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Michael Lobisch-Delija

Wie wirkt mein Bild?


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Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; 
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

ISBN 978-3-8266-9286-4
1. Auflage 2014

www.mitp.de
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Telefon: +49 6221 / 489 -555
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nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von
jedermann benutzt werden dürften.

Lektorat: Katja Völpel


Sprachkorrektorat: Petra Heubach-Erdmann
Covergestaltung: Christian Kalkert, www.kalkert.de
Satz: III-satz, Husby, www.drei-satz.de
Bildnachweis: Michael Lobisch-Delija
Kapitel 1
Grundlagen 17

Kapitel 2
Form & Geometrie 33
2.1 Struktur & Muster . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
2.2 Geometrie & Dynamik. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
2.3 Symmetrie & Brechung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
2.4 Formen & Farbe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47

5
Kapitel 3
Andere wirkungsvolle Strukturelemente 55
3.1 Staffelung und Kulisseneffekt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
3.2 Reihung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74
3.3 Perspektivische Effekte. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79

Kapitel 4
Regeln der Bildsprache 93
4.1 Goldener Schnitt und Drittelregel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94
4.2 Zur Lage des Horizonts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102
4.3 Blickrichtung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107
4.4 Lichtverhältnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115
4.5 Stürzende Linien. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117

6
Kapitel 5
Alles im Rahmen 127
5.1 Fenster und Türen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 128
5.2 Das Runde und das Eckige . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139
5.3 Dächer und Dreiecke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 149

Kapitel 6
Der Reiz im Profanen 161
6.1 Häuser und Straßen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 162
6.2 Baracken und Wege. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 166
6.3 In Ecken und Winkeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 171

7
Kapitel 7
Schneiden tut weh 175
7.1 Konzentration auf das Wesentliche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 176
7.2 Ohne Verzicht geht es nicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 182
7.3 Feinere Schnitte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187
7.4 Der heikle Fall . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 191

Einleitung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
Index . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 194

8
Einleitung

»Es gibt viele Fotos, welche voller Leben, aber dennoch schwer zu merken sind.
Wichtig ist die Wirkungskraft.« (Brassai)
Einleitung

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte – wer kennt nicht diese kühne Behauptung? Aber was ist eigentlich damit gemeint
– sind unsere Bilder wirklich alle dermaßen geschwätzig? Wohl kaum – denn gerade beim (guten) Bild gilt oft – wie
überall in der Kunst und im Leben – weniger ist mehr.
Angesichts der Bilderflut, der wir uns im hypermedialen Zeitalter ausgesetzt sehen, sollten wir uns immer auf das besin-
nen, was ein Bild wirkungsvoll machen kann – nicht die tausend Worte also, sondern die Geschichte, die ein Bild
erzählt, oder eine Erinnerung, die es auslöst, oder einfach eine Schönheit, die es vermittelt und die zum »spazieren
sehen« einlädt. Aber was ist denn eigentlich schön oder – wichtiger noch – reizvoll für den jeweiligen Betrachter?
Der berühmte Fotograf Henry Cartier-Bresson sagte einmal: »Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine
Sekunde schaut.«
Ich glaube, dass dies durchaus ein Minimalkonsens ist, der durch Einfachheit besticht und dem sich jeder irgendwie
anschließen kann – einfacher kann man Güte (im Sinne von Qualität) auch kaum messen.
Allerdings muss ich mir selbst eingestehen, dass bei der Sichtung von Fotos z.B. im Internet mein Auge auch bei vielen
definitiv guten Bildern oft weniger als diese eine Sekunde verweilt, weil es einfach manchmal zu viele des Guten sind –
vor allem auf bestimmten Webseiten, wo sich viele der besten Fotografen tummeln.
Umso wichtiger erscheint es mir daher, sich mit den Mechanismen der Bildwirkung vertraut zu machen, um zu verste-
hen, welche Elemente in welcher Anordnung ein Bild für den Betrachter so interessant machen, dass der Blick – zumin-
dest für einen Moment – dort hängen bleibt. Wobei das Hängenbleiben nicht statisch gemeint sein kann, vielmehr muss
der einmal eingefangene Blick entsprechend geführt und beschäftigt werden, um den Bildeindruck nachhaltig zu
machen. Denn nur dann wird man sich auch an dieses Bild erinnern.

12
Einleitung

Das vorliegende Buch versucht deshalb anhand geeigneter Bildbeispiele, typische (foto)grafische Elemente und ihre
Geometrien herauszuarbeiten, um den Blick für die Bildwirkung, die sich daraus ergibt, zu schärfen: Denn bekanntlich
sieht man nur, was man weiß (wenn Sie das nächste Mal durch den Sucher schauen), und nur so besteht die Chance,
dass Sie als Leser nach dem Studium der Bildbeispiele in diesem Buch zu besseren (wirkungsvolleren) Fotos kommen!
Allerdings ist das kein völlig neuer Ansatz – der international angesehene Fotokünstler Harald Mante, emeritierter
Professor für Fotodesign, hat schon vor über vierzig Jahren ein viel beachtetes Werk zum Thema Bildgestaltung her-
ausgebracht, das bis heute zu Recht Kultstatus hat und immer wieder neu aufgelegt wird. Insofern schließe ich mit
diesem Buch an eine Tradition an, wobei allerdings im vorliegenden Werk aus didaktischen Gründen die Bildbeispiele
noch ausführlicher entsprechend ihrer (foto)grafischen Geometrie »seziert« werden, um Letztere mithilfe eingezeich-
neter Vektoren, Kringel und anderem Gekritzel besser erkennbar zu machen. Ich versuche dabei, die gestaltungs-
psychologischen Gesetzmäßigkeiten grundsätzlich aus den Beispielfotos heraus zu entwickeln, statt diese aufzu-
zählen und durch die Fotos dann zu illustrieren. Der Vorteil liegt auf der Hand: Dinge, deren Entwicklung man
miterlebt und nachvollziehen kann, bleiben eher im Gedächtnis haften.
Bitte versuchen Sie beim Studium dieses Buches, zunächst das jeweilige Originalfoto auf sich wirken zu lassen, und
schauen Sie erst danach auf die erklärenden nachfolgenden Sketche. Nach und nach werden Sie sogar die wesentli-
chen Elemente der Bildwirkung von alleine entdecken, ein erster wichtiger Schritt für klareres Sehen. Die Kunst wird
allerdings für Sie darin bestehen, diese Gesetzmäßigkeiten auch in der eigenen fotografischen Praxis zu nutzen, um
wirkungsvolle(re) Bilder zu gestalten, und zwar unabhängig von der Ausrüstung!
Hierzu fällt mir ein nettes Zitat von Heiko Kanzler ein: »Klar war die Ausrüstung teuer und ich mache keine besseren Bil-
der dadurch. Aber ich habe jetzt mehr Spaß an meinen schlechten Bildern.«

13
Einleitung

Um Letzteres (schlechte Bilder) zu verhindern, wurde dieses Buch geschrieben, und ich hoffe, es bringt Sie wirklich wei-
ter auf dem Weg zum besseren Fotografen. Ich selbst habe aus den Büchern von Harald Mante, aber auch von Andreas
Feininger und vielen anderen sehr viel lernen können, aber ebenso habe ich mir immer wieder die Zeit genommen, das
Gelernte auch regelmäßig im Feld zu praktizieren: Ein Musikinstrument lernt man ja auch nicht an einem Tag, auch nicht
in einem Jahr, oder, wie Henri Cartier-Bresson einmal sagte: »Ihre ersten 10.000 Bilder sind die schlechtesten.«
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen nachhaltige Einsichten und eine erfolgreiche Umsetzung für bessere Fotos! Und
deshalb zum Geleit gleich noch ein schönes Zitat:
»Der Amateur sorgt sich um die richtige Ausrüstung, der Profi sorgt sich ums Geld und der Meister sorgt sich ums
Licht.« (Georg IR, fotocommunity-user 580335)

14
Kapitel 1

Grundlagen
1 Grundlagen

In diesem Kapitel möchte ich Sie zunächst mit einigen Grundgesetzmäßigkeiten des Sehens und der Bildgestaltung
vertraut machen, die Sie sicher unmittelbar nachvollziehen können. Unser erstes Bild zeigt eine Landschaftsaufnahme.
Überlegen Sie bitte zunächst, wie diese Aufnahme auf Sie persönlich wirkt:
b Ausgewogen oder unausgewogen?
b Langweilig oder spannungsvoll?
b Ist der Ausschnitt optimal?
b Harmonie der Farben oder zu bunt?
b Was gefällt Ihnen besonders und warum?
b Was stört Sie (am meisten)?
Wenn Sie wollen, können Sie sich zu diesen Punkten Stichworte notieren, bevor Sie weiterblättern und meine Sicht der
Dinge vorgesetzt bekommen.

Abb. 1.1
Landschaft mit Wasserlauf

18
1 Grundlagen

Abb. 1.2  Abb. 1.3 


– Konvergente Linien mit Fluchtpunkt erzeugen Spannung – Pappelreihe mit perspektivischer Verkleinerung erfreut das 
– Diagonaler Wasserlauf von links unten nach rechts oben  Auge und erzeugt Tiefe
steigert Dynamik – widergespiegelt in sich verjüngender Bergkulisse im 
Hintergrund
– Gegenläufige Diagonalen der Bergkämme sowie der 
Schattenlinien im Vordergrund

20
Grundlagen 1

Abb. 1.4 Schöner Farbeffekt – Wasser spiegelt das Himmelsblau.

Weil es so schön war, gleich noch ein weiteres Landschaftsfoto. Sie werden bestimmt auf Anhieb einige Elemente der
Bildwirkung entdecken, die ich beim ersten Beispielfoto erläutert habe.

21
Grundlagen 1

Abb. 1.5 
Landschaft in Dalmatien

Vielleicht fällt Ihnen bei diesem Foto sogar noch etwas anderes auf: Wenn Sie die Proportionen betrachten, scheint die
Aufteilung zwischen Erde und Himmel besonders harmonisch zu sein. Tatsächlich entspricht diese ziemlich exakt dem
berühmten Goldenen Schnitt.

Abb. 1.6 Horizont im Goldenen Schnitt Abb. 1.7 Der Goldene Schnitt

23
1 Grundlagen

Abb. 1.8 Dies betrifft allerdings bei diesem Bild nur die hori- Abb. 1.9 Anpassung an den Goldenen Schnitt in zwei Achsen
zontale Ebene, während die vertikale Ebene mit der sich
spiegelnden Baumachse nicht optimal im Schnitt liegt.

Wenn wir eine vollständige Harmonie (im Sinne des Goldenen Schnitts) in allen zwei Achsen anstreben, müssen wir das
Bild deshalb links entsprechend beschneiden.

24
Grundlagen 1

Aber wenden wir uns zunächst wieder den bildformenden Elementen zu, die dem Foto seine Prägung geben.

Abb. 1.10 Konvergente Linien mit Fluchtpunkt bilden eine Art Abb. 1.11 Es gibt aber noch eine reizvolle Überlagerung der
Fächer. Die Konvergenzzone liegt in Höhe des Goldenen o.g. Fächerstruktur, die dem Fluchtpunkt entgegenwirkt:
Schnitts der Horizontlinie und wird reizvoll gekreuzt von Hatte dieser Fächer durch die Konvergenz eine starke Sog-
einer Pappel, die mit ihrer Spiegelung im Wasserlauf eine wirkung zur Bildmitte, bilden die Bodenstrukturen mit ihren
optische Achse bildet. Weitere Pappeln unterschiedlicher gebogenen Rändern jetzt eher eine aus dem Bild heraus-
Größe bilden korrespondierende Elemente und sorgen für laufende Strömung, die den Wasserlauf begleitet.
räumliche Tiefe.

25
1 Grundlagen

Im weiteren Verlauf möchte ich mit Ihnen das Thema der blickdynamischen Effekte und Strömungsverläufe noch ver-
tiefen, da diese von zentraler Bedeutung für jedes wirkungsvolle Bild sind. Auf den nächsten Seiten wenden wir uns
deshalb noch einmal den früher beschriebenen Bildern zu und spielen ein wenig mit zwei verschiedenen Ansichten,
indem wir die Fotos einfach kontern, also horizontal spiegeln, und einander gegenüberstellen.

Abb. 1.12 Hier sehen Sie noch mal den Originalaspekt mit Abb. 1.13 Dies ist die seitenverkehrte Version mit einer ganz
der bereits beschriebenen Bilddynamik, die den Blick buch- anderen Bildwirkung, richtig?
stäblich ins Bild zieht.

26
Grundlagen 1

Abb. 1.14 Im Vergleich zur Originalansicht kommt es offensichtlich zu einer »blickdynamischen Strömungsumkehr«, die den
Blick nach unten rechts aus dem Bild drängt, wodurch das Foto seine Dynamik verliert und irgendwie lahm wirkt.

Lassen Sie uns das gleiche Experiment noch einmal machen – diesmal mit dem Foto der gegenüberliegenden Stra-
ßenseite, das ich vorher beschrieben hatte.

27
1 Grundlagen

Abb. 1.15 Hier der Originalaspekt; der Blick wandert auf ver- Abb. 1.16 Hier sehen Sie das vorangegangene Bild in gekon-
schiedenen Pfaden über Stock und Stein, und die dynami- tertem Zustand. Erstaunlicherweise kommt es hier nicht zu
sche Bildwirkung ergibt sich wie von selbst aus der Fülle der einem Dynamikverlust wie im Beispiel auf der vorigen Seite.
Strukturen. Falls Sie mir da zustimmen – woran könnte das liegen?

28
Grundlagen 1

Abb. 1.17 Die horizontale Spiegelung hat die Bilddynamik nicht vernichtet, sondern nur verändert. Der helle Wasserlauf übernimmt
jetzt die Rolle der aufsteigenden Diagonalen, und der Blick bleibt im Bild, bis alle interessanten Details »abgeknabbert« sind.

Wir sehen also an diesen Beispielen, dass es nicht nur um das Vorhandensein einzelner Elemente im Bild geht, um eine
bestimmte Wirkung zu erzeugen, sondern um deren Zusammenspiel und vor allem auch um ein anderes wichtiges
Phänomen, das ich noch gar nicht genannt hatte: Der Blick wandert gerne von links nach rechts!

29
1 Grundlagen

Abb. 1.18 In diesem Foto führt der Bachlauf zwar formal Abb. 1.19 Im gespiegelten Foto führt der Bachlauf jetzt nach
aus dem Bild heraus, aber die Gesamtdynamik aus rechts oben, und die ansteigende Buschlinie verstärkt die-
ansteigenden Pappeln plus Bergkamm ist stärker und sen dynamischen Effekt. Der sich verjüngende Berghinter-
zieht den Blick wieder nach oben. grund wiederum bietet zwar jetzt keine Dynamiksteigerung
mehr, führt aber in das Bild hinein.

30
Grundlagen 1

Abb. 1.20 In diesem Foto mit dem schlichten Bildaufbau Abb. 1.21 In der seitenverkehrten Version hingegen wird der
gelten die einfachen Gesetze der Dynamik: Blickführung Blick eher aus dem Bild gedrängt als beschäftigt, woran
nach rechts oben ist hier eindeutig vorteilhaft! auch die fünf müden Pappeln im Hintergrund nichts ändern
können.

31
Kapitel 2

Form & Geometrie

2.1 Struktur & Muster . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34


2.2 Geometrie & Dynamik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
2.3 Symmetrie & Brechung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
2.4 Formen & Farbe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
2 Form & Geometrie

In Kapitel 1 haben wir uns in groben Zügen mit einigen Grundlagen der Bildwirkung und -gestaltung beschäftigt. In die-
sem Kapitel werden wir uns an konkreten Einzelbeispielen noch detaillierter mit bestimmten Elementen des Bildaufbaus
befassen.

2.1 Struktur & Muster


Lassen Sie uns mit einem Foto beginnen, das zwar
relativ schlicht wirkt, aber einfache Grundzüge der
Bildgeometrie gut illustriert:

Abb. 2.1 Hotelfassade

34
Form & Geometrie 2.1

Unsere Augen lieben Strukturen und Muster und insbeson- Im rechten Winkel zur Treppenstruktur finden wir starke
dere Treppenformen, die im kleinen Bild als gelbe Zick- Horizontalkanten, die das Bild weiter strukturieren und das
zacklinien markiert sind. ansonsten »tote« Gebäude etwas lebendig machen. Die
 Fensterrechtecke wiederum werden durch senkrechte
 Pfosten unterteilt, wodurch die Bildrhythmik weiter ver-
stärkt wird.

Abb. 2.2 Vertikale Strukturelemente Abb. 2.3 Horizontale Strukturelemente

35
2 Form & Geometrie

Dieser Betonbau ist somit schon interessant gegliedert, könnte aber monoton wirken, gäbe es nicht die auf unter-
schiedlichen Ebenen angeordneten Farbtupfer.

Abb. 2.4 Bei näherem Hinsehen entdeckt man sogar noch eine kleine Szenerie (grüner Pfeil),
die dem Ganzen noch ein wenig mehr Pfiff gibt.

36
Form & Geometrie 2.1

Wir kommen jetzt zu einem anderen Foto, in dem nicht die Rechteckfor-
men, sondern vor allem dreieckige Strukturen im Vordergrund stehen.

Abb. 2.5 Stadtecke in Darmstadt

37
2 Form & Geometrie

Die Dreieckstrukturen ergeben sich wie von selbst aus den Die genannten Dreieckformen kontrastieren mit zahlrei-
Gebäudekanten, die sich kreuzen oder überlagern. Im fol- chen Vertikallinien, von denen die wichtigsten im folgenden
genden Sketch sind diese blau markiert. Sketch gelb markiert sind.

Abb. 2.6 Dreieckstrukturen Abb. 2.7 Vertikalachsen

38
Form & Geometrie 2.2

Trotz des relativ wuchtigen (eigentlich hässlichen) Vordergrunds ergibt sich somit doch noch ein Bild, das nicht ohne
Reiz ist bzw. das man zumindest für Lehrzwecke noch durchgehen lassen kann. Primär war diese Aufnahme eine »Fing-
erübung«, die Sie sich ebenfalls immer mal wieder gönnen sollten, wenn Sie durch die Straßen Ihrer Stadt schlendern –
man schult auf diese Weise das Sehen und natürlich auch den Umgang mit der Kamera.

2.2 Geometrie & Dynamik


Als Nächstes möchte ich Ihnen ein Foto von einem Trep-
penhaus präsentieren, das mich immer wieder durch
seine vertrackte Geometrie fasziniert hat.

Abb. 2.8 Verglastes Treppenhaus

39
2 Form & Geometrie

Ich weiß nicht, wie es Ihnen beim Betrachten dieses Bildes geht, aber mein Blick schweift umher und tastet kreisend
sämtliche Linien ab, die diesem Foto seine Prägung geben. Die Diagonalen (gelbe Markierung im kleinen Bild) sorgen
für Auf- und Abtrieb, während sich dahinter die Fluchtpunktdynamik der Gitterstruktur entwickelt, die sich aus der inte-
ressanten Fensterkonstruktion sowie aus den Treppenstufen ergibt (blaue Markierung im kleinen Bild).

Abb. 2.9 Diagonale Struktur Abb. 2.10 Vertikale Struktur

40
Form & Geometrie 2.2

Der Blick durch die Fenster schließlich zeigt einen Ausschnitt der Natur, die einen lebendigen Kontrast zu dem streng
geometrischen (rein technischen) Treppenhaus bildet.
Lassen Sie uns noch eine andere Treppe unter dem Aspekt der »Blickdynamik« näher betrachten, die uns schon in
Kapitel 1 beschäftigt hat. Links sehen Sie die Originalversion, rechts daneben die gekonterte (seitenverkehrte) Version.

Abb. 2.11 Original Abb. 2.12 Seitenverkehrt

41
2 Form & Geometrie

Welche Version gefällt Ihnen besser? Für mein Empfinden In der Ursprungsversion hingegen wird der Blick nach
wirkt die seitenverkehrte Version dynamischer, da das unten geführt (grüne Pfeile), allerdings durch eine kleine
Geländer von links unten nach rechts oben verläuft (gelbe Gegendiagonale (gelber Pfeil) wieder leicht aufgefangen.
Pfeile).

Abb. 2.13 Diagonale aufwärts Abb. 2.14 Diagonale abwärts

42
Form & Geometrie 2.3

Für welches Bild man sich entscheidet, hängt eher vom subjektiven Empfinden ab – beide Versionen haben sicher ihre
Wirkung. Nicht unwesentlich ist auch, dass wir bei diesem monochromen Sujet aufgrund seiner starken grafischen
Struktur die fehlende Farbigkeit nicht vermissen, was ein Kennzeichen eines guten Schwarz-Weiß-Fotos sein sollte.

2.3 Symmetrie & Brechung


Das folgende original schwarz-weiße Foto gehört wegen seiner strengen Geo-
metrie zu meinen Lieblingsbildern, wobei ich Glück hatte, dass der abgebildete
Zeitungsleser so lange stillhielt, bis ich das Objektiv gewechselt und meine Auf-
nahme gemacht hatte.

Abb. 2.15 Zeitungsleser (Paris 1972)

43
2 Form & Geometrie

Dieses Bild wird einerseits von der Symmetrie des Hintergrunds geprägt, die andererseits vielfältig gebrochen wird, was
meiner Ansicht nach auch den besonderen Reiz dieser Aufnahme ausmacht.

Im folgenden Sketch sind die aufragenden Konstruktionselemente der Brü-


cke gelb markiert; diese ergeben infolge der Diagonalen eine Aufwärtsströ-
mung. Letztere wird übrigens in diesem Fall auch von den rechts von der
Mitte befindlichen Diagonalen mitgetragen, obwohl diese ja eigentlich von
(Mitte) links oben nach rechts unten verlaufen, was nach dem in Kapitel 1
ausgeführten Regeln den Blick nach unten leiten sollte. In diesem Bild ist
jedoch die Symmetrie so mächtig, dass auch die rechts liegenden Diagona-
len als aufwärtsverlaufend empfunden werden!
Sie sehen also wieder einmal, dass es von den meisten Regeln Ausnahmen
gibt – was die ganze Sache ja auch irgendwie spannend macht. Die Sym-
metrie wird durch das im Hintergrund noch schemenhaft erkennbare Hoch-
haus weiter unterstrichen.

Abb. 2.16 Diagonale Aufwärtsdynamik

44
Form & Geometrie 2.3

Die Brechung der Symmetrie (grün markierte Elemente im nächsten Sketch)


erfolgt im Vordergrund durch die Figur des Zeitungslesers sowie durch das
seitlich versetzte Fahrzeug (dessen Außenspiegel auch noch verkehrswidrig
frech herunterhängt).
Die sich in der Nähe des Goldenen Schnitts befindliche menschliche Figur
bildet gleichzeitig ein Gegengewicht zur rechtslastigen Fahrzeugsilhouette,
wodurch die Asymmetrie des Vordergrunds wiederum harmonisiert wird.
Im Hintergrund erkennen wir weitere Stahlseile, die von links oben nach
Mitte/rechts unten verlaufend eine leichte Abwärtsdrift erzeugen und die
Symmetrie des Hintergrunds pfiffig konterkarieren. Noch weiter hinten sieht
man dann weitere dynamisch verspannte Konstruktionselemente, die dem
Auge des Betrachters zusätzlich Nahrung geben, sodass der Blick nicht zu
früh zur Ruhe kommt.

Abb. 2.17 Symmetriebrechung

45
2 Form & Geometrie

Die eben beschriebene Aufnahme wurde mit einem Tele- Auch hier springt uns wieder die geballte Symmetrie an,
objektiv gemacht; davor hatte ich ein Weitwinkel im Ein- die aber durch den leicht versetzten und nicht streng
satz und das folgende Foto aufgenommen. symmetrischen Vordergrund wiederum reizvoll gebro-
chen wird.

Abb. 2.18 Entfernter Zeitungsleser (Paris 1972) Abb. 2.19 Leicht gebrochene Symmetrie

46
Form & Geometrie 2.4

Hinzu kommt eine stärkere Tiefenwirkung, bedingt durch die Größenverhältnisse sowie die Fluchtliniendynamik. Auch
die Proportionen zwischen Vorder- und Hintergrund sind in die beliebten, weil als schön empfundenen Drittel aufgeteilt.
Der Zeitungsleser im Hintergrund spielt inhaltlich keine große Rolle mehr, sondern übernimmt die Funktion eines witzi-
gen Accessoires.

2.4 Formen & Farbe


Bisher haben wir uns hauptsächlich mit den Bildstrukturen beschäftigt, wobei die Farbe als Wirkungselement weniger
im Vordergrund stand. Im Folgenden wollen wir uns deshalb etwas mehr den Aufnahmen zuwenden, in denen die
Farbe ein wesentliches Element der Bildgestaltung ist.
Bei den zuletzt gezeigten Schwarz-Weiß-Fotos war viel von Symmetrie(n) die Rede, aber Symmetrie ist nicht alles, auch
wenn sie ein wichtiges Element in der Bildgestaltung sein kann. Das folgende Beispiel lebt wiederum geradezu von der
unsymmetrischen Anordnung der Details. Aber der Reihe nach.

47
2 Form & Geometrie

Abb. 2.20 
Frau in Schwarz

48
Form & Geometrie 2.4

Oberflächlich betrachtet scheint das Bild in eine obere und eine untere Hälfte zu zerfallen, was man in der Fotografie
gerne vermeidet. (Deswegen wird immer wieder gelehrt, dass der Horizont bei Landschaftsaufnahmen um Himmels
willen nicht durch die Mitte gehen soll!) Bei genauerem Hinsehen erkennt man aber in den Strukturen (im folgenden
Sketch gelb markiert) genug verbindende Elemente zwischen den beiden Bildhälften, die den optischen Zerfall dann
doch wirksam verhindern.

Abb. 2.21 Verbindungsstrukturen

49
2 Form & Geometrie

So scheinen sich die Stämme der oberen Weinstöcke in den unteren Verästelungen des Baumschattens fortzusetzen,
der zudem den Füßen der grün markierten Gestalt zu entspringen bzw. in diese zu münden scheint. Der besondere
Reiz der Aufnahme besteht aber in den blauen Elementen aus Türen, Fenster und Eimer, die das Bild farblich dominie-
ren und gewissermaßen ein »Bildspannungsdreieck« bilden.

Abb. 2.22 Bildspannungsdreieck

50
Form & Geometrie 2.4

Auch die zweite Tür links ist – obwohl ausgebleicht – gestalterisch nicht ohne Belang, da erstens der Reiz in der Wie-
derholung liegt und zweitens ein Kippen der Szenerie nach rechts verhindert wird.
Obwohl die Aufnahme leicht verzerrt bzw. verkantet ist, wurde auf die perspektivische Korrektur bewusst verzichtet, um
die herabhängenden Weinblätter nicht zu beschneiden. Im Interesse der Gesamtkomposition muss man hin und wie-
der Mängel in Kauf nehmen – hier heißt es einfach, mit Ausschnitt und perspektivischer Entzerrung so lange zu expe-
rimentieren, bis das Ergebnis insgesamt befriedigt.

Als letzte Aufnahme dieses Kapitels möchte ich Ihnen


eine Stadtansicht präsentieren, die mir besonders wegen
ihres Detailreichtums, der durch verschiedene Strukturen
gebändigt wird, sowie der Farbharmonie gefällt.

Abb. 2.23 Frankfurt am Main

51
2 Form & Geometrie

Die grobe, von Wolken aufgelockerte »Zickzackstruktur« 


(Abbildung 2.24) lässt sich wiederum in feinere Unter- 
strukturen aufbrechen, in denen hauptsächlich Dreiecke 
dominieren (Abbildung 2.25). 
 

Abb. 2.24 Zickzackdynamik Abb. 2.25 Dreiecksformen

52
Form & Geometrie 2.4

Viel mehr möchte ich an dieser Stelle gar nicht analysieren, sonst besteht die Gefahr, allzu viel »hineinzugeheimnissen«
oder das Bild zu Tode zu sezieren und damit am Ende den Gesamteindruck buchstäblich aus den Augen zu verlieren.
Ich denke, dass Sie als Leser nach der Sichtung der bisherigen Beispiele schon einiges an Rüstzeug mitgenommen
haben, sodass es Ihnen gelingen sollte, auch auf eigene Faust weiter »spazieren zu sehen«.

Fazit
Zusammenfassend haben Sie sich in Kapitel 2 mit dem Zusammenwirken verschiedener Strukturelemente beschäftigt, die
die Bildwirkung wesentlich bestimmen. Weiter habe ich den Einfluss der Farbe bei der Blickführung beschrieben; der
Begriff Bildspannungsdreieck als ein Beispiel der Blickführung wurde eingeführt. Wir haben Fragen der Proportion
gestreift, und Sie haben den Reiz eines symmetrischen Bildaufbaus mit der wichtigen, weil wirkungssteigernden Symme-
trie-Brechung kennengelernt; aber auch die Dynamik stark asymmetrischer Gestaltung, die in der Praxis ja eigentlich die
Regel ist. Vielleicht sucht man ja deshalb immer nach der (seltenen) Symmetrie als Ausdruck einer besonderen Balance?

53
Kapitel 3

Andere wirkungsvolle Strukturelemente

3.1 Staffelung und Kulisseneffekt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56


3.2 Reihung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74
3.3 Perspektivische Effekte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79
3 Andere wirkungsvolle Strukturelemente

3.1 Staffelung und Kulisseneffekt


Im Folgenden will ich Ihnen einige typische Bildbeispiele präsentieren, die vor allem von der Anordnung verschiedener
Ebenen profitieren. Wenn solche Ebenen (oder bestimmte Objekte) hintereinanderliegen, spricht man von Staffelung,
und je nach Lage und Anordnung entsteht der Eindruck, man schaue durch verschiedene Kulissen hindurch, was man
auch Kulisseneffekt nennt.

Abb. 3.1 Ein typisches Urlaubsfoto vom Mittelmeer

Bei diesem Foto schieben sich drei Ebenen wie Kulissen über- und ineinander.

56
Andere wirkungsvolle Strukturelemente 3.1

Abb. 3.2 Kulisseneffekt

Die senkrecht aufragende Mastreihe (rot markiert; reizvoll durch Dreierpack) kontrastiert mit den umgebenden unregel-
mäßigen organischen Strukturen des (grün markierten) Vordergrunds einerseits und der (blau markierten) Hügelkette
des Hintergrunds andererseits.
Grundsätzlich wirkt ein in Fotos mittig angeordnetes Objekt wie das Segelschiff eher langweilig; hier gibt es aber so viel
dynamisches »Drumherum«, dass die Gesamtwirkung lebendig bleibt. Effekte von Symmetrien und ihrer Brechung
wurden ja in Kapitel 2 bereits ausführlich beleuchtet, wobei allerdings der Symmetrieeffekt in Abbildung 3.2 trotz der
drei Masten nicht überstrapaziert werden sollte.

57
3 Andere wirkungsvolle Strukturelemente

Im nächsten Urlaubsfoto lässt sich ebenfalls ein schöner Kulisseneffekt demonstrieren.

Abb. 3.3 An der Adria

In der unteren Bildhälfte lugt das (blau markierte) Meer mit seiner hügeligen Begrenzung hinter dem (grün markierten)
Vordergrund hervor; in der oberen Bildhälfte brechen die Lichtstrahlen wie Scheinwerfer durch die Wolkenkulissen.

58
Andere wirkungsvolle Strukturelemente 3.1

Abb. 3.4 Kulisseneffekte

Auch auf die Gefahr hin, Sie zu langweilen, geht es mit der Staffelung von kulissenähnlichen Ebenen weiter – in der Wie-
derholung liegt die Kraft der Erinnerung!

59
3 Andere wirkungsvolle Strukturelemente

Im nächsten Foto einer herbstlichen Landschaft sehen


Sie eine Kombination aus leuchtenden Farben und wech-
selnden Konturen zahlreicher Kulissen, die fast flächig
aufeinander zu kleben scheinen.
Was macht nun den besonderen Reiz dieses Bildes aus?
Wie so oft ist es die Kombination aus Formen und Farben,
die vordergründig in drei aufeinandergestapelte Haupt-
ebenen zusammengefasst werden können.
1. Eine vordere untere Ebene mit warmen leuchtenden
Farben
2. Eine mittlere Ebene mit eher gedeckten Farben
3. Eine hintere obere Ebene mit kühlen Blautönen
Diese groben Effekte allein sind sicher noch nicht der
Knaller, sondern es muss noch mehr dazukommen: Die
Hauptebenen lassen sich weiter auflösen in reizvoll ver-
setzte Unterebenen. In den folgenden Sketchen habe ich
Markierungen angebracht, die diese verschiedenen Ebe-
nen und ihre Kulissenstruktur sichtbar machen sollen.

Abb. 3.5 Herbstlandschaft

60
Andere wirkungsvolle Strukturelemente 3.1

Abb. 3.6 Aufeinander gestapelte Hauptebenen Abb. 3.7 Kulissenstruktur

61
3 Andere wirkungsvolle Strukturelemente

Der grüne Gebüschsaum am unteren Bildrand bildet die vorderste Ebene. Danach folgt die erste Schicht eines Mais-
felds (grüne bis rote Markierung) und dahinter, durch eine schmale Schneise abgesetzt, die zweite Schicht (bis zur gel-
ben Markierung). Wieder dahinter folgen zwei gegeneinander versetzte grüne Ebenen aus Büschen und Bäumen, die
sich klar von den beiden nachfolgenden blauen Hügelketten abgrenzen lassen (dunkelgrüne Markierung). Letztere ver-
lieren sich Ton in Ton im blauen Dunst, der in den Himmel übergeht.
Unser Auge – der Blick – hat also reichlich Nahrung, um sich (vorne unten) in den sich wiederholenden Details »auszu-
toben« und (hinten oben) in ruhigem Ambiente weiter zu ergehen. Die Gegensätze in Form und Farbe sowie die
abwechslungsreichen Übergänge im Wechselspiel der Farben (Grün – Rot – Grün – Rot – Grün – Blau) sind bei diesem
Bild der Schlüssel zur (nachhaltigen) Wirkung, wie wir sie uns von einem guten Foto wünschen, das uns auch nach län-
gerer Betrachtung noch zu fesseln vermag.
Die o.g. Beispiele wirkten durch die bei der Aufnahme benutzte längere Brennweite eher flächig, sodass ich noch ein
Beispiel hinzufügen möchte, das mit einem Weitwinkelobjektiv gemacht wurde, um die Dynamik der Tiefenstaffelung zu
verdeutlichen, die sich bei kurzen Brennweiten üblicherweise ergibt.

Abb. 3.8
Orangenhain

62
3 Andere wirkungsvolle Strukturelemente

Auch bei diesem im Morgendunst aufgenommenen, digital leicht verfremdeten Orangenhain lassen sich mehrere Ebe-
nen aufzählen.
Während die vordere Ebene mit Fass, Leiter und dem Mäuerchen sowie die hintere Ebene mit den verschwommenen
Baumkonturen ruhig und statisch wirken, bringt die sie verbindende mittlere Ebene (Mittelgrund) durch die Fluchtlinien
der schemenhaft erkennbaren Orangenbäumchen ein dynamisches Element ins Spiel, das dieses Bild eigentlich erst
interessant macht.

Abb. 3.9
Dynamische Ebenen

64
Andere wirkungsvolle Strukturelemente 3.1

In dem nun folgenden Panorama, das aus drei Weitwinkelaufnahmen gewonnen wurde, wird die Dynamik des Mittel-
grunds noch etwas auf die Spitze getrieben.

65
Abb. 3.10 Hügelpanorama in Dalmatien
3 Andere wirkungsvolle Strukturelemente

Die Fluchtpunktdynamik des Mittelgrunds springt unmittelbar ins Auge (gelbe Markierung im folgenden Sketch).

Abb. 3.11 Mittelgrund mit Fluchtpunktdynamik

68
Andere wirkungsvolle Strukturelemente 3.1

Dieser wird wie eine Bühne eingerahmt von der Vordergrundkulisse der grünen Büsche einerseits und dem durchge-
henden Buschsaum weiter hinten, der vor dem blauen Hintergrund einen Horizont in Höhe des Goldenen Schnitts bil-
det (grüne Markierung).

Abb. 3.12 Mittelgrund mit Begrenzungsstrukturen

69
3 Andere wirkungsvolle Strukturelemente

Hinter dieser Bühne baut sich die mehrfach gestaffelte blaue Kulisse des Hintergrunds auf, die durch wellenförmige und
nadelförmige Strukturen gefällt – auch hier wirkt wieder das Prinzip der wiederholten Strukturen als Augenfutter.

Abb. 3.13 Gestaffelte Hintergrundkulisse

70
Andere wirkungsvolle Strukturelemente 3.1

Ein weiteres Foto, in dem die Fluchtliniendynamik zur Bildspannung beiträgt, wurde in den Gemäuern der berühmten
Festung von Carcassonne aufgenommen.

Abb. 3.14 Carcassonne

71
3 Andere wirkungsvolle Strukturelemente

Im Zentrum des Bildes, jedoch nicht zentral, sondern etwa im Goldenen Schnitt, steht ein Kinderpaar mit farbenfroher
Bekleidung, die schön mit der eher monotonen graubraunen Farbe der trutzigen Burgmauern kontrastiert. Allein der
Größenunterschied der geradezu winzig wirkenden Kinder vor dieser mächtigen Mauerkulisse bringt schon eine
gewisse Spannung ins Bild. Da die Kinder in der Ecke einer den Vordergrund dominierenden kleineren Mauer stehen,
ergibt sich zwanglos eine geometrische Spannung, da die Mauer und die Steinreihen des Bodens bei diesem Blickwin-
kel auf die Kinder zustreben.
Im Hintergrund wird die doppelte Mauerkulisse durch zahlreiche Schießscharten aufgelockert, die eine reizvolle grafi-
sche Abwechslung ins Spiel bringen. Wie weiter oben festgestellt, liebt das Auge Zacken und Treppen wie alle anderen
sich wiederholenden Strukturen.

Abb. 3.15
Fluchtliniengeometrie

72
3 Andere wirkungsvolle Strukturelemente

3.2 Reihung
In der Wiederholung einer bestimmten Struktur liegt also ein gewisser Reiz, der auch beim nächsten Bild ins Auge
springt.

Abb. 3.16 Baumreihe

74
Andere wirkungsvolle Strukturelemente 3.2

Die Reihung der Bäume setzt sich bei dieser Gegenlichtaufnahme am Boden in den Schatten fort – auch ein schöner
Effekt. Beim folgenden Beispiel kommt dagegen das Licht von vorne, sodass die Schatten nach hinten laufen.

Abb. 3.17 Wald im Mai

Der besondere Reiz liegt hier neben der Reihung (Wiederholung!) im Lichter- und Schattenspiel des Ensembles sowie
den durch die Efeublätter aufgelockerten Strukturen der Baumstämme.

75
3 Andere wirkungsvolle Strukturelemente

Eine schöne Reihung können Sie natürlich auch bei Objekten wie Häusern beobachten.

Abb. 3.18 Historische Fassadenreihe

Das Foto wurde auf der Durchreise bei trübem Wetter in Schärding (Österreich) aufgenommen – auf besseres Licht
konnte ich hier leider nicht warten. Dennoch bringt aber gerade diffuses Licht die Farben oft besonders zum Leuchten,
und es muss ja nicht immer nur blauer Himmel sein, oder?

76
Andere wirkungsvolle Strukturelemente 3.2

Zur Bildwirkung tragen auch hier neben der Reihung schöner Fassaden wieder einmal geometrische Strukturen wie
Dreiecksformen bei, die sich im Boden des Vordergrunds und in den Giebeln manifestieren.

Abb. 3.19 Strukturmerkmale (gelb)

Die Benutzung des Weitwinkelobjektivs erlaubte hier wieder die dynamische Einbeziehung des Vordergrunds.

77
3 Andere wirkungsvolle Strukturelemente

Wenn Sie mit dem Teleobjektiv fotografieren, können Sie die Strukturwiederholung durch räumliche Verdichtung noch
verstärken, wie folgendes Bild zeigt.

Abb. 3.20 Reihung und Staffelung von Strommasten

Hier verteilen sich die Hochspannungsmasten sowohl in der Breite als auch in der Tiefe des Raumes, wobei das kühle
Graublau von Metall und Himmel im Kontrast zum pflanzlichen grünen Vordergrund mit seiner gelben Tüpfelung steht.

78
Andere wirkungsvolle Strukturelemente 3.3

3.3 Perspektivische Effekte


Staffelung und Reihung können, wenn sie sich nicht auf eine Ebene beschränken, eine dynamische Tiefenwirkung ent-
falten, wie das folgende Bild einer Hochzeitstafel verdeutlicht.

Abb. 3.21 Hochzeitstafel in Dalmatien

79
3 Andere wirkungsvolle Strukturelemente

Wir sehen zwei Reihen von Personen, die, bedingt durch die Aufnahmeposition, nach hinten kleiner werdend gestaffelt
sind, wodurch sich ein dynamisches Muster ergibt. Die prominente vordere Reihe (im folgenden Sketch gelb markiert)
überlagert partiell die mittlere Reihe (grün markiert), aus der eine dritte Reihe aus drei Personen (blau markiert) mit reiz-
voller Unregelmäßigkeit herausragt.

Abb. 3.22 Perspektivische Reihung und Staffelung

80
Andere wirkungsvolle Strukturelemente 3.3

Den Blickfang in diesem Bild bilden – wie es bei einer Hochzeitstafel sein soll – Braut und Bräutigam, die erfreulicher-
weise in Richtung Kamera schauen. Der Kopf des Bräutigams bildet mit drei anderen Personen eine starke Vertikal-
achse (gelbe Markierung im nächsten Sketch), die im Bereich des Goldenen Schnitts positioniert ist, was zur Harmonie
der ansonsten eher unruhigen Szenerie beiträgt.

Abb. 3.23 Vertikalachse im Goldenen Schnitt

81
3 Andere wirkungsvolle Strukturelemente

Auch das Gesicht der Braut befindet sich horizontal noch auf der Linie des Goldenen Schnitts, was ebenfalls kein
Nachteil ist.
Aber es gibt noch weitere interessante Strukturelemente in diesem belebten Foto. Der Hauptteil des Bildes wird domi-
niert von der wechselnden Gruppierung von Personen, die zusammen einen pyramidenförmigen Cluster bilden.

Abb. 3.24 Bildspannungspyramide

Diese Bildspannungspyramide bildet den Bildmittelpunkt und wird dadurch lebendig, dass sich dunkle Flächen (Sak-
kos, Haarschöpfe) mit hellen (Hemden, Gesichter) abwechseln. Daneben zieht die weibliche Person am rechten Bild-
rand durch ihren direkten Blick in die Kamera den Blick des Betrachters geradezu magnetisch auf sich – ein interessan-

82
Andere wirkungsvolle Strukturelemente 3.3

tes Phänomen, das uns in vielen Bildern begegnet, in denen Personen die Kamera fixieren. Hier wirkt es einer zu
starken Zentralisierung (man könnte es auch Verklumpung nennen) der Komposition entgegen.
Sie sehen auch an diesem Bildbeispiel wieder, dass die Abwesenheit von Farbe kein Nachteil sein muss, wenn der Bild-
aufbau genügend interessante Muster und Strukturelemente aufweist.
Das nächste Beispiel zeigt ein Bild mit perspektivischer Anordnung schöner Fassaden.

Abb. 3.25 Staffelung und Reihung von Fassaden

83
3 Andere wirkungsvolle Strukturelemente

Dieses Foto, das in der südenglischen Hafenstadt Hastings aufgenommen wurde, erfreut das Auge durch verschie-
dene Strukturelemente:
b Wiederholung treppenförmig absteigender Fassaden, gebildet aus gleichartigen Erkern mit schönem Schwarz-
Weiß-Kontrast, aufgelockert durch die typischen Schornsteine.
b Dynamische Fluchtpunktperspektive, unterstrichen durch Leitungen, die normalerweise eher störend wirken, hier
aber toleriert werden können.
b Harmonie durch weitgehende Anordnung im Goldenen Schnitt (Abbildung 3.26).
Da die exakte Platzierung nach den Regeln des Goldenen Schnitts in der Praxis aufwendig bzw. oft ungenau zu treffen
ist, kann man sich auch mit der Drittelregel (Rule of Thirds) zufriedengeben, bei dem das Motiv durch zwei horizontale
und zwei vertikale Linien gedanklich in neun Rechtecke unterteilt wird, um die Motivstrukturen entlang der entstandenen
Drittelachsen anzuordnen. Bei manchen modernen Kameras lassen sich solche Achsen auch im Sucher einblenden.

84
Andere wirkungsvolle Strukturelemente 3.3

Abb. 3.26 Flächenaufteilung

Zum Abschluss dieses Kapitels nun noch ein Bild, in dem sich die Mehrzahl der bisher beschriebenen Gestaltungsele-
mente wiederfinden lassen.

85
Abb. 3.27 
Friedhofszene
in Dalmatien
Andere wirkungsvolle Strukturelemente 3.3

Bei diesem detailreichen Foto bemerken wir zunächst eine schöne Reihung schlanker Zypressen mit dazwischen auf-
gereihten kleineren Bäumen im Hintergrund, sodass eine reizvolle Kette entsteht (grüne Markierung).

Abb. 3.28 Kettenförmige Baumreihung

87
3 Andere wirkungsvolle Strukturelemente


Die versetzte Anordnung der Grabplatten und Wege führt den Blick in reizvollem Zickzack durch das Gelände, das sich
mit den Baumreihen verzahnt (gelbe Markierung).

Abb. 3.29 Verzahnte Geländestrukturen

88
Andere wirkungsvolle Strukturelemente 3.3

Hinter dieser schönen Kulisse erhebt sich ein blauer Hügelkamm, der von einem schon fast dramatisch bewölkten Wol-
kenhimmel überspannt wird (blaue Markierung). Hier gibt es wieder viele Strukturen, an denen sich das Auge genuss-
voll »weiden« kann.

Abb. 3.30 Lebendiger Wolkenhimmel

89
3 Andere wirkungsvolle Strukturelemente

Von Weitem betrachtet werden die oben genannten Feinstrukturen wiederum in ihrer Grobstruktur durch Diagonalen
und Gegendiagonalen verbunden und so gewissermaßen zusammengehalten, sodass das Bild insgesamt nicht in zu
großer Unruhe zerfällt.

Abb. 3.31 Diagonale und Gegendiagonale

90
Andere wirkungsvolle Strukturelemente 3.3

Sie sehen also, dass es verschiedene Strukturebenen gibt, die in sich verschachtelt und verzahnt sind und zu dem
lebendigen Gesamteindruck dieser ansonsten eher toten Stätte beitragen.

Fazit
In diesem Kapitel wird das Prinzip der Strukturwiederholung als wirkungstragendes Element beleuchtet. Dieses Wiederho-
lungsprinzip findet seinen Ausdruck in Reihung und/oder Staffelung von Strukturen, die neben dem Mittelgrund die perspek-
tivische Wirkung in Bildern bestimmen. Die Ausgestaltung des Mittelgrunds trägt insbesondere bei Weitwinkelaufnahmen
wesentlich zur Bilddynamik bei. Bei vielschichtigen Aufnahmen kann zusätzlich ein Kulisseneffekt zum Tragen kommen, der
die Perspektive vor allem in der Tiefe moduliert.

91
Kapitel 4

Regeln der Bildsprache

4.1 Goldener Schnitt und Drittelregel . . . . . . . . . . . . . . . . 94


4.2 Zur Lage des Horizonts. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102
4.3 Blickrichtung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107
4.4 Lichtverhältnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115
4.5 Stürzende Linien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117
4 Regeln der Bildsprache

Wenn Sie mir bis hierhin gefolgt sind, haben Sie bereits das Rüstzeug erworben, um grundlegende Wirkungsprinzipien
nochmals unter übergeordneten bzw. allgemeingültigen Zusammenhängen zu betrachten.
Worum geht es in der Fotografie (oder Malerei) eigentlich? Die Antwort ist so einfach wie banal: um die Füllung (Gestal-
tung) einer Fläche! Die eigentliche Kunst besteht im Grunde darin, wie man diese Aufgabe bewerkstelligt – mir persön-
lich reicht es allerdings nicht, eine leere Fläche monoton mit Farbe zu füllen, auf mehrere Quadratmeter aufzublasen
und an eine Museumswand zu hängen, wodurch dieses »Werk« quasi per Definition zur Kunst erhoben wird ...
Wenn wir uns mit der Fotografie beschäftigen, bleiben uns solche Elaborate glücklicherweise erspart (falls wir nicht vor-
haben, das Bild eines Kohlenkellers im Dunkeln aufzunehmen), denn unsere Kamera schneidet ja ein Stück aus der
bereits existierenden realen Welt, wobei wir »nur« den Ausschnitt und den Moment bestimmen. Und wie gut das Ergeb-
nis ausfällt, hängt eben davon ab, wie wir diese Realität (die Welt) zu sehen vermögen: Entdecken wir – neben den übli-
chen augenfällig reizvollen Sujets (Schmetterling auf Blüte, liebliche Landschaften, Tiere und Kinder etc.) – auch die
Schönheit im Unspektakulären? Sehen wir mit geübtem Blick Zusammenhänge, die durch die Wahl des richtigen Aus-
schnitts erst sichtbar werden? In jedem Falle sollten wir uns in einigen grundlegenden Regeln auskennen, die bei der
gekonnten Füllung einer Fläche hilfreich sind.

4.1 Goldener Schnitt und Drittelregel


In Kapitel 3 wurde das Thema Goldener Schnitt (engl.: Golden Ratio) bzw. Drittelregel (engl.: Rule of Thirds) nur kurz
gestreift, deshalb möchte ich hier noch einmal genauer darauf eingehen, um Ihnen das Verständnis dafür und die Arbeit
damit zu erleichtern.

94
Regeln der Bildsprache 4.1

Das Prinzip des Goldenen Schnitts ist ein aus einer in der Natur häufig vorkommenden Proportion abgeleitetes
geometrisches Prinzip, das besagt, dass sich das Kleine zum Großen verhält wie das Große zum Ganzen, also
a : b = b : (a + b). Grafisch lässt sich dieses Prinzip auf verschiedene Weise darstellen, aber uns interessiert vor
allem die Ableitung als Gitterform, die uns die Bildgestaltung in der Fläche erleichtern soll. In der folgenden Grafik
ist eine Aufteilung sowohl nach dem Goldenen Schnitt (schwarze Balken) als auch nach der Drittelregel (graue
Balken) abgebildet.

Abb. 4.1 (Quelle: www.techstage.de/)

Das folgende Bildbeispiel könnte eventuell ein Beispiel für die Anwendung des Goldenen Schnitts sein – aber schauen
Sie sich das Foto erst einmal unvoreingenommen an und versuchen Sie, die Aufteilung der Fläche und ihre Proportio-
nen »freihändig« zu analysieren.

95
Regeln der Bildsprache 4.1

Abb. 4.2 Weizenfeld in der Goldenen Wetterau

Wie Sie nach der Lektüre von Kapitel 3 bereits gut erkennen, kommt bei diesem Foto neben den beliebten wirkungs-
vollen Dreiecksformen eine perspektivische Reihung (Tiefenstaffelung der Baumreihe) zum Tragen, die die Dynamik
der Fluchtpunktgeometrie (Feld- und Straßenränder) auf die Spitze treibt. Um festzustellen, warum dieses Foto bei aller
Spannung gleichzeitig so harmonisch wirkt, schauen wir uns jetzt die Überlagerung mit einem Raster an, dessen Pro-
portionen denen des Goldenen Schnitts entsprechen.

Abb. 4.3 Rasterprojektion (Goldener Schnitt)

97
4 Regeln der Bildsprache

Tatsächlich decken sich die Achsen der abgebildeten Bildstrukturen überraschend genau mit den Achsen, die der Gol-
dene Schnitt verlangen würde.
Lassen Sie uns das Experiment mit einem weiteren Foto dieser Landschaft wiederholen.

Abb. 4.4 Weizenfelder mit Straße

98
Regeln der Bildsprache 4.1

In diesem Bild geht es etwas ruhiger zu als im ersten Bei- Wie man sieht – knapp daneben ist auch vorbei: Hier
spiel, denn bedingt durch die andere Perspektive ist hier scheint diese Aufteilung also nicht für die Bildwirkung ver-
die Geometrie etwas weniger dynamisch, ohne dass es antwortlich zu sein.
aber gleich langweilig wird. Versuchen wir es hier deshalb mit der beliebten Drittelre-
Wenn wir wieder das Raster mit dem Goldenen Schnitt gel, von der behauptet wird, dass sie die Bildspannung
darüberlegen, sieht das jetzt so aus. günstiger beeinflusst als der Goldene Schnitt, dem vor
allem die Stärkung der Harmonie nachgesagt wird.

Abb. 4.5 Rasterprojektion 1 (Goldener Schnitt) Abb. 4.6 Rasterprojektion 2 (Drittelregel)

99
4 Regeln der Bildsprache

Das sitzt! Es muss also durchaus nicht immer der Goldene Schnitt sein – manchmal führt die Drittelregel zu gleich guten
Ergebnissen, ohne unharmonisch zu wirken. Der Vorteil der Drittelregel ist außerdem, dass man die entsprechenden
Proportionen ohne Schablone sehr viel leichter abschätzen kann.
Im letzten Beispiel dieser Bildserie sollte der Himmel mit seiner schönen Wolkenstruktur zur Geltung gebracht werden,
sodass der Horizont bewusst ganz weit nach unten verlegt wurde.

Abb. 4.7 Himmel über der Wetterau

Bei diesem Beispiel sieht man schon mit bloßem Auge, dass hier extreme Proportionen vorliegen, die mit dem Golde-
nen Schnitt nicht in Einklang zu bringen sind. Auch die Drittelregel greift hier nicht, wie das folgende Bild beweist.

100
Regeln der Bildsprache 4.1

Abb. 4.8 Projektion mit DR-Raster

Im vorliegenden Fall steht der Himmel mit seinen dynamisch anschwellenden Wolkengebilden so im Vordergrund, dass
gar kein anderer Ausschnitt gewählt werden konnte und der untere Bildteil mit der Landschaft zu einem schmalen, aber
reizvoll gegliederten Band schrumpfen musste.
Was bedeutet das für unsere fotografische Praxis? Ganz einfach: Goldener Schnitt und Drittelregel sind gestalterische
Möglichkeiten, die wirksam sein können, aber nicht müssen! Viele starke Fotos wirken sogar oder vor allem
dadurch, dass bekannte Regeln (gekonnt) gebrochen werden.

101
4 Regeln der Bildsprache

4.2 Zur Lage des Horizonts


Eine weitere wichtige Regel besagt, dass der Horizont gerade sein und nicht durch die Bildmitte laufen soll. Grund-
sätzlich ist diese Regel nicht verkehrt, da man ja vermeiden will, dass ein Bild kippt oder optisch in zwei Teile (Himmel
oben, Erde unten) zerfällt; und für die Mehrzahl aller Landschaftsaufnahmen ist dies sicher richtig und nützlich, wie Sie
bereits in Abbildung 4.4 weiter vorne sehen konnten. Auch im folgenden Beispiel wurde der Horizont gerade gerückt
und ungefähr nach der Drittelregel ausgerichtet, sodass sich eine für das Auge angenehme, aber nicht langweilige Auf-
teilung ergibt.

Abb. 4.9 Regelkonforme Lage des Horizonts

102
Regeln der Bildsprache 4.2

Auch in der nächsten Abbildung folgt die Lage des Horizonts der Drittelregel, wobei allerdings die Fläche oberhalb des
Horizonts die Hauptrolle spielt, da sich hier eine Rauchwolke ausbreitet, die fast wie ein Wirbelsturm anmutet.

Abb. 4.10 Rauch über den Hügeln

103
4 Regeln der Bildsprache

Im nächsten Beispiel sehen Sie einen aus Inseln gebildeten schönen Horizont, vor dem sich die kroatische Hafenstadt
Hvar auf der gleichnamigen Insel als Mittelgrund ausbreitet und sich die Festungsmauer als malerische Kulisse in den
Vordergrund schiebt. So bildet die Mauerkulisse gewissermaßen noch einen zweiten reizvoll strukturierten Begren-
zungs-Horizont für den wandernden Blick.

Abb. 4.11 Hvar – Blick von der Festung

104
Regeln der Bildsprache 4.2

Bei vielen Aufnahmen in Richtung Wasser fungiert neben dem


eigentlichen Horizont sehr oft die horizontale Trennlinie der Was-
ser- bzw. Strandkante als vorgelagerter optischer »Zweithori-
zont«, wie im folgenden Beispiel zu sehen.

Abb. 4.12 Strandkante als optische Trennlinie

105
4 Regeln der Bildsprache

In solchen Fällen ist es vorteilhaft, wenn es wenigstens ein verbindendes Element zwischen den ansonsten abgegrenz-
ten Bildteilen gibt, das den Blick leichter von einem zum anderen Teil hinübergleiten lässt. In Abbildung 4.12 ist es der
Sonnenschirm, der leider sehr blass ist, was seine Wirkung etwas abschwächt. Wichtig ist darüber hinaus, dass die
Bildteile nicht aus mehr oder weniger leeren Flächen bestehen, sondern dass sich in jeder der Bildhälften »etwas tut«:
Im Vordergrund sind es die Urlauber, die den Blick zunächst auf sich ziehen, der dann zum Schirm und von da aus über
das Wasser gleitet, wobei die nach hinten kleiner werdenden Köpfe der Badenden sowie der Gleitschirm am Horizont
winzige Ankerpunkte bilden.

Abb. 4.13 Blickachsen Abb. 4.14 Mittiger Horizont

106
Regeln der Bildsprache 4.3

Für die Regel, den Horizont möglichst aus der Bildmitte zu halten, gibt es – wie für fast alle Regeln – natürlich auch Aus-
nahmen: Manchmal gibt es interessante Ansichten, wo der Horizont sogar in die Mitte gehört, etwa wenn sich Objekte
im Wasser spiegeln wie in Abbildung 4.14.
Hier den Horizont in das obere oder untere Drittel zu verbannen, wäre wenig wirkungsvoll, um nicht zu sagen kontra-
produktiv, was sicher unmittelbar einleuchtet.

4.3 Blickrichtung
Wie in Kapitel 1 bereits erwähnt, wandert der Blick, unseren Schreib- und Lesegewohnheiten entsprechend, gerne von
links nach rechts, und es hat sich gezeigt, dass es von Vorteil ist, wenn der Blick über helle Bildteile nach rechts außen
geführt wird, anstatt an dunkle Bereiche oder Kanten zu stoßen.
Das folgende Beispiel sehen Sie sowohl seitenrichtig als auch seitenverkehrt abgebildet, um diesen Effekt zu überprüfen.
Wenn ich die Abbildung 4.15 und Abbildung 4.16 vergleiche, gebe ich eindeutig der Abbildung 4.15 den Vorzug, weil
hier die Blickführung eindeutiger und besser ist, da die aufstrebende(n) Diagonale(n) den Blick nach rechts in die hellen
Bereiche führt, während dieser in Abbildung 4.16 eher unstet zwischen den Bildteilen hin- und herwandert: Zwar locken
ihn die Schattenlinien an Mauer und Boden zunächst nach rechts – auch dort gibt es helle Stellen, aber nichts Interes-
santes zu sehen, da sich die bildwichtigen Teile viel weiter links befinden; also springt der Blick zurück in die Gegen-
richtung, was uns weniger behagt und für Unruhe sorgt. Merke: Der Blick folgt gerne dem Licht, aber nicht in die Leere!

107
4 Regeln der Bildsprache

Abb. 4.15 Blick folgt der Aufwärtsdiagonale ins Hellere

108
Regeln der Bildsprache 4.3

Abb. 4.16 Blick wird nach unten rechts gedrängt und springt zurück

109
4 Regeln der Bildsprache

Im folgenden Beispiel ist die Lage noch etwas vertrackter, wie Sie gleich sehen werden.

Abb. 4.17 Seitenrichtig

110
Regeln der Bildsprache 4.3

Abb. 4.18 Seitenverkehrt

111
4 Regeln der Bildsprache

Die o.g. Regel, dass der Blick lieber ins Helle wandert, scheint in Abbildung 4.17 gebrochen, da es nach rechts eigent-
lich eher dunkler wird. Aber: Die im Gegenlicht hell leuchtenden Konturen der Köpfe der abgebildeten Personen bilden
hier den wichtigsten Bildteil, zu dem das Auge gerne (von links nach rechts) hinwandert, zumal ein schöner Kontrast zu
der dunklen Wand dahinter besteht.
Ganz anders wirkt Abbildung 4.18, wo der Blick zunächst links von den Personen im Gegenlicht gefesselt wird,
anschließend, der Diagonale folgend, nach rechts oben driftet und an einer eher hässlichen Plakatfläche hängen bleibt.
Die folgenden Sketche sollen das noch einmal illustrieren.

Abb. 4.19 Seitenrichtig Abb. 4.20 Seitenverkehrt

112
Regeln der Bildsprache 4.3

Im nächsten Beispiel wird die Sache sogar noch etwas Da es auf diesem Foto rechts ziemlich duster wird,
verzwickter. Das Originalfoto sieht so aus. scheint der Versuch gerechtfertigt, das Bild zu kontern.

Abb. 4.21 Originalansicht Abb. 4.22 Gekonterte Version

113
4 Regeln der Bildsprache

Wenn ich ehrlich bin, gefallen mir beide Versionen fast In der zweiten (gekonterten) Version wirkt der nun links
gleich gut: stehende dunkle Nadelbaum wie eine Startkulisse für den
Bei der Originalversion stört mich der dunkle rechte Bild- Blick, der sowohl von seinen oberen Ästen als auch von
teil deshalb nicht, weil es darin noch genug zu sehen gibt der diagonal aufsteigenden Straße zu den schönen Bir-
und der Baum somit nicht wie eine Barriere, sondern eher kenreihen geleitet wird.
wie eine Klammer wirkt, die den Blick abfängt und mit sei- 
nen Zweigen wieder zurück in die Birkenreihen leitet.

Abb. 4.23 Blickrückführung nach links Abb. 4.24 Blickführung nach rechts

114
Regeln der Bildsprache 4.4

Hinweis
Wie Sie sehen, sind alle Regeln relativ, denn das Ergebnis hängt vor allem von den Details im Bild selbst und weniger von
der Regel als solcher ab! Das Auge lässt sich also nicht so schnell in die Irre führen oder ausbremsen, sondern findet schnell
zu den bildwichtigen Elementen, wobei der Weg dorthin erleichtert oder erschwert sein kann. Ein als gut empfundenes Foto
macht es dem Blick leicht und gefällt durch Spannung und Harmonie.

4.4 Lichtverhältnisse
Eine fotografische Bauernregel besagt: »Zwischen 11 und 3, hat der Fotograf dann frei.«
Wenn ich in einer neuen Stadt bin und die Gelegenheit dazu habe, mache ich mich gerne noch vor dem Frühstück mit
meiner Kamera auf die Socken, um das Morgenlicht auszunutzen, das wärmer und »flutender« ist als das harte blau-
haltige Mittagslicht. Außerdem sind die Schatten länger und nicht so hart wie am Mittag. Ähnliches gilt für das Licht am
späten Nachmittag und Abend.
Nach Einführung der Digitalfotografie hat man allerdings heute die Möglichkeit, den Weißabgleich entweder bei der Auf-
nahme anzupassen oder später in der Nachbearbeitung nachzujustieren. Weiterhin kann man mit geeigneter Software
die Farbtemperatur und sogar einzelne Farbkanäle beeinflussen. Dies ändert allerdings nichts an den harten und kur-
zen Schatten, die man in der Mittagszeit mit aufs Bild bekommt; insofern ist es also auch weiterhin sinnvoll, sich an die
o.g. Bauernregel zu halten.

115
4 Regeln der Bildsprache

Abb. 4.25 Mittagslicht (14:42 Uhr)

116
Regeln der Bildsprache 4.5

Leider gibt es aber immer wieder Situationen, in denen man nicht um das Mittagslicht herumkommt, weil das Objekt
der (fotografischen) Begierde so zwischen anderen größeren Objekten wie Häusern eingezwängt ist, dass man nur in
der Mittagszeit ausreichend Beleuchtung hat, die von oben kommen muss, damit die Schatten der Umgebung kurz
bleiben und nicht auf das zu fotografierende Objekt fallen. Im folgenden Beispiel sollte das für Dalmatien landestypische
weiße Steindach des vorderen Hauses möglichst schattenfrei zur Geltung kommen, weshalb die Aufnahme um die Mit-
tagszeit gemacht wurde.
Trotz der Mittagsstunde fallen hier auch deswegen keine so harten Schatten auf, weil das Sonnenlicht kurzzeitig durch
eine kleine Wolke gestreut wurde. Auch wirkte das rechts von der Straße liegende Haus (im Bild nicht sichtbar) zusätz-
lich als Reflektor, der die im Gegenlicht liegenden Schattenbereiche aufhellt. Es lohnt sich also immer, die Lichtverhält-
nisse zu beobachten, um die beste Balance zwischen Diffusion und Reflexion zu finden.

4.5 Stürzende Linien


Häufig liest man die Forderung, stürzende Linien, wenn möglich, zu vermeiden, vor allem in der Architekturfotografie.
Wenn man weit genug weg ist und trotzdem freie Sicht hat (Abbildung 4.26), lässt sich diese Forderung in der Regel gut
umsetzen, aber in allen anderen Fällen kann ein erheblicher technischer Aufwand erforderlich sein, um dieses Ziel zu
erreichen.

117
4 Regeln der Bildsprache

Abb. 4.26 Schweriner Schloss aus der Ferne

118
Regeln der Bildsprache 4.5

Andererseits gibt es Situationen, in denen stürzende Linien Dynamik ins Spiel bringen und damit wesentlich zur Bild-
wirkung beitragen, wie die folgende Aufnahme zeigt, die mit stark nach oben gerichteter Kamera aufgenommen wurde.

Abb. 4.27 Dynamik durch stürzende Linien

Im nächsten Beispiel sehen Sie eine Szenerie, die mit nur leicht nach oben geneigter Kamera aufgenommen wurde, um
den optimalen Ausschnitt erzielen zu können.

119
4 Regeln der Bildsprache

Abb. 4.28 Unerwünschte leicht stürzende Linien

Bei diesem Foto wirken die stürzenden Linien, obwohl nicht extrem ausgeprägt, bereits etwas störend, und das Foto
gewinnt durch die perspektivische Entzerrung etwas dazu, wie ich finde.

120
Regeln der Bildsprache 4.5

Abb. 4.29 Stürzende Linien nach der Aufrichtung

Allerdings führt die Aufrichtung der stürzenden Linien wie immer zu einem Beschnitt, der hier aber noch nicht kritisch
ist.

121
4 Regeln der Bildsprache

Im nächsten Beispiel knapst der durch die Entzerrung bedingte Beschnitt auf der linken Seite bereits zu viel vom ohne-
hin knappen Rand ab, sodass man hier lieber darauf verzichten sollte, zumal die nur geringfügig stürzenden Linien
kaum ins Auge fallen.

Abb. 4.30 Kaum störende leicht stürzende Linien Abb. 4.31 Entzerrung führt zu kritischem Beschnitt

122
Regeln der Bildsprache 4.5

Neben den stürzenden Linien in vertikaler Richtung gibt Bei diesem Beispiel ist eine Entzerrung essenziell, soll das
es natürlich auch Verzerrungen in der horizontalen Ebene, Bild nicht »schräg nach schief« rüberkommen.
die besonders störend sein können, wenn das Bild von 
Rahmen oder anderen rechtwinkligen Flächen lebt.

Abb. 4.32 Verzerrter Durchblick Abb. 4.33 Durchblick entzerrt und beschnitten

123
4 Regeln der Bildsprache

Bei der letzten Abbildung möchte ich Ihnen ein extremes Das nächste Bild zeigt das gleiche Objekt mit ziemlich
Beispiel mit und ohne Entzerrung zeigen – entscheiden brutaler Entzerrung.
Sie selbst, welche Version gelungener ist.

Abb. 4.34 Original mit perspektivischer Verzerrung in allen Abb. 4.35 Perspektive nahezu vollständig entzerrt
Ebenen

124
Regeln der Bildsprache 4.5

Mir persönlich gefällt das Original trotz (oder wegen) der stürzenden Linien besser, da es weniger langweilig wirkt. Ein
Architekt würde aber möglicherweise die korrigierte Version vorziehen ...

Fazit
In diesem Kapitel haben Sie einige grundlegende Regeln der Bildsprache kennengelernt und gesehen, dass solche Regeln
wichtig und hilfreich, aber andererseits auch nicht immer anwendbar sind. Im Einzelfall muss der Fotograf immer selbst ent-
scheiden, ob er eine Regel anwendet oder bricht, denn die Regeln der Bildsprache sind keine Naturgesetze!

125
Kapitel 5

Alles im Rahmen

5.1 Fenster und Türen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 128


5.2 Das Runde und das Eckige. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139
5.3 Dächer und Dreiecke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 149
5 Alles im Rahmen

So gut wie alle Gemälde und viele Fotos haben, wenn sie an der Wand hängen, einen Rahmen, der das Bild physisch
und optisch zusammenhält und von der Umgebung abhebt. Schon beim Blick durch den Sucher setzen wir mit dem
Bildausschnitt einen ersten Rahmen, der sich im Bild fortsetzen kann. In diesem Kapitel möchte ich Ihnen deshalb
einige Beispiele präsentieren, in denen Rahmenformen aller Art zur Strukturierung der Bildfläche beitragen.

5.1 Fenster und Türen


Das erste Bild zeigt die etwas mitgenommene Fassade einer Apotheke mit Tür- und angeschnittenen Fensterrahmen,
zwischen denen eine horizontale Mauerlinie für eine reizvolle Gliederung sorgt. Die leichte Symmetrie wird durch die
unterschiedlichen Accessoires (links Laterne, Baldachin über der Eingangstür, rechts Kreuzemblem) gebrochen.

Abb. 5.1
Apotheke in Makarska

128
Alles im Rahmen 5.1

129
5 Alles im Rahmen

Fassaden sind immer wieder ein reizvolles Sujet, deshalb gleich noch mehr davon. Im nächsten Foto ein Ladeneingang
in den ehrwürdigen Gemäuern von Dubrovnik, rechts flankiert von einem Schaufenster mit trendigen Artikeln der Neu-
zeit, die sich im modernen Ladeninneren stapeln und farblich mit dem kühlen Blaugrau der geschichtsträchtigen Fas-
sade kontrastieren.

Abb. 5.2 Dialog von Außen- und Innenwelt

130
Alles im Rahmen 5.1

Das Ganze funktioniert auch als »Scheinarchitektur«, wie der Schnappschuss aus der südenglischen Stadt Hastings zeigt.

Abb. 5.3 Aufgemalter Durchgang

131
5 Alles im Rahmen

An solchen Wänden kann ich nicht vorbeigehen, ohne auf den Auslöser zu drücken – mich reizt einfach immer wieder
die Vielfalt gegliederter Flächen, wobei bei diesem Beispiel noch der Komplementärkontrast (Gelb und Blau) zur Wir-
kung kommt.
Die nächste, abenteuerlich anmutende Fassade eines Kaffeehauses habe ich in Moskau entdeckt.

Abb. 5.4 Kaffeehaus in Moskau

Hier hat mich wieder einmal die Symmetrie verführt, verbunden mit der Exotik dieses an sich sehr schlichten Ensembles.

132
Alles im Rahmen 5.1

Im nächsten Bild wiederum hat mich die schön strukturierte Regalwand in einem englischen Café gereizt, das früher
einmal eine Apotheke gewesen sein muss und dessen Interieur nicht nur durch seine warmen Farben gefällt.

Abb. 5.5 Kaffee in Rye

Hier greifen viele Rahmen ineinander und geben dem Bild eine interessante Struktur, die zum ausgiebigen Spazieren-
sehen einlädt; gerne würden wir der Lady mit dem goldenen Schopf noch durch die Tür folgen ...

133
5 Alles im Rahmen

Der Blick durch ein breites Fenster in ein weiteres Café wirkt durch die spezielle Beleuchtung und die Pastellfarben fast
wie ein Gemälde oder Gobelin.

Abb. 5.6 Menschen im Café

134
Alles im Rahmen 5.1

Die lebendige Szenerie wird durch weitere Rahmenstrukturen im Hintergrund gegliedert und geordnet, was der Harmo-
nie und dem Gesamteindruck zugutekommt. Die runden Formen der Lampen bilden einen reizvollen Kontrast zu dem
geometrischen Balken- und Rahmenwerk. Die zahlreichen Besucher gliedern sich in drei Gruppen, zwischen denen
noch genügend Abstand bleibt, um eine gewisse Bildspannung zu ermöglichen. Die Blumenkästen im Vordergrund
schließlich verschönern noch ein wenig den äußeren Rahmen des Geschehens.
Bleiben wir noch ein wenig bei interessanten Türen und Fenstern, die die Ansicht so vieler Fassaden bereichern. Die
Fassade von »Fishermen’s Institute« lebt vom Kontrast der rechteckigen Rahmen einerseits und den schrägen Licht-
und Schattenkanten andererseits, die durch das Streiflicht entstanden sind.

Abb. 5.7 Fassade im Streiflicht

135
5 Alles im Rahmen


Im altmodischen Geschäft des Fahrradhändlers bildet ein modernes Fahrrad mit gelben Rädern den Blickfang im
schwarzen Rahmen des Schaufensters.

Abb. 5.8 Rundungen im eckigen Fenster

136
Alles im Rahmen 5.1

Rundungen in Verbindung mit Eckigem haben ihren besonderen Reiz – dazu später aber mehr. Als Nächstes möchte
ich Ihnen noch ein Katzenfenster zeigen, in dem eine typische Hauskatze offensichtlich ungeduldig auf einen Telefon-
anruf wartet.

Abb. 5.9 Katze mit Telefon

137
5 Alles im Rahmen

Bei diesem Foto hat mir auch das Licht- und Schatten-
spiel auf dem Store hinter der Katze gefallen. Mit solchen
Details kann aus einer schlichten Szenerie manchmal ein
ansprechendes Foto werden, vor allem, wenn im Rah-
men noch etwas Interessantes zu sehen ist.
Und weil es so schön war, gleich noch ein Katzenfens-
ter, das mit seinen blauen Rahmen besonders malerisch
wirkt.
Wie Sie sehen, ist es wie im richtigen Leben – es schadet
erst mal nicht, wenn alles im Rahmen bleibt.

Abb. 5.10
Katzenfenster

138
Alles im Rahmen 5.2

5.2 Das Runde und das Eckige


Rahmen müssen nicht zwangsläufig eckig sein, wie das Beispiel eines Treppenhauses zeigt.

Abb. 5.11 Treppenhaus in Bexhill (Südengland)

139
5 Alles im Rahmen

Anstelle eines in sich geschlossenen Rahmens bildet die-


ses Treppenhaus einen schneckenförmigen Wendel, der
sich nach innen verjüngt, wobei die blaue Gestalt im Erd-
geschoss (zufällig, aber nicht unerwünscht, im Goldenen
Schnitt positioniert) das berühmte Tüpfelchen auf dem i
darstellt.
Einen fast klassischen Rahmen mit Rundbogen zeigt das
nächste Beispiel aus der pittoresken Kleinstadt Rye in
Südengland.

Abb. 5.12
Torbogen in Rye

140
Alles im Rahmen 5.2

Solche Durchgänge sind immer wieder schön, wenn sich dahinter noch etwas tut: Die Straße hat durch ihre Struktur
fast eine Sogwirkung hinein in die Szenerie aus Häusern und Himmel, die durch zwei Passanten und die Möwe belebt
wird. Hier braucht man natürlich neben der Geduld immer auch etwas Glück für das richtige Timing, damit Passanten
und Möwe sich gleichzeitig an der richtigen Stelle befinden! Ohne diese Details hätte dieses Foto sicher nur die halbe
Wirkung, oder? (Man kann solche Details natürlich auch nachträglich hineinkopieren, was viele Fotografen – vor allem
in der Werbung – gerne machen, um bestimmte Effekte zu erzielen; mir persönlich liegen solche Manipulationen nicht,
denn damit verlasse ich den Boden der bildmäßigen Fotografie, die mir persönlich am Herzen liegt.)
Im nächsten Bild betrachten wir einen interessanten Gebäudeeingang mit viel Holz und Glas, in dem sich das Blau des
wolkenlosen Himmels über England spiegelt.

Abb. 5.13 Handgeschnitzte Rahmen mit Schmuckbögen

141
5 Alles im Rahmen

Der Bildausschnitt ist trotz Weitwinkel denkbar knapp ausgefallen, da der Aufnahmestandpunkt wegen der parkenden
Autos nicht weiter zurückverlegt werden konnte, sodass leider die ockerfarbige Kachelumrandung dieses Eingangs
ziemlich abgeschnitten wurde. Immerhin gibt es mit den kleinen Schmuckbögen noch schöne Details, die man als Aus-
schnitt heranholen kann.

Abb. 5.14 Detailaufnahme der Schmuckbögen

Runde und eckige Formen bilden hier einen grafisch reizvollen Kontrast, der nur durch die sich spiegelnden wenig
schönen Blechkarossen geschmälert wird.

142
Alles im Rahmen 5.2

Mit der folgenden Aufnahme entführe ich Sie in das Innere eines stilistisch ausgefallenen Restaurants mit für jeden Foto-
grafen verlockender Strukturfülle in stark gebrochener Symmetrie, wie ich sie so liebe.

Abb. 5.15 Rundes und Eckiges im Dialog

143
5 Alles im Rahmen

Neben der Fülle von mehr oder weniger zusammenpassenden Accessoires reizte mich wieder einmal das Bildspan-
nungsdreieck aus Boot (im Bild) und Stühlen (am Boden) (Abbildung 5.16).

Abb. 5.16 Bildspannungsdreieck

Das nächste Bild mit Fensterrahmen und -bögen hat es mir besonders mit seiner vertrackten Geometrie angetan, die
auf einer (nicht beabsichtigten) optischen Täuschung beruht und uns beim Betrachten erstmal stutzig macht.

144
Alles im Rahmen 5.2

Abb. 5.17 Lady in Red

145
5 Alles im Rahmen

Man wundert sich zunächst, wie es sein kann, dass Ober- und Unterkante der Fensterfront parallel verlaufen, obwohl
die Straße abschüssig ist und der Fußweg ebenfalls parallel zum Bildrand verläuft, aber einen Winkel zur Basis der
Fensterfront bildet. Hier spielt uns das Gehirn einen Streich, das uns glauben machen will, die Ladenfront hätte die
Form eines Parallelogramms – in Wahrheit ist diese aber ein Trapez! Dieser Effekt ist mir natürlich auch erst hinterher
aufgegangen, macht dieses Foto aber umso pfiffiger. Natürlich hat die Dame in Rot und im Goldenen Schnitt vor dem
weißen Laden ihren eigenen Reiz – sie war nämlich der Hauptgrund, den Auslöser zu betätigen.
Lassen Sie uns am Schluss dieses Abschnitts noch einen Blick auf eine alte Fassade und ein hübsches Gartentor wer-
fen, wo das Runde und das Eckige harmonisch zusammentreffen.
Die historische Fassade in der kroatischen Hafenstadt Split wird durch Säulen, Mauervorsprünge und Rundbogenfens-
ter mit weißen Läden schön gegliedert, wobei die pastellfarbenen Wäschestücke dem alten Gemäuer Leben einhau-
chen.

Abb. 5.18
Fassade in Split

146
Alles im Rahmen 5.2

147
5 Alles im Rahmen

Der Garteneingang auf einem Hügel der englischen Hafenstadt Hastings gefällt mit einem kleinen Rundbogen über
dem weißen Gatter in einer blau gestrichenen Mauer, die mit schönen Blumentöpfen garniert ist.

Abb. 5.19 Garteneingang mit Rundbogen

Auch diese Bildkomposition lebt von der Kombination farbiger und verschieden geformter korrespondierender Flächen
und Überschneidungen, wobei der Rundbogen dem Eckigen die Strenge nimmt.

148
Alles im Rahmen 5.3

5.3 Dächer und Dreiecke


Dächer bieten dem Auge meistens viele Strukturdetails, die in der Regel mit den Dreiecken von Giebeln kombiniert sind.
Vor allem alte Häuser erfreuen so jeden Fotografen aufs Neue, und es lohnt sich, verschiedene Blickwinkel auszupro-
bieren, um zu einem schön strukturierten Bild zu kommen.
Im ersten Beispiel sehen Sie ein Dach eines Hauses, wieder im malerischen Städtchen Rye in Südengland, das so viel
schöne Motive bereithält.

Abb. 5.20 Fachwerkhaus in Rye

149
5 Alles im Rahmen

Diese Aufnahme wirkt lebendig durch die versetzten Flächen (gelbe Markierung in Abbildung 5.21), die wiederum durch
die Fenstersprossen bzw. das Fachwerk weiter strukturiert werden. Hier sehen wir wieder den Reiz im Wiederholungs-
prinzip der Reihungen, die Sie in Kapitel 3 bereits kennengelernt haben.

Abb. 5.21 Versetzte Rahmen und Reihungen

150
Alles im Rahmen 5.3

Im folgenden Schwarz-Weiß-Foto, aufgenommen im hes- Normalerweise empfindet man Masten und Kabel eher
sischen Gießen, Ortsteil Wieseck, gefiel mir die (fast) sym- als hässlich oder zumindest störend; bei diesem Foto tra-
metrische Komposition der Dächer mit ihren Dreiecksfor- gen sie eindeutig zur Bildwirkung bei, wie man im Ver-
men, die durch Leitungskabel vernetzt sind. gleich mit einer retuschierten Version ohne die Kabelage
sehen kann.

Abb. 5.22 Verbundene Dreiecksformen Abb. 5.23 Nach der Retusche

151
5 Alles im Rahmen

Ich denke, man sieht deutlich, dass die Retusche das Bild langweilig und unausgewogen macht: Das Foto wirkt einfach
»lahm«. Wir lernen aus diesem Beispiel, wie wichtig letztlich die Gliederung und Strukturierung freier Flächen in Bildern
sein kann!
Aus dem Städtchen Rye nun noch ein Ensemble aus Dächern und Giebeln, die dem Auge ein Auf und Ab an verschie-
den gestalteten Dreiecksformen bietet, die alle irgendwie ineinanderzugreifen scheinen und so eine zusammenhän-
gende Struktur bilden.

Abb. 5.24 Englisches Pub

152
Alles im Rahmen 5.3

Nach dem, was Sie bisher gelernt haben, sollte es Ihnen auch nicht schwerfallen, die Lage wichtiger Achsen mit dem
Goldenen Schnitt und der Drittelregel in Beziehung zu setzen.

Abb. 5.25 Aufsteigende Konturen

153
5 Alles im Rahmen

Wenn Sie das Bild von links nach rechts »lesen«, kommt es von der Personengruppe links unten zu einer fieberkurven-
artig ansteigenden Dachlinie mit entsprechendem Auftrieb nach rechts oben. Den Hauptteil des Bildes bildet die lan-
destypische Fassade des Pubs, der sich mit zentralen Bereichen im vorteilhaften Schnittkreuz der bekannten o.g.
Regeln befindet.
Lassen Sie mich bei dieser Gelegenheit einmal Stellung nehmen zu zwei interessanten Thesen, die ich in einem Blog im
Internet gefunden habe (Quelle http://tinyurl.com/ndm7t68):
»Die Theorie der ›Führungslinien‹, die den Betrachter zum wichtigsten Bildobjekt lenken sollen, ist falsch, wie viele
wissenschaftliche Studien beweisen. Das Auge entdeckt schnell den interessantesten Teil eines Bildes. Das für
den Fotografen wichtigste Objekt sollte nicht mit etwas anderem um die Aufmerksamkeit des Betrachters buhlen
müssen.«
Leider enthüllt der Autor nicht, welche wissenschaftlichen Studien hierzu wo veröffentlicht wurden, aber es stellt sich
grundsätzlich die Frage, ob es immer den interessanten Teil eines Bildes gibt oder geben muss und wo dieser etwa in
Abbildung 5.25 zu suchen wäre? Sind es die Passanten links unten vorne – ist es die Fassade des Pubs – sind es die
Dächer? Anders ausgedrückt – genügt ein interessantes Teil, um aus einem Foto ein Bild zu machen? Ein Bild ist ja
bekanntlich mehr als die Summe seiner (interessanten) Teile – und eine Komposition besteht immer aus mehr als nur
einem Teil, das auch nicht zwingend in Konkurrenz zu anderen Bildteilen treten muss. Gerade deshalb ist es ja so wich-
tig, dass man sich um das Zusammenwirken der Bildelemente bemüht und über bestimmte Gesetzmäßigkeiten im Kla-
ren ist – auch und gerade, wenn bestimmte Regeln gebrochen werden.

154
Alles im Rahmen 5.3

»Bestimmte Bildkompositionen, die auf Dreiecken, Diagonalen und anderen geometrischen Figuren basieren,
existieren nur in den Gedanken der Fotografen, die sie praktisch in die Bildkomposition ›hineingelegt‹ haben. Der
Betrachter, der das Bild unvoreingenommen ansieht, macht sich keine Gedanken um solche Regeln.«
Der letzte Satz dieses Zitats hätte sicherlich seine Berechtigung, wenn man davon ausgehen könnte, dass der unvor-
eingenommene Betrachter keinerlei Sehgewohnheiten mitbringen würde und auch nie eine Prägung im bildnerischen
Bereich erfahren hätte. Erfreulicherweise ist es aber so, dass jeder Betrachter bereits (unbewusst) verinnerlichte Vorer-
fahrungen mitbringt, weshalb ein gut komponiertes Bild eigentlich immer gefällt, ohne dass der Betrachter sich der
Gestaltungsgrundsätze bewusst sein muss – insofern muss er sich auch keine Gedanken um die Regeln machen, was
aber nicht heißt, dass es diese nicht gibt. Deshalb zum Abschluss dieses kleinen Ausflugs noch ein Zitat des anerkann-
ten Fotokünstlers Harald Mante, der besonders in der Didaktik Fotogeschichte geschrieben hat:
»Das Wissen um die Gestaltungsmittel sollte total verinnerlicht sein und bei der praktischen Arbeit aus dem Unter-
bewusstsein, also sozusagen ›aus dem Bauch heraus‹ Einfluss nehmen.«
Genau aus diesem Grunde habe ich mir die Mühe mit diesem Buch gemacht, um Ihnen dieses Wissen – zumindest in
groben Zügen – nahezubringen, und ich hoffe, dass die »Führungslinien« Ihnen dabei helfen, das Ganze schneller und
leichter zu verinnerlichen.
Kommen wir also unvoreingenommen zum nächsten Foto – hier reizte mich die einfache, fast puristische Komposition,
die mit wenigen Elementen aus Dächern und Dreiecken auskommt.

155
5 Alles im Rahmen

Abb. 5.26 Puristische Variation

Solche Motive eignen sich in besonderem Maße dafür, seine Sehfähigkeiten zu schulen – versuchen Sie deshalb immer
wieder mal, besonders einfache Dinge zu einem Bild zusammenzusetzen, es lohnt sich, auch wenn man damit viel-
leicht keinen Preis gewinnt!

156
Alles im Rahmen 5.3

Bevor Sie jetzt vor lauter Giebeln und Dreiecken das Dach nicht mehr sehen, hier noch ein Gegenbeispiel zu den bisher
gezeigten Dachkonstruktionen, das seinen ganz besonderen Charme hat. Das nächste Bild zeigt nämlich eine beson-
ders schöne Strukturierung eines Daches durch die landestypische Konstruktion, die aus sich überlappenden Stein-
platten besteht.

Abb. 5.27 Steindachkonstruktion in Kroatien

157
5 Alles im Rahmen

Bei diesem Bild greifen viele grafische Facetten fast organisch ineinander, wobei sich feine Strukturelemente des
Daches in den Federwolken des Himmels zu wiederholen scheinen. Obwohl es sich auch hier wieder um ein unspek-
takuläres Motiv handelt, gibt es für das Auge genug zu entdecken; vom Schwung der leicht gebogenen Dachkanten
angefangen bis zu den schuppigen Details der Steinreliefs mit ihren feinen Grautonabstufungen, die in der Bildmitte
optisch zusammenströmen und sich verzahnen. Die leere Himmelsfläche wiederum wird durch zarte Wolkenfahnen
strukturiert. Dass sich einige der auffälligen Strukturen im Goldenen Schnitt befinden, sei nur der Vollständigkeit halber
erwähnt.

Fazit
In diesem Kapitel haben Sie sich mit dem äußeren und vor allem inneren Zusammenhalt durch Rahmen aller Art beschäftigt,
wie sie in eckiger und runder Ausführung praktisch überall zu sehen sind und wo sie für die Gliederung von Bildinhalten
besonders hilfreich waren.

158
Kapitel 6

Der Reiz im Profanen

6.1 Häuser und Straßen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 162


6.2 Baracken und Wege . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 166
6.3 In Ecken und Winkeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 171
6 Der Reiz im Profanen

In diesem Kapitel möchte ich Sie für das Unspektakuläre oder vordergründig Hässliche begeistern, das als Sujet gerne
ignoriert oder schlicht übersehen wird, obwohl sich gerade in manchen solcher Objekte oder Ecken genug Material für
ein interessantes Foto verbirgt.

6.1 Häuser und Straßen


Zum Beispiel diese bröckelige Hausecke zwischen alter Fassade und Hofeinfahrt.

Abb. 6.1 Hausecke in Hastings (England)

162
Der Reiz im Profanen 6.1

Neben den Strukturdetails von Fassade und Hoftor hat mich hier die doppelte (symmetrische) Fluchtpunktgeometrie
gereizt, die sich am Boden durch die wechselnden Steinplatten verlängert und kreuzt.

Hinzu kommt das Neben- und Überei-


nander hellerer und dunklerer Felder,
die sich in verschiedener Schattierung
und Tönung aneinanderreihen.
Abb. 6.2 Doppelte Fluchtpunktgeometrie

163
6 Der Reiz im Profanen

Ton in Ton wechseln sich auch im nächsten Beispiel verschieden geformte Felder und Flächen ab.

Hier passiert nicht viel – außer dem ständigen


Wechsel von Formen, Flächen und Farbtönen, die
für eine lebendige Gliederung des statischen
Ensembles sorgen. Mehr muss es auch manchmal
nicht sein, oder?
Abb. 6.3 Fassaden und Gitter (Kroatien)

164
Der Reiz im Profanen 6.1

Der Reiz verschiedener Formen und Farbtöne kommt auch im nächsten Bild einer schlichten Straße zum Tragen.

Dieser lakonische Blick auf die leere


Straße könnte trist wirken, wären
da nicht die Pastellfarben im Mittel-
und Hintergrund, die der Szene
doch etwas Malerisches verleihen.
Abb. 6.4 Straßenansicht (Erfurt)

165
6 Der Reiz im Profanen

6.2 Baracken und Wege


An trüben Tagen mit diffusem Licht treten die Farben besonders deutlich hervor und bringen auch die Pastelltöne noch
zum Leuchten wie im nächsten Foto eines von Schlaglöchern und Pfützen übersäten Weges zwischen lauter rostigen
Schuppen.

Abb. 6.5 Schotterweg mit Schuppen (Schwerin)

166
Der Reiz im Profanen 6.2

Die in Reih und Glied stehenden Baracken führen den Blick zu den leuchtenden Farbpunkten der beiden Lieferwagen
als pfiffigem Detail im Hintergrund, wobei die geometrische Strenge (oder Langeweile?) der Schuppenreihe durch die
dazwischen wuchernde Vegetation und die organisch geformten Pfützen gebrochen wird.
Auch im nächsten völlig unspektakulären Bild sehen Sie wieder einige Baracken oder Hütten, deren geometrische Ein-
falt durch eine breite, organisch gewundene Weggabelung mit schöner Felderung umschmeichelt wird.

Abb. 6.6 Weggabel mit Hütten und Himmel (England)

167
6 Der Reiz im Profanen

So kann mit nur wenigen Zutaten aus einer schlichten Szenerie ein Bild werden, wenn der Ausschnitt richtig gewählt
wird – doch je schlichter die Szene, desto genauer muss der Beschnitt sein. Noch minimalistischer geht es im nächsten
Bild zu.

Abb. 6.7 Werbetafel (England)

168
Der Reiz im Profanen 6.2

Eine einfache Werbetafel mit leuchtenden Farben als Blickfang vor einem wolkenverhangenen Himmel, dessen Leere
durch die diagonal verlaufenden Kabelstränge so unterteilt wird, dass eine schöne Bildspannung entsteht, obwohl nicht
wirklich viel zu sehen ist. Weniger ist auch hier wieder mehr!
Auch der einsame Mühlstein am Wegesrand im nächsten Bild kommt erst im Spannungsfeld von Diagonalen und Farb-
tupfern richtig zur Wirkung.

Das Runde und das Eckige – Sie erinnern


sich? Auch bei diesem einfachen Motiv kommt
es wieder auf den präzisen Ausschnitt an –
versuchen Sie mal, etwas von diesem Bild
abzuschneiden – es wird sofort lahm ...
Abb. 6.8 Mühlstein (Kroatien)

169
6 Der Reiz im Profanen

Abb. 6.9 Hüttenpark (England)

170
Der Reiz im Profanen 6.3

In Abbildung 6.9 stehen mehrere Hütten dekorativ in der Landschaft, weshalb auch sie unbedingt fotografiert werden
mussten.
Eine eher langweilige Szene, wären da nicht die blauen Feldblumen im Vordergrund mit einer Pfütze, die das Himmels-
licht spiegelt. Die Magie der Einfachheit wird hier nicht zuletzt durch die Lichtstimmung hervorgerufen.

6.3 In Ecken und Winkeln


Auf einem meiner letzten Spaziergänge durch meine Heimatstadt Darmstadt sind mir zwei Ecken untergekommen, in
denen mir die leuchtenden Farben im tristen Grau gefielen.
Bei solchen Motiven ist es immer besonders hilfreich und pfiffig, wenn die Beine von Passanten für etwas »Bewegung«
sorgen, wie in den beiden folgenden Beispielen.

171
6 Der Reiz im Profanen

Abb. 6.10 Luisencenter (Darmstadt) Abb. 6.11 Unterführung (Darmstadt)

172
Der Reiz im Profanen 6.3

Das nächste Foto kommt ohne Beine aus, wie man sieht, hat aber genug Dynamik durch die Farbtupfer im Grau des
Rahmengewirrs.

Abb. 6.12 Schlichter Ladeneingang (Ungarn)

Fazit
Auch aus einfachsten Zutaten lassen sich Bilder mit Wirkung zaubern, denn Formen, Strukturen und Farbe gibt es überall!
Dabei ist es besonders wichtig, den exakten Ausschnitt und die richtige Perspektive zu finden, um die notwendige Bild-
spannung zu erzielen, die in manchen rein formalistischen Zutaten per se häufig nicht enthalten ist.

173
Kapitel 7

Schneiden tut weh

7.1 Konzentration auf das Wesentliche . . . . . . . . . . . . . . . 176


7.2 Ohne Verzicht geht es nicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 182
7.3 Feinere Schnitte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187
7.4 Der heikle Fall . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 191
7 Schneiden tut weh

Nachdem Sie den ersten, wichtigsten Schnitt, nämlich den Bildausschnitt bei der Aufnahme, bereits gemacht haben,
kommt es nun am Ende der Bildbearbeitung darauf an, den für die Bildwirkung optimalen Ausschnitt noch feiner her-
auszuarbeiten, was nicht immer ganz einfach ist. Schließlich trennt man sich nur ungern von manch schönem Detail,
das man doch eigentlich mitnehmen wollte. Dennoch muss man sich darüber im Klaren sein, dass jedes überflüssige
Element vom Wesentlichen ablenkt und die Gesamtwirkung unseres Bildes letztlich schwächt. Deshalb lautet die
Devise erst einmal: Abschneiden, was geht!
Wenn Sie das bereits während der Aufnahme geschafft haben (was eigentlich immer das Ziel sein sollte) – umso bes-
ser; allerdings kann das von der Kamera vorgegebene Format (2:3 oder 3:4) nicht in allen Fällen optimal sein, sodass
es schon deshalb häufig empfehlenswert ist, etwas nachzuschneiden.
Und manchmal kann man auch trotz Tele nicht nah genug heran oder man muss durch ein Autofenster fotografieren oder
man hat einfach nicht genug Zeit, den idealen Ausschnitt zu wählen, oder es steht jemand im Weg oder oder oder ...
Sie sehen, es gibt zahlreiche gute Gründe, warum wir uns die Zeit für einen sorgfältigen Beschnitt nehmen sollten, und
ich hoffe, die folgenden Beispiele sind für Sie nützlich.

7.1 Konzentration auf das Wesentliche


Das erste Beispiel zeigt eine typische Spielplatzszene, die von zahlreichen Personen bevölkert ist.

176
Schneiden tut weh 7.1

Abb. 7.1 Unbeschnittenes Original

177
7 Schneiden tut weh

Hier kam es darauf an, das störende Beiwerk bzw. die (ohnehin kopflosen) Personen im Hintergrund auszublenden,
sodass die eigentliche Szene besser zur Geltung kommt.

Abb. 7.2 Hauptszene nach dem Beschnitt (gelber Rahmen)

178
Schneiden tut weh 7.1

Auch beim Blick durch das Autofenster wurde not- Der Beschnitt konnte das ansprechende weiß-gelbe
gedrungen ein zu großer Teil des Rahmens mit aufge- Gebäude besser in Szene setzen, wobei der verbliebene
nommen. Fensterrand sogar als interessantes Gestaltungselement
durchgehen kann.

Abb. 7.3 Störender Rahmen und mehr Abb. 7.4 Nach moderatem Beschnitt

179
7 Schneiden tut weh

Theoretisch könnte man sogar noch mehr wegschneiden, bis kein Rahmen mehr zu sehen ist; allerdings müssten dann
andere bildwichtige Details geopfert werden. Wenn Sie zwei Blatt Papier zu Hilfe nehmen, können Sie den möglichen
Beschnitt auch selbst nachvollziehen und variieren, was immer eine gute Übung ist.

Im folgenden Foto wirkt die Gesamtszene noch recht Durch den Beschnitt konnte störendes Beiwerk verringert
unausgewogen. und die Balance verbessert werden.

Abb. 7.5 Beim Hals-Nasen-Ohrenarzt Abb. 7.6 Hauptszene im Rahmen

180
Schneiden tut weh 7.1

An dieser Stelle möchte ich mich bei meinem fotobegeisterten Kollegen Dr. Kisselbach (rechts im Bild) bedanken, von
dem übrigens das lesenswerte Buch Barnacks erste Leica: Das zweite Leben einer vergessenen historischen Kamera
stammt.

Auch bei der Frankfurter Stadtansicht war aus verschie- Ein kräftiger Beschnitt lässt das reizvolle Gebäudeensem-
denen Gründen zu viel störendes Beiwerk mit aufs Bild ble im Hintergrund viel besser zur Geltung kommen, ohne
gekommen. zu viel von dem schönen Baumbestand opfern zu müssen.

Abb. 7.7 Zu viel Drumherum Abb. 7.8 Weggeschnitten, was ging

181
7 Schneiden tut weh

7.2 Ohne Verzicht geht es nicht


Bei manchen Motiven muss man allerdings auf Bildteile verzichten, die eigentlich zur Szene gehören würden, die aber
trotzdem zu viel des Guten sein können, wenn sie zu »mächtig« werden, wie der Passant im knallroten Outfit im nächs-
ten Bild.

Abb. 7.9 Handyfoto

182
Schneiden tut weh 7.2

Das zentrale Bildelement der Damen, die gerade ein Handyfoto (von sich?) machen, funktioniert auch ohne den linken
Bildteil, zumal sich mit dem Kind rechts im Vordergrund einen Gegenpol ergibt, der der Bildspannung zugutekommt.

Abb. 7.10 Szenenbereinigung

Auch bei starken Ausschnittvergrößerungen muss man sich notgedrungen von einem großen Teil der Bildfläche tren-
nen, was aber nicht heißt, dass das Bild in der Übersicht nicht auch funktionieren kann.

183
7 Schneiden tut weh

Das folgende Foto zeigt die Innenansicht Dieses Bild kann man durchaus so stehen lassen; den-
eines gemütlichen Cafés in England. noch kann auch ein kleiner Ausschnitt für sich noch loh-
nend sein.

Abb. 7.11 Café mit Bedienung

Abb. 7.12 Ausschnittvergrößerung


184
Schneiden tut weh 7.2

Eine gezielte Ausschnittvergrößerung konnte auch beim nächsten Bild eines Fotoshootings noch die wesentliche Bild-
aussage hervorheben bzw. freistellen.

Abb. 7.13 Studioszene

185
7 Schneiden tut weh

Der passende Ausschnitt sieht dann so aus.

Abb. 7.14 Konzentration auf das Wesentliche

186
Schneiden tut weh 7.3

7.3 Feinere Schnitte


Auch geringe Schnitte können die Bildwirkung wesentlich verbessern, wenn dadurch Schnittpunkte an wichtigen
Spannungslinien erzeugt werden können.
Im nächsten Bild, das Sie aus Kapitel 6 schon kennen, genügte es, einen kleinen Streifen am rechten Bildrand wegzu-
nehmen, sodass die Diagonale der Dachkante genau in die Bildecke trifft.

Abb. 7.15 Spannung durch Schnittpunktsteuerung

187
7 Schneiden tut weh

Überhaupt sollte man immer darauf achten, wie sich die Bildspannung durch die Lage der Schnittpunkte steigern lässt,
wie folgendes Beispiel zeigt.

Abb. 7.16 Spannung und Balance nicht optimal

Dieses Bild enthält im unteren Teil noch zu viel Rand, wobei besonders der angeschnittene Teller links unten störend
wirkt.

188
Schneiden tut weh 7.3

Ein geringer Beschnitt unten und links hilft sofort. Im folgenden Sketch habe ich die hier wichtigen Schnitt-
linien mit gelben Pfeilen hervorgehoben.

Abb. 7.17 Balance und Dynamik verbessert Abb. 7.18 Bildwichtige Diagonalen treffen sich am Bildrand.

Durch den Beschnitt wurde also neben der besseren Konzentration auf das Hauptmotiv eine Verbesserung der Bilddy-
namik erreicht.

189
7 Schneiden tut weh

In vielen Fällen kann man mit dem Beschnitt nicht alles erreichen, aber die Konzentration auf das Wesentliche sollte
immer das Ziel sein. Deshalb noch zwei typische Urlaubsfotos, die durch moderaten Beschnitt an Wirkung gewinnen.

Abb. 7.19 Landschaftsbereinigung Abb. 7.20 Kaffeetrinker

190
Schneiden tut weh 7.4

7.4 Der heikle Fall


Im letzten Beispiel dieses Kapitels möchte ich Ihnen einen Schnappschuss aus der Eremitage in St. Petersburg zeigen,
an dem etwas stärker herumgebastelt werden musste, bevor das Ergebnis befriedigen konnte.

Abb. 7.21 Originalversion

191
7 Schneiden tut weh

Wie man sieht, wirkt die angeschnittene Person links im Bild als erheblicher Störfaktor, den es zu entfernen galt. Außer-
dem ist die Bildrichtung nicht optimal, da die Blickrichtung nach links verläuft. Das Bild wurde deshalb nach dem
Beschnitt noch gekontert, um die Wirkung zu verbessern.

Im folgenden Sketch habe ich die Blickachsen mit gelben


Pfeilen markiert.

Abb. 7.22 Beschnitten und gekontert Abb. 7.23 Aufsteigende Blickachsen

192
Schneiden tut weh 7.4

Wie früher schon erwähnt, steigern aufsteigende Diagonalen in der Regel die Dynamik, während absteigende Diago-
nalen eher das Gegenteil bewirken (es sei denn, sie sind Teil einer starken Symmetrie, wie in Abbildung 2.16 gezeigt).

Fazit
Der Wahl des richtigen Ausschnitts kommt in der Fotografie eine besondere Bedeutung zu, da wir ja die Realität vor der
Linse haben und nicht eine leere Fläche vorfinden, die wir beliebig füllen können. Versuchen Sie deshalb, den optimalen
Bildausschnitt schon bei der Aufnahme festzulegen, wann immer es möglich ist. Nach der Bildbearbeitung sollten Sie sich
dann die Zeit nehmen, unwichtige oder störende Bildteile zu identifizieren und zu entfernen. Sie können sich dabei schritt-
weise vortasten oder mit brutalen Schnitten agieren – in der digitalen Welt können Sie jede Veränderung zur Not wieder
rückgängig machen. Spielen Sie ruhig verschiedene Varianten durch und lassen Sie wichtige Fotos auch erst einmal längere
Zeit abhängen, bevor Sie sich für die endgültige Version entscheiden.

193
Index

A Bilddynamik 26 D
Bildgeometrie 34
Abwärtsdrift 45 Bildgestaltung 18 Diagonale 40, 107
Achse Farbe 47 aufsteigende 29
optische 25 Bildrhythmik 35 Dreieckform 38
Ankerpunkt 106 Bildspannungsdreieck 50, 53, 144 Dreieckstruktur 38
Aufsteigende Diagonale 29 Bildspannungspyramide 82 Drittelregel 84, 95
Aufwärtsdiagonale 108 Bildstruktur 47 Dynamik 20, 53
Aufwärtsströmung 44 Bildwirkung 53 stürzende Linien 119
Ausschnittvergrößerung 185 dynamische 28 Dynamiksteigerung 30
optimaler Ausschnitt 176 Dynamische Bildwirkung 28
B Blickachse 106
Blickdynamik 41 E
Balance Blickdynamischer Effekt 26
verbesserte 180 Blickfang Ebene
Beschnitt Bildspannung 169 anordnen 56
kritischer 122 Blickführung 53, 107 Effekt
unkritischer 121 Blickrichtung 107 blickdynamischer 26
Bewegung 171 Entzerrung
Bildaufbau 34 perspektivische 120

194
Index

F H M

Farbe 47 Hauptebene Mittagslicht 115


Farbharmonie 51 Unterebenen 60 Mittelgrund 91
Farbtemperatur 115 Horizont dynamischer 65
Farbtupfer Bildmitte 107 Morgenlicht 115
Spannungsfeld 169 gerader 102
Fluchtlinie 64 O
Fluchtliniendynamik 71 K
Fluchtpunkt 20, 25 Optische Achse 25
Fluchtpunktdynamik 40, 68 Komplementärkontrast 132
Fluchtpunktgeometrie 97, 163 Kontrast P
Fluchtpunktperspektive 84 lebendiger 41
Konvergenz 25 Pastellfarbe 134
G Konvergenzzone 25 Pastellton 166
Kulisseneffekt 56, 58 Perspektivische Reihung 97
Gegendiagonale 42 Proportion 53, 95
Gegenlichtaufnahme 75 L
Gegenpol 183 R
Geometrie 39, 43 Linien
Gesamtdynamik 30 stürzende 117 Rahmen
Gestaltung um Fotos 128
Fläche 94 Räumliche Tiefe 25
Golden Ratio 94 Rechteckform 37
Goldener Schnitt 23, 94

195
Index

Regel Strukturierung W
brechen 154 freier Flächen 152
Reihung 75, 79 Strukturwiederholung 78 Weißabgleich 115
perspektivische 97 Stürzende Linien 117 Wiederholungsprinzip 150
Rule of Thirds 84 Symmetrie 44
brechen 45 Z
S Symmetrie-Brechung 53
Zusammenspiel
Schnittkreuz 154 T von Wirkungen 29
Schnittpunkt 187
Bildspannung 188 Tiefe
Schwarz-Weiß-Kontrast 84 räumliche 25
Spannungslinie 187 Tiefenstaffelung 62
Staffelung 56, 79 Tiefenwirkung 47
Startkulisse 114 Trennlinie 105
Störfaktor
entfernen 192 U
Straße
Farbtöne 165 Überlagerung 25
Streiflicht 135
Strömungsumkehr 27 V
Strukturelement 53
Verdichtung 78
Vertikalachse 81

196
FOTOGRAFIEREN UND FILMEN

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