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Der Hauptsatz der Differential und

Integralrechnung

Michael Karkulik, Stephan Schmeissl

Präsentation für Logik als Arbeitssprache ê Präsentationstechnik


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Inhalt:
1.0 Zusammenfassung
2.0 Einleitung
3.0 Der Hauptsatz
3.1 Motivation
4.0 tiefergehende Informationen
4.1 Hilfssatz 1
4.2 Hilfssatz 2
4.3 Beweis des Hauptsatzes
5.0 Anwendungsbeispiele und Folgerungen
6.0 Beispiele
6.1 Graphen von Stammfunktionen
7.0 Anhang
7.1 Literaturverzeichnis

1.0 Zusammenfassung
Die Differentialrechnung stellt uns Sätze zur Verfügung, mit deren Hilfe es möglich ist, auch schwierige
Funktionen einfach abzuleiten. Bei der Integralrechnung ist dies leider nicht der Fall! Die Definition liefert
eine klare Vorstellung vom Integralbegriff, ist jedoch für die konkrete Berechnung unbrauchbar. Der Haupt-
satz der Differential- und Integralrechnung liefert uns eine sehr mächtige Methode, die aufwendige Berech-
nung durch die Definition zu umgehen. Diese Arbeit liefert die für diesen Satz nötige Motivation sowie den
Beweis und Anwendungsbeispiele. Nach dem Lesen dieser Arbeit sollten Sie in der Lage sein, den Beweis
des Hauptsatzes nachzuvollziehen und ihn anzuwenden.

Die Grundaussage des Hauptsatzes, die wir hier auch zeigen wollen ist folgende: die Differential und Integral-
rechnung sind invers zueinander. Also wenn ich eine Funktion f integriere, und sie dann wieder ableite lande
ich wieder bei meiner ursprünglichen Funktion f.
Ausserdem befasst sich die Integralrechnung mit der Berechnung von Flächen unter Funktionsgraphen.
Diese Fläche kann durch eine Summe von Teilflächen approximiert werden, und geht im Grenzwert in das
Integral über. Durch den Hauptsatz können wir auf das mühsame Bilden von Grenzwerten mit dem Rie-
mannschen Integral verzichten und viel schneller und effektiver mit Integralen arbeiten.

2.0 Einleitung
Im folgenden wird der Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung kurz mit HS bezeichnet. Weiters sei
I immer ein Intervall in  das aus mehr als einem Punkt besteht.
Es wird angenommen, das der Leser mit der Definition des Riemannschen Integrals sowie mit dem Zwischen-
wertsatz vertraut ist.
3

3.0 Der Hauptsatz

3.1 Motivation

Zu Beginn betrachte man folgendes Beispiel:

Ÿ1 ÅÅÅÅ
e 1
x
Å „x

Man könnte dieses Beispiel laut Definition des Riemannschen Integrals lösen, was natürlich sehr aufwendig
ist. Mit Hilfe des HS ist dieses Beispiel sehr einfach zu lösen. Bevor wir den entsprechenden Satz zeigen,
müssen wir einen anderen Begriff definieren:

Definition 1 (Stammfunktion)

F: I Ø 
f: I Ø 
seien Funktionen.
Sei F differenzierbar auf I und F' = f auf I.
Dann heisst F "Stammfunktion" von f auf I.

1
So ist z.b.: ln(x) eine Stammfunktion von ÅÅÅÅ
x
Å auf ] 0 , ¶ [.

Bemerkung: Es gibt für jede Funktion f eine unendliche Zahl von Stammfunktionen, da durch die Differz-
ierung Information verloren geht (ausser in den ganz einfachen Fällen).
Beispiel: F' = f Ô G' = f fi F' - G' = 0 fi (F - G)' = 0 fi F - G = c , was wiederum bedeutet dass
sich F und G nur um eine Konstante unterscheiden!

Nun folgt die Defintion des Hauptsatzes:

Satz 1 HHSL

f : I Ø  sei eine stetige Funktion.


F : I Ø  sei eine Stammfunktion von f auf I
Dann gilt :

" a, b Œ I mit a < b : ‡ f Hx L „ x = F HbL - F HaL


b

Bemerkung: F(b) - F(a) wird oft kurz als F Hx L»ba geschrieben

Laut Satz 1 gilt also, das man ein vorgelegtes Integral Ÿa f Hx L „ x (Existenz vorausgesetzt) höchst einfach
b

ohne den komplizierten Riemannschen Grenzprozeß berechnen kann, wenn f eine Stammfunktion F auf I
besitzt und man diese kennt. Da das Integral aber auf [a,b] nicht zu existieren braucht, gilt der Hauptsatz
4

also dann, wenn die Ausdrücke Ÿa f Hx L „ x und [Ÿ f Hx L „ x ]ba


b
existieren.

Ÿ1 ÅÅÅÅ
e
1
Nun können wir das oben erwähnte Beispiel lösen:
x
Å „ x = ln(e) - ln(1) = 1

Ein weiteres Beispiel das den Sachverhalt anschaulich zeigt:

Ÿ3 H5 x 3 + 3 x 2 - 2M „ x = I ÅÅÅÅ
Å4ÅÅÅÅÅ + x 3 - 2 x Mx =7 - I ÅÅÅÅ
ÅÅÅÅÅ + x 3 - 2 x Mx =3 =
7 5x 4 4
5x 13321 489
4 4
ÅÅÅÅÅÅ - ÅÅÅÅ
ÅÅÅÅÅÅÅÅ ÅÅÅÅÅ = 3208
4

4.0 tiefergehende Informationen

4.1 Hilfssatz 1

Satz 1

Sei:
f: I Ø  stetig
c,d œ I: c < d
M := maxx œ @c ,d D ( f(x) )
m := minx œ @c ,d D ( f(x) )

$x œ [c,d] mit Ÿc f Hx L „ x = (d - c)f(x)


d
Dann gilt:

Beweis (Satz 1)

Seien j: [c,d] Ø  und g: [c,d] Ø  Treppenfunktionen.


j(x) = m g(x) = M

Ÿc jHx L „ x = m(d - c)
d
Dann gilt:

Ÿc gHx L „ x = M(d - c)
d

Weiters gelte:

m := minx e @c ,d D ( f(x) ) fl " x e [c,d]: m § f(x) fl " x e [c,d]: j(x) § f(x)


M := maxx e @c ,d D ( f(x) ) fl " x e [c,d]: f(x) § M fl " x e [c,d]: f(x) § g(x)

fl m(d - c) = Ÿc jHx L „ x § Ÿc f Hx L „ x § Ÿc gHx L „ x = M(d - c)


d d d

m(d - c) § Ÿc f Hx L „ x § M(d - c) für m § M


d
d.h.:
fl $ m e  : m § m § M : Ÿc f Hx L „ x = m(d - c)
d
5

Laut dem Zwischenwertsatz für stetige Funktionen gilt für obiges m:

$ x e [c,d]: f(x) = m
fl $ x e [c,d]: Ÿc f Hx L „ x = (d - c) f(x)
d

4.2 Hilfssatz 2

Satz 2

Unter den Vorraussetzungen des Hauptsatzes gilt:

Sei G(x) := Ÿa f Ht L „ t
x

Dann ist G diffbar und es gilt: " x e I: G'(x) = f(x)

Beweis (Satz 2)

Sei G(x) := Ÿa f Ht L „ t
x

Ÿa f Hx L „ x - Ÿa f Hx L „ x Ÿx f Hx L „ x
x +h x x +h
G Hx +h L - G Hx L
G'(x) = Lim ÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅ
ÅÅÅÅÅÅÅÅ
h
Å ÅÅÅÅÅÅÅ
Å Å = Lim ÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅ
h
ÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅ
Å ÅÅÅ = Lim ÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅ
h
ÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅ
h Ø0 h Ø0 h Ø0

Laut Satz 2b gilt:

f Hx L „ x
Ÿx
x +h
$x e [x,x + h]: Lim ÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅÅ = Lim ÅÅÅÅh1Å [ h · f(x) ] = Lim f(x) = f( Lim x) = f(x)
h Ø0 h h Ø0 h Ø0 h Ø0

fl G'(x) = f(x)

4.3 Beweis des Hauptsatzes

Lemma 1

Seien unter den Vorraussetzungen des Hauptsatzes F, G Stammfunktionen von f auf I.


Folgender Zusammenhang gilt dann auf I:

f = F' = G'fl F' - G' = 0 fl (F - G)' = 0 fl $ c e : F - G = c fl $ c e : F = G + c


6

Beweis (Satz 1)

Sei F eine Stammfunktion von f auf I.

G(x):=Ÿ Ht L „ t
x
a
f ist eine Stammfunktion von f (siehe 4.2 Hilfssatz 2).

fl$ce:F=G+c
fl F(b) - F(a) = [G(b) + c] - [G(a) + c] = G(b) - G(a) = Ÿa f Hx L „ x - Ÿa f Hx L „ x = Ÿa f Hx L „ x
b a b

Also gilt: Ÿa f Hx L „ x = F(b) - F(a)


b

5.0 Anwendungsbeispiele und Folgerungen

5.1 Wiedergewinnung einer Funktion F aus ihrer Änderungsrate

Die eindeutige Wiedergewinnung der Funktion F aus ihrer Änderungsrate ist meist unmöglich (siehe
Bemerkung nach Def. 1). Da sich die Stammfunktionen einer Funktion jedoch maximal um eine Konstante c
unterscheiden, kann F schnell an die Gegebenheiten angepasst werden. Das Addieren einer Konstante
entspricht ja - grafisch anschaulich - lediglich einer Verschiebung auf der y-Achse, was bei einmaligem
Differenzieren / Integrieren gut ausgeglichen werden kann, da sich die Ergebnisse nicht in der Form,
sondern nur in der vertikalen Lage unterscheiden. Aber schon bei zweimaliger Differentiation / Integration
tun sich grosse Unterschiede in der Form der Funktionen auf.

Beispiel: f'(x) = x2 + 6 x + 1

3
x
3
ÅÅ + 3 x2 + x +c
f(x) = ÅÅÅÅ fl je nach c verschiebt sich die Funktion, bleibt aber in den
Grundeigenschaften gleich (Beispiel 1)

4 2
x x
12
ÅÅÅ + x3 + ÅÅÅÅ
F(x)= ÅÅÅÅ 2
ÅÅ +cx fl je nach c ändert sich hier bereits die Funktion
(siehe Beispiel 2)
7

6. Beispiele:

ü Beispiel 1:

H∗ für c = 1 ∗L
x3
f1@x_D := """"""" + 3 x 2 + x + 1
3

H∗ für c = 1 ∗L
x3
f2@x_D := """"""" + 3 x 2 + x + 10
3

H∗ für c = 1 ∗L
x3
f3@x_D := """"""" + 3 x 2 + x + 40
3

Plot@8f1@xD, f2@xD, f3@xD<, 8x, −5, 5<,


PlotStyle −> 8RGBColor@0, 0, 0D, RGBColor@1, 0, 0D, RGBColor@0, 0, 1D<D

100

80

60

40

20

-4 -2 2 4

( Graphics (

ü Beispiel 2:

H∗ für c = 1 ∗L
x4 x2
f4@x_D := """"""" + x3 + """""" + x
12 2

H∗ für c = 10 ∗L
x4 x2
f5@x_D := """"""" + x3 + """""" + 10 x
12 2

H∗ für c = 40 ∗L
x4 x2
f6@x_D := """"""" + x3 + """""" + 40 x
12 2
8

Plot@8f4@xD, f5@xD, f6@xD<, 8x, −15, 10<,


PlotStyle −> 8RGBColor@0, 0, 0D, RGBColor@1, 0, 0D, RGBColor@0, 0, 1D<D

800

600

400

200

-15 -10 -5 5 10

-200

-400

( Graphics (

7.0 Anhang

7.1 Literaturverzeichnis

Analysis 1 & 2 Vorlesungsmitschriften von Prof. Gerhard Larcher, Johannes Kepler Universität Linz, WS 2004
& SS 2004
Lehrbuch der Analysis, Teil 1, von Harro Heuser, Ausgabe 2003, Teubner Verlag Stuttgart