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INDOEUROPÄISCHE SPRACHFAMILIE

– GEGENSTAND DER SPRACHGESCHICHTE


– DIE WICHTIGSTEN GESETZMÄßIGKEITEN
DER SPRACHLICHEN ENTWICKLUNG
– VERWANDTSCHAFTSVERHÄLTNISSE DER
INDOEUROPÄISCHEN SPRACHEN
– THEORIEN ÜBER DIE HERAUSBILDUNG DER
INDOEUROPÄISCHEN SPRACHEN
– AKZENTVERHÄLTNISSE IM
INDOEUROPÄISCHEN
– FORMENBESTAND DES INDOEUROPÄISCHEN
VERWANDTSCHAFTSVERHÄLTNISSE
INDOEUROPÄISCHE SPRACHEN
KELTISCH INDISCH
Walisisch Hindi
Irisch Gälisch Urdu
Schottisch Nepali
Gälisch Bengali
Bretonisch Assami
Oriya
GERMANISCH Kaschmiri
Englisch Panjabi
Deutsch Gujarati
Jiddisch Sindhi
Niederländisch Marathi
Flämisch Tamilisch
Afrikaans ITALISCH und andere
Dänisch Lateinisch SLAWISCH HELLENISCH einheimische
Schwedisch Italienisch Russisch Griechisch Sprachen
Norwegisch Spanisch Weißrussisch
Isländisch Katalanisch Polnisch
Portugiesisch Slowakisch THRAKISCH
Galicisch Tschechisch IRANISCH
Armenisch
Französisch Slowenisch Farsi
Provenzalisch Kroatisch Kurdisch
BALTISCH Rumantsch Serbisch Tadshikisch
ILLYRISCH Pashto
Litauisch Rumänisch Makedonisch
Albanisch Belutschisch
Lettisch Moldauisch Bulgarisch
WORAUS ERGIBT SICH DIE VERWANDT-
SCHAFT DER IE SPRACHEN?
Übereinstimmungen im Wort- und Lautbestand
sowie in der grammatischen Struktur:
AIND. mātár – AGR. mśtēr – L. māter –
GwR. мать – GwE. mother – GwD. Mutter

Gleichheit bzw. Ähnlichkeit des Formenbaus:


AIND. bhár-a-nti – AGR. phré-o-nti
– GOT. baír-a-nd [┐bοrand]
DIE DIACHRONISCHE KARTE
DES SATEM- UND KENTUM-GEBIETS
KENTUM- UND SATEMSPRACHEN
(BEISPIELE)

Kentumsprachen: IE. *Řńtóm


‘hundert’ – AGR. hekatón ( )–
L. centum [kéntum] – GOT. hundara
[hundara] (h < k) ‘Hundertzahl’ –
GwE. hundred – GwD. Hundert usw.
Satemsprachen: AIND. sΆatám –
GwR. сто – GwLI. šiŀtas usw.
(Das Sternchen * bedeutet, dieses Wort ist nicht überliefert, sondern
sprachwissenschaftlich rekonstruiert.)
THEORIEN ÜBER DIE
HERAUSBILDUNG DER
INDOEUROPÄISCHEN SPRACHEN

1) Stammbaumtheorie von August Schleicher (1863).

2) Sprachwandeltheorie von Hermann Paul (1880).

3) Wellentheorie von Johannes Schmidt (1872).

4) Entfaltungstheorie von Otto Höfler (1955).

5) Substrattheorie von Hermann Hirt (1905).

6) Konvergenztheorie von Sergej Trubetzkoj (1939).


AKZENTVERHÄLTNISSE IM
INDOEUROPÄISCHEN

L. Róma – Románus – Romanórum


(2. Dekl. der Subst. männl. Geschlechts
im Gen. Pl.);
AGR. – –
(1. Dekl. der Subst. weibl. Geschlechts
im Nom. Sg. und Gen. Sg. und Pl.);
GwR. хочý – хóчешь, холóдный –
холоднá – хóлодно
FORMENBESTAND DES INDOEUROPÄISCHEN

Das Substantiv
1) die vokalische Klasse:
GOT. waúrd [┐wʨrd]
(Stamm waúrda-) ‘Wort’;
2) die konsonantische Klasse:
AIND. mātár – AGR. mśtēr (Stamm
mater-, matr-) – L. māter
(Stamm matr-) usw.)
FORMENBESTAND DES INDOEUROPÄISCHEN

Das Verb
Das finite Verb besaß drei Personen, drei
Genera verbi (Aktiv, Medium, Passiv),
sechs synthetische Tempora (Präsens,
Imperfekt, Aorist, Perfekt,
Plusquamperfekt, Futur) und vier Modi
(Indikativ, Konjunktiv, Optativ,
Imperativ). Als infinite Verbformen
traten Infinitive und Partizipien auf.
FORMENBESTAND DES INDOEUROPÄISCHEN

Der Ablaut
(auch Alternation der Vokale,
vokalische Alternation oder Vokalwechsel)

Der phonetisch unabhängige Vokalwechsel


in der Stammsilbe wurzelverwandter
Wörter, der als Mittel der Unterscheidung
der Wörter (Wortbildungsfunktion) und der
von gleicher Wurzel gebildeten
grammatischen Formen
(Wortänderungsfunktion) verwendet wurde
Beispiele des qualitativen Ablauts:
AGR. légō ‘ich sage’ – lógos ‘Wort’;
GwR. нест‗ – нóша.
Beispiele des quantitativen Ablauts:
L. sĕdeo ‘ich sitze’ – sēdi ‘ich habe
gesessen’;
GwR. ы – 0 – о:
посылать–послать–посол;
GwR. и – 0 – о – е:
набирать–набрал–набор–наберу
DIE WANDLUNG DES ABLAUTS
VOM IE BIS ZUM AHD

IE. G. (GOT.) AHD.

e–o e–a
qualit. Abl. qualit. Abl.

e–ā e–a
qualit.
e–ē qualit. und quant.
quant. Abl.
Abl.
Abl.
a–ō
o–ō a–uo
qualit. Abl.
GERMANISCH ALS TEIL
DER INDOEUROPÄISCHEN SPRACHFAMILIE
INDOGERMANISCHE KULTUREN
IN EUROPA
Die Indogermanen sind aber vermutlich die
Träger der Kurgan-Kultur,
die so gen. „Schnurkeramik“
(«культура шнуровой керамики»),
die um 5000 v.u.Z. nördlich
des Kaspischen Meeres existierte.
Im Ostseeraum (Baltikum) entstand
eine blühende Kultur der Streitaxtleute
(buchstäbl. «люди секиры»),
die ungefähr von 1500 bis 500 v.u.Z. existierte
INDOGERMANISCHE KULTUREN
IN EUROPA
Die Kurgan-Kultur, die so gen. „Schnurkeramik“
(«культура шнуровой керамики»)

Dessau-Kochstedt.
Gefäß der neolithischen Schnurkeramik,
seit 1935 in der Sammlung des Museums
für Naturkunde und Vorgeschichte
Dessau
INDOGERMANISCHE KULTUREN
IN EUROPA
Die Kultur der Streitaxtleute
(buchstäbl. «люди секиры»)
Zur Mitte des letzten Jahrtausends v. u. Z.
gehören die ersten schriftlichen Belege
in einer Runeninschrift und
bei den antiken Autoren, z.B. bei Cäsar
(L. ūrus ‘Auerochs’), bei Tacitus
(L. glēsum ‘Glas’) oder bei Plinius
(L. ganta ‘Gans’) usw.
Eine andere wichtige Quelle unserer
Kenntnis des urgermanischen
Sprachzustands sind die germanischen
Lehnwörter in benachbarten Sprachen:
AGR. pýrgos ‘Burg’,
FINN. kuningas ‘König’ usw.
DIE FREMDSPRACHLICHEN EINFLÜSSE
AUF DIE GERMANISCHEN SPRACHEN
Latein
die «Erste lateinische Welle»
(ca. 50 v.u.Z. – 500 u.Z.);
die «Zweite lateinische Welle»
(ca. 500 – 800 n. Chr.;
die «Dritte lateinische Welle»
(die spätlateinischen Einflüsse
in der Zeit des Humanismus)
LATEIN
1) Hausbau: GwD. Ziegel < AHD. ziagal < L.
tegula; GwD. Keller < AHD. kellari [┐kelήarĉ]
< L. cellarium; GwD. Pfeiler < L. pillarium
usw.
2) Obst und Gemüse: GwD. Kirsche < AHD.
chirsa [┐kĉrsa] < L. cerasum; GwD. Pflaume <
AHD. pfrūma [┐pfrΠma] < L. prunum usw.
3) Weinbau: GwD. Kelter < L. calcāre ‘mit
der Ferse treten’ < L. calx ‘Ferse’, ‘Fuß’;
GwD. Presse < ML. pressa < L. premĕre
‘drücken’, ‘pressen’ usw.
LATEIN
4) Handel: GwD. Münze < AHD. muni₣₣a
[┐munisήa] < L. monēta usw.
5) Tiere: GwD. Esel < AHD. esil [┐esĉl] < L.
asinus usw.
6) Kochen: GwD. kochen < AHD. kochōn
[┐koxπn] < L. coquĕre usw.
7) Verwaltung und Recht: GwD. Kaiser <
AHD. keisar [┐keĉsar] < L. Caesar usw.
8) Christliche Kirche: GwD. Tinte < AHD.
tincta [┐tĉnkta] < ML. tincta usw.
GOTISCH

GOT. Pfaffe < AGR. páppas


‘ehrwürdiger Vater’, ‘Papst’.
Weitere Beispiele sind:
BAIR. Ergetag ‘Dienstag’,
Pfinstag ‘Donnerstag’
KELTISCH

Wörter aus dem Bereich der staatlichen Ordnung


wie Amt ‘Dienst’, ‘Dienstleistung’, Eid, Geisel,
Reich. Auch das Wort Eisen stammt wohl aus dem
Keltischen. Dafür spricht die hochentwickelte
keltische Technik der Eisenverhüttung (Kelt. isarno
– GOT. eisarn [┐ρsarn] – AIS. ísarn – AE. isen, iren
[┐ĉzen] – AHD. īsa[r]n [┐ρsa(r)n]). Ebenso ist eine
Reihe von deutschen Ortsnamen keltischen
Ursprungs, z.B. Mainz, Worms usw., genauso wie
die Flussnamen Donau, Main, Isar, Rhein
DAS ETHNONYM «DEUTSCH»
Das Wort deutsch ist erstmals – allerdings in
lateinischer Form – belegt in einem Bericht des
Nuntius Georg von Ostia an Papst Hadrian I. über
zwei Synoden, die 786 in England stattfanden. Die
dort gefassten Beschlüsse sollten sowohl in Latein
als auch in der Volkssprache (latine et theodisce)
verlesen werden, damit jeder sie verstehen könnte.
Das lateinische theodiscus (als gelehrtes Wort für
gentilis ‘völkisch’, ‘heidnisch’) beruht auf dem
germanischen *Þeudô ‘Volk’ + Adjektivsuffix -iska
(im NHD -isch) und bezeichnet zunächst nur
die germanische Volkssprache im Gegensatz
zum Latein.
DAS ETHNONYM «DEUTSCH»

Bis weit in die AHD Zeit hinein wird es nur


selten und ausschließlich auf die Sprache
angewendet. Erst um 1090 wird diutisc im
Annolied auf Volk, Land und Sprache
angewandt. Das vorher gebräuchliche
frencisg wurde durch die romanischen
Franken des Westreiches beansprucht und
war somit uneindeutig, was zur vermehrten
Verwendung von diutisc beitrug.