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Musterlösung

Aufgabe 1-1B: Federwaage

Ziel ist die Erstellung des Signalflussplans für eine Fe-


derwaage.
Das Eingangssignal ist die Massenänderung xe = ∆m
, das Ausgangssignal die Änderung der Zeigerposition
xa = ∆s .
Für den Signalflussplan gibt es hier zwei mögliche In-
terpretationsformen.
Einerseits kann man ihn als einfache Kette darstellen,
wobei die auf die Schale gelegte Masse zu einer Mas-
senänderung ∆m führt. Diese erzeugt eine Kraftän-
derung ∆Fm an der Feder. Dies resultiert über das
Hooksche Gesetz in einer Längenänderung der Feder
∆s1 , die ihrerseits die Anzeige um ∆s bewegt. Wir
erhalten also die untenstehende Messkette als Signal-
flussplan.

In der zweiten möglichen Darstellung bewirkt die Kraftänderung ∆Fm eine Änderung der
Lage der Anzeige, die zu einer Dehnung der Feder führt. Diese Federdehnung führt zu
einer rücktreibenden Kraft, die in einer Rückkopplung über eine subtraktive Mischstelle
in einem Kräftegleichgewicht die endgültige Auslenkung ∆s bestimmt. In diesem Fall
enthält der Signalflussplan die genannte Rückkopplung, die das Kräftegleichgewicht be-
schreibt.

Aufgabe 1-5B: Glimmlampe

Am Beispiel der nichtlinearen U-I-Kennlinie einer Glimmlampe soll die Linearisierung von
Kennlinien illustriert werden.

a)

U = f(I) der Glimmlampe für einen Wertebereich


In dieser Teilaufgabe soll die Kennlinie
des Stromes von 0 bis 100 mA gezeichnet werden. Beachten Sie, dass auf Grund der
Einheit der gegebenen Konstanten Werte für I von 0 bis 100 mA eingesetzt werden und
nicht Werte von 0 bis 0,1 A . Das Ergebnis zeigt die Grafik, wobei die im Text genannten
drei charakteristischen Punkte der Kennlinie eingezeichnet sind.
A: Zündung der Glimmlampe bei
Zündspannung

B: Haltespannung

C: oberer Endpunkt des Intervalls für die


Betriebsspannung

b)

In dieser Teilaufgabe soll an drei verschiedenen Punkten der Kennlinie eine Tangentenli-
nearisierung durchgeführt werden. Tangentenlinearisierung heißt die Ableitung der Kenn-
linie, hier nach dem Strom I, und Berechnung dieser Ableitung an den Arbeitspunkt en
I1 = 20 mA , I2 = 35 mA und I3 = 70 mA . Die Ableitung von U nach I liefert

Etan =
dU
dI
( )
= U1e − cI bIb −1 − cIb + U2dedI .

Zur Sicherheit kann die physikalische Einheit des gewonnenen Ausdruckes überprüft wer-
den, denn die physikalische Einheit von Etan muss V/mA sein. Einsetzen der Einheiten ergibt

V  1,1 
[Etan(I)] =  mA 0,1 − mA  + V = V
mA1,1  mA  mA mA

und damit die richtige physikalische Einheit der Empfindlichkeit. Einsetzen der Zahlen-
wert für I1 ,

( )
Etan(I1 ) = U1e −cI1 bI1b −1 − cI1b + U2dedI1 ,

I2 und I3 ergibt

V V V
Etan(I1 ) ≅ −0,129 , Etan(I2 ) ≅ −0,213 und Etan(I3 ) ≅ +0,319 .
mA mA mA

c)

In dieser Teilaufgabe soll an drei verschiedenen Punkten der Kennlinie eine Sekantenline-
arisierung durchgeführt werden. Sekantenlinearisierung heißt die Bildung eines Diffe-
renzenquotienten,

∆x a ∆U
Esek = = ,
∆x e ∆I

wobei in der Aufgabenstellung als Intervallbreite für die Differenzbildung der Wert von
∆I = ±10 mA angegeben ist. Die Arbeitspunkte sind die gleichen wie in Teilaufgabe b).

Die Grafik zeigt die Lage der Intervalle ∆U und ∆I für den ersten Arbeitspunkt.
Die zugehörige Rechnung ergibt

∆Ua1 U(I1 + ∆I) − U(I1 − ∆I) U(I1 + ∆I) − U(I1 + ∆I)


Esek (I1 ) = = =
∆Ie1 (I1 + ∆I) − (I1 − ∆I) 2∆I

U(I = 10 mA) − U(I = 30 mA)


=
20 mA

193,181579 − 193,922345 V V
Esek (I1 ) = ≅ −0,037 .
20 mA mA

Analoge Grafiken und Rechnungen für den zweiten und dritten Arbeitspunkt.

190,474081 − 194,386929 V V
Esek (I2 ) = ≅ −0,196
20 mA mA
197,361669 − 190,876109 V V
Esek (I3 ) = ≅ +0,324
20 mA mA

d)

Für den ersten Arbeitspunkt ergeben sich zwei sehr unterschiedliche Ergebnisse für die
Empfindlichkeit aus den beiden Linearisierungen:

V V
Etan(I1 ) ≅ −0,129 und Esek (I1 ) ≅ −0,037 .
mA mA

Der Grund ist, dass die Wahl des Intervalls ∆I1 für die Sekantenlinearisierung nicht sinnvoll
ist, da innerhalb dieses Intervalls die Kennlinie U(I) einen Wechsel der Monotonie erfährt.

Für den zweiten Arbeitspunkt ergeben sich zwei Ergebnisse für die Empfindlichkeit mit
relativ guter Übereinstimmung aus den beiden Linearisierungen:

V V
Etan(I2 ) ≅ −0,213 und Esek (I2 ) ≅ −0,196 .
mA mA

Da das gewählte Intervall ∆I2 einen in erster Näherung linearen Teil der Kennlinie über-
deckt, stimmen beide Werte für die Empfindlichkeit gut überein. Das gewählte Intervall ist
für eine Sekandenlinearisierung passend.

Für den dritten Arbeitspunkt ergeben sich zwei Ergebnisse für die Empfindlichkeit mit sehr
guter Übereinstimmung aus den beiden Linearisierungen:

V V
Etan(I3 ) ≅ +0,319 und Esek (I3 ) ≅ +0,324 .
mA mA

Das gewählte Intervall ∆I3 überdeckt einen anderen Teil der Kennlinie, der in erster Nä-
herung als linear betrachtet werden kann. Deshalb stimmen die beiden Werte für die Emp-
findlichkeit gut überein. Das gewählte Intervall ist für eine Sekandenlinearisierung pas-
send. Es kann in diesem Bereich der Kennlinie relativ frei gewählt werden, so lange die
Intervallgrenzen in diesem näherungsweise linearen Bereich der Kennlinie liegen.