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1Fremdsprachendidaktik & LehrerInnenrolle

Grundhaltung erfolgreicher
Trainer/innen
Allgemeine didaktische Konzepte
Ingrid Spajic, Februar 2010

Vorwort
WAS, WARUM, WEM, WIE, WOMIT, WO und WANN sind die wahrscheinlich
wichtigsten Fragen für ein erfolgreiches Training in der Erwachsenenbildung, sei es
jetzt für eine allgemeine, fachspezifische oder fremdsprachliche Bildung oder Weiter-
und Ausbildung.

Definition Bildung und Ausbildung


Bildung und Ausbildung1 bedarf hier schon einer Definition, denn es gibt klare
Unterschiede. In der Tradition der neuhumanistischen Bildungstheorien zielt Bildung
auf Charakterschulung und Menschwerdung schlechthin, während Ausbildung der
Vermittlung eines bestimmten Könnens und der Bewältigung von bestimmten
Aufgaben dient.

Bildung richtet sich an den Einzelmenschen und dessen individueller Persönlichkeit,


während Ausbildung ohne Rücksicht auf persönliche Unterschiede für jede
Berufsgruppe einen gleichen, objektivierbaren Standard an Fachwissen und
fachliches Können vermittelt.

Bildung ist somit um eine ganzheitliche Entfaltung des Menschen bemüht, wobei
Ausbildung nur einen spezialisierten Ausschnitt der persönlichen Anlagen aufgreift
und einseitig entwickelt.

Bildungsziele im Bildungsprozess
Es gibt drei grundlegende Ziele: das Selbstbestimmungsrecht, das
Mitbestimmungsrecht und die Solidaritätsfähigkeit. Über kognitive Funktionen hinaus
sollten sich die Ausbildung zwischenmenschlicher Beziehungsmöglichkeiten,
Wahrnehmungs-, Gestaltungs-, und Urteilsfähigkeit und politische und ethische
Handlungsfähigkeit herauskristallisieren. Spezifische Einstellungen und Fähigkeiten
wie Kritikbereitschaft einschließlich der Selbstkritik, emotionale Kompetenz,
Empathie sowie das vernetzte Denken wären noch ganz individuelle bzw.
persönliche Ziele.

Fazit
Unter Lernen versteht man einen Prozess, bei dem entweder absichtlich (intentional)
oder beiläufig (inzidentell und implizit), geistige, körperliche und soziale Kenntnisse

1 http://www.inst.at/ausstellung/bild_aus.htm, Kulturwissenschaften und Europa


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und Fertigkeiten oder Fähigkeiten erworben werden. Lernen kann außerdem als eine
Veränderung des Verhaltens, Denkens oder Fühlens bezeichnet werden.

Die Fähigkeit zu lernen ist für Mensch und Tier eine Grundvoraussetzung dafür, sich
den Gegebenheiten des Lebens und der Umwelt anpassen zu können, darin sinnvoll
zu agieren und sie gegebenenfalls im eigenen Interesse zu verändern. So ist für den
Menschen die Fähigkeit zu lernen auch eine Voraussetzung für Bildung, also ein
reflektiertes Verhältnis zu sich, zu den anderen und zur Welt.

Die Fähigkeit des Menschen, lernen zu können, ist die Grundlage für Erziehung und
Bildung. Beim Erziehungsprozess werden Kinder und Jugendliche durch die
pädagogisch Verantwortlichen (Eltern, Erzieher, Lehrer,…) in die Welt der
Erwachsenen eingeführt. Sie lernen dabei Regeln, Normen, und Verhalten, aber
auch selbständiges Denken und Handeln. Der Weg zum Selbstverstehen führt über
das Fremdverstehen, d.h. über das Begreifen und Aneignen der umgebenden Welt.
Während Erziehung eher äußere Steuerungsprozesse der
Persönlichkeitsentwicklung meint, bezieht sich Bildung wesentlich auf Prozesse und
Ergebnisse der individuellen Verarbeitung und Aneignung.

Weil in unserer Gesellschaft Wissen verlangt wird, besteht lebenslang ein äußerer
Druck, möglichst viele Informationen aufzunehmen. Wissen und Lernen allein
ergeben jedoch keine Bildung. Demnach ist seit langem klar, dass Schulabschlüsse,
die hauptsächlich Lernleistungen prämieren, nur bedingt als Bildungsnachweis
tauglich sind.

Um jemanden die Möglichkeit zum Handeln, Lernen und Weiterentwickeln geben zu


können, muss man gut ausgestattet sein und zwar mit einem individuellen
didaktischen Konzept und die Grundvoraussetzungen für eine/n gute/n TrainerIn
müssen vorhanden sein.

Grundhaltung erfolgreicher TrainerInnen


• Die Liebe zum Thema, zur Aufgabe und zu den Menschen
Nur wer von dem überzeugt ist, was er lehrt, wird es auch authentisch rüber
bringen. Perfekte Technik in Kombination mit Herz ist das Geheimnis. Vielred
nerei und Ich-bezogene Motive der Selbstdarstellung bringen höchstens kurz
-fristiges Amüsement aber keine nachhaltigen Lernerfolge.

• Das Selbstverständnis guter GastgeberInnen


Meine TeilnehmerInnen sind meine Gäste, sie sollen sich so wohlfühlen und
ich möchte sie auch so behandeln. Wertschätzendes Geben und Nehmen im
Kurs sind Voraussetzungen für das Gelingen. Als TrainerIn bereite ich mich
bestmöglich vor, nehme aber auch von den TeilnehmerInnen etwas an.

• Ein Menschenbild, das den Lernenden ganz viel zutraut


Die Lernenden sind im Zentrum der Aufmerksamkeit, nicht die TrainerInnen.
Ich gehe davon aus, dass Lernende grundsätzlich motiviert sind und glaube
an ihre Fähigkeit, selbstgesteuert zu lernen.
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Siehe auch die X-Y-Theorie der Menschenbilder nach Douglas McGregor:


http://www.abeq.de/cm/upload/XY%200708.pdf

Das Menschenbild in der humanistischen Psychologie besagt, dass…

✔ …der Mensch eine Ganzheit von Körper, Geist und Seele ist.
✔ …der Mensch im Mittelpunkt steht und nicht seine Defizite.
✔ …der Mensch selbst entscheidungsfähig ist und sein eigenes Leben
bewältigen kann.
✔ …der Mensch nicht bloßes Produkt seiner Umwelt ist, alles was er für
seine Entwicklung braucht, schon bereits in ihm steckt.

• Proffesionelles Trainerverhalten laut der Transaktionsanalyse von Thomas A.


Harris
• http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/Transaktionsanalyse.shtml
• http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/Gebrauchsinformation.shtml

Didaktisches Konzept
Das didaktische Konzept bildet sich aus all den genannten Punkten meiner Arbeit.

Zusammenfassend entsteht eine Anleitung für den Unterricht, die folgendermaßen


ausschaut. Wie im Vorwort schon erwähnt, richtet man sich nach den wichtigsten W-
Fragen und fertig wäre ein Rezept für einen erfolgreichen Unterricht.

Bestimmende Aspekte des Unterrichts Bereiche der Didaktik


1 Absicht unterrichtlichen Handelns (warum?) Lernziele

2 Gegenstand unterrichtlichen Handelns (was?) Lerninhalte, Lernstoff

3 Art des unterrichtlichen Handelns (wie?) Unterrichtsmethoden

4 Verwendete Mittel (womit?) Medien, Lehrmittel

5 Beteiligte am unterrichtlichen Handeln (wer?) Zielgruppe

6 Allgemeine Situation (wo? wann?) Rahmenbedingungen

Das übergeordnete Lernziel des Fremdsprachenunterrichts ist natürlich ganz


allgemein die Erweiterung der Fremdsprachenkenntnisse, aber darüber hinaus gibt
es für jede Unterrichtseinheit und für jede Aufgabe innerhalb einer Unterrichtseinheit
spezifische Lernziele (Erweiterung des Wortschatzes, Verbesserung des schriftlichen
Ausdrucks,…).

Den in der Tabelle genannten Bereichen der Didaktik sollten bei jeder Konzeption
einer Unterrichtseinheit Beobachtung geschenkt werden.
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Neben der Frage nach den Lernzielen stellt sich zunächst einmal jene nach den
Rahmenbedingungen:

✔ Wie groß ist die Gruppe?


✔ Wie viel Zeit hat die Lehrperson zur Verfügung?

und nach den Voraussetzungen und Bedürfnissen einer bestimmten Lernergruppe:

✔ Woher kommen die Lerner und Lernerinnen?


✔ Wozu wollen sie Deutsch lernen?
✔ Wie ist ihr sprachliches Niveau einzuschätzen?
✔ Wie alt sind sie? usw.)

Diese Orientierung an der ist eines der Grundprinzipien von gutem Unterricht.

Erstellen eines Unterrichtskonzepts


Nach dem geplanten Unterrichtsverlauf und den Lernzielen der jeweiligen Phase
sollten auch Überlegungen zu Aufgabenformen und Sozialformen beinhaltet sein.

Eine Unterrichtsstunde teilt sich in verschiedene Phasen:

• Einstiegsphase: Einstimmen auf ein Thema – sehr kurz, aber wichtig


• Erarbeitungsphase: Vokabel, Text, Grammatikphänomene – Interesse
wecken
• Vertiefungsphase: Üben der Grammatik, Textarbeit - ev. Korrekturen und
Begleitung durch die Übungsphase
• Sicherungsphase: Ergebnissicherung
• Transferphase: Anwenden des Gelernten
• Abschlussphase: Diskussion im Plenum – kurz oder ausführlicher je nach
Wunsch und Notwendigkeit.

Zu der jeweiligen Phase sind folgende Überlegungen wichtig:

• Wie soll die Phase verlaufen und was möchte ich machen?
• Was soll in dieser Phase gelernt werden?
• In welcher Arbeitsform sollen die Lerner arbeiten?
• Mit welchen Medien kann ich die Lernziele am besten erreichen?
• Wie lange benötige ich dafür?

Ein solches Unterrichtskonzept sollte sich eine Lehrperson vor jeder


Unterrichtsstunde erstellen. Nach einiger Zeit ist es sicher nicht mehr nötig, alle
Details schriftlich festzuhalten, was natürlich nicht bedeutet, dass Überlegungen zu
den Details nicht mehr notwendig sind.

Hier mein Beispiel für eine mögliche Gestaltungsform der Unterrichtsplanung, die ich
schon seit einem Jahr regelmäßig führe. Die Aufzeichnungen helfen mir auch,
verschiedene Gruppen, die ich in der gleichen Zeit unterrichte, auseinander zu
halten.
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Quellen
• http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNEN/
• http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNEN/Lerndefinitionen.shtml
• http://de.wikipedia.org/wiki/Lernen
• http://de.wikipedia.org/wiki/Soziales_Lernen
• http://www.uni-koblenz.de/~didaktik/voss/prozess.pdf
• http://www.kvhs-osterode.de/aktuell/galerie/103/images/W.%20Brandl.pdf
• http://de.wikipedia.org/wiki/Bildung
• http://www.bildung-fuer-deutschland.de/definition-bildung.html
• http://www.unesco.at/bildung/kulturbildung_roadmap_de.pdf
• Weidenmann, Bernd: Erfolgreiche Kurse und Seminare; Beltz, 7. Auflage 2006
• http://www.2bw.at/zbw-mat/kursprobleme.pdf

• http://www.inst.at/ausstellung/bild_aus.htm, Kulturwissenschaften und Europa


• X-Y-Theorie der Menschenbilder nach Douglas McGregor:
http://www.abeq.de/cm/upload/XY%200708.pdf
• http://www.gin.at/menschenbild.html, Menschenbild in der humanistischen
Psychologie
• http://de.wikipedia.org/wiki/Transaktionsanalyse
• http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/Transaktionsanalyse.shtml
• http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/Gebrauchsinformation.shtml
• Deutsch als Fremdsprache. Eine Didaktik: Theoretische Grundlagen und praktische
Unterrichtsgestaltung (Taschenbuch) von Günther Storch
• http://www.eduhi.at/gegenstand/obis/data/Hausarbeit_Didaktik.doc