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Pfeil und Bogen - Holzarten im Bogenbau

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Inhaltsverzeichnis:

1. Geschichtlicher Überblick ......................................................... S3

1.1 Pfeil und Bogen in der Jungsteinzeit .................................... S3


1.2 Pfeil und Bogen in Ägypten .................................... S4
1.3 Pfeil und Bogen in Griechenland .................................... S4
1.4 Pfeil und Bogen in Rom .................................... S6
1.5 Pfeil und Bogen in Japan .................................... S6
1.6 Pfeil und Bogen im Mittelalter .................................... S7

2. Der Bogen als spiritueller Weg .............................................. S9

2.1 Kyudo - Weg des Bogens .................................... S10


2.2 “ZEN in der Kunst des Bogenschiessens”
(- gleichn. Buchtitel - Autor: Eugen Herrigel) ................ S12

3. Holzarten des Bogens .................................................................... S13

3.1 Nadelbäume .................................................................... S13


3.1.1 Die Eibe .................................................................... S13
3.2 Laubbäume .................................................................... S15
3.2.1 Die Esche .................................................................... S16
3.2.2 Die Ulme .................................................................... S18
3.2.3 Die Robinie .................................................................... S19

4. Bogenarten .............................................................................. S21

4.1 Der Longbow - Langbogen ............................................... S21


4.2 Der Recurve-Bogen ............................................... S22
4.3 Der Compound-Bogen ............................................... S26

5. Pfeile ........................................................................................ S27

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1. Geschichtlicher Überblick

Der Pfeil und Bogen war die wichtigste Jagd- und Kampfwaffe unserer Vorfahren. Er
findet sich in praktisch allen Kulturen wieder, wobei seine Bauweise von der Bogenart
abhängt, die teilweise kaum mehr waren als ein Zweig mit einer daran befestigten Sehne,
bis zu Geräten die man nur als äußerst raffinierte mechanische Konstruktionen bezeichnen
kann. Pfeil und Bogen wurden laut Archäologen, erstmals zu Beginn der Jungsteinzeit, ca.
10 000 Jahre vor unserer Zeitrechnung verwendet.
Den vermutlich ältesten Hinweis auf die Herkunft des Bogens geben Geschoßspitzen, die
man in Europa unter den Relikten von Kulturen der Altsteinzeit gefunden hat.
Eindeutige Indizien aber haben die Archäologen im Stellmoor bei Hamburg gefunden. Sie
bargen hölzerne Pfeile und Vorderschäfte, die aus einer späteiszeitlichen Kultur zu Beginn
des neunten Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung stammen. Zweifellos sind die zerbro-
chenen Schäfte tatsächlich zum Bogenschießen hergestellt worden. Während Wurfspieße
eine enge Vertiefung oder Pfanne tragen, in die der Haken einer Speerschleuder – einer
simplen Verlängerung des Wurfarms – paßt, haben diese Schäfte flache, rechteckige Ker-
ben, die sich nur für eine Bogensehne eignen.

1.1 Pfeil und Bogen in der Jungsteinzeit

Mit Pfeil und Bogen haben sich die Menschen der Jungsteinzeit ihre Nahrung beschafft
und konnten so die bereits damals immer wiederkehrenden Wirtschaftskrisen und Hunger-
snöte überstehen.
Das der Bogen ebenso als Kampfwaffe benutzt worden war belegt eine Darstellung einer
Wandmalerei ca. 8000 Jahre v.Chr. Diese Felszeichnung aus dem spanischen Morella la
Vella zeigt zwei Gruppen von Bogenschützten die gegeneinander kämpften.

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Vermutlich kann man sagen, dass die effektivere Bogenbau-Kunst in Europa irgendwann
zwischen 10 000 v. Chr. und 4000 v. Chr. entwickelt worden ist. Bis dahin gab es ver-
mutlich nur Prototypen, die gelegentlich die gewünschte Wirkung erzielten, jedoch zum
“Weiterentwickeln” ermutigten. Ausgereiftere Modelle erschienen in Europa erst etwa um
2500 v. Chr.
In dieser Zeit breiteten Pfeil und Bogen sich dann fast überall auf der Welt aus und sind
auch heute noch bei vielen Naturvölkern zu finden (z.B. Aborigines, Indianer).

Die Bogenbaukunst erfuhr auf unterschiedlichsten Schauplätzen der Welt verschiedene


Entwicklungsstufen.

1.2 Pfeil und Bogen in Ägypten

Die schlachtentscheidende Waffe damals war der Bogen. Die Bögen waren technologisch
weit fortgeschritten . Sie besassen eine grosse Durchschlagkraft und hatten eine hohe Re-
ichweite. Das Material der Bögen ging vom einfachen Holz bis stabilerem Horn und war
mit Tiersehnen bespannt. Seine Herstellung war dennoch schwierig und teuer. Infanterie
und Streitwagenbesatzungen wurden mit dem Bogen ausgerüstet.
Damit er sich nicht von klimatischer Beanspruchung verwarf, steckte man ihn in ein Fut-
teral. Besonders übte man das Schiessen vom im Galopp gezogenen Streitwagen aus. Der
Infanterist trug einen Köcher über der Schulter, der bis zu 30 Pfeile enthielt.

1.3 Pfeil und Bogen in Griechenland

Um 700 v.Chr. besang der besang der blinde Homer den verirrten Helden Odysseus als
Bogenschiessmeister. - Nur dieser konnte bei seiner Heimkehr seinen alten Bogen spannen
und mit einem Schuss die Stiellöcher von zwölf Axtklingen durchfegen, der das Todes-
urteil für die Freier bedeutete, die in seiner Abwesenheit seiner Frau nachliefen.

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Die Griechen benutzten in zwei Punkten ganz andere Bogen als die Menschen der Vorzeit
oder des Mittelalters. Zum einen waren ihre Bogen aus verschiedenen Materialien (Holz,
Horn, Sehnen usw.) zusammengesetzt und werden deshalb auch Compositbogen genannt.
Zum anderen waren ihre Bogen sehr kurz und die Wurfarme zeigten in entspanntem Zu-
stand nach vorn zum Ziel. Diesen Bogentyp nennt man Reflex- oder Recurvebogen.

Weil durch die kurzen Wurfarme die Sehne in gespanntem Zustand einen sehr spitzen
Winkel bildet, konnten sie den Bogen nicht wie sonst üblich mit drei Fingern spannen. Sie
benutzten einen Spannring, der mit dem Daumen gezogen wurde.

Es gibt unzählige Darstellungen von griechischen Bogenschützen auf Vasen und anderen
Tongefässen. Dieses Bild wurde um 520 v.Chr. von Epiktetos gemalt und zeigt einen sky-
thischen Bogenschützen.

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Skythen galten in der Antike als die besten Bogenschützen und wurden in Athen als Polizei-
truppe eingesetzt.
Die alten Griechen waren tief beeindruckt von dieser unheimlichen Waffe, die den Tod
aus der Entfernung brachte. In der griechischen Mythologie spielen Pfeil und Bogen eine
grosse Rolle. So nannten sie z.B. Apollo den “Bogenschützen des silbernen Bogens”.

1.4 Pfeil und Bogen in Rom

Auch die Römer hatten Bogenschützen in ihren Reihen im Einsatz. Die Leichtbewaffneten
(Velites) waren eine bewegliche Fusstruppe für Sonderaufgaben (Störung der Feinde) vor
dem Kampf. Ihre Bedeutung schwand, sie wurden im 1. Jahrhundert v. Chr. von Hilfstrup-
pen abgelöst (Bogenschützen, “Schleuderer”). Bogenschützen fanden auch dort eine wes-
entliche Bedeutung. Sie verhinderten das Herannahen des Feindes, boten Feuerunterstüt-
zung im Fernbereich und boten aber auch selbst im Nahkampf die notwendige Hilfe.

“Erbärmlich ist der, der nichts von Pfeilen versteht”, sagte schon Publius Papinius Statius,
ein römischer Dichter...

1.5 Pfeil und Bogen in China und Japan

Die Japaner verwendeten Pfeil und Bogen vor allem in kriegerischen Auseinandersetzun-
gen um Boden- und Wasserrechte. Sie vermischten sich bis zu einem gewissen Grade mit
den ansässigen Jomon- Menschen, die ihrerseits das Wissen um Keramikherstellung, Jagd
mit Pfeil und Bogen und andere kulturelle Errungenschaften vom Festland mitgebracht
hatten (ab etwa 10 000 v. u. Z.).

Die ausgegrabenen Jomon- und Yayoi-Bogen und auch die Bogen der später in den Norden
Japans abgedrängten Volksgruppe der Ainu sind aus einem einzelnen Stück Holz gefer-
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tigt, also sogenannte Stabbogen im Gegensatz zu den weitaus elastischeren und stabileren
Kompositbogen oder Reflexbogen, die in Japan erst zu Beginn des 11. Jahrhundert allmäh-
lich auftauchten.

Für die Kriegsführung waren, nicht nur in Japan, vor allem die berittenen Bogenschützen
von ausserordentlicher Bedeutung. Man konnte zu Beginn der Kampfhandlung, flächen-
deckend und sekundenschnell, dem noch weit entfernten Feind verheerende Verluste zufü-
gen. Auch bei Belagerungen und beim Kampf auf See wurden Bogenschützen eingesetzt.

Der heutige japanische Bogen - Yumi, ist nicht nur wegen seiner asymetrischen Form ein-
zigartig, er ist zugleich auch mit durchschnittlich 2,3 Metern der längste Bogen der Welt.
Seine Zähigkeit und Haltbarkeit auf der einen, seine Empfindlichkeit und sein Hang zur
Veränderung auf der anderen Seite sind am anschaulichsten mit einem hölzernen Musikin-
strument, einer handgefertigten Geige etwa, vergleichbar.

1.6 Pfeil und Bogen im Mittelalter

Der Bogen im Mittelalter wurde aus Eschen-, Ulmen- oder Eibenholz hergestellt und mit
einer Sehne aus Schafdarm versehen. Im Holz- oder Lederköcher wurden die Pfeile, die im
14. Jh. eine Länge von 1 Meter betrugen, um die Schulter gehängt. Mit einem englischen
Langbogen aus Eibe traf man noch in einer Entfernung von 500 m sicher sein Ziel. Und
von einem Fachmann konnten 10 - 12 Pfeile pro Minute abgeschossen werden, da dieser
Bogen den Abschuß von drei bis vier Pfeilen zur gleichen Zeit ermöglichte.

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Gerade wegen dieser großen Treffsicherheit wurde die Verwendung von Pfeil und Bogen
und Armbrust in Kriegssituationen im Jahre 1139 auf dem Zweiten Lateranischen Konzil
unter Strafe verboten.

1277 führte Edward I den Langen Bogen als Haupwaffe der Infanterie ein und löste somit
die Armbrust ab. Der Langbogen stammt ursprünglich aus Wales und hatte die Aussmasse
von sechs Fuß in der Länge, und vier Zoll in die Höhe. In der Mitte waren sie 1/2 Zoll breit,
1/4 Zoll dick, außen flach und innen rund. Sie liefen spitz zu und endeten mit für die Sehne
durchbohrten Hornspitzen.
Bis auf etwa 240 Meter liess sich ein gezielter Schuss ab geben, die äußerste Reichweite
betrug etwa 330 Meter.

Zum Schutz trugen die Bogenschützen einen Eisenhut und einen


wattierten Überrock, manchmal auch einen Kürass. Neben dem
Bogen führten sie ein Schwert und gelegent-lich einen am Ende
mit Eisen beschlagenen Knüttel. Die Hände waren durch ein
Leder geschützt. Das Haar der Schützen war kurz geschoren,
damit die Sehne sich nicht darin verfing.

Am 26.8.1346 bei der Schlacht von Crécy brachten die Langbogen


den Engländern den Sieg über die Franzosen. Schon vor dem
Gefecht bei Crécy erhielten die Franzosen zweimal einen
Vorgeschmack von der Leistungsfähigkeit des englischen
Langbogens. Als die französischen Reiter 1342 den Earl of
Northampton angriffen, wurden sie zuerst durch die Pfeile in
Verwirrung gebracht und dann von den englischen Rittern
angegriffen. Ein zweites Mal umzingelte ein französischer
Verband eine englische Kolonne bei St. Pol de Leon in der
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Bretagne. Die Engländer hielten sich tapfer und richteten mit ihren Pfeilen ein Blutbad
unter den Franzosen an.

- Im Grunde ist der Bogen eine zweiarmige, von einer Sehne unter Spannung gehaltene
Feder. Indem man die Sehne mit dem aufsitzenden Pfeil zurückzieht, setzt man den Außen-
bogen (den Rücken) zusätzlich unter Zug- und den Innenbogen (den Bauch) unter Drucks-
pannung. Auf diese Kräfte muß jeder Bogen ausgelegt sein, damit er nicht bricht, sondern
den Pfeil wirksam vorwärtszutreiben vermag. Wird der Bogen vollständig gespannt, so
speichert er in seinen Armen die dafür aufgewandte Arbeit als potentielle Energie; beim
Loslassen der Sehne überträgt sie sich als kinetische Energie auf den davonschnellenden
Pfeil. -

2. Der Bogen als spiritueller Weg

Heute wird der Bogen nicht mehr zu Kriegszwecken eingesetzt, sondern hat seinen Zweck
als Hilfsmittel beim Weg der Selbstfindung des Menschen gefunden.
Bei religiösen Zeremonien und im Sport hatte der Bogen seit jeher seinen festen Platz. His-
torische Formen, wie das Yabusame (Zielschießen im vollen Galopp) oder das Hundejagen
(Inuoi) in Japan sind uns bereits aus dem frühen Mittelalter überliefert. Hierfür verwendete
man eigene Pfeile und Bögen, welche nicht unbedingt mit den sonstigen Kriegswaffen
identisch waren.

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2.1 Kyudo - Weg des Bogens

Den Anfang nahm die Kunst des Bogenschiessens in Japan unter dem Namen Kyu do (Weg
des Bogens), aber auch im Mittelalter in Europa wurde die bildende Wirkung des Bogen-
schiessens auf den Menschen erkannt. So erklärte der englischer König Eduard III dem Volk
das nach dem Gottesdienst am Sonntag das Bogenschiessen ausgeübt wird. Es muss nicht
erwähnt werden dass neben dem erhabenem Gedanke, ein kriegerischer Hintergedanke
ebenfalls die Ambitionen geleitet haben.

Heki Danjô Masatsugu (1443-1502), ein gefürchteter Samurai, hat zum erstem Mal eine
konsistente Lehre des Schießens aufgebaut, die sich so überlegen zeigte, dass sie im gan-
zen Land schnell Verbreitung fand.
Er hat einen Vater und dessen Sohn unterrichtet - Yoshida Shigekata und Yoshida Shigema-
sa, die die gesammelten Erfahrungen in den sogenannten Mokuroku dokumentiert haben.
Mit einer Ausnahme (Chikurin-ha) leiten alle Zweige der Heki-Schule ihre Wurzeln zu den
Yoshidas zurück, und bewahren die Tradition gemäß dem Mokuroku. Die Zweige selbst
sind in der Regel unter der Obhut eines “Daimyos” (=Lehnsherr, lokaler Fürst) entstand-
en.

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In Japan unterschied man das Bogenschießen nach Art der Ausübung in zwei verschiedene
Charaktere, das Bushakei/Uchi muki - Schießen zu Fuß und das Kishakei / To muki -
Schießen zu Pferde.
Eine Version des Kishakei wird noch heute in Form des Yabusame und des Kasagake (Hut-
schießen) zelebriert. Die ersten dokumentierten Wettkämpfe dieser Art sind bereits für das
Jahr 1187 in Kamakura dokumentiert. Dabei versuchten Reiter im vollen Galopp drei auf
einem Court aufgestellte Scheiben zu treffen. Der Schütze mußte seine Pfeile so schnell
wie möglich ins Ziel setzen.

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2.2 ZEN in der Kunst des Bogenschiessens

Der tatsächliche Weg des Bogenschiessens aber findet sich im ZEN, und hat seine Wurzeln
ebenfalls in Japan.
Wie schon vorher beschrieben wird die eigentliche Kunst des Bogenschiessens Kyudo
genannt. Diese eigentliche Kampfkunst wird oft mit dem Zen-Buddismus in Verbindung
gebracht. Der vermutlich grösste und wesentlichste Unterschied ist das bei Kyudu immer
das Ziel getroffen werden will, - Das Treffen ist das höchste Gut des Bogenschießens -
oder der Pfeil und Bogen zu einem ästethischem Vergnügen geschossen wird. Beim ZEN
hingegen handelt es sich um eine meditativen Akt, es wird kein NUTZEN! aus der Tat
gezogen.

- Der Tänzer tanzt nicht nur um rythmische Bewegungen des Körpers auszuführen, sondern
vor allem soll das Bewusstsein dem Unterbewusstsein rythmisch angeglichen werden -

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Bei den folgenden Zeilen handelt es sich um einen Auszug aus dem Buch “ZEN in der
Kunst des Bogenschiessens” von Eugen Herrigel.

Um wirklich Meister des Bogenschiessens zu sein genügt technische Kenntnis nicht. Die
Technik muss überschritten werden, so dass das können zu einer “nichtgekonnten Kunst”
wird, die aus dem Unbewusstem erwächst. In Bezug auf das Bogenschiessen bedeutet dies,
dass Schütze und Scheibe nicht mehr zwei entgegengesetzte Dinge sind, sondern eine ein-
zige Wirklichkeit. Der Bogenschütze ist nicht mehr seiner selbst bewusst, als stünde ihm
die Aufgabe zu, die Scheibe vor ihm zu treffen. Dieser Zustand der Unbewusstheit wird
aber nur erreicht wenn, wenn er von seinem Selbst vollkommen frei und gelöst ist, wenn
er eins ist mit der Vollkommenheit seiner technischen Geschicklichkeit. Dies ist etwas
vollkommen anderes als jeder Fortschritt, der in der Kunst des Bogenschiessens erreicht
werden könnte.
Der charackteristische Unterschied zwischen Zen und allen anderen Lehren religiöser, phi-
losophischer oder mystischer Art ist die Tatsache das es niemals aus unserem täglichem
Leben schwindet und doch bei all seiner praktischer Anwendungsmöglichkeit und Konk-
retheit etwas in sich schliesst, das es aus dem Schauspiel der weltlichen Befleckung und
Rastlosigkeit herausstellt.

3. Holzarten im Bogenbau

3.1 Nadelbäume

Für den Bogenbau in Frage kommenden Baumarten im Bereich der Nadelbäume sind die

Eibe [Taxus baccata]


Wacholder [Juniperus communis]

Unter den Holzarten eignet sich die Eibe am idealsten für den Bau eines Bogen.

3.1.1 Die Eibe

Die Gemeine Eibe gehört zur Gattung der Eiben aus der Familie der Eibengewächse. Auf
der Nordhalbkugel findet man insgesamt acht verschiedene Arten vor. Der immergrüne
Nadelbaum erreicht selten Höhen über 20 m.

Häufig findet man Eiben, mit aus mehreren miteinander verwachsenen Stämmen.
Die Krone einstämmiger Exemplare ist meistens breit kegelförmig, die später eine ab-
gerundete bis kugelige Form animmt.
Das Astwerk ist stark verzweigt, stärkere Äste leicht hängend, an den Enden wieder an-
steigend.
Der tiefgefurchte, häufig spannrückige Stamm trägt anfangs eine rötlichbraune glatte
Rinde, die später zu einer graubraunen, sich in Schuppen ablösenden Borke wird.

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Die gestielten Nadeln sind etwa 15 bis max. 40 mm lang und 2 bis 3 mm breit. Oberseits
glänzen sie dunkelgrün. Auf der Unterseite sind die Nadeln graugrün und zeigen zwei un-
deutliche Spaltöffnungsstreifen.
Die Knospen haben eine Länge von 4–6 mm und sind rundlich bis eiförmig. Die Eibe ist
zweihäusig, d. h. es gibt sowohl männliche Bäume mit Staubblüten, wie auch weibliche
mit sehr unscheinbaren, winzig kleinen 1 bis 1,5 mm Blüten auf der Zweigunterseite. Aus
den weiblichen Blüten entsteht ein bräunlicher 6 bis 7 mm langer und 4 bis 5 mm breiter
Samen, der von einem leuchtend roten saftigen Samenmäntelchen umschlossen ist.

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Die Verbreitung der Gemeinen Eibe beschränkt sich auf das mittlere und südliche Europa.
Ihre Ostgrenze ziehen Gebiete mit strengen Wintern. Ihr vertikales Areal reicht von der
nördlichen planaren über die kolline, in die südlichere montane Stufe hinauf bis 1400 m.

Vorkommen:

Sie bevorzugt Kalkstandorte, ist aber auch auf Braunerde-Böden anzutreffen. Meistens
findet man Einzelbäume, Gruppen oder Horste eingemischt in Laubholzbestände. Selten
findet man kleine geschlossene Eibenbestände, wie das Naturwaldreservat im niedersäch-
sischen Forstamt Bovenden bei Göttingen.

Heilkunde und Mytologie:

Die Homöopathie verwandte Taxin früher als Antispasmodikum. Heute gewinnt man aus
der Rinde das Krebsmittel „Taxol“, welches seit 1993 in Deutschland zugelassen ist und
auch hergestellt wird.

In der Mythologie der Germanen führte der in „Ydalis, den Eibentälern“ wohnende Jag-
dgott Uller einen Bogen aus Eibenholz.
Bei den Kelten war sie Baum der Druiden.
Plinius und Dioskorides bezeichneten die Eibe als Baum des Todes, dessen Ausdünstung
während der Blütezeit einen unter ihm Schlafenden töten könne.

Durch seine hervorragenden Eigenschaften eignet sich die Eibe am optimalsten für den
Bogenbau. Es ist harzfrei, äußerst zäh, extrem elastisch und dabei sehr schwer und dicht.
Das Holz der Eibe zeigt einen schmalen gelblichweißen Splint und einen rotbraunen, an
der Luft noch nachdunkelnden Kern.

3.1 Laubbäume

In der Gattung der Laubbäume eignet sich für die Herstellung eines Schussbogens:

Esche [Sorbus aucuparia]


Ulme [Ulmus]
Hasel [Corylus colurna]
Robinie [Robinia pseudoacacia]
Walnuss [Juglans regia L.]
Hickory [Carya alba - Weisse Hickory]
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Bergulme [Ulmus minor]


Feldulme [Ulmus glabra]
Osage Orange [Maclura pomifera]
Vogelbeere [Sorbus aucuparia L.]
Weissdorn [Crataegus laevigata]
Pflaume [Prunus domestica]

japanischer Bambus [Pseudosasa japonica]

3.2.1 Die Esche

Vorkommen:

Die Esche war bereits seit einigen Jahrmillionen in ihrem heutigem Lebensraum heimisch.
Sie ist die einzige Baumart der in Asien, Nordamerika und den Mittelmeerländern ein-
schliesslich Nordafrika, aus der Gattung Fraxinus aus der Familie der Ölbaumgewächse,
die nach den Eiszeiten und der Faltung der Alpen den Weg über diesen europäischen Quer-
riegel zurückgefunden hat. Das Verbreitungsgebiet der Eschen umfasst Europa nördlich
bis Schottland, Südskandinavien, Nordspanien, Süditalien über den Balkan bis Griechen-
land. Sie erstreckt sich ausserdem über den Kaukasus bis nach Kleinasien hinein.
Die Esche erreicht, beispielsweise in den Alpen, Höhenlagen von bis zu 1300 m.

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Die meist bis zu 40 m hohe Esche gehört zu den hochwüchsigen einheimische Laubge-
hölzen. Bei günstigen Bedingungen erreicht diese Baumart ein Alter von 200 bis 300 Jahren.
Sie bevorzugt gut durchlüftete basenreiche Böden die tiefgründig und gut Wasserversorgt
sind.

Als tiefwurzelnder Baum verfügt die Esche über ein ausgeprägtes Senkerwurzelsystem.
Das rasche Wachstum bringt einen kräftigem Schaft mit einer ovalen bis kugelförmigen
Krone hervor.
An kräftigen Zweigen der starken Äste befinden sich meist elf gegenständige, sitzende
grüne Fliederblätter. Diese sind elliptisch zugespitzt, gesägt, oberseits dunkel gefärbt, un-
terseits hellgrün gefärbt. Die nackten dunkelroten Blüte erscheinen vor Laubausbruch.

Das Holz der Esche ist hart, zäh doch dabei elastisch und biegsam. Das schwere Holz
schwindet wenig. Das ringporige Holz spaltet sich gut, ist im Splint und Kern gleichfarbig.
Das ringporige Holz spaltet sich gut, ist im Splint und Kern gleichfarbig.

Heilkunde und Mytologie:


Die Esche war als “Weltenbaum” Mitte des germanischen Universums wie in der Über-
lieferung der Edda aufgezeichnet ist. Die griechische Mythologie kennt im 7 Jhd.v.Chr.
die Esche als einen Baum aus dem das “dritte Geschlecht” - der Krieger hervorgegangen
ist. Im keltischen Zauberglauben verkörpert die Esche die Macht des Wassers. Der Saft der
Esche soll vor Schlangenbissen schützen.
Die Idee Eschen als Wundholz zu verwenden hängt wahrscheinlich mit dem hohem Gerbst-
offgehalt der Rinde zusammen. Ebenso soll es gegen Schwindsucht schützen. Dioscurides
(1. Jahrhundert n.Chr.) berichtet dass man mit der Asche des Eschenholzes Grind beseiti-
gen könnte. Gegen fiebrige Infektionen galt die Rinde der Esche als das einzig wahre.

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3.2.2 Die Ulme

In der Jugend wachsen Ulmen sehr rasch. Mit ca. 30 Jahren haben sie 90% ihre Höhe er-
reicht, das bedeutet eine Höhe von ca. 20 - 40 m. Mit 60 Jahren ist das Höhenwachstum ab-
geschlossen. Die kleinste – der in Deutschland vertretenen Arten – ist die Flatterulme (ca.
10 –35 Meter). Ulmen sind nur dort zu finden, wo es genug Licht, Luftbewegung, wenig
Frost und wo das Sickerwasser mit vielen Nährstoffen angereichert ist. Ihre Lebenserwar-
tung wird auf ca. 500 Jahr geschätzt. Feld- und Flatterulmen sind die wärmebedürftigeren
Arten. Sie bilden keine dichten Bestände. Im Mischwald treten sie nur einzeln auf und sind
dort Begleiter von Bergahorn und Buche. Als Bewohner von Hänge- und Schluchtwäldern,
findet man die Ulme in Gesellschaft mit Esche und Bergahorn.

Die Ulme gehört zu den wenigen heimischen Arten, die Brettwurzeln bilden. Als gutes Un-
terscheidungsmerkmal zur Feldulme besitzt die Bergulme eine sehr rauhe Blattoberseite,
außerdem sind ihre Blätter häufig 3 gespitzt. Die der Feldulme sind eher rundlich.

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Verwendung:

Wirtschaftliche Verwendung findet die Ulme (Holzart Rüster) zur Herstellung von Möbeln
und Parkett. Nicht zuletzt durch das Ulmensterben ab 1920 bekannt (Ceratocystis ulmi
– Pilzkrankheit – übertragen durch den Ulmensplintkäfer) steht nur noch eine begrenzte
Anzahl an verwertbarem Holz zur Verfügung.
Die Ulme blüht noch vor dem Blattaustrieb. Innerhalb von 2-3 Wochen haben sich die kre-
isrunden, grünlich gefärbten Ulmenfrüchte herangebildet. Ende Mai, wenn unsere anderen
Laubbäume blühen, verlässt die reife Frucht bereits den Baum. Sie ist allerdings dann nur
wenig Wochen keimfähig.

Heilwirkung und Mythologie:

Bei den Griechen Symbol des Todes und der Trauer. Nach germanischer Mythologie steht
die Ulme - als synonym für den Mann -, neben der Esche - Synonym für die Frau - als
Stammeltern der Menschheit.

3.2.3 Die Robinie

Die Robinie wächst als Baum, wird bis zu 25 m hoch und erreicht einen Stammdurchmess-
er bis zu 1 m. Die weißen, manchmal auch gelblichen oder rosafarbenen Blüten hängen in
dichten Trauben und verströmen einen starken Duft. Die Blütezeit ist von Mai - Juni. Im
Herbst entwickeln sich dann die Samen in rotbraunen Hülsen, die mitunter bis zum näch-
sten Frühjahr am Baum hängen bleiben.

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Die gefiederten Blätter bestehen aus 9 - 19 eiförmigen Einzelblättchen und werden bis zu
30 cm lang. Die Robinie trägt Dornen.

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Vorkommen:

Die Pflanze stammt aus Nordamerika und hat sich in West- und Südeuropa verbreitet.
Als Zier- und Alleebaum angepflanzt, findet man sie verwildert an Bahndämmen, Ge-
büschen und trockenen Wälder. Die Robinie wird auch in Gärten angepflanzt.

Heilkunde und Mythologie:


In der Homöopathie verwendet man eine Essenz aus der frischen Rinde bei Übersäuerung
des Magens und bei Migräne.
Das Holz der Robinie wird seiner Härte wegen zu Schreinerarbeiten verwendet, ferner
nutzt man es als Bauholz im Wasserbau und in Bergwerken.

Giftstoffe, Wirkung und Symptome:

Die Pflanze enthält vorwiegend in ihrer Rinde giftige Eiweiße, sogenannte Toxalbumine.
Kinder, die Rinde oder Samen kauen sind im Besonderen gefährdet.
Die ersten Symptome einer Vergiftung können schon nach der Aufnahme von 4 Samen und
ca. 1 Stunde auftreten.
Es kommt zu Übelkeit und Erbrechen, Magenschmerzen, Krämpfen und Durchfall. Der Pa-
tient leidet unter Schwindel und starker Müdigkeit, auch die Pupillen können sich weiten.
Beim Bearbeiten des Holzes kann es durch Einatmen des Staubes auch zu Vergiftungen
kommen. Trotz allem sind Vergiftungen mit der Robinie recht selten.

4. Bogenarten

4.1 Longbow - Langbogen

Der Langbogen (engl. Longbow) ist der ursprünglichste Bogen. In seiner primitivsten
Form besteht er aus einem biegsamen Holz und einer Sehne. Ein wirklicher Langbogen
ist etwa so lang wie sein Schütze groß ist. Gespannt gleicht seine Form dem Buchstaben
D. Sie waren aus Ulmen-, später vor allem aus Eibenholz gefertigt. Dieser Bogentyp war
bis in die Bronzezeit geläufig. Die ältesten Bogenfunde stammen aus dem Mesolithikum,
zum Beispiel aus Holmegaard, Dänemark. In der Zeit der Glockenbecherkultur zeigen
Armschutzplatten und Pfeilspitzen aus Feuerstein als Grabbeigaben die Bedeutung des
Bogenschießens.

Im Gegensatz zur Jagd wurde mit den damaligen Kriegsbögen nicht gezielt, sondern auf
die Salvenwirkung gesetzt. Ein durchschnittlicher englischer Bogenschütze sollte idealer-
weise acht Pfeile gleichzeitig in der Luft halten. Das heißt, wenn der achte Pfeil geschos-
sen wurde, war der erste noch nicht im Ziel. Kriegsbögen hatten ein hohes Zuggewicht,
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typischerweise mehr als 100 lbs. Das entspricht 445 N. In den alten Chroniken wird ge-
schrieben, dass die Pfeile dicht wie Schnee auf den Gegner nieder gingen.

Langbögen gibt es als Holzbogen aus einem Stück, aus mehreren Holzarten oder auch mit
auf- oder eingelegten Kunststoffmaterialien.

Weiter wird heute zwischen Langbögen englischer und amerikanischer Bauart unter-
schieden, die englischen haben über die gesamte Länge D-förmigen Querschnitt meist mit
einer Lederwicklung als Griff; die amerikanischen besitzen flache Wurfarme und einen auf
die Hand geformten Griff. Letztere werden auch Flachbögen genannt.

4.2 Der Recurve-Bogen

Der Recurve Bogen ist der klassische europäische Bogen. Im frühen Mittelalter wurde
speziell in England der sogenannte englische Langbogen geschossen. Aus dem Fernen

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Osten und Asien kam die typische Recurve Form ins Abendland. Da die Wurfkraft größer
ist setzte sich dieser Bogen bald in Europa durch.
Heute wird als Turnierbogen ausschließlich der Recurve-Bogen geschossen.
Gegenüber dem Compoundbogen, der mit dem Flaschenzugprinzip arbeitet und je nach
Art der „Rollen“ (Camecords) eine Zugkraftreduktion von bis zu 80% erreichen kann, so
ist beim Recurvebogen der Kraftverlauf fast linear ansteigend. Das heißt beim Auszug-
spunkt des Recurvebogens liegt die volle Leistungskraft auf den Fingern, wobei sie beim
Compound um bis zu 80% minimiert wird und erst beim Lösen freigegeben wird.

Der Recurvebogen ist teilbar und besteht aus dem Mittelteil, den Wurfarmen, der Sehne,
zum „Zubehör“ zählen das Visier, die Pfeilauflage, der Button, das „Stabilisationssys-
tem“.

Das Mittelteil hat eine „Griffschale“, zwei Taschen zur Aufnahme der Wurfarme, sowie
Gewindebuchsen für das „Zubehör“. Das Mittelteil ist in Holzlaminat (nur mit Dacron-
sehne zu schießen) oder in unterschiedlichen Metallegierungen zu erhalten. Die Metall-
egierungen sind zwar schwerer aber dafür haben sie weniger Eigenschwingungen und eine
höhere Festigkeit. Die Mittelteile sind von 23 bis 25 Zoll erhältlich.

Die Wurfarme bestehen aus Holzlaminat mit einem Glasfieberüberzug oder statt Glas-
fieber, Carbongewebe in Harzen eingebunden zwischen und, oder auf dem Holzlaminat.
Diese Wurfarme haben einen bis zu 8% igen Energieübertragungsgewinn d.h. eine schnel-
lere, flachere Flugbahn des Pfeiles. In Verbindung mit entsprechenden Mittelteilen, lassen

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sich Bogenlängen von 46 bis 72 Zoll zusammenstellen (ca.120 bis 200 cm ).

Die Strangzahl der Sehne kann zwischen 10 und 20 Fäden variieren, je nach Stärke des
Garnes, oder den „Einstellungen“ des Schützen. Die Sehne ist ein Endlosfaden der um
einen Sehnengalgen (können entsprechende Längen der Sehne eingestellt werden) gewick-
elt wird bis das die entsprechende Strangzahl vorhanden ist. Danach werden die Öhrchen
(Sehnenenden) für die Aufnahme an den Tips (Wurfarmenden) sowie die Mittelwicklung
gefertigt. Auf der Mittelwicklung wird der Nockpunkt (Metall oder mit Garn gewickelt)
für den Pfeil in entsprechender Höhe angebracht.

Visiere wir unterscheiden hier zwei Arten. Zum einen das Frontvisier (Junior, Stiftvisier)
das Visier ist nahe am, oder im Bogenfenster angebracht. Zum Zweiten die Auslegervisiere
(AGF Safari, Arten Olympia etc.) diese können den Kornträger an einer „Stange“ vom
Bogen weg positionieren. Dieses Verlängern der Visierlinie hat für die Scheibenschützen
einige Vorteile. Die Frontvisiere kommen mehr bei den Jagdschützen zur Anwendung.
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Pfeilauflagen / Button sie dienen zum Halten und Führen des Pfeiles. Hierbei gibt es eine
sehr große Auswahl an unterschiedlichen Materialien.
Von der einfachen Plastikauflage (z.B. Hoyt Super Rest) bis hin zur Magnetpfeilauflage
(z.B. Spigarelli). Eine relativ preiswerte Plastikauflage kann aber durchaus auch Ihren
Zweck erfüllen. Man sollte nur auf eine verschleißarme Spitze, eine leichtgängige Feder-
ung und gute Einstellbarkeit Wert legen.

Stabilisation wie der Name schon sagt soll ein Stabilisationssystem die Schwingungen
beim Schuss aufnehmen. Damit kann der Bogen ruhiger gehalten werden. Dies zeigt sich
deutlich nachher im Trefferbild. Das „Stabilisationssystem kann bestehen aus:
dem Monostabi mit eventuellem Schwabbelendgewicht, dem Vorbau mit eventuellem
Dämpfer und der Spinne, die die Seitenstabis aufnimmt. Ebenso können noch kleinere
Monostabis oben und unten am Mittelteil angebracht werden. Das Stabilisationssystem
wird auf den jeweiligen Schützen abgestimmt. Diese Abstimmung sollte nur von einem
Fachmann erfolgen.

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4.3 Der Compound-Bogen

Der Compoundbogen (engl. compound bow) wurde 1969 in den USA erfunden.
Die Sehne wird über zwei Nockenrollen, oder eine Nockenrolle und eine Ausgleichsrolle
an die Enden der Wurfarme geführt. Zusätzliche Sehnen übernehmen die Kraft im vollen
Auszug.

Durch diese besondere Konstruktion nimmt die für den Auszug der Sehne notwendige
Kraft erst zu und dann wieder ab. Bei vollem Auszug muss der Schütze nur 20 bis 60 %
des Zuggewichts aufwenden.

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Die Pfeilgeschwindigkeit bei Compoundbögen kann mehr als 340 fps (feet per second)
betragen, das entspricht etwa 103 m/sec oder 370 km/h.
Die Sehne oftmals nicht mit den Fingern gezogen, sondern verwendet eine mechanische
Ablasshilfe, ein so genanntes Release.

Compoundschützen verwenden spezielle Bogenvisiere, die keine Kimme haben. Dafür


wird an der Sehne meist eine kleine Visierhilfe befestigt, die im Prinzip eine kleine Met-
allscheibe mit einem Stopfnadel großem Loch ist, durch die auf das Bogenvisier geschaut
wird.

Oftmals werden an den Compoundbögen Stabilisatoren verwendet, die den Bogen besser
ausbalancieren und beim Ablass des Pfeiles die Schwingungen des Bogens dämpfen.

5. Pfeile

Pfeile werden je nach Bogenart aus verschiedenen Materialien gebaut. Es gibt natürlich
unabhängig der Bogenart Pfeile in verschiedenen Materialien.
Die häufigsten Materialien sind Holz, Aluminium, Carbon.

Ein Pfeil ist der Schusskörper einer Bogenwaffe, die Schusskörper einer Armbrust hinge-
gen bezeichnet man als Bolzen. Der Pfeil ist prinzipiell ein gerader Stab, an dessen vor-
deren Ende eine Spitze und an dem anderen Ende Stabilisatoren aus echten oder Kunstst-
offfedern angebracht sind.

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Pfeilgewichte werden traditionellerweise in “grain” angegeben (= Korn; ein grain entspricht


0,0648 Gramm). Heutige typische Pfeile haben etwa einige hundert bis ca. 500 grain, alte
englische Kriegspfeile konnten aber auch mehr als 800 grain wiegen, also mehr als 52
Gramm.

Pfeilschäfte:
Pfeilschäfte müssen biegsam sein. Dies liegt daran, dass sich die Sehne beim Schuss
genau auf den Bogen zubewegt, sich der Pfeil aber um den Bogen herumwinden muss. Die
Schwingungen des Pfeilschaftes beim Schuss sollten nach einigen Metern Flug gedämpft
sein. Idealerweise ist ein Pfeilschaft nur wenig länger als der Auszug des Bogens, mit dem
er geschossen werden soll.

Holzpfeile:
Das traditionelle Schaftmaterial ist Holz. Ein typischer Pfeilschaft ist etwa einen drittel
Zoll dick.

Pfeile aus anderen Materialien:


Moderne Pfeilschäfte werden aus Materialien wie Aluminium, Karbonfaser oder Kombi-
nationen aus beiden hergestellt. Die Schäfte sind dünne Röhrchen, deren Biegesteifigkeit
durch das Material, die Wandstärke und die Bauart bestimmt wird. Je kleiner der Wert,
desto steifer ist der Pfeil. Generell gilt je stärker der Bogen und je größer der Auszug, desto
steifer muß der passende Pfeil sein.

Pfeilspitzen:
Die Spitze besteht heute im Allgemeinen aus Metall, aus prähistorischer Zeit sind Spitzen
aus Stein und Knochen bzw. Horn bekannt. Prinzipiell kann man auch den hölzernen Schaft
anspitzen und im Feuer härten, aber da sich solche Pfeile schlecht erhalten weiß man nichts
über die tatsächliche prähistorische Verwendung solcher Spitzen.

Die Spitze kann entweder als Hülse auf einen konisch geformten Schaft aufgesetzt wer-
den, oder ein Dorn an der Spitze wird in eine Bohrung bzw. Kerbe im Schaft gesetzt. Die
Spitzen werden durch kleben oder aufschrauben befestigt, mittelalterliche Spitzen waren
oft zusätzlich mit Garnwicklungen gesichert.
Heutige Spitzen für den Sport sind meist einfache, gedrehte, Metallspitzen die als Hülse
aufgesetzt werden und die darauf ausgelegt sind die Ziele so wenig wie möglich zu beschä-
digen. Jagdspitzen haben entweder zusätzlich ein Blatt mit geschärften Schneiden oder
stumpfe, ausgedehnte Spitzen um die Beute zu betäuben.

Vor allem zu Kriegszwecken gab es zahlreiche weitere Spitzenformen. Die typische war
wohl die “Bodkin”-Spitze, die durch hohes Gewicht bei relativ kleinem Querschnitt
panzerbrechend auf die damaligen Rüstungen wirkte, aber gleichzeitig sehr einfach zu
schmieden war. Die im mittelalterlichen England erfundene Bodkin-Spitze war äußerst
lang. Die Spitze eines Brandpfeils hatte direkt hinter der eigentlichen Spitze einen metal-
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lenen Käfig, in dem brennbares Material angebracht werden konnte, so dass die Hitze direkt
auf das Ziel wirkte, den Schaft aber nicht vorzeitig beschädigte. Zum gezielten Töten von
Pferden, die seltener als ihr Reiter durch eine Rüstung geschützt waren, verwendete man
besonders breite Pfeilspitzen. Im Mittelalter waren zudem Pfeilspitzen gebräuchlich, die
mit Widerhaken versehen waren. Ein mit solch einer Spitze ausgestatteter Pfeil verursachte
beim Herausziehen dermaßen schwere Verwundungen, dass in mittelalterlichen Abhand-
lungen empfohlen wurde, den Pfeil nach Möglichkeit durch den betroffenen Körperteil
durchzustoßen und die Spitze auf der anderen Seite abzuschneiden.

Befiederung:
Im Laufe der Geschichte wurden für Pfeile die unterschiedlichsten Befiederungen ver-
wendet, wobei mittelalterliche Bogenschützen Gänsefedern bevorzugten. Die Befiederung
dient dazu, dem Pfeil während seines Fluges eine Eigenrotation um die Pfeilachse zu ver-
leihen, wodurch seine Flugbahn deutlich stabilisiert wird.

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