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Republik China (Taiwan)


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中華民國 (臺灣)
Zhōnghuá Mínguó (Táiwān)
Republik China (Taiwan)
Flagge der Republik China

Hoheitszeichen der Republik China


Flagge Hoheitszeichen
Amtssprache Hochchinesisch;
anerkannte Nationalsprachen:
Minnan bzw. Taiwanisch,
Hakka,
16 Formosa-Sprachen der anerkannten indigenen Völker
Hauptstadt Taipeh
Staatsform Republik
Regierungssystem Semipräsidentielles System
Staatsoberhaupt Staatspräsidentin
Tsai Ing-wen
Regierungschef Premierminister
Su Tseng-chang
Fläche 36.179 km²
Einwohnerzahl 23.574.274 (Stand: Juni 2018)[1]
Bevölkerungsdichte 651 (10.) Einwohner pro km²
Bevölkerungsentwicklung ▲ +0,20 %[2] (2016)
Bruttoinlandsprodukt

Total (nominal)
Total (KKP)
BIP/Einw. (nom.)
BIP/Einw. (KKP)

2018[3]

$ 589,9 Milliarden (21.)


$ 1.252,0 Milliarden (22.)
$ 25.008 (39.)
$ 53.074 (18.)

Index der menschlichen Entwicklung ¹ 0.907 (21.) (2017)[4][5]


Währung Neuer Taiwan-Dollar NT$ (TWD)
Gründung 1. Januar 1912
Nationalhymne San Min Chu-i
0:00

inoffiziell auch: Flaggenlied


0:00
Nationalfeiertag 10. Oktober (Wuchang-Aufstand 1911)
Zeitzone UTC+8 = MEZ+7 (keine Sommerzeit)
Kfz-Kennzeichen RC
ISO 3166 TW, TWN, 158
Internet-TLD .tw, .台灣 und .台湾
Telefonvorwahl +886
¹Als Nichtmitglied der UN wird die Republik China im Human Development Report nicht
berücksichtigt. Die nationale Statistikbehörde berechnet daher nach den gleichen
Methoden einen eigenen Wert für den HDI. Die Platzierung in der Rangliste spiegelt
den Rang wider, den die Republik China erhalten würde, würde sie berücksichtigt
werden.
Taiwan on the globe (Japan centered).svg
Über dieses Bild

Republik China (Taiwan) (Taiwan)


Taipeh
Taipeh
Keelung
Keelung
Zhongli
Zhongli
Hsinchu
Hsinchu
Su’ao
Su’ao
Taichung
Taichung
Hualien
Hualien
Chiayi
Chiayi
Tainan
Tainan
Taitung
Taitung
Kaohsiung
Kaohsiung
Yushan
Yushan
VOLKSREPUBLIK
CHINA
PAZIFIK
SÜDCHINESISCHES MEER
OSTCHINESISCHES MEER
PHILIPPINENSEE
FORMOSA-
STRASSE
Penghu-Inseln
Lan Yu
Lü Dao
Kinmen
Matsu

Die Republik China (chinesisch 中華民國, Pinyin Zhōnghuá Mínguó, IPA


(hochchinesisch) [ʈ
ʈ ʂʊʊŋxuu ɑɑ mǐnkuu ɔɑ]), weithin bekannt als Taiwan, in der Schweiz und
in Österreich amtlich Taiwan (Chinesisches Taipei),[6][7][8][9] auch Taiwan (ROC)
[10] bzw. Republik China auf Taiwan[9] genannt, ist ein demokratischer Inselstaat
in Ostasien. Sein Territorium besteht aus der Hauptinsel Taiwan (99 %) und anderen
kleineren Inseln.[9] Der Staat hatte im Jahr 2016 eine Bevölkerung von rund 23,5
Millionen Menschen.[11]

Die Republik China wurde nach der Xinhai-Revolution auf dem chinesischen Festland
am 1. Januar 1912 in Nanking ausgerufen. Die Insel Taiwan, von 1895 bis 1945 unter
Herrschaft des japanischen Kaiserreichs, fiel erst nach dem Zweiten Weltkrieg an
die Republik China. 1949 – nach der Niederlage im Bürgerkrieg gegen die
Kommunistische Partei und der Gründung der Volksrepublik China – zogen sich die
Regierung, Eliten und Streitkräfte der Republik China auf die Insel Taiwan zurück.
Dort etablierte die von Chiang Kai-Shek geführte Staatspartei Kuomintang unter
Beibehaltung des Ausnahmezustands eine mehrere Jahrzehnte andauernde
Einparteienherrschaft. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war von hohem
Wirtschaftswachstum gekennzeichnet, gegen Ende der 1980er Jahre ließ die Kuomintang
eine schrittweise Demokratisierung zu. Heute ist die Republik China auf Taiwan ein
technisch hochentwickelter, demokratisch verfasster Industriestaat.

Auch nach der Ausrufung der Volksrepublik China 1949 vertrat die Regierung der
Republik China auf Taiwan den chinesischen Staat zunächst bei den Vereinten
Nationen und war ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats. Als Folge der Ein-
China-Politik der Volksrepublik brachen aber immer mehr Staaten ihre diplomatischen
Beziehungen zur Republik China ab, die 1971 auch ihre UN-Mitgliedschaft an die
Volksrepublik abgeben musste. 1979 brachen schließlich auch die USA die
diplomatischen Kontakte ab, nachdem sie offizielle Beziehungen zur Volksrepublik
aufgenommen hatten (Taiwan Relations Act). Nur eine Minderheit der
Staatengemeinschaft unterhält heute formal diplomatische Beziehungen mit der
Regierung in Taipeh. Die völkerrechtliche Stellung der Republik China auf Taiwan
ist bis heute umstritten und Gegenstand des Taiwan-Konflikts.
Inhaltsverzeichnis

1 Landesbezeichnung
2 Geographie
3 Bevölkerung
3.1 Demografie
3.1.1 Zukünftige Entwicklung der Bevölkerung, demografischer Wandel
3.1.2 Einwanderung nach Taiwan
3.1.3 Tierkreiszeichen und Geburtenrate
3.2 Ethnien
3.3 Sprachen und Schrift
3.3.1 Amtssprachen
3.3.2 Schriftsysteme
3.4 Religion
3.4.1 Buddhismus, Daoismus und Konfuzianismus
3.4.2 Christentum
3.4.3 Islam
3.4.4 Religionen der Ureinwohner
3.4.5 Judentum
4 Geschichte
5 Politik
5.1 Regierungssystem
5.1.1 Verfassung
5.1.2 Yuans (Staatsräte)
5.2 Außenpolitik
5.2.1 Verhältnis zur Volksrepublik China
5.2.2 Internationale Anerkennung
5.2.3 Freihandelsabkommen
6 Verwaltung
6.1 Administrative Gliederung
6.2 Gegenwärtig tatsächlich kontrollierte Gebiete
6.2.1 Regierungsunmittelbare Städte
6.2.2 Landkreise und kreisfreie Städte
7 Militär
7.1 Struktur der Streitkräfte Taiwans
7.2 Planungen zur Einführung einer Berufsarmee
7.3 Militärische Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten
8 Sozialsystem
8.1 Medizin und Gesundheitswesen
8.2 Rentenversicherung
9 Wirtschaft
9.1 Das Taiwan-Wunder
9.2 Neuere Wirtschaftsentwicklung
9.3 Staatshaushalt
9.4 Energiewirtschaft
9.4.1 Elektrizitätsversorgung
9.4.2 Sonstiges
10 Infrastruktur
10.1 Verkehr
10.1.1 Straßen
10.1.2 Schienenverkehr
10.1.3 Lufttransport
10.1.4 Seetransport
10.1.5 Pipelines
10.2 Einkaufsmöglichkeiten
10.3 Entsorgung
11 Kultur und Wissenschaft
11.1 Kultur
11.1.1 Literatur
11.1.2 Theater
11.1.3 Kino
11.1.4 Musik
11.1.5 Fotografie
11.2 Zeitrechnung und Feiertage
11.3 Bildung und Wissenschaft
11.3.1 Bildungssystem
11.3.2 Universitäre Bildung und Wissenschaft
11.4 Medien
11.5 Sport
11.5.1 Badminton
11.5.2 Baseball
11.5.3 Basketball
11.5.4 Radsport
11.5.5 Fußball
11.5.6 Marathon
11.5.7 Tennis
12 Tourismus
12.1 Ureinwohner-Kultur
12.2 Steinzeitfunde im Dorf Beinan
12.3 Heiße Quellen
12.4 Nationalparks
12.4.1 Kenting-Nationalpark
12.4.2 Yangmingshan-Nationalpark
12.4.3 Taroko-Nationalpark
12.4.4 Shei-Pa-Nationalpark
12.4.5 Kinmen-Nationalpark
12.5 Museen
12.5.1 Das Nationale Palastmuseum
12.5.2 Das Nationale Geschichtsmuseum
12.5.3 Museum für moderne Kunst
12.5.4 Nationales Kunstmuseum
12.5.5 Chronologie
13 Persönlichkeiten
14 Siehe auch
15 Literatur
16 Weblinks
17 Einzelnachweise

Landesbezeichnung

Die amtliche Eigenbezeichnung lautet weiterhin Republik China, dennoch ist sowohl
innerhalb als auch außerhalb des Landes die Bezeichnung Taiwan üblich, wobei dies
mit zunehmender Betonung der taiwanischen Eigenständigkeit einhergeht.[12][13]
Staatliche Stellen verwenden in an internationales Publikum gerichteten Texten
inzwischen ebenfalls den Namen Taiwan und Hilfskonstruktionen wie Republik China
auf Taiwan oder Republik China (Taiwan), um dieser Entwicklung gerecht zu werden.
[14] Auch tragen hergestellte Artikel die Bezeichnung „Made in Taiwan“.

Der ungelöste Taiwan-Konflikt erschwert der Republik China auf Taiwan den Beitritt
zu internationalen Organisationen und die Teilnahme an internationalen
Veranstaltungen, unabhängig davon, ob Republik China oder Taiwan als
Landesbezeichnung benutzt wird. In den letzten Jahrzehnten sind daher weitere
Begrifflichkeiten entstanden, um diese Problematik zu umgehen. Verbreitung erlangte
insbesondere Chinesisch Taipeh, unter der die Republik China 1979 dem
Internationalen Olympischen Komitee beitrat und an Olympischen Spielen teilnimmt.
Weitere internationale Organisationen, vor allem – aber nicht nur – im Bereich
Sport, haben diese Regelung übernommen.
Geographie
→ Hauptartikel: Geographie der Insel Taiwan

Das Verwaltungsgebiet der Republik China umfasst seit 1949 eine Gesamtfläche von
36.179 km², was etwa der Größe Baden-Württembergs entspricht.

Den Hauptteil stellt die Insel Taiwan im westlichen Pazifik mit einer Fläche von
35.801 km². Weitere Gebiete sind:

die Inselgruppe der Pescadoren (Penghu),


die Matsu-Inseln
die Insel Quemoy (Kinmen) mit den Inseln Großqiu und Kleinqiu,
sowie einige weitere kleine Inseln.

Angrenzende bzw. berührte Hoheitsgebiete sind im Norden und Osten Japan (Ryūkyū-
Inseln), im Westen die Volksrepublik China, im Süden die Philippinen.
Bevölkerung
Bevölkerungspyramide 2016: Taiwan altert stark
Die Bevölkerung konzentriert sich vor allem in den westlichen Küstenregionen
(Datenstand: 2011):
>40.000/km²
20.001 – 40.000/km²
10.001 – 20.000/km²
5001 – 10.000/km²
3001 – 5000/km²
1001 – 3000/km²
501 – 1000/km²
301 – 500/km²
101 – 300/km²
0 – 100/km²
Demografie

Taiwans Bevölkerung wuchs von 1950 bis 2015 rasant von 7 auf 23 Millionen an und
damit prozentual gesehen deutlich stärker als in der Volksrepublik China.
Inzwischen liegt die Einwohnerwachstumsrate aber nur noch bei 0,2 % jährlich. Das
mediane Alter der Bevölkerung Taiwans betrug 2016 40,2 Jahre. 13 % der Bevölkerung
waren unter 15 Jahre alt und 13 % der Bevölkerung über 65 Jahre alt. Die
Geburtenrate war 2016 mit 1,12 Kindern pro Frau eine der niedrigsten der Welt
(Vergleichszahlen für andere asiatische Länder im Jahr 2015: Hongkong 1,20,
Südkorea 1,24, Singapur 1,24, Japan 1,46).[15] Taiwan hatte damit eine niedrigere
Geburtenrate als die Volksrepublik China, obwohl es nie eine Ein-Kind-Politik
eingeführt hatte. Taiwan ist deshalb eine der am schnellsten alternden
Gesellschaften der Welt und bis 2050 könnte das Durchschnittsalter auf 56 Jahre
steigen, was eine große Herausforderung für Renten- und Gesundheitssysteme
darstellen dürfte.[16]
Zukünftige Entwicklung der Bevölkerung, demografischer Wandel

Das nationale statistische Amt Taiwans erwartet, dass die Sterberate die
Geburtenrate ab dem Jahr 2021 bis 2025 übertreffen wird, so dass ab diesem
Zeitpunkt die Bevölkerung abnehmen wird (sofern keine größere Netto-Einwanderung
erfolgt). Um diesen Zeitpunkt herum wird die Bevölkerung Taiwans mit 23,7 bis 23,8
Millionen ein Maximum erreichen. Die Bevölkerungsprognosen für das Jahr 2060
bewegen sich zwischen 17,3 und 19,7 Millionen, also etwa soviel Einwohner, wie
Taiwan Anfang der 1980er Jahre hatte. Die Bevölkerung im Erwerbsalter (15–64 Jahre)
wird nach diesen Prognosen zwischen 2022 und 2060 von 17,2 Millionen auf 9,6
Millionen sinken und die Zahl der Rentner (> 64 Jahre) von 3,2 Millionen auf 7,2
Millionen steigen.[15]
Bevölkerungsentwicklung in Millionen Einwohnern[17]
Jahr Einwohnerzahl Jahr Einwohnerzahl
1950 7.623.000 1990 20.312.000
1955 9.022.000 1995 21.229.000
1960 10.702.000 2000 21.840.000
1965 12.650.000 2005 22.603.000
1970 14.693.000 2010 23.102.000
1975 16.233.000 2015 23.486.000
1980 17.717.000 2030 24.151.000
1985 19.130.000 2050 22.771.000

Quelle: UN, Zahlen für 2030 und 2050 sind Prognosen[18]


Einwanderung nach Taiwan

Obwohl Taiwan historisch betrachtet ein ausgesprochenes Einwanderungsland ist –


etwa 95 Prozent der heute dort lebenden Bevölkerung sind Nachkommen von
Einwanderern, die in den letzten 350 Jahren auf die Insel gekommen sind –,
verfolgte die Republik China auf Taiwan seit 1949 lange Zeit eine relativ
restriktive Einwanderungspolitik. Es gab kaum eine nennenswerte Einwanderung aus
anderen asiatischen Ländern nach Taiwan. Nach der Demokratisierung Anfang der
1990er Jahre nahm die Immigration nach Taiwan allmählich zu. Im Zeitraum zwischen
1992 und 2015 stieg die Zahl der in Taiwan lebenden Personen mit nicht-taiwanischer
Staatsbürgerschaft von etwa 44.400 (ca. 0,2 % der Gesamtbevölkerung) auf 637.800
(ca. 2,8 %).[19] Angesichts der absehbaren demografischen Veränderungen wird in
Regierungskreisen seit einigen Jahren laut über eine direkte Förderung
qualifizierter Einwanderung nachgedacht.[20]

Die Regierung der 2016 neu ins Amt gewählten Präsidentin Tsai Ing-wen legte den
Plan der „Neuen Politik der Südausrichtung“ (New Southbound Policy) vor, der die
Beziehungen zu 18 südostasiatischen Staaten, darunter die ASEAN-Staaten,
Australien, Neuseeland und Indien, intensivieren soll. Dieser Plan sieht auch einen
verstärkten Austausch von Personen, konkret eine erleichterte Immigration nach
Taiwan aus diesen Staaten vor. Weitere Regierungsprogramme sehen die erleichterte
Erteilung von Daueraufenthaltsgenehmigungen für ausländische Fachkräfte, die
erleichterte Einbürgerung von ausländischen Ehefrauen, die Beibehaltung der
bisherigen Staatsbürgerschaft bei der Einbürgerung von Hochqualifizierten und
andere Maßnahmen vor.[21][22][23] Kommentatoren wiesen allerdings auch darauf hin,
dass die gesamte taiwanische Gesellschaft bei einer Einwanderung in größerem Stil
mit umfassenden Änderungen und bisher nicht gekannten Phänomenen konfrontiert
würde.[24]
Tierkreiszeichen und Geburtenrate

Die Tierkreiszeichen (Erdzweige) des chinesischen Kalenders, die sich in einem 12-
Jahres-Zyklus wiederholen, haben traditionell einen Einfluss auf die Geburtenrate.
In den Jahren des Drachens (u. a. 1988, 2000, 2012), einem verheißungsvollen
Tierkreiszeichen, war die Geburtenrate immer besonders hoch, da Personen, die in
einem Drachenjahr geboren wurden, traditionell erstrebenswerte
Charaktereigenschaften und Fortüne zugeschrieben wurden (Glück, Macht, Intelligenz,
Lebenskraft). Im Jahr 2012 wurden 229.481 Geburten in Taiwan gezählt – so viele wie
seit 2003 nicht mehr, wobei allerdings auch Anreize der Regierung zur Steigerung
der Geburtenrate eine Rolle gespielt haben können. In den Jahren des Tigers (u. a.
1986, 1998, 2010) war die Geburtenzahl dagegen tendenziell niedriger, da Personen,
die in diesen Jahren geboren werden, zwar Mut und Tatkraft zugeschrieben wird, aber
auch ein schwieriger Charakter. Die Geburtenzahl im Jahr 2010 lag in Taiwan mit
166.886 bei einem Allzeittief und war auch weltweit mit die niedrigste Rate.[25]
Ethnien

In der heutigen Republik China leben ungefähr 23 Millionen Menschen, die sich
mehrheitlich als Taiwaner bezeichnen und auch im Ausland so genannt werden. Die
größte Bevölkerungsgruppe stellen mit 98 Prozent Menschen vorwiegend han-
chinesischer Abstammung, die im Einzelnen in die Untergruppen der Hoklo (70 %),
Hakka (14 %) und Waishengren (im Deutschen oft „Festlandchinesen“ genannt, 14 %)
untergliedert werden. Bei den erstgenannten Gruppen handelt es sich um Nachkommen
von Einwanderern, die vorwiegend zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert vom
chinesischen Festland nach Taiwan kamen und sich mit der Urbevölkerung teilweise
vermischten. Bei den Waishengren handelt es sich um Menschen, die vorwiegend
zwischen 1945 und 1949, vor allem jedoch 1949 im Gefolge der im Chinesischen
Bürgerkrieg unterlegenen Kuomintang aus allen Teilen Chinas nach Taiwan
übersiedelten, bzw. ihre Nachkommen.

Neben diesen Gruppen mit Wurzeln auf dem chinesischen Festland leben vor allem in
abgelegenen Regionen noch Angehörige der indigenen Völker Taiwans, sie machen heute
etwa 2 % der Gesamtbevölkerung aus. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs sind sie zwar
in hohem Maß von der chinesischstämmigen Bevölkerungsmehrheit assimiliert worden,
doch gibt es seit Mitte der 1990er Jahre Bestrebungen, die Kultur und die Sprachen
der Ureinwohner zu bewahren. Als ethnische Minderheiten offiziell anerkannt sind
die 16 Völker der Amis, Atayal, Bunun, Kavalan, Paiwan, Puyuma, Rukai, Saisiyat,
Sakizaya, Tau, Thao, Tsou, Truku, die Sediq (seit 2008) sowie die Hla’alua und
Kanakanavu (seit 2014).[26]

Die Republik China weist mit etwa 640 Einwohnern pro Quadratkilometer nach
Bangladesch die zweithöchste Einwohnerdichte aller Flächenstaaten der Welt auf.
Auch infolge des hohen Gebirgsanteils Taiwans konzentriert sich die Bevölkerung in
den westlichen Ebenen sowie im Norden der Insel um die Hauptstadt Taipeh.
Entsprechend hoch ist dort die Verstädterungsrate mit einer zunehmenden
Konzentration auf die Agglomeration von Taipeh. Weitere Siedlungsschwerpunkte
finden sich um Taichung und Tainan entlang der Westküste bis zur südlichen
Hafenstadt und zweitgrößten Metropole Kaohsiung. In Städten leben um die 75 Prozent
der Bevölkerung. 22 Prozent der Einwohner sind unter 15 Jahren.
Sprachen und Schrift
Die am häufigsten gesprochenen Sprachen nach Gemeinden (2010):
Mandarin,
Min-Nan,
Hakka,
Malayo-polynesische Sprachen
Sprachgebrauch nach Geburtsjahrgang: während bei den vor 1945 Geborenen noch
deutlich die Taiwanische Sprache dominierte, ist im längeren zeitlichen Verlauf
seit 1945 bei den jüngeren Generationen eine kontinuierliche Zunahme des Gebrauchs
des Hochchinesischen zu beobachten
Amtssprachen

Nach der Übernahme der Insel Taiwan durch die Republik China im Jahr 1945 wurde
Hochchinesisch (die Standardvarietät des Mandarin) alleinige Amtssprache. Zuvor,
unter japanischer Herrschaft, war dies das Japanische gewesen. Die Mehrheit der
alteingesessenen Bevölkerung sprach allerdings Taiwanisch, eine Variante des
südlichen Min (Min Nan). Daneben gab es Minderheiten von Hakka-Sprechern und die
austronesischen Ureinwohner-Sprachen (Formosa-Sprachen). Auch unterstützt durch den
Zustrom von Millionen Zuwanderern vom chinesischen Festland am Ende des
chinesischen Bürgerkriegs wurde das Hochchinesische rasch zur Sprache sämtlicher
Amtsgeschäfte und zur lingua franca Taiwans. Dieser Trend hin zum Hochchinesischen
hat sich bis in die Gegenwart fortgesetzt. Andere chinesische Sprachen wie etwa
Kantonesisch, die mit festlandchinesischen Flüchtlingen nach Taiwan kamen, sind
heute nahezu verschwunden. Die anderen genannten Sprachen wurden zunächst nicht
staatlicherseits gefördert. Dies änderte sich erst allmählich nach der
Demokratisierung, die Ende der 1980er einsetzte. Die traditionellen
Regionalsprachen erhielten danach zunehmende Möglichkeiten, sich im öffentlichen
Raum zu entfalten.

Die Anerkennung und Förderung der Vielsprachigkeit Taiwans war insbesondere ein
Anliegen der seit 2014 amtierenden DPP-Regierung unter Präsidentin Tsai Ing-wen.
Das am 14. Juni 2017 in Kraft getretene Gesetz zur Entwicklung der indigenen
Sprachen garantiert den Sprachen der 16 offiziell anerkannten indigenen Völker
Taiwans eine besondere staatliche Förderung.[27] Auch Hakka ist eine besonders
geförderte Sprache der Republik.[28] Premierminister Lai Ching-te erklärte am 27.
August 2018, dass 2019 Englisch eine Amtssprache Taiwans werden solle. Begründet
wurde dies mit der dann besseren internationalen Vernetzung Taiwans.[29][30]

In der Eisenbahn, den Hochgeschwindigkeitszügen sowie in den U-Bahnen Metro Taipei


und MRT Kaohsiung werden die Stationen auf Hochchinesisch, Taiwanisch, Hakka und
Englisch angesagt.

Exakte Aussagen zur Frage, wie viele Personen eine bestimmte Sprache als
Muttersprache sprechen, sind nicht möglich, da die taiwanische Statistikbehörde bei
ihren Erhebungen danach fragt, welche Sprachen zu Hause gesprochen werden. Als
Antwort können mehrere Sprachen angegeben werden, was die große Mehrheit der
Befragten auch tut. Die Muttersprache wird bei dieser Befragung nicht explizit
gekennzeichnet. Die Erhebung aus dem Jahr 2010 ergab folgende Zahlen:
Hochchinesisch 83,5 %, Taiwanisch 81,9 %, Hakka 6,6 %, indigene Sprachen 1,1 %,
andere 2,0 %.[31] Hochchinesisch wird von der großen Mehrheit zumindest als
Zweitsprache gesprochen.
Schriftsysteme

Anders als in der Volksrepublik China werden in Taiwan weiterhin die traditionellen
chinesischen Schriftzeichen, die Langzeichen, verwendet. Für die lateinische
Umschrift der chinesischen Zeichen sind verschiedene Systeme in Gebrauch. Seit 2009
wird Hanyu Pinyin, die offizielle Umschrift in der Volksrepublik China, auch in der
Republik China zur Umschrift von Ortsnamen verwendet, mit Ausnahme der Namen der
regierungsunmittelbaren Städte, Landkreise und kreisfreien Städte, für die
weiterhin die international gebräuchlichen Umschriften (meist Wade-Giles) verwendet
werden. Daneben wird noch Tongyong Pinyin, die bis 2008 offizielle Umschrift,
benutzt. Da auch noch Umschriften nach Wade-Giles in Gebrauch sind, erscheinen
viele Ortsnamen auf Karten und Wegweisern in verschiedenen zum Teil deutlich
voneinander abweichenden lateinischen Schreibweisen.

Die Sprachen der Ureinwohner Taiwans gehören der austronesischen Sprachfamilie an.
Sie wurden zum Teil von Missionaren mit dem lateinischen Alphabet verschriftet.

Zu Hause gesprochene Sprachen nach dem Zensus von 2010

Mandarin

Minnan
Hakka

Austronesische Sprachen

Religion
Konfuzius-Tempel in Tainan. Die vier Zeichen am Eingangsbrett besagen „Erste Schule
in ganz Taiwan“
Buddhismus, Daoismus und Konfuzianismus

Die Religionen mit den meisten Anhängern sind Buddhismus und Daoismus, die jeweils
Elemente der anderen Religion übernehmen, sodass die Trennlinie zwischen ihnen
fließend ist. Anhänger des Konfuzianismus bilden eine kleine Minderheit.
Christentum

Der Anteil der Christen an der Gesamtbevölkerung Taiwans betrug laut einer
Volkszählung im Jahr 2005 3,9 Prozent.[32] Neuere Schätzungen geben Anteile von
mehr als vier[33] bzw. mehr als fünf Prozent an.[34] Die Ureinwohner haben in den
vergangenen Jahrzehnten größtenteils den christlichen Glauben angenommen, der
Katholiken, Protestanten, neuapostolische Christen und Mormonen einschließt. Erste
Missionierungen gab es im 17. Jahrhundert durch Niederländer und Spanier.
Islam

Seit dem 17. Jahrhundert existieren auch Muslime auf Taiwan. Momentan leben über
210.000 Muslime in der Republik China. Das entspricht etwa 0,3 Prozent der
Einwohner. Zu ihnen zählen etwa 60.000 einheimische Muslime (etwa 90 % von ihnen
Hui) sowie über 150.000 eingewanderte Muslime, vor allem aus Indonesien (ca.
110.000) und anderen südostasiatischen Ländern, darunter Malaysia, Thailand und die
Philippinen.[35]
Religionen der Ureinwohner

Die Ureinwohner sind seit etwa 1960 überwiegend christianisiert. Innerhalb vieler
katholischer Gemeinden gibt es jedoch nach wie vor männliche und weibliche
Schamanen, die ihre traditionellen Praktiken ausführen. Insbesondere bei
unheilbaren Krankheiten, Schuldgefühlen gegenüber Verstorbenen, schweren
Familienkrisen oder Verlusten werden sie konsultiert. Einige der Schamanen
bezeichnen sich durchaus als Katholiken; sie verbinden die Vorstellungen in
synkretistischer Weise.[36]
Judentum

Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts ist auf Taiwan auch eine jüdische Gemeinde
vorhanden. Momentan zählt sie etwa 400 Mitglieder.[37]
Geschichte
→ Hauptartikel: Geschichte Chinas, Republik China (1912–1949) und Geschichte
Taiwans
Das von der Republik China ursprünglich beanspruchte und kontrollierte Gebiet.

Nach dem Ende des Pazifikkrieges 1945 kapitulierte Japan auf Generalbefehl Nr. 1
des Oberkommandierenden der Alliierten Mächte, Douglas MacArthur, vor dem
Generalissimus Chiang Kai-shek. Dabei wurde die Insel Taiwan (damals: Formosa) nach
fünfzig Jahren japanischer Kolonialherrschaft an die Republik China übergeben. Kurz
darauf brach auf dem chinesischen Festland der Bürgerkrieg zwischen der Kuomintang
und den Kommunisten erneut aus. Nach der Niederlage Chiang Kai-sheks zogen sich die
Regierung und die Armee der Republik China auf die Insel Taiwan zurück, wodurch
Taiwan und einige kleinere Inseln anderer Provinzen zum alleinigen
Herrschaftsgebiet der Republik China wurden. Die Kommunisten gründeten auf dem
Festland die Volksrepublik China. Die Republik China auf Taiwan wurde, in
Abgrenzung zur Volksrepublik, auch Nationalchina oder National-China genannt.
Offizielle Proklamation des Kriegsrechts am 20. Mai 1949
Nach den traumatischen Ereignissen mit der Niederlage gegen die Kommunisten auf dem
chinesischen Festland herrschte bei der nationalchinesischen Regierung eine fast
paranoide Furcht vor kommunistischen Umsturzversuchen auf der als einzigem
Territorium verbliebenen Insel Taiwan. Jegliche oppositionelle Regungen wurden
rigoros unterdrückt. Ab dem 20. Mai 1949 bestand ein landesweiter Ausnahmezustand.
[38] Die Kuomintang sah sich als einzig legitimierte Regierung ganz Chinas und
wollte nur Wahlen der Bürger ganz Chinas akzeptieren. Daher wurden die Neuwahlen
des Parlaments unbefristet ausgesetzt. Die bei der letzten gesamtchinesischen Wahl
1948 gewählten Abgeordneten sollten ihre Mandate bis zur Vereinigung Chinas unter
der Verfassung der Republik China behalten. Da die Abgeordneten dieses 1948
gewählten Parlaments (der Nationalversammlung) ganz überwiegend der Kuomintang
angehörten oder diese unterstützten, bedeutete dies die quasi-Einparteienherrschaft
der KMT. Das Frauenwahlrecht wurde 1953 eingeführt.[39] Ab 1971 wurden sogenannte
Ergänzungswahlen zugelassen, durch die die mittlerweile verstorbenen Mitglieder des
Parlaments nachbesetzt wurden.

Gegen Ende der 1980er Jahre begann in Taiwan unter der Kuomintang-Regierung eine
Demokratisierung. Die seit 1948 geltenden Notstandsklauseln wurden aus der
Verfassung entfernt und neue Parteien neben der Kuomintang zugelassen. Am 14. Juli
1987 wurde auch der seit 1949 ununterbrochen geltende Ausnahmezustand offiziell
beendet.[38][40] 1992 wurde die Verfassung nach einer freien Parlamentswahl
geändert und die Direktwahl statt der bisherigen indirekten Wahl des Präsidenten
eingeführt. 1996 fand die erste direkte Präsidentschaftswahl statt, die der seit
1988 amtierende Präsident Lee Teng-hui von der Kuomintang gewann.
Die Ergebnisse der bisherigen Präsidentenwahlen auf Taiwan.
Demokratische Fortschrittspartei (DPP)
Kuomintang (KMT)
Qinmindang (ehemals KMT)
Unabhängiger (ehemals KMT)
Unabhängiger (ehemals KMT)

Bis Oktober 1971 gehörte die Republik China (auf Taiwan) als einziger
Nachfolgestaat der ehemaligen, zwischen 1911 und 1949 bestehenden Republik China
den Vereinten Nationen an. Mit der Resolution 2758 der UN-Generalversammlung vom
25. Oktober 1971 verlor sie diese Stellung an die Volksrepublik China. Seitdem wird
die Republik China international nur noch von wenigen Staaten anerkannt. Viele
Taiwaner wünschen für sich eine stabile, internationale Stellung. Die Regierung der
Volksrepublik China jedoch betrachtet Taiwan als eine „abtrünnige Provinz“[41] und
droht eine militärische „Rückgewinnung“ der Insel an, falls Taiwan sich für
unabhängig erklären sollte (siehe Anti-Abspaltungsgesetz), obwohl Taiwan noch nie
unter der Herrschaft der Volksrepublik China stand. Die meisten westlichen
Regierungen halten einerseits an der Ein-China-Politik fest und ächten andererseits
jede militärische Drohung. Die USA erließen 1979 ein Gesetz (Taiwan Relations Act),
durch das sie einerseits die diplomatischen Kontakte zu Taiwan abbrachen, sich aber
zugleich verpflichten, Taiwan Hilfe gegen jede militärische Bedrohung zu leisten.
Das schließt nicht notwendigerweise eine militärische Intervention der USA ein –
gemeint ist vor allem der Verkauf von Waffen mit Defensivcharakter an Taiwan. Des
Weiteren existieren die Sechs Zusicherungen der USA an Taiwan von 1982. Im März
2018 unterzeichnete US-Präsident Donald Trump eine vom Kongress verabschiedete
Vorlage, die Reisen hochrangiger US-Vertreter nach Taiwan und Besuche aus Taiwan
auf allen Ebenen ausdrücklich unterstützt.[42]

Die Präsidentschaftswahlen 2000 und 2004 gewann die Demokratische


Fortschrittspartei (DPP). Die Regierung unter dem von 2000 bis 2008 amtierenden
Präsidenten Chen Shui-bian hatte in Wahlprogrammen die Ausarbeitung einer neuen
Verfassung versprochen, was die Abschaffung der alten republikanischen Verfassung
bedeuten würde, in der zum Beispiel der Name „Republik China“ sowie die
Staatsgrenze festgeschrieben waren. Unter internationalem, vor allem US-
amerikanischem Druck verzichtete die Regierung darauf, diese Passage anzutasten,
und Chen Shui-bian proklamierte die Politik der fünf Neins. Trotzdem wurde der
Wiedervereinigungsrat aufgelöst, was zu heftigen Drohungen seitens der
Volksrepublik China führte. Die Parlamentswahlen in den Jahren 2008 und 2012 wurden
durch die Kuomintang gewonnen, deren Kandidat Ma Ying-jeou auch die
Präsidentschaftswahl im Jahr 2008 und im Jahr 2012 gewann, wodurch dieser Konflikt
zunächst entschärft wurde. Am 7. November 2015 trafen sich der Präsident Ma Ying-
jeou und der Präsident der Volksrepublik Xi Jinping in Singapur. Bei diesem
symbolischen Treffen wurden weder Verträge noch gemeinsame Erklärungen
unterzeichnet.[43][44]

Bei der taiwanischen Präsidentenwahl sowie der Parlamentswahl im Januar 2016 siegte
die Oppositionspartei DPP. Neben der gewählten Präsidentin Tsai Ing-wen stellt sie
zum ersten Mal in der Geschichte auch die Mehrheit im Parlament.
Politik
Präsidentenpalast (Taipeh)

Die Republik China ist seit der Überwindung der Einparteienherrschaft in den
1990ern eine Demokratie, und der Präsident sowie die Abgeordneten des Einkammer-
Parlaments werden seit den 1990er-Jahren in freien, gleichen und geheimen Wahlen
gewählt. Die taiwanische Demokratie hat aus Sicht einiger westlicher Beobachter
über die Grenzen Taiwans hinausreichende Bedeutung, insofern als Taiwan als Modell
für eine zukünftige Demokratisierung der Volksrepublik China gesehen wird, da in
unmittelbarer Nähe zur autoritär regierten Volksrepublik das Modell einer
pluralistisch-demokratischen chinesischen Gesellschaft exerziert werde.[45][46][47]
Im Demokratieindex 2016 belegt Taiwan Platz 33 von 167 Ländern und Territorien.[48]
In den Freiheitsindex-Länderlisten 2017 und 2018 der US-amerikanischen
Nichtregierungsorganisation Freedom House erhielt Taiwan Punktwerte von 91 bzw. 93
und damit bessere Werte als traditionell demokratisch verfasste Staaten wie die
USA, Frankreich oder Italien.

Vor der Demokratisierung war die 1947 noch gesamtchinesisch gebildete


Nationalversammlung im Amt. Mit der Begründung, dass gesamtchinesische Neuwahlen
nicht möglich waren, und um den gesamtchinesischen Vertretungsanspruch nicht
aufzugeben, wurde ihre ursprünglich auf sieben Jahre angelegte Amtszeit auf
unbestimmte Zeit verlängert, was ihr auch die Bezeichnung „Langes Parlament“
einbrachte.

Bis 1992 regierte die Kuomintang, die die Nationalversammlung kontrollierte,


praktisch als alleinige Partei. Im Zuge der Demokratisierung gab die
Nationalversammlung ihre Kompetenzen schrittweise an den 1992 erstmals frei
gewählten Legislativ-Yuan ab, bis sie sich 2005 endgültig auflöste.

Die heutige Parteienlandschaft der Republik China ist hauptsächlich von zwei
politischen Blöcken geprägt: der pan-grünen Koalition (chinesisch 泛綠聯盟 / 泛绿联盟,
Pinyin Fànlǜ liánméng), bestehend aus der Demokratischen Fortschrittspartei (DPP),
der Taiwanischen Solidaritätsunion (TSU) und der kleineren Taiwan-
Unabhängigkeitspartei (TAIP), und der pan-blauen Koalition (chinesisch 泛藍聯盟 / 泛
蓝联盟, Pinyin Fànlán Liánméng), bestehend aus der Kuomintang (KMT), der Qinmindang
(„Volksnahen Partei“, PFP) und der kleineren Xindang („Neue Partei“, CNP). Dabei
stammen die farblichen Bezeichnungen von den Parteiflaggen der beiden großen
Volksparteien DPP und KMT. Im Verhältnis zur Volksrepublik China strebt das grüne
Lager eine „formelle Unabhängigkeit“ Taiwans an, während das blaue Lager die
Beibehaltung des Status quo befürwortet. Langfristig wird von Teilen des blauen
Lagers eine Wiedervereinigung Chinas unter demokratischen Voraussetzungen
angestrebt.

Bis zum Jahr 1992 wählte die Nationalversammlung den Staatspräsidenten. Im Jahr
1994 erfolgte eine Verfassungsänderung, die die Direktwahl des Präsidenten
einführte, was erstmals im Jahr 1996 erfolgte. Von 2000 bis 2008 regierte mit Chen
Shui-bian (DPP) der erste Präsident, der nicht der Kuomintang angehörte. Die Wahl
zum Legislativ-Yuan 2008 und die Präsidentschaftswahl am 22. März 2008 brachten die
Kuomintang zurück an die Macht. Präsident war seit dem 20. Mai 2008 Ma Ying-jeou.
Die Kuomintang konnte die politische Macht bei den Wahlen zum Legislativ-Yuan 2012
und bei der Präsidentschaftswahl am 14. Januar 2012 behaupten. Mas zweite
Amtsperiode war von zunehmender Unzufriedenheit der Bevölkerung gekennzeichnet, die
sich unter anderem in der Besetzung des Parlaments während der Sonnenblumen-
Bewegung im Frühjahr 2014 und Niederlagen der KMT bei den Kommunalwahlen am 29.
November desselben Jahres äußerte. Nach dem deutlichen Sieg der Oppositionspartei
DPP und ihrer Spitzenkandidatin Tsai Ing-wen bei der Parlamentswahl und bei der
Präsidentschaftswahl am 14. Januar 2016 erfolgte ein erneuter Machtwechsel.
Regierungssystem
Verfassung
→ Hauptartikel: Verfassung der Republik China

Die Verfassung der Republik China basiert auf den politischen Lehren Sun Yat-sens
(„Drei Prinzipien des Volkes“) und wurde noch 1946 auf dem Festland entwickelt. Sie
trat am 25. Dezember 1947 in Kraft und verlangt eine Teilung in fünf Gewalten, die
von je einem Yuan (Staatsrat) ausgeübt werden: Legislative, Exekutive, Judikative,
Prüfung und Kontrolle. Bis zu ihrer Auflösung 2005 hatte die Nationalversammlung
das alleinige Recht, Verfassungsänderungen vorzunehmen. Seitdem müssen vom
Parlament gebilligte Verfassungsänderungen in Referenden mit über 50 Prozent der
wahlberechtigten Stimmen bestätigt werden.

Staatsoberhaupt ist der auf vier Jahre direkt gewählte Staatspräsident, der
ebenfalls Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist und nur einmal wiedergewählt werden
darf.
Siehe auch: Staatspräsident der Republik China (Taiwan)
Yuans (Staatsräte)

Die Verfassung von 1947 sieht – abweichend von der Dreiteilung nach westlichem
Muster (Exekutive, Legislative, Judikative) – eine fünffache Gewaltenteilung vor:

Der Exekutiv-Yuan ist die Regierung beziehungsweise das Kabinett der Republik
China, dessen Vorsitz der Premierminister ausübt. Er wird vom Staatspräsidenten im
Einvernehmen mit dem Legislativ-Yuan ernannt.

Der Legislativ-Yuan besteht seit 2008 aus 113 Abgeordneten und ist das Parlament
Taiwans, das mit der Gesetzgebungskompetenz ausgestattet ist und die Arbeit des
Exekutiv-Yuans überwacht.

Der Justiz-Yuan besteht aus 15 Richtern und ist die höchste gerichtliche Instanz
des Staates. Er bildet außerdem das Verfassungsgericht des Landes.

Der Prüfungs-Yuan ist für die Beamtenauswahl verantwortlich.

Der Kontroll-Yuan nimmt die Funktion vergleichbar einem Rechnungshofes wahr und
kann Disziplinarverfahren gegen Beamte durchführen.
Außenpolitik
Verhältnis zur Volksrepublik China
→ Hauptartikel: Taiwan-Konflikt
Reisepass der Republik China
Eingang zur Nationalen Chiang-Kai-shek-Gedächtnishalle in Taipeh (vor der
Umbenennung)
Nach der Umbenennung der Chiang-Kai-shek-Gedächtnishalle in „Nationale Taiwan-
Demokratie-Gedenkhalle“ wurde die alte Inschrift am 7. Dezember 2007 entfernt.[49]

Zur Zeit der Kuomintang-Diktatur galt nach dem Chinesischen Bürgerkrieg die
Sichtweise, dass sich Festlandchina durch die Gründung der Volksrepublik China 1949
„abgespalten“ habe. Der Alleinvertretungsanspruch für China wird von der Regierung
der Republik China jedoch seit der Demokratisierung des Landes nicht mehr verfolgt.
Aus Sicht der Volksrepublik ist Taiwan eine abtrünnige Provinz. Am 14. März 2005
verabschiedete der Nationale Volkskongress Chinas fast einstimmig das Anti-
Abspaltungsgesetz, das militärische Schritte gegen Taiwan vorsieht, sollte dieses
sich formell unabhängig erklären.

Die pan-grüne Koalition, darunter die Demokratische Fortschrittspartei (DPP), die


zwischen 2000 und 2008 den Präsidenten und die Regierung stellte, strebt die
Anerkennung Taiwans als Staat an. Eine formelle Unabhängigkeitserklärung ist
hingegen aus Sicht der DPP nicht nötig, da es sich bei Taiwan bereits um einen
souveränen Staat unter dem Namen „Republik China“ handele.[50]

Als Versprechen den USA gegenüber und zur Beruhigung der Volksrepublik China
definierte der von 2000 bis 2008 amtierende Präsident Chen Shui-bian die Politik
der fünf Neins (chinesisch 四不一沒有, Pinyin sì bù yī méi yǒu, englisch four nos
and one without ‚vier Nein und ein Ohne‘). Solange Taiwan nicht akut militärisch
von China bedroht werde, werde die Republik China:

nicht die Unabhängigkeit erklären,


nicht den Namen des Staates ändern,
keinen Artikel in die Verfassung aufnehmen, der die Beziehungen zur
Volksrepublik als „zwischenstaatliche Beziehungen“ bezeichnet,
kein Referendum über die Änderung des Status quo in der Frage Unabhängigkeit
oder Wiedervereinigung abhalten,
die bestehenden taiwanischen Richtlinien für die „Nationale Wiedervereinigung“
nicht ändern (sprich: Wiedervereinigung nur durch Verhandlungen mit der
Volksrepublik China und unter demokratischen Voraussetzungen auf dem chinesischen
Festland).

Diese Erklärung gab im Wesentlichen auch die taiwanische Haltung seit Beginn der
Amtszeit Präsident Ma Ying-jeous (Kuomintang) wieder, ohne jedoch gesetzlich
verankert zu sein. Ungeachtet aller Streitfragen ist die Republik China de facto
völlig unabhängig und verfügt über die volle Souveränität über Taiwan.
Internationale Anerkennung
→ Hauptartikel: Taiwan-Konflikt
Staaten mit diplomatischen Beziehungen zur Republik China im Jahre 2008.
Staaten mit diplomatischen Missionen der Republik China
Staaten mit Botschaften der Republik China
Republik China

Bis 1971 stellte die Republik China, einst Gründungsmitglied der UNO, die alleinige
chinesische Vertretung bei den Vereinten Nationen und hatte einen ständigen Sitz im
Sicherheitsrat inne. 1971 verlor sie durch die Resolution 2758 der UN-
Generalversammlung die Mitgliedschaft in den Vereinten Nationen an die
Volksrepublik China. In der Folge nahmen die meisten Mitgliedsstaaten der UNO
diplomatische Beziehungen zur Volksrepublik China auf und brachen im Gegenzug die
Beziehungen zur Republik China ab. Das liegt hauptsächlich daran, dass jeder Staat,
der bilaterale Beziehungen mit der VRC unterhalten will, deren Ein-China-Politik
offiziell anerkennen muss. Sogar die Schutzmacht USA erkennt die Republik seit dem
Taiwan Relations Act offiziell nicht mehr an[51] und handelt moderat in
Angelegenheiten, die direkte Streitpunkte zwischen den beiden Kontrahenten sind,
wie zum Beispiel Taiwans Beitritt als Beobachter in die
Weltgesundheitsorganisation.
Der taiwanische Präsident Chen Shui-bian (ganz links) bei der Beerdigung von Papst
Johannes Paul II. am 8. April 2005. Der Heilige Stuhl gehört zu den wenigen
Völkerrechtssubjekten, die keine diplomatischen Beziehungen zur Volksrepublik
China, dafür aber zur Republik China auf Taiwan unterhalten.
Aktuell pflegen folgende vierzehn Staaten sowie der Heilige Stuhl offizielle
diplomatische Beziehungen mit der Republik China:

Heiliger Stuhl Heiliger Stuhl (1942)


Haiti Haiti (1956)
Paraguay Paraguay (1957)
Guatemala Guatemala (1960)
Honduras Honduras (1965)
Swasiland Swasiland (1968)
Tuvalu Tuvalu (1979)
St. Vincent und die Grenadinen St. Vincent und die Grenadinen (1981)
St. Kitts und Nevis St. Kitts und Nevis (1983)
Belize Belize (1989)
Nicaragua Nicaragua (1990)
Marshallinseln Marshallinseln (1998)
Palau Palau (1999)
Nauru Nauru (1980–2002, 2005)
St. Lucia St. Lucia (1984–1997, 2007)

Viele dieser Staaten liegen in Mittelamerika.[52] Trotz der Bemühungen der Republik
China brachen im Laufe der Zeit immer mehr Staaten ihre Beziehungen zu Taipeh ab,
wie etwa Senegal (2005), Costa Rica (2007), Malawi (2008), Gambia (2013), Panama
(2017), Burkina Faso (2018), El Salvador (2018), die Salomonen (2019)[53][54] oder
Kiribati (2019).[55](siehe auch „Internationale Isolation der Republik China“).

Andere Staaten unterhalten keine diplomatischen Beziehungen, trotzdem wird der


Kontakt durch inoffizielle Vertretungen, sogenannte Taipei Wirtschafts- und
Kulturbüros, aufrechterhalten, ohne diesen Einrichtungen den Status einer Botschaft
zuzuordnen. Im Jahr 2013 bestanden solche Vertretungen in 56 Staaten, darunter den
USA, Kanada, Russland, den meisten Staaten der Europäischen Union und in der
Schweiz.[56]
Freihandelsabkommen

Die Republik China auf Taiwan unterhält bilaterale Freihandelsabkommen mit El


Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua, Panama, Neuseeland und Singapur.[57] Die
im Jahr 2013 unterzeichneten Abkommen mit Neuseeland und Singapur waren die ersten
Abkommen dieser Art mit Staaten, die keine diplomatischen Beziehungen zu Taiwan
unterhalten.[58][59] Mit der Volksrepublik China wurde 2010 ein Rahmenabkommen über
Wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECFA) unterzeichnet. Die taiwanische Regierung
strebt die Unterzeichnung weiterer bilateraler Abkommen bzw. den Beitritt zu
internationalen Freihandelsblöcken wie der Trans-Pacific Partnership an.
Verwaltung
Administrative Gliederung
→ Hauptartikel: Administrative Gliederung der Republik China

Der Verfassung von 1947 nach basiert das Territorium der Republik China auf
„existierenden staatlichen Grenzen“.[60] Seit der Demokratisierung Taiwans in den
1990er-Jahren wurden (Souveränitäts-)Ansprüche auf Festlandchina faktisch nicht
mehr erhoben. Die Ansprüche wurden 1991 von Präsident Lee Teng-hui aufgegeben, was
jedoch nicht von der Nationalversammlung ratifiziert wurde.

Im Jahr 2006 wurden Verfassungsänderungen vorgenommen, bei denen auch die


Staatsgrenze und Souveränitätsansprüche der heutigen Republik China auf Taiwan neu
geregelt und den tatsächlichen Bedingungen angepasst werden sollten. Aufgrund
chinesischen und US-amerikanischen Drucks wurde jedoch auf diese Anpassung
verzichtet, da sie als Schritt zur formellen „Unabhängigkeit“ beziehungsweise
Eigenstaatlichkeit Taiwans angesehen wird und von der Volksrepublik China als
Provokation aufgefasst worden wäre (siehe Anti-Abspaltungsgesetz).
Neben den „ruhenden“ Ansprüchen auf China existieren aktive
Territorialstreitigkeiten über Inseln und Inselgruppen. So beansprucht die Republik
China die von der Volksrepublik China verwaltete Huangyan Dao, die von Japan
verwalteten Senkaku-Inseln, den von Südkorea verwalteten Socotra-Fels sowie die
Spratly-Inseln, von denen einige jeweils auch von Malaysia, den Philippinen,
Vietnam und der VR China verwaltet werden.
Gegenwärtig tatsächlich kontrollierte Gebiete

Seit dem Rückzug der Kuomintang nach Taiwan 1949 und der Eroberung von Hainan durch
die Kommunisten 1950 kontrolliert die Republik China von ihrem ursprünglichen
Staatsgebiet nur noch die Provinz Taiwan und einen kleinen Teil der Provinz Fujian.
Aus der Provinz Taiwan wurden zwischen 1967 und 2014 die sechs größten Städte
einschließlich ihres Umlandes ausgegliedert und als regierungsunmittelbare Städte
verwaltet, so dass die „Restprovinz“ nur noch etwa 70 % des kontrollierten
Staatsgebiets und 32 % der Bevölkerung umfasst. Dazu gehören die Insel Taiwan ohne
das Verwaltungsgebiet der regierungsunmittelbaren Städte, einige vorgelagerte
kleinere Inseln sowie die in der Formosastraße gelegene Inselgruppe der Pescadoren.
Der von der Republik China kontrollierte Teil der Provinz Fujian besteht aus den
vor der Küste des chinesischen Festlands gelegenen Inselgruppen Kinmen (Quemoy) und
Matsu und umfasst knapp 0,5 % des heutigen Staatsgebiets der Republik China.
Regierungsunmittelbare Städte

Die Städte Taipeh und Kaohsiung wurden 1967 bzw. 1979 aus der Provinz Taiwan
ausgegliedert und nehmen seither als unmittelbar der Zentralregierung unterstellte
Städte eine provinzähnliche Sonderstellung ein. Im Dezember 2010 kamen mit Neu-
Taipeh, Taichung und Tainan drei weitere regierungsunmittelbare Städte hinzu. Dabei
wurden die bisherigen Landkreise Kaohsiung, Taichung und Tainan in die jeweiligen
Städte eingegliedert. Am 25. Dezember 2014 wurde der Landkreis Taoyuan zur sechsten
regierungsunmittelbaren Stadt Taoyuan hochgestuft.

Die aus dem Landkreis Taipeh hervorgegangene Stadt Neu-Taipeh (新北市, wörtl. „Neue
Nördliche Stadt“) ist mit knapp 4 Millionen Einwohnern die größte Stadt Taiwans.
Ihr Stadtgebiet umschließt die am Fluss Danshui im Norden Taiwans gelegene
Hauptstadt Taipeh, in der fast 2,7 Millionen Menschen leben. Die größte Stadt im
Süden Taiwans ist Kaohsiung, die nach der Eingliederung des Landkreises Kaohsiung
2010 knapp 2,8 Millionen Einwohner hat. In Kaohsiung befindet sich der größte Hafen
der Insel, über den der größte Teil der Ölimporte abgewickelt und industriell
verarbeitet wird. Im zentralen Teil Westtaiwans liegt Taichung; die Stadt ist nach
der Eingliederung des Landkreises Taichung mit nun über 2,8 Millionen Einwohnern
knapp vor Taipeh die drittgrößte Stadt Taiwans. Weitere Millionenstädte sind
Taoyuan (etwa 2,2 Millionen Einwohner) im Nordwesten und die alte Inselhauptstadt
Tainan im Südwesten, die nach der Eingliederung des Landkreises Tainan knapp 1,9
Millionen Einwohner zählt (Stand der Einwohnerzahlen: Juni 2018).[1]
Landkreise und kreisfreie Städte
Städte und Landkreise in der heutigen Republik China

Die beiden Provinzen sind in zusammen dreizehn Landkreise und drei kreisfreie
Städte untergliedert, die seit einer Verwaltungsreform im Jahr 1998 außerhalb der
regierungsunmittelbaren Städte die wichtigsten Verwaltungseinheiten darstellen.

Die Provinz Taiwan besteht seit 2014 noch aus elf Landkreisen und drei kreisfreien
Städten. Ihre größte Stadt ist die kreisfreie Stadt Hsinchu (新竹市, Xīnzhú Shì,
Hsin¹chu²) im Nordwesten mit etwa 443.000 Einwohnern, die für die hohe
Konzentration an Halbleiterfirmen bekannt ist und wegen des starken Windes aus der
Formosastraße auch die „windige Stadt“ (風城 / 风城, Fēngchéng) genannt wird. Die
weiteren kreisfreien Städte sind die im Nordosten gelegene Hafenstadt Keelung (基隆
市, Jīlóng Shì) mit etwa 371.000 Einwohnern und Chiayi in Westtaiwan (嘉義市, Jiāyì
Shì) ist mit etwa 269.000 Einwohnern (Stadn: Juni 2018).[1]
Die elf Landkreise der Provinz Taiwan sind folgende (Stand: Juni 2018):[1]
Name chinesisch Pinyin Einwohner
Yilan 宜蘭縣 Yílán Xiàn 456.006
Hsinchu 新竹縣 Xīnzhú Xiàn 554.541
Miaoli 苗栗縣 Miáolì Xiàn 551.082
Changhua 彰化縣 Zhānghuà Xiàn 1.279.276
Nantou 南投縣 Nántóu Xiàn 499.194
Yunlin 雲林縣 Yúnlín Xiàn 688.717
Chiayi 嘉義縣 Jiāyì Xiàn 509.161
Pingtung 屏東縣 Píngdōng Xiàn 828.275
Taitung 台東縣 Táidōng Xiàn 219.643
Hualien 花蓮縣 Huālián Xiàn 328.749
Penghu 澎湖縣 Pénghú Xiàn 104.013

Der von der Republik China kontrollierte Teil der Provinz Fujian umfasst den
Landkreis Kinmen (金門縣, Jīnmén Xiàn) mit einer Fläche von 152 km² und etwa 95.000
Einwohnern, der die gleichnamige Inselgruppe und weitere kleinere Inseln umfasst,
und den aus den Matsu-Inseln bestehenden Landkreis Lienchiang (連江縣, Liánjiāng
Xiàn) mit einer Fläche von 29 km² und etwa 10.000 Einwohnern. Dabei bezieht sich
der Name Lienchiang auf den unter der Kontrolle der Volksrepublik China stehenden
Kreis Lianjiang auf dem Festland, zu dem die Matsu-Inseln historisch und nach
offizieller Lesart sowohl der Republik als auch der Volksrepublik China nach wie
vor gehören.
Militär
Verteidigungsausgaben Taiwans 1994 bis 2014[61] Fiskal-
jahr Verteidigungsbudget in %
des
BIP in % des
Gesamt-
budgets
Mrd. NT$ Mrd. US$
1994 258,5 9,8 3,8 24,3
1995 252,3 9,5 3,5 24,5
1996 258,3 9,5 3,4 22,8
1997 268,8 9,4 3,3 22,5
1998 274,8 8,2 3,2 22,4
1999 284,5 8,8 3,2 21,6
2000 402,9 12,9[A 1] 2,9 17,4
2001 269,8 8,0 2,9 16,5
2002 260,4 7,5 2,7 16,4
2003 257,2 7,6 2,6 15,5
2004 261,9 7,8 2,4 16,7
2005 258,5 8,0 2,3 16,1
2006 252,5 7,8 2,1 16,1
2007 304,9 9,2 2,4 18,7
2008 341,1 10,5 2,5 20,2
2009 318,7 9,6 2,7 17,6
2010 297,4 9,3 2,2 17,3
2011 294,6 10,2 2,1 16,5
2012 317,3 10,6 2,2 16,4
2013 312,7 10,5 2,1 16,4
2014 311,1 10,4 2,0 16,2

Das Fiskaljahr 2000 dauerte 18 Monate von Juli 1999 bis Dezember 2000.

→ Hauptartikel: Streitkräfte der Republik China


Struktur der Streitkräfte Taiwans

Seit 1949 verfügt Taiwan über eine verhältnismäßig große und gut ausgerüstete
Armee, die wegen des Anti-Abspaltungsgesetzes der Volksrepublik China ständig auf
eine Invasion der Volksbefreiungsarmee vorbereitet sein muss. Von 1949 bis in die
1970er Jahre zielte die Strategie auf die Eroberung des Festlands. Später wandelte
sich die Armee zur Verteidigungsarmee, deren Kontrolle der zivilen Führung
übergeben wurde. Die hohen Militärausgaben bildeten über viele Jahrzehnte eine
erhebliche Belastung für den Staatshaushalt. Seit den 1990er-Jahren sind die
Ausgaben für das Militär nur noch gering gestiegen, so dass der relative Anteil des
Militäretats an den staatlichen Gesamtausgaben gesunken ist. Er liegt aber mit über
2 Prozent des Bruttoinlandproduktes immer noch deutlich über den entsprechenden
Werten europäischer Staaten. Ein Teil der Militärausgaben wie beispielsweise
Pensionszahlungen für ehemalige Soldaten oder Unterhalt militärischer Gebäude wird
nicht aus dem Verteidigungsetat finanziert, sodass die Gesamtausgaben für das
Militär höher liegen als die offiziell angegebenen.[61] Die Streitkräfte verfügten
im Jahr 2013 über etwa 220.000 Soldaten und im Verteidigungsfall bis zu 2,6
Millionen.[62] Die Wehrpflicht gilt für alle Männer ab 18 Jahren.
Planungen zur Einführung einer Berufsarmee

Seit einigen Jahren gibt es Diskussionen um die Abschaffung des Wehrdienstes, der
eine in der jungen Bevölkerung sehr unpopuläre Einrichtung ist. Grundsätzlich haben
beide großen Parteien (Kuomintang und DPP) sich für die Umwandlung der Streitkräfte
in eine Berufsarmee ausgesprochen. Der Wehrdienst soll nach und nach ganz
abgeschafft werden. Anstelle des Wehrdienstes soll eine verpflichtende zweimonatige
militärische Grundausbildung treten. Im Rahmen dieser Zielsetzung wurde die Dauer
des Wehrdienstes sukzessive von 22 Monaten vor dem Jahr 2004 auf 20 Monate Ende
2004, 18 Monate ab Juli 2005 auf 12 Monate ab dem Jahr 2008 verkürzt.[63][64] Nach
den Planungen sollte die Truppen-Sollstärke von 350.000 Mann im Jahr 2004 auf
275.000 im Jahr 2009 und 215.000 im 2014 reduziert werden. Parallel dazu sollte der
Übergang zu einer reinen Freiwilligenarmee vollzogen werden. Von der Verkleinerung
und Professionalisierung versprach man sich eine Freisetzung von Ressourcen für die
Waffenentwicklung und -beschaffung.[65] Dieser Zeitplan wurde jedoch nicht
eingehalten. Im Jahr 2013 waren die taiwanischen Streitkräfte 220.000 Mann stark,
von denen aber immer noch fast ein Drittel Wehrdienst-Leistende waren.[62] Auch ein
zweiter angekündigter Termin Ende 2015 wurde nicht eingehalten.[66] Als Grund für
die Verzögerungen wurden Schwierigkeiten genannt, genügend Freiwillige für das
Militär zu rekrutieren. Die Notwendigkeit eines starken Militärs sei insbesondere
jungen Menschen in einer Zeit der intensiven wirtschaftlichen und kulturellen
Beziehungen zur Volksrepublik China nicht mehr gut begreiflich zu machen. Ältere
Militärpersonen beklagten eine fehlende patriotische Gesinnung bei der Jugend.[62]

Nach ihrer Wahl im Januar 2016 erklärte die neue Präsidentin Tsai Ing-wen (DPP),
dass sich ihre Regierung dieses Themas innerhalb der ersten 10 Monate ihrer
Amtszeit annehmen werde.[67] Am 12. Dezember 2016 kündigte Verteidigungsminister
Feng Shih-kuan (馮世寬) an, dass die die Wehrpflicht endgültig im Jahr 2017
abgeschafft werde, allerdings schien auch dieser Zeitpunkt ungewiss.[68] Einige
politische Kommentatoren lobten zwar die verstärkte Beachtung der nationalen
Verteidigung durch die neue DPP-Regierung, warnten aber angesichts der Diskussionen
davor, die militärische Abwehrkraft Taiwans zu sehr zu schwächen und die Sollstärke
unter die angedachten 215.000 Mann abzusenken.[69]

Seit 2001 besteht zusätzlich die Alternative eines Zivildienstes, der ein Jahr
dauert.[70]
Militärische Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten
Der AIDC F-CK-1 Ching Kuo, eine taiwanische Eigenentwicklung

Mit den Vereinigten Staaten bestand seit 1954 ein Verteidigungsbündnis, das jedoch
1979 auslief, als die Vereinigten Staaten ihre offiziellen diplomatischen
Beziehungen zu Taiwan beendeten. In einem gemeinsamen Kommuniqué vom 17. August
1982 vereinbarte der damalige Präsident Ronald Reagan mit Vertretern der
Volksrepublik China eine weitgehende Reduzierung der Lieferung von US-
amerikanischen Rüstungsgütern an Taiwan. Durch dieses Embargo für Rüstungsprodukte
sah sich Taiwan gezwungen, eigene Entwicklungen voranzutreiben. Ab dem Jahr 1980
wurde der Jagdbomber AIDC F-CK-1 Ching-Kuo (benannt nach dem damaligen Präsidenten)
in Taiwan entwickelt. Die Technologien hierfür (Radaranlagen etc.) kamen zum großen
Teil aus den Vereinigten Staaten, da für den Technologieexport kein Embargo
bestand. Zwischen 1989 und 1999 wurden 131 Exemplare dieses Kampfflugzeuges gebaut
und in Dienst gestellt. Im September 1992 stimmte US-Präsident George Bush dem
Verkauf von 150 F-16A/B-Kampfflugzeugen an Taiwan für 5,8 Milliarden US$ zu. Am 17.
November 1992 unterzeichneten Vertreter Taiwans außerdem einen Vertrag über die
Lieferung von 60 Kampfflugzeugen vom Typ Dassault Mirage 2000-5 (davon 48
einsitzige 2000-5Ei und 12 zweisitzige 2000-5Di) aus Frankreich.[71] Beide Verträge
stießen auf heftige Kritik der Volksrepublik China.[72]

Einen Wendepunkt in der US-Politik bewirkte die Taiwanstraßenkrise von 1995/96. Die
unverhohlenen militärischen Drohgebärden der Volksrepublik China gegenüber Taiwan
führten dazu, dass sich die militärische Zusammenarbeit Taiwans mit den USA wieder
deutlich ausweitete. Seit 1997 werden taiwanische F16-Piloten auf der US-
amerikanischen Luke Air Force Base in Arizona trainiert. Seit 2006 bemühte sich
Taiwan, um den Kauf neuer F-16C/D-Kampfflugzeuge. Auch die Beschaffung von
Ersatzteilen für die Mirages aus Frankreich seit 2012 erwies sich als nicht
unkompliziert.[73] Am 21. September 2011 wurde ein Abkommen mit den USA getroffen,
das die Modernisierung der 145 taiwanischen F-16A/B bis zum Jahr 2021 für 5,3
Milliarden US$ vorsah. 2005/06 verkauften die USA vier Lenkwaffenzerstörer der
Kidd-Klasse an Taiwan. Diese bilden seitdem die größten Schiffe der taiwanischen
Marine.[61]

Obwohl kein Militärbündnis zwischen den USA und Taiwan besteht und beide Staaten
keine offiziellen diplomatischen Beziehungen unterhalten, hat die
Militärkooperation einen erheblichen Umfang. Taiwan gehört zu den Hauptabnehmern
US-amerikanischer Rüstungsgüter. In den Jahren 2004–2007 investierte das Land
hierfür 4,3 Milliarden US$ und 2008–2011 waren es 2,9 Milliarden US$. Damit lag
Taiwan 2004–2007 an vierter Stelle (nach Israel, Ägypten und Saudi-Arabien) und
2008–2011 an fünfter Stelle (nach Saudi-Arabien, Ägypten, Israel und Australien)
der ausländischen Hauptabnehmerländer der US-Rüstungsindustrie.[61]

Eine erhebliche Intensivierung der militärischen Zusammenarbeit ergab sich unter


der Präsidentschaft von Donald Trump. Ursächlich hierfür war die Verschlechterung
der chinesisch-amerikanischen Beziehungen, die im Handelskonflikt zwischen beiden
Staaten ihren Ausdruck fand. Am 17. Juni 2018 unterzeichneten Vertreter Taiwans und
der Vereinigten Staaten ein Abkommen, mit dem taiwanischen Rüstungsexperten der
offizielle Besuch von Forschungseinrichtungen der US-amerikanischen
Rüstungsindustrie ermöglicht wurde. Nach Einschätzungen taiwanischer Politiker
ermöglichte das Abkommen eine erhebliche Verbesserung der
Selbstverteidigungskapazitäten Taiwans.[74] Am 9. Juli 2019 stimmte das US-
Außenministerium einem Rüstungsabkommen im Volumen von 2,2 Milliarden US$ zu, nach
dem Taiwan aus den USA insgesamt 108 M1 Abrams-Panzer, 250 Stinger-
Flugabwehrraketen und das entsprechende Zubehör geliefert erhält. Der
Vertragsabschluss führte zu heftigen Protesten der Volksrepublik China.[75] Am 21.
August 2019 gab US-Präsident Donald Trump grünes Licht für die Lieferung von 66 F-
16 Block 70/72-Kampfflugzeugen an Taiwan im Gegenwert von 8 Milliarden US$.[76]
Sozialsystem
Medizin und Gesundheitswesen

→ Siehe Absatz im Artikel: Traditionelle chinesische Medizin: Taiwan

In Taiwan konnte sich die herkömmliche Medizin trotz ungehindert westlich


orientierter Modernisierung halten und wird teils ergänzend zur modernen westlichen
Medizin praktiziert. Taiwan hat seine eigene TCM-Tradition, die stärker durch alte
Ärztefamilien geprägt, traditioneller und somit weniger standardisiert ist sowie
mehr spirituelle Elemente beibehielt. Taiwan bildet kaum Ausländer in der TCM aus.

Das Gesundheitssystem der Republik wird vom Amt für nationale


Gesundheitsversicherung (Bureau of National Health Insurance, BNHI) verwaltet.[77]

Das aktuelle Gesundheitssystem ist 1995 als Sozialversicherung eingeführt worden.


Das staatliche Gesundheitsprogramm umfasst eine Pflichtversicherung für in- und
ausländische Arbeitnehmer, Arbeitslose, Arme und Behinderte, deren monatliche
Beiträge – durchschnittlich 18,88 US-$ pro Person und Monat – vom Einkommen der
Familie oder des Individuums abhängen.[78]

Die Versicherung der BNHI umfasst Eigenanteile zum Zeitpunkt der geleisteten
Dienstleistung, es sei denn, der Versicherte beansprucht Gesundheitsvorsorge, er
stammt aus einer Familie mit geringen Einkommen, ist Veteran, ein Kind unter drei
Jahren oder hat eine besonders schwere Krankheit. Familienmitglieder mit geringen
Einkommen müssen keinen Eigenanteil zahlen und Eigenanteile von Behinderten oder
älteren Menschen sind reduziert.

Nach Aussage eines Gutachtens der BNHI haben von 3.360 zufällig ausgewählten
Krankenhauspatienten 75,1 % der Patienten angegeben, dass sie „sehr zufrieden“ mit
dem Service sind; 20,5 % fanden den Service „in Ordnung“ und nur 4,4 % fanden den
Service „schlecht“.[79]

Taiwan unterhält ein eigenes Zentrum zur Seuchenbekämpfung (Center for Disease
Control), das während des Ausbruchs von SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome =
„Schweres Akutes Atemwegssyndrom“) im März 2003 von 347 Fällen berichtete. Während
der Epidemie richteten die Lokalregierungen und der CDC Stationen zur Beobachtung
von öffentlichen Transporteinrichtungen, Freizeiteinrichtungen und anderen
öffentlichen Einrichtungen ein. Wegen der vollständigen Dekontamination im Juli
2003 wurde von keinen weiteren Fällen berichtet.[80]

Die BNHI umfasst 7.259 Anlagen:[81]


Anzahl Einrichtungen
16.174
Ambulante Kliniken
5.701
Zahnkliniken
2.422
Kliniken für Traditionelle Chinesische Medizin
1.085
Stationäre/ambulante Kliniken
437
Lokale Gemeindekrankenhäuser
35
Krankenhäuser der Traditionellen Chinesischen Medizin
23
Universitätskrankenhäuser

Der Basisschutz einer Versicherung deckt folgende Grundleistungen ab:

Stationäre Pflege
Ambulante Versorgung
Labortests
rezeptpflichtige und rezeptfreie Arzneien
Zahnpflege
Geisteskrankheiten
Traditionelle Chinesische Medizin
Heimpflege
Präventive Dienstleistungen (Kontrolluntersuchung, vorgeburtliche Versorgung,
Pap-Abstriche)

Im Jahr 2004 betrug die Kindersterblichkeitsrate 5,3 Prozent bei 15 Kindern je


Krankenhaus mit 10.000 Patienten. Die Lebenserwartungen lag laut der UN im Zeitraum
von 2010 bis 2015 bei 79,2 Jahren (76,4 Jahren bei Männern und 82,3 Jahren bei
Frauen).[82] Seit Gründung der BNHI verlängerten sich die Lebenserwartungen um 1,6
Jahre bei Männern und 2 Jahre bei Frauen.[80]

Entwicklung der Lebenserwartung in Taiwan


Zeitraum Lebenserwartung Zeitraum Lebenserwartung
1950–1955 58,2 1985–1990 73,4
1955–1960 62,9 1990–1995 74,4
1960–1965 65,0 1995–2000 75,2
1965–1970 66,9 2000–2005 76,9
1970–1975 69,4 2005–2010 78,2
1975–1980 70,7 2010–2015 79,2
1980–1985 72,1

Quelle: UN[83]
Rentenversicherung

Am 1. Oktober 2008 ist ein allgemeines Rentensystem in Kraft getreten. Hierbei


müssen alle Bürger zwischen 25 und 65 Jahren monatlich vorerst 700 NTD (15 Euro)
zahlen. Die erste Rentenauszahlung für über 65-Jährige wird bei bis zu 10.000 NTD
(200 Euro) liegen. In den darauffolgenden Monaten erhöht sich die Rente um 5 %.[84]
Wirtschaft
Das Taiwan-Wunder
Taiwan zählt neben Südkorea, Hongkong und Singapur zu den vier „Tigerstaaten“
Ostasiens.

Taiwans schnelle Industrialisierung und das Wirtschaftswachstum während der zweiten


Hälfte des 20. Jahrhunderts wird als Das Taiwan-Wunder (台灣奇蹟 / 台湾奇迹, Táiwān
Qíjì) oder Taiwans Wirtschaftswunder bezeichnet. Mit Singapur, Südkorea und
Hongkong gehört Taiwan zu den vier „Tigerstaaten“.

Während der japanischen Okkupation und des Zweiten Weltkriegs wandelte sich die
Wirtschaft im öffentlichen und privaten Sektor, besonders bei den öffentlichen
Bauarbeiten, was eine schnellere Kommunikation und einen besseren Transport
ermöglichte. Durch die Okkupanten wurde ebenso das Schulsystem verbessert und für
alle Bürger verpflichtend.
Blick auf Taipeh, 2005

Als die Kuomintang-Regierung nach Taiwan floh, brachte sie die Goldreserven und die
Fremdwährungen des Festlandes nach Taiwan, was die Preise stabilisierte und der
Hyperinflation entgegenwirkte. Ein ebenso wichtiger Faktor bei der Flucht der KMT
war die neue intellektuelle und wirtschaftliche Elite des Festlandes.[85] Die neue
Regierung war auf Taiwan in der Lage, neue Gesetze mit höherer Effektivität zu
erlassen als auf dem weitaus größeren Festland. Sie implementierte ebenfalls eine
importsubstituierende Industrialisierung, die Importgüter durch Eigenproduktionen
ersetzte. Dies wurde durch wirtschaftliche Hilfe wie Subventionen durch die USA
möglich. Die ursprünglichen Bewohner Taiwans wurden aus der Politik ausgeschlossen
und wichen gezwungenermaßen in die Wirtschaft aus.

Im Jahr 1962 hatte die Republik ein Bruttosozialprodukt pro Kopf von 170 USD, was
Taiwan mit der Demokratischen Republik Kongo auf eine Ebene brachte. Bis 2011 wuchs
das Bruttosozialprodukt pro Kopf auf 37.720 USD, was laut dem Human Development
Index dem Wert der Europäischen Union entspricht.

Der deutsche Ökonom Hans-Heinrich Bass sieht einen wesentlichen Faktor für die
Dynamik der taiwanischen Wirtschaftsentwicklung in dieser Zeit in der raschen Folge
unterschiedlicher, jeweils der spezifischen binnen- und weltwirtschaftlichen
Situation angemessener Außenwirtschaftsstrategien. Er unterscheidet fünf Phasen der
Außenwirtschaft Taiwans:[86]

Exportexpansion auf der Basis von Agrargütern (bis 1950);


Importsubstituierendes Wachstum auf der Basis von verarbeiteten Agrargütern
(1950–1962);
Exportdiversifizierendes Wachstum auf der Basis von verarbeiteten
Agrarprodukten und einfachen, arbeitsintensiv hergestellten Industrieprodukten wie
Spielzeug und Schuhe (1962–1970);
Intra-industrieller Handel mit komplexeren Waren, also Einfuhr und Ausfuhr
derselben Güterkategorien, vor allem Exporte einfacher und Importe komplexerer
Elektronikartikel (1970–1986);
Export neuentwickelter komplexer Güter (Schumpeter-Güter) (seit 1986).

Eine besondere Stärke weist die Wirtschaft Taiwans auf dem Gebiet der Halbleiter-
und IT-Industrie auf. Der Aufstieg Taiwans zu einer führenden Nationen auf diesem
Technologiesektor war ganz wesentlich einer klugen und vorausschauenden
Industriepolitik geschuldet. Eine Schlüsselrolle spielte hierbei das 1973
gegründete Forschungsinstitut für Industrietechnologie (ITRI) in Hsinchu.
Der Taipei 101 in Taipeh
Neuere Wirtschaftsentwicklung

Der taiwanische Investitionsfluss in die VR China betrug im Jahr 2002 knapp 34 Mrd.
Euro (nach Schätzungen zwischen 70 und 170 Mrd. Euro) und übertraf damit den aller
anderen Länder. Taiwan ist der zweitgrößte Produzent von Halbleiter-Anwendungen wie
PC-Hauptplatinen, Notebooks und WLAN-Komponenten, die weltweit unter Markennamen
wie Acer, Asus, BenQ, Foxconn, HTC, Tatung und VIA abgesetzt werden.[87] Nur fünf
Firmen davon stellten 2015 80 Prozent aller Laptops der Welt her. Quanta Computer
produzierte 49 Millionen Geräte für Apple, Dell, Hewlett-Packard, Lenovo, Sharp,
Sony und Toshiba bis ins Jahr 2000 in Taiwan selbst, danach auch in China, Vietnam,
Indonesien und Thailand. Foxconn, ein weiterer Elektronikhersteller, stellte
Tablets und Smartphones für Apple und weitere Marken her, ohne selbst wirklich eine
Marke zu sein.[88]

Darüber hinaus ist Taiwan einer der größten Hersteller von Fahrrädern (Giant,
Merida uvm.) und LCD-Flachbildschirmen (AU Optronics). Im Bereich der
Fahrzeugindustrie konnte Taiwan sich vor allem als Hersteller von Motorrädern und
-rollern etablieren, bedeutende Firmen aus dieser Branche sind Kymco, Jordan Motors
und SYM. Auch einige Produktionsfirmen für PKW existieren, etwa China Motor
Corporation, Formosa oder Yulon Motor, die bislang allerdings nur auf dem
heimischen Markt Bedeutung haben und wenig eigenständiges hervorbringen, sondern
größtenteils Fahrzeuge andere internationaler Hersteller in Lizenz fertigen.

Das Exportvolumen zwischen Januar und September 2007 betrug 22,2 Milliarden US-
Dollar, und die Arbeitslosenquote lag im selben Zeitraum bei 3,91 % und war somit
die niedrigste der vergangenen acht Jahre.[89]

Die Arbeitszeit liegt bei 40 Stunden pro Woche, wobei die Arbeit meist zwischen 8
und 8:30 Uhr beginnt (上班, shàngbān) und gegen 17 bzw. 17:30 Uhr endet (下班,
xiàbān). Kleine Läden haben meistens von 8 bis 22 Uhr geöffnet. Läden der
Nachtmärkte öffnen sieben Tage die Woche gegen 17 Uhr bis 1 Uhr. 7-Eleven oder
ähnliche Convenience Shops (便利商店, biànlì shāngdiàn) haben ebenfalls rund um die
Uhr die ganze Woche geöffnet.

Darüber hinaus belegte Taiwan im Jahr 2007 Platz 21 der Weltbank-Logistikrangliste


(die Rangliste umfasst 150 Länder), wobei es Platz 15 bei Pünktlichkeit von
Lieferungen, Platz 16 bei Einfachheit und Bezahlbarkeit des Arrangierens von
Transporten und Platz 43 bei den lokalen Kosten belegt.[90] Im Jahre 2007 erzielte
Taiwan ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 5,7 %. Im Jahr 2014 belegte
Taiwan Platz 19 der nunmehr 160 Staaten umfassenden Liste.[91]

Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes misst,


belegt Taiwan Platz 15 von 137 Ländern (Stand 2017).[92] Im Index für
wirtschaftliche Freiheit belegt das Land 2018 Platz 13 von 180 Ländern.[93]
Wirtschaftsleistung nach Sektoren (2015)[94] Sektor Prozentanteil
am BIP Änderung
(Prozentpunkte) Wertmäßige
Änderung (NT$)
Landwirtschaft 1,78 −0,03 +1,98
Industrie 35,41 +0,86 +6,28
Produzierendes Gewerbe 30,34 +0,59 +5,74
Baugewerbe 2,53 −0,03 +2,61
Elektrizitäts- und Gasversorgung 1,86 +0,35 +27,33
Andere 0,69 −0,04 −2,40
Dienstleistungen 62,80 −0,84 +2,32
Groß- und Einzelhandel 15,92 −0,56 +0,19
Finanz- und Versicherungswesen 6,58 0,00 +3,78
Öffentliche Verwaltung und soziale Sicherheit 6,43 −0,26 −0,43
Transportwesen und Lagerung 3,31 +0,47 +20,92
Andere1 30,57 −0,49 +2,05
1 Zu „Anderen“ zählen Hotelgewerbe, Lebensmittelindustrie, Informations- und
Kommunikationswirtschaft, Immobilienhandel und Mietgewerbe, wissenschaftliche und
technische Dienstleistungen, Erziehung, Gesundheits- und Sozialwesen, Kunst,
Unterhaltung, Freizeit u. a. m.
Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 83,9 Mrd. US-Dollar, dem
standen Einnahmen von umgerechnet 80,8 Mrd. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich
ein Haushaltsdefizit in Höhe von 0,6 % des BIP.[95] Die Staatsverschuldung betrug
2016 187,1 Mrd. US-Dollar oder 35,4 % des BIP.[96]

Der Entwurf für den Staatshaushalt 2018 vom August 2017 sah Ausgaben von 1,985
Billionen NT$ (65,49 Milliarden US$) und Einnahmen von 1,8904 Billionen NT$ (62,37
Mrd. US$) vor.
Budgetentwurf für 2018[97] Ausgabenbereich NT$ in %
Sozialausgaben 490,2 Mrd. 24,7 %
Bildung, Wissenschaft und Kultur 402,0 Mrd. 20,3 %
Verteidigung 320,0 Mrd. 16,1 %
Wirtschaftliche Entwicklung 245,4 Mrd. 12,4 %
Verwaltungsausgaben 188,7 Mrd. 9,5 %
Energiewirtschaft
Elektrizitätsversorgung
Energieerzeugung in Taiwan nach Sektoren. Der Anteil regenerativer Energien ist
bisher gering (2018: erneuerbare Energien + Wasserkraft zusammen ca. 6 %).

Im Jahre 2011 lag Taiwan bzgl. der jährlichen Erzeugung mit 235 Mrd. kWh an Stelle
19 und bzgl. der installierten Leistung mit 48.480 MW an Stelle 20 in der Welt.[95]

Die installierte Leistung aller Kraftwerke in Taiwan betrug 2014 41.181 MW, davon
entfielen auf den staatlichen Stromversorger Taipower 31.968 MW und der Rest auf
unabhängige Stromerzeuger. Der Kraftwerkspark von Taipower besteht aus
Gaskraftwerken (10.607 MW bzw. 25,8 %), Kohlekraftwerken (8.200 MW bzw. 19,9 %),
Kernkraftwerken (5.144 MW bzw. 12,5 %), Ölkraftwerken (3.325 MW bzw. 8,1 %),
Pumpspeicherkraftwerken (2.602 MW bzw. 6,3 %) sowie aus erneuerbaren Energien
(2.089 MW bzw. 5,1 %). Die installierte Leistung der unabhängigen Stromerzeuger lag
bei 9.214 MW (22,4 %) und besteht überwiegend aus Kohle- und Gaskraftwerken.[98]
2014 wurden durch Taipower 164,194 Mrd. kWh produziert, davon durch Kohlekraftwerke
60,424 Mrd. (28,3 %), durch Gaskraftwerke 50,243 Mrd. (23,5 %), durch
Kernkraftwerke 40,079 Mrd. (18,8 %), durch Pumpspeicherkraftwerke 3,174 Mrd. (1,5
%), durch Ölkraftwerke 4,970 Mrd. (2,3 %) und durch erneuerbare Energien 5,304 Mrd.
(2,5 %). Durch die unabhängigen Stromerzeuger wurden weitere 49,235 Mrd. kWh (23,1
%) erzeugt.[98]

Die Zukunft der Kernkraftwerke in Taiwan ist ungewiss. Das im Bau befindliche
Kernkraftwerk Lungmen wurde am 1. Juli 2015 für die nächsten drei Jahre
eingemottet, bis eine Volksabstimmung über die Zukunft des Kraftwerks durchgeführt
wird.[99] Die drei anderen Kernkraftwerke sollen nach Planungen der Regierung
zwischen 2018 und 2025 vom Netz gehen.[100] Dies dürfte die bereits angespannte
Situation bei der Stromversorgung noch weiter verschärfen und auch
Stromabschaltungen sind in den Monaten des Spitzenverbrauchs nicht mehr
auszuschließen.[101] In einem Referendum am 24. November 2018 sprach sich eine
Mehrheit der Abstimmenden allerdings gegen den von der DPP-Regierung anvisierten
Ausstieg aus der Atomenergie im Jahr 2025 aus.

Laut Wirtschaftsministerium liegen die Kosten je kWh Strom bei 0,72 NT$ (0,02 USD)
für die drei bestehenden Kernkraftwerke, 2 NT$ je kWh für Lungmen und 3,8 NT$ je
kWh für Gaskraftwerke.[100]
Siehe auch: Liste von Kraftwerken in Taiwan und Kernenergie in Taiwan
Sonstiges

2008 war Taiwan zu 99,23 % von importierter Energie abhängig. Der Wert dieser
Energieimporte betrug 56,2 Mrd. USD.[102] 2013 importierte Taiwan 65,9 Mio. t
Kohle, wovon 45,5 Mio. t zur Stromerzeugung verwendet wurden.[103]
Infrastruktur
Pulsierende Verkehrsadern in Taipeh
Verkehr

Ein Netz moderner Autobahnen verbindet die Ballungszentren miteinander. Ein


Hochgeschwindigkeitszug zur Verbindung der großen Städte absolvierte am 11. Juni
2005 seine erste Testfahrt. Der Betriebsstart wurde mehrmals verschoben. Seit dem
5. Januar 2007 verkehren die Züge zwischen Taipeh über 345 Kilometer ins südliche
Kaohsiung. Eine Ringstrecke der Eisenbahn verläuft rund um die Insel, da eine
Durchquerung der hohen Berge zu kostenintensiv wäre und die Ostküste relativ dünn
besiedelt ist. Die größeren Städte verfügen meist über Flughäfen.
Straßen

Taiwan verfügt über insgesamt 38.197 Kilometer befestigte Straßen (Stand 2005). Das
Autobahnnetz umfasst 989 Kilometer[104] Nationale Autobahnen (Stand 2009). Darüber
hinaus sind 4.680 Straßenkilometer als Provinz-Schnellstraßen ausgewiesen. Das Netz
an Hauptstraßen auf dem Lande umfasst 20.947 Kilometer. In den städtischen
Ballungsräumen liegen 16.395 Kilometer Straßen.
Autobahnschild „Nationalstraße 1“, die Form symbolisiert eine Pflaumenblüte
Schild „Provinz-Schnellstraße 6“

Die längsten und wichtigsten Fernstraßen sind die Autobahnen 1 und 3, die parallel
von Keelung im Nordosten über Taipeh durch das dicht besiedelte Flach- und
Hügelland Westtaiwans bis Kaohsiung bzw. Donggang im Südwesten der Insel verlaufen.
Die übrigen Autobahnen haben nur regionale Bedeutung. Die Autobahnen 2 und 5
verbinden Taipeh mit dem Flughafen Taiwan Taoyuan bzw. mit dem Landkreis Yilan, die
Autobahn 6 stellt eine Verbindung zwischen der westlichen Küstenebene und Puli in
Zentraltaiwan her. Die Autobahnen 4, 8 und 10 befinden sich in den Ballungsräumen
der Städte Taichung, Tainan bzw. Kaohsiung.[104]

Das Straßensystem ist nach der Größe der Straßen geordnet. Die großen Straßen
heißen „Lù“ (路). Deren Hausnummern sind auf der einen Seite mit geraden Nummern
und auf der anderen mit ungeraden. Sogenannte Alleen (街, Jiē) haben keine
Extranamen, sondern werden nach der Eckhausnummer der „Lù“-Straße benannt. So wird
光復路 22 街, (Guāngfù-Lù 22-Jiē) an dem Eckhaus mit der Nummer „22“ beginnen.
Genauso verhält es sich mit „Xiàng“ (巷), die an „Jiē“-Alleen anschließen.
Zusätzlich werden „Lù“-Straßen in Abschnitte (段, Duàn) unterteilt. Eine
vollständige Adresse kann somit 光復路 3 段 22 街 4 巷 113 號, (Guāngfù-Lù 3-Duàn 22-Jiē
4-Xiàng 113-Háo) lauten. Diese Person wohnt im 3. Abschnitt der Guāngfù-Straße, in
der 22. 街-Allee, deren 4. 巷-Allee im Haus mit der Nummer 113.
Schienenverkehr
→ Hauptartikel: Schienenverkehr auf Taiwan

Die Schienennetze des Landes haben eine Gesamtlänge von 1.841 Kilometern (2007).
Alle Bahnstrecken befinden sich auf der Insel Taiwan, auf den kleineren zur
Republik China gehörenden Inseln gibt es keine Eisenbahnen.

Die Taiwanische Eisenbahnverwaltung (Taiwan Railway Administration, TRA) verwaltet


ein 1.097 Kilometer langes konventionelles Eisenbahnnetz mit 1067 Millimeter
Spurweite. Seit 2007 ist darüber hinaus eine 345 Kilometer lange
Hochgeschwindigkeitsstrecke in Normalspur zwischen Taipeh und Kaohsiung in Betrieb.
In den Städten Taipeh und Kaohsiung gibt es Metrosysteme.

Die 86 Kilometer lange Alishan-Waldbahn sowie die Zuckerbahnen in Taiwan sind


Schmalspurbahnen mit einer Spurweite von 762 Millimetern, die ursprünglich zum
Gütertransport angelegt wurden und heute vorwiegend touristisch genutzt werden.

Im Bereich der Häfen Kaohsiung, Keelung, Taichung und Hualien gibt es


ausschließlich für den Güterverkehr genutzte Bahnstrecken.

Konventionelle Eisenbahn

Konventionelles Eisenbahnnetz Taiwans (Stand: Dezember 2016)

Das konventionelle Eisenbahnnetz Taiwans besteht größtenteils aus einer rund um die
Insel führenden Ringstrecke. Diese ist unterteilt in sechs Teilabschnitte.

Die „Längslinie“ oder „Westliche Linie“ (西部幹線, Xībùgàn Xiàn) führt von Keelung
im Nordosten über Taipeh, Hsinchu, Changhua, Chiayi und Tainan nach Kaohsiung.
Daran schließen sich die „Pingtung-Linie“ (屏東線, Píngdōng Xiàn) über Pingtung nach
Fangliao und die „Südverbindungslinie“ (南迴線, Nánhuí Xiàn) weiter nach Taitung an.
Die „Östliche Linie“ (東部幹線, Dōngbùgàn Xiàn) zwischen Keelung und Taitung
gliedert sich in drei Teilabschnitte, „Yilan-Linie“ (宜蘭線, Yílán Xiàn) im
nördlichen Teil zwischen Keelung und Su’ao, die „Nordverbindungslinie“ (北迴線,
Běihuí Xiàn) im mittleren Teil zwischen Su’ao und Hualien sowie die „Taitung-Linie“
(台東線, Táidōng Xiàn) im südlichen Teil zwischen Hualien und Taitung.

Zwischen Zhunan im Landkreis Miaoli und Changhua gabelt sich die westliche Linie in
zwei parallele Teilstrecken. Während die Hauptlinie (die „Meereslinie“) durch die
Küstenebene westlich an Taichung vorbeiführt, verläuft östlich davon durch das
Taichung-Becken die „Taichung-Linie“ (台中線, Táizhōngxiàn) oder „Berglinie“, die
eine Anbindung der Stadt Taichung herstellt.

Von der Ringstrecke zweigen vier Nebenstrecken ab, die Linkou-Linie in Taoyuan, die
Neiwan-Linie im Landkreis Hsinchu, die Jiji-Linie in den Landkreisen Changhua und
Nantou sowie die Pingxi-Linie in Neu-Taipeh.

Hochgeschwindigkeitszüge

Taiwan High Speed Rail 700T Series Shinkansen, Zug in Kaohsiung


Die Taiwan High Speed Rail (THSR) verbindet den größten Ballungsraum Taiwans um
Taipeh im Norden mit der bedeutenden Hafenstadt Kaohsiung im Südwesten. Der
reguläre Betrieb auf der 345 Kilometer langen Strecke startete am 5. Januar 2007.
Die Fahrzeit beträgt etwa 90 Minuten bzw. zwei Stunden (wenn an allen Stationen
gehalten wird) anstelle von vier Stunden mit der konventionellen Eisenbahn.

Stadtbahn und U-Bahn

Stadtbahn Kaohsiung auf einer Teststrecke am „Central Park“


Haltestelle Xiaobitan der MRT in Taipeh

Mit der zunehmenden Verstädterung Taiwans wurde seit den 1990er-Jahren in den
größten Ballungsräumen mit dem Bau von U-Bahn-Systemen begonnen:

Taipei Rapid Transit System (台北大眾捷運系統, Táiběi Dàzhòng Jiéyùn Xìtǒng),


auch MRT (MetroTaipei): Das als U-Bahn sowie auf einer Strecke als Hochbahn im VAL-
System durch die Hauptstadt Taipeh verlaufende System wurde 1996 eröffnet und wird
ständig weiter ausgebaut.
Kaohsiung Mass Rapid Transit (高雄捷運系統, Gāoxióng Jiéyùn Xìtǒng): Das aus zwei
Linien bestehende U-Bahn-System wurde 2008 in Betrieb genommen. Im
Innenstadtbereich soll es durch eine Stadtbahn ergänzt werden.
Taoyuan Metro: am 2. März 2017 wurde das Taiwan Taoyuan International Airport
Access MRT System (臺灣桃園國際機場聯外捷運系統, Táiwān Táoyuán Jīchǎngliánwài Jiéyùn
Xìtǒng) als erste von geplanten fünf Linien in Betrieb genommen. Die Linie
verbindet den internationalen Flughafen Taiwan Taoyuan mit der Station Taoyuan der
Taiwan High Speed Rail sowie dem Hauptbahnhof Taipeh.
Taichung Metropolitan Area MRT System (台中捷運, Táizhōng Jiéyùn): Das Projekt
wurde 2004 beschlossen. Die Eröffnung der seit 2009 im Bau befindlichen ersten
Linie ist für 2018 geplant.

Lufttransport
China Airlines

Die Republik China verfügte im Jahr 2017 über vier internationale und mehrere
Inlandsflughäfen mit ziviler Nutzung. Der wichtigste ist der etwa 30 km westlich
von Taipeh gelegene internationale Flughafen Taiwan Taoyuan. Der bis 2006 nach
Chiang Kai-shek benannte Flughafen ist das Hauptdrehkreuz der beiden
internationalen Fluggesellschaften Taiwans, der staatlichen China Airlines und der
privaten EVA Air. Die meisten Auslandsflüge starten und landen dort, unter anderem
bietet China Airlines eine fast tägliche Verbindung nach Frankfurt, EVA Air fliegt
mehrmals wöchentlich nach Wien. Seit 2008 gibt es auch Direktflüge von China
Airlines und Air China nach Festlandchina, unter anderem nach Peking und Shanghai.

Weitere internationale Flughäfen Taiwans sind der Flughafen Kaohsiung, der


Flughafen Taichung sowie der im Stadtgebiet von Taipeh gelegene Flughafen Songshan.
Die Inlandsflughäfen mit den längsten Start- und Landebahnen (über 3047 Meter) sind
Tainan und Chiayi. Die Inlandsflughäfen von Kinmen, Magong, Hualien und Taitung
haben Landebahnen zwischen 2438 und 3047 Metern, die von Hengchun und Nangan auf
Matsu zwischen 1524 und 2437 Metern. Kleinere Flughäfen mit einer Landebahn
zwischen 914 und 1252 Metern gibt es in Beigan auf Matsu, Lan Yu, Lü Dao und in
Wang’an auf den Pescadoren, der ebenfalls auf den Pescadoren gelegene Flughafen
Qimei hat eine noch kürzere Landebahn. Die Bedeutung der Regionalflughäfen auf der
Insel Taiwan hat seit der Eröffnung der Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke im Jahr
2007 deutlich abgenommen, da hierdurch die Bahnverbindungen nur unwesentlich kürzer
oder sogar schneller als die Flugverbindungen wurden. Von Bedeutung sind diese
kleineren Flughäfen aber weiterhin für die kleinen außenliegenden Inseln.

Insgesamt stehen in der Republik China neun Hubschrauber-Landeplätze (2006) für


zivile Nutzung zur Verfügung.
Siehe auch: Liste der Flughäfen in der Republik China
Seetransport
Güterumschlag in taiwanischen Häfen
(in t, 2017)[105] Hafen Gesamt Einfuhr Ausfuhr
Keelung 17.464.002 13.845.424 3.618.578
Taichung 75.348.241 67.061.016 8.287.225
Kaohsiung 116.070.972 81.425.957 34.645.015
Hualien 8.665.814 2.797.943 5.867.871
Taipeh 23.123.334 19.656.675 3.466.659
Su’ao 4.191.916 3.228.535 963.381
Anping 1.620.189 1.225.109 395.080
Zusammen 246.484.468 189.240.659 57.243.809

Taiwan hat vier internationale Hauptseehäfen. Der größte ist der Hafen Kaohsiung im
Südwesten am Südchinesischen Meer, die weiteren in Keelung im Norden am
Ostchinesischen Meer, in Taichung im Westen an der Formosastraße sowie in Hualien
im Osten am Pazifik. Weitere wichtige Hafenorte sind Budai, Su’ao, Magong, Kinmen
und Matsu.

Die Handelsmarine besitzt 235 Schiffe (um die 1.000 Bruttoregistertonnen) mit
totalen 3.827.173 GRT / 6.121.877 Bruttotragfähigkeit (2003), davon sind unter
anderem 35 Massengut-Transporter, 108 Containerschiffe, 20 Öltanker und 38
Passagierschiffe.

Im Jahr 2017 wurden über die taiwanischen Häfen 246 Millionen Tonnen Güter
umgeschlagen, die auf 38.198 Schiffen transportiert wurden. Darunter befanden sich
14,91 Millionen TEUs. Außerdem wurden 1,43 Millionen Passagiere (davon 980.000
international) transportiert.[106]
Pipelines

Auf Taiwan gibt es zwei große Pipeline-Netzwerke. Das Netz für Erdöl hat eine
Gesamtlänge von 3.400 Kilometer, das für Erdgas eine Gesamtlänge von 1.800
Kilometer (1999).
Einkaufsmöglichkeiten

Wichtig in Taiwan sind die zahlreichen Convenience Shops, vor allem 7-Eleven,
FamilyMart und „HI-Life“. Diese Läden haben eine große Bedeutung für die
Infrastruktur, weil viele tägliche Einkäufe hier vorgenommen werden und sie 24
Stunden an jedem Tag der Woche geöffnet haben. Nebenbei können hier Prepaid-Karten
gekauft, Steuern, Strom- und Gasrechnungen bezahlt und Auskünfte erhalten werden.
Die Dichte dieser Läden ist in Städten und Dörfern so groß, dass ungefähr alle 500
Meter ein Laden erreichbar ist.

Häufig sind auch Betelnuss-Läden (chinesisch 檳榔店, Pinyin Bīnglangdiàn). An den


Landstraßen werden die Nüsse oft an mit Neonröhren versehenen Glas-Pavillons von
gut aussehenden Mädchen verkauft. Diese Betelnuss-Mädchen (chinesisch 檳榔西施,
Pinyin Bīnglang Xīshī) sind ebenso auffällig wie ihre Läden, da sie oft leicht oder
auch nach Visual Kei oder in Schulmädchenuniform gekleidet sind.[107]

Auf den meisten Kassenbons befindet sich eine Registriernummer, mit der die Käufer
an einer monatlichen staatlichen Lotterie teilnehmen und bis zu mehrere Millionen
NTD gewinnen können. Diese staatliche Lotterie erhöht das Kaufinteresse erheblich,
jedoch steckt hinter der Idee der Lotterie eine bessere Erfassung der Umsatzsteuer.
[108]

Besonders wichtig sind die Nachtmärkte in Taiwan, die in jeder Stadt mehrfach
bestehen und auf denen stadtspezifische Spezialitäten verkauft werden. Diese haben
jedoch immer stärkere Konkurrenz durch Kaufhäuser wie das japanische Sogō,
Supermärkte oder den taiwanischen „RT-Mart“.
Entsorgung

Die Müllabfuhr in Taiwan trennt die Abfälle während der Sammlung. Dabei fährt
hinter einem weißen Müllwagen für den Trennmüll ein gelber Müllwagen, der den
Restmüll annimmt. Die Mitarbeiter der Müllabfuhr leeren die Mülltonnen nicht
eigenständig, sondern lassen sich den Müll von den Bewohnern anreichen. Sie prüfen
den Müll erst streng, bevor sie ihn annehmen. Ausnahmen bilden sogenannte
„Wohngemeinden“, in denen mehrere Hochhäuser stehen, bei denen der Torwächter sich
um den Müll kümmert. Die gelben Müllwagen spielen während der Müllannahme
Erkennungsmelodien: „Das Gebet einer Jungfrau“ von Tekla Bądarzewska oder Für
Elise. Da die Müllabfuhr mehrmals täglich zu unterschiedlichen Zeiten fährt, wurden
diese Melodien eingeführt. Das System wurde am 1. Januar 2006 etabliert und seitdem
sind z. B. in Taipeh 380 Müllwagen unterwegs. Dieses neuartige Abfallsystem kostet
im Jahr um die 500 Mio. NTD.[107]
Kultur und Wissenschaft
Kultur

Die heutige taiwanische Kultur speist sich aus einer Reihe verschiedener
traditioneller und moderner Einflüsse.

Die Kultur der Ureinwohner Taiwans wurde im Zuge chinesischer Einwanderung seit dem
17. Jahrhundert schrittweise verdrängt, in jüngerer Zeit bemüht man sich um die
Bewahrung bzw. Wiederbelebung der indigenen Kulturen und Sprachen. Mit den
chinesischen Einwanderern kamen auch chinesische Sprachen (vor allem Minnan und
Hakka) und chinesische Kultur nach Taiwan, darunter Weltanschauungen und Religionen
wie der Konfuzianismus, Daoismus und Buddhismus. Im Zuge ausländischer Mission sind
inzwischen auch christliche Konfessionen in Taiwan verbreitet.[109]
Bahnhof in Hsinchu, der während der japanischen Okkupation errichtet wurde.

Während der japanischen Okkupation wurden Schwerpunkte in der Erziehung und


Wirtschaft gesetzt, die die Gesellschaft stark beeinflussten. Der wirtschaftliche
Aufschwung und die Erziehung in japanischer Sprache und Kultur trugen dazu bei,
dass sich viele Taiwaner als Japaner fühlten, was sich schon in ihrem japanischen
Pass manifestierte. Die Japaner brachten auch als erste den jetzt sehr beliebten
Sport Baseball nach Taiwan. Es gab sowohl in Grundschulen als auch in öffentlichen
Schulen Baseballteams, deren Entwicklung ihren Höhepunkt im Kagi Nourin Baseball-
Team (Landwirtschafts- und Forstschule) fand, als die Mannschaft den zweiten Platz
im japanischen Koushien Daisai (Nationale Baseballspiele der weiterführenden
Schulen) belegte. Auch heute ist Japanisch die zweitbeliebteste Sprache und viele
Taiwaner der Großeltern-Generation sprechen immer noch Japanisch besser als
Mandarin.[110]
Wang Chien-ming

Auch im Alltag sind Japans Einflüsse erkennbar, wo oft ganze Häuser oder wenigstens
Zimmereinrichtungen im japanischen Stil gebaut sind. Auch werden japanische
Produkte gerne als qualitativ besser eingeschätzt und japanische Waschmaschinen
sind wesentlich öfter als westliche anzutreffen (optisch ist beispielsweise die
Öffnung oben und nicht vorne).

Nach der Flucht der Kuomintang nach Taiwan 1949 nahm die Regierung eine umfassende
Re-Sinisierung Taiwans in Angriff. Hierzu gehörten die Verbreitung chinesischer
Kultur und des Mandarin als alleiniger Amtssprache sowie gleichzeitig repressive
Maßnahmen gegen japanische Sprache und Kultur, aber auch gegen lokale Sprachen, die
z. B. in den Schulen verboten wurden. Ein sichtbares Ergebnis dieser Politik ist
die heutige Dominanz des Mandarin im öffentlichen Raum.[111]

Durch die lange Zeit andauernde Verbindung mit den USA wurde Taiwan nach dem
Zweiten Weltkrieg auch durch amerikanische Kultur und amerikanischen Lebensstil
beeinflusst. Amerikanische Autos wurden importiert, Kultgetränke wie Coca-Cola und
Miller-Bier traten auf und Englisch fand immer mehr Einzug in der Werbung und vor
allem in der Wirtschaft. Da Englisch die Lingua Franca ist, lernten die Taiwaner
Amerikanisches Englisch immer früher in der Schule und die Anzahl englischlehrender
Grundschulen stieg drastisch. Ein beliebtes Prinzip dieser Grundschulen ist z. B.,
dass eine taiwanische Lehrerin für das Grundwissen und ein Englisch-Muttersprachler
(meist Amerikaner) für den reinen Englischunterricht zuständig ist. Auch ist die
Amerikanisierung im Baseball erkennbar. Zwar wurde er anfangs von den Japanern auf
die Insel gebracht und war mit Japan verbunden, ist jedoch mehr und mehr nach
Amerika ausgerichtet. Ein herausragendes Beispiel ist der Kinder- und Nationalheld
Wang Chien-ming, der aktuell bei den Kansas City Royals spielt.

Seit der Demokratisierung Taiwans ist neben der Tendenz zur offenen pluralistischen
Gesellschaft auch eine starke Lokalisierungsbewegung zu beobachten, deren Vertreter
sich auf die lokale taiwanische Kultur besinnen. Die Betonung der taiwanischen
Identität geht hierbei häufig mit einer Ablehnung der früheren, als verordnet
empfundenen Sinisierung sowie mit einer politisch beeinflussten Abgrenzung zur
Volksrepublik China einher.[112]
Literatur
→ Hauptartikel: Chinesische Literatur

Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstand eine autonome taiwanische
Literatur. Das erste Buch, das auch im Westen Aufmerksamkeit erregte, war „Der
hässliche Chinese“ (chinesisch 醜陋的中國人 / 丑陋的中国人, Pinyin Chǒulòude
Zhōngguórén, englisch The Ugly Chinaman) von Bo Yang, welches gegen die Regierung
der Kuomintang unter dem Kriegsrecht geschrieben war. Kein weiterer Autor erreichte
im Westen die gleiche Popularität wie Bo Yang, da die meisten Bücher nicht ins
Englische übersetzt werden. Ein weiteres Buch, das auch im Westen erhältlich ist,
ist „Eine Familie in Taiwan“ (A Family in Taiwan), das vom Alltag eines 12-jährigen
Mädchens und ihrer Familie handelt. „Chinesische Geschichten aus Taiwan“ (Chinese
Stories from Taiwan) wurde von Joseph Lau und Timothy Ross 1976 herausgegeben und
wird heute noch gedruckt.
Siehe auch: Liste taiwanischer Schriftsteller
Theater

Der wesentliche Unterschied zwischen chinesischem Theater und westlichem Theater


ist die Relevanz der Musik, die einen weitaus größeren Teil einnimmt und im Westen
mehr der Oper zugeordnet wird. Die chinesische Oper (chinesisch 戲曲 / 戏曲, Pinyin
Xìqǔ) ist sehr nah mit der taiwanischen Oper verwandt und integraler Teil dieser.
Die Dialoge werden in Mandarin oder Taiwanisch gehalten. Die Akteure kleiden sich
in farbenprächtige Gewänder mit großen Masken. Einige Opern bieten eine englische
Transkription auf einem Bildschirm nahe der Bühne an, jedoch werden die Opern im
Original gehalten. Thematisch handelt es sich meist um Volkslegenden und Mythen,
auf deren Grundlage soziale, politische und spirituelle Aspekte dargestellt werden,
früher oft auch mit großem Aktualitätsgehalt. Die chinesische Oper datiert bis in
die Tang-Dynastie zurück, als Kaiser Xuanzong (712–755) den Birnengarten
(chinesisch 梨園, Pinyin Líyuán) gründete, die erste berühmte Operntruppe in China,
die hauptsächlich zu des Kaisers eigenem Amüsement aufzutreten pflegte. Auf sie
geht die heute noch für Schauspieler gebräuchliche Bezeichnung „Schüler des
Birnengartens“ (chinesisch 梨園子弟, Pinyin Líyuán zǐdì) zurück.
Kino

Die Geschichte des chinesischsprachigen Films verläuft in drei unterschiedlichen


Entwicklungslinien: dem Film in China, dem Film in Hongkong und dem Film in Taiwan.
Der Film in Taiwan bildet neben dem vom Unterhaltungskino dominierten Film in
Hongkong und dem staatlichen Reglementierungen unterworfenen Film in China eine
eigenständige Filmkultur.

Taiwans bekanntester Regisseur ist Ang Lee, der Gefahr und Begierde drehte, welches
als offizieller taiwanischer Beitrag zur Nominierung um den besten fremdsprachigen
Film bei der Oscarverleihung 2008 ausgewählt wurde, aber nicht in die Endauswahl
kam. Weitere Werke sind unter anderem Das Hochzeitsbankett und Eat Drink Man Woman.
Der rote Faden durch viele Filme ist der Bruch zwischen Kindern und Eltern oder
Taiwanern mit ihrer chinesischen Kultur. Die Schauspielerin Sylvia Chang spielte in
Ang Lees Filmen sowie einigen Hong Kong-Produktionen mit. Ein weiterer Regisseur
ist Hou Hsiao-Hsien, ein auf dem Festland geborener Chinese, dessen Familie mit der
Kuomintang nach Taiwan floh. Sein erstes medienwirksames Werk war Eine Stadt der
Traurigkeit, welches sich mit dem Zwischenfall vom 28. Februar 1947 beschäftigt.
Weitere Filme sind Der Sandwichmann (The Sandwich Man), Liebe, Wind, Staub (Dust in
the Wind) und Guter Mann, Gute Frau (Good Men, Good Women).
Musik

Zunehmend wird die traditionelle chinesische Musik durch moderne Popmusik


verdrängt. Traditionelle Saiteninstrumente wie die Zupflaute (Yueqin) und die
Zither (Qin), die Mundorgel (Bawu), die Querflöte (Dizi), die Gefäßflöte (Xun), das
Lithophon (Bianqing) oder die bekannten Gongs werden immer seltener gespielt.
Vereinzelt kommt es zu Verbindungen zwischen Tradition und Moderne: So fließen
Elemente des traditionellen Tanzes und der Popmusik beispielsweise im San-Taizi-
Techno-Tanz zusammen.
Jay Chou 2008

Die Musik von in Asien bekannten Musikern Taiwans ist mehr Softpop und
balladenartig. Von der Rockmusik beeinflusste Popkünstler lassen diese Tendenzen
nur auf einigen Liedern eines Albums publizieren. Bis zur Aufhebung des
Kriegsrechtes waren taiwanische Liedtexte in den Medien verboten. Nicht alle
Künstler stammen aus Taiwan, einige von ihnen kommen vom Festland oder aus
Hongkong.
S.H.E 2006 in Hongkong

Eine der berühmtesten Sängerinnen Taiwans war Teresa Teng (1953–1995), eine weitere
ist Sherry Chang (chinesisch 張惠妹, Pinyin Zhāng Huì-mèi), besser bekannt als A-
mei. Sie sang anfangs oft mit ihrer jüngeren Schwester Saya und ihrer Cousine Raya
im Trio Amei-mei (chinesisch 阿妹妹, Pinyin Āmèi-mèi ‚Ameis jüngere Schwester‘). Die
Pop-Girlband „S.H.E“ ist im ostasiatischen Raum erfolgreich. Im ganzen chinesischen
Sprachraum bekannt ist der 1979 geborene Sänger Jay Chou.

Auch Rockmusik erfreut sich einer gewissen Beliebtheit. Die Band Power Station
besteht aus zwei Brüdern des Paiwan-Stamms. International bekannt ist die Extreme-
Metal-Band Chthonic, die auch regelmäßig beim Wacken Open Air auftrat.

Nicht nur von der chinesischen, auch von der Musik der Ureinwohner wurde der
taiwanische Musikmarkt beeinflusst. Aus der Situation heraus, wirtschaftlich und
kulturell langsam verdrängt zu werden, verkauften die Ureinwohner Kunst, Handwerk
und Musik. Ihre Musik ist mit ihren speziellen Tänzen verknüpft, welche sie eher in
Touristenshows als auf persönlichen Festen aufführen.

Auch die klassische (abendländische) Musik wird in Taiwan sehr geschätzt und an
vielen Universitäten unterrichtet. Führende Institution ist heute die National
Taiwan University of the Arts, die international viele Kooperationen mit anderen
Universitäten eingegangen ist. Zwei Komponisten haben das klassische Musikleben der
letzten Jahrzehnte in Taiwan entschieden beeinflusst: Chen Mao-Shuen (* 1936) und
Ma Shuei-Long (* 1939). Als Kompositionsprofessor und Leiter der Musikabteilung der
Shida University in Taipei erstellte Chen Mao-Shuen umfangreiche Lehrbücher für
Harmonielehre, Tonsatz, Gehörbildung und Rhythmus, die den Grundstein für eine
taiwanische Schule bilden, wobei sich sein Lehrmaterial an europäischen
Schulmodellen orientiert. Auch heute noch werden seine musiktheoretischen
Lehrbücher an den meisten Musikinstitutionen verwendet. Darüber hinaus verfasste er
viele Kompositionen sowohl als Kunstmusik als auch als pädagogische Lehrstücke wie
etwa die Klaviersonatinen. Das Komponieren für pädagogische Zwecke stellt eine
Anknüpfung an abendländische Traditionen dar, die heute in Europa allmählich
verloren gehen. Für internationales Aufsehen sorgte der Komponist Ma Shuei-Long mit
seinem Werk „Bamboo Flute Concerto“, das westliche und fernöstliche Stilelemente
vermischt. 1983 wurde dieses Werk mit der Aufführung unter Mstislav Rostropovich
zum internationalen Erfolg.
Fotografie
→ Hauptartikel: Taiwanische Fotografie

Die frühe Fotografie in Taiwan wird in zwei Perioden unterteilt: die vor-japanische
von 1858 bis 1895 und die Zeit der japanischen Einflüsse von 1895 bis 1945 (1945
endete die japanische Besetzung Taiwans). Viele Werke der vor-japanischen Zeit
stammen von Händlern und ausländischen Missionaren. Chang Tsai (張才 / 张才), Deng
Nan-guang (鄧南光 / 邓南光) und Lee Ming-diao (李鳴鵰 / 李鸣雕) sind gemeinsam bekannt
als die „Drei Fechter“ (Three Swordsmen) und gehören zu den bekanntesten
taiwanischen Fotografen, die von 1930 bis 1950 aktiv waren. Die moderne Fotografie
wurde anfangs sehr von der nationalistischen Regierung geprägt, welche 1945 Besitz
von Taiwan ergriff.
Zeitrechnung und Feiertage

Die offizielle Zählung der Jahre richtet sich in Taiwan nach dem Gründungstag der
Republik China am 1. Januar 1912. So wird das Jahr 2011 (nach dem gregorianischen
Kalender) im Minguo-Kalender als 100. Jahr der Republik China gezählt. Im Alltag
und im Handel ist die westliche Jahreszählung ebenfalls gebräuchlich.

Der Nationalfeiertag ist der Tag der (bürgerlichen) chinesischen Revolution am 10.
Oktober, auch „Doppelzehnfest“ genannt. Dieser Tag erinnert an den Aufstand von
Wuchang am 10. Oktober 1911, der schließlich zur Gründung der Republik China
führte.

Der 1. Januar wird als Gründungstag der Republik China im Jahr 1912 gefeiert. Der
28. Februar erinnert als Friedenstag an den Zwischenfall vom 28. Februar 1947. Der
29. März wird als Tag der Jugend begangen, der 1. Mai als internationaler Tag der
Arbeit und ebenso der 8. Mai als internationaler Muttertag. Am 25. Oktober wird der
Befreiung von der japanischen Herrschaft am Ende des Zweiten Weltkrieges gedacht.
Der 12. November wird als Geburtstag von Sun Yat-sen gefeiert und der 25. Dezember
ist der Verfassungstag.

Die folgenden staatlichen Feiertage richten sich nach dem traditionellen


Chinesischen Kalender. Am 4., 5. und selten auch am 6. April findet das Qingming-
Fest beziehungsweise Totenfest statt.

Zum chinesischen Neujahrsfest im Januar oder Februar, das auch als Frühlingsfest
bezeichnet wird, sind etwa vier Tage frei. Im Mai oder Juni findet das
traditionelle Drachenbootfest statt und im September oder Oktober das Mondfest.
Siehe auch: Feiertage in der Republik China (Taiwan)
Bildung und Wissenschaft
Bildungssystem

Die Schulbildung beginnt mit sechs Jahren in der Grundschule, darauf folgen drei
Jahre Mittelschule und danach drei Jahre Oberschule.

Das moderne, westlich geprägte taiwanische Bildungssystem hat seine Ursprünge in


der japanischen Kolonialzeit. Nach der Übergabe der Insel an die Republik China
wurde das System in starker Anlehnung an das amerikanische Bildungssystem
weiterentwickelt. Die Alphabetisierungsrate lag 2015 bei 98,7 Prozent.[113] Im
PISA-Ranking von 2015 erreichen Taiwans Schüler Platz 4 von 72 Ländern in
Mathematik, Platz 4 in Naturwissenschaften und Platz 26 beim Leseverständnis.
Taiwanesische Schüler gehörten damit zu den besten unter allen teilnehmenden
Ländern.[114] Kritisiert wird allerdings der hohe Leistungsdruck, der auf den
Schülern lastet.[115]

Schulischer Werdegang bis zur Universität:

Grundschule (國小, Guóxiǎo)


Junior High School, eigentlich: Mittelschule (國中, Guózhōng)
Senior High School oder Senior Vocational School (高中, Gāozhōng oder 高職,
Gāozhí)
Universität (大學 / 大学, Dàxué) und Fachhochschule (學院 / 学院, Xuéyuàn)

Auf das allgemeine Schulwesen folgt die Universitätsbildung. Dort sind neben dem
eigentlichen Studienfach noch allgemeinbildende Fächer zu belegen. Nach vier Jahren
Universität (Abschluss mit dem BA) kann in zwei bis drei Jahren der Master-
Abschluss erworben werden.

Neben der regulären Schule gibt es eine Vielzahl privater Nachhilfeschulen (補習班,
bǔxíbān). Die große Mehrheit der Oberschüler besuchen sie, unter anderem zur
Vorbereitung auf die Aufnahmeexamen der Universitäten.
Siehe auch: Bildungssystem in Japan und Bildungssystem in den Vereinigten Staaten
Universitäre Bildung und Wissenschaft

Nationaluniversität Taiwan (NTU; chinesisch 國立臺灣大學 / 国立台湾大学, Pinyin


Guólì Táiwān Dàxué), Universität in Taipeh[116]
Chengchi-Nationaluniversität (NCCU; chinesisch 國立政治大學 / 国立政治大学, Pinyin
Guólì Zhèngzhì Dàxué), Universität in Taipeh[117]
Tsinghua-Universität (NTHU; chinesisch 國立清華大學 / 国立清华大学, Pinyin Guólì
Qīnghuà Dàxué), Universität in der Stadt Hsinchu[118]
Chiao-Tung-Universität (NCTU; chinesisch 國立交通大學 / 国立交通大学, Pinyin Guólì
Jiāotōng Dàxué), Universität in der Stadt Hsinchu[119]

Siehe auch: Liste der Universitäten in der Republik China


Medien

Die taiwanische Medienlandschaft ist pluralistisch und es herrschen Presse- und


Meinungsfreiheit. Es besteht eine große Vielfalt an Fernseh- und Radiosendern, die
in unterschiedlichen Sprachen (vorwiegend Hochchinesisch und Taiwanisch, aber auch
Hakka sowie in Sprachen der Ureinwohner Taiwans) senden. Die vier größten
Tageszeitungen sind die China Times, Liberty Times, United Daily News und Apple
Daily. Das Internet wird nicht zensiert. Auf der weltweiten Rangliste der
Pressefreiheit der Organisation Reporter ohne Grenzen belegte Taiwan im Jahr 2017
Platz 45 und damit die beste Platzierung in Ostasien.[120] Für den Auslandsrundfunk
ist die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Radio Taiwan International (RTI)
verantwortlich, deren Programme weltweit in 13 Sprachen, darunter Deutsch, gesendet
werden.[121] Neben der Präsenz im Internet werden Sendungen in deutscher Sprache
auch auf den Kurzwellenfrequenzen 3995 und 6185 kHz ausgestrahlt.
Sport

Sport ist ein populäres Hobby. Als Folge des Taiwan-Konflikts treten
Nationalmannschaften bei internationalen Wettkämpfen, wie den Olympischen Spielen,
seit den 1980er-Jahren unter dem Namen Chinesisch Taipeh an.
Badminton

Taiwanische Badmintonspieler sind häufig unter den Spitzenspielern in den


verschiedenen Disziplinen anzutreffen. Bei der Badminton-Weltmeisterschaft 2011 in
London erreichte Cheng Shao-Chieh als erste taiwanische Badmintonspielerin das
Finale, unterlag dort aber der Weltranglisten-Zweiten Wang Yihan. Im Viertelfinale
konnte sie sich noch gegen die Weltrangliste-Erste Wang Shixian durchsetzen.
Baseball
Baseball ist die populärste Sportart. Während der japanischen Kolonialzeit wurde
dieser Sport auf Taiwan eingeführt und ist nun der Nationalsport. Die Nationalliga
der Republik ist die Chinese Professional Baseball League (CPBL). Deren Finale ist
die „Taiwan Series“.

Es gibt einige taiwanische Baseballspieler in Japan und den USA. Ein sehr bekannter
von ihnen ist Wang Chien-ming, der aktuell (2017) bei den Kansas City Royals
spielt. Der größte Erfolg der taiwanischen Baseball-Nationalmannschaft war der
Gewinn der Goldmedaille bei den Asienspielen 2006 in Doha.
Basketball

Basketball ist auch eine populäre Sportart und gilt als meistgespielter Sport des
Landes.[122] Die taiwanische Basketball-Liga wurde 2003 gegründet und wird „Super
Basketball Liga“ (SBL) genannt. Sean Chen (Chen Hsin-An / 陳信安) ist einer der
Topspieler, nachdem er bei den Sacramento Kings in den Vorbereitungsspielen 2002
und 2003 zur NBA nicht glänzen konnte.

Der in den USA geborene NBA-Star Jeremy Lin hat taiwanische Wurzeln und bekam
deshalb Angebote, für die taiwanische Nationalmannschaft zu spielen, lehnte dies
bislang jedoch ab.
Radsport

Jährlich im März findet im Rahmen der UCI Asia Tour die Tour de Taiwan (年國際自由車
環台賽) statt. Sie wurde 1978 initiiert von King Liu, den Gründer der Giant Sports
Foundation. Die Tour wurde von der Union Cycliste Internationale 2005 anerkannt und
ist seither integraler Bestandteil der „Taipei Cycle Show“ des „Taiwan External
Trade Development Council“.
Fußball

Der Fußball wird von der Chinese Taipei Football Association organisiert, die die
Taiwanische Fußballnationalmannschaft der Frauen und die Taiwanische
Fußballnationalmannschaft der Männer stellt. Die Frauen-Nationalmannschaft nahm an
der ersten Weltmeisterschaft 1991 in der Volksrepublik China teil, schied dort aber
im Viertelfinale gegen den späteren Weltmeister USA aus. Sie ist neben Australien
und Neuseeland eine von drei Mannschaften, die sowohl Asien- als auch
Ozeanienmeister wurde. Fußball erreichte jedoch nie die Beliebtheit von Baseball
oder Basketball.

Die Oberliga ist die „Enterprise Football League“ (formal „National First Division
Football League“ genannt) und wird von den beiden Teams „Tatung FC“ aus Taipei und
„Taiwan Power Company FC“ aus Fengshan dominiert.

Es gibt zudem viele Amateur-Fußballvereine bestehend aus Immigranten, die jedoch


ihre eigenen Wettkämpfe untereinander haben. Ein Beispiel sind die „Kaohsiung 100
Pacers FC“ in Kaohsiung.
Marathon

Marathons werden jährlich in verschiedenen Orten Taiwans ausgetragen. Viele


Teilnehmer kommen von überall auf der Welt, um an diesen Läufen teilzunehmen. Die
bekanntesten sind der Taipei Expressway Marathon im März und der Taipei
International Marathon im Dezember.[123]
Tennis

In den vergangenen Jahren erreichten die taiwanischen Tennisspieler und


-spielerinnen gute Ergebnisse in internationalen Rankings. Lu Yen-hsun und Wang
Yeu-tzuoo zählten zeitweise zu den Top 100. Lus höchster Rang war bisher der 33.
Platz im November 2010 und Wangs war der 85. Platz im März 2006. Beide setzten
Rekorde in der Tennisgeschichte der Insel. Bei den Frauen der neuen Generationen
sind Chan Yung-jan, Chuang Chia-jung und Hsieh Su-wei zu nennen, in den 1990er-
Jahren war Wang Shi-ting eine bekannte Spielerin, die 1993 auf Platz 26 der
Weltrangliste stand.
Tourismus

Im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs wurde es immer größeren Teilen der


taiwanischen Bevölkerung möglich, Reisen sowohl im Inland als auch ins Ausland zu
unternehmen. Besuche ausländischer Touristen spielten hingegen eine eher
untergeordnete Rolle für die Tourismusbranche, wobei die meisten Besucher
jahrzehntelang aus Japan kamen. Diese Situation änderte sich schlagartig mit der
Öffnung touristischer Reiseziele Taiwans für Besucher aus der Volksrepublik China
ab dem Jahr 2008. Seither verzeichnet die Branche rapide Wachstumszahlen, die fast
ausschließlich auf den Besucherstrom aus China zurückzuführen sind. Im Jahr 2013
wurde im Bereich Tourismus ein Rekordumsatz von 12,32 Milliarden US-Dollar
verzeichnet.[124] Die touristischen Attraktionen der Insel sind über das ausgebaute
Autobahn- und Schnellstraßennetz leicht erreichbar.

Taiwans größtes Campinggebiet wurde Ende 1991 im Nationalen Landschaftsschutzgebiet


der Nordostküste, dort, wo der Shuangxi-Fluss ins Meer mündet, eröffnet. Im
Longmen-Park entlang des Flussufers kann man unter anderem Wassersport treiben, Rad
fahren und zelten.
Ureinwohner-Kultur

Seit Ende des 20. Jahrhunderts wurde auch die Kultur der Ureinwohner als
touristische Attraktion entdeckt. So ist es zum Beispiel im nordtaiwanischen Wulai
möglich, die überlieferten Tänze und Feste des Atayal-Stammes zu erleben und den
Anblick des Wasserfalls zu genießen, der in Kaskaden durch die üppige Vegetation zu
Tal schäumt.
Steinzeitfunde im Dorf Beinan

Im heutigen Stadtteil Beinan von Taitung bargen Arbeiter 1980 mehrere Sarkophage
aus der Erde. Dieser Fund war der Anfang eines acht Jahre währenden Projekts, das
zum Erhalt der Beinan-Kultur beitragen sollte. Die Beinan waren ein Volk von Bauern
und Jägern, die dort vor mehr als 5.000 Jahren lebten.

Die Töpferwaren, steinernen Utensilien, Jadegegenstände, Särge und Skelette, die an


der Ausgrabungsstätte gefunden wurden, werden heute im Kulturzentrum des
Landkreises Taitung aufbewahrt. Das Nationalmuseum für prähistorische Kultur
Taiwans stellt in einem Freilichtmuseum größere und in einem Innenbereich kleinere
Stücke aus.
Heiße Quellen

Jahrhundertelang kamen betagte Ureinwohner im Winter in das Tal am Unterlauf des


Zhiben nahe Taitung im südlichen Teil der Ostküste, um in den Sand am Flussufer
flache Löcher zu graben, die sich alsbald mit heißem Wasser füllten, das dort aus
der Erde sprudelt. Die alten Leute legten sich dann in diese improvisierten
Badewannen, um Schmerzen zu lindern.

Chinesische Einwanderer entdeckten bereits vor langer Zeit die Vorzüge des Tals,
welches heute ringsum von Papaya-, Bananen- und Betelnussplantagen umgeben ist, und
erschlossen das Erholungsgebiet der Thermalquellen von Zhiben. Sehenswürdigkeiten
sind der „Weißjade-Wasserfall“ und der Chingchueh-Tempel, in dem ein Bronze- und
ein Jadebuddha zu sehen sind.

Daneben gibt es in fast allen Gebirgsregionen Taiwans weitere heiße Quellen, unter
anderem im Yangmingshan-Nationalpark und in der Tarokoschlucht.
Nationalparks
→ Hauptartikel: Nationalparks in der Republik China (Taiwan)
Erst als die Bevölkerungsdichte auf Taiwan bereits sehr hoch war, begann die
Regierung mit der Einrichtung von Nationalparks. Das Nationalparkprogramm begann
1984, als an der Südspitze der Insel der Kenting-Nationalpark gegründet wurde. 1985
und 1986 folgten die Nationalparks Yushan in Zentraltaiwan, Yangmingshan im Norden
und Taroko im Osten der Insel. 1992 kam dann in Nordmitteltaiwan der Shei-Pa-
Nationalpark hinzu und 1995 der Kinmen-Nationalpark. Heute stehen 8,4 % der
Landfläche unter Naturschutz.
Kenting-Nationalpark

Der Kenting-Nationalpark bedeckt die Südspitze Taiwans und damit auch den einzigen
tropischen Küstenstreifen der Insel. An drei Seiten ist der Park von Wasser
umgeben: Im Osten vom Pazifik, im Süden vom Bashikanal (Luzonstraße) und im Westen
von der Taiwanstraße. Die Fläche des Parks umfasst über 177 km² Land und 149 km²
Ozean. Besonders bekannt ist der Kenting-Nationalpark für seine Korallenriffe,
natürlichen Monsunwälder und tropischen Regenwälder.
Yangmingshan-Nationalpark

Die vielen heißen Quellen am Berg Yangming belegen Taiwans vulkanischen Ursprung
und sind Teil des Yangmingshan-Nationalparks nördlich der Hauptstadt Taipei. Von
Februar bis April blühen hier Azaleen und Kirschblüten. Während dieser Zeit ist der
Park ein beliebtes Ausflugsziel. Bereichert wird das Farbenspiel durch die
zahlreichen Vogel- und Schmetterlingsarten.
Taroko-Nationalpark

Die tief eingeschnittene Taroko-Schlucht, die Hauptattraktion des gleichnamigen


Nationalparks ist, entstand durch einen Fluss, der sich durch die Kalk- und
Granitberge hindurchgearbeitet hat. Eine in den Fels gehauene Straße schlängelt
sich durch mehrere hundert Meter hohe, steil aufragende bewaldete Berge, während
viele Meter weiter unten der Fluss an Kalkfelsen vorbeifließt. Hier und da klammern
sich Pavillons, Pagoden oder Tempel an die in Nebel gehüllten Berghänge, an anderen
Stellen schießen Wasserfälle aus Gesteinsspalten heraus und stürzen steile
Felswände hinab.
Shei-Pa-Nationalpark

Im Südosten der Stadt Hsinchu erheben sich im zentralen Bergmassiv zwei mächtige
Gipfel, der Xueshan und der Dabajianshan. Sie sind das Herz des Shei-Pa-
Nationalparks. Der größte Teil des Parks ist nicht bebaut. Die Bergflüsse sind
sauber und große Flächen sind vom Urwald bedeckt. Wie der Yushan-Nationalpark und
der Taroko-Nationalpark dient auch Shei-Pa Taiwans vierbeinigen Säugetieren und
zweibeinigen Rucksackträgern als Zufluchtsort.
Kinmen-Nationalpark

Der 1995 eingerichtete Kinmen-Nationalpark nimmt ein knappes Viertel der Fläche des
Kinmen-Archipels ein. Bemerkenswert ist der Park vor allem aufgrund seiner reichen
Vogelwelt.
Museen

Auf Taiwan gibt es mehr als 400 Museen, vom weltweit bekannten „Nationalen
Palastmuseum“ bis hin zu kleinen Lokalmuseen. Die Schwerpunkte der Museen umfassen
u. a. bildende Kunst, moderne und zeitgenössische Kunst, Geschichte, Archäologie,
Anthropologie, Naturwissenschaften, Technik, Kunsthandwerk, Industrie,
Gedenkhallen, Theater, Literatur und Musik.

Die meisten Museen sind in Taipeh, Taichung und Kaohsiung angesiedelt, doch wurden
mittlerweile auch in anderen Städten oder Landkreisen Museen eröffnet. Die Aufgabe
der Einrichtung und Unterhaltung öffentlicher Museen liegen beim Ministerium für
Kultur oder bei den jeweiligen lokalen Behörden.
Das Nationale Palastmuseum
Taipeis faszinierendes Nationales Palastmuseum beherbergt die weltweit größte
Sammlung chinesischer Kunstwerke von unschätzbarem Wert, die die 5.000-jährige
Geschichte Chinas umspannt. Die meisten der 620.000 Objekte waren Teil der
kaiserlichen Sammlung, mit der in der frühen Song-Zeit vor über 1.000 Jahren
begonnen wurde. Nur die besten Stücke aus der kaiserlichen Sammlung werden hier
bewahrt. Selbst so ist dieser Schatz noch bei weitem zu umfangreich, um auf einmal
ausgestellt werden zu können. Viele der besonders geschätzten Stücke werden
permanent gezeigt. Der Großteil der Sammlung von Jade, Porzellanwaren, Gemälden und
Bronzen wird jedoch regelmäßig ausgetauscht.

Es ist das einzige Museum Taiwans, dessen Direktor durch den Premierminister
ernannt wird und das damit direkt der Zentralregierung untersteht.
Das Nationale Geschichtsmuseum

Das Nationale Geschichtsmuseum, an einer Ecke des Botanischen Gartens von Taipeh
gelegen, verfügt über eine einmalige Sammlung historischer Exponate.
Museum für moderne Kunst

In den 24 Ausstellungsräumen des Museums für moderne Kunst werden Werke der
modernen Kunst vorgestellt. Eine Reihe privater Galerien, von denen viele im
Taipeier Stadtviertel Dinghao dicht beieinander liegen, sind auf die
unterschiedlichsten Malereien im chinesischen und westlichen Stil spezialisiert.
Nationales Kunstmuseum

Das National Taiwan Museum of Fine Arts in Taichung gehört zu den größten
Kunstmuseen Asiens und widmet sich vor allem zeitgenössischer taiwanesischer Kunst
mit Schwerpunkt auf digitalen Formaten.
Chronologie

Quelle: „Museums of Taiwan“ des Kulturministeriums der Republik China[125]

1915 Eröffnung des Nationalen Geschichtsmuseums, des ersten Museums auf Taiwan,
durch die japanische Kolonialregierung.

1953 Das "Gesetz für gesellschaftliche Erziehung" (2015 aufgehoben) definiert


Museen als gesellschaftliche Bildungseinrichtungen und unterstellt sie dem
Erziehungsministerium.

1965 Eröffnung des Nationalen Palastmuseums.

1983 Eröffnung des Städtischen Kunstmuseums Taipeh, des ersten taiwanischen


Museums, das sich umfassend junger, moderner Kunst der Insel widmet.

1990 Gründung der „Chinese Association of Museums“ (Chinesischer Museumsverein) mit


Verbindungen zu nationalen und internationalen Museen.

1994 Eröffnung des „Shung-Ye-Museums“, initiiert durch die gleichnamige taiwanische


Ureinwohner-Stiftung.

2002 Das Kulturministerium verabschiedet den „Local Cultural Centre Development


Plan“ (Entwicklungsplan für lokale Kulturzentren), der kleine Museen weiter fördern
soll.
Persönlichkeiten

Regisseure: Ang Lee, Hou Hsiao-Hsien, Edward Yang


Schauspieler: Shu Qi, Brigitte Lin, Baron Chen
Musiker: Wang Leehom, Vivian Hsu, Jay Chou, Freddy Lim
Chemie-Nobelpreisträger: Yuan T. Lee
Literatur: Kenneth Hsien-yung Pai, Lung Ying-tai
Unternehmer: Morris Chang
Choreograph: Lin Hwai-min

Siehe auch

Liste geographischer Namen in den von der Republik China kontrollierten


Gebieten
Portal: China – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema China
Portal: Taiwan – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Taiwan

Literatur

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University Press of America, 1991, ISBN 0-943057-04-3.
John Franklin Copper: Historical Dictionary of Taiwan (Republic of China). 3.
Auflage. Scarecrow Press, ISBN 978-0-8108-5600-4.
James Davidson: The Island of Formosa. Past and Present. London/New York 1903.
Chou Fan: Wem gehört Taiwan? (Reihe Sinica 30). Übersetzt von Peter Busch.
Bochum, Westdeutscher Universitätsverlag, 2014, ISBN 978-3-89966-390-7.
Mathias Neukirchen: Die Vertretung Chinas und der Status Taiwans im
Völkerrecht. Nomos, Baden-Baden 2004, ISBN 3-8329-0459-X.
Gunter Schubert (Hrsg.): Routledge Handbook of Contemporary Taiwan, London:
Routledge 2016, ISBN 978-1-138-78187-0.
John Robert Shepherd: Statecraft and Political Economy on the Taiwan Frontier.
Stanford 1993, ISBN 0-8047-2066-5.
Oskar Weggel: Die Geschichte Taiwans. Vom 17. Jahrhundert bis heute. Edition
global, München 2007, ISBN 978-3-922667-08-7. (Rezension von Urs Schoettli in der
NZZ vom 22. Juni 2007) (1. Aufl., Böhlau, 1991, ISBN 3-412-02891-6).
Thomas Weyrauch: Chinas unbeachtete Republik. 100 Jahre im Schatten der
Weltgeschichte. Band 1: 1911–1949. Longtai 2009, ISBN 978-3-938946-14-5.
Thomas Weyrauch: Chinas unbeachtete Republik. 100 Jahre im Schatten der
Weltgeschichte. Band 2: 1950–2011. Longtai 2011, ISBN 978-3-938946-15-2.
Deutsch-Chinesische Gesellschaft e. V. Freunde Taiwans(Hrsg.): Taiwan in
Bewegung. 100 Jahre Republik China Berlin: Deutsch-Chinesische Gesellschaft e. V.
Freunde Taiwans 2014.
Benno Kroll, Fotos: Michael Wolf: Taiwan: Reiches, armes Vaterland In: Geo-
Magazin, Hamburg 1979,4, S. 108–134. (Informativer Erlebnisbericht eines Insiders:
„Jahrelang wurden taiwanesische Soldaten darauf gedrillt, das Festland
zurückzuerobern. Jetzt hat Peking die Wiedervereinigung angeboten.“) ISSN 0342-8311

Weblinks
WiktionaryWiktionary: Republik China – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft,
Synonyme, Übersetzungen
Commons: Republik China – Sammlung von Bildern
Wikimedia-Atlas: Republik China (Taiwan) – geographische und historische Karten
Wikivoyage: Republik China – Reiseführer

Auswärtiges Amt – Taiwan


Taiwan. Die Republik China auf einen Blick 2016. (Informationsbroschüre des
taiwanischen Außenministeriums)
Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen,
politischen und wirtschaftlichen Situation in Republik China (Taiwan)
Offizielle Statistiken der Republik China (Taiwan)
T@iwan heute, deutschsprachige Nachrichtenwebsite der taiwanischen Regierung
Taipeh Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland (Memento vom 15. April 2013
im Webarchiv archive.today)
ausführliche Daten, Fakten, Bilder und Videos zu Taiwan

Einzelnachweise
各月人口資料(括弧內為資料起始年月)03 鄉鎮戶數及人口數(9701) („Bevölkerungsdaten für jeden
Monat (in Klammern ist der Anfangsmonat der Daten) 03 Gemeinden und Bevölkerung
(9701)“). Taiwanisches Innenministerium, abgerufen am 8. Juli 2018 (chinesisch).
www.cia.gov (engl.)
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Museums of Taiwan: Chronological Landmarks (Memento vom 13. April 2009 im


Internet Archive), Letzter Zugriff am 19. Dezember 2016 (englisch)

Ausklappen
Politische Gliederung Asiens
Ausklappen
Zeittafel der Chinesischen Geschichte
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