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Kontextualisierungsansätze im Umfeld der

Macumba in Brasilien

Semesterarbeit für das Fach


BIB/ICS/MIS 6045 – Biblische Kontextualisierung
mit Dr. Jürgen Schuster

erstellt von
Simon Reifler
FRÜHJAHR-3-Block (19.04.-04.06.2010)

Columbia International University


Deutscher Zweig, Korntal
2

Inhaltsverzeichnis
Einleitung.....................................................................................................................................1
1. Die Macumba...........................................................................................................................1
1.1 Begriff und Herkunft.........................................................................................................1
1.2 Weltbild der Macumba......................................................................................................2
1.2.1 Kontakt mit den Geistwesen......................................................................................2
1.2.2 Mana/Energie.................................................................................................................2
1.2.3 Magie.............................................................................................................................3
1.2.4 Höchstes Wesen.............................................................................................................4
1.2.5 Die Orixás......................................................................................................................4
Exú................................................................................................................................5
1.2.6 Der Mensch....................................................................................................................6
2. Macumba in der evangelikalen Welt in Brasilien.....................................................................6
2.1 Polytheismus.....................................................................................................................6
2.2 Die magische Wirkung des Glaubens................................................................................7
2.3 Beispiel: Opfer/Zehnten....................................................................................................7
2.3 Beispiel: Magische Wirkung von Gegenständen und Orten..............................................8
2.4 Geistwirkungen.................................................................................................................9
3. Verkündigung im Umfeld der Macumba................................................................................10
3. 1 Kontakt mit den Geistwesen...........................................................................................10
3.1.1 Ex 20,3: „Du Sollst keine anderen Götter haben neben mir.“..................................10
3.1.2 Kontakt mit den Toten und die Haltung der Bibel...................................................11
3.1.2.1 Besteht die Möglichkeit des Kontaktes mit den Toten?...................................11
3.1.2.2 Die Bibel verbietet den Kontakt mit den Toten...............................................13
3.1.2.3 Wer sind die Geister, die mit den Menschen kommunizieren?........................13
3.2 Magie und die lebendige Beziehung zum Gott-Vater als Alternative.............................14
3.3 Power Encounter.............................................................................................................16
3.4 Theologie der Königsherrschaft Gottes...........................................................................17
Bibliography...............................................................................................................................20
1

Einleitung
Eine Frau aus dem Inland, die sich vor kurzem bekehrt hatte und mit der ich eine Jünger -
schaftsschulung machte fragte mich einmal, was sie tun solle. Sie träume jeden Abend von ihrer
kürzlich verstorbenen Mutter. Sie trete in den Raum hinein und wolle etwas sagen, doch in dem
Moment wache sie immer auf. Sie fragte mich, ob ihre Mutter ihr wohl eine Nachricht überbrin-
gen wolle.
Ich war völlig unvorbereitet und hatte mich mit diesem Thema nie eingehend befasst. Aus-
serdem war mir der gesamte animistische Hintergrund als Missionar im ersten Term nicht wirk -
lich bewusst. Meine erste Antwort war eine rein „rationale“. Ich sagte ihr, dass es üblich sei,
dass Menschen in den ersten Trauerphasen von ihren geliebten Verstorbenen träumten. Als ich
merkte, dass sie sich mit dieser Deutung nicht ganz zufrieden gab, empfahl ich ihr, jeden Abend
zu Jesus zu beten, dass Er ihr diesen Traum wegnehmen und Er ihr durch die Bibel Weisung
und Trost für den Verlust ihrer Mutter geben würde.
Mir wurde danach bewusst, dass ich mit dem animistischen Weltbild der Macumba konfron-
tiert worden war und ich für die aufgeworfene Fragen zu wenig vorbereitet war. Da ich in Zu-
kunft mehr mit den sehr animistisch geprägten Menschen des Inlands, meist Nachkommen von
Sklaven, zu tun haben werden, wollte ich mich eingehender mit diesem Thema befassen.

1. Die Macumba
1.1 Begriff und Herkunft
Das Wort „Macumba“ wird gebraucht um die synkretistischen afro-brasilianischen Kulte zu
beschreiben. Macumba ist eher ein Oberbegriff, der die Riten des Candomblé, Umbanda und
Quimbanda mit einschliesst.
Durch den bis 1888 anhaltenden Sklavenhandel, kam die Macumba nach Brasilien. Die ver-
schiedenen Völker Yoruba (Nigeira, Benin, Togo, Sierra Leone), Jeje (bestehend aus Fon und
Ewe aus Togo, Ghana und Benin) und Bantu (Angola, Kongo) brachten ihren Glauben an die
Ahnen aus Afrika nach Brasilien. Die Religionen der verschiedenen Nationen vermischten sich
und nahmen auch Elemente der indianischen Mitsklaven und Mischlinge auf, wie zum Beispiel
die Caboclos, die Waldgeister. Im Candomblé im Bundestaat Bahia blieb die ursprüngliche
Form der Yoruba mehr oder weniger erhalten und gilt heute als afrikanischer als die Religion,
die heute noch in den Ursprungsländer Nigeria und Benin ausgeübt wird.
Als die Sklaven nach Brasilien kamen wurden sie von den Portugiesen zwangsgetauft und
die Ausübung ihrer heidnischen Religion verboten. Den afrikanischen Gottheiten wurden dar -
aufhin Namen von christlichen Heiligen gegeben, wodurch die Religion in synkretistischer
2

Form weiterlebte. Dadurch ist der Einfluss der Macumba in den Volkkatholizismus bis heute
sehr hoch.
Die Macumba ist keine Religion, die ein geschlossenes System bildet. Sie ist ständig in Be -
wegung und neue Erfahrungen und Elemente anderer Religionen (insbesondere des Volkskatho-
lizismus und Spiritismus) werden als Bestandteil aufgenommen. Da sie aufgrund ihrer Ge-
schichte besonders tief mit dem Volkskatholizimus verwoben ist, kann man keine klare Abgren-
zung vornehmen.
Allerdings tritt die Macumba im Zuge der Religionsfreiheit immer stärker als selbstständige
Religion auf, auch weil die katholische Kirche sich immer mehr gegen die Macumba in ihren ei -
genen Reihen wehrt. Das Verhältnis beider Religionen ist bis heute von Ambivalenz geprägt.

1.2 Weltbild der Macumba


Im ersten Teil der Arbeit wird es unsere Aufgabe sein, das Weltbild der Macumba zu analy-
sieren.

1.2.1 Kontakt mit den Geistwesen


Im Zentrum der Macumba steht der Kontakt mit den Ahnengöttern, genannt „Orixás“. In der
Séance (Spiritistische Sitzung) im „Terreiro“ („Grundstück“, Ort der Sitzungen), die meist von
einer „Mãe de Santo“ (wörtlich „Mutter der Heiligen“, gemeint ist aber Mutter der Götter) ge-
führt wird, werden durch das Schlagen der Trommeln die Götter gerufen. Sie nehmen einem be-
stimmten Ablauf folgend die initiierten Medien in Besitz, beginnend mit dem Gott Exú. Die
Medien personifizieren die Gottheiten mit ihren Eigenschaften und sind dabei in einem Zustand
der Bewusstlosigkeit. Der Mensch, der von einem Orixá bessen ist, wird verglichen mit einem
Reittier1. Die Götter reiten ihr Medium. Die Götter können Rauchen und literweise Cachaça
(Zuckerrohrschnaps) trinken, ohne dass dies eine Auswirkung auf die Medien hätte.
Die Ratsuchenden wenden sich dann an die besessenen Medien, um Hilfe in bestimmten Le-
bensfragen zu erhalten. Den Göttern bringen sie freiwillige Opfer in Form von Speisen, manch-
mal auch Geld dar. So werden sie bereit den Ratsuchenden zu helfen.

1.2.2 Mana/Energie
Mana ist die unpersönliche Kraft oder Energie, die Menschen, Orte, Rituale, Wesen und Din-
ge habe. Afrika erhält in der Macumba eine besondere Bedeutung, weil die Geister von dort

1
Serge Bramly, Macumba: Die magische Religion Brasiliens ; vier Gespräche mit der Macum-
ba-Priesterin Maria-José Mae de Santo aufgezeichnet 1972 - 1974 in Rio und Paris, (Freiburg i. Br.:
Bauer, 1978), S. 50; im Folgenden zitiert als Bramly, Macumba
3

stammen.2 „Die Macumba kanalisiert die Kräfte, welche die Welt regieren, und verteilt sie ent-
sprechend den jeweiligen Bedürfnissen.“3
Die Geister brauchen einen Raum zur Ankunft. Dieser muss sie an Afrika erinnern. Ein Ter -
reiro hat Kraft, weil heilige Gegenstände im Boden begraben sind, oder weil ein Knochen eines
Wahls, der in Afrika gewesen sein könnte im Terreiro aufgehängt ist.
Rituale erhöhen das Mana eines Ortes, Objektes oder eines Menschen. Die Initiationsriten
ermöglichen erst, dass ein Medium mit den Geistern Kontakt aufnehmen kann. Der Tänzer muss
mit nackten Füssen im direkten Kontakt mit dem Erdboden im Terreiro sein. Die Trance lädt die
Medien mit Energie, also Mana auf.4
Auch die Trommeln werden mit Opfern initiiert, sonst ist ihr „Rufen“ erfolglos. Sie sind hei-
lig und dürfen nicht von Fremden berührt werden. Das Wesentliche, damit die Götter kommen
ist der afrikanische Rhythmus der Trommeln. Die Worte der Gesänge der Medien sind unwich-
tig. Es handelt sich dabei um einfache Lobgesänge, die das Kommen der Götter beschleunigen.
Die gezeichneten Symbole am Boden (Pontos Riscados) haben die Aufgabe die Gesänge zu ver-
stärken. All das gibt dem Raum Mana, damit die Götter in geordneter Art und Weise kommen
können.

1.2.3 Magie
Eng verbunden mit Mana ist die Magie. Rituelle Handlungen haben eine Auswirkung auf die
geistliche Welt. Sie können einen Fluch auslösen oder einen solchen abwenden.
In einem Video wird gezeigt, wie ein „trabalho de macumba“ (dt. Werk der Macumba, bzw,
Fetisch), der ein Fluch ausgelöst hatte, zerstört wird 5. In einem Ackerfeld vor einem Haus war
ein Kindersarg begraben worden mit einem toten Schweinekadaver. In dessen herausgerissenem
Herz steckten mehrere Messer. Die Hände und Gesichter der Männer, die den Sarg öffnen müs-
sen mit Cachaça (Zuckerrohrschnaps) gereinigt werden, damit der Fluch nicht über sie kommt,
während einige Frauen das Ave Maria rezitieren.
Van Rheenen sagt über die Magie:
„The Animist does not reject magic because one type fails; he seeks a new type of magic or a
new implementation of ritual using his old magic.“6

2
Es ist wohl kein Zufall, dass die Brasilianische Mannschaft die erste war, die in Südafrika zur WM
eintraf. Sie wollten wohl so lange wie möglich vom Mana, das vom Afrikanischen Kontinent ausgeht tan-
ken.
3
Bramly, Macumba, S.58.
4
a. a. O. S. 43.
5
http://www.youtube.com/watch?v=HmgbIaMUbpY&feature=related .
6
Gailyn van Rheenen, Communicating Christ in animistic contexts, (Grand Rapids Mich.: Baker Book
House, 1991) S. 234; im Folgenden zitiert als Van Rheenen, Communicating Christ.
4

1.2.4 Höchstes Wesen


Höchstes Wesen ist Olorum. Olorum steht am Anfang aller Dinge. Doch seine Funktion als
Schöpfer tritt in den Hintergrund durch die Tatsache, dass die Götter die Welt „täglich unter un-
seren Augen neu erschaffen“ 7 und dem Anfang und Ende keine Bedeutung zugemessen wird.
Oft glauben die Vertreter der Macumba an die Reinkarnation und damit an die Unendlichkeit
des Universums.
„Er ist so bedeutend, dass er sich gar nicht mehr um uns kümmert. Er ähnelt dem Direktor ei-
ner grossen Fabrik: Die Arbeiter wenden sich an dessen Assistenten oder an Mittelsmänner, sie
haben jedoch nie persönlich Kontakt mit ihm selbst. Olorum ist solch ein grosser Herr. Wir be-
ten die anderen Götter an, als seine Kinder und Kindeskinder; wir wenden uns jedoch nie an ihn
selbst. Er würde uns nicht einmal hören. Er steht über den menschlichen Angelegenheiten.“ 8

1.2.5 Die Orixás


Obwohl es sich bei den Göttern der Macumba eigentlich um Ahnen handelt, werden sie wie
Gottheiten verehrt. Die ältesten Götter gelten als die Mächtigsten. 9 Von Olorum dem Schöpfer-
gott haben wir schon berichtet. Iemanjá, Oxalá, Oxum, Ogum, Xangô, Oxossi, Omulú, Iansã
sind die Hauptgötter. Exú, Ossaim nehmen eine Sonderstellung ein. Die Zwillinge Ibeijis sind
keine Orixás, geniessen aber auch eine Sonderstellung. Danach kommen die Caboclos und Pre-
tos Velhos.
Jeder Orixá besitz Attribute. Er ist an eine Farbe gebunden, ein Element, ein Metal, an Pflan -
zen, an seine menschliche Handlung, einen Wochentag, eine Jahreszeit, einen Ort usw.
Name Christlicher Name Attribute
Oxalá (Sohn Oloruns) Jesus Christus Aluminium, Weissgold, intellektuell
Iemanjá Jungfrau Maria Lebt zwischen den Wellen, Reinheit, Mond
und Sterne, Silvester, Himmelblau
Xangô Heiliger Hieronymus Hochmütig, König, Krieg, Axt, Kupfer, Rot,
jähzornig, Löwe, Männlichkeit
Oxum Heilige Katharina Flüsse und Seen, Weiblichkeit, Eifersucht,
Fächer, Kamm und Spiegel
Ogum Heiliger Georg Rein, unbestechlich, Schwert, Mut, ehrenhaft
und Tüchtigkeit
Iansã Heilige Barbara oder Jo- Bewaffnet, Rot, Gewitter, Sturm, Regen
hanna

7
Bramly, Macumba, S. 83.
8
a. a. O. S. 83.
9
a. a. O. S. 79.
5

Oxossi Heiliger Sebastian Herr aller Caboclos, Wald, Tiere und Jagd,
Grün, Pfeil und Bogen
Caboclos Indianische Gottheiten, Feder im Haar, be-
malte Gesichter
Ibejis Heiliger Kosmos und Zwillinge, kindlich, schelmisch, launenhaft,
Damianus helfen bei Kinderkrankheiten, Geburt
Pretos Velhos Schwarze Ahnen, Pfeife und Stock

„Unsere Götter und unsere Geister sind alles, was wir besitzen. Wir haben nichts anderes,
Keine heiligen Schriften, keine Denkmäler, keine bleibenden Referenzen. Das ist gleichzeitig
Schwäche und Stärke.“10

Exú 11
Exú geniesst eine Sonderstellung. Man kann sehr viel über das Weltbild der Macumba ler-
nen, wenn man seine Eigenschaften und Handlungsweise studiert.
Exú ist der Teufel und wird vor allem in der Quimbanda (schwarze Magie) benutzt, um böse
Flüche über die Menschen zu bringen. Doch Exú ist gleichzeitig der grösste Verbündete der
„weissen“ Macumba. Luzifer, der heilige Petrus, der Erzengel Gabriel, der heilige Bartholomä-
us oder der heilige Paulus können Exú symbolisieren. Exú hat kein Geschlecht. Er ist das männ-
liche oder weibliche Geschlecht. In seiner weiblichen Form wird er „Pombagira“ genannt. An-
dere sehen in der Pombagira seine Frau. Er gilt auch als Gott der Fruchtbarkeit.
Exú trägt das Gesicht, das man an ihm sehen möchte. Jeder Gott trägt einen oder mehrere
Züge Exús in sich. Dank des Exús in sich können die Götter sich materialisieren. Exú ist das
Verbindungsglied zwischen den Göttern. „Meine Mutter sagte, Exú sei der Diener der Götter.
Ich glaube jedoch, er ist weit mehr. Ich glaube, die Götter besässen lange nicht soviel Macht,
wenn sie keine Exús hätten“12 Exú ist der Wegbereiter für die Götter und ist immer der erste, der
in der Séance sein Medium in Besitz nimmt. Das erste Opfer gehört immer ihm. „Exú zu opfern
bedeutet einen Wegzoll zu zahlen, quasi eine Eintrittskarte ins Reich der Götter zu kaufen. Mit
Hilfe einiger Geschenke bringt uns Exú in Kontakt mit ihnen.“ 13 Exú ist gleichzeitig gut oder
böse, weil die Götter sich nicht um menschliche Moral kümmern. Ausserdem ist Exús grösste
Schwäche seine Bestechlickeit, was ihn sehr ambivalent macht.
„Man sagt, Exú sei der Teufel, die Versuchung. Doch die Versuchung gleicht einem Motor, einer
Kraft, die uns vorantreibt. Sie ist das Dynamische im Menschen.“ 14

10
a. a. O. S. 35.
11
a. a. O. S. 157 ff.
12
a. a. O. S. 159.
13
a. a. O. S. 163.
14
a. a. O. S. 166.
6

Wie wir bei Exú gesehen haben trennt die Macumba nicht so stark zwischen bösen und guten
Geistern. Die Götter kümmern sich nicht um Moral. 15 Sie trinken, rauchen und sind eifersüchtig.
Sie können beeinflusst werden, Gutes zu tun oder Unheil anzurichten oder gar zu töten 16.
Ziel der Befragung der Götter ist immer Rat und Hilfe in Alltagsproblemen im Bereich der
Beziehungen, insbesondere der Liebe, der Gesundheit oder der Geschäftswelt. Die Menschen
nehmen mit den Geistern Kontakt auf, weil in ihrer Welt unbegrenzt Mana zu finden ist.

1.2.6 Der Mensch


Der Mensch muss lernen in Harmonie mit den Kräften zu leben, die ihn umgeben. 17 Der
Mensch „lebt im Zentrum eines Widerstreites der Kräfte! Auf diesem Gebiet gibt es weder
einen Streik, noch eine Ruhepause. Der Kampf, könnte man sagen, das Kräftespiel endet erst
mit dem Tod. Nichts ist entschieden solange du lebst.“ 18 Man kann auf einen Menschen Einfluss
nehmen, indem man etwas, was den Menschen symbolisiert nimmt (Foto oder Besitztum,
„einen Schatten oder Doppel“), um es in Verbindung mit einer oder mehrerer Gottheiten für
oder gegen sie zu verwenden.
Jeder Mensch ist Sohn oder Tochter eines Orixás und muss gemäss seinen Gesetzmässigkei -
ten leben lernen. Er wird sich vorzugsweise an seinen Orixá wenden, wenn er Hilfe gebraucht. 19

2. Macumba in der evangelikalen Welt in Brasilien


2.1 Polytheismus
Obwohl die meisten evangelischen Kirchen sich zu den Monotheisten zählen würden, hat
ihre Theologie und Praxis doch eine stark polytheistische Prägung. In der Regel haben die Got-
tesdienste in Neupfingstlichen Gemeinden an jedem Wochentag ein anderes Thema (Befreiung
von Dämonischen Mächten, Heilung von Krankheiten, Segen). An jedem Wochentag wird Gott
dann mit einem passenden Namen vorgestellt (Herr der Heerscharen gegen Dämonen, Herr Ver-
sorger für Wohlstand usw.). Das polytheistische Weltbild findet in der starken Betonung einzel-
ner Gottesbezeichnung seinen Fortgang.
Ausserdem tendieren viele Kirchen zu einer Betonung des Kampfes von Gut und Böse, Got-
tes Reich und die Mächte der Dunkelheit. Durch die Überbetonung des geistlichen Kampfes,
rückt die Souveränität und Allmacht Gottes auch über die Mächte der Dunkelheit in den Hinter-
grund. Das polytheistische Weltbild wird durch ein dualistisches ersetzt.

15
a. a. O. S. 159
16
a. a. O. S. 78.
17
a. a. O. S. 108.
18
a. a. O. S. 154.
19
a. a. O. S. 70 ff.
7

2.2 Die magische Wirkung des Glaubens


Die in Brasilien weit verbreitete „Wort-des-Glaubens-Bewegung“, deren grösste Vertreterin
die „Igreja Universal do Reino de Deus“ (IURD) ist, hat weltweit in animistischen Kulturen
schnell anklang gefunden. Deren wichtigster Vertreter Kenneth Hagin glaubt, dass Gottes Ab-
sicht durch unseren Glauben beeinflusst werden kann. Der Glaube wird in manipulativer Weise
verwendet, um Gott dazu zu bringen, das zu tun was man sich wünscht.
Die „Wort-des-Glaubens-Bewegung“ vertritt ein übertriebener Triumphalismus. Das Wort
des Gläubigen, wird dem Wort des Schöpfers gleichgesetzt. Was der Gläubige im Glauben
wünscht geschieht. Sie beziehen sich dabei in irreführender Weise auf die Verse in Mat 17,20,
Mk 9,23 und Phil 4,13.
Dies entspricht ganz dem animistischen Weltbild. Christen werden durch den Glauben zu
Menschen mit sehr viel Mana, was sie mächtig macht, das zu erlangen was sie wollen, sei es
Heilung oder Reichtum. Der Glaube wird zu einem Instrument mit magischer Wirkung. In glei-
cher Weise werden die finanziellen Opfer und Zehnten missbraucht.

2.3 Beispiel: Opfer/Zehnten


Der Gedanke, dass man den Göttern Opfer darbringen muss, wurde in diversen Kirchen auf -
genommen, insbesondere derer, die das Wohlstandevangelium predigen. Auch hier geht es dar-
um die Gunst Gottes zu erlangen indem man den Zehnten zahlt. Grosszügige Opfer darüber hin-
aus helfen gegen Krankheiten oder führen zu Reichtum. Der zahlenmässige und vor allem fi-
nanzielle Erfolg dieser Kirchen in den letzten Jahren in Brasilien kann direkt auf dieses im Bra-
silianer tief verankerte Weltbild zurückgeführt werden.
Zweimal im Jahr findet während eines Monats in der Igreja Universal do Reino de Deus
(IURD) ein besonderes Ritual statt. Wer bereit ist sein „Alles“ (ganzes Monatsgehalt oder mehr)
zu opfern, darf am „heiligen Feuer Israels“ teilnehmen. Zusammen mit seinen Wünschen (Bitte
um Heilung, Gesundheit aber auch Wohlstand und konkrete materielle Güter) legt er das Geld
am Altar nieder, auf dem ein symbolisches Feuer brennt. Die Kirche sammle die Wünsche und
verbrenne sie auf dem „Berg Sinai“ in „Israel“, wird behauptet. Je nach Grösse des „Opfer des
Glaubens“ wird Gott die Wünsche des Bittstellers erfüllen. 20
Als die Igreja Universal do Reino de Deus (grösste Neupfingstliche Kirche Brasiliens) im
Ort Amarante sich spaltete, wechselten nach einigen Monaten Unterbruch einige Mitglieder in
die AICEB Gemeinde (traditionelle Gemeinde mit baptistischer Prägung). Die Neuankömmlin-

20
http://solascriptura-tt.org/Seitas/Pentecostalismo/FogueiraSantaIsraelIURD-MGross.htm,
http://pt.wikipedia.org/wiki/Doutrinas_da_Igreja_Universal_do_Reino_de_Deus#Fogueira_Santa_de_Is-
rael.
8

ge überbrachten dem Pastor den Zehnte der Monate, in denen sie keine Gemeinde besucht hat -
ten. Der Segen darf keinen „Unterbruch“ erleiden.

2.3 Beispiel: Magische Wirkung von Gegenständen und Orten


Viele Gemeinden verwenden und verkaufen spezielle Öle für Salbungen, von denen man
sich einen besonderen Segen verspricht. Im Internet gibt es gar ganze Shops, die diese Öle ver-
markten.21 Passend zu jedem Öl wird auch noch ein Bibelvers angegeben: Olivenöl für allge-
meinen Segen (Ex 30,22-26); Kassiaöl für Befreiung von dämonischen Einflüssen (Ex. 30,24);
Balsamöl für die Heilung der Seele (Gen 43,21, u.a.); Zimtöl für den Segen in der Familie (Hld
4,14); Kalmusöl für Weisheit (Hld 4,14); Myrrhe für körperliche Heilung (Gen 43,11); Narden-
öl für Wohlstand; Aloeveraöl zur Erneuerung der Kraft; Rosenöl für die Erneuerung der Liebe;
u.a. Die Igreja Univerval do Reino de Deus (IURD) verkauft auch ein heiliges Öl, das gegen
Moskitos des in Südamerika weit verbreiteten Denguefiebers helfen soll.
Ebenfalls in der IURD werden oft Fotos von Angehörigen auf der Bühne an einer Pinnwand
aufgehängt. Die Prediger und Apostel beten über diesen Fotos, damit die abgebildeten Men-
schen von dämonischen Einflüssen befreit werden. In der Macumba werden auch Fotos oder
Besitztümer einer Person gebraucht, um einen Fluch über den Besitzer zu bringen.
Ein ausgezeichnetes Beispiel für den Mangel an kontextueller Reflexion findet sich in einem
Video auf Youtube22, in dem ein Pastor „im Namen Jesu“ einen Fluch der Macumba zerstört. Er
gräbt die auf einem Friedhof vergrabenen Gegenstände aus, welche über der Familie eines Ge-
meindemitglieds einen Fluch ausgeübt haben. Gottes Geist habe ihm „geoffenbart“, wo die Ge-
genstände verborgen gelegen hätten.
In diesem Beispiel wird deutlich, wie der Pastor selbst an die Macht des Macumba-Fluches
über die Gläubigen glaubt. Indem er sich als weisser Magier (mit direkter Offenbarung Gottes)
gegen die böse Magie (Quibanda) stellte, macht er sich selbst zum Macumbeiro. Es wurde zu
wenig darüber reflektiert, dass Gott nicht einfach nur ein Gott ist, der mehr „Mana“ besitzt, als
die Götter der Macumba. Das alte Weltbild, dass es der Fluch war, der die Probleme über die
Familie gebracht hat und die Menschen (in diesem Fall sogar Christen) nicht selbst verantwort -
lich handeln, bleibt völlig unangetastet.
Die Namen der Kirchengebäude einiger evangelischen Gemeinden machen deutlich, dass es
sich dabei um heilige Orte handelt: Tabernakel (Stiftshütte) der Wunder, Tempel der Segnun -
gen, Geheiligter Tempel der Erneuerung, Tempel der Evangelischen Gottheiten, usw. Im allge-

21
http://www.ministeriodefogo.com/material.htm, http://www.oleodeisrael.com.br/oleos.htm.
22
http://www.youtube.com/watch?v=vqyi84c39Kk .
9

meinen Sprachgebrauch wird das Kirchengebäude meist „Tempel“ genannt. Allein schon das
Äussere erinnert oft an den Tempel in Jerusalem wie einige Bilder belegen. 23
Diese Beispiele machen klar, dass sich das Weltbild betreffend der magi-
schen Kraft von Gegenständen und Orten in den meisten evangelischen Ge-
meinden Brasiliens nicht verändert hat. Auch in der katholischen Kirche fin-
det dieses Weltbild in der Verehrung von Bildnissen von Heiligen 24 und Reli-
quien ihren Ausdruck. Selbst in „traditionellen“ evangelischen Gemeinden
wird dem Brot und Wein im Abendmahl oft unbewusst eine magische Wir-
kung beigemessen.

2.4 Geistwirkungen
Ähnliche Phänomene wie, die der Besessenheit der Medien, können in den Pfingstgemein-
den auch festgestellt werden. In einem Video mit dem Titel „Gebetswache gegen die Macumba“
tanzen junge Frauen in weissen Gewändern indem sie sich ständig drehen bis sie umfallen. 25 Im
Hintergrund hört man die Trommeln, welche die Rhythmen des Musikstils der Macumba spie-
len. Diese Wachen, die „Retetê“ genannt werden, beginnen immer freitags genau um Mitter-
nacht. Christen, die sich von der Macumba losgesagt haben berichten, dass sie keinen Unter-
schied zur Macumba erkennen können.
Seit dem sogenannten „Torontosegen“ sind mehrere Segenswellen über das Land ge-
schwappt. Zum Beispiel der Segen des Lachens im Geist oder der Segen des Umfallens im
Geist. In einer Gemeinde, die ich selbst früher einmal besucht hatte, kam der Segen der Eidech -
se über die Mitglieder, die dann ihre Körper den Wänden entlang gleiten liessen. Andere Seg-
nungen von Tieren sind auch bekannt, wie zum Beispiel der Segen des Löwen.
Bis heute gilt in den meisten Assemblies of God und anderen Pfingstgemeinden, dass jeder
Christ, der vom Heiligen Geist erfüllt ist, in Zungen sprechen muss. Das Zungenreden ist für
viele das Gegenüber zur für die Brasilianer unverständlichen Sprache der Yoruba aus Afrika, in
der einige Götter im Candomblé sprechen.
Auch Prophetie im Sinne von direkter Offenbarung von zukünftigen Ereignissen kommt sehr
häufige vor und erhält einen mindestens gleich hohen Wahrheitsanspruch wie die Bibel. Sie be-
setzt den Platz der Wahrsagerei. In gewisser Weise bieten die Evangelischen Kirchen eine De-
mokratisierung der Geistwirkungen, während in der Macumba nur iniziierte Medien mit den
Geisten in Kontakt treten können.

23
Erstes Bild: Tempel der Mormonen in Campinas, zweites Bild: IURD (Universalkirche vom Reich
Gottes).
24
Meist werden die Bildnisse und nicht der Heilige an sich verehrt.
25
http://www.youtube.com/watch?v=boqB1rC4iY0&feature=related.
10

Das Weltbild, dass die unmittelbare Erfahrung wichtiger ist, als das geschriebene Wort,
bleibt auch hier erhalten. Ausserdem werden spontanen Geistwirkungen, insbesondere solchen,
die die Persönlichkeit oder Willenskraft des Menschen auszuschalten scheinen, mehr Gewicht
beigemessen, als anderen.

3. Verkündigung im Umfeld der Macumba


Im Dritten Teil der Arbeit sollen keine fertigen Lösungen präsentiert werden, wo die Aussa-
gen der Bibel nicht eine klare Haltung gebieten. Die Einheimischen sollen ja letztlich selbst das
Wort Gottes in ihrem Kontext umsetzen. Wir werden aber biblische Schlüsselstellen und –the -
men analysieren und versuchen Leitlinien herauszuarbeiten, die ihnen eine Hilfe bei der konkre-
ten Umsetzung von Gottes Willen in ihrem Kontext bieten.

3. 1 Kontakt mit den Geistwesen


Diesen Punkt stelle ich an den Anfang, da der Kontakt mit den Ahnengöttern zur Essenz der
Macumba gehört.26 Gerade an diesem Punkt, ist die Bibel, wie wir gleich sehen werden, auch
ganz klar in ihrer Botschaft. Wir wollen dieses Thema von zwei Gesichtspunkten her betrach -
ten:

3.1.1 Ex 20,3: „Du Sollst keine anderen Götter haben neben mir.“
Obwohl es sich bei den Orixás der Macumba um Ahnen handelt, werden sie wie Götter ver-
ehrt und treten somit in Konkurrenz zum wahren lebendigen und einzigen Gott der Bibel. Die
Bibel spricht über Satan als den Herrn dieser Welt. 27 Ausserdem spricht sie über Dämonen, wel-
che die Menschen zum Götzendienst verführen wollen, damit sie dem lebendigen Gott nicht
mehr die Ehre geben.
Götzendienst wird in der Bibel oft mit Ehebruch verglichen (Dtn 31,16; Ri 2,17; Hos 1,2).
Auch Ex 20,3 ist eine Analogie der Beziehung mit Gott zur Treue in der Ehe als eine monoga -
mische („keine anderen Götter neben mir“). Ex 20,3-6 stellt Gott als einen eifersüchtigen Gott
dar, der wie ein Ehemann eifersüchtig wird, wenn ein anderer um seine Frau buhlt (vgl. Hes.
16). Gott allein gebührt alle Ehre (Jes 42,8).
Über die Götter der Heiden sagt die Bibel, dass sie „nichts“ sind (1 Kor 8,4). Jesaja macht
sich lustig über die Bildnisse aus Holz (Jes 2,8; 40,18-26; 44,9-20; 46,1f). Trotzdem steht hinter
den nichtigen Götzen die Macht der Dämonen, die Satan dienen (2 Kor 10,19-22). Die Vereh-
rung der blinden, tauben, stummen, lahmen und leblosen Bildnisse waren eng verbunden mit
der Verehrung der Dämonen (Offb 9,20).

26
„Mein Sohn , unsere Götter und unserer Geister sind alles, was wir besitzen.“ aus Bramly, Macum-
ba, S. 35
27
2 Kor 4,4.
11

Doch das neue Testament geht in seiner Definition, was Götzendienst beinhalten kann, noch
um einiges weiter. Für Jesus kann das Geld oder der Besitz als „Mammon“ einen personalen
Machtanspruch über den Menschen erhalten (Mat. 6,24).
Oft wird von katholischer Seite eingewendet, dass die Ahnen bzw. Heiligen nicht angebetet,
sondern bloss verehrt (lat. venere) werden. Diese Unterscheidung ist aber bloss ein sprachlicher
Trick, um dem Vorwurf des Götzendienstes entgehen zu können. Richard Gehman sagt tref-
fend:
„Wheter or not honour given to a preson is idolatry ist not determined by our definitions, but by
the actual honour given from the heart.“28
Entscheidend, ob es sich um Götzendienst handelt oder nicht, ist also die Herzenseinstellung
des Menschen egal gegenüber was, sei es ein Objekt, ein Mensch, ein überirdisches Wesen oder
gar eine Idee. Wo diesen göttliche Eigenschaften beigemessen werden, stehen sie in direkter
Konkurrenz zu Gott, werden sie zu Götzen und der Anbeter zu einem Götzendiener.

3.1.2 Kontakt mit den Toten und die Haltung der Bibel

3.1.2.1 Besteht die Möglichkeit des Kontaktes mit den Toten?


Es ist eine Tatsache, dass die Menschen der Macumba ständig glaubwürdige Erfahrungen
machen, die ihre Weltsicht untermauern, dass die Toten, in diesem Fall ihre afrikanischen Ah-
nengötter, tatsächlich durch die Medien mit den ratsuchenden Menschen kommunizieren kön-
nen.
Deshalb stellt sich erst mal die Frage, ob die Bibel die Möglichkeit überhaupt einräumt, dass
die Lebenden mit den Toten sprechen können.
Mehrere Bibelstellen weisen darauf hin, dass die Lebenden nicht mit den Toten sprechen
können.29 In Hiob 7,7-10 sagt Hiob über sein Sterben: „kein lebendiges Auge wird mich mehr
schauen“ und „so kommt nicht wieder herauf, wer zu den Toten hinunterfährt“ und schliesslich
„er kommt nicht zurück, und seine Stätte kennt ihn nicht mehr.“
Auch der König David rechnet fest damit, dass sein wegen seines Ehebruchs verlorenes Kind
nicht wieder zurück zu bringen ist: „Nun es aber tot ist, was soll ich fasten? Kann ich es wieder
zurückholen? Ich werde wohl zu ihm fahren; es kommt aber nicht wieder zu mir zurück.“
Ausserdem weisen einige Bibelstellen darauf hin, dass die „Heiligen“ im Himmel in ihrer
Ruhe nicht gestört werden können (z.B. 2Kor. 5,1-10).
Die Geschichte des Lazarus und des reichen Mannes kann nicht als Beleg verwendet werden,
dass die Lebenden mit den Toten sprechen können, da es sich um zwei Tote handelt die mitein-

28
Richard J. Gehmann, Who are the living-dead?: A theology of death, life after death, and the living-
dead. Nairobi Kenya: Evangel Pub. House, 1999. S. 86; im Folgenden zitiert als Gehmann, Who are the
living dead?
29
Gehmann, Who are the living dead?, S. 139ff
12

ander sprechen. Abgesehen davon handelt es sich hierbei wahrscheinlich um eine fiktive,
gleichnis-ähnliche Erzählung Jesu und nicht um einen Tatsachenbericht. 30 Ausserdem sagt Je-
sus, dass selbst ein Auferstandener die Brüder des reichen Mannes nicht zur Umkehr gebracht
hätte. Interessanterweise stellt Jesus gerade in diesem Gleichnis das Wort Gottes („Mose und
die Propheten“) dem Kontakt mit den Toten gegenüber und gibt ihr eine einzigartige und aus-
schliesslichen Sonderstellung.
Bloss eine einzige Stelle in der Bibel gibt den Anschein, dass die Lebenden mit den Toten
sprechen können: 1. Samuel 28 wo Saul bei der Frau mit dem Wahrsagergeist um Rat sucht. Zu
diesem Text gibt es drei verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten 31.
1. Die Erscheinung des Samuel war ein reiner Schwindel.
2. Der Geist war wirklich Samuel
3. Der Geist war nicht Samuel sondern Satan selbst
Vertreter der ersten Interpretation gehen in der Regel davon aus, dass es Wahrsagergeister
oder gar Besessenheit in der Art nicht mehr gibt. Es handelt sich dabei immer nur um Täu-
schung. Diese Haltung wird aber der Wirklichkeit, wie sie die Animisten wahrnehmen nicht ge-
recht.
Die zweite Interpretaion wird hingegen, wie wir bereits gesehen haben, dem Kontext der Bi-
bel nicht gerecht. Ausserdem ist es schwer vorstellbar, dass der verstorbene Samuel in seiner
Ruhe gestört werden konnte. Gegner dieser Interpretation wenden ein, dass es allein Sauls Inter-
pretation war, dass der alte Mann mit einem Priesterrock Samuel sein musste, da ja nur die
Wahrsagerin den Geist wirklich sah. An diese Interpretation seien die Bibelausleger nicht ge-
bunden.
Die dritte Gruppe geht davon aus, dass alle Begegnungen mit den Toten, worunter auch die-
se Begebenheit gehört, eine Täuschung des Teufels sind, was auch die Haltung der Reformato -
ren war. Dagegen wenden einige ein, dass die Prophetie tatsächlich eingetreten ist. Aber warum
sollte der Teufel nicht auch die Zukunft voraussagen können? 32
Diese dritte Interpretationssicht wird dem Animistischen und biblischen Weltbild wohl am
meisten gerecht. Kontakte mit dem Jenseits sind tatsächlich möglich. Es handelt sich dabei aber
nicht um die Ahnen, sondern um Dämonen, die damit ihre versklavende Macht über die Men-
schen ausüben.

30
Der Einwand es handle sich um eine wahre Begebenheit, weil der Name des armen Mannes bekannt
sei, ist nicht ganz stichhaltig. Lazarus heisst nämlich „Gott hat geholfen“, was auch metaphorisch gemeint
sein kann.
31
Gehman, Who are the living dead?, S. 142ff.
32
Eine vierte durchaus denkbare Interpretation wäre, dass Gott selbst diese ausserordentliche Erschei-
nung geschehen liess. Ob es sich dabei um einen Geist oder Samuel selbst handelte, sei einmal dahinge-
stellt. Gott hatte Samuel weder durch Träume noch durch das Los noch durch die Propheten geantwortet,
aber durch das Medium von En-Dor, um ihm seinen Abfall vor Augen zu malen.
13

Auch aus system-theologischer Sicht könnte man einen Einwand gegen die Möglichkeit des
Kontaktes mit den Toten einbringen. Wenn wir davon ausgehen, dass, wie die Bibel sagt, das
Leben nach dem Tod ewig ist, das heisst ewige Seeligkeit oder ewige Verdammnis, dann ist es
naheliegend auch davon auszugehen, dass wir nach dem Tod nicht mehr an Raum und Zeit ge-
bunden sein werden. Ein Zwischenstadium bis zum Gericht wäre damit nicht mehr nötig, bezie-
hungsweise unmöglich. Dies würde auch den Kontakt mit den Verstorbenen ausschliessen, die
dann schon im Himmel oder in der Hölle wären (wie dies das Gleichnis vom Lazarus nahelegt).

3.1.2.2 Die Bibel verbietet den Kontakt mit den Toten


Gleich mehrere Stellen verbieten das Befragen der Toten:
Jesaja 8,19 warnt davor die Totengeister zu befragen. Stattdessen sollen wir die Weisung und
Offenbarung, also die Bibel konsultieren. Die Strafe, dass die Könige, Priester Propheten und
Bürger Israels die Götter der Sonnen und des Monds befragt haben, ist gemäss Jer 8,2, dass ihre
Gebeine ausgegraben und unter der Sonne und dem Mond verstreut werden und zu Dung wer -
den.
Direkt vor dem Gebot, dass die Alten geehrt werden sollen, kommt in Lev 19, 26b-32 das
Verbot die Geisterbeschwörer zu befragen, damit das Volk nicht unrein werde. Diese zusam-
menhängende Abfolge ist sicherlich nicht zufällig.
Am deutlichsten wendet sich Deut 18,10ff gegen die jegliche Form von Spiritismus:
dass nicht jemand unter dir gefunden werde, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer ge-
hen lässt oder Wahrsagerei, Hellseherei, geheime Künste oder Zauberei treibt 11 oder Bannungen
oder Geisterbeschwörungen oder Zeichendeuterei vornimmt oder die Toten befragt. 12 Denn wer
das tut, der ist dem HERRN ein Gräuel, und um solcher Gräuel willen vertreibt der HERR, dein
Gott, die Völker vor dir. 13 Du aber sollst untadelig sein vor dem HERRN, deinem Gott. 14 Denn
diese Völker, deren Land du einnehmen wirst, hören auf Zeichendeuter und Wahrsager; dir aber
hat der HERR, dein Gott, so etwas verwehrt. 15 Einen Propheten wie mich wird dir der HERR,
dein Gott, erwecken aus dir und aus deinen Brüdern; dem sollt ihr gehorchen.
Stattdessen verheisst Gott einen Propheten wie Mose, was ein klarer Hinweis auf Jesus
Christus ist.33

3.1.2.3 Wer sind die Geister, die mit den Menschen kommunizieren?
Mit einem simplen Verbot der Geisterbeschwörung und der Aussage, dass die Toten nicht
mit den Menschen sprechen können, werden wir dem animistischen Weltbild nicht gerecht. Wir
fördern den Synkretismus, wenn wir nicht auch eine glaubhafte biblische Erklärung dafür ha -
ben, wer hinter den Geistern steckt, die die Medien der Macumba in Besitz nehmen und durch

33
Joh 1,45.
14

diese zu den Menschen spricht. Diese Erfahrungen sind meist keine einfachen Täuschungen,
wobei das sicher auch vorkommen kann, und verlangen nach einer biblischen Erklärung.
Für Paulus ist klar, dass hinter den Machenschaften des Zauberers Elymas der Teufel selbst
steckt.34 Satan ist der Verführer und Versucher (Mat 4,3; 1.Thes 3,5). Jesus nennt den Teufel
den Vater der Lüge (Joh. 8,44). Das Wort diabollo heisst: auseinanderbringen, anklagen, ver-
leumden, täuschen. Satan kann die Menschen täuschen indem er sich als „Engel des Lichts“ gibt
und „Zeichen und Wunder“ tut (2Kor 11,14 und 2Thes 2,9.10). Von daher gibt es aus biblischer
Sicht keine Unterscheidung zwischen Macumba (weisse Magie) und Quimbanda (schwarze Ma-
gie). Durch beide übt Satan seine knechtende Macht über den Menschen aus, die sich darauf
einlassen.
Die Diener Satans sind die Dämonen oder, wie sie Paulus insbesondere im Epheserbrief be-
schreibt, die „Mächte und Gewalten“. Sie werden als personale (Luk 4,33-35, 41; 8,28-30),
mächtige (Eph 6,12), unreine (Sach. 13,2; Mat 10,1 u.a.), körperlose (Luk 11,24-26), gefallene
(Jud 6; 2 Pet 2,4) und dem Satan untergebene Wesen (Mat 12,24-26) beschrieben. In Psalm
106,36-38 lernen wir, dass Götzendienst letztlich Geisterverehrung ist. Hinter den Göttern, den
Ahnen und den Götzen steht also der Teufel und sein Heer von Dämonen. Sie sind es, die den
Menschen die Wesensart der Ahnen vortäuschen.
Interessanterweise bietet der wichtigsten Orixás, Exú, der den Teufel repräsentiert, den ge -
eignetsten Ansatzpunkt, um zu erklären, weshalb hinter den Ahnengeistern die Dämonen ste-
cken. Exú entspricht in ganz vielen Bereichen dem Teufel, wie er in der Bibel dargestellt wird.
Ein Teil Exús ist in allen Göttern vorhanden. Die Bibel sagt auch, dass der Teufel hinter den
Dämonen steht, die die Menschen in Besitz nehmen. Exú zeigt das Gesicht, das man in ihm se -
hen will und er ist ein Meister der Täuschung. Satan ist ein Lügner, Verführer und ebenfalls
Meister der Täuschung. Es ist deshalb manchmal schwer zu erkennen, ob er gut oder böse ist.
Exú ist der Wegbereiter für die anderen Götter und Mittler zwischen den Menschen und den
Göttern. Wir wissen dass Satan seine Dämonen zu den Menschen schickt, um ihnen den Kon -
takt mit den Toten vorzutäuschen. Doch der wahre Mittler zwischen Mensch und dem lebendi-
gen Gott ist Jesus Christus (1Tim 2,5).
Wenn Exú im biblischen Sinn der Teufel, der Herr der finsteren Mächte ist, dann sind die
Geister, die herab kommen die Diener Satans, die die Ratsuchenden in ihrem Bann halten.

3.2 Magie und die lebendige Beziehung zum Gott-Vater als Alternative
Die Magie ist der Versuch durch Handlungen oder Gegenstände Gott oder die Götter zum
Handeln zu bewegen. Die Bibel lehnt jede Form von Magie ab.

34
Apg 13,10.
15

Mose musste das auf schmerzliche Art und Weise lernen. Bei Massa und Meriba sollte Mose
mit seinem Stock auf den Felsen schlagen, worauf trinkbares Wasser heraussprudelte. 35 Beim
zweiten Mal sollte Mose zum Felsen „bloss“ sprechen 36. Doch Mose nun auf seinen „magi-
schen“ Stab vertrauend schlug wieder auf den Felsen. Im Mittelpunkt steht der Stab Moses und
nicht Gottes wundersames Handeln. Mose verwehrt dadurch Gott die Ehre. Gott verwehrt Mose
darauf hin den Einzug in das verheissene Land.
Jesus und seine Jünger trieben die Dämonen mit „einem Wort“ 37 aus und unterschieden sich
dadurch in ihrer Methodik von den heidnischen Geisteraustreiber. „He eliminated all physical
materials which had been traditionally used in magic“ 38
Doch auch das Wort oder gar der Glaube kann magisch benutzt werden. Als die Jünger nach
ihrer Aussendung und den wunderbaren Erlebnissen, die sie gemacht hatten, zu Wissen glaub-
ten, wie man böse Geister austreibt, waren sie erfolglos, als sie dem Mann mit seinem besesse -
nen Sohn helfen wollten. Jesus befahl ihnen: „Bringt ihn her zu mir!“ 39 Die Jünger hatten auf ih-
ren Glauben und auf ihre Methodik vertraut, statt den Knaben vor den Herrn zu bringen. Im sel -
ben Zusammenhang sagt Jesus, dass der Glaube wie ein Senfkorn nicht wegen der Menge des
Glaubens so wirkungsvoll ist, dass er Berge versetzen kann 40, sondern weil sich dieser Glaube,
und sei er noch so klein wie ein Senfkorn, an den allmächtigen Gott richtet, dem alles möglich
ist.
Als die Jünger Jesus danach fragten, warum sie den bösen Geist des Jungen nicht austreiben
konnten, antwortete er ihnen: „Diese Art kann durch nichts ausfahren als durch Beten.“ Obwohl
er gerade anders gehandelt hatte. Mit anderen Worten: Die Jünger hatten zu wenig auf Gott ver-
traut und ihn nicht im Gebet und Fasten gesucht und hatten sich zu fest auf ihre Methoden ver -
lassen. Dieser Bericht ist eine Kampfansage an jegliche Magie.
Kennzeichen der Magie ist, dass sie Gott die Ehre entzieht und sie Ritualen, Gegenständen
oder Menschen überträgt. Der Versuch sich Gott zu bemächtigen widerspricht der Souveränität
und Allmacht Gottes.
Während in der Magie Mana manipulativ genutzt wird, steht bei Gott die Beziehung mit sei-
nen „Kindern“ im Vordergrund. Gottes Souveränität wird dadurch nicht angetastet. Gott ist ein
liebender Vater, der die Beziehung mit seinen Kindern sucht und nur das Beste für sie will.
Lukas 11,9 (Bittet, so wird euch gegeben...) ist eine der Bibelstellen, die gerne zitiert wer -
den, um zu beweisen, dass der Glaube manipulativ benutzt werden kann. Doch die nachfolgen-
35
Ex 17,6f.
36
Num 20,7 ff.
37
Mat 8,16.
38
Everett Ferguson, Demonology of the Early Christian World, Symposium Series, vol 12, (Lewiston:
Edwin Mellen, 1984) S. 11, in van Rheenen, Communicating Christ, S. 118.
39
Mk 9,19.
40
Vgl. Mat 17,19 ff.
16

den Verse (Luk 11,11-13) stellen klar, wie diese Aufforderungen gemeint sind. Nicht das Gebet
des Glaubenden steht im Mittelpunkt, sondern die Beziehung zwischen Gott und dem Beter,
eine Beziehung wie ein zwischen Vater und Sohn.
Das Gleichnis von der bittenden Witwe in Lukas 18,1-8 ist ein anderes Beispiel dafür, wie
die Bibel von Animisten missverstanden werden kann. Da Gott nicht mit dem bösen Richter
verglichen werden kann, können wir auch nicht dem Beispiel der bittenden Witwe folgen, die
dem bösen Richter in hartnäckiger aber despektierlichen Weise ihre Bitte vorbringt. In Vers 7
stellt Jesus der formalen und feindschaftlichen Beziehung von Richter und Witwe, die von Lie-
be und Hoffnung geprägte Beziehung von den Auserwählten, die „Tag und Nacht beten“, zu
Gott dem liebenden Vater, der ihre Bitten „nicht lange hinziehen“ wird. Ausserdem bezieht sich
dieses Gleichnis auf die Bitte um das zweite Kommen Jesu, wie der Kontext zeigt.
Eine lebendigen Beziehung mit dem Schöpfer überwindet auch jeglichen Fatalisums und da-
durch entstandene Gottferne.

3.3 Power Encounter


In seinem Buch „Communicating Christ in Animistic Context“ hat Gailyn van Rheenen dem
Thema „Change in Animistic Societies“ ein Kapitel gewidmet. Neben dem in dieser Arbeit an-
gewendeten Ansatz von Paul Hiebert, der von Veränderung auf der Weltbild Ebene ausgeht,
stellt der Autor das „Power Encounter“ von Alan Tippett vor. 41
Während viele Missionare in ihrer Verkündigung Fragen der „high religion“
beantworten(Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Was ist der Sinn des Lebens?), interessiert
sich der Animist eigentlich für Fragen der „low religion“ (Warum bin ich krank? Was hat mich
krank gemacht? Warum ist meine Tochter gestorben? Wer hat die Trockenheit herbeigeführt?).
„In animistic settings power is at the very center of a people's worldview an cannot be neglec-
ted.“42
Timothy Kamps definiert Power Encounter sehr treffend:
„A power encounter is a spiritual encounter that exposes and calls to account the powers of dar -
kness in their varied forms by the power of God for the purpose of revealing the identity of the one
True God resulting in an acknowledgment of and/or allegiance to His lordship by those
43
present“
Die Macht Jesu und die Macht des Bösen sind beide gegenwärtig und in Konkurrenz in unse-
rer Welt, wie das Weizen und das Unkraut zusammen wachsen vor der Ernte (Mat 13,24-30, 36-
40).

41
Van Rheenen, Communicating Christ, S. 82.
42
a. a. O. S. 83.
43
a. a. O. S. 84.
17

Die Bibel ist voll von Ereignissen von Power Encounter. Elia und die 400 Baalspriester (2Kö
18), Jesus trieb die Dämonen aus (Gedarener, Mat 5,1-20; Mat 12,22-28). Auch in der Urge -
meinde und in der Missionsgeschichte treffen wir immer wieder Power Encounter an. Bonifaci-
us etwa liess die heilige Donareiche, die dem Gott Thor geweiht war, fällen.
Echtes Power Encounter ehrt Gott. Wie wir gesehen haben, gibt es viele Kirchen in Brasili-
en, die das Power Encounter geradezu suchen. Doch oft steht danach nicht Gott im Zentrum,
sondern der vollmächtige „Pastor“, der scheinbar mehr Mana besitzt als der „Pai de Santo“ oder
die „Mãe de Santo“ des Macumba Terreiros. Power Encounter geht von Gott aus und nicht von
uns. In manipulativer oder gar magischer Weise benutzt, steht es im Widerspruch zu Gottes
Souveränität. Das Power Encounter sollte deshalb zugelassen werden, wenn es Seinem Willen
entspricht. Vieles, was als Power Encounter dargestellt wird, ist nichts geringeres als eine Täu-
schung des Teufels, den Durcheinanderbringer (vgl. Mat 7,22).
Es wird wohl auch schwierig sein Animisten für Jesus zu gewinnen, wenn die Christen stän-
dig die offene Konfrontation suchen. Zwar stehen das Reich Gottes und die Mächte der Dunkel-
heit in einem Krieg. Doch wir stehen nicht im Krieg gegen die Menschen, aus „Fleisch und
Blut“ sondern „mit den mächtigen der Welt“ (Eph 6,12). Gott liebt die Welt und möchte sie für
sich gewinnen (Joh 3,16). Aus diesem Grund besteht auch die Waffenrüstung mit Ausnahmen
des Schwerts, dem Wort Gottes, aus Verteidigungswaffen (Eph 6). Nie ruft uns Jesus zu einem
Kampf gegen das Böse auf, sondern für die frohe Botschaft.
Es besteht auch die Gefahr, dass Animisten bloss zum Christentum konvertieren, damit sie
mehr „Mana“ erhalten. Ein Beispiel hierfür könnte der Zauberer Simon sein, der Petrus und Jo -
hannes Geld anbot, damit auch er den Heiligen Geist durch Hand auflegen weiter geben konnte
(Apg. 8,18ff.). Bereits bei der Verkündigung muss deshalb darauf geachtet werden, dass die
Menschen verstehen, dass sie sich nun ganz Gott unterstellen. Die Veränderung kann nicht nur
äusserlich geschehen, was Synkretismus zu Folge haben würde, sondern muss von innen her
kommen, von einem „bekehrten“ Weltbild.
Van Rheenen fasst zusammen:
„Clearly, as this section has shown, power encounter is a central feature in turning an animist
from his beliefe in idols to serve the true and living God.“44

3.4 Theologie der Königsherrschaft Gottes 45


Eine reine Bekehrungstheologie, wie sie von westlichen Missionaren oft verkündigt wird, ist
für den animistischen Kontext aus zwei Gründen unzureichend. Erstens ist Bekehrung im ani -
mistischen Kontext meistens nicht individualistisch. Die Entscheidung zu Jesus Christus zu ge-

44
a. a. O. S. 90.
45
a. a. O. S. 127 ff.
18

hören wird meist in langen Diskussionen in der Gruppe gefällt. Zweitens geht die Botschaft der
Bibel weit über die Bekehrung hinaus. Es geht um einen Herrschaftswechsel, durch den der
Mensch nicht einfach nur von Sünde befreit wird, sondern auch von der Macht Satans (1Joh
3,8).
Von Anfang an geht es um die Königsherrschaft Gottes. Das Volk Israel wurde erwählt ein
„Königreich von Priestern“ zu sein. Als Israel einen König wollte, sagte Samuel, dass Gott ihr
König sei (1Sam 8,1-8). Selbst als Saul gesalbt wurde, war klar, dass das „Erbteil“ Gott gehört.
Doch Israel hat seine priesterliche Rolle aufgegeben und ist den fremden Göttern nachgegan -
gen. Die Propheten aber verhiessen den König der kommen sollte und dessen Reich ewig blei-
ben soll (Jes 9,5-6; 52,7; Dan 2,44).
In Jesus Christus ist das Himmelreich „Nahe herbeigekommen“ (Mat 4,17; 10,7; Mk 4,17).
In Jesus Christus die Herrschaft Gottes definitiv in dieser Welt angebrochen. Doch sein Reich
ist nicht von dieser Welt (Joh. 18,36). Jesu Verkündigung vom Reich war begleitet von den
Werken, die die Macht Satans zerstörten (Mat 4,23-24).
Doch noch ist die Macht Satans nicht völlig zerstört und steht im Kampf gegen das Reich
Gottes (Mat 12,28). Doch Jesus hat über Satans Mächte triumphiert (Kol 2,15; 1Joh 4,4) in dem
er von den Toten auferstanden ist. Er hat damit den Tod überwunden. Auch Paulus verkündigte
den Sieg des Reiches Gottes über der Macht Satans (Apg 26,18; Kol 1,13).
Rheenen gibt 4 Gründe an weshalb die Verkündigung der Königsherrschaft Gottes geeignet
46
ist:
1. Die Königsherrschaft Gottes ist ein geeignetes biblisches Model, um ein neues Weltbild
vorzustellen, das die Erklärungsbedürfnisse des Animisten in materiellen und geistlicher Hin-
sicht befriedigt. Die Befragung von guten, ambivalenten oder bösen Geistern, Besessenheit und
weisse oder schwarze Magie gehören zum Reich des Satans. Dem Schöpfer Gott die Ehre geben
gehört zum Reich Gottes.
2. Die Herrschaft Gottes des Allmächtigen beschützt den Christen vor den Angriffen des
Teufels. Flüche und Fetische haben keine Macht mehr, besessene können befreit werden. Die
Beziehung zu Gott befreit von jeglicher Angst (1Joh 4,18). Der König Jesus ist grösser als der,
„der in der Welt ist“ (1Joh 4,4).
3. Die Königsherrschaft macht keine Trennung zwischen dem Natürlichen und Übernatürli-
chen. Sie anerkennt, dass dass wir zwischen den Machtbereichen Satans und Gottes stehen.
4. Die Theologie der Königsherrschaft ist systemisch ganz im Gegensatz zur individualisti-
schen Bekehrungstheologie. Ziel ist die Bekehrung des gesamten kulturellen und sozialen Sys-
tems. Ethik und Moral müssen zur Verkündigung der Königsherrschaft Gottes gehören.

46
a. a. O. S.139ff.
19

„The metaphor which does stir the heart of the animist ist that of Christ, the triumphant one, who
defeats the prinicipalities and powers. In his death Christ „disarmed the rulers and authorities“
and „made a public display of them“ (Col. 2:15 NASB)“47
Das Konzept, das den Animisten am meisten anspricht ist das des „Christus Victor“, welches
von Gustav Aulen wiederentdeckt wurde. Wie wir gesehen haben war es auch das Konzept Pau-
lus', insbesondere wenn er in den ersten Hellenistischen Gemeinden mit Animistischen Prakti-
ken konfrontiert war.
Eine Überbetonung dieses Konzepts beherbergt aber die Gefahr eines Triumphalismus, einer
Betonung der Macht, die Jesus, der alle Macht hatte bereit war am Kreuz aufzugeben.
„Only the message of the Triumphant One who defeats the powers will free the animist from his
bondage. May the news of the Triumphant One be mightily proclaimed!“48

47
a. a. O. S. 141.
48
a. a. O. S. 142.
20

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