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Meinen Eltern

Sandra Meyer
Unter Mitarbei t von Dr. Markus Arend

BASICS
Chemie

ELSEVIER
URBAN & FISCHER URBAN & FISCHER München
-
Zuschriften und Kritik an:
Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag, Lektorat, Hackerbrücke 6, 80335 München

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Die Erkenntnisse in der Medizin unterliegen laufendem Wandel durch Forschung und klinische Erfahrungen. Herausgeber und Autoren dieses
Werkes haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass die in diesem Werk gemachten therapeutischen Angaben (insbesondere hinsichtlich Indikation
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Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deut~chen Nationalbibliografie; detaiJiierte bibliografische Daten sind im Inter-
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Alle Rechte vorbehalten


I. Auflage September 20 I0
© Elsevier GmbH, München
Der Urban & Fischer Verlag ist ein lmprint der Elsevier GmbH.

10 II 12 13 14 5 4 3 2

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Um den Textfluss nicht zu stören, wurde bei Patienten und Berufsbezeichnungen die grammatikalisch maskuline Form gewählt. Selbstverständlich
sind in diesen Fällen immer Frauen und Männer gemeint.

Programmleitung: Dr. Dorothea Herrnessen


Planung: Karotin Dospil
Redaktion: Julia Bender, GröbenzeU; Kathrin Nühse, Mannheim
Lektorat: lnes Mergenhagen, Dr. med. Constance Spring
Herstellung: Elisabeth Märtz, Andrea Mogwitz, München
Satz: Kösel, KrugzeU
Druck und Bindung: L.E.G.O. S.p.A., Vicenza, Italien
Umschlaggestaltung: SpieszDesign, Neu-Uim
Titelfotografie: © DigitaJVision/Gettylmages, München
Gedruckt auf IOO g Eurobulk l , l f. Vol.

ISBN 978-3-437-42666-7

Aktuelle Informationen finden Sie im Internet unter www.elsevier.de und www.elsevier.com


Vorwort IV IV
Liebe Leserin, lieber Leser, ~ Zahlreiche farbige Abbildungen und Formeln helfen,
sich das Dargestellte vorstellen zu können.
die Chemie ist ein Fach an dem sich häufig die Geister schei- ~ Am Ende steht eine Übersicht mit den wichtigsten funk-
den. Dem einen fällt es leicht mit Formeln und Gleichungen tionellen Gruppen.
umzugehen, und der andere muss sich damit abkämpfen
und es will trotzdem nicht so recht werden, wie man es sich Über Verbesserungsvorschläge, Anregungen und auch Korrek-
wünscht Mir selbst ist es - sonst hätte ich wohl kaum ein turen würde ich mich sehr freuen, da sie überaus wichtig
Buch darüber geschrieben - immer leicht gefallen. Daher für die Entwicklung eines Buches sind . Daher bitte ich jede
habe ich bereits seit meiner Schulzeit jenen anderen, die Leserin und jeden Leser, diese dem Verlag mitzuteilen, damit
mehr Schwierigkeiten mit der Chemie hatten und haben, in Zukunft Lehrbücher besser an die Bedürfnisse ihrer Leser
versucht durch Zusatzstunden zu helfen den Zugang zur angepasst werden können_
Chemie zu finden. Mit den Erfahrungen hieraus schrieb ich
das hier vorliegende Lehrbuch . Es richtet sich sowohl an Zu guter Letzt möchte ich meinen Dank Frau Kathrin Nühse
Erstere, die sich leicht tun, zur schnellen Wiederauffrischung aussprechen, die mir über lange Zeit tatkräftig mit ihrem Rat
des schon lange Zurückliegenden. Aber auch an Zweitere, zu Seite stand, sowie den weiteren Mitarbeitern des Elsevier-
die sich vielleicht von manch größerem Lehrbuch noch Verlages, die ebenfalls zur Entstehung dieses Buches beigetra-
abgeschreckt fühlen mögen und lieber erst einmal mit den gen haben. Darüber hinaus gilt mein Dank meiner Familie
BASICS beginnen_ und besonders meinem Freund, der sich oft in Geduld zu
üben hatte, wenn ich mich meinem Buch, statt ihm, gewid-
Ich habe versucht das umfassende und komplexe Wissen der met habe.
Chemie möglichst übersichtlich und einprägsam darzustellen,
ohne dabei auf wichtige Themen zu verzichten. Besonderen Zum Schluss bleibt mir zu hoffen, dass mein Buch einen
Wert habe ich dabei auf die Grundlagen gelegt, damit trotz kleinen Beitrag dazu leistet den Leserinnen und Lesern die
der Kürze der einzelnen Kapitel dem Leser die Möglichkeit Chemie ein Stück weit näher zu bringen und dass es viel-
bleibt, das Dargestellte ohne Vorkenntnisse zu verstehen. leicht auch ein wenig Spaß machen kann ein Chemie-Buch
Hilfreich ist hierbei der Aufbau der BASICS-Reihe: zu lesen.
~ Jedes Kapitel ist in sich auf einer Doppelseite abgeschlossen.
~ Am Ende des Kapitels steht eine Zusammenfassung, Ulm, im Sommer 20 I 0
die noch einmal kurz die wichtigsten Aspekte darstellt Sandra Meyer
~ Merkekästen heben das Essentielle hervor.
Inhalt
A Allgemeine und anorganische B Organische Chemie . .. .. . .. . .. .. .. .. . 48 - 89
Chemie ............... .......... .. . . .. . 2 - 47
Einführung . .... . ... . 0 • ••••• • •• • •••• • • • 0 • • 0 • 50
Grundlagen I . ..... . . ... . . ... .. .... . . ...... . 2 Kohlenwasserstoffe I .. 0 • •• 0 • •• 0 •• 0 • • 0 • • • • • • • • • 52
Grundlagen II .... .. ... .... . ........ . . . . . ... . 4 Kohlenwasserstoffe II . .. ..... . 0 •• 0 •• 0 •• • •• • • 0 • 54
Atomaufbau ....... . ...... . ... . .. . ......... . 6 Kohlenwasserstoffe 111 ..... . .. 0 • • 0 ••••• 0 • • • • • • 56
Das Periodensystem 8 Alkohole , Phenole, Ether 0 0 • 0 0 0 0 •• 0 • • 0 • • 0 • • • 0 • • 58
Zustände von Materie ..... .. .... . ..... ... .. . . 10 Amine und Thiole .. 0 0 ••• • 0 • • 0 • ••• ••• 0 • 0 • 0 • • • 60
Chemische Bindung - Grundlagen .......... .. .. . 12 Aldehyde und Ketone 0 •• 0 •• 0 • • 0 •• 0 • 0 • •••• • 0 • • • 62
Bindungstypen I ....... . ......... .. .. . ... ... . 14 Carbonsäuren .. .. . .. .. . . . .. . 0 • 0 • •• o •• o • • • • • • 64
Bindungstypen II . . .. ... . .... .... .... . ... .. . . 1o Carbonsäureester .. . . . 0 • ••• • • • • • •• • 0 •• • •• o • • • 66
Bindungstypen 11 1 . . ... .. .. . . ........ .... .... . 18 Fette und Seifen .... . .. 0 • •• •• 0 •• 0 • • • • • • • • • • • • 68
Chemische Reaktionen ... ... . .... . 0 • • 0 ••• 0 • ••• 20 Organische Reaktionen I .. 0 0 0 • 0 • 0 • 0 0 0 0 • • • • • • • • • 70
Stöchiometrie .. . 0 ••• ••• 0 •• 0 • 0 • •••••••••• ••• • 22 Organische Reaktionen II . 0 0 •• 0 0 0 • 0 0 • 0 • •• 0 • • • • • 72
Energetik I . . ........ . . . ............ . . . .... . 24 Isomerie I . . .. 0 •••• 0 0 • 0 0 • 0 0 0 0 • 0 0 • 0 •• 0 0 • 0 0 • • 74
Energetik II . .. 0 •• • • •• ••• • •••••••••• •• • 0 • ••• 26 Isomerie II .. ..... . .. . . . .. .... . . .. 0 •• 0 • • • • • • 76
Reaktionskinetik .......... 0 0 •• 0 • ••••••••••••• 28 Kohlenhydrate I . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78
Chemisches Gleichgewicht I . . 0 0 • • 0 ••• 0 • • 0 0 •• 0 0 30 Kohlenhydrate II .. . 0 • 0 0 • •••• 0 0 0 • 0 0 • •••• 0 • • • • 80
Chemisches Gleichgewicht II . . . ..... ... . . .. 0 ••• 32 Kohlenhydrate 111 .. .. 0 • 0 0 •• • 0 •• •••• 0 0 0 • o • 0 • • • 82
Salzlösungen und Fällungsreaktionen . 0 0 •• 0 ••••• • • 34 Aminosäuren . . . .. 0 0 • 0 0 •••••• • 0 • 0 0 ••••• 0 0 0 0 • 84
Säuren und Basen I ... . ............. . .. 0 • •••• 36 Peptide und Proteine .. . .. .. .. 0 0 • 0 • ••• 0 0 0 0 • • • • 86
Säuren und Basen II .. 0 •• 0 ••••• • •••••• • • •••••• 38 Nachweisreaktionen .... . . .... 0 •• •••• • •• 0 •• o • 0 88
Oxidation und Reduktion I 0 0 ••••• • • •••••••• 0 • •• 40
Oxidation und Reduktion II . .. .. . ..... 0 • ••• •• •• 42 C Anhang . 0 0 0 .. . .. • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • 90 - 98
Komplexchemie 0 •••••• • • ••• •••••• •• 0 0 ••• •• •• 44
Trennverfahren .. . 0 0 •• 0 •• 0 •• 0 0 •• •• • 0 • 0 ••• • • • 46 D Register .. 0 0 •• 0 •• 0 0 •• • •• 0 0 0. 0 •• 0 0.. .. .. 99 - 104
2 Grundlagen I
4 Grundlagen II
6 Atomaufbau
8 Das Periodensystem
10 Zustände von Materie
12 Chemische Bindung -Grundla gen
14 Bindungstypen I
16 Bindungstypen II
18 Bindungstypen 111
20 Chemische Reaktionen
22 Stöchiometrie
24 Energetik I
26 Energetik II
28 Reaktionskinetik
30 Chemisches Gleichgewicht I
32 Chemisches Gleichgewicht II
34 Salzlösungen und Fällungsreaktionen
36 Säuren und Basen I
38 Säuren und Basen II
40 Oxidation und Reduktion I
42 Oxidation und Reduktion II
44 Komplexchemie
46 Trennverfahren
Grundlagen I
Das Atom war schon den Griechen Demokrit und Leukipp
als kleinstes Teilchen der Materie bekannt. In den fo lgenden
Jahrhunderten haben sich viele Forscher mit dem Atom be-
schäftigt und es immer genauer beschrieben. So wu rden im
Laufe der Zeit verschiedene Modelle entwickelt, die den Auf-
bau der Atome zu erklären versuchen. Diese Erforschung des
Atoms ha t in der Chemie zu einer Reihe von Postulaten und
Gesetzen geführt, die für das Verständnis von chemischen
Zusammenhängen auch heutzutage wichtig sind.

Dalton und die Materie

Dalton nahm im 19. Jahrhundert den Gedanken der Antike


über die Atome auf und entwickelte daraus seine Atomhypo-
I Abb. 1: Beschuss der Go ldfolie mit a -Strahlen, wobei nur einige w en ige
these. Als Grundlage dienten ihm dabei zwei bereits vorher durc h die Go ldatome abgelenkt werden. I 11
formulierte Grundgesetze der Chemie:

..,_ Gesetz vom Erhalt der Masse. Es besagt, dass bei einer ..,_ Atome bestehen aus einer positiv geladenen Kugel, in
chemischen Reaktion weder Masse verloren geht, noch Mas- der die negativ geladenen Elektronen eingelagert sind.
se hinzugewonnen wird. ..,_ Nach außen hin sind di e Atome ungeladen. Durch
..,_ Gesetz der konstanten Proportionen. Es besagt, dass die Aufnahme bzw. Abga be von Elektronen ändert sich dies
die an einer Verbindung beteiligten Elemente in konstanten jedoch .
Proportionen (Massenverhältn issen) darin enthalten sind, ..,_ Elektronenabgabe führt zu positiv geladenen Ionen
z. B. enthält Na Cl immer 40 % Na und 60% Cl. (z. B. Na+).
..,_ Elektronenaufnahme führ t zu negativ geladenen
Basierend auf diesem Aufbau von chemischen Verbindun gen Ionen (z. B. CI-).
formulierte Dalton folgende Sätze:
Die Entdeckung von Becquerel, dass manche Atome instabu
..,_ Die Materie besteht aus ihrer kleinsten Einheit, dem Atom, sind und in subatomare Teilchen zerfallen können (Radioakti-
das unteilbar ist. vi tät), konnte Rutherford 19 11 in seinem Goldfolie-Versuch
..,_ Es gibt so viele Atomarten wie Elemente. Alle Atome eines nutzen. Er besc hoss Goldfolie mit a-Strahlen (positive Teil-
Elements sind gleich . chen). Die meisten a -Strahlen durchdrangen die Goldfolie
..,_ Die Atome der verschiedenen Elemente unterscheiden sich ohne Ablenkung, einige jedoch wu rden abgelenkt oder prall-
voneinander in ihrer Masse. ten ganz zurück (I Abb. I). Rutherford leitet daraus fo lge n-
..,_ Atome werden bei chemischen Reaktionen nie zerstört, des über den Atomaufbau ab:
neu gebildet oder in ein Atom eines anderen Elements ver-
wandelt. Sie werden neu verknüpft oder getrennt. . ,_ Bei den Atomen hand elt es sich nicht um dichte Masse-
..,_ Kommt es zu einer chemischen Verbindung vo n Elementen kügelchen , sondern Atome bestehen aus einem Kern und
untereinander, so stehen die daran beteiligten Atome im Ver- einer Hülle.
hä ltnis kleiner ganzer Zahlen (1, 2, 3 ... ) zueinander. ..,_ Der Kern im Zentrum ist positiv geladen.
Beispiel: Sauerstoff und Stickstoff -t N20 (2: 1), NO (1: I), ..,_ Der Kern wird von einer negativ geladenen Hülle um -
N02 (1:2), N20 3 (2:3) . geben.
.,. Der Kern macht fast die gesamte Masse eines Atoms aus
Mit dem letzten Punkt ergänzte Dalton die bereits bekannten ist aber winzig klei n. '
chemischen Grundgesetze um ein weiteres, das Gesetz der ..,_ Die Hülle muss ein fast leerer Raum sein, in dem di e
multiplen Proportionen. · negativ geladenen Elektronen auf Bahnen kreisen.

Atomaufbau und Ladung Die Elektronenbahnen nach Bohr

1904 erweiterte Thomson das Modell von Dalton, da sich die Ni ls Bohr entwickelte zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf
von Faraday 1833 ge machten Elektrolyseversuch e sowie Basis der uanten theo ri e und des Kern-Hülle-Modells zwei
Stoneys Entdeckung des Elektrons aus dem Jahre 188 1 dam it Postulate, um die Eige nsc hafte n von Elektronen ge nauer zu
nicht mehr erklären ließen. Thompson bezog in sein neues beschrei ben:
Atommodell die Ladung mit ein und erklärte den Atomaufbau
..,_ 1. Bohrsches Postulat: Um den Atomkern kreisen die
folgend ermaßen:
Elektronen au f bestimmten Bahnen, ohn dabei Energie in
2 13

Form von Strahlung zu verlieren. Dabei I Abb. 2: Energiescha-


ist die Energie eines Elektrons charakte- len der verschiedenen
Reihen nach Bohr. (1]
risiert durch die Bahn, auf der sich das
Elektron befindet (I Abb. 2).
~ 2. Bohrsches Postulat: Wechselt
ein Elektron seine Bahn zu einer Bahn LvMAN-Serie
näher am Atomkern, so gibt es dabei n; =1 PASC HEN-Serie
Energie in Form von Strahlung ab. Dies n; =3
geschieht in Form eines Photons mit
einer bestimmten Frequenz.
n; = 4
Die Zahl der möglichen Elektronen- n=6
bahnen wird mit der Zahl n angegeben.
Dabei nimmt n immer eine ganze Zahl
an. Die Bahn n = I liegt dem Kern am
nächsten und hat somit die geringste
Energie. Mi t steigender Anzahl nehmen
die Entfernung vom Kern und somit
auch die Energie der Schale zu. Diese
ee ee
Li Be B c
...
N
...
0
..
F
..
Ne

Energie wird mit Energiequanten be-


schrieben. Dan eine Angabe über mög-
liche Energiequanten macht, wird sie
auch als Quantenzahl bezeichnet. Na Mg Al Si p s Cl Ar

I Abb. 3: Die verschiedenen Schalen der Atomhülle mit den sich dari n befind lichen El ektronen.
Rosa = erste Schale (K), orange = zwe ite Schale (L), grün= dritte Schale (M) . (1 ]
Das Schalenmodell

Ausgehend vom Bohrsehen Atommodell


ergibt sich das Schalenmodell. Es be-
schreibt die Bewegung von Elektronen Zusammenfassung
auf konzentrischen Kugelschalen
um den Atomkern. Jeder Schale lässt ac Im Laufe der Zeit wurde das Atommodell immer weiter entwickelt.
sich eine bestimmte Energiestufe sowie ac Nach Dalton besteht die Materie aus ihrer kleinsten Einheit, den Atomen,
eine begrenzte Anzahl von Elektronen die unteilbar sind. So viele Elemente wie es gibt, so viele Atomarten gibt es
zuordnen. Insgesamt unterscheidet man
auch . Sie unterscheiden sich nur in ihrer Masse. Kommt es zu einer Verbin-
7 Schalen, die mit den Buchstaben K
bis Q gekennzeichnet werden. Wie dung von Elementen miteinander, so stehen die daran beteiligten Atome
viele Elektronen eine Schale aufnehmen im Verhältnis einfacher ganzer Zahlen zueinander.
kann, lässt sich mit der Formel 2n 2 be- ac Rutherford beschreibt, dass ein Atom eine Hülle und einen Kern hat. Da-
schreiben, wobei n die Quantenzahl des
Bohrsehen Atommodells ist. Somit kann bei ist der Kern winzig klein, positiv geladen und enthält fast die gesamte
die erste Schale(= K) maximal2, die Masse des Atoms. Die den Kern umgebende Hülle enthält die negativ gela-
zweite Schale(= L) maximal8 und die denen Elektronen. Bohr postulierte, dass sich die Elektronen auf verschie-
dritte Schale( = M) (grün) maximal
denen Schalen um den Atomkern herum bewegen. Kommt es zu einem
18 Elektronen aufnehmen (in der Ab-
bildung nur bis acht Elektronen gefüllt) Wechsel eines Elektrons von einer äußeren auf eine weiter innen gelegene
(I Abb. 3 und PeriodensystemS. 92). Schale, so wird dabei Energie in Form von Photonen einer bestimmten
Ein Atom eines Elementes hat immer Frequenz frei.
eine bestimmte Anzahl an Schalen, z. B.
hat Lithium 2, Natrium und Schwefel ac Das Schalenmod ell beschreibt, dass sich die Elektronen auf konzent-
3 Schalen. Dabei wird die äußerste rischen Kugelschalen um den Atomkern herum bewegen. Dabei werden
Schale als Valenzschale und die sich 7 Schalen (bezeichnet mit den Buchstaben K bis Q) unterschieden, die je-
darin bewegenen Elektronen als Valenz-
weilseine andere Energie haben. Die Anzahl an Elektronen, die eine Schale
elektronen bezeichnet. Diese Elektro-
nen sind für die chemischen Bindungen aufnehmen kann, lässt sich mit der Formel 2n 2 berechnen (n = Quanten-
zwischen den verschiedenen Elementen zahl).
verantwortlich.
Grundlagen II
Orbitale und Orbitalmodell Die Nebenquantenzahl I hat die Werte von I = 0 bis 1=
n -1 . Nimmt man z. B. ein Elektron mit der Ha uptquanten-
Heute weiß man, dass Elektronen sowohl die Eigenschaften zahl n = 2, so erhält man die I-Werte 0 und I.
eines Teilchens wie auch die Eigenschaften einer Welle auf- Die räumliche Form eines Orbitals ist von der Neben-
weisen. Will man gleichzeitig den Aufenthaltsort und die Ge- quantenzahl abhängig:
schwindigkeit eines Elektrons bestimmen, so ist dies aufgrund
der doppelten Eigenschaft nich t möglich. Dies wird durch die ~ Orbita le mit I = 0 bezeichnet man als s-OrbitaJe. Sie ha-
Heisenbergsche Unschärferelation ausgedrückt. Man ben eine kugelförmige Raumstruktur (I Abb. 4a), liegen direkt
kann nur einen Raum bestimmen, in dem sich das Elektron um den Atomkern herum und lassen sich in jedem Energie-
mit großer Wahrschein lichkeit aufhält. Daher wurde das nivea u finden.
Schalenmodell zum Orbitalmodell weiterentwickelt. Ji> Orbitale mit I= 1 nennt man p-Orbitale. Sie zeigen di e
Im Orbitalmodell wird einem Elektron keine definierte Schale räumliche Struktur einer Hantel, wobei diese sich zu den drei
zugeordnet, sondern ein dreid imensionaler Raum, das Orbi- Raumachsen (x, y, z) ausrich ten kann. Sie treten erst ab der
tal. Dies ist der Bereich, in dem sich die Elektronen mit gro- zweiten Schale auf (I Abb. 4b).
ßer Wahrscheinlichkeit aufhalten. Man kann sich die Orbitale Ji> Orbitale mit I = 2 werden als d-OrbitaJe bezeichnet (tre-
auch als negative Wolken vorstellen, die den Atomkern um- ten ab der dritten Schale auf, I Abb. 4c) und die Orb itale mit
geben. I = 3 als f-Orbitale.

3. Magnetqu antenza hl m - Orbital zustände


Die Magnetqua ntenza hl beschreibt die unterschiedlichen
Raumausrichtungen eines Orbitals. So kann sich das hantel-
förmige p-Orbital nach allen drei Ra umachsen ausrichten
Im Bohrsehen Atommodell reichte eine Quantenzahl (n) aus, (=d rei verschiedene energetisch gleichwertige p-Orbitale) .
um das Energieniveau eines Elektrons zu beschreiben, im Sie we rden mit Px, pY,p, bezeichnet.
Orbitalmodell sind dagegen für die Beschreibung der Orbitale Die Magnetquantenzahl kann die Werte von m =-I bis + 1
und damit der Aufenthaltsorte der Elektronen 4 Quanten- einsch ließl ich der 0 annehmen und gibt Aufsch luss über die
zahlen nötig: Anzah l gleic hwertiger Orbitale:

1. Hauptquantenzahl n - Energieniveau Ji> Da das s-Orbital nu r einen rn-Wert annehmen ka nn, gibt
Diese entsprich t der Schale (K bis Q) aus dem Bohrsehen es fo lglich keine verschiedenen s-Orbitale (I Abb. 4a).
Atommodell und bezeichnet das Energieniveau eines Elek- ~ Für das p-OrbitaJ (I = I) nimmt m die Werte -1, 0 und
trons in einem Orbital. Sie wird mit den Zahlen n = 1, 2, 3 + 1 an - die drei oben angesprochenen Formen .
... gekennzeichnet und entspricht den Perioden (1 - 7) im ~ Für das d-Orbital erhält m die Werte -2, -1, 0, + 1 und
Periodensystem. + 2. So ergeben sich fünf versch iedene d-Orbitale.

2. Nebenquantenzahl I - Energieunterschied 4. Spinqu antenzah l s - Eigenrotation des El ekt rons


Sie beschreibt Energieunterschiede innerhalb eines Energie- Die letzte Quantenza hl berü cksichtigt die Eigenrotation, den
niveaus und kennzeichnet die räum liche Form ei nes Orbitals. Spin, ei nes Elektrons um seine eigene Achse. Sie entspricht

A ufentha ltswahrschei nlichkeit

", ~
,:,,.!_ ,·_
c

1 Abb. 4: Räumliche Anordnung der Orbit le. a) s-Orbital (I - 0), b) p-Orbi tale
(I - 1), c) d-Orbitale (I - 2) . II]

b
4 15

Energie 02 I Abb. 5: Elektronen-


Haupt- Neben- Magnet- Splnquan- e·-Anzahl Gesamte konfiguration des Sauer-
quanten-
zahl n
quanten-
zahl I
quanten-
zahl m
tenzahl s e-
+' + - + 2p stoffatoms. [2]

o ( 1s) 0 ± 1/ 2 1\ Py Pz
o (2s)
1 (2p)
0
- 1. o. + 1
± 1/2 8 2_li
s
2s
je ± 1/ 2
3 0 (3s) 0 ± 1/2
++s
2 18
1 (3p) -1, 0, + 1 je ± 1/ 2 6 ls
2 (3d) - 2, - 1, 0, je ± 1/ 2 10
+1, +2

I Tab. 1: Vertei lung der Elektronen auf die einzelnen Orbita le

den Werten s =+ 112 und - 1/2. Da in jeder Orbitalwolke Zur Kennzeichnung der Orbitalbesetzung schreibt man
nur 2 Elektronen Platz finden, nimmt das eine den Wert als Erstes die Ziffer der Hauptquantenzahl, dann folgt die Be-
+ 112 und das andere den Wert - 1/2 an. zeichnung des Orbitals (Nebenquantenzahl) und schließlich
als hochgestellte Ziffer die in dem Orbital enthaltene Anzahl
an Elektronen.
Zahl der Elektronen
6 ---- mit n = 2 und I = 2
2
~ p~
Hauptquantenzah l n = 2 Nebenquantenzahl I = 1
Durch die vier Quantenzahlen werden die Position sowie die
damit einhergehende Energie eines Elektrons eindeutig be-
schrieben. Es gibt keine zwei Elektronen in einem Atom, die
genau die gleichen vier Quantenzahlen haben (Pauli-Prin-
zip).
Beispiel: Die maximale Anzahl der Elektronen eines Energie-
niveaus errechnete sich nach der Formel 2n 2• Somit ergibt Zusammenfassung
sich für das Energieniveau n = 3 eine maximale Elektronen- tt Das Orbitalmodell ordnet den Elektronen dreidimen-
anzahl von 2 x 32 = 18. Diese Elektronen verteilen sich auf sionale Räume - Orbitale - zu, in denen sich die Elek-
die einzelnen Orbitale: 2 auf das s-Orbital, 6 weitere zu je 2
tronen mit 90 %iger Wahrscheinlichkeit aufhalten.
auf jedes der 3 p-Orbitale und I 0 auch wieder zu je 2 auf
die 5 verschiedenen d-Orbitale (I Tab. 1 und Periodensystem tt Die 4 Quantenzahlen beschreiben die Orbitale mit
S. 92). den darin enthaltenen Elektronen. Dabei ist eine
Kombination der 4 Quantenzahlen eindeutig einem
Elektronenkonfiguration/Elektronenbesetzung
bestimmten Elektron zugeordnet.
der Orbitale
tt Die Hauptquantenzahl n entspricht dem Energie-
Die Besetzung der Orbitale mit den einzelnen Elektronen niveau.
erfolgt nach bestimmten Regeln:
tt Die Nebenquantenzahl beschreibt die räumliche
."_ Pauli-Prinzip: Jedes Orbital kann mit maximal 2 Elektro- Form der einzelnen Orbitale. Es werden s-, p-, d- und
nen besetzt werden. f-Orbitale unterschieden .
."_ Energieprinzip: Das Auffüllen der einzelnen Niveaus
tt Die Magnetquantenzahl gibt eine weitere Untertei-
erfolgt nacheinander, beginnend mit dem energieärmsten
Is-Orbital. Dann folgt das 2s-Orbital, das 2p-Orbital und dann lung der Orbitale wieder. Dabei werden die p-Orbitale
das 3s-, 3p-Orbital usw. in 3 und die d-Orbitale in 5 Untergruppen aufgeteilt.
."_ Hundsche-Reget: Die drei energetisch gleichwertigen tt Die Spinquantenzahl kennzeichnet die Rotation der
p-Orbitale (p., pY,Pzl werden zunächst mit je einem Elektron
Elektronen um ihre eigene Achse.
des gleichen Spins besetzt. Erst wenn alle ein Elektron ent-
halten , erfolgt die Besetzung mit dem zweiten Elektron mit tt Unter der Elektronenkonfiguration versteht man die
entgegenge setztem Spin (I Abb. 5). Verteilung der Elektronen auf die einzelnen Orbitale.
Atomaufbau
I Abb . 1: Aufbau ei nes Atoms am Beisp1 el des
Aufbau eines Atoms Kohlen stoffs. [ 11

Atome bestehen aus Elemen tarteilchen:


Protonen (p+), Neutronen (n) und
Elektronen (e-). Diese unterscheiden
sich durch ihre Ladung und Masse von-
einander.
Protonen und Elektronen tragen die
gleiche Ladung von I ,6 x I 0 - 19 C
(Coulomb] . Bei den Protonen ist diese
Ladung positiv, bei den Elektronen ne-
gativ. Die Neutronen sind, wie sich auf-
Neutronen
grundihres Namens vermuten lässt, Protonen
in ihrer Ladung neutral. Elektronen
Da die absolute Ladung zu unhandlich
ist, verwendet man an ihrer Stelle die
relative Ladung. Für ein Proton ist die
relative Ladung+ I und für ein Elektron geladen_ Die Neutronen dienen als eine dass neben den 6 Protonen noch 6 Neu-
- I (I Tab. I )_ Art Abstandshalter zwischen den Pro- tronen im Kern vorliegen müssen.
Die Masse der Protonen und Neutro- tonen innerhalb des Kerns. Die Hülle ist Die Gesamtzahl der Neutronen und
nen ist gleich, sie wiegen jeweils I ,66 x negativ geladen, da sich in ihr die Elek- Protonen bezeichnet man auch als Mas-
1o-z4 g_Da auch diese Zahl zu unhand- tronen aufhalten. Nach außen hin ist senzahl. Sie entspricht annäherungs-
lich ist, wird an ihrer Stelle die relative die Ladung eines Atoms neutral, da weise der Atommasse. Kohlenstoff hat
Masse verwendet. Dabei dient das in einem Atom immer gleich viele Elek- also die Massenzahl 12. Folglich kann
Kohlenstoffatom 12 C als Bezugswert tronen wie Protonen vorkommen. man Kohlenstoff so kennzeichnen : 1 ~ C,
(s. unter Atommasse)_ Ein Proton und Die Anzahl der Protonen im Kern wird Phosphat als ~; P und Kalium als ~g K.
ein Neutron wiegen jeweils ungefähr durch die Kernladungszahl beschrie-
Massenzahl
1I 12 vom Kohlenstoffatom, also nahe- ben. Nach ihr werden die Atome in auf-
zu 1. Die Elektronen sind viel leichter steigender Reihenfo lge im Periodensys- ~A
und wiegen nur 1/ 2000 eines Protons. tem angeordnet. Deshalb wird sie auch z M- - Elemen tsymbol

Im Kern befinden sich die Protonen und Ordnungszahl genannt. Wasserstoff hat
Neutronen, deshalb trägt er fast das z. B. die Ordnungszahl I, Helium 2 und Ordnungszah l
/
ganze Gewicht des Atoms. Die Atom- Sauerstoff 8 (s_ Periodensystem]. Da
hülle wiegt dagegen im Vergleich zum Atome nach außen neutral sind, kom-
Kern so gut wie nichts. men immer gleich viele Elektronen wie Elemente und Isotope
Bei den Größenver hältnissen ist es Protonen vor, somit entspricht die Ord-
umgekehrt: der Kern ist im Vergleich nungszahl gleichzeitig auch der Anzahl Von einem chemische n Element
zur Hülle winzig klein. Er hat einen der Elektronen eines Atoms. spricht man dann , wenn alle Atome
Durchmesser von nur 1Q- 15 m, das Beispiel: Kohlenstoff hat die Ordnungs- eines Elements die gleiche Kernla-
Atom von J0 - 10 m_ Das Verhältnis ist zahl 6. Er steht also an sechster Stelle dungszahl /Ordnung szahl haben_ Die
ungefähr so wie ein Tischtennisball in im Periodensystem. Damit ist auch klar, für den Menschen bedeutendsten Ele-
einer Sporthalle. Den Elektronen steht dass er 6 Protonen in seinem Kern ent- mente si nd u. a. Natrium (Na], Kalium
hä lt und 6 Elektronen in seiner Hülle. (K), Sauerstoff (0), Kohlenstoff (C),
somit ein riesiger Raum zur Verfügung,
in dem sie sich bewegen. Diese Elektro- Seine relative Atommasse liegt bei Kalzium [Ca) und Wasserstoff (H]. Sie
12,01 1. Während die Atommasse der lassen sich durch ein Elementsymbol
nenhülle um das Atom dient auch als
Protonen und Neutron en bei ca. l liegt, abkürzen (in Klammern angegeben], das
Abstandshalter zwischen den einzelnen
ist die Masse des Elektrons zu vernach- dann auch in den Formeln Verwendung
Atomkernen (I Abb. I ].
lässigen. Daraus lässt sich sc hließen, findet.
Der Kern ist durch die Protonen positiv

Relative Ladung Relative Masae Abaolute Maaae


Name Symbol Abaolute
Ladung

+I 1,0073 1,66 x IO " g


Proton p' \,6 X 10"19 C
-1 5 X \0 < 9,10 " \0 " g
Elektron e· 1,6 x 10-" C
I Tab. 1: Charakteri stika von Prot on n, I ktron 11
0 1,0087 1,66 x !O " g
Neutron und Neutron n
6 17

Die Massenzahl kann innerhalb eines Neutronen ist nicht exakt identisch gadro-Konstante bezeichnet. Von ihr
Elementes verschieden sein, da die An- (I Tab. 1). leitet sich die Einheit der Stoffmenge
zahl der Neutronen variieren kann . ~ Massendefekt: die Elementarteilchen n, das Mol (Einheit: mol) ab. In 1 mol
So kommen vom C-Atom verschiedene lassen sich mit ihren Massen nicht ge- eines Stoffes finden sich immer
Formen vor: Am häufigsten ist das 1 ~ C nau addieren, sondern es geht ein we· 6,022 x 1023 Teilchen. Da die Atom-
(6 Protonen, 6 Neutronen) mit 98,9%. nig Masse durch die atomare Bindungs- gewichte bekannt sind, kann man nun
Daneben gibt es auch C-Atome mit den energie verloren. errechnen, wie schwer 1 moleines Stof-
Massenzahlen 1 ~ C und 16C: sie haben fes ist. So wiegt ein Mol Stickstoff 14 g,
I bzw. 2 Neutronen mehr. Ebenso kann Beispiel: Möchte man die Atomanzahl I Mol Sauerstoff 16 g und Kohlenstoff
ein C-Atom auch weniger Neutronen in 14 g Stickstoff berechnen, so teilt 12 g. I Mol entspricht der relativen
enthalten (1 ~ C). Diese Formen nennt man diese 14 g durch die Masse eines Atommasse in Gramm. Dies wird als
man Isotope (=Nuklide). einzelnen Stickstoffatoms (= 14 x 1,66 molare Masse M oder Molmasse
Ein weiteres Beispiel ist Wasserstoff: In x ]Q - 24 g) . Das Ergebnis sind 6,022 x bezeichnet (I Tab. 2 und S. 22/24 Stö-
99,99% liegt er als: H (nur I Proton) 1023 Teilchen. Diese Zahl wird als Avo- chiometrie).
vor, daneben gibt es aber auch f H (Deu-
terium), fH(Tritium).
Isotope können stabil oder instabil
sein. Die instabilen Isotope werden als Stoffportion m Elementsymbol Atomare Masse Teilc~ enanzahl Stoffmenge n Molare Masse
(u) (n = mj M) M
Radioisotope bezeichnet, da sie radio-
aktive Strahlung aussenden. Dies ge- 12 g KohlenstoH c 12 u 6,022 X 10 13 1 mol 12 g/ mol

schieht, weil ihre Kerne durch die ver- 9 g SauersloH o, 32 u 1,7 X 1013 0,2 8 mol 32 g/ mol
änderte Zusammensetzung aus Pro- (2 x t6 u) (9 g/ (32 g X (9 g/ 32 g/mol)
1,66 X 10"24 ])
tonen und Neutronen instabil geworden
9 g Wasser H20 18 u 3,0 X 1023 0,5 mal 18 g/mol
sind. Durch die Aussendung von Ele-
(2 x 1 u + 16 u) (9 g/ (18 g X (9 g/ 18 g/ mol)
mentarteilchen in Form von Strahlung 1,66 X 10·" ])
versuchen die Atome, wieder in einen
I Tab. 2: Beispiele für die Berechnung von Teilchenanzahl, Stoffmenge und molare Masse
stabilen Zustand zu gelangen. Beim
Wasserstoff ist das Tritium radioaktiv
und beim Kohlenstoff die Isotope 16C
und 16C.
Zusammenfassung
Atomare Massen, Stoffmenge ae Die Elementarteilchen der Atome sind die Protonen (p+), Neutronen (n)
Mol und Elektronen (e-). Im Kern befinden sich Protonen und Neutronen, sie

Für die Masse wird normalerweise die machen die positive Ladung und das Gewicht eines Atoms aus. ln der Hülle
Einheit kg verwendet Da die Masse von befinden sich die Elektronen, sie machen die negative Ladung und die
Atomen äußerst klein ist, wäre die Anga- Größe eines Atoms aus.
be in Kilogramm oder Gramm sehr um-
ständlich. Man verwendet stattdessen
ae Die Kernladungszahl oder auch Ordnungszahl entspricht sowohl der Zahl

die atomare Masseneinheit (u). Wie an Protonen im Atomkern wie auch der Zahl der Elektronen in der Atom-
bereits besprochen, hat man das Kohlen- hülle.
stoffatom als Bezugsgröße festge legt: so- ae Die Massenzahl gibt die Anzahl der Nukleonen (Protonen und Neutronen)
mit ist 1 u = 1/12 der Masse des Koh-
lenstoffisotops 1 ~ C = 1,66 x 1Q- 24 g wieder.
(= 0, 000 000 000 000 000 000 000 00 I 66 g). ae Element: gleiche Ordnungszahl
1
~C Kohlenstoffwiegt damit 12 u, • Isotop: gleiche Ordnungszahl, aber unterschiedliche Massenzahl
: H I u und 1 ~ 0 16 u.
Schaut man auf die Atommassen im
ae Radioisotop: instabiles Isotop, das radioaktive Strahlung abgibt
Periodensystem, so findet man keine ae Atomare Masse: Einheit u = 1I 12 von ~ C = 1,66 x 10 - 24 g
1

glatten Atommassen. Dies hat drei ae Avogadro-Konstante: 6,022 x 1023 Teilchen/mol


Gründe:
• Stoffmenge n: Einheit mol. Zähleinheit für die TeilchenanzahL

~ Die einzelnen Elemente kommen als • Molare Masse M: Einheit g/mol. Gibt an, wie schwer 1 moleines Elements
Isotope mit unterschiedlichen Masse- ist.
za hlen vor. • Berechnung von n: n = m/M.
~ Die Masse von Protonen und
Das Periodensystem
Aufbau des Periodensyst ems Element
Elektronen-
Orbitaldarstellung
konfiguration

Das Periodensystem, wie wir es heute kennen, stammt aus


dem 19. Jahrhundert und zeigt eine Einteilung der Elemente
H 15 1 [f]
in Gruppen (vertikal) anhand chemisch ähnlicher Eigen- He 152 [TI]
schaften. Von links nach rech ts sind die Elemente nach stei-
gender Ordnungszahl (Anzahl der Protonen) in Perioden Li 15 2 25 1 [TI][]
(horizontal) angeordnet (s. Periodensystem im Anhang
S. 92). Erst später zeigte sich, dass die Ähnlichkeiten bei Be 152 252 [TI][il]
chemischen Reaktionen innerhalb einer Gruppe auf das Vor-
handensein bestimmter Elektronenkonfigurationen zurück-
B 15 2 25 2 2p 1 [TI] [ll] It I I J
zuführen sind . c 15 2 252 2p 2
[TI] [TI] It lt I J
Elektronenkonfiguration N 15 2 25 2 2p 3
[TI] ~ l t lt lt J
Betrachten wir also noch einmal die Grundlagen (s. auch
S. 214). Die Elektronenkonfiguration lässt sich unter Be- 0 15 2 25 2 2p 4
[TI] ~ ~ t~ l t lt J
achtung dreier Prinzipien herleiten: F 15 2 2s 2 2p 5
[TI] [ti] l t~ i t~ l t J
.,.. Pauli-Prinzip: Jedes Orbital kann mit maximal 2 Elektro-
nen besetzt werden .
Ne 1s 2 2s 2 2p 6
[TI] [TI] It ~ I t ~ It +
J
.,.. Energieprinzip: Das Auffüllen der einzelnen Niveaus I Abb. I : Elekt ronenkonfiguration von H bis Ne. ]11
erfolgt nacheinander, beginnend mit dem energieärmsten 1s-
Orbital. Dann folgt das 2s-Orbital, das 2p-Orbital und dann
das 3s-, 3p-Orbital usw.
.,.. Hundsche-Regel: Die drei energetisch gleichwertigen p- folgt die Befüllun geiner weiter innen gelegenen Schale, so
Orbitale (p" pY' Pzl werden zunächst einfach mit Elektronen werden sie den Nebengruppen oder den Lanthaniden und
des gleichen Spins besetzt. Erst wenn alle ein Elektron ent- Actiniden zugeord net.
halten, erfolgt die Besetzung mit dem zweiten Elektron mit
entgegengesetztem Spin.

Beginnt man bei Wasserstoff (H), so hat dies ein Js 1-Elektron.


Als Nächstes folgt Helium (He), es hat 2 Elektronen im ersten
s-Orbital = Is2 • Damit ist das erste s-Orbital voll. Nun folgt die
Besetzung des zweiten s-Orbitals (Li und Be) ebenfalls mit 2
Elektronen und anschließend die der p-Orbitale (B bis Ne) mit
insgesamt 6 Elektronen (I Abb. 1). In der dritten Periode fo lgt
Natrium. Es hat die Elektronenkonfiguration 1s2 2s 2 2p63s i. Hauptgruppen
Bei der vierten Periode zeigt sich, dass nicht wie vermutet als jede der acht Hauptgruppen trägt einen Eigennamen:
Nächstes das 3d-Orbital befüllt wird, sondern vorher das 4s-
Orbital, da dies energetisch günstiger ist. Erst ab den Sc (Scan- 1. Gruppe: Alkalimetalle
dium) wird das 3d-Orbital weiter aufgefüllt (I Abb. 2). Somit 2. Gruppe: Erdalkalimetalle
kommt es zum Einschub der Nebengruppe. Bei ihnen wird 3. Gruppe: Erdmetalle
also, nachdem bereits eine weiter außen liegende Schale 4. Gruppe: Kohlenstoffgruppe
befüllt wurde, eine weiter innen liegende nachträglich auf- 5. Gruppe: Nitrogruppe
gefüllt. Gleiches geschieht auch bei den Lanthaniden und 6. Gruppe: Chalkogene
Actiniden. 7. Gruppe: Halogene
8. Gruppe: Edelgase.
Haupt- und Nebengruppe n
Die Gruppennummer der Hauptgruppen gibt gleichzeitig die
Li
Die Elemente einer Gruppe (vertikal) weisen jeweils die glei- Zahl der Valenzelektron en eines Elementes an. o haben
F und
che Anzahl an Elektronen in der äußersten Schale (= Valenz- und Na aus der ersten Gruppe I Valenzelektron, und
elektronen) auf (Ausnahme Helium). Da diese Elektronen Cl aus der siebten Gruppe 7. Die Edelgase haben 8 Valenz-
die chemischen Eigenschaften der Elemente bestimmen, ha- elektronen, womit die Schale voll besetzt ist. Dies wird als
ben die Elemente einer Gruppe ähnliche Eigenschaften. Oktett bezeichnet. Diese Elemente si nd beso nd ers stabil.
Dabei werden Elemente den acht Hauptgruppen zugeord- Diese Elektronenkonfig uration "streben" die Elemente in Ver-
net, wenn die äußere Schale mi t Elektronen befüllt wird. Er- bindungen an (s. Chemisc he Bindunge n, . 12).
819

Reihenfolge bei der Auffüllung der Orbitale mit Elektronen innerhalb der Perioden I Abb. 2: Reihenfolge zur Auffüllung der Orbitale
des Periodensystems (links) und eine Hilfskonstruktion (rechts), um die Auffüllung mit Elektronen. 12]
der Orbitale leichter zu erinnern.

~
7. Periode 7slb'" 5f b/114 6d' bhlO 7p?
6. Periode 6sl bis2 4fbis14 5dl bis10 6plbis6
5. Periode Ss' bis2 4dlbis10 5plhis6
4. Periode 4slbis2 3d' bislO 4plbis6

~
3. Periode 3slbis2
3p"'"
2. Periode 2slbis2 2p' bis6
1slbis2
1. Periode
~

Nebengruppen dichte auch als harte Strahlung bezeich- und ß-Strahlen ionisiert, die durch eine
Die zehn Nebengruppen enthalten aus- net. von ihnen ausgelöste Kaskade schließ-
schließlich Metalle. Sie haben alle je- lich einen Stromstoß erzeugen, der hör-
weils 2 Elektronen auf ihrer äußersten y-Strahlen bar gemacht werden kann. y-Strahlen
Schale. Die einzelnen Nebengruppen y-Strahlen sind elektromagnetische können besser mit einem Szintillations-
unterscheiden sich nicht so sehr in Wellen sehr kleiner Wellenlänge, für zähler nachgewiesen werden, in dem
ihren Eigenschaften, da nur die Valenz- die sich keine maximale Reichweite an- durch die Strahlung ein Lichtblitz aus-
elektronen auf einer weiter innen gele- geben lässt. Erst durch dicke Bleiplatten gelöst wird.
genen Schale variieren. ist es möglich, y-Strahlen abzuschirmen. Da mit jeder ausgesandten Strahlung
Sie wird im Gegensatz zu den a- und ß- auch ein Radioisotop zerfällt, nimmt
Radioaktivität Strahlen als weiche Strahlung bezeich- ihre Anzahl mit der Zeit ab. Dabei ist
net. die Halbwertszeit die charakteristische
Bei den Isotopen hatten wir auch solche Größe. Sie gibt an, in welchem Zeit-
kennengelernt, deren Kern instabil ist. raum die Hälfte der vorliegenden Atom-
Sie zerfallen und senden dabei Strah- kerne zerfallen ist. Liegen von einem
lung aus, die für den Menschen gefähr- Radioisotop mit der Halbwertszeit von
lich ist, aber auch von ihm genutzt t 112 = I Jahr 2000 Atome vor, so sind
werden kann (z. B. Röntgen, Kernkraft- nach 1 Jahr noch I 000, nach 2 Jahren
werke). Dabei gibt es verschiedene Ar- Zum Nachweis von Strahlung macht noch 500 und nach 3 Jahren noch 250
ten von Strahlung: man sich ihre Eigenschaft zunutze, mit Atome vorhanden. Graphisch lässt sich
Materie zu interagieren. In einem Gei- das durch eine e-Funktion darstellen,
a-Strahlen ger-Zähler werden Gasatome durch a- die sich asymptotisch Null annähert.
a-Strahlen bestehen aus positiv gela-
denen Heliumkernen i He 2+ und ha-
ben eine Reichweite in Luft von nur Zusammenfassung
wenigen Zentimetern. Bereits durch
X Das Periodensystem ist in Gruppen (vertikal) und Perioden (horizontal)
Papier lassen sie sich abschirmen. Dies
liegt an ihren starken Wechselwir- unterteilt.
kungen mit anderen Atomen, deshalb X Die Auffüllung der Orbitale mit Elektronen erfolgt von den energiearmen
sind sie für den Menschen auch so ge- hin zu den energiereichen und nimmt mit steigender Ordnungszahl jeweils
fährlich.
um ein Elektron zu .
ß-Strahlen X Die Elemente lassen sich in Haupt-, Nebengruppen und Lanthanide/Actini-
ß-Strahlen sind Elektronen, die aus de einteilen.
dem Atomkern stammen. Normaler-
X Hauptgruppen: Besetzung der s- und p-Orbitale der äußeren Schalen.
weise kommen diese dort nicht vor. Sie
entstehen erst, wenn ein Neutron in ein Nebengruppen: Besetzung der d-Orbitale der inneren Schale. Lanthani-
Proton und ein Elektron zerfällt. In der dejActlnlde: Besetzung der f-Orbitale.
Luft besitzen ß·Strahlen eine Reichweite X Hat ein Element 8 Elektronen auf seiner äußeren Schale, so wird dies als
von mehreren Metern, und um sie ab-
Oktett bezeichnet. Das Element ist äußerst stabil (Oktettregel).
zuschirmen, wird eine Aluminiumplatte
von wenigen MH!imetern benötigt. Zu- X Rad ioaktivität: Es gibt drei Arten von Strahlung: a-8trahlen: positive Heli-
sammen mit den a -Strahlen wird die ß- umkerne, ß-Strahlen: Elektronen, y-8trahlen: elektromagnetische Wellen.
Strahlung aufgrund ihrer hohen Energie-
Zustände von Materie
Aggregatzuständ e Sublimieren (von fest direkt zu gasförmig)

Materie kann in drei Aggregatzuständen


vorliegen: fest, flüssig und gasförmig. fest flüssig gasförmig
Daneben gibt es noc h den Plasmazu-
stand bei extrem tiefen Temperaturen.
Geht ein Aggregatzustand in einen an- Resubl imieren (von gasförmig direkt zu fest)
deren über, so gibt es dafür feststehende I Abb. 1: Übergänge zwisc hen Aggrega tzu ständen. ]I I
Begriffe (I Abb. 1). In welchem Zustand
ein Stoff vorliegt, hängt von seinen Um-
gebungsbedingungen, wie Tem peratur
und Druck ab (s. u. Schmelz- und Siede- sich Flüssigkei ten gut teilen - , aber noch kon tante (8,3 1 J/ mol x K) und T die
punkt). vorhanden, was sich am Zusa mmenhalt absolute Temperatur in Kelvin.
eines Tropfens zeigt. Dies wird als Es zeigt, dass Druck und Volumen
Feststoffe Oberflächenspannung bezeichnet. direkt proportional zur Temperatur
Bei dem Versuch , eine Eisenstange zu sind. Wird die Temperatur auf 0 Kelvin
verbiegen, bedarf es einer enormen Gase abgesenkt (das entspricht dem absolu-
Kraft. Auf Ebene der Atome bedeutet Gas lässt sich im Gegensatz zu Fl üssig- ten Nullpunkt bei - 273, 15 °C), so wird
dies, dass sich die einzelnen Teilchen keiten und Feststoffen gut komprim ie- auch das Volumen 0 m3 sein. Anders
des Feststoffes nur sehr sc hwer gegen- ren und nimm t jeden zur Verfügung kann auch errechnet we rd en, wie viel
einander verschieben lassen. Will man stehenden Raum ein. Dies lässt sich da- Volumen I mol (6,022 X Iow reilchen )
die Stange gar durchbrechen - also die durch erklären, dass die Arome eines bei Normalbedingungen (760 mmHg ::::::
Teilchen voneinander lösen - , so muss Gases einen sehr großen Abstand von- I ,0 13 bar und 0 ac = 273 K) einnimmt.
man eine noch größere Kraft aufwenden. einander haben. Oie An ziehungskräfte Heraus kommt ein Volumen von 22,4 1_
Zwischen den Atomen wirken starke zwischen ihnen sind äußerst gering, Es wird als Molvolumen bezeichnet.
Anziehungskräfte, die sie auf ihren und die einzel nen Atome haben die
Plätzen festhalten, so dass sie sich nicht Möglichkeit, sich frei und ungeordnet Eigenschaften
frei bewegen, sondern lediglich um sich zu bewegen. Somit haben Gase keine
selbst rotieren können (I Tab. 1). feste Form (I Tab. I). Schmelz- und Siedepunkt
Bei den Feststoffen unterscheidet man Die Geschwindigkeit der Atome ei nes Weiter oben haben wir bereits die ver-
die kristallinen und die amorphen Gases wird durch di e kinetische Energie schiedenen Aggregatzustände ken nen-
Feststoffe. Bei den kristallinen stehen beschrieben. Sie steigt mit der Tempera- gelernt. in welchem Zustand dabei ein
die Atome nicht nur sehr dicht, son- tur an . Je wärm er es ist, desto schneller Stoff vorliegt, hä ngt von dem ihn um -
dern zusätzlich auch sehr geordnet bewegen sich die Atome, das Gas dehnt gebenden Druck und der Temperatur
zueinander. Der Feststoff hat eine de- sich aus. Treffen die Atome dabei auf ab. Die Temperaturgrößen, an denen
finierte Form und ein definiertes eine Begrenzung, so erze ugen sie durch sich die Aggrega tzuständ e ändern, wer-
Volumen. Ein typisches Beispiel si nd ihren Aufprall einen Druck. Dieser Sach- den als Schmelzpunkt (fest flüssig)
Kristalle. Die amorphen Stoffe zeigen verhalt lässt sich annäherungsweise und als Siedepunkt (flüssig gas-
keine solch geordnete Struktur, weshalb durch das allgemeine Gasgesetz aus- förmig) bezeichnet. Sie stellen charak-
sie auch keine definierte Form anneh- drücken : teristische Größen von Stoffen dar. Wei-
men, z. B. Pulver. chen Siede- und Schmelzpunkt von dem
p x V= n x Rx T für sie angegebenen Wert ab, so kann
Flüssigkeiten di es ein Hin weis au f eine Verunreini-
ln Flüssigkeiten zeigen die Atome mehr Dabei steht p für den Druc k in Pa, V für gung des Stoffes sein.
Eigenbewegung als in Feststoffen. Die das Volumen in m3, n für die Teilchen- Ermitteln lasse n sie sic h, indem man
Atome bewegen sich stärker gegenein- anza hl in mol, R ist die allgemeine Gas- z. B. Wasser erh itzt und den Tempera-
ander und haben damit eine höhere
kinetische Energie. Dadurch bean-
Tellehen Stoffelsenochaften
sprucht jedes Atom mehr Raum für sich
Schwer vorformbOt G rin •
und der Abstand zwischen ihnen wird Feststoffe Sehr kl einer Absrand
Große Anziehung Schwer ! ollbar
größer. Flüssigkeiten können daher
Flüssigkelten Kleiner Abs!and Leich! v rformbar liocll
keine feste Form annehmen, so nd ern Geringe An ziehung Gu! I llbnr
passe n sich jeder Gefäßform an. Ihr Vcn cll! sich im zur Vorfüsung
Gase Großer Abs!and
Volumen bleibt dabei - egal in welcher
Form - gleich. Die An ziehungskräfte
der Atome si nd ge rin g - dadu rch lassen I
Fasl keine Anziehung

Tab . 1: Eigen sc llafl en der Agg rega! zus! änd


st h nd n Raum

-
1o I 11

turverlauf verfolgt. Bei I00 oc beginnt schließend gewogen. Aus Masse und Neben Feststoffen können auch Flüssig-
Wasser zu sieden, danach steigt die Volumen lässt sich dann ebenfalls die keiten (Alkohol) oder Gase (Sprudel) im
Temperatur nicht weiter an. Wiederholt Dichte bestimmen. Lösungsmittel gelöst werden. Allerdings
man den Versuch auf einem Berg (gerin- Die Dichte ist ebenso wie der Aggregat- löst sich nicht jeder Stoff in jedem Lö-
gerer Druck), so beginnt Wasser schon zustand abhängig von Temperatur sungsmittel, z. B. löst sich Öl nicht in
bei niedrigeren Temperaturen zu sie- und Druck, da sich hiermit das Volu- Wasser.
den. Bei dem Wechsel von flüssig zu men verändert. Die Löslichkeit ist eine messbare Stoff-
gasförmig nimmt die Bewegungsenergie eigenschaft, die angibt wie viel Gramm
und der Abstand der Atome zu, hierzu eines Stoffes sich in 100 g Lösungsmittel
wird die Temperaturzugabe benötigt. 1. Schritt: Bestimmung der Masse in lösen. Im Unterschied zur Löslichkeit
Auf dem Berg herrscht ein geringerer Gramm gibt die Konzentration die Menge des
Druck, der die Teilchen zusammenhält. 2. Schritt: Bestimmung des Volumens in
cm 3 gelösten Stoffes in einer bestimmten
Folglich ist dort auch weniger Energie 3. Schritt: Berechnung der Dichte aus Menge der Lösung an.
(Temperatur) nötig, um ihren Abstand Masse/Volumen
und die Bewegung zu vergrößern. Reinstoffe und Stoffgemische
Der Schmelzpunkt lässt sich auf ähn-
liche Weise ermitteln. Gibt man Schwe- Löslichkeit Neben den Reinstoffen, die eine defi-
fel in ein Reagenzglas und erwärmt die- Gibt man Zucker in Wasser, so löst sich nierte chemische Zusammensetzung
ses, so beginnt der Schwefel ab 119 oc dieser auf. Es bildet sich eine Lösung. haben und durch ihre physikalischen
zu schmelzen. Von hier an steigt die Dabei dient das Wasser als Lösungs- Eigenschaften, wie z. B. Schmelz- und
Temperatur nicht weiter, bis eine klare mittel. Fügt man dem Wasser mehr Zu- Siedepunkt, Löslichkeit und Dichte
Schmelze entstanden ist. Erst dann cker zu, so löst sich dieser nicht beliebig charakterisiert sind, gibt es die Stoff-
erwärmt sich die Flüssigkeit weiter bis weiter auf. Irgendwann ist das Wasser gemische. Sie bestehen aus mehreren
zum Sieden. mit Zucker gesättigt, der Zucker fällt Reinstoffen in wechselnden Mengenver-
aus. Es bildet sich ein Bodensatz. Zwi- hältnissen und können homogen (nach
Dichte schen Bodensatz und Lösung werden außen einheitlich= eine Phase) oder
Nimmt man zwei gleich große Kugeln Moleküle ausgetauscht, aber die Zucker- heterogen (uneinheitlich =mehrere
aus Blei und Aluminium in die Hand, konzentration in der Lösung bleibt Phasen) sein:
so ist die aus Blei deutlich schwerer. gleich, ein Gleichgewichtszustand. Er-
Anders ausgedrückt: Sie hat eine höhere wärmt man das Wasser nun, so löst sich ~ Homogen: Gasmischungen (gas·
Dichte. Diese ist definiert über die der Bodensatz teilweise auf. Beim Ab- förmig- gasförmig), Lösungen (flüssig-
Masse in Gramm eines l-cm 3-Würfels: kühlen erscheint er wieder. Die Lös- flü ssig) , Legierungen (fest- fest),
lichkeit von Zucker ist temperatur- ~ Heterogen: Aerosol (flüssig/fest-
Dichte= Masse/ Volumen abhängig. Dies gilt allerdings nicht für gasförmig), Emulsion (flüssig- flüssig),
alle Stoffe, z. B. beim Sauerstoff hängt Suspension (fest- flüssig), Konglomerat
Nicht jeder Festkörper weist eine die Löslichkeit auch vom Druck ab. (fest - fest) .
regelmäßige Form auf, die eine ein-
fache Berechnung der Dichte ermög-
licht. Dann lässt sich das Volumen
durch Wasserverdrängung bestimmen. Zusammenfassung
Bei Flüssigkeiten hingegen ist es sehr • Aggregatzustände der Materie: fest, flüssig und gasförmig. Sie sind ge-
einfach: Das Volumen liest man anhand kennzeichnet durch die Anordnung und die aufeinander wirkenden Kräfte
eines Messzylinders ab. Bei Gasen ist
ihrer Atome (I Tab. 1).
es schwieriger. Hier nimmt man eine
Gaswägekugel zu Hilfe. Diese ist luft- • Schmelzpunkt (fest --t flüssig) und Siedepunkt (flüssig --t gasförmig)
leer und wird mit einem bestimmten stellen charakteristische Größen eines Stoffes dar.
Volumen eines Gases befüllt und an- • Die Dichte (g cm-3 ) = Masse/Volumen ist eine charakteristische Stoff-
größe.
• Die Löslichkeit ist eine Stoffeigenschaft, die angibt, wie viel Gramm eines
Stoffes sich in 100 g Lösungsmittel lösen. Teilweise ist sie temperatur-
abhängig.
• Es gibt homogene und heterogene Stoffgemische, die sich jeweils weiter
unterteilen lassen.
Chemische Bindung- Grundlagen
Oktettregel ~ Atombindung: zwischen Nichtme- Dabei kann die Energie größer oder klei _
tallatomen durch Elektronenpaarbildung ner Null sein:
In der Natur kommen die wenigsten (s. S. 16/ 18)
Stoffe als reine Atome vor. Fast immer ~ Ionenbindung: zwischen elektrisch ~ Ist sie positiv (> 0), so wird Energie
handelt es sich um Verbindungen. Da- geladenen Teilchen (Kation, Anion ) benötigt, das Element hat eine geringe
bei treten die einzelnen Atome zu Mole- (s. S. 14/ 15) AffinitäL
külen zusammen, und ihre chemischen ~ metallische Bindung: zwischen ~ Ist sie negativ (< 0), so wird Energie
und physikalischen Eigenschaften än- Metallatomen (s. S. 14/ 15). freigesetzt, das Element hat eine hohe
dern sich. Die Verbindungen unterei- Affinität.
nander erfolgen nicht wahllos, sondern Daneben gibt es noch seh r viel schwä-
werden von dem ordnenden Prinzip der chere Wechselwirkungen innerhalb von Besonders viel Energie wird freigesetzt
Edelgaskonfiguration beherrscht. Verbindungen, die als Wasserstoff- wenn dabei halb (s 2p3) oder voll (s2po) '
lm Periodensystem zeigen die Edelgase brücken und Van-der-Waals-Kräfte besetzte Orbitale entstehen. So haben
(achte Hauptgruppe ) alle die Elektro- bezeichnet werden (s. S. 14/ 15). die Elemente der vierten und siebten
nenkonfiguration s2 p6 ihrer 8 Valenz- Hauptgruppe eine besonders hohe Elek-
elektronen auf der äußersten Schale. Ionisierungsenergie tronenaffinität (= negativer Energiebe-
Diese komplett gefüllte äußere Schale trag, Energie wird frei). Bei der Aufnah-
führt dazu, dass die Edelgase nur eine Unter der Ionisierungsenergie wird die me eines Elektrons durch Kohlenstoff
geringe Tendenz zeigen, mit anderen Energie verstanden, die nötig ist, um ein (C) entsteht ein halbvolles Orbital, des-
Stoffen Verbindungen einzugehen. Die- Elektron aus seiner Schale heraus- halb weist C eine hohe Elektronenaffini-
se Valenzelektronenanzahl ist energe- zulösen. Sie ist nicht für alle Elektronen tät auf. Noch höher ist die von Fluor, da
tisch günstig. Alle anderen Stoffe ver- gleich, sondern steigt mit zunehmender hier durch die Aufnahme ein voll be-
suchen deshalb ebenfalls, diese Edelgas- Elektronenanzahl auf der äußersten setztes p-Orbital entsteht. Die Edelgase
konfiguration auf ihrer äußeren Schale Schale an. So reicht z. B. eine geringe mit voll besetzter und die Elemente mit
zu erreichen. Dazu benötigen sie einen Energiemenge aus, um das eine Elektron halb besetzter Außenschale nehmen
Reaktionspartner, der ihnen entweder vom Natrium freizusetzen; für Neon ungern Elektronen auf. Sie haben eine
Elektronen zur Verfügung stellt oder dagegen braucht man besonders viel Io- geringe Elektronenaffinität
von ihnen Elektronen aufnimmt. Das nisierungsenergie. Auch die Entfernung
Ziel, nach Eingehen der Verbindung der Elektronen zum Atomkern hat einen
8 Valenzelektronen auf der äußersten Einfluss. Je weiter die Schale vom Kern
Schale zu haben, wird als Oktettregel entfernt ist, desto weniger Ionisierungs-
bezeichnet (I Abb. I ). Elektronen auf energie ist nötig. Für das Elektron vom
weiter innen gelegenen, voll besetzten Natrium ist demnach weniger Energie
Schalen spielen keine wesentliche Rolle. nötig als für das vom Lithium.
Zur Darstellung wird daher die Lewis-
Schreibweise verwendet, in der nur Damit zeigt sich, dass die Elemente
die Valenzelektronen gezeigt werden. links im Periodensystem geneigt sind ,
Es gibt drei Grundtypen an chemischen Elektronen abzugeben. Hierbei entste-
Bindungen: hen positiv geladene Kationen. Die
Elemente rechts nehmen lieber Elektro-
nen auf. Hierbei entstehen negativ
geladene Anionen. Edelgase zeigen
Ausnahmen bilden dabei die halb be- keine der beiden Tendenzen.
setzten Orbitale: Sie sind stabiler als die
sie umgebenden Elemente; z. B. hat Elektronegativität
Stickstoff (mit 3 Elektronen nur halb
besetztes p-Orbital ) eine höhere lonisie· Neben der Ionisierungsenergie und der
rungsenergie als Sauerstoff, obwohl es Elektronenaffinität gibt es noch den B -
weiter links steht. griff der Elektronegativität. Di s be-
zeich net das Maß für dl Elektronen-
Elektronenaffinität verteilung innerhalb einer chemischen
V rbindung. Dab i wurd e ine r latlv
Un ter der Elektronenaffin ität versteht kala mit Werten zwi sch n I ,0 für Li
man die Energie, die benötigt wird, da- und 4,0 für Fluor als el ku·on ativ t 1n
mit ein Atom ein Elektron auf seine Atom f stg I gt. J höh r d r W rl ist,
I Abb. 1: Natrium und Chlorid als Beispiel für die
äußerste Schale aufnehmen kann. d . to m h1· zieht ein EI m nt inn rh alb
OktettregeL 111
12 I 13

einer gemeinsamen Verbindung die da- Formeln und systematische


H- Hydrid NH; Ammonium OH- Hydroxid
ran beteiligten Elektronen auf seine Sei- Namen
te. Bildet man die Elektronegativitäts- F- Fluorid H,O· Hydronium CN - Cyanid

differenz (~EN) der an einer Verbin- Chemische Verbindungen lassen sich Cl - Chl orid NO,- Nitrit HS- Hydrogen-

dung beteiligten Atome, so kann man anhand bestimmter Regeln benennen: sulfid

eine Aussage über den entstehenden I· Iodid NO, - Nitrat SOl- Silfit

Bindungstyp treffen. Dabei gilt: ..,.. Der positive Partner steht vor dem 0 2-
Oxid CIO - Hypochlorit SOl - Sulfat

negativen . O/ - Peroxid CIO,- Chlorit S 0 j"Thiosulfat


2

.... ~EN > 1,9: ..,.. Die Bezeichnung des positiven Part· S' - Sulfid CIO.- Perc hloral COj · Carbo na t
Es liegt eine Ionenbindung vor. ners bleibt unverändert, die des negati· S, ' - Disulfid Mn04 Perman- HPOl - Hydrogen-
.... ~EN < 1,9: ven erhält die Endung -id. Beispiel: ganat phosphat

Es liegt eine Atombindung vor. NaCI: Natriumchlorid, MgO: Magne· N3 - Nitrid Hso.- Hydrogen- POl - Phosphat
sulfat
siumoxid.
Beispiele: ..,.. Die Anzahl der beteiligten Anteile I Tab. 1: Ionenladungszahlen und Namen von Io nen
..,.. Na-Cl: ~EN = 2,3 ~ Ionenbindung eines Elementes wird durch griechische
bestehend aus Kation (Na+) und Anion Zahlwörter vor dem Atom ersetzt: I =
(CI·) Mono-, 2 = Di-, 3 =Tri- usw. In ein- Viele Ionen und Verbindungen haben
..,.. C·H : ~EN = 0,4 ~ Atombindung mit deuUgen Fällen kann diese jedoch auch Eigennamen, die man lernen muss
Elektronenpaaren (s. S. 16/ 17). weggelassen werden. Beispiel: C02: (I Tab. 1).
Monokohlen( stoff) dioxid = Kohlen
ln einer Ionenbindung zieht demnach (stoff)dioxid . Lewi ssch reibweise
ein Partner die Elektronen zu sich hin, ..,.. Die Oxidationszahl steht als römische ln der Lewis- oder Valenzstrich-
und der andere gibt diese ab. Bei der Ziffer in Klammern hinter dem ausge- schreibweise spielen nur die Valenz-
Atombindung hingegen werden die schriebenen Element. Der nachfolgende elektronen eine Rolle. Sie werden je-
Ionen zwischen den Partnern geteilt. Namensteil folgt kleingeschrieben nach weils als Punkt um das Elementsymbol
Die Übergänge zwischen diesen beiden einem Bindestrich. Beispiel: herum geschrieben. Dabei lassen sich
Bindungstypen sind fließend. FeCl2: Eisen(+II )-dichlorid(-1), jeweils zwei Punkte (Elektronen) auch
FeCI 3: Eisen(+III)-trichlorid(-1). als Strich darstellen. Sie bilden ein frei-
Oxidationszahl Auch hier lässt der Chemiker gerne für es Elektronenpaar.
ihn eindeutige Bezeichnungen weg. Die Elektronen zwischen zwei Elemen-
Die OxidaUonszahl (s. auch Kap. Säuren So wird aus den Beispielen schlicht ten können auch durch einen Strich
u. Basen, S. 36/37) gibt die Wertigkeit Eisen(II)-chlorid und Eisen(III)-chlorid. dargestellt werden. Analog heißen sie
(gedachte Ladung) an, die ein Atom in- bindendes Elektronenpaar (s. S. 16,
nerhalb einer Verbindung hätte, wenn I Abb. 4) .
die Elektronen jeweils vollständig auf
die Seite der höheren Elektronegativität
gezogen würden. Man erhält sie, indem
Zusammenfassung
man die aktuell hinzugekommenen
oder abgegebenen Elektronen abzählt. X Oktettregel: Atome, die keine Edelgaskonfiguration s2p6 (8 Valenzelektro-
Dabei steht eine positive Oxidations- nen) ihrer äußeren Schale haben, sind bestrebt, diese zu erreichen.
zahl für abgegebene und eine nega- X Unter Ionisierungsenergie versteht man die Energie, die nötig ist, um ein
tive für aufgenommene Elektronen. Elektron aus seiner Schale herauszulösen.
Beispiel: Natrium gibt sein Elektron auf-
X Unter Elektronenaffinität versteht man die Energie, die benötigt wird, da-
grund der geringen Elektronegativität in
der Verbindung mit Fluor an dieses ab. mit ein Atom ein Elektron auf seine äußerste Schale aufnehmen kann.
Somit erhält Natrium die Oxidations- X Kationen sind positiv geladene Atome und entstehen durch Elektronen-
zahl +I (I Elektron weniger) und Fluor abgabe.
die OxidaUonszahl - 1 (I Elektron X Anionen sind negativ geladene Atome und entstehen durch Elektronen-
mehr). Im elementaren Zustand haben
aufnahme.
die Atome die Oxidationszahl 0. Ge-
X Die Elektronegativität ist ein Maß dafür, wie stark ein Atom die gemein-
schrieben wird die Oxidationszahl als
kleine Ziffer rechts oberhalb des Ele- samen Elektronen in einer Verbindung zu sich heranzieht. Mit ihrer Hilfe
mentsymbols. Die Besprechung der kann der entstehende Bindungstyp abgeschätzt werden .
Oxidationszahlberechnun g komplexerer • Die Oxidationszahl entspricht der gedachten Ladung (Wertigkeit) eines
Verbindungen erfolgt in Kapitel Oxida- Atoms innerhalb einer Verbindung.
tion und Reduktion, S. 40/ 41.
Bindungstypen I
Kationen, Anionen und Ionen- Damit erhält Mg die Ladung +2 und (Po) sind jeweils die letzten Halbmetalle
bindung 0 - 2. Beide Ionen haben nun jeweils innerhalb einer Period e. Danac h folgen
ei ne Oktettkonfiguration ihrer äußers- die Nichtmetalle.
Die Grundlagen der Ionenbindung wur- ten Schale. Oie entstandenen Ionen zie-
den im Kapitel Chemische Bindungen hen sich aufgrund der Co ulo mb- Kräfte
besprochen (s. S. 12/ 13). an und treten als neutrales Magnesium- Metalle ~ Übergangsmetalle ~ Halb-
Atome erreichen die Edelgaskonfigu- oxid auf. metalle ~ Nichtmetalle ~ Edelgase
ration entweder durch Abgabe (nied- Kationen mit der Ladungszahl +2
rige Ionisierungsenergie) oder Aufnah- (Mg2>, Ca 2+, Zn 2+) reagieren mit einem Alle Metalle zeigen die fü r di ese Stoff-
me (hohe Elektronenaffinität) von Va- Teilchen der Ladungszahl - 2 (0 2 , S2 ) . klasse typischen Eigenschaften wie
lenzelektronen auf ihre äußerste Schale. Ebenso können sie sich aber auch mit Oberflächenglanz, Verformbarkeit,
Dabei entstehen positiv geladene Kat- zwei Teilchen der Ladungszahl - 1 (F-, hohe Dichte und eine gute Leitfähig-
ionen und negativ geladene Anionen. CI-, J-, OH-) verbinden (Mg(OH)2, keit für elektrischen Strom. Anhand
Die Elemente im linken Teil des Perio- CaF2 ) . Andersrum können zwei ei nwer-
dieser Eige nsc hafte n kann man die Me-
densystems neigen zur Abgabe von tige Kationen sich mit einem zweiwer-talle einteilen in unedle (zeigen metal-
E l ektronen ( ~ Kationen ), die im rech- tigen Anion verbinden (Na 2S). Wichtig
lischen Glan z nur bei frisc h bea rbeiteter
ten Teil zur Aufnahme von Elektronen ist immer, dass sich die Ladungen ge-Oberfläche) und edle (behalten ih ren
(~ Anionen) . genseitig ausgleichen _ Glanz) Metal le. Eine and ere Einteilung
Zwischen diesen beiden Teilchen herr- erfolgt nach ihrer Dichte in Leicht- und.
schen starke Anziehungskräfte (Cou- Metalle und metallische Schwerme talle (G renze: 5 g/ cmJ).
lomb-Kräfte). Sie lagern sich zu Ionen- Metalle zeigen eine schwache Elek-
Bindung
gittern zusammen. Dabei wird die Ver- tronegativität und ei ne geringe Ioni-
bindung eines Kations mit einem Anion Die meisten Elemente des Periodensys- sierungsenergie. Daher neigen sie zu
als Ionenbindung bezeichnet. Nach tems sind Metalle . Sie stehen bevor- der Bildung von Kationen. Diese posi-
außen hin sind sie elektrisch neutral zugt in der ersten und zweiten Haupt- tiven Ionen lagern sich zu Me tallgit-
(I Abb. 1). gruppe des Periodensystems. Die sich tern zusam men, ohne dass negative
Die dabei entstehenden Verbindungen daran anschließenden Nebengruppen- Ionen hinzu kommen . Im Gi tter sind die
bezeichnet man als Salze. lnfolge ihrer elemente werden ebenfalls den Metal- positiv geladenen Metal lionen dicht
hohen elektrostatischen Anziehungs- len zugeordnet und Übergangsmetalle aneinandergepackt in sic h wiederholen-
kräfte bilden diese Kristalle und haben genannt. Ganz rechts im Periodensys- den, geordneten Stru kturen. Die abgege-
einen hohen Schmelz- und Siede- tem stehen die Nichtmetalle. Zwi- benen Valenzelektronen si nd hingegen
punkt. Ihre Schmelzen können auf- schen ihnen und den Metallen gibt es innerhalb dieses Gitters frei beweglich
grund der darin enthaltenen Ionen Elemente des Übergangs, die als Halb- und damit nicht mehr an ein bestimm-
elektrischen Strom leiten. metalle bezeichnet werden. Der Wec h- tes Atom gebu nden (delokalisiert). Sie
Beispiel: Magnesiumoxid (MgO) be- sel zwischen Halbmetall und Nicht- werden als Elektronengas bezeichnet
steht aus Magnesium (Mg), das 2 Elek- metall erfolgt dabei treppenartig nach (I Abb. 2). Mithilfe des frei beweglichen
tronen abgegeben hat, und Sauerstoff unten. Die Elemente mit den Ordnungs- Elektronengase kann die gute elek-
(0), der diese 2 Elektronen aufn immt zahlen 13 (Al), 32 (Ge), 51 (Sb) und 84 trische Leitfähigkeit erklärt werden.

positiv geladene Meta ll-Ionen

0
frei bewegliche. negativ geladene
Elektronen

I Abb . 2: Aufbaud e Metall gitl r . I t 1

Q positiv geladene Ionen


negativ geladene Ionen I Abb . 1: Ionengitter. ]II
14 I 1s

Beim Anlegen einer Spannung gleiten die Elektronen vom tive "Stelle" am Molekül. An diese lagern sich freie Elektro-
Minus- zum Pluspol. Das Metallleitet Das Gitter hingegen nenpaare stark elektronegativer Atome an.
erklärt die VerformbarkeiL Setzt man das Metall einem Druck Die Wasserstoffbrücken (polare Verbindungen) sind auch die
aus, so gleiten die Schichten der positiven Metallionen an- Ursache dafür, dass sich Gleiches nur in Gleichem löst,
einander vorbei, und das Elektronengas wirkt als eine Art das heißt, ein polarer Stoff löst sich nur in polarem Lösungs-
Schmierschicht zwischen diesen. mittel und Unpolares löst sich in Unpolarem.

Wasser und Wasserstoffbrückenbindungen Van-der-Waals-Kräfte

Das Molekül "Wasser" besteht aus Sauerstoff- und Wasser- Wasserstoffbrücken entstehen dort, wo permanente Dipole
stoffatomen. Auch hier sind die einzelnen Bestandteile der vorhanden sind. Van-der-Waals-Bindungen (VdWB) hingegen
Verbindung bestrebt, die Edelgaskonfiguration zu erreichen. dort, wo kurzzeitig Dipole auftreten. Temporäre Dipole
Sauerstoff benötigt folglich 2 Elektronen. Wasserstoff verfügt bilden sich, wenn kurzfristig asymmetrische Ladungsvertei-
aber nur über ein einzelnes Elektron, das es abgeben kann. lungen durch Elektronenbewegungen auftreten. Sie sind
Daher sind 2 Atome Wasserstoff nötig, um den Bedarf des umso wahrscheinlicher, je größer ein Molekül ist VdWB sind
Sauerstoffs an Elektronen zu decken. Daraus ergibt sich für die schwächste Art von Bindung und spielen nur in unpo-
Wassermolekül die Summenformel H2 0 =Wasser( -stoff- laren Molekülen eine Rolle, da hier stärkere Wechselwirkun-
meid). Die Verbindungen, die das Wassermolekül zusam- gen fehlen. Ein typisches Beispiel sind die langkettigen Fett·
menhalten, sind Atombindungen . Sauerstoff und Wasserstoff säuren (s. Kap. Fette, S. 68).
teilen sich die Elektronen (s. Atombindung, S. 16/1 7).
Sauerstoff besitzt die größere Elektronegativität, es zieht die
Elektronen aus dem gemeinsamen Elektronenpaar zu sich
Zusammenfassung
heran und wird negativer. Wasserstoff hingegen wird positi·
ver. Diesen Sachverhalt drückt man durch ein kleines 8+ und IC Eine Ionenbindung besteht zwischen den geladenen
8- an den Elementsymbolen aus. Die Atome werden als po- Teilchen Kation und Anion, dabei entstehen Salze.
larisiert anstatt ionisiert bezeichnet. Das entstandene gewin- Sie sind nach außen hin neutral, bilden Kristalle und
kelte Molekül bezeichnet man als Dipol (polares Molekül)
(I Abb. 3). zeichnen sich durch einen hohen Schmelzpunkt aus.
Da Wasser aus mehr als einem Molekül besteht, wirken zwi- Ihre strukturgebende Einheit ist das Ionengitter, das
schen den einzelnen Molekülen mit Dipolcharakter Anziehungs- durch Coulomb-Kräfte zusammengehalten wird.
kräfte, sogenannte Dipol-Dipol-Wechselwirkungen. Dabei
IC Metalle werden durch das Metallgitter aufgebaut,
ziehen sich die negativ polarisierten Sauerstoffatome und die
positiv polarisierten Wasserstoffatome der einzelnen Moleküle das aus positiven Kationen und frei beweglichen Elek-
gegenseitig an. Zwischen ihnen kommt es zur Ausbildung von tronen - Elektronengas - besteht. Anionen kommen
Wasserstoffbrücken durch die sogenannte Wasserstoff- nicht vor.
brückenbindung (I Abb. 3). Diese Verbindungen zwischen
IC Enthalten Moleküle polarisierte Gruppen, so entste-
den Wassermolekülen sind für den vergleichsweise hohen
Siedepunkt verantwortlich: Man benötigt eine hohe Energie, hen dort Dipole, zwischen denen sich Wasserstoff-
die beim Sieden durch die zugeführte Temperatur aufgebracht brücken ausbilden.
wird, um die Wasserstoffbrücken zu zerstören und die einzel-
• Van-der-Waals-Bindungen sind die schwächste Bin-
nen Wassermoleküle voneinander zu trennen.
Auch andere Molekü le können Wasserstoffbrücken ausbilden. dungsart und ergeben sich, wenn temporäre Dipole
Sie entstehen immer dann, wenn Wasserstoff an stark elektro- vorhanden sind. Sie spielen nur in unpolaren Molekü-
negative Atome gebunden wird und dem Wasserstoff dam it len eine Rolle.
das Elektron entzogen wird. Zurück bleibt ein Proton als posi-
-
Bindungstypen II
I Abb . 5: Beispi ele fü r Meh rfac hbindunge n:
Atombindung
b)
. .
:9: + :9: - .·o··o·
. .
. ... . - 'o=o'/
~ ~
a) Stickstoff, b) Sauerstoff. I t 1

Einfachbindung
Bereits in den vorigen Kapitel n wurde
die Atombindung immer wieder er-
wähnt Sie ergibt sich, wenn die Elek-
tronegativitätsdifferenz zweier turformel werden jeweils 2 Valenz- (2s- und 4p-Eiekt.ronen (ein voll besetz-
Atome kleiner als 1, 9 ist Die an einer elektronen durch Striche ausgedrückt, tes p-Orbital und zwei halb besetzte
Verbindung beteiligten Atome geben einzelne Elektronen als Punkte. p-Orbital e!J_ Ve rbi nden sich 2 0 -Atome
demnach weder gerne ihre Elektronen zum 0 2 miteinander, so müssen sich
ab, noc h nehmen sie neue gerne auf, Molekülorbital zwei Elektronenpaarbindungen zwi-
wie dies in einer Ionenbindung der Fall schen den zwei halb besetzten p-Orbi-
wäre. Stattdessen steuert jedes Atom Mithilfe des Orbita lmodells kann man talen ausbilden. Es entsteht eine Dop-
ein einzelnes Elektron (= ungepaartes sich eine Bindung räumlich vorstellen. pelbindung. Stickstoff fehlen sogar
Elektron) zu einer gemeinsamen Bin- Hier lässt sich di e entstandene Elektro- 3 Elektronen zur Edelgaskonfiguration,
dung (= gepaarte Elektronen), der nenpaarbindung durch di e Überl age- folglich müssen sich im N2 drei Elektro -
sog. Elektronenpaarbindung, bei. Sie rung der Orbitale darstellen_ Nehmen nenpaarbindungen ausbilden: Es komrnt
wird auch als kovalente Bindung be- wir als Beispiel H2: Verbind en sich die zu einer Dreifachbindung (I Abb. 5)_
zeichnet Die Atome teilen sich die 2 H-Atome miteinander zu H2• so über- Dadurch, dass die Elektronen der Bin-
Elektronen zu gleichen Teilen. lagern sich zwei s-Orbitale. Es entsteht dung wieder gemeinsam genutzt wer-
Die Oktettregel wird dabei berücksich- ein ss-Molekülorbital. Nimmt man den, erreicht jedes Atom 8 Valenzele k-
tigt, d. h., die Atome der Verbindung das Beispiel Fluor, so überlagern sich tronen auf der äußersten Schale_
streben 8 Valenzelektronen auf ihrer dort zwei p-Orbitale (ä ußerste Schale) Die Anza hl der Bindungen heißt Bin-
äußeren Schale an: zu einem pp-MolekülorbitaL Bei Wasser dungsgrad:
lagern sich eins-Orbital vom H-Atom
.,.. Beispiel I: Fluor fehlt ein Elektron und ein p-Orbital vom 0 -Atom zu .,.. Bindungsgrad 1: Einfachbi nd ung:
auf seiner äußersten Schale, deshalb la- einem sp-Molekülorbital zusammen. z. B. Fluor, Chlor, Wasserstoff
gert es sich im elementaren Zustand mit Die dabei entstehende Einfachbindung 11>- Bindungsgrad II: Doppelbindung:

einem weiteren Fluoratom zusammen. wird als cr-Bindung bezeichnet Sie ist z. B. Sauerstoff
Jedes stellt sein einzelnes Elektron der rotationssymmetrisch _ Klar wird dies, 11>- Bindungsgrad 111: Dreifachbindung:

gemeinsamen Bindung zur Verfügung, wenn man sich die Atome als Kugel vor- z. B. Stickstoff
so dass es von beiden Atomen gleicher- stellt, die durch ein Stäbchen verbun-
maßen "genutzt" werden kann. Somit den sind. Am Ende des Stäbchens kön - Je höher der Bindungsgrad und damit
hat jedes Atom 8 Elektronen und damit nen sich die Kugeln frei drehen. die Anza hl überlappender Orbitale, des-
die Edelgaskonfiguration (I Abb. 4a). to stabiler ist die Atombindung. Vier-
.,.. Beispie/2: Sauerstoff verfügt über fachbindungenkomm en hingegen nicht
6 Valenzelektronen. Durch die Verbin- vor. Sie wären instabil , da sich vier Orbi-
dung mit 2 H-Atomen zu Wasser ge- tale aus geometrischen Gründ en nicht
winnt es zweimal ein Elektron hinzu. überlappen können.
Es erreicht somit die Edelgaskonfigura- Alle Meh rfachbindungen werden als 7t-
tion von Neon (8 p-Elektronen), und Bindung bezeichnet Sie liegen parallel
Wasser erreicht die von Heli um (2 s- zu der o-Bindung. Dadurch können sich
Elektronen) (I Abb. 4b). die Atome nicht mehr frei drehen. Die
n-Bindung ist dah er nicht rotations-
Neben den bindenden Elektronen- Mehrfachbindungen symmetrisc h (I Abb. 6). Eine Doppel-
paaren (rot) verfügt Fluor noch über Neben der Einfachbindung gibt es auch bindung besteht demnach aus einer
drei weitere Elektronenpaare, Sauerstoff Mehrfachbindungen. Betrachten wir o-Bindung und einer n-Bindung. Die
über zwei. Sie werden als freie Elek- noch einmal Sauerstoff (0). Hier fehlen Dreifachb indung aus ein r o-Bindung
tronenpaare bezeichnet In der Struk- 2 Elektronen zur Edelgaskonfi guration und zwei n-Bindu n en.

a) =E· +
IF- FI


+
..Q... ~::q: I Abb . 4: Fluor (a) und Wasser (b) als ß ispi ele für
b) H· die Atombindung. [ I)
16 I 17

Orbitaldarstellung eines Orbitaldarstellung eines


Sauerstoffmolekü ls Stickstoffmoleküls
I Abb. 6: Überl appungen der Orbitale in Mehrfachbindungen. [ 1]

Molekül in seine Bestandteile zerlegen , so muss dieser Ener-


Mehrfllchblnclunpn entetehen dun:h die Obertagerung meh~rer giebetrag erneut aufgebracht werden .
e)" fach besetzter p-Orbltale. Die dabei entstehende Blndyn.s wird Neben dem energetisch niedriger liegenden bindenden Mo-
als 7t-Binclu11J bezeichnet. Dqbei wird U1Jterschl9den :wischen:
• DOppelblnduns: 1 x o-Bindung und 1 x n-Bindung lekülorbital gibt es noch ein weiteres MolekülorbitaL Es
IJJ> Drelfachblndunr. 1 x CJ-Bindung und 2 'I< !t-Bindung liegt energetisch höher und wird nicht mit Elektronen besetzt
Sie sind nicht rotatlonssymmetrisch. ( antibindendes Molekülorbital} . Es entstehen also aus
zwei einfach besetzten Orbitalen zwei Molekülorbitale, von
denen eins mit 2 Elektronen besetzt wird und das andere leer
Bindungsenerg ie und Bindungslänge bleibt {I Abb. 7) .
Bei der Entstehung von Atombindungen wird Energie frei. Die Bindungslänge ist der lineare Abstand zweier kovalent
Das heißt, dass das entstandene Molekülorbital (also die Bin- (Atombindung) gebundener Atome zueinander. Dabei gilt,
dung) energetisch niedriger sein muss, als die beiden einzel- dass Mehrfachbindun gen eine kürzere Bindungslänge als EiD-
nen Orbitale. Diese Energie wird daher auch als Bindungs- fachbindungen haben.
energie (= Bindungsentha lpie, s. Energetik, S. 24/25) be-
zeichnet. Will man die Atombindung wieder lösen und das

Energie
Zusammenfassung
X Einfachbindung en werden als a-Bindung bezeichnet

Molekülorbitale und ents!ehen durch die Überlappung von einfach be-


setzten Orbitalen zu Molekülorbitale n. Dabei können

t t sich ss-, pp-und sp-Molekülorbit ale ausbilden, die


auf einer Verbindungsachse zwischen den Atomen
ls ls
liegen. Sie sind rotationssymme trisch.
X Mehrfachbindun gen entstehen durch die Überlage-
rung mehrerer einfach besetzter p-Orbitale. Die dabei
Atomorbital Atomorbital entstehende Bindung wird n;-Bindung bezeichnet. Sie

I Abb. 7: Energiediagramm für die Bi ldung einer Ato mbindung beim Über- ist nicht rotationssymmetrisch.
gang von l s-Atomorbitalen in die a - und a' -Molekü lorbitale (H -Molekül). [2]
2 X Unter der Bindungsenergi e versteht man die bei der
Bildung von Molekülorbitalen frei werdende Energie.
Sie entspricht dem Energiebetrag des energetisch
niedrigeren bindenden Molekülorbitals , welches
das Elektronenpaar enthält. Das antibindende Mole-
külorbital ist energetisch höher und wird nicht be-
setzt.
X Die Bindungslänge entspricht dem linearen Abstand
zweier kovalent (Atombindung) gebundener Atome
zueinander.
Bindungstypen 111
Atombindungen des Energie
Kohlenstoffs t • t
2 - - -p
t -
2 -t -
t sp-''
t -
Kohlenstoffatom und
sp 3-Hybridisierung ?l
- s
Kohlenstoff (C) hat die Elektronenkon-
figuration I s2 2s2 2p 2 und damit zwei
halb besetzte p-Orbitale (I Abb . 8a).
a) G ru ndzu stand b) angeregter Zusta ncl c) nach
Folglich erwarten wir, dass Kohlenstoff
sp 3- Hybrid isier ung
zwei Elektronenpaarbindungen ausbil-
det. Wäre dies so, hätte Kohlenstoff am I Abb . 8: a) Elektronenkonfiguration des Koh lenstoffs. b) Sp in-Trennung. c) Hyb rid isierun g. [2)
Ende nur 6 Elekuonen auf seiner äußers-
ten Schale und somit keine Edelgas-
konfiguration erreicht. Nur wenn es vier erst durch eine Hybridisierung zustan- statt mit Wasserstoff mit weiteren Koh -
Elektronenpaarbindungen eingeht, ge- de: Unter einer Hybridisierun g versteh t lenstoffatom en verbunden sein. Hierbei
winnt das Kohlenstoffatom 4 Elektronen man das "Gleichmachen" von dem überlappen sich dann zwei sp3-Hyb rid -
hinzu. Mit diesen erreicht es die 8 Va- einen s- und den drei p·Orbitalen. orbitale zu einer cr-Bindung. Ein fachstes
lenzelektronen. Der Kohlenstoff ist so- (I Abb. Be ). Das nun entstand ene Beispiel ist das Ethan.
mit vierbi ndig, wobei alle vier Bindun- "Kreuzungsorbital" wird als sp 3 -Hybrid
gen gleichwertig sind (I Abb. 9) . bezeichnet. Für diesen Vorgang ist eben- sp 2- Hybri dis ieru ng
Ein Grund für die Vierbindigkeit ist eine falls Energie nötig. Kohlenstoff kann nicht nur Einfachbin-
Spin-Trennung: Das Kohlenstoffatom Ein sp 3-Hybrid hat die räuml iche Struk- dungen ausbilden, sondern auch Dop-
wird angeregt, und es liegen nich t mehr tur eines Tetraeders , da in einem M o- pelbindungen. Das ein fachste Beispiel
ein doppel t besetztes s-Orbital und zwei lekül die Orbitale immer den größten ist Ethen (-e n =Doppelbindu ng) .
einfach besetzte p-Orbitale vor, sondern möglichen Abstand zueinander einneh- Diese Bindung lässt sich nicht mittels
1 Elektron aus dem doppelt besetzten men . Der Bindungswinke l zwischen einer sp3·Hybridisierung erklären. Hier
s·Orbital wird in das dritte, noch leere den Orbi talen beträgt 109,5 ° (I Abb . werden nur zwei p-Orbital e mit einem
p-Orbital angehoben. So entstehen vier 9). s-Orbital hybridisiert. Das dritte p-Orbi -
einfach besetzte Orbi tale: 2s 1 und 2p 3 Das einfachste Molekül von Kohlenstoff tal bleibt unverändert. Die entstand e-
(I Abb. 8b). Für diesen Wechsel des ist das Methan. Es verfü gt über vier nen drei Hybridorbitale werd en als sp2.
Energieniveaus ist eine Anregungsener- Einfachbindungen zu Wasserstoff. ln Hybride bezeichnet (I Abb . I 0).
gie nötig. diesen überlagern sich das sp3-Hybrid - Die Molekülorbitale liegen in einer Ebe-
Nur mithilfe der Spin-Trennung lässt orbital des Kohlensto ffs und das s-Orbi- ne (trigonal) und haben einen Bin -
sich nicht erklären, warum alle vier Bin- taJ vom Wasserstoff zu einer cr·Bindung du ngswinkelvon 120°. Senkrecht zu
dungen gleichwertig sind. Dies kommt (I Abb. 9). Kohlenstoff kann aber auch dieser Ebene steht an jedem C.Atom das

H
I
H-C-H
I
H
Meth an

a)

H H
I I
H-C - C-H
I I
H H
Ethan
I Abb. 9: a) M than,
b) il) than. t q
18 I 19

Energie I Abb. 10: Orbi talschema des C-Atoms vor und


t t
2- - -p
t t t t nach der sp' -Hybridisierung. [21
2---p t - Pz
H 2_!_
2--;- s

,.t!.s ,.!!.
s
Grundzustan d angeregter Zustand nach sp2-Hybridisierung

verbleibende, nicht hybridisierte p-Orbital. Somit besteht die


Doppelbindung aus einer er-Bindung zwischen den beiden
sp2-Hybridorbitalen und einer rr-Bindung zwischen den zwei
p-Orbitalen. H H
Die zwei verbleibenden sp2-Hybride des Kohlenstoffs gehen ' C=C /

ebenfalls eine er-Bindung mit dem s-Orbital vom Wasserstoff H/ 'H


Ethen
ein (I Abb. 11 ).

sp-Hybridi sierung I Abb. 11: Ethen. [ 1]


Auch Dreifachbin dungen können zwischen zwei Kohlen-
stoffatomen vorkommen. Das einfachste Molekül ist das
Ethin (-in= Dreifachbindung). Hier erfolgt die Hybridisie- H-e-e -H
rung zwischen einem s-Orbital und einem p-OrbitaL Es ent-
stehen somit zwei sp-Hybrido rbitale, und zwei p-Orbitale
verbleiben in ihrem ursprünglichen Zustand.
Die sp-Hybridorbitale liegen auf einer Achse (linear) und ha-
ben einen Bindungswinkel von 180°.
Die verbliebenen p-Orbitale stehen senkrecht auf der Geraden
und bilden einen Winkel von 90° untereinander (I Abb. 12).
Ethin hat eine cr-Bindung und zwei rr-Bindungen. I Abb. 12: Ethin. [ 11

Zusamme nfassung
X Unter einer Hybridisieru ng wird die Entstehung von "Kreuzungsorbitalen"
verstanden.
X Methan: Durch eine sp3 -Hybridisier ung entstehen aus einem s- und drei
p-Orbitalen vier neue sp3-Hybridorbit ale. Sie haben die räumliche Struktur
eines Tetraeders mit einem Bindungswinkel von 10975°.
X Ethan: Durch eine sp 2 -Hybridisier ung entstehen aus einem s- und zwei
p-Orbitalen drei neue sp2 -Hybridorbit ale. Sie haben eine planare, trigo-
nale Struktur mit einem Bindungswinkel von 120°. Senkrecht dazu steht
das verleibende p-Orbital.
ac Ethin: Durch eine sp-Hybridisi erung entstehen aus einem s- und einem
p-Orbital zwei neue sp-Hybridor bitale. Sie haben eine lineare Struktur mit
einem Bindungswinkel von 180°. Senkrecht dazu stehen die zwei verblei-
benden p-Orbitale.
Chemische Reaktionen
Heute sind über hundert Elemente bekannt. Aus diesen Ele-
menten sind schätzungsweise vier bis fünf Millionen Verbin -
dungen aufgebaut. Diese Verbindungen bezeichnet man -
wie auch die Elemente- als Reinstoffe. Im Gegensatz zu
den Elementen lassen sich die Verbindungen wieder in ihre
Bestandteile zerlegen. Sie bestehen somit aus wenigstens
zwei verschiedenen Elementen. Reinstoffe zeichnen sich
durch klar definierte physikalische Eigenschaften aus: z. B.
Schmelztemperatur, Dichte, Löslichkeit, etc.

Grundtypen von Reaktionen


I Abb . 1: Hämoglobin. [2)
In der Natur kommen die meisten Elemente nicht in ihrer
atomaren Reinform, sondern als Verbindungen vor, z. B. 0 2•
Wenn sich diese einzelnen Elemente zu Molekülen zusam- Chemische Gleichungen
menschließen, ändern sich ihre chemischen und physika-
lischen Eigenschaften. Dieser Prozess wird als chemische Die Entstehung von Verbindungen durch eine chemisclle
Reaktion bezeichnet und beschreibt die stattfindende Stoff- Reaktion wird durch die Reaktionsgleichung besc hrieben.
umwandlung. In der anorganischen Chemie werden vier Sie besc hreibt qual itativ und quantitativ die Wechselwirkung
Grundtypen von chemischen Reaktionen unterschieden: zwischen den betei ligten Stoffen. Lin ks in der Reaktionsglei-
chung stehen dabei immer die Ausgangsstoffe ( =Edukte}
.,.. Fällungsreaktionen: Kochsalz (Na Cl) lässt sich gut in und rechts die gebildeten Stoffe(= Produkte). Dazwi-
Wasser lösen. Dabei zerfällt es in ein Anion (Cl-) und ein schen steht ein Pfeil, der die Reaktionsrich tung angibt. Prinzi-
Kation (Na+). Gibt man Silbernitrat (AgN0 3 ) hinzu, so fällt piell können Reaktionen in beide Richtungen ablaufen, wobei
Silbereharid aus. Dieses kennzeichnet man, indem neben eine Richtung jedoch meist bevorzugt wird. Man kennzeich-
die Formel ein Pfeil nach unten geschrieben wird: net dies durch einen DoppelpfeiL Ist eine Reaktion irreve rsi-
Na++ Cl- + AgN0 3 =+ AgCl! +Na++ N0 3- bel (nicht umkehrbar], so wird ein einseitiger Pfeil genom-
Ursache hierfür ist die Überschreitung der Löslichkeit. Was men.
genau dabei geschieht, wird im Kapitel Salzlösungen Was di e Ri chtung und auch di e Reaktionsgeschwindigkeit
(S. 34/ 35) besprochen. beeinflusst, wird in den Kapiteln Energetik (S. 28/ 29) und
.,.. Säure-Base-Reaktionen: In diesem Reaktionstyp werden Reaktionskinetik (S. 24 - 27 ] näher erläute rt.
zumeist Protonen = Wasserstoff-Kationen (H+) zwischen Mole-
kü len ausgetauscht. Ein klassisches Beispiel ist die Salzsäure: Edukt+ Edukt !::+Produkt+ Produkt
HCl+ H20 -4 H30 ++ CJ- (Säure A + Base B-4 Säure B+Base A)
Ausführlich wird dieser Reaktionstyp in den Kapiteln Säuren Beispiel: Natrium und Chlor reagieren zu Natriumchlorid.
und Basen I und ll (S. 36 - 39) besprochen. Chlor kommt in elementarer Form als Cl2 vor. Dies wird in
.,.. Redoxreaktionen: Hier kommt es zu Elektronenübertra- der Gleichung berüc ks ichtigt.
gungen. Beispielsweise rostet elementares Eisen (Fe) durch Jedes Chloratom möchte gerne I Elektron vom Natrium auf-
den Sauerstoff (0 2) der Luft, und es entsteht rotes Eisenoxid nehmen . Natrium hat aber nur ein Valenzelektron. omit
Fe 2 0 3. Hier wird das Eisen oxid iert und der Sauerstoff redu· werden für diese Reaktion 2 Natriumatome benö tigt:
ziert:
2 Na + Cl 2 -t 2 NaCI
4 Fe + 3 0 2 ---? 2 Fe 20 3 2 Natriumatome + 1 Chlormolekül reagieren zu 2 Molekü len
Diesem Reaktionstyp widmen sich die Kapitel Oxidation und Natriumchlorid
Reduktion l und !I (S. 40 - 43).
.,.. Komplexreaktionen: Komplexe bestehen aus einem Zen-
tralteilchen und den umgebenden Liganden. Der bekannteste Bei jeder chemischen Rea ktion gelten die zw i fo lg nd n
Komplex des mensch lichen Körpers ist das Hämoglobin Gesetze:
(I Abb. 1), in dem Eisen das Ze ntralteilchen und das Häm der
Ligand ist. Hierzu findet sich mehr im Kapi tel Kompl ex- .,.. Bei ein r chemischen R aktion wird wed r Ma s v rloren
chemie (S. 44/ 45 ]. noch hin zugewonnen (Gesetz vom Erhalt der Masse). B .
;
20 I 21
trachtet man die Beispielgleichung, so tionsgleichung ist vollständig ausgegli- Zink und jeweils eine negative Ladung
ist auf beiden Seiten die gleiche Anzahl chen. der beiden Hydroxidionen).
an Atomen einer Art vorhanden. Die
Summe der Massen ist also auf beiden In einer Reaktionsgleichung müssen Zn 2• + 2 QH - ~ Zn(OH) 2
Seiten gleich. Links und rechts stehen sich aber nicht nur die Massen auf bei-
jeweils zwei Chlor- und Natriumatome. den Seiten ausgleichen, sondern auch Da das Zinkhydroxid ungeladen ist, sind
.,. Kommt es zu einer chemischen Ver- deren Ladung. in dieser Reaktionsgleichung die Ladun-
bindung von Elementen untereinander, gen auf beiden Seiten Null und somit
so stehen die daran beteiligten Atome identisch.
im Verhältnis kleiner ganzer Zahlen
(I, 2, 3 .. . ) zueinander {Gesetz der Das zweifach negativ geladene Carbo-
multiplen Proportionen ). Hier stehen nat-Anion (COl -) reagiert mit Wasser
Natrium und Chlor in einem Verhältnis [H 20) zu den einfach negativ geladenen
von I : I . Im Wassermolekül (H 20) wäre Anionen Hydrogencarbonat (HC03- )
das Verhältnis von Wasserstoff und und Hydroxid (OH). Zählt man die
Sauerstoff 2: I. Ladungen, so stehen rechts und links
jeweils zwei negative Ladungen. Die
Beispiel: Die Verbrennung von Ethanol Summe der einzelnen Atome ist auch
(C2 H50 H) mit Sauerstoff zu Koh len- hier auf beiden Seiten identisch.
dioxid und Wasserdampf.

Verbrennung von Ethanol


a) C2H50H + 0 2 ~ C0 2 + H20
b) C2H50H + 0 2 ~ 2 C0 2 + 3 H20 Wie man auf Reaktionsgleic hungen
c) C2H50H + 3 0 2 ~ 2 C0 2 + 3 H20 kommt und woher bekannt ist, in wel-
(vollst ändige Rea kt ionsgleichung) cher Richtung sie ablaufen, wird in den
Kapitel Stöchiometrie (S. 22/ 24), Ener-
Beispiel: Reaktion von Zink mit Hydro- getik (S. 24- 27) und Reaktionskinetik
Hier ist es schwieriger, die oben ange- xidinnen (zwei positive Ladungen vom (S. 28/29) besprochen.
sprochenen Gesetze einzuhalten. Ge-
hen wir schrittweise vor:

.,. a) Zählt man in dieser Formel die


Atome auf beiden Seiten, so sind diese
für 0 gleich und für C und H ungleich.
Links stehen 2 C-Atome und rechts Zusammenfassung
steht nur eines . X Unter einer chemischen Reaktion wird eine Stoffumwand lung verstanden.
.;.. b) Da die Anzahl aber gleich sein Dabei entstehen aus Elementen oder anderen Verbindungen neue Verbin-
muss, muss C0 2 2-fach vorhanden sein. dungen. Sie werden wie die Elemente ebenfalls als Reinstoffe mit charakte-
Gleiches gilt auch für die H-Atome:
links stehen 6 und rechts nur 2, daher ristischen Eigenschaften bezeichnet.
wird vor das H20 eine 3 gesetzt, denn X Es lassen sich vier Grundtypen von Reaktionen in der anorganischen Che-
3 x H2 ergibt wieder 6 H-Atome. mie unterscheiden: Fällungsreak tionen, Säure-Base-R eaktionen, Redox-
... c) Durch dieses Ausgleichen von C·
reaktlonen und Komplexreak tionen.
und H-Atomen unter b) ist jetzt die An-
zahl der 0-Atome auf beiden Seiten der ac ln einer Verbindung stehen die daran beteiligten Elemente immer in
Reaktionsgleichung ungleich geworden. einem Verhältnis kleiner ganzer Zahlen zueinander.
Links stehen 3 und rechts 7. Daher X Chemische Reaktionen können mithilfe der Reaktionsgleichung beschrie-
muss nun ein weiteres Mal ausgegli-
chen werden, indem vor das 0 2 eine 3 ben werden. ln dieser stehen links die Ausgangsstoffe (Edukte) und rechts
geschrieben wird. So stehen dann auf die daraus entstandenen Stoffe (Produkte). Beide sind durch einen Reak-
beiden Seiten 7 0-Atome, und die Rea k- tionspfeil, der die Hauptrichtun g der Reaktion angibt, verbunden .
X ln einer Reaktionsgle ichung müssen sich sowohl die Massen als auch die
Ladung auf beiden Seiten der Reaktionsgleichung ausgleichen . Dies wird
als Erhalt der Ladung und Masse bezeichnet.
Stöchiometrie
Bezeichnung von Massen und .,.. Volumengehalt/Volumenprozent: Wie viel Gramm KCI sind in
Volumina Diese Angabe gibt den Antei l eines Be- einem Liter einer 0,5 molaren
stand teils an dem Gesamtvolum en einer KCI -Lösung enthalten?
Das Rechnen in der Chemie wird als Lösung wieder. (Volumen Bestandteil Gefragt: m(KCI ). Gegeben: aus dem
stöchiometrisc he Rechnung bezeichnet. A/ Gesamtvolum en ) x I 00. Period ensystem: M (KCI) = 74,5 g/ mot
Mit ihrer Hilfe lassen sich Massen und Beispiel: Im Wein hat das Ethanol einen n(KCI ) = 0,5 mol. '
Volumina von Verbindungen bestim- Anteil von ca. I 0% am Gesamtvolum en. Formel: n = mi M m=nx M
men. Dafür benötigen wir die folgenden Damit sind in einer Flasche mit 750 ml Berechnung: m(KCI ) =
bekannten Begriffe wieder: Wein 75 ml Ethanol entha lten. 0,5 mol x 74,5 g/ mol = 37,25 g
.,.. Massengehalt/Gewichtsprozent: Lösung: in einem Liter einer 0,5 mola-
.,.. Masse m: Gewichtsangabe eines Der Massengehalt berechnet sich analog ren KCI -Lösungsind 37,25 g KCI ent-
Stoffes. Einheit: kg zu den Volumenproze nt, nur wi rd Volu- halten.
.,.. Atomare Masse: u = I I 12 von 1 ~ C. men durch die Masse ersetzt: (Masse
Einheit: u (I u = 1,66 x I0-24 g) Bestandteil AlGesamtmassel x I 00. Wie vielmolsin d 50 ml Alkohol
Beispiel: Eine 1O%ige KOH -Lösung (Ethanol)?
Beispiel: 1 ~ C Kohlenstoff wiegt 12 u,
IH 1 u und 1gO 16 u. bedeutet, dass I 0 g KOH in I 00 g der Gefragt: n(C2 H0 0 ). m(C2 H0 0 ) ist auch
.,.. Stoffmenge n: Beschreibt die Teil - Lösung enthalten sind . unbekannt (keine Grammangabe).
chenanzahl von 6,022 x I 023 Teilchen. .,.. Molarität c: Sie ist die Stoffm engen - Gegeben: V(C2Ho0 l = 50 ml, aus den1
Einheit: Mol. konzentration, die angibt, wie viel Mol Periodensystem: M(C2H00 )
Beispiel: I Mol Kohlenstoff enthält eines Stoffes A in einem Liter Lösung = 46 g/ mol; aus Dichtetabelle
6,022 x 1023 Kohlenstoffatome. enthalten sind. Sie wird folglich als p(C2 H00 ) = 0,79 g/ml.
.,.. Molare Masse M: Relative Molekül- mol/ L (n/V) angegeben . Formel: Umrechnung in Gewicht mit-
masse eines Stoffes, also wie viel ein .,.. Molalität: Sie ist die Stoffmengen- hilfe der Dichte: m (C 2 H0 0 )
Mol eines bestimmten Stoffes wiegt. konzentration, die angibt, wie viel M ol = V(C2H0 0 ) x p; n = mi M
Einheit: g/ mol (m/n). eines Stoffes A in einem Kilogramm Berechnung: m (C2H00 )
Beispiel: I Mol Kohlenstoff wiegt 12 g, Lösung enthalten sind. Sie wi rd folglich = 50 ml x 0,79 g/ ml = 39,5 g
ein Mol 0 2 32 g und ein Mol H20 18 g. als mol/ kg (n/ m) angegeben . 39,5 g
n(CzHoOl = 46 g/ mol = 0,86 mol
.... Molares Volumen V m: Ein Mol .,.. Massenkonzentration: in kg/1.
eines Gases nimmt unter Normalbed in- Lösung: in 50 ml Alkohol si nd
gungen ein Volumen von 22,41 Litern Beispielrechnungen 0,86 mol enthalten.
ein. Dabei ist zu beachten, dass 1 m3
Wie viel mol sind in 5 g Wasser KOH + HCI reagieren zu KCI und
1000 Li ter sind.
entha lten (a), und wie viele Teil - H20. Wie viel Gramm KOH sind
.,.. Avogadro-Konstante NA:
chen sind darin enthalten (b)? nötig, um 5 g Ka liumch lorid KCI
6,022 x 1023 Teilchen/ mol
a) Gefragt: n(H 20). Gegeben: aus dem herzustellen?
.,.. Stöchiometrische Zahl v: Sie wird
durch tiefstehende arabische Ziffern aus- Periodensystem : I M (H20) = 18 g/ mol; Gefragt: M (KOH ). Gegeben: Die Stoff-
gedrückt und gibt die Anzahl gleicher m (H20) = 5 g. mengen n von KOH und K I en tspre-
Atome innerhalb eines Moleküls wieder. Formel: n = mi M. chen einander, da aus I mol KOH I mot
Beispiel: 0 2 , C0 2 , H20. Berechnung: KCI wird. n(K H) = n(KCI).
.,.. Loschmidtsche Zahl n0: Anzahl der Sg (KOH + HCI ~ KCI H20).
n(HzÜ) = 18 g/mol = 0,277 mol Formel: n = mi M. Da die toffmen n
Moleküle innerhalb eines m3 des Stoffes:
2,687 x 1025 Moleküle/ m3• Sie ergibt Lösung: 5 g Wasser enthalten gleich sind, er erz ten wir das jeweilig n
0,277 mol Wassermolek üle. durch m/ M dann erhalten wir:
sich aus: n0 = NA/Vm.
.,.. Dichte: p = m/V b) Gefragt: Teilchenan zahL Gegeben: m(KOH )/M (K H) = m(K 1)/ M(K I)
n (H20 ) = 0,277 mol, Avogadro-Kon- Berechnung: m(KOH )
stante: 6,022 x I 0 23 Teilchen/ mol. =m(K 1)/ M (K I) M (K H)
Konzentrationsangaben Sg
Formel: Dreisatz. 3 76
Berechnung: Teilchenanzahl 74 ,5 g/mol x 6 g/ mol = ~ g
Neben den Bezeichnungen für Massen
0,277 mol x 6,022 x I 023 Teilchen Lösung: Zur Herstellung von K L
und Volumina gibt es weitere Angaben,
1 mol werd n 3,76 g K H b n" tigt.
die Aussagen über Kon zentrationen lie-
fern. Dabei wird unter der Kon zentra- = I ,67 x I 023 Teilc hen
tion der Anteil eines Bestandteils an ei- Lösung: 5 g Was er emhalten
ner Lösung verstanden. Hierzu zählen: 1,67 x I 023 Teilchen.
...

22 I 23
Wie viel Liter Sauerst off sind Bei der Zerlegung von 0,4 g (C0 2 ) entstehen. Gesucht ist also das
zur Herstellung von 2 ml Wasser Silbersulfid entstehen 0,348 g Verhältnis von Wasserstoff (H), Sauer-
nötig? Silber. Wie ist die Summenformel stoff (0) und Kohlenstoff (Cl zueinan-
Anders formuliert: Wie viel Gramm des Silbersulfids? der. Gegeben: m(Ethanol)
Sauerstoff sind nötig zur Herstellung Gefragt: Verhältnis von Silber zu = 0,525 g, m(H 20) = 0,603 g,
von 2 g Wasser (Wasser hat eine Dichte Schwefel= n(Ag) zu n(S). Gegeben: M(H 20 ) = 18 g/mol, m[C0 2 ) = 1,022 g,
von 1 g/ ml )? m(Ag) = 0,348 g, M (Ag) = 108 g/ mol, M(C0 2 ) = 44 gl mol, M(C) = 12 g/mol,
1. Teil: m (Silbersulfid) = 0,4 g, M(S) M(H) = I g/mol
Gefragt: m(0 2 ). Gegeben: 0 2 + 2 H2 = 32 g/ mol. Berechnung: n(C0 2 )
~ 2 H20. Formel: Hier ist die Fragestellung 1,022 g
Formel: n = mi M. In der Reaktions- = m(COz)/M(C0 2) =
genau umgekehrt im Vergleich zum 44 g/mol
gleichung entsprechen sich n(02 ) und obigen Beispiel. Wir rechnen also = 23,22 mmol. Da im Kohlendioxid nur
n(H 20) nicht, da aus 1 mol Sauerstoff rückwärts. n = mi M. ein C-Atom gebunden ist, entsprechen
2 mol Wasser entstehen. Folglich gilt: Berechnung: n(Ag) ergibt sich aus sich die Stoffmengen von n(C) und
n(0 2 ) = 2 x n(H20). Ersetzt man n 0,348 g n(C0 2) : n(C) = n[C0 2 ) .
durch m/ M, ergibt dies: n = miM~ 108 g/mol n(H 20) = m(H 20)/M[H 20)
m(0 2)/ M(0 2 ) = 2 x m(H 20)/ M(H 20) = 0,00322 mol = 3,22 mmol. 0,603 g
Berechnung: Um n(S) berechnen zu können, brau- =
18 g/mol = 33,5 mmol.
m(0 2) = 2 x m(H 20) / M(H 20) x M(0 2) chen wir erst dessen Masse. Diese Da im Wassermolekül2 H-Atome vor-
= 2 x 2g =7 I ergibt sich aus: kommen, gilt hier:
18 g/mol x 32 g/ mol ' g m(S) = m(Silbersulfid) - m(Ag) n(H) = 2 x n(H20 ) = 2 x 33,5 mmol
2. Teil = 0,4 g - 0,348 g = 0,052 g. = 67 mmol.
Gefragt: V(0 2) in Liter. Gegeben: n(S) ist dann: Um n(O) zu errechnen, brauchen wir
m(0 2) = 7,1 g. Hierzu brauchen wir 0,052 g erst einmal m[O):
n(S) =
die Information, dass I mol 0 2 mit 32 g/ mol = 0,00163 mol m(O) = m(Ethanol ) - m(C)- m(H).
32 g/ mol22,41 Literergeben (s.o. = 1,625 mmol. m(C) ist einfach, da n(C) und M(C)
Molares Volumen). Jetzt setzen wir die Stoffmengen zu- bekannt sind: m(C) = n(C) x M(C)
Formel: Dreisatz einander ins Verhältnis: n(Ag) / n(S) = 23,22 mmol x 12 g/mol = 0,279 g.
Berechnung: = 3,22 mmol/1,625 mmol = 1,98/1 m(H} = n(H) x M(H)

~ ;2~41
= - 2/ 1 = 67 mmol x 1 g/ mol = 0,067 g.
V(Ozl= 32 g/ mol I/ mol= 4•97 1 Lösung: Daraus ergibt sich für Silber- m(O} = m(Ethanol) - m(C) - m(H )
Lösung: Zur Herstellung von 2 ml sulfid die Formel Ag2 S. = 0,525 g - 0,279 g- 0,067 g = 0,179 g.
Wasser sind 4,97 I Sauerstoffgas nötig.
Bei der Verbrennung von 0,525 g n(O) = m(O) / M(O) 16 O, 179 g
g/ mol
Wie viel Kilogramm Eisen lassen Ethanol entstehe n 0 ,603 g Was- = 11,19 mmol.
sich aus 500 kg Eisenoxid mit der ser und 1,022 g Kohlendioxid. Nun wird die Stoffmenge der beteiligten
Summen formel Fe 20 3 gewinnen? Wie lautet die Summen formel Elemente zueinander ins Verhältnis ge-
Gefragt: m (Fe). Gegeben: An der von Ethanol? setzt: n(C) : n(H) : n(O)
Summenformel sieht man, dass sich aus Gefragt: das Verhältnis der Stoffmen- = 23,22 mmol : 67 mmol : 11,19 mmol
1 Molekül Eisenoxid 2 Eisenatome ge- gen zueinander. Ethanol besteht aus = 2,08: 5,99: I.
winnen lassen: n(Fe)/ n(Fe 20 3) = 2/ 1. drei Elementen, dies ergibt sich daraus, Lösung: Hieraus ergibt sich für Ethanol
Daraus folgt, dass n(Fe) doppelt so groß dass Wasser (H 20 ) und Kohlendioxid eine Summenformel von C2 H60.
sein muss wie n(Fe 20 3) ~ n(Fe)
= 2 x n(Fe20 3 ) . Aus dem Periodensys-
tem: M(Fe) = 55,9 gl mol, M(Fe 20 3 )
= 159,7 g/mol (2 x 55,9 + 3 x 16).
Formel: n = mi M. Ersetzen wir n
durch m/ M, so erhalten wir: Zusammenfassung
m(Fe) / M(Fe) = 2 x m(Fe 20Jl/M(Fe 20 3) Für die stöchiometrischen Berechnungen sind verschiedene Massenangaben
Berechnung: m(Fe) wichtig:
= 2 x m(Fe20 3)/M(Fe20 3) x M(Fe)
• die Masse m in Kilogramm oder Gramm
_ 2 x 500000 g
- 159,7 g/ mol x 55,9 g/ mol • die Stoffmenge n in mol
= 2 X 175 01 6 g = - 350 kg • die molare Masse M in g/mol.
Lösung: Damitlasse n sich aus 500 kg Sie stehen durch die Formel n = m/M miteinand er in Verbindung.
Eisenoxid ca. 350 kg Eisen gewinnen.
Energetik I
Erster Hauptsatz der Thermodynamik kJ/mol angegeben und ist sowohl temperatur- als auch
druckabhängig.
So wie bei der chemischen Reaktion die Masse und die La- Um die Bildungsenthalpie zu berechnen, geht man von Stan-
dung erhalten bleiben, so geht auch Energie nicht verloren. dardbedingungen aus. Man versteht darunter, dass die Re-
Entweder wird sie im neu entstandenen Produkt gespeichert aktion in einem Raum mit einer Umgebungstemperatur von
oder an die Umgebung abgegeben. Dieser Sachverhalt wird 25 oc =298,16 K und einem Druck von I0 13 hPa abläuft.
durch den ersten Hauptsatz der Thermodynamik ausge- Untersucht man eine endotherme Reaktion (benötigt Energie
drückt. Dieser lautet: entzieht dem Raum Wärme), so misst man, wie viel Energie '
dem Raum, in dem die Reaktion abläuft, zugefüh rt werden
muss, um ihn auf 25 oc zu halten.
Bei einer exothermen Reaktion stellt man fest, wie viel Wär-
me dem Rau m entzogen werden muss, um ihn auf 25 oc zu
hal ten. Daher gilt:
Wird Energie in einer chemischen Reaktion freigesetzt, so ist
dies als Wärme, Licht oder in Form von elektrischer Ener-
gie möglich.

Enthalpie
Die Angabe, wie viel Energie frei bzw. benötigt wird, ist
Am häufigsten erfolgt der Energieumsatz in einer chemischen Tabellen zu entnehmen.
Reaktion über die Aufnahme oder Abgabe von Wärme. Diese Für die obigen Beispiele wäre es für die Entstehung von Kup.
wird daher als Reaktionswärme oder als Enthalpie be- feroxid - 312 kJ/ mol, das heißt bei der Bildung eines Mols
zeichnet. werden 312 k] Energie an die Umgebung abgegeben.
Sie lässt sich unterteilen in: Bei einem Mol Stickstoffdioxid hingegen würden der Umge-
bung 34 k] entzogen werden. Die Bildungsenthalpie beträgt
..,_ Bildungsenthalpie: Sie entsteht, wenn aus Elementen Ver- hier also+ 34 k]lmol.
bindungen entstehen. Nicht nur bei der Entstehung von Verbindungen kann Ener-
..,_ Reaktionsenthalpie: Sie stellt die bei chemischen Reaktio- gie benötigt werden: Schon für die Bildung eines Atoms aus
nen umgesetzte Energie dar. seinen Elementarteilchen ist Energie notwendig, ebenso für
das Zusammenlagern von Elementen z. B. in einem Kristall-
Bildungsenthalpie gitter.
Unter Bildungsenthalpie versteht man die Energie, die für die Um es zu vereinfachen, hat man die Bildungsenthalpie der
Gewinnung eines neuen Stoffes notwendig ist oder frei wird. Elemente bei Standardbedingungen für den energieärrns-
Beispiele: ten Zustand des Elements auf den Wert ßH =0 festgelegt.
Reagiert Kupfer (fest) mit Sauerstoff (gasförmig) zu Kupfer- Beispiele: Die Bildungsenthalpie von Sauerstoff im gasförmi -
oxid (fest), dann wird hierbei Energie in Form von Wärme gen Zustand(= energieärmster Zustand) beträgt 0 k] l mol ct·
und Licht frei: fü r H2 und N2 ebenso. Für Kupfer ist der feste Zustand de; Ie
energieärmste und hat somit ebenfalls eine Bildungsenthalpie
2 Cu (f) + 1 0 2 (g) ~ 2 CuO (f) + Energie von 0 k]lmo l.
Ändern Elemente ihren Aggregatzustand, den sie "energie-
Im Gegensatz dazu reagiert Stickstoff mit Sauerstoff nur unter arm" bei Standardbedingungen einnehmen, so ist ebenfalls
ständiger Energiezufuhr zu Stickstoffdioxid: Energie nötig.
So ist beispielsweise Brom unter Standardbedingungen eine
2 N2 (g) + 0 2 (g) + Energie --; 2 N20 (g) Flüssigkeit mit der Bildungsenthalpie 0 kJ/ moL Möchte man
Brom jetzt verdampfen, also von flüssig in gasförmig umwan.
Setzt eine Reaktion Wärme frei, so vvird diese als exotherme dein, so muss man Energie aufwenden, um die Anziehungs.
Reaktion bezeichnet Die Bildung von Kupferoxid ist dem- kräfte zwischen den Teilchen zu überwinden. Folglich hat
nach exotherm. gasförmiges Brom ei ne positive Bildungsenthalpie von
Wird hingegen Energie benötigt, wie bei der Bildung von 30,92 k] l mol. Diese En thalpie kann auch als Verdampfungs-
Stickstoffdioxid, so heißt die Reaktion endotherm. enthalpie bezeichnet werd en. Analog hierzu gibt es darüber
Da die Energie bei der Bildung von Verbindungen umgesetzt hinaus noch die Schmelzenthalpie, Kondensationsenthalpie
wird, heißt sie auch Bildungsenthalpie ßH. Sie wird in Sublimationsenthalpie und so wei ter. '
..

24 I 25
I
Q)

Die Bildungsenthalpie der Elemente in ihrem energieärmsten ·c.


Zustand ist definitionsgemäß 0 kJ!mol. ~
w

- - - H (Produkte)

---- _____l:~~:~,
Um die beteiligten Stoffe in einer Reaktionsgleichung genauer _ - ---r · H(Edukte)
zu kennzeichnen und einen Anhaltspunkt für die Bildungs- IIH (<0)

enthalpie zu haben, schreibt man ihren Aggregatzustand in -- -------- - H (Produkte)


Klammern daneben. Würden in der Reaktion von Stickstoff
mit Sauerstoff flüssige Gase verwendet, so müsste erst noch
Rea ktionsverlauf Reaktionsverlauf
Energie für deren Verflüssigung aufgewendet werden. Sie
I Abb. 1 Entha lpie bilanz eine r exothermen (links) und endothermen (rechts)
hätten dann eine positive Bildungsenthalpie.
Reaktion . [ 1]

Reak tionsenthal pie


Die bei einer chemischen Reaktion umgesetzte Energie wird
als Reaktionsenthalpie bezeichnet Rechnerisch lässt sie
sich ermitteln, indem man die Differenz der Enthalpie der
Produkte und Edukte bild et:
Zusammenfassung
L!.H = LH(Produktel - LH(Eduktel • Der Erste Hauptsatz der Thermodynamik besagt,
dass Energie weder verloren noch hinzugewonnen
Um die Reaktionsenthalpie zu ermitteln, addieren wir die Bil-
dungsenthalpien der Produkte und subtrahieren hiervon die werden kann. Sie wird lediglich von einer Energieform
der Edukte. Die Bildungsenthalpien der einzelnen Verbindun- in eine andere umgewandelt.
gen kann der Tabelle im Anhang entnommen werden.
• Bei den meisten Reaktionen wird Energie in Form von
Beispiel: Umwandlung von Eisen(lll) -oxid und Kohlenmon-
oxid in Eisen und Kohlendioxid. Wärme frei oder aufgenommen. Diese Reaktions-
wärme wird als Enthalpie bezeichnet. Sie ist tempe-
1) Fe 20 3 + 3 CO ~ 2 Fe + 3 C0 2
ratur- und druckabhängig.
2) Bildungsenthalpien der Edukte und Produkte aus Tabelle
entnommen: • Ist sie kleiner als Null, so gilt: exotherme Reaktion
-824 kJ / mol + 3 x (-11 0,5 kJ/mol) ~ 2 x 0 kJ / mol +
= Wärmeabgabe = L!.H < 0
3 x (- 393 kJ / mol)
3) L!.H = -1179 kJ/mol - (- 1155,5 kJ/mol) = - 23,5 kJ/mol • Ist sie größer als Null, so gilt: endotherme Reaktion
= Wärmeaufnahme = L!.H > 0

Bei der Entstehung von elementaren Eisen aus Eisenoxid • Es lassen sich Bildungsenthalpie und Reaktions-
handelt es sich um eine exotherme Reaktion, da 6H mit enthalpie unterscheiden.
- 23,5 k]lmol negativ ist Auch hier gilt wie bei der Bildungs- • Unter der Bildungsenthalpie versteht man die Wär-
enthalpie, dass 6H > 0 eine endotherme Reaktion und
me, die bei der Entstehung von Verbindungen aus
L!.H < 0 eine exotherme Reaktion ist (I Abb. I ).
Viele Reaktionen sind umkehrbar. Folglich kehrt sich Elementen frei bzw. benötigt wird.
dann auch das Vorzeichen der Reaktionsenthalpie um. So • Elemente haben in ihrem energieärmsten Zustand
wäre die Bildung von Eisenoxid aus elementarem Eisen eine
die Bildungsenthalpie von 0 kjjmol. Ändern sie
endotherme Reaktion und würde + 23,5 k]/mol an Energie
benötigen. ihren Aggregatzustand, so ändert sich auch ihre Bil-
dungsenthalpie.
• Als Reaktionsenthalpie bezeichnet man die Wärme,
die bei der Reaktion von Verbindungen und Elemen-
ten miteinander entsteht bzw. benötigt wird. Sie
errechnet sich aus der Differenz der Enthalpiesumme
der Produkte und der Edukte:
ßH =:EH(Produktel - :EH(Edukte)

• Ist eine Reaktion umkehrbar, so kehrt sich auch das


Vorzeichen ihrer Enthalpie um.
Energetik II
Geben wir einen Tropfen blauer Farbe in ein mit Wasser ge-
fülltes Glas und lassen es eine Zeit lang stehen, so verteilt sich
die blaue Farbe im gesamten Wasser (I Abb. 2). Der gleiche
Vorgang läuft ab, wenn wir ein Glas heißen Tee in einen
y blaue Farbe
I Abb. 2: Durch-
mischung des Was se rs
mit einem blauen Tro p -
fen. [ 1]

Raum mit 20 oc stellen: Der Tee kühlt ab, er gibt Wärme an


seine Umgebung ab und die Temperatur des Raumes und des •
Tees gleichen sich an.
Es entsteht aus einem vorher geordneten Zustand eine Durch-
mischung oder auch Unordnung zwischen beiden Stoffen.
Dies wird als Entropie S bezeichnet Die Entropie ist das
• Zeit

Maß für Ordnung.

Entropie
vollständigen Ordnung entfern t befinden . Folglich gibt es für
Entropie von Elementen und Verbindungen die Entropie auch keine negativen Werte, denn mehr als
Für die Entropie als Maß der Ordnung gilt: ordentlich kann es nicht werden.

~ Ein geringer Entropiewert bedeutet ein hohes Maß an Ord-


nung. Absolute Ordnung und damit eine Entropie von 0 kJ/mol gibt es
nur am absoluten Nullpunkt von - 273,16 °C.
~ Ein hoher Entropiewert bedeutet ein hohes Maß an Unord-
nung.
Auch bei der Entropie spielen die Aggregatzustände eine
Der blaue Tropfen im Glas hat eine größere Ordnung und Rolle. So zeigt beispielsweise festes Jod (116,73 kJ / mol) eine
damit eine geringere Entropie als das nachher entstandene höhere Ordnung und damit einen geringeren Entropiewert
blaue Wasser. Auch der heiße Tee hat gegenüber dem abge- als gasförmiges Jod (260,58 kJ/mol).
kühlten Tee eine höhere Ordnung. Chemische Systeme stre-
ben immer eine hohe Entropie und damit Unordnung an. Um Reaktionsentropie
wieder Ordnung herzustellen muss Energie aufgebracht wer- Bei einer chemischen Reaktion kommt es zur Veränderung
den. Um sich dies einfacher merken zu können, braucht man des Ordnungszustandes der daran beteiligten Verbindungen.
nur an die eigene Wohnung zu denken. Die Wohnung ist Dies wird als Reaktionsentropie bezeichnet und lässt Sich
immer bestrebt, Unordnung herzustellen. Wollen wir es je- analog zur Enthalpie berechnen:
doch zu Hause ordentlich haben, so müssen wir Energie in
Form von Aufräumen hineinstecken, um diesen Zustand zu L\.S = :ES(Produkte) - :ES(Edukte)

erreichen.
Auch hier bildet man die Differenz aus der Entropie von Pro-
dukten und Edukten_ Die Entropiewerte der einzelnen Stoffe
Je h6her die Ordnung innerilalb eines Systems, desto geringer lassen sich genauso wie die der Enthalpie aus Tabellen ent-
Ist die Entropie S. nehmen.
Beispiel: Nehmen wir wieder die Reaktion von Eisenoxid l11it
Bei den Elementen nimmt man an, dass sie einen Zustand Kohlenmonoxid, so lässt sich Folgendes berechnen :
von vollständiger Ordnung am absoluten Nullpunkt
(- 273,16 oc = 0 K) erreichen. Hier kommt die Eigenbewe- 1) Fe 2 0 3 + 3 CO ---+ 2 Fe + 3 C0 2
2) 89,96 J(mol x K + 3 x 197,4J(mol x K---+ 2 x 27,15 J/mol
gung der Atome zum Erliegen, und es stellt sich ein vollstän-
+ 3 x 213,6 J/mol x K
dig geordnetes Gitter ein. 3) ßS = 693,78 J/mol x K- 682,16 J/mol x K
Daher berechnet man die Entropie bei 0 K mit: = + 11 ,62 J/mol x K
S = 0 J/mol x K.
Hiervon ausgehend nimmt die Entropie mit steigender Tem-
peratur zu, weil die Teilchen eine immer größer werdende Dass ßS positiv ist, heißt, dass die Produkte eine größere
Eigenbewegung und damit Unordnung zeigen. So wird auch Entropie und damit gerin gere Ordnung haben als die Edukte
klar, warum ein Feststoff eine geringere Entropie hat als eine Wenn wir noch einmal die Reaktionsgleichung betrachten ·
'
stellen wir fest, dass wir vier Teilchen Edukte haben und da-
Flüssigkeit und diese wiederum als ein Gas.
Ebenso wie es eine Standardenthalpie gibt, lässt sich auch raus fünf Teilchen Produkte entstehen. Je mehr Teilchen ent-
eine Standardentropie für Elemente und Verbindungen stehen, desto größer wird die Unordnung.
angeben. Sie muss größer als Null sein, da die Temperatur Beispiel: Bei der Reaktion von HCl mit NH 3 entsteht NH 4 Ci
bei Standardbedingungen 25 oc beträgt und wir uns somit in diesem Beispiel entstehen aus zwei Teilchen Edukte ein ·
298,16 oc vom absoluten Nullpunkt und damit vom Ort der Teilchen Produkt, und damit nimmt die Ordnung im System
26 I 27
zu. Folglich ist hier t.S negativ, da die Edukte eine höhere Es gilt:
Entropie haben als die Produkte.
~ Reaktionen, bei denen Gibbs freie Energie ~G < 0 ist, lau-
fen nach einer eventuell noch nötigen Aktivierung von selbst,
~ 6S > 0 ~ Unordnung/Entropie nimmt zu das heißt spontan ab. Sie werden als exergonische Reaktio-
~ &S < 0 ~Unordnung/Entropie nimmt ab
nen bezeichnet.
~ Ist t.G > 0, verläuft die Reaktion nur unter ständiger

Gibbs freie Energie Energiezufuhr und damit nicht spontan ab. Sie wird als
endergonisch bezeichnet.
Nun wissen wir, dass mithilfe der Enthalpie die frei gewor-
dene Energie und mit dem Begriff der Entropie die Ordnung Für unser Beispiel (Eisenoxid + Kohlenmonoxid ---+ Eisen +
beschrieben werden können. Diese Informationen kombiniert Kohlendioxid) bei Standardbedingungen wäre dies:
man nun in der Gibbs-Helmholtz-Gleichung und kann so zei-
gen, in welche Richtung eine Reaktion abläuft: C.G = L'>H- c.s X T
Eine Reaktion lässt sich allgemein durch folgende Formel aus- = -23,5 kJ/mol- ( 11 ,62 J/(mol x K) x 298 K) = -20,04 kJ/mol

drücken:
Die Reaktion von Eisenoxid mit Kohlenmonoxid zu Eisen ver-
A+B!:+C+D läuft demnach spontan. Ihre Umkehrreaktion, also die Ent-
stehung von Eisenoxid aus Eisen und Kohlendioxid, hingegen
Nun ist es interessant, in welche Richtung eine Reaktion ab- benötigt Energie und ist damit nicht spontan.
läuft. Die Reaktionsrichtung wird durch zwei Tendenzen Ein Beispiel für eine endergonische Reaktion wäre die Ent-
bestimmt: stehung von Kohlendioxid und Calciumoxid aus Calcium-
carbonat:
~ Das chemische System strebt einen Zustand möglichst
geringer Energie/Enthalpie an. II> CaC0 3 !::; CaO + C0 2
~ Das chemische System strebt einen Zustand möglichst II> L'>H = öH(Produkte) - ÖH(Edukte)

großer Unordnung/Entropi e an. ~H = (-635 kJ/mol -394 kJ/mol) -1206 kJ/mol


= +177 kJ/mol
II> L'>S = ÖS(Produkte) - öS(Edukte)
Auf welcher Seite diese Zustände liegen, lässt sich mithilfe ~H = (+40 J/mol x K + 214J/mol x K)- 93J/mol x K
der Gibbs-Hemholtz-Gleichung berechnen: = +0, 161 kJ/mol x K
..,. ~G = ~H - ~s x T
t.G =L'>H -C.S X T t.G = + 177 kJ/mol- (0, 161 kJ/mol x K x 298 K)
= +129 kJ/mol x K

Dabei ist ~G die freie Reaktionsenthalpie oder auch Gibbs


freie Energie. ~H ist die Reaktionsenthalpie, ~S die Reaktions-
entropie und T die absolute Temperatur in Kelvin.

Zusammenfassung
X Die Entropie ist ein Maß für die Unordnung innerhalb eines Systems.
Je geringer sie ist, desto kleiner ist der Entropiewert Ausgehend von
0 J/mol x K beim absoluten Nullpunkt (-273 °C} nimmt die Entropie immer
mehr zu.
X Mittels Gibbs freier Energie kann eine Aussage darüber getroffen werden,
ob eine Reaktion freiwillig, das heißt spontan abläuft. Sie berechnet sich
nach der Formel ~G = ~H - ~S x T.
X Ist ~G < 0, so läuft die Reaktion spontan ab. Sie wird exergonisch
genannt.
X Ist ~G > 0, verläuft die Reaktion nur unter ständiger Energiezufuhr.
Sie heißt dann endergonisch.
Reaktionskinetik
Die Energetik chemischer Reaktionen gibt an, in welche Wie schnell dabei eine Reaktion ablä uft, hängt dabei noch
Richtung eine Reaktion bevorzugt abläuft. Die Kinetik be- von drei wei teren Faktoren ab:
schreibt, mit welcher Geschwindigkeit dies geschieht.
Dabei spielt die Kollisionstheorie eine entscheidende Rolle. ~ Konzen trationsänderungen,
Sie beschreibt Bedingungen, unter denen es zu einer chemi- ~ Zerteilungsgrad und
schen Reaktion kommt: ~ Temperaturänd erungen.

~ Die miteinander reagierenden Teilchen müssen aufeinan- Konzentration sä nderu ngen


dertreffen. Wird die Anzahl der Teilchen erhöht, so erhöht sich auch die
~ Die Position, in der sie miteinander kollidieren, muss güns- An zahl der Zusammenstöße zwischen diesen. Es reagieren
tig sein. mehr Teilchen in einem bestimmten Zeitraum miteinander
~ Damit eine Kollision zweier Stoffe zu einerneuen Verbin- und die Reaktionsgeschwindi gkeit steigt an. '
dung führt, müssen die Teilchen genügend kinetische Energie So ist es auch verständlich, warum die Reaktionsgeschwind-lg-
besitzen. Eventuell muss diese vorher in Form von Al<tivie- keit am Ende einer Reaktion immer langsamer wird: Die Ko _
rungsenergie (meist durch Erhitzen) zugeführt werden. zentration der Edukte hat bereits stark abgenommen und es n
kommt zu weniger Zusammenstößen, die zu einer Reaktion
Die Punkte zeigen, dass nicht jeder Zusammenstoß von Teil- führen.
chen automatisch zu einer spontanen Reaktion führen muss.
Es gibt Reaktionen, wie z. B. das Rosten von Eisen, die sehr
langsam ablaufen, und andere wiederum, wie z. B. das Ausfäl- Die Reaktionsgeschwindigkeit v steigt mit der Konzentration der
len von Bariumsulfat mit Schwefelsäure, die sekundenschnell Ausgangsstoffe an.
erfolgen.
Zerteilungsgrad
Reaktionsgeschwindigkeit Reaktionen zwischen Stoffen können in zwei weitere Unter-
gruppen eingeteilt werden:
Als Ausgangspunkt dient die allgemeine Reaktionsgleichung
A + B =+ C + D, wobei A und B die Edukte und C und D die ~ Homogene Reaktionen: Die Reaktionspartner haben de
Produkte sind . Kommt es zu einem erfolgreichen Zusammen- gleichen Aggregatzustand. n
stoß zwischen A und B, so nimmt deren Anzahl ständig ab ~ Heterogene Reaktionen: Die Reaktionspartner haben
und die der Produkte C und D zu. Die zeitliche Änderung der unterschiedliche Aggrega tzustände.
Menge an Edukt bzw. Produkt wird als Reaktionsgeschwin-
digkeit bezeichnet Sie ist definiert als: Bei heterogenen Reaktionen, z. ß_solchen, an denen Festkör-
per beteiligt sind, spielt auch deren Oberfläche eine Rolle. 1e
v = L'1n/ ßt [mol/s] feiner zerteilt ein Stoff ist, desto größer ist seine Oberfläch e
So löst sich Kand is schlec hter im Tee als feiner Kristallzuck~r
~ Findet eine Reaktion in Lösung statt, so kann auch anstatt
der Stoffmenge n die Molarität c mit der Einheit mol/ 1ange-
geben werden: v =L'1cl M. Je größer der Vertellungsgrad, das heißt je größer die gemeinsallle
Oberfliehe zweier Reaktionspartner ist, desto gröBer ist auch die
~ Bei Gasen hingegen verwendet man das molare Volumen V
Reaktionsgeschwindigkeit.
in Litern: v = .1VI t.t.
~ Bei Feststoffen nimmt man die Masse in Gramm:
V= L1m/M. Temperaturänderungen
Erhöht man die Temperatur, so erhöht sich auch die kineti-
sche Energie der Teilchen. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei
Reaktionsgeschwindigkeit • Konzentrationsänderung/Zelt innerhalb eines bestimmten Zeitraumes aufeinandertreffen
steigt ebenfalls. Zusätzlich verfügen so mehr Teilchen über'
die nötige Mindestenergie (Aktivierungsenergi e) , um mit-
Anhand der Formel der Reaktionsgeschwindigkeit ist ersicht- einander reagieren zu könn en. Dieser Sachverhalt lässt sich
lich, dass es sich um eine Durchschnittsgeschwindigkeit mittels der RGT-Regel (Reaktionsgeschwindigkeits-Tempe-
handelt, da eine Konzentrationsdifferenz verwendet wird . ratur-Regel) beschreiben:
Üblicherweise nimmt man hierfür die Konzentration zu Be-
ginn und am Ende der Reaktion.
Oie Reaktionsgeschwindigkeit verdoppelt sich bei jeder Tempera.;
turerhöhuns um 10 K (10 •c).
28 I 29

Geschwindigkeitsgesetz
Ordnung Geschwindigkeitsgesetz Beispiel

Das Geschwindigkeitsgesetz zeigt die Abhängigkeit der Re- v •kx [A]' Radioaktiver Zerfall,
pseudomonomoleku lare Reaktionen
aktionsgeschwindigkeit von den Konzentrationen der rea-
v=k x [A] ' x [B]' HCI + NH, ~ NH,CI
gierenden Stoffe (Reaktanden). Man unterscheidet zwischen
verschiedenen Reaktionsarten. V= k X {AJ' 2 NO , ~N ,O,

I Tab . 1: Beisp ie le für die Reaktionsordnung und -gesc hwindigkeit


Reaktionsart
Reaktionen werden anhand der Anzahl der beteiligten Stoffe
eingeteilt:

.,.. monomolekulare Reaktion (auf der Eduktseite ist nur Da sich die theoretisch errechneten und die praktisch gemes-
ein Ausgangsstoff vorhanden) : senen Reaktionsgeschwindigkeiten häufig stark unterschei-
A~B+C den, wurde ein experimentell modifiziertes Geschwindig-
Die Reaktionsgeschwindigkeit hängt nur von dem Ausgan gs- keitsgesetz beschrieben:
stoff A ab.
.,.. bimolekulare Reaktion (auf der Eduktseite sind 2 ver- V= k X [A)x X [B)YX [C)' ...
schiedene Ausgangsstoffe zu find en, die Reaktion erfolgt
durch die Kollisionzweier Teilchen) : Die Summe der Exponenten gibt hier die Reaktionsordnung
A + B ~ AB oder A + B ~ C + D (x + y + z ___ = n = Reaktionsordnung) an.
Die Reaktionsgeschwindigkeit hängt von beiden Ausgangs- Beispiele I Tab. 1.
stoffen ab. Beispiel: Bei der Reaktion von 2 N02 ~ N2 0 4 handelt es sich
.,.. pseudomonomoleku lare Reaktion (Reaktionen, die um eine Reaktion 2. Ordnung, obwohl nur ein Ausgangsstoff
eigentlich bimolekular sind, aber in denen ein Edukt in einer vorhanden ist: Hier wäre der Exponent aus [A] xx = 2, durch
wesentlich höheren Konzentration vorliegt als das andere)- die 2 vor dem N02•

Bei der monomolekularen Reaktion ist die Reaktionsgeschwin- Katalyse


digkeit direkt proportional zur Teilchenkonzentration von A:
v- c(A). Obwohl viele Reaktionen eine negative Gibbs freie Energie
Bei der bimolekularen Reaktion ist sie hingegen proportional zeigen und damit spontan ablaufen sollten, tun sie dies nicht
zu den Konzentrationen beider Ausgangsstoffe: v - c(A) und oder nur sehr langsam. Ursache hierfür ist die hohe Aktivie-
v - c(B). Hieraus folgt, dass v auch proportional dem Produkt rungsenergie, die diese Reaktionen benötigen. Katalysatoren
der Ausgangsstoffe ist: v - c(A) x c(B) . setzen diese herab und beschleunigen damit die Reaktions-
Sind hingegen noch weitere Ausgangsstoffe an einer Reaktion geschwindigkeit Sie selbst werden dabei nicht verändert
beteiligt, so werden sie dem Produkt hinzugefügt:
v - c(A) x c(B) x c(C) x c(D) x c(F) __ _

Reaktionsordnung
Aus der Reaktionsart kann die Reaktionsordnung abgeleitet Zusammenfassung
werden: Je Die Kollisionstheorie beschreibt die Bedingungen,
unter denen es zu einer chemischen Reaktion kommt
Reaktion 1. Ordnung: v = k x [A)
Reaktion 2. Ordnung: v = k x [A) x [B) Je Die Reaktionsgeschwindigkeit = Konzentrations-
Reaktion n. Ordnung: v = k x [A] x [B] x [C] änderung/Zeit.
Je Sie wird durch Temperatur- und Konzentrations-
Die eckigen Klammern drücken die Kon zentration c der änderungen sowie den Verteilungsgrad beeinflusst.
Edukte aus.
Je Aus dem experimentell modifizierten Geschwindig-
Der Proportionalitätsfaktor k (Geschwindigkeitskonstante)
ist eine Stoffkonstante, di e angibt, welcher Anteil an Zusam- keitsgesetz (v = k x [A]• x [B]Y x [C]<) lässt sich die
menstößen zwischen den beteiligten Stoffen erfolgreich ist Reaktionsordnung errechnen, indem man die
und zu einer chemischen Reaktion führt Sie ist abhängig von
Summe der Exponenten bildet
den Eigenschaften der Ausgangsstoffe_
Je Ein Katalysator setzt die Aktivlerungsenergie
herab und beschleunigt somit die Reaktions-
geschwindigkeit.
Chemisches Gleichgewicht I
Umkehrbare Reaktionen 1) Es gilt: aA + bB !::+ cC + dD
(die kleinen Buchstaben geben die Anzahl der einzelnen
Die Reaktionsgleichung A + B !::+ C + D ist uns schon be- Stoffe an)
gegnet Bisher sind wir davon ausgegangen, dass die Reaktion 2) Dabei ist:
nur in eine Richtung (Edukte~ Produkte) abläuft (s. Kap. VHin = kHin X [Aj• X [ß)b und VRück = kRück X [Cj' X [0)d
(in den eckigen Klammern werden die Konzentrationen der
Energetik u. Reaktionskinetik, S. 24 - 29). einzelnen Stoffe aufgeführt)
Es hat sich gezeigt, dass es neben der Hinreaktion (von 3) Im Gleichgewicht sind dann Hin- und Rückreaktion gleich
A + B zu C + D) auch eine Rückreaktion (von C + D nach groß: VHin = VRück
A + B) gibt Das bezeichnet man als reversibeL Prinzipiell ~ kHin X [Aj• X [ß)b = kRück X [C)' X [D)d
gilt dies für alle Reaktionen. Nur laufen bei manchen Reak- kHin - [C)' X [O)d
~-- ~,----;~

tionsgleichungen die Rückreaktion im Vergleich zur Hin- kRück [A)" X [ß)b


4)kH;n/kRück wird durch die Gleichgewichtskonstante K ersetzt
reaktion sehr viel seltener ab, so dass sie zu vernachlässigen '
sie ist dimensionslos:
ist Diese Reaktionen gelten als nur in eine Richtung ablau- - (C]c X (O]d
fend; sie sind irreversibel. K - [A]• X (ß]b
Ein typisches Beispiel für eine solche irreversible Reaktion ist
die Knallgasreaktion zwischen Sauerstoff und Wasserstoff,
bei der Wasserdampf entsteht: Die Konstante ist die Gleichgewichtskonstante K. Sie ist
da sich die Einheiten wegkürzen, dimensionslos. '
Beispiel: Berechnen wir die Gleichgewichtskonstante für die
Reaktion von Jod und Wasserstoff zu Jodwasserstoff
Betrachten wir als weiteres Beispiel die Reaktion zwischen (H2 + 12 !::+ 2Hl).
Jod und Wasserstoff zu Jodwasserstoff: Dazu werden 3,05 moiJod (g) und 7,75 mol Wasserstoff (g)
bei einer Temperatur von 393 oc in einem 25-1-Gefäß mit-
einander in Verbindung gebracht. Hierbei entstehen nach Ein-
stellung des Gleichgewichts 5,86 mol Hl:
Liegen beim Start dieser reversiblen Reaktion die Edukte Jod 1) Die Reaktion lautet:
und Wasserstoff im Überschuss vor, so nimmt im Laufe der Hin: Hz + lz !::+ 2HI
Reaktion die Geschwindigkeit (vHin = k x [Edukte]) der Hin- Rück: 2H I !::+ Hz + 12
reaktion kontinuierlich ab, da die Edukte bei dieser ver- 2) Die Konzentrationen c8 (B für Beginn) sind zu Beginn:
braucht werden. Gleichzeitig entstehen immer mehr Pro- c8(H 2 ): 7,75 mol/ 25 I= 0,3 1 mol/ 1
dukte. Dies führt zu einer Geschwindigkeitszunahme der c8 (Iz): 3,05 mol/25 I = 0,122 mol/1
Rückreaktion (vRück = k x [Produkte]) . Irgendwann stellt sich C8 (H!): 0
dann ein Zustand ein, in dem in gleicher Zeit dieselbe Menge 3) Für die Konzentration Cc1 (GI für Gleichgewicht) von H!
an HI entsteht wie auch wieder zerfällt Dann sind die Ge- nach Einstellung des Gleichgewichts gilt:
schwindigkeiten der Hin- und Rückreaktion gleich groß. cCJf HI ): 5,86 mol/25 I= 0,234 mol/ 1
Nach außen hin sieht es so aus, als würde die Reaktion still- 4) Unbekannt sind di e Konzentrationen von Jod und Wasser-
stehen, weil sich an der Menge der Produkte und Edukte stoff. Diese erhält man, wenn man von der ursprünglichen
nichts mehr ändert Dieser Zustand wird als chemisches Konzentration der Edukte die der Produkte abzieht. Zu be-
Gleichgewicht bezeichnet und durch das Massenwir- denken ist hierbei, dass 2 Mol Hl aus jeweils einem Mol Joct
kungsgesetz beschrieben. und Wasserstoff entstehen. Daher teilen sich beide die
0,234 mol HI, und so ste uern sie jeweils 0,117 mol bei.
Cc1(H2) : 0,31 mol/ 1- 0,1 77 mol/1 = 0,193 mol/ 1
Im chemischen Gleichgewicht einer Reaktion entstehen in dersel- cCJf l2): 0,122 mol/ 1- 0,177 mol/ 1= 0,005 mol/1
ben Zeit gleich viele Edukte wie Produkte. Damit entsprechen sich 5) Eingesetzt ins Massenwirkun gsgesetz lautet dies:
die Geschwindigkeiten der Hin- und Rückreaktion. K_ Cc1(H1 j2 (0,234 mol/ 1)2 _
5
- CcdH2 ) x Cc1(l 2 ) 0,193 mol/ 1x 0,005 mol/ 1 ö, 7
-
6) Ergebnis: Die Gleichgewichtskonstante hat einen Wert
Massenwirkungsgesetz
von 56,7.
Berechnung
Mithilfe des Massenwirkungsgesetzes lässt sich ausdrücken, GIeichgewichtslage
bei welchem Verhältnis von Hin- und Rückreaktion sich ein Anhand dieser Konstante ist eine Aussage über die Gleich-
chemisches Gleichgewicht einstellt. Errechnet wird es folgen- gewichtstage der Rea ktion möglich:
dermaßen:
30 I 31
.- Ist die Gleichgewichtskonstante Druck sich aber nicht wie bei Druck und Tem-
K > 1, so liegt das Gleichgewicht auf- Bei der oben angeführten Knallgasreak- peratur eine neue Gleichgewichtskons·
seiten der Produkte. Dabei gibt die tion entstehen aus drei Teilchen (2 H2 tante K ein, sondern das System ver-
Größe des Wertes an, wie stark die Pro- und I 0 2 ] zwei Teilchen (2 H20). Läuft sucht, das alte Gleichgewicht wieder-
dukte überwiegen. je höher der Wert, die Reaktion in einem geschlossenen herzustellen:
desto mehr Produkt-Teilchen sind vor- Gefäß ab, so zeigen sich nach Erreichen
handen. des Gleichgewichts entweder ein ge- .- Zugabe von A oder B ~ Zunahme
.- Ist die Gleichgewichtskonstante ringeres Volumen bei gleichem Druck, der Produkte C und D
K < 1, so liegt das Gleichgewicht auf- oder ein geringerer Druck bei gleichem .- Zugabe von C oder D ~Zunahme
seiten der Edukte. Dabei gibt die Grö· Volumen (p x V= n x R x T), da nun der Edukte A und B
ße des Wertes an, wie stark die Edukte weniger Teilchen vorhanden sind. Somit .- Entzug von A oder B ~ Nachbil-
überwiegen . Je kleiner sie ist, desto stehen Druck bzw. Volumen und die dung der Edukte A und B
mehr Edukt-Teilchen sind vorhanden. Reaktion miteinander in Verbindung. .- Entzug von C oder D ~Nachbildung
Sie können das Gleichgewicht beeinflus- der Produkte C und D
Einflussgrößen sen. Hierbei gilt:
Ein spezieller Fall sind Reaktionen, in
Da die Geschwindigkeit chemischer Re· denen Gase produziert werden. Sie kön-
aktionenvon den sie umgebenen Bedin- Erh6ht sich der Druck innerhalb eines ge- nen in einem offenen System kontinuier-
gungen abhängt und sich das Massen- schlossenen Systems, so verschiebt sich lich entweichen. Das führt dazu, dass
wirkungsgesetzt von der Geschwindig- das Gleichgewicht auf die Seite geringe-
rer Teilchenanzahl. sich kein Gleichgewicht einstellen kann
keit ableitet, ist auch dieses von und die Reaktion vollständig zur Pro·
denselben Bedingungen abhängig. duktseite verläuft.
Da bei der Knallgasreaktion weniger
Temperatur Teilchen produziert werden, kommt es Prinzip des kleinsten Zwanges
Eine Änderung der Temperatur führt folglich zu einer Verschiebung in Rich· All diese Einflußgrößen werden unter
immer zu einer Verlagerung des Gleich- tung Produkte und damit zu einer Zu- dem Prinzip des kleinsten Zwanges
gewichts auf die eine oder andere Seite. nahme des Wertes der Gleichgewichts- von Le Chätelier zusammengefasst:
Dadurch nimmt die Gleichgewichts- konstanten K.
konstante Keinen anderen Wert an. Auf Reaktionen, in denen es zu keiner Än-
welche Seite sich das Gleichgewicht derung der Teilchenanzahl kommt, wer·
verschiebt, hängt von der Enthalpie der den auch nicht durch Druckveränderun·
Reaktion ab. Es gilt: gen beeinflusst.

Konzentration
Eine Temperaturzunahme begOnstlgt Da in das Massenwirkungsgesetz die Dabei führen Druck und Temperatur-
immerdie Reaktion, in der Temperatur
Konzentrationen von Edukten und Pro- veränderung zur Einstellung eines neu-
verbraucht wird, also die endotherme
Reaktion. dukten einfließen, hat die Veränderung en Gleichgewichts und Konzentrations·
Eine Temperaturabnahme begQnstigt einer Konzentration eine Veränderung veränderungen zur Wiedereinstellung
immer die Reaktion, in der Temperatur der anderen zur Folge. Hierbei stellt des alten.
erzeugt wird, also die exqtherme Reak-
tion.

Im obigen Beispiel ist die Bildung von


Jodwasserstoff exotherm. Bei ei ner Tem· Zusammenfassung
peraturerhöhung würde sich das Gleich· X Edukte und Produkte einer Reaktion stehen miteinander im Gleichgewicht,
gewicht in Richtung Edukte verschie· das sich durch das Massenwirkungsgesetz beschreiben lässt.
ben, was eine Verkleinerung von Kzur
[C]c X (D]d
Folge hätte. X Dieses lautet: K =----
[A]• X (B]b
X Dabei wird die Gleichgewichtskonstante K durch Temperatur und Druck
beeinflusst. Konzentrationsänderungen hingegen führen dazu, dass sich
K erneut einstellt.
X Dies wird im Prinzip des kleinsten Zwanges von Le Chätelier zusammen-
gefasst.
Chemisches Gleichgewicht II
Im letzten Kapitel haben wir homo- chen gehen in Lösung und fall en aus. Bei einer lonenverbindung, die sich
gene Gleichgewichte besprochen. Da aber genauso viele Kochsalzteilchen nach folgender Re aktionsformel löst:
Diese entstehen, wenn die an einer Re- ausfallen wie in Lösung gehen, ändert A. Bb !::+ aAb• + bB•-, ergibt sich ein
sich an der Konzentration in der Lösung Löslichkeitsp rodukt von
aktion beteiligten Stoffe eine Umwand·
KL =[Ab•]• X [B•·]b
Jung erfahren und gänzlich neue Ver· nichts mehr. Die Lösung ist gesättigt.
bindungen entstehen. Um noch mehr NaCl aus dem Boden-
Heterogene Gleichgewichte entste- körper in Lösung zu bringen, muss man Anhand von KList es möglich, Aussagen
hen im Gegensatz dazu, wenn sich ein die Temperatur des Lösungsmittels er- über die Löslichkeit eines Salzes zu tref-
Stoff auf ein oder mehrere Phasen ver- höhen. Dadurch steigt die Konzentra- fen. Es kann berechnet werden, wie viel
teilt und aus diesen Phasen unverändert tion des gelösten Kochsalzes in der mol eines Salzes in einer Flüssigkeit ge-
zurückgewonnen werden kann. Die Flüssigkeit. Kühlt die Lösung wieder ab, löst werden müssen, damit eine gesättig-
Ausgangsstoffe bleiben erhalten. vergrößert sich der Bodenkörper erneut, te Lösung entsteht. Wird dieser Wert
Beispiel: Gibt man Kochsalz in Wasser, so und die Konzentration des gelösten überschritten, fällt ein Bodenkörper aus.
"verschwindet" dieses, es löst sich auf. Kochsalzes verringert sich. Die KL·Werte von Salzen können ebenso
Bleibt die Flüssigkeit aber eine Weile in Es besteht also ein Löslichkeitsgleich- wie die Massenwi rkungskonstante K Ta-
der Sonne stehen, verdunstet das Wasser gewicht zwischen dem Bodenkör- bellen entnommen werden (s. Anhang).
und zu rück bleibtwiederdas Kochsalz. per und dem gelösten Kochsalz, das Hierbei gilt: Je kleiner KList, umso ge-
Eine chemische Reaktion zwischen Was- temperaturabhängig ist. ringer ist die Löslichkeit eines Salzes.
ser und Kochsalz hat im engeren Sinne Grundsätzlich gilt, dass die Löslichkeit
nicht stattgefunden. Trotzdem lassen sich von Feststoffen mit steigender Tempe· Beispiel:
auch hier Gleichgewichte beschreiben. ratur zunimmt. Beschreiben lässt sich .,.. Das Löslichkeitsprodukt von Silber-
das Lösungsgleichgewicht durch das chlorid bei 25 oc beträgt
Massenwirkungsgesetz. Am Beispiel für 2 x J0- 10 moF/1 2 x KL = )Ag+) x )CI-].
Gleichgewichte und Aggregat-
Kochsalz lautet es: .,.. Da aus 1 mol AgC l auch immer 1 m 01
zustand A'f: und 1 mol Cl entstehen, gilt:
Die Gleichgewichte lassen sich abhän- .,.. All gem eine Reaktionsformel für )Ag+)= )Cl-)= )AgCl).
gig vom Aggregatzustand der beteiligten
Salzlösungen : A. Bb !::+ aAb• + bB•- .,.. Daher ist KL = )Ag+) x jCJ-) = )AgC l) 2
[Ab•j• X [ß•·]b
Stoffe besch reiben. Daraus folgt: K = -'---=-=--=-'"=--=- und es folgt
[A. Bb)
.,.. Für Kochsalz: NaCI !::+ Na• + CI-
)AgCl) = KL = 2 x I0- 10 moF/ 12
Fest/ flüssig: Lösungs- [Na•j x (Cl·] = 1,4 x 1o-omolll.
gleichgewicht Daraus folgt: K = [NaCI] .,.. Mithilfe der Molmasse von AgCl
Den Begriff der Löslichkeit haben wir = 143,5 g/ mol ergibt sich, dass in 1 1
bereits im Kapitel Zustände der Materie gesättigter Silberchlorid-Lösung 2 mg
(s. S. I 0/ 11 ) kennengelern t Hier soll Da die Konzentration des Bodenkörpers Silberchlorid gelöst sind
ihr Gleichgewicht genauer betrachtet (ungelöstes Salz) bei gleich bleibender (143,5 g/mol x 1,4 x I0- 6 mol/ 1).
werden. Temperatur konstant ist, kann diese mit
Kochsalz (NaCI) löst sich nur zu einem I mol/1in die Gleichgewichtskonstante Das Löslichkeitsprodukt von Kochsalz
begrenzten Maße in Wasser auf. Wird K mit einbezogen werden. Hieraus er- wäre:
zu viel hineingegeben, bildet sich ein gibt sich dann eine neue Konstante Ku KdKochsalz) = [Na+[ x [Cl-).
Bodenkörper. Es finden weiterhin ehe· die als Löslichkeitsprodukt bezeichnet Anhand dieser Gleichung lässt sich auch
mische Reaktionen statt, Kochsalzteil- wird (Werte: s. Tabellen 11, S. 96). erklären, warum ein Bodenkörper aus

I Abb. I : ln ei ner gesä ttigten Lös ung liegt ein


Gleichgewi cht zwischen dem Bodenkörper und
den ge lös ten Ion en vor. 11)
32 I 33
Kochsalz ausfällt, wenn statt Kochsalz bei der Ether aufgrund seiner geringeren Fl üss ig/gasförmig:
Natriumsulfat (Na 2S04 ) oder Kalzium- Dichte auf dem Wasser schwimmt Man Henry-Dalton-Gesetz
chlorid (CaCl 2 ) zur gesättigten Kochsalz- bezeichnet die oben schwimmende Bei den Feststoffen nimmt die Löslich·
lösung hinzugegeben werden. Durch Flüssigkeit als Oberphase und die un- keit mit steigender Temperatur zu. Bei
die Zugabe von weiteren Ionen erhöht ten schwimmende als Unterphase. Gasen ist es umgekehrt, hier nimmt die
sich jeweils eine der beiden lonenkon- Wird nun ein weiterer Stoff A dem Flüs- Löslichkeit mit steigender Temperatur
zentrationen: bei Natriumsulfat die von sigkeitsgemisch beigefügt, so verteilt ab. Neben der Temperatur hat auch der
Natrium und bei Kalziumchlorid die sich dieser in beiden Phasen. Wie viel Druck Einfluss darauf, wie viel Gas sich
von Chlorid. sich dabei in welcher Phase löst, hängt innerhalb einer Flüssigkeit löst. Diesen
davon ab, ob der Stoff A eher hydrophil Zusammenhang zeigt das Henry-Dal·
(löst sich besser in Wasser) oder lipophil ton-Gesetz. Die Konzentration eines
Das Ulallchkeltaprodukt K.. • [All+]• x (löst sich besser in Ether) ist. Dies lässt Gases ist innerhalb einer Flüssigkeit pro-
(8"")• leitet sich vom Massenwirkungs-
gesetz ab und gibt die Löslichkelt eines
sich mithilfe des Nernst-Verteilungs· portional zum Partialdruck des Gases
Salzes an. Dabei gilt: Je kleiner der Wert gesetzes ermitteln: über der Flüssigkeit:
Ist, umso geringer ist die Löslichkeit.
Verteil ungskoeffizient Kv = lAioberphase lAI = p(A) X KG.
lAiunterphase KGist wieder eine Konstante. Löst man
Flüssig/ flü ss ig: Nernst- nach dieser auf, so ergibt sich:
Verteilungsgleichgewicht Hat der Stoff A den Kv-Wert von 4, so - [A]
KG- p(A).
Auch bei Gemischen von Flüssigkeiten bedeutet dies, dass sich 4 Teile (80%) in
kommt es vor, dass sich diese nicht be- der Oberphase und 1 Teil (20%) in der
liebig miteinander mischen lassen. Unterphase lösen. In dem Fall handelt Damit beschreibt Kc, wie gut sich ein
Es gilt: Gleiches mischt sich nur mit es sich bei A um einen lipophilen Stoff. Gas bei gegebener Temperatur und
Gleichem. So lassen sich polare Stoffe- Wäre der Verteilungskoeffizient von A Druck in einer Flüssigkeit löst. Je größer
also jene, die geladen sind oder Wasser- hingegen Kv = 1A = 0,25, so würden Kc ist, desto besser ist die Löslichkeit
stoffbrücken ausbilden können - nur sich 80% in der hydrophilen Unterphase eines Gases. Beispielsweise löst sich
mit anderen polaren Stoffen mischen. befinden. C02 20-mal besser im Blut als 0 2•
Unpolare Stoffe dagegen verteilen sich
in anderen unpolaren Stoffen - sie
tragen keine Ladung bzw. bilden keine
Wasserstoffbrücken.
Anstatt polar nutzt man auch die Begrif- Zusammen fassung
fe hydrophil/lipophob und für unpo- *C Ein heterogenes Gleichgewic ht liegt vor, wenn sich ein Stoff auf unter-
lar werden hydrophob/lipophil ver-
wendet. schiedliche Phasen verteilt. Bei fest/flüssig wären dies das Salz in Lösung
Beispiel: Wird eine kleine Menge Di- und der Bodenkörper.
ethylether in Wasser gegeben, so löst *C Aus dem Massenwirkungsgesetz leitet sich das Löslichkeits produkt
sich dieses. Fügt man dann jedoch wei-
Kt =[Ab•]• x [B•·]b ab. Mit dessen Hilfe kann berechnet werden, wie viel
teren Ether hinzu, löst sich dieser nicht
mehr. Es bilden sich zwei Phasen, wo- z. B. eines Salzes in einer Flüssigkeit gelöst werden kann, bevor ein Boden-
körper ausfällt.
*C Unter einer gesättigten Lösung versteht man eine Lösung, in der sich ein
Stoff A nicht weiter lösen lässt, ohne dass dieser ausfällt.
*C Stoffe können aufgrund ihrer vorhandenen /nicht vorhandenen Polarität in
hydrophil/hy drophob und lipophob/lip ophil unterteilt werden.
*C Wie hydrophil/hyd rophob ein Stoff ist, lässt sich anhand des Nernst-Ver-
tellungsgese tzes bestimmen :
Verteilungsk oeffizient Kv = [A]oberphaae/[AJunterphoae
Dabei gilt: Je größer Kv, desto hydrophober ist der Stoff A.
*C Das Henry-Dalton -Gesetz Ko = [A]/p(A) beschreibt die Löslichkeit eines
Gases in einer Flüssigkeit in Abhängigkeit vom Partialdruck des Gases über
der Flüssigkeit. Dabei gibt die Konstante KGan, wie gut ein Gas löslich ist.
-
Salzlösungen und Fällungsreaktionen
Salze haben wir an verschiedenen Stellen kennengelernt und
in Teilen besprochen [s. Bindungstypen I, S. 14/ 15, Chemi-
sches Gleichgewicht li, S. 32/ 33) . In diesem Kapitel werden
sie noch einmal als eigenständige Substanzklasse betrachtet.
Salze bestehen aus Ionen. Es gibt Anionen {negativ geladen,
meist Halogene) und Kationen [positiv geladen, meist Metal-
le). Sie werden über die Ionenbindung zusammengehalten
und bilden Salzkristalle. Diese wiederum weisen einen hydratisiertes Katio n hyd ratisiertes Anion
hohen Schmelz- und Siedepunkt auf, hervorgerufen durch I Abb. 2: Hydratisierte Ion en. 121
die hohen intramolekularen Kräfte= Coulomb-Kräfte.

Lösen von Salzen (Dissoziation )


Auch dieser Prozess ist mit einem Energieumsatz, der Hydra-
Gitterenergie tationsenthalpie L1HH, verbunden . Die Dissoziation ist ein
Wenn sich einzelne Ionen im gasförmigen Zustand zu einem exothermer Vorgang, ßHH ist somit immer negativ.
Gitter zusammenlagern, so ist dies ein exothermer Vorgang, Um zu wissen, ob der Lösungsvorgang eines Salzes nun insge-
es wird Energie frei. Diese Energie bezeichnet man als Gitter- samt endo- oder exotherm ist, müssen die Gitterenergie und
energie. die HydrataUonsenthalpie verrechnet werden. Es ergibt sich
Beispiel: Die Gitteren ergie, die bei der Bildung von Natrium- daraus die Lösungsenthalpie = Lösungswärme:
chlorid aus gasförmigen Na+-Ionen und Cl--Ionen beträgt
788 kj/mol. Verdampft man dieses Natriumchlorid wieder, so
wird die gleiche Menge an Energie benötigt, um gasförmige
Ionen zu erhalten {I Abb. 1).
Beispiel KCI CaCI 2

Hydratation und Lös ungsenthalpie Gitterenergie ~ HG (KCI) 711 kJ/mol ~Ho (CaCI 2) 2 198 kJ/mo l
Gibt man Salzkristalle in Wasser, so lösen sie sich auf, das Fest- Hydratations- t.HH(K") - 338,9 kJ/mol ~HH (Ca 2") - 1615 kJ/mol
körpergitterzerfällt in einzelne Ionen. Dieser Prozess wi rd als enthalpie
t.H"(CI·) -351,5 kJ/mol 2 X ~ H " !Cl·) -351 ,5 kJ/mol
Dissoziation bezeichnet. Hierzu muss die Gitterenergie über- - 351,5 kJ/mol
wunden werden (Vorzeichen dreht sich um, siehe Beispiele). Lösungsenthalpie t.H,IKCI) +20, kJ/ mol ~ H , iCaCI , ) - 120 kJ/ mol
Da die Gitterenergie negativ ist (die Bildung eines Kristalls ist
exotherm), handelt es sich beim Auflösen des Festkörper-
gitters immer um einen endothermen Vorgang. Schaut man auf die Beispiele, so zeigen die Ergebnisse, dass
Die Ionen liegen jedoch in wässriger Lösung nicht "nackt" sich beim Lösen von einem Mol Kaliumch lorid die Lösung
vor, sondern werden von einer Hülle aus Wassermolekülen abkühlen und bei Kalziumchlorid erwärmen wird.
umgeben. Diese Hülle wird als Hydrathülle bezeichnet,
und die darin befindlichen Ionen als hydratisiert [I Abb. 2). Löslichkeitsprodu kt
Dabei beträgt die Anzahl häufig 4 oder 6 Wassermoleküle, Das Löslichkeitsprodukt wurde bereits ausführlich auf
wobei kleinere Ionen eine größere Hydrathülle aufweisen als Seite 32/ 33 behandelt. Das Löslichkeitsprodukt
größere. KL = [Ab+]• x (B•-Jbleitet sich vom Massenwirkungsgesetz
Möchte man ein Ion als hydratisiert kennzeichnen, so ver- ab und gibt die Löslichkeit eines Salzes an. Hierbei ist die
sieht man das Elementsymbol mit einem "aq" für aqua. Stö- Löslichkeit umso geringer, je kleinere Werte KLannimmt
chiometrisch werden die Wassermoleküle hingegen nicht (siehe Tabellen II).
angegeben.
Fällungsreak tionen

lt
~ lt ~
Beim Überschreiten des Löslichkeitsproduktes kommt es zum
aa lt
lt
Ausfallen von Salz, da sich dieses nicht mehr lösen kann. Es
lt
lt gibt zwei Wege, eine Fällungsreaktion herbei zuführen:
gasförmig Na+

II> Zugabe des gleichen Salzes


Bildung des Verdampfen des Zugabe von am Salz beteiligten Ionen: Dieses Verh alten
11>
Kristallgitters Kristallgitters
von Salzen wird gezielt ausgenutzt, um nachzu weisen, wel-
LlHG > 0 ß HG< 0
che Ionen in einem Salz vorkommen.

-
I Abb. 1: Bil-

N•CI I dung eines


Natriumch lorid-
Beispiel für einen Ionennachweis: Chiaridionen (Cl-) kön -
fest
krista lls. 1I) nen in ei ner Lösung durch di e Zuga be von Si lbernitrat
34135
(AgN0 3 ) nachgewiesen werden. Hierbei Akku
kommt es dann zu einem Ausfallen von
schwer löslichem Silberchlorid, das sich
I I
p
als dunkler Niederschlag bemerkbar

~
macht. Dabei kennzeichnet man das
ausfallende Salz mit einem nach unten CI 2 -Gas Cu-Metall
gerichteten Pfeil.

Kathode

Andererseits lässt sich natürlich auch


das Vorhandensein von Silberionen ---
durch die Zugabe von Chiaridionen
nachweisen.

Elektrolyse

Man füllt ein Gefäß mit Kupferchiarid


@- ....
(CuCI2 ) und setzt in dieses Elektroden.
Wenn man nun eine Gleichspannung Kupfe r(II)-chlorid- Lösung
anlegt, ist zu beobachten, dass sich an
der einen Elektrode Kupfer abscheidet I Abb. 3: Elek trolyse einer Kup fer(l l)-chlorid-Lösung . [21
und an der anderen Chlor aufsteigt.
Folglich müssen sich die Ionen des ihr Elektron abgeben und somit zu ele- elementarem Kupfer (I Abb_3). Dieser
Salzes in der wässrigen Lösung bewegen mentarem Chlor werden. Die Kupfer- Prozess wird als Elektrolyse bezeich-
können. Sie bilden einen Stromkreis, Kationen hingegen schwimmen zur Ka- net und erzeugt durch die chemische
indem die negativ geladenen Chlorid- thode, nehmen die vom Chlorid abge- Reaktion elektrischen Strom.
Anionen zur Anode schwimmen, dort gebenen Elektronen auf und werden zu

Zusammenfassung
X Unter der Gitterenergie versteht man die Energie, die bei der Bildung
eines Festkörpergitters freigesetzt wird. Die Bildung eines Festkörper-
gitters ist immer ein exothermer Vorgang.
X Beim Aufbrechen eines Festkörperg itters muss die Gitterenergie auf-
gebracht werden . Demnach handelt es sich um einen endothermen Vor-
gang.
X Die Hydratations enthalpie kennzeichnet die Energie, die bei der Umlage-
rung eines Ions mit Wassermolekülen freigesetzt wird. Sie ist stets negativ
und der Vorgang somit exotherm.
X Die Lösungsenth alpie ergibt sich aus der Gitterenergie und der Hydra-
tisationsenthalpie: t.HL = t.HG + :E t.HH. Ist diese negativ, so erwärmt sich
die Flüssigkeit beim Lösen eines Salzes. Ist sie positiv, so kühlt sich die
Lösung ab.
x Das Löslichkeits produkt KL =[Ab+]• x [B•-]b beschreibt die Löslichkeit
eines Salzes. Je kleiner das Löslichkeitsprodukt, umso weniger Salz lässt
sich lösen.
x in der Elektrolyse wandern die Kationen zur Kathode und die Anionen zur
Anode. Durch die dort stattfindenden Reaktionen wird elektrische Energie
freigesetzt.
-
Säuren und Basen I
Definitionen In den Reaktionen stehen die Produkte mit den Edukten in
einem chemischen Gleichgewicht, dem Proteolysegleich-
Die erste Definition zum Begriff der Säure stammt von Lavoi- gewicht oder Dissoziationsgleichgewicht
sier aus dem Jahr 1775. Er beobachtete, dass bei der Ver· Die Teilchen, die durch den Protonen übergang miteinander
brennung von Holz ein Gas entsteht, das mit Wasser eine sau· verknüpft sind , werden als konjugierte Säure/Base-Paare
re Lösung bildet, und schloss daraus, dass Säuren Sauerstoff bezeichnet (H: Wasserstoff, A: Säure, B: Base):
enthalten und durch eine Reaktion von Nichtmetalloxiden
mit Wasser entstehen: C02 + H20 ~ H2C0 3 (Kohlensäure). Jlll- Dissoziationsgleichgewicht für Säuren mit Wasser:
Die nächste Definition verfasste justus von Liebig 1838. ~ HA + H20 !::+ H30 • + A

Er nahm an, dass Säuren Wasserstoff enthalten und dieser in ~Konjugierte Säure/Base-Paare: HA / A und H20 / H30 •
Reaktionen durch Metalle ersetzt wird: Jlll- Dissoziationsgleichgewicht für Basen mit Wasser:

2 HCl + Ca ~ CaC1 + H t . ~ ß + H20 !:+ BH • + OH


2 2
1887 erweiterte Arrhenius diese Definition: Bei Säuren han- ~Konjugierte Säure/ Base-Paare: B/ BH• und H20 / 0 H
delt es sich um Stoffe, die beim Lösen in Wasser Wasserstoff· Jlll- Dissoziationsgleichg ewicht für Säuren und Basen
Ionen (Protonen= W) abspal ten, während Basen Hydroxid· allgemein:
ionen (OH-) abspalten: ~ HA + B !::+ BH • + A
~Konjugierte Säure/Base-Paare: HA/ A und ß/ BH•
HCI !::; H'aq + CJ·aq (Salzsäure)
NaOH ~ Na\ q+ OH ·.q (Natronlauge) Das Wasser kann sowohl als Säure als auch als Base reagieren.
Es ist ein Ampholyt. Wie es reagiert, hängt von seiner Proto-
Brönstedt-Definitio n nendonatorstärke und der des Reaktionspartners ab. Ist die
Brönstedt beobachtete, dass auch bei vielen anderen Stoffen des Wassers größer, so gibt es sein Proton ab und reagiert als
saure/basische Lösungen entstanden, obwohl diese Stoffe Säure. Ist sie schwäc her, reagiert Wasser als Base.
nach Arrhenius keine Säuren/ Basen waren (Säuren rot, Ein weiteres Ampholyt ist HS04- . Es kann zum einen die kor-
Basen grün ): NH 3 + H20 !::+ NH/ + OH respondierende Base zur Schwefelsäure H2S04 sein, oder aber
Ammoniak reagiert hier mit Wasser zu einer alkalischen Lö- die korrespondierende Säure zu Base SO~- - Dieses amphotere
sung, indem es ein Proton vom Wasser aufnimmt. Es entste- Verhalten trifft für alle mehrprotonigen Säuren zu.
hen dabei ein Ammonium-Kation und ein Hydroxid-Anion. Beispiele (blau = Ampholyte):
Daher erweiterte Brönstedt die bisher bestehende Definition
erneut, indem er das Lösungsmittel (meist Wasser) mit einbe- H2 S04 , HS04 - , SOi - I I H2 C0 3 , HC0 3- , CO/ I I
Jlll-

zog: H2S, HS , sz- I I H3 P0 4 , H2P0 4 , HPOi , PO}

Lewis-Definition
Lewis hat die Definition von Brönstedt so erweitert, dass sie
unabhängig vom H+·lon ist. Nach ihm sind:

Jlll- Säuren Teilchen, die in ihrer äußeren Schale eine Elektro-


nenlücke aufweisen
Jlll- Basen Teilchen, die über ein freies Elektronenpaar zur

Zurück zum Beispiel: Demnach handelt es sich beim Ammo- Ausbildung einer Atombindung verfügen.
niak um eine Base und beim Wasser um eine Säure.
Betrachten wir noch einmal die Dissoziation von HCl: hier ist Protolysegleichg ewichte I
zwar HCI als Protonendonator vorhanden, aber ein Protonen-
akzeptor fehlt. Da H+·Teilchen jedoch nicht ungebunden Autoprotolyse des Wassers
vorkommen, müssen sie an Wassermoleküle binden. Folglich Wasser kann sowohl als Säure als auch als Base reagieren.
sind diese die Protonenakzeptoren: HCl + H20 ~ H30 • + Cl- Diese Reaktion kann auch zwischen 2 Wassermolekülen statt-
Hierbei reagiert das Wassermolekül als Base, indem es das finden und wird als Autoprotolyse des Wassers bezeich-
Proton aufnimmt und zu einem Hydroniumion (H 3 0 •) net:
wird. Der Begriff "Säure/ Base" kennzeichnet also nicht einen
Stoff, sondern seine Funktion in der jeweiligen Reaktion.
Diese kann je nach Reaktionspartner verschieden sein. Was-
ser kann also einmal Base und einmal Säure sein, es ist ei n Eingesetzt ins Massenwirkun gsgesetz ergibt sich bei 25 °C:
Ampholyt. K = JH JO+J X JOH-l = 3 3 X 1Q - 18
JH 20 J2 '
36 I 37
Bei der Reaktion liegt das Gleichgewicht fast vollständig auf
pH-Wert [H,O' ) in molfl [OH·] in mol/1 Bezeichnung
der linken Seite bei HP . Die Konzentration von H20 kann
somit als konstant angesehen werden und in die Berechnung 0-7 10°-10 "7 J0 · "- 10 "' sauer
der Gleichgewichtskonstante K mit einbezogen werden. Es 7 10· ' J0 -7 neutral
ergibt sich die neue Konstante Kw, das Ionenprodukt des 7- 14 JO ·' - JO · " J0 -7- JQO basisch
Wassers:
I Tab . 1: Einteilung des pH-Wertes

.,.. Kw= K x [H 20]2 = 3,3 x 10- 18 x ( 1000 g/18 g/mol)2 =


3,3 x 10- 18 x (55,55 mol/1)2 = 10- 14 moF/F
.,.. Kw = (H 30 +) x (OH-) = t0 - 14 moF/F

Da HP+und OH- immer zu gleichen Teilen entstehen, gilt: Messung von pH-Werten
[H 30 +J = [OH-J = Vi<;= 10- 7 mol/ 1 pH-Werte lassen sich mittels zweier Methoden bestimmen:

pH-Wert .,.. pH-Meter: Das pH-Meter nutzt eine entstehende Poten-


Für wässrige Lösungen, in denen verschiedene Ionen gelöst zialdifferenz zwischen einer Glaselektrode und der zu mes-
sind (wie Salzlösungen, saure/ basische Lösungen), gilt eben· senden Lösung aus, um hieraus den pH-Wert zu berechnen.
falls das Ionenprodukt des Wassers. Daher ist es möglich, .,.. Indikatoren: Indikatoren sind Substanzen, die je nach pH-
wenn die Konzentration von H30 +bekannt ist, auf die OH- Wert der Lösung, in der sie sich befinden, eine unterschied-
Konzentration zu schließen und umgekehrt von OH- auf liche Farbe zeigen. So ist beispielsweise Lackmus rot, wenn
H30 +. sich dieser in saurer Lösung befindet und blau bei alkalischer/
Beispiel.· Eine 1·millimolare (1 0- 3 molare) Salzsäurelösung basischer Lösung. Ist die Lösung neutral, so bildet sich eine
hat, da sie nahezu vollständig dissoziiert, eine H3Q+.Konzent· Mischfarbe zwischen Rot und Blau aus.
ration von 10- 3 mol/ 1. Daraus ergibt sich für die OW-Kon-
zentration: [OH-J = Kw! JH 30 +J = 1Q - 14/ 1Q - 3 = 10 - 11 mol/1.
Da diese Berechnungen mit Potenzen kompliziert und un-
übersichtlich sind, wurde der pH-Wert defi niert: Er ist der
negative dekadische Logarithmus der Hydronium- Zusammenfassung
ionen-Konzentr ation (Hp+). Entsprechend ist der
X Nach Brönstedt sind Säuren Protonendonato ren
pOH-Wert der negative dekadische Logarithmus der
Hydroxidionen -Konzentration (0 H-). und Basen Protonenakzept oren.
X Innerhalb einer chemischen Reaktion von Säuren/
Basen bildet sich ein Dissoziationsgl eichgewicht
aus, indem konjugierte Säure/Base-Paa re miteinan-
der in Verbindung stehen.
X Unter einem Ampholyt versteht man einen Stoff, der
Hierdurch wird das Rechnen wesentlich einfacher. Für unser
sowohl als Säure als auch als Base reagieren kann.
obiges Beispiel mit der 1-millimolaren Salzsäurelösung wäre
dies nun: Beispiele: Wasser, Anionen mehrprotoniger Säuren.
pH = - lg [1 0- 3J = 3 X Nach Lewis zeigen Säuren eine Elektronenlücke in
pOH = 14 - pH = 14 - 3 = 11
ihrer Valenzschale, und Basen verfügen über ein frei-
Je höher der Wert, desto kleiner ist die Konzentration
(I 0- 1> 1o-s). Im Beispiel ist der pOH-Wert größer als der es Elektronenpaar.
pH-Wert, fol glich ist die Konzentration an Hydroxidionen X Der pH-Wert leitet sich vom Autoprotolyse-G leich-
(OH-) geringer als die der Hydroniumionen (H 30 +). Die Lö- gewicht des Wassers her und ist definiert als der
sung ist sauer. Liegen mehr Hydroxidionen als Hydronium-
negative dekadische Logarithmus der Hydronium-
ionen vor, ist die Lösu ng basisc h. Dem nach gilt: Je saurer eine
Lösung ist, umso kleiner ist der pH-Wert und umso größer die ionen-Konzentr ation: pH =-lg [H 30 +].
Hydroniumionen-Konzentration. X Hieraus ergibt sich: pH = 14 - pOH. Dabei ist eine
Der pH-Wert hat eine Skala von 0 bis 14 {I Tab. 1).
Lösung sauer, wenn ihr pH < 7 ist, neutral bei pH =7
und basisch bei pH > 7.
X Zur pH-Wert-Messu ng kann man entweder einen
pH-Meter oder Indikatoren verwenden.
Säuren und Basen II
Protolysegle ichgewichte II Beispiel: Da meist nur wenig Säure/ Base dissozi-
11- HCN + H20 =+ CN + H30 • pK 5 = 9,4 iert, wird für [HAI und [B) die Ausgangs-
Stärke von Säuren und Basen .,. CN + H20 =+ HCN + OH pK 8 = 4,6 konzentration angenommen.
Die Stärke einer Säure hängt von ihrer
Fähigkeit ab, in H30 +-lonen zu dissoziie- Beispiele:
ren. Dieser Dissoziationsgrad bestimmt Es gilt je stärker eine Säure, desto ..,. 0,5 molare Essigsäure pK 5 = 4,76;
somit, wie "sauer" eine Säure ist Bei schwächer ist ihre konjugierte Base, pH = 112 (4,76 - ig0,5)
bzw. je schwächer eine Säure, desto
Basen ist es die Fähigkeit, in OH--lonen stärker ist ihre konjugierte Base.
= 1/2 (4,76 + 0, 3) = 2,5
zu zerfallen_ ..,. 0,02 molare Ammoniak-Lösung
Dieser Sachverhalt lässt sich durch das pK5 = 9,2, pKB= 14 - 9,2 = 4,8;
Massenwirkungsgesetz beschreiben: pH -Wert-Berechn ung pOH = l/2 (4,8 - lg0,02) = 3,25
Starke Säuren und Basen pH = 14 - pOH = 14 - 3,25 = 10,75
II- Säure: HA + H20 =+ H30 ++ k . Da starke Säuren/ Basen nahezu voll-
.. K [H30 +] X [A-) ständig dissoziieren, lässt sich ihr pH- Pufferlösunge n
Daraus folgt für = [HA] x [H20 ) Wert sehr einfach errechnen. Er wird
II- Base: Fl + H20 =+ BH+ + OH-. durch die Ausgangkonzentration der Unter Pufferlösungen versteht man Lö-
.. [BH+] X [OH I Säure/ Base bestimmt: sungen, deren pH-Wert sich bei Zugabe
Daraus folgt fur K= [B] x [HzO] ..,. für Säuren: pH =-lg(H3 0+J ~on Base ~ oder Säuren nur geringfügig
..,. für Basen: pH = 14- pOH andert. S1e bestehen aus einer schwa-
Da die Reaktion in wässriger Lösung = 14- (OH-J chen Säure und dem Salz ihrer kon-
stattfindet und Wasser somit im Über- Beispiele: jugierten Base bzw. einer schwachen
schuss vorhanden ist, wird die Wasser- ..,. 0, I molare Salzsäure: Base und dem Salz ihrer konjugier-
konzentration als konstant angesehen 0,1 mol/ 1 [H 30 +] ~ pH = - lg[O, I] = I ten Säure.
und in die Konstante mit einbezogen: ..,. 0,5 molare Salzsäure:
die Konstanten Ks und ~bezeichnet 0,5 mol/ 1 [H 30 +] ~ pH = -lg[0,5] = 0,3 Beispiel:
man als Säure- und Basenkonstante: ..,. I mikromolare Salzsäure: II- 0,2 M Acetatpuffer: 0,1 M Natrium-
I 0- 6 mol/1 [H 30 +] ~ pH = - lg[ I 0-6 ] = 6 acetat (CH 3 C00Na) + 0,1 M Essigsäure
111>- Ks = [H3 0 •j x [A-JI[HA] II- 1 molare Natronlauge (NaOH) : (CH 3COOH)
111>- K8 = [BW] x [OH-]/[ B] 1 mol/1[OH-] ~ pH = 14 - -lg[l] = 14 ..,. I M Ammoniakpuffer: 0,5 M Ammo-
II- 0,5 molare Natronlauge (NaOH): niumchlorid (NH 4Cl) + 0,5 M Ammo-
Hat eine Säure einen großen Ks-Wert, 0,5 mol/1[OH-] ~ pH = 14 --lg[0,5] niak (NH3)
so liegt sie nahezu vollständig dissozi- = 13,7 ..,. 0,5 M Phosphatpuffer: 0,25 M
iert vor. Damit entstehen aus den ur- Kaliumdihydrogenphosphat (K H2 P0 4 ) -+-
sprünglichen Säure-Teilchen nahezu Schwache Säuren und Basen 0,25 M Natriumhydrogenphosphat
100% Hydroniumionen. Die Säure gilt Der pH-Wert einer schwachen Säure/ (Na 2 HP0 4)
als stark. Base ist etwas schwieriger zu errech-
Hat eine Säure einen kleinen Ks-Wert, nen, da diese nicht vollständig bzw. nur Dabei fängt die Säure zugefügte OH-ro.
so dissoziiert sie nur unvollständig, gering dissoziieren. Der undissoziierte nen, die Base zugefügte H30 +-lonen ab
und die Hydroniumionenkonzentration Anteil überwiegt im Gleichgewicht. wodurch der pH-Wert der Lösung stabil
ist kleiner als die ursprüngliche Säure- Daher bedarf es einer weiteren Umfor- bleibt.
konzentration. Diese Säure gilt als mung der Säure/ Basen-Konstanten. Da
schwach. bei der Dissoziation immer gleichviel A- Puffer-Gleichu ng
Um auch hier handlichere Werte zu er- wie H30 +entsteht, können sie gleichge- Um den pH-Wert eines Puffers errech-
halten, kann auch aus dem K5- und K8- setzt werden. Ebenso BH+ und OH-: nen zu können, müssen wir wieder
Wert der negative dekadische Logarith- vom Protolysegleichgewicht ausgehen:
mus gebildet werden: .... Ks = [H30 +)2/[HAJ und - [H30 '] X lA I d
Ks- [HA[ un
pK 5 = -lgK5 und pK 8 = - lgKs K8 = [OH ]2/ [B]
Hierbei gilt: je größer der pKs·Wert II- [H30 +]2 = K5 x [HA] und K8 = IBH+J x lOH ]/[ BJ
bzw. der pK8-Wert, desto schwächer [OH-]2 = K8 x [B] Aufgelöst nach [H30 •[ bzw. lOH I ergibt
ist die Säure bzw. Base (Werte: siehe ..,. [H30 +] = Y K5 x [HA] und [OH ] sich:
K8 x [B] K x [HAJ
Tabellen III). [H3O•[ = ·5 [A [ und
Zusätzlich besteht ein Zusammenhang II- pH =1/2 (pKs- lg(HA)) und
zwischen dem pK 5-Wert einer Säure und pOH = t 12 (pl<s -lg[B)). [OH [ = Kn x [B]II BH •j
dem pK 8-Wert ihrer konjugierten Base: Nach Bildung des negativen dekadi·
sehen Logarithmus ergibt sich die
pK5 + pK 8 = 14
38 I 39
Henderson-Hasselbalch-Gieichung re umgewandelt. Auch hier ändert sich Daraus ergibt sich für den pH-Wert:
=Puffer-Gleichung: der pH-Wert, wenn die konjugierte Base pH = 14 - pOH = 14 - (4,8 + lg 1,210,8)
verbraucht ist und weiter H30 +-Ionen = 9,0
H = pK 5 + lg [konjugierte Base] zugefügt werden:
p [Säure ]
.,. CH3COOH + OH- :::; CH3COO- + pH-Werte von Salzlösungen
OH = pK 8 + lg [konj ugierte Säure ]
p [Base] H20
... CH3 COO + H30 + :::; CH 3COOH + Beim Lösen von Salzen in Wasser ent-
H20 stehen Ionen. Dieser Vorgang wird als
Da sowohl die Säure als auch die Base Hydrolyse bezeichnet. Die Lösungen
nur wenig dissoziieren, kann ihre Kon· Je mehr ursprünglich von der schwa- von Salzen können neutral, sauer oder
zentrationder Anfangskonzentration chen Säure/ konjugierten Base vorhan- basisch sein. Was davon eintritt, hängt
gleichgesetzt werden. Das Salz hinge- den war, umso mehr kann auch abge- von den Bestandteilen des Salzes ab:
gen dissoziiert vollständig, so dass die fangen werden. .,. Ein Salz bestehend aus einer starken
Konzentration der konjugierten Säure/ Die größte Pufferkapazität haben Puffer- Säure und einer starken Base reagiert
Base der Salzkonzentration gleichge- lösungen, wenn ihr pH-Wert gleich dem neutral:
setzt wird. Die pH-Werte der obigen pK5-Wert ist, da an diesem Punkt äqui- NaCl (Kochsalz: HCl & NaOH ), Na 2S04
Beispiele wären dann: molare (gleichen) Mengen an Säure/ (Natriumsulfat: NaOH & H2S04)
.,. 0,2 M Acetatpuffer: Base und konjugierter Base/ Säure vor- .,. Ein Salz bestehend aus einer schwa-
0,1 M Natriumacetat (CH3 COO Na) liegen. chen Säure und einer schwachen
+0,1 M Essigsäure (CH3COOH ) Base reagiert neutral:
Essigsäure pK5 = 4,76 Rechnen mit Puffern NH 4HC03 (Ammoniumhydrogencarbo-
pH = pK5 + lg !konj ugierte Base]/ Gibt man 0,2 M Salzsäure in Wasser, so nat: NH 3 & H2 C03 )
!Säure] sinkt der pH-Wert von 7 auf 0,7 ab: .,. Ein Salz bestehend aus einer starken
pH = 4,76 + lg0, 1/ 0,1 pH = -lgjH 30 +j = -lg0,2 = 0,7 Säure und einer schwachen Base
= 4,76 + 1g 1 = 4,76 Gibt man hingegen 0,2 m Salzsäure in reagiert sauer:
.,. 1 M Ammoniakpuffer: 2 M Ammoniakpuffer (1 M Ammoni- NH 4Cl (Ammoniumchlorid: NH 3 & HCl )
0,5 M Ammoniumchlorid (NH 4 CI) + umchlorid (NH 4 Cl) + 1 M Ammoniak ..,.. Ein Salz bestehend aus einer
0,5 M Ammoniak (NH 3 ), pK 8 = 4,8 (NH 3 )), so sinkt der pH von 9,2 auf 9,0: schwachen Säure und einer starken
pOH = pK 8 + lg !konjugierte Säure j/ NH 3 + H30 + =+ NH 4 + + H20 Base reagiert basisch:
!Base] Daraus folgt: INH 3] sinkt um 0,2 mol/1 Na 2 C0 3 (Natriumcarbonat: NaOH &
pOH = 4,8 + lg 0,5/ 0,5 = 4,8 auf 0,8 mol/1 und JNH/ ] steigt um H2C03 ), CH 3COONa (Natriumacetat:
pH = 14 - pOH = 14- 4,8 = 9,2 0,2 mol/ 1auf 1,2 mol/1 NaOH & CH 3COOH)

Sofern die Konzentrationen von Salz


und Säure/ Base einander entsprechen,
ist der pH-Wert gleich dem pK 5-Wert, da Zusammenfassung
lg1 = 0 ist, dann gilt pH = pKs + 0. X Die Säure/Basen-Konstante (K5/K 8-Wert) gibt die Stärke einer Säure
Erst wenn Salz und Säure in unter-
bzw. Base wieder. Dabei gilt, je größer K5 bzw. K8 ist, desto stärker ist die
schiedlichen Konzentrationen vorliegen,
verändert sich der pH-Wert. Säure/ Base.
X Der pK 5 /pK 8-Wert ist der negative dekadische Logarithmus des K5 /K 8-
Pufferkapazität Wertes. Für ihn gilt: je größer der pK 5 /pK 8-Wert, desto schwächer ist eine
Die Pufferkapazität gibt an, wie viel
Säure/Base.
ein Puffer an Säure/Base "abfangen"
kann, ohne dass sich der pH-Wert än- X Zwischen dem pK 5 /pK 8-Wert eines konjugierenden Säure/Base-Paares
dert. Dabei hängt sie von der Konzen- besteht folgender Zusammenhang: pK5 + pK 8 = 14.
tration der Pufferlösung ab. Der Puf-
X Der pH-Wert starker Säuren/Basen errechnet sich aus der Ausgangs-
fer ist so lange wirksam, bis die gesamte
schwache Säure durch die Zugabe einer konzentration der Säure/Base, da diese vollständig dissoziieren.
Base (OH-) zur konjugierten Base ge- X Der pH-Wert schwacher Säuren/Basen errechnet sich nach:
worden ist. Weitere OH--lonen können pH = 1/2 (pK8 - lg[HA]) und pOH = 1/2 (pK8 - lg[B]).
dann nicht mehr abgepuffert werden,
und die Lösung wird basisch (der pH- X Den pH-Wert einer Pufferlösung errechnet man mittels der Henderson-
Wert verände rt sich). Oder aber die kon- Hasselbalch-Gielchung: pH = pK 5 + lg [konjugierte Base]/[Säure]
jugierte Base wird durch die Zugabe X Unter Neutralisation versteht man die Reaktion von H30 • mit OH- zu 2 H20 .
einer Säure [H 30 +) zur schwachen Säu-
Oxidation und Reduktion I
Redoxreaktionen .,.. Eisen rostet: hängt von seinen Verbindungspartnern
4 Fe ---+ 4 Fe 3++ 12 e- ab.
Elektronenübertragung 3 0 2 + 12 e- ---+ 6 oz- Organische Kohlenwasserstoffe: Auch
Redoxreaktionen bestehen aus zwei 4 Fe + 3 0 2 ---+ 2 Fe 2 0 3 hierbei erhält H die OZ +I, da es sein
Teilreaktionen: .,.. Eisengewinn ung: Elektron innerhalb einer gemeinsamen
.,.. einer Oxidation, in der ein Stoff 2 Fe 3 +6 e- ---+ 2 Fe Atombindung abgibt und 0 - li, da es
Elektronen abgibt, und 3 co ---+ 3 C02 + 6 e- beide Elektronen aus einer Atombin-
.,.. einer Reduktion, in der ein Stoff die 2 Fe 20 3 + 3 CO ---+ 2 Fe + 3 C0 2 dung an sich zieht. Die Atombindung
abgegebenen Elektronen aufnimmt. zwischen zwei C-Atomen wird hinge-
Welche Funktion ein Stoff annimmt, gen I: I aufgeteilt:
Daher wird der eine Stoff auch Elektro- hängt von seinem Reaktionspartner ab. ~ CI:3xffi+ l xü=+ lll
nendonator (rot) und der andere Elek- Die Elektronen fließen immer vom Stoff = drei zusätzliche Elektronen = - III
tronenakzeptor (grün) genannt. mit der höheren zum Stoff mit der nied- ~ C2 : 2 X<±>+ I X 0- l X 8 =+I
.,.. 2 Hg ---+ 2 Hg2+ + 4 e- Oxidation/ rigeren Elektronendonatorstärke. = ein zusätzliches Elektron = -I
Elektronendonator
.,.. 0 2 + 4 e- ---+ 2 0 2- Reduktion/ +1 +I
Oxidationszahlen H H
Elektronenakzeptor Wasserstoff reagiert in der Knallgas-
.,.. 2 Hg + 0 2 ---+ 2 HgO Redoxreaktion reaktion mit Sauerstoff zu Wasser:
+I <f>( .- jEB
Elektronen kommen nicht frei ohne 2 H2 + 0 2 ---+ 2 HzO
:0
H ·. - c_-111o- :. -o c_,~.- : 8
o- H
Atome bzw. Stoff vor. Sie müssen bei Auch bei dieser Reaktion handelt es sich ~. --I . .. -10
....
den Reaktionen von einem Stoff abgege- um eine Redoxreaktion, obwohl eigent- H H
ben und von einem anderen aufgenom- lich gar keine Elektronen übertragen +I +I
men werden. Gibt nun ein Elektronen- werden. Hier liegt schließlich eine
donator ein Elektron an einen anderen Atom- und keine Ionenbindung vor. Redoxgleichungen
Stoff ab, so induziert er eine Reduktion Dennoch ist es möglich, die Reaktion in Vorgehen
(Elektronenaufnahme) bei dem Stoff. Oxidation und Reduktion zu zerlegen. .,.. I. Ermittlung der Oxidationszahl
Der Elektronendonator wird daher auch Die ",onen" erhalten dabei eine formale aller beteiligten Atome. Daraus ergibt
als Reduktionsmittel bezeichnet. Ladung, die Oxidationszahl, Wertig- sich die übertragene Elektronenanzahl
Umgekehrt induziert ein Elektronen- keit oder Oxidationsstufe. Geschrie- Das Teilchen, bei dem sich die Oxida- ·
akzeptor eine Oxidation (Elektronen- ben wird sie als römische Ziffer mit vo- tionszahl erhöht, wurde oxidiert, und
abgabe) bei dem anderen Stoff und wird rangestellter Ladung über das Element- das Teilchen, wo sich die Oxidations-
somit Oxidationsmittel genannt. symbol. Gleichzeitig verwendet man sie zahl erniedrigt, wurde reduziert.
Die Summe der abgegebenen Elektro- auch für+Idie tatsächliche
..-11 -1
Ladung
-dll -· II
von .,.. 2. Aufstellen der Teilreaktionen.
nen entspricht immer der Summe der Ionen (Na+, Mg 2+, CJ-, Fe 3+, S2- ). Auch Gegebenenfalls müssen die Bestandteile
aufgenommenen Elektronen. Moleküle
000000
und Atome von0 Elementen der Lösung (H 20, H+, OH-) miteinbe-
(Na, K, Mg, Al, 0 2 , H2 , Cl 2 ) haben eine zogen werden.
OxidationszahL
0 ;[
Sie hat den Wert Null. .,.. 3 . Anpassen der Reaktionen aneinan-
.,.. 2 H2 ---+ 4 H++ 4 e- der, damit die abgegebenen Elektronen
o II
.... Oa+ 4 e- ---+ 2 oz- den aufgenommenen entsprechen .
... 2 H2 + 0 2 ---+ 2 H2 0 .,.. 4. Zusammenfassen zu einer Ge-
samtreaktion.
Sauerstoff erhält in der Regel die Oxi- Beispiel 1
Oxidation und Reduktion treten nie al-
lein, sondern immer in Kombination auf. dationszahl-liund Wasserstoff +1. Natrium reagiert mit Kupfersulfatlösung
Dabei gibt es ähnlich wie bei den Säuren/ Die Oxidationszahl eines Elementes zu elementarem Kupfer und Natrium-
einer komplexeren Verbindung ergibt sulfat:
Basen konjugierte Redoxpaare:
sich aus der Summe der restlichen Oxi- .,.. 1. Oxidationszahlen:
.,.. Hg/Hg2+: Hg2+ist das konjugierte Oxi- 0 +ll tV! JJ 0 .. 1 ·VI IJ
dationszahlen. Zusammen müssen sie Na, CuS04 , Cu, Na 2S04
dationsmittel zum Reduktionsmittel Hg.
Null bzw. die Ladung des Moleküls .,.. 2. Teilreaktionen:
.... 0 / 0 z-: 0 2- ist das konjugierte Re-
ergeben: Oxidation: Na ---+ Na++ e- ;
duktionsmittelmittel zum Oxidations- - JI! d ~1
•H - 1! .,.JV-- 11 1! -tl! - J
NH 3 , CO, C02 , H2S, MgC1 2 ,
Reduktion: Cu2++ 2 e- ---+ Cu
mittel 0 2• ~w
II +V - II -!V. I +I1V - 1l +VI 11
N0 2- , N0 3- , CH 4 , HPOf, SOf , .,.. 3. Anpassen: Die Oxidation muss Init
Wie bei den Säuren/Basen kennzeich- -+Vl l l! 2 multipliziert werden, damit sich die Elek_
MnO~.
net Oxidationsmittel/Reduktionsmittel tronen ausgleichen: 2 Na ---+ 2 Na++ 2 e-
keinen Stoff, sondern eine Funktion; Es zeigt sich, dass ein Element ver- .,. 4. Gesamtreaktion:
z. B. kann Eisen einmal Oxidations- und schiedene Oxidationszahlen (OZ) an- 2 Na + CuS0 4 ---+ Cu + Na 2S04
einmal Reduktionsmittel sein: nehmen kann. Welche es annimmt,
40 141
0 'I 0 ->-II
Beispiel2 sache unterschieden: Die häufigsten sind .,.. 1. Fe, H+, H2 , Fe 2+
Bei der Ansäuerung einer Kalium- die Sauerstoffkorrosion, Wasserstoff- .,.. 2. Oxidation: Fe --+ Fe 2++ 2 e-
permanganatlösung mit Salzsäure ent- korrosion =Säurekorrosion und die Reduktion: 2 H30 ' + 2 e- --+ Hz + 2 HzO
stehen Chlorgas und Manganionen: Kontaktkorrosion. Bei allen handelt es .,.. 3. Gesamtreaktion: Fe + 2 H30 +--+
.,.. 1. Oxidationszahlen:
t l + VII - II
sich um Redoxreaktionen. Fe 2++ Hz + 2 HzO
KMn0
I! - 1
4 --+ K+ + Mn0 -,
dl 4 ()
HCI-+ H+ +Cl-, Mn 2+, Cl 2 Sauerstoffkorrosion Ein Goldnagel würde sich hingegen nicht
.,.. 2. Teilreaktionen: Lässt man Eisen im Freien liegen, so auflösen, da sein Bestreben, Elektronen
Oxidation: 2 CJ- --+ Cl2 + 2 e- ; rostet dieses durch den Sauerstoff und abzugeben, geringer ist als das des Was-
Reduktion: Mn0 4- + 5 e- + 8 H30 +--+ die Luftfeuchtigkeit. Es entsteht dabei serstoffs. Eisen dagegen hat ein höheres
Mn 2+ + 12 H20 aus elementarem Eisen über Eisen(II)- Bestreben als Wasserstoff, Elektronen
.,.. 3. Anpassen: Die Oxidation muss hydroxid und Eisen(III)hydroxid das abzugeben. Anhand ihres Bestrebens,
mit 5 und die Reduktion mit 2 multipli- Eisen(III)hydroxidoxid (2Fe0(0Hlz) = Elektronen abzugeben, lassen sich die
ziert werden: 10 CJ- --+ 5 Clz + 10 e-; Rost und aus dem Sauerstoff über Metalle in einer Redoxreihe aufstellen:
Reduktion: 2 Mn0 4- + 1Oe- + 16 H30 + Hydroxidionen Wasser. Folglich laufen .,.. Li> K > Ca > Na > Mg> Al >Zn>
--+ 2 Mn 2++ 24 H20 zwei Redoxreaktionen ab: Fe > Pb > H > Cu > Ag > Hg > Au
.,.. 4. Gesamtreaktion: 10 CJ- + 2 (Oxidationsneigung fällt von links nach
Mn0 4- + 16 H30 +--+5 Cl2 + 2 Mn 2+ + Reaktion I + l! 11 rechts, Gold kann am schwersten oxi-
0 0 ;l
24 H20 .,.. l. Fe, 0 2, Fe(OHlz diert werden = Elektronen abgeben)
Beispiel3 .,.. 2. Oxidation: Fe --+ Fe 2+ + 2 e- .,.. LiZ+< K+< Ca2+< Na+< Mg2+< AJ 3+<
Kaliumpermanganat reagiert in Gegen- Reduktion: Oz + 2 H20 + 4 e- --+ 4 OH- Zn 2+< Fez+< Pb 2+< H+< Cu 2+< Ag+<
wart von schwefelsaurer wässriger Lö- .,.. 3. Die Oxidation muss zum Ausgleich Hg2+< Au 3+ (Reduktionsneigung fällt
sung mit Eisen(ll)sulfat zu Mangansulfat, mit 2 multipliziert werden: von links nach rechts, Gold zieht am
Eisen(III)sulfat, Kaliumsulfat •und VII
Wasser. 2 Fe --+ 2 Fez+ + 4 e- stärksten Elektronen an).
.,.. 1. Oxidationszahlen: + II
KMn0 4- --+ .,.. 4. Die Hydroxidionen reagieren mit
K++ MnO - FeSO 4 --+FeZ+ + SO z- den Eisenionen weiter zu schwerlösli- Anhand der Redoxreihe werden die Me-
+11 4 ' +111 4 '
HzS04, MnS0 4, Fe 2 [S041J, KzS04 chem Eisen(II)hydroxid. Gesamtreaktion: talle in Edelmetalle und unedle Metalle
.,.. 2. Teilreaktionen: Reduktion: 2 Fe + 0 2 + 2 HzÜ --+ 2 Fe(OHlz eingeteilt. Edelmetalle haben eine ge-
Mn0 4- + 5 e- + 8 H30 +--+ Mn 2 ++ 12 ringere Neigung, Elektronen abzugeben
HzO. Danach lagern sich die Mangan- Reaktion 2 0 1!1 als Wasserstoff. Unedle Metalle geben
"f- 11 11 tl
i

ionen mit den Sulfationen zusammen--+ .,.. I. Fe(OH)z, Oz, Fe(OHh diese leichter ab. Daher lösen sich un·
MnS04. Oxidation: Fe 2 +--+ Fe3++ 1 e-. .,.. 2. Oxidation: FeZ+ --+ Fe 3+ + 1e- edle Metalle unter Wasserstoffentwick-
.,.. 3. Anpassen: Die Oxidation muss Reduktion: 0 2 + 2 H20 + 4 e- --+ 4 OH- lung in Säuren.
zum Ausgleich mit 5 multipliziert wer- .,.. 3. Die Oxidation muss zum Ausgleich
den: 5 Fe 2+--+ 5 Fe 3++ 5 e- mit 2 multipliziert werden: Kontaktkorrosion
Die Eisenionen verbinden sich ebenfalls 2 Fe 2+--+ 2 Fe 3++ 2 e- Kontaktkorrosion findet dort statt, wo
mit den Sulfationen--+ 2 112 Fe 2 (S0 4 h. .,.. 4. Gesamtreaktion: 2 Fe(OH)z + 0 2 + zwei Metalle in direktem Kontakt ste-
Da diese Verbindung eine gerade An- 2 H20--+ 2 Fe(OHh. Zum "Rost" rea- hen. Dabei korrodiert das edlere Metall
zahl an Eisenatomen erfordert, müssen giert das Eisen(Ill)hydroxid weiter. Dies das unedlere Metall (vgl. Redoxreihe).
sowohl die Reduktion als auch die Oxi- ist jedoch keine Redoxreaktion mehr, Wird z. B. ein Eisennagel in ein Kupfer·
dation noch einmal mit 2 multipliziert sondern eine Art "Wasserabspaltung": blech geschlagen, so rostet dieser sehne!·
werden. 2 Fe(OH!J--+ 2 FeO(OH)z + H20 !er als an der Luft. Das Kupfer wirkt als
.,.. 4. Gesamtreaktion: 2 KMn0 4 + 10 Reaktionsbeschleuniger, indem es die
FeS04 + 8 H2S04 + 8 H20 --+ 2 MnS0 4 Säurekorrosion Elektronen vom Eisen aufnimmt und an
+ 5 Fe 2(S0 4b + KzS04 + 24 H20. Dabei Wird ein Eisennagel in Salzsäure gelegt, den Sauerstoff weitergibt. Durch die Ab-
kürzen sich die 8 und 24 H20 weg, da so löst dieser sich auf. Wasserstoff ent- gabe "fremder" Elektronen ist es vor der
sie beidseits der Gleichung stehen: steht. Die Redoxreaktion lautet: eigenen Korrosion geschützt.
2 KMn0 4 + 10 FeS04 + 8 HzS04 --+
2 MnS04 + 5 Fez(S04b + K2S04 + X Eine Redoxreaktion besteht aus Oxidation und Reduktion. Dabei werden
16 H20.
Elektronen vom Reduktionsmittel auf das Oxidationsmittel übertragen.
X Die Oxidationszahl gibt die Wertigkeit eines Atoms an. Sie ist in der
Korrosion
Summe Null oder entspricht der Ladung des Moleküls.
Unter Korrosion versteht man di e Zerstö- X Es gibt drei Arten der Korrosion: Sauerstoffkorrosion, Säurekorrosion und
rung eines Metalls, die von dessen Ober- Kontaktkorrosion.
fläche ausgeht. Dabei wird nach der Ur·
Oxidation und Reduktion II
Elektrochemie Lösung auf den Kupferstab übergeht. Hierdurch wird die Zink-
lösung positiver, so dass zum Ausgleich Sulfationen aus der
Bei Redoxreaktionen "fließen" Elektronen zwischen den Kupferlösung herüberdiffundieren. Durch die im Zinkstab ver-
beiden Reaktionpartnern. Dieser Elektronenfluss der che- bleibenden Elektronen lädt sich dieser negativ auf (Minuspol
mischen Reaktion lässt sich in elektrische Energie um· =Oxidationspol} und zieht die in der Lösung befindlichen
wandeln. Sie kann als Stromfluss über einen elektrischen Zinkionen an sich, so dass sich eine Ladungsdoppelschicht
Leiter gemessen werden. Dabei geht jedoch ein Teil der ehe· gleich eines Kondensators ausbildet. in dieser stellt sich ein
mischen Energie in Form von Wärme verloren: Redoxgleichgewicht zwischen Metallatomen, die in Ionen
durch e-·Abgabe übergehen, und Ionen, die durch e--Aufnah-
me zu Metallatomen werden, ein: Me !::+ Me'+ + ze-. Damit
Chemische Energie • Elektrische Energie + Wärme sind Zn und Zn 2+ein konjugiertes Redoxpaar, bei dem das
Gleichgewichtaufseiten der Ionen liegt. Das Gleiche gilt auch
für Kupfer, jedoch liegt hier das Gleichgewichtaufseiten der
Galvanische Zelle Kupferatome, so dass der Kupferstab im Vergleich zum Zink-
stab weniger negativ ist. Er wird daher als Pluspol= Reduk-
Mithilfe von Galvanischen Zellen kann chemische in elek- tionspol bezeichnet. An der Grenzschicht Ion/ Atom bildet
trische Energie umgewandelt werden. Das Prinzip beruht sich eine Spannung, das Redoxpotenzial, das für jedes konju-
auf Redoxreaktionen. Wird ein Zinkstab in eine Kupfersulfat- gierte Redoxpaar eine charakteristische Größe hat.
lösung getaucht, so scheidet sich auf seiner Oberfläche ele· Infolge dieser unterschiedlich "hohen" Redoxpotenziale (Zink-
mentares Kupfer ab: redoxpotenzial und Kupferredoxpotenzial) besteht zwischen
Zink und Kupfer eine elektrische Potenzialdifferenz, die
~ Zn ~ Zn 2+ + 2 e- sich in einer elektrischen Spannung äußert. Für das Danieli-
~ Cu + 2 e- ~ Cu
2+ Element beträgt sie I, 11 Volt.
Werden die Zellen nun über einen Draht miteinander verbun-
Es fließt Strom direkt zwischen den Kupferionen und dem den, so fließen Elektronen vom Zinkstab zum Kupferstab, urn
Zink. Um ihn messen zu können, werden die Elektroden an die Spannung auszugleichen.
ein Messgerät angeschlossen und die Oxidation und die Re·
duktion räumlich voneinander getrennt. Die Verbindung be- Standardpotenziale und elektrochemische
steht über einen elektrischen Leiter. Solch ein Aufbau wird Spannungsreihe
galvanische Zelle oder galvanisches Element genannt.
Befindet sich dabei in dem einen Gefäß ein Zinkstab in einer Diese Redoxpotenziale der konjugierten Redoxpaare sind
l·M-Zinksulfatlösung und in dem anderen Gefäß ein Kupfer· nicht direkt zu messen. Lediglich die Potenzialdifferenz
stab in einer 1-M-Kupfersulfatlösung, so nennt man diese zwischen zwei Halbzellen kann gemessen werden. Um den-
galvanische Zelle Daniell-Element (I Abb. 1). noch vergleichbare Werte für die verschiedenen Redoxpoten-
In diesem sind die Lösungen durch eine poröse Membran ge- ziale zu erhalten, wird eine Bezugshalbzelle verwendet.
trennt, die zwar für Ionen durchlässig ist, aber ein zu schnelles Diese besteht aus einer Platinelektrode, die in eine I M H30 +_
Durchmischen der Lösungen verhindert. Dabei treten in der Lösung getaucht ist und unter Standardbedingungen
Zinkhalbzelle Zinkionen aus dem Zinkstab in die Lösung über, (I ,013 hPa, 25 oq mit Wasserstoff umspült wird. Dabei bil-
während in der Kupferhalbzelle elementares Kupfer aus der det sich folgendes konjugiertes Redoxpaar aus:
2 H30 + + 2 e- ~ H2 + 2 HP

l:J.E = I , II Volt
- _.,.
,/ ee
I

I Abb. 1:
Oxidation Reduktion Danieii-
Elektronenabgabe Elektronenaufnahme Element. 121
...

42143

E 0 = - 0,76 Volt E 0 = + 0,35 Volt


Anode Kathode
~~--(
-· / J---., Kathode
r-----< ~ 1----.
Anode
, ,..e 6 e0 ' ..- -
I e0
..,.._'
e0 I
I H,-Gas
I 25 'C I
' ( 1013 hPa)
' (1013 hPa)

11M Z nSO~

I Abb. 2: Normalwasserstoffe lektrode in Verbindung mit einer Standard- I Abb. 3: Normalwasserstoffelektrode in Verbindung mit einer Standard-
Zinkelektrode. [21 Kupferelektrode. [21

Sie wird als Normalwasserstoffelektrode bezeichnet und Demnach lassen sich die Metalle (genauer: jedes Element) in-
hat definitionsgemäß ein Redoxpotenzial von E0H =0 V. Die nerhalb einer elektrochemischen Spannungsreihe anord-
Potenzialdifferenz zwischen ihr und dem zu messenden Re- nen (siehe Tabellen III). Diese entspricht der Redoxreihe. In
doxpotenzial ist das Standardpotenzial E0 • dieser fließen die Elektronen immer vom Element mit dem
Wird die Zinkhalbzelle mit der Normalwasserstoffelektrode in negativeren Potenzial zu dem mit dem positiveren Potenzial:
Verbindung gebracht, so fließen die Elektronen von Zink zum ß.EO=E0 Red uktions reaktion - EOOxidationsreaktion
Wasserstoff. Es entstehen elementarer Wasserstoff und Zink-
ionen. Die Potenzialdifferenz erhält ein negatives Vorzeichen: .,.. Für das Danieli-Element gilt folgende Spannung zwischen
E0zn = -0,76 V (I Abb. 2) . Da bei allen unedlen Metallen den Elektroden:
die Elektronen zum Wasserstoff fließen, ist bei ihnen das ßE 0 = P cu - E0 zn = 0,35 V- (- 0,76 V)= 1,11 V.
Standardpotenzial negativ. .,.. Für ein galvanisches Element mit Silber- und Kupfer-
Bei der Verbindung von der Kupferhalbzelle mit Normai- elektrode ergibt sich eine Spannung von:
wasserstoffelektrode fließen die Elektronen vom Wasserstoff ß.E 0 = PAg - E0cu = 0,8 V- 0,35 V= 0,45 V.
zum Kupfer. Es entstehen Hydroniumionen und elementares .,.. Für ein galvanisches Element mit Magnesium- und
Kupfer. Das Vorzeichen der Potenzialdifferenz wird positiv: Bleielektrode ergibt sich eine Spannung von:
EOcu = 0,35 V (I Abb. 3). Da bei allen edlen Metallen die ß.E 0 = PPb - E0Mg = -0,13 V- (-2,38 V) == 2,25 V.
Elektronen zum Metall fließen, ist bei ihnen das Standard-
potenzial positiv. Ist die Spannung positiv, so läuft die Reaktion freiwillig ab.

Zusammenfassung
X Ein galvanisches Element besteht aus zwei Halbzeilen. Diese bestehen
wiederum jeweils aus einem Metallstab, der in eine Lösung gleichnamiger
Ionen eingetaucht ist.
ac Das Danieii-Eiement ist eine galvanische Zelle, bei der die eine Halbzelle
aus Zinkstab und Zinksulfatlösung und die andere Halbzelle aus Kupferstab
und Kupfersulfatlösung besteht.
ac Unter dem Redoxpotenzial versteht man die Spannung zwischen einem
konjugierten Redoxpaar an dessen Grenzschicht.
ac Für die Ermittlung der Standardpotenziale E0 dient eine Wasserstoff-
Normalelektrode als Bezugshalbzelle. Diese hat definitionsgemäß eine
Spannung von E0 H = 0 V.
ac Aufgrund der Standardpotenziale ergibt sich die elektrochemische
Spannungsreihe der Metalle.
Komplexchemie
Bisher haben wir drei verschiedene .,.. 1. Name des Kations, dies kann .,.. Na 3 [Al(F) 6]: Natrium-hexa-fluoro-
Grundtypen von Bindungen kennen- auch der Komplex sein aluminat-(lll)
gelernt (Ionen-, Atom- und Metall- .,.. 2. Anzahl der Liganden als griechi- .,.. Mg[Fe( Br)z(CN)z(HzObJ: Magnesiurn-
bindung). Sie bilden Verbindungen sches Zahlwort (di-, tri-, tetra-, ... ) di-aqua-di-bromo-di-cyano-ferrat-(!1)
erster Ordnung. Daneben gibt es noch .,.. 3. Name der Liganden in alphabe- .,.. [Co(NH3)6jS04: Hexa-ammin-cobalt-
einen weiteren Bindungstyp, die koor- tischer Reihenfolge. Dabei enden An- (ll)-sulfat
dinative Bindung, die Verbindungen ionen auf -o, während die Namen neu- .,.. [CrC1 2 (H 20)1z: Di-aqua-di-chloro-
höherer Ordnung erzeugt. Zu diesen traler Liganden meist nicht verändert chrom-(II)
gehören die Metallkomplexe. werden.
.,.. 4. Name des Zentralatoms. Dieses Geometrie
Struktur und Bindung endet auf -at Die Anzahl an Liganden, die an einem
.,.. 5. Oxidationszahl des Zentral- Zentralatom gebunden werden kann
Koordinative Bindung atoms in Klammern (I, I!, III, .. . ). wird als Koordinationszahl bezeich-
Metallkomplexe bestehen aus einem net. Wie viele Liganden dabei gebunden
Zentralatom und Liganden, die das Die Oxidationszahl des Zentralatoms werden können, hängt von der Art und
Zentralatom umschließen. wird bestimmt, indem die übrigen Be- Elektronenkonfiguration des Zentral-
Beim Zentralatom handelt es sich meist standteile der Verbindung miteinander atoms ab. Man kennt Koordinations-
um ein Metallion, dessen Elektronen- verrechnet werden. zahlen zwischen 2 und 12, dabei kom-
schale(n) nicht vollständig besetzt sind. Beispiel: Kalium enthält die Ladung+ I , men jedoch 2, 4 und 6 am häufigsten
Die Aufnahmefähigkeit und damit die Cyanid die Ladung - I. Verrechnet man vor. Durch die Koordinationszahl wird
Tendenz zur Ligandenbindung ist vor diese nun miteinander, so ergibt sich ein auch die räumliche Struktur des Kom-
allem bei den Metallen der Nebengrup- Defizit von -2. Da der Komplex jedoch plexes bestimmt (I Tab. I , I Abb. 1).
penelemente ausgeprägt Sie haben alle nach außen neutral ist, muss das Eisen-
Lücken auf den 3d-Orbitalen und zu- teilchen die Ladung +2 bekommen: Reaktionen von Komplexen
sätzlich auf der vierten Schale. Die
Liganden sind entweder Anionen oder .,.. K4[Fe(CN) 6]: Kalium-hexa-cyano- Ligandenaustauschreaktion
Moleküle, die mindestens ein freies ferrat-[11) Ionen, die sich in wässriger Lösung be-
Elektronenpaar zur Verfügung haben. .,.. K3[Fe( CN) 6 ]: Kalium-hexa-cyano- finden, weisen eine Hydrathülle auf
Kommt es nun zwischen dem Zentral- ferrat- (III) (s. S. 34/ 35). Diese kann auch als Teil
atom und dem Liganden zu einer Bin-
dung, so stammen beide Elektronen
vom Liganden und keines von Zentral- Koordinations- Anordnung
atom (Vergleich: bei der Atombind ung Koordinations- Anordnung der Liganden polyeder der Liganden
zahl
stammt jeweils ein Elektron von jedem
linear
Partner). Daher wird diese Bindung als
koordinative Bindung bezeichnet. 3 trigonal-planar

Sie ist das strukturgebende Element der 4 quadratisch-planar oder tetra-


edrisch teraedrisch
Metallkomplexe und wird in der chemi-
quadratisch-pyramidal, trigonal-
schen Formel durch eine eckige Klam-
bipyramidal
mer gekennzeichnet
6 Oktaeder, trigonales jAnti-)prisma
Damit ist die Komplexbildungsreak-
8 Würfel, quadratisches Antiprisma,
tion eine klassische Säure-Base-Re- Trigondodekaeder
aktion nach Lewis, da die Zentral- planar
12 Ikosaeder, Kuboktaeder quadratisch
atome Elektronenpaar-Akzeptoren
(Lewis-Säure) und die Liganden Elek- I Tab. 1: Koordinati onsza hlen mit zugehöriger

tronenpaar-Donatoren (Lewis-Base) räumlicher Struktur

darstellen_

.,.. Zentralatome: Cu2+, Ag+, Mg2+, Fe 2+,


Fe3+, Zn 2+
.,.. Liganden: CI-, H20, NH 3, OH-, CN-, oktaedrisch
F-, CO.

Nomenklatur
Die Nomenklatur der Komplexe erfolgt I Abb . 1: Räum lic he Stru ktur: a) Tetraede r
b) qu adratisc h-planar, c) Oktaeder. ]1] '
anhand einer definierten Reihenfolge:
44145

eines Komplexes verstanden werden, bei dem das Metallion groß, so zerfällt der Komplex leicht. Dabei werden die ur-
das Zentralatom darstellt und die Hydrathülle die Ligan- sprünglichen Liganden gegen Wassermoleküle ausgetauscht.
den. Solche Komplexe werden als Aquokomplexe bezeich- Der Kehrwert von K0 ist die Komplexbildungskonstante.
net. Dabei sind die Wassermoleküle jedoch nur locker mit Je größer diese ist, umso stabiler ist ein Komplex.
dem Zentralatom verbunden und können leicht durch andere Liganden können andere Liganden ersetzen, wenn ihre Kom-
Liganden verdrängt werden. Dies lässt sich oft an einem Farb- plexbildungskonstante größer ist als die des anderen. In un-
umschlag der Lösung festmachen. serem Beispiel hat der Tetra-chloro-cobaltat-(11)-Komplex eine
Beispiel: Löst man CoCI2 in Wasser, so ergibt dies eine rosafar- größere Komplexbildungskonstante [niedrigere Dissoziations-
bene Lösung, in der das Kobaltion als Aquokomplex vorliegt. konstante) als der Hexa-aqua-cobal-(11)-Komplex.
Wird dann die Konzentration der Chiaridionen in der Lösung
durch die Zugabe von Na Cl erhöht, so färbt sich die Lösung Chelatkompl exe
blau. Die Ursache hierfür ist der Ersatz der Wasserliganden
durch Chloridliganden. Dies wird als Ligandenaustausch- Die bisherigen Liganden sind immer nur über jeweils eine
reaktion bezeichnet. Gleichzeitig ändern sich damit auch die Bindung an das Zentralatom gebunden. Daneben gibt es aber
Koordinationszahl und die Ladung des Komplexes. auch Moleküle, die über mehrere koordinative Bindungen
mit dem Zentralatom verbunden sein können. Sie werden als
Chelatoren bezeichnet und die von ihnen gebildeten Kom-
plexe als Chelatkomplexe. Die Anzahl an Bindungen zwi-
Komplexstabilität schen Ligand und Zentralatom bestimmt die "Zähnigkeit" des
Welcher Ligand einen anderen Liganden ersetzen kann, hängt Liganden. So gibt es z. B. zweizähnige Liganden wie Ethylen-
von der Komplexstabilität ab. Diese lässt sich mithilfe des diaruin [EN) oder sechszähnige wie EDTA [Ethylendiamin-
Massenwirkungsgesetzes erfassen: tetraessigsäure). Sie alle weisen eine größere Komplexbil-
dungskonstante auf und sind daher stabiler als Komplexe mit
+- . - [Z] X [L]" einzähnigen Liganden. Ursächlich hierfür ist die Zunahme
[ZLnl -+ Z + nL. Daraus folgt. K0 - [ZLnl
der Entropie. Dies wird als Chelateffekt bezeichnet. Beim
EDTA werden sechs Liganden durch den Austausch freige-
Ist hierbei die Dissoziationskonstante Ko besonders klein, setzt, hingegen nur ein EDTA gebunden, womit die Unord-
so liegt das Gleichgewicht auf der Seite des Komplexes [ZLnl. nung im System zunimmt.
Der Komplex wird dann als inert bezeichnet. Ist K0 hingegen

Zusammenfassung
• Komplexe bestehen aus einem Zentralatom (Lewis-5äure) und den darum
befindlichen Liganden (Lewis-Base), die durch die koordinative Bindung
zusammengehalten werden.
• Bei der koordinativen Bindung stammen beide Bindungselektronen
vom Liganden.
• Die Nomenklatur der Komplexe erfolgt nach einer definierten Reihenfolge.
• Die Koordinationszahl gibt die Anzahl der Liganden wieder und be-
schreibt die räumliche Struktur des Komplexes.
• Bei einer Ligandenaustauschreaktion wird ein Ligand durch einen ande-
ren ersetzt. Welcher dabei wen ersetzt, hängt von der Komplexstabilität
ab.
• Chelatkomplexe weisen mehrzähnige Liganden auf und sind stabiler als
Komplexe mit einzähnigen Liganden .
• Der Chelateffekt beschreibt die Entropiezunahme beim Austausch ein-
zähniger Liganden durch mehrzähnige. Auf ihm beruht die hohe Stabilität
der Chelatkomplexe .
Trennverfahren
Chromatographie teile auf. Der dazu verwendete Gaschromatograph besteht
aus einer Kapillare, in der sich die stationäre Phase befindet.
Die Chromatographie ist ein Verfahren, mit dessen Hilfe Sie kann entweder fest (Kieselgel, Aktivkohle) oder flüssig
homogene Stoffgemische schnell und schonend aufgetrennt (Fette, Silikonöle) sein. Durch eine Kapillare wird ein Träger-
werden können. Dabei lassen sich verschiedene Verfahren gas (mobile Phase), dem das Substanzgemisch zugefügt wird
unterscheiden, die jedoch alle auf den Prinzipien der Adsorp· geleitet. Die Auftrennung erfolgt durch die Wechselwirkun- '
tion und Verteilung beruhen. genzwischen der stationären Phase und den Stoffen des
Unter Adsorption versteht man das Anheften eines Stoffes Gemisches. Dabei werden die Substanzen, die weniger fest
an einen anderen. Dies kann über verschiedenste Arten von an der stationären Phase haften, schneller weitertransportiert
Wechselwirkungen zwischen den Stoffen geschehen, z. B. und treten früher aus dem Ende der Kapillare aus als die
hydrophobe Wechselwirkungen, Wasserstoffbrücken oder Substanzen, die fester gebunden werden. Am Ende der Ka-
Ionenbindungen. Dabei wird jedoch nicht alles von einem pillare werden sie dann als elektrisches Signal von einem De-
Stoff gebunden, sondern es bildet sich ein Gleichgewicht tektor registriert und mittels Schreiber als Chromatogramtn.
zwischen gebundenen und freien Partikel aus, das durch die aufgezeichnet. Dabei entspricht jedes Signal (Dreiecksfläche
Eigenschaften des Stoffes (Größe, Ladung) bestimmt wird. Da = Peak) einem Bestandteil des Gemisches, und dessen Fläche
die Adsorption exotherm verläuft, werden mit steigender unter dem Peak ist proportional ZU dem Anteil des Stoffes am
Temperatur weniger Teilchen gebunden. Gemisch. Die Identifikation erfolgt über beigefügte Reinstoffe
Das andere Prinzip ist die Verteilung. Liegt ein Flüssigkeits- als Vergleichssubstanz.
gemisch aus zwei Phasen vor, z. B. aus Wasser und dem da-
rauf schwimmenden Heptan, so wird sich dazugegebenes Jod Papier- und Dünnschichtchromatographie
in beiden Phasen zu einem gewissen Teil lösen. Dabei wird Bei der Papier· oder Dünnschichtchromatographie wird saug-
das Verhältnis der Löslichkeiten in den beiden Phasen als fähiges Papier oder eine dünne Schicht z. B. aus Kieselgel auf
Verteilungsquotient bezeichnet: einer Kunststoffplatte als stationäre Phase verwendet. Am un-
Verteilungsquotient von Jod = Konzentration von Jod in Hep- teren Ende des Trägers trägt man die zu trennende Substanz
tan/ Konzentration von Jod in Wasser= 5/ 1. auf. Dieses Ende wird nun einige Millimeter tief in eine Flüs-
Jod löst sich folglich besser in Heptan als in Wasser. sigkeit gestellt, die als mobile Phase dient. Dabei wandert die
Bei der Chromatographie werden Gleichgewichte zwischen Flüssigkeit aufgrund von Kapillarkräften in der stationären
zwei Phasen genutzt. Dabei wird zwischen einer mobilen Phase nach oben und zieht das Stoffgemisch mit sich. Da
und einer stationären Phase unterschieden. Bei der mobilen jedoch die verschiedenen Stoffe des Gemisches unterschied-
Phase handelt es sich entweder um Flüssigkeiten (Flüssig- liche Wechselwirkungen mit der stationären Phase haben
keitschromatographie) oder um Gase (Gaschromatogra- trennt sich das Gemisch auf (I Abb. 1). Zur Identifikation 'der
phie), bei der festen Phase um einen Feststoff oder um eine Stoffe dienen mit aufgetragene Reinstoffe als Vergleichsub-
Flüssigkeit, die an einen Feststoff gebunden ist. stanzen. Dabei ist die Wanderungsgeschwindigkeit für
Um Stoffgemische aufzutrennen, werden diese zu der mobi· einen bestimmten Stoff charakteristisch. Diese lässt sich
Jen Phase gegeben und das Gemisch nun an der stationären durch den Rr-Wert beschreiben:
Phase vorbeigeführt. Dabei können die Teilchen des aufzu- Rr = Laufstrecke der Substanz/ Laufstrecke der mobilen Phase.
trennenden Stoffgemisches an der stationären Phase adsor-
biert werden. Wie viel eines Stoffes sich in der mobilen bzw. Säulenchromatographie
stationären Phase befindet, hängt dabei von seinem Vertei· Bei der Säulenchromatographie füllt man einen Zylinder
lungsquotienten ab. (Trennsäule) mit der stationären Phase (z. B. Kieselgel) auf
Das zu trennende Substanzgemisch wird im Fließmittel gelö.st
Gaschromatographie und der Säule am oberen Pol zugefügt. Anschließend wird die
Bei der Gaschromatographie trennt man Gasgemische oder Säule kontinuierlich mit Fließmittel (mobile Phase) überschüt-
leicht flüchtige Substanzgemische in ihre einzelnen Bestand- tet, so dass dieses nach unten hin durchsickert. Dabei trägt

--~ Lösungsmittel-
front

CJ
c

I Abb. 1: Schematische Zeichnung eines Dünnschichtchromatogramms (DC)


(I) Reiner Stoff A und Stoffgemisch sind an der Startlinie aufgetragen. (II) ·
~-0 - Startlinie
Nach der Entwicklung des DC: a = Laufstrecke von Stoff a, b = Laufstrecke
A A+B A A+B
von Stoff B, c = Laufstrecke des Fließmitte ls, R, Wert für A: a/c, R..-Wert für B·
11 b/C. (2] .
46147

Scbe;dotrichto< ~ , Therm ometer


m;t Fheßm;uel \/. '/

@(]

Kühlwasser
Zone
mitA
Wasserbad zu m
Erhitzen
Zone Zone
mit B mitA Destillat
Watte
I Abb. 3: Einfa che Destill ati onsapparatur. [2]

~-----
l T Hahn zur ~
\J
lr
!1
Regulierung
der Tropf-
\J
0
~ I Abb . 2 (links): Stofftrennung durch Säulenc hroma t ogra phie (SC) [ 1].
1: Stoffgem isch A/ B, im Fließmittel gelöst, wird auf die stationäre Phase
(in der Glassäule) au fgegeben. II : Mit dem Fließmittel [= Elutionsmittel) wird
geschwin- Eluat nachgewasc hen, A und B trennen sich bei der Wanderung durch die Säule.
B - Eiuatmit
digkeit III: Bist mit dem Elutionsm ittel aus der Säule herausgetropft und befindet
I
IJl Stoff B
II sich im Eluat. [21

die mobile Phase die Stoffe des Gemisches mit sich. Gemein· wird das Ethanol vor dem Wasser verdampfen und folglich in
samtreten sie als Eluat am Ende der Säule aus (I Abb. 2). einer höheren Konzentration im Dampf enthalten sein. Kon-
Wann dabei ein Stoff austritt, hängt wiederum von seiner densiert dieser Dampf durch Abkühlen, enthält die Flüssigkeit
Adsorptionstahigkeit zur stationären Phase ab. Bindet der danach einen höheren EthanolanteiL Folglich sinkt auch die
Stoff fester, so tritt er folglich auch erst später im Eluat auf. Siedetemperatur des Gemisches. Wird dieser Vorgang nun
Hier kann er dann mittels Nachweisreaktion en identifiziert mehrfach wiederholt, so kann ein Flüssigkeitsgemisch mit
werden. einem Ethanolanteil von 89% gewonnen werden. Soll zusätz-
lich noch der Rest an Wasser entfernt werden, so müssen
Gelchromatographie wasserbindende Stoffe wie Kalziumoxid eingesetzt werden.
Bei der Gelchromatographie verwendet man als stationäre
Phase einen porösen Träger, in den sowohl die mobile
Phase als auch die Stoffe des Gemisches eindringen können.
Je kleiner dabei Stoffe sind, desto leichter dringen sie in die
Poren ein und werden hier festgehalten. Folglich wandern Zusammenfassung
Stoffe mit einer hohen Molekülgröße schneller weiter als X Die Chromatograph ie beruht auf den Prinzipien der
kleinere. Die Auftrennung erfolgt anhand der Molekül- Adsorption und der Verteilung eines Stoffes zwi-
größe.
schen zwei Phasen. Dabei wird zwischen einer mobi-

Destillation len und einer stationären Phase unterschieden.


X Zu den chromatographischen Verfahren zählen die
Um Flüssigkeitsgemische zu trennen, eignet sich die Des· Gaschromatogr aphie, Papier- und Dünnschicht-
tillation. Hierunter versteht man ein Verfahren, das sich die
verschiedenen Siedetemperatu ren von Flüssigkeiten in· chromatograph ie, Säulenchromat ographie und die
nerhalb eines Gemisches zunutze macht (I Abb. 3). Das be- Gelchromatogra phle.
kannteste Destillationsverfahren ist die fraktionierte Destil- X Zur Auftrennung von Flüssigkeitsgem ischen ver-
lation, wie sie in der Brandweinherste llung verwendet wird.
wendet man die Destillation. Hierbei trennen sich
Betrachten wir Weißwein , so besteht dieser zu ca. 10%aus
Ethanol und 90%aus Wasser. Da Ethanol schon bei 78 oc Flüssigkeiten anhand ihrer unterschiedlich en Siede-
siedet und Wasser bei 100 oc, ergibt sich für das Gemisch ein punkte.
Siedepunkt um etwa 87 oc. Erhitzt man den Weißwein , so
50 Einführung 70 Organische Reaktionen I
52 Kohlenwasserstoffe I 72 Organische Reaktionen II
54 Kohlenwasserstoffe II 74 Isomerie I
56 Kohlenwasserstoffe 111 76 Isomerie II
58 Alkohole, Phenole, Ether 78 Kohlenhydrate I
60 Amine und Thiole 80 Kohlenhydrate II
62 Aldehyde und Ketone 82 Kohlenhydrate 111
64 Garbonsäuren 84 Aminosäuren
66 Carbonsäureester 86 Peptide und Proteine
68 Fette und Seifen 88 Nachwei sreaktion en
Einführung
Allgemeines Bindungen des Kohlenstoffs
Die bedeutende Stellung des Kohlenstoffs in der organischen
Grundelemente Chemie beruht auf seinen Bindungseigenschaften. Diese wur-
Die organische Chemie, kurz Organik genannt, stellt neben den bereits ausführlich im Kapitel Bindungstypen III [s. s. 18)
der Anorganik das andere große Teilgebiet der Chemie dar. besprochen. Durch die sp 3-Hybridisierung ist Kohlenstoff
Sie beschäftigt sich mit dem Aufbau, den Eigenschaften und in der Lage, vier Einfachbindungen (a·Bindungen) einzu-
der Herstellung von KohJenstoffverbindungen. In diesem gehen. Das einfachste Beispiel ist das Ethan. Dabei nimmt das
Namen ist auch schon das wichtigste Element der Organik Molekül die Form eines Tetraeders mit einem Bindungs-
vorhanden, der Kohlenstoff. Er stellt das Grundgerüst orga· winkel von I 09,5 °an (I Abb. I a) .
nischer Verbindungen dar. Neben ihm kommen am häufigs· Ist der Kohlenstoff hingegen sp2 -hybrisisiert, so entstehen
ten Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff vor. Aus diesen eine Do~p:lbindu?g (eine rr·Bi~d~ng und eine cr·Bindung)
vier Grundelementen Jassen sich 98% der etwa 19 Millio· und zwet Emfachbmdungen wte tm Ethen. Dieses Molekül
nen bekannten organischen Verbindungen aufbauen. Erst hat eine trigonal-planare Struktur mit einem Bindungswin·
dann kommen weitere Elemente wie Schwefel, Phosphor kel von 120 o (I Abb. I b).
und verschiedene Metalle. Zuletzt gibt es noch die sp-Hybridisierung. In dieser Hy-
bridisierung kann der Kohlenstoff eine Dreifachbindung
Historische Entwicklung [zwei n·Bindungen und eine a·Bindung) und eine Einfach-
Der Begriff der organischen Chemie wurde im 18. jahrhun· bindung, wie im Ethin, eingehen. Das entstehende Molekül
dert geprägt. Damals verstand man unter der Organik orga· ist linear-planar mit einem Bindungswinkel von 180 o
nische oder organisierte Körper aus der Tier· und Pflanzen· [I Abb. lc).
weit. Im Gegensatz dazu beschäftigte sich die Anorganik mit Alle diese Bindungen sind, sofern sie zwischen zwei Kohle-
den mineralischen oderunorganisierten Verbindungen, die stoffatomen oder Kohlenstoff und Wasserstoff bestehen,
nicht von den organischen Lebewesen erzeugt werden konn· unpolar. Sie ermöglichen den Aufbau von Kohlenstoffketten
ten. Eine Überschneidung zwischen diesen beiden TeiJgebie· sowie von Ringen.
ten der Chemie -in dem Sinne, dass organische Substanzen Daneben gibt es auch die polaren Bindungen. Sie entstehen
im Labor hergestellt werden könnten- hielt man nicht für wenn das Kohlenstoffatom eine Bindung mit einem Atom ei~­
möglich. Dies änderte sich erst im Jahre 1828, als es Friedrich geht, das die gemeinsamen Bindungselektronen auf seine Sei-
Wöhrler gelang, Harnstoff zu synthetisieren. Er stellte ihn te zieht. Dies ist z. B. der Fall bei Bindungen mit Sauerstoff
durch Erhitzen von Ammoniumzyanat her. Stickstoff, Schwefel oder Phosphor. Hier kommt es zu eine;
Dipolbildung, bei der der positive Pol auf das C-Atom und
NH 2 der negative Pol auf den anderen Partner fallen. Wie stark die
I
O= C HarnstofT Polarisierung ist, hängt von der Anzahl an Bindungen zwi-
\
NH 2 schen den Atomen ab. So kann Kohlenstoff zum Sauerstoff
eine Einfach- oder eine Doppelbindung ausbilden. Da in
Heutzutage können viele organische Verbindungen, darunter der Doppelbindung mehr Elektronen zum Sauerstoff hingezo-
Aminosäuren, Proteine, Kohlenhydrate und Fette, im Labor gen werden, ist hier der Dipol stärker ausgeprägt (I Abb. 2a).
erzeugt werden. Selbst DNA und Hormone können syntheti· Vom Kohlenstoff zum Stickstoff können Einfach-, Doppel-
siert werden. und Dreifachbindungen ausgebildet werden. Auch hier
nimmt der Dipolcharakter mit steigender Bindungsanzahl zu
(I Abb. 2b).
Die Polarisation spielt eine wichtige Rolle für die Reaktionen
der organischen Chemie.

lö+ .Q:- \ Ö+ ~ö-


H H - C - Q- C=O
I I a) I ;/
3 -hybridisierte C-Atome I
a) Tetraeder H- C- C- H sp
109,5° I I l ö+ 10- \ ö+ ~ ö+ ö- I Abb . 2: Polarisierte
H H b) - C - NI C= N- - C= NI
\ I Atombindungen zwischen
H H I
\ I Koh lenstoff und a) Sauerstoff
b) trigonal-planar C= C sp 2 -hybridisierte C-Atome sp3 spz sp b) Stickstoff. [ 11
I \
120° H H

c) linear-planar H- C==C - H sp-hybridisierte C-Atome


180°

I Abb. 1: a) Ethan, b) Ethen, c) Ethin. [ 11


50 I 51
Stoffgruppen Elektronenpaardonator, da ein freies Elektronenpaar auf
seiner Valenzschale liegt. Es wird durch eine positive Ladung
Es gibt zwei Möglichkeiten einer systematischen Einteilung (elektrophil) angezogen, z. B.: Anionen (wie Cl-, F-), Lewis-
der Substanzen in der organischen Chemie: Basen (wie NH 3, H20 , CO).
~ Radikalische Addition: Das angelagerte Teilchen weist
~ nach ihrer funktionellen Gruppe ein ungepaartes Elektron auf.
~ nach ihrem Kohlenstoffgerüst
Substitutionsr eaktionen
Einteilung nach der funktionellen Gruppe Bei der Substitutionsreaktion ersetzt ein anderes Teilchen
1. ohne funktionelle Gruppe: Kohlenwasserstoffe einen Teil der Atome im Molekül. Es findet ein Austausch
2. Sauerstoff/Hydroxylverbindungen: statt. Sie ist der typische Reaktionstyp der Aromaten. Auch
- a) Alkohole, Phenole, Ether, Ester hier lassen sich drei Grundtypen unterscheiden:
- b) Aldehyde, Ketone
- c) Carbonsäuren, Carbonsäureester ~ Elektrophile Substitution: Das Teilchen reagiert mit
3. Stickstoffverbindungen: Stellen im Molekül, an denen ein Elektronenüberschuss be-
-a) Amine, Amide steht. Die Reaktion ist typisch für die Aromaten.
- b) Nitroverbindungen ~ Nukleophile Substitution: Das Teilchen reagiert mit
4. Schwefelverbindungen: Thiole Stellen im Molekül, an denen ein Elektronendefizit besteht.
5. Phosphorverbindungen ~ Radikalische S ubstitution: Das angelagerte Teilchen
6. Metallische Verbindungen weist ein ungepaartes Elektron auf.

Einteilung nach dem Kohlenstoffgerüst Eliminierungen


1. aliphatische Kohlenwasserstoffe: Die Eliminierung stellt in einem gewissen Maße die Umkehr
- a) nichtzyklisch: Alkane, Alkene, Alkine der Addition dar. Hier werden aus einem Molekül Atome
- b) zyklisch: Zykloalkane, Zykloalkene abgespalten, ohne dass andere Teilchen ihre Position einneh-
2. aromatische Kohlenwasserstoffe: Benzole = Aromaten men. Hierdurch entstehen häufig wieder Doppelbindungen.
3. Heterozyklen: Basen der DNA Sie ist die klassische Reaktion der Alkane und Alkohole.
4. biochemische Verbindungen:
- a) Kohlenhydrate Umlagerungen
- b) Aminosäuren, Proteine Bei der Umlagerung tauschen Atome innerhalb eines Mole-
küls ihre Position. Hierdurch entsteht eine neue chemische
Reaktionen Verbindung, die sich von der ursprünglichen zum Teil erheb-
lich unterscheidet.
Neben der Redoxreaktion lassen sich noch weitere Reaktions-
typen in der Organik definieren. Die einzelnen Reaktionen
werden genauer in den Kapiteln Organische Reaktionen I & Il
beschrieben (s. S. 70-73). Hier findet sich eine kurze Über- Zusammenfa ssung
sicht. Zusätzlich stehen die Reaktionen auch noch in kürzerer
• Die Moleküle der organischen Chemie bestehen
Form bei den einzelnen Stoffen.
hauptsächlich aus den Elementen Kohlenstoff, Was-
Additionsreaktionen serstoff, Sauerstoff und Stickstoff. Daher werden
Die Additionsreaktion ist eine Anlagerungsreaktion, bei der sie auch die vier Grundelemente bezeichnet.
aus zwei Molekülen eines entsteht, ohne dass andere Teil-
chen abgespalten werden. Sie findet vornehmlich bei Mole- • Vom Kohlenstoff gibt es drei verschiedene Hybride:
külen mit Doppelbindungen (Alkene, Aldehyde, Ketone} sp3- 7 sp 2- und sp-Hybride. Diese unterscheiden sich
statt, da die Doppelbindungen gegenüber Einfachbindungen in ihrer räumlichen Struktur und bestimmen die Bin-
energetisch weniger stabil sind.
digkeit des Kohlenstoffs.
Es lassen sich drei Grundtypen von Additionsreaktionen unter-
scheiden: X Die Einteilung der organischen Substanzen erfolgt
nach funktionellen Gruppen oder nach dem Kohlen-
~ Elektrophile Addition: Das angelagerte Teilchen ist ein
stoffgrundgerüst.
Elektronenpaarakzeptor, da es eine Elektronenlücke auf sei-
ner Valenzschale hat. Es wird durch eine negative Ladung • Bei den Reaktionen lassen sich neben der Redox-
(nukleophil) angezogen, z. ß_: Halogene (wie Br2, Cl 2 ), Kat- reaktion noch Additions-, Substitutionsreaktion, Ell-
ionen (wie H+), Lewis-Säuren (wie AlCI 3 ). mlnlerungen und Umlagerungen unterscheiden.
~ Nukleophile Addition: Das angelagerte Teilchen ist ein
Kohlenwasserstoffe I
Die Kohlenwasserstoffe bestehen ausschließlich aus den Ele- Isom eri e
men ten Kohlenstoff und Wasserstoff_ Daher auch ihr Name. Ab Butan (C 4 H10 ) sind zwei räumliche Strukturen denkbar:
Anhand ihrer Bindungen lassen sie sich einteilen in: n-Butan und lsobutan. Die Kohlenwasserstoffkette kann
linear oder verzweigt sein. Daher reicht die Summenformel
~ Kohlenwasserstoffe mit Einfachbindungen: Alkane nicht mehr aus, um den Stoff exakt zu beschreiben. Die
(gesättigt), Strukturformel hingegen gibt den räumlichen Bau wieder
~ Kohlenwasserstoffe mit Doppelbindungen: Alkene und liefert damit eine exaktere Beschreibung. Weisen zwei
(ungesättigt), Stoffe die gleiche Summenformel, aber unterschiedliche
~ Kohlenwasserstoffe mit Dreifachbindungen: Alkine Strukturformeln auf, so werden sie Konstitutionsisomere
(ungesättigt). genannt. n-Butan und Isobutan sind also Konstitutionsiso-
mere.
Ist ihre Struktur anstatt ketten- ringförmig, so spricht man
von Zykloalkanen [gesättigt) , Zykloalkenen [ungesättigt) H
I
und den Aromaten [ungesättigt) . H-C- H
H H H H
I I I I
H
I
I H
I
Alkane H- C- C-C - C- H H-C-C-C- H
I I I I I I I
H H H H H H H
Aufbau linear verzweigt
Alkane bestehen aus linearen oder verzweigten Kohlenstoff- n-Butan Isobutan
ketten, in denen jedes C-Atom über vier Einfachbin- =2-Methyl-propan
C4 H10
dungen = cr-Bindungen verfügt. Diese bestehen entweder
zu einem H-Atom oder zu einem weiteren C-Atom. Da in den
Alkanen nur Einfachbindungen vorkommen, werden sie als Je länger die Kohlenstoffkette wird, desto mehr Möglich-
gesättigte Kohlenwasserstoffe bezeichnet. keiten des Molekülaufbaus gibt es (I Tab. 1).
Das einfachste Molekül der Alkane ist das Methan. In diesem
sind alle vier Bindungen mit H-Atomen besetzt. Jede dieser Nomenklatu r
CH-Bindungen ist dabei eine Überlappung zwischen dem Das Suffix der Alkane ist -an. Um die Stoffe in der Namens-
sp 3-Hybridorbital des Kohlenstoffatoms und dem l s-Orbital gebung genau zu beschreiben, werden die Nomenklatur-
des Wasserstoffatoms. Da alle vier Bindungen des C-Atoms regeln der IUPAC [International Union of pure and applied
cr-Bindungen sind, hat das Methanmolekül die räumliche Chemistry) verwendet:
Struktur eines Tetraeders.
Fügt man dem Methan eine weitere CH2 -Gruppe = Methy- I. Ermittlung der längsten Kette= Hauptkette. Nach ihr
lengruppe hinzu, so ergibt sich Ethan. Die dabei entstehen- wird das Molekül benannt. Ihr Name steht dabei am Ende
de C-C-Bindung ist eine Überlappung zweier sp 3-Hybridorbi- des Gesamtnamens.
tale. Auch sie ist eine cr-Bindung, so dass das Ethanmolekül 2. Die Hauptkette wird so durchnummeriert, dass ihre Ver-
die räumliche Strukturzweier sich überlappender Tetraeder knüpfungsstellen eine möglichst kleine Zahl erhalten.
besitzt. 3. Benennen der Nebenketten =Alkylgruppen:
Wird erneut eine CH2-Gruppe hinzugefügt, erhält man Pro- - CH 3 =Methyl, -CH2-CH3 = Ethyl, - CH 2- CH 2- CH 3
pan. = Propyl. Dabei leiten sich die Bezeichnungen vom Namen
des Alkans ab. Ihrem Namen wird ihre Position in der Haupt-
kette vorangestellt.
Die homologe Reihe der Alkane (ITab. 1) ergibt sich formal durch 4. Zweigen mehrere gleiche Alkylketten von der Hauptkette
den Einbau von Methylengruppen • -CH 2-. Ihre allgemeine Mole- ab, so wird dem Alkylgruppennamen ein entsprechendes grie-
külformel lautet: C.H 2n• 2· chisches Zahlwort vorangestellt, und ihre Positionen werden
in aufsteigender Reihenfolge notiert.
H H H H H H 5. Die Alkylketten werden alphabetisch sortiert, dabei werden
I I I I I I
H-C- H H- C-C- H H- C-C - C- H die griechischen Zahlwörter mitberücksichtigt
I I I I I I
H H H H H H CH3 CH3
I I
Methan Ethan Propan H3C-C-CH2-CH- CH -CH2-CH3
1 21 3 4 51 6 7
CH3 CH2
I
CH3
5-Ethyl-2,2 ,4-tri-methyl-heptan
52 I 53
Eigenschaften Alkane keine Additionsreaktionen eingehen, da sie nicht
Der Siedepunkt der Alkane steigt mit zunehmender Län- über Doppelbindungen verfügen. Es fehlen ihnen auch
ge an (I Tab. 1). So sind die Alkane bis C4 bei Raumtempe- weitere funktionelle Gruppen für Reaktionen .
ratur gasförmig, bis C20 flüssig und darüber hinaus fest. Die Substitutionsreaktionen sind dagegen möglich, da die C-
Ursache liegt in den mit der Moleküllänge steigenden inter- Atome Oxidationszahlen bis -IV (Methan) aufweisen und da-
molekularen Kräften. Je länger die Moleküle, umso größer her stark anziehend auf jene Teilchen wirken, die über ein
werden sie und umso mehr Energie wird benötigt, um die ungepaartes Elektron (Radikal) verfügen. Insbesondere spielt
einzelnen Molekülbestandteile voneinander zu trennen. die radikalisehe Substitution eine Rolle. Durch sie entste-
Somit steigt der Siedepunkt. hen die Halogenalkane (siehe Kohlenwasserstoffe III).
Da die Alkane unpolar sind, sind ihre intermolekularen Ein weiterer Reaktionstyp ist die Verbrennung. Bei dieser
Kräfte schwach. Es handelt sich ausschließlich um Van-der- handelt es sich um eine Oxidation in Verbindung mit Sauer-
Waals-Kräfte. Dies erklärt, warum Wasser bei ähnlicher stoff. Es entstehen C02 und Wasser. Dabei steigt die Oxida-
Größe im Vergleich zum Methan einen weitaus höheren Sie- tionszahl des Kohlenstoffs von - IV auf +IV, und die vom
depunkt hat. Hier wirken Wasserstoffbrückenbindungen. Sauerstoff fällt von 0 auf - Il.
Da die Alkane unpolar sind, ist ihre Löslichkeit in Wasser
schlecht und in Fetten gut. Sie sind also lipophil und hydro- .,.. CH4 + 2 0 2--+ C02 + 2 H20
phob. .,.. 2 C8H18 + 25 0 2 ---+ 16 C0 2 + 18 H20
.,.. Allgemein: 2 C11 H2n + 2 + (3 n + I) 0 2 ---+
Rea ktionen 2n C02 + (2n + 2) H20
Insgesamt sind Alka ne nur wenig reaktiv, da sowohl die
C-H- als auch die C-C-Bindungen recht stabil sind und nicht Da die Reaktionsenthalpie stark negativ ist, wird bei der Ver-
so einfach "gebrochen" werden können. Ebenso können die brennung viel Wärme freigesetzt.

C-Atome Name Summenformel Siedepunkt Anzahl Isomere


Zusammenfa ssung
Methan CH, - 162 • c
X Bei den Kohlenwasserstoffen lassen sich die ketten-
Ethan C, H, - 89 ' C
förmigen Alkane, Alkene und Alkine sowie die ring-
Propan c , H, - 42 ' C

4 n-Butan C4H1o o· c 2
förmigen Zykloalkane und Aromaten unterscheiden.
n-Pentan C, H" +36 ' C 3 X Die homologe Reihe der Alkane (I Tab. 1) ergibt sich
n-Hexan c , H,. +69 ' C formal durch den Einbau von Methylengruppen =
7 n-Heptan C7H 16 +98 ' C 9
- CH 2- . Ihre allgemeine Molekülformel lautet: C.Hzn+z·
8 n-Oktan CuH1 s + 126 ' C 18
X Ab dem Butan treten Konstitutionsis omere (gleiche
9 n-Nonan C, H" +151 ' C 35
10 n-Decan C10 H22
Summenformel unterschiedliche Strukturformel) auf.
+ 174 ' C 75
X Der Siedepunkt steigt mit zunehmender Molekül-
I Tab. 1: Homologe Reihenfolge der Alkane
länge durch die stärker werdenden intermolekularen
.. Van-der-Waals-Kräfte an. Insgesamt haben die
Alkane j edoch nur niedrige Siedepunkte, da die Van-
der-Waals-Kräfte zu den schwachen intermolekularen
Kräften zählen.
x Die Alkane sind unpolar und damit hydrophob/lipo -
phil.
X Die typischen Reaktionen der Alkane sind die radika-
lisehe Substitution und die Verbrennung.
Kohlenwasserstoffe II
Alkene Nomenklatur
Bei den Alkenen ist das Suffix -an gegen -en ersetzt worden.
Aufbau Die Position der Doppelbindung wird durch die entspre-
Die Alkene haben im Unterschied zu den Alkanen mindes- chende Ziffer vor den Namen der Hauptkette geschrieben.
tens eine Doppelbindung zwischen den C-Atomen. Hier gil t, dass die Position möglichst klein sein soll. Liegen
mehrere Doppelbindungen vor, so schreibt man deren Anzahl
R-HC=CH-R' (R = Rest) als griechisches Zahlwort vor das Suffix -en. Diese Stoffe wer-
den als Polyene bezeichnet: Dien, Trien, .. .
Sie werden deshalb auch als ungesättigt bezeichnet. Die C- Sind Alkene zusätzlich noch verzweigt, so erfolgt ihre Nomen-
Atome der Doppelbindungen sind sp2 -hybridisiert, wodurch klatur analog zu der der Alkane (s. S. 52/53).
die frei gebliebenen p-Orbitale des C-Atoms eine n-Bindung
CH 3
= Doppelbindung eingehen. n-Bindungen sind im Gegensatz I
H2C =CH -CH -C =CH2
zu cr-Bindungen nicht mehr frei drehbar, da sich ihre beiden 1 2 31 4 5
Bindungen bei einer Drehung um die eigene Achse überkreu- CH 3

zen würden. Dies ist sterisch nicht möglich. 3.4-Dimethyl-1.4-pentadien


Die sp 2-Hybridorbitale gehen also eine cr-Bindung mit H-
ader C-Atomen ein. Das einfachste Molekül der Alkene, das
auf diese Welse entsteht, ist das Ethen. Es hat die Summen- Eigenschaften/Reaktionen
formel C2H4 • In ihren physikalischen Eigenschaften gleichen die Alkene
H H den Alkanen.
\
C=C
I
Durch ihre Doppelbindung sind die Alkene äußerst reak-
H
I \
H tionsfreudig. Sie gehen vor allem Additionsreaktionen
ein, bei denen aus der n-Bindung zwei a-Bindungen entste-
Das auf das Ethen folgende Molekül wäre das Propen C3H6 . hen. Hierbei lassen sich je nach Reaktionspartner folgende
Für alle Alkene mit einer Doppelbindung gilt die folgende all- Reaktionstypen an Additionen unterscheiden:
gemeine Molekülformel: CnHzn·
Halogenierung
Isomerie Bei der Halogenierung handelt es sich um eine Additions-
Auch bei den Alkenen treten ab dem Butan Isomere auf. reaktion, in der aus einem Alken durch die Anlagerung eines
Diese unterscheiden sich in der Position ihrer Doppelbin- Halogens (Br 2, Cl2, 12 ) ein Halogenkohlenwasserstoff ent-
dung. So kann die Doppelbindung zwischen C1 und C2 oder steht. Die Reaktion verläuft in einem zweistufigen Prozess.
zwischen C2 und C3 auftreten. Im ersten Fall spricht man von Als Erstes tritt ein Halogenmolekül, hier Br2, in lockere Wech-
I-Buten und im zweiten von 2-Buten. selwirkung mit der Doppelbindung des Alkens. Dadurch
kommt es zu einer Polarisierung des Brommoleküls. Der posi-
2-Buten: H3 C-CH=CH-CH 3 tive Pollagert sich an die Doppelbindung an und wird aus
1-Buten: H3 C-CH 2-C H=CH 2 dem Brommolekül "herausgerissen" = elektrophile Addi-
tion. Es entsteht ein Bromoniumion (Kation). Übrig bleibt das
Moleküle haben die gleiche Summenformel, aber eine unter- Bromidion (Anion), das jetzt wiederum im zweiten Schritt in
schiedliche Strukturformel. Sie sind Konstitutionsisomere. einer nukleophilen Additionsreaktion eines der C-Atome
Es gibt noch eine weitere Isomerie, die cis/trans-Isomerie von der anderen Seite her angreift und angelagert wird=
= geometrische Isomerie. Dadurch, dass die Doppel- trans-Addition.
bindung nicht frei drehbar ist, ergeben sich zwei mögliche
Anordnungen der Reste an den C-Atomen: '/C=~f '- ~
/

H H H H H H H
I I I I I I I .s·sr
ö_ ~;:J
H-C-C=C-C-H H-C-C=C-C-H
I I I I I
H H H H H
trans-2-Buten n-Komplex Bromonium-Ion Dibromid
cis-2-Buten

Die trans-Isomere kommen in der Natur häufiger vor, da sie Ähnlich verläuft die Reaktion, wenn Halogenwasserstoffe
'
z. B. HCl, angelagert werden. Hierbei ist es das Wasserstoff-
energetisch günstiger sind. In ihnen haben die Reste mehr
Platz und stoßen sich dadurch weniger ab. atom, das sich an die Doppelbindung anlagert und "aus sei-
541 55

nem Molekül gerissen" wird. Es entstehen ein positives Car- Hydrierung


bokation und ein Clorid-Anion. Dieses lagert sich im zweiten In dieser Reaktion lagert sich Wasserstoff an die Doppelbin-
Schritt an das Carbokation an, und es entsteht ebenfalls ein dung an, so dass aus dem Alken ein Alkan wird. Dabei befin-
Halogenalkan. den sich nach Abschluss der Reaktion beide Wasserstoffatome
auf der gleichen Seite= cis-Addition.
'· . . ..
H
~ . v-- 1g 16
H
c- c - c- c-
I I

/
x-Komplex aus einem
"' 1 I
- C - C - CI
I I
Polymerisation
Carbokati on Addi tions-
Alken mit einem Proton produkt
Bei der Polymerisation handelt es sich um eine radikalisehe
(Chloralkan) Additionssreaktion, in der durch Katalysatoren aus kurzen
Alkenen lange Alkenketten entstehen. So wird beispielsweise
aus Ethen Polyethylen:
Hydratisierung
Unter einer Hydratisierung versteht man die Anlagerung ... H1C=CH 2 + H2C=CH 2 + H2C=CH 2 + ...
von Wasser (zum Vergleich: Hydrierung: Anlagerung von -CH 2-CH 2-CH 2-CH 1-CH 1-CH 1- ...
--t ...

Wasserstoff) an eine Doppelbindung. Da diese Reaktion nicht


freiwillig abläuft, bedarf es eines Katalysators in Form von H+- Alkine
Ionen. Durch ihre Einwirkung auf die Doppelbindung bildet
sich ein positives Carbokation. An dieses lagert sich Wasser in Alkine sind ebenfalls ungesättigte Kohlenwasserstoffe. Sie
einer nuk.leophilen Additionsreaktion an. Das angelagerte weisen eine Dreifachbindung auf, bei der die C-Atome
Wasser spaltet seinerseits wieder ein Proton ab, wodurch ein sp-hybridisiert vorliegen:
Alkohol entsteht.
R-C=C-R '
H
II el
H ~ p~ H 0- H H Ihr einfachster Vertreter ist das Ethin mit der Summenformel
'\ / +H• I • y: II I I I I
C= C ~ - c- c- - c- c- - C- C- OH C2H2 . Danach folgt Propin mit C3H4 . Bei den Alkinen lautet
/ ' 1 I 1 I I I die allgemeine Molekülformel: CnHzn-z·
Alken Carbokati on protoniert er A lkohol Alkohol Bei den Alkinen ist das Suffix -an gegen -in ersetzt worden.

Zusammenfassung
• Die Alkene weisen alle mindestens eine Doppel-
bindung auf und werden daher auch als ungesättigt
bezeichnet: R-HC=CH-R '.
• Alkene mit einer Doppelbindung haben die allge-
meine Molekülformel: CnHzn.
• Die Alkene zeigen vor allem Addltionsreaktlonen:
Halogenierung (CL2, Br2), Hydratisierung (H 20),
Hydrierung (H 2) und Polymerisation.
• Die Alkine enthalten Dreifachbindungen R-C=C-R '.
Ihre allgemeine Molekülformel lautet: CnH 2.,.2 .
Kohlenwasserstoffe 111
Halogenalkane untersc hi edlich. Wie stark, hän gt dabei von der Art und An-
zahl der Halogenatome im Halogenalkan ab.
Halogenalkane entstehen durch die Halogenierung von
Alkenen (s. S. 54) oder durch radikalisehe Substitution ~ Wie die Alkane sind sie wasserunlöslich {hydrophob) und
aus Alkanen. fettlöslich {lipophil).
~ Sie sind ebenfalls reaktionsträge.
Radikalische Substitution ~ Viele Halogenalkane sind im Gegensatz zu den Alkanen
Bricht die Bindung innerhalb eines CI 2-Moleküls in der Mitte, betäubend und gesundheitsschädlich, wie z. B. das Halo-
nennt man dies homolytisch. So entstehen Atome, die je- than, das früher in der Anästhesie als Narkosegas verwendet
weils ein ungepaartes Elektron haben. Sie werden Radikale wurde.
genannt und sind äußerst reaktiv. Dies geschieht beispiels- ~ Die typische Reaktion der Halogenalkane ist die nukleo-
weise, wenn UV-Strahlung auf Chlormoleküle einwirkt. Es phile Substitution (s. organische Reaktionen, S. 70-73 J. In
entstehen Chlor-Radikale, die als solche mit einem Punkt dieser wird das Halogenatom durch eine starke Lewis-Base
(ungepaartes Elektron) gekennzeichnet werden: (z. B. OH-) im Molekül ersetzt.

~ Cl 2 + UV---+ 2CI· (Kettenstart). Ringförmige Kohlenwasserstoffe


Diese greifen H-Atome des Alkans (R-H) an und bilden mit
diesem Chlorwasserstoff. Zurück bleibt ein Alkyl-Radikal: Zykloalkane
~ R-H+ Cl· ---+ R· + HCI (Kettenfortpßanzung). Bei Zykloalkanen handelt es sich um eine Untergruppe der
Das Alkyl-Radikal reagiert seinerseits jetzt mit einem Cl 2 -Mo- Alkane. Sie sind ringförmige, gesättigte Kohlenwasser-
lekül und entreißt diesem ein Chloratom. Hierdurch entste- stoffe mit der allgemeinen Molekülformel CnH 2 ". Ihre
hen ein Halogenalkan und ein Chlor-Radikal: Benennung erfolgt analog zu der der Alkane, nur dass ihnen
~ R· + Cl 2 ---+ R-Cl + Cl· (Kettenfortpßanzung). die Silbe Zyklo- vorangestellt wird.
Das Chlor-Radikal kann nun wiederum mit einem Alkan Betrachten wir das Zyklohexan C6 H121 so zeigt sich, dass je-
reagieren. Es entsteht eine Kettenreaktion. Diese kommt erst des C-Atom vier Einfachbindungen = cr-Bindungen aufweist.
zum Erliegen, wenn zwei Radikale miteinander reagieren: Es ist also sp3-hybridisiert und nimmt daher mit seinen Substi-
~ z. B.: R· + Cl· ---+ R-Cl (Kettenabbruch). tuenten/ Resten die Form eines Tetraeders ein. Folglich kann
Die Bindung zwischen dem Halogenatom und dem Kohlen- der Zyklohexanring keine planare Ringstruktur sein. Vielmehr
stoff ist aufgrundihrer Elektronegativitätsdifferenz eine pola- sind zwei mögliche dreidimensionale Raumstrukturen = Kon-
re Atombindung. formationen denkbar: die Sesselform und die Wannenform
(I Abb. 1). Sie sind Konformationsisomere.
Nomenklatur In der Natur trifft man hauptsächlich auf die Sesselform, da
Die Nomenklatur der Halogenalkane erfolgt wie die der Alkane. sie energetisch günstiger ist. In ihr lassen sich zwei Ausrich-
Das Halogen wird als Substituent/Rest betrachtet und erhält, tungen der H-Atome erkennen: solche, die senkrecht nach
wie sonstige Abzweigungen der Kette auch, Nummer und oben bzw. unten zur Ebene zeigen, sie werden axial (a)
Namen, die dem Hauptkettennamen vorangestellt werden. genannt, und solche, die seitlich abstehen, sie werden äqua-
torial (e ) genannt. Diese Ausrichtung führt dazu, dass die
Cl
I einzelnen H-Atome den größtmöglichen Abstand zueinander
H3C- CH-CH2-CH-CH3 einnehmen und die Sesselform somit begünstigen.
5 41 3 2 1
CH 3
2-Chlor-4-methyl-pentan Zykloalkene
Zykloalkene sind einfach ungesättigte, ringförmige Koh-
Eigenschaften lenwasserstoffe, die eine Untergruppe der Alkene dar-
Die Halogenalkane gleichen in manchen Eigenschaften ihren stellen. Ihre allgemeine Molekülformel lautet: C0 H20 _2 • Sie
entsprechenden Alkanen. In anderen sind sie jedoch deutlich gleichen in ihren Eigenschaften weitgehend den Alkenen.

H~-~H
H H H
A (Sesselform) B (Wannenform)

Konformere des Cyclohexans I Abb . 1: Sessel- und Wannenform des Zyk lohexans. [2)
56 I 57

Aromaten Atom durch ein anderes Atom oder Molekül ersetzt wird. Die
Aufbau und Mesomerie Doppelbind ung bleibt dabei erhalten (vgl. Alkene, hier geht
Bei den Aromaten handelt es sich um ungesättigte, ring- sie durch Addition verloren). Befinden sich mehr als zwei
förmige Kohlenwasserstoffe. Ihre Grundstruktur ist das Substituenten am Benzolring, so werden Vorsilben benutzt,
Benzol C6H6 • Es besteht aus einem Sechserring mit drei Dop- um die Position des zweiten Substituenten genau zu beschrei-
pel- und drei Einfachbindungen, die abwechselnd auftreten; ben: ortho-, meta- und para- (I Abb. 2). Beim 1,2-Dimethyl-
sie alternieren. Daher spricht man auch von konjugierten benzol befindet sich die zweite Methylgruppe in ortho-Stel-
Doppelbindungen. Alternieren Doppel- und Einfachbindun- lung zur ersten. Im Trivialnamen wird dies abgekürzt, indem
gen nicht, so nennt man sie isoliert. einfach ein o-, m- oder p- vor den Namen geschrieben wird .
JedesC-Atom im Benzolring weist also eine Doppelbindung
auf, es ist sp 2-hybridisiert und nimmt damit eine trigonal-
planare Struktur ein. Folglich ist auch der Benzolring planar. Struktur IUPAC-Name Trivialname
Eine Konformationsisomerie wie beim Zyklohexan gibt es
demnach nicht.
Problematisch ist jedoch, dass sich die n-Bindungen in ihren
Methylbenzol Toluol
Positionen nicht eindeutig zuordnen lassen. Es gibt zwei mög-
liche Anordnungen:

0 0 1 ,2-Dimethylbenzol o-Xylol

0 meta
1 ,3-Dimethylbenzol m-Xylol

Sie werden als mesomere Grenzstrukturen bezeichnet


und mit einem Doppelpfeil verbunden (kein Gleichgewichts-
pfeil). In Wirklichkeit tritt jedoch keine dieser beiden Grenz-
strukturen auf, sondern die n-Elektronen der Doppelbindun-
gen überlappen sich als ringförmige Wolken ober- und unter-
halb des Ringes. Sie sind delokalisiert. Dies füh rt zu einer
höheren Stabilität des Moleküls. Um dieses in der Struktur-
forme! deutlich zu machen, wird statt der alternierenden
Q CH3 para
1 ,4-Dimethylbenzol

1 Abb. 2: Benennung des Benzols. ]1]


p-Xylol

Doppelbindungen ein Kreis in den Ring des Benzols gezeich-


net.

Reaktionen und Nomenklatur


Die Reaktion der Aromaten ist die elektrophile Substitu- Zusammenfassung
tion (s. organische Reaktionen II, S. 72/73), bei der ein H- X Halogenalkane können durch elektrophile Addition
aus den Alkenen oder durch radikalisehe Substitution
aus den Alkanen entstehen.
X Zykloalkane sind ringförmige, gesättigte Kohlen-
wasserstoffe aus der Gruppe der Alkane mit der allge-
meinen Molekülformel CnHzn·
X Zykloalkene sind ringförmige, einfach ungesättigte
Kohlenwasserstoffe aus der Gruppe der Alkene mit
der allgemeinen Molekülformel CnHzn-z·
X Aromaten sind ringförmige, ungesättigte Kohlen-
wasserstoffe. Ihre Grundstruktur ist das Benzol. Sie
weisen delokalisierte 7t-Eiektronen auf, was in ihrer
Strukturformel mit einem Ring gekennzeichnet wird.
Alkohole, Phenole, Ether
Alkohole Isomerie
Auch bei den Alkoholen tre ten Isomere auf. So sind im Propa-
Aufbau und Nomen klatu r nol zwei Positionen für die OH-Cruppe denkbar: einmal am
Alkohole entstehen aus den Alkenen durch eine nukleophile Ende des Moleküls (n-Propanol) und einmal in der Mitte
Additionsreaktion, die Hydratisierung, bei der sich Wasser (Isopropanol). Beide besitzen dieselbe Summenformel, aber
an die Doppelbindung anlagert (s. S. 54/55) . Durch diese Re- untersc hi ed liche Strukturformeln . Es sind demnach Konstitu-
aktion spaltet sich ein H+-lon ab. Übrig bleibt eine Hydroxyl· tionsisomere.
gruppe = OH-Gruppe = Alkoholgruppe. Sie stellt die
funktionelle Gruppe der Alkohole dar. Eigenschaften
Beispiel: Ethen zu Ethanol: Die Alkoholgruppe weist einen Dipol auf, da der Sauerstoff
deutlich elektronegativer als der Wasserstoff ist und somit die
Elektronen zu sich heranzieht. Dadurch können Alkohole
Wasserstoffbrücke ausbilden, die für folgende Eigenschaften
Formal gesehen kann man die Alkohole auch als Alkane mit der Alkohole verantwortlich sind:
einerOH-Gruppeauffassen und sie als Alkanole bezeichnen.
.,.. Kurzkettige und mehrwertige Alkohole sind in polaren Lö-
sungsmitteln wie Wasser löslich. Sie sind hydrophil und lipo.
phob. Je länger jedoch der Anteil der Kette ohne OH-Grup-
Die Bezeichnungen der Alkohole ergeben sich aus dem Namen pen wird (hydrophober Alkananteil), umso mehr nimmt die
des Alkans und dem Suffix -ol: Methan~ Methanol, Ethan~ Wasserlöslichkeit ab .
Ethanol, Propan~ Propanol. Die allgemeine Molekülformel .,.. Durch die Ausbildung von Wasserstoffbrücken haben Alko-
für Alkohole mit einer OH-Gruppe lautet: CnHZn+1-0H. hole deutlich stärkere intermolekulare Kräfte als vergleich-
Enthält ein Alkohol nur eine OH-Cruppe, so wird er als ein- bare Alkane. Daher haben sie auch höhere Siedepunkte.
wertiger Alkohol bezeichnet. Enthält er mehrere OH-Grup- .,.. Mehrwertige Alkohole schmecken süß, z. B. Glycerin,
pen, so spricht man von einem mehrwertigen Alkohol. Die Glykol, Glukose.
Anzahl der Alkoholgruppen wird dabei als griechische Zahl .,.. Kurzkettige Alkohole zeigen toxische Eigenschaften.
vor das Suffix geschrieben:
Reaktionen
.,.. zweiwertiger Alkohol: Ethangrundgerüst + 2 OH-Gruppen: Das Reaktionsverhalten wird durch die Position der OH-Grup-
OHCH 2-CH 20H = 1,2-Ethandzül, pe im Molekül bestimmt (s. S. 62/63):
.,.. dreiwertiger Alkohol: Propangrundgerüst + 3 OH-Gruppen:
OHCH 2 -CHOH-CH 20H = 1,2,3-Propantriol. ..,.. Wird eine primäre Alkoholgruppe oxidiert, so entsteht
daraus eine Aldehydgruppe. Die Oxidationszahl des
Die Nomenklatur erfolgt nach den Regeln der IUPAC, die wir C-Atoms steigt von -1 auf +l an. Wird die Aldehydgruppe
unter anderem bereits für Alkane und Alkene kennengelernt noch einmal oxidiert, entstehen die Carbonsäuren.
haben. .,.. Wird eine sekundäre Alkoholgruppe oxidiert, so ent-
Die Anzahl der OH-Gruppen bestimmt wesentlich die physi- steht daraus eine Ketogruppe. Die Oxidationszahl des
kalischen Eigenschaften der Alkohole. Es spielt für die Ein- C-Atoms steigt von 0 auf +Il an.
teilung der Alkohole nicht nur eine Rolle, wie viele OH-Grup- .,.. Eine tertiäre Alkoholgruppe lässt sich nicht oxidieren
pen gebunden sind, sondern auch wo diese gebunden sind: ohne dass ihre Struktur zerstört wird. '

.,.. Hat das C-Atom, das die OH-Gruppe trägt, eine (oder Entzieht man Alkoholmolekülen Wasser (Dehydratisierung),
keine) Bindung zu einem weiteren C-Atom, so ist es ein indem man ihnen heiße, starke Säuren als Katalysator zufügt
primärer Alkohol. entstehen Alkene. Der Reaktionstyp ist die Eliminierung. '
.,.. Hat das C-Atom, das die OH-Gruppe trägt, zwei weitere Beispiel: Ethanol zu Ethen:
Bindungen zu C-Atomen, so ist es ein sekundärer Alkohol.
.,.. Hat das C-Atom, das die OH-Cruppe trägt, drei weitere
Bindungen zu C-Atomen, so ist es ein tertiärer Alkohol.
Reagieren Alkohole mit einem weiteren Alkohol, so bilden
,-
R1
sich unter Wasserabspaltung die Ether:
RJ -C- OH
I 2 R-OH ~ R-0-R + H20
R3
primär sekundär tertiär

Das Reaktionsverhalten der Moleküle wird hauptsächlich


durch die Position der OH-Gruppen bestimmt.
58 I 59
Phenole Ether

Aufbau Optisch betrachtet handelt es sich bei Ether-Molekülen um


Phenole bestehen aus einem Benzolring, an dem eine (ein- Alkane, bei denen zwischen zwei C-Atome ein Sauerstoff-
wertige Phenole) oder mehrere (mehrwertige Phenole) Hy- atom eingeschoben wurde: R-0 -R'.
dro:xylgruppen gebunden sind.
OH ~ Methoxymethan / Dimethylether: H3 C-O-CH 3

6
~ Ethoxyethan/Diethylether: H3C-CH 2-0-CH2-CH 3

Sie werden auch als Alko:xyalkane bezeichnet. Die Ketten


links und rechts des Sauerstoffatoms müssen nicht identisch
sein. Sind sie identisch, so spricht man von einem symmet-
Phenol Brcnzk:11echin Resorcin Hydrochinon
rischen Ether, sind sie es nicht, von einem unsymmetri-
schen Ether.
Eigenschaften Neben den linearen Ethern gibt es auch solche mit zyklischer
Obwohl die Phenole die gleiche funktionelle Gruppe wie die Struktur. Da diese Ringe neben Kohlenstoff zusätzlich Sauer-
Alkohole tragen, ähneln sie in ihrem Verhalten den schwa- stoff enthalten, werden sie als Heterozyklen bezeichnet.
chen Säuren. In Wasser gelöst, spaltet die OH-Gruppe ein Unter Homozyklen versteht man dementsprechend Zyklo-
Proton ab. Es entstehen ein Phenolat-Anion und ein Hydro- alkane, Zykloalkene und Aromaten.
nium-Kation. Werden Phenole mit Basen neutralisiert, so bil- Ether entsteht aus zwei primären oder sekundären Alkoholen
den sie Salze. durch eine Wasserabspaltung:

6
OH

+ N•OH Eigenschaften
Sauerstoffatome können alleine keine Wasserstoffbrücken
Phenolat-Ion ausbilden, folglich können Ether dies auch nicht. Sie sind
damit in Wasser unlöslich. Ihre Siedepunkte sind niedrig und
Für das Phenolat-Anion gibt es vier mesomere Grenzstruktu- liegen im Bereich der Alkane.
ren, wovon keine in der Realität auftritt. Die negative Ladung
liegt in Wirklichkeit auf mehrere Atome verteilt vor. Das An-
ion ist damit mesomeriestabilisiert, wodurch es einen ener- Zusammenfa ssung
gieärmeren Zustand einnimmt. X Alkohole sind formal gesehen Alkane mit einer funk-
tionellen OH-Gruppe =Hydroxylgruppe . Sie ent-
stehen durch Hydratisierung aus Alkenen. Ihre Grund-
struktur lautet: R-CH.-OH.
X Haben sie nur eine Alkoholgruppe, so werden sie als
Mesomerie des Phenolat-Ions
einwertige Alkohole bezeichnet. Verfügen sie über
Reaktionen mehrere OH-Gruppen, so nennt man sie mehrwerti-
Die klassische Reaktion der Phenole ist die elektrophile Ad- ge Alkohole.
dition (s. auch S. 70). Diese wird durch den positiven meso-
meren Effekt des Sauerstoffs begünstigt. Darunter ist das Auf- X Nach der Anzahl an C-Atomen, die dem C-Atom mit der
treten einer negativen Ladung in ortho- und para-Stellung im OH-Gruppe benachbart sind, werden die Alkohole in
Ringsystem und einer positiven Ladung am OH-Molekül zu primäre, sekundäre und tertiäre Alkohole eingeteilt.
verstehen.
X Phenole bestehen aus einem Benzolring, der eine
~O H oder mehrere OH-Gruppen trägt.

6
Mesomeri e des Phenols
X Durch den mesomeren Effekt des Sauerstoffs werden
elektrophile Reaktionen bei den Phenolen begünstigt.
X Ether entstehen aus Alkoholen durch Wasserabspal-
tung: 2 R-OH ~ R-0-R + H2 0. Ihr strukturgebendes
An dieser negativen Ladung greifen nun bevorzugt elektro- Element ist eine Sauerstoffbrücke.
phile Teilchen an und können angelagert werden.
Amine und Thiole
Amine und ihre Abkömmlinge Typ Formel Funktionelle Gruppe Beispiel

Primäres Amin R-NH 2 Primäre Aminogruppe: Methylamin CH 3-NH 2


Aufbau und Nomenklatur -NH 2
Amine sind organische Stickstoffverbindungen. Sie sind Sekundäres R,NH Sekundäre Amin ogru ppe: Dimethyamin CH,-NH-C H ,
"Abkömmlinge" des Ammoniaks (NH 3 ), bei dem die H-Atome Amin -NH-
durch organische Reste ersetzt wurden. Nach der Anzahl Tertiäres Amin R3 N Tertiäre Aminogruppe: -~- Trime thylamin (CH , ),-N
ihrer ausgetauschten H-Atome lassen sich die Amine wie folgt
einteilen: I Tab. 1: Amine

..,. Bei den primären Aminen wurde ein H-Atom gegen


einen organischen Rest ausgetauscht.
..,. Bei den sekundären Aminen wurden zwei H-Atom ..,. Amine sind aufgrund ihrer polaren Gruppe besser wasser-
gegen zwei organische Reste ausgetauscht. löslich als vergleichbare Alkane. Die Löslichkeit nimmt mit
..,. Bei den tertiären Aminen wurden drei H-Atom gegen steigender Alkyllänge der Reste ab .
drei organische Reste ausgetauscht. ..,. Durch die Polarität steigen die intermolekularen Kräfte
und damit auch der Siedepunkt. Dieser liegt höher als bei den
Dabei erfolgt die Nomenklatur nach den IUPAC-Regeln. Die Alkanen, jedoch niedriger als bei den Alkoholen.
Stoffe werden nach den Kohlenwasserstoffstrukturen benannt
und erhalten die Endung-amin, daher auch ihre Bezeich- Reaktionen
nung als Alkanamine (I Tab. 1). In Verbindung mit Säuren bilden Amine nach Verdampfen des
Oft tragen die Verbindungen Trivialnamen, so ist das Benzol- Wassers Salze. Handelt_es sich bei der Säure um Salzsäure, so
amin als Anilin und das 1-Methyl-2-phenyl-ethyl-amin als Am- entstehen Hydrochlonde:
phetamin bekannt.
R-NH 2 + HCI-; [R-NH 3j+CI- (HydrochiDrid)

In einer elektrophilen Substitutionsreaktion entstehen aus


den tertiären Aminen quartäre Ammoniumverbind ungen
bei denen vier Reste an den Stickstoff gebunden werden. Das'
Stickstoffatom erhält dadurch eine positive Ladung.
Anil in 1-Methyl-2-phenylethylamin
Aminobenzol 2-Amino-1-phenylpropan
Amphetamin
Benzedrin

Eigenschaften quartäres Ammoniumsalz

Ammoniak ist eine Base. Es kann ein Proton an das freie


Elektronenpaar des Stickstoffs binden und dadurch in Verbin- Es lassen sich dabei ein Amin-Typ, bei dem alle vier Reste
dung mit HP Hydroxidionen erzeugt. Folglich reagieren organischen Ursprungs sind, und ein Imin-Typ, bei dem ein
auch die Amine basisch: Rest anorganischen Ursprungs ist, unterscheiden.

Amide
Amide entstehen, wenn sich ein Amin mit einem Carbon-
Wie groß ihre Basizität ist, hängt dabei von der Art und der säurederivat, z. B. Carbonsäurechlorid, zusammenlagen:
Anzahl der Reste ab. So erhöhen Alkyl-Reste die Basizität,
R-CO-CI + H 2 N-R ' --; R-CO-NH-R' (Amid)+ HCI
indem sie die Elektronendichte am Stickstoff verstärken. Je
mehr Alkyl-Reste gebunden sind, umso basischer reagiert das
Amin (beachte: je kleiner der pK 8, desto basischer ist ein Thiole und ihre Abkömmlinge
Stoff, da gilt: pK5 = 14 - pK 6):
Aufbau und Nomenklatur
pKs der Amine: pKs tertiäre Amine< pKa sekundäre Amine < PKepdmäce Amine Alkanthiole, kurz Thiole, gehören zu den organischen
Schwefelverbindungen. Sie tragen als funktionelle Grup-
Bei aromatischen Resten (Aryl-Reste} nimmt der basische pen SH-Gruppen = Thiolgruppen. Damit entsprechen sie
Charakter gegenüber dem Ammoniak ab, da sich die Elektro- den Alkoholen, nur dass hier das Sauerstoffatom gegen ein
nen über den Ring verteilen und somit die Elektronendichte Schwefelatom ersetzt ist.
am Stickstoff sinkt.
R-CH 2-SH (Thiol), R-CH 2-0H (Alkohol)
Physikalische Eigenschaften der Amine:
60 I 61
Ihre Namen leiten sich von der Grund- negativität aufweist. Deshalb sind ihre Es bildet sich eine S-S-Brücke, die sog.
struktur des Kohlenwasserstoffs ab [z. ß_ Wasserstoffbrücken (intermolekulare Disulfidbrücke:
Alkan, Alken), wobei zusätzlich noch Kräfte) im Vergleich zu den Alkoholen
das Suffix -thiol an das Ende des Na- schwächer und folglich sieden sie R-S-S-R '
mens gehängt wird: schon bei niedrigeren Temperatu-
ren, jedoch bei höheren als Alkane. Sie spielt z. ß_ eine Rolle bei der Stabili-
~ CH 3-SH = Methanthiol ~ Ebenso wie die Alkohole sind sie was- sierung der räumlichen Gestalt von Pro-
~ CH3-CH 2-SH = Ethanthiol serlöslich (hydrophil, lipophob) , je- teinen (s. S. 84/ 85).
~ C6 H5-SH = Benzothiol doch auch hier deuUich schwächer.
~ CH 3-CH=CH-CH 2-SH = ~ Da das Schwefelatom das Wasserstoff- Thiolderivate
2-Buten- 1-thiol atom nicht so fest bindet, kann dieses Thioether oder Sulfide entsprechen
leichter abgegeben werden. Die Thiole in ihrem Aufbau weitestgehend den
Durch ihre Eigenschaft, Quecksilber reagieren mit Wasser somit deutlich Ethern, bis auf den Austausch des Sauer-
(Mercurium) zu komplexieren, haben sauerer als die Alkohole stoffatoms gegen ein Schwefelatom:
sie noch den weiteren Namen Mercap- [pKSThiole < pKSAikohole): R-CHz·SH + HzO
tane: ---+ R-CH 2-S- + H30 + R-S-R'
~ Des Weiteren bilden sie mit NaOH bei
~ CH 3-SH = Methylmercaptan der Neutralisation Salze, die Thiolate: Im Gegensatz zum Ether lassen sie sich
~ CH 3-CH2-SH = Ethylmercaptan R-CH 2 -SH + NaOH ---+ R-CH2 -SNa + oxidieren. Dabei entstehen durch die
~ CH3-CH 2-CH2-SH = Propylmercaptan H20 Aufnahme des Sauerstoffs Sulfoxide:
~ Kurzkettige Thiole riechen widerwär-
2 CH 3-CH 2-SH + Hg 2' -t tig und zeigen toxische Eigenschaften R-SO-R '
[2 CH3-CH 2-s- - Hg 2'- · S-CH 2-CH 3] + auf das zentrale Nervensystem.
2H+ Wird dieses noch einmal oxidiert, bil-
Reaktionen den sich Sulfone:
Bei den Reaktionen hingegen unterschei-
Eigenschaften den sich Thiole und Alkohole deuUich
Schwefel und Sauerstoff stehen in der voneinander. Bei der Oxidation ent-
gleichen Hauptgruppe, deshalb verhal- stehen aus ihnen durch Dimerisation Sowohl bei den Sulfoxiden als auch bei
ten sich die Thiole ähnlich wie die ("aus zwei mach eins") Disulfide. In den Sulfonen bestehen Doppelbindun-
Alkohole. diesen wird das Schwefelatom oxidiert gen zwischen dem Schwefel- und dem
[bei den Alkoholen ist es der Kohlen- Sauerstoffatom.
~ Auch die SH-Gruppe bildet einen stoff). Die Oxidationszahl des Schwefels steigt
Dipol, wenn auch vergleichsweise dabei von +II im Sulfid, über +IV für
schwächer, da Schwefel im Vergleich 2 R-CH 2-SH - ZH) R-CH 2-S-S-CH 2-R das Sulfoxid auf +VI für das Sulfon an.
zum Sauerstoff eine geringere Elektro-

Zusammenfassung
ac Amine sind organische Stickstoffverbindungen, die sich vom Ammoniak
ableiten. Bei diesem sind die H-Atome gegen organische Reste ausge-
tauscht worden.
X Amide entstehen aus Carbonsäurederivaten und Aminen.
• Thiole sind organische Schwefelverbindungen mit einer SH-Gruppe als
funktioneller Gruppe. Ihre Grundstruktur lautet: R-CH 2-SH.
ac Aus den Thiole gehen die Disulfide R-S-S-R·, Sulfide R-S-R ', Sulfoxide
R-SO-R• und Sulfone R-S0 2-R• hervor.
::~hyde und Ketone
___ ·': ::,u und Struktur rung der Doppelbindung, indem das 0-Atom die negative
Ladung und das C-Atom die positive Ladung trägt. Dement-
Aldehyde und Ketone stellen Oxidationsprodukte der primä- sprechend gibt es zwei mesomere Grenzstrukturen für die
ren und sekundären Alkohole dar. Carbonylgruppe:

...,. Wird eine primäre Alkoholgruppe oxidiert, so entsteht


'
[I
C=O'/ ~

I
_e]
C- 01
-

daraus eine Aldehydgruppe. Die Oxidationszahl des


C-Atoms steigt von - 1 auf +I an. Daher werden die Aldehyde und Ketone den polaren Ver-
...,. Wird eine sekundäre Alkoholgruppe oxidiert, so ent- bindungen zugeordnet. Ihre kurzkettigen Vertreter sind
steht daraus eine Ketogruppe. Die Oxidationszahl des wasserlöslich. Mit steigender Länge des Kohlenwasserstoff-
C-Atoms steigt von 0 auf +II an. grundgerüstes nimmt die Wasserlöslichkeit jedoch ab, und ab
H 0 1 C6 sind sie praktisch wasserunlöslich. In Alkoholen, Ethern
l- 1
R-C-0-H
-
---
2H +II/
R-C
und organischen Lösungsmitteln sind sie aber weiterhin gut
I - '
H
löslich.
H
Anders als die Alkohole können sie keine Wasserstoffbrü-
primärer Alkohol Aldehyd
cken ausbilden, da ihnen die hierfür nötige Hydroxylgruppe
R
I0 _ - 2H
(-OH) fe hlt. Folglich bilden sie schwächere intermolekulare
R-C-0-H -- Kräfte - Dipol-Dipol-Wechselwirkungen - als die Alkohole
I -
H aus und zeigen somit niedrigere Siedepunkte. Dennoch liegen
sekundärer Alkohol Keton die Siedepunkte durch die Dipol-Dipol-Wechselwirkungen
über denen vergleichbarer Alkane.
Für beide Stoffklassen ist die Carbonyl-Gruppe (>C=O) die
funktionelle Gruppe: Reaktionen

...,. Bei den Aldehyden ist sie am Molekülende - das C-Atom Additionsreaktionen
trägt maximal einen organischen Rest. Durch die Polarität der Carbonylgruppe, in der das 0-Atom
...,. Bei den Ketonen befindet sie sich innerhalb des Moleküls - eine negative Ladung trägt, ist aus diesem ein Nukleophil
das C-Atom trägt zwei organische Reste. (Elektronenpaardonator) geworden, an dem elektrophile
Additionsreaktionen stattfinden. DasC-Atom trägt eine
In der Carbonylgruppe sind sowohl das C-Atom als auch das entsprechende positive Ladung, es ist ein Elektrophil (Elek-
0-Atom sp2-hybridisiert. Somit kommen das 0-, C-Atom und tronenpaarakzeptor). Dort finden nukleophile Additions-
dessen Reste in einer Ebene zum Liegen. Zwischen ihnen be- reaktionen statt.
steht ein Bindungswinkel von 120 °.

Nomenklatur

Die Bezeichnung Aldehyd stammt aus dem Jahre 1835 von


]. v. Liebig, der diese von der Tatsache ableitete, dass Alde- Addition von Wassermolekülen
hyde Alkohole minus zwei H-Atome sind: Alkohol dehydro- Wasser lagert sich in einer nukleophilen Additionsreaktion an
genatum, kurz Aldehyd. das C-Atom der Carbonylgruppe an. Dabei tritt ein Proton des
Der Name des einzelnen Aldehyds bzw. Ketons leitet sich Wassers auf das 0-Atom der Carbonylgruppe über, so dass
vom zugehörigen Alkan ab und wird mit der Endung -al für nach Ablauf der Reaktion das C-Atom zwei Hydroxylgruppen
das Aldehyd und -on für das Keton versehen. Daneben wei- aufweist. Der neu entstandene Stoff wird als Hydrat bezeich-
sen viele Verbindungen noch Trivialnamen auf. Beispiele: net und steht mit dem Ausgangsstoff im Gleichgewicht.
Rl
...,. H-CHO: Methanal = Formaldehyd I -
Aldehyd oder 2
R - C- 0 - H Hydrat
...,. H3C-CHO: Ethanal= Acetaldehyd Keton I -
...,. H3C-CO-CH 3: Propanon= Aceton OH
.... H3C-CH 2-CHO: Propanal

Eigenschaften

Da das 0 -Atom der Carbonylgruppe eine größere Elektro- Addition von Alkoholmolekülen
negativität als das C-Atom aufweist, zieht es die gemeinsamen Bei der nukleophilen Addition von Alkoholen entstehen unter
Bindungselektronen zu sich heran. Es folgt eine Polarisie- Wasserabspaltung über Halbacetale die Acetale.
62 I 63
H +I +111
I ~ R-q~o + 2 OH -~ ~-COOH + H20 + 2 e-

+ H-Q- R2
-- 10 1

R-C-0-
1
I
I _ Rz
H
Halbacetal
-
~
~
2 Ag+ + 2 e- ~ 2 Ag
R-CHO + 2 Ag+ + 2QH- ~ R-COOH + H20

Diese Reaktion dient zum Nachweis von Aldehyden und wird


R, R, als Tollens-Probe bezeichnet.
I - - H,O I -
H-C-0-H + H-Q- R3 -- H-C - 0 - R Daneben gibt es noch eine weitere Nachweisreaktionen
I - I - 3
101 101 (s. S. 88/89) für Aldehyde: die Fehling-Probe, bei der sich
I I
Rz Rz ebenfalls du rch Oxidation des Aldehyds ein ziegelroter Nieder·
schlag aus Kupfer(l)oxid bildet.
Acetal
Durch diese Reaktionen lassen sich Aldehyde auch von Keto-
nen unterscheiden, da Ketone nicht mehr oxidiert werden
Hydrierung und somit nicht als Reduktionsmittel wirken können.
Die Hydrierung erfolgt katalytisch. Dabei entstehen aus Al·
dehyden wieder primäre und aus den Ketonen sekundäre
Alkohole:

~ H3C-CH 2-CHO + H2 ~ H3 C-CH 2-CH 20H


~ H3C-CO-CH 3 + H2 ~ H3 C-CHOH-CH 3
Zusammenfassung
Polymerisation X Die funktionelle Gruppe der Aldehyde und Ketone ist
Durch Polymerisation lassen sich aus Monomeren Polymere die Carbonylgruppe >C=O. Sie entsteht bei der Oxi-
erzeugen, die als Kunststoffe Verwendung find en. Beispiels- dation von primären und sekundären Alkoholen.
weise lässt sich aus Methanal (Formaldehyd) durch Eindamp-
X Die Nomenklatur leitet sich von den Alkanen ab. Alde-
fen festes Paraformaldehyd herstellen:
hyde erhalten dabei die Endung-al und die Ketone-on.
X Die Carbonylgruppe zeigt eine Polarität, die zur Aus-
bildung von Dipol-Dipol-Wec hselwirkungen führt,
Oxidationen
Aldehyde lassen sich im Gegensatz zu den Ketonen weiter die für die vergleichweise hohen Siedepunkte gegen-
oxidieren, da sich am C-Atom noch ein weiteres H-Atom be- über den Alkanen verantwortlich sind. Im Vergleich zu
findet. den Alkoholen sind die Siedepunkte jedoch geringer,
Beispiel: Versetzt man eine ammoniakalische Silbernitrat-
da keine Wasserstoffbrücken ausgebildet werden
lösung (AgN03 ) mit einem Aldehyd, so fällt elementares Sil-
ber- Silberspiegel - aus. Dieses muss reduziert worden können.
sein, wodurch sich die Oxidationszahl von +I auf 0 vermin- X Additionsreakti onen sind typisch für Aldehyde und
dert. Entsprechend stellt das Aldehyd das Reduktionsmittel
Ketone, da diese durch die Polarität der Carbonyl-
dar und wird selbst oxidiert. Hierbei entsteht aus dem Alde-
hyd eine Carbonsäure. gruppe ein nukleophlles (0-Atom) und elektrophlles
(C-Atom) Zentrum aufweisen.
X Bei der Hydrierung entstehen aus Aldehyden wieder
primäre und aus Ketonen sekundäre Alkohole.
X Durch Polymerisation entstehen aus Monomeren
lange Polymere, die als Kunststoffe Verwendung fin-
den.
X Als Nachwelsreakti onen für Aldehyde dienen die
Tollens-Probe und die Fehllng-Probe. ln diesen wir-
ken die Aldehyde als Reduktionsmittel, da sie selbst
oxidiert werden. Hierbei entstehen Carbonsäuren.
Mit Ketonen reagieren die Proben nicht, da diese
nicht weiter oxidiert werden können.
bonsäuren
- _ =: ·; .J und Struktur Verbindungen zugeordnet. Dies ist auch der Grund, warum
sich kurzkettige Carbonsäuren gut in Wasser lösen. Je länger
Carbonsäuren entstehen, wenn Aldehyde weiter oxidiert jedoch der Kohlenstoffrest wird, desto stärker nimmt der lipo-
werden, z. B. in Verbindung mit der Tollens-Probe. Hierbei phile Charakter zu, und ab C > 8 sind sie praktisch wasser-
erhöht sich die Oxidationszahl des C.Atoms von +I auf +111, unlöslich.
indem an die Carbonylgruppe (>C=O) eine Hydroxylgruppe Durch die Hydroxylgruppe an der Carboxylgruppe sind sie im
(-OH) gebunden wird. Diese funktionelle Gruppe wird als Gegensatz zu den Aldehyden in der Lage, pro Carboxylgrup-
Carboxylgruppe (-COOH) bezeichnet und ist die funktions- pe zwei Wasserstoffbrücken auszubilden. Daher liegen
gebende Struktur der Carbonsäuren. ihre Siedepunkte höher als die der Aldehyde (Dipol-Dipol-
Wechselwirkung) und Alkohole (eine Wasserstoffbrücke J.

-
Q\ Q\
+II! +II II;
R- C + 2 OH8 R- C, + H20 Öl ·········· H-ÜI
\ I; \
H lOH H3C- C, C - CH 3
11
Carbonsäure
IQ-H .. JQ
Aldehyd
_, Carbonyl-Gruppe _, Carboxyl-G ruppe Dimerisierung von
Essigsäuremolekü len
In Wasser spaltet die Carboxylgruppe ein Proton ab, das sich
mit H20 zu Hydroniumionen verbindet. Das Anion wird als Da mit zunehmender Kettenlänge auch die intermolekularen
Carboxylation bezeichnet. Hierdurch entsteht der Säure- Wechselwirkungen stärker werden, steigt der Siedepunkt rnit
charakter der Carbonsäuren. der Kettenlänge an.

~0 Sä ure ch ara kte r


R- C + In Verbindung mit Wasser reagieren Carbonsäuren durch die
)' e
\~r Abgabe eines Protons sauer (siehe oben) . Wie stark bzw. wie
Carbonsäure Carboxylat- lon schwach sie als Säure sind, hängt dabei von der Bereitschaft
ab, das Proton abzustoßen. Je leichter dieses abgegeben wird
Die negative Ladung des 0-Atoms de lokalisiert sich zwischen desto saurer ist die Carbonsäure. Die entscheidende Rolle '
den beiden 0-Atomen und dem C-Atom, so dass der deproto- spielen dabei die benachbarten Strukturen der Carboxyl-
nierte Zustand mesomeriestabilisiert ist. gruppe. Sie üben einen sogenannten induktiven Effekt ==
I-Effekt auf die Carboxylgruppe aus (s. S. 72).
@eI Befindet sich am benachbarten C-Atom der Carboxylgruppe
R-C ,, beispielsweise ein Halogenatom (Cl, Br), so zieht dieses auf-
(gt grund seiner großen Elektronegativität Elektronen zu sich
heran und vermindert damit die Elektronendichte der Carb-
oxylgruppe. Dann kann sich das Proton leichter von der Carb-
Einteilung und Nomenklatur oxylgruppe lösen und die Carbonsäure reagiert saurer. Dies
bezeichnet man als -I-Effekt.
Die systematischen Namen der Carbonsäuren leiten sich von
der Grundstruktur des Kohlenwasserstoffs ab, an den die En-
dung -säure angehängt wird. Gebräuchlicher als die IUPAC- Systematischer Name Trivialname Formel
Namen sind jedoch die Trivialnamen, die sich vom Vorkom- Monocarbo nsä uren (C,H2, . 1-COOH)
men der Säuren ableiten (I Tab. 1). Methansäure Ameisensäure H-COOH
Ab einer Kettenlänge von vier C.Atomen werden die Carbon· CH,-COOH
Ethansäure Essigsäure
säurenals Fettsäuren (s. S. 68/69) bezeichnet. Weist eine
Butansäure Buttersäure C3 H7-COOH
Kette mehr als eine Carboxylgruppe auf, so wird sie entspre-
Hexade cansäure Palmitinsäure C" H" -COOH
chend Di- oder Tricarbonsäure genannt.
Octadecansäure Stearinsäure C" H,.-COOH
Die Nummerierung der C-Atome beginnt immer mit 1 am
C-Atom der Carboxylgruppe, die anderen werden fortlaufend Benzolcarbonsäure Benzoesäure C,H,-COOH

nummeriert. Alternativ ist es auch möglich, das C-2-Atom als Hydroxylbenzolcarbonsäure Salicylsäure HO-C,H,-COOH

a -C-Atom, das C3 als ß und das letzte als w zu bezeichnen. Dicarbonsä ure n

Ethandisäure Oxalsäure HOOC-COOH


Eigenschaften Butandisäure Bernsteinsäure HOOC-CH 2-CH 2-COOH

Tricarbonsäuren
Die Carbonsäuren haben die Eigenschaft, ein Proton abzu- 2-Hydroxyltripropionsäure Zitronensäure HOOC-CH 2-COHCOOH-CH 1-COOH
spalten. Dadurch entsteht eine negative Ladung an der Carb-
oxylgruppen. Daher werden die Carbonsäuren den polaren I Tab. 1: Wichtige Garbonsäuren
64 1 65

Reste wie -OH, eine weitere Carboxylgruppe oder -NH 2 üben Löst man das Salz erneut in Wasser, so zerfällt es in seine
ebenfalls einen - I-Effekt aus. Entsprechend reagiert Chlor- Ionen:
essigsäure sauer als Essigsäure und Trichloressigsäure saurer
als Chloressigsäure.

~ ~0 I
H 0 Um das Carbo:xylat-Anion zu beschreiben, wird dem Namen
H-c-c H,c- c- c7 der Carbonsäure die Endung-at angehängt, teilweise gibt es
+
Cl ' O-H ·' +
OH ' 0 •-H
jedoch auch hier Trivialnamen:
Chloressigsäure Mikhsäure Oxalsäu re
~ Ameisensäure: Formiat
Reste, die die Elektronendichte erhöhen, üben folglich einen ~ Essigsäure: Acetat
+I-Effekt aus. Sie erschweren die Abgabe des Protons. Da- ~ Oxalsäure: Oxalat
durch reagiert die Carbonsäure weniger sauer. Zu den Substi· ~ Stearinsäure: Stearat
tuenten, die einen +I-Effekt ausüben, gehören die Alkylreste.
Die Azidität nimmt mit steigender Kettenlänge der Carbon- Salze langkettiger Monocarbonsäuren werden als Seifen be-
säure ab. Ameisensäure ist saurer als Essigsäure und diese zeichnet.
wiederum saurer als Palmitinsäure.
Veresterung
Reaktionen In Verbindung mit Alkoholen lassen sich aus Carbonsäuren
unter Wasserabspaltung Carbonsäureester erzeugen:
Salzbildung
In Verbindung mit Basen bilden die Carbonsäuren nach Ver- R '-COOH + HO-R ' ' ~ R '-COO-R ' ' + H20
dampfen Salze:

R-COOH + KOH ~ R-COOK + H20

Zusammenfassung
X Die funktionelle Gruppe der Cerbonsäuren ist die
Carboxylgruppe -COOH. Sie entsteht, wenn Alde-
hyde oxidiert werden.
X Die gebräuchlichen Namen der Carbonsäuren sind
ihre Trivialnamen, die sich vom Vorkommen der
Säure ableiten.
X Einteilen lassen sich die Carbonsäuren nach der
Anzahl ihrer Carboxylgruppen in Mono-, Di- und
Tricarbonsäuren.
X Substituenten, die die Elektronendichte der Carboxyl-
gruppe verringern (-I-Effekt), führen dazu, dass die
Azidität der Carbonsäure steigt. Substituenten, die
die Elektronendichte erhöhen (+I-Effekt), vermin-
dern die Azidität der Carbonsäure.
X Die klassischen Reaktionen der Carbonsäuren sind
die Salzbildung und die Veresterung.
-
~,onsä ureester

.:: ö:·~ ~- .>ildung abgespalten werden, wodurch es zur Ausbildung des Es-
ters kommt.
Reagieren Carbonsäuren mit einem primären Alkohol, so
kommt es unter Wasserabspaltung zur Bildung von Carbon- ~ R'-C-0-R" + He
II-
säureestern. Dabei läuft die Reaktion in mehreren Teilschrit- ,o/
ten ab:

1. Schritt Alle Zwischenschritte sind reversibel, so dass sich ein Gleich-


Damit die Reaktion abläuft, benötigt man einen Katalysator gewicht zwischen Hin· und Rückreaktion ausbildet. Dabei
in Form einer konzentrierten Säure (z. B. Schwefelsäure) und wird die Rückreaktion als saure Hydrolyse (s. u. ) bezeich-
ein anschließendes Erhitzen. Zwar würde die Reaktion auch net.
auf natürlichem Wege ablaufen, jedoch nur äußerst langsam. Die Umkehrreaktion der Esterbildung ist die alkalische
Durch die Säure kommt es zur Protonierung der Carboxyl- Hydrolyse= Verseifung (siehe weiter unten). Sie ist im
gruppe und es bildet sich ein positives Carbokation. Gegensatz zur sauren Hydrolyse nicht reversibel.

Ql .---......_ 10-H Einteilung und Nomenklatur


I; ~ I
R'-C + He R'-CEil
\ \
10-H IQ-H Die Carbonsäureester lassen sich in Fruchtester, Wachse und
Fette/Öle einteilen. Bestimmend für die Gruppenzugehörig-
2. Schritt keit sind ihre jeweiligen Komponenten:
In der nun folgenden nukleophilen Additionsreaktion la-
gert sich das 0-Atom des Alkohols mit seinem freien Elektro- .- Fruchtester: kurzkettige Carbonsäuren + Alkohol
nenpaar an das positiv geladene C-Atom (Carbokation) an. .- Wachs~: langkettige Carbonsäu ren + langkettiger Alkohol
Hierdurch entsteht eine positive Ladung am 0-Atom des .- Fette/Oie: Fettsäuren+ Glycerin
Alkohols: Oxoniumion.
Darüber hinaus trägt das C-Atom der Carboxylgruppe nun Zur Namensgebung wird als Erstes die Säure benannt, dann
vier Reste (ursprünglich waren es drei) und ändert damit folgt der Name des Alkylrestes vom Alkohol, der auf -yl
seine räumliche Struktur von einer trigonal-planarenForm endet, und anschließend wird dem Ganzen die Endung
(sp 2-Hybrid durch die Doppelbindung) zu einem Tetraeder -ester angehängt:
(sp 3-Hybrid durch vier Einfachbindungen).
.- Ester aus Ameisensäure und Methanol: Ameisensäure-
H
I methylester
10-H
I -
R'-Ce ...------.... 10-R" .....--
'
IQ-H I
H
- 101 H
I Gl l
R'-C-0-R"
I -
IQ-H
.- Ester aus Buttersäure und Propanol: Buttersäurepropylester

Eine andere Nomenklatur erfolgt durch die IUPAC-Regeln.


Hierbei wird zuerst der Name des Alkylrestes Alkohol,
3. Schritt endend auf -yl genannt, dann folgt die Säure mit der Endung
Durch eine intramolekulare Umlagerung gelangt das Pro- -oat.
ton der ursprünglichen Alkoholgruppe auf das 0-Atom der
ehemaligen Carboxylgruppe. Anschließend folgt die Eliminie- 11> Ester aus Ameisensäure und Methanol: Methylmethanaar
rung eines Wassermoleküls aus der ehemaligen Carboxyl- .- Ester aus Buttersäure und Propanol: Propylbutanoat
gruppe, wodurch erneut ein Carbokation entsteht.
Eigenschaften
H
I
IOI+H
t l el~
R'- C - 0-R"
I -
101
I
- Gl -
.....-- R'-y -Q-R" + H....- " H
101
I
/o'
Fruchtester sind farblose, angenehm süß riechende Flüssig-
keiten, die sich so gut wie nicht in Wasser lösen lassen, da sie
nur eine geringe Polarität der Doppelbindung zwischen dem
H
C- und 0-Atom zeigen.
H
Wachse und Fette/Öle sind vollkommen wasserunlöslich
4. Schritt und riechen kaum noch. Ihre Siedetemperaturen liegen unter
Damit der Katalysator (H+-Ion) wieder unverändert vorliegt, denen von Alkoholen und Carbonsäuren, da sie keine Wasser-
muss er nun noch im letzten Schritt von der Hydroxylgruppe stoffbrücken untereinander ausbilden können.
66 I 67

Reaktionen seifung bezeichnet wird. Diese Reaktion ist irreversibel.


Dadurch wird die Carbonsäure dem Gleichgewicht entzogen
Ester lassen sich auf zweierlei Weise spalten: und die Reaktion verschiebt sich vollständig auf die Seite der
Spaltprodukte des Esters.
Alkalische Hydrolyse
Ein Ester lässt sich mit der alkalischen Hydrolyse vollständig 10-H
9
ld; e
spalten. Sie verläuft ebenso wie die Esterbildung in mehreren R'-C
~
+ 10-R" + K(fl ~ R'-C K (fl + H-0-R"
~ -
Zwischenschritten: .QJ .QJ

1. Schritt Saure Hydrolyse


Dem Ester wird eine Lauge, z. B. KOH, zugefügt, deren OH-- Die zweite Möglichkeit, Carbonsäureester zu spalten, ist die
Ionen sich in einer nukleophilen Additionsreaktion an saure Hydrolyse. Man erhitzt den Carbonsäureester mit Was-
das C-Atom der Esterbindung anlagern. ser unter der Zugabe einer mineralischen Säure, so wird er
wieder in die Carbonsäure und den Alkohol rückgeführt Die
10-H
I saure Hydrolyse stellt somit die Rückreaktion der Ester-
R'-C - 0-R"
I reaktion dar, da diese in allen ihren Teilschritten reversibel
IQie ist und sich somit ein Gleichgewicht zwischen Hin- und Rück-
reaktion einstellen kann.
2.Schritt Das zugehörige Massenwirkungsgesetz lautet:
Nun spaltet sich in einer Eliminierungsreaktion ein Alko-
holat-Ion ab. K = [Ester] x [Wasser]
[Säure] x [Alkohol]
10-H 10-H
lf_
R'- C 0-R" R'-C
I
,,
e
+ IQ-R" Die Rückreaktion ist zu begünstigen, indem ein Überschuss
I -
10~
_ e .QJ an Wasser zugegeben wird (s. S. 30/ 31). Vollständig lassen
sich Ester jedoch auf diese Weise nicht spalten.
3. Schritt
Das Proton der Carboxylgruppe wird auf das Alkoholat-Ion /o' Ql
II - /f -
übertragen, wodurch dieses zum Alkohol wird. Das entstan- R'-C-Q-R" + H20 R'-C + H- 0-R"
\ -
dene Carboxylat-lon verbindet sich mit dem Kalium-Ion zu saure Hydrolyse lOH
einem Salz, weshalb die alkalische Hydrolyse auch als Ver-

Zusammenfassung
ac Carbonsäureester entstehen in einer Ellminlerungs-
Addltlonsreaktlon (Esterreaktion) aus einer Carbon-
siure und einem prlmiren Alkohol.
ac Carbonsäureester lassen sich nach ihren Bestand-
teilen in Fruchtester, Wachse und Fette/Öle ein-
teilen.
ac Es gibt zwei verschiedene Nomenklaturregeln der
Carbonsäureester:
- Säure-Aikohol-y~ster

- Alkohol-yi-Säure-oat
ac Ester lassen sich durch die alkallsehe (Irreversibel)
und die saure (reversibel) Hydrolyse wieder spalten.
e und Seifen
Fettsäuren mit Doppelbindungen bis zum neunten C-Acom
kann der menschliche Körper selbst herstellen. Ab dem zehn-
Aufbau ten C·Atom ist es ihm nicht möglich, Doppelbindungen zu
Fette/Öle sind Ester des dreiwertigen Alkohols Glycerin synthetisieren, so dass diese Fettsäuren mit der Nahrung
(1, 2, 3-Propantriol), dessen drei Alkoholgruppen jeweils mit aufgenommen werden müssen. Diese Fettsäuren nennt man
einer langkettigen Monocarbonsäure = Fettsäure verestert essenziell.
sind. Folglich werden diese Fette auch Triacylglycerine Die Doppelbindung führt dazu, dass die C-Atome an dieser
(TAG} genannt oder kurz Triglyceride. sp 2 -hybridisiert sind und eine trigonal-planare Form mit
einem Bindungswinkel von 120 ozeigen. Dadurch erhält die
Zickzack-Kette an jeder Doppelbindungsstelle einen Knick.
(Linolsäure)

Glycerin (Palmitinsäure)

(Ölsäure)

Die Fettsäuren lassen sich in zwei Gruppen unterteilen:


Eigenschaften
Gesättigte Fettsäuren Fette/Öle sind kei~e Reinstoffe, da sich die einzelnen Mole-
Ihre Kohlenwasserstoffkette enthält keine Doppelbin- küle, die das Fett/ 01 bilden, unterscheiden:
dungen. Daher ist jedes einzelne C-Atom sp 3 -hybridisiert
(vier Einfachbindungen) und zeigt die Form eines Tetraeders lll>Es liegen innerhalb eines TAGs verschiedene Fettsäuren
mit einem Bindungswinkel von 109 °. Diese räumliche Struk- vor (intramolekulares Gemisch).
tur führt dazu, dass die Kette eine regelmäßige Zickzack- lll> Es liegen innerhalb eines Fettes/Öls verschiedene TAGs
Struktur aufweist. (intermolekulares Gemisch) vor.

Dadurch zeigen Fette/Öle keinen Schmelz· und Siedepunkt


wie Reinstoffe, sondern Schmelz · und Siedebereiche.
Ungesättigte Fettsäuren Öle unterscheiden sich von den Fetten darin, dass sie bereits
Ihre Kohlenwasserstoffkette enthält eine oder mehrere Dop- bei Raumtemperatur ßüssig sind. Die Ursache liegt in ihrem
pelbindungen. Die Position der Doppelbindung wird mit höheren Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren in ih-
einem Delta (L'l) gefolgt von der Nummer des C-Atoms, an ren TAGs. Durch den Knick an jeder Doppelbindung können
dem die Doppelbindung beginnt, gekennzeichnet. !1 9 bedeu- sich die einzelnen Fettsäuren nicht parallel zueinander aus-
tet, dass sich die Doppelbindung in der Kette zwischen C- richten. Folglich sind ihre Wechselwirkungen untereinander
Atom Nummer 9 und 10 befindet. Die H·Atome der Doppel· schwächer als bei gesättigten Fett~äuren, die parallel liegen.
bindungliegen dabei in der cis-Form (s. S. 54/ 55). Dies ist auch der Grund, warum Oie schon bei geringeren
Alternativ ist es auch möglich, die Nummerierung der Dop· Temperaturen schmelzen: Je höher der Anteil an ungesät-
pelbindungen vom letzten C·Atom ausgehend zu starten. Bei tigten Fettsäuren, desto niedriger ist der Schmelzbereich.
einer w-3-Fettsäure befindet sich die Doppelbindung drei
C·Atome vom letzten C-Atom entfernt. Seifen

Aufbau
Seifen sind Salze der Fettsäuren, die sich auf zweierlei
Trivialname Systematischer Name Formel
Wegen herstellen lassen:

Gesättigte Fettsäuren (C,H 2"' 1COOH)


lll> bei der alkalischen Hydrolyse von Fetten (Verseifung
C" H" COOH 16
oder Seifensieden, s. S. 66/ 67)
Palmitinsäure Hexadecansäure
18
lll> oder direkt aus Fettsäuren durch die Neutralisation mit
Stearinsäure Octadecansäure C" H" COOH
Laugen (s. S. 68/69).
Ungesättigte Fettsäuren (C,H 2 ,.,-2xDoppelbindungsanzahiCOOH)

t. 9-0ctadensäure C" H" COOH (w- 9) 18


Ölsäure
Wird als Lauge Kalilauge verwendet, entsteht Schmierseife
Linolsäure IJ.'· 12-0c tadi ensäure C" H" COOH (w- 6) 18
bei Natronlauge die harte Kernseife. '
Linolensäure IJ.'· "· "-Octatriensäure C 17 H29 COOH (ro-3) 18

Arachidonsäure IJ. 5• 1• 11 • 14-Eicosatetraen- C 19 H31 COOH (ro-6) 20 Eigenschaften


säure Lösungen der Carbonsäuresalze [Seifen) schäumen und wei-
I Tab. 1: Wichtige Fettsäuren sen einen stark alkalischen pH-Wert auf, da das Anion der
68 I 69
Struktur eines Seifenanions I Abb. 1: Seifenanion. (1]

hydrophober Teil hydrophiler Teil

Carbonsäure (R-COO-) als starke Base reagiert und dem Was- ausbilden, bei dem die hydrophoben Schwänze in die Luft
ser ein H+-Teilchen entzieht, so dass beim Lösen Hydroxid- und die hydrophilen Köpfe ins Wasser ragen. Hierdurch kön-
ionen (OH-) entstehen. nen sich an der Oberfläche zwischen Wasser und Luft keine
Kommt Haut über einen längeren Zeitraum mit Seifenlösung Wasserstoffbrücken, sondern nur noch schwache Van-der-
in Kontakt, so wirkt diese durch den alkalischen pH-Wert Waals-Kräfte ausbilden, die nicht mehr in der Lage sind, die
hautschädigend, da der pH-Wert der Haut bei 5,5 liegt. Da- gewölbte Oberfläche aufrechtzuerhalten.
her werden heutzutage vor allem pH-neutrale Seifen (Ten- Gleiches geschieht auch an der Oberfläche von hydrophobem
side} verwendet, in denen statt einer schwachen Carbonsäu- Schmutz, wie z. B. Fettflecken. Dieser wird dadurch leichter
re (Anion = starke Base) eine stark saure Sulfonsäuregruppe benetzt, Wasser dringt in den Schmutz ein und löst diesen im
(Anion -S03- =schwache Base) verwendet wird. Wasser auf. Hierbei bilden sich Mizellen aus Schmutz und
Des Weiteren sind Seifen Emulgatoren: Sie sind in der Lage, Seifenmolekülen, in deren Innerem sich der Schmutz und die
Fette in Wasser zu lösen. Dies wird vor allem beim Waschen hydrophoben Schwänze befinden und deren Hülle aus den
genutzt. Diese Eigenschaft erhalten sie durch ihre chemische hydrophilen Köpfen gebildet wird.
Struktur, die aus einem hydrophilen (Carboxylatgruppe}
und einem lipophilen (Fettsäureschwanz) Anteil beste-
hen (I Abb. 1).
Stoffe, die die beiden Eigenschaften lipophil und hydrophil in Zusammenfassung
sich vereinen, werden als amphiphil oder amphipathisch
X Fette sind Ester aus Glycerin und drei Fettsäuren.
bezeichnet.
X Fettsäuren lassen sich in gesättigte (keine Doppel-
Waschwirkung bindungen) und ungesättigte (enthalten Doppelbin-
Füllt man ein Glas maximal mit Wasser, so bildet sich eine dungen) unterscheiden.
leicht gewölbte Oberfläche, die den Glasrand geringfügig über-
ragt. Wird nun ein Tropfen Seife ins Wasser gegeben, so flacht X Fette/Öle sind keine Relnstoffe, sondern weisen
sich die Oberfläche ab, und das überschüssige Wasser fließt ein intra- und Intermolekülares Gemisch an TAGs auf.
ab. Die Oberfläche hat dabei durch die Seife ihre Spannung Daher zeigen sie keine Schmelz- und Siedepunkte,
verloren, bzw. die Oberflächenspannung wurde ver-
sondern Schmelz- und Siedebereiche.
ringert. Ursache hierfür ist, dass die Seifenmoleküle einen
Monolayer an der Grenzfläche zwischen Wasser und Luft X Öle enthalten gegenüber den Fetten einen höheren
Anteil an ungesättigten Fettsäuren. Da diese schwä-
chere inter- und intramolekulare Kräfte ausbilden
Luft können, liegt der Schmelzbereich niedriger als bei

0
00*,. 0
o o
den Fetten.
X Seifen sind Salze der Fettsäuren, die durch Versei-

0* 0
0 o 0 o fung oder die Neutralisation von Fettsäuren mit lauge

0* 0
I)
0
o<>o

0 0 0
0
0
0
0 0 0
0 Mizellen
0
0
0 0 0
0
0 entstehen.
X Beim Lösen schäumen Seifen und bilden eine stark

0
alkallsehe Lösung.
Wasser X Durch Ihren amphlphllen Charakter sind sie in der
Lage, Fette in Wasser zu emulgieren und finden da-
her als Waschsubstanzen Verwendung.
I Abb. 2: Wa schwirkung. [ 11
anisehe Reaktionen I
.•1gstrennung ..,. elektrophiler Addition
..,. nukleophiler Addtion
Damit Stoffe reagieren können, müssen die Elektronenpaar- ..,. radikalischer Addition
bindungen, die ihre Atome miteinander verknüpfen, getrennt
werden. Hierbei gibt es zwei Arten der Bindungstrennung: Elektrophile Addition
Die elektrophile Addition ist die typische Reaktion der Alke-
..,. homolytische Bindungstrennung ne, Aldehyde und Ketone. Durch diese Addition entstehen
..,. heterolytische Bindungstrennung aus Alkenen Halogenalkane, indem sich Halogenatome an die
Doppelbindung anlagern. Daher bezeichnet man die Reaktion
Homolytische Bindungstrennung auch als Halogenierung.
Wird eine Bindung so getrennt, dass sich die darin befind- Beispiel: So entsteht aus Ethen mit Brom Bromethan.
lichen Elektronen gleichmäßig auf beide Atome der ehe·
maligen Bindung verteilen, so nennt man dies homolytische Schritt 1
Bindungstrennung. Hierbei bilden sich zwei Radikale, die Das Brommolekül wird durch die Einwirkung der Elektronen
jeweils ein ungepaartes Elektron enthalten: aus der Doppelbindung polarisiert.

R-e-e-R + UV -+ R-e - + -e-R ö- ö• "c_.. .


Br-Br II
_...,.-C ,
Da dieser Zustand äußerst ungünstig ist, reagieren die Radi·
kale sehr schnell weiter, um wieder gepaarte Elektronen zu Schritt 2
erhalten. Die hierbei stattfindenden Reaktionen sind die radi- Es erfolgt eine heterolytische Bindungstrennung des Brom-
kalische Addition und Substitution. Häufigste Ursache für moleküls, wobei sich das positive Brom-Ion an die Doppelbin-
die Radikalbildung sind UY- und Röntgenstrahlen. dung anlagert. Es entsteht ein rr-Komplex. Das Kation wird
als Bromoniumion und das Anion als Bromidion bezeichnet.
Heterolytische Bindungstrennung " c_.....
ö- ö• "c_.. .
Wird eine Bindung hingegen so getrennt, dass sich die darin Br-Br II - Br~ l + Bre
befindlichen Elektronen ungleichmäßig auf beide Atome der _...,.-c, / c,
ehemaligen Bindung verteilen, so nennt man dies heteroly-
tische Bindungstrennung. Hierbei bilden sich zwei entgegen- Schritt 3
gesetzt geladene Ionen. Durch Umlagerung entsteht ein Carbokation.
-.. ._ _.. . I
R-e-e-R -+ R-e• + -e-R Br-C-
C
Br ~ l- I
/ c, (!)?-
Das Kation wird bei Kohlenwasserstoffen Carbokation (+)
und das Anion als Carbanion (-) bezeichnet. Die Ionen der Schritt 4
heterolytischen Bindungstrennung reagieren leicht mit entge- In einer nun folgenden nukleophilen Addition des Bromidions
gengesetzt geladenen Teilchen. an das Carbokation entsteht Bromethan.

I I
..,. Das Carbokation reagiert mit Anionen, die aufgrund ihrer Br -e- Br- e-
I + Br 6 -------. I
Ladung nukleophil sind. ec- Br- C-
..,. Das Carbanion reagiert mit Kationen, die elektrophil sind. 1 1

Additionsreaktionen
Nukleophile Addition
Kohlenwasserstoffe mit Mehrfachbindungen streben danach, Auch die nukleophile Addition ist eine klassische Reaktion
weitere Teilchen in einer Additionsreaktion an ihre Doppel- der Alkene. In ihr entstehen durch eine Hydratisierung aus
bindungen anzulagern. Hierdurch entstehen neue Einfach- Alkenen und Wasser Alkohole. Da die Reaktion nicht freiwil-
bindungen. Je nachdem, was für einen Charakter das an die lig abläuft, muss sie durch die Zugabe einer Säure katalysiert
Doppelbildung "angreifende" Teilchen zeigt, wird unterschie· werden.
den zwischen:
70 I 71
Beispiel: Betrachten wir die Entstehung von Ethanol aus (Starterreaktion/Kettenstart) erfolgt zumeist durch die
Ethen: Einwirkung von Strahlung.
Die Polymerisation ist eine Kettenreaktion, bei der ein Radi·
Schritt 1 kal weitere Radikale erzeugen kann, so dass sich Reaktions·
Die Protonen der Säure lagern sich in die Doppelbindung an. zyklen (Kettenfolgereaktion) mit mehreren hundert bis
Hierdurch entsteht ein Carbokation. tausend Wiederholungen ergeben. Zum Erliegen kommt die
Kettenreaktion erst, wenn die Radikale miteinander reagieren
H H H (Kettenabbruch).
'- / + H• I •
C=C - H- C- C- H Durch eine Polymerisationsreaktion entsteht Polyethylen aus
H/ "H I
H H
I
Ethen.
Ethen Carbokation

Schritt 2
An das Carbokation lagert sich als nukleophiles Teilchen Erzeugung von Startradikalen
Wasser an. Es entsteht ein protonierter Alkohol. R- R - + - R• + •R Beispiel: R = C6 H5--COO
Dibenzoylperoxid
H 1. Kettenstart (Erzeugung von Monomerradikalen):
H . I I I
~ t{
\ 1
H H 10 - H H H R• + C=C - + - R-C-C•
I II ' ' I I I I _ I \ I I
H -c _!c - H ______!:!_. H-C - C- H H-C-C- OH 2. Kettenwachstum (Verlängerung der .Radikalkette"):
I I I I I I -
H H H H H H I I
R-C - C· + C=C
\ 1 I I I I
- + - R- C- C- C-C·
Carbokation profanierter Alkohol Ethanol I I I \ I I I I
3. Kettenabbruch (Vernichtung von Radikalen):
Schritt 3
Aus dem protonierten Alkohol wird ein Proton abgespalten Rft - t t t - t• + •t - tft-ttR - + - Rf t - t t t - t - t - tft-ttR
I I I I I I I I I I I I I I I I
n m n m
und es entsteht Ethanol. Hierdurch wird der Katalysator wie- Kettenverzweigung (Nebenreaktion) :
der freigesetzt und liegt nach Beendigung der Reaktion un-
i i
verändert vor. - C- - C-
l I I l I I
R-C -C • + H-C- - + - R-C-C - H + •C-
1 I I l I I
Radikalische Addition -c- - C-
! l
Die radikalisehe Addition ist eine Polymerisationsreaktion,
Das gebildete Radikal kann wie in 2. mit dem Monomer reagieren.
bei der aus kurzen Molekülen (Monomere)lange Ketten
(Polymere) gebildet werden {I Abb. 1). Die Radikalbildung I Abb. 1: Polymerisation sreaktion: Bildung von Polyethylen aus Ethen. [ 1]

Zusammenfassung
ac Bei der Bindungstrennung wird zwischen homoly-
tischem und heterolytlschem Typus unterschieden.
ac Eine klassische elektrophile Addition ist die Halo-
genierung der Alkene. ln dieser entstehen die Halo-
genalkane.
ac Eine klassische nukleophlle Addition ist die Hydratl-
slerung der Alkene. ln dieser entstehen die Alkohole.
ac Die radikalisehe Addition ist eine Polymerisations-
reaktion, bei der aus Monomeren, meist kurze
Alkene, Polymere entstehen.
Organische Reaktionen II
Eliminierung Schritt 3: Durch die Abgabe eines Protons erfolgt die Re-
aromatisierung, und es entsteht BrombenzoL Das Proton
Die Umkehrreaktion der Addition ist die Eliminierung. In reagiert mit dem AlBr 4 zu Bromwasserstoff und Alßr 3 • Somit
dieser Reaktion werden Einfachbindungen zu Doppelbindun- liegt der Katalysator nach Abschluss der Reaktion wieder
gen, indem an zwei benachbarten C-Atomen jeweils ein Subs- unverändert vor.
tituent abgespalten wird (I Abb. 2). Wird ein Benzolring ein weiteres Mal substituiert, so spricht
Wird von einem Alkan Wasserstoff abgespalten, so spricht man von einer Zweitsubstitution. Dabei kann der zweite
man von einer Dehydrierung. Es entsteht ein Alken. Ihre Substituent in ortho-, meta· oder para-Stellung zum ersten
Umkehrreaktion ist die Hydrierung (s. S. 54155). Substituenten stehen. Ob und welche Position er einnimmt
Werden von einem Alkohol ein H-und eine OH-Gruppe ab- hängt dabei vom Erstsubstituenten und dessen Einfluss auf '
gespalten (zusammen H20), so entsteht ebenfalls ein Alken. den Benzolring ab (s.$.56/ 57).
Dieses Vorgang nennt man Dehydratisierung und ihre Um-
kehrreaktion Hydratisierung. I-Effekt
Der induktive Effekt beschreibt die Eigenschaft des Erst-
Substitutionsreaktionen substituenten, Elektronen in den Ring zu "schieben" bzw.
diesem zu entziehen und hängt von der Elektronegativitäts-
Bei der Substitutionsreaktion ersetzt ein anderes Teilchen differenz zwischen dem C-Atom und dem Substituenten ab:
einen Teil der Atome im Molekül. Es findet ein Austausch
statt. Dabei lassen sich drei Grundtypen unterscheiden: ~ Substituenten, die Elektronen liefern, erhöhen die Chance
einer Zweitsubstitution (+I-Effekt): Alkylgruppe (-R), Alkoxy-
~ elektrophile Substitution gruppen (R-0-)
~ nukleophile Substitution ~ Substituenten, die Elektronen entziehen, vermindern die
~ radikalisehe Substitution Chance einer Zweitsubstitution (-I-Effekt}: -NH 2, -N0 2 ,-0H, -CI

Elektroph ile Substitution M·Effekt


Die elektrophile Substitution ist die klassische Reaktion der Aro· Der mesomere Effekt beschreibt die Fähigkeit eines Substi-
maten, bei der ein Substituent des Ringes (meist ein H-Atom) tuenten, zusammen mit dem Ring mesomere Grenzstruktu-
durch einen anderen ersetzt wird. Diese Reaktion verläuft in ren auszubilden.
3 Teilschritten (Beispiel: Halogenierungvon Benzol, I Abb. 3). Obwohl manche Substituenten einen -I-Effekt zeigen, erhö-
Schritt 1: Unter Zuhilfenahme eines Katalysators wird ein hen sie dennoch die Elektronendichte im Ring, weil ihre Elek-
elektrophiles Teilchen hergestellt: Brom wird unter Zugabe tronenpaare Wechselwirkungen mit den n-Elektronen des
der Lewis-Säure Aluminium(III)bromid polarisiert und an- Rings eingehen und diesen so stabilisieren. Der M-Effekt über-
schließend heterolytisch gespalten. Dabei entsteht das nukleo- wiegt den I-Effekt.
phile Brom-Anion. Dieses wird an das Aluminium(III)bromid Der M-Effekt wirkt sich vor allem auf die Position des
gebunden. Zweitsubstituenten aus:
Schritt 2: Das elektrophile Brom-Kation addiert sich an die
negative Ladungswolke der n-Elektronen des Benzols. Da- ~ Erstsubstituenten, die ihre freien Elektronenpaare in die
durch kommt es zur Ausbildung eines Übergangszustand es, Mesomerie des Ringes mit einbringen (+M·Effekt), dirigie-
der als rr-Komplex bezeichnet wird. Diesem folgt die Entste- ren den Zweitsubstituenten in ortho- oder para-Stellung.
hung des Carbokations. Hierdurch verliert der Ring teilwei-
se die delokalisierten rt·Elektronen, da an einem C-Atom nun
vier Substituenten gebunden sind. Dadurch können die C- Schritt 1
Atome keine Doppelbindungen mehr ausbilden.
Polarisierung
und hetero-
Alkan A l ken lytische Spaltung
D ehydrierung
I I (Pt) / IBrl IBrl
- c- c- ~ "C = C
/
+ H2 ~ ~ -
V le _
I I Hydrierung " Schritt 2 H + IBr -AI-Br l
H H

Dehydratisier ung
Carbokation j ..:.!.J ~
1 1
-
o-Komplex
I I H• /
-c-c- "C=C
/
+ H20
I I
H OH
H yd rati sierung
" Brl
-
IBr l
I- I Abb . 3: Elektrophile
Schritt 3 + H-ful + AI - Brl Substitution am Bei-
Alkohol Alken 1 - spiel der Bromierung
1!::!!: 1
Brombe nzol von Benzol. [ 11
I Abb. 2: Eliminierung. [31
72 I 73
~ Erstsubstituenten, die ihre freien Elektronenpaare nicht in C-Atom löst, entsteht die Bindung zwischen C-Atom und
die Mesomerie des Ringes mit einbringen (-M-Effekt), diri- OH--Gruppe.
gieren den Zweitsubstituenten in meta-Stellung.

Nukleophile Substitution
Bei einer nukleophilen Substitution wird ebenfalls ein Teil-
chen durch ein anderes im Molekül ersetzt, nur handelt es
sich im Gegensatz zur elektrophilen Substitution jetzt um ein
nukleophiles - also positive Ladung liebendes- Teilchen.
Wird ein Halogenalkan mit einer starken Base versetzt, so lö- Radikalische Substitution
sen die OH--lonen die Halogenatome aus dem Alkan heraus. Die radikalisehe Substitution ist, wie die radikalisehe Addi-
Es entsteht ein Alkohol. tion, eine Kettenreaktion, bei der weitere Radikale er-
zeugt werden. Sie kann ohne Weiteres hunderte bis tausende
H3-C-CI + OH- ~ H3-C-OH + Cl· von Zyklen durchlaufen. Die typische radikalisehe Substitu-
tion ist die Bildung der Halogenalkane. Hier wird der Was-
Dabei sind je nach Reaktionsord nung zwei verschiedene serstoff eines Alkans durch ein Halogen ersetzt.
Mechanismen denkbar. Beispiel: Werden z. B. Chlor- und Methangas gemischt und
mit UV-Licht bestrahlt, entsteht schlagartig Chlormethan.
SN I-Mechanismus Dabei laufen folgende Zwischenschritte ab:
Die unimolekulare nukleophile Substitution (SN1] verläuft in
zwei Schritten. Im Verlauf kommt es so zur Ausbildung ~ Kettenstart: Durch die UV-Bestrahlung entstehen Chlor-
eines Zwischenproduktes. Radikale (mit einem Punkt gekennzeichnet): Cl2 + UV ~ 2Cl·
Schritt 1: Im ersten Schritt find et eine Dissoziation statt, in ~ Kettenfortpflanzung: Diese Chlor-Radikale greifen H-Ato-
der das Halogenmolekül (hier Chlor] den Kohlenwasserstoff me des Methans an und bilden mit diesem Chlorwasserstoff.
verlässt und ein positiv geladenes Carbenium-Ion zurück- Zurück bleibt ein Methyl-Radikal: CH 4 + Cl · ~ CH 3 • + HCl
bleibt. Hierbei ändert sich die Raumstruktur des C-Atomes ~ Kettenfortpflanzung: Das Methyl-Radikal reagiert seiner-
von einem Tetraeder (sp 3 ) zu einer trigonal-planaren Struktur seits mit einem Cl 2-Molekül und entreißt diesem ein Chlor-
(sp 2) durch den Verlust des Substituenten. Dieser Schritt stellt atom. Hierdurch entstehen ein Chlormethan und ein Chlor-
den langsameren Teil der Reaktion dar und ist somit ge- Radikal: CH 3 • + Cl2 ~ CH 3-Cl + Cl·
schwindigkeitsbestimmend. ~ Kettenabbruch: Das Chlor-Radikal reagiert nun wiederum
mit einem Methan-Molekül. Es entsteht eine Kettenreaktion.

R (·~\·· · · · ...
R Diese kommt erst zum Erliegen, wenn zwei Radikale mitei-

- \ Ij
nander reagieren: z. B.: CH 3• + Cl· ~ CH 3-Cl, CH 3 • + CH 3•
~
~V
' c - 7c1
\ ö+ ····... ö-
~ C2 H6 oder Cl· + Cl · ~ Cl 2
\ ..

\.,; .... ············


__ .... R
Die Kettenabbruchreaktion erklärt die geringe Konzentration
R
von Ethan im Chlormethan.

Schritt 2: Im zweiten Schritt wird das positive Carbeniumion


durch das nukleophile OH--Ion "angegriffen"_Es entsteht ein Zusammenfassung
Alkohol. Dieser weist wieder die Struktur eines Tetraeders X ln der Eliminierungsreaktion werden Einfachbin-
(sp 3) auf. dungen zu Doppelbindungen, indem an benachbarten
C-Atomen jeweils ein Substituent entfernt wird. Zu
--~~
--
R ..- : .. ·· ...
N · - -.. diesem Reaktionstyp gehören die Dehydrierung (H 2)

·\ v!C
? OH und die Dehydratisierung (H 20).
- • Die elektrophlle Substitution verläuft in drei Teil-
\_ ...············· schritten: 1. Herstellung des Elektrophils, 2. Bildung
R einses 7t-Komplexes und anschließend des Carbo-
kations, 3. Rearomatisierung.
SN2-Mechanismus
Die bimolekulare nukleophile Substitution (SN2] ist ein ein- X Bei der nukleophllen Substitution lassen sich der
stufiger Prozess, bei dem es zur Ausbildung eines Über- SN 1- und der S"2-Typ unterscheiden.
gangszustandes kommt. ln diesem sind sowohl das Halo- X Die radikalisehe Substitution ist typisch für die Entste-
gen-Atom als auch die OH--Ionen am C-Atom gebunden. hung der Halogenalkane aus Alkanen und Halogenen.
Sobald sich die Bindung zwisc hen dem Halogen und dem
Isomerie I
Weisen zwei Moleküle zwar die glei-
chen Atome (gleiche Summenformel),
aber eine unterschiedliche räumliche
Anordnung der Atome auf, so werden Konstitutions-
isomerie
sie als Isomere bezeichnet (I Abb. 1)_
Hierbei lassen sich unterscheiden:

IJl> Konstitutionsisomere: gleiche


Summenformel, unterschiedliche Rei-
henfolge/Verknüpfung
IJl> Stereoisomere: gleiche Summenfor-
mel, gleiche Reihenfolge, unterschied- I Abb. 1: Isomerie-
liche räumliche Struktur Typen. [ II

Konstitutionsisomerie

Konstitutionsisomere/ Strukturisomere sie unterschiedliche funktionelle


IJl> rungentsprechend als Keto-Enol-Tau-
haben di e gleichen Atome, innerhalb Gruppen tragen: Dirnethylether tomerie.
des Moleküls sind diese jedoch anders CH 3-0-CH3 und Ethanol CH 3-CH2 -0H.
miteinander verknüpft Das heißt, die Stereoisomerie I
Stoffe verfügen zwar über die gleiche Tautomerie
Summenformel, aber über unter- Die Tautomerie lässt sich am besten am Stereoisomere weisen die gleiche Sum-
schiedliche Strukturformeln. Zur Beispiel der Fructose/Glucose erklären. menformel, die gleiche Reihenfolge der
Konstitutionsisomerie gehören: Fructose und Glucose haben die gleiche Atome, jedoch eine andere räumliche
Summenformel {C 6H120 6 ). Die Fructose Anordnung auf. Unterformen sind die:
IJl> Sequenzisomerie ist eine Hexose mit einer Keto-Gruppe,
IJl> Tautomerie während die Glucose eine Aldehyd- IJl> Konformationsisomerie
gruppe aufweist (s. S. 78/79). IJl> Konfigurationsisomerie
Sequenzisomerie
Sequenzisomere zeigen eine unter- H, 'lOI Konformationsisomerie
c CH 20H
schiedliche Reihenfolge ihrer Atome I I ;. Konformere entstehen dadurch, dass
H- C-OH C=O/
innerhalb des Moleküls. Dabei können I I sich Atome oder Atomgruppen um ihre
HO-C-H HO-C- H
sich Moleküle dadurch unterscheiden, I I Einfachbindungen drehen und somit
H-C-OH H-C-OH
dass: I I ihre Position im Raum ändern. Die Ener-
H-C-OH H-C-OH gie hierfür ist gering, so dass schon die
I I
IJl> sie unterschiedliche Verzweigungen CHzOH CH20H durch die Raumtemperatur zugeführte
ihrer Kette aufweisen: C5H12 zeigt drei o-Giucose D-Fructose Energie ausreicht, um die Drehung aus-
Isomere, das n-Pentan, 2-Methyl-Butan zulösen. Daher lagern sich die Konfor-
und 3-Methyl-Butan (s. S. 52153). Beide Verbindungen lassen sich durch mere ständig um, so dass es nicht mög-
IJl> die Doppelbindungen an anderer eine intramolekulare Protonen- lich ist, ein einzelnes zu isolieren_ Es
Position auftreten: Beim Buten kann die und Elektronenverschiebung inei- wird unterschieden zwischen:
Doppelbindung entweder zwischen C1 nander umlagern. Die Umlagerung
und C2 [I-Buten) oder zwischen C2 wird durch Zugabe von Hydroxidionen IJl> kettenförmigen Konformationsiso-
und C3 (2-Buten) liegen (s. S. 54155). katalysiert. Dabei kommt es zur Aus- meren
IJl> die Substituenten am Ring in bildung einer Zwischenstufe, der Enol- IJl> zyklischen Konformationsisomeren
unterschiedlichen Positionen auftreten: Form.
Beim Dihydroxybenzol kann die zweite Kettenförmige Konformations-
H H H
Alkoholgruppe in ortho-, meta- oder I I I isomere
H-C-QH (01-fl) C-QH (Ot-fl} c=ct
para-Stellung zur ersten stehen I
c-o)
.....----- II
____.",

C- QH
.....-----
____.",
I -
H-C-QH
Beim Ethan ist es möglich, dass sich das
(s. s_56157). R
I
R
I
R
I eine C-Atom mit seinen H-Atomen so
IJl> ihre funktionellen Gruppen an o-Fructose Enolform o-Glucose gegen das andere C-Atom dreht, so dass
unterschiedlichen Stellen im Molekül die H-Atome nicht mehr auf einer Linie
gebunden sind. Beim Propanel kann Folglich stehen Glucose und Fructose liegen [wenn man von vorne auf das
die Alkoholgruppe endständig auftreten miteinander über die Enol-Form im Molekül schaut). Man spricht hierbei
[1-Propanol) oder in der Mitte des Mo- Gleichgewicht und werden daher als von gestaffelter Position. Liegen die
leküls [2-Propanol) [s. S. 58/ 59). Tautomere bezeichnet Die Umlage- H-Atome auf einer Linie, so liegt eine
74175

verdeckte Position vor. Beide Formen gestaffelt verdeckt


sind Konformationsisomere des Ethans
(I Abb. 2). H H
Um dies darstellen zu können, bedient
man sich verschiedener Schreibweisen: H '··> - - <'" H Keilstrich- Formel
H H
I)> Newman-Projektion: Betrachtung
entlang der Längsachse des Moleküls,
die als Kreis dargestellt wird. Von des·
sen Mittelpunkt gehen die nahen Bin·
Sägebock-Schreib weise
dungen aus, während die entfernten am
Kreisumfang entspringen.
I)> Sägebock-Projektion: stellt die
H
~~H
Längsachse als perspektivische Diago·
nale dar, bei der der Anfang vorne links
und das Ende hinten rechts liegen.
HyfyH
I)> Keilstrich-Formeln: hierbei ragen
ausgefüllte Keile aus der Ebene nach
HYH H H
Newman-Projekti on

vorne heraus, gerade Linien liegen in


der Ebene und gestrichelte ragen nach I Abb. 2: Konfo rmationsisomere des Ethans. [2]

hinten heraus.

Zyklische Konformationsisomere H H
Dadurch, dass im Zyklohexanring die
C-Atome sp3-hybridisiert sind, kann die-
ser keine planare Struktur annehmen
(s. S. 56/ 57), sondern ist in sich geknickt.
Dies führt zur Sessel- und Wannen-
H H
form. In diesen können die H-Atome
entweder senkrecht= axial (a) zur A (Sesselform) B (Wannenform)
Ebene oder seitlich= äquatorial (e)
stehen (I Abb. 3). Weil in der Sessel- Konformere des Cyclohexans
form die H-Atome einen größeren Ab- I Abb. 3: Sessel- und Wannenform des Zyklohexans. [2]
stand zueinander haben, ist diese ener·
getisch günstiger und wird sich somit
vermehrt ausbilden.
Eine Sesselform kann in die andere über Zusammenfassung
die Wannenform umklappen, dabei än-
X Isomerle liegt dann vor, wenn zwei Moleküle die gleichen Atome in der
dern sich die H·Atome in ihrer Ausrich-
tung, aus äquatorialen werden axiale gleichen Anzahl haben, sich aber in ihrem Aufbau unterscheiden. Sie wird
und umgekehrt. in Konstitutions- und Stereoisomerie unterteilt.
X Die Konstitutionsisomerle lässt sich in Sequenzisomerle (Reihenfolge
der Atome) und Tautomerle (Um Iagerung zweier Moleküle über eine Enol-
form ineinander) unterteilen.
X Die Stereoisomerle wird in Konformations- und Konfigurationsisomerle
gegliedert.
X Die Konformationsisomere entstehen durch Drehung von Atomen oder
Gruppen um Elnfachblndunsen.
X Zu den kettenförmlsen Konformationsisomeren gehören die verdeckte
und gestaffelte Konformation.
X Zu den zyklischen Konformationsisomeren gehören die Sessel- und
Wannenform.
Isomerie II
Stereoisomerie II das Molekül als Z-Isomer (zusammen) dungen zu den weiteren C-Atomen sol-
bezeichnet. Liegen sie auf entgegenge- len nach hinten zeigen.
Konfigurationsisomerie setzten Seiten, als E-lsomer [entgegen). .,.. Die beiden, vom asymmetrischen
Konfigurationsisomere unterscheiden C·Atom ausgehenden, horizontalen Bin-
sich durch die unterschiedliche räum- Optische Isomerie dungen zu den Substituenten sollen
liche Lage ihrer Substituenten zueinan- Blicken wir in einen Spiegel, so ist unser nach vorne zeigen.
der. Die Isomere können sich nicht frei Abbild identisch, bis auf die Tatsache,
drehen und somit nicht ineinander dass es spiegelbildlich zu uns ist. Ein an· Die OH-Gruppe steht einmal auf der
übergehen. Die Umwandlungsenergie deres Beispiel sind unsere Hände. Linke rechten und einmal auf der linken Seite
hierfür wäre zu hoch, weil die Bindun· und rechte Hand sehen zwar "gleich" des chiralen Zentrums. Dies wird in der
gen dazu gespalten werden müssten. aus, lassen sich aber nicht zur Deckung Nomenklatur durch ein L für laevus :::::
Entsprechend ist es hier möglich, einzel- bringen. Sie sind Bild und Spiegelbild. links und ein D für dexter = rechts
ne Isomere zu isolieren. Bei der Konfi- Gleiches gilt auch für Moleküle, die vor dem Namen des Moleküls kenntlich
gurationsisomerie unterscheidet man: vier verschiedene Substituenten an gemacht.
einem C-Atom tragen. Von ihnen gibt es Kommen mehrere asymmetrische C-Ato-
.,.. Cis/Trans-Isomerie jeweils Bild und Spiegelbild. Sie wer· me mit OH-Gruppen/funktionellen
.,.. Eil-Isomerie den als Enantiomere = optische Iso- Gruppen innerhalb eines Moleküls vor
.,.. Optische Isomerie mere bezeichnet. Das zentrale C-Atom so bestimmt die OH·Gruppe, die am '
mit den vier Substituenten wird als weitesten von der am höchsten oxidier-
Cis/Trans-Isomerie asymmetrisches oder chirales Zent- ten Gruppe entfernt liegt, ob es sich um
Die cis/ trans-lsomerie wird auch geo- rum bezeichnet und wird mit einem * eine D- oder L-Form handelt.
metrische Isomerie genannt. Kom- gekennzeichnet. Beide Moleküle gleichen sich in nahezu
men innerhalb eines Kohlenwasserstof- allen physikalischen Eigenschaften, nur
fes Doppelbindungen vor, so sind die drehen ihre D-und L-Form polarisier-
C-Atome nicht mehr frei drehbar Bn asymmetrisches C-Atom hat vier ver- tes Licht in entgegengesetzte Richtun-
(s. S. 54/ 55). Hierdurch sind bei zwei schiedene Substituenten und wird als gen -dies aber um den gleichen Betrag_
chlrales Zentrum bezeichnet,
verschiedenen Substituenten zwei un- Dabei steht ein - für eine Linksdre-
terschiedliche Anordnungen denkbar, hung und ein + für eine Rechtsdre-
bei der die gleichen Substituenten ent- Beispiel: Milchsäure [CH3-CHOH- hung des linear polarisierten Lichtes.
weder auf derselben Seite stehen = COOH) ist ein solches Molekül. Ihr Linear polarisiertes Licht entsteht, wenn
cis-Isomer oder auf entgegengesetz- C-Atom weist die vier Substituenten vor eine Lichtquelle ein Polarisations-
ten Seiten= trans-Isomer. -COOH, -OH, -Hund -CH 3 auf. Um filter gesetzt wird, der nur Lichtwellen
X X X H das Molekül räumlich darzustellen, einer Schwingungsebene ungehindert
I \ I
\
C=C C=C wird die Fischer-Projektion verwen- durchlässt. Wird dahinter ein zweiter
I \ I \
H H H X det (I Abb. 4): Filter eingesetzt, der 90 o gegenüber
trans-Form
dem ersten verdreht ist, so dringt kein
cis-Form
.,.. Die zentrale Kohlenstoffkette wird Licht mehr hindurch (I Abb. 5a) .
Eil-Isomerie senkrecht ausgerichtet. Stellt man eine Schale mit D(-]-Milch-
Trägt ein Molekül mit Doppelbindungen .,.. Das C-Atom mit der höchsten Oxi- säure zwischen beide Filter, so wird die
vier verschiedene Substituenten, so dationszahl steht am oberen Ende Lichtwelle beim Durchtritt durch die
sortiert man diese nach ihrer Ordnungs- der Kette: COOH > CHO > CH 20H Flüssigkeit um einen bestimmten Win-
zahl im Periodensystem. Liegen dabei die > CH3 kel a nach links gedreht. Dadurch tritt
beiden Substituenten mit den höchsten .,._ Die beiden, von asymmetrischem eine Aufhellung am zweiten Filter ein .
Ordnungszahlen auf einer Seite, so wird C-Atom ausgehenden, senkrechten Bin- Indem der zweite Filter nun so lange

Fischer-Projektion Fischer-Projektion
Stereoformeln
COOH HOOC
COOH
H--1-iOH
CH 3
H=<}=OH .HO? H
D-(- )-Milchsäure L-( +)-Milchsäure I Abb. 4: Struktur der D- und L-Milchsäure. [21
76 I 77
eine, der Forme12n-l (n = chirale C-Atome) entsprechende
Anzahl an Diastereomeren für ein Molekül (s. S. 52/ 53). Sie
linear
unterscheiden sich nicht nur in ihrem spezifischen Dreh-
winkel, sondern auch in weiteren chemischen und physika-
Ebenen Filter 2 90' gegen lischen Eigenschaften.
des Lichts Filter 1 gedreht Unterscheiden sich Diastereomere nur in der Positionierung
einer ihrer OH-Gruppen, werden sie Epimere genannt.
X dunkel

a)
~ Blickrichtung
Zusammenfassung
X Die Konfigurationsisome rie entsteht durch die un-
terschiedliche Anordnung verschiedener Substituen-
D-(-)-Milchsäure
ten um ein Atom, welche nicht ineinander überführt
Lichtwelle wird
nach links gedreht werden können .
X Zur Konfigurationsisomerie gehören die cisjtrans-
lsomerie, die E/Z-Isomerie und die optische Isome-

Filter muss um den rie.


Winkel a nach links
X Die clsjtrans-lsomerie oder geometrische Isomerie
gedreht werden, damit
b) wieder Dunkelheit eintritt. gibt an, ob zwei gleiche Atome auf derselben = cls
I Abb. 5: Funktionsweise eines Polarimeters. [ 1] oder auf verschiedenen =trans Seiten einer Doppel-
bindung stehen.
X Die E/Z-Isomerie beschreibt die Lage von vier ver-
schiedenen Substituenten an einer Doppelbindung
nach links gedreht wird, bis kein Licht mehr durch ihn hin-
zueinander.
durchtritt, lässt sich der Winkel o. ermitteln (I Abb. Sb).
Würde sich in dem Gefäß L(+)-Milchsäure befinden, würde X Enantiomere = optische Isomere sind Bild und Spie-
sie die Lichtwelle entsprechend nach rechts drehen_Die Be- gelbild eines Moleküls, welches vier verschiedene
zeichnung D/ L macht dabei keine Aussage darüber, ob ein Substituenten am C-Atom (chirales Zentrum) trägt.
Stoff nach links oder rechts dreht. Dies gibt jeweils nur das
X Enantiomere werden in D- und L-Form unterteilt. Bei-
(+)und (-)-Zeichen an.
Der spezifische Drehwinkel o. berechnet sich nach fol- de drehen linear polarisiertes Licht um den gleichen
gender Formel: Betrag (Winkel a) in entgegengesetzte Richtungen:
- steht dabei für eine Linksdrehung und + für eine
[o.]~ = a/ß x I
Rechtsdrehung.
Dabei ist T die Temperatur der Messlösung (25 °C}, D die X Der spezifische Drehwinkel a ist abhängig von der
Wellenlänge des Natriumlichtes (A. = 589 nm), o. der gemes- Temperatur der Messlösung, deren Konzentration,
sene Drehwinkel, ß die Konzentration der Lösung in g/ ml
der Länge des Gefäßes und der Wellenlänge des
und 1die Länge (10 cm) des Gefäßes, in dem sich die Lösung
befindet. Lichtes.
Mischt man D- und L-Enantiomere eines Stoffes in gleichen X Ein Racemat ist ein homogenes Gemisch beider En-
Mengen miteinander, so heben sich ihre Drehwinkel gegen-
antiomere in gleichen Massenanteilen. Dadurch hebt
seitig auf. Hierdurch kann das Gemisch das polarisierte Licht
nicht mehr drehen und wird optisch inaktiv. Man spricht sich Ihr Drehwinkel auf und sie sind optisch Inaktiv.
dann von einem Racemat. X Diastereomere treten ab zwei asymmetrischen C-
Atomen auf und unterscheiden sich in der Stellung
Unter dem Begriff "Diastereomere" werden die Konfigura-
mehrerer funktioneller Gruppen.
tionsisomere zusammengefasst, die keine Enantiomere (Bild/
Spiegelbild) sind. Sie treten auf, wenn innerhalb eines Mole- X Eplmere sind Diastereomere, die sich nur in der
küls mehrere chirale Zentren vorkommen und unterschei- Stellung einer OH-Gruppe unterscheiden.
den sich in der Stellung mehrerer Gruppen . Dabei gibt es
Kohlenhydrate I
Koh lenhydrate =Zucker sind aus den Elementen Kohlen-
c Klassifizierung Ketosen c• Aidesen c•
stoff, Wasserstoff und Sauerstoff gemäß der allgemeinen
3 Triosen Dihydroxyaceton 0 Glycerinaldehyd
Summenformel Cn(H 2 0)n aufgebaut. Sie entstehen in Pflan-
zen bei der Photosynthese aus Wasser und Kohlendioxid 4 Telrosen Erythru lose Erythrose. Threose

unter dem Einfluss von Sonnenlicht. 5 Pen tosen Araboketose, Ribose, Arabiose, Xylose, 3
Xyloketose Lyxose
Nach der Anzahl der in ihnen enthaltenen Monosaccharide
6 Hexosen Fructose, Sorbose, 3 Allose, Altrose, Glucose,
(Bausteine) werden sie unterteilt in: 4
Psicose, Tagatose Mannose, Gulose. ldose,
Galaktose, Talose
)JJo Monosaccharide: Bestehen aus nur einem Baustein. Ihre

wichtigsten Vertreter sind die Glucose und Fructose. I Tab. 1: Wichtige Monosaccharide
)JJo Oligosaccharide: Bestehen aus zwei bis zehn Bausteinen.

Häufig werden von ihnen die Disaccharide, bestehend aus


zwei, und Trisaccharide, bestehend aus drei Bausteinen, ab- einfachsten Vertreter. Beide Formen können sich über die
gegrenzt. Bekannteste Vertreter sind die Saccharose und die Keto-Enol-Tautomerie ineinander umlagern.
Maltose.
H 0 H
)JJo Polysaccharide: Bestehen aus mehr als zehn Bausteinen. ' l _y
c ' C- OH
Zu ihnen gehören z. B. die Stärke und die Cellulose. II
H.lt:..OH C-OH
3
I I
Monosaccharide I CH 2 0 H CHPH
n-Glycerinaldehyd Endiol Di hydroxyaceton
Eintei lung und Nomenklat ur (Aldo-triose) (Keto-tri ose)
Monosaccharide oder Einfachzucker bestehen aus 3 bis
9 C-Atomen. Anhand der Atomlänge lassen sie sich einteilen Durch das Anhängen von CH-OH-Gruppen wird das Grund-
und erhalten ihren Namen. Dabei wird dem griechischen gerüst des Glycerinaldehyds verlängert, es entstehen weitere
Zahlwort die Endung -ose angefügt (I Tab. 1). Aldosen (I Abb. 1). Wird das Dihydroxyaceton durch CH-OH-
Des Weiteren lassen sich die Monosaccharide anhand ihrer Gruppen verlängert, so erhält man Ketosen (I Abb. 2) .
funktionellen Gruppen in Aldosen (Aldehydgruppe an C1) Systematische Namen für diese Verbindungen, wie z. B.
und Ketosen (Ketogruppe an C2) unterteilen. Mit 3 C-Ato- 2,3,4,5,6-Pentahydroxy-hexanal für C6 H120 6, gibt es zwar, es
men sind das Glycerinaldehyd und das Dihydroxyaceton die werden jedoch durchweg Trivialnamen verwendet.

CHO
H +OH
CHzOH
D-(+)-Giycerinaldehyd

CHO CHO
H+ OH HO+H
H+ OH H +OH
CHzOH CH 20 H
o-(-)- Erythrose D-H-Threose

~ r~
H • OH
H~ PH
H • OH H~ P"H • OH
~pH . OH
CH20H CH20H CHp H CH 20H
o-(-)- Ribose o-(-)-Arabinose o-(+)-Xylose D-(-)-L yxose

~ ~ ~ ~

CHO

H~ fHO~ ~ rH~
CHO CHO CHO CHO

H
HtC·'H~H
OH HOi
H H
• OH Hi OH
H - OH H . OH
HOf HO
Hi . H
H HOi
HO • H
I Abb. 1:
H ' OH H • OH H ' OH H ' OH HO . H HO . H HO ' H HO ' H Stamm baum
H ' OH H • OH H . OH H . OH H . OH H . OH H . OH H . OH der D-Aidosen,
CH20 H CHp H CH20H CHP H CH20H CH20H CH20H Darste llung in
CH20 H
der Fischer-
o-(+)-AIIose o-(+)-Aitrose D-(+)-Giucose D-(+)-Ma nnose o-(-)-Gulose o-(-)-ldose o-( +)-Galaktose D-(+)-Talose
Projektion. [ 11
78 179

CH20H Tetrasen (4 C-Atome)


f=o
CH20H
~ Aldotetrosen haben zwei C* und damit zwei (2 2 - 1) Dia-
stereomere: Erythrose und Threose. Sie unterscheiden sich
Dihydroxyaceton
durch die Stellung der OH-Gruppe am C2 und sind damit C2-
Epimere (Diastereomere, die sich nur in Stellung einer OB-
Gruppe unterscheiden und keine Spiegelbildisomere sind). je-
CH20H des Molekül gibt es in der D- und L-Form, so dass sich insge-

H+~H
samt vier Konfigurationsisomere ergeben (2 2 ).
~ Bei Ketotetrosen gibt es ein C*, so dass keine Diastereo-
CH 20H mere auftreten. Folglich gibt es nur ein Molekül, die Ery-
D-Erythrulose
thrulose. Diese kommt in der D-und L-Form vor.

Pentosen (5 C-Atome)

J=1~
~ Aldopentosen haben drei C*. Daraus folgt, dass es vier

HO_f~H Diastereomere gibt (2 3- 1): Ribose, Arabiose, Xylose, Lyxose.


Von diesen existieren jeweils eine D· und L-Form (Enantio-
H~OH H~OH mere ). Insgesamt ergeben sich somit acht Konfigurationsiso-
mere (2 3 ).
CH20H CH 20H
Die Diastereomerepaare D-Ribose/D-Arabiose sowie D-Xylo-
o-Araboketose o-Xyloketose
se/D-Lyxose werden als C2-Epimere bezeichnet. Die Paare
D-Ribose/D-Xylose und D-Arabiose/D-Lyxose analog als C3-
Epimere.

Hi~~ HOi~H H!r Hir


~ Bei den Ketopentosen (zwei C*) gibt es zwei Diastereo-
mere (2 2 - 1) mit je D/L-Form, also vier Konfigurationsisomere.
H . OH H • OH HO • H HO • H
H . OH H • OH H • OH H • OH
Hexosen (6 C-Atome)
~ Für die Aldohexosen gibt es acht Diastereomere (2 4 - 1) in
CH20H CH20H CH20H CH20H jeweils D/L-Form, somit 16 Konfigurationsisomere (2 4). Ihre
o-Psicose o-Fructose o-Sorbose o-Tagalose wichtigsten Vertreter sind die Glucose, Mannose (C2-Epimer
I Abb. 2: Stammbaum der D-Ketosen, Darstellung in der Fischer-Projektion. der Glucose) und Galaktose (C4-Epimer der Glucose).
[1) ~ Bei den Ketohexosen finden sich entsprechend vier Dia-
stereomere und acht Konfigurationsisomere. Ihr wichtigster
Vertreter ist die Fructose.

Isomere
Da Zucker über asymmetrische C-Atome (C*), also C-Atome
mit vier unterschiedlichen Substituenten verfügen (I Tab. 1),
gibt es nach der Forme12n (n =Anzahl asymmetrischer C-Ato-
me) eine entsprechende Anzahl an Konfigurationsisome-
ren. Ketosen weisen durch ihre Doppelbindung zum 0-Atom
ein asymmetrisches C-Atom weniger auf. Zusammenfassung
Die Konfigurationsisomere unterteilen sich in Enantiomere ac Kohlenhydrate werden in Mono-, Oligo- und Poly-
(D/L-Form) und Diastereomere (s. S. 74-77). Die Anzahl der
saccharide unterteilt.
Diastereomere berechnet sich nach zn-l' da das letzte asym-
metrische C-Atom in der Kette für die D/L-Form "wegfällt" ac Die Monosaccharide werden nach der Anzahl der C-
(I Abb. 1, I Abb. 2) . Atome in Triosen, Tetrosen, etc. und nach ihrer funk-
tionellen Gruppe in Aldosen und Ketosen gegliedert.
Triosen (3 C-Atome)
~ Aldotriosen haben ein C* am C2. Daher gibt es zwei Kon-
ac Aldosen weisen ein chirales G-Atom mehr auf als die
figurationsisomere (2 1), die Enantiomere D/L-Glycerinalde- Ketosen.
hyd. Diastereomere gibt es keine, da es auch keine weiteren ac Monosaccharide zeigen eine Vielzahl an Konfigura-
asymmetrischen C-Atome gibt.
tionslsomeren, deren Anzahl sich mit der Formel 2"
~ Ketotriosen haben keine Konfigurationsisomere, da sie
aufgrundder Doppelbindung zum 0-Atom kein asymmetri- angeben lässt (n = Anzahl asymmetrischer C-Atome).
sches C-Atom ausbilden. Ihr einziger Vertreter ist das Dihy- ac Die Anzahl ihrer Diastereomere ergibt sich aus zn-t.
droxyaceton.
Kohlenhydrate II
Monosaccharide II

Ringformen
Entstehung
Die wichtigsten Monosaccharide sind
die Hexosen (C 6 H12 0 6 ). Ihr wichtigster
a)
HO
~ H
OH

H
H

OH
a-o-Gi ucopyranose
OH
4

HO
~H
H
OH

H
I,
H C':::-O

OH
....--
____",_

öoo
HO
OH

H
H

OH
ß-D-Giucopyranose
H

Vertreter bei den Aldosen ist die Gluco·


se und bei den Ketosen die Fructose.
Baut man diese mit Steckmolekülen
nach, so ergeben sich nahezu kreisför·
mige Strukturen. In dieser Struktur
kommen sich bei der Glucose die Alko-
holgruppe des C5-Atoms und die Alde- b) a-o-Fructofuranose ß-o-Fru ctofura nose
hydgruppe am CI sehr nahe. Bei der I Abb. 3: Ringstrukturen der a) D-Giucose und b) D-Fructose. [ 1)
Fructose sind es die Alkoholgruppe des
CS-Atoms und die Ketogruppe des C2-
Atoms. Durch eine intramolekulare Re-
aktion der Carbonyl- und Alkoholgruppe
bilden sich zyklische Halbacetale.
Glucose bildet dabei einen Sechser- ergeben sich zwei weitere isomere
Ring, der eine Sauerstoffbrücke zwi- Strukturen, die a · und ß-Form der ln der ji-D-Giucose steht die OH-Gruppe
schen es und C6 enthält und als Pyran- Ringe (I Abb. 3). Diese sind eine Unter- am anomeren C-Atom oben. Bei der «-D-
ring bezeichnet wird. Die zugehörigen gruppe der Diastereomere und werden Giucose unten.
Zucker werden Pyranosen genannt als Anomere = zyklische Isomere
(I Abb. 3a) . bezeichnet. Auch sie drehen linear pola- Die Haworth-Projektion beschreibt Kon-
Fructose bildet meist einen Fünfer- risiertes Licht. figuration und Konstitution. Es fehlt je-
Ring mit einer Sauerstoffbrücke zwi- In wässriger Lösung stehen die beiden doch die Konformation. Diese wird erst
schen C2 und CS, den Furanring. Ent- Anomere über die offenkettige Form durch die Darstellung als Sesselstruktur
sprechend werden die Zucker mit Fün- miteinander im Gleichgewicht. deutlich (I Abb. 4).
fer- Ringen Furanosen genannt (I Abb. Bei den Furanosen gibt es keine bevor-
3b). Es ist für Fructose auch ein Sechser- Darstellung zugten Konformere.
Ring denkbar, dieser kommt jedoch aus Zur Darstellung der Ringstrukturen be-
sterischen Gründen so gut wie nicht dient man sich der Haworth-Projek- Eigenschaften
vor. tion. In ihr steht das anomere C-Atom Monosaccharide sind aufgrund der gro-
rechts. Der Ring selbst bildet eine Ebe- ßen Anzahl an polaren Gruppen gut
Isomerie ne, auf die man von oben vorne herab- wasserlöslich und schmecken süß. In
Durch den Ringschluss entsteht an dem blickt. Die Gruppen, die nach oben zei- trockenem Zustand bilden sie farb- und
C-Atom der Carbonylgruppe ein weite- gen, liegen oberhalb der Ringebene, die geruchslose Kristalle.
res chirales Zentrum, das als anomeres nach unten zeigen unterhalb. Es gilt: Werden sie erhitzt, zersetzt sich das
C-Atom bezeichnet wird. Es stellt eine Das, was in der Fischer-Projektion links Molekül, bevor es den Siedepunkt er-
Sonderform der asymmetrischen C-Ato- stand, steht nun über dem Ring (oben) reicht und wird braun. Es entsteht Kara-
me dar. Durch dieses anomere C-Atom (I Abb. 4). mel l.

H- E l

5
OH

HO~
H-C- OH
I
Ho-y~
0
HO
;y·•OH
H
H-C-OH HO OH HO ., 'OH
OH
I OH OH
H-C OH
I
CH20H

a) b) c) d)
Fischer- Haworth- Sessel- Keil strich-
Darstellung Darstellung Darste llung Darstellung I Abb. 4: Darstellung der n-D-Giucopyranose [ 11
80 I 81
Durch ihre chiralen C-Atome drehen ~ Durch Hydrierung (Reduktion) ent- ~ Durch Oxidation der Aldehydgruppe
Monosaccharide linear polarisiertes stehen aus Zuckern Zuckeralkohole. entstehen aus den Aldosen Polyhydro-
Licht Wird a-D-Glucose in Wasser Aus Glucose wird der primäre Alkohol xymonocarbonsäuren; z. B. wird Glu-
gelöst, so ist der spezifische Drehwinkel Sorbitol = Glucitol, aus Mannose Man- cose zu Gluconsäure. Diese Reaktion
a + 112 o . Nach einiger Zeit ändert sich nitol. Bei Ketonen entstehen sekundäre nutzt man zum Nachweis von Aldosen
dieser auf +53 °, da sich ein Teil der a- Alkohole. durch die Fehling- und Tollens-Probe
D-(+)-Glucose in ß-D-( +)-Glucose (spe- (s. S. 88). Auch Ketosen lassen sich
H
zifischer Drehwinkel + 19 o J umlagert. H"- .yOI I oxidieren, da sie mit der Aldehyd-Form
Hierdurch stellt sich ein Mischdrehwin- c H- C- OH über die Keto-Enol-Tautomerie im
I I
kel ein, was als Mutaratalion bezeich- H- C- OH H-C-OH Gleichgewicht stehen.
net wird. I I
HO- C-H + H2 HO-C-H
I I H, r OI HO, ) 51
Reaktion en H-C-OH H-C-OH c c
I I I I
Die Reaktionen der Monosaccharide H- C- OH H-C-OH H- C- OH H-C-OH
I I
entsprechen denen der Aldehyde und I I HO- C- H +
1
/2 0 2 HO- C- H
Ketone (s. S. 62/ 63): CHPH CH 20H I I
H- C- OH H-C-OH
o -Giucose o-Sorbitol I I
~ Durch die Addition eines Alkohols H- C- OH H-C - OH
I I
an die Carbonylgruppe entstehen die CHp H CH20H
Ringformen (Halbacetale). o-Giucose D-Giucuronsäure

Zusammenfassung
ac Durch eine intramolekulare Reaktion zwischen einer Alkohol- und der
Carbonyl-Gruppe entstehen zyklische Halbacetale.
ac Sie werden in Furanosen (5 C) und Pyranosen (6 C) gegliedert.
ac Anomere gehören zu den Diastereomeren und sind zyklische Isomere, die
sich in der Position der Substituenten am ehemaligen Carbonyi-C-Atom
unterscheiden. Sie werden in a und ß unterteilt.
ac Die Darstellung der Ringstrukturen erfolgt mit der Haworth-Projektion. ln
ihr steht bei ß-0-Giucose die OH-Gruppe oben und bei a -D-Giucose unten.
• Um die Konformation wiederzugeben, wird die Sesselschreibweise ver-
wendet.
• Zucker bilden farblose, süßlich schmeckende Kristalle, die gut wasser-
löslich sind .
ac Unter Mutarotation versteht man die Entstehung eines Mischdrehwinkels
durch die Einstellung eines Gleichgewichtes zwischen Anomeren.
• ln ihren Reaktionen gleichen die Monosaccharide den Aldehyden. Sie zei-
gen Additionsreaktion mit Alkoholgruppen, wobei die Halbacetale entste-
hen, Hydrierung (Reduktion), bei der Zuckeralkohole gebildet werden, und
Oxidationen, die zum Nachweis dienen und Carbonsäuren erzeugen.
-,- 1

Kohlenhydrate 111
Oligosaccharide Maltose enthalten demnach immer Lactose kommt in Milch vor und ver-
beide Formen. leiht ihr den süßlichen Geschmack.
Die wichtigsten Oligosaccharide sind Durch die Aldehydgruppe der offenen Beim Sauerwerden der Milch entsteht
die Disaccharide, zu denen der Haus- Form weist Maltose reduzierende aus der Lactose Milchsäure (Laktat) .
haltszucker (Saccharose), der Malz- Eigenschaften auf. In Verbindung mit

vf:~o~{
zucker (Maltose) und der Milchzu- Fehling-Reagenz bildet sich ein ziegel-
cker (Lactose) gehören. roter Niederschlag aus Kupfer(I)-oxid.
Die beiden Monosaccharide sind in HOH

HO~ ~~
vf::s ~:~--HOH
ihrer Ringform über eine glykosidische
Bindung (Etherbrücke, Sauerstoffbrü H OH CH20H
cke, R-0-R') miteinander verknüpft. ß-o-Giucopyranosyl ( 1-+4)-o-Giucopyranose
Sie entsteht durch eine Kondensations- HOHLO~ - -
reaktion zwischen zwei Alkohol· H OH H OH
gruppen, bei der Wasser abgespalten a-Maltose = Polysaccharide
wird. a-o-Giucopyranosyl (1 ~ 4 )-o-Giucopyranose
Zu den wichtigsten Polysacchariden ge-
R-OH + HO-R '~ R-0 -R '+ H2 0 Saccharose hören die Stärke, das Glykogen und
Die Saccharose ist ein Disaccharid aus die Cellulose. Es sind lange Ketten, die
Dabei stammt immer eine Alkoholgrup- a-D-Giucose und ß-D-Fructose, wel- aus hunderlen bis rausenden von Glu-
pe vom anomeren C-Atom (C 1). Die che über eine 1-2-Verknüpfung zusam· cose-Bausteinen bestehen. Da sie immer
andere kann ebenfalls vom anomeren mengehalten werden. In dieser sind die denselben Baustein enthalten, werden
C·Atom stammen, aber auch von einem beiden anomeren OH-Gruppen mitei- sie als Homoglykane bezeichnet.
anderen C-Atom. nander verknüpft. Dadurch kann sich Neben diesen gibt es noch die Hetero-
keiner der beiden Ringe mehr in seine glykane, die aus verschiedenen Zucker-
Maltose offenkettige Form umlagern. Folglich bausteinen aufgebaut sind.
Bei der Maltose handelt es sich um ein geht die Aldehydgruppe verloren und
Disaccharid aus zwei ringförmigen das Disaccharid zeigt keine reduzie- Stärke
D-Giucose-Molekülen, die über das renden Eigenschaften. Stärke ist der Speicherstoff für Kohlen-
C1- und C4-Atom miteinander verbun- hydrate der Pflanzen. Sie besteht aus
CH20H zwei Bestandteilen:
den sind. Dabei steht die OH-Gruppe
des ersten Glucosemoleküls in a-Stel-
lung, weshalb die Bindung auch als
a-1-4-glykosidische Verknüpfung
bezeichnet wird.
HO H{ft_ ~
OH

H
H

OH
1
H

0
HOCH2 0
2
H

OHH
H

HO CH20H
..,. Amylose: Besteht aus 1-4-verknüpf-
ten a-D-Glucose-Einheiten, die eine line-
are, schraubenförmig aufgebaute Helix
Da das zweite Glucosemolekül seine an- bilden. In Verbindung mit Iod ergibt sich
Saccharose =
omere OH-Gruppe behält, kann es sich a-o-Giucopyranosyl (1 ~2)-ß-o-Fructofuranose eine tiefblaue Farbe (s. S. 88/ 89). In
in die offene Kettenform mit der Alde- warmem Wasser lässt sich Amylose gut
hydgruppe umlagern. Schließt es sich Lactose lösen und bildet nach Abkühlen milchig
wieder zum Ring, so kann die anomere Lactose ist ein Disaccharid aus ß-D-Giu- trübe Gele (I Abb. 5).
OH-Gruppe en tweder in a- oder ß-Stel- cose und D-Galactose, welche ß-1-4- ..,. Amylopektin: Besteht ebenfalls aus
lung stehen. Beide Formen stehen im verknüpft sind. Dadurch bleibt die a-D-Giucose-Einheiten, die 1-4·ver-
Gleichgewicht miteinander. In der Struk- anomere OH-Gruppe der Galactose er- knüpft sind. Daneben kommen jedoch
turformel ist dies durch eine Schlangen- halten, und der Zucker wirkt reduzie- auch noch 1-6-Verknüpfungen vor, so
linie gekennzeichnet. Lösungen von rend (wird selbst zur Säure oxidiert). dass Amylopektine Verzweigungen auf-
82 I 83
weisen. Daher können sich keine lan·
gen Spiralen bilden, und in Verbindung CH20H ~CHzOH
O H ~CHzOH
O H ~CHzOH
O H
H H H Amylose
mit Iod bleibt die braune Eigenfarbe der OH H OH H OH H (Ausschnitt)
Lösung erhalten. Durch die Verzweigun· o o o o-
gensind sie wasserunlöslich (I Abb. 5). H OH H OH H OH H OH

Die Stärke aus der Nahrung wird durch


a·Amylasen in Glucosemoleküle gespal-
ten, die dann dem Körper als Energie-
lieferanten dienen.
H OH
Glykogen 0
Glykogen ist der Speicherstoff für Koh- I
lenhydrate von Mensch und Tieren. Es
~CHzOH ~CH
2
~CH20H
2
zeigt den gleichen Aufbau wie das Amy- CH 0H O H O H O H .

lopektin, nur kommen hier weitaus häu- H H H Amylopektin


OH H OH H OH H (Ausschnitt)
figer Verzweigungen vor. 0 0 0 0-

H OH H OH H OH H OH
Cellulose
I Abb. 5: Stärke mit ihren Bestandteilen Amylose und Amylopektin. 111
Cellulose ist der Baustoff der Pflanzen
für ihr Grundgerüst Sie besteht aus ß-
Glucose-Einheiten, welche miteinan-
der ß-1-4-verknüpft sind. In Wasser
quillt sie, lässt sich aber nicht lösen. Als
CH20H 0 ttHH~ :HH 0
-0:H20H 0 Ö H:HH
H
Cellulose
Nahrung ist sie für uns nicht verwertbar, H OH H H (Ausschnitt)
H O 0 H H O 0-
da wir über keine ß-Amylase verfügen
H OH CH20H H OH CH20H
und somit das Molekül nicht in seine
einzelnen Glucosemoleküle zerlegen I Abb. 6: Cellulose. 11]
können. Sie dient uns als Ballaststoff.

Zusammenfassung
tc Die wichtigsten Vertreter der Oligosaccharide sind die Disaccharide.
tc Disaccharide bestehen aus zwei Zuckermolekülen, die in einer Konden-
sationsreaktion unter Austritt von Wasser verbunden wurden.
• Die OH-Gruppe am C 1-Atom (anomere OH-Gruppe) ist immer Teil der
Verknüpfung.
tc Maltose: a-0-Giucose a-1-4-verknüpft mit 0-Giucose, reduzierende
Wirkung.
tc Saccharose: a-0-Giucose a-1-2-verknüpft mit ß-0-Fructose, nicht
reduzierende Wirkung.
tc Lactose: ß-D-Giucose ß-1-4-verknüpft mit 0-Galactose, reduzierende
Wirkung.
tc Stärke: besteht aus den zwei Bestandteilen Amylose und Amylopektin.
tc Amylose: a-0-Giucose-Einheiten a-1-4-verknüpft, wasserlöslich.
tc Amylopektin: a-0-Giucose-Einheiten a-1-4- und a-1-6-verknüpft,
wasserunlöslich.
tc Glykogen: a-0-Giucose-Einheiten a-1-4- und a-1-6-verknüpft,
wasserunlöslich.
• Cellulose: ß-0-Giucose-Einheiten ß-1-4-verknüpft, wasserunlöslich.
Aminosäuren
Die wohl wichtigsten Bausteine unseres ~ die Carboxylgruppe [COOH) Je nachdem, ob die Aminogruppe rechts
Körpers sind die Aminosäuren. Aus ih· ~ die Aminogruppe [NH 2 ) oder links am a-C-Atom steht, werden
nen sind die Proteine aufgebaut, sie sind die Aminosäuren als D- oder L-Amina-
somit der grundlegende Bestandteil von Beide befinden sich am sogenannten säuren bezeichnet.
z. B. Zellrezeptoren, von Enzymen, die a-C-Atom oder auch C-2-Atom. Daher
unseren Stoffwechsel aufrechterhalten werden sie als a-Aminosäuren be-
und von der Immunabwehr in Form der zeichnet. Die protelnogenen und die
Immunglobuline. Auch wenn es lausen- der natürlichen Aminosäuren
10 ~ / OH HO, .,:/01
de von verschiedenen Proteinen im Kör- ;c - - c, L-Konflguratlon.
- 21, ,I 2
_
per gibt, so sind es nur 21 Aminosäu- H2 N-C -H H-C- NH
I 2
I
ren, die diese aufbauen. Sie werden als R R Zusätzlich sitzt am a-C-Atom ein Rest
proteinogen bezeichnet. L-Form D-Form der ein einfaches H-Atom oder auch '
eine sehr komplexe Struktur sein kann.
Aufbau und Struktur Es gibt auch Aminosäuren, bei denen Dieser Rest wird als Seitenkette bezeich-
die Aminogruppe sich nicht am a-C- net und bestimmt die spezifischen
Aus dem Wort Aminosäuren lassen sich Atom befindet. Sie können analog als Eigenschaften der Aminosäure. Daher
schon die zwei entscheidenden funktio- ß- (z. B. ß-Alanin) oder y-Aminosäuren teilt man die Aminosäuren auch nach
nellen Gruppen ablesen: [z. B. GABA = y-Arninobuttersäure) ihren Seitenketten ein. Man unterschei-
bezeichnet werden. det polare, unpolare und geladene
Aminosäuren (I Abb. 1).
coo- coo- coo- coo- coo- coo· Ist die Seitenkette etwas anderes als ein
• I
HJN-y - H
+ I • I
H3N-y-H
• I
H3N-y-H
• I + I H-Atom, so entsteht am a-C-Atom ein
H3N-?-H HJN-y-H H3N-y-H
CH 3
asymmetrisches oder chirales Zentrum.

Q
H3C/CH,CH3 yH2 yH2 yH2
CH
Daher sind alle Aminosäuren bis auf
c~H
SH
H3C/ 'CH 3 Glycin (H-Atom als Seitenkettel optisch
aktiv.
u OH

Essenzielle Aminosäuren
L-Aianin L-Valin L-Leucin L-Tryptophan L-Cystein L-Tyrosin
coo- coo- coo- coo- coo- Von den 21 proteinogenen Aminosäu-
• I I + • I • I • I
H3N- ? - H HJN-y-H H3 N-y-H H3N-y-H H3N-y-H ren kann unser Körper einige nicht
CHzOH CHOH yHz selbst herstellen, wir müssen diese also
H C/CH,CH

c5
I
3 I 2 CH 3 mit der Nahrung aufnehmen. Diese
CH 3 H N__...c ",o
2 Aminosäuren werden als essenziell
bezeichnet. Es sind die verzweigten
L-lsoleucin L-Prolin L-Phenylalanin L-Serin L-Threonin L-Asparagin Aminosäuren Valin, Leucin, Isoleu-
coo- coo- cin, sowie Tryptophan, Threonin,
• I • I
H3N-T-H H3N-?-H
Phenylalanin, Lysin und Methionin.
yH2 Zusätzlich gibt es noch zwei Amino-
?H2
yH2 yHz säuren, die wir nur aus einer essen-
s ziellen Aminosäure herstellen können.
I HzN__...c ",o
CH3 Daher werden Thyrosin (entsteht aus
Phenylalanin) und Cystein (entsteht
L-Giycin L-Giutamin
unpolar L-Methionin aus Methionin] als semiessenziell be-
coo- coo- coo- coo- coo· zeichnet.
I • I • I • I + I
+
HJN-y-H H3 N- y - H H3N-f-H H3N-T- H H3N-y-H
yH2
coo-
yH2
yH2
coo-
yHz
yHz
yHz
yHz
yHz
yHz
;:
HN_j/
Eigenschaften und Reaktionen

Die Carboxylgruppe der Aminosäuren


NH yHz gibt in wässriger Lösung ein Proton ab
L-Asparaginsäure L-Giutaminsäure I und ist damit negativ geladen. Dieses
c,.._, 'NH3
H2N/ " NH2
Proton wird von der Aminogruppe auf-
L-Arginin L-Lysin L-Histidin genommen. Die Aminogruppe wird
sauer basisch
positiv. Es findet eine intramolekulare
Protolyse statt. Dabei kommt es zur
I Abb. 1: Einteilung der 21 proteinogenen Aminosäuren. [ 1] Ausbildung eines Zwitterions, d. h., in
84185

dem Molekül gibt es nun sowohl eine die Kationen zugegebene Basen durch dene Moleküle zur Anode (positiver
positive als auch eine negative Ladung. die Abgabe von H+-lonen ab. Pol) und positiv geladene Moleküle zur
Nach außen hin ist das Molekül neutral, Der zweite Pufferbereich liegt beim Kathode {negativer Pol). Da Amino-
da sich die Ladungen gegenseitig auf- pi{.2 -Wert (B) . ln diesem Bereich liegen säuren in unterschiedlichen Ladungs-
heben. das Zwitterion und das Anion in glei- formen auftreten können (Anion, Zwit-
- - e chen Konzentrationen vor. Hier puffert terion, Kation), zeigen sie auch je nach
1 0~ / 01
~ c - das Zwitterion dann durch die Abgabe pH-Wert ein anderes Wanderungsver-
e I
H3N-C-H von H+-Ionen Basen ab und das Anion halten im elektrischen Feld. Bei dem
I durch die Aufnahme von H+-lonen zu- pH-Wert, bei dem sie nicht wandern,
R
gegebene Säuren. liegen sie als Zwitterionen vor. Sie sind
Durch diese Eigenschaften kann eine dann nach außen neutral. Dies wird als
Aminosäure als Base und auch als Säure Isoelektrischer Punkt isoelektrischer Punkt bezeichnet. Er
reagieren und wird folglich als Ampho- entspricht dem arithmetischen Mittel
lyt bezeichnet. Mischt man eine Amino- Geladene Moleküle haben die Eigen- der pK,-Werte der Amino- und Cabo-
säure mit einer Säure, so befinden sich schaft, in einem elektrischen Feld zu xylgruppe (pK, 1 und pKs2l ·
durch die Säure schon viele H+-]onen in wandern. Dabei zieht es negativ gela-
der Lösung, und die Carboxylgruppe
kann ihr H+-lonen nicht mehr abgeben. I Abb. 2: Titratio ns-

Die Aminogruppe wird jedoch weiter- :: t kurve von Glycin-


hydrochlorid mit NaOH
hin H+-Ionen aufnehmen. Dadurch liegt
die Aminosäure dann als Kation mit II ~ (pH , = isoelekt rischer
Punkt). [21
10
einer positiven Ladung an der Amino-
gruppe vor. Sie reagiert also in Gegen- 9
wart der Säure als Base. 8

Gl (I) pH 7
I
NH3 01 NH3 01
t; I t; 6
R-C- C + HCI R-C- C + Cl 6
I '
H ,q; e I
H loH
-
4
Umgekehrt reagiert eine Aminosäure 3
in Gegenwart einer Base als Säure und
2
liegt als Anion mit einer negativen La-
dung an der Carboxylgruppe vor.
0,5 1,0 1,5 2,0
Äquivalente OH 6

Zusammenfassung
• Aminosäuren haben zwei funktionelle Gruppen: Carboxylgruppe und
Dieses Verhalten von Aminosäure spie-
Aminogruppe.
gelt sich auch in ihren Titrationskurven
wider. I Abb. 2 zeigt diese beispielhaft • Es gibt 21 proteinogene Aminosäuren. Sie kommen alle in der L-Konfi-
für das Salz der Aminosäure Glycin. Es guration vor.
zeigen sich zwei Pufferbereiche. Der • Die Seitenkette bestimmt die spezifischen Eigenschaften einer Amino-
erste liegt im Bereich ihres pK, 1-Wertes säuFe.
(A). Hier liegen nach dem Massenwir-
• Essenzielle Aminosäuren sind jene, die unser Körper selber nicht herstellen
kungsgesetz das Zwitterion und das Kat-
ion in gleichen Konzentrationen vor. kann, und die wir mit der Nahrung zu uns nehmen müssen.
• Aminosäuren sind Ampholyte und können daher sowohl als Säure oder
~H3
I
R-C- C
011I; Base reagieren.
• ln der Titrationskurve zeigen Salze von Aminosäuren zwei Pufferbereiche,

Zwitterion
r I loH
H -
Kation
die den pJ<.-Werten entsprechen.
• Am isoelektrischen Punkt liegen Aminosäuren als Zwitterion vor und
Dabei puffern die Zwitterionen Säuren wandern daher in der Elektrophorese nicht.
durch die Aufnahme von H+-Ionen und
Peptide und Proteine
Proteine und Peptide sind kettenförmige dann als N· und C-Terminus bezeich- Es werden zwei Sekundärstrukturen
Moleküle, in denen die einzelnen Ami- net unterschieden, beide können innerhalb
nosäu ren in spezifischer Frequenz mit- eines Proteins in verschiedenen Ab-
einander verknüpft si nd. Sind zwei Ami- schnitten auftreten:
nosäuren miteinander verbunden, so Als Primärstruktur bezeichnet man die
spricht man von einem Dipeptid, bei Aminosäuresequenz. Die strukturgeben- a -Helix
den Elemente sind hierbei die Peptidbin-
dreien von einem Tripeptid und so dungen. Bei der a-Helix liegt di e Polypeptidkette
fort Ab zehn Aminosäuren nennt man in der Form einer rechtsgewundenen
sie dann Oligopeptide, bei mehr als Schraube vor. Dabei verlaufen die intra-
20 Aminosäuren handelt es sich um Wenn man die Peptidbindung genauer molekularen Wasserstoffbrücken ,
Polypeptide. Proteine bestehen aus betrachtet, so finden sich zwei denkbare die die Schraube zusammenhalten, pa-
mehr als 100 Aminosäuren. Formen, wie diese genau aussehen rallel zur Achse der a-Helix. Die Seiten-
Proteine erfüllen vielfälligste Aufgaben können. Zwischen dem C- und N-Atom ketten zeigen nach außen (I Abb. 1a).
im Körper. Sie sind die Grundlage von können sowohl eine Einfach- als auch
Enzymen und Strukturelementen wie eine Doppelbindung vorkommen. Dies ß-Faltblatt
der Muskulatur und dem Bindegewebe, wird als Mesomerie bezeichnet Die Durch den partiellen Doppelbin-
des Weiteren spielen sie eine Rolle als "wirkliche" Form liegt zwischen diesen dungscharakter kommen das a-C-
Nahrungs-, Speicher- und Transportpro- beiden Grenzformen. Deshalb spricht Atom, das CO, das N und das folgende
teine. Auch die Kommunikation der Zel- man von einer partiellen Doppel- a-C-Atom in einer Ebene zum Liegen.
len untereinander wird durch Proteine bindung. Sie führt dazu, dass die Rota- Ein Knick findet sich an jedem a-C-
in Form der Peptidhormone und deren tion um die Bindung eingeschränkt ist Atom, so dass eine Zickzack-Kette
Rezeptoren gesteuert und sich das C-Atom gegenüber dem entsteht. Durch die Zugabe einer zwei-
N-Atom nicht verdrehen kann. ten, parallelen Zickzack-Kette ergibt
Peptidbindung und Primär- sich die ß-Faltblattstruktur (I Abb. lb ).
struktur Zusammengehalten wird sie durch in-
termolekulare Wasserstoffbrücken.
Bei der Verknüpfung von zwei Amino- Dabei wird zwischen paralleler (N-Ter-
säuren miteinander entsteht eine Peptid- minus auf gleicher Seite) und antipa-
bindung. Formal kommt es hierbei zu ralleler (N-Terminus auf verschiedenen
einer Abspaltung von Wasser zwi- Sekundärstruktur Seiten) Anordnung unterschieden. Die
schen der Carboxylgruppe der einen Seitenketten stehen jeweils senkrecht
Aminosäure und der Aminogruppe der Die Sekundärstruktur von Polypeptid- nach oben und unten ab.
anderen. Deshalb wird diese Reaktion ketten ergibt sich durch Wasserstoff-
auch als Kondensationsreaktion be- brückenbindungen zwischen dem 0 -
Die Sekundiratruktur bezeichnet die
zeichnet und die entstehende Verbin- Atom und der NH-Gruppe zweier ver- lokale Raumstruktur einer Polypeptldket-
dung als Säureamid. schiedener Amidgruppen. Dabei stellt te. Dabei wird zwischen a-Helix und JS-
das H-Atom (Donator) sein Elektron Faltblatt unterschieden. Strukturgebend
H H 0 dem 0 -Atom (Akzeptor) zur Verfügung_ sind die Wasserstoffbrückenbindungen.
H H 0
\ I I; \ I I;
N-C -C N-C -C
H ~ "._(o-H- - H-+,'1 ~ oH
~ antiparallel

H HOHH 0
' I II I I I;
N-C - C- N-C - C
~ ~
1
H OH
jH20 /

Durch die Peptidbindung sind die freie


Carboxyl- und Aminogruppe verloren
gegangen. Sie bestehen lediglich noch
am linken und rechten Ende des ent-
standenen Peptids. Dabei gilt die Regel, /
dass die freie Aminogruppe (N) links a) b)
parallel /

und die freie Carboxylgruppe (C) am


rechten Ende stehen. Diese werden I Abb. 1: a) a- Helix und b) ß-Fa ltblattstruktur. [ 11
861 87

Tertiärstruktur
Die Tertlliratruktur bezeichnet die dreidimensionale Struktur
einer Polypeptid-Kette, strukturgebend sind die verschiedenen
Die Tertiärstruktur beschreibt die räumliche Struktur eines
Wechselwirkungen zwischen den Seitenketten.
Proteins. Hierbei bildet sich eine Art Knäuel aus a-Helices,
ß-Faltblättern sowie dazwischenliegenden Schleifen und an-
deren Strukturelementen. Dabei spielen die Wechselwirkun- Quartärstruktur
gen zwischen den Seitengruppen der einzelnen Aminosäuren
des Proteins eine entscheidende Rolle. Es kommt zu: Die Quartärstruktur tritt nur bei Proteinen auf, die aus meh-
reren identischen oder auch verschiedenen Untereinheiten
.,.. Wasserstoffbrückenbindungen zwischen polaren Seiten- aufgebaut sind. Dabei lagern sich diese Untereinheilen anei-
ketten (bei Serin, Asparagin), nander, jedoch ohne kovalent miteinander verbunden zu
.,.. elektrostatischen Anziehungen zwischen geladenen sein. Die Anzahl der Untereinheiten kann zwei (Dimer, Crea-
Seitenketten (bei Aspartat, Lysin), tinkinase), vier (Tetramer, Hämoglobin) oder auch wesentlich
.,.. hydrophoben Wechselwirkungen zwischen unpolaren mehr betragen (Rezeptoren, Kanäle).
Seitenketten (bei Valin, Leucin),
.,.. Disulfidbindungen als kovalente Bindung zwischen den
Seitenketten zweier Cysteine. Die Quartirstruktur bezeichnet die räumliche Anordnung von
mehreren Polypepidketten eines Proteins.

I Abb . 2: Die Tertiärstruktur mit den stabili-


- - - Asn
I ~ Lys - - - - Phe --.._ sierenden Wechselwirkungen. [1[

CH2 ~ Cys
b 1
(CH2)2
I
CH2 I
~'~ I ~
I +NH3 I
H S
o~ / o- 1
c s
I I
CH2 CH 2
I CH I
Asp ::::---__ I 2 Cys
el ektrostatische
Anziehung
Phe ~db' d
1su 1 1n ung
Van-der-Waals-
Kräfte

H-Brückenbildung

Zusammenfassung
a Bei der Peptidbindung handelt es sich um eine Kondensationsreaktion,
bei der ein Säureamid entsteht. Sie hat einen partiellen Doppelbindungs-
charakter.
a Die Primärstruktur eines Proteins bezeichnet die Abfolge der einzelnen
Aminosäuren, aus der es besteht.
a Die Sekundärstruktur bezeichnet die lokale Raumstruktur eines Proteins.
Dabei wird zwischen a.-Helix und ß-Faltblatt unterschieden.
a Die Tertiärstruktur bezeichnet die dreidimensionale Struktur eines
Proteins.
a Die Quartärstruktur bezeichnet die räumliche Anordnung von mehreren
Untereinheiten eines Proteins.
Nachweisreaktionen
Nachweis von Alkoholen Die Reaktion, die dabei stattfindet, ist die Substitution der
OH-Gruppe durch ein Chloratom. Dabei entsteht Chlorkoh-
Der Nachweis von primären und sekundären Alkoholen lenwasserstoff, welcher zunächst die Lösun g trübt und sich
erfolgt über die Oxidation der Hydroxylgruppe (-OH) zu anschließend als wasserunlösliche Phase oberhalb abscheidet.
einer Carbonylgruppe (>C=O). In der Reaktion muss ein
anderer Stoff reduziert werden, damit die Redoxreaktion R-OH+ HCI ~ R-CI + H20
vollständig ablaufen kann.
Nachweis von Aldehyden
Alkohlbestimm ung in der Atemluft
Dies macht man sich bei der Alkoholbestimmung in der Aldehyde lassen sich ebenfalls über Redoxreaktionen
Atemluft zunutze. Alkoholteströhrchen enthalten auf Silica- nachweisen. Ihre Carbonyl-Gruppe wird in diesen zu einer
gel aufgetragenes NaHS0 4 (als schwefelsaures Med ium) und Carboxyl-Gruppe oxidiert. Als Oxidationsmittel dienen
K2Cr20 7 (Kaliumdichromat), welches eine orange Färbung Metallionen, die bei Änderung ihrer Oxidationszahl ihre Far-
zeigt. Durch die Alkoholmoleküle der Atemluft verfärbt sich ben und Eigenschaften wechseln.
dieses beim Hineinpusten von orange nach grün, weil die Ketone hingegen zeigen keine reduzierend en Eigenschaften
Cr+Vl-Ionen aus dem Kaliumdichromat zu Cr+Ill-lonen redu- so dass sie durch diese Proben von den Aldehyden abgegren'zt
ziert werden (I Abb. 1). Da der Farbumschlag quantitativ ist, werden können.
erlaubt er Rückschlüsse auf den Blutalkoholgehal t
Tertiäre Alkohole können nicht oxidiert werden und lassen Tollens-Probe
sich so auch nicht in einer Redoxreaktion nachweisen. Wird ammoniakalische Silbernitratlösung (AgN0 3 ) mit
einem Aldehyd versetzt, so fällt elementares Silber als Silber-
Lucas-Probe spiegel an der Gefäßwand aus. Die Silberionen wurden zu
Um primäre, sekundäre und tertiäre Alkohole voneinander elementarem Silber reduziert, wodurch sich die Oxidations-
unterscheiden zu können, nutzt man die Lucas-Reagenz (eine zahl von +l auf 0 vermindert. Entsprechend ist das Aldehyd
Lösung von Zinkchlorid in konzen trierter Salzsäure). Mit die- das Reduktionsmittel und wird selbst zu einer Carbonsäure
ser reagieren Alkohole (je nach Stellung ihrer Hydroxylgrup- oxidiert {I Abb. 2).
pe) unterschiedlich schnell bzw. gar nicht:
Fehling-Probe
.,.. Primäre Alkohole reagieren beim Überschütten mit Lu- Ald ehyde reduzieren die Kupfer(II)-Ionen einer blauen,
cas- Reagenz auch nach längerer Zeit nicht. Die Lösung bleibt alkalischen Kupfersulfatlösung zu Kupfer(!)· Ionen.
klaL Hierdurch kann sich in Verbindung mit Hydroxydionen
.,.. Sekundäre Alkohole führen zu einer Trübung der Lö- ein schwer löslicher, ziegelroter Niederschlag von
sung innerhalb von 5 Minuten. Sie trennt sich nach einiger Kupfer(l)oxid bilden [I Abb. 3).
Zeit in zwei Phasen auf. Damit sich nicht schon vorher ein Niederschlag aus
.,.. Tertiäre Alkohole reagieren sofort, und die Lösung trübt Kupfer(II)hydroxid bildet, wird der Kupfersulfatlösung
und teilt sich in zwei Phasen. Kalium-Natrium-Tartrat zugesetzt.

0 0 0
-1 +I ~ ..-j /; +111 1/
Oxidation : 3 CH 3 -CH 2 - 0H - 3 CH 3 -C, + 6 H+ + 6 e- Oxidation: CH3 -c, + 2 ow - CH3 - c, + H2 0 + 2 e·
H H OH
+VI _.11 1 +II -t-1
Reduktion : Cr2 o/ - + 14 H+ + 6 e- - 3
2 Cr + + 7 H20 Reduktion: 2 Cu 2 + + 2 ow + 2 e- - Cu 20 + H2 0

I Abb. 1: Alkoholnachweis über die Reduktion von Kaliumd ich romat. [1 1 I Abb. 3: Fehling-Probe. [ 11

+I
0
t; 0
+111 /; _
Oxidation · CH3 -c + 2 OW - CH 3 - C + H20 + 2 e
. 'H 'oH
~ 0
Reduktion: 2 Ag+ + 2 e- - 2 Ag

I Abb. 2: Tollen s-Probe . [11


88 I 89
I Abb. 4: Jod in Stärke. [ 1]

MoH
I Abb. 5: Ninhydrin-Reaktion. [2]

~0H
2

0
Ninhydrin violetter Farbstoff

Beide Proben dienen auch zum Nach- Cellulose-Nachweis Biuret-Reaktion


weis der Aldosen und Ketosen. Zur Er- Cellulose lässt sich ebenfalls durch einen Eine Eiweißlösung reagiert mit ver-
innerung: Ketosen lassen sich trotz ihrer Farbumschlag nachweisen. Hier schlägt dünnter Kupfersulfatlösun g und einigen
Ketongruppe oxidieren, da sich die Car- der Farbton einer farblosen Zinkchlorid- Tropfen Natronlauge zu einem rot-violet-
bonylgruppe am C2-Atom befindet und Iod-Lösung beim Auftropfen auf Cellu- tem Kupfer-Komplex (I Abb. 6).
das C1-Atom über eine Alkoholgruppe lose nach blau um.
verfügt, so dass die Ketogruppe über die
Keto-Enoi-Tautomerie in eine Aldehyd- Nachweis von Eiweißstoffen 2
2 H2N-C - NH- C- NH2 + Cu + + 2 OW
gruppe umgelagert werden kann. II II
0 0
Ninhydrin-Reaktion Biuret
Nachweis von Polysaccharid en Die Ninhydrin-Reaktion dient dem
0 H H 0
Nachweis von a-Aminosäuren in ,, I I 11
C-N BIN-C
Stärke-Nachweis wässrigen Lösungen durch die Bildung I _ , / - '
~ H-N, - /Cu, _ ,N-H + 2 H20
Die Amylose der Stärke windet sich zu eines violetten Farbstoffes. Dieser ab- C-Nie N-C
sorbiert Licht der Wellenlänge 570 nm I; I I ,,
einer Helix mit einem Hohlraum. In 0 H H 0
diesen lagern sich beim Auftropfen einer und kann somit zur quantitativen Ana-
braunroten Kaliumiodidlösung Iod- lyse herangezogen werden (I Abb. 4) . I Abb. 6: Biuret-Reaktion. [ 1]

moleküle ein. Es kommt zu einem Farb-


umschlag nach schwarzblau.

Zusammenfassung
X Zum Nachweis von Alkoholen können Kaliumdichromat und die Lucas-
Probe verwendet werden.
X Für Aldehyde gibt es die Tollens- und Fehling-Probe.
• Stärke weist man mit Kaliumiodid-Lösung nach, Cellulose mit Zinkchlorid-
Iod-Lösung.
X Die Ninhydrin-Reaktion dient dem Nachweis von a·Amlnosiuren.
X Die Biuret-Reaktion dient dem Nachweis von Peptiden und Proteinen.
!

I'
'I
Periodensystem der Elemente )>
:::s
re lative Atommasse :::T

~
~~
Q)
Name 6
Symbol ,
n :::s
K-sctlale
L ·Schale 2
aq
M-Schale
Ordnungszahl/Kernladungszahl = N-Schale
3
4
Anzahl Protonen/Elektronen 0 -Schale 5
P-Schale 6
s p d I

1
(lA ) IM
---- (VIllA)
1.0079 1
1. Periode ' wiiUSeßloff 2 Hauptgruppen 4 .0026
13 14 15 16 17 Helium
IH (IIA)
(ll!A) (I VA ) (VA ) (V IA) (V llA ) ,He
6.941 9.01 22

--------
2.Periode Lithium Be ryllium
10.8 11 12.011 14.007 15.9994 18.998 20. 180
Boo- Kohlenstoff Stickstoff Saucrs toff Auur Neon
JLi 48 e Nebengruppen sB 6C 1N

-----------
sO 9F 10Ne
22.990 24.305 26 .982
3 . Periode Natrium
28.086 30.974 32 .066 35.453 39.948
Magnesium 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 A luminium Si licium Phosphor Schwere! Chlor Argon
11Na 12Mg (IIIB) (I VB) (VB) (VIB) (VIIB ) 1---- (VlllB) (IB) 13AI 1•Si 1sP
(118) I.S 11CI 1sAr
39.098 40 .078 44.956 47.88 50.942 51.996 54.938 55.847 58.933 58.69 63.546 65.39 69.723 72.61 74.922
4. Periode Kalium Calcium Scandium
78.96 79.904 83.80
Titan Vanadiu.. Chrom Mansan Eisen Cobalt Nickel Kupfer Zink Gallium Germaniu m Ars.en s~ l e n Brom Krypton
19K 2oCa 21Sc 22Ti nV 2•Cr 2SMß u.Fe 2?Co 2sNi 29CU JOZn JJGa J2Ge 33As 34Se JsBr J6Kr
85 .468 87.62 88.906 91.224 92.906 95.94 98.906 101.07 102.91 106.42 107.87 11 2.41
5. Periode 114.82 118.7 1 121.75 127 .60 126.90 131.29
Rubidium Strontium Yttrium Zirkonium Niob Molybdin Techne1ium Ruthenium Rhodium Palladium Silber Cadmium Indi um Zinn Ant imon T ellur Jod Xenon
31Rb 1sSr 39Y 40Zr 41Nb •:!Mo •JTc:* ..Ru 45Rh 46Pd •1Ag 4BCd soSn 51Sb s2Te
49lß 531 54 Xe
132.91 137.33 178.49 180 .95 183.85 186.2 1 190.2 192.22 195.0 8 196.97 200.59 204.38 207.2
6. Periode Caesium
208.98 208.98 209.99 222.02
Barium Hafnium Tantal Wolfnm Rhenium Osmium Iridium Platin Gold Qucduilber Thallium Blei Bis mut Po lonium Astat Radon
s5CS 56ßa 57-71 nHf 73'18 1•W 75Re 760s n lr 78Pt 79AU soHg s1TI s2Pb &JBi 84PO* s5At* 86Rn*
223.02 226.03 261 262 263 Dann- Roent-
7. Periode Fra.ncium Radi um PlllllerfordiVII Dubnium Seaborgium Bohrium Hauium Meitnerium stadtium cenium Copemicum
s1Fr* ssRa* 8~ 103 1041U'* IMDb* lorSg"' lll'l8h"' 1osHs"' u19Mt* uoDs* 1uRg* mCp*

138.91 140. 12 140.91 144.24 146.92 150.36 151.97 157.25 158.93 162.50 164.93 167.26 168.93 173.04 174.97
* I Lanthanoide Lanthan Cer Praseodym Neodym Promethium Samarium Europium Gadolinium Terbium Dysprosi um Hol mium Erbium Thulium Ytterbium Lutetium
s1La ssCe 59Pr roNd 61Pm* 62Sm 6JEu 64Gd 65Th 66Dy 67HO 68Er 69Tm 70Yb 11 Lu
227.03 232.04 231.04 238.03 237.05 244.06 243.06 247.ü7 247.07 251.08 252.08 257 .10 258.10 259.10
*2 Actinoide Actinium Thorium Protactinium Uran Neptunium Plutonium Americium Curium Berkelium Californi um Einsleinium Fennium ~e nde leviun Nobe liu m
260.11
Lawrencium
I
&9Ac* 90Th* 91 Pa* 92U* 93Np* 94Pu* 95Am* 96Cm* 97Bk* 9sCf* 99ES* 1ooFm * 101Md * I02NO* JOJLr *
-

* radioaktive Elemente; angegeben ist die Masse eines wichtigen Isotops (soweit bekannt)

Unter der Nummerierung der Haupt- und Nebengruppen (1-18) steht die alte Bezeichnung in Klammern.
Tabellen I
92 193

Größen und Einheiten

Naturkonstanten Griechische Zahlwörter

Konstante Symbol Betrag mono 11 undeca

Avogadro-Zah l di 12 dodeca
N, 6,022 x 10" Teilchen/mol
tri 13 trideca
Faraday - Konstante 96 487 C/mo l
tetra 14 tetradeca
Elemen ta rladung 1,6022 X 10 - " C
penta 15 pentadeca
Molares Vo l idealer Gase bei Standardbedindungen Vm 22,414 I/mol
hexa 16 hexadeca
Absoluter Null punk t T" 0 K " -273 ' C
hepta 17 · heptadeca
Universe lle Gaskonstante R, 8,314510 J/K x mol
octa 18 octadeca

nona
.•
. . 1.9 · enn eadeca

Größen und Einheiten 10 deca .2.0 ,. · icosa

Größe Zeichen Beziehung Einheit

Masse m kg, g, ~g
Dezimale
Vo lumen V a x b xc m' - I 000 I, 1 I - I dm' , I ml - I cm 3
Femto 10 · 15
Zeit 1s
Piko IO -"
Reaktionsgeschwindigkeit v "L'ic/L'it
Nano IQ -•
Dichte p p" m/V g/cm'
Mikro IQ -6
~
Anzah l N 1,2,3 ...
m Milli IQ -l
Stoffmenge n = N/N,
Zenti IQ - 2
Molare Masse M M = m;n g;mol
dezi IQ - 1
Molares Vo lumen
v" v. = v;n I/ mol
da Deka 10
Molarität c = n/V molj l
Ki lo 10 3
Molalität c= n/m mol/kg

Enthalpie H I J

Entropie 1 J/K

Funktionelle Gruppen

Substanzklasse Gruppe Präfix Suffix Strukturfonnel Seite

R' 0 - R" R' 0-R"


Halbacetale '
/c,
/ -halbacetal '/ c,
/

Halbkaiale -hemiacetal
R O-H R 0-H 80/81
62/63
R' 0-R" R' 0-R"
Acetale 'c / -acetal '/c,/

Ketale / ' -ketal


R 0 - R'" R 0-R"'

Aminosäuren 84
Anhang

Substanzklasse Gruppe Präfix Suffix Strukturformel Seite


I I
Alkane R- R Alkyl- -an -c-c- 52/53
1 I
\ I konjugiert
Alkene R=R Allyl- -en C=C
I \ \ I I
C=C-C=C
I I \
54/55
Alkine R=R -in -C=C- kumuliert
\ I
C=C=C
f \

I
Halogenalkane R-X Halogen- - C- CI
I

Cycloalkane Cyclo-
56/57

Aromaten -benzol

H
I
Alkohole/Phenole -OH Hydroxy- -ol -0-H primär R-C-OH
I
H
R'
I
sek. R-C-OH
I 58/59
H
R'
I
tert. R-C-OH
I
R"
Ether -OR' Alkoxy- -ether

Thiole R-SH Sulfonyl -thiol R- S-H


Mercapto- -mercaptan
H 60/61
I
Amine Amino- -amin R-N
\
H

\ NH
Imine C=NH lmino- -im in II
I c
R......- ' R'
0
I;
Aldehyde -CHO Oxo- -a l R-C ~
Formyl- -carbaldehyd 'H Carbonyi-
/ gruppe 62/63
O
\ II/
Ketone C=O Oxo- -on c
R......- ' R'
I

0
(f
-säure
Garbonsäuren -COOH Carboxy- R-C 64/65
-Carbonsäure \
OH

-säure-R'-yl-ester 0
Ester -COOR' R' -oxocarbonyl- II 66/67
R'-yl-säure-at R-C-0-R'

0
II
H2C-O - C ~

Fette I ~
HC-0 - C ~
68/69

I
H2C-0-C ~
~
Tabellen II
94195

Thermische Größen
Bildungsenthalpien ß H0 und Bildungsentropie S0

Stoff Zustand t.H' (k)j mol) S' (J( mol x K) Stoff Zustand t.H' (k) / mol) S' Uf mol x K)

Ag 0 +43 Hl +26 +206


Ag 20 - 31 + 121 K 0 +64
Ag NO, - 124 + 141 KCI - 436 +83
AgCI - 127 +96 KBr - 392 +97

AgBr - 100 + 107 Kl -329 +104


Ag I - 62 + 11 5 Mg 0 +33
Al +28 MgO -60 1 +27
Al 20 3 -1676 +5 1 MgCl, -642 +90
AIF 3 - 150 4 +66 MgSO, -1 288 +92

Br, g +3 1 +245 Mn0 1 - 5 19 +53

+ 152 N, 0 + 192
HBr g - 36 + 199 NH, g -46 + 192

+6 N,O g +82 +220

C Di~rront +2 +2 NO g +90 +2 11
CO g - 111 + 198 NO, g +33 +240
CO, g -393 +214 g +9 +304
Ca +4 1 NH,CI -314 +95
CaO -635 +40 NH, NO, - 366 +15 1

Ca(OH), -986 +83 Na 0 +5 1

Ca SO, - 14 34 + 107 NaOH - 427 +64

caco, -1 207 +93 NaF - 574 +51

Cl g + 12 1 + 165,09 NaCl -4 11 +72

g 0 +223 NaBr -360 +84

HCI g - 92 + 187 NaI - 288 +91

Cu 0 +33 Na, co, -1129 + 136

cu, o -1 69 +93 NaS0 4 - 1384 + 149

CuO - 157 +43 o, g 0 +205

cu, s -80 + 12 1 o, g + 143 +239

CuS - 53 +67 P (weiß) 0 +4 1

Cu SO, - 771 +109 P (rot) - 18 +23

F, g 0 +203 Pb 0 +65

HF g - 271 + 174 PbO -2 17 +69

Fe 0 +27 PbO, -277 +76

Fe,o , - 824 +87 PbS -100 +91

Fe,o, -111 8 + 146 PbSO, -920 +149

FeS - 100 +67 S riJQmbu;cl\ 0 +32

FeS, -1 78 +53 H,S g - 21 +206

H, g 0 + 13 1 so, g - 297 +248

H20 g -242 + 189 so, g -396 +257

H, O - 286 +70 H,s o , -8 14 + 157

H,O -292 +39 Zn 0 +42

H2 0 2 - 188 + 109 ZnO - 34 8 +44

I, g +62 +261 ZnCI2 -41 5 + 111

I, + 11 6
Anhang
Gitte re ne rgie .6. HGin kJ/ mol Löslichkeitsprodukte
F- Cl- Br 1- Q 2- sz- Stoff K,(mol'/ 1')

Li+ - 1039 -850 -802 -742 -28 18 -2476 Agßr 5,0 X 10 - 03

Na+ - 920 -788 -740 - 692 -2482 - 2207 Ag, CO, 6,3 X 1Q- Il

K+ -816 -7 11 -680 -639 -2236 - 2056 Ag Cl 2,0 X lQ - OO

Rb+ -780 - 686 -558 -62 1 - 2 165 - 1953 AgJ 8,0 X 1Q- l 7

Cs+ - 749 - 65 1 -630 - 599 - 2067 - 1854 AgOH 2,0 X 1Q - B

zF- ZCI- 2Br- 21- 20 2- 25 2-


Ag,S 6,3 X 10 -50

- 3509 - 3024 - 29 18 - 2804 -4446 -3835 Ag,SO, 1,6 X 1Q - 5

Mg'' - 296 1 - 2530 - 2444 - 233 1 - 3929 - 3302 AI(OH), 1,0 X 10 -32
Ca'' - 2634 - 2 198 -2 180 - 2078 -3477 -30 16 Ba CO, 5,5 X 10 - 00
-2496 -2 160 - 2079 1967 -3205 - 285 1 Ba (OH), 5,0 X 10 - 3
Ba 2 ' -2356 -2060 -1989 - 188 1 -3042 -2728 Ba SO, 1,0 X lQ - 10

Ca(O H), 4,0 x w-•


Ca SO, 2,0 X J0 - 5
Hydratationsenthalpien .6. HHin kJ/ mol
Cd(OH), 4,0 X l Q- IS

Ion .1HH Ion Ion .1HH Cu(O H), 1,0 X lQ -10

Ag' 489,53 485,34 MnO, - 246,86 CuS 6,3 X J0 - 36


1338,88 H' 1108,76 NH4 326,35 Fe(OH), 6,0 X 10 - 15
3 17,98 H,o· 460,24 No,- 309,62 Fe(OH ), 8,0 X 1Q - 40

1389,09 280,33 Na' 422 ,59 FeS 6, 3 X l Q- lS

Ca'' 1615,02 K' 338,90 5 10,45 MgCO, 1,o x w-•


Cl - 35 1,46 Li' 53 1,36 11 08,76 Mg(O H), 2,0 X 1Q- 11
2 129,66 Mg'' 19 53,94 2075,26 Mn(O H), 7,0 X l Q- 14

PbS 1,3 X l Q - 28

Lösungen PbSO, 1,6 X 1Q - H

Zn(OH), 2,0 x 10 -"


Löslichkeit von Salzen in g/100 g H20 bei 20 oc
Cl- Br N0 3- so. 2 ~

Na' 91
·-179
36 88 19 22

K' 34 66 145 32 111 11 2

NH; 37 74 172 188 75 100

36 104 170 2,3 X 10 -4 2 X 10 -3

Mg" 54 102 148 71 36 0, 18

75 142 204 127 0,2 1,5 X 10 - 3

Zn' ' 367 447 432 11 8 54 2 X 10 -2

Pb2 ' 0,84 0,07 53 4,2 X 10 -l 1,7 X 10 -4

Cu'' 77 122 122 21

Ag' 1,5 X 10 - 4 1,2 X 10 -S 2,5 X 10 -l 2 16 0,74 3 X J0 - 3


Tabelle 111
96 197

pK 5 - und pK 8-Werte bei 22 oc


pK, Säure Korrespond ierende Base pK, pK, Säure Korrespondierende Base pK,

-II Hl Iodwasserstoffsäure 1- Iodid 25 4,76 CH , - COOH Essigsäure CH,-coo - Ac etat 9,24


-10 HCIO, Perchlorsäure CIO, - Perchlorat 24 6,5 H,CO, Kohlensäure HC0 3 • Hydrogencarbonat 7,5
-9 HBr Bromwasserstoffsäure Br- Bromid 23 6,9 H2S Schwefelwasserstoff HS· Hydrogensulfid 7, 1
-7 HCI Chlorwasserstoffsäure Cl - Chlorid 21 7,0 HSO,- Hydrogensulfit so,•· Sulfi t 7,0
-3 H, S04 Schwefelsäure HSO, - Hydrogensulfat 17 7,2 H,PO, · Dihydrogenphosphat HPO, ,_ Hydrogenphosphat 6,8
-1,7 H,O Wa sser 15,7 9,2 NH,' Ammonium NH 3 Ammoniak 4,8
- 1,3 HNO, Salpetersäure NO,- Nitrat 15,3 9,4 HCN Cyanwasserstoffsäure CN · Cyanid 4,6

1,8 H2 S03 Schweflige Säure HSO,- Hydrogensulfit 12,2 10,4 HCO, Hyd rogenca rbonat CO, ,_Carbonat 3,6
1,9 HSO,- Hydrogensulfat so; - Sulfat 12, 1 12,4 HPO, z- Hydrogenphosphat PO, ,_ Phosphat 1,6
2,1 H3 P04 Phosphorsäure H2 PO, - Dihydrogenphosphat 11,9 13,0 HS· Hydrogensulfid sz- Sulfid 1,0

3,1 HF Fluorwasserstoffsäure F- Fluorid 10,9 15,7 H,O Wasser OH- Hydroxid -1,7

3,4 HN0 2 Salpetrige Säure NO,- Nitrit 10,6 23 NH 3 Ammon iak NH,- Amid -9
3,8 H-COOH Ameisensäure H- COO- Formiat 10,2 24 OH- Hydroxid 0 2- Oxid -10

Elektrochemische Spannungsreihe

Reduzierte Form Oxidierte Form +ze- Standardpotenzial E' (V) Reduzierte Form Oxidierte Form + z e- Standardpotenzial E• (V)

Li Li ' +e - - 3,045 SO, + 6 H,O so; · + 4 H,o · + 2e - +0, 17

K K' +e - - 2,925 Ag+ Cl· AgCI +e - +0,22

Ba Ba'' +2e - - 2,9 1 Cu Cu 2 ~ + 2e - +0,35

Sr Sr'' + 2e - -2,89 S + 3 H20 Cu' H,so, + 4 H' + 2e - +0,45

Ca Ca'' + 2e - -2,87 Cu Cu' +e · +0,52

Na Na' +e · -2,71 12 + 2e - +0,54

Mg Mg' · + 2e - -2,38 MnOJ- Cu· MnO, - +e· +0,56

Al Al '' +3e · -1,66 H20 2 + 2 H20 o, + 2 H,o· + 2e - +0,68

Mn Mn' · +2e - -1,18 Fe' ' Fe'' +e - +0,77

H2 + 2 OH - 2H 20 + Ze - -0,83 Ag Ag' +e· +0,80

Zn Zn'' + 2e - - 0,76 N20, + 2 H20 Cu' 2 NO,·+ 4 H' + 2e . +0,80

Cr + 3e - -0,74 Hg Hg' ' + 2e - +0,85

s•- s + 2e - -0,45 Hg,'' 2 Hg'' + 2e - +0,92

Fe + 2e - -0,4 t NO+ 6 H,O NO, - + 4 H,O· + 3e - +0,96

Cd Cd 2 ' + 2e - - 0,40 2 ßr · + 1,07

Pb+ SOl - PbSO, + 2e - -0,36 6 H,O 0 2 + 4 H,O' + 4e - +1,23

Co + 2e - -0,28 Mn 1• + 2 H,O MnO, + 4 H' + 2e - +1,23

Ni + 2e - -0,25 Tl' Tl'' + 2e - + 1,25

Sn + 2e - -0, 14 2 Cr'' + 21 H,O Cr,O,' · + 14 H,O· + 6e - + 1,33

Pb Pb'' + 2e - -0,13 2CI· Cl, + 2e · +1,36

Fe + 3e - -0,036 Au Au'' + 3e - + 1,50

H, + 2 H20 2H 3 0 ' + 2e - 0 Mn' ' + 1,5 1

Ag+ Br· AgBr +e - +0,07 Mn' ' + 12 H20 Mno,- + 8 H3 0 ' +Se - +1,51

H2S S + 2H' + 2e - +0,14 3 H,O + 0 2 o , + 2 H, o · + 2e - +2,07

Sn'' +4e - +0, 15 2 F' F2 + Ze - +2,87

cu· +0, 15
Anhang
Quellenverzeichnis
111 W. Zettl meier, München.
121 W. Zettlmeier. In: Zeeck, A.: Chemie für Mediziner.
Elsevier Urban & Fischer, 7. Auflage 201 0.
13] W. Zettlmeier. In: Zeeck, A.: Chemie für Mediziner,
Elsevier Urban & Fischer, 6. Auflage 2006.
Register
A B Dimerisa tio n 61
Dipeptid 86
Acetale 62 Basen 36, 38 Dipol 15
Actinide 8 Basenkonstante 38 Disaccharide 82
Additionsreaktionen 51, 54, 70 Benzol 57 Dissoziation 34
Adsorption 46 Bezugshalbzelle 42 Dissoziationsgleichgewicht 36
Aerosol II Bildungs-Entropie 95 Dissoziationskonstante 45
Aggregatzustände 10 Bildungsenthalpie 24, 95 Disulfidbrücken 61
Aldehyd-Nachweis 88 bimolekulare Reaktion 29 Disulfide 61
Aldehyde 62, 70 Bindung 12 Doppelbindung 16
Aldohexosen 79 Bindungsenergie I 7 Doppelbindung, partielle 86
Aldopentosen 79 Bindungsenthalpie 17 Drehwinkel 77
Aldosen 78 Bindungsgrad 16 Dreifachbindung 16
Aldotetrosen 79 Bindungslänge 17 Dünnschichtchromatographie 46
AJdotriosen 79 Bindungstrennung 70
Alkalimetalle 8 Bindungstypen 13, 14, 16, IB
alkalische Hydrolyse 66 Biuret-Reaktion 89 E
Alkanamine 60 Bodenkörper 32
Alkane 52 Bohrsehe Postulate 2 E-lsomer 76
Alkane, Nomenklatur 52 Bohrsches Atommodell 2 E/Z-Isomerie 76
Alkanale 58 Brönstedt-Definition 36 Edelgase 8
Alkanthiole 60 Edelgaskonfiguration 12, 14
Alkene 52, 54, 70 Edelmetalle 41
Alkine 52, 55 c Edukt 20
Alkchibestimmung 88 Eigenrotation 4
Alkoholat-Ion 67 C-Terminus 86 Einfachbindung 16
Alkohole 58 Carbanion 70 Einheiten 93
Alkoholnachweis 88 Carbokation 66, 70 1-4-glykosidische Verknüpfung 82
Alkoxyalkane 59 Carbonsäureester 66 einwertiger Alkohol 58
Alkyl-Reste 60 Carbonsäuren 64 elektrische Energie 42
allgemeines Gasgesetz I 0 Carbonyl-Gruppe 62 elektrische Potenziald ifferenz 42
Amide 60 Carboxylation 64 Elektrochemie 42
Amin-Typ 60 Carboxylgruppe 64, 84 elektrochemische Spannungsreihe 42 , 97
Amine 60 Cellulose 83 Elektrolyse 35
Aminogruppe 84 Cellulose-Nachweis 89 Elektronegativität 12
Aminosäuren 84 CH 2-Gruppe 52 Elektronegativitätsdifferenz 16
Aminosäure-Nachweis 89 Chalkogene 8 Elektronen 6
Aminosäuresequenz 86 Chelateffekt 45 Elektronenaffinität 12
Ammoniak 60 Chelatkomplexe 45 Elektronenakzeptor 40
amorphe Feststoffe I 0 Chelatoren 45 Elektronendonator 40
amphipathisch 69 chemische Gleichungen 20 Elektronendonatorstärke 40
amphiphil 69 chemische Reaktionen 20 Elektronengas 14
Ampholyt 85 chemisches Gleichgewicht 30, 32 Elektronenkonfiguration 5, 12
Amylase 83 chirales Zentrum 76 Elektronenpaarbindung 16
Amylopektin 82 Chromategramm 46 Elektronenübertragung 40
Amylose 82 Chromatographie 46 Elektronenverteilung 12
Anionen 12, 14 Cis-Addition 55 elektrophile Addition 51, 54, 59, 70
Anlagerungsreaktion 51 Cis/ Trans-Isomerie 50 elektrophile Substitution 51, 57, 72
Anomere 80 Coulomb 6 Elementarteilchen 6
Anziehungskräfte I 0 Coulomb-Kraft I 4 Elemente 2, 6
Aquokomplexe 45 Eliminierung 58, 72
Aromaten 52, 57 Elim inierungen 51
D Eluat 47
Arrhenius 36
Emulsion I I
Aryl-Reste 60
D-Aminosäuren 84 Enantiomere 76
Atom 2
D-Milchsäure 76 endergonisch 27
atomare Masseneinheit 7
Dalton-Modell 2 endotherme Reaktion 24
Atomaufbau 6
Danieii-Element 42 Energetik 24, 26
Atombindung 12, 16, 18
Dehydratisierung 72 Energieniveau 4
Atomhülle 6
Dehydrierung 72 Enoi-Form 74
Atomhypothese 2
Destillation 47 Enthalpie 24
Atomkern 6
Dezimale 93 Entropie S 26
Atommasse 6
Diastereomere 77 Epimere 77
Atommodelle 2
Dicarbonsäure 64 Erdalkalimetalle 8
Autoprotolyse des Wassers 36
Dichte Ii Erdmetalle 8
Avogadro-Konstante 7, 22
Register
100 I 101

Erhalt der Masse 20 H isoelektrischer Punkt 85


essenzielle Aminosäuren 84 Isoleuein 84
Esterbildung 66 H20 15 Isomerie 52, 74, 76
Ethan 18,52 Halbacetale 62, 80 Isotope 6
Ethanolverbrennung 21 Halbmetalle 14
Ethen 18, 54 Halbwertszeit 9
Ether 58 Halogenalkane 53, 56, 70, 73 J
Ethin 19,55 Halogene 8
exergonisch 27 Halogenierung 54, 70 Justus von Liebig 36
exotherme Reaktion 24 Halothan 56
Hämoglobin 20
harte Strahlung 9 K
F Hauptquantenzahl n 4
Haushaltszucker 82 Kaliumdichromat 88
Fällungsreaktion 20 Haworth-Projektion 80 Ka talysatoren 29
Faltblatt 86 Heisenbergsche Unschärferelation 4 Kationen 12, 14
Faraday 2 Heliumkerne 9 Keilstrich-Projektion 80
Fehling-Probe 63, 88, 82 Helix 86 Kern-Hülle-Modell 2
fest I 0 Henderson-Hasselbalch-Gleichung 39 Kernladungszahl 6
Feststoffe I 0 Henry-Dalton-Gesetz 33 Kernseife 68
Fette 66,68 heterogen I l Keto-Enol-Tautomerie 74, 78
Fettsäuren 64, 68 heterogene Reaktion 28 Ketogruppe 58, 62
Fischer-Projektion 76 Heteroglykane 82 Ketohexosen 79
Flüssigkeitschromatographie 46 heterolytische Bindungstrennung 70 Ketone 62, 70
freie Reaktionsenthalpie 27 Heterozyklen 59 Ketopentosen 79
Fruchtester 66 Hexosen 79 Ketosen 78
Fructose 80 homogen II kinetische Energie I 0
funktionelle Gruppen 93 homogene Reaktion 28 Knallgasreaktion 30
Furanasen 80 Homoglykane 82 Kohlenhydrate 78, 80, 82
Furanring 80 homolytische Bindungstrennung 70 Kohlenstoffatom 6
Homozyklen 59 Kohlenstoffbindungen 18, 50
Hülle 6 Kohlenwasserstoffe 52, 54, 56
G Hundsche-Regel 5, 8 Kollisionstheorie 28
Hybridisierung 18,50 Komplexbildungskonstante 45
galvanische Zelle 42 Hybridorbital 18 Komplexbildungsreaktion 44
Gaschromatographie 46 Hydrat 62 Komplexchemie 44
Gasgesetz l 0 Hydratation 34 Komplexstabilität 45
Geiger-Zähler 9 Hydratationsenthalpie 34 Kondensationsreaktion 86
Gelchromatographie 47 Hydratationsenthalpien 96 Konfigurationsisomerie 76
Geometrie der Komplexe 44 Hydrathülle 34 Konformationsisomere 56
geometrische Isomerie 54 hydratisiert 34 Konformationsisomerie 74
gepaartes Elektron 16 Hydrierung 55 konjugierte Doppelbindungen 57
gesättigte Fettsäuren 68 Hydrochloride 60 konjugierte Säure/ Base-Paare 36
gesättigte Kohlenwasserstoffe 52 Hydrolyse 39 konjugiertes Redoxpaar 42
gesättigte Lösung 32 Hydroniumion 36 Konstitutionsisomere 52, 54, 74
Geschwindigkeitsgesetz 29 Hydroniumionen-Konzentration 37 Kontaktkorrosion 41
Geschwindigkeitskonstante 29 hydrophil 33 Konzentrationsangaben 22
Gesetz der konstanten Proportionen 2 hydrophob 33 Koordinationszahl 44
Gesetz der multiplen Proportionen 2, 21 Hydroxidionen-Konzentration 37 Koordinative Bindung 44
Gesetz vom Erhalt der Masse 2, 20 Hydroxylgruppe 58 Korrosion 41
Gewichtsprozent 22 kovalente Bindung 16
Gibbs-Hemholtz-Gleichung 27 Kreuzungsorbital 18
Gibbs freie Energie 27 Kristalle 14
Gitterenergie 34, 96 kristalline Feststoffe 10
Gleichgewichtskonstante 30 I-Effekt 64, 72
Gleichgewichtslage 30 Imin-Typ 60
Gleichungen 20 Indikatoren 37 L
Glucose 80 induktiver Effekt 64, 72
Glycerin 68 inert 45 L·Aminosäuren 84
Glykogen 83 Ionenbindung 12, 14 L·Milchsäure 76
Grundelemente 50 Ionengittern 14 Lactose 82
Grundtypen von Reaktionen 21 Ionenladungszahlen 13 Ladung 6
Ionisierungsenergie 12 Laktat 82
irreversibel 30 Lanthanide 8
Isobutan 52 Lavoisier 36
Register
Le Chatelier 31 multiple Proportionen 21 Phenole 59
Legierungen 11 Mutaratalion 81 Phenylalanin 84
Leichtmetalle 14 Photosynthese 78
Leuein 84 rr-Bindung 16
Lewis-Definition 36 N pKB·Wert 97
Lewis-Schreibweise 12 pK 5-Wert 97
Liganden 44 n-Butan 52 Plasmazustand I 0
Ligandenaustauschreaktion 44 N-Terminus 86 Pluspol 42
lipophil 33 Nachweisreaktionen 88 polar 33, 50
lipophob 33 Natriumchlorid 20 Polarimeter 77
Loschmidtsche Zahl 22 Nebengruppe 8 Polarisationsfilter 76
Lösen von Salzen 34 Nebenquantenzahl I 4 polarisiertes Licht 76
Löslichkeit I I , 32, 96 Nernst-Verteilungsgleichgewicht 33 Polyene 54
Löslichkeitsgleichgewicht 32 Neutronen 6 Polyhydroxymonocarbonsäuren 81
Löslichkeitsprodukt 32, 34 Newman-Projektion 75 Polymere 63
LöslichkeilSprodukte 96 Nichtmetalle 14 Polymerisation 63
Lösungen I I , 96 Ninhydrin-Reaktion 89 Polypeptide 86
Lösungsgleichgewicht 32 Nitrogruppe 8 Polysaccharide 82
Lösungsmittel l I , 36 Nomenklatur der Komplexe 44 Polysaccharidnachweis 89
Lucas-Probe 88 Normalwasserstoffelektrode 43 primäre Amine 60
Lysin 84 nukleophile Additionsreaktionen 53, 56, primärer Alkohol 58
64, 72 Primärstruktur 86
nukleophilen Additionsreaktion 66, 67 Prinzip des kleinsten Zwanges 31
M nukleophile Substitu tion 5 1, 73 Produkt 20
Nuklide 7 Propan 52
M-Effekt 72 Proportionalitätsfaktor 29
Magnetquantenzahl m 4 Proteine 86
Maltose 82 0 Proteolyse 36
Malzzucker 82 Proteolysegleichgewicht 36
Mannitol 81 Oberflächenspannung I 0 Protonen 6
Masse 6 Oberphase 33 Protonenakzeptoren 36
Massengehalt 22 Oktett 8 Protonendonatoren 36
Massenkonzentration 22 Oktettregel 12 Protonendonatorstärke 36
Massenwirkungsgesetz 30 Öle 66 Puffer-Gleichung 38
Massenzahl 6 Oligopeptide 86 Pufferkapazität 39
Materie 10 Oiigosaccharide 82 Pufferlösungen 38
Mehrfachbindungen 16 optische Isomerie 76 Pyranosen 80
mehrprotonige Säuren 36 Orbital 4 Pyranring 80
mehrwertiger Alkohol 58 Orbitalmodell 4
Mercaptane 61 Orbitalzustände 4
mesomere Grenzstrukturen 57 Ordnungszahl 6 a
mesomerer Effekt 72 organische Reaktionen 70, 72
Mesomerie 86 organische Schwefelverbindungen 60 Quantenzahl 3
mesomeriestabilisiert 59 organische Stickstoffverbindungen 60 quartäre Ammoniumverbindungen 60
meta- 57 ortho- 57 Quartärstruktur 8 7
Metalle 9, 14 Oxidation 40, 42
Metallgitter 14 Oxidationsmittel 40
metallische Bindung 12, 14 Oxidationsstufe 40 R
Methan 18, 52 Oxidationszahl 13, 40
Oxoniumion 66 Racemat 77
Methionin 84
Methylengruppe 52 Radikale 56, 70
Milchsä ure 76, 82 radikalisehe Addition 51, 55, 71
Milchzucker 82
p radikalisehe Substitution 51, 53, 56, 73
Radioaktivität 9
Minuspol 42
Papierchromatographie 46 Rad ioisotop 9
Mizellen 69
para- 57 Rea ktionen 20
mobile Phase 46
Pauli-Prinzip 5, 8 Reaktionsenthalpie 25
Mol 7
Pentosen 79 Reaktionsentropie 26
Molalitätät 22
Peptidbindung 86 Reaktionsgeschwindigkeit 28
molare Masse 7
Peptide 86 Reaktionsgleichung 20, 2 1
Molarität 22
Perioden 8 Reaktionskinetik 28
Molmasse 7
Periodensystem 8 Reaktionsordnung 29
Monocarbonsäuren 64
pH -Meter 37 Reaktionswärme 24
Monolayer 69
pH -Wert 37 Redoxgleichgewicht 42
monomolekulare Reaktion 29
pH -Wert-Berechnung 38 Redoxgleichungen 40
Monosaccharide 78, 80
Register
102 I 103

Redoxpaare 40 Stärke 82 ungesättigte Fettsäuren 68


Redoxpotenzial 42 Stärke-Nachweis 89 Unordnung 26
Redoxreaköonen 40 stationäre Phase 46 unpolar 33, 50
Redoxreihe 41 Stereoisomere 74 Unterphase 33
Reduköon 40,42 Stöchiometrie 22
Reduktionsmittel 40 Stoffmenge 7
Reduktionspol 42 Strahlen 9 V
Reinstoffe I I, 20 Substitutionsreaktionen 51, 72
reversibel 30 Sulfide 61 Valenzelektronen 3, 8, 12
ringförmige Kohlenwasserstoffe 56 Sulfone 61 Valenzschale 3
Rmherford 2 Sulfoxide 61 Valenzstrichschreibweise 13
Suspension II Valin 84
systematische Namen 13 Van-der-Waals-Kräfie 12, 15,53
s Szintillationszähler 9 Verbindungen erster Ordnung 44
Verbindungen höherer Ordnung 44
Saccharose 82 Verbrennung 53
Sägebock-Projektion 75 T Veresterung 65
Salze 14 Verseifung 66
Salzkrisralle 34 Tautomerie 74 Verteilung 46
Salzlösungen 34, 39 Temperaturänderungen 28 Verteilungskoeffizient 33
Sauerstoffkorrosion 41 tertiäre Amine 60 Volumengehalt 22
Säulenchromatographie 46 tertiärer Alkohol 58 Volumenprozent 22
Säure-Base-Reaktion 20 Tertiärsuuktur 87 Volumina 22
Säure-Base-Reaktion nach Lewis 44 Tetrasen 79 von Liebig 62
Säureamid 86 thermische Größen 95
saure Hydrolyse 66 Thermodynamik 24
Säurekomtante KS 38 Thioether 61 w
Säurekorrosion 41 Thiolderivate 61
Säuren 36, 38 Thiole 60 Wachse 66
Schalenmodell 3 Thomson-ModeU 2 Wanderungsgeschwindigkeit 46
Schmelzpunkt I 0 Threonin 84 Wannenform 56, 75
Schmierseife 68 Titrationskurve 85 Wasserstoffbrücken 12
Schwermetalle 14 Tollens-Probe 63, 88 Wasserstoffbrückenbindung 15
Seifen 65, 68 Trägergas 46 Wasserstoffkorrosion 41
sekundäre Amine 60 trans-Addition 54 weiche Strahlung 9
sekundärer Alkohol 58 trans-Isomere 54 Wertigkeit 13, 40
Sekundärstruktur 86 Trennsäule 46
semiessenzielle Aminosäuren 84 Trennverfahren 46
Sequenzisomerie 74 Triacylglycerine (TAG) 68 z
Sessel-Konformation 75 Tricarbonsäure 64
Siedepunkt I 0 Triosen 79 Z-Isomer 76
a-Bindung 16 Tripeptid 86 Zentralatom 44
Silbernitratlösung 88 Tritium 7 Zerteilungsgrad 28
SN I-Mechanismus 73 Tryptophan 84 Zuckeralkohole 81
SN2-Mechanismus 73 Zwitterion 84
Sorbitol 81 zyklische Halbacetale 80
Spannungsreihe 42 u zyklische Isomere 80
Spin-Trennung 18 zyklische Konformationsisomere 75
Spinquantenzahl s 4 Übergangsmetalle 14 Zykloalkane 52, 56
Standardbedingungen 24 Umlagerungen 51 Zykloalkene 52, 56
Standardentropie 26 unedle Metalle 41 Zyklohexan 56
Standardpotenziale 42 ungepaartes Elektron 16