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Grundlagen der Mess- und Automatisierungstechnik 1 (WS 2019/20)

3. Rechenübung: 48. und 49. KW


Brückenschaltungen. Fehlerrechnung.

Brückenschaltungen

Aufgabe 1L: Brückenschaltung im Belichtungsmesser


In einem Belichtungsmesser in einem Fotoapparat befinden sich zwei gleichartige LSDs (light sen-
sitive device) und zwei gleichartige Festwiderstände. Der Fotoapparat wird von einer Minizelle mit
einer Spannung von 1,5 V gespeist, die Belichtungszeit ist auf tBelich = 1 / 250 s fixiert, ein Film mit
der ISO-Lichtempfindlichkeit 100 ist eingelegt. Die LSDs haben eine lineare Kennlinie und einen
Widerstand von R LSD = 100 kΩ bei hellem Sonnenlicht (Beleuchtungsstärke Ehell = 75600 Lux ,
Blende 11). Zwischen der Blendenzahl k, der Belichtungszeit tBelich , der Beleuchtungsstärke E und
der ISO-Lichtempfindlichkeit Si besteht der nachfolgende Zusammenhang,

k = {tBelich} {E} ⋅ Si
C

mit einem typischen Wert von C = 250 für diese Konstante. {E} bezeichnet den Zahlenwert der
Beleuchtungsstärke, wenn E in Lux gegeben ist; {tBelich } den Zahlenwert der Belichtungszeit in
Sekunden.
a) Wie ist die Brücke im Belichtungsmesser zu beschalten, wenn mit Hilfe der LSDs ein größtmög-
liches Signal generiert werden soll?
b) Wie groß sind die Festwiderstände, wenn bei hellem Sonnenlicht die Brücke abgeglichen ist, d.
h. Ud = 0 bzw. der Zeiger des Belichtungsmessers waagerecht ist?
c) Bei bewölktem Himmel fällt der Zeiger des Belichtungsmessers auf den unteren Anschlag-
punkt, was einer Diagonalspannung von Ud = 0,15 V entspricht. Bei Öffnung um zwei Blen-
den, also auf Blende 5,6, ist die Brücke wieder abgeglichen. Bestimmen Sie die Empfindlichkeit
~
ELSD der LSDs in Ω / Lux .

Aufgabe 2: Vier-Kapazitäten-Brücke
Die Vier-Kapazitäten-Brücke wird zur Messung kleiner Kapazitäten und deren Verlustwinkels ver-
wendet. Der Verlustwinkel ist als Arcustangens des Verhältnisses von Wirkleistung zu Blindleistung
definiert. C x sei die zu messende Kapazität und tan δ x ihr zu bestimmender Verlustfaktor. Die un-
bekannte Kapazität kann als Parallelschaltung eines verlustfreien Kondensators C 3 = C x und ei-
nes Widerstand R 3 = 1 /(ωC 3 tan δ x ) aufgefasst werden. Der Widerstand R 1 und der Kondensa-
tor C 2 sind regelbar.

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3. Rechenübung: 48. und 49. KW
Brückenschaltungen. Fehlerrechnung.

a) Welche Ausdrücke erhält man für C x und tan δ x , wenn man mit der allgemeinen Abgleichbe-
dingung für Wechselstrombrücken Z1 ⋅ Z 4 = Z 2 ⋅ Z 3 startet?
b) Wählen Sie als Alternative die Abgleichbedingungen aus der Vorlesung!

Aufgabe 3H: Frequenzmessbrücke


Die nachfolgende Schaltung erlaubt die Frequenz der Speisespannung U0 zu bestimmen.

a) Überlegen Sie, mit welcher Abgleichbedingung Sie starten.


b) Bestimmen Sie aus der passenden Abgleichbedingung drei sinnvolle Relationen für die Bau-
elemente, um mit möglichst gleichartigen Kapazitäten und Widerständen die Frequenz f zu
ermitteln.

Hinweis: Benutzen Sie für die Lösung der nachfolgenden Aufgaben auch die im Netz verfüg-
bare ,,Anleitung zur Fehlerrechnung“

Fehlerrechnung

Aufgabe 4B: Fehlerrechnung bei Widerstandsberechnung


Der Wert eines Widerstandes soll aus einer Strom- und Spannungsmessung bestimmt werden. Für
die Strommessung steht ein Messgerät der Klasse 1 mit dem Endwert 5 A zur Verfügung. Der An-
fangswert sei Null Ampere. Gemessen wird ein Strom I=4 A. Die Spannungsmessung erfolgt mit
einem Messgerät der Klasse 0,5 mit einem Messbereich 100 V. Die gemessene Spannung beträgt
U=45 V.
Geben Sie die
- relative
- maximale relative
- wahrscheinliche relative
- maximale absolute und die
- wahrscheinliche absolute
Abweichung für den Widerstand an.

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Aufgabe 5: Druckmessumformer
Laut Herstellerangaben soll ein Druckmessumformer den Druckbereich p=(1 … 10) bar linear auf
ein Einheitsstromsignal I=(4 … 20) mA abbilden. Bei der Prüfung mit einem Kolbenmanometer wur-
den folgende Wertepaare ermittelt (Maßeinheiten beachten!):

p kp/ cm² 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
I mA 4,15 5,9 7,35 9,50 11,25 12,70 14,75 16,20 18,20 19,80

a) Berechnen Sie den Übertragungsfaktor a, der sich aus den Herstellerangaben ergibt.
b) Welcher Fehlerklasse ist der Druckmessumformer als Ergebnis der Prüfung zuzuordnen?
c) Bestimmen Sie die Fehlergrenzen des Druckmessumformers und stellen Sie die Fehlerkurve
∆I=f(pist) grafisch dar.

Bemerkung: zugelassene Fehlerklassen sind: 0,01; … 1,5; 1,6; 2,5; 4; … 10;

Aufgabe 6: Pt100-Widerstandsthermometer
Der Messwiderstand eines Pt100-Widerstandsthermometers wurde mit einer Wheatstone-Brücke
8 mal gemessen: Rϑ/Ω=125,8; 124,3; 126,9; 123,5; 125,7; 127,1; 125,3; 125,1. Berechnen Sie:
a) den wahrscheinlich richtigen Wert des Widerstandes R .
b) den mittleren Fehler mR (Vertrauensbereich des Mittelwertes).
c) die Messunsicherheit des Widerstandes m ~ mit P=95 %? (t=2,36).
R

d) die Temperatur ϑ des Messfühlers. (Der Messfühler ist durch den mittleren Temperaturkoef-
R − R O°C
fizienten α = ϑ = 38,5 ⋅ 10 − 4 / °C charakterisiert.)
R O°C ⋅ ∆ϑ
~ .
e) die Messunsicherheit der Temperatur m ϑ

Aufgabe 7L: Leistung eines Verbrauchers


Bei einer Messung an einem Verbraucher, dessen Widerstand auf 3% genau bekannt ist, wurden
der Strom und der Spannungsabfall gemessen, um daraus die Leistung zu bestimmen. Gegeben
sind:

Geräte Messwerte Messbereich Fehlerklasse


Spannungsmessgerät 72 V 100V 1,5
Strommessgerät 470 mA 1A 2

Bestimmen Sie – unter Nichtbeachtung schaltungsbedingter Fehler – die maximale relative Mess-
abweichung für die Berechnung der Leistung
a) aus Spannung und Widerstand.
b) aus Spannung und Strom.
c) Jetzt seien die Messabweichungen nach Betrag und Vorzeichen bekannt. Die systematische
Messabweichungen sind: ΔU/U=-0,013, ΔI/I=0,034 und ΔR/R=-0,024. Wie groß ist jetzt die maxi-
male relative Messabweichung der Leistung bei Bestimmung aus Spannung und Widerstand?

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3. Rechenübung: 48. und 49. KW
Brückenschaltungen. Fehlerrechnung.

d) Wie groß ist die maximale relative Messabweichung der Leistung bei diesen bekannten Mess-
abweichungen für die Bestimmung aus Strom und Widerstand? Auch jetzt sind wieder die
Messabweichungen entsprechend ihres Vorzeichens zu beachten.

Aufgabe 8: Kapillarviskosimeter
Zur Bestimmung der Viskosität η einer Flüssigkeit mit Hilfe eines Kapillarviskosimeters wird der
Druckabfall ∆p längs einer vom Messfluid durchströmten Kapillare benutzt. Für eine ausgebildete
laminare Rohrströmung gilt das Hagen-Poiseuille-Gesetz, das auf den folgenden Zusammenhang
führt:

πR 4 ∆p .
η =
8q V L

R bezeichnet den Kapillarradius, L die Länge der Kapillare, qV den Volumenstrom und ∆p die Druck-
differenz zwischen Ein- und Auslauf der Kapillare. Gegeben seien ∆p = (15,2 ± 0,3) kPa ,
−6
R = (3 ± 0,05) mm , L = (15 ± 0,5) mm und q V = (40 ± 3) ⋅ 10 m3 / s . Berechnen Sie den
wahrscheinlichen relativen Fehler ∆ηrel, wahr für die gemessene Viskosität.

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Anmerkung: Aufgaben mit B sind Beispielaufgaben, Aufgaben mit H sind als Hausaufgaben zu
lösen und Aufgaben mit L sind Aufgaben für den Lerngruppenbrief.