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Matthias Klugsberger | 01356219

Politik – Recht – Geschlecht

Hausarbeit 2
Zehnder, Kathrin. 2011. „Man hat mich so beschädigt“. Zur unterschiedlichen Deutung
von Verletzbarkeit und Verletzung am Beispiel medizinischer Eingriffe in
intersexuelle Körper. Feministische Studien 29(2): 248–263.

Die heutige Behandlung intersexueller Menschen durch die Medizin, kann als
Ausdruck des derzeitigen hegemonialen Geschlechterdiskurses verstanden werden,
bei der das gesellschaftlich vorherrschende binäre Modell von ‚Geschlecht’
medizinisch hergestellt und reproduziert wird. Die Miteinbeziehung von Gesellschaft
und eine Analyse, bzw. eine biomedizinische Differenzierung der Geschlechternormen
könnte eine Alternative zur Zweigeschlechternorm zur Verfügung stellen.

Kathrin Zehnder (2011: 249f) erwähnt in ihrem Artikel, dass Medizin und Psychologie
unabhängig von den Kriterien der Zuteilung nach wie vor davon ausgehen, dass nur
ein Mensch mit eindeutigem Geschlecht sich psychosexuell gesund entwickeln kann.
Demnach können „Widersprüche zwischen genitalem, psychischem und sozialem
Geschlecht [...] unter Umständen zu erheblichen psychischen Beeinträchtigungen der
Betroffenen führen“ (Pschyrembel 2007: 585). In diesem Zusammenhang scheint vor
allem folgende Frage interessant. Ist nicht genau das binäre Modell, das als
Forschungsgrundlage dient und so binäre Normen produziert dafür verantwortlich,
dass eben dieser Konsens vorherrscht? Die vermeintliche objektive Normalität wird so
zu einer subjektiven Einschätzung des Normalen, indem bestimmte Kombinationen
von Merkmalsausprägungen dem binären Geschlechtermodell subsummiert werden.
Abweichungen davon, egal ob eine Person zuvor als gesund eigestuft wurde, sind ob
dieser Binarität nicht möglich, bzw. per se gesundheitsgefährdet. Dies erinnert sehr
stark an Saids Theorie des Orientalismus (Said 1979), dem ebenso ein inhärentes
Fremdbild zugrunde liegt. So hätte westliches Denken als Denken in Gegensätzen den
Orient zum Gegenbild des Westens gemacht und über diese Konstruktion des
Anderen das europäische Selbst erst konstruiert (Schmidinger 2019). Genau so lässt
sich argumentieren, das binäre Denken als Denken in Gegensätzen hat die

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Abweichung von einem Normenkanon zum Gegenbild der Binarität gemacht und über
diese Konstruktion des Anderen das binärgeschlechtliche Selbst erst konstruiert.

Der Artikel beschäftigt sich u.a. mit den Fragen, ob Genitalien tatsächlich dimorph sind,
„ob Geschlecht ebenso gut als dreigestaltiges Prinzip konstruiert sein könnte [… und]
ob Genitalien essentielle Marker von Gender sind“ (Zehnder 2011: 252). In diesem
Zusammenhang wird das Konzept von Fausto-Sterling (1993) vorgestellt, nachdem
unter Berücksichtigung der Intersexualität zumindest 5 Geschlechter (female, male,
herms, ferms, merms) plausibel erscheinen. Inwieweit und welche Probleme eine
solche Klassifizierung lösen kann muss untersucht werden, repräsentiert sie doch
wieder 5 Formen des Normalen und konstruiert so wiederum das Andere.

Literatur

Fausto-Sterling, Anne. 1993. The five Sexes. Why Male and Female Are not Enough.
In: The Sciences. March/April, 20 – 25.

Pschyrembel, Willibald. 2007. Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. Berlin.

Said, Edward. 1979. Orientalism. New York

Schmidinger, Thomas. 2019. Orientalismus und Okzidentalismus. Zur Einführung in


die Begrifflichkeiten und die Debatte, abgerufen von
https://homepage.univie.ac.at/thomas.schmidinger/php/lehre/orientalismus_ok
zidentalismus.pdf [25.01.2019]

Zehnder, Kathrin. 2011. „Man hat mich so beschädigt“. Zur unterschiedlichen Deutung
von Verletzbarkeit und Verletzung am Beispiel medizinischer Eingriffe in
intersexuelle Körper. Feministische Studien 29(2): 248–263.