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Uneiniges Italien.

Die „Südfrage“
als Strukturproblem vom Risorgimento bis heute
Christian Jansen

Das langlebigste Strukturproblem des italienischen Nationalstaates ist


die sogenannte Südfrage („questione meridionale“), die seit 150 Jahren nicht
überwundene Spaltung zwischen Norden und Süden. In keiner Frage
zeigt sich bis heute das uneinige Italien so deutlich wie im Nord-Süd-
Gegensatz, der sehr verschiedene Dimensionen hat und insofern auch
mit anderen strukturellen Problemen Italiens seit dem Risorgimento
zusammenhängt.
Jeder Deutsche hat eine Vorstellung von Italien, sei es aus eigener
Erfahrung oder aus Erzählungen, Film und Literatur. Gerade Süditalien
ist eine Projektionsfläche für Wünsche, Träume, Utopien, aber auch
Ängste. Nimmt man die deutschen Medien, so ist das Bild von Süditalien
eindeutig und seit Jahrzehnten negativ. Heute erfahren Sie in den
deutschen Medien von Süditalien im Kontext „Mafia“ oder
„’Ndrangheta“ oder im Zusammenhang mit Flüchtlingen, die in
Lampedusa oder auf anderen Inseln stranden. Da ich im Rahmen der
Feierlichkeiten zu „150 Jahre Italien“ unlängst die Berichterstattung in
den liberalen bürgerlichen Leitmedien DIE ZEIT und DER SPIEGEL
in den 1960er bis 1980er Jahren analysiert habe,1 kann ich anhand von
drei SPIEGEL-Covers ein Schlaglicht auf das Bild Süditaliens in den
deutschen Medien werfen:

Nr. 51 (1964) Nr. 31 (1977) Nr. 37 (1982)

1 Bisher unveröffentlicht. Vgl. aber bereits Jansen (1989).


Die Botschaft, die diese Covers, die exemplarisch für die
Berichterstattung in den Medien stehen können, vermitteln, lässt sich so
zusammenfassen: Süditalien ist archaisch, rückständig, fremd und
gefährlich. Heute zählen zum Süden bzw. Mezzogiorno acht der zwanzig
italienischen Regionen. Von Nord nach Süd sind das Abruzzen, Molise,
Kampanien, Apulien, Basilikata, Kalabrien, Sardinien und Sizilien.

Bis auf Sardinien gehörten alle Regionen des Südens


bis 1860 zum Königreich beider Sizilien.
Südeuropa im Jahr 1847

Die Nordgrenze dieses Königreichs gehört zu den stabilsten und


kulturell folgenreichsten Trennlinien in ganz Europa. Ihr Verlauf
zwischen den Regionen Marche, Latium und Umbrien einerseits und
Abruzzen, Molise und Kampanien andererseits trennt bis heute den
armen vom wohlhabenden Teil Italiens und in der Wahrnehmung der
Italiener die zwei Kulturen, die sich mental, in ihrer Küche und ihren
Gebräuchen unterscheiden sollen. Zahllose Filme, in denen der
Norditaliener duscht, während der Süditaliener badet, in denen der
Norditaliener seinen Kaffee und ein Sandwich in der Bar im
Vorbeigehen nimmt, während der Süditaliener bei Mamma tafelt, beuten
den Nord-Süd-Gegensatz aus und verfestigen die Klischees der
wechselseitigen Wahrnehmung.
Ich möchte nun, nach einem kurzen Blick auf die Zeit der
italienischen Nationalstaatsgründung (I), in der auch der Süden zum
„Problem“ wurde, die Mezzogiorno-Frage in der Zeit der ersten Republik,
also von 1947 bis 1993 behandeln und dabei vor allem drei Aspekte
thematisieren: die sozialstrukturellen und ökonomischen Besonderheiten
des Südens (II), die mafiosen Geheimorganisationen und das Fehlen
eines staatlichen Gewaltmonopols (III) sowie die Wahrnehmung des
Südens durch den Norden (IV).
(I) Die Ausgangssituation: Der Süden als Problem bei der Einigung Italiens
Die tiefe Spaltung der Apenninhalbinsel resultiert aus einer
unterschiedlichen Geschichte: Der Süden war relativ homogen und auf
die Metropolen Palermo und Neapel ausgerichtet, reich an arabischen
Einflüssen, kulturell und dynastisch Spanien enger verbunden als dem
Rest Italiens. Der Norden hingegen war territorial zersplittert und
kulturell geprägt von den republikanischen Traditionen bedeutender
Stadtstaaten. Als Barriere lag zwischen dem Süden und dem Norden der
breite Streifen des Kirchenstaats. Der Nord-Süd-Gegensatz prägte die
wechselseitigen Wahrnehmungen ebenso wie die jeweiligen Selbstbilder.
Er erzeugte aber auch politische, ökonomische und sozialstrukturelle
Unterschiede.
Entsprechend wollte Camillo Cavour, der Begründer des italienischen
Nationalstaates und ein Realist, den Süden der Apenninhalbinsel gar
nicht in das Königreich einbeziehen. Seine territoriale Vorstellung vom
künftigen Königreich Italien entsprach etwa dem, was die Lega Nord
heute unter Padanien versteht – die Gebiete nördlich des Kirchenstaates.
Der Süden war ihm unbekannt und suspekt. Als jedoch 1860 der
Nationalist Giuseppe Garibaldi durch seinen legendären Zug von Sizilien
aus den Süden „befreit“ hatte, konnten Cavour und der König es nicht
zulassen, dass sich dort ein zweiter italienischer Staat entwickele. Also
zogen der König und die Armee des Nordens ebenfalls gen Süden und
vollendeten dessen Eroberung.
Zum immer wieder erzählten und vielfältig dargestellten
Gründungsmythos des italienischen Nationalstaates gehört einerseits
Garibaldis Zug der Tausend, mit dem er von Trapani aus Sizilien und
dann ganz Süditalien in wenigen Monaten eroberte. Diese Geschichte
wird im Allgemeinen erzählt als eine militärische Aktion, bei der der
geniale Stratege Garibaldi mit wenigen, schlecht ausgerüsteten, aber von
der Idee der nationalen Einigung beseelten Mitstreitern eine überlegene,
aber unmotivierte Armee schlug. Daraufhin hätten die Sizilianer aller
sozialen Schichten in dem charismatischen Führer Garibaldi den Befreier
von der bourbonischen Tyrannei erkannt und wären ihm scharenweise
zugeströmt, so dass er mit einem stets wachsenden Freiwilligenheer die
Bourbonen verjagen konnte und – hätte ihn nicht die reguläre
italienische Armee gestoppt – auch noch Rom erobert hätte.
Weniger bekannt ist, dass Garibaldi überhaupt nur nach Sizilien
aufgebrochen war, weil dort im April 1860 ein Aufstand ausgebrochen
war. Unverdächtige Augenzeugen wie der britische Konsul berichteten,
dass an der Spitze der erneuten Rebellion nicht die wenigen sizilianischen
Demokraten standen, die unter dem tyrannischen Regime Ferdinands II.
ausgeharrt hatten, sondern plebejische Anführer und radikale
Angehörige des unteren Klerus. Garibaldi setzte sich dann an die Spitze
dieser anfangs keineswegs auf nationale Einigung ausgerichteten
Bewegung. Dies gelang ihm vor allem, weil er versprach, Land zu
verteilen. Als er dieses Versprechen unter dem Einfluss der
Grundbesitzer brach, kam es bereits 1861 zu Aufständen gegen die
neuen Herrscher aus dem Norden.
Nach Ansicht der liberalen Führungseliten des Königreichs Italien
gehörte der Süden jedoch nicht zur Italia Italiana, zum eigentlichen
Italien. Er war in ihren Augen politisch und zivilisatorisch nicht auf
einem Stand, der eine Gleichbehandlung mit dem Norden erlaubte.
Ministerpräsident Cavour hielt Militärherrschaft für das beste Regime in
dem, wie er es nannte, „schwächsten und korruptesten Teil Italiens“.
„Eine harte militärische Behandlung“ erschien ihm als „heilsame
Medizin“. Cavour und seine Mitstreiter waren überzeugt, dass eine
solche Erziehungsdiktatur ganz im Interesse des Südens sei, da sie eine
effiziente Verwaltung und moderne Wirtschaftsweise durchsetzen werde.
Seit Garibaldis Intervention den Zusammenbruch der bourbonischen
Herrschaft bewirkt hatte, existierte in den größten Teilen Süditaliens
keine öffentliche Ordnung mehr, so sie denn überhaupt je bestanden
hatte. Nun schickte die königliche Regierung in Turin verschiedene
Arten von Beamten, die im Sinne eines liberalen Reformprogramms die
moderne Staatsbildung in den eroberten Gebieten des Südens forcieren
sollten. Die wichtigsten Prinzipien, die durchgesetzt werden sollten und
alle gleichermaßen auf Widerstand stießen, waren: regelmäßige
Steuerzahlung, allgemeine Wehrpflicht, allgemeine Schulpflicht und die
Anlegung von Katastern, die die Besitzverhältnisse dokumentieren
sollten. Sowohl Schul- als auch Wehrpflicht entzogen den ländlichen
Unterschichten Arbeitskräfte im besten Alter.
Gegen die Versuche des Nordens, auf autoritärem Wege eine neue,
moderne öffentliche Ordnung zu installieren, gab es also massiven
Widerstand. Immer größere Gebiete des Südens wurden in den frühen
1860er Jahren faktisch von Briganten kontrolliert. Bei den Briganten
handelte es sich um zahlreiche, militärisch organisierte Banden mit 20 bis
zu mehreren Hundert Mitgliedern. Sie rekrutierten sich aus ehemaligen
Soldaten der bourbonischen Armee, aus ehemaligen Mitstreitern
Garibaldis, aus Häftlingen, die im Zuge des Umbruchs aus den
Gefängnissen entflohen waren, zogen aber auch junge Männer aus den
Dörfern an, die der Wehrpflicht entgehen wollten. Auch zahlreiche junge
Frauen schlossen sich ihnen an.

Zeitgenössisches Foto der Brigantin Michelina de


Cesare, das in seiner Inszenierung die
Romantisierung des Brigantaggio verdeutlicht.

Bereits von Zeitgenossen sind die Briganten als Sozialrebellen


romantisiert worden, die gegen die neuen, ungerechten Herrscher ältere
und bessere Verhältnisse wiederherstellen wollten. Bis heute bilden sie
einen mythischen Bestand der süditalienischen Rebellion und des
Unabhängigkeitsstrebens. Die einzige politische Idee der Briganten war
es, die alten Verhältnisse wieder herzustellen. Die Briganten lebten in
den Bergen und verübten regelmäßig Überfälle, bei denen sie meistens
beritten in Dörfer und kleine Städte einfielen, die Beamten des neuen
Staates, Bürgermeister und Stadträte ermordeten, die Symbole des
Regimes zerstörten und vor allem die Archive verbrannten, weil sie so
die Listen vernichten wollten, mit denen Konskriptionen, Wehrpflicht
und vor allem die Privatisierung des einst gemeinschaftlich genutzten
Landes umgesetzt wurden. Zu den Methoden, derer sich die Briganten
bedienten, gehörten auch Schutzgelderpressungen und die Entführung
von Menschen, um Lösegelder zu erheben.
Neben denjenigen, meist jüngeren Männern, die sich dauerhaft einer
der Brigantengruppen anschlossen, gab es auch viele, die je nach
Arbeitsanfall in der Landwirtschaft für einige Zeit mit diesen Gruppen
zogen und auf diese Weise Freiheitsbedürfnis und Abenteuerlust
auslebten. Auch viele andere sahen den Kampf der Briganten gegen
Großgrundbesitzer und eine als Fremdherrschaft empfundene Regierung
als legitim an. Die Popularität der Briganten zeigte sich nicht nur in den
verbreiteten Legenden und Mythen über ihre Anführer und deren
Heldentaten, sondern immer wieder konnten sie auch größere Städte
einnehmen, deren Bevölkerung ihnen auf den Straßen zujubelte und
ihnen die Vertreter der neuen Ordnung bereitwillig auslieferte.
Umgekehrt kannten auch die Briganten die effektvollste
Herrschaftstechnik für den Süden, feste e farina, also mit Straßenfesten
und Massenspeisungen, für die sie die Vorräte der Klöster und
Großgrundbesitzer plünderten, ihre Beliebtheit zu steigern. 1861 breitete
sich die Rebellion der Briganten im Süden immer weiter aus. Eine
parlamentarische Untersuchungskommission, die 1863 eine Enquete
vorlegte, der wir die wichtigsten Informationen über die Briganten
verdanken, spricht von 80.000 organisierten Rebellen allein in den
Provinzen rund um Neapel.
Die königliche Regierung wusste nur eine Antwort. Sie sandte
Truppen in einer Stärke von mehr als hunderttausend Mann in den
Süden und reagierte mit massiver militärischer Repression. Das
Kriegsrecht wurde verhängt. Kriegsgerichte sprachen zahlreiche
Todesurteile gegen alle Briganten aus, derer sie habhaft werden konnten.
In diesem italienischen Bürgerkrieg sind auf beiden Seiten zahlreiche
Grausamkeiten dokumentiert. Nachdem die Briganten nach einigen
Jahren härtester militärischer Intervention besiegt waren, war das
Problem lokaler und regionaler Autonomiebestrebungen im Süden und
das dort verbreitete Gefühl, erneut von Fremden beherrscht zu werden,
jedoch keineswegs vom Tisch. 1866, als Truppen für den Krieg um das
Veneto gegen Österreich aus dem Süden abgezogen wurden, brach in
Sizilien erneut ein Aufstand aus, der von Truppen des Nordens mit
außerordentlicher Härte niedergeschlagen wurde. Die erwähnte
Parlamentskommission kam bereits 1863 zu dem Schluss, dass die
Aufstände nicht zuletzt eine Folge der ungerechten Arbeits-, Besitz- und
Lebensverhältnisse im Süden waren. Den Regierungen des frühen
Königreichs Italien fehlten jedoch nicht zuletzt wegen ihrer kostspieligen
Kriege die Gelder, aber wohl auch der politische Wille und das nötige
Verständnis, um eine grundlegende Veränderung der wirtschaftlichen
und gesellschaftlichen Verhältnisse im Süden in die Wege zu leiten.
Zeitgenössische Karikatur: „Eine natürliche Allianz unter allerhöchster
Schirmherrschaft“. Aus dieser liberalen Sicht waren Briganten Handlanger des
gestürzten Bourbonen-Regimes und der Kirche.

Da die Mittel und der Wille zu einer grundsätzlichen Lösung der


Probleme im Süden fehlten, griffen die neuen Herren allzu oft zu
pragmatischen Lösungen, die den Klientelismus und die nicht
rechtsförmigen, sondern gewalthaften Sozialstrukturen unangetastet
ließen. Da die italienische Regierung den traditionellen Eliten des Südens
misstraute, da sie sie als Stützen der Bourbonen und der Kirche ansah,
verbündeten sich die Präfekten und ihre Beamten immer häufiger mit
lokalen kriminellen Organisationen. Diese Bünde wie etwa die Camorra
in Neapel oder ähnliche Organisationen in Sizilien versprachen Hilfe bei
der Eintreibung der hohen Steuern, auf die der italienische Staat so bitter
angewiesen war. Da es in den 1860er und 70er Jahren jedoch nicht
gelang, im Süden legitime Herrschafts- und Rechtsverhältnisse zu
installieren, sondern der Staat sich gegen die massenhafte Sozialrebellion
und gegen den Widerstand der traditionellen Eliten seinerseits auf
Gewalt und kriminelle Vereinigungen stützte, trug er zur mafiösen
Durchdringung der Gesellschaft im Süden bei.
Soweit zur Ausgangssituation, zur Wahrnehmung des Südens als
„Problem“, das die folgenden Regime des liberalen und des
faschistischen Italien nicht zu lösen vermochten. Ich springe damit über
die Zeit des liberalen Italien und des Faschismus hinweg in die Zeit nach
dem Zweiten Weltkrieg.2

(II) Die Bemühungen um eine Überwindung des ökonomischen Nord-Süd-Gefälles


Mit viel Geld, das größtenteils aus den Rückflüssen des Marshallplans
stammte, und mit der Unterstützung von US-Wirtschaftsberatern haben
die Regierungen der Republik Italien versucht, das „Mezzogiorno-
Problem“ durch Modernisierung auf Dauer zu lösen: die beiden
wichtigsten Einzelmaßnahmen waren dabei die Bodenreform von 1950
und im selben Jahr die Gründung der Cassa per il Mezzogiorno. Durch die
Bodenreform wurden rund 700.000 ha enteignet und an 120.000
Familien verteilt, die entweder einen neuen Hof gründen oder ihren
Kleinbesitz durch eine Zuteilung erweitern wollten. Da insgesamt zu
wenig Land in die Bodenreform einbezogen wurde, konnten viele
Wünsche nicht berücksichtigt werden. Zum Beispiel bekamen in Sizilien
nur 26 % der Bewerber eine Landzuteilung. Außerdem war das verteilte
Land meist von schlechter Qualität, die zugeteilten Parzellen in der Regel
zu klein. So blieb die Bodenreform von 1950 auf halbem Wege stecken:
zwar wurden einige Großgrundbesitzer enteignet und ein Teil ihres

2 Die folgenden Ausführungen basieren auf meinem Buch Italien seit 1945 (Jansen
2007), wo sie genauer nachgelesen und vertieft werden können.
Landes verteilt, aber weder die Pachtverhältnisse noch die Bezahlung der
Landarbeiter wurden verbessert; und es entstanden nur wenige
lebensfähige Betriebe. Den ländlichen Unterschichten erschien die
Bodenreform als Austausch einer Herrenkaste gegen eine andere: Die
jahrhundertelange Herrschaft der Großgrundbesitzer wurde gebrochen,
jedoch durch die Herrschaft der von der Democrazia Cristiana
kontrollierten Behörden abgelöst. Die neue Herrschaft basierte nicht
mehr auf Tradition, sondern auf der Möglichkeit, Subventionen und
Posten zu verteilen.3
Neben der Bodenreformbehörde schuf die Regierung 1950 eine
weitere parastaatliche Behörde, die die Rückständigkeit des Südens aus
der Welt schaffen sollte, aber vor allem zu einem klientelistischen
Apparat wucherte: die Cassa per il Mezzogiorno. Mit der für damalige
Verhältnisse ungeheuren Summe von 1,6 Mrd. $ sollte die zunächst für
zehn Jahre geschaffene Kasse Infrastrukturmaßnahmen finanzieren.
Hinter der von US-Beratern inspirierten Cassa stand ein
Modernisierungskonzept, demzufolge eine verbesserte Infrastruktur die
Industrialisierung automatisch nach sich ziehe. 1957, bei der ersten
Verlängerung des Gesetzes, wurde einerseits der Etat noch erhöht,
andererseits die Strategie verändert: Unternehmen, die ganz oder
teilweise im Staatsbesitz waren und in der Industrie Nachkriegsitaliens
eine große Rolle spielten, wurden verpflichtet, 40 % ihrer Investitionen
im Süden zu tätigen. So entstanden die berühmten Kathedralen in der
Wüste – ein großes Stahlwerk bei Taranto, Raffinerien in Brindisi, eine
Alfa-Romeo-Fabrik bei Neapel usw. Zugleich wurde der Mitteleinsatz
auf sogenannte industrielle Kerne konzentriert. Mit dieser Abkehr vom
Gießkannenprinzip fielen große Teile des Mezzogiorno aus der Förderung
heraus und wurden ihrem Schicksal überlassen. Neue Unterschiede
innerhalb des Südens waren die Folge. Insbesondere die gebirgigen
Gebiete im Landesinnern wurden vernachlässigt.

3 Durch die gezielte Bevorzugung von Anhängern der Democrazia Cristiana bei der
Landverteilung wurde außerdem die christdemokratische Bauernorganisation
Coldiretti (Coltivatori diretti) mächtig. Sie verteilte Maschinen, Dünger usw., sie
verfügte über die Pensionsfonds und die Krankenkassen der Bauern. Diese
Machtballung machte den Beitritt zu Coldiretti immer attraktiver: 1956 waren
bereits 1,6 Mio. Familien beigetreten, so dass der Bauernverband mehr Mitglieder
hatte als die mächtige Kommunistische Partei.
Wie die Bodenreform beschleunigte die Cassa per il Mezzogiorno die
Auflösung traditionaler Wirtschafts- und Sozialstrukturen. Die Reformen
förderten die Entstehung einer politisch-administrativen Mittelschicht;
das Geld floss großenteils in eine hoch spekulative und korrupte
Bauwirtschaft, und es kam zu einer beschleunigten Urbanisierung des
Südens, die wesentlich schneller verlief als die angestrebte
Industrialisierung. Zwischen 1950 und 1975 entstanden etwa 350.000 Ar-
beitsplätze in der Bauwirtschaft und etwa 150.000 Arbeitsplätze in
modernen Industriebetrieben. Durch die Zerstörung der traditionalen
Strukturen und durch die Landflucht fielen jedoch gleichzeitig mehr als
zwei Millionen Arbeitsplätze in der Landwirtschaft weg, und es entstand
ein städtisches, von Schwarzarbeit und illegalen Geschäften lebendes
Subproletariat. Insgesamt sank zwischen 1950 und 1975 die Zahl der
regulären Arbeitsplätze im Süden um 500.000, während die Bevölkerung
um 1,5 Millionen zunahm.
Ende der Sechziger Jahre wies Italien in Westeuropa die schärfsten
ökonomischen Unterschiede auf. Im industriellen Dreieck des
Nordwestens, in den Regionen Lombardei, Ligurien und Piemont, in
denen fast ein Drittel der Bevölkerung lebte, lag das
Bruttoinlandsprodukt pro Kopf zwischen 30 und 50 % über dem
Landesdurchschnitt, hingegen im Süden, wo fast 40 % der Einwohner
lebten, um 30 bis 50 % unter dem Durchschnitt. In Kalabrien erreichte
die Produktion pro Kopf nur ein Drittel des Wertes, der in der
Lombardei erzielt wurde.4 Andere Indikatoren (Arbeitslosenquote,
Frauenerwerbstätigkeit, Beschäftigungsstruktur, Bildungsniveau,
Familiengröße) bestätigen den Befund einer Spaltung des Landes entlang
der uralten Grenze Süditaliens. Trotz massiver Bemühungen der

4 In Frankreich etwa lag allein in der Region Paris das Bruttoinlandsprodukt über
dem Landesdurchschnitt; in allen übrigen Regionen wurden Leistungen erbracht,
die zwischen 85 und 95 % des Durchschnittswertes lagen. In Deutschland
bewegte sich die Wirtschaftsleistung in allen Regierungsbezirken (abgesehen vom
Ausreißer Hamburg) in einem Korridor zwischen 80 und 120 % des
Durchschnittswertes. Während in den anderen europäischen Staaten durch
Förderung der strukturschwachen Gebiete die regionalen Unterschiede bis in die
Achtziger Jahre hinein soweit nivelliert waren, dass die Differenz beim
Bruttoinlandsprodukt pro Kopf zwischen der stärksten und der schwächsten
Region höchstens noch 100 % betrug, blieb sie in Italien trotz ebenfalls
erheblicher strukturpolitischer Anstrengungen bei rund 200 %.
Nachkriegsregierungen, den Süden zu entwickeln, blieb die
Arbeitslosigkeit dort signifikant höher, die Frauenerwerbsquote deutlich
niedriger. Zwar hat der Strukturwandel auch vor dem Süden nicht
haltgemacht, aber die Beschäftigungsstruktur differiert erheblich: in der
Landwirtschaft arbeiteten im Süden 1990 mit gut 20 % ein mehr als
doppelt so hoher Anteil wie im Norden, der der Industrie-Beschäftigten
hingegen ist nur halb so groß. Hatten 1950 im Süden noch mehr als die
Hälfte in der Landwirtschaft gearbeitet, so dominieren heute
Dienstleistungen in ähnlicher Weise. Die mit viel Geld aus Rom und
Brüssel geförderte Industrialisierung erwies sich hingegen als Strohfeuer:
nachdem sich der Anteil des industriellen Sektors von 1950 bis 1970
verdoppelt hatte, lag er 1990 wieder auf dem Stand von 1950. Zwar
konnte die Analphabetenrate, die 1950 noch bei 25 % gelegen hatte,
deutlich reduziert werden, aber in den Achtziger Jahren war sie mit 6-
7 % im Süden noch fast viermal so hoch wie im Norden. Auch Zahlen
über die Familiengröße belegen den Sonderweg des Südens: in den
Achtzigern hatte dort jede fünfte Familie fünf oder mehr Mitglieder.
Dieser Wert liegt um das Zwei- bis Dreifache über den übrigen
Regionen.

Die Schaubilder zur Struktur der Erwerbstätigkeit in Apulien (links) und Kalabrien
(rechts) zeigt den nicht nachhaltigen Effekt der Industrialisierung des Südens. Für
die übrigen Regionen sind die Verläufe ähnlich.

So überzeugend diese Zahlen, an denen sich auch die überwiegend


gescheiterten Modernisierungsprojekte ausgerichtet haben, erscheinen
mögen, ist doch zugleich auf die Problematik der Ableitung historischer
Erklärungen aus Strukturdaten hinzuweisen. Erstens sind die allgemein
zugänglichen Daten alle auf der Ebene der Regionen aggregiert und
nivellieren damit Differenzen innerhalb der einzelnen Regionen.
Zweitens weiß jeder, der quantifizierend gearbeitet hat, wie viele hoch
problematische Vorannahmen und unterkomplexe Erklärungsmodelle
hinter der Zuordnung historischer Wirklichkeit zu wenigen
sozialstatistischen Kategorien stecken. Schließlich entziehen sich
Teilbereiche der Ökonomie der Quantifizierung. Beispielsweise weist die
italienische Statistik für den Norden einen deutlich höheren Fleisch- und
Tabakkonsum aus. Diese Zahlen, die auf der Basis der Steuereinnahmen
geschätzt werden, verweisen auf ein Problem, das mitbedacht werden
muss, wenn es um die soziale Lage der Süditaliener geht: das kaum
abschätzbare Ausmaß der Schattenwirtschaft. Darunter fallen sowohl
Schmuggel und Schwarzarbeit – von Nachbarschaftshilfe über den
riesigen Dienstleistungssektor bis hin zur nicht versicherten und nicht
versteuerten Tätigkeit von Familienangehörigen in der Landwirtschaft –
als auch eine immense, von mafiosen Organisationen kontrollierte
Untergrundwirtschaft, deren wichtigste Branchen Drogen-, Waffen- und
Menschenhandel sind. Ein Teil der offiziell Arbeitslosen ist in diesen
Bereichen beschäftigt, der Süden profitiert erheblich von der
Schattenwirtschaft und ist deshalb womöglich weniger arm, als er in der
offiziellen Statistik erscheint. Außerdem ist Süditalien keineswegs
einheitlich unterentwickelt. Der italienische Ökonom Francesco
Compagna bestimmte Anfang der Achtziger Jahre Regionen
erfolgreicher wirtschaftlicher Modernisierung – das Gebiet zwischen
Rom und Neapel, die südlichen Marche und die Küstenregion der
Region Abruzze um Pescara und Chieti. Darüber hinaus weisen einzelne
Städte in allen Regionen des Mezzogiorno ein beachtliches Produktivitäts-
und Einkommensniveau auf.5
Zusammenfassend läßt sich feststellen: zwar veränderte sich der
Mezzogiorno dank der Reformen der Nachkriegszeit so schnell wie nie
zuvor; das Prokopfeinkommen verdreifachte sich von 1950 bis 1975.
Aber dieser Wohlstand basierte nach wie vor nicht primär auf einer

5 Salerno, Potenza und Matera in der Basilicata, Brindisi im Süden Apuliens, in


Kalabrien Cosenza und Catanzaro, auf Sizilien Agrigento, Ragusa und Enna sowie
Sassari, Oristano und Cagliari auf Sardinien.
nachhaltigen Entwicklung, sondern immer noch auf Arbeitsemigration,
Sozialleistungen und Patronage, und das Wohlstandsgefälle zum Norden
flachte nicht ab. Bei den Versuchen, den Süden zu entwickeln, standen
einerseits zu sehr die Interessen der Mächtigen in Rom im Vordergrund.
Andererseits wurde kaum auf entwicklungsfähige, zivilgesellschaftliche
oder autochthone ökonomische Ansätze des Südens geachtet, die hätten
gefördert werden können, sondern „Entwicklung“ hieß fast immer, den
Süden dem erfolgreicheren Norden anzuverwandeln.
(III) Eine europäische Großregion ohne staatliches Gewaltmonopol
Untrennbar mit den spezifischen Strukturen und Problemen des
Südens verbunden sind die kriminellen Organisationen vom Typus
Mafia. Sie weisen darauf hin, dass es dem italienischen Staat bis heute
nicht gelungen ist, sein Gewaltmonopol im ganzen Land durchzusetzen.
1989 konstatierte der Hochkommissar für die Bekämpfung der
organisierten Kriminalität, Domenico Sica, der Süden werde „nicht vom
Staat, sondern von der sizilianischen und calabresischen Mafia und der
neapolitanischen Camorra kontrolliert“ (Raith 1992, 16).
Obwohl ihre Ursprünge sich teilweise in mythischen Erzählungen
verlieren, kann die Entstehung der mafiosen Organisationen6 wohl auf
die 1860er Jahren, nach dem Zusammenbruch der Bourbonenherrschaft,
datiert werden. Sie rekrutierten sich aus der Schicht der Aufseher, die
von den meist fern ihrer Latifundien lebenden Gutsherren eingesetzt
wurden, um die Landarbeiter zu kontrollieren und möglichst hohe
Erträge zu sichern. Bevor die neue Zentralregierung moderne

6 Für die übrigen kriminellen Organisationen des Südens gilt dasselbe in


abgeschwächter Form: sie waren weniger dicht organisiert und in ihren
Aktivitäten nicht so stark diversifiziert, durchliefen aber dieselbe Entwicklung von
traditionalen Männerbünden und Klientelstrukturen hin zu modernen, kriminellen
Wirtschaftsunternehmen. Teilweise entwickelte sie spezielle Betätigungsfelder: so
spezialisierte sich die kalabresische ‘Ndrangheta auf Entführungen: in den Siebziger
Jahren gingen von 580 Entführungen in Italien rund 330 auf ihr Konto; am
spektakulärsten war 1973 die Entführung des Milliardenerben Paul Getty, den
seine Familie erst nach fünf Monaten, gegen ein Lösegeld von zwei Millionen
Dollar und leicht versehrt zurückbekam. Die Camorra in Neapel ist eine typische
städtische Gangsterorganisation; darin eher der Mafia in den großen Städten im
Nordosten der USA vergleichbar als die flächendeckend organisierte Mafia und
‘Ndrangheta. Anders als die sizilianische Mafia übernimmt die Camorra in Neapel
auch den Verkauf der Drogen an die Konsumenten und beschränkt sich nicht auf
den Zwischenhandel.
Herrschaftsformen durchsetzen konnte, errang die Mafia faktisch die
Kontrolle über die öffentliche Ordnung in Sizilien. In ihrem Selbstbild
stellt die Mafia ein Gegenmodell zum modernen, staatlichen
Gewaltmonopol dar. Statt einem (aus der Sicht des Südens) fernen Staat
die Sicherung der öffentlichen Ordnung, die Sanktion von
Regelverstößen usw. zu übertragen, behaupten die mafiosen Bünde, dies
gewissermaßen aus der Gesellschaft heraus zu organisieren.
Die Mafia in Sizilien, die ‘Ndrangheta in Kalabrien, die Sacra Corona
Unita in Apulien und die Camorra in Neapel knüpften gerne an die
vielfach romantisierte kollektive Erinnerung an die Briganten und andere
Banditen an. Sie bedienten sich teilweise derselben Methoden, um an
Geld zu kommen und den Staat sowie die Reichen und Mächtigen aus
dem Norden zu bekämpfen. Schon die Etymologie der
Selbstbezeichnungen der mafiosen Geheimbünde verweist auf eine
Tradition gesellschaftlich anerkannten Widerstands: das Wort mafiusu ist
arabischen Ursprungs und bedeutet ‚tüchtiger Mann‘, ebenso wie das
kalabresische ‘ndranghetista, das sich vom griechischen andragathoi herleitet.
Ein guáppo, wie sich die Mitglieder der neapolitansichen Camorra nennen,
ist dem spanischen Wortsinn nach ein eleganter Lebemann, und camurra
bedeutet auf Katalanisch ‚Protest‘.
Ein zweites Mal profitierte die Mafia 1943/44 vom Zusammenbruch
einer Ordnung und konnte sich wiederum als Garantin von „Sicherheit
und Ordnung“ etablieren. Dabei kam ihr zugute, dass der faschistische
Präfekt von Palermo, Cesare Mori, einen spektakulären „Krieg gegen die
Mafia“ geführt und versucht hatte, die Mafia mit ihren eigenen
Methoden – Einschüchterung, Folter, gezielte Morde – auszurotten. Die
Strukturen, die der Mafia ein „Robin Hood“-Image verliehen und sie als
kleineres Übel erscheinen lassen konnten, die ungerechten
Herrschaftsverhältnisse, die ökonomische und politische Dominanz der
Großgrundbesitzer sowie Korruption und Perspektivlosigkeit, ließen die
Faschisten allerdings unangetastet. Die USA versuchten bei der
Eroberung Siziliens, den Konflikt zwischen Mafia und faschistischem
Regime zu nutzen. 1942 beauftragten sie den Boss der italo-
amerikanischen Mafia, Lucky Luciano, der eine langjährige Haftstrafe
absaß, für die US-Truppen ein Netz von Kontakten in Sizilien zu
knüpfen und boten ihm dafür Hafterleichterungen. Die USA ließen die
Mafia erneut politische Schlüsselpositionen mit ihren Leuten besetzen
bzw. mit Politikern, die die Mafia begünstigten.7 Die Mafia ihrerseits
versuchte über den Abzug der Amerikaner hinaus dauerhaft Einfluss zu
gewinnen und setzte zunächst auf einen eigenen sizilianischen Staat. Die
mit terroristischen Mitteln arbeitende (und darin von der Mafia
unterstützte) Unabhängigkeitsbewegung scheiterte jedoch schnell, u.a.
weil die Zentralregierung ein Autonomiestatut für Sizilien erließ.
Daraufhin engagierten sich führende Mafiosi seit 1947 in kleineren
Rechtsparteien und vor allem bei der Democrazia Cristiana.
Nach der Bodenreform, die die Mafia trotz ihrer exzellenten
politischen Kontakte nicht verhindern konnte, orientierte sie sich um:
aus einer Schutztruppe der Großgrundbesitzer zur Verteidigung ihrer
Privilegien wurde sie zu einem kriminellen Mischkonzern. Den
Schwerpunkt bildete zunächst angesichts der riesigen Summen, die über
die Cassa per il Mezzogiorno flossen, die Bauwirtschaft. Hinzu kamen
Schutzgelderpressung, vor allem im boomenden Tourismus, Schmuggel,
Waffen-, Drogen- und Menschenhandel. Die Mafia entwickelte sich in
der Nachkriegszeit nach der viel zitierten Definition des Soziologen Pino
Arlacchi zu einer „wirtschaftlichen, politischen und militärischen
Macht“. Die Mafia produziert nichts, kümmert sich nicht um den
Endabsatz. Sie vermittelt ausschließlich Chancen sich zu bereichern, sei
es beim Subventionsbetrug, beim Drogen- oder Waffenschmuggel oder
bei Schutzgelderpressungen: sie leitet Geschäfte in die Wege und
„beschützt“ diejenigen, die im Süden Geld verdienen wollen. Durch ihre
Beschränkung auf Vermittlungen kann die Mafia ihren Apparat klein und
effizient halten.8

7 Dennoch ist die Verschwörungstheorie, die USA hätten die Mafia wieder
aufgebaut, irrig. Sie sitzt der faschistischen Propaganda auf, der „Krieg“ des
Präfekten Mori habe die mafiosen Strukturen zerschlagen. Vielmehr kooperierten
die USA mit den in Italien vorhandenen Machtfaktoren, soweit sie im Gegensatz
zum Faschismus gestanden hatten – und zu denen gehörte in Sizilien die Mafia.
8 Die unterste Ebene bildeten die jeweils für ein kleineres Gebiet zuständigen
„Familien“ aus etwa zehn, in der Regel verwandten ‚picciotti‘ (wörtlich: Jünglinge),
die von einem ‚capodecina‘ (Zehnerführer) angeleitet werden. Mehrere „Familien“
unterstehen dann je einem regional zuständigen ‚capomandamenti‘ (Befehlshaber);
die wichtigsten von ihnen bilden dann die ‚cupola‘ (Kuppel) oder ‚commissione‘, die
jeweils in einer Provinz die Aktivitäten des Geheimbundes koordinieren und vor
allem für Sanktionen zuständig sind. Die innere Kontrolle ist rigide: jedes Mitglied
hat genau bestimmte Aufgaben, und Kompetenzüberschreitungen oder das
In den Fünfziger bis Siebziger Jahren konnten die mafiosen
Organisationen des Südens ihren Geschäften weitgehend ungestört
nachgehen. Allenfalls protestierten Einzelne aus den Reihen des PCI, der
einzigen Partei, die im Süden nicht von der Mafia unterwandert worden
war, oder Intellektuelle wie der Sozialreformer Danilo Dolci oder der
Schriftsteller Leonardo Sciascia. Dass diese Stimmen entweder
eingeschüchtert oder als hysterische Außenseiter marginalisiert werden
konnten, hatte im Wesentlichen zwei Ursachen: Einerseits galt die omertà,
ein Schweigegebot über alle mafiosen Aktivitäten und Strukturen, dem
nicht nur die Mitglieder, sondern alle Mitwisser, faktisch also die gesamte
Bevölkerung, unterworfen wurde. Im Institut der omertà zeigt sich die für
die mafiosen Geheimbünde typische Mischung aus einem traditionalen,
auf Staatsfeindlichkeit und Clansolidarität beruhenden Ehrenkodex und
mit Gewalt durchgesetzter Einschüchterung. Andererseits hatten die
Geheimbünde nicht nur sehr gute politische Beziehungen, sondern auch
die Kirche beteiligte sich am Verschweigen und Beschwichtigen: so
erklärte etwa der Kardinal von Palermo, die Mafia existiere nur in den
Hirngespinsten der linken Opposition. Soweit Gewalttaten die
Öffentlichkeit beschäftigten, führte eine unheilige Allianz aus Kirche und
Politik sie auf eine angebliche sizilianische Mentalität und ihre Tradition
der gewaltsamen Konfliktaustragung zurück.9 „Blutrache“,
„Ehrenmorde“, „heißblütige Sizilianer“ lauteten die Klischees zur
Verschleierung der Mafiagewalt.
Im europäischen Vergleich stellt sich der italienische Süden zumindest
bis 1990 als Sonderfall einer Großregion dar, in der sich ein moderner
Zentralstaat mit kriminellen Gegengewalten arrangiert hat, anstatt zu
versuchen, sein Gewaltmonopol durchzusetzen. Zwar gibt es auch in
Nordirland, im Baskenland oder in Korsika Untergrundstrukturen, die
das staatliche Gewaltmonopol in Frage stellen. Aber sie sind alle
Ausdruck eines separatistischen Nationalismus. Für Süditalien gilt jedoch

Nicht-Ausführen von Befehlen werden durch Ausstoß aus der „Familie“ bestraft.
Die Ausgestoßenen sind vogelfrei und ihres Lebens nicht mehr sicher.
9 Zwar gab es bereits seit 1962 eine parlamentarische „Anti-Mafia-Kommission“,
die alle kriminellen Organisationen des Südens untersuchen sollte (Commissione
Parlamentare d’inchiesta sul fenomeno della mafia e sulle altre associazioni criminali similari).
Aber erst in den Achtziger Jahren, als sich das Klima in Italien wandelte und der
gesellschaftliche Rückhalt der Mafia abnahm, wurden die ersten Berichte
veröffentlicht.
geradezu das Gegenteil: zwar gibt es im Norden starke Kräfte, die den
Süden loswerden wollen, aber im Süden sind Autonomiebewegungen
ohne Bedeutung, und die mafiosen Organisationen sind ihre Gegner,
stellen doch die Mittel, die der Zentralstaat in den Süden pumpt, eine
ihrer wichtigen Einnahmequellen dar. Dass es bisher nicht gelungen ist,
in Süditalien ein staatliches Gewaltmonopol durchzusetzen, hängt auch
damit zusammen, dass es in Italien eine lange Tradition der Rebellion
gibt, in denen sich politische Gruppen bewaffnet gegen die staatliche
Autorität stellen. Zwei dieser Bewegungen – die Freiwilligenverbände
Garibaldis und die Resistenza – gehören sogar zum zentralen
Traditionsbestand des italienischen Staates, der sich damit
paradoxerweise als Produkt antistaatlicher Rebellion legitimiert.10
Ein komplexes Ursachenbündel hat bewirkt, dass die mafiosen
Geheimbünde seit den Achtziger Jahren ernsthaft verfolgt wurden.
Einerseits eskalierte die mafiose Gewalt: die jährliche Mordrate stieg von
rund 50 in den Jahrzehnten zuvor plötzlich, zwischen 1980 und 1982,
auf mehr als 300. Darunter waren höchste Repräsentanten des Staates
und des politischen Systems: der Oberste Ermittlungsrichter, der
Vorsitzende der DC in Palermo, der Chef der Regionalregierung, der
Generalstaatsanwalt und der PCI-Vorsitzende in Sizilien. Daraufhin
verlangte die öffentliche Meinung sogar in Sizilien ein härteres Vorgehen
gegen die organisierte Kriminalität. Das Parlament in Rom beschloss
erstmals ein wirksames Anti-Mafia-Gesetz. Es schuf den neuen
Tatbestand der „mafiosen Vereinigung“, verschärfte andere, für die
Mafia relevante Strafvorschriften und gab den Behörden wirksame
Instrumente, um die finanziellen Verhältnisse von Mafia-Verdächtigen
zu durchleuchten. Seit 1984 begannen aufgrund dieser Verschärfungen
und einer Kronzeugenregelung die ersten pentiti (‚Reumütigen‘)
auszusagen, was der Polizei zahllose Verhaftungen ermöglichte und zu
mehreren spektakulären Großprozessen führte.
Gleichzeitig entwickelte sich im Süden zivilgesellschaftlicher
Widerstand, die sogenannte „Anti-Mafia-Bewegung“. Sie hat so
unterschiedliche Komponenten wie kirchliche Basisgruppen, die die
omertà durchbrachen, Frauengruppen, die sich gegen die kriminelle

10 Auf diese Traditionen haben sich auch die bewaffneten Linksextremisten der
Siebziger/Achtziger Jahre bezogen, und die bewaffnete Rebellion nahm
quantitativ ein Ausmaß an, das weit über den Terrorismus in anderen
europäischen Ländern hinausging.
Männerwelt und die eskalierende Gewalt auflehnten, und Teile der
etablierten Parteien. Die Bewegung erfasste nicht nur den traditionell
antimafiosen PCI, sondern auch ganze Ortsverbände der mit der Mafia
verbundenen Parteien der Mitte und der Rechten. Auch die Kirche
bezog nun von der Kanzel Stellung gegen die mafiosen Geheimbünde:
an die Spitze stellten sich der Erzbischof von Palermo und der Bischof
von Acerra in Kampanien, der sogar eine schwarze Liste bekannter
Camorristi aufstellte, denen feierliche Beerdigungen verweigert wurden
und – was noch wirksamer war – das Patenamt bei Taufen und
Firmungen sowie die Trauzeugenschaft. 1984 schlug sich auch die DC-
Führung auf die Seite der Anti-Mafia und entließ sämtliche
Vorstandsmitglieder des sizilianischen Regionalverbandes. Die
Parteiführung unterstützte die Kandidatur eines jungen, nicht
kompromittierten Christdemokraten, des Rechtsprofessors Leoluca
Orlando für den Posten des Oberbürgermeisters von Palermo. Nach
seiner Wahl arbeitete Orlando mit der Anti-Mafia-Bewegung zusammen
und leitete damit eine Wende in der neueren Geschichte Palermos und
ganz Siziliens ein. Auch wenn sich der Siegeszug der Mafiagegner in den
Neunziger Jahren keineswegs reibungslos fortsetzte, spricht doch einiges
dafür, dass – verstärkt durch den Zusammenbruch der Ersten Republik
– die eingefahrenen Strukturen, über die die mafiosen Organisationen
ihre Macht absichern konnten, nachhaltig beschädigt sind. Bis heute sind
allerdings die Durchsetzungsprobleme staatlicher Instanzen in Süditalien
ein wichtiges ungelöstes Problem, das in der Diskussion häufig
unterbelichtet bleibt. Sie reichen von sehr schlecht ausgebildeten
PolizistInnen, über die starke institutionelle Zersplitterung der
Polizeiorgane (Jansen 2007, 31f.) bis hin zu Bestechlichkeit.

(IV) Der Süden in der Wahrnehmung des Nordens


Es gibt in Italien eine lange Tradition der Essenzialisierung des Nord-
Süd-Gegensatzes. Cavour nannte den Süden den „schwächsten und
korruptesten Teil Italiens“. Cesare Lombroso entwickelte seine
pseudowissenschaftliche These vom „geborenen Verbrecher“, als er als
junger Militärarzt im Brigantenkrieg eingesetzt war und dort einem
Phänotypus begegnete, den er einer anderen Rasse zuordnete, aus deren
Eigenschaften er die Verbrechen der Briganten ableitete. Der von
Alfredo Niceforo weiterentwickelte inneritalienische Rassismus,
demzufolge die Bewohner des Südens aufgrund arabischer Einflüsse,
aufgrund des Klimas oder aufgrund von Degeneration minderwertig
seien, besteht in abfälligen Bezeichnungen wie terroni oder negri bis heute
fort. In diesem Diskurs zählt der Süden zu Afrika und wird so aus der
europäischen Kultur ausgegrenzt. Die Faschisten, die sich die Aufgabe
gestellt hatten, die ihrer Ansicht nach gescheiterte Nationsbildung
nachzuholen, verhielten sich dem Süden gegenüber integrativ und
wendeten die rassistischen Aggressionen nach außen, gegen die
Afrikaner in den Kolonien. Solange Italien Kolonien hatte, wurden diese
so betrachtet wie zuvor der Süden. Postkolonial, nach dem Verlust der
afrikanischen Besitzungen, verschärfte sich wiederum der antisüdliche
Diskurs; Afrika wurde erneut ins eigene Land hinein verlagert. Die
norditalienischen Leghe arbeiten mit solchen Ressentiments, ihr
politischer Erfolg hat dieser Form des Rassismus weiteren Auftrieb
gegeben und Respektabilität verliehen.
Nach 1945 wurden die Felshöhlen bei Matera in der Basilicata, in
denen etwa 15.000 Menschen lebten, zum Symbol der Rückständigkeit
und völligen Andersartigkeit des Südens. Dass Tausende Italiener in
Höhlen ohne Strom, fließendes Wasser und Kanalisation lebten, erschien
bizarr und suspekt zugleich. Im Rahmen ihrer Entwicklungshilfe für den
Süden ließ die Regierung in Rom 1952 ein Dorf für die Bewohner der
Höhlen bauen. Ministerpräsident De Gasperi eröffnete es
höchstpersönlich mit großem propagandistischen Aufwand als Zeichen
der Fürsorge für die zurückgebliebenen Landsleute aus dem Süden.
Doch der vermeintliche Versuch der Zivilisierung scheiterte und
bestätigte die antisüdlichen Vorurteile: die neuen, von Avantgarde-
Architekten gestalteten Häuser wurden von den Höhlenbewohnern nicht
angenommen. Von drei geplanten Dörfern wurden nur zwei errichtet,
von denen eines jahrzehntelang leer stand. Zwar wurden die
Wohnhöhlen unter Zwang aufgegeben, aber die Bewohner zogen gleich
weiter in die Trabantenstädte der Industrieregionen. Sie brachten
zusammen mit den vielen Arbeitsmigranten der Fünfziger und Sechziger
Jahre den Süden in den Norden und lösten dort massive Ängste vor
einer mentalen und kulturellen Versüdlichung aus.
Vergleicht man den inneritalienischen Diskurs über den Süden mit
dem anderer europäischer Länder, so fällt auf, dass die Ausgrenzung
wesentlich schärfer und aggressiver ausfällt. Während Antisemitismus in
Italien kaum Resonanz gefunden hat, richten sich die rassistischen
Aggressionen, die moderne Gesellschaften gegen das Fremde im eigenen
Land wenden, in Italien gegen die Menschen des Südens. Rassistische
Diskurse in fast allen europäischen Staaten basieren auf einer
Abgrenzung Europas gegen Asien, das der Islam, das Judentum oder
auch die mit den Hunnen in Verbindung gebrachten Slawen verkörpern,
oder gegen Afrika. Spezifisch für Italien ist die Übertragung der gegen
Afrika gerichteten Aggressionen auf Landsleute.
Für die wissenschaftlichen Diskurse lässt sich zeigen, dass in
Frankreich, etwa im Konzept der Méditerranée, der Süden als ein „Raum
des Übergangs, der Kreuzungen und Überlagerungen, als Brücke und
Kontaktzone“, also zwar als fremd, aber zugleich reizvoll und
horizonterweiternd wahrgenommen wird, als anders, aber nicht als
schlechter. Hingegen wird im italienischen Diskurs seit dem 19.
Jahrhundert der Süden als verdorben, rückständig und nicht
besserungsfähig abgewertet. Eine glänzende Vergangenheit in Antike
oder Mittelalter wird dem Schmutz der Gegenwart gegenübergestellt, die
Schönheit der Landschaft der Verkommenheit ihrer Bewohner – so in
der häufig zitierten Charakterisierung Neapels als „ein von Teufeln
bewohntes Paradies“. Während man in Spanien mit Blick auf
Entwicklungsrückstände im Vergleich zu Europa vom problema español
spricht und das Land damit als Ganzes einem vermeintlich überlegenen
„Europa“ gegenüberstellt, wird in Italien die ‚questione meridionale‘ – die
Südfrage – diskutiert. Nicht das Land als ganzes, sondern nur ein Teil,
auf den sämtliche Mißstände und Übel des Landes projiziert werden
können, wird damit als Problem begriffen. Könnte man sich von diesem
„kranken“ Teil befreien – nachdem alle Versuche, ihn zu modernisieren,
gescheitert zu sein scheinen, so könnte Italien endlich ein integraler Teil
des erfolgreichen Europa sein.

Abschließend möchte ich meine Ausführungen noch einmal zuspitzen


und mit einem positiven Ausblick anbieten: Das Mezzogiorno-Problem
unterscheidet sich grundsätzlich von vergleichbaren Disparitäten,
kulturellen Gegensätzen und ökonomischen Gefällen in anderen
europäischen Ländern. Auf der Basis einer jahrhundertealten Nord-Süd-
Spaltung stellt sich Italien bis in die Neunziger Jahre hinein als das mit
Abstand heterogenste europäische Land dar. Dies lässt sich nicht nur an
sozialökonomischen Indikatoren zeigen, die gravierende Unterschiede
zwischen den acht Regionen des Südens und den zwölf der Mitte und
des Nordens belegen. Es gilt ebenso für die mafiose Gegenmacht, mit
der sich die Zentralregierungen arrangiert haben und gegen die sie kein
Gewaltmonopol durchsetzen konnten. Schließlich zeigt sich auf der
diskursiven Ebene ein Bild des Südens als fremd und andersartig. Die
Ausgrenzung wird in einer Schärfe vorgenommen, die normalerweise
nicht innerhalb einer Nation zu beobachten ist.
In jüngster Zeit scheint sich der Sonderweg des italienischen Südens
allerdings der gesamtitalienischen Entwicklung anzunähern. Einerseits
weist das vereinte Deutschland ein Maß an Heterogenität auf, das dem
Italiens nahekommt. Andererseits scheint die Entstehung einer eigenen
Zivilgesellschaft des Südens den mafiosen Organisationen mittelfristig
den Boden zu entziehen. Aber die Mafia wurde schon allzu oft
vorschnell totgesagt, so dass man diese hoffnungsvollen Entwicklungen
sicher noch längere Zeit mit Skepsis beobachten muss.
Schließlich erscheint mir wichtig, dass sich die Beschäftigung mit dem
Mezzogiorno von der normativen Stereotypisierung löst, die die Diskurse
über den Süden bestimmt. Es gibt ebensowenig „den Süden“ wie „den
Norden“. In den letzten zehn Jahren ist in dieser Beziehung einiges in
Bewegung geraten: einerseits verändert sich die Gesellschaft im Süden,
Lähmung und Erstarrung scheinen sich aufzulösen, die mafiosen
Strukturen verlieren an Bedeutung; andererseits revidieren neuere
Forschungen das Bild von der Rückständigkeit des Südens. Nach der
Abkehr des wissenschaftlichen Diskurses von Modernisierungstheorien
und Fortschrittsparadigma wird der Mezzogiorno nicht mehr so sehr als
rückständig, sondern als anders wahrgenommen. Das ist eine gute Basis
für weitere Analysen.
Was die kriminellen Organisationen des Südens angeht, so muss trotz
mancher Erfolge vor zu großem Optimismus gewarnt werden. So sind
die Kriminalitätsraten nach wie vor regional sehr unterschiedlich: In den
1990er Jahren wurden rund 70 % aller Morde in Italien in den Regionen
Sizilien, Kalabrien und Kampanien verübt. Und die renommierte
Zeitung Repubblica berichtete 2005, dass in ganz Italien 160.000
Unternehmen (vor allem Einzelhändler und gastronomische Betriebe)
Schutzgelder zahlen würden – etwa dreimal so viele wie vor 20 Jahren.
Die erpressten Summen stellen keinen florierenden Laden vor Probleme
– wohl auch deshalb zahlen die meisten ohne Murren. Kleine Läden
zahlen 500-1.000 € im Vierteljahr, mittelgroße ca. 3.000 € und große
5.000 €. Ohne Zweifel bedeutete die Regierungszeit Berlusconis einen
Rückschlag für die Bemühungen, Mafia und Co. zu zerschlagen.
Berlusconis Partei löste die DC als führende Partei in Sizilien ab. Viele
ihrer Abgeordneten arrangierten sich mit der Mafia und trafen mit ihr
ähnliche Vereinbarungen (politische Unterstützung gegen Schutz vor
Verfolgung) wie einst die DC und gewann seit 2001 sämtliche
Direktmandate auf Sizilien. Auf der anderen Seite stehen Erfolge im
Kampf gegen die organisierte Kriminalität. Auch unter Berlusconi
wurden immer wieder Mafia-Bosse verhaftet. Aber trotzdem: ohne eine
weitere Stärkung zivilgesellschaftlicher Strukturen und der Verankerung
antimafioser Haltungen in breiten Bevölkerungskreisen werden die
kriminellen Geheimorganisationen nicht zu besiegen sein. Ein Indiz für
gewachsenes Selbstbewusstsein des Südens ist die aktuelle
Imagewerbung der Region Kalabrien. Sie schaltet seit 2007 ganzseitige
Anzeigen in der Presse und produziert Plakate, auf denen weiß
gekleidete, fröhliche und sympathisch wirkende Studierende der
Universität Reggio Calabria, die der seit seinen Kampagnen für Benetton
berühmte Fotograf Oliviero Toscani aufgenommen hat, mit Sprüchen
konfrontieren wie: „terroni? si, siamo calabresi“ (Erdlinge? Ja, wir sind
Kalabrier) oder: „incivili? si, siamo calabresi“ (Unzivilisiert? Ja, wir sind
Kalabrier.). Rechts steht als weitere Antwort auf die rhetorischen Fragen:
„gli ultimi saranno i primi“ (Die Letzten werden die Ersten sein).
Literatur

Jansen, Christian (1989): „Horrorgemälde vom Land der Sehnsucht. Die Angst der
Deutschen vor Italien“. Das Parlament. 1. September 1989.

Jansen, Christian (2007): Italien seit 1945. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Raith, Werner (1992): „Mafia und Anti-Mafia-Bewegung“. In: Kienzle, Birgit /


Galluzzo, Maria-Teresa (Hg.): Frauen gegen die Mafia. Das Gesetz des Schweigens
brechen. Reinbek: Rowohlt.