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Kommunikation mit medizinischen Diensten und Gerichten

3.3. Über eine Einrichtung informieren

Tag der offenen Tür in der Villa Sonntag


Beim Tag der offenen Tür spricht eine Interessentin Frau Martin an.

Frau Lindholm Guten Tag.

Frau Martin Guten Tag. Kann ich Ihnen helfen?

Frau Lindholm Ja, vielleicht. Lindholm mein Name. Wir pflegen meinen Schwiegervater
zu Hause, aber wir wollten uns einfach mal anschauen, ob Ihre
Einrichtung in Frage kommt, falls er irgendwann deutlich mehr Pflege
braucht. Deshalb sind wir mal vorbei gekommen, und es gefällt uns
sehr gut hier. Können Sie uns wohl noch etwas über die Kosten
aufklären, die dann auf uns zukommen würden?

Frau Martin Ja gerne, kommen Sie doch mit in mein Büro. Nehmen Sie Platz.

Frau Lindholm Danke.

Frau Martin Die Kosten richten sich danach, wie viel Pflege benötigt wird. Das wird
in 3 Pflegestufen unterteilt. Unser Heim kostet zwischen 2.600 Euro für
Pflegestufe 1 und 3.500,- Euro pro Monat für Pflegestufe 3.

Frau Lindholm Müssen wir das alles alleine bezahlen?

Frau Martin Nein, von den Kosten werden feste Beträge von der Pflegeversicherung
übernommen.

Frau Lindholm Wie hoch sind diese Beträge?

Frau Martin Das richtet sich nach der Pflegestufe. Bei Pflegestufe 1 sind es 1.023,-
Euro, bei Pflegestufe 2 1.279,- Euro und bei Pflegestufe 31.550,- Euro.

Frau Lindholm Und woher wissen wir, welche Pflegestufe mein Schwiegervater hat?

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3.3. Über eine Einrichtung informieren

Frau Martin Das entscheidet der Medizinische Dienst. Grob lässt sich sagen, Stufe 1
bedeutet, dass jemand erheblich pflegebedürftig ist, weil er bei der
Ernährung, bei der Mobilität oder bei der Körperpflege bis zu 90
Minuten Unterstützung braucht. Wenn sich dann noch der
Gesundheitszustand verschlechtert, steht Pflegestufe 2 an. In Stufe 3
werden Menschen eingestuft, die schwerstbedürftig sind, das heißt, sie
brauchen rund um die Uhr Betreuung. Aber das entscheidet, wie
gesagt, der Medizinische Dienst.

Frau Lindholm Okay, und wir müssen dann den Rest bezahlen, der übrig bleibt, wenn
der Betrag der Pflegeversicherung abgezogen wurde, oder?

Frau Martin Ja genau. Zunächst wird die Pflegeversicherung angerechnet. Als


nächstes wird die Rente herangezogen. Und wenn beides noch nicht
genug ist - und das ist es in vielen Fällen nicht - dann wird das
Vermögen des zu Pflegenden herangezogen. Wenn das zum Beispiel in
einem Haus steckt, dann muss das häufig verkauft werden. Das wird
dann meistens etwas schwierig. Als letztes wird die Familie
herangezogen. Das entscheiden aber in der Regel nicht die Angehörigen
selber, sondern das Sozialamt übernimmt zunächst die Kosten für den
Heimplatz und wendet sich dann an die Familie. Das Sozialamt prüft
dann die Einkommensverhältnisse und entscheidet, wer wie viel zu
zahlen hat.

Frau Lindholm Danke, jetzt blicke ich langsam durch. Eine Sache liegt mir noch am
Herzen: man hört ja viel von Problemen, wenn alte Menschen im Heim
sind.

Frau Martin Oh ja, ich verstehe, dass Sie sich da Sorgen machen. In allen
Altenheimen ist die Heimaufsicht dafür zuständig, dass die Pflege
bestimmten Qualitätsstandards genügt. Sie überwacht, ob die
gesetzlichen Rahmenbedingungen eingehalten werden und kontrolliert,
ob Mängel auch wirklich beseitigt werden. In der Villa Sonntag gibt es
selten Probleme. Ich denke, wir haben nicht nur professionelle Pflege,
sondern auch einen liebevollen Umgang mit unseren Bewohnern,
deshalb sind unsere Bewohner insgesamt sehr zufrieden. Wir nehmen
die Anliegen unserer Bewohner ernst. Und es gibt auch einen

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3.3. Über eine Einrichtung informieren

engagierten Heimbeirat, der sich für größere Anliegen einsetzt.

Frau Lindholm Heimbeirat, was ist das denn?

Frau Martin In Senioreneinrichtungen gibt es eine Interessenvertretung, die von den


Bewohnern gewählt wird. Das sind bei unserer Größe - wir haben
ziemlich genau 80 Bewohner - 5 Vertreter im Heimbeirat.

Frau Lindholm Oh danke, das ist sehr interessant und klingt alles sehr positiv. Im
Moment haben wir für meinen Schwiegervater Unterstützung durch
einen Ambulanten Pflegedienst, mit dem wir auch sehr zufrieden sind.
Doch man weiß ja nie, wie es weitergeht, darum informieren wir uns
jetzt schon über Alternativen. Vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen
haben.

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