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Der Poebel Dennis Nachgedacht

Nachgedacht: HAMILTON-
Singalong in Hamburg – To
the musical revolution!
Von Dennis Traud - 18. Februar 2019

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An einem nasskalten Januarabend, irgendwo


in Hamburg. Die Musical-Revolution hat
Deutschland endgültig erreicht – der erste
Hamilton-Singalong hierzulande findet statt.
Ein kurzer Bericht:

Bei den „Singalongs“ handelt es sich im


Grunde um Musical-Karaoke, die vor allem in
Amerika und England populär ist: Fans und
Interessierte treffen sich, um zusammen ein
Stück durchzuhören und gemeinsam zu singen
(in diesem Fall sogar rappen). Wer sich traut,
darf dabei gerne selbst zum Mikro greifen und
einen Song performen. Besonders beliebt für
die Singalongs ist „Hamilton“, das
preisgekrönte Hip-Hop-Musical von Lin-Manuel
Miranda über einen der Gründerväter und
ersten Finanzminister der USA, welches längst
vom Broadway-Hit zum kulturellen Phänomen
geworden ist – und das sogar über die
Grenzen der USA hinweg. Auch in der
deutschen Musical-Community ist „Hamilton“
schon lange kein Geheimtipp mehr. Da war der
erste Singalong hierzulande nur eine Frage der
Zeit. Und welche Stadt wäre für so ein Event
besser geeignet als die deutsche
Musicalmetropole Hamburg.

Dass es überhaupt dazu kommen konnte, ist


dem Hamburger Malte Ohlsen zu verdanken,
für den der Abend die Erfüllung eines
Herzenswunschs war. Für Ohlsen, selbst
großer Hamilton-Fan, ist es die perfekte
Verbindung sämtlicher theatralischer und
dramatischer Elemente, die das Musical so
besonders machen. Dennoch stechen Musik
und Texte natürlich hervor: „Selbst nach dem
Singalong höre ich die Songs immer noch fast
jeden Tag – und das seit nun mehr als 3
Jahren.“ Die Idee hatte er, nachdem er
erstmals von diesen Events in den USA las:
„Ich wollte meine Begeisterung für das Musical
unbedingt zum Ausdruck bringen und dachte
mir, warum sollte sowas nicht auch in
Deutschland funktionieren?“ Schwierig war es
zunächst, einen geeigneten Veranstaltungsort
zu finden. Letztendlich konnte er aber die
Verantwortlichen der Zinnschmelze in
Hamburg-Barmbek von seiner Idee
überzeugen, die einen kleinen Saal inklusive
Technik zur Verfügung stellten und den
Kartenverkauf übernahmen. Um das
allgemeine Interesse abzuschätzen und kein
finanzielles Risiko einzugehen, startete Ohlsen
im Oktober ein Crowdfunding-Projekt und
nutzte die sozialen Medien, um auf die
Veranstaltung aufmerksam zu machen. Es
dauerte nur wenige Wochen, bis die
Finanzierung gesichert war.

Am 11. Januar war die Zinnschmelze dann


tatsächlich ausverkauft und die ca. 120 Gäste
erwartete eine bestens hergerichtete Location.
Das Publikum bestand aus einer bunten
Mischung aus Hardcore-Fans, die das Musical
bereits in London oder New York sehen
konnten, und „Stück-Neulingen“, die die
Neugier an diesem Abend in die Zinnschmelze
verschlagen hat. Auch konnte man dort alle
Altersklassen antreffen und sogar einige
Hamilton-Shirts konnte man im
Zuschauerraum erblicken. Im Vorfeld hatten
sich bereits etwa 20 Interessierte gemeldet,
um einzelne Parts während des Singalongs zu
übernehmen. Diese konnten sich online für die
46 Songs des Musicals eintragen. Hierbei
wurden jedoch keine Rollen durchgängig
besetzt, mit jedem Lied wechselten die
Akteure auf der Bühne, die teilweise extra zu
diesem Anlass aus Hessen oder NRW in die
Hansestadt gereist sind. Unter ihnen waren
sowohl fortgeschrittene Musical-Studenten als
auch Laiendarsteller, die bereits im Amateur-
oder semiprofessionellen Bereich auf der
Bühne standen. So sangen an diesem Abend
viele Menschen miteinander, die sich vorher
noch nie begegnet waren, alle verbunden
durch die gemeinsame Leidenschaft für
„Hamilton“. Der Großteil der Solosänger lernte
sich erst unmittelbar vorher kennen, sodass
einiges an Improvisationstalent bei den
gemeinsamen Songs gefragt war, doch die
Chemie untereinander stimmte sofort.
Organisator Ohlsen ließ alle Lyrics synchron
zur Musik über eine Leinwand laufen, ergänzt
durch Illustrationen und Memes. So konnten
die „Neulinge“ die Geschichte besser verfolgen
und natürlich jeder mitsingen, der beim
längsten Libretto eines Musicals (20.000
Wörter!) nicht ganz so textsicher war.

Schon gleich zu Beginn wurde deutlich, wie


diese Veranstaltung ablaufen sollte: Vom
ersten Takt an gab der halbe Saal gemeinsam
und lautstark den Opener zum Besten, was bei
der anderen Hälfte des Publikums anfangs
noch für etwas ungläubiges Erstaunen sorgte.
Doch dieser Enthusiasmus sollte den ganzen
Abend tragen und letztendlich auch die
anderen Gäste infizieren. Nach etwa drei
Stunden, in denen die gemeinsame
Begeisterung für „Hamilton“ im Mittelpunkt
stand, gab es für alle Mitwirkenden und
Organisatoren viel Beifall und Standing
Ovations. Der erste Hamilton-Singalong
Deutschlands war ein großer Erfolg und
Riesenspaß für alle Beteiligten, die das Musical
gemeinschaftlich zelebrierten. Ein wirklich
fantastischer Abend! To the revolution!

Schnell war klar, dass es nicht bei einem


einmaligen Event bleiben sollte. Mittlerweile
steht bereits fest, dass der Singalong am 8.
Februar 2020 in die zweite Runde geht. Karten
für die Veranstaltung kann man sich
vorrausichtlich ab April hier sichern.

„Hamilton“ soll 2020 nach Hamburg kommen.


Unseren immer noch aktuellen Kommentar zu
diesem Thema findet ihr hier. Wer mehr über
das Musical erfahren möchte, dem empfehlen
wir auch unseren Musical des Monats-
Artikel und unsere Review zur Londoner
Produktion.

Beitragsbild: © Malte Ohlsen

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Hansen“ in New York – Show“ in Amstetten mit
Über die Anstrengung, Gino Emnes, Filippo
sich nicht fallen zu lassen Strocchi und Katja Berg

Dennis Traud
"„The musicals that leave us kind of staggering on
our feet are the ones that really reach for a lot.“
(Lin-Manuel Miranda)

Lieblings-Musical(s): „Hamilton“, „Dear Evan


Hansen“, „Der Kleine Horrorladen“, „HAIR“
Lieblings-Komponist: Leonard Bernstein, Alan
Menken, Lin-Manuel Miranda
Lieblings-Texter: Lin-Manuel Miranda
Musical-Fan seit: „Der König der Löwen”
(Hamburg)
An Musicals fasziniert mich: Die unglaublich
große Bandbreite an Themen, Formen, Musikstilen.
Nichts ist unmöglich und nichts zu ungewöhnlich.

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