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Psychotherapeutische Verfahren

Verhaltenstherapie

Univ.-Prof. Dr. Verena Günther


Abteilung für Klinische Psychologie
der Univ.-Klinik für Allgemeine Psychiatrie
und Sozialpsychiatrie Innsbruck
A-6020 Innsbruck, Anichstraße 35
Tel.: ++43-512-504-23655
Fax: ++43-512-504-24249
E-Mail: verena.guenther@uki.at
Einteilung der
psychotherapeutischen
Verfahren
I. Tiefenpsychologische Ansätze
II. Humanistische Ansätze
III. Systemische Ansätze
IV. Verhaltenstheoretische Ansätze

schmidererfoto
copyright
Verhaltenstherapie
Behavior therapy

USA
O.R.Lindsley, B.F.Skinner, H.L.Solomon,
1953

zw. 1950 und 1960 Zentren

Südafrika
J. Wolpe, A.A. Lazarus, S. Rachman

England
H.J. Eysenck, D. Shapiro, A.J.Yates
John Watson (1878-1958)

Umweltdeterminismus
Geben Sie mir ein Dutzend gesunder
Säuglinge und eine von mir bestimmte
Umwelt, dann garantiere ich Ihnen, dass
ich das machen kann, was ich will:
Verbrecher, Arzt, Rechtsanwalt, Mörder...
John Watson (1878-1958)
Iwan Petrowitsch Pawlow (1849-1936)
Frederic Burrhus Skinner (1904-1992)
Albert Bandura (geb. 1925)
Verhaltenstherapie – Historie

1. Lerntheorien als Grundlage


Klassische Konditionierung
Lernen am Erfolg
Modelllernen (soziales Lernen)
2. Kognitiv-emotionale Wende
3. Emotive Welle
Achtsamkeit und A kzeptanz

Verhaltenstherapeutisches Vorgehen versucht, alle Ebenen


menschlichen Verhaltens (Verhaltensebene, kognitive
Ebene, emotionale Ebene, physiologische Ebene,
motorische Ebene) zu erreichen, wobei die Lernfähigkeit des
Individuums als Basis für therapeutische Veränderungen
herangezogen wird.
Iwan Petrowitsch Pawlow (1849-1936)

Klassische Konditionierung
Burrhus Frederic Skinner (1904-1992)

Operantes Konditionieren,
Lernen am Erfolg
positive/negative Verstärkung
positive/negative Bestrafung
Albert Bandura (geb. 1925)

Lernen am Modell
Soziales Lernen
Aaron T. Beck (geb. 1921)
Judith S. Beck (geb. 1954)

Kognitive Wende
Kognitives Modell der Depression

Kognitive Schemata
(„Oberpläne“)

Kognitiver Fehler

Kognitive Triade
Kognitive Triade der Depression

negative Sicht von sich selbst

negative Sicht der Umwelt

negative Sicht der Zukunft


Kognitive Irrtümer/Fehler
Übergeneralisierung
selektive Abstraktion
übertriebenes Verantwortungsgefühl
Annehmen einer zeitlichen Kausalität
(Vorhersagen ohne ausreichende Evidenz)
Bezugnahmen auf die eigene Person (Personalisierung)
Katastrophisieren (Wahrsagen)
dichotomes Denken (Alles oder Nichts)
Positives Ausschließen oder Abwerten
Gefühl als Beweis
Etikettierungen
Vergrößerung/Verkleinerung
Mentaler Filter
Gedankenlesen
“Sollte“ und „müsste“-Aussagen
Tunnelblick
Kognitive Schemata
„Unreifes“ „Reifes“ Denken
1. Eindimensional + Multidimensional
global (bin ängstlich aber...)
(bin ängstlich)
2. Invariabel Variabel
(war immer Feigling) (Angst ändert sich von Zeit zu
Zeit)
3. Verabsolutierend und Relativierend und nicht wertend
Moralisierend (bin ängstlicher als viele...)
(ich bin totaler Feigling)
4. „Charakterdiagnose“ „Verhaltensdiagnose“
(habe Charakterfehler) (gehe oft Dingen aus dem Weg...)

5. Irreversibel Reversibel
(man kann nichts ändern) (ich kann Methoden lernen um...)
Zwei Grundannahmen

Hilflosigkeit
Nicht liebenswert zu sein

Grundannahmen sind
häufig unausgesprochen
betreffen auch Andere
betreffen auch die Umwelt

Gründe liegen in der Sozialisation


Kognitiver „Teufelskreis“

Konsistenzeinschätzung

und

Konsenseinschätzung

Depression

Rückzug
Kognitiv-emotionale Wende –
Maladaptive Schemata
(Jeffrey E. Young, 2005)

• weit gestecktes, umfassendes Thema oder


Muster

• Besteht aus Erinnerungen, Emotionen,


Kognitionen und Körperempfindungen
• Bezieht sich auf die Person selbst und ihre
• Kontakte zu anderen

• Ist in Kindheit oder Adoleszenz entstanden

chmiderer
copyright schmiderer foto
foto
• Hat sich im Laufe des Lebens verstärkt
• Stark dysfunktional

s
copyright
Achtsamkeit/Mindfulness
Mindfulness-Based-Cognitive-Therapy
(MBCT von Segal, Williams und Teasdale, 2002)

Achtsamkeit ist die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit


absichtsvoll und nicht wertend auf den aktuellen
Moment zu richten.
Der Fokus auf das Hier und Jetzt
verhindert ein sich Verlieren in Grübeleien und
Erinnerungen
(„attentional control, meta-cognitive awareness“)
(Teasdale et al., 1995, 2000, 2002).
Mindfulness - Achtsamkeit

Achtsamkeit ist die Fähigkeit, in jedem Augenblick unseres Lebens wirklich


präsent zu sein.
Es ist eine spezifische Form der Aufmerksamkeitslenkung.

Verhaltenstherapie und Achtsamkeit


Neben dem Ziel der Symptomveränderung wird in der neuen VT
die Akzeptanz des Problems als bedeutender Veränderungsschritt gesehen.
Akzeptanz wird durch Achtsamkeit erreicht und verhindert
Vermeidungsverhalten.

Marsha Linehan (1996)


Was-Fertigkeiten: Wahrnehmen, Beschreiben, Teilnehmen
Wie-Fertigkeiten: nicht Bewerten, Konzentration, wirkungsvolles Handeln
Selbstmanagement-Therapie
(Kanfer, Reinecker,Schmelzer, 2000)

Einige Grundannahmen

1. Der Mensch strebt nach Selbstbestimmung und Autonomie sowie


Selbstregulation
2. Aktive Lebensgestaltung
3. Maximierung persönlicher Freiheit
4. Individuelle Ziele
5. Ziele können sich ändern
6. Selbstregulation ist erlernbar
7. Wahrgenommene Kontrolle erhöht Motivation
8. Selbstmanagement verhindert Widerstand und Gegenkontrolle
9. Die Selbstattribution ist eine Folge der Selbstregulation und
verstärkt unabhängige Handlungen
10. Generalisierung des Therapieeffekts wird erleichtert
Phasen der Selbstmanagement-Therapie

1. Eingangsphase
Schaffung günstiger Ausgangsbedingungen
2. Aufbau von Änderungsmotivation und vorläufige Auswahl
von Änderungsbereichen
3. Horizontale und vertikale Verhaltensanalysen
Verhaltensdiagnostik
4. Vereinbaren therapeutischer Ziele
5. Planung, Auswahl und Durchführung spezieller Methoden
6. Evaluation therapeutischer Fortschritte
7. Endphase
Erfolgsoptimierung und Abschluss der Therapie
Follow-up Katamnesen
1. Eingangsphase

Zur besonderen Situation des Erstkontaktes

Mit welchen Präsentiersymptomen kommt eine Person


genau jetzt und gerade zu mir in Therapie?
ZUR BESONDEREN SITUATION DES ERSTKONTAKTES

Weshalb kommt eine Person zum jetzigen Zeitpunkt in Therapie?


Weshalb kommt die Person zu mir?
Weswegen kommt sie in Therapie? (Präsentiersymptome)

• Finde heraus, weswegen jemand gerade jetzt und hier eine Therapie beginnen möchte.
• Versuche zu klären, wie und wann die präsentierte Hauptbeschwerde so „problematische“ Ausmaße
annahm, dass jemand deswegen Therapie sucht. Kläre auch, wer eine Beschwerde als „Problem“
definierte.
• Kläre, was der Klient über Deine Einrichtung und Dienste weiß, sowie in welchem Zusammenhang
dieses Wissen zu seinen Behandlungserwartungen und seinem Selbstverständnis steht.
• Suche bei den Problemschilderungen von Klienten nach subjektiven Ansichten und irrationalen
Haltungen, die möglicherweise eine Situation erst zum „Problem“ machen bzw. selbst ein
konstituierender Teil des Problems sind.
• Hole- das Einverständnis des Klienten vorausgesetzt- medizinisch-physiologische Befunde ein, wenn
physische Symptome (organisch oder funktional) im Mittelpunkt stehen oder eine intensive
Mitbeteiligung von Gamma-Variablen zu vermuten ist. Kläre auch die Rolle dieser Symptome im
sozialen Kontext sowie im Alltagsablauf des Klienten.
• Exploriere möglichst genau die subjektiven Erklärungen von Klienten hinsichtlich der Entstehung von
Symptomen, ihre Bedeutsamkeit sowie deren kausalen Attribuierung, ohne ihnen „objektive
Richtigkeit“ zu unterstellen. Kläre auf diese Weise den wichtigsten subjektiven Grund von Klienten,
sich für eine Therapie zu entscheiden.
• Motiviere Klienten, zur nächsten Sitzung wiederzukommen, wenn eine Behandlung aus Deiner Sicht
sinnvoll und Erfolg versprechend erscheint. (Unterstütze im umgekehrten Fall Klienten bei der Suche
nach besser geeigneten Hilfsmöglichkeiten oder alternativen Behandlungsadressen für ihre Anliegen.)
Zusammengefasst

Inhaltlich-problembezogene Angaben
Beschwerden, Schwierigkeiten, Konflikte,
Ziele, Erwartungen, Wünsche, Hoffnungen
Allgemeine Anamnese-Daten und Angaben zum persönlichen
Hintergrund

Beobachtungen hinsichtlich therapeutischer Basisvariablen


Therapeut-Klient-Beziehung
Arbeitsorientierung und Eigeninitiative
Therapiemotivation

Sonstiges
Besondere Beobachtungen oder Auffälligkeiten im
Klientenverhalten
Maßnahmen zur „Prä“-Evaluation
Vereinbarungen/ Abmachungen/ Hausaufgaben
Schwerpunktziele Phase 1

1. Bildung einer therapeutischen Allianz


Strukturierung der Rollen von Therapeut und Klient
Aufbau einer positiven Therapeut-Klient Beziehung

2. Problembezogene Informationssammlung
Sichtung der Eingangsbeschwerden
Sichtung der Eingangserwartung
Erste Überlegungen hinsichtlich therapeutischer
Ansatzpunkte

3. Äußere Merkmale der Therapiesituation


Organisatorische Belange
Therapeutisches Setting
1.1 Bildung einer Therapeutischen Allianz

Strukturierung der Rollen von Therapeut und Klient


Aufbau einer positiven Therapeut/Klient Beziehung

Gelingt es
• dem Therapeuten, seine Rolle als therapeutischer Helfer von üblicher Freundschafts-
oder Arzt-Patent-Beziehung klar zu trennen und dies mitzuteilen?
• den Klienten von der Notwendigkeit einer aktiven Komplementärrolle zu überzeugen?
• vom Klienten als „Änderungsassistent“ wahrgenommen zu werden?
• therapeutische Basisvariablen zu realisieren?
• einen sanktionsfreien Rahmen zu gewährleisten, also keine Bestrafung oder
Sanktionen auf ungewöhnliche Gedanken oder Verhaltensweisen zu geben?
• Offenheit und Vertrauen beim Klienten zu fördern?
• das therapeutische Vorgehen klar zu strukturieren und optimale Transparenz zu
gewährleisten?
• nicht nur als verständnisvolle, sondern als fachlich kompetente Person
wahrgenommen zu werden
• eigene und persönliche Ziele herauszuhalten und den Charakter einer Arbeitsbeziehung
zu wahren?
Fremdhilfe vs. Selbsthilfe

• Verantwortung übernehmen
• Maximale vs. minimale Hilfe
• Sich auf Klienten einlassen vs. Gegenerfahrung provozieren
• Wärme, Freundlichkeit vs. Strenge, Fordern, Führen
• Schonung/ Angstabbau vs. Belastung / Konfrontation mit der
Angst
• Sprache des Klienten übernehmen vs. neue Sprache
einführen
• Therapie an Klienten anpassen vs. Klienten zur Therapie
• Widerstand akzeptieren vs. Konzept durchhalten
• Leiden ernst nehmen vs. Hoffnung induzieren
Aufbau von Arbeitsorientierung

Positivkriterien
Klient liefert nötige Informationen
Klient macht eigene Vorschläge
Klient bringt von sich aus wichtige unterlagen mit
Gemeinsam getroffene Vereinbarungen und Abmachungen werden
eingehalten
Klient erledigt therapeutische Hausaufgaben
Negativkriterien
Machen Sie einmal – Haltung das Klienten
Analogie zum medizinischen Arzt-Patienten-Verhältnis
Klient versucht, Verantwortung an den Experten abzugeben
Klient möchte über seine Schwierigkeiten nur reden
Klient wechselt sprunghaft zum Thema, sobald Verhaltensänderung
beginnen sollte
Absprachen und Vereinbarungen werden nicht eingehalten
Hausaufgaben werden nicht oder mangelhaft erledigt
Beziehungsangebote durch den Klienten

• Übertragungstest
Patient verhält sich so, dass er dazu einlädt
kritisiert
kontrolliert
missbraucht zu werden.

Patient überprüft:
Sind alle Menschen so wie meine Eltern?
Bin ich so wenig Wert, dass man so mit mir umgeht?
Kann mich der Therapeut auf dieselbe Art schädigen wie meine Eltern?

• Opfer-Täter-Test
Patient behandelt Therapeuten so, wie er selbst behandelt wurde
Klient muss neues Beziehungsangebot erleben.

Patient überprüft:
Wird der Therapeut auch so hilflos wie ich es wurde?
Therapeut muss als Modell im Umgang mit Verletzung und Kritik
wirken.
Professionelle TherapeutInnen können

eine motivorientierte Beziehung herstellen


erkennen, welches Grundbedürfnis bei Klienten
verletzt wurde und ermöglichen ihm/ihr, dies
zu nähren:
Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle
Bedürfnis nach Bindung
Bedürfnis nach pos. Selbstwert
Bedürfnis nach Wohlbefinden und
angenehmen Erfahrungen
Was wirkt?

Mehrabian (1972)
Beziehungsregulation erfolgt zu
7% über Inhalt
38% über Tonfall
55% über Mimik

Sehr spannende Psychotherpieforschung


heute: E-Mental Health hilft!?!?
1.2. Problembezogene Informationssammlung

Sichtung der Eigenbeschwerden


Sichtung der Eingangserwartung
Erste Überlegungen hinsichtlich therapeutischer Ansatzpunkte

• Wie bedeutsam (u. U. existenziell bedrohlich!) ist die Beschwerde für den
Klienten bzw. für dessen Umgebung?
• Welche Schwierigkeiten haben für den Klienten den höchsten
Belastungsgrad (Prioritäten!)?
• Woran möchte der Klient am liebsten arbeiten (Motivation!)?
• Welche Erwartungen/Ziele hat der Klient explizit/implizit geäußert?
• Entspricht das entsprechende „target“ den geäußerten Erwartungen/Zielen
des Klienten?
• Welchen Stellenwert hat die Einzelschwierigkeit im Gesamtrahmen der
vorgebrachten oder konstatierten Beschwerden (peripher?/zentral?)?
• Gibt es eventuell wichtigere vorgeordnete „targets“?
• Gibt’s es Ansatzpunkte, deren Änderung ein breites Spektrum positiver
Folgewirkungen im Hinblick auf andere Beschwerden zur Konsequenz hätte?
• Ist eine Änderung der fraglichen Schwierigkeit überhaupt möglich (oder
handelt es sich dabei um eine unabänderliche „Tatsache“)?
• Gibt es hinsichtlich der Kompetenzen des betreffenden Therapeuten oder aber
aufgrund der speziellen Lebenssituation des Klienten spezielle Möglichkeiten
oder aber Grenzen?
• Welche (kurzfristigen und langfristigen) Konsequenzen träten ein, wenn eine
Therapie an diesem Punkt angesetzt würde?
• Welche (kurzfristigen und langfristigen) Konsequenzen hätte eine erfolgreiche
Änderung sowohl für den Klienten als auch für seine Umgebung?
• Welche speziellen Methoden/besonderen Hilfsmittel wären nötig, falls dieser
Punkt als Ansatzpunkt gewählt würde?
• Kosten-Nutzen-Analyse: Wie hoch wäre – in jeder Hinsicht – der Aufwand für
eine Behandlung?
• Bestehen gute Chancen, Erfolgreiche Änderungen des Ansatzpunktes auch
nach Therapieende aufrechterhalten zu können (oder wären Veränderungen
von vornherein nur kurzfristig auf die therapeutische Sondersituation
beschränkt)?
• Welche zusätzlichen Informationen wären nötig, um überhaupt vorläufige
therapeutische Ansatzpunkte beurteilen und festlegen zu können?
1.3. Äußere Merkmale der Therapiesituation

Organisatorische Belange
Therapeutisches Setting

• Ist die Institution /der betreffende Therapeut für die vorgebrachten


Beschwerden zuständig/kompetent?
• Gibt es besser geeignete Spezialeinrichtungen oder Kollegen, die auf
bestimmte Probleme spezialisiert sind?
• Sind andere Berufsgruppen (z.B. Ärzte, Rechtsanwälte, Pfarrer,
Sozialhelfer, Krankengymnasten, Logopäden etc.) eher für eine adäquate
Betreuung zuständig?
• Ist eine ambulante Betreuung möglich/sinnvoll/erwünscht?
• Ist eine medikamentöse Begleitung der Therapie
notwendig/erwünscht/bereits im Gang?
• Ist eine medizinische (oder sonstige) Untersuchung notwendig?
• Sind Kontakte zu früheren Therapeuten (bzw. Ärzten/Kliniken etc.)
notwendig/erwünscht?
• Ist es ratsam, weitere Personen aus der „sozialen Umgebung“ des Klienten
einzuschalten (z.B. Partner, Restfamilie, Lehrkräfte, Erzieher, Hausarzt
etc.)?
• Ist die Kostenfrage der Therapie geklärt?
• Ist der Klient über die Häufigkeit/Länge/Regelmäßigkeit der einzelnen
Termine informiert?
• Gibt es Vereinbarungen über eine von vornherein begrenzte Dauer der
Kontakte (z.B. feste Vereinbarung von 10 Terminen etc.)?
• Ist der Klient über seine Rechte aufgeklärt (z.B. Freiwilligkeit der
Inanspruchnahme, Recht auf Therapiebeendigung etc.)?
• Ist der Klient über seine wichtigsten Pflichten informiert (z.B. aktive
Mitarbeit, Pünktlichkeit etc.)?
• Sind dem Klienten wichtige gesetzliche/ berufsständische Verpflichtungen
des Therapeuten bekannt (z.B. Schweigepflicht, Datenschutz etc.)?
• Weiß der Klient, dass Kooperation mit anderen Institutionen/ Personen nur
mit seiner ausdrücklichen Einwilligung erfolgen darf?
Schwerpunktziele Phase 2

1. Aufbau der Therapiemotivation

Positivkriterien
Negativkriterien

2. Vorläufige Auswahl von


Änderungsbereichen

Geeignete therapeutische Ansatzpunkte


Ungeeignete therapeutische Ansatzpunkte
2.1. Aufbau von Therapiemotivation

Positiv-Kriterien (+) können indizieren „Therapie ist mir (als Klient) wichtig“.
Negativ-Kriterien (-) indizieren „Therapie ist für mich (zumindest zur Zeit) nicht so
bedeutsam: „es gibt (im Moment) wichtigere Dinge für mich“

• Motivation zu kommen / wiederzukommen:

(+) Klient hält Termine ein, ist pünktlich.


(+) Klient nimmt lange / umständliche Anfahrtswege in Kauf.
(+) Kontaktaufnahme erfolgt freiwillig und auf eigene Initiative / Klient ruft selbst an und bittet um
einen Termin.
(+) beim Vereinbaren von Terminen: „Ich kann immer kommen: da muss ich mir eben Urlaub bzw.
ein wenig früher frei nehmen“.
(+) Klient „opfert“ andere Dinge / verschiebt andere Termine, um kommen zu können.
(+) Klient äußert Enttäuschung bei Terminverlegung seitens des Therapeuten.
(-) Klient wird von anderen Institutionen / Personen gegen seinen eigenen Wunsch geschickt
(kommt z.B. mit amtlicher Auflage).
(-) Klient sagt wiederholt Termine ab oder verschiebt Termine aus wenig triftigen Gründen.
(-) Nichterscheinen / Unpünktlichkeit bzw. Falschdatieren von Sitzungen.
(-) Beim Vereinbaren von Terminen: „ Mittwoch geht nicht wegen Tischtennis, Donnerstag muss ich
zum Yoga-Kurs, am Freitag kommt meine Freundin…“
(-) In der Therapiestunde: „Heute habe ich nur ½ Stunde Zeit, ich muss dann zum Friseur…“
(-) Bei Terminverlegung seitens des Therapeuten: „Macht nichts, bei diesem Wetter gehe ich
sowieso lieber ins Schwimmbad…“
• Motivation, Informationen zu geben:

(+) Klient bemüht sich, gestellte Fragen zu beantworten (sucht eventuell zu Hause
noch nach Unterlagen/Quellen: erkundigt sich bei anderen Bezugspersonen etc.)
(+) Klient bringt von sich aus wichtige Unterlagen/Aufzeichnungen/Notizen mit.
(-) Klient weicht Fragen aus, antwortet auf Fragen mit Gegenfragen, beurteilt Fragen des
Therapeuten als „irrelevant“ bzw. schweigt gänzlich.
(-) Klient bringt auch auf Aufforderung keine Unterlagen mit oder „vergisst“ zugesagte
Erkundigungen. (Einfluss Therapeut-Klient-Beziehung?)

• Motivation, an einer Änderung zu arbeiten:

(+) Eigene Initiativen und Vorschläge des Klienten in Richtung Änderung.


(+) Klient lässt sich (zumindest innerhalb gewisser Grenzen) auf Neues, Ungewohntes,
Unvertrautes ein.
(+) Klient nimmt wegen der erstrebten Änderung Mühen und Erschwernisse in Kauf.
(-) Klient versucht, es beim „Reden“ zu belassen.
(-) Klient sucht ausschließlich nach plausiblen Erklärungen.
(-) Klient gibt anderen Personen die Schuld an seinen Schwierigkeiten.
(-) Klientenäußerungen wie z.B.:
„Ich glaube nicht, dass mir das helfen wird“,
„Das ist mir zu beschwerlich“,
„Dafür habe ich nicht genügend Zeit“,
„Das zu ändern ist mir nun doch nicht mehr so wichtig“; etc.
(-) Themen- oder Problemwechsel, sobald Änderungen anstehen.
• Motivation, bestimmte Interventionen durchführen:
(-) Klient lässt sich auf zielführende Interventionen ein (adäquate Therapieplanung des
Therapeuten vorausgesetzt!).
(-) Klient weigert sich, bestimmte Interventionen mitzumachen.
(-) Klient „vergisst“ bestimmte „Hausaufgaben“.
(-) Klient äußert z.B.: „Das ist mir zu blöd, so ein Rollenspiel!“ etc. („Störfall-Analyse“
wichtig, um die Gründe des Patienten zu klären!)

• Motivation, mit dem speziellen Therapeuten zu arbeiten: (Therapeut-Klient-


Beziehung)

• Motivierung durch Grundbedingungen des Selbstmanagements


Motivieren durch Maximierung des Ausmaßes an persönlicher Kontrolle
Selbstgesetzte Ziele
Steigerung von self-efficacy
Selbststeuerung und Selbstmotivation von Verhalten
Maximale Transparenz
Motivieren durch das Prinzip der Freiwilligkeit

• Motivierung durch Reduktion von Demoralisierung, Resignation


• Motivationsanalyse

• Motivationshindernisse
Angst vor Veränderung
Verhaltensträgheit
Gelernte Inkompetenz
Sekundäre Gewinne aus dem Problemverhalten
Fähigkeitsdefizite
fehlende/unzureichende Motivation
Widerstand gegen Therapeuten

• Gezielter Aufbau von Änderungsmotivation

• Erste Ansätze zur Ziel- und Wertklärung


Persönliche Vorlieben/ Gewohnheiten und Abneigungen
Selbstbild/ Selbstkonzept/ Einstellungen zur eigenen Person
Schule/ Ausbildung/ Beruf/ Freizeit/ Hobbys
Sozialkontakte
Politik/ Religion/ Gesellschaft/ Philosophie/ Ethik
Gesundheit/ Krankheit
Liebe/ Sexualität/ Partnerschaft
Soziales Netzwerk

Hauptwirkung
Grundsätzliches Gefühl der Geborgenheit

Pufferwirkung
Stresssituationen werden entschärft

Wir brauchen
Einfühlsame!
Tatkräftige!
Gleichgesinnte!
2.2. Vorläufige Auswahl von Änderungsbereichen
Geeignete therapeutische Ansatzpunkte
• Verhaltensweisen mit akuter, existentieller Bedrohung (für den Klienten und seine
Umgebung)
• Beschwerden mit hohem Ausmaß an subjektiver Belastung
• Kernbeschwerden, deren Änderung eine große Bandbreite positiver
Veränderungen zur Folge hätte
• Beschwerden, die prinzipiell änderbar sind
• Berücksichtigung der Kompetenz des Therapeuten sowie der jeweiligen
Lebenssituation des Klienten
• Verhaltensbereiche, die mit den übergeordneten Zielen in Einklang stehen
• Beschwerden, für deren Besserung eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit
besteht.

Überlegungen des Patienten


• Wie wird mein Leben sein, falls ich mich ändere?
• Wie werde ich besser dastehen, falls ich mich ändere?
• kann ich es schaffen?
• Was muss ich für eine Änderung investieren (lohnt es sich)?
• Kann ich auf diesen Therapeuten in dieser Institution bauen?
• Beantwortung der Grundfrage: Ändern vs. akzeptieren?
Schwerpunktziele Phase 3

1. Situative Verhaltensanalyse – horizontale


Verhaltensanalyse, von Makro- zur Mikroebene
2. Kontextuelle Verhaltensanalyse – vertikale
Verhaltensanalyse, von der Mikro- zur Makroebene
Analyse von Plänen und Regeln
Analyse von Systembedingungen
Analyse von health-believe-models
3. Analyse des bisherigen Umgangs mit dem
Problemverhalten
4. Strukturdiagnostik sozialer Systeme
Identifikation problemstabilisierender Systemregeln
Identifikation systemstabilisierender Probleme und
Verhaltensweisen
5. Hypothetisches Bedingungsmodell
3.1. Situative Verhaltensanalyse- horizontale Verhaltensanalyse
von Makro- zur Mikroebene
Genaue Problembeschreibung: derzeitige Beschwerden, Ressourcen, Fähigkeiten

Bedingungsanalyse: aufrechterhaltende Bedingungen und Konsequenzen, die eine


therapeutische Intervention für den Patienten haben würde.

• Unter welchen Bedingungsinhalt sich das Problemverhalten ursprünglich entwickelt?


• Lassen sich zum Zeitpunkt der Problemstellung noch relevante Bedingungen fassen?
• Ist es notwendig, überhaupt ursprüngliche Problembedingungen zu kennen?
• Welche sind heute noch vorhanden und funktional relevant?
• Gibt es Hinweise für „Lernen am Modell“?
• Ist das problematische Verhalten „V“ möglicherweise der missglückte Bewältigungsversuch für
andere Probleme?
• Wie erklärt sich der Klient die Entstehung seiner Schwierigkeiten?

Motivationsanalyse: Analyse der Motivation wobei mögliche Anreize, Werthaltungen, Lebensziele und
positive Interessensbereiche sowie negative Faktoren im Falle einer Änderung analysiert werden.

Entwicklunsanalyse: entstehungsgeschichtliche Analyse der biologischen, sozialen und


verhaltensmäßigen Änderungen einer Person, soweit sie für das momentane Problem des Patienten
mitbeeinflussen bzw. auch der Ressourcen, die für die Therapie daraus erwachsen.

Analyse der soziokulturellen und physischen Umgebung:


Einschätzung der Kongruenz zwischen dem momentanen Milieu des Klienten, seinem Verhaltensrepertoire
und den potenziellen Therapiezielen.
Horizontale Verhaltensanalyse

S O PV1 PV2 K

• Lernen Angstbereit- kognitiv: unan- • verlässt HS • Stagnation –


• Prüfungsstress schaft (trait) ständiger • kann sich nicht im Studium
• Zug Schemata Gedanke konzentrieren
• Gesellschaft emotional: • schläft viel • Leben –
Schuld, Scham, • schaut fern zerrinnt
Angst • Mutter freut +
• fährt Mittwoch
physiologisch: heim sich/Streit –
Anspannung • Belastung –
• sorgt sich,
krank zu sein • Zwangs-
gedanke –
Ich möchte Ich möchte Ich möchte Ich möchte
nicht Harmonie, geliebt bewundert
einsam sein weil sonst werden werden
leidet die
Mutter
dann bin ich ich bin ich möchte, ich möchte Ich möchte
allein schuld am dass man gut sein von ♂
schiefen mich mag gemocht
Haussegen werden
andere dann könnte das wäre ich versage ich fühle mich dann würde
würden er mich sehr dann schuldig ich
mich ablehnen schlimm abgelehnt
ablehnen
und ich
mich auch
ich darf wenn ich dann würde ich werde ich möchte Ruhe von den ich möchte ich kann
nicht so mich wehre, ich die Prüfung Gedanken bewundert mich dann
unmoralisch gibt es abgelehnt nicht werden nicht
sein Krach schaffen wehren
das weiß ich weil er Geld weil man weil ich dann muss weil dann die mögen die wollen
nicht hat merken ständig ich nicht die mich sonst immer alles!
könnte, was denke und denken und Gedanken nicht, die
ich denke nicht lernen habe Recht besser wollen
kann werden immer alles!
ich denke ich kaufe ich ich ich schlafe ich fahre ich kann ♂ die ♂ em
unanständig Kleidung, vermeide vermeide viel Mittwoch gegenüber gegenüber
die dem Feste und Prüfung heim nicht NEIN sehr
Vater gefällt Geselligkeit sagen gehemmt ist
Ich möchte Ich möchte Ich möchte Ich möchte
nicht Harmonie, geliebt bewundert
einsam sein weil sonst werden werden
leidet die
Mutter
dann bin ich ich bin ich möchte, ich möchte Ich möchte
allein schuld am dass man gut sein von ♂
schiefen mich mag gemocht
Haussegen werden
andere dann könnte das wäre ich versage ich fühle mich dann würde
würden er mich sehr dann schuldig ich
mich ablehnen schlimm abgelehnt
ablehnen
und ich
mich auch
ich darf wenn ich dann würde ich werde ich möchte Ruhe von den ich möchte ich kann
nicht so mich wehre, ich die Prüfung Gedanken bewundert mich dann
unmoralisch gibt es abgelehnt nicht werden nicht
sein Krach schaffen wehren
das weiß ich weil er Geld weil man weil ich dann muss weil dann die mögen die wollen
nicht hat merken ständig ich nicht die mich sonst immer alles!
könnte, was denke und denken und Gedanken nicht, die
ich denke nicht lernen habe Ruhe besser wollen
kann werden immer alles!
ich denke ich kaufe ich ich ich schlafe ich fahre ich kann ♂ die ♂ em
unanständig Kleidung, vermeide vermeide viel Mittwoch gegenüber gegenüber
die dem Feste und Prüfung heim nicht NEIN sehr
Vater gefällt Geselligkeit sagen getrennt ist
Gefühle des Menschen (S. Sulz)
FREUDE TRAURIGKEIT ANGST ÄRGER, WUT
Freude Traurigkeit Angst, Furcht Ärger, Wut, Zorn
Begeisterung Verzweiflung Anspannung Missmut
Glück Sehnsucht Nervosität Ungeduld
Übermut Einsamkeit Verlegenheit Widerwille, Trotz
Leidenschaft Leere, Langeweile Selbstunsicherheit Abneigung, Hass
Lust Enttäuschung Unterlegenheit Verachtung
Zufriedenheit Beleidigtsein Scham Misstrauen
Stolz Mitgefühl Schuldgefühl Neid
Selbstvertrauen Reue Eifersucht
Gelassenheit Sorge
Überlegenheit Ekel
Dankbarkeit Schreck
Vertrauen
Zuneigung, Liebe
Rührung
Horizontale Verhaltensanalyse

S O PV1 PV2 K

• Lernen Angstbereit- kognitiv: unan- • verlässt HS • Stagnation -


• Prüfungsstress schaft (trait) ständiger • kann sich nicht im Studium
• Zug Erhalte Dir Gedanke konzentrieren
• Gesellschaft Liebe und emotional: • schläft viel • Leben -
Bewunderung Schuld, Scham, • schaut fern zerrinnt
und verhindere Angst • Mutter freut +
Einsamkeit • fährt Mittwoch
physiologisch: heim sich/Streit –
(Bedürfnis nach Anspannung • Belastung –/
Bindung und • sorgt sich,
Selbstwert) krank zu sein • Zwangs-
gedanke –/
3.2. Kontextuelle/vertikale Verhaltensanalyse
von der Mikro- zur Makroebene
Analyse von Plänen und Regeln
Analyse von Systembedingungen
Analyse des Health Belief-Modells

• Welche Vermutungen hat der Klient über die Ursachen seines Problems?
• Wie objektiv und realistisch sind diese Vermutungen?
• Welche Schlussfolgerungen zieht der Klient aus seinem Health- Belief
Modell?
• Selbstkontrollversuche?, Änderungsversuche?, Kontrollverlust?
• Aufgabe von Lösungsversuchen und Resignation?
• Delegation der Verantwortung an andere?
• Welche Chancen sieht der Therapeut, das momentane Health- Belief Modell
konstruktiv zu nutzen oder zum Positiven zu verändern?
3.3. Analyse des bisherigen Umgangs mit dem
Problemverhalten

• Welche Anstrengungen wurden bisher von wem unternommen,


um mit den Schwierigkeiten besser zurechtzukommen oder das
Problem zu lösen?
• Welche Maßnahmen führen eventuell zu kurzfristigen
Verbesserungen?
• Welche Maßnahmen hatten keinerlei Einfluss auf die
Schwierigkeiten?
• Welche Maßnahmen führten sogar zu Verschlechterungen?
• Auf welche Maßnahmen hat sich der Klient bisher nicht
eingelassen und warum?
3.4. Strukturdiagnostik sozialer Systeme

Identifikation Problemstabilisierender Systemregeln

Identifikation systemstabilisierender Probleme und Verhaltensweisen

• Was nützt das Problem den Mitgliedern?


• Hat das Problem einen stabilisierenden Stellenwert für die Familie?
• Würde das System ohne Problemträger funktionieren?

Identifikation von Regelkonflikten durch Zugehörigkeit zu mehreren


Systemen

3.5. Zusammenspiel vorläufiger Hypothesen zu einem


funktionalen Bedingungsmodell
Schwerpunktziele Phase 4
4.1. Operationalisierung/Konkretisieren bislang vager Zielperspektiven

4.2. Überprüfen des Realitätsgehaltes der Zielperspektiven

4.3. Beurteilen der Klientenkapazitäten zum Erreichen potenzieller Ziele


• Einschätzung positiver Voraussetzungen für die Zielerreichung
• Einschätzung der verhaltensmäßigen Voraussetzungen

4.4. Positive Ressourcen oder hemmende Faktoren im sozialen und


materiellen natürlichen Umfeld

4.5. Normative Überlegungen/ Ethisch moralische Aspekte


• Geben die Ziele des Klienten bereits Hinweise darauf, in welche Richtung der Interventionsplan
erfolgen muss?
• Stehen die ersten Überlegungen in Richtung Methodenauswahl mit den Zielen des Klienten im
Einklang?
• Sind Vorbereitungen weiterer evaluativer Schritte nötig?
• Sind über die Therapie hinaus einige bedeutsame Lebensziele deutlich geworden, die spätestens
in der letzten Phase wieder relevant werden?
Konkrete Ziele aus horizontale Verhaltensanalyse
• VL gehen
• Kontakt mit ♀ und ♂ (VL, Sport)
• Samstag heimfahren
• Tagesplanung (VL, Sport)
• Prüfungsstress wegnehmen
• Zwang personifizieren (Denkzeit)

Konkrete Ziele aus vertikale Verhaltensanalyse


• Kontakt mit ♀ und ♂
• Disharmonie herstellen, wo immer möglich (was passiert dann?)
(werde ich dann abgelehnt?)
• üben, „schlechte Leistung“ zu erbringen
• Zugang zur „Wut“

Zu allen Bereichen konkrete Alltagsübungen planen!


S O PV1 PV2 K
Angst C ―
• Schlange Grundannahmen kogn: wie • weglaufen • soz. Isolation –
• Kind in Armen aus vertikaler VA grauslig • wirft Kind weg • Schuld/Reue –
• Spaghetti emot.: Angst, • vermeidet zu • Schuld –
• Mülleimer Ich möchte Grauen kochen • Abhängigkeit –
• dunkle Ecken Geborgenheit: motor.: Unruhe • lässt Müll im Hilfe +
• Natur d.h. einen Mann phys.: mir wird Raum • Abhängigkeit –
• Anblick des der mich versteht schlecht • kann Kleidung Hilfe +
Partners Unabhängigkeit: Schweiß nicht • Isolation + -
einen eigen Beruf Brechreiz herrichten Schuld
(Bedürfnis nach Harndrang • geht nicht weg • Schuld/Ruhe - +
Bindung und • vermeidet Sex
Autonomie/
Kontrolle)
Vertikale Verhaltensanalyse
Ich würde Ich möchte Ich möchte
gerne einen ♂, der geborgen sein
selbständig mich versteht
sein und unterstützt

dann hätte ich Ich muss Weil er so


einen Beruf immer für wenig
mein Kind da Verständnis
sein, um eine hat
gute Mutter zu
könnte sonst der etwas für sein
studieren mich tut
Ich darf nichts dann würde
falsch machen ich mich viel
geborgener
weil sonst der ist auf damit es müde, ♂ ist
fühlen
niemand da ist mich keinen auch nicht
eingegangen Schaden mehr so
annimmt attraktiv für
mich
grausige Haushalt und der hat mich ein Kind habe keine Weil ich die haben alle
Bewegung Kind verstanden braucht die Lust Angst habe, ein anderes
Mutter falsche Leben
Entscheidunge
n zu treffen
Vermeide Habe keine Bin fremd- Bin ganz für Lebe derzeit Weiß nicht, Fühle mich
Kontakt mit Freizeit gegangen mein Kind da keinen Sex wie meine nirgends
Schlangen Zukunft zugehörig
aussieht
Therapieziele
1. Gute Mutter sein (und nichts falsch machen):
in Bezug auf „alles“ und „nichts“ Haltungen
hinterfragen und klären, woher dieses dichotome
Denken kommt (Wiedergutmachung der Schuld
aufgrund von „Aggression“ auf Kind?)
2. Selbständig sein: Kinderbetreuung, Freiräume
schaffen, Wiederaufnahme des Studiums, damit
Integration in soz. Netzwerke und Zugehörigkeit
3. Beziehung bzgl „Geborgenheit“ und „Wünsche“
hinterfragen, Schlangenphobie mglweise Ausdruck
der Beziehungsproblematik (Aggression?)
4. Wenn nötig, Angstkonfrontation
Schwerpunktziele Phase 5

1. Planung spezieller Methoden


Nutzung therapeutischen Wissens
Verarbeitung vorliegender Klienteninformation
Detaillierte Analyse der potenziellen Maßnahmen
(Wissen, Können, Motivation, Rahmenbedingungen,
sonstige Hilfsmittel)

2. Entscheidung über spezielle Interventionen

3. Durchführung der Maßnahmen


5.1. Planung spezieller Methoden

Nutzung therapeutischer Wissensspeicher

Verarbeitung vorliegender Klienteninformation

Detaillierte Analyse der potenziellen Maßnahmen


(Interventionsanalyse)
• Welche Anforderungen stellt die geplante Änderung in Bezug auf:
• Wissen
• Können
• Motivation
• Rahmenbedingungen
• Sonstige Hilfsmittel/Ressourcen

5.2. Entscheidung über spezielle Intervention

5.3. Durchführung der entsprechenden Maßnahmen


Behaviorale Methoden
Alle Angstbewältigungsverfahren
Konfrontations- bzw. Habituation in vivo
Systematische Desensibilisierung
Flooding
Positivliste (Komplimente-Tagebuch)
Tagespläne (Erfolg – e; Vergnügen – v)
Selbstsicherheitstraining
Rollenspiel
Ablenkung
Tortentechnik
Arbeit/Lernen
Freunde
Unterhaltung
Familie
Sport
Haushalt
Spirituelle/kulturelle/intellektuelle Anregung
Wochenplan
Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Sonntag

09-10 -- wach, auf-


seit 5 wach gestanden -
noch im Bett
10-11 -- Bad –
endlich auf Bad Kaffee
11-12 - Neffe kommt
Sofa, Zeitg. hilft im Garten
12-13 Sofa, Kaffee, Laub in Säcke,
TV-Film - aufgeräumt +/-
13-14 Sofa, TV gegessen +/-
Film +/- Pizza f. N.
14-15 Nachbarin +/- Sofa, Zeitg.
kommt, Kaffee Kaffee +/-
15-16 allein, - allein, Sofa, -
Schreibtisch Schreibtisch
16-17 Sofa, allein Nachbarin +/-
- erzwingt
17-18 Sofa, TV, -- Spaziergang,
Anruf Tochter anschließend
Kaffe b. Nachb.
18-19 Sofa, TV zu Hause, Sofa,
-- TV +/-
19-20 Eier gegessen TV, Sofa
Brot, TV -- Essen, +/-
20-24 TV, Sofa – alleine, TV,
gegen 1h im Bett Sofa -
Tortentechnik
Kognitive Techniken

Sokratischer Dialog
Verhaltensexperimente mit Realitätsprüfung
Kognitionsprotokolle
7-Spalten-Technik
Kognitive Umstrukturierung
Bewältigungskarten
automatische Gedanken
passende Antwort
Die Beteiligung verschiedener Faktoren an einem Ereignis suchen
Tortendiagramm
Veränderung durch Vergleich
unperfekt perfekt

Entscheidungen treffen
Für und Wider-Gewichtung
Humorisierung
Jammerstunde
Aufblastechnik
Gedankenstopp
P: Da denke ich, du bist ganz schön blöd für dein Alter. Und dann weiß ich,
dass ich nicht intelligent bin.
Th: Woher wissen Sie das?
P: Ich weiß, dass ich nicht intelligent bin, ich habe nicht die Allgemeinbildung.
Th: Wie konnten Sie das überprüfen?
P: Das ist so, wenn ich mich mit Leuten unterhalte. Da möchte ich mich am
liebsten verkriechen, weil die über etwas reden, von dem ich keine Ahnung
habe. Deswegen gehe ich im Betrieb schon immer auf die Toilette.
Th: Was sind denn das für Themen?
P: Zum Beispiel Politik. Da fallen immer Namen, die habe ich zwar schon mal
gehört, aber aus welchem Land die kommen oder in welcher Partei die sind,
das weiß ich nicht.
Th: Wenn ich Ihnen hier jetzt aus der Tageszeitung alle Politiker-Namen
vorlese, wie viel Prozent schätzen Sie, kennen Sie davon?
P: Nicht mehr als 10 %.
Th: Lassen Sie uns das Experiment machen. (liest vor)
So, das waren 23 Namen von Politikern. 20 davon kannten Sie. Sie wussten das
Bundesland, wo sie herkommen oder kannten die Partei, oder wussten, was sie machen.
Das sind knapp 90 %. Vorher sagten Sie, dass Sie nur 10 % kennen werden und dass
dies ein Zeichen dafür ist, dass Sie nicht intelligent sind. Halten Sie das noch für richtig?
P: Ich bin ein totaler Versager, mir gelingt überhaupt nichts mehr.
Th: Es ist jetzt 14 Uhr, was ist Ihnen heute bereits misslungen?
P: Ja, heute ist mir gerade nicht etwas misslungen, aber...
Th: Wenn Ihnen heute nichts misslungen ist, heißt das, dass Ihnen auch einiges gelungen ist?
P: Gelungen ist mir auch nichts besonders, ich habe halt das Normale geschafft.
Th: Heißt das, dass Ihnen heute die normalen Alltagsaktivitäten relativ gut von der Hand
gingen?
P: Wenn Sie das so sagen, ja.
Th: Wenn wir den heutigen Tag bis jetzt also noch einmal überlegen, so heißt das, dass Ihnen
heute nichts Bestimmtes misslungen ist und Ihnen der Alltag relativ gut von der Hand ging.
Wie war es gestern?

Th: (abschließend): Sie haben mir heute gesagt, Sie sind ein Versager. Nach dem jetzigen
Gespräch glaube ich, sagen zu können, dass Sie sich damit selbst sehr streng beurteilt
haben. Soweit wir zusammen erarbeiten konnten, ist Ihnen zumindest in der letzten
Vergangenheit nichts Auffälliges passiert, was Sie global als Versager abstempeln würde.
Eher ist Ihnen Einiges gut gelungen, Einiges vielleicht nicht ganz Ihren Ansprüchen
entsprechend, aber die Waagschalen sind etwa im Gleichgewicht.
7-Spalten-Technik
Fragen zur Überprüfung eines automatischen
Gedankens

1.1 Welche Beweise gibt es?


Welche Anhaltspunkte sprechen für die Gedanken?
Welche Anhaltspunkte sprechen gegen diesen Gedanken?

1.2 Gibt es eine alternative Erklärung?

1.3 Was ist das Schlimmste, das mir passieren könnte?


Könnte ich das überleben?
Was ist das Beste, was mir passieren könnte?
Was ist das realistische Ergebnis?

1.4 Welchen Effekt hat es, wenn ich an den automatischen Gedanken
glaube?
Welchen Effekt hat es, wenn ich mein Denken verändere?

1.5 Was sollte ich tun?

1.6 Was würde ich einem Freund in dieser Situation raten?


Weisheitskompetenzen
1. Perspektivwechsel
Ist die Fähigkeit und Bereitschaft, ein Problem aus
verschiedenen Perspektiven zu betrachten, insbesondere
auch aus der Perspektive eines unangenehmen
Gegenübers.

Setzen Sie sich in einen Stuhl und übernehmen Sie die


Rolle Ihres Ihnen Konflikte bereitenden Gegenübers.

Reflektieren Sie in der Folge, welche Gefühle und


körperliche Wahrnehmungen in dieser Rolle vorhanden
sind.
2. Empathiefähigkeit
Sie ist eng mit dem Perspektivwechsel verwandt und
wird als die Fähigkeit definiert, das emotionale
Erleben einer anderen Person wahrnehmen und
mitfühlen zu können.
3. Werterelativismus
Eigene Überzeugungen und Werthaltungen
gefährden manchmal eine andere Sichtweise,
Betrachtungen können zu starr werden. Sie ist eine
zentrale Eigenschaft der Weisheit und besteht aus
Toleranz und Distanz zu dem eigenen Standpunkt.
4. Fakten- und Problemlösewissen
Damit ist die Fähigkeit gemeint, Stresssituation in
ihrer Komplexität zu analysieren und flexible
Bewältigungsformen einzusetzen.
5. Kontextualismus
Bezeichnet die Fähigkeit, personenunabhängige
Details eines Problems zu erkennen.
Inwieweit berücksichtigt ein Mensch die zeitliche
Einbettung von Problemen (Vergangenheit,
Gegenwart, Zukunft) und die zahlreichen Umstände
und Bereiche, in die ein Leben eingebunden ist?
6. Nachhaltigkeitsorientierung
Ist die Fähigkeit, zu erkennen und zu akzeptieren,
dass jedes Verhalten stets positive wie negative und
kurzfristige wie langfristige Konsequenzen hat, die
sich häufig widersprechen. Dies beinhaltet auch die
Fähigkeit, das eigene Verhalten an diesem Wissen
ausrichten zu können.
7. Die Ungewissheitstoleranz
Es geht darum, die Zukunft ertragen zu können und
nicht in katastrophisierendem Vorsorge- und
Kontrollverhalten zu verharren.
8. Selbstdistanz und Anspruchsrelativierung
Ist die Fähigkeit zu akzeptieren, dass man selbst nicht
das Zentrum der Welt ist, es wichtiger ist, "seinen Platz"
darin zu finden. Das zu wollen, was mir liegt, nicht
unbedingt das zu wollen, was
mir nicht liegt.
9. Emotionswahrnehmung und Emotionsakzeptanz
Dies ist die Fähigkeit, die eigenen Gefühle unverstellt
wahrzunehmen und nicht abzuwehren, sondern sie zu
beschreiben und eventuell zu ertragen, auch wenn sie
schmerzhaft und schambesetzt sein mögen.
10. Emotionale Ausgeglichenheit und Humor
Bedeutet die Fähigkeit, überschießende, über-
dauernde oder einer Situation unangemessene
Emotionen kontrollieren zu können, wenn dies sinnvoll
erscheint. Dabei ist dem Betroffenen bewusst, dass
die nach außen gezeigten Emotionen nicht dem
inneren Gefühl entsprechen. "Auch wenn ich traurig
bin, so möchte ich doch nicht Deine Stimmung
beeinträchtigen und deshalb lache ich mit Dir."
Emotionsorientierte Methoden
Emotionsblatt
Erlaubte und tabuisierte Emotionen
Unterscheidung
Primäre und sekundäre Emotion
Adaptive und maladaptive Emotion
Menschen beobachten und deren
Gefühle benennen
Arbeit mit Stühlen
Do as if!
Sensibilisierung für eigene und fremde
Emotionen
Entdecken von Em. im Alltag: Verspüre ich jetzt so
etwas wie Freude?
Welche Gefühle hat evtl. der Mann mir gegenüber im
Bus?
Emotionsorientierte
Erinnerungsdifferenzierung
Erzählen wichtiger Episoden aus der Kindheit
Wiederholtes Aktualisieren der damaligen Episoden
unter besonderer Berücksichtigung von Gefühlen
Vergleich der Skripten
Wie hätte ich die nun zusätzlichen Informationen
damals nützen können?
Gefühle des Menschen (S. Sulz)
FREUDE TRAURIGKEIT ANGST ÄRGER, WUT
Freude Traurigkeit Angst, Furcht Ärger, Wut, Zorn
Begeisterung Verzweiflung Anspannung Missmut
Glück Sehnsucht Nervosität Ungeduld
Übermut Einsamkeit Verlegenheit Widerwille, Trotz
Leidenschaft Leere, Langeweile Selbstunsicherheit Abneigung, Hass
Lust Enttäuschung Unterlegenheit Verachtung
Zufriedenheit Beleidigtsein Scham Misstrauen
Stolz Mitgefühl Schuldgefühl Neid
Selbstvertrauen Reue Eifersucht
Gelassenheit Sorge
Überlegenheit Ekel
Dankbarkeit Schreck
Vertrauen
Zuneigung, Liebe
Rührung
Emotionstraining (S.Sulz)

1. Am meisten gehört zu mir ...


Am zweitmeisten gehört zu mir ....
.....
.....
.....
Am achtmeisten gehört zu mir ....
2. Wenn ich .... fühle, führt das dazu, dass ich ... handle
3. Am meisten fehlen mir
1. ....
2. ....
3. ....
4. Folgendes Beziehungsbedürfnis ist mir am Wichtigsten:
Willkommensein, Geborgenheit, Schutz, Liebe, Beachtung, Verständnis, Wertschätzung.
5. Mein wichtigstes Zugehörigkeitsbedürfnis ist (ich brauche ....)
Die Dinge selbst zu machen, Selbstbestimmung, Grenzen, Förderung, ein Vorbild, Erotik,
ein Gegenüber.
6. Am meisten Angst habe ich vor
Vernichtung, Trennung, Kontrollverlust, Liebesverlust, Gegenaggression, Hingabe
7. Nur wenn ich immer ........... handle, dann erhalte ich mir .... und verhindere ....
Lammers (2007)
Lammers (2007)
Gedankenprotokoll
1. Situation 2. Primäre 3. Automatische 4. Sekundäre 5. Handlung 6. Adaptive
Emotion Gedanken primäre Bewältigung
(Vorstellungen) Emotion

Lesen der Einsamkeit Ich werde nie einen Traurigkeit, Sich immer Kognitiv:
Kontakt- 80 % passablen Mann Scham wieder Beweise für
anzeigen in (muss finden. (Freeze) frustrierenden und dagegen
der Zeitung vermieden Aktionen
(Grundbe Werden) Ich bin zu un- aussetzen
Sekundäre
dürfnis interessant. Emotion:
nach Hoffnung
Bindung) Als ich ein Kind war,
sagte mein Vater oft: Handlung:
„Halt den Mund,
niemand interessiert Verstrickt den
sich für deine Tankwart in ein
Geschichten“ Gespräch und
übt zu flirten

Männer wollen eh Über Männer


Wut, Ärger herziehen und
nur das Eine, denen (Fight)
werde ich es zeigen sie entwerten

Solche Anzeigen lese


ich am besten nie Unsicherheit, Rückzug
mehr, das Ängstlichkeit,
Männerthema Kurzfristige
verdränge ich Zufriedenheit
(Flight)
Methoden der Achtsamkeit und Akzeptanz
Akzeptieren, Zulassen und Anerkennen von Gefühlen,
Schmerzen…
Gedanken nicht immer wörtlich und ernst zu nehmen
Das Denken einer „Zitrone“ macht mich nicht zur
„Zitrone“
Im Augenblick bleiben, weg von Vergangenheit und
Zukunft
„Blätter im Fluss“

Achtsamer Umgang mit Sprache


Ich möchte gerne ausgehen, aber ich könnte Migräne
bekommen.
Besser: Ich möchte gerne ausgehen und ich könnte
Migräne bekommen
„Busmetapher“
(sich trotz des Leidens und mit ihm voranbewegen)
Mindfulness-Based-Cognitive-Therapy
(MBCT von Segal, Williams und Teasdale, 2002)

8- zwei-stündige Sitzungen, etwa 12 Personen


4 Follow-up Sitzungen im nächsten Jahr
Zw. den Sitzungen jeden Tag 1 Stunde üben

Konzentration auf einen Fokus


Bewusstsein/Achtsamkeit bzgl. Gedanken, Gefühlen und
Körperempfindungen
Im gegenwärtigen Augenblick sein
Akzeptanz/Nicht-Aversion, Nicht-Anhaftung
Loslassen: ich nehme das Druckgefühl wahr,
erlaube ihm zu sein und überlasse es seiner Eigendynamik
Weg vom „doing mode“ hin zum „being mode“
1. Sitzung: Autopilot erkennen,
Rosinenübung,
Body scan
2. Sitzung: Reflexion von „Hindernissen:
Schmerzhafte Empfindungen
Ungünstige Rahmenbedingungen
Gedankenwandern
3. Sitzung: Achtsamkeit des Atems
Hör- und Sehübung
Yoga-Dehnübungen
4. Sitzung: In der Gegenwart bleiben
5. Sitzung: Erlauben/Geschehen lassen
6. Sitzung: Gedanken sind keine Tatsachen
7. Sitzung: Wie kann ich am besten für mich selbst sorgen?
8. Sitzung: Das Gelernte weiterhin anwenden
Genuss und Genießen

1. Genuss braucht Zeit


2. Genießen muss erlaubt sein
3. Genießen heißt wahrnehmen
4. Genießen geht nicht nebenbei
5. Jedem das Seine
6. Genuss ist alltäglich
Übungen zum Genuss

1. Riechen
2. Tasten
3. Schmecken
4. Horchen
5. Schauen
1. Sitzung: Autopilot erkennen,
Rosinenübung,
Body scan
2. Sitzung: Reflexion von „Hindernissen:
Schmerzhafte Empfindungen
Ungünstige Rahmenbedingungen
Gedankenwandern
3. Sitzung: Achtsamkeit des Atems
Hör- und Sehübung
Yoga-Dehnübungen
4. Sitzung: In der Gegenwart bleiben
5. Sitzung: Erlauben/Geschehen lassen
6. Sitzung: Gedanken sind keine Tatsachen
7. Sitzung: Wie kann ich am besten für mich selbst sorgen?
8. Sitzung: Das Gelernte weiterhin anwenden
Körperorientierte Methoden

• Atemtechnik – 4er-Technik
• Autogenes Training
• Progressive Muskelentspannung nach
Jacobson
• Visualisierungsübungen
• Fantasiereisen
• Temperaturimagination
• Biofeedback
Schwerpunktziele Phase 6

1. Kontinuierliche therapiebegleitende Diagnostik

2. Prä-/Postevaluation

3. Zielabhängige Evaluation in der Praxis


6.1 Kontinuierliche, therapiebegleitende Diagnostik

• Ist dem Therapeuten hinsichtlich geplanter Schritte und Maßnahmen bekannt, welcher
typische erwartungsgemäße Ablauf eintreten müsste, sodass es zu einer Änderung
kommen kann?
• Ist eine Zielfestlegung erfolgt, sodass festgestellt werden kann, ob überhaupt
Veränderungen in der erwünschten Zielrichtung erfolgen?
• Ist im Hinblick auf die geplanten Schritte klar, welche beobachtbaren Kriterien dabei
Erfolg bzw. Misserfolg anzeigen können?
• Sind die Kriterien fein genug gerastert, sodass subtile Veränderungen frühzeitig
feststellbar sind?
• Sind die Kriterien andererseits hinreichend komplex, um den Interventionsablauf
umfassend zu dokumentieren?
• Sind die erhobenen Informationen unmittelbar handlungsrelevant?
• Ist der Klient zur Mitarbeit bei der Evaluation motiviert bzw. kann er motiviert werden,
relevante Daten zu liefern?
• Entsteht durch die Art und den Umfang der Evaluation eine unzumutbare Belastung für
die Therapie bzw. den Klienten?
6.2. Prä-/Postevaluation

• Welche (problemorientierten) Möglichkeiten gibt es, die Ausgangslage


adäquat zu erfassen?
• Welche Messungen des Präzustandes liegen aus früheren Phasen vor?
• Welche Möglichkeiten gibt es, das Erreichen des Therapiezieles bzw.
eine Zielannäherung festzustellen?
• Welche Möglichkeiten bieten sich prinzipiell an? Tagebücher
Fragebögen, Tonband, Video
• Welche Hilfsmittel stehen im konkreten Fall tatsächlich zur Verfügung?
• Sind statistische Analysen ohne Zeitaufwand möglich?
Freiburger Persönlichkeitsinventar
6.3. Zielabhängige Evaluation in der Praxis
Gelingt es dem Klienten
• Probleme besser zu erkennen?
• Tatsachen von Problemen zu trennen?
• Relevante Ereignisse und Abläufe zu registrieren?
• Kontrollierte statt automatische Informationsverarbeitung vorzunehmen?
• effektiv Entscheidungen zu treffen?
• Ziele zu klären und sich realistisch Ziele zu setzen?
• Gezielt zu planen?
• Vorsätze in die Tat umzusetzen?
• Das eigene Handeln trotz kurzfristiger Durststrecken auf langfristige Ziele zu richten?
• Eigenes Handeln auf Effizienz hin zu prüfen und entsprechende Schlüsse zu ziehen?
• Eigene Schlüsse und eigenes Handeln in Einklang zu bringen?
• Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen?

Womit möchte ich evaluieren?


• Listen, Fragebögen
Wozu möchte ich evaluieren?
• Legitimationspflicht des Therapeuten
• Therapiesteuerung
• Verbesserung therapeutischer Praxis

Unter welchen Bedingungen möchte ich evaluieren?


Schwerpunktziele Phase 7

1. Stabilisierung und Transfer therapeutischer Fortschritte

2. Arbeit an restlichen therapeutischen Ansatzpunkten und


Erarbeiten neuer therapeutischer Ziele

3. Erlernen von Selbstmanagement als Prozess

4. Beenden und Ausblenden der Kontakte

Abschluss-Feedback sowie Vorbereitung von Follow-up und


Katamnesen
7.1. Stabilisierung und Transfer Therapeutischer Fortschritte

• Verstärkung/ Selbstverstärkung
• Ausblenden von Kontingenzen
• Variationen von Stimuli während der Therapie
• Variationen von flexiblen Strategien
• Einübung neuer Verhaltensweisen in der natürlichen Umgebung
• Einbeziehung des sozialen Systems des Klienten
• Rule-learning im Alltag

7.2. Arbeiten an restlichen therapeutischen Ansatzpunkten bzw.


Bearbeiten neuer therapeutischer Ziele
7.3. Erlernen von Selbstmanagement als Prozess
Selbstbeobachtung
Coping
Evaluation von Bewältigungsstrategien
Erlernen von Selbstmanagement- Fertigkeiten
Gezielte Prävention von Misserfolgen und Rückfällen

• Wie sind wir bei der Bearbeitung vorgegangen?


• Was haben wir/Sie zuerst getan (z.B. bestimmte Abläufe genau beobachtet,
Probleme geklärt, Analyse des Verhaltens)
• Wie haben Sie bestimmte Entscheidungen getroffen?
• Nach welchen Kriterien haben Sie gehandelt?
• Was haben Sie daraus gelernt?
• Gibt es Situationen, in denen Sie nach einem ähnlichen Muster vorgehen
können?
7.4. Beenden und Ausblenden der Kontakte
Allmähliches Ausblenden
Starke Erhöhung der Klientenaktivität (Während der Therapeut immer
passiver wird)
Lenken der Aufmerksamkeit auf positive Fortschritte und gezielte Diskussion
über Transfer
Übergang zu kurzen Telefonkontakten, jedoch nach striktem Plan
Briefliche Rückmeldung des Klienten mit vorbereiteten Briefvordrucken
Gelegentliche Nachbesprechungstermine
Booster Sitzungen bei Bedarf
Falls nötig, jährlicher Check-up
Katamnese 1-3 Jahre
• Positive und negative Erfahrungen während der Therapie
• Einschätzung des Therapeuten als Person
• Einschätzung der professionellen Kompetenz des Therapeuten
• Eindrücke vom therapeutischen Setting, der Therapieziele und deren Erreichung
• Ansichten des Klienten über wichtige persönliche Fortschritte
• Vorschläge, wie der Therapeut sein Vorgehen verbessern sollte

7.5. Abschluss-Feedback sowie Vorbereitung von Follow-Up und


Katamnesen
Elf Gesetze der Therapie
1. Verlange niemals von Klienten, gegen ihre eigenen Interessen zu handeln
2. Arbeite zukunftsorientiert, suche nach konkreten Lösungen und richte die
Aufmerksamkeit auf die Stärken von Klienten
3. Spiele nicht den lieben Gott, indem du Verantwortung für das Leben von Klienten
übernimmst
4. Säge nicht den Ast ab, auf dem die Klienten sitzen, bevor du ihnen geholfen hast,
eine Leiter zu bauen
5. Klienten haben immer recht
6. Bevor du ein problematisches Verhalten nicht plastisch vor Augen hast, weißt du
nicht, worum es eigentlich geht
7. Du kannst nur mit Klienten arbeiten, die anwesend sind
8. Peile kleine, machbare Fortschritte von Woche zu Woche an und hüte dich vor
utopischen Fernzielen
9. Bedenke, dass die Informationsverarbeitungskapazität von Menschen begrenzt ist
10. Wenn du in der Therapiestunde härter arbeitest als deine Klienten, machst du
etwas falsch
11. Spare nicht mit Anerkennung für die Fortschritte von Klienten
Schema - Early Maladaptive
Schemes
• Weit gestecktes, umfassendes Thema oder
• Muster

• Besteht aus Erinnerungen, Emotionen,


• Kognitionen und Körperempfindungen

• Bezieht sich auf die Person selbst und ihre


• Kontakte zu anderen

foto
• Ist in Kindheit oder Adoleszenz entstanden

chmiderer
copyright schmiderer foto
• Hat sich im Laufe des Lebens verstärkt

s
• Stark dysfunktional

copyright
Ursprünge von Schemata

I) Verletzung zentraler emotionaler Bedürfnisse


1. Sichere Bindung (Stabilität, Zuwendung,
Akzeptiert werden)
2. Autonomie, Kompetenz, Identitätsgefühl
3. Freiheit, berechtigte Bedürfnisse und
Emotionen auszudrücken
4. Spontaneität und Spiel
5. Realistische Grenzen setzen und selbst
Kontrolle innehaben
II) Frühe Traumen

III) Temperament

Unstet Reaktionslos
Schwermütig Optimistisch
Besorgt Ruhig
Obsessiv Ablenkbar
Passiv Aggressiv
Gereizt Gut gelaunt
Schüchtern Gesellig
Schemadomäne 1: Abgetrenntheit und<
Ablehnung
1. Verlassenheit/Instabilität
2. Misstrauen/Missbrauch
3. Emotionale Entbehrung
4. Unzulänglichkeit/Scham
5. Soziale Isolierung/Entfremdung

Schemadomäne 2: Beeinträchtigung
von Autonomie und Leistung

copyright schmidererfoto
6. Abhängigkeit/Inkompetenz
7. Anfälligkeit für Schädigungen und
Krankheiten
8. Verstrickung/unentwickeltes Selbst
9. Versagen
Schemadomäne 3: Beeinträchtigung im
Umgang mit Begrenzung
10. Anspruchshaltung/Grandiosität
11. unzureichende Selbstkontrolle/Selbstdisziplin

Schemadomäne 4: Fremdbezogenheit
12. Unterwerfung
13. Selbstaufopferung
14. Streben nach Zuwendung und Anerkennung

Schemadomäne 5: Wachsamkeit/Gehemmtheit
15. Negativität/Pessimismus
16. Emotionale Gehemmtheit
17. Überhöhte Standards
18. Bestrafen
Maladaptive Bewältigungsreaktionen

Schema „Überhöhte Standards“ – 3 Söhne


Sich fügen - freeze (erbringt Leistung)
Vermeiden - flight (Studienabbrecher)
Überkompensation - fight (attackiert das
Establishment)
Schematherapeutisches Vorgehen nach
Young (2005)

Ziel ist der „Krieg gegen das Schema, das dauernd um

sein Überleben kämpft“

Es soll weniger häufig aktiviert und der mit ihm erlebte assoziierte Affekt

geschwächt und kurzlebiger werden.

Bottom-up-Vorgehensweise
besonders initiiert bei Borderline-Störungen und narzisstischen
Persönlichkeitsstörungen, wobei die Klassifikation der
Persönlichkeitsstörung zugunsten der Schemabegriffe in den Hintergrund
gestellt wird.
(ermöglicht empathischeres Vorgehen)
Schemaeinschätzung und Veränderung
1. Edukationsphase und Diagnostik

2. Veränderungsphase
o Kognitive Techniken
- Beweise für das Zutreffen des Schemas prüfen
- Umdeuten (refraiming) der Beweise, die ein Schema stützen
- Beurteilung der Vor- und Nachteile für den Patienten
- Initiieren eines Dialoges zwischen „Schemaseite“ und „gesunder
Seite“
- Erinnerungskarten mit Merksätzen (Schema-Memo)
- Führen eines Schema-Tagebuches

o Erlebnisbasierte Techniken
- Imaginations- und Dialogarbeit, um Schemata affektiv zu erleben
- Vorstellung eines sicheren Ortes
- Bilder aus der Kindheit
- Bilder, die Vergangenheit mit Gegenwart verbinden
- Bildliche Vorstellungen im Sinne von Schemata verstehen
Schema – Memo

Schema Negativität/ Pessimismus

Du musstest mit 9 Jahren erleben, dass


eine heile Welt von heute auf morgen zusammen-
bricht, dass Unerwartetes aus heiterem Himmel
passieren kann.
Die schönsten Situationen wie Weihnachten
etc. waren immer von der Trauer der

copyright schmidererfoto
Mutter überschattet.

Folgerung: Auf Schönes folgt Katastrophe


- Imaginieren anderer wichtiger Personen aus der Kindheit
des Patienten
- Dialoge mit Vorstellungsbildern (Kind mit Eltern)
- Begrenzte elterliche Fürsorge (reparenting) im Dialog
- Traumatische Erinnerungen
- Briefe an Eltern
o Aufbrechen von Verhaltensmustern
- Verhaltensübungen (weg von sich fügen, Vermeiden,
Überkompensieren)
- Hausaufgaben
o Therapeutische Beziehung
- Reparenting (zuerst mehr, dann begrenzt)
- Erkennen eigener Schemata und Bewältigungsstile
- Empathische Konfrontation
Kind-Modi
o Verletzbares Kind
o Verärgertes Kind
o Impulsives, undiszipliniertes Kind
o Glückliches Kind (kein Schema aktiviert)

Dysfunktionaler Eltern-Modus
o Strafender/kritischer Elternteil
o Fordernder Elternteil

Maladaptive Bewältigungsmodi
o Bereitwillig sich Fügender
o Distanzierter Beschützer
o Überkompensierer

Gesunder Erwachsener
Arbeiten mit "Stühlen„ (Rödiger, 2008)
• Einen aktuellen inneren Konflikt aufgreifen und auf Stühle setzen (evtl. mit einem
Copingmodus beginnen, bis der dahinterstehende Eltern- oder Kind-Modus
deutlich wird).

• Mit dem Teil beginnen, der im Vordergrund steht (erst zum Therapeuten sprechen
lassen, dann zum anderen Stuhl).

• Den anderen Teil fragen, wie er das Gesagte erlebt, Therapeut para-
phrasiert und steigert bei Bedarf (Konflikt "heiß machen" um den
DISTANZIERTEN BESCHÜTZER zu umgehen. Dabei rasch wechseln.)

• Auf der Kindseite immer wieder nach Gefühlen fragen (woher kennen Sie
das Gefühl von früher?) Bewältigungsmodi benennen (Kompensierer,
Selbstentwerter, distanzierter Beschützer, ärgerlicher Beschützer) und
"rausnehmen". Auch den abgespaltenen Kindmodus zu sprechen bringen,
Bedürfnisse, Wünsche und Befürchtungen erfragen.

• Patient auf "gesunden Erwachsenen-Stuhl" setzen und innere


Spannung fühlen lassen (dieser "bricht "daraufhin oft "zusammen").
Dadurch kann gezeigt werden, warum die Patienten in die Bewältigungsmodi
gegangen sind.

• Evtl. nochmal mit dem Kind im Sinne einer Exposition weiterarbeiten.


Arbeiten mit "Stühlen„ (Rödiger, 2008)
• Der gesunde Erwachsene geht aus einer wahrhaftig-rationalen Sicht auf die Modi
ein: Das Kind wird unterstützt und versorgt, der Elternmodus entmachtet und
zurückgewiesen. Der gesunde Erwachsene kann evtl. angemessene gute
Absichten der Elternmodi übernehmen ("ja, dennoch....").

• Hier muss der Therapeut anfangs häufig mit Vorschlägen helfen. Die Patienten
müssen die Reaktionen des gesunden Erwachsenen aber dann selbst zu den
Modi in direkter Rede aussprechen. Auf Körperhaltung achten!

• Der gesunde Erwachsene entwirft einen konkreten Lösungsvorschlag.

• Zur Absicherung geht der Patient nochmal auf die Außenstühle: Die Kindseite wird
gefragt, ob sie zufrieden ist und "mitzieht". Die inneren Eltern müssen die Macht
an den gesunden Erwachsenen abgeben und einem Verhaltensexperiment
zustimmen. Gegebenenfalls kann bei sehr rigiden Elternmodi deren Stuhl vor die
Tür gestellt werden.

• Der gesunde Erwachsene fühlt noch einmal den Unterschied (auch körperlich).

• Innere Antworten des gesunden Erwachsenen für Aktivierungssituationen werden


festgelegt und eingeübt (für das Schematagebuch).

RÖDIGER (2010)
Verhaltenstherapie Literatur

Grundlagen
• Beck J.: Praxis der Kognitiven Theorie. Beltz, 1999.
• Kanfer F. H., Reinecker H., Schmelzer D.: Selbstmanagement-Therapie.
Springer-Verlag,Berlin 2006.
• Margraf J., Schneider S.: Lehrbuch der Verhaltenstherapie, Band 1:
Grundlagen, Diagnostik, Verfahren, Rahmenbedingungen (ursprünglich in 2
Bänden erschienen), 3. vollständig bearbeitete und erweiterte Auflage,
Springer-Verlag 2009.
• Linden M., Hautzinger M.: Verhaltenstherapiemanual: Techniken,
Einzelverfahren und Behandlungsanleitungen. 2004
• Lenz G., Küfferle B.: Klinische Psychiatrie. Facultas, UTB. 2002
• Parfy E., Schuch B. & Lenz G.: Verhaltenstherapie. Moderne Ansätze für
Theorie und Praxis. Facultas, UTB. 2003.
Verhaltenstherapie - Literatur

Kognitive und Emotionsfokussierte Verfahren


• Beck, J. (1999). Praxis der Kognitiven Therapie. BeltzPVU.
• Young, J.E., Klosko, J.S. & Weishaar, M.E. (2008). Schematherapie. Ein
praxisorientiertes Handbuch. Junfermann
• Linehan, M. (1996) Dialektisch-Behaviorale Therapie der Borderline-
• Persönlichkeitsstörung. CIP-Medien
• Roediger, E. (2008). Praxis der Schematherapie: Grundlagen-Anwendung-
Perspektiven. Schattauer.
• Lammers, C. H. (2006). Emotionsbezogene Psychotherapie: Grundlagen,
Strategien undTechniken. Schattauer.