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Prof. Dr. W.

Bley Sommersemester 2012


Dr. D. Macias Castillo 17. Juli 2012

Algebraische Zahlentheorie
Klausur

Nachname: Vorname:

Matrikelnr.: Fachsemester:
o PO 2007 o modularisiert
Abschluss: Bachelor Lehramt Gymnasium
o PO 2010 o nicht modularisiert

o Master o Diplom o

Hauptfach: o Mathematik o Wirtschaftsm. o Inf. o Phys. o Stat. o

Nebenfach: o Mathematik o Wirtschaftsm. o Inf. o Phys. o Stat. o

Anrechnung der Credit Points für das o Hauptfach o Nebenfach (Bachelor / Master)

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Lösen Sie bitte jede Aufgabe auf dem dafür vorgesehenen Blatt. Falls der Platz nicht ausreicht,
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entsprechenden Aufgabe.
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Viel Erfolg!

P
1 2 3 4

/8 /10 /8 /8 /34
Dieser Leistungsnachweis entspricht auch den Anforde-
rungen
nach § Abs. Nr. Buchstabe LPO I
nach § Abs. Nr. Buchstabe LPO I
UNIVERSITÄT MÜNCHEN

ZEUGNIS
Der / Die Studierende der
Herr / Frau aus
geboren am in hat im SS 2012 meine Vorlesung Algebraische Zahlentheorie I besucht.
Er / Sie hat an der die Klausur vom 17.Juli 2012 mit Erfolg teilgenommen und die

Note:

erreicht.

MÜNCHEN, den
Name:

Aufgabe 1.√ √ [2+2+4 Punkte]


Sei K = Q( 3, 7).
√ √
a) Die Zahl α = 3+2 7 ist ganz. Beschreiben Sie, wie Sie den Nachweis hierfür führen würden.
Die expliziten Rechnungen brauchen Sie nicht durchzuführen.
√ √
b) Ist der Ring Z[ 3, 7] ganz abgeschlossen? Begründen Sie Ihre Antwort!
c) Sei dK die Diskriminante von K. Zeigen Sie: dK | 26 32 72 .

Lösung: a) Es ist zu zeigen, daß das Minimalpolynom von α Koeffizienten in Z hat. Das
Minimalpolynom kann man z.B. durch
√ √ ! √ √ ! √ √ ! √ √ !
3+ 7 − 3+ 7 3− 7 − 3− 7
X− X− X− X−
2 2 2 2

berechnen.
√ √
b) R := Z[ 3, 7] ist nicht ganz abgeschlossen, da nach a) die Zahl α ganz über Z, also auch
ganz über R ist. Jedoch ist offensichtlich α 6∈ R.
c) Für die Diskriminante von R erhält man
√ √
d(R) = d(1, 3)2 d(1, 7)2 = (4 · 3)2 (4 · 7)2 = 28 32 72 .
√ √ √
Alternativ kann man d(R) = d(1, 3, 7, 21) auch aus einer der Formeln

d(R) = det TrK/Q (ωi ωj ) = det (σi (ωj ))2




√ √ √
berechnen. Hierbei ist ω1 = 1, ω2 = 3, ω3 = 7, ω4 = 21 und σ1 , . . . , σ4 sind die Einbettun-
gen von√K in einen
√ algebraischen Abschluß. √ √
Da [h1, 3, α, 21i : R] = 2 und R ⊆ h1, 3, α, 21i ⊆ OK folgt die Behauptung aus der
Formel
d(R) = [OK : R]2 dK .
Name:
Name:

Aufgabe 2.√ [2+2+2+4 Punkte]


Sei L = Q( 42).
a) Berechnen Sie explizit die Primidealzerlegungen von 2OL und 3OL .
Im weiteren sei p ein Primidealteiler der 2 und q ein Primidealteiler der 3.
b) Zeigen Sie, daß pq ein Hauptideal ist.
c) Zeigen Sie, daß p kein Hauptideal ist.
d) Berechnen Sie die Klassenzahl von L.
4 s
n!
 p
(Hinweis: Die Minkowskikonstante ist gegeben durch nn π
|dK |. Hierbei ist n = [L : Q]
und 2s die Anzahl der komplexen Einbettungen.)

Lösung: √
a) Nach dem√Polynomzerlegungsgesetz erhält man 2OL = p2 mit p = h2, 42iOL und 3OL = q2
mit q = h3, 42iOL .

b) Dies folgt sofort aus NL/Q (6 + 42) = −6.
c) Angenommen p ist ein Hauptideal. Dann gibt es α ∈ OL mit NL/Q (α) = ±2. Also gibt es
x, y ∈ Z mit x2 − 42y 2 = ±2. Also hat die Kongruenz x2 ≡ ±2(mod 21) ein Lösung. Liest man
modulo 3, so folgt jedoch, daß x2 ≡ 2(mod 21) keine Lösung hat. Modulo 7 sieht man, daß
x2 ≡ −2(mod 21) ebenfalls keine Lösung hat. Widerspruch!

d) Sei M die Minkowskischranke. Dann gilt: M = 22!2 4 · 42 < 7. Also wird die Idealklassen-
gruppe von den Primidealen der Norm kleiner 7 erzeugt. Da 5OL prim ist, folgt clL = h[p], [q]i,
wobei wir für ein gebrochenes Ideal a die Klasse von a mit [a] bezeichnen.
Wegen [p]2 = [2OL ] = 1 folgt [p] = [p]−1 . Aus b) folgt [p][q] = 1, und daher [q] = [p]−1 = [q].
Also ist clL = h[p]i = {1, [p]} und hL = 2.
Name:
Name:

Aufgabe 3. [2+2+2+2 Punkte]


Sei θ ∈ C eine Nullstelle von x4 + 1 und F = Q(θ). Es sei µF ≤ F × die Untergruppe der
Einheitswurzeln in F und µ8 ≤ C× die Gruppe der 8-ten Einheitswurzeln.
a) Zeigen Sie: µF = µ8 .

b) Zeigen Sie: Q( 2) ⊆ F .

c) Zeigen Sie: 1 + 2 ∈ OF× .

d) Zeigen Sie: h1 + 2i ⊆ OF× ist eine Untergruppe von endlichen Index.

Lösung:
a) Wegen θ4 = −1 und θ8 = 1 ist θ eine primitive 8-te Einheitswurzel. Also ist µ8 ⊆ µF .
Falls eine primitive m-te Einheitswurzel ζ mit ungeradem m in F enthalten wäre, so wäre für
jeden ungeraden Primteiler p von m auch eine primitive p-te Einheitswurzel in F enthalten.
Also auch Q(ζ8p ) ⊆ F . Wegen [Q(ζ8p ) : Q] = 4(p − 1) > 4 ist dies unmöglich. Falls eine
primitive Einheitswurzel der Form ζ2n mit n > 3 in F enthalten wäre, so würde Q(ζ2n ) ⊆ F
und [Q(ζ2n ) : Q] = 2n−1 > 4 zum Widerspruch führen.
b) Die Lage der 8-ten Einheitswurzeln kann man sich auf dem Einheitskreis vergegenwärtigen
und erhält ohne Einschränkung θ = 1+i
√ . Aus θ 2 = i folgt sofort die Behauptung.
2
√ √
c) Wegen NQ( 2)/Q (1 + 2) = −1 ist 1 + 2 sogar eine Einheit in OQ(√2) .

d) F hat 4 komplexe Einbettungen, also r = 0 und s = 2. Nach √ dem Dirichletschen Einheiten-


×
satz ist der Z-Rang von OF also gleich 1. Offensichtlich ist h1 + 2i ebenfalls frei vom Rang 1,
also von endlichem Index in OF× .
Name:
Name:

Aufgabe 4. √ [3+2+3 Punkte]


a) Sei K = Q( −1). Dann ist 3OK = p ein Primideal (dies brauchen Sie nicht zu zeigen). Sei
Kp die Komplettierung von K bezüglich dem p-adischen Betrag | · |p . Mit Op ⊆ Kp bezeichnen
wir den Bewertungsring von Kp .
Zeigen Sie, daß die Gleichung x2 = 2 eine Lösung in Op hat.
b) Sei p eine ungerade Primzahl. Zeigen Sie, daß in Qp keine p-ten Einheitswurzeln enthalten
sind.
2
c) Sei p eine ungerade Primzahl. Sei Q×p ≤ Q×p die (multiplikative) Untergruppe der Qua-
drate. Zeigen Sie:
× 2


p / Qp ' Z/2Z × Z/2Z.

Lösung: √
a) Sei i := −1 und k := OK /p der Restklassenkörper. Wegen i2 = −1 ≡ 2(mod p) und
(x2 − 2, 2x) = 1 in k[x] kann man nach Hensels Lemma (oder der Folgerung dazu) liften.
−1 p
b) Das p-te Kreisteilungspolynom f (x) := xx−1 ist irreduzibel über Qp . Dazu zeigt man, daß
f (x + 1) ein Eisensteinpolynom für p ist. Also erzeugt jede primitive p-te Einheitswurzel eine
Körpererweiterung von Qp vom Grad p − 1.
c) Wir wissen, daß
Q× a
p ' Z ⊕ Z/(p − 1)Z ⊕ Z/p Z ⊕ Zp

mit a ≥ 0 ist. Also


2

p ' 2Z ⊕ 2Z/(p − 1)Z ⊕ (2Z + pa Z)/pa Z ⊕ 2Zp

Da p ungerade ist, folgt 2Z + pa Z = Z und 2Zp = Zp und damit


2 Z/(p − 1)Z
Q× ×
p / Qp ' Z/2Z ⊕ ' Z/2Z ⊕ Z/2Z.
2Z/(p − 1)Z
Name:
Name: