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Allgemeines

Das Inka-Reich wie es zur Blütezeit seiner Kultur existierte, erstreckte sich von der
Landenge Panamas im Norden bis in zu den Wilden Einöden Patagoniens im Süden.
Im Osten wird es von den Urwäldern Südamerikas begrenzt und im Westen vom
Stillen Ozean. Es umfasste also teilweise Gebiete der heutigen Staaten Peru,
Ecuador, Chile und Bolivien.
Zugleich umfasste es extrem unterschiedliche Klimazonen. In den knapp 500
Kilometern von der peruanischen Hauptstadt Lima am Stillen Ozean bis zu den
Urwäldern des Urubambagebietes, müssen ca. 5000 Höhenmeter überwunden
werden.
Umso erstaunlicher ist es, dass unter diesen Verhältnissen eine Hochkultur wie die
der Inka entstehen konnte.
Im Gebirge der Anden bauten die Inka ausgeklügelte Bewässerungssysteme für den
Terrassenanbau von Mais und Kartoffeln. Die Straßen der Inka bildeten ein dichtes
Netz. Die Ebenen durchzogen Straßen, auf denen leicht sechs Reiter nebeneinander
laufen konnten und die reißenden Flüsse überspannten Hängebrücken, die selbst
eine Sänfte samt Trägern ungehindert passieren konnte.

Die Religion der Inka


Man unterteilt die Religion der Inka in zwei Phasen. Zuerst existiert der Kult um den
Schöpfergott Virachocha, welcher für das einfache Volk wenig Bedeutung hatte und
nur von der Oberschicht angebetet wurde. Er war einem monotheistischen Gott
schon sehr nah. Ihm wurden nur zwei Tempel in Cuzco und Racche gewidmet und
mit der Begründung, dass man einem Gott nichts schenken könne, weil er schon
alles besitze, wurden ihm auch keine Opfer gebracht. Er entstammt wahrscheinlich
Kulturen der Tiahuanaco am Titicacasee und der Huari.
Trotzdem wurde er später von dem neuen Sonnenkult verdrängt.

Der Anfang des Sonnenkultes


Der Sage nach stiegen vier Söhne und vier Töchter des Sonnengottes Intis aus der
30 Kilometer von Cuzco entfernten Höhle von Paccaritambo auf. Der bedeutendste
der Brüder, Manco Capac, soll seinen goldenen Stab an der Stelle des heutigen
Cuzco in die Erde gerammt haben. Die Erde solle den Stab aufgenommen haben
und somit ihr Einverständnis erklärt haben.
Die Begründer der Inka gehörten wahrscheinlich einem Stamm in den Zentralanden
an. Der Name Inka kam erst mit dem sechsten Herrscher auf, welcher Sapay Inka
genannt wurde.
Pachacùtec dem neunte Herrscher der Inka, erschien einer anderen Sage nach der
Sonnengott Inti:
„Komm zu mir, mein Kind, und fürchte dich nicht, denn ich bin dein Vater, die Sonne.
Ich weiß, dass du viele Völker unterwerfen und mich immer ehren und mit Opfern
meiner gedenken wirst.“ Und er zeigte ihm mit einem magischen Kristall die Gebiete,
die er erobern solle.
Pachacùtec nahm sich die Worte zu Herzen und unter seiner Herrschaft erhielt das
Inkareich einen beträchtlichen Teil seiner damaligen Größe.
Gottheiten
Der Gott Virachocha wurde immer noch als Schöpfer angesehen hatte, aber sonst
keine Bedeutung mehr. Den ursprünglichen Bewohnern der Anden diente er aber als
Verbindung zu dem neu hinzugekommenen Sonnengott Inti, welcher erst mit dem
Einzug des Sonnekults und seiner Vormachtstellung im Inkastaat eingeführt wurde.
Um ihre Herrschaft zu begründen und zu verdeutlichen, stellten die Inka ihn an die
Spitze ihres Pantheons.
Die Inka hatten eine Vielzahl von Gottheiten. Dies ist auf die eroberten Stämme
zurückzuführen, welche alle eigene Götter in den zentralen Sonnenkult einbrachten.
Die Inka verehrten die Naturgewalten als Götter. So gab es Regen-, Fruchtbarkeits-
und Meeresgötter, welche dem Sonnengott untergeordnet waren.
Die ländlichen Inka verehrten außerdem Sterne, Steine, Tiere und Pflanzen welche
„huaca“ genannt wurden, dieses Wort stand für jegliche Art von heiligen Dingen.

Der Staat
Der Inkastaat war hierarchisch aufgebaut. An seiner höchsten Stelle stand der Sohn
der Sonne, der den Titel „Sapay Inka“ trug. Er galt als Inkarnation des Sonnegottes
selbst. Er heiratete stets seine älteste Schwester. Diese galt dann als Tochter des
Mondes und Inkarnation der Mondgöttin Mama Quilla. Der Sapay Inka war sowohl
oberster weltlicher als auch geistlicher Herrscher.

weltlich
Die nächste Klasse auf weltlicher Ebene war der Erbadel. Diese waren Nachfolger
der ersten Inka und wurden Cápac Inka genannt. Sie wurden als Verwalter der
Territorien des Inkareiches eingesetzt und kontrollierten die wertvollen Güter der
Inkas, wie Lamas, Gold und Silber und Koka.
Aus Mangel an fähigen Cápac Inkas wurde eine zweite Klasse eingeführt, die Hahua
Inka. Sie wurden durch besondere Leistungen oder Vertrautheit mit dem Sapay Inka
in diesen Stand erhoben. Auch ihnen wurden Ländereien zur Verwaltung zugeteilt.
Häuptlinge und Clanälteste unterworfener Stämme durften weiterhin Oberhaupt
eines Stammes bleiben. Somit blieb ein Teil der Autonomie erhalten. Sie waren aber
trotzdem dem Verwalter ihres Gebietes unterstellt. Sie wurden Curacas genannt.

geistlich
Das zweite geistliche Oberhaupt neben dem Inka, meist ein Bruder oder Onkel, ist
der „Villac Umu“, der Hohepriester. Er lebte in Askese und Keuschheit meist vor den
Toren der Stadt, um ungestört meditieren zu können. Nur zu Festen trat er in
pompösen Aufzug auf. Er fungierte gleichzeitig als Richter.
Weiterhin gab es zehn „Prälaten“ welche die geistliche Aufsicht über die Ländereien
des Reiches hatten. Ihnen waren wiederum ca. 4000 Priester und Priesterinnen, die
Hamautas, unterstellt, welche das Land bereisten und die Einhaltung der religiösen
Grundsätze kontrollierten.
Coricancha - Der Sonnentempel von Cuzco
Dem Sonnengott war das größte Staatsheiligtum, der Sonnentempel in Cuzco
gewidmet. Dort wird er als große goldene Scheibe mit Strahlen und menschlichem
Antlitz dargestellt. Der Tempel war ein reich mit Gold und Silber geschmücktes
Bauwerk. In der Mitte befand sich die ovale Goldplatte auch Ur-Ei oder Urgeschöpf
genannt. Es stellte das höchste Wesen aller Wesen, die „Sonne der Sonnen“ dar.
Rechts und links wurde das Ei von Sonne (Gold) und Mond (Silber) flankiert.
Später wurde das Ei aufgrund eines Religionsaufstandes durch eine wagenrad-große
Scheibe, ein Bild der Sonne, ersetzt, wodurch die Sonne zweimal vorhanden war,
und für viel Verwirrung sorgte.
Der übrigen Flächen des Raumes waren mit überwiegend kosmischen Symbolen
geschmückt.

Panaca – Der Ahnenkult


Auch die Inka maßen dem Leben nach dem Tod eine zentrale Bedeutung zu. Der
Kult, den König zu neuem Leben zu erwecken, das heißt einen verstorbenen
Herrscher zu mumifizieren, war von großer Bedeutung. Der Inka blieb in seinem
Palast auf seinem Thron, und seine Untertanen kümmerten sich weiterhin um sein
Wohlergehen. Man sprach mit ihm, bat um Rat, wobei Dolmetscher eingesetzt
wurden. Auch die Getränke und Früchte wurden gereicht.
Die toten Inkas besuchten sich untereinander in Sänften und waren zu Volksfesten
mit Maisbier und einem Trinkspruch zur Stelle. Deshalb wurde auch für jeden neuen
Inka König ein neuer Palast gebaut. Die Unterhaltung der Königsmumien war ein
sehr teures Unterfangen, doch so beliebt, dass sich der Sapay Inka Huáscar, bei
dem Versuch diese Tradition abzuschaffen, viele Feinde machte.

Die Mumifizierung
Wie auch die alten Ägypter glaubten die Inka an ein Leben nach dem Tod. Deshalb
war es im Interesse der Verstorbenen, den Leichnam so gut wie möglich vor der
Verwesung zu schützen.
Der Leichnam war in vier Tuchschichten eingewickelt, welche die vier Etappen des
Weges in den Himmel darstellten. Auf dem Sackartigen Bündel war meist ein aus
Holz oder Stein gehauener Kopf, welcher der Mumie ein menschliches Aussehen
gab. Je nach Stand des Toten hatte er eine eigene Grabkammer mit dem
persönlichen Besitz. Dieser wurde nicht vererbt, sondern für den weiteren Gebrauch
im Jenseits mitgenommen.
Die ersten Leichname wurden vermutlich schon 4000 v. Chr. mumifiziert. In den
trockenen Wüstenregionen (Atacama- und Nazcawüste) am Stillen Ozean wurden
die meisten Leichen durch die trockene Luft natürlich konserviert. Später half man
dem Austrocknungsprozess durch Trocknen über dem Feuer und dem
Einbalsamieren mit dem teerartigen Bitumen nach.
Opferhandlungen
Opfer wurden in vielerlei Hinsicht erbracht. Zum einen kasteiten sich die Indios
selbst, indem sie auf Teile ihres eigenen Luxus verzichteten, so zum Beispiel einen
Becher umzuschütten oder eine halb ausgekaute Cocakugel ausspucken. Man
opferte aber auch gezielt. Zum Beispiel beschwichtigte man den Ozean, indem man
Maismehl in die Brandung warf.
Allerdings brachten sie auch große materielle Opfer. So wurde in Cuzco jeden Tag
ein Lama als Opfergabe für die Sonne verbrannt. Hierfür existierte ein stets
brennendes Opferbecken. Auch Menschen wurden in dieser Grube geopfert. Ferner
wurden Grundnahrungsmittel wie Mais und Koka verbrannt.

Menschenopfer
Die Spanier berichteten zwar von blutigen Menschenopfern die dem Gott Inti
dargebracht wurden, doch ging man davon aus, dass dies nur ein Vorwand war um
die Inka mit „Gottes Gnade“ abzumetzeln. Heutige archäologische Funde ermordeter
Männer, Frauen und Kinder beweisen aber eindeutig die Richtigkeit dieses Fakts. Bei
großen Krönungsfeierlichkeiten wurden bis zu 200 Kinder geopfert.
Nicht nur dem Sonnengott kamen diese Opfer zu, auch niedrigeren Berg- Gewitter-
oder Fruchtbarkeitsgöttern wurden diese Geschenke gemacht. Es wurden keine
Gefangenen oder Fremde geopfert, da diese es nicht würdig waren geopfert zu
werden. Für die Familien war die Opferung eine große Ehre, sie gingen davon aus,
dass ihr Kind dadurch einen besonderen Platz im Jenseits erhalten würde. Die Opfer
wurden vor der Zeremonie mit dem Maisbier Chicha oder Kokablättern betäubt.

Feste
Um den Zusammenhang von Ober- und Unterschicht zu stärken, organisierte der
oberste Inka auf seine Kosten Feste. So belohnte er den Fleiß und die Loyalität
seiner Untertanen, und hob gleichzeitig die Arbeitsmoral. Diese Feste dauerten meist
viele Tage und wurden von Tanz, Musik und Essen und trinken begleitet. Auch
Chicha wurde kräftig getrunken. Meist war der Anlass ein religiöser Feiertag, dem ein
Fest, welches einige Tage dauerte, folgte. Zum Beispiel das Cápac Raimi Fest,
welches dem heiligen „huara chicoy“ gewidmet und in Cuzco gefeiert wurde. Nach
den religiösen Kulthandlungen und einer Prozession mit heiligen Reliquien, welche
durch die Straßen getragen wurden, folgten die Feierlichkeiten.
Religion der einfachen Leute
Die einfachen Inka waren nicht so sehr mit dem Sonnenkult vertraut, sie vertrauten
und glaubten eher an Geister oder alte Stammesgottheiten. Sie fühlten sich von
übernatürlichen Wesen umgeben die es galt günstig zu stimmen. Sie maßen jedem
ungewöhnlichen Ereignis eine Bedeutung bei, auf das eine Reaktion folgen musste,
um mögliche Katastrophen abzuwenden. So musste beim Auftauchen von doppelten
Maiskolben oder eines unerkannten Pfiffes ein komplexes Abwehrsystem in Aktion
treten, zum Beispiel die ganze Nacht hindurch zu tanzen.
Die Inka besaßen Hausgötter die sogenannte „Konopa“. Ihnen wurden regelmäßig
Gaben dargebracht und hatten für die Bewohner eine weitaus höhere Bedeutung als
der Sonnengott selbst, so sorgte er doch für ihr tägliches Wohlergehen.
Doch nicht nur im eigenen Haus wurden Götter angebetet. Wie schon erwähnt gab,
es eine ganze Reihe von „huaca“, dies waren Bergspitzen, Bäume, Tiere, Steine,
Täler, alles was den Inka heilig vorkam. Auch ihnen wurden Opfergaben gebracht
und nicht selten reiste man einen langen Weg um einen bestimmten huaca mit
Opfern und Gebeten um Hilfe zu bitten.

Das Ende der Inka


Man schrieb das Jahr 1533 als der spanischen Eroberer Pizarro mit einem Freibrief
Karl V. in Peru anlangte. Es gelang ihm, mit nur 200 Spaniern 4000 unbewaffnete
Inka in Cajamarca niederzumetzeln. Dabei wurde der derzeit regierende Sapay Inka
Atahualpa gefangen genommen. Er wurde später hingerichtet. Sein Sohn, Manco
Inka, wurde nach einem erfolglosen Widerstandsversuch in die Berge getrieben.
Die letzten Inka suchten in der legendären Stadt Machu Picchu und Vilcabamba
Unterschlupf, wurden aber von den Spaniern aufgespürt. Ihrem König, Túpac Amarú,
wurde in Cuzco der Prozess gemacht.

Den Inka wurden nicht nur die überlegenen Waffen der Eroberer zum Verhängnis.
Auch eingeschleppte Krankheiten, wie die Pocken, und naives Vertrauen in die
weißen Männer besiegelte ihren Untergang.