der Tourismussektor und seine Besonderheiten … 41

2 Innovation als Netzwerk

Ein interessantes Merkmal von Innovationsnetzwerken ist, dass diese auf territorialer
Ebene dazu tendieren kumulativ zu erscheinen. In der Literatur wird von Nationa-
len oder Regionalen Innovationssystemen, von innovativen Milieus, Clustern oder
Industriegebieten gesprochen (Cooke, Uranga und Etxebarria 1998; Koschatzky
2001; Bachinger 2011; Weyer und Abel 2000; Volgger 2017). In der Wissenschaft
ist zunehmend die Rede von sogenannten Ökosystemen, welche eine Kombination
aus sozialen, politischen, wirtschaftlichen und kulturelleren Elementen innerhalb
einer Region darstellen (Spigel 2015). Hierbei werden verschiedene Aspekte, wie
kulturelle und soziale Attribute, soziale Netzwerke, Investitionskapital, Univer-
sitäten und Wirtschaftspolitiken betrachtet, welche ein geeignetes Umfeld für
innovationsbasierte Unternehmen schaffen (ibidem). Was all diesen Konzepten
zugrunde liegt, ist die Idee, dass es nicht nur um einzelne Unternehmen geht,
sondern um ein geeignetes Umfeld welches sich auf die Unternehmen auswirkt und
umgekehrt von ihnen getragen wird. Der „triple helix“ Ansatz (Leydesdorff und
Etzkowitz 1996; Etzkowitz 2008) bildet hierbei den Grundsatz, wobei Innovation
durch die ständige Interaktion und Wechselwirkung zwischen Politik, Forschung
und Unternehmen produziert wird.
Die Netzwerke, die Interaktion und das Zusammenspiel zwischen den ver-
schiedenen Akteuren sind neben den kulturellen und materiellen Attributen eines
der Hauptmerkmale welche ein regionales, unternehmerisches Ökosystem oder
Regionales Innovationssystem ausmachen. Innovation, Produktion und Vermark-
tung geschehen also nur in Zusammenarbeit und in Wechselwirkung zwischen
verschiedenen Akteuren, welche untereinander vernetzt sind (Koschatzky 2001).
Netzwerke sind eine spezifische Form der Interaktion zwischen Unternehmen
und externen Partnern, welche einem ganzheitlichen System angehören. Zur Un-
tersuchung solcher Netzwerke gibt es verschiedene Ansätze, welche entweder die
Ebene der Struktur und den Aufbau des Netzwerkes, die Rahmenbedingungen, das
Unternehmertum oder die transaktionsökonomischen Aspekte analysieren. Wie
vorher bereits erwähnt, geht es darum eine ganzheitliche Betrachtung zu wählen,
welche ökonomische, soziale und politische Aspekte inkludiert, um die Entstehung
und Wirkung solcher Netzwerke zu verstehen. Besonders interessant gestalten
sich Innovationsnetzwerke, welche im Bereich der Wissenskommunikation und
-transfers, des Innovationsmanagements und der Forschung und Entwicklung
entstehen. Hierbei sind das Lernen und die Interaktion zentrale Elemente von
Innovationsprozessen, welche neues Wissen generieren (Koschatzky 2001).
Die Netzwerkkooperation ist durch gegenseitige Beziehungen gekennzeichnet,
aus der sich die Interdependenz der Partner ergibt (Bock und Polach 2008). Diese
42 Ingrid Kofler

sollten dazu dienen, das ökonomische Risiko zu minimieren, allerdings bleibt


jedoch das Risiko von opportunistischen oder unvorhersehbaren Verhalten der
beteiligten Akteure beibehalten, welches zu Unsicherheiten und Konfliktmomenten
führen kann (Weyer und Abel 2000). Insofern spielt bei Netzwerken, vor allem
im Bereich der Innovation, das Vertrauen eine wichtige Rolle, welches zu einer
Risikominimierung beiträgt. Dichte Netzwerke mit starken Beziehungen sichern
so das Vertrauen. Sie können aber auch Innovationsprozesse verhindern (Jansen
2007), denn Informationen und neues Wissen wird meistens durch sogenannte
„schwache Beziehungen“ generiert (Granovetter 1985; Burt 1995). Es gibt also eine
inhärente Kontraposition: Einerseits ermöglichen schwache Beziehungen einen
besseren Informationsfluss und andererseits ist ein höheres Maß an Vertrauen – also
stärkere Bindungen – ein zentrales Element im Innovationsprozess. Ahuja (2000)
demonstriert, je mehr stärkere (vertrauensbasiertere) Beziehungen zwischen den
Partnern bestehen, desto mehr werden Patente angemeldet und je geschlossener
ein Kooperationsnetzwerk ist, desto höher ist der Innovationserfolg, da es zu
Steuerungsvorteilen und gegenseitiger Anpassung innerhalb eines Netzwerkes
kommt. Damit ein solches Netzwerk auch funktioniert, kommt den sogenannten
„trustees“ eine wichtige Rolle zu, um einen „Matthäus Effekt“ zu vermeiden, bei
dem nur einige wichtige Akteure die Möglichkeit haben, auf bestimmte Ressourcen
zuzugreifen (Benz 2007).

3 Innovation im Tourismus

Im Dienstleistungssektor ist es im Vergleich zu anderen Sektoren schwierig, die


Innovationsaktivitäten zu messen, da dienstleistungsorientierte Unternehmen in
der Regel keine technischen Komponenten entwickeln oder Patente anmelden.
Deshalb können Regionen mit einem stark vertretenen Dienstleistungssektor als
weniger innovativ wahrgenommen werden, obwohl effektiv Dienstleistungsin-
novationen stattfinden (diese können zum Beispiel auch Konzepte oder strategi-
sche Entscheidungen betreffen). Laut Innerhofer (2012) können bei touristischen
Produkten, die per Definition aus einem Leistungsbündel aus materiellen und
immateriellen Komponenten bestehen, sowohl Produkt- als aus Dienstleistungs-
innovationen auftreten. Neben der Besonderheit des Dienstleistungssektors nennt
Volgger (2017) zwei weitere Faktoren, welche den Tourismussektor von anderen
Dienstleistungsbranchen unterscheidet: der große Anteil an Stammgästen, welcher
eher als innovationshemmend gilt, sowie die kleine und mittlere Struktur im Be-
herbergungssektor und in der Gastronomie, die Innovation und Wissenstransfer
Der Tourismussektor und seine Besonderheiten … 43

erschweren. Im Tourismussektor sind Netzwerke besonders wichtig, da es sich


bei dem touristischen Produkt um ein Leistungsbündel handelt, für dessen Ent-
wicklung mehrere Anbieter bzw. Akteure erforderlich sind (Scott 2008; Presenza
und Cipollina 2010). Touristische Akteure sind Teil einer Region bzw. Destination
und in der Entwicklung ihres Produktes auch in Teilen von anderen Akteuren der
Destination abhängig. Destinationen sind komplexe Systeme, in welchen verschie-
dene Subsysteme dynamisch interagieren (Scuttari, Volgger und Pechlaner 2016),
insofern spielen Netzwerke eine wichtige Rolle. Die territoriale Verbundenheit ist
dabei im Tourismus wichtig, da verschiedene Akteure auf territorialer Ebene – in-
nerhalb einer Destination – miteinander verbunden sind und schwer unabhängig
von ihrem Territorium handeln können (Hjalager 2000; Scott 2008; Volgger 2017;
Volgger, Pechlaner und Pichler 2013). Diese räumliche Nähe innerhalb eines sozi-
okulturellen Kontextes, schafft Vertrauen und kann eine positive Auswirkung auf
die Innovationsaktivität haben. Allerdings besteht innerhalb eines Netzwerkes ein
sozialer Einflussprozess welcher dazu führen kann, dass die Akteure dazu neigen
sich immer ähnlicher zu werden, sich gegenseitig nachzuahmen und anzupassen
(Jansen 2007). Im Dienstleistungssektor, also auch im Tourismus, können wegen
seiner Immaterialität innovative Produkte weniger geschützt, da der Leistungsemp-
fänger in den Prozess der Leistungserbringung involviert ist (Innerhofer 2012). Es
besteht somit eine höhere Imitationsgefahr welche zu einer Innovationsträgheit
führen könnte (Hjalager 2010; Innerhofer 2012).

4 Die Besonderheiten im Tourismus

4.1 Die Netzwerkanalyse

Zur Analyse dieser Zusammenhänge, sprich zur Untersuchung der Unterneh-


mensnetzwerke in Südtirol, wurde in der oben genannten Studie die Methode der
Netzwerkanalyse gewählt. Diese untersucht das verankerte Netzwerk eines Egos
(der verschiedenen Akteure) und seine Beziehungen. Es handelt sich also um einen
relationalen Ansatz bei dem die Multiplexität der Beziehungen berücksichtigt wird
(Jansen 2006). Ein grundlegender Unterschied der Netzwerkanalyse zu anderen
statistischen Verfahren besteht darin, dass sie auf relationalen Daten basiert, d. h.
auf verschiedenen Beziehungen zwischen den Akteuren und weniger auf deren
Attributen. Die Soziale Netzwerkanalyse ermöglicht es, die Verflechtungen der
verschiedenen Akteure, die Merkmale der Beziehungen, sowie Indikatoren zu der
Netzwerkstruktur, zu erheben (Borgatti, Everett und Johnson 2013; Wasserman
44 Ingrid Kofler

und Faust 1994; Jansen 2006; Fuhse 2016). Die Ergebnisse können auf mehreren
Ebenen analysiert werden: auf Ebene des Gesamtnetzwerkes (alle Akteure), auf
Ebene von Clustern, Gruppen oder Komponenten (Teilnetzwerk) oder auf Ebene
der Positionen von einzelnen Netzwerkakteuren. Die Studie konzentrierte sich
besonders auf die Analyse des Gesamtnetzwerkes, der Unterschiede zwischen
den Akteursgruppen (Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Verbänden und
Institutionen) und den Sektoren. Wichtige Indikatoren für die Netzwerkanalyse
sind die Dichte und die Zentralisierung eines Netzwerkes. Letztere misst ob sich
die Beziehungen innerhalb eines Netzwerkes auf einen oder wenige zentrale Kno-
ten fokussieren. Die Dichte definiert die Anzahl der vorhandenen Beziehungen
im Vergleich zur Gesamtzahl der möglichen Beziehungen. Besonders bedeutend
für den Wissensaustausch in interorganisationalen Netzwerken ist der E-I Index
(External – Internal Index). Dieser misst das Verhältnis zwischen externen und
internen Verbindungen innerhalb einer bestimmten Gruppe und kann somit eine
Maßzahl für den organisationsübergreifenden Charakter von interorganisationalen
Netzwerken darstellen und für die interne oder externe Orientierung (z. B. innerhalb
eines Sektors) eines Netzwerkes herangezogen werden.

4.2 Wichtigste Erkenntnisse

Ein erster allgemeiner Blick auf die Netzwerkstruktur der genannten Studie zeigt,
dass sich die ausgewählten Akteure der Tourismuswirtschaft von anderen Branchen
in manchen Aspekten unterscheiden1. Insgesamt zählt das Netzwerk der Akteure
des Tourismussektors 78 Knoten und 150 Verbindungen (im Vergleich zum Ge-
samtnetzwerk der teilnehmenden Akteure mit 423 Knoten und 930 Verbindungen).
Die Akteure wurden in vier verschiedenen Gruppen unterschieden (Unternehmen,
Forschungseinrichtungen, Verbände, Institutionen). Die Akteure des Tourismussek-
tors haben vor allem andere Unternehmen und weniger Forschungseinrichtungen
oder Verbände genannt, mit welchen sie zusammenarbeiten. Im Vergleich dazu
kooperieren die Akteure anderer Sektoren stärker mit institutionellen Akteuren
oder mit Forschungseinrichtungen. Zudem wurde grundsätzlich beim gesamten
Netzwerk zwischen einer Zusammenarbeit der Unternehmer mit dem Ziel der
Innovation und der Zusammenarbeit für andere Ziele unterschieden, wie z. B.
Zuliefer-Abnehmerbeziehung, Bildung einer Vermarktungsgruppe, usw. Letztere

1 Das Sample der Erhebung erfolgte nach dem Schneeballprinzip, d. h. die Akteure wurden
von den verschiedenen Wirtschaftsverbänden nach bestimmten Kriterien ausgewählt.
Es handelt sich hierbei also nicht um eine repräsentative Studie.
Der Tourismussektor und seine Besonderheiten … 45

wurden von den ausgewählten Unternehmern des Tourismussektors häufiger


genannt. Das heißt, es wurde eher eine Zusammenarbeit mit anderen Akteuren
bevorzugt, wenn daraus unmittelbar wirtschaftliche Vorteile resultierten, zum
Beispiel durch eine gemeinsame Vermarktungsgruppe.
Im Allgemeinen konnte anhand des oben genannten E-I Index festgestellt werden,
dass die Befragten des Tourismussektors eher mit Akteuren zusammenarbeiten,
welche sich in derselben Gegend (hierfür wurde die Einheit der Bezirksgemein-
schaften gewählt) befinden. Wenn es hingegen um die Zusammenarbeit mit dem
Ziel der Innovation geht, so haben diese Akteure nur mit Akteuren aus anderen
Sektoren zusammengearbeitet.

5 Abschließende Überlegungen

Die Ergebnisse aus der Netzwerkanalyse zeigen auf, dass Akteure, welche dem Tou-
rismus angehören, dazu tendieren innerhalb einer bestimmten räumlichen Einheit
vernetzt zu sein. Dies könnte zum Beispiel auf die intrinsische Ortsgebundenheit
des Tourismus zurückzuführen sein, gilt aber in weiteren Studien zu vertiefen. Die
Proximität der Akteure kann in dieser Hinsicht eine positive Auswirkung auf die
gemeinsame Gestaltung und Steuerung einer Region haben, wobei aber das Risiko
einer „over-embeddedness“ nicht unterschätzt werden sollte, da diese Innovation
behindern oder sogar interne Konfliktsituationen auslösen könnte. Ahuja (2000)
bestätigt, dass dichte Netzwerke Governance-Vorteile und eine einfachere gegensei-
tige Anpassung ermöglichen und somit zu einem Innovationserfolg führen können,
aber dass dieser positive Effekt nach einem bestimmten Schwellenwert abnimmt.
Ebenso zeigen die Ergebnisse, dass Innovationen im Tourismus in diesem Falle
von anderen Sektoren abhängig sind. Dies könnte auch damit erklärt werden, dass
technische Innovationen in anderen Sektoren entwickelt und dann vom Tourismus-
sektor übernommen werden. Dies bringt aber mit sich, dass der Tourismus stärker
von Imitationen betroffen sein kann als andere Wirtschaftszweige. Die Entwick-
lung von Vertrauen ist in diesem Zusammenhang für die Beziehungen zwischen
den Unternehmen von großer Wichtigkeit, um Unsicherheiten und Misstrauen
abzubauen und entgegenzuwirken und damit Transaktionskosten zu reduzieren
(Bachmann, Gillespie und Kramer 2011; Chen, Lin und Yen 2014; Nooteboom 2002;
Raub 2000). Für die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, insbesondere im
Bereich der Innovation, ist ein hohes Maß an Vertrauen von großer Bedeutung, um
ein gemeinsames Interesse zu definieren. In diesem Fall kann die räumliche Nähe
aufgrund der vereinfachten Interaktionen helfen (Glückler 2012). Allerdings, stellt
46 Ingrid Kofler

sich hier wiederum heraus, dass einerseits eine größere territoriale Zusammenarbeit
besteht, diese aber gleichzeitig von Konkurrenzdenken zwischen den Akteuren
geprägt ist. Insofern sind die Steuerung und die Netzwerke innerhalb einer Region
sowie die Rahmenbedingungen, welche zugrunde liegen, sehr wichtig, damit eine
vertrauensbasierte Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren (nicht
nur Unternehmen) bestmöglich gelingt.

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Im Spannungsfeld von Quantität
und Qualität
Chancen und Herausforderungen für KMU
im Tourismus
Sabine Pichler

1 Einleitung

Der Tourismus wird in Südtirol häufig als „Motor der Wirtschaft“ bezeichnet. Dies
begründet sich sicherlich auf dem starken Wachstum, welcher der Tourismus seit
den 60-iger Jahren erfahren hat. Im Jahr 2012 wurde vom Statistikamt der Auto-
nomen Provinz Bozen-Südtirol (ASTAT, 2012) eine Berechnung der Auswirkun-
gen des Tourismus auf die lokale Wirtschaft auf der Grundlage des sogenannten
Tourismus-Satellitenkontos durchgeführt. Die Tourismuswertschöpfung liegt,
betrachtet man auch die indirekten und induzierten Effekte bei fast 20 % der Brut-
towertschöpfung Südtirols (ASTAT, 2012). Dabei ist dieser Sektor, wie in vielen
anderen Alpenregionen auch, durch seine Kleinstrukturiertheit gekennzeichnet
(Raich, 2006). Diese Klein- und Mittelunternehmen sind in den meisten Fällen
Familienunternehmen und zeichnen sich, neben zahlreichen Vorteilen vor allem
im Bereich der Serviceorientiertheit und des persönlichen Services, auch durch
einige Herausforderungen im Bereich des Managements, des Investitionsdrucks,
der Ertrags- und Geschäftslage, der Bedienung neuer Marktsegmente und der Nach-
folgeregelung aus (Pichler, Innerhofer, & Pechlaner, 2017). Neben diesen internen
Faktoren spielen aber auch externe Faktoren wie der zunehmende Wettbewerb,
gesellschaftliche Veränderungen, klimatische Veränderungen und Entwicklungen im
Bereich der Informations- und Telekommunikationsbranche eine große Rolle. Alle
diese Veränderungen verlangen den Unternehmen eine hohe Anpassungsfähigkeit
und Flexibilität ab, welche auf der anderen Seite durch immer stärker werdende
Regulierungen gehemmt werden.

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 49
H. Pechlaner, Destination und Lebensraum, Entrepreneurial Management und
Standortentwicklung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-28110-6_4
50 Sabine Pichler

In den letzten Jahren lassen sich rund um den Tourismus in Südtirol unter-
schiedlichste Entwicklungen feststellen. Die Unternehmen selbst stehen vor der
Herausforderung wettbewerbsfähig zu bleiben. Hier lassen sich zwei Tendenzen
feststellen: einerseits die Erweiterung der Betriebe um über Größenvorteile die
eigene Position zu stärken, andererseits die Besinnung auf die Kernkompetenz
im Südtiroler Tourismussektor und damit einhergehend ein erhöhtes Quali-
tätsstreben der Betriebe. Hinzu kommen Veränderungen im Reiseverhalten der
Gäste und die sich verändernden, externen Rahmenbedingungen. In der Region
selbst werden Themen wie beispielsweise die Mobilität und der vom Tourismus
induzierte Verkehr, das neue Raumordnungsgesetz und die damit verbundenen
zukünftigen Erweiterungsmöglichkeiten, vor allem auch für Kleinstbetriebe, sowie
die Tourismusintensität zu Dauerbrennern, welche besonders in der letzten Zeit am
Image des Wirtschaftszweiges und dessen Akzeptanz in der Bevölkerung nagen.
Der Umgang mit all diesen Veränderungen stellt für die Unternehmer eine große
Herausforderung dar (Innerhofer, 2012).
Auf der Grundlage der vorangegangenen Überlegungen stellt sich für die
Touristiker selbst, aber auch für damit verbundene Wirtschaftszweige, öffentliche
Entscheidungsträger und nicht zuletzt auch für die Forschung die Frage: Wie soll
bzw. kann sich der Tourismus in diesem Spannungsfeld von Qualität und Quantität
und auf Basis der vorhandenen Ressourcen und Kompetenzen entwickeln? Damit
einhergehend muss entschieden werden welche Weichen gestellt werden müssen,
damit die touristische Entwicklung nachhaltig erfolgen und auch in einer langfris-
tigen Perspektive zum Wohlstand in der Region beitragen wird.
Das Institut für Regionalentwicklung und Standortmanagement der Eurac Re-
search Bozen hat sich in zwei Studien genau diese Fragen gestellt. Der vorliegende
Beitrag soll auf der Grundlage der Erkenntnisse aus der Studie zur Situation des
Beherbergungssektors in Südtirol (Eurac Research, 2011) und der Studie „Zukunft
Tourismus Südtirol 2030“ (Eurac Research, 2017) ein Zukunftsbild des Tourismus
in Südtirol zeichnen und aufzeigen welche Chancen und Herausforderungen für
die regionalen Klein- und Mittelbetriebe in Südtirol in den nächsten Jahren an
Bedeutung gewinnen werden.

2 Theoretische Grundlagen

Die Tourismuswirtschaft und im Besonderen die alpenländische Tourismuswirt-


schaft weist meist eine klein- und mittelbetriebliche Struktur (KMU) auf (vgl.
Raich, 2006). Die Abgrenzung und Eingliederung von Klein- und Mittelbetrieben
Im Spannungsfeld von Quantität und Qualität 51

erfolgt generell anhand verschiedener Kriterien. Dabei kann die Unterscheidung


in qualitative und quantitative Faktoren vorgenommen werden.
Zu den quantitativen Merkmalen kann man eine Vielzahl von Parametern
heranziehen, die wie etwa Umsatz, Anzahl der Beschäftigten, Gewinn oder Markt-
anteil, in Zahlen erfasst werden (vgl. Völker, Sauer & Simon, 2007). Ergänzend zu
quantitativen Merkmalen müssen zudem qualitative Komponenten miteinbezogen
werden, um KMUs von Großunternehmen abgrenzen zu können.
Bei den qualitativen Faktoren steht im Besonderen das Zusammenspiel von
Unternehmen und Inhaber im Vordergrund. Hierbei können etwa in den Berei-
chen der Organisation, der Forschung und Entwicklung und der Personal- und
Unternehmensführung Unterscheidungen getroffen und typische Eigenarten
herausgearbeitet werden. Da sich die Leitung des Unternehmens häufig auf eine
Person konzentriert, werden strategische Entscheidungen oftmals von dieser Person
festgesetzt. Vor allem im Tourismus handelt es sich vielfach um Familienunterneh-
men. Die Strukturen sind meist weitaus weniger hierarchisch als in Großbetrieben
und Beschlüsse oder Veränderungen deshalb personenbezogen. Des Weiteren ist in
KMUs ein geringerer Formalisierungsgrad vorhanden und somit können aufgrund
der flachen Hierarchien Entscheidungen flexibler umgesetzt werden (Raich, 2006).
Die Informationswege sind zudem kürzer und so kann sich das Unternehmen
schneller an Veränderungen anpassen. Schließlich ist noch anzumerken, dass sich
die finanziellen und personellen Ressourcen der KMUs oftmals als deutlich gerin-
ger darstellen als in Großbetrieben und diese daher ein wesentlich beschränkteres
Entwicklungspotenzial aufweisen können (vgl. Pfohl, 2006).
Um jedoch Wettbewerbsvorteile und weiterhin Wachstum zu erzielen ist es für
kleine und mittlere Unternehmen wichtig, Innovationen zu generieren. Hierbei ist
der Leadership-Begriff von Bedeutung. Leadership heißt die Mitarbeiter zu innova-
tivem Verhalten zu motivieren, um so neue Kernkompetenzen für neue Produkte
zu entwickeln und dadurch den Betrieb durch Innovationen voranzubringen. Im
Besonderen tragen Produktinnovationen dazu bei, neue Produkte zu entwickeln und
somit auch die Wettbewerbsfähigkeit des Betriebes zu stärken (Matzler, Schwarz,
Kotzent, & Deutinger 2007).
Obwohl die kleinen und mittleren Unternehmen auf Grund der Dominanz der
Großbetriebe, häufig nicht in ausreichendem Maße wahrgenommen werden, stellen
sie dennoch für die Wirtschaft ein bedeutendes Standbein dar (Forster, 2006). Im
Besonderen sind sie oftmals an der wirtschaftlichen Dynamik, der langfristigen
Schaffung von Arbeitsplätzen und deren regional ausgewogenen Verteilung, sowie
an der Umsetzung von Innovationen beteiligt (Fueglistaller, Müller, & Volery, 2008).
Sie haben somit einen großen konjunktur- und beschäftigungsstabilisierenden
52 Sabine Pichler

Anteil. Das trifft sowohl auf gesamtwirtschaftliche als auch auf lokale und regionale
Märkte zu (Forster, 2006).
Eine Literaturanalyse zu den Themen Erfolgsfaktoren und Herausforderungen
in der Hotellerie ergab eine Reihe von Determinanten, welche einen Einfluss auf
den Erfolg eines Unternehmens haben. Dabei werden in der Literatur grundsätzlich
sieben Kategorien unterschieden: marktbezogene Faktoren, organisationsspezifi-
sche Faktoren, mitarbeiterbezogene Faktoren, managementspezifische Faktoren,
finanzielle Faktoren, kundenbezogene Faktoren und externe Faktoren.
Dabei lässt sich feststellen, dass die Wirkungsstärke dieser Faktoren sehr unter-
schiedlich diskutiert wird. Während organisations- und managementspezifische
Faktoren in allen Studien als wichtige Erfolgsfaktoren gesehen werden, beziehen
sich nur wenige Autoren (Brotherton et al., 2003; Brotherton, 2004; Collie & Sparks,
1999; Ottenbacher & Gnoth, 2005; Peacock, 1995; Phillips & Louvieris, 2005; Piccolo,
O’Connor, -Cappaccioli & Alvarez, 2003; Testa & Sipe, 2006) auch auf finanzielle
Faktoren wie beispielsweise die Kapitalstruktur des Unternehmens oder dessen
Rentabilität. Auch der Einfluss von externen Faktoren wie politische Regelungen,
Klimawandel und Umwelteinflüsse wird nur von einigen Autoren (Sharma & Up-
neja, 2005; Fogel & Zapalska, 2001; Collie & Sparks, 1999) diskutiert. Zugenommen
haben Studien, welche auch mitarbeiterbezogene, sowie markt- und kundenbezo-
gene Faktoren analysieren. Im Folgenden gibt Tabelle 1 einen Überblick über die
Dimensionen der sieben Faktoren sowie der Autoren, welchen Ihren Einfluss auf
den Erfolg von Klein- und Mittelbetrieben analysiert haben.

Tab. 1 Erfolgsfaktoren und Herausforderungen von KMUs


Faktor Dimensionen Autoren
Wettbewerbsfähigkeit, Brotherton et al., 2003; Cragg & King, 1998;
Marktbezogene

bearbeitete Märkte, Markt- Fogel & Zapalska, 2001; Kay & Moncarz, 2004;
Faktoren

position, Marktsegmentie- Leiper & Stear, 2009; Ottenbacher &Gnoth,


rung, Marketingressourcen, 2005; Romer, 1990; Sharma & Upneja, 2005
Marktanteil

Informationstechnologien, Barros, 2005; Brotherton et al., 2003; Bro-


Organisations-

Innovationsfähigkeit, therton, 2004; Collie & Sparks, 1999; Fogel


spezifische
Faktoren

Lage, Größe, Attraktivität, &Zapalska, 2001; Hinkin &Tracey, 1998; Kay &
Saisonalität, Produktent- Moncarz, 2004; Leiper & Stear, 2009, Morrison,
wicklung, Sicherheit 1994; Ottenbacher & Gnoth, 2005; Phillips
&Louvieris, 2005
Im Spannungsfeld von Quantität und Qualität 53

Faktor Dimensionen Autoren


Mitarbeitermanagement, Brotherton et al., 2003; Brotherton, 2004;
Mitarbeiter­

Weiterbildung, fachspezifi- Collie & Sparks, 1999; Hinkin & Tracey, 1998;
bezogene
Faktoren

sche Fähigkeiten, Ausbil- Kay & Moncarz, 2004; Ottenbacher & Gnoth,
dung, Commitment 2005; Phillips & Louvieris, 2005; Romer, 1990;
Sharma& Upneja, 2005

Flexibilität, Erfahrung, Beaver & Prince, 2004; Brotherton, 2004; Cragg


Management-
spezifische

Fähigkeiten, Ausbildung, & King, 1998; Leiper & Stear, 2009; Nath &
Faktoren

Fähigkeit strategisch zu Raheja, 2001; Ottenbacher & Gnoth, 2005; Pe-


handeln, Leadership, acock, 1995;Phillips & Louvieris, 2005; Romer,
Unternehmensnachfolge 1990; Testa & Sipe, 2006
Investitionen, Preispolitik, Brotherton et al., 2003; Collie & Sparks, 1999;
Kapitalstruktur, Kosten- Fogel & Zapalska, 2001; Hinkin & Tracey, 1998;
Finanzielle
Faktoren

management, Controlling, Kaufman, Weaver & Poynter, 1996; Kay &


Effizienz, Rentabilität, Moncarz, 2004; Leiper & Stear, 2009; Peacock,
Wachstum 1995; Phillips & Louvieris, 2005; Romer, 1990;
Sharma & Upneja, 2005; Testa & Sipe, 2006
Loyalität, Kundenzu- Brotherton et al., 2003; Brotherton, 2004; Collie
friedenheit, Qualitäts- & Sparks, 1999; Ottenbacher & Gnoth, 2005;
bezogene
Faktoren
Kunden­

management, Vertrauen, Peacock, 1995; Phillips & Louvieris, 2005; Pic-


Stammgästeanteil, Weiter- colo,m O’Connor, Capaccioli, & Alvarez., 2003;
empfehlungsrate Testa & Sipe, 2006
Bürokratie, politische Sharma & Upneja, 2005; Fogel & Zapalska,
Regelungen, Klimawandel, 2001; Collie & Sparks, 1999
Faktoren
Externe

Umwelteinflüsse

Quelle: eigene Darstellung

3 Erkenntnisse aus den durchgeführten Studien

Die durchgeführten Studien (Eurac, 2011 & Eurac, 2017) zeigen auf Basis von
unterschiedlichsten Methoden und Untersuchungen die aktuellen, aber vor allem
auch die zukünftigen Herausforderungen für das Tourismusland Südtirol auf.
Diese sind zahlreich, vielfältig und sehr komplex und lassen sich oft nur in enger
Abstimmung lösen. Dabei gilt es zu unterstreichen, dass die meisten Herausfor-
derungen nicht von einzelnen Akteuren, sondern nur im Netzwerk bzw. mit einer
funktionierenden Governance gelöst werden können.
54 Sabine Pichler

Eine der zentralen Herausforderung für die nächsten Jahrzehnte ist sicherlich
die sinkende Betriebsanzahl im Gastgewerbe. Vor allem Kleinstbetriebe in den
niederen Einstufungskategorien sind davon betroffen. Dies geht einher und lässt
sich teilweise durch eine sinkende Auslastung der Betriebe, sowie Problemen in der
Unternehmensnachfolge begründen. Hinzu kommt der immer stärker ausfallende
Preiskampf, welcher sich besonders negativ auf die kleineren Strukturen auswirkt.
Große Betriebe welche eine höhere Sichtbarkeit am Markt genießen und eine bessere
Kostenstruktur aufweisen, bedienen sich vor allem außerhalb der Hauptsaisons-
zeiten am Faktor Preis um sich von der Konkurrenz abheben zu können. Oftmals
fehlt es den touristischen Betrieben in Südtirol auch an einer klaren Positionierung.
Es fehlt vielen Unternehmern der Mut sich auf ein bestimmtes Segment zu kon-
zentrieren und ganz gezielt Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln welche
zielgruppengerecht sind, damit jedoch eben auch andere Zielgruppen ausschließen.
Eine weitere große Herausforderung für den Tourismus findet sich im Bereich der
Ressourcen. Hierbei sollten vor allem zwei Schwerpunkte gesetzt werden. Personelle
Ressourcen werden in Zukunft immer wichtiger werden. Die Ansprüche der Gäste
steigen und ihnen ist nur durch eine stärkere Serviceorientierung nachzukommen.
Schon heute leiden die Unternehmen an einem starken Fachkräftemangel, beson-
ders in bestimmten Bereichen. Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern haben
Probleme diese für sich zu gewinnen und zu halten. Dies liegt nicht zuletzt an
der fehlenden Flexibilität in der Arbeitszeit. Der Arbeitgeber Tourismus leidet an
einem Imageproblem, welchen durch gezielte Ausbildungs- und Weiterbildungs-
angebote auch für Erwachsene entgegengewirkt werden sollte. Hinzu kommen
Herausforderungen im Bereich der finanziellen Ressourcen. Viele Unternehmen
leiden unter einer geringen Rentabilität. Um den immer stärker werdenden Druck
Investitionen zu tätigen um Wettbewerbsfähig zu bleiben stellt die Finanzierung
dieser Unterfangen eine große Herausforderung dar.
Auf Destinationsebene werden zukünftig die Erschließung von neuen Märk-
ten uns Segmenten sowie die Erreichbarkeit des Landes einhergehend mit einem
vernünftigen und nachhaltigen Mobilitätsmanagement zukunftsweisend. Diese
beiden Faktoren können nur zusammen bearbeitet werden, da für eine Erschließung
neuer und eben auch ferner Märkte die Erreichbarkeit unverzichtbar ist. Neben
der Erreichbarkeit werden sich Destinationen und Unternehmer aber auch mit den
unterschiedlichen Erwartungen neuer Märkte beschäftigen und dieses Wissen muss
dann auch in die touristische Aus- und Weiterbildung einfließen.
Im Spannungsfeld von Quantität und Qualität 55

4 Rückschlüsse und Endbetrachtungen

Die sinkende Zahl an Betrieben sollte vor allem den regionalen Akteuren zu den-
ken geben. Welche Perspektive möchte man Unternehmern bieten, deren Struktur
betriebswirtschaftlich nicht mehr rentabel ist bzw. welche nicht mehr weitergeführt
werden können? Zurzeit ist die Möglichkeit eines Rückbaus bzw. einer anderen
Nutzung dieser Betriebe stark reglementiert. Eine Erleichterung dieser Regelun-
gen für bestimmte Betriebsarten wird zukünftig nötig werden. Um die Anzahl
der schließenden Unternehmen zudem zu verhindern, müssen die Unternehmen
selbst lernen über den eigenen Tellerrand zu sehen. Der Südtiroler Tourismus hat
sich aus Kleinstunternehmen entwickelt, welche sich durch immaterielle Werte
so stark absetzen konnten, dass die Südtiroler Gastfreundschaft bis heute bekannt
ist. Das Besinnen auf diese Werte und auf einzigartiges Produkt könnten diesen
Betrieben neue Wege öffnen. Die klar veränderten Erwartungen und Wünsche der
Kunden, welche sich zunehmend in Richtung individueller Service, Self-ness und
dem Wunsch nach einem „Zuhause-Gefühl“ auch im Urlaub entwickeln, bieten
hier vor allem für kleine Betriebe Chancen der Differenzierung, welche größere
Betriebe aufgrund ihrer Komplexität und Standardisierung nicht nachkommen
können. Eine Sparte, welche diese Vorteile bereits für sich nutzt sind die „Urlaub
auf dem Bauernhof“-Betriebe. Durch ein zugespitztes Angebot, einen hohen Grad
an Authentizität und Besinnung auf das Wesentliche gelingt es dieser Kategorie
seit Jahren erfolgreich zu sein.
Das Qualitätsstreben in den Südtiroler Betrieben muss gefördert werden.
Der Erfolg des Tourismus hängt eng mit der Wahrnehmung Südtirols als Quali-
täts-Tourismusland zusammen. Ein ausufernder Massentourismus kann nicht Ziel
sein und wird langfristig nicht von Erfolg gekrönt sein. Die Devise „Südtirol zum
besten Lebensraum“ zu entwickeln schlägt hier in die richtige Kerbe. Nur dort wo
Einheimische und Unternehmen zufrieden sind, wird dem Tourist ein authen-
tisches Gefühl vermittelt. Die zurzeit diskutierte „Obergrenze“ ist hierbei auch
sehr differenziert zu bewerten, da ein einseitiges Eingreifen in ein so komplexes
Gebilde wie diesen Wirtschaftszweig nicht erfolgsversprechend ist. Mittel- und
langfristig wird der Markt eine regulierende Position einnehmen. Zudem sollten
Maßnahmen nicht darauf abzielen die Hauptsaisonszeiten noch zu intensivieren,
sondern um den Tourismus über das Kalenderjahr zu entzerren und vor allem in
den Nebensaisonszeiten das touristische Angebot zu verbessern.
Zudem gibt es viele Chancen im Bereich der Kooperationen. Diese reichen von
einfachen Marketingkooperationen, um mehr Sichtbarkeit zu erhalten hin, bis zu
Überlegungen eines kooperativen Resorts, d. h. eines kooperativen Zusammen-
schlusses mehrerer Unternehmen um gemeinsam das touristische Leistungsangebot
56 Sabine Pichler

zu steigern. Das Potenzial der Kooperation wird von den Unternehmern noch
unterschätzt. Sie könnten aber der Schlüssel für eine zukünftige Entwicklung im
Tourismus sein.

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2
Landwirtschaft und Tourismus:
Wettbewerbsfähigkeit
im ländlichen Raum
Tourismus im ländlichen Raum
Über Facettenreichtum und Etikettenschwindel
Thomas Streifeneder

Die grellen, abstrakten Bilder moderner Kunst im Speisesaal des Bauernhofes


kommen mir bekannt vor. Jedenfalls diese Art von Bildern. Diese Werke, die
einem nur wegen ihrer gewagten farblichen Pracht auffallen. Tische, Stühle und
Lampen habe ich auch schon mal gesehen. Wo war das doch gleich? Ja genau, es sind
jene austauschbaren Einrichtungsgegenstände, die ich aus den hippen Cafés und
trendigen Restaurants der Großstädte kenne. Es ist ein unerwartetes Wiedersehen
mit Dekorationsgegenständen und Möbeln, die schon im städtischen Ambiente
seltsam, gewollt und deswegen aufdringlich und deplatziert wirken. Und nun sehe
ich abstrakte Malerei in einem bergbäuerlichen Ambiente wieder. Auf 1.250 Meter.
Auf einem Erbhof, der schon für sich irreal wirkt, wie er da eingebettet in einer
alpinen Postkartenidylle steht mit dem Dolomitenpanorama im Hintergrund. Im
Speiseraum mit der jahrhundertealten Balkendecke und dem Steinboden (und
die Vorstellung, dass darüber die alte Stube aus Zirbenholz liegt) ist der Effekt der
Bilder und Designmöbel noch knalliger als in einem nach funktionalen Kriterien
ausgestatteten Szenecafé, in dem Chrom, Anthrazit und dunkles Leder und matte
Herbstfarben überwiegen.
Was geht hier also vor? Mit dem Bauernhof? Mit mir?

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 61
H. Pechlaner, Destination und Lebensraum, Entrepreneurial Management und
Standortentwicklung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-28110-6_5
62 Thomas Streifeneder

1 Die Diskrepanz zwischen Angebotsvielfalt und


herkömmlichen Beherbergungsarten

Ich war schon auf vielen Bauernhöfen in Italien, als übernachtender und konsu-
mierender Urlaub-auf-dem-Bauernhof-Gast oder als Buschenschankbesucher.
Sehr viele Höfe waren restauriert, umgestaltet und zu touristischen Zwecken
umfunktioniert worden. Die zuvor beschriebene Einrichtung findet man leider
nicht selten. Die Tourismusangebote im ländlichen Raum haben sich in den letzten
Jahren enorm verändert. Die Vielfalt und Qualität sind stark gewachsen. Heute
existiert einerseits ein touristisches Angebot im ländlichen Raum, das in seiner
Mannigfaltigkeit und hybriden Formen durch die bisherigen Angebotskategorien
Privatzimmer, Urlaub auf dem Bauernhof (UaB), Landhotel, Resort, B&B etc. (Abb.
1) kaum einen adäquaten Ausdruck mehr findet. Darüber hinaus ist es bisher auch
wissenschaftlich nicht möglich, eindeutig abzugrenzen, was Tourismus im ländli-
chen Raum ist (Rein & Schuler 2012). Es ist eben nicht nur der Agrotourismus oder
Urlaub auf dem Bauernhof, sondern verschiedenste oft hybride Formen dessen,
was man als Landtourismus bezeichnen könnte, ohne, dass dabei ein Fokus auf
der ländlichen, bäuerlichen Kultur liegt. Es existieren diverse Ansätze, die mal
den Raum, mal das Reisemotiv in den Vordergrund stellen. Es ist aufgrund der
vielfältigen Angebotsformen im ländlichen Raum in Übereinstimmung mit Zeiner
und Harrer (S. 14) zielführend von „[…]Angebote[n] und Aktivitäten ohne zwingen-
den direkten Bezug zu Landwirtschaft und ländlicher Kultur […]“ auszugehen. Es
geht um alle möglichen Formen von touristischen Angeboten und Nachfragen in
einem als ländlich charakterisierten Gebiet und Gemeinden unter 5.000 Einwoh-
ner (ibid, S. 13). Darüber hinaus zeigen die Entwicklungen andererseits, dass die
jeweils in den Kategorien eingestuften Angebote, u. a. aufgrund der geschilderten
qualitativen Entwicklungen, nicht mehr mit den Charakteristika dieser Kategori-
en übereinstimmen. Die Klassifizierungen halten mit den Angeboten nicht mehr
mit. Oder anders formuliert: für die vielfältigen touristischen Angebotsformen
im ländlichen Raum ist die Zahl der Klassifizierungen eigentlich zu klein oder
sie sind zu eng definiert. Ich schreibe bewusst Angebote im ländlichen Raum und
nicht ländliche Tourismusangebote1. Denn zwischen beidem besteht ein großer
Unterschied. Ein ländliches Tourismusangebot ist eines, das sich durch einen spe-
zifischen naturnahen, ländlichen oder bäuerlichen Charakter auszeichnet. Ich gehe

1 Hinsichtlich der Terminologie bei der Nachfrageseite erscheint eine solche Unterscheidung
weniger sinnvoll bzw. kann von beiden, Tourismus im ländlichen Raum und ländlichen
Tourismus, synonym gesprochen werden. In der englischsprachigen Literatur wird
generell von „rural tourism“ gesprochen.
Tourismus im ländlichen Raum 63

jetzt nicht auf die Diskussionen ein, welche Eigenschaften damit genau verbunden
sind bzw. was diesen Charakter auszeichnet und ob er überhaupt noch existiert etc.
Ich denke, jeder weiß, was ich mit naturnah, ländlich oder bäuerlich meine. Damit
ist ein ländliches Tourismusangebot eine Kategorie des Tourismus im ländlichen
Raum, das auch Angebote umfasst, die meiner Meinung nach nicht automatisch
ländlich sind, nur weil sie im ländlichen Raum liegen. Zu diesem können Hotels
und Resorts (Hotellerie) genauso wie B&B und kleine Pensionen (Parahotellerie)
gehören, die in einem als ländlich zu bezeichnenden Gebiet liegen, sich aber kei-
neswegs durch eine „typisch“ ländliche Charakteristik des Angebots auszeichnen.
Auch auf die interessante, aber akademische Diskussion, was nun räumlich gesehen
als ländlich zu bezeichnen ist oder nicht, und ob ländlich weniger ein räumliches
als ein soziales Konstrukt anzusehen ist, gehe ich hier nicht ein. Ich denke, jeder
merkt, ob er sich in einem (von mir aus sehr oder weniger) ländlichen bzw. nicht
städtischen Raum befindet.

Abb. 1 Tourismusangebote im ländlichen Raum


Quelle: Zeiner, M. & Harrer, B. 2012: S. 13
64 Thomas Streifeneder

2 Authentischer und kommerzieller Agrotourismus

Die neuen Modernisierungs-, Umstrukturierungs- und Restaurierungswellen haben


also nicht nur zu mehr touristischer Qualität oder Eignung der Angebote geführt,
sondern auch zu Facettenreichtum und Auswüchsen bzw. sogar Etikettenschwindel.
Die Übergänge sind oft fließend und es können unter Umständen Kleinigkeiten
sein, die zwischen den Kategorien liegen. Ich will an dem obigen Beispiel anschlie-
ßen und das anhand der Urlaub auf dem Bauernhof oder Agrotourismus Angebot
erläutern. Dieses stellt eine gelungene Symbiose eines Schnittstellen-Angebots
innerhalb des Landtourismus dar (Abb. 2). Es steht außer Frage, dass auch der
unternehmerische Landwirt (und seine Familie) sich dem Zeitgeist anpassen und
ansprechende Qualität anbieten müssen, um konkurrenzfähig und erfolgreich zu
sein. Beim Urlaub auf dem Bauernhof existiert ein klares Kriterium, dass ihn zu
einem solchen macht: Es muss ein funktionierender, bewirtschafteter Bauernhof
sein, der landwirtschaftliche Produkte produziert (Streifeneder, 2016). In Südtirol
werden sogar ein minimaler Besatz von Tieren und die landwirtschaftliche Fläche
vorgeschrieben. Damit will man richtigerweise Hobbybauernhöfe ausschließen. Ob
der Hof im Neben- oder Haupterwerb betrieben wird, ist unbedeutend, sieht man
von der unterschiedlichen Vitalität ab, die zwischen diesen beiden Betriebstypen

Abb. 2 Urlaub auf dem Bauernhof als gelungenes Schnittstellen-Angebot


Quelle: Streifeneder 2014: S. 29.
Tourismus im ländlichen Raum 65

besteht. Ein Unterschied existiert auch, wenn es sich nicht um einen Familienbetrieb
handelt. Das ist in Italien seit den Gesetzen Nr. 228/2001 und 96/2006 möglich,
welche auch Körperschaften und Genossenschaften ermöglichen, Agrotourismus
anzubieten. Und sicherlich geht es auf einem Bauernhof mit vielen (unterschiedlichen)
Tieren anders zu als auf einem Obst- oder Weinbaubetrieb. Der Facettenreichtum
zeigt sich allein bei der Südtiroler Marke Roter Hahn mit elf spezialisierten Typen
von Urlaub auf dem Bauernhof (Südtiroler Bauernbund 2017). Ein Widerspruch
und nicht zielführend ist (Streifeneder 2016), dass Urlaub auf dem Bauernhof auch
auf einem nicht mehr funktionierenden landwirtschaftlichen Betrieb angeboten
werden kann. Diese Sichtweise wird aber von einigen Wissenschaftlern dennoch
vertreten (u. a. Phillip et al. 2010, Flanigan et al. 2010).
Ohne Zweifel sind zu hohe Grenzen für die Zahl der Zimmer und Betten ebenfalls
ein kritischer Punkt. Zu viele Zimmer im Vergleich zur Größe und Landwirtschaft
des Bauernhofes können den Eindruck eines zu touristischen Angebotes schaffen.
In der Toskana und im Veneto sind Betreibern von Agrotourismus offiziell bis zu
30 Betten erlaubt. Werden diese Kapazitäten ausgeschöpft, kann von hotelähnli-
chen Strukturen gesprochen werden. Zumal das agrotouristische Angebot stark
mit der Verköstigung mit überwiegend hofeigenen Produkten assoziiert wird. Ist
der gastronomische Bereich auch in Relation am Hof groß, stellt sich die Frage, ob
die Produkte wirklich mehrheitlich vom Hof hergestellt und verarbeitet werden.
Einige Anbieter von Agrotourismus differenzieren sich deshalb mittlerweile von
ihren Kollegen, da sie sich das Ziel setzen, 100 % hofeigene, oft sogar rein biolo-
gische, Produkte anzubieten. Sie legen Wert darauf, nicht mehr an Betten und
Gastronomisch anzubieten als das, was sie tatsächlich auf dem Hof herstellen
können. Ein gelungenes Beispiel ist der Klopfhof im Valle dei Mocheni/Trentino/
Italien (https://www.klopfhof.it/).
Kritisch wird es, wenn das touristische Angebot eines Urlaubs auf einem bewirt-
schafteten Bauernhof aufgrund der vorgenommenen Veränderungen zu touristisch
wird. Darunter verstehe ich Infrastrukturen und Einrichtungsgegenstände, aber
auch Serviceleistungen, die nur schwer in Einklang mit einer bäuerlichen Lebens-
und Arbeitswelt zu bringen sind. Anschauliche Beispiele sind der Swimming Pool
und/oder Wellnessbereich. Im Grunde passt beides generell nicht zu einem Bau-
ernhof und ist aus Gründen der Authentizität eines landwirtschaftlichen Betriebes
eigentlich abzulehnen. Dass sich ein tätiger Landwirt und seine Familie neben den
landwirtschaftlichen Tätigkeiten, die (ja auf jeden Fall) die überwiegende Zeit sei-
ner Arbeitszeit einnehmen sollte, Zeit für den Betrieb dieser Infrastrukturen hat,
ist schwer vorstellbar. Auch die erhebliche Beeinträchtigung der Architektur des
Hofes und der Kulturlandschaft lassen einen Swimming Pool bedenklich erschei-
nen. Dass sich damit aber die Wettbewerbsfähigkeit des Hofes mit Swimmingpool
66 Thomas Streifeneder

gerade in südlichen Ländern erhöht, ist wahrscheinlich. Ein Beispiel hierfür ist das
Chalet Wiesenglück im Pusterer Gsieser Tal, vom Südtiroler Wochenmagazin ff
(Rainer, 2017: 24) als Urlaub auf dem Bauernhof bezeichnet. Es handelt sich um
Luxusappartements in der Nähe des Rotmosshofes, bei dem die Landwirtschaft
eher als zusätzliches Plus fungiert bzw. inszeniert wird. Trotz Tiere auf dem Hof,
dem Angebot von Tierfütterung, Streichelzoo und Hofladen. Dass es sich hier um
ein vorwiegend touristisches Angebot handelt, beweisen auch die für einen Urlaub
auf dem Bauernhof untypisch hohen Preise (in der Nebensaison liegt der günstigste
Preis bei 180€/Nacht und Person). Nach Ciervo (2013), kann in diesem Fall eventuell
von einem kommerziellen Agrotourismus gesprochen werden. Dieser ist deshalb
meiner Meinung nach von einem authentischen Agrotourismus zu unterscheiden
und gleichzeitig von Land (Countryside)-Tourismus im Rahmen des Tourismus
im ländlichen Raum oder Rural Tourism abzugrenzen (Streifeneder, 2016; Abb. 3).

Abb. 3 Klassifikation des Tourismus im ländlichen Raum


Quelle: verändert nach Streifeneder 2016: 259.
Tourismus im ländlichen Raum 67

3 Auf die Umsetzung kommt es an!

Auch wenn man Swimming Pool und Wellness als generell unpassend für Urlaub auf
dem Bauernhof ansieht, hängt vieles von der Art und Weise ab, wie Veränderungen
umgesetzt werden. Handelt es sich z. B. um einen naturbelassenen, landschaftlich
gelungen integrierten, nicht überdimensionierten Pool, ändert sich die Situation.
Ähnliches gilt, wenn im Wellnessbereich die natürlichen Materialien des Ortes
verwendet wurden und bei den Applikationen z. B. das Heu für das Heubad vom
eigenen Betrieb durch die ausgebildete Bäuerin eingesetzt wird. Der Aspekt der
Selbstverwirklichung z. B. der Frau oder Nachkommen, die sich um die touristischen
Angebote kümmern, ist ein nicht zu vernachlässigender Aspekt. Die Ursprüng-
lichkeit, Unverfälschtheit oder besser Stimmigkeit (ohne den diskutablen Begriff
der Authentizität zu verwenden) des touristischen Angebots auf einem Bauernhof
ist folglich sehr kontextabhängig und vom Geschick und Geschmack der Anbieter.
Und damit sind wir wieder bei den abstrakten und farbenfrohen Bildern im Spei-
sesaal. Warum sollen sie dort nicht hängen? Vielleicht müsste man mehr wissen:
Sind diese aufgehängt worden, weil sie der Bäuerin sehr gefallen oder vom fernen
Onkel in den USA oder sogar von der Tochter gemalt wurden? Ist es dann nicht
authentisch? Oder wollte man damit nur dem meist aus der Stadt kommenden,
urbanen Gast einen (opportunistischen) Gefallen machen, damit er sich nicht ganz
so verloren fühlt in der vielleicht zu ländlichen Welt. Zumal den Landwirten das
auch von der Marketingagentur geraten wurde, obwohl die Gastgeber selbst die
Bilder sicher nicht aufgehängt hätten?

4 Nicht alles hängt vom Angebot ab –


die Rolle des Gastes

Ein stimmiges Angebot ist nur eine Seite der Medaille. Auch das Verhalten des
Gastes entscheidet über Facettenreichtum und Etikettenschwindel des Tourismus
im ländlichen Raum. Die Geschichte mit den Bildern ließ mich nicht los und ich
fragte die Bäuerin, was es damit auf sich hat. Die auffallenden Bilder wurden von
einem Stammgast gemalt, der seit 25 Jahren jeden Sommer seinen Urlaub mit der
Familie auf dem Hof verbringt. Die Bilder stellen verschiedene landschaftliche
Panoramen dar, die man von den Gästezimmern aus erblicken kann. Die Bilder
des Speisesaals sind außerdem nur jene Bilder, die nach einer großen Vernissage
des Künstlers letztes Jahr im Stadel, die u. a. auch unter Anwesenheit des Lan-
desrates für Kultur und des Bürgermeisters stattfand, übrig geblieben sind. Diese
68 Thomas Streifeneder

Begebenheit zeigt, wie sehr Gast und Gastgeber, Stadt und Land, urbane und rurale
Lebensstile miteinander verflochten sein können und sich gegenseitig befruchten.
Der Agrotourist interessiert sich für die bäuerliche und ländliche Welt und versucht,
mit den Gastgebern ins Gespräch zu kommen. Kann man wirklich von einem
richtigen Urlaub auf dem Bauernhof reden, wenn man dort lediglich übernachtet
hat und nicht einmal über den Hof gegangen ist? Der interaktive Charakter, die
Kommunikation zwischen Gastgeber und Gast sind wichtige qualitative Merkmale
für einen gelungenen Aufenthalt. Für die meisten Anbieter von Urlaub auf dem
Bauernhof ist dieser Austausch ein wesentlicher Grund gewesen, diese Aktivität
überhaupt zu starten.

5 Zukünftige Boomregion ländlicher Raum?

Die zukünftigen gesellschaftlichen Herausforderungen werden räumliche Heraus-


forderungen sein. Die Städte werden weiter in ihr Umland wachsen, während viele
ländliche Räume weiterhin marginalisiert werden oder aufgrund von Landnut-
zungskonflikten unter Druck geraten. Ich gehe davon aus, dass einige Aspekte dem
ländlichen Raum und damit auch den dortigen Tourismustreibenden in die Hände
spielen werden. Durch den Klimawandel werden bestimmte Gebiete insbesondere
an den mediterranen Küsten für viele Touristen v. a. den Älteren einfach zu heiß
werden. Diese werden ins Hinterland, in die Berge oder in den Norden ausweichen.
Es besteht ein deutlicher Trend hin zu Aktivurlauben. Viele Freizeitaktivitäten sind
per se mit dem Land verbunden bzw. bieten sich hier aufgrund des verfügbaren
Raumes teilweise bessere Bedingungen. Der Bereich des Radtourismus ist ein stark
wachsender Markt, der die ruralen Gebiete zu Gewinnern machen kann. Damit
eng zusammenhängend wird die Bedeutung von E-Bikes noch deutlich zunehmen.
Größere Reichweiten und ein verbessertes Radwege- und öffentliches Verkehrsnetz
werden es ermöglichen, leichter vom Land in die Stadt zu kommen. Man muss bei
attraktiven klein- und mittelgroßen Städten wie Bozen, Innsbruck und Trient nicht
mehr im Stadtzentrum übernachten, um Stadttourismus zu erleben. Die Städte und
ländlichen Räume sollten enger zusammenarbeiten, um gute ÖPNV-Verbindungen
und Radwege zu schaffen, die die Überwindung der Räume erleichtern, damit den
Gästen die Vorteile von beiden Räumen angeboten werden können. Durch Terror­
anschläge in Großstädten und Tourismusorten könnten diese von risikoscheuen
Touristen nicht mehr besucht werden, die stattdessen die Ruhe und Sicherheit des
ländlichen Raumes vorziehen. Der Rekordsommer 2017 zeigt, dass viele Städte
schlichtweg überlaufen sind, wodurch auch der ländliche Raum profitieren kann.
Tourismus im ländlichen Raum 69

Damit der ländliche Raum weiterhin attraktiv bleibt und durch diese und andere
Entwicklungen als Destination gewinnt, sind erhebliche Anstrengungen der Akteure
notwendig. Wer will durch von Windrädern verspargelte Energielandschaften mit
Tierfabriken und nicht enden wollenden Monokulturen radeln? Unter anderem
sollten z. B. Radwegenetze lückenlos, gut beschildert und detailliert im Internet
beschrieben sein sowie ausreichende und qualitätsvolle Einkehr- und Unterkunfts-
möglichkeiten bieten. Die vielen Angebotsformen, die mittlerweile existieren,
sind klar voneinander zu trennen und nicht zu verwässern. Hierzu braucht es
eine überregionale und internationale Zusammenarbeit, um auf Grundlage von
homogenen Kriterien professionelle Angebote bieten zu können.

6 Strategisch sinnvolle Tourismuszonen und


Modernisierungen?

In Südtirol boomt der Tourismus, der im Grunde überwiegend gleichbedeutend


mit Tourismus im ländlichen Raum ist. Zu Letzterem existieren keine eigenen sta-
tistischen Daten. Dazu müsste erhoben werden, wo die gastgewerblichen Betriebe
und jene der Parahotellerie geographisch liegen. Ein Indikator ist die Anzahl der
Betriebe mit „Urlaub auf dem Bauernhof“. Auch den Campingtourismus kann
man heranziehen. Wie oben beschrieben werden damit zahlreiche andere Formen
nicht berücksichtigt. Der Agrotourismus erlebt nicht nur in Südtirol, sondern in
vielen anderen Regionen einen rasanten Anstieg (Streifeneder 2014). Die Zahl der
Betriebe stieg von 2.438 im Jahr 2003 auf 3.125 im Jahr 2015 (ASTAT, 2017a, S. 2).
Heute kann wahrscheinlich von rund 3.200 UaB-Betrieben ausgegangen werden.
Das ist seit 2003 ein Anstieg um ein Drittel. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der
Campingplätze um 20 % auf heute 48 (ASTAT, 2017b). 2,6 Mio. Übernachtungen auf
den Bauernhöfen und 1,5 Mio. auf den Campingplätzen (2016) machen 13 % aller
Übernachtungen und 60 % jener in nicht gastgewerblichen Unterkünften aus (ibid.).
Diese Zahlen klingen gut und sind zu begrüßen, da hier in den meisten Fällen
von sanfter Tourismusentwicklung mit vergleichsweise geringen landschaftlichen
Eingriffen gesprochen werden kann. Während auf der einen Seite Tourismusbetriebe
nicht weiter geführt werden, werden neue Zonen für touristische Einrichtungen
oder Infrastrukturen auf Kosten teilweise wertvoller natürlicher und kulturland-
schaftlicher Fläche geschaffen oder geplant. Beispiele sind die zahlreichen Ansuchen
in der Gemeinde Meran, Tourismuszonen neu auszuweisen oder zu vergrößern
(Larcher, 2017a), die Ausbaupläne der Drei Zinnen AG (Larcher, 2017b) und das
geplante Hoteldorf im Gsieser Landschaftsschutzgebiet (Rainer, 2017). Es sind
70 Thomas Streifeneder

nicht nur Anstrengungen, um qualitativ wettbewerbsfähig zu bleiben, sondern


auch Folgen des enormen Erfolgs der Destination Südtirol, an der viele teilhaben
wollen (Larcher, 2016). Diese Entwicklungen stehen im Widerspruch zu den Aus-
sagen von vielen Entscheidungsträgern den qualitativ hochwertigen Lebensraum
zu erhalten und noch stärker auf Qualität zu setzen. Südtirol muss sich vor dem
Hintergrund des Rekordjahres 2017 die Frage stellen, ob ein weiterer Zuwachs der
Tourismusintensität für Land und Einheimische tragfähig ist. Eine Diskussion über
eine generelle Beschränkung der Bettenzahlen, eines Stopps für neue bzw. erwei-
terte Tourismuszonen, limitierte Zugänge und Sperrungen für den Verkehr (z. B.
in den Dolomiten) und die Einführung von kommunalen Obergrenzen (Betten /
Einwohner) sollte (weiter) geführt werden.
Jüngste Ausprägung der touristischen Entwicklung im ländlichen Raum sind die
Almhütten. Viele werden umgebaut und modernisiert. Beispiele sind die Schwar-
zensteinhütte in den Südtiroler Zillertaler Alpen (Pörnbacher ,2017) und die Höl-
lentallangerhütte auf der Zugspitze2. Nach den Weinkantinen (Tramin, Manincor),
Skistationen (Messner Mountain Museum Kronplatz) und Alpenpässen (Timmels-
joch) werden jetzt die Almhütten architektonische Tourismusmagnete. Zusätzlich
bieten sie Allround-Komfort, die Puristen und Traditionalisten vergraulen, aber
zusätzlich Menschen in die hochalpinen Regionen führen werden, die auf nichts
verzichten wollen. Verlieren wir mit diesen Entwicklungen die einen und gewinnen
dafür andere? Zahlt sich das langfristig aus bzw. rechnet sich das? Einige Gäste
werden von diesen Entwicklungen wenig begeistert sein, weil sie das Urtümliche,
Unverfälschte und An-den-Ort-angepasste suchen. Interessenskonflikte werden
sich an dem, was Natur- und Kulturlandschaften sowie Traditionen und Kultur
ausmachen, entzünden. Es geht um einen Balanceakt zwischen gelungener Innova-
tion und der Gefahr der Austauschbarkeit auf Kosten der irreversiblen Zerstörung
von Ressourcen, angetrieben von der Befriedigung dessen, was als Zeitgeist gilt.
Aber ein Irrtum ist viel leichter zu erkennen, als die Wahrheit zu finden (Goethe).

2 Siehe Beitrag Almhütten im Wandel, BR Quer, 7.9.2017, Online: http://www.br.de/


mediathek/video/sendungen/quer/170907-almhuetten-im-wandel-100.html
Tourismus im ländlichen Raum 71

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Cultural and environmental assets
in rural destination competitiveness
Linda Osti

1 Introduction

In the present postmodern era, where tourists are looking for multiple experiences
that embrace different and sometimes conflicting values, rural tourism is becoming
increasingly heterogeneous, offering, in addition to relaxation and sport activities,
nature –in terms of aesthetics and landscape–, and culture –rooted in history, tra-
ditions, food and wine, events, and sites of archaeological, geological and historical
interest. Rural destinations are able to counteract the stress of everyday life to
­tourists spending their holiday in the countryside in search of a holistic well-being
of mind, body and spirit. The aesthetic peculiarities and cultural uniqueness of rural
destinations play an important role in the creation of a competitive tourist offer.
Nonetheless, to remain sustainable over time and be fully appreciated by tourists,
aesthetic landscape needs careful preservation and culture requires authenticity.
The present book chapter discusses, from a theoretical perspective, the value of
cultural and environmental assets in the creation of destination competitiveness.
Starting from a general overview of destination competitiveness in rural destina-
tions, this work analyses the concept of authenticity in building and preserving
cultural appeal. It subsequently addresses the equally important topic of natural
environment, with a specific focus on aesthetic landscape. The final part of the
chapter is devoted to some conclusive remarks and managerial implications.

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 73
H. Pechlaner, Destination und Lebensraum, Entrepreneurial Management und
Standortentwicklung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-28110-6_6
74 Linda Osti

2 Destination competitiveness in rural destinations

Over time, destinations have become increasingly competitive: some are doing well,
others are lagging behind. According to Ritchie and Crouch (2003, p. 2), factors
that create destinations competitiveness are the destination’s ability “to increase
tourism expenditure, to increasingly attract visitors while providing them with
satisfying, memorable experiences, and to do so in a profitable way, while enhanc-
ing the well-being of destination residents and preserving the natural capital of
the destination for future generations”. In general, a competitive advantage can
be achieved if the overall attractiveness of a tourist destination is higher than the
attractiveness of alternative destinations. However, as discussed by Ritchie and
Crouch (2003), it is important to distinguish between comparative advantage and
competitive advantage. While on the one hand comparative advantage involves all
available resources of a destination, competitive advantage is concerned with the
ability of the destination to use these resources efficiently and effectively for as long
as possible. A destination with a multitude of resources (natural, artistic, historical,
etc.) may not be as competitive as a destination lacking resources which, thanks to
skills, capitals, infrastructures and superstructures, is able to use the few resources
that it enjoys in an efficient and effective way. For this reason, as further indicated by
Ritchie and Crouch (2003), “only a destination which has a tourism vision, shares this
vision among all stakeholders, understands its strengths as well as its weaknesses,
develops an appropriate marketing strategy and implements it successfully, may
be more competitive than one which has never asked what role tourism is to play
in its economic and social development” (Ritchie and Crouch, 2003, p. 23). Within
destination competitiveness, it is therefore important to distinguish between the
resources available to the destination, and the use that is made of these resources.
Quite commonly, rural destinations do not own an abundance of resources, but
their appeal is set within their intrinsic rural characteristics (Kastenholz et al., 1999;
Sharpley and Sharpley, 1997; Albaladejo Pina and Díaz Delfa, 2005). In fact, the
“rural” becomes a refuge of the frenetic lifestyle of urban areas. Rural destinations
are visited for their ability to heal the urban stress, to make tourists slow down,
restore, enjoy silence, peace, and green landscapes (Rodrigues et al., 2010; Droli
and Osti, 2013). Furthermore, rural areas are often a place where older customs
and traditions are preserved. These cultural traits can become successful resources
in satisfying the postmodern needs of escaping the anomie of urban living (Urry,
2002; Cawley and Gillmor, 2008).
Therefore, from the above arguments, it is possible to identify two major assets in
the competitiveness of rural destinations: cultural assets and environmental assets.
However, referring to the theory of Ritchie and Crouch (2003), the endowment of
Cultural and environmental assets in rural destination competitiveness 75

these two resources are not fully competitive, unless they are correctly managed.
Indeed, two main issues encompass culture and natural environment: authenticity
and aesthetic landscape.

2.1 Cultural assets and authenticity

The notion of authenticity is a complex concept. Its meaning tends to be a con-


fusing amalgam of philosophical, psychological and spiritual concepts, reflecting
its multiform history. The problem is particularly aggravated when authenticity
is analysed from a tourism perspective, as the term is often used in two distinct
ways: authenticity as genuineness or reality of artefacts or events, and authentic-
ity as a human attribute, which, through a philosophical approach, refers to the
ability of being true to one’s own essential nature. In recent decades, authenticity
has become a crucial point in the discussion of tourism. By browsing a wide range
of newspapers and magazines, and by visiting websites of a wide array of different
destinations, the term “authenticity” appears recurring with heterogeneous and
hybrid uses. Therefore, it is necessary to question the true meaning of authenticity
in order to strengthen both the cultural identity of the destination and its potential
tourist attraction.
Several academic studies have questioned the value of authenticity in tourism
through ethical, anthropological, social, economic and non-commercial discussions.
The analysis of these studies leads us to conclude that authenticity is not tangible,
but rather a judgment or a value on what needs to be assessed (Xie and Wall, 2002);
it is not an intrinsic quality of an object or an experience, but something that is
attributed to the subject or experience itself (Rubridge 1995). Therefore, authenticity
is not a fixed, constant, or univocal attribute, as it is a synthesis of experiences,
feelings and perceptions (Yang and Wall, 2009). The concept of authenticity is
multifaceted and in a constant state of change (McKercher and Du Cros, 2002).
This translates into the absence of a common definition by tourism scholars of the
concept of authenticity and the proliferation of different approaches, often con-
tradictory (Rickly-Boyd, 2012; Chhabra, 2012; Kolar and Zabkar, 2010). Therefore,
defining what is authentic and whether an experience can be considered authentic
or not is an open issue that has yet to find unambiguous and conclusive answers
in the academic literature.
Indeed, within the tourism experience, distinguishing what is authentic from
what is “commodified” is rather difficult: the two concepts are closely related and
the distinction line is not always clear and obvious. Cohen (1988) argued that
three main phenomena coexisted in tourism: the commodification, the staging of
76 Linda Osti

authenticity, and the inability of tourists to live authentic experiences. According


to Cohen’s view, if an area is dominated by economic relations rather than tourism,
where local customs, rituals, events and popular arts are produced and realized
only for tourist purposes, culture becomes a form of commodity. The more cultural
products are artificially produced to please tourists’ needs, the more tourists will
encounter “staged” authenticity.
Therefore, a natural question arises on why tourist destinations should point
at authentic products. First of all, they should do so for an ethical issue. There are
products that are recognized by tourists as unauthentic, but equally purchased as
souvenirs and small memoirs to bring home at the end of the vacation, or as services
to enjoy while on vacation for pure entertainment. However, there are also products/
services that, although unauthentic, tourists buy with the confidence of bringing
home a piece of the local culture or enjoying a local custom and tradition. In this
latter case, destination managers, marketers and tourism operators are confronted
with an ethical dilemma on whether the action is right or wrong. Secondly, another
important concern not to be underestimated in the commodification of authenticity
is the impact that affects the local population. In fact, focusing on demands, needs,
and expectations of tourists results in a loss of cultural significance by the local
population regarding the cultural products reproduced and staged. Very likely this
would result in a loss of identity, which in the long term would turn into a loss of
one of the core attractions of the destination.
In an attempt to find at least one indicator of authenticity, it is interesting to
analyse Wang’s view (1999) who suggests that tourist products (such as events, food,
works of art) can be considered authentic or not simply by verifying whether they
are made by locals according to their customs and traditions. This assumption is
strictly linked to Benjamin’s view (1936): “The presence of the original is the pre-
requisite of the concept of authenticity”. Great importance is therefore attributed
to the past as a starting point in the identification of authenticity. Taylor (2001),
resuming the concept of Benjamin, claimed that it is typically the past to own the
original and that authenticity in the present must pay tribute to its origins.
As briefly presented in the first paragraphs of this discussion, authenticity can
be seen as genuineness or reality of artefacts or events (aspect analysed so far), and
as a philosophical/human attribute (i. e. being true to one’s own essential nature),
which mainly relates to experiences. In tourism, as well as in many other business
sectors, the positive emotions generated by pleasant experiences are used to attract
and persuade potential customers to purchase the product/service, to remain loyal
to the product/service, and to create positive word of mouth. In tourism, experience
is an intrinsic characteristic of the service. Present tourists and tourists of the next
decade will be looking for positive experiences that can offer a well-being of body,
Cultural and environmental assets in rural destination competitiveness 77

mind and spirit. Tourists are therefore looking for authentic experiences, either from
a philosophical point of view – for the achievement of one’s own well-being accord-
ing to the realization of one’s “self” –, or from a cultural point of view – through
past and sometimes unknown traditions to get out of the daily routine–, or from
a hybrid point of view – through the experience of a different culture, or a culture
lost in time, in search of the inner self. In recent decades, several destinations have
focused on cultural events as creators of experiences: from food and wine events,
to historical representations, to popular festivals. There are events that over time
have become catalysts and attract thousands of tourists, while other events offer
only entertainment for tourists who are spending their vacation in the destination.
Both types of events are important: the first act as catalysts and attract tourists in
the low season, while the latter offer a more enjoyable experience to tourists during
the high season. To be successful, however, both types of events need to be authen-
tic. In the case of cultural events, authenticity is linked to a genuine and accurate
reproduction of the destination’s customs, traditions and specific cultural features.
Studies conducted by Ramkissoon and Uysal (2011) suggest that there is a positive
relationship between perceived authenticity and behavioural intentions of tourists
to revisit the destination and the event. Events in general, and in particular cultural
events, generate a high level of involvement among the stakeholders supporting the
initiative. Indeed, the organization of an event may be useful to the host destination
as it stimulates tourism demand and the local economy, the development and/or
restructuring of attractions and infrastructures, creates entertainment and social
opportunities for the resident population, and increases the sense of pride within
the community. A number of cultural events, however, are a reproduction of past
customs and traditions and are organized by local tourism organizations mainly
with the aim to increase the tourism development of the destination and to offer a
positive economic impact on the local community. However, during an event, it is
necessary to take into account the different needs of residents and tourists: on the
one hand, residents want to participate in a genuine representation of their own
traditions; on the other, tourists want to be entertained while being in touch with
what they perceive to be the authentic culture.
To be successful, events need the support of the local community with their
residents identifying and recognizing themselves in what is being staged during the
event. Unfortunately, the problem lies in the difficulty of simultaneously preserving
authenticity for residents and tourists. Indeed, as discussed by McCartney and Osti
(2007), culture, as well as authenticity, are dynamic concepts: a product / cultural
event considered not authentic today can become authentic over the years. Culture
is, in fact, a constantly changing concept, constantly created and reinvented. As a
78 Linda Osti

consequence, the perception of host communities on what is aesthetic and what is


not is constantly changing over time.
It is therefore desirable to consider the role and value of authenticity in the mar-
keting of products, services and tourist events. While on the one hand authenticity
can offer a competitive advantage, on the other hand, if culture and authenticity
are created and marketed mainly for tourism gains, the local population might
become emotionally detached from the tourist sector, thus not supporting the ini-
tiatives of the local tourism companies and Destination Management Organization
(DMO). Residents’ support not only helps to create a product or service according
to traditions, but it also helps to create an enhanced atmosphere that offers more
exciting experiences for tourists. In addition, once the products and services of-
fered are not perceived authentic by either the residents or the tourists, they lose
their uniqueness and remain available to other destinations for their reproduction
and commodification. A typical example is the Christmas Markets “imported”
nowadays in many Alpine destinations irrespective of the tradition and culture of
the place and where competition is often played on the number of opening days.

2.2 Natural assets

As briefly identified in the introductory paragraphs of this chapter, the appeal of


rural destinations is embedded in the traditional life-style, contrasting the urban
life style (Page 1994; Urry, 2002; Cawley and Gillmor, 2008). Indeed, factors such as
reduced pollution, congestion, noise and tight timetables create for rural destinations
an opposing image to urban areas. This image is further enhanced by small scale
settlements and an extensive open space filled with rural flora and fauna. Flora and
fauna, together with air and water quality, woods, local traditions and food create
what is called the countryside capital (Garrod et al., 2004) and are often employed
by rural destinations in marketing activities. In such activities, increasing impor-
tance is placed on the natural elements of the countryside capital. These natural
elements constitute the landscape of rural destinations. In academic studies, the
term landscape is used to identify the land surface of a destination, its environment,
and its visual aspect. In this book chapter we focus on the latter aspect of landscape,
which is strictly interlinked to the aesthetic feature of the destination. As such,
landscape is a subjective perception and derives from a personal interpretation of
it (Beza, 2010). Landscape is also the result of a mix of interacting factors, such as
natural and human actions (Sayadi et al., 2009). Despite many tourism campaigns
being based on aesthetically beautiful landscapes (is it natural, human-made or
combined), little empirical work has been conducted on the value of landscape as
Cultural and environmental assets in rural destination competitiveness 79

a factor of destination competitiveness, despite Munic (1997) and Price et al. (1999,
cited in Beza, 2010) suggesting that tourist attraction for mountain landscapes is
based upon their aesthetic aspect.
The challenge in managing and deploying landscape as a resource for compet-
itive advantage is its characteristics as externality. Indeed, landscape is shaped by
multiple factors and activities creating positive and negative effects to the different
actors having a stake in the landscape. As discussed by Tempesta (2014), in the
case of landscape, farming and other economic activities on the land can create
externalities. Sometimes these externalities are positive for the attractiveness of the
tourism destination (let’s take as example vineyards in hilly areas or green meadows
in mountain regions), however sometimes these externalities are negative (let’s take
as example factories and wind turbine power plants in rural areas). Further chal-
lenge is also created by no activity on the land, which often produces degradation
and careless environment. These externalities are called spatial externalities (Lewis
et al., 2008) and are particular relevant in rural areas where land is fractioned in
small parcels. Landscape becomes a jigsaw puzzle of the use that different owners
“make” of their land. The aesthetic appeal of a destination lies therefore in the hands
of multiple actors which often pursue different goals through different economic
activities on their land.
An issue that needs to be addressed relates to who is responsible for the preser-
vation and enhancement of the landscape for tourism reasons, and how should it
be done. Especially in places where the land is divided in small parcels and in the
hands of a number of owners, it is recommended that decisions and actions are
taken only after a mutual understanding and agreement by all owners. However,
getting owners together to develop integrated strategies is not simple and does not
happen spontaneously. Therefore, local communities and municipalities should take
the lead in the creation of opportunities for land owners to communicate to each
other and to set common strategies. As abandonment of the land would result in
a neglected environment, public policies should encourage farming in peripheral
areas. Incentives should also be offered to land owners who are preserving the
landscape but do not receive an economic compensation through tourism or other
business sectors for doing it. Although from a theoretical perspective, a pleasant
landscape positively affects destination competitiveness, the economic value of
landscape is still under-researched. Further research should therefore be conducted
to determine the value of landscape for tourism purposes.
80 Linda Osti

3 Conclusions

Present and future tourists will no longer be looking for hotel services, catering
and ancillary services only. Nowadays, tourists are moving along the value chain
of the destination in search of experiences outside the stress of everyday life. The
tourist experience is thus becoming a holistic experience that involves all the
senses: from sight, to touch, hearing, smell, and taste. Over the next decades, the
services of the tourism industry so far proposed will no longer be able to satisfy
an increasing and challenging demand for the intangible aspects of the holiday.
Factors such as authenticity of the cultural activities and aesthetic aspect of the
landscape will gain more and more importance in the creation of a satisfying
experience. Rural tourists will be looking for a well-being that involves both the
body, the mind and the spirit. Competitive value will be created by destinations that
will be able to exploit existing cultural and natural resources for the creation of a
tourist experience that is able to touch the five senses. Tourists will be particularly
attracted to holidays, where nature, with its landscapes, its scents and its clean air,
can be experienced first-hand. Products (from culinary to handicrafts) will be par-
ticularly appreciated if authentic and unique. Accommodation facilities, catering,
entertainment and accessibility will be vehicles for both the enjoyment of services
geared towards the revitalization of the five senses, and for an experience outside
the working life patterns and everyday routines. Taking into account the factors of
the macro environment and the initiatives of competitors, rural destinations and
tourism structures are therefore required to create competitive and sustainable local
development policies and strategies by interconnecting tourism with the heritage
and agricultural sectors.

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Delineating the South Tyrolean Law
on Agritourism:
You Can’t Compare Apples and Oranges*3
Georg Miribung
Delineating the South Tyrolean Law on Agritourism

1 Introduction

The aim of this paper is to delineate agritourism in South Tyrol by defining its limits
from a legal perspective. This is necessary due to the debate in political fora14and
both academic (Streifeneder, 2016) and non-academic circles25about whether ag-
ritourism can be compared to other tourism activities, and in particular to small
landlords. I will argue that such a comparison does not make sense, as agritourism
cannot be considered without considering the role of agriculture and the different
tasks linked to it.
Chapter two analyses the law on agritourism (Law n. 7/2008) as adopted by the
autonomous province of Bozen (South Tyrol). It contains some rather strict (quanti-
tative) limits and has to be read in conjunction with Art. 2135 cc. (civil code), which
contains the notion of agricultural activity and to which agritourism is connected.

* Completed in autumn 2018.


1 Consider, for example, the debates in the local parliament (Landtag). See http://www.
landtag-bz.org/de/datenbanken-sammlungen/landtag.asp?archiv_action=4&archiv_ar-
ticle_id=456491 accessed on 05.10.2018 or the debate conducted in the Landtag on 10.
September 2008 http://www.landtag-bz.org/de/datenbanken-sammlungen/legislaturpe-
riode-13.asp? accessed on 05.10.2018.
2 See for example https://www.salto.bz/de/article/16072013/stich-den-bauern accessed
on 05.10.2018.

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 83
H. Pechlaner, Destination und Lebensraum, Entrepreneurial Management und
Standortentwicklung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-28110-6_7
84 Georg Miribung

Chapter three discusses the general limits of agritourism, based primarily on


issues linked to agriculture itself and supported by considering specific limits as
contained in Law n. 7/2008.
Concluding remarks in Chapter four summarize the main findings.

2 Agritourism in South Tyrol – sketching the legal


framework

Due to its legislative competences, in 1973 the province of Bozen (South Tyrol)
enacted a specific law dealing with agritourism, aimed at guaranteeing additional
economic return without overburdening agricultural activity. In order to reflect
the various amendments and developments of the general legal framework as de-
termined by the European Union, this law had to be amended twice, most recently
in 2008 when law n. 7/2008 was adopted (Tommasini, 2012).
In order to get a complete picture of agritourism, it is also necessary to consider
decisions by the local government aimed at putting the legal norms into practice, as
well as the general norms contained in Art. 2135 cc., dealing with the agricultural
entrepreneur and defining agricultural activities.3
This framework basically defines the juridical nature of agritourism in South
Tyrol and determines how it can be exercised. Roughly, it stresses that agriculture
may also be exercised by means of proper forms of tourism in rural areas. How-
ever, as agritourism is strictly linked to agricultural activity as determined by the
civil code, the tourism activity has to be connected and complementary to the
agricultural activities.4

2.1 The relevant provisions of Art. 2135 cc

Art. 2135 cc. defines agricultural activities without mentioning any specific cri-
teria which might be used to determine what, specifically, agritourism activities5
might consist of (Paolini, 2013). To begin with, it defines the primary agricultural

3 See Art. 3 Law n. 7/2008.


4 See Art. 2 par. 1 Law n. 7/2008.
5 On this issue see, among many others, Ferrucci, 2007; Schlesinger and Busnelli, 2010;
Albisinni, 1998; Francario, 2003, Germanò and Rook Basile, 2013; Cossu, 2003; Paolini,
2013; Masini, 2012; Ragionieri, 2003; Albissini, 2003; Regoliosi, 2008.
Delineating the South Tyrolean Law on Agritourism 85

activities, which are (1) land management, (2) forestry and (3) animal husbandry.
Regarding these primary activities, the law requires that the activities must consider
the maintenance or development of a biological cycle (or a necessary period of this
cycle), adding that the utilisation of soil, forest, salt and fresh water or seawater
should at least be possible. In other words, the law does not require that the activity
is ultimately linked to the soil, but only refers to a potential link, thus making ag-
ricultural activities more flexible and open for new technologies (Costato & Russo,
2015; Germanò, 2016; Germanò & Rook Basile, 2013c; Cossu, 2003).
Par. 3 of Art. 2135 cc. adds the possibility that an agricultural entrepreneur
might also perform further, non-agricultural activities, on the condition that they
are connected to the primary activities. Among these, it includes the production
of goods and services, specifically mentioning activities related to accomodation
and hospitality. In this respect, it explicitly provides for the application of special
laws, thus making the legal framework more complex in both structure and content
(Costato & Russo, 2015; Germanò, 2016; Paolini, 2013; Cossu, 2003).
A particular indication results from par. 3 of Art. 2135 cc., which refers to the
criteria of normality to be applied in respect of activities producing goods or ser-
vices. Accordingly, factory equipment and operating material normally used for
the primary agricultural activity have to be used prevalently (Cassazione civile I,
2013; Paolini, 2013; Germanò & Rook Basile, 2013a). Thus, verifying connectivity
between primary activities and the production of goods and services implies not
only verifying whether raw materials obtained by conducting a primary activity
are used, but analysing whether the agricultural entrepreneur uses equipment and
other resources of the farm, which are normally used for farm activities (Cassazione
civile I, 2013; Cassazione civile I 2016; Tolino, 2016; Germanò & Rook Basile, 2013a).6
Prevalence also requires that the primary activity has to prevail over the connected
activity. The exact interpretation of this criterion is central to determining the proper
connection; however, special laws can apply different criteria (Paolini, 2013; Cossu,
2003; Masini, 2012).7 The criteria of prevalence of the primary activity might focus
on the patrimony, the number of employees/persons in charge, produced gains or
other criteria. When activities relate to providing goods and services, the criteria
of prevalence might be valued based on the importance of the organisational tasks,

6 Consider also Art. 2 par. 1 l. 7/2008.


7 Note that in 2001 the legislator replaced the criterion of normality with the criterion
of prevalence. This concept of prevalence was also introduced in the framework law n.
96/2006, which uses the criteria of prevalence of the primary activity in respect of the
connected activity of agritourism.
86 Georg Miribung

in terms of primary activities and connected activities (Paolini, 2013; Tolino, 2016;
Cassazione civile I, 2013; Cossu, 2003).

2.2 Law n. 7/2008

Art. 2 defines agritourism activities, by requiring, first of all, the fulfillment of the
criteria as set by Art. 2135 cc. It then stipulates that the persons in charge must
be prevalently the agricltural entrepreneur and members of his family.8 Finally,
it determines different specific activities that shall be considered agritourism, for
instance hospitality services and provision of food and beverages on the farm, in
a managed hut (Almschank) or the organization of cultural, recreational or edu-
cational activities.
As a general rule, the agricultural entrepreneur must conduct one of the three
primary activities as specified by Art. 2135 cc. In this respect, the local government
has defined a minimum size of agricultural firm.9 This is 0.5 hectare in case of
production of fruit, vine or vegetables or at least 1 hectare in case of field, arable
land or arable forage area. For grassland farmers it is required that they have at least
0.4 adult livestock per hectare of fodder and at least one adult livestock per farm.
In line with Art. 2135 cc., law n. 7/2008 emphasizes that the touristic activity
must be connected to the primary activity in order to qualify as agritourism
(Art. 2 par. 1); it cannot be the main activity as the primary activity must prevail.
Prevalence has to be calculated exclusively considering working time necessary
to conduct the primary activity, which must in any case prevail over time spent
on the connected activity. However, as a general rule, prevalence is given on the
condition a threshold of not more than ten beds or places to sit is not exceeded
(Art. 3). If these limits are exceeded, the agricultural entrepreneur must dedicate
a specified minimum number of working days to the primary activity in order to
qualify the activity as agritourism.10 This minimum number depends on the type
of agriculture.11 The law also differentiates between different types of agritourism,

8 See Art. 230bis cc.


9 See Landesregierung der Autonomen Provinz Bozen (2008).
10 See Landesregierung der Autonomen Provinz Bozen (2008), 1.4.
11 It differentiates, for instance, between agriculture activities with dairy cows, calves, fish
farming, fattening pigs and so on. See Landesregierung der Autonomen Provinz Bozen
(2008) table B.
Delineating the South Tyrolean Law on Agritourism 87

for instance apartments with more than 10 beds, apartments and bed and breakfast
with more than 10 beds, and so on.12
In general, activities are classified according to the number of beds and gas-
tronomic services offered. Depending on the activity, the required working days
vary between at least 8013 and at most 250.14 As a general upper limit, the law does
not allow more than eight rooms or five apartments. This rule is also applied to
small landlords.15
Hospitality services might imply the provision of food and beverages (Art. 6).
Here the law requires that at least 80 % of the products consumed must stem from
products from the farm or from other local farmers.16 Moreover, at least 30 % of
all products must be produced by the farmer. Further specific rules deal with the
consumption of wine and consumption in a managed hut.
The law also determines specific criteria which must be fulfilled to be eligible
for subsidies (Art. 14) and contains rules regarding professionalisation (Art. 11)
and new activities like party service (Art. 6 par. 7).

3 Limiting and delimiting agritourism

As has been seen, the feature of connectivity is essential to capturing the content of
agritourism. The legal framework in South Tyrol in this regard refers to two facets:
the general one as contained in Art. 2135 cc. and the specific details as contained
in law n. 7/2008.
Analyzing the general rules makes it clear that the content of agritourism is
complex and articulated as it refers to an activity of production of goods and/or of
services, the exercise of which normally confers the qualification of commercial
entrepreneur according to Art. 2195 par. 1 cc. As mentioned, these two types of
activities are considered agricultural activities if they are connected to a primary
agricultural activity. The complexity of agritourism results from the fact that the

12 See Landesregierung der Autonomen Provinz Bozen (2008) table A.


13 Apartments with more than 10 beds. See Landesregierung der Autonomen Provinz
Bozen (2008) table A.
14 Full accommodation with more than 10 beds. See Landesregierung der Autonomen
Provinz Bozen (2008) table A.
15 See Art. 5 law n. 7/2008 and Art. 1 Law n. 12/1995.
16 The law contains a similar rule regarding consumption of food and beverages by guests
that stay overnight. See Art. 5 par 2.
88 Georg Miribung

destination of products and services to customers/consumers as such is complex


but not rigid, as it depends on the characteristics of the firm and the choices of the
customers. Thus, the criteria of connection must be used to better define the limits
between agricultural activity and commercial activity (Paolini, 2013; Tolino, 2016;
Germanò & Rook Basile, 2013a).
Moreover, in order to determine agritourism from a legal perspective, it is not
only necessary to determine how the required criteria of connectivity are put into
practice, but also to what tourism activities ultimately can be connected. As seen,
the possibility to provide food and beverages strongly depends on the products
cultivated on the farm.17
The notion of agricultural entrepreneur is a flexible and dynamic juridical
concept. In order to determine its limits, both quantitative and qualitative criteria
should be applied. In this way, the agricultural firm is given new perspectives for
economic development, overcoming the rigidity that resulted in particular due to
a strict connection of the activities to the soil (Cassazione civile I, 2010; Cassazione
civile I, 2011; Cassazione civile I, 2012). With the expanded notion of agriculture
entrepreneur, the differences between agriculture and commercial activity seem
less precise than before (Paolini, 2013; Tolino, 2016; Cossu, 2003).18
This leads to the question of what the relationship is between agricultural activity
and commercial activity – in particular a hospitality activity – considering that
agricultural activity follows complex and varied dynamics. There are two distinct
but connected features here. Activities such as accomodation, hospitality and the
provision of food and drink are typical of every hospitality activity. Separately, ac-
tivities to value and develop a territory and the connection with agricultural activity
allow an agricultural firm to gain protected status. This very open approach allows
the use of new and innovative techniques, provided the requirement of connectivity
is observed and thus the limits are not exceeded.19 Agritourism business is hence
also described as a experimental facility aiming to add value to the territory (e. g.,
initiatives like 0 km production, educational farms) (Paolini, 2013; Francario, 2003;
Ragionieri, 2003a).

17 Compare Art. 5 par 2 and Art. 6 par 1 Law n. 7/2008. Also consider Art. 4 par. 4 Law n.
96/2006.
18 The current approach offers a range of activities of different nature. It is clear that these
possibilities are also linked to technologies and instruments used to develop the biological
cycle. For example, consider production under permanent shelter. With techniques like
this, atmospheric influence is diminished (Tolino, 2016; Germanò, 2016).
19 In favour of this open approach, it has been correctly observed that a more precise nor-
mative approach defining the concept of connected activities might result in economic
disadvantage, as greater specificity generally leads to less flexibility (Tolino, 2016).
Delineating the South Tyrolean Law on Agritourism 89

As the connected activities are allowed to make the primary activities possible,
they are functional to the latter. The effect of this connection is that activities nor-
mally defined as commercial activities may use the more favorable regime designed
for agricultural activities: i. e., less sophisticated accountancy rules, immunity from
bankruptcy, articulated subsidizing regime, lower taxes and so on (Germanò & Rook
Basile, 2013b). Agritourism is thus instrumental to the primary activity and cannot
be considered without it (Paolini, 2013; Tolino, 2016; Ragionieri, 2003a; Ragionieri,
2003b; Romagnoli, 2003). This must be remembered when comparing agritourism
with other businesses that offer hospitality services, including small landlords.
The concept of connected activities reflects the idea of an agricultural firm as
a multifunctional entity that does not just conduct the primary activities. In this
context, the role of the agricultural firm in rural development is often highlighted
(Paolini, 2013; Fiume Fagioli, Diotallevi, & Ciani, 2014; Potter, 2015; Ragionieri,
2003a). Many policy documents (United Nations; European Commission, 2016;
European Commission) stress “the key role of rural areas and communities in
implementing the United Nations Sustainable Development Goals as well as the
conclusions of the 21st annual Conference of the Parties to the United Nations
Framework Convention on Climate Change” (European Commission, 2016, p. 4).
In this sense, law n. 7/2008 also requires that the concepts contained therein are in
line with the general policies of the EU fostering rural development.
Similarly, is seems useful to bear in mind that the primary functions do not
only produce income for farmers, they also produce so-called public goods. These
are those goods that cannot be secured through markets, like for instance pursu-
ing certain farming practices in order to maintain landscape features, managing
natural resources (e. g., water, soils) or maintaining specific habitats (Cooper, Hart
& Baldock, 2009; Vanni, 2014; Potter, 2015; Albisinni, 1998; Francario, 2003).20 It
is correctly argued that public intervention should stimulate the production of
these goods in order to meet societal demand (Garnett, Mathewson, Angelides&
Borthwick, 2015; Cooper, Hart& Baldock, 2009; Romagnoli, 2003; Paolini, 2013).21
The feature of producing public goods also highlights that comparing agritourism
with other hospitality businesses seems to compare apples with oranges. In other
words, there is no point in comparing the incomparable. This is even more true

20 The features of public goods are non-excludability and non-rivalry; this may lead to
over-exploitation of these goods as consumers have no incentive to pay for their con-
sumption (Cooper, T., Hart, K. & Baldock, D., 2009).
21 The CAP has acknowledged this role by strengthening pillar 2, even though the policies
can still be improved. See Vanni, 2014; Potter, 2015; Blandford & Hassapoyannes, 2015.
90 Georg Miribung

when considering the role of agriculture and with it of agritourism in the devel-
opment of rural areas.
As agritourism is functional to agriculture, the specific functions assigned to
agriculture must also be addressed when discussing agritourism, giving relevance
to specific factors such as agricultural property and with it specific requirements
for how soils shall be used (Germanò, 2016; Costato & Russo, 2015) or debates on
sustainable agriculture (Jannarelli, 2014; Garnett, 2013; Manservisi, 2014; Bodiguel,
2014). This latter feature also leaves space for criticism, especially when consider-
ing the various debates, requiring support for agriculture to be contingent on the
produced public goods actually having a sustainable effect. In this context, the
environmental dimension of sustainability is central (Garnett, 2013; Jannarelli,
2014; Steinfeld, 2006; Manservisi, 2014; Cardwell & McMahon, 2015).
From a legal point of view, one can address this question by affirming that
the legal framework currently considers sustainability as a Leitmotiv rather than
an obligation, with the consequence that the notion of sustainable agriculture is
weakened (Ekardt, 2011; Clapp, 2016; Sjafjell, 2012; Rachmann 2014; Gehne, 2011;
Monien, 2014). It has been correctly stressed that it is necessary to draft sustain-
ability as a legal norm (Kim & Bosselmann, 2015; Ekardt, 2011; Sjafjell, 2012). One
approach focuses on sustainability as a tool to guarantee human dignity. Based on
the notion of human dignity22 as an absolute value not limited by time and space,
one can address intergenerational responsibility for guaranteeing that human
beings can also live with dignity (in freedom) in the future. This implies guaran-
teeing certain minimum living standards, such as a sound environment. Based on
this, one can draft a duty requiring a certain degree of sustainable behavior in the
present (Ekardt, 2011; Ekardt, 2005). Accepting this reasoning, which is strongly
interconnected with the effect of agricultural activity to produce public goods and
with the consequences of climate change (Cooper, Hart & Baldock, 2009; Garnett,
2013; Vanni, 2014; Blandford & Hassapoyannes, 2015), it becomes even clearer that
agritourism, which is an instrument to guarantee agricultural activities, cannot
easily be compared with other hospitability activities. Accordingly, one could argue
for developing sustainability as a legal norm and therefore focusing first – and this
seems coherent if one considers the structure of Art. 2135 cc. – on agricultural

22 Compare Art. 1 CFREU (Charter of Fundamental Rights of the EU) “Human dignity is
inviolable. It must be respected and protected”, and linked to it, Art. 6 CFREU “Everyone
has the right to liberty and security of person.”
Delineating the South Tyrolean Law on Agritourism 91

activity and its effects, perhaps making the requirement to establish a common
notion of agritourism which is valid throughout the European Union obsolete.23
In addition to these more general observations, more specific comments about
the principle of connectivity as contained in law n. 7/2008 can be made. First, it
can be asserted that the South Tyrolean legislator has chosen to formulate relatively
clear and strict criteria in order to make this principle applicable.24 This is the out-
come of a legislative process trying at best to consider the interests of the different
stakeholders involved, which are not only farmers but also hosting companies
(commercial entrepreneurs) or landlords, who may fear an overly competitive
agritourism sector.25
The introduced limits not only refer to the number of beds and seating places,
but also to the provision of the farm’s own products. With this, the criteria of con-
nectivity becomes a further facet. As the agriculture entrepreneur will presumably
try to avoid having two distinct firms – an agricultural firm and a commercial
firm – it is in his interest to seek the proper quality in his own products (resulting
from the primary activity) and in the organisation of hospitality services to have
the expected economic success (Tolino, 2016).
Finally, a limit can be detected indirectly based on the combination of the crite-
ria of prevalence and normality. These require that equipment and materials must
be used in a continuous and a systematic way. Art. 4, 5 and 6 of law n. 7/2008 add
significant details to this requirement. Even though this does not exclude using
hospitality equipment not linked to agricultural activities – for instance a pool –
some limits must be observed. In fact, equipment and material without connection
to agricultural activity in specific cases might be defined as luxury goods or luxury
tourism: the High Court ruled that a sophisticated restaurant, a very ample library,
luxurious suites or an enormous wine cellar might not be in line with the idea of
agritourism, which is primarily based on simplicity and frugality. (Cassazione civile
I, 2015; Tolino, 2016; Francario, 2003).

23 For an approach favouring a common notion consider Streifeneder, 2016. For general
observations, see Albisinni, 1998; Francario, 2003.
24 Compared to other regional legislators, which are empowered to adapt specific criteria
according to Art. 4 Law n. 96/2006. Streifeneder (2016, p. 254) highlights that “due
to many high limits of agritouristic facilities (in certain regions up to 30 beds), these
structures are more likely touristic than agritouristic.” Consider for example Law n.
14/2009 as adopted by the Region of Calabria. For general information, see Agriturist,
2017.
25 Consider fn 1 and 2.
92 Georg Miribung

4 Closing remarks

Agritourism is embedded into a functional relation with agriculture and therefore


bears limited comparison with other hospitality services. In this regard, it is neces-
sary to consider factors like agriculture property, agriculture as a tool to foster rural
development or, more generally, agriculture and sustainable food production. These
issues, which due to the criteria of connectivity also define limits for agritourism,
derive from the general rules as contained in the civil code. In addition, the South
Tyrolean law adds some tight criteria, limiting the size and scope of agritourism
activities. Within this framework, the legislator has tried to provide a flexible
framework to help agricultural entrepreneurs innovate their business strategies and
adapt them to new market requirements. One example is luxury accommodation,
which is not compatible with agritourism.

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3
Gast-Gastgeber-Beziehung
als zentrale Herausforderung
für die touristische Entwicklung
Overcrowding in mature destination
Valeria Tallinucci

1 Tourism destination

Destinations are competitive spatial units which need to be governed and managed
in order to satisfy the expectations of tourists, focusing on the cultural and ethical
values of tourism, and the quality of life and use of time of the local community
(Pechlaner, Paniccia, Raich & Valeri, 2012). Mature destination are spatial units
identified by unique historical, natural or cultural sites. Historical and cultural sites
provide monuments, museums and cultural places to visit and experience, whose
concentration in limited areas or in short temporary exhibitions can cause intense
tourist traffic at particular times. In particular, the major historical and cultural sites
attract visitors from all over the world, among them: first-time visitors who often
want to experience all the main attractions within a day; as well as repeat visitors
willing to share atmosphere and quality of life during a longer stay at destination,
meeting local people and exploring lifestyles, arts and crafts.
Natural sites are represented by national parks or single natural elements able to
attract visitors wanting to experience the beauty of the site and related recreational
spaces such as mountains landscape, lakes, beaches, rivers and sport-tracks that
allow different leisure activities, such as trekking, skiing, biking, surfing, fishing,
swimming and other sports. Those activities can be concentrated at particular times
of the year such as in winter or summer season, during holidays or in temporary
exhibitions; causing heavy flow at single points of attraction and during short time
periods in the year. Furthermore, leisure activities attract a wide range of people:
tourists staying in the destination for one or more nights; daily visitors of nearby

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 99
H. Pechlaner, Destination und Lebensraum, Entrepreneurial Management und
Standortentwicklung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-28110-6_8
100 Valeria Tallinucci

areas willing to experience the location; as well as local people willing to live their
free time actively, share lifestyles and increase their quality of life.
Culture is more than a site to visit and experience; culture is lifestyles shared in
the virtual social network. Culture as lifestyles can identify “icon-sites”, as fashion
sky resorts, singular vertical climbing spots or the location of annual meetings;
and can share different meeting-points chosen by the interconnected people of the
internet to meet in the reality and experience activities together. These are small or
large groups of people moving at the same time with particular needs and showing
different cultural backgrounds. Lifestyles attract daily visitors, tourists and local
people; they are often connected to trends and sports requiring new infrastruc-
tures. Those particularities suppose concentration in limited areas and sharing of
spaces and facilities.

2 Mature destination and crowding

Mature destination attracting increasing number of people can meet overcrowding


problems. Overcrowding or congestion refers to people’s psychological response
to density. Population density is an objective measure of the number of people
living per unit area. Crowding is then a subjective evaluation of density levels in a
specific surrounding (Shelby& Heberlein, 1984) and is usually defined as a negative
assessment of visitor density within a given area (Graefe,Vaske& Kuss, 1984). It is
an individual perception of lack of space and quiet at a site, a lack of services like
parking, toilets, huge traffic with related pollution or noise and, last but not least,
the lack of personal security and safety (Budowski, 1976; WTO, 2004; Candela
&Figini, 2005). In tourism, it depends on the single expectation and cultural norm.
Congestion can reduce the authenticity of the destination, can cause a deterioration
of local resources and can result in a loss of spirit of the site. Finally, it can cause a
reduction of quality of life for the local community and lead to problems between
tourists and locals. (Goeldner, Ritchie, &McIntosh,2000; WTO, 2004; Pechlaner,
Laesser & Raich, 2004; Pechlaner & Hamman, 2004; Jin & Pearce, 2011).
Overcrowding may arise temporarily, regularly or be permanent. Temporary
crowding may occur in relation to sports and cultural events, local festivals and
exhibitions. In this case it is not necessarily undesirable, as the experience is
heightened by the presence of others. Regular congestion occurs when there are
well-marked periodical events, such as school vacations, weekends, festivals, season
cycles or other factors that generate significant tourism or visitor activity within a
relatively short periods of the year, often defined as peak season. Higher presence
Overcrowding in mature destination 101

of tourists in those times is predictable, thus, allow the destination to organize


special services or direct the flow of people in order to avoid congestion to single
sites; such as shuttle bus and extra parking, access prior reservation, scheduling
of visiting times, promotion of alternative sites. Another problem is often the co-
incidence of school vacations and weekends of both tourists and local people, this
can emphasize the lack of space and quiet in the shared sites arriving to limiting
the possibility to move and increasing acceptance problems. Furthermore, seasonal
peak periods attract a regular and intense flow of daily visitors of nearby areas, such
as big cities, which increased the demand of services and facilities in the few hours
over the day. Daily visitors concentrate their visit within the short time of the day,
causing decreasing quality of experience for tourists and quality of life for locals.
Permanent overcrowding at a destination occurs when the site experiences con-
tinuing increasing levels of visitation not supported by investments in more services.
Mature destination can meet internal governance problems within stakeholders
by projecting the development of local tourism. Destination governance needs to
avoid that high level of visitors which can cause deterioration of local resources or
loss of spirit of the site; thus delay to implement infrastructures and facilities, lack
in organization of tourist’s flow into the destination, or impossibility to govern
the development internally can cause permanent overcrowding and, in the long
term, destroy the image of the destination. From the tourist’s point of view, the
perceived bundle of experiences of a whole destination is by far more important
than the single components; on the other hand, a single negative component, such
as congestion and a huge number of visitors, can cause total dissatisfaction (Sain-
aghi, 2003), followed by a loss of attraction and competitiveness of the destination.
Tourists presence during well-marked periodical events increase. Fewer major
attraction points polarize the daily visitors arriving from nearby areas. Local
peoples demand for facilities shared with tourists increases. What problems arise
from regularly overcrowding in mature destinations? What influence do daily
visitors have? How can destination governance manage the development while
maintaining local resources, authenticity and quality of life? This paper proposes
a first approach to the study.

3 Destination governance

The territory as a vital system has a tourist vocation which needs to be governed
in order to create value for the stakeholders as tourists, local people, enterprises,
workers, investors and institutions (Golinelli, Trunfio & Liguori, 2006; Candela &
102 Valeria Tallinucci

Figini, 2005). The primary tasks of destination governance are coordination of the
network among stakeholders, management of the competitiveness of the tourist
vocation and creating sustainability in the future of the tourism development (Mill
& Morrison,1985; Bieger 1997; Sainaghi, 2003; Raich, 2006; Pechlaner, Paniccia,
Raich & Valeri, 2012). Thus the World Trade Organization (WTO) nominated 2017
as the year of sustainable tourism development for all stakeholders.
In order for mature destinations to develop in a sustainable way, stakeholders
can create virtuous circles for local enterprises to avoid congestion problems. First,
local people increase the internal demand for leisure, sports and lifestyle products
in competition with tourists, also increasing the interaction opportunities between
tourists and local culture. This interaction can strengthen the capabilities of the
destination governance to support a long-term life cycle of the tourism area, gener-
ating authenticity of the tourist experience and quality of life -although congestion
can destroy this development.
Second, overcrowding poses an increased risk of environmental and spiritu-
al damage. Particularly, the spirit of a place might be the main attraction and
once that spirit is diminished, then tourists may no longer desire to visit (Page &
Connell,2006). Congestion is an individual perception of lack of space, services
and security that can affect all; tourists, daily visitors and locals. For tourists and
daily visitors it can reduce the quality of travel experience, for the local people it
can create sensitivity in sharing spaces, local culture and infrastructures. For all
groups, the perception of overcrowding reduces the willingness to interact and the
authenticity of the experience.
Third, a socio-cultural dualism can develop in mature destinations; tourism
can revitalizes local cultural traditions, events and crafts which would otherwise
disappear in the globalized economical market, but have to be governed and
managed in the territory in order to prevent the feeling of invasion and cultural
globalization of the local community.
Seasonally and temporarily problems of congestion are predictable and/or
restricted to relatively short periods so that the necessity for additional staffing,
transportation and security can be managed in cooperation with the local tourism
industry. Permanent overcrowding may require structural investment, information
and communication management and major upgrading of many aspects of the site,
including access, parking, arrivals areas, entry and ticketing, public spaces and
viewing areas, interpretation and visitor facilities. If the mature destination attracts
more visitors and an increase in touristic flow is wished for, the development of
the infrastructures is first required, the destination governance has to access more
financial resources and the level of governance could grow including border desti-
Overcrowding in mature destination 103

nations (Raich, 2006; Pakaleva-Shapira, 2007) or institutional stakeholders (Candela


& Figini, 2005). Access, mobility and public services will need to be reorganized.
Congestion as individual perception is directly influenced by customers’ ex-
pectations, so that destination governance has to redefine communication and
information management. False expectations may very quickly lead to negative
crowding perception and subsequent customer dissatisfaction. Marketing managers
need to convey realistic expectations to the visitors with regards to crowding, and
management should develop strategies to reduce the crowding perceptions of its
visitors (Zehrer& Raich, 2016). Destination governance should inform the tourist
about the peak times and seasons, offer alternative itineraries or products and be
able to disperse touristic flows into alternative attractive sites or territories.
Policy measures laid down to extend limits of overcrowding provide stronger
instruments, which are discussed in the literature because of the difficulty of
predicting the real positive and negative directed and undirected effects into the
touristic flow (Pigou, 1968; Candela & Figini, 2005). In order to cover the financing
of the infrastructure and public services, a taxation could be introduced either
for the tourists or for the tourism enterprises. In order to preserve the natural or
cultural resources, a limit to daily entrance or a destination development policy
could be fixed.
Indirect measures willing to redirect and disperse touristic flow are price-related,
time-ticketing and marketing policies. Price-related policies define directly the peak
and high seasons throughout higher prices for the touristic products; people will-
ing to visit the site avoiding crowding will choose a off-season prices. Price related
policies can be also applied within the day to redirect the access. Time-ticketing
policies are proposed for the access to the site or single attraction, such as archeo-
logical-cultural area, fun-parks, museum or track. The need of a reservation with
the specific of a date and hour of access allows to limit the number of visitors in
a time and disperse the access during the day. Destination marketing policy has
to inform the visitor about services and alternative attractions to avoid crowding.
Permanent congestion without destination governance can causes tourist dis-
satisfaction and loss of quality of life, which in the medium- and long-term are
internal factors directly connected to the decline of a mature tourism destination.
Studying the Tourism Area Life Cycle, a mature destination willing to continue to
grow its numbers of tourists and daily visitors has to face the problems related to
overcrowding and find long-term solutions in order to prevent decline (Butler, 2006).
Mostly applied to urban, coastal and mountain destinations, congestion in the form
of visitor and tourist mobility, deterioration of the attractive sites and potentially
conflicting relationships between visitors and residents are recognized as internal
factors providing a potential decline indicator (Pechlaner & Manente, 2006).
104 Valeria Tallinucci

4 Conclusion

Governance of mature destinations with increasing numbers of tourists and daily


visitors of nearby areas face problems related to congestion. The present paper gives
a first overview analyzing the different problems arising from overcrowding among
three stakeholders -tourists, daily visitors from nearby areas and the local commu-
nity -and the opportunities of destination governance to manage those problems in
order to, in the long-term, maintain the competitiveness, the resources, the spirit,
the authenticity and the quality of life of the mature destinations.
Congestion as individual perception of lack of space, quiet and services, causes
a loss of quality of travel experience for tourists and daily visitors and for local
people a sensitivity may arise in sharing spaces, resources, and local culture. The
perception of overcrowding reduces the willingness to interact and the authentic-
ity of the experience, directly influencing the satisfaction or dissatisfaction of the
person. Destination governance has to create realistic expectations, furthermore
to develop strategies and services to disseminate visitors within the destination.
Moreover, destination governance needs to plan investment in infrastructure and
involve the local actors in order to offer alternatives to the visitors. This paper does
not develop proposals and case studies, but provides the basis for further studies.

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Tourist go home!
Beobachtungen zu Overtourism und einer
sinkenden Tourismusakzeptanz in Europa.
Welche Folgen ergeben sich für Wissenschaft
und Praxis?
Markus Herntrei

1 Einleitung

Bereits vor dem Höhepunkt der Sommersaison 2017 zeichnete sich ab, dass zum Ende
des Tourismusjahres in vielen europäischen Tourismusdestinationen neue Rekorde
fallen werden. Zahlreiche Destinationen wie Spanien, Italien und Griechenland
können beachtliche Zuwächse an Ankünften und Übernachtungen verzeichnen.
Auch der Deutschlandtourismus wird voraussichtlich in diesem Jahr das achte
Rekordjahr in Folge verzeichnen dürfen (Zeit Online 2017b).
Wirtschaftliche und politische Krisen sowie die latente Bedrohung touristischer
Attraktionspunkte durch insbesonders islamistischen Terrorismus sorgen weniger
für eine Verringerung der Reiseintensität innerhalb der wichtigen Quellmärkte,
als vielmehr für eine Verschiebung der Reiseströme. Einst beliebte Destinationen
wie etwa die Türkei oder jene in Nordafrika verzeichnen unter anhaltenden Krisen
rückläufige Ankünfte und Übernachtungen, insbesonders aufgrund ausbleibender
westlicher Touristen (Sonntag et al. 2017). Die Tourismuswirtschaft reagiert hierauf
mit neuen Angeboten und Kapazitäten in alternativen Destinationen, insbesondere
in traditionellen europäischen und damit als sicher empfundenen Zielgebieten (vgl.
Müller 2017). Die Ursachen der Rekordjagd vieler Destinationen sind somit zum
Teil auch in den Krisen einiger leidtragender Destinationen zu sehen.
Aber auch einige der Gewinner werden zu Verlierern der Entwicklung, denn
die Veränderungen der Reiseströme werden nicht nur von Touristikern wahr-
genommen, sondern zunehmend auch von den Bereisten, den Bewohnern der
Tourismusdestinationen. Der überbordende Druck durch wachsende Reiseströme,

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 107
H. Pechlaner, Destination und Lebensraum, Entrepreneurial Management und
Standortentwicklung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-28110-6_9
108 Markus Herntrei

die fortschreitende touristische Entwicklung und die daraus resultierenden Wir-


kungen, welche aus der Sicht der Einheimischen ihre Lebensqualität gefährden
oder beeinträchtigen, werden als Overtourism bezeichnet (Weber et al. 2017, 2017,
S. 5). Die Einheimischen äußern daher ihre Bedenken und ihren Unmut gegen
eine weitere touristische Entwicklung in verschiedenen Ausprägungsformen – von
bürgerschaftlichen Initiativen bis hin zu radikalen Protestformen wie dem Vanda-
lismus. Die Tagespresse berichtete insbesondere während der Sommersaison 2017
über Vorfälle aus verschiedenen europäischen Destinationen, die das Phänomen
des Overtourism sowie in Reaktion hierauf eine abnehmende Tourismusakzeptanz
beschreiben (vgl. Tab. 1). Die möglichen negativen Auswirkungen der Proteste auf
die Besucherzufriedenheit und das Image der Destination können gravierend sein
(vgl. Pearce 1980, S. 225).
Der vorliegende Beitrag greift zunächst einige aktuelle Beispiele von Over-
tourism und abnehmender Tourismusakzeptanz innerhalb europäischer Touris-
musdestinationen auf. Hierauf aufbauend wird die Entstehung und Bedeutung
der Tourismusakzeptanz beleuchtet, wie sie im Wesentlichen bereits mit Beginn
der 1990er-Jahre umfänglich herausgearbeitet worden ist. Abschließend werden
mögliche Implikationen für die touristische Praxis und Forschung diskutiert.

2 Zwischen Resignation, Tourismusphobie und Wut –


Signale einer sinkenden Tourismusakzeptanz in
ausgewählten europäischen Destinationen

Für die Tourismuswissenschaft ist das Phänomen einer ablehnenden Haltung Ein-
heimischer gegenüber der touristischen Entwicklung ihrer Heimatregion nicht neu.
Pizam (1978) hat die möglichen negativen sozialen Effekte des Tourismus erstmals
untersucht und damit ein Forschungsfeld eröffnet, welches heute als vergleichsweise
gut erforscht bezeichnet werden kann (vgl. Brida et al. 2011).
Überraschend neu war in der Tourismussaison 2017 die Anzahl an Pressemeldun-
gen aus europäischen Tourismusdestinationen, welche die verschiedenen negativen
Effekte des Tourismus behandelten und sich unter den Schlagwörtern „sinkende
Tourismusakzeptanz“ und „Overtourism“ zusammenfassen lassen (vgl. Tab. 1).
Tourist go home! 109

Tab. 1 Ausgewählte Presseberichte der Tourismussaison 2017 zur sinkenden


Tourismusakzeptanz und Overtourism in europäischen Destinationen
Datum Destination Ausgewählte Schlagzeilen Quellen
11.07.17, Island „Reiseboom. Den Isländern wird Patalong 2016; Spiegel
28.10.17 das zu viel mit den Touristen“ Online 2017b
24.07.17 Balearen „Touristenboom. Balearen wollen Spiegel Online 2017c
Mietwagenlimit einführen“
01.08.17 Barcelona „Barcelona anti-tourism activists The Guardian 2017
vandalise bikes and bus“
02.08.17, Spanien „Anti-tourism attacks in Spain: McLaughlin 2017; Zeit
08.08.17, Who is behind them and what do Online 2017a; Rössler
10.08.17 they want?“ 2017
16.08.17, Venedig „Mit Badeanzug in der Kirche. Focus Online 2017
19.08.16 „Schlimmster Rüpel-Sommer aller
Zeiten?“: Nach Spanien ätzt jetzt
auch Italien gegen Touristen“
22.08.17 Berlin „Akzeptanz der Anwohner, Erhalten Rein und Muthesius
Das Konzept „365/24 Berlin“ hat 2017
ausgedient“
29.08.17 Hvar „Die Dinge sind hier ein wenig Przybilla 2017
eskaliert“
31.08.17 Santorini, „Overtourism: Jetzt will auch Travelnews 2017b
Griechen- Santorini Einschränkungen“
land
23.09.17 Palma De „Palma de Mallorca- Die überbuchte Zeit Online 2017c;
Mallorca Insel“ Spiegel Online 2017d
09.10.17 Amsterdam „Amsterdam verbietet neue Die Welt online 2017
Touristen-Läden im Zentrum“

Nicht nur Anzahl der Negativmeldungen scheint sich deutlich erhöht zu haben, auch
die Qualität der Proteste gegen die Wirkungen und Entwicklungen des Tourismus
hat sich offenbar verändert. Insbesondere aus Spanien gibt es deutliche Anzeichen
einer Radikalisierung der Proteste (vgl. McLaughlin 2017; Burgen 2017; Travelnews
2017a; Köllen 2017):

• Valencia: Aktivisten haben eine Ferienwohnung besetzt und hissten ein Trans-
parent, um auf die Gentrifizierung des Stadtteils durch den Tourismus auf-
merksam zu machen
110 Markus Herntrei

• Valencia: 100 Einheimische verkleideten sich als Touristen, um gegen die „Tou-
ristifizierung“ und gegen das als unangemessen empfundene Verhalten vieler
Touristen zu demonstrieren
• San Sebastian: Zahlreiche Graffitis mit dem Schriftzug „tourists go home“
wurden auf Hauswände gesprüht
• Barcelona: Maskierte stoppten einen Reisebus mit Touristen, zerstachen die Reifen
und beschmierten die Seitenscheiben des Busses mit Anti-Tourismusparolen
• Barcelona: von Touristen genutzte Leihfahrräder wurden von Tourismusgegnern
stark beschädigt und somit unbrauchbar gemacht
• Palma: 20 Tourismusgegner demonstrierten rund um ein bei Touristen beliebtes
Restaurant und einem nahegelegenen Jachthafen mit bengalischen Fackeln und
Plakaten. Touristen wurden mit Konfetti beworfen
• Palma: Aktivisten der Organisation „Ciutat per qui l`habitat, no per a qui la
visita“ (Die Stadt für die Bewohner, nicht für die Besucher) sperrten symbolisch
das Tourismusministerium. Sie klebten Zettel mit der Aufschrift „geschlossen“
an die Eingangstür
• In Palma sind seit einiger Zeit Plakate mit Aufschriften wie „Tourists = Terro-
rists“ oder „Tourismus tötet die Stadt“ im Stadtbild zu finden

In vielen der Fälle lassen sich junge, linke Aktivisten hinter den Protesten ausma-
chen. Aufgrund der medialen Innen- und Außenwirkungen der Protestaktionen
sehen sich auch Politiker zunehmend genötigt, sich des Themas anzunehmen.
Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy hat die Bevölkerung dazu aufgerufen,
aus eigenen wirtschaftlichen Interessen den ausländischen Gästen mit Freundlich-
keit zu begegnen. In Spanien sind gut 2,5 Millionen Arbeitsplätze vom Tourismus
abhängig – mit steigender Tendenz, wie die Perspektive von erstmals 84 Millionen
Besuchern im laufenden Jahr unterstreicht (vgl. Rössler 2017).
Die mit dem Tourismus verbundenen wirtschaftlichen Perspektiven sind aber
für viele kein Argument mehr, welches für die Entwicklung und den Ausbau des
Tourismus spricht. Vielmehr greifen viele aktuelle Presseberichte die Problematik
prekärer Arbeitsbedingungen und steigender Preise durch den Tourismus auf.
Insgesamt, so der Tenor, steigen durch die Zunahme der Tourismusintensität die
Lebenshaltungskosten während die Lebensqualität sinkt (vgl. Die Welt online 2017).
Damit steigt auch der Druck auf die Politik in den betroffenen Destina­tionen,
Lösungswege aufzuzeigen und erste Maßnahmen umzusetzen (vgl. Tab. 2).
Tourist go home! 111

Tab. 2 Maßnahmen zur Eindämmung negativer Effekte durch den Tourismus


(vgl. Spiegel Online 2017a; Politico 2017; Handelsblatt 2017)
Destination Maßnahme Details
Mailand Verhaltensmaßregeln u. a. Verbot von Selfiesticks und Glasflaschen
für Touristen
Mallorca u. a. Steuern Drastische Anhebung der 2016 eingeführten
Ökosteuer ist für 2018 geplant
Florenz Verhaltensmaßregeln Straßenreinigung zur Mittagszeit, um Tou-
für Touristen risten vom Picknick auf zentralen Plätzen
abzuhalten
Amsterdam Planerisch, Einschränkung von Straßenmusik, Souvenir­
umfassend shops; Reduktion des städtischen Marketing-
budgets, Bauverbot für Hotels, Einschränkun-
gen der Privatvermietung
Island Verhaltensmaßregeln Code of Conduct für Touristen
für Touristen

Die in Tab. 2 zusammengetragenen Beispiele zeigen auf, wie den negativen Wir-
kungen des Tourismus entgegengewirkt werden soll. Anstelle von umfassenden
Tourismusentwicklungsstrategien finden sich hier teils umstrittene Einzelmaß-
nahmen. Umfassende planerische Maßnahmen, welche bereits früh von Butler
(1975, S. 89) eingefordert wurden und geeignet wären, den unvorhergesehenen
und ungeplanten Effekten des Tourismus bzw. des Overtourism entgegenzuwir-
ken, um die Akzeptanz des Tourismus und die mit ihm verbundenen positiven
Potenziale aufrecht zu erhalten, scheinen hingegen rar zu sein oder bleiben hinter
den erhofften Erwartungen zurück (vgl. Kahl 2014). So zeigt man sich vielerorts
resigniert angesichts der geringen Wirksamkeit der gewählten Instrumente und des
potenziell zunehmenden Drucks, insbesonders hervorgerufen durch Änderungen
in internationalen Reiseströmen und durch eine zunehmende Reiseintensität in den
bevölkerungsstarken Ländern China und Indien (vgl. Politico 2017).
Um zielgerichtete und wirksame Maßnahmen zur Verbesserung der Tourismus­
akzeptanz ergreifen zu können, ist es wichtig zu verstehen, von welchen Faktoren
diese beeinflusst wird (vgl. Williams und Lawson 2001; Sharma und Dyer 2009).
Das folgende Kapitel drei gibt hierzu einen Überblick und stellt ein zur Erfassung
der Faktoren geeignetes Modell vor.
112 Markus Herntrei

3 Einflussfaktoren auf die Wahrnehmung der


Wirkungen des Tourismus durch Einheimische

Brida et al. (2011) haben im Rahmen eines extended literature review den aktuellen
Forschungsstand betreffend jener Faktoren zusammengetragen, welche die Einstel-
lung und die Wahrnehmung Einheimischer gegenüber dem Tourismus beeinflussen.
Sie sichteten dabei – wie zuvor Williams und Lawson (2001, S. 271) – zahlreiche
Studien und identifizierten einige wesentliche, die Wahrnehmung beeinflussende
Determinaten (vgl. Brida et al. 2011, S. 361–363). Dabei wird ersichtlich, dass ei-
nige aber nicht alle der Einflussfaktoren mit dem Phänomen des Overtourism in
Verbindung zu bringen sind.

Tab. 3 Die Wahrnehmung der Wirkungen des Tourismus beeinflussende


Determinanten (vgl. Williams und Lawson 2001, S. 271; Brida et al. 2011,
S. 361–363)
Einflussfaktor Beobachtete Zusammenhänge Autoren
Soziale Bindung Je länger die Aufenthaltsdauer, Allen et al. (1988), Brougham
oder Aufenthalts- desto negativer ist die Haltung und Butler (1981), Lankford
dauer gegenüber der Tourismusentwick- (1994), Liu und Var (1986),
lung Madrigal (1995), Pizam (1978),
Sheldon und Var (1984), Um
und Crompton (1987), Belisle
und Hoy (1980), Pearce (1980)

Widerspruch: Zusammenhang Andereck et al. (2005)


nicht immer feststellbar
Wissen Je mehr Wissen die Einwohner Andereck et al. (2005), Davis
über Tourismus haben, desto posi- et al. (1988), Lankford und
tiver wird dieser wahrgenommen Howard (1994), Pizam und
Milman (1986)
Kontaktstufe Je intensiver die Interaktion der Akis et al. (1996), Brougham
Einwohner mit den Touristen ist, und Butler (1981)
desto positiver ist die Einstellung
der Einheimischen gegenüber
Touristen
Konzentration Je höher die Besucherkonzen- Pizam (1978), Madrigal (1995)
tration, desto negativer ist die
Haltung der Einwohner gegenüber
den Touristen
Tourist go home! 113

Einflussfaktor Beobachtete Zusammenhänge Autoren


Nähe zum touris- Je näher die Einwohner am tou- Belisle und Hoy (1980)
tischen Zentrum ristischen Zentrum wohnen, desto
oder Attraktions- negativer ist deren Einstellung
punkt gegenüber dem Tourismus

Widerspruch: Gegenteilige Pearce (1980), Sheldon und Var


Wirkung (1984), Tyrrell und Spaulding
(1984)
Persönliche Ab- Einwohner sind positiver ge- Pizam (1978), Liu und Var
hängigkeit stimmt, wenn der Tourismus ihre (1986), Haley et al. (2005)
Existenzgrundlage bildet
Beteiligung an Einwohner haben eine posi- Gursoy et al. (2002)
Freizeitaktivi- tive Wahrnehmung, wenn sie
täten erkennen, dass der Tourismus die
Freizeiteinrichtungen verbessert
bzw. neue schafft

Widerspruch: Die Wahrnehmung O’Leary (1976)


wird negativ, wenn die Einwohner
das Gefühl haben, den Zugang zu
ihren Freizeitaktivitäten durch
Touristen zu verlieren
Demographie Soziodemographische Aspekte Davis et al. (1988), Liu und
(Alter, Sprache, Geschlecht, Var (1986), Madrigal (1995),
Familienstand, usw.) haben in Pizam (1978), Lankford (1994),
mehreren Fällen die Wahrneh- Petrzelka et al. (2005), Ritchie
mung der Einwohner gegenüber (1988), Pizam und Milman
dem Tourismus beeinflusst (1986), Zehrer und Raich
(2016)
Saisonalität In größeren Gemeinden ist zur Murphy (1985)
Hauptsaison eine negative Ein-
stellung der Einwohner gegenüber
dem Tourismus erkennbar

Widerspruch: kein Zusammen- Rothman (1978)


hang zwischen Saisonalität und
Einstellung erkennbar
114 Markus Herntrei

Einflussfaktor Beobachtete Zusammenhänge Autoren


Entwicklungs- Je niedriger der Entwicklungs- Diedrich und Garcia-Buades
stadium einer stand einer Destination, desto (2008), Butler (1980), Belisle
Destination positiver ist die Einstellung der und Hoy (1980), Long et al.
Einwohner gegenüber dem Tou- (1990)
rismus

Widerspruch: Einwohner einer Dyer et al. (2006)


gut-entwickelten Destination äu-
ßern eine positive Wahrnehmung
gegenüber dem Tourismus und
unterstützen die Tourismusent-
wicklung

Die Anzahl der als relevant identifizierten Einflussfaktoren ist erheblich, ebenso
die Vielfalt der hierbei zur Messung genutzten Verfahren, welche bereits Lankford
und Howard (1994) als „schier unendlich“ bezeichneten. Zur Messung der Ein-
flussfaktoren wurden so u. a. auf die Spieltheorie, Konflikttheorie und Kompen-
sationstheorie (vgl. Bystrzanowski 1989), Attributionstheorie (vgl. Pearce 1989)
und Dependenztheorie (vgl. Preister 2014) zurückgegriffen. Entsprechend gering
fallen die Möglichkeiten der Vergleichbarkeit und Verifizierung der Erhebungen
aus. Verschiedene Autoren (vgl. Brida et al. 2011, S. 363; Köhler 2014, S. 140) sind
sich darin einig, dass die Arbeit von Ap (1992) einen zentralen Beitrag bei der
Theorieentwicklung und der Erarbeitung valider Messinstrumente in der Touris-
muswirkungsforschung darstellt. Ap (1992) hat zunächst die Notwendigkeit eines
neuen und einheitlichen theoretischen Rahmens unterstrichen und diesen in der
sozialen Austauschtheorie ausgemacht, welche ihm die Möglichkeit eröffnete, die
positiven und negativen Wahrnehmungen sowohl auf individueller, als auch auf
kollektiver Ebene zu untersuchen. Ap (1992) bediente sich bei der Entwicklung
seines Modells den Arbeiten von Lévi-Strauss (1969), Homans (1961), Blau (1964)
und Emerson (1972). Die soziale Austauschtheorie zielt darauf ab, den Austausch
von Ressourcen im Rahmen von Interaktionen zwischen Individuen und Gruppen,
den sogenannten Akteuren, im täglichen Lebensumfeld zu erfassen. Die Ressourcen
sind dabei materieller, sozialer oder psychologischer Natur (vgl. Ap 1992, S. 668).
Innerhalb von Tourismusdestinationen vollziehen sich zahlreiche Austauschpro-
zesse zwischen Bewohnern, Gästen, Entrepreneurs und Unternehmen verschiedener
Branchen, Verwaltung und Politik. Unabhängig davon, wie der Tourismus in der
jeweiligen Destination organisiert und gestaltet wird, stellen ihre Bewohner eine
zentrale Akteursgruppe dar. Die Bewohner haben einen eheblichen Einfluss auf
Tourist go home! 115

den Erfolg oder Misserfolg des Tourismus in ihrer Heimat. Sie agieren als Entre-
preneure oder sind, u. a. durch Partizipationsprozesse, aktiv in die Planung und
Entwicklung des Tourismus eingebunden und stellen so z. B. die Durchführung von
Veranstaltungen sicher (vgl. Ap 1992, S. 668; Herntrei 2014, S. 223). Einheimische
können als engagierte und herzliche Gastgeber auft reten oder als tourismus- und
fremdenfeindliche Akteure und haben es damit in der Hand, durch die Art und
Weise der Interaktion den Gästen zu positiven oder negativen Urlaubserlebnissen
zu verhelfen (vgl. Knox 1982, S. 77; Brida et al. 2011, S. 359).
Wie die Einheimischen den Tourismus wahrnehmen und auf diesen reagieren
hängt nach Ap (1992) im Wesentlichen davon ab, wie aus der Sicht der Einheimi-
schen das Evaluierungsergebnis auf der Basis der sozialen Austauschtheorie ausfällt
(vgl. Tab. 1). Einheimische beurteilen die touristische Entwicklung in ihrer Heimat
daran, welchen Nutzen der Tourismus für ihre wirtschaft lichen, sozialen und psy-
chologischen Bedürfnisse stiftet d. h. inwiefern der Tourismus zur Verbesserung
ihrer Lebensqualität beiträgt (vgl. Ap 1992, S. 669). Dieser Abwägungsprozess
wird durch das Prozessmodell der sozialen Austauschtheorie beschrieben (vgl.
Ap 1992, S. 669–685).

Abb. 1 Prozessmodell der sozialen Austauschtheorie


Quelle: Ap 1992, S. 670
116 Markus Herntrei

Ausgangspunkt des Modells sind die Bedürfnisse der Einheimischen. Nach Houston
und Gassenheimer (1987) ist der Wunsch nach Bedürfnisbefriedigung die grund-
legende Triebfeder für jegliche Form von Austauschprozessen. Ohne Motive und
Bedürfnisse gibt es keine rationalen Gründe, Austauschprozesse zu initiieren. Das
zentrale Motiv der einheimischen Bevölkerung ist die Verbesserung ihrer Lebensqua-
lität im ökonomischen, sozialen und psychologischem Sinne (vgl. Ap 1992, S. 671).
Ausgehend von den Motiven der eigenen Bedürfnisbefriedigung (need satisfac-
tion) wird von einem Akteur eine Austauschbeziehung initiiert (exchange inition).
Alternativ hierzu kann die Stimulation von außen erzeugt werden, z. B. durch die
planungsverantwortende Verwaltung. In diesem Falle startet der Austauschprozess
oft in einem Ungleichgewicht, weil z. B. der Bürger zu einer Reaktion gezwungen
wird, um mögliche Sanktionen vermeiden zu können (vgl. Ap 1992, S. 672).
Im Mittelpunkt des Modells steht die Austauschbeziehung (exchange relation).
Diese besteht aus den Antezedenzien des Austauschs (antecedents) sowie den For-
men des Austauschs (forms of exchange relation). Die beiden Elemente verbindet
der zweiseitig gestaltete Austauschprozess (exchange formation). Sobald ein Ak-
teur die möglichen Ergebnisse des Austauschs als negativ erachtet bzw. eine oder
mehr Antezedenzien (wahrgenommener Nutzen [rationality, satisficing benefits],
Gerechtigkeit, Reziprozität) missachtet werden, findet kein Austausch statt (vgl.
Ap 1992, S. 678).
Die Formen des sozialen Austauschs werden hier auf der Basis von Emersons
(1972) Annahmen zur Reziprozität von Macht und Abhängigkeit definiert. Macht,
basierend auf der Kontrolle von Ressourcen, die von anderen Akteuren als wertvoll
und erstrebenswert erachtet werden, ist definiert als die Fähigkeit, andere Akteure
in ihrer Handlungsweise zu beeinflussen (vgl. Emerson 1972, S. 63).
Durch die Verteilung der Macht – ergänzt um den Aspekt gegenseitiger Ab-
hängigkeiten (Kohäsion) – entstehen gleichgewichtige oder ungleichgewichtige
Austauschprozesse. Gleichwertige Austauschprozesse (balanced mutual exchange)
wirken aus der Sicht beider Seiten nutzenstiftend zu, wobei einer der Akteure über
ein Mindestmaß an Macht verfügen muss, um einen ergebnislosen Austausch zu
vermeiden (balanced unrewarding exchange). Eine ungleich verteilte Macht führt
stets zu einer Benachteiligung eines Akteurs – mit negativen Auswirkungen auf
die Evaluierung des sozialen Austauschprozesses und den hieraus entstehenden
Folgehandlungen (actions). Werden diese sowie die Ergebnisse (Outputs/Outco-
mes) im Hinblick auf die zu befriedigenden Bedürfnisse positiv bewertet, wird der
soziale Austauschprozess – welcher grundsätzlich zeitlich befristet und dynamisch
angelegt ist – weitergeführt und stabilisiert, anderenfalls abgebrochen (vgl. Ap
1992, S. 684–685).
Tourist go home! 117

4 Fazit und Ausblick

Durch das Modell von Ap (1992) steht seit langem ein theoretisch fundierter Rahmen
zur Verfügung, welcher es ermöglicht, die Wahrnehmung der Touristen gegenüber
der touristischen Entwicklung ihrer Heimatregionen fortlaufend zu erfassen und
im Hinblick auf ihre Einstellung und ihr Handeln gegenüber dem Tourismus und
seinen Akteuren zu bewerten. Die Literaturrecherche zeigt, dass die Arbeiten zur
Akzeptanz des Tourismus ihre Blütezeit in den 1980er- und 1990er-Jahren erlebt
und dabei umfassende Forschungsergebnisse hervorgebracht haben. In der ak-
tuellen Destinationsforschung, welche zuletzt u. a. von den Themen Governance
und Leadership geprägt wurde, wird dem Thema keine größere Beachtung mehr
beigemessen, obwohl die praktische Relevanz so groß wie niemals zuvor erscheint.
Das Thema fügt sich gut in die zeitgleich geführte Debatte der partizipativen Tou-
rismusplanung ein (vgl. Murphy 1985). Tatsächlich schlussfolgert Ap aus seiner
Arbeit (vgl. 1992, S. 681), dass der Schlüssel zu einer Verbesserung der Einstellung
Einheimischer gegenüber dem Tourismus und der Eindämmung der in der par-
tizipativen Tourismusplanung liegt. Abb. 2 illustriert, wie eine solche Planung
modellhaft ausgestaltet werden kann. Sie zeigt in ihren Hauptelementen deutliche
Anknüpfungspunkte zur der von Ap (1992) vorgestellten sozialen Austauschtheorie.

Abb. 2 Hauptelemente der Zukunftsfähigkeit von Tourismusdestinationen


Quelle: Herntrei 2014, S. 263; in Anlehnung an Dwyer und Kim 2003, S. 378
118 Markus Herntrei

In Abgrenzung zu dem populären Modell von Ritchie und Crouch (2003) wird hier
nicht die ökonomische Zielgröße Wettbewerbsfähigkeit, sondern die Lebensqualität,
welche die Wettbewerbsfähigkeit impliziert, als oberstes Entwicklungsziel definiert.
Die Verbesserung der Lebensqualität stellt auch für die bürgerschaftlichen Akteure
ein erstrebenswertes Motiv dar, um einen sozialen Austauschprozess zu begehen
(vgl. Ap 1992, S. 671).
Der Anstoß der Bürgerbeteiligungs- bzw. Austauschprozesse hat aufgrund des
Ungleichgewichts zwischen den Akteuren von der Politik und Verwaltung auszu-
gehen (vgl. Herntrei 2014, S. 196; Ap 1992, S. 672) – insb. in den Fällen, in denen die
aktuelle Entwicklung des Tourismus auf eine breite Ablehnung stößt (vgl. Ap 1992,
S. 671). In der Praxis hat sich die projektspezifische und damit zeitlich befristete
Gründung von bürgerlichen Arbeitsgruppen bewährt, die jedoch einer Begleitung
durch die öffentliche Hand bedürfen. Auch externe Berater und Moderatoren
haben sich bewährt (vgl. Herntrei 2014, 192 ff.). Politik und Verwaltung haben
mit einem rechtlich verbindlichen Rahmen dafür Sorge zu tragen, dass sich die
Akteure möglichst auf Augenhöhe begegnen können und den Bürgern im Rahmen
eines sog. „empowerments“ umfassende und verbindliche Mitgestaltungsspiel-
räume zugesichert werden (vgl. Arnstein 1969). Emerson (vgl. 1962, S. 34) merkt
jedoch an, dass eine herbeigeführte Balance in einer Austauschbeziehung nicht die
Machtverteilung zwischen den Akteuren negiert. Ein wesentlicher Machtfaktor und
enabler ist die Ressource Wissen (vgl. Okazaki 2008, S. 512). Ein gleichwertiger und
dauerhaft erfolgreicher Austausch im Rahmen von Bürgerbeteiligungsprozessen
setzt den Willen transparenter Information voraus und erfordert die Schaffung von
geeigneten Plattformen zum Informations- und Wissenstransfer im Sinne eines
empowerments. Hierfür haben sich neben Arbeitsgruppen u. a. genossenschaftliche
Organisationsformen bewährt (vgl. Herntrei 2014, S. 211). Zu dem zu vermittelnden
Wissen gehören neben Planungsinstrumenten u. a. auch transparente Informatio-
nen zu den Vor- und Nachteilen der touristischen Entwicklung in der Destination.
Von gleichwertigen Austauschbeziehungen in der partizipativen Destinationspla-
nung und -entwicklung können alle Beteiligten Akteure profitieren (vgl. Ap 1992;
Herntrei 2014). Die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der Destination kann nicht
nur durch die Wirkungen einer Verbesserten Tourismusakzeptanz erhöht werden,
sondern ferner durch die Schaffung eines wissens- und innovationsfreundlichen
Umfeldes, einer lernenden Destination (vgl. Schianetz et al. 2007). Große Heraus-
forderungen und Hemmnisse, welche gegen die Entwicklung einer partizipativen
Tourismusdestination sprechen, bleiben bestehen und sind systematisch und z. B.
mithilfe von externen Beratern anzugehen.
Angesichts der dramatisch sinkenden Tourismusakzeptanz und dem zuneh-
menden Druck durch internationale Reiseströme ist dringender Handlungsbedarf
Tourist go home! 119

geboten. Ausgehend von Ap (1992) und dem Modell der sozialen Austauschtheorie
lässt sich die Einstellung der Einwohner gegenüber dem Tourismus theoretisch
fundiert erfassen und analysieren. Der Schlüssel zur Verbesserung der Touris-
musakzeptanz sowie auch der Vermeidung von Overtourism liegt demnach in
nutzenstiftenden und ausgewogenen Austauschprozessen zwischen den Akteuren
aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Bürgerschaft. Aggressive Formen des
Protests versteht Klages (2011, S. 121) als aufgestautes latentes Beteiligungspoten-
zial. Durch eine Institutionalisierung der Bürgerbeteiligung kann es demnach
gelingen, eine breite Akzeptanzbasis zu schaffen, welche geeignet ist, die Proteste
durch radikale Randgruppen einzudämmen, auch wenn diese sich nicht direkt in
die Beteiligungsprozesse einbinden lassen.
Die aktuelle Tourismusforschung ist gefragt, sich bei Forschungsthemen wie
Governance, Leadership, Management und Planung von Tourismusdestinationen
stärker mit den Bürgern und ihren Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Das Beispiel
der Governanceforschung zeigt auf, dass in den originären raumwissenschaftlichen
Disziplinen der Bürger einen zentralen Stellenwert einnimmt, in der Tourismuswis-
senschaft hingegen in den meisten Arbeiten wenig Beachtung findet (vgl. Ruhanen
et al. 2010; Fürst 2007, S. 355). Das Beispiel unterstreicht die Notwendigkeit und
Zukunftsorientiertheit interdisziplinären Arbeitens (vgl. Pechlaner und Reuter
2012), welche die Tourismusforschung der EURAC seit nunmehr 20 Jahren prägt.

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Gastfreundschaft und ihre Grenzen
Ein Fallbeispiel
Anja Marcher

1 Einleitung

Das Reisen ist mittlerweile zu einer allgegenwärtigen Praxis geworden. Milli-


onen an Menschen genießen jene Freiheit der Mobilität und reisen jährlich zu
unterschiedlichsten Destinationen auf der Suche nach Erholung, Genuss, Bildung
oder neuen Erfahrungen. Mittlerweile bildet der Tourismus den am schnellsten
wachsenden und diversifiziertesten Wirtschaftssektor weltweit. Nach der World
Tourism Organization (UNWTO, 2017) umfassten im Jahr 2016 die gesamten
internationalen Ankünfte etwa 1.235 Millionen und 1.220 Milliarden US-Dollar
an Einnahmen. Nach Prognosen der Welttourismusorganisation (UNWTO, 2011)
wird zwischen 2010 bis 2030 mit einem kontinuierlichen Wachstum des Sektors
gerechnet, wobei für das Jahr 2030 bis zu 1,8 Milliarden internationale Ankünfte
weltweit prognostiziert werden. Technologische Verbesserungen, gestiegene Le-
bensstandards und Globalisierungsprozesse führ(t)en zu einem stetigen Anstieg
an internationalen Reisen(den).
Die Zunahme im Tourismus kann zu einer Vielfalt an wirtschaftlichen, öko-
logischen wie sozio-kulturellen Veränderungen in den betroffenen Zielgebieten
führen. Der Tourismussektor nimmt dabei großen Einfluss auf Teilbereiche des
wirtschaftlichen Lebens, durch beispielweise die Generierung von Einnahmen,
Schaffung von Arbeitsplätzen, Wachstum des Privatsektors und/oder die Förderung
von Infrastrukturentwicklung (Croes, 2000; Jeetesh, Kashif & Suresh, 2015). Die
genannten Potenziale machen den Tourismus deshalb oft zu einem zentralen Ins-
trument der Regionalentwicklung für Entwicklungsländer oder strukturschwache

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 125
H. Pechlaner, Destination und Lebensraum, Entrepreneurial Management und
Standortentwicklung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-28110-6_10
126 Anja Marcher

Regionen (Lehmeier, 2015; Milne & Ateljevic 2001). Seit den 1980er Jahren werden
jedoch vermehrt Negativfolgen der Touristifizierung diskutiert. Beispielsweise können
diese eine Überabhängigkeit vom Tourismussektor, den Abfluss von Einnahmen ins
Ausland, saisonale Arbeitslosigkeit, Nachfrageschwankungen oder die Zunahme
von Lebenserhaltungskosten (Jeetesh, Kashif & Suresh, 2015; Lehmeier, 2015) sowie
ökologische Folgewirkungen bedeuten (siehe Krippendorf, 1982; Mason, 2012).
Aus kultureller Sicht wird dem Tourismus hingegen eine kulturverbindende
Funktion zugeschrieben sowie die Möglichkeit für Reisende und Bereiste ihr Wissen
zu erweitern und auszutauschen (González Santa-Cruz & López-Guzmán, 2017).
Von der Ansicht, dass Tourismus ein rein verbindendes Element darstellt und zu
gegenseitigem Verständnis beiträgt, rückte man jedoch in den letzten Jahrzehnten
vermehrt ab, da die Beziehung zwischen Tourist und Bereisten oft mehr Missver-
ständnisse zwischen den Kulturen verursachte (Lehmeier, 2015). Nichtsdestotrotz ist
das Bedürfnis vieler Touristen andere Kulturen zu erfahren ungebrochen. Dadurch
kann der Tourismus ebenso eine Bewahrungsfunktion erhalten, welche zur Wie-
derbelebung von traditionellem Handwerk oder der Ausbildung neuer Angebote
beitragen kann (Mason, 2012). Der Wunsch der Gäste nach „echter“ Kultur stellt
aber oftmals die Authentizität touristischer Erfahrungen in Frage.
Der folgende Beitrag möchte hierzu die Beziehungsqualität von Gast und Gastge-
ber – von der „temporären Zusatzbevölkerung“ (Steinecke, 2011) und den Akteuren
der Zieldestinationen – beleuchten. Ausgangspunkt der Diskussion bildet eine Aus-
einandersetzung mit dem Thema der Gastfreundschaft. Anhand des Fallbeispiels
Zell am See-Kaprun werden nachfolgend die theoretischen Ausführungen mit
einer Analyse von qualitativen Interviews touristischer Akteure betrachtet. Dabei
liegt der Untersuchung die Annahme zugrunde, dass der Anstieg an arabischen
Gästen Veränderungen in der Zieldestination mit sich brachte, welche sich in der
Region und in der Gast-Gastgeber-Beziehung widerspiegeln.

2 Die Bedeutung der Gastfreundschaft im Tourismus

Gastfreundschaft besitzt seit tausenden von Jahren einen zentralen Stellenwert im


historischen wie kulturellen Kontext. Kayed (2003) beschreibt sie historisch be-
trachtet als Schutzgewährung eines Gastes in der Fremde oder als vorübergehende
Aufnahme, Bewirtung und/oder Beherbergung von Fremden und von Angehörigen
der jeweiligen eigenen Gruppe, ohne im Gegenzug etwas dafür zu erwarten.
Der französische Philosoph Jacques Derrida (2002, S. 361) stellte fest: „Not only
is there a culture of hospitality, but there is no culture that is not also a culture
Gastfreundschaft und ihre Grenzen 127

of hospitality.“ Nach seinen Überlegungen können zwei Formen der Gastfreund-


schaft unterschieden werden: die bedingte und unbedingte Gastfreundschaft. Die
erste fällt in die Kategorie des Machbaren und basiert auf sozialen Normen und
wirtschaftlichen Kalkülen, während die unbedingte Gastfreundschaft absolut ist,
keinen gegenseitigen Austausch fordert, sondern die unbedingte Aufnahme des
Anderen, des Fremden, des Unbekannten bedeutet. Das Paradox der Gastfreund-
schaft liegt insofern darin, dass auch die unbedingte Gastfreundschaft selbst
durch (bedingte) Rechte und Pflichten definiert wird (Derrida, 2015; Pechlaner,
Nordhorn & Volgger, 2017). Der philosophische Zugang Derridas beeinflusste
eine breite Palette an Forschern und Disziplinen, deshalb sind die Definitionen
und Zugänge zur Gastfreundschaft folglich vielfältig (z. B. Friese, 2014; Lashley,
2008; Pechlaner, Nordhorn & Volgger, 2017). Nichtsdestotrotz, den Fokus auf die
Gast-Gastgeber-Beziehung haben alle Betrachtungen gemein.
Aktuelle Trends und Entwicklungen im Tourismus zeigen, dass Gastfreundschaft
ein zentrales Element der Reise darstellt und mit der Suche nach ehrlichen, sinnvollen
und echten Erlebnissen im Austausch mit Mensch und Natur einhergeht (Innerhofer
& Pechlaner, 2016). Interpersonale Beziehungen zwischen Gast und Gastgeber werden
dabei im Tourismus sehr stark durch den Anstieg an Qualitätsforderungen und
die Bedeutung der Gastfreundschaft beeinflusst. Tourismusdestinationen können
sich hierbei durch ein gutes Gleichgewicht zwischen professioneller Gastlichkeit
zur Sicherstellung der Dienstleistungsqualität und Gastfreundschaft im Sinne
der relationalen Qualität zwischen Gast und Gastgeber auszeichnen (Pechlaner &
Raich, 2007). Nach Pechlaner, Volgger und Nordhorn (2017, 142) inkludiert Gast-
freundschaft professionelle Gastlichkeit und bezeichnet damit „die Qualität der
Beziehungen auf der Grundlage von Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und einer
entsprechenden inneren Einstellung, die maßgeblich die Beziehung zwischen Gast
und Gastgeber beeinflussen kann.“

Qualität

Gastlichkeit Gastfreundschaft

Dienstleistungs- Vernetzungs- Begegnungs- Beziehungs-


Qualität Qualität Qualität Qualität

Standards Werte

Abb. 1 Gastlichkeit und Gastfreundschaft als Qualitätsstrategie


Quelle: Pechlaner, Volgger, & Nordhorn (2017, 150)
128 Anja Marcher

Das Zusammenspiel von Gastlichkeit und Gastfreundschaft kann hierbei eine


umfassende Qualitätsstrategie im Service-Management des Tourismus darstellen
(Abbildung 1). Ein hochwertiges, effizientes Tourismusangebot braucht demnach
Gastlichkeit. Gastfreundschaft hingegen findet im authentischen, menschlichen
Tourismus Anwendung – es geht um zwischenmenschliche Beziehungen. Die
Verschmelzung von Gastfreundschaft mit Professionalität kann folglich zum Ver-
ständnis von impliziten wie expliziten Kundenbedürfnissen beitragen (Pechlaner,
Volgger & Nordhorn, 2017, 156): „Gastlichkeit legt durch Professionalität und Ver-
netzungsqualität den Grundstein für das Ankommen des Gastes. Sie wird aber erst
durch die Ergänzung um eine entsprechende Begegnungs- und Beziehungsqualität
zwischen Gastgeber und Gast zu einer effektiven Kundenbindungsstrategie.“
Der nachfolgende empirische Teil möchte anhand der Tourismusregion Zell am
See-Kaprun aus Gastgeberperspektive diskutieren, inwieweit neue Gästegruppen
die Gastfreundschaft in der Region sowie die Destination selbst beeinflusst haben.

3 Das Fallbeispiel Zell am See-Kaprun

Die Region Zell am See-Kaprun in Salzburg gehört zu den wohl bedeutendsten


Tourismuszentren Österreichs und bekam durch seine Ausrichtung auf arabische
Gäste zunehmend internationale Aufmerksamkeit. Für klassische Wintersportorte
bietet die Erschließung neuer Märkte die Möglichkeit mit gezielten Werbestrategien
potenzielle Sommertouristen zu gewinnen und das Tief im Sommer zu überbrücken.
Laut der nationalen Tourismusorganisation Österreich Werbung (ÖW, 2017a; 2017b)
verzeichneten die Tourismusgemeinden Zell am See und Kaprun allein während
der Sommersaison 2016 mehr als 1,2 Millionen Nächtigungen aus dem arabischen
Raum und gehört mit Wien zu den Top-Destinationen.
Internationales Aufsehen erregte die Region nicht nur durch die steigenden
Zahlen, viel diskutiert wurde auch die von der Destination veröffentlichte Broschüre
„Where Cultures meet“ mit Reisetipps und Informationen über die Gepflogenheiten
der einheimischen Bevölkerung (Nagl, 2015), welche nach kurzer Zeit aufgrund
heftiger Kritik und Missverständnissen einiger Passagen wieder verschwand: „Man
hat versucht sie darauf aufmerksam zu machen, wie läuft’s in Österreich, was ist
die österreichische Kultur, ist aber dann wieder zurückgefahren worden, weil die
Frage ist: Wie macht man es, nicht?“1 Fragen der Akkulturation dominierten die
Diskussion und eröffneten Fragen über Grenzen der Gastfreundschaft.

1 Interviewpartner P1, Hotellerie.


Gastfreundschaft und ihre Grenzen 129

3.1 Methodischer Zugang

Im Rahmen einer explorativen Eurac-Research-Studie 2016 wurden in Zell am See-


Kaprun sechs qualitative Interviews mit touristischen Akteuren aus Hotellerie und
Gastronomie der Destination durchgeführt (Innerhofer, Kofler & Marcher, 2017).
Die Befragung war leitfadengestützt und hatte die Ausrichtung der Region Zell am
See-Kaprun auf arabische Gäste in der Sommersaison zum Thema. Die Interviews
wurden jeweils aufgezeichnet, transkribiert und mit der Analysetechnik GABEK®
ausgewertet (Ganzheitliche Bewältigung von Komplexität) (Buber & Zelger, 2000).
Für die folgende Analyse wurden die Auswirkungen gestiegener Gästezahlen aus
dem arabischen Raum beleuchtet und skizziert. Die Reduktion der Komplexität
des gesammelten qualitativen Datenmaterials erfolgte durch die Gliederung von
Sinneinheiten der Interviews und durch eine Grundkodierung in Form von Schlüs-
selwörtern. Zusammenhängende Sinneinheiten werden nachfolgend mittels Netz-
werkgraphiken dargestellt. Darüber hinaus wurden positive und negative Aussagen
der Interviewpartner gekennzeichnet, welche eine detailliertere Evaluierung der
Situation mittels Visualisierung ermöglichte. Auszüge aus den Interviews sollen
weiter das Spannungsfeld zwischen Gast, Gastgeber und der lokalen Bevölkerung,
sowie Veränderungsprozesse exemplarisch aufzeigen.

3.2 Ergebnisse

Die Verbindung zwischen Tourismus, lokaler Bevölkerung und arabischen Gästen


am Fallbeispiel Zell am See-Kaprun lässt insgesamt drei zentrale Aspekte erkennen:
1. die Schaffung von wirtschaftlichem Mehrwert, 2. eine lokale Angebotserweiterung
und 3. Problematiken kultureller Unterschiede (Abbildung 2). Der gestiegene öko-
nomische Nutzen in den Sommermonaten durch die touristische Ausrichtung und
Spezialisierung auf den arabischen Gast ist ein zentrales Element für alle Beteiligten
der Destination: „Ohne blöd und böse zu klingen lassen sie natürlich mehr Geld da.
Aber das hat einfach damit zu tun, dass die Leute, auch von den Arabern die wir da
haben, […] für uns reich [sind, A. d. V.].“2 Der Destination Zell am See-Kaprun gelang
es folglich niedrigere Nächtigungszahlen im Sommer nach oben zu korrigieren.
Die Zunahme an arabischen Gästen im Sommer führte zudem zu einer Er-
weiterung des lokalen Angebots, welches zum Teil das ganze Jahr über bestehen
bleibt. Das Stadtbild ist geprägt durch neue Infrastrukturen und gastronomische
Betriebe. Einige Angebote, wie ein Supermarkt, Shisha-Bars, diverse Restaurants

2 Interviewpartner P4, Gastronomie.


130 Anja Marcher

sowie Mietautofirmen, haben sich räumlich manifestiert, andere hingegen treten


temporär zum Vorschein, wie beispielsweise das auf die Sommerzeit beschränkte
Angebot von arabischen Gerichten einiger Gastronomiebetriebe: „In dem Sinne
haben sie die Region verändert, dass sich einfach die Geschäfte an das angepasst
haben. Es gibt einfach arabische Lebensmittelmärkte, arabische Gastronomie […]
Es kommt da [jetzt, A. d. V.] eher nix mehr Neues dazu.“3 Oder „[Die Region hat
sich, A. d. V.] definitiv verändert, das würde ich schon sagen. Es gibt ein größeres
Angebot für Gäste, speziell auf die arabischen Gäste gerichtet. Jetzt sind die Spei-
sekarten auf Arabisch, ich glaube wir haben nie ein Auto-Rent gehabt […] Das
Angebot ist größer geworden.“4 Das Grundangebot der Region bleibt trotz arabischer
Gäste dennoch bestehen: „Die Positionierung mit Gletschersee, Berge, ganz stark
auch Sportausrichtung ist geblieben, weil einfach [ge]sagt, der Hauptgast bleibt ja
trotzdem der Deutsche, Österreicher, Mitteleuropäer.“5

Angebote
Sommer

Profit
Europäischer
Gast

Arabischer Arabisches
Gast Menü

Tourismus

Frauen
verschleiert

Einheimische

Bildung
Scheue

Sprache Probleme Mentalität

Abb. 2 Spannungsfeld Arabischer Gast – Tourismus – Einheimische, Netzwerkgrafik


GABEK®
Quelle: eigene Darstellung

3 Interviewpartner P3, Dienstleistung.


4 Interviewpartner P5, Hotellerie.
5 Interviewpartner P1, Hotellerie.
Gastfreundschaft und ihre Grenzen 131

In der Beziehung zwischen Gast und Gastgeber sowie den arabischen Gästen und
der lokalen Bevölkerung zeigen sich vor allem Probleme kultureller Art, welche
die Interaktion erschweren: „Es ist eigentlich die Scheue, vom Verkleideten und
der fremden Kultur […], weil sie [die arabischen Gäste, A. d. V.] weder laut noch
dominant sind. Sie verhalten sich eher ruhig. […] Es ist einfach die Scheue vor der
anderen Kultur.“6 Das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit scheint durch die
Ausrichtung auf den arabischen Gast durch seine andere Sprache und sein Auftreten
leicht ins Wanken zu geraten; es findet eine klare Abgrenzung zum Anderen, zur
anderen Kultur statt: „Erstens man kennt die Sprache nicht […] und auch von der
Mentalität tut man sich schwer. Natürlich für uns sind das auch […] Menschen,
aber die kommen von einer anderen Welt. Die haben ganz andere Einstellungen
und Vorstellungen und mit dem hat jeder ein Problem.“7
Bei genauerer Betrachtung der positiven wie negativen Assoziationen im The-
menfeld „arabischer Gast“ zeigt sich, dass etwa 47 % der Schlüsselwörter positiv
und 52,3 % negativ bewertet wurden. Ausschließlich positive Bewertungen gab
es bezüglich der Steigerung der Einnahmen (+10), der Schlechtwettervorliebe der
Gäste (+6) und bezüglich der Erschließung neuer Märkte (+6). Hingegen wurden
von den Befragten der arabische Fahrstil (-7), das Verhalten (-5) und die Mentalität
(-4) ausschließlich negativ konnotiert. Die in den Interviews erwähnte Abnahme
an europäischen Gästen (-4) in den Sommermonaten aufgrund der Zunahme an
arabischen Gästen wurde negativ bewertet. Die größte Ambivalenz in der Bewer-
tung betrifft jedoch die Gästegruppe selbst, wobei negative Bewertungen leicht
dominieren (+21, -24).
Abbildung 3 veranschaulicht das Netzwerk der zentralen Schlüsselwörter „ara-
bischer Gast“, „Tourismus“ und „Einheimische“ mit mindestens drei Verbindungen
zwischen den Sinneinheiten der qualitativen Interviews und lässt positive wie
negative Aspekte der Gastfreundschaft erkennen. Es spiegeln sich die Beziehun-
gen zwischen Gast – Gastgeber – lokaler Bevölkerung durch die am häufigsten
genannten Schlüsselwörter wieder. Die Verbindungen stellen die inhaltlichen
Zusammenhänge der Aussagen dar.

6 Interviewpartner P1, Hotellerie.


7 Interviewpartner P2, Gastronomie.
132 Anja Marcher

Ø der Bewertungen Anzahl der Aussagen


Verhalten vorwiegend positiv + positiv
vorwiegend negativ ‒ negativ
+0 ‒5 ±1 +3 ‒6 ±3 ausgewogen ± ohne

Einheimische

Scheue
Arabischer
Gast
+0 ‒3 ±0
Probleme
+21 ‒24 ±17

+2 ‒3 ±1
Tourismus

+4 ‒0 ±3

Abb. 3 Die Perspektive der lokalen Bevölkerung, Bewertungsgrafik GABEK®


Quelle: eigene Darstellung

Die Grafik zeigt das Verhältnis der Einheimischen zu den arabischen Gästen. Das
Verhalten der arabischen Gäste wird vor allem als negativ betrachtet; konkrete Pro-
bleme gibt es nur teilweise (ausgewogene Bewertung). Als vorwiegend positiv wird
jedoch die touristische Entwicklung gesehen, da sich dadurch ein Mehrwert für die
Region ergibt. Das Spannungsfeld zwischen Tourismus, der ansässigen Bevölkerung
und der Gästegruppe zeigt, dass auch vor allem die Tourismustreibenden selbst im
Hinblick auf die arabischen Gäste und das mehr an Einkünften in der Region positiv
gestimmt sind, die Haltung der Einheimischen wird hingegen vorwiegend negativ
eingeschätzt. Die Verbindung zwischen Tourismus und der lokalen Bevölkerung
veranschaulicht aber auch das Zusammenspiel dieser Akteure und zeigt, dass auch
Gastfreundschaft in professionellen und erfahrenen Tourismusdestinationen bei der
Bevölkerung an ihre Grenzen stoßen kann (Innerhofer, Kofler & Marcher, 2017).
Die Akzeptanz seitens der Bevölkerung scheint folglich nur teilweise gegeben. Die
Akzeptanz des Tourismus stellt jedoch eine der wichtigsten Voraussetzung dar, dass
der Tourismus in seiner Gesamtheit überhaupt funktionieren kann (Rösch, 2017).
Damit einher geht auch die Frage nach der gefühlten Erreichbarkeit von ge-
sellschaftlichen Tragfähigkeiten des Tourismus in der Zieldestination.8 Die hohen

8 „Es sind aber auch die von Gesellschaften nicht zuletzt in Tourismusregionen gefühlten
‚Carring Capacities‘, der gesellschaftlichen Tragfähigkeit des Tourismus, der den kultu-
rellen Handlungsspielraum von Gesellschaften begrenzen kann und daher mitunter zu
Widerständen dem touristischen Phänomen gegenüber führt. Die Grenzen der Touris-
Gastfreundschaft und ihre Grenzen 133

Besucherzahlen sind aus Tourismusperspektive vor allem für die Einwohner


schwierig: „Aber es ist die Masse die das macht. Es sind alle sehr freundlich, sehr
nett. Aber ja, […] es ist einfach schwierig.“9 Auch die Haltung und Akzeptanz von
anderen Gästegruppen gegenüber dem Gast aus arabischen Ländern spielt in Zell
am See-Kaprun eine wesentliche Rolle: „Ich habe festgestellt, dass es kein Thema
ist, wenn der arabische Gast so einen kleinen Teil des Gästeportfolios ausmacht.“10
In diesem Zusammenhang kann die Kommerzialisierung der Destination zur
zentralen Herausforderung werden, wodurch nach Pechlaner & Volgger (2017, 5)
„zum einen ein professioneller Umgang mit dem Fremden als Gast (Gastlichkeit)“
gefördert werden, aber gleichsam ein „Rückgang an Herzlichkeit (Gastfreund-
schaft)“ einhergehen kann.

4 Schlussfolgerungen

In der Begegnung mit fremden Menschen und deren kulturellen Ausdrucksformen


und Eigenheiten laufen sowohl beim Reisenden als Gast, als auch beim Bereisten
als Gastgeber auf kognitiver und auf emotionaler Ebene Prozesse mit psychologi-
scher Relevanz ab (Perathoner, 2000). Tourismus bildet eine zentrale Quelle für
interkulturellen Austausch, wo unterschiedliche Anschauungen und Auffassungen
aufeinanderstoßen, sich beeinflussen oder verändern können. Die Implikationen
sind jedoch von Land zu Land verschieden sowie auch der Umgang mit dem Gast
und die Wahrnehmung aus Gastgebersicht vielfältiger Natur sein können (Doǧan,
1989). Betrachtet man rein sozio-kulturelle Folgen in Bezug auf die Zieldestination
bildet oftmals die „strukturelle Asymmetrie zwischen Quell- und Zielregion[en]“
eine Wurzel negativer Auswirkungen, beispielsweise aufgrund von ungleichen Be-
ziehungen zwischen Reisenden und Bereisten (Lehmeier, 2015, 20). Die Interaktion
selbst, d. h. die Beziehung zwischen Gast und Gastgeber – zwischen Herkunfts- und
Aufnahmegesellschaft in der Zieldestination – bestimmt nach Mason (2012) die Art
und Weise sozio-kultureller Auswirkungen. Aus den Ergebnissen wird ersichtlich,
dass aus Gastgeberperspektive die Vermögensasymmetrie zwischen Österreich und

musentwicklung finden sich in den Einschätzungen gestörter Balancen im Verhältnis


von Raum und Mensch sowie im Verhältnis zwischen Mensch und Mensch oder eben
Gast und Gastgeber.“ (Pechlaner, Nordhorn, & Volgger, 2017, S. 216f.).
9 Interviewpartner P4, Gastronomie.
10 Interviewpartner P1, Hotellerie.
134 Anja Marcher

den Gästeherkunftsländern11 einen positiven Aspekt darstellen kann. Unterschiede


zwischen der Kultur der Quellregion und der Zielregion werden als schwierig er-
achtet, der befristete Aufenthalt der Gäste und der finanzielle Aspekt lässt dennoch
darüber hinwegsehen. Das Beispiel Zell am See-Kaprun zeigt, dass die Bewertung
und der Umgang mit dem Gast vielfach davon abhängig, inwiefern die Region als
Ganze und die betroffenen Einwohner von der touristischen Entwicklung profi-
tieren oder profitiert haben (Innerhofer, Kofer & Marcher, 2017), wodurch auch
die Rolle der Wechselwirkung zwischen ansässiger Bevölkerung und Tourismus
unterstrichen wird. Hospitality Management steht folglich in einem Spannungsfeld
von Qualität und Kultur (Abbildung 4).

Kultur der
Quellregion

Dienstleistungs-
Qualität

Beherbergung

Verpflegung Kultur
Beziehungs-
der
Qualität
Zielregion

Freizeit/
Aktivitäten

Abb. 4 Hospitality Management im Spannungsfeld von Qualität und Kultur


Quelle: Pechlaner, Volgger & Nordhorn (2017, S. 153)

Die Destination Zell am See-Kaprun zeigt auch Grenzen der Gastfreundschaft auf.
Die Relation zwischen Gast und Gastgeber kann einerseits durch kulturelle Unter-
schiede und Verhaltensweisen oder durch andere Wertvorstellungen beeinflusst
werden. Andererseits können hohe Besucherzahlen zu einer gefühlten Tragfähig-

11 Länder wie Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate und Kuwait zählen hierbei
zum aufkommensstärksten Quellmarkt für Österreich (Österreich Werbung, 2017b).
Gastfreundschaft und ihre Grenzen 135

keitsgrenze führen, welche „den kulturellen Handlungsspielraum von Gesellschaften


begrenzen […] und damit mitunter zu Widerständen dem touristischen Phänomen
gegenüber“ führen können (Pechlaner, Nordhorn &Volgger, 2017, S. 216).
Gastfreundschaft hat in den Tourismusdestinationen des Alpenraumes eine
lange Tradition (Ellrich, 2012), so auch in der Tourismusregion Zell am See-Kaprun:
„Wir sind eine Region die sehr viel Tourismus hat und sehr stark vom Tourismus
lebt.“12 Damit das Zusammentreffen bereichernd werden kann, sollte sie „echt ge-
meint und authentisch angelegt sein. Diese Begegnung kann nicht berechnet und
entgeltlich erworben werden.“ (Innerhofer, Kofler & Marcher, 2017). Im Gegensatz
zur Dienstleistungsqualität (Gastlichkeit) kann jene Begegnung zwischen Fremden
die Basis für echte Gastfreundschaft bilden – im Tourismus und darüber hinaus.

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The end of tourism through localhood
and overtourism?
An exploration of current destination governance
challenges1
Michael Volgger

1 Introduction

Copenhagen’s Destination Management Organisation (DMO) has recently declared


the “end of tourism as we know it” (Wonderful Copenhagen, 2016). The DMO has
not been using this slogan mostly for communication purposes but considered it
more substantially as a presupposition on which to base a whole destination strat-
egy. While being fully conscious that it is first and foremost a strategic claim that
may deliberately exaggerate phenomena and not a scientific assertion, it remains
nevertheless a strong claim that at least generates a specific discourse—“a certain
way of speaking” about realities (Foucault, 1972[1969], p. 193). In this paper, I
would like to take the opportunity to engage in reflections about selected current
assertions coming from within the tourism system that end up questioning the
persistence of the tourism phenomenon. For instance, from a scientific point of view,
we might wonder whether Copenhagen has just succeeded in producing creative
and attention-generating strategic communication or whether the strong claim it
voices reflects the growing predominance of experiences for which “tourism” has
in fact increasingly become an inadequate descriptive category.
Copenhagen’s DMO suggests that the major contemporary game changer for
tourism is what they denominate “localhood for everyone”, meaning that the
differences between residents and tourists are vanishing to such an extent that it

1 This text has appeared in the same version in Pechlaner, H., Innerhofer, E., & Erschbamer,
G.(2019) (Eds). Overtourism: Tourism management and solutions. Routledge.

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 137
H. Pechlaner, Destination und Lebensraum, Entrepreneurial Management und
Standortentwicklung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-28110-6_11
138 Michael Volgger

would be inconsiderate to continue operating with the inherited tourism concept


(Wonderful Copenhagen, 2016). The discursive dangers for tourism do not end
here. Beyond the “localhood discourse”, we may identify at least two other current
discourses that might potentially threaten tourism “as we know it”: the discourses
of “overtourism” and “place marketing”. Both are at least loosely related to the “lo-
calhood discourse”. Put simply, while the “localhood” discourse declares tourism
for obsolete because everyone is becoming a local everywhere, the “overtourism”
discourse, captures a sort of counter-movement where the more long-term locals
have enough of ever-increasing numbers of short-term locals appearing in their
hoods. “Place marketing” is similarly questioning established differentiations and
assumed distinctiveness. In contrast to negating the differences between tourists
and locals as implied by the “localhood” discourse, the “place marketing” discourse
tends to deny the specificities of tourism mobility compared to other forms of
movements. As already done with the “localhood” discourse, we shall also briefly
introduce these additional discourses.
The “overtourism” discourse: The European summer of 2017 was characterised by
a rarely seen degree of residents’ protests against tourists and tourism, concentrated
in certain hotspots such as Barcelona, Palma de Mallorca, Dubrovnik, Venice and
Cinque Terre. These protests have been widely covered by media, and UK media in
particular, under the “overtourism” headline. The protests also raised concerns of
“tourism-phobia” at the UNWTO level where Secretary General Taleb Rifai called
for a better job in implementing responsible and respectful tourism development
to avoid undermining the overall success story of tourism in future (UNWTO,
2017). Somewhat less prominently covered, but pointing in a similar direction are
recurring difficulties to reaching residents’ support for the organisation of Olympic
Games in different places (see recent examples in Munich or Innsbruck) or even
forms of open anti-Olympics activism (Boykoff, 2011).
The “place marketing” discourse: At its basis sits a notion of generalised mobility,
propagated within the social sciences since the “mobility turn” (as e. g. in Sheller
& Urry, 2006). The idea of generalised mobility covers two phenomena: first, the
alleged hybridisation of human travel across tourism, mobility of migrants and
business-related multi-locality; second, the parallel increase of mobility of non-hu-
mans including cross-border movements of enterprises, goods, capital and, not
least, ideas. These “new mobilities” have been leading many destination manage-
ment and marketing organisations to reinterpret their duties under a discourse of
“place marketing” in order to cater to the full set of such mobile phenomena (and
harvest their economic potentials). The DMOs transformed into place marketing
organisations appear increasingly less willing to embrace tourism as their mission
in its own right but prefer to understand it as just one mobile phenomenon amongst
The end of tourism through localhood and overtourism? 139

others, which is barely worth being considered a specific marketing subject. It is


held that due to the similarities in the mobility-related choice situations (altogether
choices of a temporary place of stay) joint, place-related marketing efforts could
not only generate substantial synergies but could even serve tourism better than a
segregated approach (Pechlaner, Herntrei, Pichler, & Volgger, 2012).
All three aforementioned discourses pose some specific threats to tourism
as we know it. However, I will limit further discussions to the “localhood” and
“overtourism” discourses, as the “place marketing” discourse is conceptually less
distinct from the “localhood” discourse: The ubiquity of locals is often (and per-
haps necessarily) associated with a generalised mobility. They are two sides of the
same coin. This chapter will thus focus on presenting some unsystematic lines of
thoughts regarding the “localhood” and “overtourism” discourses. It tries to unveil
the conflicting relationship of these discourses with the tourism concept and, going
beyond mere conceptual discussions, it will also investigate whether the phenomena
they try to describe can pose risks to the reality of tourism as we know it. Finally,
the paper will discuss some governance mechanisms that can hopefully strengthen
the resilience of tourism reality against these potential threats.

2 Tourism as we know it

At the outset, it is necessary to clarify what we understand under “tourism as we


know it”. On the demand side, the tourism definition applied by the United Na-
tions World Tourism Organisation (UNWTO) speaks of tourism “as the activities
of persons travelling to and staying in places outside their usual environment for
not more than one consecutive year for leisure, business and other purposes not
related to the exercise of an activity remunerated from within the place visited”
(United Nations, 2010).
This definition stresses the distinctiveness of tourism as opposed to activities car-
ried out while staying at home (i. e. within “the usual environment”): for something
to be subsumed under the concept of tourism, the UNWTO requests a stay away
from the usual place of residence. The UNWTO definition is without doubt driven
by a logic of subsuming as many phenomena as possible under the “tourism” tag
to emphasise the worth of the tourism-field, and thereby clearly collides with the
levelling localhood discourse. One could even say, the UNWTO definition tries to
extend the coverage of the tourism phenomenon, at the expense of localhood. This
is specifically highlighted by the fact that the only time constraint the definition
entails refers to a stay away from home for not more than “one consecutive year”.
140 Michael Volgger

Therefore, the threshold for tourists to leaving the tourism realm and becoming
locals are set at a level of one year of continuous stay in the same place, which seems
quite substantial in a ubiquitous world of mobility.
If considered from a behavioural and thus less technical perspective, the UNWTO
definition contemporaneously leaves some room for the inclusion of the localhood
discourse. In contrast to other conceptual approaches to tourism, it remains rela-
tively unspecific about the purpose of travel and does for example not emphasise
the leisure component (see Spode, 2017). Therefore, under this classification,
imitating activities that in common-sense understandings are rather attributed to
local residents would not de-classify someone from being a tourist.
With a stronger consideration of the supply side than in the UNWTO defini-
tion, tourism has also been understood as a system of relationships (Leiper, 1979),
comprising amongst others both the traveller generating regions and destinations
regions. The contrast between the usual environment of a person and the temporary
visited one is similarly critical to these conceptualisations of tourism. Even more
pointedly, in a classical and influential definition, Hunziker and Krapf (1942) asso-
ciate tourism with the travel and stay of “non-residents” (“Ortsfremde”) and Spode
(2017) considers tourism-related travel to be necessarily “bidirectional”, linking
the usual environment of every day’s life with an exceptional stay, and exceptional
experience, outside of it.
In sum, and regardless of the particular approach to tourism definitions taken,
the above discussion highlights that on the discourse-level a generalised “localhood”
as an umbrella concept for tourism would indeed terminologically threaten the
very idea of tourism. It ends up undermining tourism’s basic underpinnings such
as bidirectionality of travel or exceptionality. I am somewhat following Spode’s
(2017) argument in maintaining that the mere idea of “tourism” would indeed
become obsolete if it cannot be separated from a diluted multi-local localhood
or a continuous human mobility (Hall & Williams, 2002). Whatever part of the
continuum—universal localhood or continuous mobility—we choose is irrelevant,
as they both vanish towards a hybrid intermediate state of affairs, where there is
no space left for the bilateral worldview inherent to tourism.

3 Localhood: Authenticity at new levels

In pure terminological terms, the “localhood” discourse questions the validity


of the tourism concept. However, we shall double check this strictly discursive
conflict situation with real-world facts to see whether tourism as we know it is
The end of tourism through localhood and overtourism? 141

being replaced by omnipresent locals in reality. Therefore, let us come back to


Wonderful Copenhagen (2016), who categorises its new target group in the era of
localhood as follows:

“We welcome the arrival of today’s traveller: the temporary local seeking not the
perfect still picture to take home, but the emotional connection to an instantly shared
experience based on interests, relations and authenticity.”

It is appropriate to consider “localhood” as an experiential target of tourists, who


allegedly are increasingly interested in experiencing places as they are and with
the eyes of locals instead of consuming artificially designed tourism experiences.
This phenomenon has long been known as a “search for authenticity” (MacCannell,
1976), and has been recoined by Wonderful Copenhagen as “localhood”. What could
justify such a sharpened re-conceptualisation of authenticity, what has changed?
Most importantly, in the recent past the search for authenticity has been given im-
proved instruments through the advent of new communication technologies and,
coupled with this, the offers of the collaborative or sharing economy. In particular,
peer-to-peer evaluation systems (such as Tripadvisor) and peer-to-peer accommo-
dation provisioning (through online platforms such as Airbnb) have increased the
possibility for tourists to trace and access hidden gems, that is places that so far
might have been restricted to those living permanently nearby. No doubt, experi-
encing a place like a local can offer fascinating moments and particular memories
to tourists. Especially the opportunity to live in the walls of locals can provide an
intimate access to otherwise and previously protected private spheres of locals.
There might nevertheless be a concrete risk of over-estimating the phenomenon
in depth and breadth by calling it “localhood”. We might need to question, (a)
how widespread the willingness to have local-like experiences is, and (b) to what
extent it is driven by a desire to become a local in full effect to justify the use of the
“localhood” concept? We will not be able to fully answer these questions here, but
can provide some initial reflections.
Regarding question (a), back in 1997, Hennig asserted that in contrast to the
intellectual and medial authenticity hype, if looking at the hard facts and crude
numbers, the most visited tourism destinations and attraction points were artificial
amusement parks, theme parks and vacation resorts such as shopping malls, hotel
resorts or Disney’s parks. There is reason to doubt whether this situation has changed
fundamentally to this day. In 2016, the capital of synthetic leisure and tourism
wonder worlds, Las Vegas, has reached a new annual record of 43 million visitors.
When Hennig was writing in 1997, Las Vegas recorded about 30 million visitors.
This is an increase of more than 43 % in twenty years, which is clearly impressive.
142 Michael Volgger

However, in comparison, in the same period international tourist arrivals to the


United States have increased even more strongly by more than 60 %.
In 2016, while US-wide amusement parks were still growing at approximately
1 % in visitor numbers, reports estimated a slight decrease in visitation at the most
prominent Disney parks in Orlando (Bevil, 2017). It needs to be seen whether this
slight decrease is a signal that a peak in attractiveness of amusement parks is starting
to be reached. Given the fact that external circumstances do not provide obvious
explanations for the registered decrease, its reading as an early signal cannot be
too easily discarded. In sum, the cursory evidence provided here may suggest that
artificial tourism attractions maintain their attractiveness until today, but it might
also suggest that they have passed their peak in relative attractiveness and that they
might have started losing in market share compared to other types of attractions.
Put simply: “Realness” might indeed be slowly gaining over “artificiality” as target
of the tourism desire, but we can reasonably maintain some doubts whether a slight
shift justifies a change in terminology.
Regarding question (b), again Hennig (1997, p. 181) reminds us that striving for
authenticity is only at first glance and only if superficially considered in contradic-
tion to the success of theme parks: “Ever since, tourism knew both elements: the
detached game as well as the committed quest for meaning.” Both types of tourism
behaviour represent possibilities to escape the ordinary of the everyday life and
reach an exceptional experience. We should not forget either that it is well known
that tourism driven by an authenticity motive in many cases does not even target
or value the pure authentic life of locals with all its downsides but rather carefully
arranged, optimised, or “staged” authenticity (MacCannell, 1976). A similarly hum-
ble counterpart within the “localhood” sphere could be called “staged” localhood.
Most of the studies on the use of sharing economy platforms in tourism accom-
modation, including one that I have been involved in (Pforr, Volgger, & Coulson,
2017), did not find a profoundly different behaviour of those who use these platforms
from “ordinary” tourists to justify a radical association of those users with locals.
For example, in Western Australia, the users of the Airbnb platform exhibit a higher
probability of visiting tourism attraction points than traditional tourists. Thus,
they seem to be curious visitors exhibiting a strong interest into the highlights of
the destination, but little evidence is found to bring them behaviourally close to
locals, unless the temporary place of stay is taken as the one and only indicator of
being a local. For example, as it is a crucial criterion to defining a local, the average
length of stay of Airbnb users is not substantially different from other tourists (it
is actually slightly lower in this particular destination).
In contrast, what is substantially different, is the geographical distribution of
tourists who use the Airbnb platform in Western Australia. They are relatively more
The end of tourism through localhood and overtourism? 143

concentrated along the attractive Sunset Coast and Swan River foreshores as well
as close to the cultural hotspots of the city of Fremantle. For various reasons, some
related to land use planning issues, not all of these attractive areas see a similarly
strong presence of traditional tourism accommodation. It is thus possible to interpret
the recent development driven by the peer-to-peer accommodation platforms as a
process where tourists have in practice been able to extend their degree of freedom
in choosing where to stay. And Tripadvisor, the information exchange platform
among tourists, has made them substantially less dependent of visitor information
centres, tour guides or predesigned routes.
While we may see a lot of continuity in experiential terms with previous searches
for authenticity, which hardly justifies a change in terminology from “tourism” to
“localhood”, we do also see a significant change in another field: namely, a decrease
in the perceived and/or factual local governance and control of the tourism phenom-
enon. Through the advent of new communication technologies and peer-to-peer
resource and information exchange, tourists have come to enjoy increased and less
controlled opportunities as well as novel instruments to find and reach the types
of places they would like to experience. Depending on the experiential structure of
the destination, this might end up in distributing tourists more widely; however, in
other cases, tourists might become even more concentrated in a few hotspots close
to natural and cultural attraction points.
Therefore, the localhood discourse, in reality, does not capture the end of tour-
ism as we know it but rather describes a partial win of tourists over the established
local tourism industry and even more so over the local public administration (and
thus at least indirectly over the collective of local residents). In times of Airbnb and
Tripadvisor, the discretionary planning power of established local tourism subsys-
tems has become less. In this sense, localhood appears more like the recognition
of empowered tourists by destination marketers, who cherish the development by
positioning tourists on the same level as residents.

4 From mass tourism to overtourism

As a consequence of the phenomenon denominated “localhood”, tourism destina-


tions do not necessarily end up with more tourists but with potentially differently
distributed and, in the worst case, more amassed tourists.
At the end of February 2017 on TRINET, the most relevant international email
distribution list of tourism researchers and educators, a controversial discussion
about “mass tourism” unfolded. Confronted with one of the most sceptical buzz
144 Michael Volgger

words around tourism, which in itself sometimes ends up epitomising all the crit-
icism directed towards tourism, even self-contained tourism researchers can get to
levels of heated debate. In the midst of this discussion, Noel Scott (28 February 2017)
makes a thoughtful comment that deserves being repeated here. He reminds us that
“[p]erhaps the academic discussion of mass tourism may be (simplistically) char-
acterised into
1) what tourism should be like (in the opinion of certain groups (or elites?));
2) discussions of meaning of words and the development of terminology that may
influence debate; and
3) empirical or observational studies (again directed by researchers with particular
opinions) of what tourism is in aggregate or on average?”

This comment recalls that we all have pre-established views and values when we
look at phenomena. These views can become the focus of research or they can direct
research, but in any case, we should not mistakenly let these views unreflectively
guide our research. Noel Scott concludes along the same lines, and I could not
agree more: “My opinion is that both [or all three] types of academic discussion
are useful. […] Problems develop when academics make predictions about what is
happening or what will happen based on types 1 or 2 research.”
As with mass tourism, the “overtourism” can be analysed from all three of the
above perspectives, but I will limit myself to the first lens (“what tourism should
be like, in the opinion of certain groups”), which is sometimes referred to as the
normative perspective. More so than “mass tourism”, “overtourism” includes an
explicit value judgement about the phenomenon it aims to describe or judge. It
leaves no room for a neutral doubt because it makes clear that it considers tourism
to be “over” the top, to be “too much”. “Overtourism” sounds like a call for help
of plagued residents, which can probably have its strongest justification in Venice
(not in Barcelona or Amsterdam), where the historic city centre of 54,000 residents
(in 2017, compared to 175,000 residents in 1951) deals with an estimated 23 to 25
million tourists and excursionists annually (CISET, 2017). This results in a tourism
intensity of about 460 tourists and excursionists per inhabitant within the historic
city centre. To understand the exceptionality of the Venetian situation, it is useful
to compare this number to other places with a significant pressure of tourists,
such as South Tyrol (with a tourism intensity around 14 tourists per inhabitant),
Amsterdam (22), Barcelona (21), Las Vegas (66), Mallorca (11), Mecca (10), Orlando
(22), and greater Paris (3).
What should then tourism be like in the eyes of those who invoke the discourse
of “overtourism”? The keyword that comes to mind quickest is “less”, but probably
it is misleading to consider it only to be an issue of mere quantities. Perhaps the
wish is more sophisticatedly described as pointing to (socially constructed) densi-
The end of tourism through localhood and overtourism? 145

ties and qualities. In a recent discussion, Harald Pechlaner has subtly recalled past
“uprisings of the visited” (“Aufstand der Bereisten”, Krippendorf, 1975) in the Alps
in general but in Tyrol specifically. Although these areas have many more tourists
now than by the time the uprising was on everyone’s lips, a new uprising is not
imminently on the agenda today. This example confirms that carrying capacities are
socially constructed and rarely absolute. Pechlaner’s interpretation of this apparent
contradiction emphasised the crucial role of qualities in the collective perception
and evaluation of tourism quantities.
What tourism qualities are preferred by the visited? I suppose it often comes
back to some sort of perceived and constructed density measures. We all tend to
join the complaints of overtourism when we are stuck in a road full of cars or can
barely walk forward in a narrow street because the masses occupying these places
go beyond their planned limits. Interestingly, both residents and tourists would
likely support action against these situations (next to the fact that many residents
are tourists in other moments, and vice-versa), at least in the moment when they are
caught in the midst of their negative consequences. Further, residents and tourists
would presumably agree that it is not necessary that all tourists go away, but some
should, in order to relief pressure and improve the experience of the remaining.
This leads to the key question of who decides what tourism should be like; who
decides what tourism qualities are preferred; who decides who should not be al-
lowed to visit in order to avoid tourists appearing in masses—it is the power ques-
tion alluded at by Noel Scott above, although somewhat hidden behind brackets.
However, even if “mass tourism” tends to evoke negative associations among most
of us and “overtourism” removes any doubt about the negative value judgement,
we should not make the mistake to disregard historical views and thus forget that
first tourism and then mass tourism are almost per definition expression of a
progressing democratisation of travel. While tourism was born in the 18th century
(Spode, 2009) and mass tourism as we know it in the 20th century (Löfgren, 1999;
Shaw & Williams, 2002; Vainikka, 2015), other forms of voluntary, bidirectional
travel have a much longer history (e. g. pilgrimage). However, let us recall that up to
the 20th century (for the Western world, much later for others and still ongoing for
some) tourism has mostly been a privileged activity for a few blessed. Against this
background, discourses around “overtourism” easily take on elitist connotations
and seem to implicitly result in backward-looking claims to limit travel but for a
few fortunate ones. Not accidentally, discourses of overtourism regularly target low-
cost flights as one major cause of the allegedly unbearable situation it condemns.
As older versions of tourism critique, these discourses sometimes sound “like the
regret that a material or intellectual privilege has become equally accessible to other
people” (Wagner, 1970, p. 8).
146 Michael Volgger

Therefore, while masses of tourists may undoubtedly create problems, we should


not forget the expressions of social development entailed in the unfolding of mass
tourism, the emancipation of masses, and may hopefully evade making the mistake
to throw the baby out with the bath water.

5 Governance responses to avoid the end of tourism


as we know it

To a certain extent, “localhood” and “overtourism” discourses can be interpreted as


the respective positively and negatively connoted readings of the same phenomenon:
a relative empowering of tourists through new means of technology and communi-
cation (and further ease in travel) that removed some remaining barriers between
residents and tourists. From a discourse point of view, “localhood” resembles a
headlong rush forwards towards reorganising the tourism industry by overcoming
some rigidities of the old tourism discourse. In contrast, the “overtourism” discourse
seems to be an attempt to revert backwards, a valve for tourism critique driven by
the wish to limit tourism to either a niche or an elite phenomenon.
I would like to conclude this short reflection with the hypothesis that neither
the positively connoted “localhood” discourse nor the negatively connoted “over-
tourism” discourse will lead to the end of tourism as we know it, if the tourism
system is able to respond to the challenges posed by further empowered tourists
through an adequate governance response. In short: Localhood and overtourism
are essentially governance challenges. Rightly, the UNWTO (2017) considered the
anti-tourism protests as a signal of management failure and suggested a governance
response, including the following measures:

“1. Diversify visitor activities; both in type and location;


2. Effective and integrated mechanisms and policies to manage visitors at sites;
3. Policies to reduce seasonality;
4. Incentives for the private sector to invest in new areas and new products;
5. Incentives and policies to reduce energy and water consumption and address other
community needs, shortcomings and deficits.”

These measures are all valid attempts to manage tourism more sustainably in future,
but they might not be far-reaching enough to fully tackle the above challenges and
thus may fall short of fundamentally rebalancing the tourism system. Therefore,
let us feel free to consider some more coercive (“harder”) or unorthodox measures,
for the sake of expanding the space of possibilities:
The end of tourism through localhood and overtourism? 147

(1) In theoretical terms, the core problem sits with the fact that most tourism expe-
riences can be characterised as common goods, with limited possibilities to easily
exclude users. This characteristic can entail a risk of “over-using” and depleting
such resources. As Ostrom (1990) argued in her seminal work, the governance of
commons requires some sort of cooperative strategy to avoid over-exploitation;
she also reveals vast creativity of human collectives as far as the specific design of
such cooperative strategies is concerned. Ostrom found some commonalities in
the adopted design principles across the diverse collective practices that have been
successfully dealing with commons: They usually include some sort of appropria-
tion rules that moreover take into account the specific local circumstances. They
often include monitoring mechanisms regarding use and condition of the common
resource. And they usually benefit from clear boundaries that separate those who
have the right to use the common resource and those who have not.
If we are to draw “boundaries” for resource use in tourism, in obvious contrast
to what is suggested by the localhood discourse, those between locals and tourists
come to mind. I shall not be misunderstood here as I am not invoking absolute
boundaries; and in particular, I am not only strictly opposing any “denunciation
of tourism” (Wagner, 1970) but would propose that what is suggested here could
rather inhibit any widespread denunciation from happening. Having said this,
installing priority lines in congestion situation for locals could be a thinkable (jus-
tifiable and comprehensible) approach to alleviate some critical situations, where
locals come in direct contact with the immediate negative consequences of tourist
congestion. Although it is already hidden practice in many tourism destinations,
I see no problem in considering whether it would be appropriate to renew Jost
Krippendorf’s claim (Kramer, 1983) to engage in more explicit and open “residents
first” tourism operations? Technically speaking, such priority lines could include
both prioritisation in time and reductions in price in the wider context of tourism
attraction points, mobility offers and accommodation (reductions in price can be
justified by the fact that high prices can be a consequence of congestion, i. e. peak
demand). The above could help to alleviate some of the most critical situations but
it is desirable that more extensive and structural discussions are undertaken as to
how boost the local benefits from tourism.

(2) Different price-based and time-based measures of access-limitations for tourists


are thinkable. Without doubt, more in-depth studies of crowding—i. e. “the violation
of the socio-cultural carrying capacity” (Neuts & Nijkamp, 2012, p. 2135)—will be a
helpful way forward to support scrutinising of these measures. These investigations
might hold surprises such as the study by Neuts and Nijkamp (2012), which finds that
148 Michael Volgger

crowd perceptions are not uniform, and especially not uniformly negative. They do
not seem to be primarily dependent on sheer numbers but rather on the behaviour
of the others present. In their study, disturbing behaviour led to more pronounced
(negative) perceptions of crowding. Obviously, the non-absolute condemnation
of crowding does not come to a complete surprise, as we all appreciate that the
presence of people often works as an attractor to other people, either because their
presence is taking as a proxy for quality or because the co-presence of others is
enjoyed in itself. The self-reinforcing power of popularity is confirmed in a recent
study from Ganzaroli, De Noni and van Baalen (2017) in Venice, where Tripadvisor
rankings, while driven by quality perceptions, were not able to strongly change
off-line popularity of restaurants. The current popularity of restaurants remained
first and foremost driven by their past popularity.
We shall for a moment remain in Venice, as among all the places highlighted in
the “overtourism” discourse, it is probably the one confronted with the strongest
relative tourism pressure. Recently, and against the background of overtourism-per-
ceptions, the municipality has announced a series of measures to strengthen the
tourism governance including the testing of a system to limit access to the “Area
Marciana” which includes the world-famous Piazza San Marco (St. Mark’s Basilica
Square) (Città di Venezia, 2017). The limited access will require reservations to
access the famous square. “Obviously”, as the document literally says, residents are
excluded from this measure (hinting to the above-mentioned point 1). In addition,
an international information campaign (#EnjoyRespectVenezia) oriented towards
educating and sensitising tourists to behave “respectfully” while visiting Venice
will be launched. It is hoped that an effective approach to alleviate some of the
perceived pressures is to better inform and train tourists. Until the 19th century,
reflections and teachings about the art of travel were carried out under the subject
of ars apodemica (see e. g. Posselt, 1795; Stagl, 1983; I am indebted to Scheppe,
2012, for this historical hint). Apodemic treatises included reflections and practical
suggestions about how to behave, to observe and to interact on specific trips. It is
not easily dismissed: If we all learn once again to be “good tourists” and rediscover
the prudentia peregrinandi (Conring & von Brockdorff, 1663), according to current
crowding research, both tourist experiences and locals’ experiences will be better,
and perceptions of overtourism and similar conflict situations might arise less likely.

3) From an economic perspective, excursionism (day tripping), including the short-


term visits of cruise ship passengers, appeared on the radars of the overtourism
discourse or similar tourism criticism. For instance, to deal with some of the tour-
ism issues in Venice, Russo (2002) has argued for the creation of disincentives for
excurisonists and the parallel creation of incentives for overnight tourists. Clearly,
The end of tourism through localhood and overtourism? 149

in this view, the largely practiced taxation on overnight stays is counter-productive.


In contrast, Russo asks that those staying overnight or at least booking beforehand
should receive price- and convenience-related benefits in form of destination cards.
Thus, to reiterate the above parable, priority lines for overnight-tourists as compared
to excursionists could be another, structural measure to approach the issues raised
in this article and to avoid an end of tourism as we know it.

All in all, the solutions to some downsides of the tourism success story sit neither
in the dismissive if not hostile discourse of “overtourism” nor in the all-embracing
discourse of “localhood”. Tourist destinations and the local communities at their
bases should neither start hating tourists nor unnecessarily equalising them as
“locals”; they should rather appropriately govern them. This includes drawing some
lines and acknowledging differences, such as those between locals and tourists,
excursionists and overnight tourists as well as between respectful tourists and dis-re-
spectful tourists. The range of governance measures that can be applied along those
lines is vast and should allow for tailored responses to specific local circumstances.
What is however more important than choosing the specific strategy is to apply
at least some sort of strategy and resist the temptation of laissez faire: we should
not be afraid of governing tourism, otherwise the critiques of overtourism would
be correct. Thus, instead of getting lost in a diluting discourse of “localhood”, I
suggest starting a discourse of “touristship”, the beginning of tourism as we want it.

6 Epilogue

I would finally like to reiterate Butcher’s (2017) warning against an excess of


euro-centrism in the above debates. He correctly reminds us that the reported
discourses and realities in particular those called “overtourism” are mostly lim-
ited to some major hotspots in the first world. In contrast, many places—and I
am writing these lines while sitting in a part of regional Australia struggling for
any single visitor—and in particular large parts of a whole continent, Africa, are
suffering from under-tourism. Isn’t it all a problem of distribution? Maybe we will
see a future where some DMOs start promoting visitation to other destinations,
and discourage visitation to the places where they are operating from.
150 Michael Volgger

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4
Attraktionen im Wandel:
Nachhaltigkeit als Leitbild
von Entwicklung
Tourism mobility: challenges and
transformations
Anna Scuttari

1 Introduction

Tourism moves individuals across time and space. Therefore, the tourism sector is relying
on mobility systems. Globally, the development of international tourism goes in parallel
with the democratisation of the transport sector and the wider access to air travel, resulting
in new business opportunities and more complex sustainability challenges. Worldwide,
the low cost carrier market was relevant to improve destinations’ accessibility, particularly
in case of urban environments. Low cost carriers’ seat capacity share reached more than
25 % of aviation seat capacity in 2016 (10 percentage points higher than in 2006) and the air
passengers’ demand is steadily increasing since 2010, and still expected to increase further
until 2030 (IATA, 2017).
At the European level, transport accounts for about 30 % of GHG production, with constant
growth in recent years: +23 % compared to 1990 levels (EU, 2014). Moreover, transport is
the largest component of tourism-related GHG emissions, with the main contribution from
aviation (40 %) and cars (32 %) (Gössling and Buckley, 2015). These impacts are expected to
grow substantially in the near future (Peeters, Higham, Kutzner, Cohen and Gössling, 2016).
The constant increase in tourism (and therefore transport) demand raises the question
of the sustainability of tourism travel and, in the past decades, developed a field of research
dedicated to tourism mobility. Starting mainly from the interpretation of transport as a
facilitator for destination development (Kaul, 1985), scholars acknowledged and measured
the negative impacts of travel both at local and global scale (Peeters, Szimba e Duijnis-
veld, 2007; Scuttari, Della Lucia and Martini, 2013), including not only GHG emissions,
but also e. g. noise, visual intrusion, travel stress. Finally, it became clear that technology
improvements could not alone be sufficient to meet sustainability goals in the tourism
transport sector (Peeters, 2017) and the research focus was posed on the challenge of
behavioural change in tourists. Behavioural change in tourism transport is mainly
assessed through principles of behavioural economics and psychology (Cohen,

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 155
H. Pechlaner, Destination und Lebensraum, Entrepreneurial Management und
Standortentwicklung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-28110-6_12
156 Anna Scuttari

Higham, Gössling, and Peeters, 2014) and by testing policy measures’ mixes in
practical case studies (Scuttari, Orsi, Bassani, in press). The research interest of
tourism scholars moved therefore from infrastructure and services as facilitators
for tourism, towards individuals’ behaviours as key actors for a transition towards
more sustainable tourism.
This chapter acknowledges the status quo of the tourism transport literature
and raises the main challenges and transformations in tourism mobility for the
future, setting a future research agenda. Chapter two will consider the traditional
approaches to tourism transport and mobility, whereas chapter three will address the
challenges and transformations related to societal development and sustainability
goals. Finally, chapter four will address routes as unique cases to investigate a new
interpretation of tourism and mobility and their relationships. Finally, at the end
of the paper, concluding remarks discuss the possible interrelated development of
mobility and tourism in the future under the challenge of sustainable development.

2 Mobility in tourism: infrastructure, operational


service and travel experiences

The traditional transport geography perspective applied in tourism by Page (2005)


and Duval (2007) use system theories (von Bertalanffy, 1968; Luhmann, 1984) to
conceptualise tourist transport. Tourist transport systems refer therefore mainly
to three aspects: infrastructure, operational aspects, and travel behaviour (Mills
& Andrey, 2002) linking destinations and origins, or – in case of route tourism
– destinations and destinations. Further aspects such as historical development
patterns, technological settings, economic, political and social factors can some-
how influence the transport system, but they are not at the core of this analytical
approach (White and Senior, 1983).
Infrastructures and operational aspects constitute the logistical component of
tourism transport and include communication routes, means of transport and flows.
Communication routes represent the ‘hardware’ for tourist transport experience
and refer to arterial roads and internal distribution, railways and transport hubs,
but also to specialized trails (e. g. bike and hiking trails), routes to peripheral areas
and pedestrian paths (Berardi, 2007). The ‘software’ enabling transport experiences
is the operational service, constituted by the means of transport, both private and
public, exclusive for tourists or shared with other users, as well as the complemen-
tary services, e. g. ticket offices, rental points.
Tourism mobility: challenges and transformations 157

Tourists typically share use of means of transport with tourism workers or other
inhabitants of the destination area (Hall, 1999) and their mobilities can be classified
according to origin-destination patterns: accessibility is the displacement at holiday
begin and end between home regions and destination areas; internal mobility is
the mobility during holiday, within or between tourist destination (Scuttari, Della
Lucia, Martini, 2013). In both cases, junctions play a significant role and allow
intermodality- i. e. the use of multiple means of transport in one travel chain. In
case of itineraries, as well as in case of the so called ‘Reiseketten’(Schiefelsbusch et
al., 2007), destination and route tend to be equally important, therefore the tourist
product is actually integrating destinations and routes as chains of attractions.
The possibility of having a non-utilitarian nature of travel, i. e. the acknowl-
edgement of the possibility to travel ‘for the fun of it’ – seems to be overlooked in
tourism literature (Mokhtarian, Salomon, 2001), but is gaining importance in recent
years (Fesenmair, Xiang, 2017). Indeed, emotion research on travel experiences
(Kim, Fesenmair, 2017) and ethnographic methods applied to tourism activities
on the move (Brown, 2014) open up new frontiers for tourism mobility research,
far beyond the rational and well known transport planning issues.
Within this shift of attention from planning issues towards more consumer-cen-
tered topics, a new approach to analyse mobility was born: the mobilities geography
(Shaw, Hesse, 2010). This approach expands on the experiential components of travel
and further investigates the interplay between places and people in relation to a
“spatial fix”, i. e. the spatial, infrastructural and institutional moorings that configure
and enable mobility (Hannam, Sheller, & Urry, 2006). Within this approach, the
bodily experiences of the users contribute significantly to shape the meaning and
the value of transport, which is interpreted not only as a displacement in space, but
rather as a learning experience for the traveller. Understanding the inner value of
transport modes and exploring experiences for tourists is increasingly rewarded
as a crucial issue to tackle and manage the transition towards more sustainable
forms of mobility. Nevertheless, there is still little academic production in this field.

3 Challenges and transformations at micro and


macro-level

Achieving a transition towards more sustainable forms of mobility is not an easy task.
At a global level, it is well acknowledged that technological improvements alone will
not be enough to reduce the environmental impacts of tourism transport (Peeters,
2010). Indeed, by investigating the relationships between technology, economy,
158 Anna Scuttari

tourism, transport and energy efficiency/emissions through conceptual models


from the field of system dynamics, Peeters (2010) argues that an improved speed,
cost, and comfort might well improve energy efficiency and reduce GHG emissions
per unit energy, but it might also increase travel volumes and distances, resulting
in a higher impact produced at a global level. He argues that pollution-saving tech-
nological change might be working better for rail transport – where zero emission
rail systems are a reality – whereas it appears to be a tricky issue for car and air
travel. Indeed, energy efficiency improvements in air travel seems to be reaching
their physical limits, while in the car industry there seems to be a rebound effect
between a better energy performance of the car and less sustainable choices by the
drivers. Finally, the “(promise of) technological achivements” (Peeters, 2010:251)
might prevent political actions in other fields, e. g. voluntary as well as command
and control policies. At a global level, therefore, technological achievements should
be combined with policies able to change hypermobility habits (Cohen, Gössling,
2015) and particularly those related to long-hawl flights.
At a destination level, local policy-makers also face the paradox of needing to
minimize transport-related impacts, yet being unable to change the status quo
(Scuttari, Orsi, Bassani, in press). This might happen because local policy-makers
still ignore the potential effects of traffic management measures on tourism de-
mand and tend to precautionarely overestimate them. The Dolomites area in the
Italian Alps is a good example of this paradox: overcrowding and noise problems
related to traffic on mountain passes have been discussed for over 10 years – with
multiple research projects to implement traffic management measures (Pechlaner,
Laesser, Raich, 2004; Scuttari, Bassani, 2015) –, but only in 2017, long time after the
recognition of the Dolomites as a World Heritage Site, there was a first attempt to
take action with a mix of “carrot” and “stick” measures for traffic calming. Similar
cases of transistion towards more sustainable tourist mobility in the Italian Alps
(Scuttari, Volgger, Pechlaner, 2016) show that to achieve success there is typically
the need to have a clear vision of the new mobility patterns and associated cultural
values, a strong leadership should govern the whole transition process and a well
defined political will should support actions. When the initiative is taken, (public or
private) investments are made and typically there is a resistance coming from tourist
businesses, who need to reshape their business model according to new mobility
patterns. Therefore, mediation and management capacities of leading actors are
crucial in this phase in order to (re)shape a balance between environmental and
economical issues amd achieve a win-win situation, where new business models
and new tourism products are born. This phase is decisive to achieve success and,
in case this happens, tourism demand might increase so much that the limits of
capacity are reached and new challenges arise. A good example of this virtuous
Tourism mobility: challenges and transformations 159

cycle is the re-built Val Venosta railway in the Italian Alps (South Tyrol). The aban-
doned railway line was rebuilt in 2005 and in a few years the bike-train tourism
offer was so attractive for tourists, that the number of bicycles carried exceeded the
available room. Adjustment measures were then taken, with additional bus carriers
and rental points along the route, in order to better manage intermodality. The
transition towards more sustainable solutions in tourism mobility results therefore
in the interplay between technological improvements, management choices, and
behavioural changes. These three perspectives need to be addressed in an integrated
manner, to assess challenges and transformations at the micro and macro-level.

Routes: linear attractions, experiences on the move

A route is a “circuit or course that links similar natural or cultural features together
into a thematic linear corridor” (Timothy and Boyd, 2015: 3–4). Route-based tour-
ism performed on walking, hiking and cycling trails is experiencing resurgence
throughout the world (Collins-Kreiner, 2010; UNWTO, 2015) and can be a driver
of sustainable regional development, particularly for remote areas (Briedenhann
& Wickens, 2004; UNWTO, 2015). Nevertheless, tourism literature has quite un-
derstated the contribution of trails and routes to the development of sustainable
tourism (mobility) (Timothy, Boyd, 2015).
Routes, paths and trails are de facto linear systems that cross space. Displace-
ment in space, therefore time and speed in crossing space, are important features
of route tourism and are connected to mobility. Indeed, tourists on routes per
definition are not sedentary: they visit different destinations in one single journey,
each destination hosting them often for just one night. Patterns of movement of
tourists therefore shape new “linear destinations” (Volgger, Pechlaner, 2017), that
include portions of many existing traditional destinations and need to be managed
coherently, notwithstanding their heterogeneous nature. This difference in the
fruition (and therefore organisation) of space is the major challenge related to route
tourism. As argued by UNWTO (2015: 39), routes “based on a linear pattern have
a sequenced discourse […]. This involves organizing all the aspects of a route con-
secutively, from creating stages to designing and presenting visitor infrastructures,
and including the presentation of the natural and cultural heritage of the route, or
implementing sales and marketing strategies.” Rhythm, temperatures, encounters
and scapes play a role in creating these experiences, and places are discovered just
for the short moment they are crossed (Murray & Graham, 1997). Speed, therefore,
becomes a crucial aspect, because it intensifies or minimises the perception of the
160 Anna Scuttari

single element in the linear space. A unique aspect of route tourism, which might
be inversely correlated to speed is the resulting individual learning experience
within a metaphorical “person-environment system” along the route (Hugo, 1999).
The discovery of the linear space mainly occurs on communication routes. There-
fore, the interconnectedness of communication routes, as well as the provision of
integrated transport services are key aspects in shaping the interaction with space
and with local communities, influencing individual experiences (Jensen, Scarles,
Cohen, 2015). These individual experiences, made up of patterns of movements,
social interactions on the move and sensory and kinaestetic aspects of displacement
are also adding value to the displacement action, with the result that mobility on
a route is much more than movement.

Conclusions

Tourism and transport are no longer separated disciplines. After more than two
decades of tourism transport research, the disciplinary boundaries are starting to
blur. Sustainability issues and climate change policies have substantially contribut­
ed to implement more holistic approaches, not only forcing the interpretation of
transport in tourism and touristic transport, but also incorporating new perspec-
tives from psychology, social practices and behavioural studies. The result of this
process is that mobility is no longer interpreted simply as an opportunity cost of
moving in time-space (Prideaux, 2000) and trips are not only the “necessary evil of
tourist travel” (Gunn, 1994, p. 69): distances are sometimes perceived as attracive
and tourists sometimes travel “for the fun of it” (Mokhtarian, Salomon, 2001). This
ambiguity in tourism mobility – between necessity, sustainability and pleasure to
travel – will be probably the most fascinating issue to investigate for future tourism
mobility research. Sustainability science could only profit from new interdisciplinary
approaches and management solutions oriented at innovation in product design:
How to use design and creativity to increase attractiveness of sustainable means of
transport? How to harmonize internationalisation strategies of destinations with
climate policies? How to support a cultural shift towards sustainable tourism that
encompasses mobility issues? All these issues could profitably be investigated in
the future.
Tourism mobility: challenges and transformations 161

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The viability of renewable energy sources
as tourist attractions in the Alps
Identifying success factors, challenges and
impacts regarding hydropower
Lena-Marie Lun

1 Introduction

Across the Alps, tourist destinations have begun to look into renewable energy
sites as potential tourism attractions. Even though it is still a niche sector, there
are increasingly more places that have succeeded in maximising its potential. Par-
ticularly with regard to the growing shift towards greener economies, changing
lifestyles and a race to develop innovative products, this type of sustainable tourism
is experiencing more and more demand. Renewable energy-based tourist attractions
combine technical fascination, emotion, sustainability, education, leisure, fun and
nature and are thus interesting for a very wide range of visitors. In the Alps, water
is often the focal point, given that hydropower production has a particularly long
tradition in these regions. Due to its historical dimension, hydropower infrastruc-
ture is also less controversial than wind power or solar installations in the context
of landscape and tourism.

“I think this has huge potential because it is incredibly fascinating to look around hy-
dropower plants and visit the inside of dams. There is definitely quite a lot of demand
[…]. It is an opportunity that energy companies in particular have yet to recognise.”
(CEO of a tourism company, Austria; interview 2015; [translation])

This study strives to understand the success factors and challenges of creating a wide
range of leisure activities based around the infrastructure of hydroelectric power
plants, artificial lakes and their surroundings. Moreover, it shows the economic and

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 163
H. Pechlaner, Destination und Lebensraum, Entrepreneurial Management und
Standortentwicklung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-28110-6_13
164 Lena-Marie Lun

environmental impacts, which these attractions may have on the destinations. The
findings are based on a selection of eight case studies from four Alpine countries
and on semi-structured qualitative interviews conducted with the representatives
of these case studies.

2 Literature review – Renewable energy tourism

With the topics of climate change and sustainability having become increasingly
important when discussing tourism (Bramwell & Lane, 1993; Scott, Wall, & McBoyle,
2005; Becken, 2013) the literature considering renewable energy in tourism has
also been developing for roughly a decade (Michalena, 2008; Dalton, Lockington,
& Baldock, 2009; Michalena, Hills, & Amat, 2009). These studies initially focused
on the indirect use of alternative energies for generating low-carbon tourism, e. g.
by providing sustainable means of transport or the construction of energy efficient
hotels, etc. However, Jiricka, Salak, Eder, Arnberger, & Pröbstl-Haider (2010) start-
ed examining the role of renewable energies also as a principal factor of tourist
attractions. Their paper, which focuses on the study of so-called “energy regions”
in central Europe, looks into the difference between expert-oriented and experi-
ence-oriented renewable energy tourism and it analyses which characteristics those
destinations must have to develop this kind of niche tourism (Jiricka, Salak, Eder,
Arnberger, & Pröbstl-Haider, 2010). Some factors that have been outlined in previ-
ous studies, which have shown to be crucial for the implementation of sustainable
energy-based tourism attractions, are bottom-up support for the local population, a
distinct self-image for the destination, a strong interdisciplinary network, product
quality, a professional communication concept, a unique look, as well as modern
design and authenticity (Jiricka, Salak, Eder, Arnberger, & Pröbstl-Haider, 2010;
Beer, 2017; Lun, Pechlaner, & Volgger, 2015).
Initially, renewable energy linked tourist attractions were promoted primarily for
a professional audience, such as universities, schools and businesses (TIS innovation
park & Renertec, 2007; Jiricka, Salak, Eder, Arnberger, & Pröbstl-Haider, 2010),
whereas the potential offer for the more leisure and fun-oriented target groups,
such as families, was discovered at a later stage (Jiricka, Salak, Eder, Arnberger, &
Pröbstl-Haider, 2010; Jiricka, Wirth, Salak, & Pröbstl-Haider, 2012). It seems im-
portant to consider both the expert-oriented and the experience-oriented visitor as
balancing these two groups is likely to lead to a higher success rate (Lun, Pechlaner,
& Volgger, 2015). However, the marketing strategy needs to be specifically designed
The viability of renewable energy sources as tourist attractions in the Alps 165

to address the respective target groups and in particular a unique branding is re-
quired for leisure-orientated visitors (Jiricka, Wirth, Salak, & Pröbstl-Haider, 2012).
Although research regarding renewable energy tourism is still limited, the ex-
isting studies suggest that these niche products can be fundamentally appealing
within tourist attractions and may also lead to increased visitor numbers in rural
areas (Beer, Rybár, & Kaľavský, 2017; Lilley, Firestone, & Kempton, 2010; Lun,
Pechlaner, & Volgger, 2015).

3 Methodology

For this study, a qualitative research approach was used based on conducting
semi-structured interviews and using the GABEK method for their analysis (Zelger,
1994; Zelger, 1999). Various social science as well as tourism-related studies show
that although GABEK can be used for manifold data, it is particularly suitable for
open or unstructured data (Buber, 2004; Raich, 2008; Siller, Peters, & Strobl, 2011;
Pechlaner & Volgger, 2012; Lun, Pechlaner, & Volgger, 2015). It is based on the
selection of representative keywords and their visual representation in semantic
network graphs (Zelger, Fink, & Strickner, 2008). The method offers an opportunity
to understand and summarise complex phenomena by integrating open empirical
data with the advantages of a structured analysis process (Pechlaner & Volgger,
2012). GABEK is supported by the computer-aided software WinRelan, which
is able to illustrate the original data, i. e. the perceptions of the interviewees, in
user-friendly graphs (Buber & Kraler, 2000).
The 8 interviews were conducted with representatives of case studies from across
Germany (Erlebniskraftwerk Walchensee, Kochel am See), Austria (Kaprun Hochge-
birgsstauseen, Kaprun; Illwerke Tourismus, Vandans; Freizeitzentrum Klauser See,
Klaus an der Pyhrnbahn), Switzerland (Grimselwelt, Innertkirchen; Grande Dixence,
Sion/Sitten) and Italy (Centrale Enel Luigi Einaudi, Entracque; Museo dell’Energia
Idroelettrica, Cedegolo). They were conducted either face to face or by telephone
between February and March 2015 and lasted approximately 30 minutes. Questions
primarily focused on success factors, challenges and regional impacts of creating
tourist attractions and leisure activities linked to hydropower infrastructures.
166 Lena-Marie Lun

4 Results and Discussion –


Hydropower in the Alps as a tourist attraction

4.1 Success factors

Based on the interviewees perceptions, elements were identified which proved


to be important in the successful implementation of hydropower-based tourist
attractions. These elements were grouped in four main categories (Fig. 1), which
are outlined in the following.

 

   !   


   

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Fig. 1 Success factors for hydropower-based tourist attractions


Source: Eurac Research, 2015.

Experience
The case study interviewees agreed that creating an emotional experience plays a
key role in the successful creation of hydropower-based tourist infrastructures.
Dams and power plants are reported to be particularly fascinating for the tech-
The viability of renewable energy sources as tourist attractions in the Alps 167

nically-minded tourist or professional audience. Furthermore, creating hands-on


experiences and using multimedia makes those attractions and connected leisure
activities a highlight as well for a wider and more fun-seeking audience, such as
families. In particular, information centres should offer audiovisual multimedia
applications and activities for all ages. Additionally, a range of leisure-time activities,
such as climbing walls on dams or interactive themed paths, would provide an ideal
backdrop for experiencing both an educational and exciting holiday. Moreover,
authentic cuisine, quality accommodation and the chance to buy local products and
crafts can round off the experience. Guided tours inside the sites remain however the
focal point and the most fascinating area of hydropower-based tourist attractions
as they offer the rare opportunity to discover places otherwise closed to the public.

Cooperation
In the past, the construction of hydropower infrastructures commonly had a wide
environmental, social and economic impact on the affected areas and their popu-
lations. The interviewees therefore agreed that the active involvement of regional
partners, such as planners, craftsmen, guides, etc., is a key aspect for gaining a
long-lasting support from the local inhabitants. Moreover, cooperation with local
and regional government representatives can greatly facilitate the set-up and or-
ganisation of hydropower-based tourist products and offers.

Nature
The case study interviewees mentioned nature as another important factor in the
success of hydropower-based tourist attractions. The respective infrastructures
have often been built in remote alpine valleys; areas renowned for their unspoilt
landscape. If power plants, dams and information centres are built in a visually
appealing and natural way, e. g. by using locally sourced materials (stone and timber),
they can be harmoniously integrated into the landscape and make for an additional
asset. Nature protection labels (e. g. national parks) are often a further driving force
in the demand for those attractions. Hydropower-based tourist activities should
be integral to the entire mountain experience and also be linked to other outdoor
activities, such as hiking, climbing or cycling.

History
The construction of dams and other hydropower infrastructures were often pio-
neering achievements in the affected valleys. They represent important historic
events as they brought about both major landscape interventions and opportunities
for economic development. According to the experts interviewed it is thus also
168 Lena-Marie Lun

important to interact with local history in order to create an appealing portfolio of


attractions. This is also particularly crucial for gaining local people’s support. The
attractions should be able to reflect the differences between the past and present in
a sensitive way and give voice to the witnesses of the bygone age. Moreover, historic
events can aid in establishing hydro-based tourist attractions and bring buildings
and infrastructures back to life, which are otherwise in disrepair.

4.2 Challenges

Creating tourism infrastructures and activities based on the fascination of hydro-


power can be accompanied by various challenges. Those stated by the case study
interviewees are summarised in the following (Fig.2).


  

   
 
        


        
 
 
 

 
      
 

 
   

 

  
 





 

 
 

Fig. 2 Challenges regarding hydropower-based tourist attractions


Source: Eurac Research, 2015.

Core business and corporate culture


Energy companies often instigate the set-up of tourist attractions based on their
premises and business activities. The core business of an energy company is how-
ever the production and sale of energy, which requires entirely different skills and
knowledge to creating and running tourism enterprises. Every company has its
The viability of renewable energy sources as tourist attractions in the Alps 169

specific corporate culture, which is based on common values and beliefs that in
turn are rooted in the company’s core business. A move away from these core tasks
can lead to tensions within management and staff. In order for tourist infrastruc-
tures and activities to be successful they may therefore have to be coordinated by
a professional and preferably external team.

Safety
Security issues have to be taken into consideration, especially when sites, where
normal procedures are carried out, are opened to public guided tours. Interview-
ees state that it is crucial to adapt the infrastructures so that all necessary safety
standards are met and that visitors do not interfere with day-to-day work activities.
The employment of specially trained staff is also recommended.

Accessibility
Artificial lakes and power plants are frequently located in the more remote parts of
mountain valleys and they are usually not easily accessed by public transport. Ac-
cessibility can thus be a critical factor in the viability of hydropower infrastructures
as tourist attractions. By working with the local council and tourist associations,
public bus service solutions can be offered. Moreover, interviewees mentioned that
travelling to a site by cable car proved to be a highlight in itself.

Vandalism
The last challenge that was mentioned during the interviews was vandalism. Acts of
destruction and theft can be particularly problematic regarding visitor information
centres. To avoid damage, the exhibits have to be durable and robust especially if
they are used for hands-on activities. Moreover, precautionary theft protection
measures should be applied to minimize the risk.

4.3 Regional impacts

The case study interviewees also gave their views on the economic and social effects,
which hydropower-based tourist infrastructures can have on rural regions. Fig. 3
shows an overview of the three most commonly stated factors.
170 Lena-Marie Lun


 

 
 
     

 
    


  

 
 
 
   
      
 

 

  

 



Fig. 3 Regional impacts of hydropower-based tourist attractions


Source: Eurac Research, 2015.

Enhancing the tourist offer


Creating areas of attraction and services connected to the topic of hydropower en-
ables regions to offer an enhanced and diverse tourist experience. It can also bring
new types of visitors to the valleys and it can encourage tourists to stay longer. By
doing so, not only does the tourism sector benefit economically from new tourist
products and packages, but also those involved in e. g. agriculture and crafts ben-
efit indirectly. The analysis of the case studies has shown that hydropower-based
tourist attractions can be a significant asset for tourism development in rural and
mountain areas.

Creation of jobs
Revalorising the potential of artificial lakes and power plants from a tourism point
of view can create numerous job opportunities depending on the size of the project.
This is an important benefit, especially for remote mountain valley communities
who constantly face the threat of depopulation and often a lack of employment
opportunities. Generally, seasonal and part-time jobs are created, the latter being
particularly attractive to women.

Image improvement
Last but not least, the interviewees emphasized that successful hydropower-based
tourist attractions often improved the image of the energy companies among the
local inhabitants. In the past, these companies brought great environmental and
The viability of renewable energy sources as tourist attractions in the Alps 171

social changes to the affected areas and still today, most of the revenue from the
production of energy is kept by the companies, thus, they are often viewed with
scepticism and mistrust. By creating tourist attractions and opening up their
establishments they may succeed, to a certain extent, in giving back something to
the local population.

5 Conclusion
“Synergies have been established, especially when working with the national park, and
additional jobs have been created, e. g. in the visitor information centre […]. However,
the principal aims were to enhance the tourist offer as well as giving people who live
further away another reason to visit the national park. For a rural mountain area, our
products and services have their own significance; taking them as stand-alone would
not be enough, but they help.”
(Representative of a hydropower company, Italy; interview 2015; [translation])

Overall, the study offers an insight into common success factors and challenges
of hydropower-based tourist attractions, as well as their regional impact. Thus, it
contributes to the understanding of tourism development in the Alps based on a
specific theme and infrastructure. The analysis of the case studies reveals that the
success of hydropower-based tourism attractions depends on four main factors:
experience, cooperation, nature and history. However, creating such attraction points
and leisure-time activities is a process that is also linked to specific challenges, which
have been identified mainly as problems of accessibility, safety, vandalism and a
move away from a company’s core business and corporate culture. The data shows
that destinations, which succeeded in turning hydropower-based infrastructures
into striking examples of tourist attractions, can benefit both economically and
socially. When considering the results, some limitations should also be taken into
account. The case study number is rather low as well as being restricted to the Alps
and to a specific type of energy source, thus generalisations regarding renewable
energy tourism should be carefully drawn. Moreover, although hydropower is
overall recognized as an alternative source of energy, various studies (Rosenberger,
Bodaly, & Usher, 1995; Palmer, 2006; Premalatha et al., 2014) exist, which suggest
to reconsider its sustainability.
172 Lena-Marie Lun

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Die Dolomitenregion auf dem Weg
zu einer nachhaltigen Entwicklung
Gerhard Vanzi

1 Zur Geschichte des Tourismus in den Dolomiten

Die Entwicklung des Tourismus in den Dolomiten begann am Ende des 19. Jahr-
hunderts. Es waren Alpinisten aus England und Altösterreich, die als erste die
Dolomitengipfel bestiegen, das Königshaus Savoyen kam zur Sommerfrische
nach Wolkenstein. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es bereits bescheidene
zehn Gasthöfe mit einer Beherbergungskapazität von 580 Gästen in Wolkenstein
(Vanzi, 1994). Durch den Bau der großen Dolomitenstraße in West-Ost-Richtung
von Bozen nach Cortina d’Ampezzo im Jahre 1909 wurde die Voraussetzung für
den Aufschwung des Tourismus in den Dolomiten geschaffen. Die 109 km lange
Straße wurde vom Wiener Dr. Theodor Christomannos projektiert, mit dem Ziel,
die damals österreichischen Dolomiten mit einer Straße zu verbinden. Bereits da-
mals musste für die Befahrung der Straße eine Maut entrichtet werden. Im Verlauf
der Zeit entstanden entlang der Dolomitenstraße die Grand Hotels, die nicht nur
als Übernachtungsmöglichkeit für die Gäste, sondern auch als Attraktion galten.
Der erste Aufschwung des Tourismus in den Dolomiten erlitt als Folge des Ersten
Weltkrieges einen abrupten Abriss, aber nach 1920 ging es im wahrsten Sinne des
Wortes wieder bergauf: die ersten Skischulen wurden gegründet, die ersten Schlit-
tenlifte wurden in Betrieb genommen und nach dem Zweiten Weltkrieg surrte 1946
der erste Sessellift in Corvara. Cortina d’Ampezzo wurde durch die Olympischen
Winterspiele von 1956 weltweit berühmt und seither ist es im Winter wie auch Som-
mer ein beliebter Urlaubsort vor allem für die italienische Prominenz. Klingende
Namen finden sich in den Gästebüchern der angesehenen Häuser dieser alpinen

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 175
H. Pechlaner, Destination und Lebensraum, Entrepreneurial Management und
Standortentwicklung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-28110-6_14
176 Gerhard Vanzi

Hochburg des Tourismus. Neben anderen Gemeinden erlebte Wolkenstein nach


dem Zweiten Weltkrieg ebenso einen Aufschwung: wurden vor 60 Jahren 70.000
Übernachtungen gezählt, sind es im Jahr 2017 mehr als 1,2 Millionen.1
Einen entscheidenden Qualitätsschub in der touristischen Infrastruktur erlebte
Gröden und Wolkenstein 1970 durch die Skiweltmeisterschaften. Bereits in den
60er Jahren trafen sich Touristiker aus mehreren Dolomitentälern, um darüber
zu beraten, wie man eine gemeindeübergreifende Kooperation in der Bergwelt der
Dolomiten gestalten könnte. Doch die Zeit war damals noch nicht reif und auch
die Ziele dürften zu hochgesteckt gewesen sein; man wollte zum Beispiel Gardasee
und Bergspitzen in ein einziges touristisches Paket packen, was nicht klappen
konnte, denn zu unterschiedliche Ferienregionen hätten unter einen Hut gebracht
werden müssen. Die Idee einer gemeinsamen und gesamtheitlichen Darstellung des
Dolomitengebietes keimte und entwickelte sich – wenn auch unter einem anderen
Vorzeichen. Und so wagten beherzte Fremdenverkehrsämter und Lifteigentümer
1973 einen zweiten Anlauf: eine Panoramakarte der Dolomiten wurde gedruckt,
auf der alle Lifte und Bahnen der damaligen Zeit verzeichnet waren. Doch der
Wunsch der Öffentlichkeit und speziell der Wintersportler war nach einem ge-
meinsamen Skipass für die Dolomitenregion, die Antwort darauf trifft schon ein
Jahr später mit dem Skiverbund Dolomiti Superski ein. Anfänglich waren es 250
Lifte in sechs Skigebieten, die den Skifahrern eine Skischaukel eröffnen, im Jahre
1993 wurden es dann 450 Lifte in zwölf Skigebieten. Das Karussell drehte sich und
brachte die gesamte Region zu einem enormen touristischen Aufschwung und
zum wirtschaftlichen Erfolg der gesamten Region, der bis heute, 44 Jahre später,
anhält. Die Erfolgsgeschichte ist umso bemerkenswerter, da sich im Konsortium
von Dolomiti Superski 130 private Unternehmer aus drei verschiedenen Provinzen
mit unterschiedlichen verwaltungspolitischen Strukturen und mit unterschied-
licher Kultur und Fremdenverkehrstradition zusammengeschlossen hatten, um
eine vollkommen neue Strategie zum Vorteil aller Wirtschaftstreibenden der
Dolomitentäler zu entwickeln.
Parallel zum Wintergeschäft entwickelte sich in den 80er Jahren die Sommer-
saison in den einzelnen Gebieten in unterschiedlicher Weise. Manche Gebiete,
wie beispielsweise das Grödnertal und Alta Badia, entwickelten auch eine positive
Sommeraktivität, bei welcher die Nächtigungen ein Ausmaß von 40 % im Vergleich
zu 60 % Winter annehmen. Andere Gebiete der Dolomiten konnten jedoch der
Sommersaison wenig Bedeutung geben und stehen heute noch mit einem spärli-
chen touristischen Sommerangebot da, was keine ideale Voraussetzung für eine

1 Tourismusverein Wolkenstein
Die Dolomitenregion auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung 177

Bündelung des Sommerangebotes und deren gemeinsamen Vermarktung, nach


dem Muster von Dolomiti Superski, darstellt.

2 Die Dolomiten: ein UNESCO Welterbe

Seit 2009 sind Teile dieser einzigartigen Berge als UNESCO Welterbe anerkannt.2
Landschaft und Geologie hat die UNESCO als außergewöhnliche universelle Werte
hervorgehoben. Mit den drei Regionen Trentino-Südtirol, Venezien und Friaul-Ju-
lisch Venetien sind es drei Regionen mit fünf Provinzen, 137 Gemeinden und 9
Schutzgebieten, die einen Teil ihrer Landschaften und Täler und insbesondere die
Berge als UNESCO Welterbe ausgewiesen haben. Das UNESCO Welterbe entspricht
nicht einem Schutzstatus, sondern einer Anerkennung, die auf bereits vorhandenen
Schutzsystemen (z. B. Naturparks, Nationalparks) aufbaut (Pechlaner, 2016). Die
Anerkennung der Dolomiten als UNESCO Welterbe erhöht Schritt für Schritt die
Bekanntheit der Dolomiten als Erlebnisattraktion ersten Grades, was dazu führt,
dass sich breite Zielgruppen bei ihrer Reiseplanung zunehmend für die Destination
Dolomiten entscheiden. Das Welterbe der UNESCO stellt damit weltweit gesehen ein
System von Orientierungspunkten von Attraktionen dar, welche von touristischen
Zielgruppen als Angelpunkte der Reiseplanung angesehen werden. Damit rückt
das Dolomitengebiet in den Fokus völlig neuer Zielgruppen auf internationaler
Ebene auch jenseits etablierter europäischer Märkte. Eine weitere zentrale Frage in
diesem Zusammenhang betrifft die Mobilität zur und innerhalb der Destination,
anders formuliert, wie kommen die Gäste zukünftig in das Dolomitengebiet und
wie bewegen sie sich in der Region? Zunehmend wichtiger wird eine Integration und
Vernetzung unterschiedlicher Mobilitätsangebote in den verschiedenen Regionen
und Provinzen, um das Umsteigen von einem Mobilitätsträger zum anderen zu
erleichtern und um die Mobilität selbst zu einer weiteren Attraktion im Rahmen
des Aufenthaltes werden zu lassen.

2 Quelle: www.whc.unesco.org
178 Gerhard Vanzi

3 Die bedeutung der Nachhaltigkeit im Tourismus

Wie kann ein intelligentes Zusammenspiel von Raumplanung, wirtschaftlicher


Entwicklung, Organisation von Dienstleistungen, Gestaltung von Freizeit und die
Anwendung neuer Technologien den Tourismus in alpinen Regionen so gestalten,
dass er nachhaltig bezeichnet werden kann?
Im Tourismussektor hat der Begriff nachhaltige Entwicklung in vielen Berei-
chen der Urlaubserfahrung eine Bedeutung. Seit dem Einsetzen eines sogenann-
ten Massentourismus in den 1970er-Jahren ist aber auch in den Alpenregionen
zunehmend klar geworden, dass steigende Touristenzahlen zwar Arbeitsplätze
und Wirtschaftswachstum schaffen, aber nur mit großer Anstrengung mit dem
Erhalt von Umwelt und Landwirtschaft im Einklang gebracht werden können. Um
diesen Anspruch voranzutreiben, und diese wichtige Basis für den touristischen
Erfolg zu bewahren, hat der Gedanke der Nachhaltigkeit auch in Südtirols Tou-
rismuswirtschaft Einzug gehalten. Sanfter Tourismus ist das Schlagwort, unter
dem Ökonomie und Ökologie in Einklang gebracht werden sollen. Gefördert
wird diese Entwicklung auch von der Europäischen Union und ihrer „Agenda
für einen nachhaltigen und wettbewerbsfähigen europäischen Tourismus“3. Der
Zerstörung von Landschaft und Natur, dem hohen Wasser- und Energiekonsum
von Hotels, dem drohenden Verlust des kulturellen Erbes, sowie dem Verkehrslärm
in den Dolomiten sollen Alternativen entgegengesetzt werden. Folgend dem Motto
„Tourismus kann auch anders aussehen“,4 haben sich bereits viele Hotels, Reise-
anbieter und Tourismusspezia­listen nicht nur in Südtirol auf ökologische oder
nachhaltige Angebote spezialisiert. Öko-Hotels, die qualitätsvolle Arbeitsplätze
schaffen, anstelle von ausschließlich auf die Zielgruppe der Touristen ausgerichtete
Dienstleistungen oder All-inclusive Hotels; Investitionen in den Erhalt und die
Verbesserung bestehender Angebote statt immer neue Hotelanlagen; Reiseaufent-
halte, die bewusst von der Anreise bis zur Abreise nachhaltig bzw. umwelt- oder
sozialbewusst gestaltet werden.
Im Bereich der Mobilität definieren international vereinbarte Ziele, die Italien
sowie die gesamte EU verpflichten, wesentliche Rahmenbedingungen für die Ent-
wicklung zukunftsfähiger Politiken. So haben sich die EU-Länder mit dem Klima-
abkommen von Paris verpflichtet, die Treibhausgase bis zum Jahre 2030 um 40 % zu

3 Quelle: www.eur-lex.europa.eu, 52007DC0621


4 Quelle: ww.alpconv.org
Die Dolomitenregion auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung 179

reduzieren. Auch durch die Alpenkonvention haben sich die Alpenstaaten und die
EU dazu verpflichtet, Maßnahmen zu einer nachhaltigeren Mobilität zu ergreifen:5

• „mit dem Ziel der Achtung, Erhaltung und Förderung der kulturellen und gesell-
schaftlichen Eigenständigkeit der ansässigen Bevölkerung und der Sicherstellung
ihrer Lebensgrundlagen, namentlich der umweltverträglichen Besiedlung und
wirtschaftlichen Entwicklung sowie der Förderung des gegenseitigen Verständ-
nisses und partnerschaftlichen Verhaltens zwischen alpiner und außeralpiner
Bevölkerung“ (Art. 2, Abs. 2, litt. a).
• „mit dem Ziel, Belastungen und Risiken im Bereich des inneralpinen und
Alpen querenden Verkehrs auf ein Maß zu senken, das für Menschen, Tiere
und Pflanzen sowie deren Lebensräume erträglich ist, unter anderem durch
eine verstärkte Verlagerung des Verkehrs, insbesondere des Güterverkehrs,
auf die Schiene, vor allem durch die Schaffung geeigneter Infrastrukturen und
marktkonformer Anreize, ohne Diskriminierung aus Gründen der Nationalität“.
(Art. 2, Abs. 2, litt. j).

Nachhaltige Entwicklung ist ohne ein Nachdenken über zukunftsfähige, nachhaltige


Mobilitätsformen nicht möglich. Gegenwärtig beruht die Automobilität beinahe
ausschließlich auf dem fossilen, nicht regenerativen Energieträger Erdöl. Verkehr
stellt ein Kernelement der Wirtschaft dar, Mobilität ist eng mit unserem Bedürfnis
nach Freiheit und Unabhängigkeit verknüpft. Um die Flexibilität und Mobilität
des Menschen in ihren verschiedenen Ausformungen weiterhin garantieren zu
können, aber die externen Kosten für Umwelt und künftige Generationen auf ein
Minimum zu reduzieren, braucht der Dolomitenraum eine konkrete Zielsetzung
rund um nachhaltige Mobilität.
Eine nachhaltige Mobilität beinhaltet einerseits Anreize zur Nutzung ressour-
censchonender Formen der Mobilität, wie einer Mobilcard für Gäste zur Nutzung
öffentlicher Transportmittel. Andererseits soll die nachhaltige Mobilität mit
Aktivitäten wie Wandern oder Fahrradfahren selbst zum touristischen Erlebnis
werden. Das Rad ist also nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern wird Teil der
touristischen Erfahrung.
In Südtirol und in den Dolomiten sind Wander- und Fahrradtourismus bei Gästen
und Einheimischen sehr beliebt. Das Problem bleibt aber die An- und Abreise, die
bisher noch hauptsächlich mit dem Privatauto erfolgt. Deshalb haben sich mehrere
Südtiroler Gemeinden den „Alpine Pearls – Perlen der Alpen“ angeschlossen. Der

5 Quelle: www.alpconv.org/de/convention/framework/Documents/protokoll_d_verkehr.
pdf
180 Gerhard Vanzi

Verein verschiedener Alpengemeinden in Italien, Österreich, Schweiz, Frankreich,


Slowenien und Deutschland hat sich ganz dem Konzept des nachhaltigen Tourismus
und der umweltfreundlichen und innovativen Mobilität verschrieben. Hier findet
Urlaub teilweise ohne Privatauto statt, denn das Mobilitätsangebot richtet sich
nach der Nachfrage der Gäste und den Vorstellungen der Regionalpolitik vor Ort.
In den Südtiroler „Perlen“ können die Gäste ihr Urlaubsgebiet beispielswiese mit
E-Bikes erkunden, ohne dabei Lärm oder Verschmutzung zu erzeugen.6

4 Problemstellung

Die Entwicklung der Dolomiten wurde maßgeblich vom Tourismus geprägt.


Ehemals abgeschiedene, ärmliche Dörfer haben sich zu attraktiven, einladenden
Zentren gewandelt. Menschen, die nicht selten in wirtschaftlicher Not lebten,
bekamen Arbeit und konnten sich dadurch ihre Zukunft absichern. Die rasante
und erfolgreiche Entwicklung hat neben den positiven Aspekten jedoch auch zu
unterschiedlichen Situationen geführt, welche einer nachhaltigen Entwicklung der
Dolomitenregion im Wege stehen. Demzufolge steht das gesamte Dolomitengebiet
vor großen Herausforderungen, die bewältigt werden müssen.

Die ungleichmäßige Entwicklung der Gebiete: wohin geht die Reise?


Die einzelnen Gebiete des Dolomitengebietes sind in ihrer touristischen Entwicklung
ungleichmäßig gewachsen und stehen heute mit unterschiedlichen verwaltungspo-
litischen Strukturen, mit unterschiedlicher Kultur und Fremdenverkehrstradition,
und nicht zuletzt mit verschiedenen Volks- und Sprachgruppen da. Die Hauptur-
sache der ungleichmäßigen Entwicklung besteht darin, dass das Dolomitengebiet
verwaltungstechnisch in drei Provinzen aufgeteilt ist, der Provinz Bozen, Trient und
Belluno, obwohl die Gebiete geologisch und landschaftsspezifisch zusammenhän-
gen. Das serielle Gut des Dolomiten UNESCO Welterbe-Gebietes hängt räumlich
nicht zusammen, sondern besteht aus neun einzelnen autonomen geografischen
Teilen, aufgeteilt in fünf Provinzen und zwei Regionen.
Allein bei Betrachtung der demographischen Entwicklung im Laufe der ver-
gangenen 20 Jahre wird deutlich, dass die Gebiete der Provinzen Bozen und Trient
ein kontinuierliches Wachstum hinter sich haben, währendem die Gebiete im
Besonderen der Provinz Belluno aus dieser Warte gesehen Schrumpfungsregionen
darstellen. Eine nähere Betrachtung des Welterbe-Gebietes zeigt des Weiteren,

6 Quelle: www.alpine-pearls.com
Die Dolomitenregion auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung 181

dass einzelne Orte bzw. Talschaften in ihrer touristischen Entwicklung seit Jahren
Stillstand aufweisen und heute als landschaftliche Idyllen inmitten touristischer
Hochburgen gelten. So sind zum Beispiel die Ortschaft Lungiarü im Gadertal in-
mitten der Skigebiete Alta Badia und Kronplatz und das Villnößer Tal zwischen der
Plose und Gröden von der hoch technisierten Tourismus-Entwicklung verschont
geblieben. Die Ortschaft Lungiarü hat sich der Anerkennung des Bergsteigerdorfes
verschrieben, bei welcher die Ursprünglichkeit der Landschaft und das regionale
Wirtschaften gefördert werden,7 während das Villnösser Tal sich die Frage stellen
muss, in welche Richtung die Entwicklung des Tales gehen soll und wie die eigenen
Stärken zu einem touristischen Potential gebündelt werden können.

Die Grenzen der Belastbarkeit erreicht: Weniger ist mehr?


Die zunehmende globale Bedeutung der Attraktion Dolomiten wirkt sich unter-
schiedlich auf die verschiedenen Regionen der Dolomiten aus. Wünschen sich
die Akteure in Venetien ein möglichst schnelles Wachstum, um Wertschöpfung
zu generieren und um gegenüber den Dolomitengebieten in Südtirol und Trenti-
no aufzuholen, scheinen doch vielerorts in Südtirol und Trentino die gefühlten
Kapazitätsgrenzen erreicht. Besonders auffallend ist dabei die Beobachtung, dass
die „Hotspots des Massentourismus“, nämlich einige der Dolomitenpässe (z. B.
Karerpass, Grödner Joch oder Sellajoch) zu Spitzenzeiten im Juli und August bei
vielen Gästen sowie bei Einheimischen, in ihrer (touristischen) Nutzung als beinahe
unerträglich wahrgenommen werden, wobei zu beachten ist, dass gerade die viel
diskutierten Dolomitenpässe gar nicht Teil des Welterbes sind, jedoch aufgrund des
engen funktionalen Zusammenhanges für die Entwicklung des UNESCO-Welterbes
von großer Bedeutung sind.
Im Besonderem hat in den letzten Jahren der Verkehr auf den vier Dolomi-
tenpässen Sellajoch, Grödnerjoch, Campolongopass und Pordoijoch rund um
den Sellastock so stark zugenommen, dass gefühlt die Kapazitätsgrenze erreicht
wurde, mit anderen Worten gerät die psychologiche Tragfähigkeit zunehmend
an die Grenzen. Die damit verbundene Herausforderung besteht nun in einer
allgemeinen Verkehrsberuhigung auf den Dolomitenpässen, die gleichzeitig die
Wirtschaftlichkeit der Betriebe entlang der Dolomitenpässe weiterhin gewährleistet.
Dafür ist die Anwendung eines dynamischen Verkehrsmodells notwendig, durch
welches die Anzahl der ertragbaren Verkehrsmittel festgesetzt werden (Scuttari,
Marcher, Vanzi, 2017).

7 Quelle: www.bergsteigerdoerfer.org
182 Gerhard Vanzi

Sanfte Mobilität ist gefragt


Eine große Eurac Research-Befragung von Tourismusakteuren im Sommer 2013 hat
ergeben, dass die UNESCO-Anerkennung mit dem Wunsch nach mehr Kooperation
und Qualität sowie mehr Umweltschutz einhergeht und diese Faktoren als wesent-
lich für die quantitative Entwicklung der Nachfrage eingeschätzt werden (Elmi &
Wagner, 2013). Es wird deutlich, dass Mobilität die größte Herausforderung in der
Entwicklung eines nachhaltigen Entwicklungskonzeptes für das Dolomitengebiet
darstellt, aber nicht nur. Die Gäste sind zunehmend umweltsensibler und fordern
die Möglichkeit, sozialverträglichere Instrumente nutzen zu können. Großteils
kommen die Gäste aus urbanen Ballungsgebieten, in denen breite Gesellschafts-
schichten sich im Sinne der Sharing Economy längst schon an die Organisation der
Mobilität im Sinne eines integrierten Paketes von Wohnen und Arbeiten gewöhnt
haben, abgesehen davon, dass dies auf die Raumknappheit oder die sinkende Zahl
der Führerscheinneulinge zurückgeht. Und damit heißt eine der zentralen Fragen:
Wie kommen die Gäste zukünftig in unsere Destinationen und wie bewegen sie
sich in der Destination?
Um das Wechseln von Mobilitätsträgern zu erleichtern und Mobilität zu einer
weiteren Attraktion im Rahmen des Aufenthaltes zu machen, wird die Integrati-
on und Vernetzung unterschiedlicher Mobilitätsangebote in den verschiedenen
Regionen und Provinzen notwendig. Zweifelsohne spielen die Aufstiegsanlagen
dabei eine Schlüsselrolle, um der Entwicklung neuer Elektrotechnologien und
Hybridmotoren entgegenzukommen und das Mobilitätserlebnis auf den Sommer
auszuweiten und neue Formen der Bewegung – Stichwort Elektroauto und E-Moun-
tainbike – Wirklichkeit werden zu lassen. Daraus resultiert die Notwendigkeit eines
tieferen Verständnisses der Besucherströme und der daraus folgenden Lenkung
insbesondere durch ein verstärktes Engagement in Punkto öffentlicher Verkehr.
Diese Maßnahmen sind entscheidend für den Erfolg der Tourismusregionen, aber
vor allem auch für den Schutz des UNESCO Welterbes Dolomiten (Pechlaner, 2016).

Riskante Wintersaison, die Sommersaison als neues touristisches


Potential
Zu Beginn der Tourismusentwicklung in den Dolomiten gab es ausschließlich den
Sommertourismus. Allmählich wandelte sich die Tourismusaktivität hin zu einem
starken und erfolgreichen Wintertourismus, die Sommeraktivität geriet allmäh-
lich in den Hintergrund. Durch den stagnierenden Wintertourismus der letzten
Jahre kommt nun dem Sommertourismus als neues Geschäftsfeld wiederum mehr
Bedeutung zu, um die Umsatzeinbußen des Winters ausgleichen zu können. Um
Die Dolomitenregion auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung 183

den Sommertourismus attraktiv zu gestalten, ist es jedoch notwendig, neue Tou-


rismusangebote zu erstellen, die an neue Gästegruppen gerichtet werden können.
Den Ursprung der touristischen Entwicklung haben die Dolomiten in der
Landwirtschaft, welche im Laufe der Jahre eine lebendige Tourismuswirtschaft
ermöglicht hat: im Winter durch die Benützung der durch die teilweise privaten
Grundstücke laufenden Skipisten und im Sommer durch die Benützung der Wan-
derwege und neuerdings der Biketrails. Und gerade für den Bau von Biketrails als
neue touristische Attraktion ist die Benützung von Grundstücken notwendig, die
das Einverständnis seitens der Grundstückeigentümer erfordert.
Das notwendige und für Glaubwürdigkeit sorgende Wechselverhältnis zwischen
Landwirtschaft und Tourismus ist jedoch in den meisten Gebieten der Dolomiten
an einem Punkt angelangt, wo die touristischen Erfolgs- und Angebotskapazitä-
ten quasi ausgelastet und die Situation auf dem Markt, aber auch das Verhältnis
zwischen Landwirtschaft und Tourismus, von einer gewissen Anspannung geprägt
sind. Hinzu kommt die Unsicherheit bezüglich neuer, gemeinsamer Entwicklungs-
ziele, sodass sich einzelne Akteure und Branchen in unterschiedliche Richtungen
zu entwickeln drohen, ohne sich untereinander abzustimmen bzw. ohne sich dem
überhaupt bewusst zu sein.
So ist zum Beispiel das Gadertal mit den zwei Tourismusdestinationen Alta Badia
und Kronplatz ein hochkompetitiver Wirtschaftsraum, in welchem Tourismus ohne
eine attraktive Landwirtschaft nicht möglich ist, und gleichzeitig ein hochattraktiver
Lebensraum, in welchem die Landwirtschaft ohne Tourismus nicht überleben kann.
Angesichts dessen und angesichts der Tatsache, dass die Wirtschaftszweige bis dato
eine gute branchenübergreifende Zusammenarbeit aufweisen konnten, stellt sich
nun die Frage, wie wieder zurück auf den „gemeinsamen Weg“ gefunden und wie
eine branchenübergreifende Kooperation verstärkt gefördert werden kann. Für
ein bestmögliches Gelingen muss jeder einen aktiven Beitrag leisten und es sollte
gemeinsam definiert werden, welches Wachstum man in Zukunft will und welche
die zukünftige Lebensgrundlage des Gadertales sein kann.

Dolomiten: eine gemeinsame Entwicklungsstrategie?


Die verwaltungstechnische Zergliederung des Dolomitengebietes in die drei Pro-
vinzen Bozen, Trient und Belluno stellt aktuell ein Hindernis für einen gemeinsa-
men Markenraum Dolomiten dar. Die drei Provinzen nehmen das Potential eines
gemeinsamen Erlebnis- und Mobilitätsraumes der Dolomitenregion kaum wahr
und sehen sich nicht als Netzwerk, das gemeinsam über Lösungen für eine gesamt-
hafte und gemeinsame Destination nachdenkt. Nachdem auch das serielle Gut des
Dolomiten UNESCO-Welterbe-Gebietes räumlich nicht zusammenhängt, sondern
aus neun einzelnen autonomen geografischen Teilen, aufgeteilt in fünf Provinzen
184 Gerhard Vanzi

und zwei Regionen, besteht, ergibt sich eine weitere Schwierigkeit in einer koope-
rativen Leistung. Gerade durch das UNESCO Welterbe rücken die Dolomiten als
Erlebnisraum in den Mittelpunkt der Attraktionsnetzwerke auf globaler Ebene:
Der zunehmende Wettbewerbsdruck und die globale Attraktivität führen unwei-
gerlich zur Frage, welche Auswirkung die Internationalisierung bei den Gästen auf
die stärker bzw. schwächer entwickelten Gebiete des UNESCO-Welterbes hat und
ob die Gefahr besteht, dass die Dolomiten durch die UNESCO-Anerkennung zur
Massendestination werden. Anders formuliert: bedarf das Dolomitengebiet einer
einheitlichen und gemeinsamen Entwicklungsstrategie, um den Ansprüchen eines
zukunftsorientierten Tourismus gerecht zu werden?

5 Ziele für die Zukunft der Dolomiten

Aus den beschriebenen Problemstellungen heraus ergeben sich drei große Ziel-
setzungen, die von den Gebieten verfolgt werden können, um eine möglichst
einheitliche und nachhaltige Entwicklung der Dolomiten-Region zu ermöglichen:

1. Eine wichtige Herausforderung der Entwicklung der Dolomiten besteht darin,


unterschiedliche Teile in Regionen, welche völlig unterschiedliche Entwicklungen
hinter sich haben und heute mit den Problemen der Sättigung oder der Schrump-
fung konfrontiert sind, zusammenzuführen und gemeinsam weiterzuentwickeln
bzw. ein besonderes Augenmerk auf die regionalen Disparitäten zu setzen.
2. Der Bedarf einer direkten, schnellen und stressfreien Verkehrsanbindung für
die Gäste und einer bequemen und effizienten Mobilität für den Besuch der
UNESCO-Welterbestätten erfordert die Koordinierung einer gemeinsamen
Tourismus- und Verkehrspolitik für den gesamten Dolomitenraum.
3. Die verwaltungstechnische Zergliederung des Dolomitengebietes in den drei
Provinzen verlangt nach einer Lösung für einen gemeinschaftlichen Auftritt der
Dolomiten als gemeinsamer Lebensraum für sanfte Mobilität und nachhaltige
Entwicklung, um den Ansprüchen eines modernen Tourismus gerecht zu werden.
Die Dolomitenregion auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung 185

6 Ausgewählte empirische Befunde

Das Thema der unterschiedlichen Entwicklung von Gebieten findet sich in drei
Beispielen wieder, die auch für andere Gebiete im Dolomitengebiet gelten könn-
ten. Für eine sanfte Entwicklung im Tourismus zeichnet sich das Tal Villnöß aus,
welches sich einem Tourismus im Sinne der Unberührtheit und Ruhe verschrieben
hat und sich aktuell die Frage der Zukunftsentwicklung stellt. Als beispielhafte
Schrumpfgebiete in den Dolomiten können jene der Provinz Belluno definiert
werden, welche über die vielleicht schönste und unberührteste Berglandschaft
der Dolomiten verfügen und dadurch über ein großes touristisches Potential
verfügen. Mit den Problemen der Sättigung und der Mobilität sind hingegen die
Hochburgen des Tourismus wie jene des Gadertales konfrontiert, wo es um die
Erarbeitung einer nachhaltigen Entwicklungsstrategie für den Tourismus und für
die Mobilität geht. Ein besonderes Fallbeispiel einer sanften Mobilität im Gebiet
der UNESCO-Welterbe-Dolomiten ist das Projekt „Dolomites Vives“, mit welchem
eine Verkehrsberuhigung auf den Dolomitenpässen rund um den Sellastock ange-
strebt wird. Dabei geht es darum, den motorisierten Auto- und Motorradverkehr
zu reduzieren und die Dolomitenpässe zu einem verkehrsberuhigten Erlebnis-
raum zu machen und dadurch das Welterbe zukunftsfähig erlebbar zu machen.
Ein wesentlicher Beitrag kann auch von der Elektromobilitätsindustrie durch
die Entwicklung von Elektrofahrzeugen geleistet werden, welche den Lärm und
den CO2-Ausstoß auf den Dolomitenstraßen zur Gänze reduzieren können. Das
Projekt „E-mobility culture building and territorial development“ ist ein gutes
Beispiel für eine koordinierte Entwicklung eines ganzheitlichen Elektromobili-
tätsystems in Südtirol, welches unter anderem auf die Dolomitenregion angewandt
werden kann. In diesem Projekt geht es darum die Wahrnehmung hinsichtlich
Elektroautos in Südtirol zu untersuchen und Maßnahmen zu analysieren, um die
E-Mobilität zu fördern.

7 Projekte zur Förderung einer nachhaltigen


Entwicklung und zur Überwindung der Grenzen
der Belastbarkeit

Im Jahre 2017 konnten durch das Eurac-Institut für Regionalentwicklung und 2018
dann durch das neugegründete Center for Advanced Studies mehrere Projekte,
welche die aufgezeigten Problematiken des Dolomitengebietes zum Thema hatten,
erfolgreich ausgearbeitet werden. Die in Zusammenarbeit mit den Bewohnern und
186 Gerhard Vanzi

Wirtschaftstätigen der Regionen ausgearbeiteten Projekte sind jedoch nur Teillö-


sungen eines provinzübergreifenden und zukunftsfähigen Konzeptes der Touris-
mus- und Verkehrspolitik der Dolomitenregion, wofür ein gemeinsames Handeln
der einzelnen Gebiete und der Verwaltungen der drei Provinzen notwendig ist.

Territorialer Marketingplan der Provinz Belluno


Der Tourismus hat sich in den einzelnen Gebieten des Dolomitengebietes nicht
einheitlich entwickelt; vor allem das Gebiet in der Provinz Belluno hat im Vergleich
zu den Dolomitengebieten in Südtirol und dem Trentino nicht die gleich rasante
Entwicklung mitgemacht. Unter dieser Disparität leiden vor allem die an die Pro-
vinzen Südtirol und Trentino angrenzenden Gebiete, welche mit dem Fortschritt
der Nachbarregionen nicht mithalten können, und bei denen die unterschiedliche
Entwicklung und die geographische Nähe besonders deutlich wird.
Es ist deshalb notwendig, für die Dolomitengebiete der Provinz Belluno eine
nachhaltige Entwicklungsstrategie im wirtschaftlichen, sozialen und ökologi-
schen Sinne zu entwickeln, um ihnen den Anschluss zu den Nachbarregionen zu
ermöglichen. Es geht vor allem darum, einen neuen Ansatz für die Organisation
und Gestaltung des Tourismus in der Nachbarregion zu erarbeiten, der den Beginn
einer positiven Entwicklung für die Zukunft gewährleisten kann. Das Instrument
dazu ist der territoriale Marketing-Plan, welcher partizipativ und in Abstimmung
mit vierzig betroffenen Gemeinden und ihren Stakeholdern erarbeitet wurde. Ziel
des Planes ist es, Strategien zu entwickeln, die zur Steigerung der Rentabilität des
Tourismussektors führen würden, indem die Auslastung der touristischen Betriebe,
die Erhöhung der Aufenthaltsdauer und die Ausgaben der Gäste erhöht werden. Der
Plan berücksichtigt ebenso die Erhöhung der Lebensqualität der Einwohner und
die Erhaltung der Landschaft, sowie der kulturellen Güter, um die Abwanderung
aus den Berggebieten zu vermeiden (Scuttari, Isetti & Vanzi, 2017).
Das Planungsdokument startet vom Ist-Zustand der Provinz Belluno, wobei im
Laufe der Projektlaufzeit diverse Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige
Entwicklung definiert wurden, um aus Belluno eine organisierte und wettbewerbs-
fähige Destination zu machen. Das betroffene Gebiet verfügt über ein riesiges
Entwicklungspotential, welches jedoch noch lange nicht ausgeschöpft ist, weshalb es
notwendig ist, neue touristische Produkte, für eine junge und sportliche Zielgruppe,
seien es sogenannte Millennials oder junge Familien, zu schaffen. Neue Gästeseg-
mente sollen vor allem auf internationalen Märkten durch die Kommunikation
und Vermarktung touristischer Produkte mit einem Großteil des verfügbaren
Budgets gewonnen werden, während im Hauptmarkt Italien eine Erhöhung der
Aufenthaltsdauer der Gäste mit den restlichen Marketingbudgets angestrebt wird.
Die Umsetzung erfordert eine klare, sowie gemeindeübergreifende Organisation
Die Dolomitenregion auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung 187

und eine Konzentration der Mittel in der Destination Management Organisation


„Dolomiti“, welche die Koordination des Netzwerkes, die Produktentwicklung und
die Kommunikation in Abstimmung mit den Tourismusverbänden zur Aufgabe hat.

Zukunft des alpinen Lebensraumes. Perspektiven der Nachhaltigkeit


für Wirtschaft, Gesellschaft und Mobilität in der Gemeinde Villnöß
Nicht alle Gebiete der Dolomitenregion konnten sich zu touristischen Hochburgen
entwickeln. So ist zum Beispiel Villnöß, inmitten der zwei Skigebiete Plose und
Gröden/Seiseralm, von der hochtechnisierten Tourismusentwicklung verschont
geblieben. Dabei stellt sich das Villnößer Tal die Frage, in welche Richtung die
Entwicklung des Tales gehen soll und wie die eigenen Stärken zu einem touristi-
schen Potential gebündelt werden können.
Trotz der gestiegenen Besucherzahlen, seitdem die Gemeinde als integrativer Teil
des Dolomiten-Gebietes ab 2009 Teil des UNESCO-Welterbes anerkannt wurde,
blieb die idyllische Landschaft bislang unberührt. Eine der größten Herausforde-
rungen stellt die relativ hohe Verkehrsbelastung, größtenteils ausgelöst durch die
Tagesausflügler, dar.
Im Rahmen eines Regionalentwicklungsprojektes gilt es, die Entwicklung des
Lebensraumes, des Wirtschaftsraumes sowie des Erlebnisraumes der Gemeinde
Villnöß gezielt zu fördern und gleichzeitig die oben genannten Merkmale und
Stärken sowie die Lebensqualität und die regionalen Kreisläufe des Villnößtales
zu bewahren. Im Rahmen des Projektes geht es darum, unter Einbindung mög-
lichst aus verschiedenen Bereichen stammender Interessensvertreter, aktuelle und
zukünftige Potentiale sowie Chancen und Risiken bezüglich der Lebensraum-,
Mobilitäts-, und Wirtschaftsentwicklung der Gemeinde Villnöß zu definieren
und dabei insbesondere die Lebensqualität und die Wettbewerbsfähigkeit best-
möglich zu vereinen.

Nachhaltige Lebensraum- und Tourismusentwicklung Gadertal. Analyse


der strategischen Potentiale der Destinationsentwicklung Gadertal im
Spannungsfeld von Tourismus und Landwirtschaft – eine ökonomische
und gesellschaftliche Perspektive des Mobilitätsraumes
Der Klimawandel hat alpenweit für große Veränderungen gesorgt, was sich im Winter
auch auf die Schneelage und Pistenpräparierung in den Skigebieten auswirkt. Die
milden Temperaturen und die immer seltener werdenden Schneefälle macht den
Winter unberechenbar und unsicher. Der Klimawandel führt außerdem zu einer
Verschiebung der Klimazonen in Richtung Norden. Als Folge davon, bekommt
der südliche Alpenraum verstärkt das mediterrane Klima mit heißen, trockenen
188 Gerhard Vanzi

Sommern und milden und feuchten Wintern zu spüren. Der Temperaturanstieg


ist mit plus zwei Grad in den letzten 100 Jahren in den Alpen im Vergleich zum
europäischen Durchschnitt doppelt so stark gestiegen (Eurac Research, 2018).
Neben der zunehmenden Schneeunsicherheit ist die Stagnation der Anzahl der
Skifahrer in Europa eine weitere Sorge der Skigebiete, auch jener des Dolomiten-
gebietes. Außerdem ist zu beobachten, dass immer weniger Jugendliche Skifahren:
der Grund dafür liegt wohl zum einen im vielfältigen, alternativen Freizeitangebot
und zum anderen in den hohen Kosten des Skisportes, was dazu führt, dass sich
immer weniger Familien einen längeren Skiurlaub leisten können Pechlaner, 2016).
Es stellt sich grundsätzlich die Frage, unter welchen Bedingungen das touristische
Angebot des Gadertals auch in Zukunft glaubwürdig bleiben und wie sich der Kern
rund um den klassischen Wintersport, dem Skifahren, weiterentwickeln kann. Im
Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Tourismusdestinationen
und zu Gunsten der im Tourismussektor tätigen Arbeitskräfte und Betriebe wäre
es sinnvoll, das derzeitige touristische Angebot auf ein breites und attraktives
Sommer- bzw. Ganzjahresangebot auszuweiten. Bei einer strategisch durchdach-
ten Kooperation können sich die beiden Wirtschaftszweige Landwirtschaft und
Tourismus fruchtbar ergänzen und zur gegenseitigen Wertschöpfung beitragen.
Ziel des Projektes ist es demnach, durch eine konstruktive Dialogkultur und
durch das gegenseitige Verständnis zwischen den Wirtschaftstreibenden, strategische
Potentiale auszuarbeiten, um das Gadertal als Wirtschafts- und Lebensraum für
Einheimische nachhaltig und attraktiv zu gestalten bzw. zu erhalten. Insbesondere
geht es darum, das Gadertal durch regionalspezifische Maßnahmen als Erlebnisraum
zu stärken, wettbewerbsfähiger zu machen und nachhaltige Wettbewerbsvorteile
für alle Akteure der Gesellschaft sicherzustellen. Dafür sollen auf Grundlage einer
nachfrage- und angebotsorientierten Betrachtung neue Strategien, Kooperations-
und Handlungspotenziale für die Positionierung der Region als Wirtschafts- und
Tourismusstandort identifiziert und aufgezeigt werden.

Dolomites Vives: Grenzüberschreitendes Pilotprojekt für ein


nachhaltiges „Er-fahren“ des Sellajochs im Sommer
Die Dolomitenregion zählt jährlich 6 Millionen Ankünfte und 25 Millionen Näch-
tigungen (Elmi & Wagner, 2013). Die Belastbarkeitsgrenze von Mensch und Natur
ist teilweise schon erreicht bzw. an manchen Orten durchaus schon überschritten.
Als eine zentrale Belastung gilt der motorisierte Verkehr, der vom Tourismus direkt
und indirekt maßgeblich ausgelöst wird. So sind gerade die Dolomitenpässe, wie
beispielsweise das Sellajoch und das Grödnerjoch, im Sommer einem immer grö-
ßerem Verkehrsaufkommen ausgeliefert. Und dabei sind die Dolomitenpässe, wie
Die Dolomitenregion auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung 189

bereits erwähnt, nicht Teil des Welterbes, haben jedoch aufgrund der Funktionalität
für das Erleben des UNESCO Welterbes eine große Bedeutung.
Es stellt sich die Frage, wie viel und welches Wachstum die Region verträgt?
Welche Mechanismen der Steuerung stehen zur Verfügung? Es wird notwendig,
die Grenzen der Belastbarkeit zu eruieren und intelligente Lösungen für eine
Verkehrsberuhigung auf den Dolomitenpässen ausfindig zu machen, den motori-
sierten Verkehr zu reduzieren und gleichzeitig einen erträglichen Zugang zu den
Dolomitenpässen für Einheimische und Touristen zu gewährleisten.
Auf Initiative der zwei Provinzen Bozen und Trient wurde im Sommer 2017
ein Pilotprojekt zur Regelung des Verkehrs auf dem Sellajoch durchgeführt. An
jedem Mittwoch im Juli und August war die Straße zum Sellajoch von der Trienter
Seite ab Canazei und von der Südtiroler Seite ab Wolkenstein, von 09.00 Uhr bis
16.00 Uhr nur mit öffentlichen Bussen, Elektrofahrzeugen und Fahrrädern oder
für Fußgänger zugänglich. Zugleich wurde ein lebendiges Kultur- und Kulina-
rik-Programm angeboten. Ein Forschungsteam von Eurac Research untersuchte
mit innovativen, videoethnografischen Methoden, wie sich die Passsperre auf das
Verhalten der Besucher des Sellajochs, seien es Gäste oder Einheimische, sowie auf
die gewerbliche Tätigkeit von Betrieben auf dem Sellajoch ausgewirkt hat. Dabei
wurden 389 Personen mit Fragebögen interviewt, dreißig Videointerviews geführt,
teilnehmende Beobachtungen durchgeführt sowie rund 2000 Fotos geknipst (Scut-
tari, Marcher & Vanzi, 2017).
Die Ergebnisse des qualitativen Monitorings lassen sich kurz zusammenfassen:

Viel Zustimmung für Veranstaltungen: Im Durchschnitt gab es an den Projekttagen


2600 Besucher auf dem Sellajoch und etwa 380 Teilnehmer bei den Veranstaltun-
gen. Besonders beliebt waren die Musikevents. 97 % der Befragten waren mit den
Veranstaltungen und dem Projekt sehr zufrieden. 67 % der Befragten befürworteten
die Ausdehnung der Initiative Dolomites Vives auf andere Pässe.

Den Pass als Erholungsort erleben: Elf Kilometer Straße waren gesperrt. Es konn-
te nur eine geringe Verkehrsverlagerung auf die umliegenden Pässe beobachtet
werden. 50 Prozent der Befragten gaben an, die öffentlichen Busse zum Erreichen
des Passes genutzt zu haben. Die öffentlichen Busse wurden durchgehend sehr gut
bewertet. Der Pass wurde verstärkt als Erholungsort und weniger als Straße wahr-
genommen, so hat sich außerdem die Aufenthaltsdauer der Besucher verlängert.
Verbesserungsbedarf besteht hauptsächlich in puncto Marketing der Initiative
sowie bei den Sperrpunkten. Einige der befragten Wirtschaftstreibenden vor Ort
beklagten Verluste, andere wiederum bewerteten das Konzept als innovativ und
machten Vorschläge zur Gestaltung der Initiative.
190 Gerhard Vanzi

Die Ergebnisse der Initiative zeigen, dass ein nachhaltiges Er-Fahren der Dolomiten
nicht nur eine große Chance für die Steigerung der Lebensqualität der Menschen
und dem Erhalt der Natur ist, sondern auch für den Tourismus. Demzufolge wird
die Idee einer Verkehrsberuhigung im Sommer 2018 auf zwei Dolomitenpässe, das
Sellajoch und das Grödnerjoch, ausgedehnt. Es geht zusammenfassend darum, ein
neues Modell der nachhaltigen Mobilität unter Einbindung der Wirtschaftstrei-
benden zu entwickeln sowie eine neue Mobilitätskultur zu fördern.
Für die Fortsetzung des Mobilitätskonzeptes im Sommer 2018 wurde das
Eurac-Center for Advanced Studies mit einer Studie beauftragt, ein qualitatives
Monitoring eines neuen Konzeptes der Verkehrsreduzierung am Sellajoch durchzu-
führen. Das Projekt hatte sich zum Ziel gesetzt den privaten Verkehr am Sellajoch
während fünf Wochen im Juli und August um 20 % zu reduzieren. Der Verkehr
konnte zwar um 20 % reduziert werden, jedoch war die Zufriedenheit der Gäste
geringer als im Experiment von 2017 und die Akzeptanz bei der Bevölkerung und
bei den Touristikern bedeutend schwächer als im Vorjahr.

„Culture Building and Territorial Development (CBTD)“ im Bereich der


E-Mobilität, am Beispiel von Südtirol in Zusammenarbeit mit Jaguar
Land Rover
Der starke Verkehr in Südtirol belastet durch den Lärm und den CO2 Ausstoß in
starkem Maße die Umwelt. Hier gilt es den Verkehr durch saubere E-Mobilität zu
verbessern. Dies erfordert eine koordinierte Umstellung auf Elektromobilität. Im
Vergleich zu anderen europäischen Ländern steht Südtirol erst am Anfang einer
Entwicklung, die laut Prognosen der Autoindustrie rasant sein wird. Um den Weg
für diese Verkehrswende zu ebnen, ist es wichtig, dass Forschung, Industrie und
Verwaltung sich vernetzen und interdisziplinär zusammenarbeiten.
Zweifelsohne ist Elektromobilität ein unabdingbarer Bestandteil in zukunftsfä-
higen Mobilitätskonzepten. Elektroautos sind der Beginn einer anderen Philosophie
von Energienutzung und Mobilität. Um sich aber aus dem aktuellen Nischendasein
zu verabschieden und zu einem wesentlichen Treiber der individuellen Mobilität zu
werden, muss sich die gesamte Gesellschaft, von der Politik zu den Unternehmen bis
hin zu den einzelnen Individuen ändern und sich den zentralen Herausforderungen
stellen. Das Land Südtirol möchte ein aktiver Gestalter neuer Mobilitätsmodelle
und ein Vorbild für andere Länder in Europa werden.
Mit dem Projekt „Culture Building and Territorial Development“ will das Eu-
rac-Center for Advanced Studies dieser spannenden Komplexität, insbesondere in
Bezug auf die Elektromobilität und der dazugehörigen integrativen Gestaltung auf
das Land Südtirol, nachgehen. Es geht um die wechselseitige Durchdringung von
Mobilität, Urbanität und Energieversorgung, ebenso wie um Aspekte bezüglich
Die Dolomitenregion auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung 191

Eigentum und Nutzung von Infrastrukturen sowie gegenwärtige und zukünftige


Lifestyles – also um die Entwicklung eines ganzheitlichen Systems der nachhaltigen
Mobilität unter besonderer Berücksichtigung der Elektromobilität.
Große wie kleine Unternehmen treten immer häufiger in einen Wettbewerb,
um gemeinsam nachhaltige Konzepte, innovative Technologien und grüne Ge-
schäftsmodelle voranzutreiben. So werden auch für das Land Südtirol das Schnitt-
stellendesign und neue Projekte zwischen Unternehmen auf dem sich wandelnden
Mobilitätsmarkt zu zentralen Erfolgsfaktoren. Das institutsübergreifende Projekt
(gemeinsam mit dem Institut für Erneuerbare Energien von Eurac Research)
wurde in Kooperation mit dem Energieversorger Alperia sowie dem Netzwerk
Green Mobility durchgeführt. Der Autohersteller Jaguar Land Rover, welcher im
Jahr 2018 das Elektroauto I-Pace in einem neuen Design-Konzept auf den Markt
brachte, ist der zentrale Kooperationspartner.
Anhand des Projektes werden die Nutzungs- und Finanzierungsbedingungen
von Elektroautos in Südtirol analysiert. Darunter fallen unter anderem Mietmög-
lichkeiten oder Serviceleistungen. In quantitativen und qualitativen Interviews
haben die Experten von Eurac Research einheimische Nutzer zu ihren Erfahrungen
mit Elektroautos befragt. Auch hier ist wiederum von Interesse, welche Leistungen
im Rahmen des touristischen Angebotes entstehen können. Um diesen Aspekt zu
untersuchen, werden Tourismustreibende in das Projekt miteinbezogen.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Analyse der Ladeinfrastruktur in Südtirol,
um diese künftig besser an die Bedürfnisse der Verbraucher bzw. an die Hauptver-
kehrsflüsse anzupassen. Um schließlich zu verstehen, was Käufer dazu bewegt, sich
für ein Elektroauto zu entscheiden, wurde eine Verhaltensanalyse durchgeführt.
Die Ergebnisse lassen sich folgendermaßen kurz zusammenfassen: Die Südtiroler
sind gegenüber einer Transition zur Elektromobilität positiv eingestellt. Sie ha-
ben ein hohes Umweltbewusstsein und sind überzeugt, dass so die Mobilität der
Zukunft aussehen könnte. Wer schon ein Elektroauto besitzt, ist in der Mehrheit
zufrieden mit seiner Wahl. Potenzielle Nutzer allerdings wären eher geneigt, ein
E-Auto anzuschaffen, wenn es finanziell vorteilhafter wäre – durch Subventionen
oder andere Begünstigungen – und die Ladeinfrastruktur weiter ausgebaut würde.
Die Analyseergebnisse und Vorschläge der Arbeitsgruppe wurden im Rahmen
von mehreren Veranstaltungen in Südtirols Städten dem Publikum präsentiert.
192 Gerhard Vanzi

8 Erkenntnisse

Die verschiedenen Problemstellungen zeigen, wie unterschiedlich die Ausgangslagen


und Perspektiven im Bereich des Tourismus und der Mobilität im Dolomitengebiet
sind. Nicht zuletzt deshalb, weil sie historisch bedingt und durch die unterschiedli-
chen verwaltungstechnischen, sozialen, kulturellen und sprachlichen Gegebenheiten
der drei Provinzen geprägt werden. Obwohl das Dolomitengebiet ein universelles
und homogenes Gebiet ist, verfügt es über keine Entwicklungsstrategie und über
kein gemeinsames Management zur Verwaltung des touristischen Angebotes. Wäh-
rend die in den folgenden Kapiteln aufgezeigten Fallbeispiele gute Lösungsansätze
für die einzelnen Gebiete darstellen, ist wiederum das Ziel einer gemeinsamen
Tourismus- und Verkehrspolitik für den gesamten Dolomitenraum nur durch eine
gemeinsame Handlungs- und Verwaltungsstrategie der drei Provinzen denkbar.
Dies erfordert in erster Linie eine klare Strategie zur Positionierung der Dolomi-
ten im internationalen Kontext und eine effiziente Umsetzung einer nachhaltigen
Tourismus- und Verkehrspolitik, die den Ansprüchen eines zukunftsfähigen
Tourismus gerecht werden kann.

Literatur

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Die Dolomitenregion auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung 193

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Netzwerk Greenmobility
https://www.greenmobility.bz.it/themen/mobilitaet-und-nachhaltigkeit/
United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization
www.whc.unesco.org
Tourismusverein Wolkenstein, Gröden Südtirol
www.valgardena.it
Sustainable tourism perspectives
for Alpine destinations
The role of the Alpine Convention as transnational
cooperation instrument
Marianna Elmi

1 Introduction

The Alps are an important living and economic space, extending on a surface of
more than 190.000 km² and counting more than 14.2 million inhabitants, with an
overall growing population, especially in the valleys and most accessible areas as
well as in the peri-alpine zones1 (Permanent Secretariat of the Alpine Convention,
2015). Besides being a living space, the Alps are also attractors of tourism; this sector
has strongly developed from the end of the 19th century and, despite the current
global competition from other holiday destinations worldwide, still plays a relevant
role in the contribution to the overall Alpine economy. Nevertheless, beyond its
positive economic impacts, which need to be ensured in the long term, tourism in
the Alps can also have negative environmental and social consequences. This is
why, in the last decades, the need has emerged to combine tourism development
with the mitigation and avoidance of its negative impacts, putting thus the topic
of sustainability at the centre of the debate on Alpine tourism’s future.
This contribution addresses the main issues related to the sustainability of Alpine
tourism and the role instruments of transnational cooperation play in its promotion.
In the first part, the article briefly reviews the concept of sustainable tourism and
its declination in the Alps. Secondly, the article identifies some main factors related

1 The basis for the definition of the Alpine area is the perimeter of application of the Alpine
Convention.

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 195
H. Pechlaner, Destination und Lebensraum, Entrepreneurial Management und
Standortentwicklung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-28110-6_15
196 Marianna Elmi

to the social, economic and environmental sustainability perspectives of Alpine


tourism. Finally, the article addresses the Alpine Convention and its protocols –
mainly the Tourism Protocol – as an instrument to promote sustainable tourism
in the Alps at transnational level.

2 Sustainable tourism and its declination in the Alpine


context

Sparked by the emerging of the sustainable development concept in the late 1980s,
the theoretical and empirical debate on sustainable tourism and its implementation
has flourished in the last decades. It is not in the scope of this contribution to give a
thorough account of the various perspectives on the concept (for a comprehensive
overview see, for example, Butler 1999 and Hall et al., 2015). The definition given
by UNEP and UNWTO can be used as an appropriate summary: according to it,
sustainable tourism “takes full account of its current and future economic, social
and environmental impacts, addressing the needs of visitors, the industry, the en-
vironment and host communities” (UNEP and UNWTO, 2005:12). This definition
not only encompasses the three aspects of sustainability, going beyond the mere
avoidance of environmental impacts, and including also society and economy; this
definition also emphasizes the multiplicity of stakeholders involved in tourism de-
velopment. This complexity can be effectively addressed only through governance
mechanisms, by laying down paths for stakeholder cooperation and coordination.
These principles apply to the Alpine area, too, due to its wide variety of tour-
ism-related stakeholders. In the Alps, decisions concerning tourism development
are indeed taken at different levels (for example municipal and destination level)
and, moreover, different types of stakeholder groups (such as farmers and tourism
entrepreneurs associations) can affect the development of sustainable tourism.
These multi-stakeholder processes take place in a setting characterised by legislative
frameworks defined at regional, national and transnational level (Alpine Convention
Working Group on Sustainable Tourism, 2016).

The Alpine Convention: setting the basis for a coordinated transnational


sustainable tourism development
In the governance of Alpine tourism, the Alpine Convention plays a particularly
important role as transnational legally binding framework laying down the bases
for cooperation. The Alpine Convention, signed in 1991, is a treaty among the eight
Alpine Countries as well as the EU for the protection and sustainable development
Sustainable tourism perspectives for Alpine destinations 197

in the Alps. The Convention is composed of a framework convention, which lays


out the basic principles and cooperation mechanisms, and a series of protocols
addressing specific topics of relevance for the Alps2. Among these, the Tourism
Protocol specifically addresses the promotion of sustainable tourism in the Alps.

3 Factors affecting the sustainability of alpine tourism

This chapter broadly outlines the main characteristics of Alpine tourism itself and
its main challenges related to sustainability. Its content provides a state of the art
overview before analysing the specific contribution of the Tourism Protocol of the
Alpine Convention to fostering sustainable tourism.
There are differentiations when it comes to the quantification of Alpine tourism,
despite the widely shared idea of its importance and relevance. All in all, estimations
point to 7.54 million beds and 487 million overnight stays in the Alps, with a world-
wide market share of 3 % (BAKBASEL, 2016). Nevertheless, a precise quantitative
estimation of the size and impacts of Alpine tourism is hindered by several factors,
such as the differences in classification and categorization of tourism structures
across the Alpine countries. Moreover, differences in statistical regulations in the
Alpine countries do not allow for a complete access to tourism-related data. This
issue has been addressed through a joint data collection and harmonization effort
carried out by the Alpine countries, which led to the publication of the Fourth Re-
port on the State of the Alps on Sustainable Tourism (Permanent Secretariat of the
Alpine Convention, 2013). The information presented in the following paragraphs
draws upon the main findings of this report.

Uneven distribution of tourism flows


The Alpine tourism is not evenly spread on the territory, both in terms of offer (avail-
able bedplaces) and demand (arrivals and overnight stays). The highest concentration
of hotel infrastructures is located especially in the central Alps (for example in the
Dolomites region and the broader Autonomous Provinces of Bolzano/Bozen and

2 The thematic protocols to the Alpine Convention are: Protocol on Tourism, Protocol on
Transport, Protocol on Energy, Protocol on Mountain Forests, Protocol on Mountain
Farming, Protocol on Spatial Planning and Sustainable Development, Protocol on Nature
protection and Landscape Conservation, Protocol on Soil Conservation. Moreover, three
Ministerial Declarations (Population and Culture, Climate Change and Strengthening
of sustainable economy in the Alps) have been adopted.
198 Marianna Elmi

Trento (Italy), in Tyrol and parts of Voralberg (Austria) and in parts of Switzerland)
and in some areas in the Western Alps (for example specific areas in Piedmont and
in the Aosta Valley (Italy) as well as in some central alpine regions in France). A
high share of beds is concentrated in a low number of municipalities; according
to estimates, almost half of the Alpine beds are concentrated in 5 % of the Alpine
Convention municipalities, which can be considered the main tourist attractors
of the Alpine area (Permanent Secretariat of the Alpine Convention, 2013). Many
of these areas also display the highest tourism intensity values, namely the highest
levels of tourism impacts on the territory and on the local population.
On the other hand, more than one third of the Alpine municipalities do not
offer tourist beds and therefore cannot be considered as directly profiting from
tourism (Tappeiner et al., 2008, Price et al., 2011 cited in Permanent Secretariat of
the Alpine Convention, 2013). This fact challenges the perspective of tourism as a
phenomenon contributing in equal parts to the overall economic development of
the Alps. Rather, specific areas benefit more from tourism and are also likely to be
impacted by it the most, while others are impacted less.

Shortening of the average length of stay


The length of tourist stays is another important factor affecting the type and quality
of tourism in the Alps. In 2010, the overall average length of stay was approximately
3.5 days, with an observed decrease in the period 2001–2010 (Permanent Secretariat
of the Alpine Convention, 2013). A tendency towards shorter and more frequent
stays has emerged in the Alps, especially in cities or in regions that are located in
the peri-alpine areas and that can easily be reached from the surrounding urban
areas in a short time. The reduced length of stay can influence the sustainability
of alpine tourism; for example, in a shorter stay tourists have less possibility to get
information on sustainable mobility offers in the destinations. Less but more fre-
quent trips may also result in higher impacts related to private motorized transport.

Seasonality and bed occupation


The ability to fully exploit the potential in terms of available bedplaces is one of
the main issues related to the sustainability Alpine tourism. Indeed, specific anal-
yses have shown that there is a wide difference in bed occupation between Alpine
regions: for example, according to an analysis of selected Alpine regions, the rate
of bed occupation is 26.2 % in the Italian province of Sondrio while it is 45.8 % in
the Austrian region of Tyrol, with an overall value of 41.5 % (ASTAT, 2017)3. This

3 Calculated only on some specific alpine regions (for details see ASTAT, 2017).
Sustainable tourism perspectives for Alpine destinations 199

structural under-occupation of the available bedplaces is strongly linked to the


seasonality of Alpine tourism, which is still struggling towards a successful dif-
ferentiation beyond the main touristic seasons – winter and summer, with peaks
in the months of August and February (ASTAT, 2017). Seasonality generates envi-
ronmental pressures, such as higher consumption of energy and water resources
and exacerbated impacts due to the concentrated presence of tourists. It also has
economic and social impacts, with revenues strongly linked to the conditions of
specific seasons, a job structure based on temporary employment and issues con-
cerning the actual off-season liveability for local residents in tourism destinations
(Lee et al., 2008, Butler, 2001). The situation is exacerbated in areas with a high
presence of secondary homes, which tend to have lower occupation rates than hotel
beds and are widespread in the Alps; it is estimated that they constitute up to 26 %
of all alpine dwelling units (Sonderegger and Bätzing, 2014).

Access by private transport


Besides being a key factor in the tourism service chain and part of the overall tour-
ism experience, access to and movement within the Alpine destinations can also
strongly influence the sustainability of tourism. For instance, 75 % of tourism-related
CO2 emissions worldwide are caused by air, car and other types of transportation
(UNWTO-UNEP-WMO 2008, cited in in Scott, Peeters and Gössling, 2010). In the
Alps, the contribution of air traffic to the overall tourism transport is limited and
tourists substantially rely on the use of private motorized transport. Specifically,
84 % of the touristic travels to the Alpine destinations are performed with a private
car, with Italy being the country where the highest usage of the private car is regis-
tered (almost 90 %), and Switzerland, with a 63 % of use of private car, showing the
highest rate in the Alps of tourist trips by rail (Permanent Secretariat of the Alpine
Convention, 2013). Besides the impact in terms of CO2 emissions, the use of private
motorized transport for touristic purposes has environmental repercussions due
also to other types of emissions (particulate matter and other pollutants, as well as
noise) and due to the consumption of space for transport-related infrastructures.

Limited availability of settlement space


Tourism needs space for the development of infrastructures linked to all components
of the tourism service chain; for instance, besides the building of accommodation
structures, land is needed for tourism-related infrastructures linked to winter and
summer sport activities as well as for transportation.
The topography of the Alps strongly influences the availability of settlement
space; the area suitable for potential settlement covers on average approximately
200 Marianna Elmi

17 % of the surface in the Alps (Permanent Secretariat of the Alpine Convention,
2017). The areas presenting the highest rates of available settlement space are located
mostly in the valleys where the slope gradient is gentler (Tappeiner et al., 2008).
Hence, space is a scarce resource in the Alpine tourism destinations and therefore
subject to potential conflicts between tourism and other land uses, such as housing,
agriculture and industry. In some cases, tourism can substantially contribute to
land consumption: indeed, when comparing the potential settlement area with
the actually settled area in the Alps, higher levels of built-up area in relation to the
potential settlement areas can be observed not only in urban contexts, but also in
some major ski resorts in the Western Alps, where a low permanent settlement area
is available (Permanent Secretariat of the Alpine Convention, 2013).

Climate change
As mentioned above, Alpine tourism is strongly linked to two main seasons: summer
and winter. The tourist motivations for visiting the Alps in these seasons vary and
are influenced by factors ranging from sociodemographic characteristics to the
touristic products offered in the destinations. Indeed, the variety of experiences
and activities available make it difficult to speak about one single form of alpine
tourism, pointing rather towards different forms of Alpine tourisms. Regarding
the winter season, snow security and the related possibility to ski can still be seen
as an important driver in tourists’ choices (for example, 56 % of winter tourists
in Austria choose their destination because of the attractiveness of ski areas and
42 % because of snow security). For the summer season, landscape and nature
remain a predominant attractiveness factor (Permanent Secretariat of the Alpine
Convention, 2013).
On the other hand, the range of activities in winter and summer is likely to be
affected by climate change. In comparison to global average, the mean temperature
in the Alps increased by almost 2° Celsius since the late 19th to the end of the 20th
century and did so at higher rates than in non-Alpine areas (European Environ-
mental Agency 2017). A reduced snow reliability in winter and a decrease of water
availability in the dry periods are among the main impacts to be expected from
climate change in the Alps; a further potential impact is a higher frequency of
extreme weather. These issues highlight the need for both sustainable adaptation
based on innovation and the development of new touristic products as well as for
mitigation through the reduction of emissions linked to tourism.
The challenges listed above are not exhaustive; in effect there are several other
global and non-global trends, not highlighted in this contribution, which are relevant
for the development of sustainable tourism in the Alps. Among these are worldwide
competition (BAKBASEL, 2016), the maturity of several Alpine tourism products
Sustainable tourism perspectives for Alpine destinations 201

and the related need of innovation, digitalization, changes in the tourists’ prefer-
ences (Permanent Secretariat of the Alpine Convention, 2013) and demographic
changes both in the Alpine and the source markets’ society (Permanent Secretariat
of the Alpine Convention, 2015).

4 Perspectives for cooperation at transnational level:


the Tourism Protocol of the Alpine Convention

As remarked in the introduction, a sustainable development of the Alpine tourism


needs to take in account governance, including the horizontal and vertical coordi-
nation among relevant stakeholders in a transnational context. Several issues linked
to the sustainability of Alpine tourism (such as transport and climate change) can
be solved only if addressed beyond the national boundaries of the Alpine states. In
this sense, the legislative framework provided by the Alpine Convention can play a
key role in providing the basis for cooperation among the Alpine actors.
The Tourism Protocol is the main instrument of the Alpine Convention for the
definition of concrete transnational aims for the development of sustainable tourism.
As such, it provides a catalogue of priorities and sets the basis for joint initiatives
among all the Alpine countries. The protocol’s main areas of intervention can be
summarized in three main aspects: the sustainable development of the Alpine
tourism offer side, the sustainable development of Alpine tourism demand side
and the development of instruments for fostering transnational cooperation and
coordination (Reiterer and Elmi, 2017).
Concerning the sustainable development of the Alpine tourism offer, the protocol
explicitly addresses the need to develop it in agreement with the local natural and
cultural resources. It prioritises the refurbishment of existing touristic structures over
the building of new ones, in light of the limited space available. Both refurbishment
and building should comply with the criteria of quality and coherence with the local
landscape and architecture (Art. 7 and Art. 11). Moreover, the Tourism Protocol
encourages the renovation and refurbishment of the existing touristic structures
(Art. 11); according to the Protocol on Energy (Art. 5), this refurbishment should
also reduce energy consumption, thus contributing to the mitigation of climate
change. It also tackles the issues of quality, innovation and differentiation of the
tourism offer (Art. 7 and Art. l9), especially in view of fostering the development
of innovative Alpine tourism initiatives and products.
Concerning the sustainable development of the tourism demand, the protocol
addresses the need to develop measures contributing to a redistribution of tourism
202 Marianna Elmi

flows, especially in protected areas, but also outside (Art.8) as well as limiting the
impacts of specific sport activities and the related infrastructure (Art. 14 and Art.
15). The protocol also addresses touristic mobility as a major source of emissions,
promoting measures to limit the use of private cars in touristic centres as well as
solutions at transnational level in order to foster the use of public transport to and
in the alpine destinations (Art. 13). Beyond this, it recognises the need for transna-
tionally coordinated solutions in order to reduce the seasonality of tourism (Art. 18).
Regarding transnational cooperation and coordination, the protocol recognis-
es the need both of a horizontal and a vertical coordination among the different
tourism stakeholder groups and levels. Specifically, it encourages cooperation not
only at transnational level, but also between the relevant entities responsible for the
development of tourism policies within the individual countries (Art. 4). Moreover,
the protocol leans towards a trans-sectoral approach, involving different kinds of
stakeholders from sectors beyond tourism, such as agriculture, handicraft and
forestry, in order to foster regional value chains (Art. 20). Finally, as an additional
cooperation effort, the protocol calls for efforts to close the gaps in joint research
and monitoring as well as in data collection and sharing among the Alpine states,
while also promoting joint initiatives in training and information (Art 22 and 23).

5 Conclusions

This contribution has addressed some main challenges for the sustainability of Alpine
destinations and has highlighted how they go beyond the national borders of the
Alpine states; therefore, developing future touristic perspectives at transnational
level is particularly important in the Alps. There is the need to take in account the
governance framework as a basis for cooperation and coordination among actors
for the implementation of concrete measures. The Alpine Convention, and specif-
ically its Tourism Protocol, is the main legally binding instrument to foster such a
transnational governance approach; it addresses the main issues for the sustainable
development of tourism strategies and measures and can steer cooperation and
coordination among actors. This instrument can be seen as an enabler, which has
to be accompanied by concrete initiatives of coordination of tourism actors both
in a vertical, horizontal and trans-sectoral dimension.
Sustainable tourism perspectives for Alpine destinations 203

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5
Zukunftsorientierte
Destinationsentwicklung:
Governance, Design und Resilienz
Governance von touristischen
Destinationen
Die Rolle informeller Interaktionen
Frieda Raich

1 Einleitung

Touristische Destinationen stehen vor zahlreichen Herausforderungen wie glo-


bale Konkurrenz, verändertes Nachfrageverhalten oder sich verändernde Rah-
menbedingungen. Langfristige Planung, strategische Produktentwicklung, die
den Anforderungen der Nachhaltigkeit entspricht, Ausrichtung an verschiedene
Märkte oder die Nutzung von Handlungsspielräumen sind notwendig um sich
behaupten und durchsetzen zu können. Um langfristig wettbewerbsfähig zu sein,
kann die Entwicklung der touristischen Räume daher nicht dem Zufall überlassen
werden, sondern muss von den Akteuren gezielt beeinflusst und gesteuert werden.
Es gilt eine gemeinsame strategische Ausrichtung festzulegen, die Ressourcen zu
bündeln und Kernkompetenzen zu entwickeln. Eine solche Steuerung räumlicher
Wettbewerbseinheiten ist komplex und mit verschiedenen Wechselwirkungen
sowie Transintentionalitäten verbunden. Einfache Steuerungsansätze greifen zu
kurz – es gilt sich mit der Governance von touristischen Destinationen auseinan-
derzusetzen und neben den formellen Institutionen, Prozessen und Beziehungen
auch informelle Interaktionen zu berücksichtigen.

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 207
H. Pechlaner, Destination und Lebensraum, Entrepreneurial Management und
Standortentwicklung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-28110-6_16
208 Frieda Raich

2 Die touristische Destination als Beziehungsgeflecht

Das touristische Produkt ist ein Leistungsbündel. Gäste nehmen verschiedene


Teilleistungen in Anspruch, aus welcher sich die touristische Dienstleistungskette
zusammensetzt. In klassischen, öffentlichen Destinationen muss eine Vielzahl
eigenständiger, autonomer Akteure zusammenarbeiten, um ein wettbewerbsfä-
higes Produkt auf dem Markt anbieten zu können (Bieger & Beritelli, 2013). Die
einzelnen Akteure verfügen meist nicht über alle notwendigen Ressourcen zur
Erreichung eines bestimmten Zieles, da diese auf unterschiedliche Akteure verteilt
sind. Durch diese Situation entstehen Verbindungen zwischen den Akteuren der
Destination. Es handelt sich dabei nicht um reine Marktbeziehungen, sondern
die Fixierung im Raum und der dadurch entstehende gemeinsame Raumbezug,
gemeinsame Interessen oder wechselseitige Abhängigkeit kreieren ein spezielles
Beziehungsgeflecht zwischen den im Raum agierenden Akteuren (Raich, 2006).
Dieses Beziehungsgeflecht in touristischen Destinationen, das im Grunde das
Strukturmuster eines Netzwerkes widerspiegelt, ist durch drei wesentliche Elemente
charakterisiert (Genosko, 1999):

• horizontale Beziehungen zwischen den Akteuren,


• individuelle und interorganisatorische Beziehungen,
• eher lose Verbindungen.

Die Notwendigkeit optimierter Dienstleistungsketten, die Aufsplittung von Kom-


petenzen, vielfach mangelnde Kooperation, die Heterogenität der Leistungsträger
und teilweise schwache Koordinierungsinstrumente (Beritelli & Bieger, 2014; Ritchie
& Crouch, 2003) verlangen nach einer aktiven Auseinandersetzung und Pflege
des Beziehungsgeflechtes sowie der stattfindenden Interaktionen in touristischen
Destinationen. Interaktion kann dabei definiert werden als das Zusammenspiel
von Personen, als „reziproke actio und reactio zwischen Personen“ (Gelléri & Kan-
ning, 2007, S. 331). Wiederholte Interaktionen führen zu einer Beziehung, wobei
die Involvierten das Verhältnis wahrnehmen und ihm bestimmte Eigenschaften
zuschreiben (Willoh, 2015). Beziehungen sind geprägt durch Rückkoppelungen
positiver und negativer Art. Die Interaktionen und Beziehungen bilden letztlich
das Grundgerüst der Governance sozialer Systeme. Nur durch die Förderung von
Interaktionen zwischen den Akteuren und den Aufbau von Beziehungen ist die
gezielte Entwicklung touristischer Destinationen möglich. Ziel ist es, kollektives
Handeln zu ermöglichen.
Governance von touristischen Destinationen 209

3 Governance in touristischen Destinationen

„Governance ist die Gesamtheit der zahlreichen Wege, auf denen Individuen
sowie öffentliche und private Institutionen ihre gemeinsamen Angelegenheiten
regeln. Es handelt sich um einen kontinuierlichen Prozess, durch den kontroverse
oder unterschiedliche Interessen ausgeglichen werden und kooperatives Handeln
initiiert werden kann. Der Begriff umfasst sowohl formelle Institutionen und mit
Durchsetzungsmacht versehene Herrschaftssysteme als auch informelle Regelun-
gen, die von Menschen und Institutionen vereinbart oder als im eigenen Interesse
angesehen werden“ (Stiftung Entwicklung und Frieden, 1995, S. 4). In touristischen
Destinationen können verschiedene Steuerungsebenen und -elemente ausgemacht
werden: ein hierarchischer, institutioneller Kontext (Tourismuspolitik), Netzwerke,
die sich aus dem Beziehungsgeflecht der Akteure ergeben können, Netzwerk- und
sonstige Managementeinheiten (z. B. Tourismusorganisation). Wesentlich ist, dass
die Grenzen zwischen den verschiedenen Steuerungsebenen durchlässig sind, damit
sich die Akteure austauschen können und kollektive Handlungsfähigkeit möglich
wird (Raich, 2006).
Die Definition von Governance verdeutlicht, dass bei der Auseinandersetzung
mit Governance nicht nur formelle Regeln und Institutionen berücksichtigt und
gestaltet werden, sondern auch informelle Regeln und Interaktionen Einfluss haben:

Regeln/Interaktionen
formell informell

Größe des Handlungsraumes

Entscheidungs(un)sicherheit

Handlungsmuster

Abb. 1 Zusammenspiel von formellen und informellen Interaktionen


Quelle: In Anlehnung an Sauerland, 2002
210 Frieda Raich

Informelle Interaktionen unterscheiden sich von formell strukturierten Interak-


tionen und Beziehungen: „Informelle Interaktion bedeutet, dass Personen selbst
organisiert in Beziehung treten, d. h. der Prozess unstrukturiert, sporadisch und
eher zufällig ist, keine dauerhafte Verfestigung der Beziehungen besteht und die
Regeln der Interaktion durch die Interaktion selbst erzeugt werden. Formalisierte
Interaktion […] ist strukturgebunden und läuft nach formalen Routinen und
tradierten Problemlösungsmustern ab. Diese Beziehungen sind institutionalisiert
und kaum variabel.“ (Götzenbrucker, 2005, S. 74)
Letztlich ist die Verknüpfung verschiedener Steuerungselemente (institutioneller
Kontext, Netzwerke und Managementeinheiten), formeller und informeller Prozesse
sowie der Einsatz verschiedener Steuerungsmedien, wie Information, Konsens, Ver-
handlungen, Verträge, finanzielle Anreize, Anordnungen etc., notwendig, um eine
Destination gezielt in eine bestimmte Richtung zu entwickeln (Glückler & Németh,
2012; Raich, 2006). Nachfolgend soll auf die Bedeutung informeller Interaktionen
zur Steuerung touristischer Destinationen eingegangen werden.

4 Die Rolle informeller Beziehungen für die Governance


touristischer Destinationen

„Informelle Beziehungen stellen in der Praxis einen unbürokratischen, anlaßbe-


zogenen und ohne Umweg funktionierenden Weg der Information dar, der sich in
selbstorganisierender Weise entwickelt und funktioniert.“ (Braun, 2001, S. 145) Sie
sind in einem hohen Maß situativ und kontextgebunden (El-Bouz, 2015). Folgende
für die Governance einer Destination wesentliche Funktionen können informelle
Interaktionen insbesondere erfüllen:

• Informelle Vorverhandlungen können eine kollektive Einigung erleichtern:


„Die empirische Realität lässt sich am besten mit einem Modell gegenseitiger
Verflechtung beschreiben, in der es zu einer Steuerungsverlagerung in informelle
Vorentscheidergremien kommt“ (Kegelmann, 2007, S. 72). Informeller Austausch
zwischen wesentlichen Akteuren und eine dadurch mögliche Sortierung von
Interessen, Weitergabe von Informationen oder Annäherung unterschiedlicher
Positionen reduzieren Komplexität und erleichtern nachfolgende formelle Abläufe
(Braun, 2001). Dementsprechend können als Aufgaben informeller Planung die
Vorbereitung formeller Planungen, die Unterstützung von Entscheidungen sowie
die Schaffung von Rahmenbedingungen für die nachfolgende Umsetzung gesehen
Governance von touristischen Destinationen 211

werden, wobei das „Ziel ist, die Verfahren im Konsens zu gestalten und damit
in der Entwicklung weniger störanfällig zu machen“ (Pahl-Weber, 2010, S. 228).
• Nicht nur informelle Vorverhandlungen können formelle Prozesse und Entschei-
dungen erleichtern, sondern formelle Beschlüsse müssen auch durch informellen
Konsens gestützt und getragen werden. Die Akzeptanz und Legitimität drückt sich
letztlich u. a. in informeller Zustimmung aus (Pannes, 2011). Dadurch wird eine
breite Umsetzung möglich und es wird vermieden, dass strategische Pläne kaum
Beachtung finden. „Fomalität ohne Informalität [ist] defizitär“ (Pannes, 2011,
S. 39). Informelle Interaktionen können dazu beitragen, nicht-intendierte Folgen
von Steuerungshandeln zu mindern. Vor allem Einflussdifferenzen, unerwünschte
Reaktionen oder Abwehrhandlungen von Akteuren sowie die Inkompatiblität
der Intentionen können dadurch reduziert werden (Schimank, 2003).
• „Die formellen und informellen Formen der Interaktion zwischen den Institu-
tionen … erlauben einen kontinuierlichen wirtschafts- und standortpolitischen
Lernprozeß aller Akteure, erhöhen die Transparenz über die Stärken, Schwä-
chen und Herausforderungen für die Wirtschaft und verbessern die Orientie-
rungsfähigkeit der Unternehmen sowie privater und staatlicher Institutionen“
(Messner, 1995, S. 60). Die Möglichkeit informeller Interaktionen schafft dabei
Spontanität, Diskretion und ist vielfach mit geringeren Transaktionskosten als
bei formalen Interaktionen verbunden (Sydow 2010; Genosko 1999; Coase, 1937).
Diese Vorteile fördern die Interaktion und den Wissensaustausch. Auch eine
Kohäsionsfunktion durch informelle Interaktionen kann beobachtet werden
(Pannes, 2011). Der Wissensaustausch – formell und informell – macht die
Handlungen der Akteure wechselseitig antizipierbar, reduziert auf diese Weise
Unsicherheit und schafft gleichzeitig Vertrauen.
• Durch informelle Interaktionen können die Rahmenbedingungen für schnelles
Handeln bei Fehlentwicklungen geschaffen werden (Braun, 2001). Unbürokra-
tischer Austausch, in welchem diskret Ideen, Bedenken, Veränderungen etc.
diskutiert werden können, strukturieren Handlungsspielräume und machen es
möglich, dass bereits schwache Umweltsignale in das Bewusstsein der Akteure
aufgenommen werden. In diesem Zusammenhang übernimmt Informalität eine
Innovationsfunktion (Pannes, 2011). Zudem ist es möglich, dass informeller
Druck formale Organe zum Handeln bringt.

Letztlich münden die beschriebenen Funktionen von informellen Interaktionen in


einer verbesserten Steuerbarkeit touristischer Systeme, wobei auch die Steuerungs-
fähigkeit verantwortlicher Akteure optimiert wird. Steuerbarkeit bezieht sich dabei
auf das zu steuernde System und Steuerungsfähigkeit auf die Eigenschaften und
Fähigkeiten des Steuernden (Schwegler & Roth, 1992). In diesem Zusammenhang
212 Frieda Raich

können informelle Interaktionen der weichen Steuerung zugeordnet werden. Zur


harten Steuerung zählen autoritäre Handlungsanweisungen, während weiche
Steuerung in erster Linie Verhandlungen, Kooperationen, Informationsflüsse oder
prozedurale Festlegungen umfasst (Messner, 1995). Grundsätzlich geht es bei der
weichen, indirekten Steuerung darum, Selbstorganisation zu initiieren und zu
unterstützen (Braun, 2000).
Damit informelle Interaktionen die beschriebenen Potentiale entfalten können
ist es notwendig, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es ermöglichen formale und
informelle Interaktionen zusammen zu bringen. So sind die Ergebnisse informeller
Interaktionen abhängig von einer formellen Umsetzung. „Informalität ohne For-
malität ist gegenstandslos“ (Pannes, 2011, S. 39). Es gilt daher, dass die Ergebnisse
formalisiert werden müssen, um sie öffentlich und den nicht beteiligten Akteuren
zugänglich zu machen (Raich, Zehrer, Tschiderer & Siller, 2014; Pahl-Weber,
2010). Das Formalisieren bewirkt die Aufnahme der informellen Ergebnisse in die
formellen Abläufe und Strukturen und ermöglicht so eine destinationsbezogene
Umsetzung. Dazu braucht es adäquate Kommunikationskanäle und Strukturen.
Informalität und Formalität sind somit komplementäre Elemente (Pannes, 2011).
Dieses Verknüpfen von formellen und informellen Wissen kann z. B. durch Akteure
geschehen, die eine „Intersystemkompetenz“ aufweisen und sowohl in informelle
als auch formelle Abläufe eingebunden und mit den Regeln beider Systeme vertraut
sind. Normalerweise haben zentrale, mächtige Akteure derartige Fähigkeiten und
daher ist deren Mitwirkungsbereitschaft bei der Governance von zentraler Bedeu-
tung (Pahl-Weber, 2010). Wichtig ist, dass informelle Interaktionen, die bestimmten
Regeln entsprechen, nicht kriminalisiert werden. „Eine ganzheitliche Denkweise
erhebt eben diese informellen Beziehungen in einen offiziellen zumindest nicht
kriminalisierten Rang“ (Braun, 2001, S. 145). Trotzdem ist darauf zu achten, dass
informelle Interaktionen funktional und den allgemeinen Werten und Zielen
entsprechend sind (Pannes, 2011).
Informale Interaktionen weisen nicht nur Vorteile auf, sondern sind auch mit
Risiken und möglichen Nachteilen verbunden, die es ebenfalls zu thematisieren gilt.
„So kann es zu Intransparenz kommen sowie zu einer fehlenden Kontrollierbarkeit
der Entscheidungsprozesse und zu deren Elitisierung“ (Zehrer & Raich, 2015, S. 98).
Eine Elitisierung durch ausgewählte, zentrale Akteure kann dazu führen, dass sich
die anderen Akteure der Destination ausgeschlossen fühlen und es zu Abwehrme-
chanismen gegenüber den in dem informellen Beziehungsgeflecht eingebundenen
Akteuren und deren Entscheidungen kommt (Zehrer & Raich, 2015). Auch das Ent-
stehen von nicht korrekten Informationen oder falschen Rückschlüssen kann unter
Umständen erst spät aufgedeckt werden, sodass Unsicherheit entsteht. Damit diese
Risiken verringert werden, braucht es eine stärkere Bewusstwerdung der informellen
Governance von touristischen Destinationen 213

Prozesse sowie eine klare Definition der Schnittstellen zwischen informeller und
formeller Governance (Pahl-Weber, 2010). Auch die Einbindung von Akteuren, die
das Kollektivinteresse vertreten, wie Vertreter der Tourismusorganisation, kann
dazu beitragen, die Risiken der Informalität zu mindern (Zehrer & Raich, 2015).

5 Informelle Führungsnetzwerke in touristischen


Destinationen

Eine besondere und für die Governance touristischer Destinationen wesentliche Form
informeller Beziehungen und Interaktionen sind Führungsnetzwerke in Destinationen
(Zehrer, Raich, Siller, &Tschiderer 2014). Dabei interagieren zentrale Akteure, die aus
unterschiedlichen Branchen stammen können, in den Destinationen. Normalerweise
handelt es sich um ein primär informelles Beziehungsgeflecht bestehend aus einem
kleinen Kreis von Leitbetrieben, Pionieren und Entrepreneuren sowie der Touris-
musorganisation, die eine besonders bedeutende Rolle innehat. In einem solchen
Netzwerk eingebunden sind somit meist fast alle Akteure, die es braucht, um eine
schlagkräftige Gruppe zur Steuerung der Destination zu formen – sie repräsentieren
unterschiedliche Kernleistungsträger der Destination. Diese Beziehungsgeflechte
können sich zu Führungsnetzwerken entwickeln, die folgende wesentlichen Eigen-
schaften aufweisen (Zehrer, Raich, Siller, &Tschiderer 2014; Bieger & Beritelli, 2013):

• Einbindung sowohl kompetenter als auch einflussreicher Akteure, die erkannt


haben, dass sie durchaus in der Destination voneinander abhängig sind;
• die Führungsnetzwerke sind überwiegend informell und basieren auf interper-
sonellen Beziehungen und Vertrauen;
• wechselnder, spontaner Austausch und gewachsene Beziehungen/Bindungen
prägen die Zusammenarbeit.

Die Interaktionen in derartigen informellen Führungsnetzwerken führen dazu,


dass Kernleistungsträger ihre Interessen und Intentionen austauschen und erste
Verhandlungen initiieren können. Die Vielfalt der Intentionen kann dadurch re-
duziert sowie Kumulations- und Kompatibilitätsvorteile erarbeitet werden (Kulke,
2009). Gleichzeitig kommt es zu einer ähnlichen Wahrnehmung der Rahmenbe-
dingungen und der Handlungssituation. „Dieses Bild von der Ausgangslage und
die entsprechende Handlungsorientierung beeinflussen das effektive Verhalten
der Akteure“ (Zehrer & Raich, 2015), was formale Prozesse vereinfacht und eine
gemeinsame strategische Ausrichtung ermöglicht.
214 Frieda Raich

6 Fazit

Touristische Destinationen sind umso leistungs- und wettbewerbsfähiger, je bes-


ser sie in der Lage sind, kollektives Handeln zu organisieren und je wirksamer sie
sich der interregionalen Konkurrenz stellen. Es bedarf der Konsensbildung nach
innen und der Wettbewerbsorientierung nach außen. Eine bewusste Governance
touristischer Destinationen, die verschiedene Steuerungselemente und -medien
umfasst, ist für eine langfristige Behauptung auf dem Markt notwendig. Dabei
müssen zusätzlich zu den formalen Regeln, Abläufen und Interaktionen auch die
informellen Beziehungen und Interaktionen wahrgenommen, thematisiert und
deren Vorteile für eine gemeinsame zielgerichtete Destinationsentwicklung genutzt
werden. Letztlich gilt es, informelle Aktivitäten in der Destination zu fördern
und Schnittstellen zu den formalen Prozessen und Strukturen herzustellen und
zu gestalten. Von Vorteil ist es, wenn in informellen Beziehungsgeflechten, die
die Destinationsentwicklung beeinflussen können, Akteure eingebunden sind,
die das Kollektivinteresse vertreten und imstande sind, die Übergänge zwischen
Informalität und Formalität herzustellen.

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Governance von touristischen Destinationen 215

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Tourism Review, 69(1), 59–73.
Destination Design: neue Perspektiven für
die Destinationsentwicklung?
Greta Erschbamer

Ein besonderes Augenmerk in der Tourismusforschung gilt der Entwicklung und


dem Management von Destinationen. Dabei haben in den vergangenen Jahr-
zehnten auch Konzepte und Theorien der Governance (Raich, 2006; Pechlaner,
Raich & Beritelli, 2010; Pechlaner, Volgger & Herntrei, 2012) und des Leadership
(Pechlaner, Kozak & Volgger, 2013; Bieger & Beritelli, 2014) Eingang in die Tou-
rismusforschung gefunden. Ohne Zweifel haben diese umfassenden Erkenntnisse
und Theorien zur Entwicklung einer Tourismuswissenschaft beigetragen. Dies gilt
nicht nur für den Wissenschaftsbereich selbst, sondern auch für die Anwendung in
der Tourismusbranche. Viele dieser Überlegungen konnten bereits Einzug in die
Tourismusindustrie halten und dabei politische Entscheidungen und Maßnahmen
beeinflussen, sowie maßgeblich zur Professionalisierung und insbesondere der
Steuerung und des Managements von Destinationen beitragen.
Weniger Beachtung in der Tourismusforschung haben bislang Themen, die die
Gestaltung, das Erscheinungsbild und die Ästhetik einer Destination in Verbindung
mit Designelementen betreffen, erlangt. Da vor allem dem Design die Charakteristika
zugeschrieben werden, viele verschiedene Ansätze und wissenschaftliche Disziplinen
miteinander verbinden zu können, scheint es sowohl aus wissenschaftlicher als auch
aus praktischer Perspektive interessant zu sein, der Frage nachzugehen, inwieweit
Theorien und Ansätze des Designs Einfluss auf die Gestaltung der Entwicklung
und des Managements von Destinationen haben können.
Globale Veränderungen und Entwicklungen konfrontieren Destinationsma-
nager mit Herausforderungen, welche die Weiterentwicklung von Destinationen
mit allen dazugehörigen Elementen, die Produkte, Dienstleistungen, Akteure und

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 217
H. Pechlaner, Destination und Lebensraum, Entrepreneurial Management und
Standortentwicklung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-28110-6_17
218 Greta Erschbamer

Infrastrukturen inkludieren. Entwicklungen in der Digitalisierung, der demo-


graphische Wandel und die zunehmende Globalisierung sowie der Klimawandel
und das veränderte Mobilitätsverhalten (Benedikter, 2013) fordern traditionelle
Prozesse und Herangehensweisen der Destinationsentwicklung oder der Steuerung
von Gesellschaften und Systemen heraus, dessen Auswirkungen in Zukunft weiter
verstärkt wahrgenommen werden. Um diesen komplexen Anforderungen auch in
Zukunft gerecht zu werden, sind inter- und transdisziplinäre Ansätze erforderlich.
Ein Lösungsansatz könnten die Anwendung und Verbindung von verschiedenen
Designtheorien sein. Konzepte des Designs, die diverse Disziplinen miteinander
vereinen, können dazu dienen, neue Herangehensweisen aufzuzeigen und damit
innovative Lösungsvorschläge zu entwickeln (Brandes et al., 2009).

1 Zum Begriff Design

Design ist ein Sammelbegriff und wird vor allem in unterschiedlichen Disziplinen
und im allgemeinen Sprachgebrauch sehr vielfältig verwendet. Es gibt keinen
allgemein anerkannten Nenner um das Konzept Design zu beschreiben. So kann
beispielsweise kein eindeutiger historischer Zeitpunkt ausfindig gemacht werden, ab
dem man von Design sprechen kann (Brandes et al., 2009). Bürdek (1991) erwähnt
beispielsweise Leonardo Da Vinci als ersten Designer, dieser hat neben gestalte-
risch orientierten Elementen zu einem erweiterten Verständnis von Gestaltung
beigetragen, da er sich als Wissenschaftler mit Bereichen der Anatomie, Optik und
Mechanik mit diversen Elementen technischer Errungenschaften beschäftigt hat.
Im Oxford Dictionary wird der Begriff „Design“ erstmals im Jahre 1588 angeführt
und beschrieben als 1) „ein von einem Menschen erdachter Plan oder ein Schema
von etwas, das realisiert werden soll“ und 2) „ein erster zeichnerischer Entwurf für
ein Kunstwerk oder ein Objekt der angewandten Kunst, der für die Ausführung
eines Werkes verbindlich sein soll“ (in Bürdek, 1991, S. 15).
Manzini’s Aussage (2015, S. 1) „in a world in rapid and profound transformation,
we are all designers“ deckt sich mit Cross’s Ausführung (2011, S. 3) „everybody
can – and does – design“. Dabei inkludieren die Autoren individuelle Personen,
aber auch Organisationen, Unternehmen, Behörden, Städte, Regionen und Staaten,
die in das Design von verschiedensten Dingen und Prozessen eingebunden sind.
Cross geht in seinen Ausführungen weiter und spricht vom Konzept des Design
Thinking als Methodik und erweiterter Denkansatz. Design Thinking bezieht sich
auf die Eigenschaft von Designern, auf eine ganz spezifische Art zu denken, das
lösungsorientierte Vorgehen und das unkonventionelle, außerhalb des Bekannten
Destination Design: neue Perspektiven für die Destinationsentwicklung? 219

Lösungen suchende Denken. Gerade im Kontext kreativer Problemlösung wird von


der Notwendigkeit des Design Thinking gesprochen, das als wichtige Methodik
gilt, um neue Zugänge zu schaffen und Einschränkungen im Umgang mit Her-
ausforderungen zu verhindern. In vielen Industriebereichen wird das Berufsbild
des Designers als die Person angesehen, welche Grenzen aufweichen und zerstören
kann, um Gemeinsamkeiten herzustellen oder voneinander unabhängige Bereiche
zu verbinden und in bereits bestehende Prozesse integrieren zu können. Damit ein-
hergehend kann Design zunehmend als Metadisziplin verstanden werden, welche
verschiedenste Bereiche und Branchen tangiert: So spricht man von Design, wenn
es darum geht, über die bisher übliche Methodik hinaus, weitere Methoden und
Ansätze anzuwenden, um etwas zu gestalten. Diese Herangehensweise könnte auch
unmittelbar in einer touristischen Destination angewandt werden, da sich auch dort
komplexe Prozesse erkennen lassen, die sich über verschiedene Bereiche erstrecken.

2 Entwicklungen im Design

Der Terminus „Design“ gilt zunehmend als verwässerter Begriff, die inflationäre
Nutzung des Wortes geht einher mit der Gleichsetzung von Design mit „teuren,
exquisiten, wenig praktischen, lustigen, formal hochgekitzelten und farblich auf-
geputzten Objekten“ (Bonsiepe, 2009, S. 16). Auch Latour (2008) nähert sich dem
Wort Design und sieht dabei ein Gleichgewicht von „nicht nur…, sondern auch…“
Dabei erfasst er einen Gegenstand einerseits als Materialität, zum anderen über
die äußeren, ästhetischen oder „symbolischen“ Eigenschaften. Dabei kann eine
Auflösung der typisch modernistischen Wasserscheide zwischen Materialität auf
der einen Seite und Design auf der anderen erkannt werden. Die Notwendigkeit, die
Geschichte des Designs zu studieren ist gegeben, um ein Schema für die Zukunft
abzuleiten. Denn nur so kann die Kraft der Visualisierung durch das Design, welches
in Vergangenheit von Künstlern, Ingenieuren, Designern, Philosophen, Aktivisten
und Handwerkern genutzt wurde, auch mit der weiteren Entwicklung im Design
einhergehen. Im Jahr 2015 versucht Manzini eine Definition von Design zu geben,
da sich seiner Meinung nach die Begrifflichkeit neu definiert hat, vor allem hinsicht-
lich der Anwendungsmöglichkeiten. War Design in der Zeit der Industrialisierung
und Massenproduktion auf die Gestaltung von Industrieprozessen und -produkten
begrenzt, so hat sich das Verständnis von Design so geändert, dass sich das Anwen-
dungsfeld nicht mehr auf die Gestaltung von Produkten begrenzt, sondern um die
Gestaltung von Dienstleistungen erweitert wurde. Die Rolle des Designers hat sich
ebenfalls geändert: wurde bisher nur von Experten „designed“, wurden nach und
220 Greta Erschbamer

nach immer mehr Akteure in Prozesse eingebunden, wie beispielsweise Kunden


und Konsumenten. Hinsichtlich der zeitlichen Begrenzung von Designprozessen
verschob sich das Interesse von „closed-ended“ zu „open-ended processes“.
Vor dem Hintergrund komplexer globaler Veränderungen und Entwicklun-
gen und der Diskussion der damit einhergehenden großen, gesellschaftlichen
Transformation hat eine weitere Abwandlung des Begriffes Design Einzug in die
wissenschaftliche Diskussion erlangt: das Transformationsdesign. Die Forschung
im Bereich des Transformationsdesigns zeigt klar auf, dass es im Design um weit
mehr geht, als um die Gestaltung und Ästhetik von Artefakten. Die globalen
Veränderungen in Bereichen wie Energie, Handel, Konsum und Versorgung
verlangen neue Ansätze, welche u. a. die neue Designdisziplin unter dem Begriff
„Transformation Design“ aufgreift. Dabei werden methodische Kompetenzen des
Designs und die damit zusammenhängenden Prozesse als Mittel gesehen, um
gesellschaftlichen Wandel herbeizuführen und Verhaltensänderungen zu erwir-
ken. Dabei spielt der Designer eine wichtige Rolle, da er in Verbindung mit vielen
verschiedenen Disziplinen praxisbezogene Themen aufgreift, Problemstellungen
erkennt und durch dessen offenen Ansatz transdisziplinäre Lösungsansätze schafft
(Sommer & Welzer, 2017). Besonderes Augenmerk wird hierbei auf partizipative
Methoden und Prozesse gelegt, da die Gestaltung von Transformationsprozessen
die Beteiligung der von der Problemstellung Betroffenen erfordert (WBGU, 2011).

3 Bisherige Verknüpfungen von


Destinationsentwicklung mit Design

Auch in der Regionalentwicklung spielt die Gestaltung des Raumes und damit
„Design“ eine Rolle und beeinflusst nicht zuletzt die Entwicklung einer Region.
Dabei kann Design als Standortfaktor bezeichnet werden, der wie weitere Standort-
faktoren, wie z. B. die Erreichbarkeit oder der Ausbau der Freizeitinfrastruktur, der
Bildungseinrichtungen, des öffentlichen Nahverkehrs usw. einen Einfluss auf die
Wahrnehmung und auf die Attraktivität der Region für verschiedene Interessen-
gruppen (Einwohner, Touristen/Gäste, Unternehmen) der Region hat. Dabei kann
Design als Standortfaktor sich zu einem Alleinstellungsmerkmal einer Region, zu
einem USP entwickeln, der Glaubwürdigkeit und Authentizität vermitteln kann.
Gleichzeitig kann Design als Standortfaktor aber auch das Gegenteil vermitteln,
beispielsweise wenn die Inszenierung die Authentizität übersteigt.
Ersichtlich wird dies in der Architektur, im Kunsthandwerk und durch die An-
wendung von regionsspezifischen Materialien. Die Kombination kann eine Region
Destination Design: neue Perspektiven für die Destinationsentwicklung? 221

unverwechselbar machen und prägt sie, ihr wird eine Form gegeben. Böninger
(2017) erwähnt in einem Interview die Möglichkeit von Design „als bestmögliche
Anpassung der Produkte an unsere funktionalen und emotionalen Bedürfnisse.“
Dabei sollte Design nicht nur als Teil der Gebrauchskultur verstanden werden,
sondern auch als Wirtschaftsfaktor, da unsere Kaufentscheidungen stark von
Elementen des Designs beeinflusst werden.
Eurac Research hat im Rahmen eines Forschungsprojektes die Gestaltung von
Räumen, sprich Regionen, über Baukultur und Architektur untersucht und dabei
eine Verbindung zwischen Architektur als Gestaltungselement und als Faktor der
Destinationsentwicklung hergestellt. Konkret ging es in dem Projekt „Architectural
Governance“ darum, die Steuerungselemente von Architektur und Baukultur und
deren Auswirkung auf die Regional- und Destinationsentwicklung in fünf Alpenre-
gionen miteinander zu vergleichen. Im Rahmen der Studie wurde die „Architectural
Governance“ der fünf Alpenregionen Südtirol, Tirol, Trentino, Vorarlberg und
Graubünden einer vergleichenden Betrachtung unterzogen. Dabei bildet in erster
Linie die Landschaft als Summe aller Räume das Bindeglied zwischen Tourismus und
Architektur bzw. zwischen der Destination und regionaler Baukultur. Landschafts-
schutz, Landwirtschaft, Denkmalschutz, architektonische Statements im Sinne von
einzelnen, herausragenden Bauten und Tourismus- sowie Regionalentwicklung sind
damit aufs Engste miteinander verbunden und daher auch in dieser Verbindung
weiter zu denken und zu entwickeln. Das Projekt hat gezeigt, dass die Governance
der Architektur und Baukultur verschiedenste Akteure, Objekte und Medien der
Steuerung und Koordinierung umfasst und Unterschiede in der Governance auch
zu unterschiedlichen Entwicklungen in der Baukultur der jeweiligen Region bzw.
Destination führen. Eine bedeutende Erkenntnis im Kontext der Gestaltung von
Räumen war die Verbindung zwischen Architektur und Tourismus: Die architek-
tonische und baukulturelle Komponente ist in der touristischen Außendarstellung
und Wahrnehmung einer Region bedeutend (Volgger et al., 2016).
Weitere Verbindungen zwischen der Architektur einer touristischen Destination
und dem Design wurden im Konzept des Atmospheric Designs nach Pfister (2003)
hergestellt. Pfister geht davon aus, dass unterschiedliche Raumgestaltungen und
Atmosphären einer Destination unterschiedliche Gästegruppen anziehen und somit
unterschiedlich auf Gäste und Besucher wirken. Das Atmospheric Design umfasst
dabei neben der Hotellerie, Gastronomie und weiteren touristischen Einrichtungen
auch die Alltagsarchitektur von Gewerbegebieten, Einkaufsstraßen, Wohnhäusern,
Verkehrsinfrastrukturen sowie bewirtschaftete und unbewirtschaftete landwirt-
schaftliche Flächen, Wälder und Wiesen. Es geht darum, die Wechselwirkungen
zwischen den verschiedenen Aspekten einer Destination und ihrer Umwelt als
Ganzes zu sehen.
222 Greta Erschbamer

4 Weitere Überlegungen

Diese bisherigen Überlegungen zur Verbindung von Destination und Design wer-
fen weitere Fragestellungen auf, denen sich Wissenschaft und Praxis aus diversen
Perspektiven nähern können. Grundlegende Aussagen wie beispielsweise „everyone
can – and does – design“ (Cross, 2011, S. 3) implizieren somit, dass verschiedenste
Akteure in verschiedenste Prozesse der Destinationsentwicklung eingebunden
werden müssen, doch wie kann dies in der Praxis aussehen? Geht es dabei um die
stärkere Einbeziehung von bereits bekannten Akteuren einer Destination? Oder
muss das derzeitige Verständnis erweitert werden und werden dadurch völlig neue
Akteure hinzugezogen, die bisher in Entscheidungsprozessen kaum oder keine Rolle
gespielt haben? Wer können diese neuen Akteure sein und welche Charakteristika
weisen sie auf? Können Ansätze aus dem Participatory Design und Service Design
in bisherige Entscheidungsprozesse integriert werden und somit für ein erweitertes
Verständnis der Entwicklung und Gestaltung einer Destination sorgen?
Wie kann Design insbesondere über die Methodik des Design Thinkings in
die derzeitigen Entwicklungsprozesse von Destinationen einwirken und negative
Auswirkungen beseitigen, sowie positive Auswirkungen weiter verstärken? Können
globale Herausforderungen wie die Digitalisierung, der demographische Wandel,
die veränderte Mobilität, das Streben nach Nachhaltigkeit und Resilienz durch
ein neues Verständnis aus dem Design heraus innovative Lösungen für komplexe
Problemstellungen aufzeigen?
Können durch Ansätze des „Disruptive Design“ und des „Dissonant Design“
touristische Destinationen neu gedacht werden, insofern diese bewusst Störungen
schaffen, die das System „schütteln“ („schöpferische Zerstörung“) und somit festge-
fahrene, eingesessene Prozesse in Frage stellen und kritisch beleuchten (Fuad-Luke,
2017)? Kann der Ansatz der „Wicked Problems“ ein Weg dahin sein, komplexe und
fast unlösbare Problemstellungen einer touristischen Destination neu zu betrachten
und somit „andersartige“ Lösungsvorschläge zu entwickeln?
Festgehalten werden kann, dass die Verbindung von Design und touristischer
Destinationen Potentiale der Entwicklung aufzeigt, die möglicherweise zu einem
neuen und erweiterten Qualitätsverständnis einer Destination als Mobilitäts-,
Attraktions- und Dienstleistungsraumes beitragen kann (Pechlaner, Herntrei &
Kofink, 2009). Für Eurac Research ergibt sich damit ein neues Forschungsziel:
Inwieweit können die Konzepte und Ansätze des Designs und der Destination
miteinander verknüpft werden, um dadurch konzeptuelle Grundlagen für ein
Destination Design zu schaffen?
Destination Design: neue Perspektiven für die Destinationsentwicklung? 223

Literatur

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Schrumpfung als Entwicklungsstrategie
für zukunftsfähige Destinationen
und Regionen
Elisa Innerhofer
Schrumpfung als Entwicklungsstrategie

1 Einleitung

Der Wachstumstrend einiger Destinationen im Alpenraum war in den letzten


Jahrzehnten ungebrochen. In diesen Wachstumsräumen sind der Siedlungsraum
zunehmend knapper und Boden und Wohnraum teuer geworden. Diesen Tendenzen
entgegen stehen beachtliche Schrumpfungsprozesse in anderen alpinen Döfern und
Regionen. Ihnen „geht die Kraft aus“, sie verlieren an Vitalität und Attraktivität.
Einwohner wandern ab, die Orte drohen zu verwaisen. Solche Bilder kennzeichnen
einige Tourismusdestinationen, deren Blütezeiten der Vergangenheit angehören und
die sich heute um Gäste kämpfend an den letzten Spuren des Erfolgs festhalten.
Ortszentren solcher Destinationen sind gekennzeichnet von tristem Leerstand,
schlimmstenfalls von brachen Immobilien, die sich als Bausünden entpuppen. Ein
aktiver Umgang mit Schrumpfungsprozessen ist sowohl in den Tourismuszentren,
die durch ein jahrzehntelanges Wachstum an ihre Grenzen stoßen als auch in
den „entsiedelten und sterbenden“ Dörfern gefragter denn je und doch sieht die
politische Realität anders aus.
Eine Gratwanderung eingegangen sind sowohl die einen Destinationen, die
immer weiter gewachsen und ein Mehr an Tourismus zugelassen haben, als auch
die anderen, die vermutlich reale Entwicklungen nicht erkannt haben und vom
Strukturwandel überholt wurden. Es sind zwei entgegenläufige Phänomene und
genauer betrachtet doch dieselben Fragen, die sich aufdrängen. Kann man Orte
einfach zusperren, weil entweder keine Menschen mehr dort sind oder weil so viele
vor Ort sind, dass ein Mehr nicht mehr tragbar wäre? Die Themen sind sensibel.

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 225
H. Pechlaner, Destination und Lebensraum, Entrepreneurial Management und
Standortentwicklung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-28110-6_18
226 Elisa Innerhofer

Debatten über die Grenzen des Wachstums und der Schrumpfung sind der Politik
und breiten Öffentlichkeit bisher eher fremd geblieben.
Im Zuge der Tourismusforschung an der Eurac Research hat sich das Institut
für Regionalentwicklung dem Thema Schrumpfung angenommen, und zwar mit
der Zielsetzung neben Wachstum, auch Schrumpfung und Rückbau als Teil einer
Entwicklung zu diskutieren. Eine hierfür am Institut etablierte Forschungsgrup-
pe organisierte eine Konferenz mit Akteuren aus Wissenschaft und Praxis, die
Schrumpfungsprozesse und Beispiele aus dem mitteleuropäischen Raum vorstell-
ten. Die Ergebnisse wurden in einer Buchpublikation gesammelt und veröffent-
licht. Der vorliegende Beitrag diskutiert das Spannungsfeld zwischen Wachstum,
Schrumpfung und Rückbau in und von Tourismusdestinationen, sowie die dadurch
entstehenden Disparitäten im Alpenraum und gibt dabei einige Diskussionsinhalte
und Ergebnisse der Forschungsgruppe „Schrumpfung“ wieder.

2 Über zu viel und zu wenig

Räumliche Disparitäten kennzeichnen die alpine Realität im 21. Jahrhundert. Der


Umgang damit zählt für die Regional- und Tourismusentwicklung sowie für die
Tourismusforschung zu den großen Herausforderungen der Gegenwart. Diese
Disparitäten resultieren aus der Bipolarität von Wachstum und Schrumpfung oder
anders formuliert, der Verstädterung einiger „Tourismus-Hotspots“ einerseits und
der Entsiedelung weiter ländlicher Gebiete andererseits (Bätzing, 1998; Innerhofer
& Pechlaner, 2017; Forster, 2017). Die sich verschärfenden Gegensätze zwischen
zentralen und peripheren Räumen erfordern eine analytische Betrachtung und
Entwicklung von Problemlösungsansätzen, nicht nur aus raumordnungspolitischer,
sondern auch aus ökonomischer, ökologischer und sozialer Perspektive.
Ein Urlaubsdomizil und Reiseziel für andere zu sein, ist ein durchaus erstrebens-
wertes Ziel für eine Region. Generell erfährt die Tatsache, dass eine Region als schön
und interessant empfunden wird und dass dadurch Menschen von außerhalb ihren
Urlaub (die „schönste Zeit im Jahr“) dort verbringen möchten, eine zustimmende
Haltung bei der einheimischen Bevölkerung (Lehmeier, 2015). Häufig sind es neben
den naturräumlichen die regionalen, identitätsstiftenden Elemente, wie die Kultur,
Tradition und Bräuche, sowie auch das Landschaftsbild, die Siedlungsstruktur und
Bau- und Architekturformen, die letzlich Grundlage für den Tourismus und die
touristische Attraktivität einer Region sind. Wachstum, Zunahme und Verbreitung
von Tourismus in einer Region heißt demnach, dass auch Menschen von Außen diese
regionalen Elemente als schön wahrnehmen und als wertvoll empfinden. Gerade in
Schrumpfung als Entwicklungsstrategie 227

wenig touristisch erschlossenen Gebieten überwiegen die positiven Einstellungen


und Haltungen gegenüber dem Tourismus, da er in erster Linie als wirtschaftlicher
Faktor gesehen wird, der Arbeitsplätze schafft, Einkommen generiert, Abwanderung
verhindert und insgesamt durch neue Produkte und Angebote, die auch von den
Einheimischen genutzt werden, die Attraktivität einer Region steigert. Negative
Konsequenzen durch massentouristische Auswüchse sind diesen Regionen fremd.
Dass die Situation und Stimmung auch gänzlich anders sein kann, zeigen die
jüngsten Entwicklungen in touristischen „Hotspots“, wie beispielsweise in südeu-
ropäischen Städten. Der Widerstand gegen Massentourismus in Athen, Barcelona
oder Venedig nimmt zu. Die Einwohner bringen ihren Unmut über die Entwick-
lungen, z. B. über die steigenden Mieten, den „Ausverkauf der Städte“ oder die
zurückbleibenden Müllberge, durch Demonstrationen zum Ausdruck (Lill, 2017).
Fremd ist dieses Phänomen allerdings auch einigen Regionen im Alpenraum nicht.
Gerade Winterdestinationen wie Chamonix, Bad Ischl oder Davos sind geprägt von
urbanisierten Strukturen wie Liften, Hotels, Restaurants und Straßen. Hier hat
sich der Tourismus zu einer Monokultur entwickelt, was in der Folge Boden- und
Immobilienpreise rasant nach oben trieb und über einen Verdrängungsprozess
die Einwohner in die Peripherie drängte (Bätzing, 1998; 2015a). Die Zentren sind
geprägt von architektonischen Unzulänglichkeiten, die im Laufe der Jahrzehnte
touristischer Entwicklung entstanden sind. Inwieweit dieses Bild von der alpinen
Landschaft wettgemacht werden kann, ist zunehmend fraglich, die struktur- und
naturräumlichen Veränderungen werden verbreitet sichtbar (Bätzing, 2015a;
2015b). Einher geht diese Entwicklung mit weiteren Phänomenen, die den Raum
als qualitativ hochwertigen und attraktiven Lebensraum bedrohen. Hierzu zählen
beispielsweise die Zersiedelung der Landschaft und die ökologischen Schäden durch
die Abholzung der Wälder und den Ausbau der Pistenflächen sowie durch den
steigenden Verkehr, oder aber die Veränderung der Vegetation durch den Einsatz
der Skiraupen und die Produktion von Kunstschnee, sowie den dadurch bedingten
erhöhten Wasser- und Energiebedarf (Bätzing, 1998; Bieger, 1998).
Für die zahlreichen Besuchergruppen sind diese Destinationen Abenteuerorte
auf Zeit, die sie sich für einen begrenzten Zeitraum aneignen und anschließend
wieder verlassen. Im schlimmsten Szenario drohen diese Orte zu Dörfern zu wer-
den, die nur mehr zeitweise benutzt, aber nicht mehr dauerhaft bewohnt werden
(Ritter, 2014).
Entsteht eine gewisse Spannung zwischen jenen Akteuren, die vor Ort leben und
jenen, die auf Zeit geladen sind, wie sich das in den Sädten in Südeuropa zeigt, stellt
sich die drängende Frage nach der Grenze des Wachstums. Schrumpfung scheint
in diesem Kontext weniger eine mögliche Alternative, sondern vielmehr ein erfor-
derliches Szenario für den Erhalt der Städte und Regionen als lebenswerte Räume.
228 Elisa Innerhofer

Neben den genannten „Hotspots“ im Alpenraum stehen einige ländlich struk-


turierte Räume, die von ihrer Selbstauflösung betroffen sind. Duch die Abwande-
rung der jungen, gut ausgebildeten Generationen entsteht ein demographisches
Ungleichgewicht, das diese Gemeinden zu sozial und ökonomisch nicht mehr
lebensfähigen Orten macht. Das Schwinden der Bewohner und die Auslastung
der Basisinfrastruktur werden zu einem Problem (Milbert, 2015; Deutsche Vernet-
zungsstelle Ländliche Räume, 2014; Kröhnert et al., 2011). Typische Folgeprobleme
für diese Orte sind ein durch Abwanderung bedingter Mangel an qualifizierten
Arbeitskräften, was wiederum zur Abwanderung der Unternehmen führt, das
Aussterben des Einzelhandels, Wohnungs- und Gewerbeleerstände sowie ein sin-
kendes Steueraufkommen. Dass diese Orte und Regionen auch für den Tourismus
nicht attraktiv sind bzw. an Attraktivität verlieren, ist naheliegend.
Neben peripheren von Abwanderung betroffenen Räumen sehen sich heute
auch jene touristischen Destinationen, die die Auswirkungen der gesellschaftli-
chen Transformation, sowie die Veränderungen im Reise- und Urlaubsverhalten
der letzten Jahrzehnte nicht erkannt haben, mit dem Phänomen der Schrumpfung
konfrontiert. Die Anzahl der Ankünfte und Nächtigungen sinken, Betriebe müssen
schließen, weil die Nachfolgegeneration abwandert und die Betriebe nicht mehr
weiterführt oder bzw. und weil ihre wirtschaftliche Situation eine Weiterführung
sowie notwendige infrastrukturelle Investitionen nicht zulässt. Diese Betriebe sind
in dieser Form und unter den veränderten Bedingungen nicht mehr lebensfähig,
was wiederum die Lebensfähigkeit der gesamten Destination bedroht (Pechlaner
& Innerhofer, 2017).
Während sich der Tourismus räumlich auf die großen „Hotspots“ im Alpenraum
konzentriert, werden die kleineren Tourismusgemeinden mit geringem Angebot,
sowie geringerer Professionalisierung durch die schärfer werdende Konkurrenz
und die veränderten Rahmenbedingungen vom Markt gedrängt. Sie schrumpfen.
Politische Konzepte der Gegensteuerung bzw. der Herangehensweise und des
Umgangs mit der Situation setzen vordergründig auf Überlegungen des Wachs-
tums. Kaum finden sich Ansätze, Strategien oder Ideen des „Weniger ist Mehr“
bzw. der Schrumpfung und des Rückbaus Raum in den Handlungsansätzen und
Entwicklungskonzepten. Allerdings zeigen sich, über verschiedene wissenschaftliche
Disziplinen hinweg, Bewegungen und Initiativen, die sich auf der Suche nach neuen
Orientierungen begeben und Wachstum überdenken bzw. neu denken. In diesen
neuen alternativen Denkmustern werden auch schrumpfende Phänomene „als Teil
einer Entwicklung und weniger als das Gegenteil von Wachstum“ (Innerhofer &
Pechlaner, 2017) gedacht. Der folgende Absatz will einige dieser Überlegungen
aufzeigen.
Schrumpfung als Entwicklungsstrategie 229

3 Schrumpfung und Rückbau – Alternative Denkansätze


und was der Tourismus davon lernen könnte

Ausgelöst durch die negativen Auswirkungen der Globalisierung, durch den Kli-
mawandel und die ökologischen Veränderungen, sowie durch die global sozialen
Ungleichgewichte und den gesellschaftlichen Wandel, zeigen sich Bewegungen und
Initiativen, die mit alternativen Denkmustern auftreten und Lösungsansätze zu
entwickeln versuchen, um eine sozial-ökologische Transformation einzuleiten. Eine
dieser Initativen sind die Bewegungen rund um die „Degrowth“- Debatte. Diese
Bewegungen sehen Wachstum in vielen Staaten kaum mehr aufrechtzuerhalten
und plädieren dafür, sich von dieser Ideologie zu lösen. Degrowth geht von der
Überzeugung aus, dass Wohlstand sowie ein funktionierender Wohlfahrtsstaat
auch ohne Wachstum möglich sind und dabei sozialer Ausgleich geschaffen, Ar-
mut beseitigt und die negativen Auswirkungen auf die Umwelt reduziert werden
können (D’Alisa, Damaria & Kallis, 2016). Die Verfechter sehen darin einen alter-
nativen Deutungsrahmen gegen den Status quo mit dem Ziel eines Wertewandels
hin zu sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Nachhaltigkeit. Ähnlich sind die
Vorstellungen der Postwachstumsökonomen. Nach Peach (2009) erfordert eine
ökologisch und sozial zukunftsfähige Ökonomie die Beseitigung der Ursachen für
Wachstumsabhängigkeiten und -zwänge. Das Wohlstandsmodell der Postwachs-
tumsökonomie soll sich von einer Kultur der Maßlosigkeit verabschieden und auf
Entrümpelung und Entschleunigung (Befreiung von Gütern, die Zeit, Raum, Geld
und ökologische Ressourcen beanspruchen), auf der Balance zwischen Selbst- und
Fremdversorgung, auf regionale Versorgungssysteme (regionale Märkte), auf einer
Restgröße an Gütern, die aus globalen Wertschöpfungsnetzen entstehen sowie
auf institutionellen Innovationen (Geldreform, Bodenreform, CO2-Kontingente)
basieren (Peach, 2009).
Andere Verfechter der Idee des Abschieds vom Wachstum sprechen von der
Nowendigkeit einer Steady-State-Ökonomie. Nach Daly (1997) ist dieser Zustand
der Wirtschaft, bei dem ökonomische Größen wie Konsum, Investitionen usw.,
relativ zueinander konstant sind bzw. mit derselben Rate wachsen, die einzige
Möglichkeit, um zu einer ökologisch lebensfähigen ökonomischen Zukunft zu
gelangen. Ein Wirtschaftssystem, welches auf das langfristige Gleichgewicht
ausgelegt ist und dabei über ein gänzlich neues Steuersystem anders reguliert ist,
könnte zu höheren Ressourcenpreisen und damit zu einer höheren Effizienz in der
Verwendung der Ressourcen führen, was wiederum Ressourcen und ökologischen
Raum für ärmere Länder und Bevölkerungsgruppen freigeben würde (Daly, 2009;
1997; Czech & Daly, 2009).
230 Elisa Innerhofer

Diese Ideen, Entwicklungen und Vorstellungen kommen in Teilen einer gewis-


sen Romantik nahe und einer verlockenden Idylle gleich, und zwar insbesondere
dann, wenn diese Manifeste gegen Wachstum in ihrer Totalität gesehen werden.
Was den Ideen allerdings abgewonnen werden kann, sind das In-Frage-Stellen, das
Umdenken und das Abkommen von Quantität und Maßlosigkeit. Gerade für den
Tourismus in den beschriebenen alpinen Tourismuszentren, die an ihre Grenzen
stoßen, kann die Strategie Wachstum neu zu definieren mit einer Orientierung
an mehr Qualität und dem Ziel der Erhaltung von Lebensqualität eine durchaus
verfolgbare und aus ökonomisch, ökologisch und sozialen Gesichtspunkten erstre-
benswerte Ausrichtung sein. In einer dergleichen Strategie müssen Maßnahmen
der Schrumpfung und des Rückbaus Berücksichtigung finden.
Selbiges gilt auch für von Schrumpfung, Abwanderung und rückläufigen Tou-
rismuszahlen betroffenen Regionen. Hier könnte die Strategie „aus dieser Not eine
Tugend zu machen“ genauso eine Alternative sein. Entscheidender Erfolgsfaktor
für diese „alttouristischen Regionen“ (Bieger & Rütter, 2004) könnte die Fokussie-
rung und Profilierung auf eine bestimmte Nische des Tourismus sein. Durch den
Rückbau nicht mehr benötigter Infrastruktur, der Renaturierung einst verbauter
Flächen und der Inwertsetzung bestehender Ressourcen könnten diese Orte und
Regionen neue Funktionen für die umliegenden Zentren übernehmen, so z. B. als
Naturparks, naturnahe Erholungsräume oder Wohnnaherholungsgebiete. Ein
Beispiel hierfür ist das Skigebiet Gschwender Horn bei Immenstadt im Allgäu.
Die Stadt entschloss sich aufgrund der schneearmen Winter, sowie dem Trend der
Skifahrer großräumige und schneesichere Gebiete aufzusuchen, dazu, das Skigebiet
Geschwender Horn rückzubauen. Durch den Rückbau der Skilifte und die Rekul-
tivierung der Pistenflächen sowie der Anlegung eines neuen Wanderwegenetzes
gelang der Stadt der Umbau des Gschwendner Horns vom Skigebiet zum Wander-,
Erholungs- und Naturgebiet (Dietmann, Polzer & Spandau, 2004).
Damit diese Neuausrichtungen und Neupositionierungen überhaupt angestrebt
werden können und erfolgreich sind, ist es eine Voraussetzung, dass die beteiligten
Akteure bereit sind, Schrumpfung zu akzeptieren, sich auf die notwendigen Anpas-
sungen einzulassen und eine koordinierte Entwicklungsvorstellung vorherrscht.
Dazu gehört auch, dass bestimmte Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit einstellen
und schließen. Hierzu braucht es regionale Ansätze, die dem einzelnen nicht mehr
überlebensfähigen Unternehmen einen „Ausstieg in Ehren“ ermöglichen (Pechlaner
& Innerhofer, 2017).
Die oben genannten und kurz erläuterten Initiativen und Bewegungen, die
an dieser Stelle nicht vertieft werden sollen, können trotz ihres „romantischen
Charakters“ zum Nachdenken anregen. Allen Ideen ist gemeinsam, dass sie das
bestehende Wachstumsparadigma kritisieren und für ein Umdenken plädieren.
Schrumpfung als Entwicklungsstrategie 231

Es geht darum, Rückbau und Schrumpfung als positive Szenarien zu denken, sie
nicht als Verzicht, sondern als Qualitätsgewinn wahrzunehmen und eine Chance in
der Fokussierung der Qualität sowie des „Weniger ist Mehr“ zu sehen. Und diesen
Überlegungen sollte auch die Zukunft der Tourismus- und Destinationsentwicklung
etwas abgewinnen können.

4 Fazit

Die Offenlegung der Herausforderungen einiger Destinationen und Regionen und


die Diskussion dieser Entwicklungen ist zentral und wichtig, um aktiv begleitete
Schrumpfung und organisierten Rückzug zu ermöglichen. Um diese Phänomene
konstruktiv zu gestalten und ihnen am Ende etwas Positives abzugewinnen, ist
ein Umdenken erforderlich. Wenn Wachstum „mehr von der gleichen Sache“ ist
und Entwicklung „die gleiche Menge von besseren Sachen“ (Daly, 2009), dann
scheint letzteres durchaus auch ohne ersterem möglich. Entwicklung im Sinne
eines qualitativen Fortschrittes kann demnach genausogut durch Schrumpfung
und Rückbau von dem, was zuviel vorhanden ist, erreicht werden.
Globale Entwicklungen, Trends und Systemverschiebungen (Benedikter &
Siepmann, 2015), welche die Rahmenbedingungen vorgeben, sind auf Ebene der
Destination und Region sicherlich nicht steuerbar, doch sind es die Entwicklungen,
Ansätze und Möglichkeiten die Zukunft einer Destination unter diesen Rahmen-
bedingungen zu gestalten. Inwieweit das gelingt und vor allem in Zukunft gelingen
wird, bleibt derzeit noch offen.
Die jahrelange Betrachtung, Beobachtung und Analyse der Entwicklung des
Tourismus in Berggebieten, insbesondere im Alpenraum durch das Institut für
Regionalentwicklung hat gezeigt, dass Teile des alpinen Raumes seit einigen Jahren
einem sich beschleunigenden Funktionswandel unterliegen und dass die Anpas-
sungen der Destinationen eine Herausforderung darstellen. Die landwirtschaftliche
Tätigkeit entwickelt sich zurück, ehemalige touristische Hochburgen verlieren an
Bedeutung, der Tourismus verdichtet sich auf wenige Zentren und einige periphere
Orte verlieren ihre Attraktivität als Wohnräume. Diese neuen Situationen erfordern
neue Steuerungsmodelle auf Destinations- und Regionalebene und möglicherweise
auch neue Management- und Governancekompetenzen. Denn eine auf Wachs-
tumskategorien und die Umverteilung von Zuwächsen ausgerichtete Steuerung von
Entwicklungsprozessen reicht nicht mehr aus. An dieser Stelle ist auch die Forschung
gefordert zunächst eine geeignete Definition und Wortwahl und schließlich neue
Ansätze zu finden und zu entwickeln. Die neuen Realitäten unter Schrumpfungs-
232 Elisa Innerhofer

bedingungen bringen sicherlich auch Verlierer mit sich, weshalb diese Prozesse
komplexer sind als Wachstumsphänomene. Politische und touristische Akteure,
die steuernd wirken, zeigen Berührungsängste mit Handlungsfeldern des Rück-
baus und der Schrumpfung, welche es zu überwinden gilt. Das Ziel der Forschung,
Hand in Hand mit der Praxis, muss daher eine Versachlichung des Diskurses zur
Schrumpfung, eine Verstetigung des Dialoges zwischen Wissenschaft und Praxis
sowie eine offene Diskussion der Begleiterscheinungen von Schrumpfung sein.
Und hierfür bedarf es ehrlicher Analysen (vgl. dazu Pechlaner & Innerhofer, 2017).

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Resilienz im Tourismus
Ein destinationsspezifischer Ausblick
Philipp Corradini

1 Einleitung

In den letzten Jahren fand Resilienz innerhalb unterschiedlicher Forschungsbereiche


eine vielfältige Verwendung. Aufgrund der damit verbundenen Multidisziplinarität
des Begriffes, dessen Ausprägung oftmals als „Krisenfestigkeit“ definiert wird (Plöger
& Lang, 2013), ist Resilienz unlängst auch innerhalb der Tourismusliteratur, und
hauptsächlich innerhalb des Kontexts von Tourismusdestinationen, vorzufinden
(Luthe & Wyss, 2014; Sheppard & Williams, 2016). Die inhärente Komplexität von
Tourismusdestinationen, welche aus einer Vielzahl von unterschiedlichen Akteuren
und diversen Wechselbeziehungen bestehen, bedingt die Interpretation der Tou-
rismusdestination als komplexes System (Scott, Cooper & Baggio, 2008; Baggio,
Scott, & Cooper, 2010). Das Risiko des Aufkommens von Krisen hängt von der
Entität des systeminternen oder -externen Einflusses ab. Diese kann zeitlich gesehen
langsam auftretenden Stressoren sowie abrupt auftretenden Shocks umfassen, die
sich in unterschiedliche Veränderungsprozesse innerhalb des Systems manifestieren
können (Pendal, Foster, & Cowell, 2010; Walker, Carpenter, Rockstrom, Crépin, &
Peterson, 2012; Lew, 2014). Ob und wie ein System sich aufgrund von Disruptionen
verändert, hängt von dessen Resilienz und den damit verbundenen Systemkapazi-
täten ab, wobei aufgrund des kontextuellen Facettenreichtums der Begrifflichkeit
innerhalb der wissenschaftlichen Literatur eine Vielzahl an unterschiedlichen
Definitionen sowie Herangehensweisen bezüglich dessen Messung vorzufinden ist.
Das Bestreben des vorliegenden Beitrags ist es die Perspektiven der Engineering
Resilience (Holling, 1973), der Ecological Resilience (Holling, 1996) und der Evolu-

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236 Philipp Corradini

tionary Resilience (Davoudi, 2012) unter Einbeziehung der absorptiven, adaptiven


und transformativen Kapazitäten (Béné, Wood, Newsham, & Davies, 2012) mit
dem Kontext der Tourismusdestinationen auf Basis der Tourism Panarchy (Farrell,
& Twining-Ward, 2003) zu verbinden.

2 Die Ursprünge des Resilienzdiskurses:


Von der Vorherrschaft des Equilibriums, über
die Präsenz von multiplen Equilibira bis zu der
kontinuierlichen Transformation von Systemen

Das Konzept Resilienz findet seine Verwendung in einer großen Anzahl von
Forschungsbereichen. Diese umfassen Mathematik, Physik, Materialforschung,
Ingenieurswissenschaft, Psychologie, Soziologie und Ökonomie. Die multidiszi-
plinäre Verwendungsweise des Resilienzbegriffes resultiert in der Entfaltung von
verschiedenen Resilienzdimensionen, die innerhalb diverser Anwendungsbereiche
letztlich ein einheitliches Ziel verfolgen: Dem Überleben eines Systems im Falle
externer oder interner Disruptionen.
Eine kurze Erläuterung der Ursprünge des Resilienzdiskurses dient der Veran-
schaulichung des konzeptionellen Facettenreichtums von Resilienz und in weiterer
Folge dessen Verwendbarkeit innerhalb unterschiedlicher Bereiche. So beschreibt
Resilienz in der Materialforschung die Kapazität eines Materiales einer äußeren Ein-
wirkung auf Basis dessen Elastizität standzuhalten und den benötigten Zeitrahmen
um in den anfänglichen Status zurückzukehren („bouncing back“) (Bodin & Wiman,
2004). Bei der Überschreitung der Elastizitätsgrenze und den damit verbundenen
Bruch oder permanenter Deformierung des Materiales ist die Grenze der Resili-
enz erreicht (Gordon, 1978), und die Stabilität des Materiales deshalb nicht mehr
gewährleistet. Hierbei handelt es sich um eine innerhalb des Resilienzdiskurses
oftmals thematisierte Dualität, die einerseits die Stabilität des anfänglichen Status
des Materiales oder dessen Equilibriums und andererseits einen gewissen Grad an
präexistenter Flexibilität umfasst (Bruneau et al., 2003; Luthe & Wyss, 2014).
Durch die Prägung des damit verbundenen Begriffes der Engineering Resilience
(Holling, 1996) wurde die Basis für die zukünftige Weiterentwicklung des Konzeptes
sowie dessen Anwendbarkeit innerhalb anfangs ökologischer und weiterführend
komplexer Systeme gelegt (Holling, 1973; Holling, 1996). Unter der ingenieurswissen-
schaftlichen Perspektive wird hierbei ersichtlich, dass sich diese Resilienzdimension
vorwiegend auf die Präsenz eines einheitlichen Gleichgewichtszustandes und dessen
Widerstandsfähigkeit, auf die Linearität des Systems oder auf das Verhalten eines
Resilienz im Tourismus 237

nicht-linearen Systems im unmittelbaren Nahbereich einer Stabilitätsdomäne sowie


auf die Geschwindigkeit der Wiederherstellung des Systems nach einer Störung
bezieht (Pimm, 1984; Holling, 1996; Ludwig, Walker & Holling, 1997; Pendall,
Foster & Cowell, 2010). Bei der Überschreitung des Limits des Systems wird im
Rahmen der Engineering Resilience dessen Funktionalitätserhalt als nicht mehr
gegeben erachtet, und wird deshalb als nicht mehr als resilient erachtet (Holling,
1996; Holling & Gunderson, 2002; Folke, 2006).
Innerhalb der Ecological Resilience wird Resilienz an dem Ausmaß der Absorp-
tionsfähigkeit eines Systems hinsichtlich einer Störung gemessen, bevor das System
seine Struktur und Funktion verändert und sich in einem neuen Equilibrium
ansiedelt (Holling, 1996; Bergen, Bolton & Fridley, 2001; Davoudi, 2012). Hierbei
kann das System aufgrund dessen Resistenz gegenüber sowie Erholung von einer
Störung in die ursprüngliche Stabilitätsdomäne zurückkehren („bounce back“)
oder eine Reorientierung erfahren, die in der Ansiedlung des Systems innerhalb
einer alternativen Stabilitätsdomäne aufgrund von Systemadaptionen resultiert
(„bounce forth“) (Davoudi, 2012; Strambach & Klement, 2016). Die grundlegende
Voraussetzung für diese Konzeption ist die Annahme der Nichtlinearität und
Komplexität von Systemen und der Möglichkeit der Präsenz von multiplen Equi-
libria innerhalb dieser (Berkes & Folke, 1998). Während der Fokus innerhalb der
Engineering Resilience auf dem Funktionalitätserhalt des Systems gelegt ist, liegt
dieser innerhalb der Ecological Resilience bei der Beibehaltung der Funktionali-
tätsexistenz (Holling, 1996; Holling & Gunderson, 2002).
Evolutionary Resilience distanziert sich von der Notion der Präsenz eines Equili-
briums oder multiplen Equilibria. Hierbei gelten Chaos und Unsicherheit als Basis
der (System)Komplexität, wie sie in der realen Welt vorgefunden werden können
(McKercher, 1999). Das System ist hierbei gefordert sich nicht innerhalb eines Equi-
libriums zu bewegen (Engineering Resilience) oder zwischen mehreren Equilibria zu
ondulieren (Ecological Resilience), sondern sich auf Basis der Kapazitäten des Systems
kohärent Weiterzuentwickeln, ohne sich in einer Stabilitätsdomäne anzusiedeln.
Resilienz wird hierbei als dynamischer Prozess definiert, der der Beschaffenheit
von komplex adaptiven Systemen sich kontinuierlich zu verändern Rechnung trägt
(Levin, 2002; Martin, 2012; Davoudi, 2012). Im Kontext der Resilienz werden die
zuvor angesprochenen Systemsüberlebensmechanismen Resistenz und Erholung
(Engineering Resilience) und Reorientierung (Ecological Resilience) um einen neuen
Aspekt erweitert: Der Möglichkeit der Systemerneuerung (Evolutionary Resilience).
Während Reorientierung aus längerfristiger Systemadaptionen resultieren kann,
erfordert Erneuerung eine grundlegende Systemtransformation, auf dessen Basis
sich neue Entwicklungswege des Systemwachstums entfalten können (Martin,
2012; Boschma, 2015).
238 Philipp Corradini

3 Adaptive Zyklen und Panarchie

Die Einbeziehung der unterschiedlichen Entwicklungsperspektive eines Systems


hinsichtlich einer externen oder internen Disruption kann durch den Adaptive
Cycle veranschaulicht werden (Holling, 2001). Die Vorwärtsschleife des Zyklus
beinhaltet die Phasen der Akkumulation und Erhaltung. Diese ist geprägt durch
Wachstum und Stabilität. Hierbei wird das System mit Ressourcen bereichert,
die innerhalb dessen gebunden werden (Walker & Salt, 2006; Gotts, 2007). Die
Rückwärtsschleife umfasst die Phase der Freisetzung, während der die in den
vorhergehenden Phasen akkumulierten Ressourcen aufgrund einer externen oder
internen Disruption freigesetzt werden und die subsequente Phase der Reorgani-
sation. Innerhalb letztere durchläuft das System eine Restrukturierung, die eine
grundlegende Systemneuorientierung zum Gegenstand haben kann (Holling &
Gunderson, 2002; Schnur, 2013).
Die Ausweitung der Betrachtungsweise hinsichtlich des adaptiven Zyklus und
dessen Einbeziehung innerhalb des Diskurses der komplexen Systeme erfolgt
durch die Verbindung der adaptiven Zyklen in Sets. Diese Agglomeration unter-
schiedlicher Zyklen der Subsysteme, die sich innerhalb eines Systems in diversen
räumlichen und zeitlichen Maßstabsebenen bewegen, wird als Panarchie definiert
(Holling & Gunderson, 2002; Gotts, 2007). Während die Zyklen der unteren Ebe-
nen eine höhere Geschwindigkeit und Vulnerabilität auch hinsichtlich marginaler
Disruptionen aufweisen, verlaufen die Zyklen der höheren Ebenen langsamer und
werden nur bedingt von kleindimensionalen Disruptionen beeinflusst. Es ist je-
doch nicht auszuschließen, dass Disruptionen innerhalb der unteren Ebenen der
Panarchie und dessen Subsysteme auch Auswirkungen auf das gesamte System
haben. Hierbei wird zudem ersichtlich, dass diverse Subsysteme zur selben Zeit
sich in unterschiedlichen Phasen des adaptiven Zyklus befinden können (Walker
& Salt, 2006; Farrell & Twining-Ward, 2004).

4 Resilienz innerhalb Tourismusdestinationen:


Tourismuspanarchie und Kapazitäten

Tourismusdestinationen sind einer Vielzahl von Stressoren und Shocks ausgesetzt,


die sich innerhalb unterschiedlicher räumlicher und zeitlicher Dimensionen auf das
System auswirken können. Basierend hierauf sind oftmals unterschiedliche Arten
von Resilienz notwendig (Lew, 2014). Da es sich bei Tourismusdestinationen um
komplexe Systeme handelt, die aus mehreren Stakeholder mit unterschiedlichen
Resilienz im Tourismus 239

relationalen Verbindungen sowie infrastrukturelle, soziale und natürliche Ebenen


bestehen (Pechlaner, Pichler, & Herntrei, 2012), sollten engineering, ecological sowie
evolutionary Resilience nicht als sich gegenseitig ausschließende Begrifflichkeiten
gesehen werden. Vielmehr verkörpern sie sich ergänzende Konzeptionen, deren
Anwendung von dem Ausmaß und der Einwirkung der Disruption auf das System
als Ganzes oder Teile des Systems abhängt.
In Hinblick auf die Veranschaulichung der Sets von adaptiven Zyklen inner-
halb einer Tourismusdestination wird auf das Konzept der Tourismuspanarchie
verwiesen (Farrell & Twining-Ward, 2004). Das touristische Kernsystem, welches
in der niederen Ebene der Tourismuspanarchie angesiedelt ist, umfasst vorwiegend
Strukturen, wie beispielsweise Unterkünfte, Mobilitätsinfrastrukturen sowie At-
traktionen, die jeweils einen adaptiven Zyklus darstellen und Teil des adaptiven
Zyklus des touristischen Kernsystems sind. Bei den hier aufgelisteten Elementen
handelt es sich um Subsysteme, die die Basisstrukturen der Tourismusdestination
darstellen. Demzufolge ist es für die Tourismusdestination hinsichtlich Attraktivität
und Sicherheit unumgänglich, dass diese Subsysteme in der Lage sind ihre Stabilität
und Operativität zu gewährleisten indem sie Disruptionen standhalten, abfedern
oder in einem kurzen zeitlichen Abstand wieder zu ihrem ursprünglichen Equili-
brium zurückkehren. Deshalb wird innerhalb dieser Ebene ein Hauptaugenmerk
auf Maßnahmen gelegt, die die engineering Resilience der Subsysteme erhöhen
(Lew, 2014; Walker & Salt, 2006).
Die nachfolgenden Ebenen der Tourismuspanarchie schließen das umfassende
Tourismussystem sowie das regionale Tourismussystem ein. Während sich Erstere
aus den Elementen der ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimensionen
sowie aus den damit verbundenen Funktionen und Prozessen zusammensetzt,
stellt die höchste Ebene das regionale Tourismussystem, welches mit der globalen
Außenwelt verbunden ist, dar (Farrell & Twining-Ward, 2004). In Abhängigkeit
von der Intensität einer infrastrukturellen Disruption kann diesen Ebenen auch
der Umgang mit den damit verbundenen Nachwirkungen zufallen, die sich negativ
auf das Überleben des Systems auswirken können. Man denke beispielsweise an
die Verringerung der Attraktivität oder des Images einer Tourismusdestination
aufgrund der negativen Perzeption der Sicherheit vonseiten potentieller Touristen
und den damit verbundenen Rückgang der Ankünfte (Cioccio & Michael, 2007).
Den höheren Ebenen der Tourismuspanarchie fällt oftmals eine strategische
Funktion hinsichtlich des Managements von Resilienz einerseits der jeweiligen
Ebene und andererseits der Tourismusdestination als Gesamtkomposition zu. Die
Generierung und Aufrechterhaltung einer gewissen Systemstabilität spielt hierbei
eine wichtige Rolle. Diese stellt den Ausgangspunkt dar für die Entwicklung von
Strategien hinsichtlich der Vermeidung von und Umgang mit Disruptionsrisiken
240 Philipp Corradini

sowie der initialen Einschätzung, Generierung und subsequenter Stärkung von


systeminternen Kapazitäten, die resilienzspezifisch in absorptiven, adaptiven sowie
transformativen Kapazitäten konzeptualisiert werden (Béné, Wood, Newsham, &
Davies, 2012).
Die absorptive Kapazität umfasst hierbei die Fähigkeiten der Systemausrichtung
auf Disruptionen um deren Auswirkungen auf das System zu reduzieren, absorbie-
ren oder abzuschwächen und dadurch in weiterer Folge die Aufrechterhaltung der
Beständigkeit des Systems (oder dessen Equilibriums) zu gewährleisten (Sansavini
2017; OECD, 2014; Béné, Wood, Newsham, & Davies, 2012). So dienen beispielsweise
variable Preismechanismen innerhalb des Subsystems des Beherbergungsgewerbes
der Absorbierung der negativen Auswirkungen auf die Tourismusdestination von
saisonalen Fluktuationen oder der Verringerung dessen Attraktivität aufgrund
von graduell auftretenden Stressoren oder abrupten Shocks.
Überschreitet das Ausmaß der Disruption die absorptive Kapazität des Systems,
entsteht die Notwendigkeit der Exertion der adaptiven Kapazität (Béné, Headey,
Haddad, & von Grebmer, 2016). Diese bezieht sich auf die systeminterne Lern- sowie
Adaptationsfähigkeit um Disruptionen zu antizipieren und sich diesen inkrementell
anzupassen. Hierbei kann das adaptive System seine Charakteristiken modifizieren,
ohne wesentliche Struktur- und Funktionalitätsveränderungen durchzuführen
(Béné, 2013; Smit & Pilifosova, 2001). So können das touristische Kernsystem und
das umfassende Tourismussystem beispielsweise bei einer Verringerung der An-
künfte aus einem bestimmten Quellenmarkt sich auf die Bedürfnisse eines neuen
Marktes ausrichten ohne jedoch ihre Struktur und Funktionalitäten zu verändern.
Übersteigt die Magnitude der Disruption sowohl die absorptive als auch die
adaptive Kapazität des Systems, entsteht die Notwendigkeit der Initiierung von
systeminternen transformativen Veränderungen. Hierbei umfasst die transfor-
mative Kapazität die Fähigkeit der Entwicklung eines neuen Systems durch die
Veränderung dessen Systemstruktur und -eigenschaften (Béné, Headey, Haddad,
& von Grebmer, 2016; Walker, Holling, Carpenter, & Kinzing, 2004). Ein Beispiel
innerhalb des Kontextes von Tourismusdestinationen ist das seit einigen Jahren
in Italien angewandte Konzept des „Albergo Diffuso“, welches die touristische
Neustrukturierung von meist kleinstruktureller Ortschaften umfasst. Hierbei
wird dem bereits bestehenden Tourismussystem eine neue Organisationsstruktur
oder einem tourismusfremden System eine Tourismusstruktur zugeführt (Vallone,
Orlandini, & Cecchetti, 2013).
Resilienz im Tourismus 241

5 Fazit

Resilienz kann innerhalb des Tourismus, und spezifisch in Tourismusdestinationen,


vielseitige Formen und Ausprägungen umfassen. Neben der damit verbundenen
Konkretisierungs- und Anwendungskomplexität, welche beispielsweise hinsichtlich
dessen indikatorenbasierter Messung ersichtlich wird, stellt dieser Facettenreichtum
jedoch auch erhebliches Potential in Bezug auf die notwendige Flexibilität, um der
Heterogenität des Szenariums der Tourismusdestinationen zu entsprechen, dar. Die
gesamtheitliche Resilienz eines Systems kann in ihrer Urform der Summe dessen
einzelner Subsystemen entsprechen. In einem komplexen System wie Tourismus-
destinationen, ist diese Gleichung jedoch nicht ausreichend. Vor allem die höheren
Ebenen der Tourismuspanarchie tragen die Verantwortung, auf dass die Resilienz
des gesamten Konstruktes auf Basis der Resilienz der einzelnen Subsysteme sowie
der gesamtsystemischen Ausrichtung gewährleistet wird.
Einerseits gilt es zudem als Tourismusdestination abzuwägen, welche Art von
Resilienz in Hinblick auf bestimmte Disruptionen anzustreben ist. Gilt es das
System mit allen möglichen Mitteln beizubehalten? Besteht die Notwendigkeit
leichte Systemanpassungen vorzunehmen? Oder sollte das System sich in seiner
Grundstruktur verändern? Andererseits weist Resilienz unabhängig von dessen
ingeneurstechnischer, ökologischer oder evolutionärer Ausrichtung jeweils pro-
aktive und reaktive Komponenten auf (Handmer & Dovers, 1996). Diese sind mit
der Vorbereitung auf und dem Umgang mit Disruptionen verknüpft. Diesbezüglich
kann Resilienz als proaktive Reaktivität bezeichnet werden. In Zukunft wäre fest-
zustellen, inwieweit diese Komponenten aufeinander abgestimmt werden sollten,
um ein größtmögliches Maß an touristischer Destinationsresilienz zu erreichen.

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242 Philipp Corradini

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Destination im Wandel – am Beispiel Meran
Barbara Hölzl

1 Meran – eine Stadt mit Geschichte

Tourismus spielte in Meran seit jeher eine bedeutende Rolle. Um 1840 stieg die Stadt
innerhalb kürzester Zeit zum beliebten Kurort von internationalem Ruhm auf.
Der mitteleuropäische Adel schätzte die Destination wegen des besonders milden
und günstigen Klimas. Durch die beiden Weltkriege gebremst erlebte Meran erst
in den 50iger Jahren durch die vorab entdeckten Radonquellen eine touristische
Wiederbelebung als Kurstadt und war in dieser Zeit vor allem bei freischaffenden
Künstlern und Schriftstellern beliebt.
Der wirtschaftlichen Entwicklung der umliegenden Ortschaften und einer
gewissen internen Trägheit verschuldet, stagnierte der Tourismus in den darauf-
folgenden Jahren und Meran schaffte es erst in den letzen Jahren wieder zu einem
beliebten alpin mediterranem Urlaubermagnet zu avancieren.

1.1 Touristische Eckdaten

Die Kurstadt glänzte im Jahr 2016 mit 1.105.964 Nächtigungen verteilt auf 174 gewerb-
liche und nichtgewerbliche Unterkunftsbetriebe mit rund 6.270 Betten und 320.032
Ankünften und führte somit die Liste der Topdestinationen im Burggrafenamt an.

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 245
H. Pechlaner, Destination und Lebensraum, Entrepreneurial Management und
Standortentwicklung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-28110-6_20

246

Entwicklung Nächtigungen 2007-2016

1105864

1038174
1030402

1004830 1003256 1006942

972313

944783 948288
932630

Quelle: Stadtgemeinde Meran (Stand am 31.12.2016)


2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Jahr

Abb. 1 Nächtigungsentwicklung Meran von 2007–2016


Barbara Hölzl
Destination im Wandel – am Beispiel Meran 247

Ein, mit einer einzigen Ausnahme im Jahr 2014, jährlicher Aufschwung, eine
durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 3,5 Tagen, durchschnittliche Ausgaben
des Gastes pro Tag in Höhe von 117,37 €, scheint, als wäre im Tourismushimmel
Meran alles gut.

Entwicklung Ankünfte 2007-2016

320032

298505

276821

265377
261206
255724 257423

242248
231032 232976

2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016

Abb. 2 Entwicklung der Ankünfte in Meran von 2007–2016


Quelle: Jahresbericht der Kurverwaltung 2016

1.2 Eine Destination, im Trend der Zeit?

Gewiss, das momentane Angebot überzeugt eine breite Zielgruppe. Hilfestellung


hierbei leistet sicherlich auch eine gewisse Unsicherheit, die sich im derzeitigen
Reiseverhalten bei den Hauptmärkten bemerkbar macht. Konflikte in ehemali-
gen Trend-Destinationen, Flüchtlingskrisen und nicht zuletzt Terroranschläge,
Nachrichten und Zeitungen vollgepackt mit täglichen Horrorszenarien, all das
trägt dazu bei „small City trips“ großen Metropolen vorzuziehen. Und Meran mit
seinem mediterranen Charme, seiner Eleganz und Leichtigkeit verbunden mit einer
hohen Lebensqualität bietet eine ausgezeichnete Alternative.
Aber es ist nicht alles Gold was glänzt. Ausruhen auf den Lorbeeren der Ver-
gangenheit können sich die touristischen Anbieter Merans nicht. Unser alpiner
Tourismus unterliegt einem stetigen Wandel und Anzeichen für eine Veränderung
sind auch in der Praxis bereits spürbar.
248 Barbara Hölzl

In vielerlei Hinsicht ist die kritische Grenze bereits erreicht. Die Mobilität stößt
nicht nur in der Hochsaison auf ihre Grenzen. Qualität fordert seinen Preis und die
derzeitigen Zielgruppen reagieren höchst preisempfindlich. Die Arbeitsmarktsitu-
ation gibt zu Denken Anlass. Die angestrebte Qualität verlangt nach qualifizierten
Arbeitskräften, die zu finden aber immer schwieriger wird. Die Akzeptanz der
Einheimischen schwindet, die Stimmung könnte auch hier in Meran, wie vielerorts
bereits passiert, kippen.

1.3 Wohin geht die Reise

Zeit also, sich Fragen zu stellen in Hinblick auf die Zukunft und was sie bringen
wird und wie wir Praktiker darauf reagieren sollten.
Die klassische touristische Diskussion in einem streng wirtschaftlichen Kontext,
wie wir sie Jahre lang geführt haben, wird einer umfassenderen Auseinanderset-
zung mit verschiedenen Themenbereichen weichen müssen. Tourismus muss in
Zukunft sicherlich ganzheitlicher betrachtet werden und alle Hauptakteure wie
Gäste, Anbieter von Serviceleistungen, Mitarbeiter und auch Einwohner und deren
Lebensqualität mit einbeziehen. Produkte und Angebote werden sich verändern
und neu definieren müssen, um diese momentane Wettbewerbsfähigkeit auch in
Zukunft garantieren zu können.

2 Auf Definitionskurs

Also zurück zum Anfang. Beginnen wir bei der klassischen Definition einer Des-
tination wie wir sie aus der Managementlehre kennen. Die Destination wird dort
definiert als ein geographischer Raum, oft ein Ort/ eine Region, in dem alle für
den Aufenthalt relevanten Elemente, wie z. B. Landschaft, Fauna, Flora, klimatische
Gegebenheiten, kulturhistorische Attraktionen, Unterkunft, Freizeiteinrichtungen
und sonstige Infrastruktur vorhanden sind. Sie wird aufgrund der Kombination
der Angebotsfaktoren vom Gast als Reiseziel ausgewählt (Bieger, 2007).
Diese angebotslastige Definition einer touristischen Destination wird der Zukunft
aber nicht mehr Stand halten können. Vermehrt tritt bereits Kritik auf (Laesser &
Beritelli 2013). Der Gast lässt sich seinen Urlaub nicht mehr nach geographischen
Grenzen vordefinieren (Beritelli, Reinhold & Laesser, 2014). Er sucht nicht mehr
nur nach einer kompakten Anzahl an Attraktionspunkten innerhalb dieser und
lässt sich mit seinem Reiseverhalten nicht in eine lokale, regionale oder national
Destination im Wandel – am Beispiel Meran 249

definierte Destination einordnen (Hyde & Laesser, 2009). Die Grenzen und so-
mit die Bewegungs- und Aktivitätsmuster vermischen sich viel mehr (Beritelli,
Reinhold & Laesser, 2014). Es geht mehr und mehr um die Suche nach intensiven
Erlebnissen, die den Gast in eine neue Welt, in ein neues Leben für eine bestimmte
Zeit eintauchen lassen. Der Gast der Zukunft schwimmt nicht mehr mit der Masse.
Nach wie vor versuchen wir Touristiker aber vielfach diesem immer flexibleren
Nachfrageverhalten mit statischen und hierarchischen Strukturen gerecht zu wer-
den (Beritelli, Laesser, Reinhold & Kappler, 2013). Touristische Angebote werden
immer noch für eine breite Masse entwickelt.
Neue Ansätze der Tourismusforschung, die die Destinationen als variable und
vielfältige Aktivitätsräume definieren, um dem effektiven Nachfrageverhalten besser
gerecht zu werden, gibt es bereits. Aus Gästesicht kann eine Destination hierbei
nicht eindeutig abgegrenzt werden. Sie entsteht vielmehr situationsabhängig und
aus individueller Nachfrage heraus. Akteure und Organisationen müssen somit
nicht unbedingt einheitliche Raster, Visionen und Strategien verfolgen. Klar wird
auch immer mehr, dass ein solch individueller Markt nicht immer direkt durch die
Anbieter beeinflusst werden kann (Beritelli, Bieger & Laesser, 2014).

3 Triebkräfte des Wandels

Wenn es also zu einer Kehrtwende des klassischen Tourismus kommt, wie soll in
Zukunft unser touristisches Produkt aussehen? Kann man in Zukunft überhaupt
noch von einem rein touristischen Produkt sprechen? Wer ist der Gast von morgen,
welches sind diese Erlebnisse, nach denen er sucht und wie ändern sich diese im
Laufe der Zeit? Wie können wir Ansprüche des Gastes mit den Bedürfnissen der
Einheimischen in Einklang bringen?
Um auch nur ansatzweise Antworten auf diese Fragen zu finden sollten wir uns
zunächst mit einzelnen Triebkräften dieses Wandels auseinandersetzen.

3.1 Gesellschaftliche Veränderung

Diese gesellschaftliche Veränderung spüren wir im Tourismus von Seiten der


Nachfrage, aber auch von der Angebotsseite. Die fortschreitende Individualisierung
lässt neue Biografien erkennen (Zukunftsinstitut, 2016). Lebensläufe von Gästen,
Mitarbeitern und touristischen Anbietern gestalten sich immer unberechenbarer,
aus früher linear verlaufenden klassischen Biografien werden immer öfter par-
250 Barbara Hölzl

allele und sprungweise verlaufende Multigrafien. „Nach der Ausbildung kommt


die Post-Adoleszenz, der Rush Hour des Lebens folgt gegebenenfalls ein neuer
Aufbruch mit der Zweitfamilie, und der Ruhestand wird zum Unruhezustand.“
(Zukunftsinstitut, 2016). Natürlich ergeben sich durch diese neue Komplexität auch
unterschiedliche Zielgruppen und Akteure mit vielseitigen, individuellen Bedürf-
nissen und Wünschen, die sich situationsabhängig jederzeit verändern können.
Aber was bedeutet diese Individualisierung eigentlich? Im Prinzip geht es dabei
vorwiegend um Wahlfreiheit. Die Freiheit alles zu können und nichts zu müs-
sen. Klingt in erster Linie nach einem Ideal, das angestrebt werden sollte. Diese
Wahlfreiheit führt aber oftmals auch zu einer Überreizung, der viele nicht mehr
gewachsen sind. Die Antwort darauf: eine Rekursion. Und genau das erleben wir
heute bereits vermehrt. Individualisten suchen immer mehr nach Gemeinschaften,
die sie sich auch selbst kreieren. „Das entwickelte Ich und das neue Wir sind in
Zukunft zwei Seiten derselben Medaille“ (Zukunftsinstitut, 2016). Solche selbst
kreierten Gemeinschaften werden natürlich auch im Urlaub gesucht. Ich bin kein
individueller Alleinreisender in der Ferne, sondern werde Teil einer momentanen
Gesellschaft die ich selbst aussuche beziehungsweise individuell kreiere, tauche
vorübergehend ein in ein paralleles Universum mit eigenem sozialen Gefüge, bin
sozusagen Einheimischer auf Zeit.
Deutlich spürbar wird dies bereits, wenn man den Erfolg verschiedenste Plattfor-
men zur Vermietung privater Wohnungen und Häuser wie Airbnb oder Couchsur-
fing beobachtet. Dieses collaborative Living spiegelt das Bedürfnis der Menschen
wieder, sich ihren Lebensraum zu erweitern und einzutauchen in dieses parallele
Universum (Zukunftsinstitut, 2016).
Dieses Phänomen der Komplexität der Biographien, diese Wahlfreiheit und
Individualisierung in Kombination mit der Sehnsucht der Gemeinschaft auf Zeit
spüren touristische Unternehmer aber nicht nur von Seiten der Nachfrage. Auch
im Personalmanagement wird immer klarer, dass alt erprobte Arbeitsmodelle in
Zukunft nicht mehr greifen werden. Der Job darf meine Individualität in Zukunft
nicht eingrenzen, mein momentaner Arbeitsplatz passt für meine aktuelle Le-
bensphase, in meinem Team möchte ich aber ein besonderes Wir – Gefühl erleben,
Mitglied auf Zeit sein in einer ganz besonderen Arbeitsgemeinschaft.

3.2 Alpine Urbanisierung

Es wird urbaner, Kleinstädte weiten sich aus, erfahren einen Aufschwung, werden
neu definiert. Städte werden in Zukunft vielfältiger, vernetzter, lebenswerter und
in jeder Hinsicht „grüner“ sein als wir sie lange Zeit erlebt haben. Vor allem aber
Destination im Wandel – am Beispiel Meran 251

wandeln sich das Verhältnis und das Bewusstsein der Menschen zu ihren Städten
(Zukunftsinstitut, 2016). Viele unserer Hauptakteure im Tourismus, Gäste wie
Mitarbeiter, kommen aus einem solchen urbanen Umfeld und möchten die Vorteile
dieser Urbanität auch im Urlaub bzw. im Arbeitsumfeld nicht missen.
Südtirol und auch Meran definiert sich als ländlicher Sehnsuchtsort (Zukunfts-
institut, 2016), mit Elementen wie einer malerischen Landschaft, einer hochwertigen
Luft- und Wasserqualität, der alpin-mediterranen Küche, vielseitigen Ruhe- und
Erholungspolen und einem hohen Maß an Sicherheit. Mit dieser Botschaft wird es
auch in Zukunft bei den Hauptmärkten punkten können. Kleinere urbane Realitäten
wie auch Meran werden nun Teil dieser Sehnsucht. Der Gast möchte auch im Urlaub
seinen gewohnt urbanen Lifestyle nicht mehr missen und diese Kombination mit den
oben aufgezählten Sehnsuchtselementen macht diesen besonderen Charme Merans
aus. Eine intakte Naturlandschaft in unmittelbarer Umgebung der Stadt besticht.
Die Freiheit urbane Infrastrukturen jederzeit nutzen zu können und doch nur zwei
Schritte von unberührter Natur entfernt zu sein zieht Besucher und Mitarbeiter
in seinen Bann. Und auch hier ist es schlussendlich wieder diese Wahlfreiheit, die
ich in Zukunft genießen möchte, eine Lebensqualität und Spontaneität die ich im
Urlaub und im Alltag nicht missen möchte.

3.3 Digitalisierung

Wir werden immer mehr vernetzt. Unser Leben wird digitaler und virtueller.
Moderne Kommunikationstechnologien mit dem Internet im Zentrum verändern
unseren Lebensstil, Formen der Gemeinschaft, unser Arbeiten, unser gesamtes
Denken und Handeln. Kein Triebfeld kann mehr verändern, zerstören und neu
schaffen. Der E-Commerce wird bereits als vierte Industrielle Revolution beschrie-
ben (Zukunftsinstitut, 2016).
Geographische Grenzen werden aufgehoben, Informationen können schneller
ausgetauscht werden. Digitalisierung führt zu einem neuen Verständnis von Touris-
mus, touristische Angebote lassen sich somit leichter präsentieren und vermarkten,
andererseits aber auch leichter vergleichen, kombinieren und austauschen.
Soziale Netzwerke wie Facebook schaffen neue Internet-Gemeinschaften, s­ oziale
Gefüge werden neu definiert. Buchungsplattformen, allen voran Booking.com
verändern das Buchungsverhalten der Gäste.
In einer solch digitalisierten und globalisierten Zukunft wird die Arbeit im Le-
ben der Menschen einen neuen Stellenwert einnehmen, Arbeit und Freizeit fließen
ineinander. Die Tourismusbranche steckt in den Kinderschuhen dieser digitalen
252 Barbara Hölzl

Revolution und ist erst teilweise in dieser Welt angekommen (Pechlaner, Volgger,
Demetz, Scuttari, Innerhofer, 2017).

3.4 Entschleunigung

Die vorhin angesprochenen gesellschaftlichen Multigrafien, die Urbanität, die ra-


sante Digitalisierung und die damit verbundene Unruhe, Hektik und Schnelligkeit
führen gleichzeitig auch zu einem vermehrten Streben nach Entschleunigung.
Die Suche nach dem Sinn des Lebens, das vermehrte Wertschätzen von Freizeit
rücken in den Fordergrund. Der Trend der Entschleunigung macht sich natürlich
auch in der Urlaubsentscheidung bemerkbar. Wellnessoasen und Rückzugsorte, in
denen der Gast zurück zu sich selbst finden kann, stehen hoch im Kurs. Aber auch
urbane Destinationen wie Meran profitieren davon. Der Genuss der Kleinstadt mit
seinen Möglichkeiten ohne der gewohnten Hektik der Großstadt und des Alltages
laden ein, kurze Auszeiten zu nehmen. Gerade Meran mit seinem mediterranen
Flair, seiner besonderen Lässigkeit, dem starken Bezug zur Natur und zum Wasser
können in diesem Sinne Angebote und Produkte schnüren, die entschleunigen
und zum Genuss einladen.

3.5 Nachhaltigkeit / Glaubwürdigkeit

Ein Wandel in der Gesellschaft ist klar spürbar, von einer reinen Konsumgesell-
schaft entwickeln wir uns immer mehr zu einer Nachhaltigkeitsgesellschaft mit
dem klaren Auftrag, mit vorhandenen Ressourcen sparsam umzugehen, diese nicht
zu vergeuden, wiederzuverwerten und für nachfolgende Generationen zu erhalten
(Zukunftsinstitut, 2016).
Regionale Produkte aus nachhaltigem, biologischen Anbau liegen im Trend,
soggenante Gutbürger übernehmen Verantwortung – es geht nicht mehr um Selbst-
verwirklichung sondern immer mehr auch um eine gewisse Gemeinwohlorientie-
rung, und diese beiden Paradigmen stehen hierbei nicht länger im Widerspruch.
Neue Geschäftsmodelle entstehen, es geht nicht mehr nur um das reine ökono-
mische Wachstum, sondern immer mehr auch um die Sinnhaftigkeit, um sozial und
ökologisch vorteilhafte Problemlösungen für alle Beteiligten. Umweltbewusstsein
und Mitmenschlichkeit sind eng miteinander verzahnt: Wer die Umwelt schützt,
schützt auch die Menschen (Zukunftsinstitut, 2016).
Dieser Nachhaltigkeitstrend ist auch im Konsumverhalten der Gäste bemerkbar.
Urlauben ohne schlechtes Gewissen ist die Devise. Das steigende Bewusstsein für
Destination im Wandel – am Beispiel Meran 253

die lokale Wertschöpfung, die zunehmende Nachfrage nach regionalen Produk-


ten, die Symbiose zwischen Landwirtschaft und Tourismus, das Bewusstsein für
ressourcenschonende Angebote schafft neue Nischen-Geschäftsmodelle. Touris-
tische Anbieter müssen umdenken. Rein ökonomische Ziele treten in Zukunft
immer mehr in den Hintergrund. Es wird auch in Meran nicht mehr nur darum
gehen, die Millionen-Grenze an Übernachtungen zu knacken, der Erfolg wird in
Zukunft nicht mehr ausschließlich an quantitativen Zielen gemessen werden kön-
nen. Es wird vielmehr daran gearbeitet werden müssen, eine Qualität zu schaffen,
die glaubhaft ist, die langfristig überzeugt und Gäste an die Destination bindet.
Diese Glaubhaftigkeit mündet in der Verwurzelung mit dem Territorium, mit
den Einheimischen und den verschiedenen Akteuren. Touristische Produkte und
Angebote müssen demnach ihr Spektrum erweitern. Es geht um eine Einbindung
verschiedenster Player in den Dienstleistungsprozess, alte Gewerke, das lokale
Handwerk, die Landwirtschaft, Persönlichkeiten aus Kultur, Politik, Sport, Kunst
und Design und schlussendlich auch die einheimische Bevölkerung. Dies bedeu-
tet zeitgleich eine Chance für den Stadtkern. Durch die Nähe zum Gast kann der
Produktionsstandort zunächst erhalten und vielfach auch wieder zurückerobert
werden und mit Nischen-Angeboten besetzt werden.

4 Stichwort local hood

Wesentlich für den nachhaltigen Erfolg des Tourismus ist die Akzeptanz der Ein-
heimischen. Die Destination wird durch locals gemacht. Ist die Akzeptanz nicht
mehr gegeben, sprich ist der Einheimische nicht mehr gewillt seinen persönlichen
Lebensraum mit Fremden zu teilen, kann das touristische Angebot nicht glaub-
würdig gestaltet werden.
Internationale aktuelle Beispiele zeigen, dass Massentourismus Grenzen hat und
diese vom Einheimischen ganz klar mitdefiniert werden. Das sogg. Copenhagener
Manifest, das das Ende des herkömmlichen Tourismus proklamiert, Bilder aus
Barcelona wo der Unwille der Bevölkerung durch Schriftzüge wie „no tourism“
auf Straßen und Plätzen manifestiert wird, Rufe aus Venedig und Amsterdam, wo
die lokale Bevölkerung mit Demonstrationen versucht auf Missstände aufmerksam
zu machen, alles Beispiele aus Megadestinationen, gewiss, aber Sinnbild für einen
Wandel im Bewusstsein mit dem jeweiligen Lebensraum.
Es wird in Zukunft darum gehen, die Vision einer Destination so zu gestalten,
dass menschliche Beziehungen in den Mittelpunkt gestellt werden. Einheimischer
und Tourist sollten nicht als zwei Parallelen gesehen werden, die nebeneinander
254 Barbara Hölzl

existieren, sondern vielmehr als zwei Bausteine des Ganzen, die gemeinsam, wenn
auch nur auf Zeit diesen Lebensraum nutzen und erleben.

5 Ausblick

Was bedeutet all dies für den alpinen Tourismus? Welche Richtung soll die Desti-
nationsentwicklung in Zukunft einschlagen, wie lassen sich all diese Triebkräfte
des Wandels mit den Bedürfnissen der Wirtschaftstreibenden vereinbaren? Die
Diskussion bleibt spannend.
Der Auftrag der Kurverwaltung Meran beinhaltet heute schon eine klare
Mission Produkte für Einheimische und Gäste zu erstellen. In Zukunft wird aber
ein noch wesentlicherer Anteil der Bemühungen dahin gehen müssen, die lokale
Bevölkerung und deren Bedürfnisse zu berücksichtigen und alle Stakeholder in
den Produktentwicklungsprozess miteinzubeziehen. Es geht um eine Netzwerk-
kooperation im weitesten Sinne, um eine Akzeptanz des Tourismus weiterhin zu
garantieren und somit diese Gastfreundschaft, die Meran über die Jahrhunderte
gelebt hat, zu erhalten.
Quantitative Ziele, so wichtig sie für den ökonomischen Erfolg auch sind,
werden in Einklang stehen müssen mit Zielen der Nachhaltigkeit und Glaubwür-
digkeit. Durch die Konzentration auf lokale und regionale Produkte kann das
lokale Handwerk gefördert und verschiedenste Gewerke können in die touristische
Dienstleistungskette miteingebunden werden. Somit ergibt sich für Meran auch ein
Alleinstellungsmerkmal, das vom Gast der Zukunft honoriert wird.
Es muss zudem zu einer Dezentralisierung des Angebotes kommen. Touristische
Angebote sollten in Zukunft auf alle Stadteile ausgeweitet werden und die Peripherie
mit einschließen um diesen starken Fokus auf das Stadtzentrum zu durchbrechen.
Nur in diesem Falle kann sich eine kritische Masse besser steuern lassen und die
Lebensqualität der Einheimischen garantiert werden.
Der Gast wird hinter die Kulissen blicken wollen – keiner will in Zukunft mehr
nur Tourist sein. Meran muss sich öffnen. Angebote sollten aus dem Nähkästchen
plaudern und die Seele Merans wiederspiegeln. Eine Stadtführung wird nicht mehr
von einem Fremdenführer gemacht werden, eine Persönlichkeit der Stadt, ein local
destimonial, wird Kleinstgruppen in seine Welt einführen.
Touristische Angebote sollten diversifizierter sein. Der gesellschaftliche Wan-
del fordert natürlich ein Umdenken auch in der Angebotsentwicklung. Demnach
sollten die Rahmenbedingungen, die für die Südtiroler Hotellerie lange Zeit die
Qualitäts-Standards festgelegt haben, überarbeitet werden. Individuelle Produkte
Destination im Wandel – am Beispiel Meran 255

fordern individuelle Lösungsansätze, keine unflexiblen Hardware- Standards, die


quer über den Sternenhimmel der Beherbergungsbetriebe gestülpt werden.
Um in Zukunft das dringend benötigte Fachpersonal mit gefragtem Persön-
lichkeitsstatus zu erhalten, und junge Nachwuchskräfte zu animieren in die Welt
der Hotellerie und Gastronomie einzutauchen, müssen neue Wege eingeschlagen
werden. Das Personalmanagement der Zukunft orientiert sich an einer klugen
Verbindung von Privat- und Berufsleben. Die Work-Life Balance weicht somit
einem Work-Life Blending in der es einen fließenden Übergang zwischen Arbeit-
und Privatleben gibt. Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam müssen nach
individuellen Lösungen für verschiedenste Bedürfnisse suchen.

Literatur

Beritelli, P., Bieger, T., & Laesser, C. (2014). The New Frontiers of Destination Management
Applying Variable Geometry as a Function-Based Approach. Journal of Travel Research,
53(4), 403–417.
Beritelli, P., Laesser, C., Reinhold, S. & A. Kappler. Das St.Galler Modell für Destinationsma-
nagement – Geschäftsfeldinnovation in Netzwerken. Institut für systemisches Management
und Public Governance (IMP-HSG), 2013.
Beritelli, P., Reinhold, S., & Laesser, C. (2014). Prozessorientierung im Destinationsman-
agement. Marketing Review St. Gallen, 31(6), 34–47.
Bieger T (2007).: Management von Destinationen. 7. Auflage. Oldenbourg, München/
Wien,
Laesser, C., & Beritelli, P. (2013). St. Gallen Consensus on Destination Management. Journal
of Destination Marketing & Management, 2(1), 46–49.
Hyde, K. F., & Laesser, C. (2009). A structural theory of the vacation. Tourism management,
30(2), 240–248.
Pechlaner, H., Volgger, M., Demetz, M., Scuttari, A., Innerhofer, E. & Co (2017). Zukunft
Tourismus Südtirol 2030, Eurac research

Onlinedokumente

Zukunftsinstitut GmbH, Frankfurt am Main. Online unter http://www.zukunftsinstitut.


de/dossier/megatrends/ (2016), Zugegriffen: 05. September 2017.
Autorinnen und Autoren

Herausgeber Institution/Organisation Email


Harald Pechlaner Eurac Research, Center for Ad- Harald.pechlaner@eurac.edu
vanced Studies, Bozen, Italien;
Lehrstuhl Tourismus und
Zentrum für Entrepreneurship,
Katholische Universität Eich-
stätt-Ingolstadt, Deutschland

Autoren Institution/Organisation Email


Anita Zehrer MCI Management Center Anita.zehrer@mci.edu
Innsbruck, Zentrum Familien­
unternehmen, Innsbruck,
Österreich
Ingrid Kofler Eurac Research, Center for Ingrid.kofler@eurac.edu
Advanced Studies, Bozen,
Italien
Sabine Pichler Hotel Erzherzog Johann, Sabine.pichler@schenna.com
Schenna, Italien
Thomas Streifeneder Eurac Research, Institut für Thomas.streifeneder@eurac.edu
Regionaletwicklung, Bozen,
Italien
Linda Osti Freie Universität Bozen, Linda.Osti@unibz.it
Fakultät für Wirtschaftswissen-
schaften, Bozen, Italien
Georg Miribung Freie Universität Bozen, GMiribung@unibz.it
Fakultät für Naturwissenschaf-
ten und Technik, Bozen, Italien
Valeria Tallinucci Camping Appartement Talli- Valeria.tallinucci@gmail.com
nucci, Capoliveri, Insel Elba,
Italien

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 257
H. Pechlaner, Destination und Lebensraum, Entrepreneurial Management und
Standortentwicklung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-28110-6
258 Autorinnen und Autoren

Autoren Institution/Organisation Email


Marcus Herntrei European Campus Rottal-Inn Marcus.herntrei@th-deg.de
Technische Hochschule
Deggendorf, Pfarrkirchen,
Deutschland
Anja Marcher Eurac Research, Center for Anja.marcher@eurac.edu
Advanced Studies, Bozen,
Italien
Michael Volgger Curtin University, Faculty of Michael.volgger@curtin.edu.au
Business and Law, School of
Marketing, Perth, Australia
Anna Scuttari Eurac Research, Center for Anna.scuttari@eurac.edu
Advanced Studies, Bozen,
Italien
Lena-Marie Lun Thalmannhof, Ritten, Italien Lena_lun@hotmail.com
Gerhard Vanzi Eurac Research, Center for Gerhard.vanzi@eurac.edu
Advanced Studies, Bozen,
Italien
Marianna Elmi Alpenkonvention, Ständiges Marianna.elmi@alpconv.org
Sekretariat der Alpenkonven-
tion, Bozen, Italien
Frieda Raich frieda@raich.it
Greta Erschbamer Eurac Research, Center for Greta.erschbamer@eurac.edu
Advanced Studies, Bozen,
Italien
Elisa Innerhofer Eurac Research, Center for Elisa.innerhofer@eurac.edu
Advanced Studies, Bozen,
Italien
Philipp Corradini Eurac Research, Institut für Philipp.corradini@eurac.edu
Regionaletwicklung, Bozen,
Italien
Barbara Hölzl P&H Management GmbH, info@cityhotel-merano.it
Meran, Italien