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Ein Service von Stiftung Lesen und Deutsche Bahn Stiftung

Cowboy Klaus und die wüste Wanda


Eine Geschichte von Eva Murszynski mit Illustrationen von Karsten Teich,
erschienen im Tulipan Verlag.
Ein echter Cowboy reitet auf einem Pferd. Sein Reittier ist sein ganzer Stolz.

Cowboy Klaus hat noch kein Pferd. Er geht zu Fuß. Heute geht er von seiner

Farm im Kaktuswald bis in die Stadt. Er will sich endlich ein Pony kaufen. Sein

Schwein Lisa und die Kuh Rosi begleiten ihn.

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Cowboy Klaus trägt eine alte Blechdose, in der es leise klimpert. Rosi trägt

eine schwere Wasserflasche. Lisa geht voran.

„Warum trägst du eigentlich nichts?“, fragt Rosi und wischt sich den Schweiß

von der Stirn.

„Ich trage die Verantwortung“, sagt Lisa wichtig. „Ich passe auf, dass wir uns

nicht verlaufen.“

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Die drei Freunde klettern über Felsen und kriechen durch Gestrüpp. Lisa kennt

sich wirklich gut aus. Trotzdem dauert es Stunden, bis sie die Stadt erreichen.

Dort plumpst Cowboy Klaus erschöpft in den Schatten. „Jetzt habe ich

Plattfüße“, stöhnt er. „Ich gehe keinen Schritt mehr.“

„Musst du auch nicht“, sagt Lisa. „Wir sind nämlich da.“ Sie zeigt auf einen

Stall. Neben der Stalltür hängt ein Schild.

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Willst du reiten, sei auf Zack, kauf dein Pferd bei Hafersack!

Hafersack
Lisa, Rosi und Cowboy Klaus betreten den Stall. Ein Glöckchen bimmelt über

der Tür: „Dingeling!“ Sofort tritt der Pferdehändler auf sie zu.

„Wollen die Füße nicht mehr tragen, müsst ihr Hänk nach Pferden fragen“,

trällert Hänk Hafersack. „Ich verkaufe alle Rassen, nur beim Seepferd muss

ich passen.“

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„Ich möchte ein Pony kaufen“, sagt Cowboy Klaus und schüttelt seine

Blechdose.

Der Pferdehändler lauscht. Da klimpern ein paar kleine Münzen und ein

Hosenknopf. Hänk Hafersack schaut enttäuscht auf die Dose. Aber dann hat

er eine Idee.

„Für dich habe ich etwas ganz Besonderes!“, sagt er und nimmt Cowboy

Klaus am Arm.

Er führt ihn zum Ende des Stalls. In der letzten Box steht ein Reittier. Es ist im

Halbdunkel aber nur schwer zu erkennen.

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„Dieses Tier hat ohne Frage allerbeste Straßenlage!“, schwärmt Hänk

Hafersack. „Es ist sparsam im Verbrauch und weiche Sitze hat es auch.“

Lisa, Rosi und Cowboy Klaus recken neugierig die Hälse. „Es ist etwas

unförmig“, sagt Lisa zögernd.

„Und es trägt Hausschuhe!“, staunt Cowboy Klaus. Er schaut auf die

komischen Füße.

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Aus der Box ertönt ein heiseres „BRÖÖÖÖH!“.

„Es hat auch einen satten Klang, eine Hupe wie Gesang!", lobt Hänk

Hafersack. „Ich lege noch das Handbuch drauf, dann geht die Rechnung

wirklich auf. Die Kaffeedose bleibt bei mir und ihr bekommt dafür das Tier.

Mit einem Strick zum Ziehen, hier!“

Der Pferdehändler schiebt die drei mit ihrem Einkauf nach draußen.

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„Sie ist gesund und ohne Fehl, die wüste Wanda – das Kamel!“, ruft Hänk

Hafersack ihnen noch nach.

Dann zieht er die Stalltür zu und ist verschwunden.

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Liegestuhl
In der Sonne vor dem Stall bestaunen Lisa, Rosi und Cowboy Klaus das

seltsame Tier.

„Das ist wirklich kein Pony“, sagt Lisa.

„Das ist die wüste Wanda“, sagt Cowboy Klaus stolz. „Und sie ist etwas ganz

Besonderes!“

„Besonders wüst und struppig?“, fragt Rosi.

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„Besonders groß“, stellt Lisa fest. „Wir brauchen eine Leiter.“

Cowboy Klaus blättert aufgeregt im Handbuch. Dann liest er vor: „Zum

Aufsteigen klopfen Sie Ihrem Kamel auf das linke, vordere Schienbein.“

Lisa klopft. Tatsächlich klappt Wanda zusammen wie ein Liegestuhl. Lisa,

Rosi und Cowboy Klaus können bequem aufsteigen.

Cowboy Klaus schwenkt seinen Hut und ruft: „Hüh Hopp!“

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Nichts passiert. Er knufft in den zottigen Kamelhöcker. Der staubt und Lisa

muss niesen: „Haa-psche-tzu!“

Da geht ein Ruck durch das Kamel. Zuerst hebt Wanda den Po. Die drei

purzeln nach vorn. Dann entfaltet sie die Vorderbeine und ihre Reiter rutschen

nach hinten.

Wanda dreht ihren langen Hals und schaut zu Cowboy Klaus. Der fragt: „Haa-

psche-tzu?“

Wankend setzt Wanda sich in Bewegung. „Haa-psche-tzu! Haa-psche-tzu!“,

ruft Cowboy Klaus begeistert. Und Wanda wird schneller.

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Die drei Freunde werden ordentlich durchgeschüttelt. Wanda kommt in Fahrt.

Sie schwankt hin und her.

„Anhalten!“, schreit Lisa. „Das ist ja wie in einer Hüpfburg!“

Rosi wird grün um die Nase. „Ich will runter“, jammert sie.

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Cowboy Klaus sucht nach der Bremse. Er zieht am Strick und sofort biegt

Wanda in die Hauptstraße ein. Aber langsamer wird sie nicht. Auf der

Hauptstraße ist viel los.

Wanda trabt schaukelnd durch die Menge. Sie schubst und rempelt sich den

Weg frei. „Vorsicht!“, ruft Cowboy Klaus. Wanda blökt: „Bröööh! Bröööh!“

Einige Leute springen erschrocken zur Seite. Andere lachen. Jemand ruft: „Ihr

Wüstlinge!“

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Plötzlich taucht der Sheriff auf. „Halt!“, ruft er. Sein Sheriffstern blitzt in der

Sonne.

Wanda kommt ins Stolpern und kracht gegen eine Pferdetränke. Lisa, Rosi

und Cowboy Klaus fliegen – PLATSCH! – in die lauwarme Brühe.

„Wir sind hier doch nicht beim Rodeo!“, schimpft der Sheriff, als die drei

klatschnass aus der Tränke krabbeln.

„Das ist mein erster Ritt“, entschuldigt sich Cowboy Klaus. Rosi zeigt das

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nasse Handbuch.

Inzwischen ist schon die halbe Stadt versammelt.

„Der reitet ja auf einem Kamel!“, ruft einer. Die Leute lachen.

„Warum kann ein Cowboy denn kein Kamel reiten?!“, fragt Cowboy Klaus

erschrocken.

„Aber das ist doch lächerlich“, sagt der Sheriff. „Echte Cowboys reiten auf

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Pferden. Das weiß doch jeder.“

Cowboy Klaus lässt die Schultern hängen.

Da wird Lisa wütend. Sie schnaubt: „Na und? Cowboy Klaus darf reiten, was er

will!“

„Genau!“, sagt Rosi. „Er ist eben etwas ganz Besonderes!“

Cowboy Klaus schnieft, wischt sich die Nase und rückt seinen Hut zurecht.

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„Ich will gar kein normales Pferd“, sagt er und klopft an Wandas Schienbein.

Sie klappt zusammen und Cowboy Klaus steigt auf.

Dann ruft er: „Haa-psche-tzu!“, und Wanda setzt sich in Bewegung. Die Leute

glotzen und selbst der Sheriff ist sprachlos.

Cowboy Klaus hat immer noch kein Pferd. Aber er muss nicht mehr zu Fuß

gehen. Auf dem langen Weg zurück zur Farm liest er im Handbuch.

Er will jetzt alles über Kamele wissen. Rosi trägt die Wasserflasche. Lisa trägt

die Verantwortung. Und Wanda trägt den ganz besonderen Cowboy Klaus.

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Autor: Eva Murszynski
Illustration: Karsten Teich
Verlag: Tulipan
Alterseinstufung: ab 5 Jahren
ISBN: 978-3-86429-233-0

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