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Schroedel @ktuell

Geschichte

Die Kuba-Krise und ihre Folgen


Stand: Oktober 2002

M1 Verlauf der Kuba-Krise M2 Folgen der Kuba-Krise


Die USA und die Sowjetunion haben sich in der Anfangs- Die Kuba-Krise wird als Wendepunkt in der Geschichte des
phase des Kalten Krieges darum bemüht, in der Nähe des 20. Jahrhunderts angesehen. Die Tatsache, dass die beiden
Konkurrenten Raketen zu stationieren. Washington stellte Supermächte USA und UdSSR die Welt „aus Versehen“
Waffen in der Bundesrepublik und in der Türkei auf, die vernichten konnten, zwang die beiden Staaten zum Han-
UdSSR suchte nach einem Platz nahe den USA - auf Kuba. deln. Aber auch für anderen Staaten sollte die Kuba-Krise
1959 kommt Fidel Castro auf Kuba an die Macht und sucht weitreichende Folgen haben:
bald die Anbindung an die Sowjetunion. US-Präsident John A: Chruschtschow konnte sich von seiner Niederlage in
F. Kennedy befürwortet deshalb eine Invasion auf der Kari- Kuba (Rückzug der Flotte und Abbau der Raketen) politisch
bik-Insel. An deren Südküste landen am 17. April 1961 Exil- nicht mehr erholen. Sein Versuch, vorsichtige Reformen
kubaner. Sie werden sofort zurückgeschlagen. Das Verhält- nach der Schreckensherrschaft Stalins durchzuführen,
nis zwischen Washington und Moskau erfährt nachhaltige scheiterte. Bereits 1964 wurde er gestürzt. Maos Armee
Irritationen. Die Sowjetunion beginnt daraufhin mit der zündete wenige Stunden nach Chruschtschows Sturz eine
Stationierung von Mittelstreckenraketen auf Kuba, die am Atombombe. China signalisierte mit diesem Kernwaffen-
14. Oktober 1962 von einem U2-Aufklärungsflugzeug ent- test, dass die UdSSR den Führungsanspruch im Lager der
deckt werden. Zwei Tage später setzt US-Präsident Ken- kommunistischen Staaten verloren hatte.
nedy ein Gremium ein, das ihn in der sich zuspitzenden Krise B: Die USA mussten als Folge der Kuba-Krise jeden
zwischen den Supermächten beraten soll. Am 22. Oktober Anspruch auf Kuba aufgeben und festigten so Fidel Castros
1962 richtet sich Kennedy mit einer Fernsehansprache an Regime. Seine kommunistische Regierung hat bis zum heu-
die Öffentlichkeit. Er kündigt eine Seeblockade Kubas an, tigen Tag bestand, ebenso wie das Handelsembargo der
um weitere Transporte von Atomwaffen zu verhindern. USA.
Pläne für eine Invasion auf der Karibik-Insel geben die US- C: Den Supermächten USA und UdSSR war durch die
Amerikaner auf. Vom 24. Oktober an bilden 16 Zerstörer, Kuba-Krise bewusst geworden, dass ein Atomkrieg zum
drei Kreuzer und ein Flugzeugträger eine Linie, um Kuba zu Untergang beider führen würde. Man richtete deshalb das
isolieren. 18 sowjetische Frachter bewegen sich, flankiert so genannte „Rote Telefon“ ein, um einen Ausbruch eines
von U-Booten, auf diese Linie zu. Die meisten von ihnen Krieges aufgrund eines Missverständnisses zu verhindern.
kehren postwendend um, eine weitere Stationierung scheint D: Die beiden Atommächte entwickelten allmählich die
momentan abgewendet. Es bleibt jedoch das Problem der Bereitschaft zur Rüstungskontrolle, wenngleich sich aus der
auf der Insel bereits aufgestellten Raketen. Kennedys Kuba-Krise keine Welt-Friedenspolitik entwickelte. Die Ver-
Gegenspieler, Nikita Chruschtschow, unterbreitet Washing- einten Nationen, die 1945 zur Bewältigung nationaler Kri-
ton Vorschläge, um die Krise zu beenden. Kennedy macht sen gegründet wurde, konnten nicht zur Entspannung der
Moskau in einem Antwortschreiben zunächst deutlich, die Kuba-Krise beitragen. Sie blieben auch weiterhin bei globa-
von den USA in der Türkei stationierten Raketen würden len Fragen zwischen den Supermächten außen vor.
entgegen den Forderungen der Sowjetunion nicht abge- E: Regionale Kriege wurden durchgeführt, solange sicher
baut. Wenn Moskau die Raketen von Kuba abziehe, werde war, dass die beiden Supermächte nicht aufeinandertreffen
Washington von einer Invasion auf der Insel absehen. Am würden. Auch wenn sich z. B. die USA in Vietnam und die
28. Oktober 1962 antwortet der sowjetische Präsident: UdSSR in Afghanistan direkt beteiligten, waren doch die
Chruschtschow signalisiert sein Einverständnis, die Raketen Grenzen der beiden Machtblöcke garantiert.
auf Kuba sollen abgebaut werden. Hinter den Kulissen sagt F: Die Bürger der westlichen Staaten gründeten Friedens-
© 2002 Schroedel Verlag GmbH, Hannover

Washington doch den Abzug der Sprengköpfe aus der Tür- bewegungen, deren Stimme von den demokratischen
kei zu. Gemeinsam wenden sich die beiden Supermächte Regierungen gehört werden musste. Aufgrund der Frie-
am 28. Oktober 1962 in einem Schreiben an die Vereinten densbewegungen, aus denen teilweise sogar Parteien her-
Nationen - die Kuba-Krise gilt offiziell als beendet. vorgingen, fiel es den Politiker schwerer, Aufrüstungen und
(aus: Frankfurter Rundschau, 22.10.2002) kriegerische Handlungen durchzuführen.
1. Informiere dich über den Ablauf der Kuba-Krise (M1). Erstelle dazu eine Zeitleiste, bei der du zu jedem
Datum das entsprechende Ereignis knapp notierst.
2. Untersuche die Folgen der Kuba-Krise auf die Weltpolitik (M2). Diskutiert darüber, welche Nachwirkungen
noch in unserer Gegenwart festzustellen sind. Versucht dabei, eine Gewichtung der Konsequenzen
vorzunehmen.
3. Im Oktober 2002 wurde dem ehemaligen amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter der Friedensnobelpreis
für sein Engagement als Mittler bei kriegerischen Konflikten vor allem im Nahen Osten zugesprochen. Er
habe sich zudem für die Lösung sozialer Probleme und die Förderung demokratischer Entwicklungen
eingesetzt. Erläutere vor dem Hintergrund des Ablaufs der Kuba-Krise, warum das Osloer Komitee für den
Nobelpreis seine Entscheidung ausdrücklich auch als Kritik an der Irak-Politik der derzeitigen US-Regierung
unter George W. Bush verstanden wissen will.
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Geschichte

Die Kuba-Krise und ihre Folgen


Stand: Oktober 2002

Lösungshinweise zum Arbeitsblatt Zu B: Für Kuba bedeutete die Krise politische Stagnation,
Castros Regime kann sich bis heute als eines der letzten
Die weltgeschichtliche Bedeutung der Kuba-Krise für die kommunistischen Herrschaftsformen halten. Auch die USA
zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts, aber auch für unsere verhalten sich gegenüber Kuba seitdem unverändert. Hier
Gegenwart, ist nicht zu unterschätzen. Durch die Kuba- wird ein vor allem regional bedeutsamer Punkt beschrieben,
Krise wurde den Supermächten USA und UdSSR bewusst, der allerdings ohne weitere weltpolitische Konsequenzen ist.
dass sie in Zukunft derartige riskante Handlungen besser Zu C: Die Kommunikation zwischen den Supermächten
unterließen, um keinen Atomkrieg zu riskieren. Beide Mäch- funktionierte im Folgenden zwar nicht reibungsfrei, doch
te erkannten sich nun als gleichwertige Gegner an. Es soll- immerhin so gut, dass man nicht Gefahr lief, einen Atom-
ten zwar noch lange Jahre der Aufrüstung ins Land gehen, krieg anzuzetteln. Mittlerweile spielt durch den Untergang
bis man an Abrüstung denken konnte, doch war den Mäch- der Sowjetunion das „Rote Telefon“ keine Rolle mehr. Es
ten deutlich geworden, dass Verhandlungen und nicht krie- gibt nur eine Supermacht: USA.
gerische Auseinandersetzung das Mittel zur Beilegung von Zu D: Die Vereinten Nationen spielten bei der Rüstungspo-
Konflikten sein müssten. Dass Verhandlungen (und nicht litik keine Rolle, sie können ihrer Aufgabe nicht gerecht
der militärische Schlagabtausch) weiterhin das entscheiden- werden. Erst nach einer langen Phase des Aufrüstens, kom-
de politische Mittel sein sollten, meint auch das Osloer men Abrüstungsgespräche zustande. Die Folgen der Kuba-
Komitee für den Friedensnobelpreis. Mit der Verleihung des Krise sind hier nur mittelbar zu erkennen.
Preises an J. Carter will sie die auf kriegerische Konfrontati- Zu E: Hier hatte die Kubakrise den entscheidenden Einfluss,
on angelegte Irak-Politik der US-Regierung kritisieren. dass die beiden Supermächte jede direkte kriegerische Kon-
frontation vermieden und so einen Atomkrieg verhinderten.
Aufgabe 1: Mithilfe der Zeitleiste sollen die Schülerinnen Zu F: Die Friedensbewegungen sollten im Laufe der Zeit
und Schüler den Ablauf der Kuba-Krise erkennen. Des Wei- einen großen Einfluss auf die Politik gewinnen, und einen so
teren soll ihnen bewusst werden, wie aus einem kleinen wesentlichen Druck auf die Rüstungspolitiker ausüben, dass
Zwischenfall fast ein Atomkrieg geworden wäre. es schließlich auch wegen ihnen zur Abrüstung kam. Die
Bedeutung der Kuba-Krise für das pazifistische Bewusstsein
1959 Castro kommt an die Macht und schließt der Bevölkerung ist in diesem Zusammenhang nicht zu
sich politisch der UdSSR an. unterschätzen.
14.4.1961 Exilkubaner landen auf Kuba und werden
zurückgeschlagen. Beginn der Spannung Aufgabe 3: Im Fall des schwelenden Konflikts zwischen den
zwischen UdSSR und USA in Bezug auf USA und dem Irak sind die USA in der überlegenden Positi-
Kuba on und drohen deshalb mit einem Angriff. Mit der Verlei-
14.10.1962 Sowjetische Mittelstreckenraketen wer- hung des Friedensnobelpreises an J. Carter will man darauf
den von Amerikanern auf Kuba entdeckt. hinweisen, dass man politische Konflikte durch Verhandlun-
16.10.1962 Kennedy setzt ein beratendes Gremium gen und nicht durch Waffen lösen sollte.
bezüglich der Situation auf Kuba ein. Vor dem Hintergrund der Kuba-Krise sollte deutlich werden,
22.10.1962 Kennedy kündigt im Fernsehen eine See- dass ein bewaffneter, also atomarer Konflikt wohl das Ende
blockade Kubas an. des menschlichen Daseins zur Folge gehabt hätte. Wie
ab 24.10.1962 Amerikanische Marine blockiert Kuba - bereits Kennedy und Chruschtschow ihre Konflikte durch
Verhandlungen zwischen USA und Verhandlungen lösten, so zeigte auch die diplomatische
UdSSR beginnen. Politik Carters im Nahen Osten (Friedensschluss zwischen
28.10.1962 Chruschtschow lenkt ein und lässt die Israel und Ägypten in Camp David), dass der militärisch
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Raketen auf Kuba abbauen. Im Gegen- Stärkere nicht immer mit seinen „Muskeln“ argumentieren
zug entfernen die Amerikaner ihre muss. Deshalb sollten die Amerikaner auch heute mithilfe
Sprengköpfe aus der Türkei. Die Kuba- von Gesprächen und Verträgen ihre Konflikte beilegen. Es
Krise gilt offiziell als beendet. ist aber zu bedenken, dass 1962 mit den USA und der
UdSSR zwei gleich starke Partner miteinander verhandelten;
Aufgabe 2: zwischen den USA und dem Irak besteht ein militärisches
Zu A: Der impulsiven sprunghaften Führung Chrusch- Ungleichgewicht. Ein weiteres Problem ist, dass der Irak sich
tschows folgten 18 Jahre unter Breschnew, die durch einen nicht als diplomatisch zuverlässig erwiesen und bereits des
lähmenden bürokratischen Trott gekennzeichnet waren. Die Öfteren Verträge gebrochen hat.
UdSSR blieb bis zu ihrem Zusammenbruch Weltmacht,
konnte aber gegenüber China seinen Führungsanspruch Weiterführende Links
nicht konservieren. Im Geflecht der kommunistischen Staa-
ten bedeutete die Kuba-Krise für die UdSSR einen empfind- Sehr gute Materialien zum Thema (Texte, Video- und
lichen Autoritätsverlust. Audiosequenzen etc.) finden Sie unter:
www.zdf.de/ZDFde/inhalt/0,1872,2015219,FF.html